Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Geriatire-Sturzgefahr: Erblindet: Dichte der Rezeptoren für Botenstoffe: Gedächtnisbildung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie das Gehirn reagiert, wenn man blind wird

Wenn Mäuse kurz nach der Geburt aufgrund eines Gendefekts erblinden, hat das weitreichende Auswirkungen sowohl auf die Organisation der Großhirnrinde als auch auf die Gedächtnisleistung. 

Zu diesem Schluss kommen Forscherinnen und Forscher der Ruhr-Universität Bochum in einer Studie, die sie am 7. Dezember 2018 online in der Zeitschrift „Cerebral Cortex“ veröffentlichten. 
  • In allen Bereichen der Großhirnrinde, die Informationen der Sinne verarbeiten, veränderte sich die Dichte der Rezeptoren für Botenstoffe, die die Erregung regulieren und an der Gedächtnisbildung beteiligt sind. 
  • Auch der Hippocampus, eine Struktur, die für das Gedächtnis entscheidend ist, war betroffen. 
 
An der Studie waren Mirko Feldmann, Daniela Beckmann, Prof. Dr. Ulf Eysel und Prof. Dr. Denise Manahan-Vaughan aus der Abteilung für Neurophysiologie maßgeblich beteiligt.

Andere Sinne schärfen sich nach dem Erblinden


Infolge des Erblindens werden andere Sinne empfindlicher: 

Der Tastsinn, das Gehör und der Riechsinn werden präziser. 

Damit können blinde Menschen sich genau orientieren und durch eine Umgebung navigieren, trotz fehlender visueller Informationen.

Diese Adaptation braucht allerdings Zeit und Übung.

Die Veränderungen werden durch die sogenannte synaptische Plastizität ermöglicht.

  • Der Begriff beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, sich über das Kindesalter hinaus anzupassen und Erinnerungen zu bilden. 
  • Ob eine adaptative Reorganisation des Gehirns stattfindet, können Forscher anhand der Dichte von Neurotransmittern ermitteln, die für die synaptische Plastizität wichtig sind.

Anpassung ist Kraftakt für das Gehirn


Die Bochumer Forscherinnen und Forscher untersuchten an Mäusen, was nach dem Erblinden im Gehirn passiert. Sie erfassten, in welchen Hirnbereichen sich die Dichte der für die Plastizität relevanten Neurotransmitter änderte, und verglichen die Ergebnisse mit den Gehirnen von gesunden Mäusen. Außerdem testeten sie, wie gut die erblindeten Mäuse mithilfe ihrer anderen Sinne in Orientierungstests abschnitten, um Rückschlüsse auf die Gedächtnisleistung der Tiere ziehen zu können.

  • Nach dem Erblinden veränderte sich die Dichte von Neurotransmitterrezeptoren im Hippocampus, der wichtigsten Gedächtnisstruktur des Gehirns. 
  • In den folgenden Monaten veränderte sich die Dichte der Neurotransmitter auch im visuellen Cortex, in dem die Informationen des Sehsinns eingehen, und zusätzlich in den Arealen der Großhirnrinde, die die Informationen der anderen Sinne verarbeiten.

Die Orientierungsaufgabe forderte den Hippocampus der Mäuse.

Die erblindeten Tiere schnitten schlechter ab als die gesunden.

Außerdem war die synaptische Plastizität im Hippocampus in dieser Zeit beeinträchtigt.

„Unmittelbar nach dem Erblinden versucht das Gehirn, die fehlenden Signale zu detektieren, indem es seine Empfindlichkeit für visuelle Signale steigert“, erklärt Denise Manahan-Vaughan, die die Studie geleitet hat.

Wenn das nicht gelingt, beginnt der Prozess der gesamten Reorganisation der sensorischen Areale, die durch Veränderungen der Dichte und Funktion von Neurotransmitterrezeptoren im Gehirn unterstützt werden.

„Das ist anstrengend für das Gehirn, und während dieser Phase wird die Fähigkeit des Hippocampus, r ä u m l i c h e Erfahrungen zu speichern, offenbar erschwert“, so Manahan-Vaughan weiter.

Förderung

Die Studie wurde durch den Sonderforschungsbereich 874 (SFB 874) der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Der SFB 874 „Integration und Repräsentation sensorischer Prozesse“ besteht seit 2010 an der Ruhr-Universität Bochum. Die Forscherinnen und Forscher beschäftigten sich mit der Frage, wie sensorische Signale neuronale Karten generieren, und daraus komplexes Verhalten und Gedächtnisbildung resultiert.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com












Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Denise Manahan-Vaughan
Abteilung für Neurophysiologie
Medizinische Fakultät
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 22042
E-Mail: denise.manahan-vaughan@rub.de

Universitätsstr. 150
44780 Bochum
Postfach 10 21 48
44780 Bochum
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
E-Mail-Adresse: info@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Julia Weiler

Dr. Barbara Kruse
Telefon: 0234/32-22133
Fax: 0234/32-14136
E-Mail-Adresse: barbara.kruse@presse.ruhr-uni-bochum.de

Originalpublikation:
Mirko Feldmann, Daniela Beckmann, Ulf T. Eysel, Denise Manahan-Vaughan: Early loss of vision results in extensive reorganization of plasticity-related receptors and alterations in hippocampal function that extend through adulthood, in: Cerebral Cortex, 2018, DOI: 10.1093/cercor/bhy297

Untersucher-CAVE: Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Botenstoff Chemerin (Adipokin)

Medizin am Abend Berlin Fazit: Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch besser erkennen und verstehen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. 

Vor allem ältere Menschen sind davon betroffen. 

Neben der Lebenserwartung können kardiovaskuläre Krankheiten auch die Lebensqualität enorm einschränken. 

DIfE-Forschenden ist es nun gelungen, einen neuen Marker zu identifizieren: 

Das Protein Chemerin gibt Einblicke in die teilweise noch unbekannten Mechanismen der Krankheitsentstehung und könnte künftig dazu genutzt werden, das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Co. noch früher und präziser zu bestimmen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Leberverfettung  

Die Ergebnisse der Studie veröffentlichte das Forscherteam in der aktuellen Ausgabe des Journal of the American College of Cardiology. 

Dr. Krasimira Aleksandrova leitet die Senior Scientist Group Ernährung, Immunität und Metabolismus am DIfE
Dr. Krasimira Aleksandrova leitet die Senior Scientist Group Ernährung, Immunität und Metabolismus am DIfE Foto: Till Budde/DIfE
 
  • Chemerin ist ein Botenstoff (Adipokin), der hauptsächlich im Fettgewebe sowie in Leber, Nieren und Pankreas gebildet wird. 
  • Er trägt dazu bei, dass sich die zunächst gleichartigen, undifferenzierten Zellen des Fettgewebes für bestimmte Aufgaben in Funktion und Gestalt spezialisieren. 
  • Zudem lockt Chemerin Immunzellen zu verletztem Gewebe, die dort sofort Entzündungen auslösen und auf diese Weise Infekte abwehren. 

Das Signalprotein ist somit Teil der feinregulierten Alarmanlage des Körpers. 


„Gerät das System aus den Fugen, drohen Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall“, erklärt Dr. Krasimira Aleksandrova, die am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) untersucht, wie das Zusammenspiel von Ernährung, Körperzusammensetzung und Immunsystem altersbedingte Erkrankungen beeinflusst.

Missing Link

Die genauen Zusammenhänge von Entzündungsreaktionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bisher nicht vollständig aufgeklärt.

Um mehr Licht ins Dunkel zu bringen, analysierte das Team um Aleksandrova die Blutproben von insgesamt 2.500 Männern und Frauen. Basis der Untersuchungen bildeten die Daten der Potsdamer EPIC-Studie mit über 27.500 Studienteilnehmern.

  • Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachteten erstmals, dass die Konzentration von Chemerin im Blut bereits vor Einsetzen von Herzinfarkten und Schlaganfällen erhöht ist. 
  • Somit könnte Chemerin künftig als Indikator genutzt werden, um das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen genauer hervorzusagen. 
„Unsere Ergebnisse bestätigen, dass das Signalprotein Chemerin sowohl für Entzündungsprozesse als auch für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wichtige Rolle spielt. 

Diese Spur sollte unbedingt weiterverfolgt werden.

Das Verstehen um die genauen Funktionen von Chemerin könnte künftig die Suche nach neuen Präventionstherapien und Medikamenten verbessern“, sagt Aleksandrova.

Literatur

Original-Publikation

Eichelmann F, Schulze MB, Wittenbecher C, Menzel J, Weikert C, Di Giuseppe R, Biemann R, Isermann B, Fritsche A, Boeing H, Aleksandrova K: Chemerin as a Biomarker Linking Inflammation and Cardiovascular Diseases. Journal of the American College of Cardiology Jan 2019, 73 (3) 378-379; DOI: 10.1016/j.jacc.2018.10.058 [http://www.onlinejacc.org/content/73/3/378]

Ähnlicher Artikel

Menzel J, Biemann R, Aleksandrova K, Schulze MB, Boeing H, Isermann B, Weikert C: The cross-sectional association between chemerin and bone health in peri/pre and postmenopausal women: results from the EPIC-Potsdam study. Menopause. 2018 May; 25(5): 574–578 [https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5908253/]

Hintergrundinformationen

EPIC-Potsdam-Studie

Die European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC)-Potsdam-Studie ist eine prospektive Kohortenstudie. Zwischen 1994 und 1998 wurden 27.548 Frauen und Männer zwischen 35 und 65 Jahren rekrutiert. Sie haben Fragebögen zu ihren Ernährungsgewohnheiten, ihrem Lebensstil sowie ihrem gesundheitlichen Status ausgefüllt. Diese Befragung wurde ca. alle 3 Jahre wiederholt. Die EPIC-Potsdam-Studie ist Teil einer der größten Langzeitstudien weltweit mit insgesamt ca. 521.000 Studienteilnehmern aus zehn europäischen Ländern. Ziel ist, den Einfluss der Ernährung auf die Entstehung von Krebs und anderen chronischen Erkrankungen zu erforschen.

Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)

Das DIfE ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ursachen und Folgen des metabolischen Syndroms, einer Kombination aus Adipositas (Fettsucht), Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, die Rolle der Ernährung für ein gesundes Altern sowie die biologischen Grundlagen von Nahrungsauswahl und Ernährungsverhalten. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD).


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com















Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Sonja Schäche
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 33200 88-2278
E-Mail: sonja.schaeche@dife.de

Dr. Krasimira Aleksandrova
Leiterin der Senior Scientist Group Ernährung, Immunität und Metabolismus
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 33200 88-2712
E-Mail: krasimira.aleksandrova@dife.de

Originalpublikation:
Eichelmann F, Schulze MB, Wittenbecher C, Menzel J, Weikert C, Di Giuseppe R, Biemann R, Isermann B, Fritsche A, Boeing H, Aleksandrova K: Chemerin as a Biomarker Linking Inflammation and Cardiovascular Diseases. Journal of the American College of Cardiology Jan 2019, 73 (3) 378-379; DOI: 10.1016/j.jacc.2018.10.058
[http://www.onlinejacc.org/content/73/3/378]

Menschlicher Frontalkortex: Kognitive Kontrolle - Wiederholungsfehler wg. Frontalhinrläsionen und Parietalkortex

Medizin am Abend Berlin Fazit: Führt das Ignorieren von negativem Feedback zu rigidem Verhalten?

Publikation in Nature Communications

In unserem Alltag können wir einfach zwischen verschiedenen Rollen und Zielen wechseln. 

  • Diese Flexibilität im Verhalten wird durch den menschlichen Frontalkortex ermöglicht, der für Exekutivfunktionen und kognitive Kontrolle zuständig ist und so die Balance und die Konflikte zwischen unterschiedlichen Zielanforderungen reguliert. 

Ein Verlust dieser Fähigkeit führt zu sogenannten Wiederholungsfehlern („perseverative errors“) und ist ein Zeichen für ein rigides Festklammern an vergangenen Zielen. 
 
Die zugrunde liegenden Defizite in der Informationsverarbeitung sowie deren neuronale Grundlagen wurden jetzt von einem Forschungsteam im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) untersucht und in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Eine von Dr. Jan Gläscher aus dem Institut für Systemische Neurowissenschaften des UKE geleitete Arbeitsgruppe hat in Kooperation mit US-Forschern vom California Institute of Technology und der University of Iowa Patientinnen und Patienten mit Hirnläsionen untersucht.

Sie verwendeten dabei den „Wisconsin Card Sorting Test“, der weltweit am häufigsten verwendete neuropsychologische Test, um Defizite in der kognitiven Kontrolle und der Verhaltensflexibilität zu diagnostizieren. 

Dabei müssen die Patienten Karten mit einfachen Symbolen auf verschiedene Stapel sortieren, wobei ihnen das Sortierkriterium (Farbe, Anzahl oder Symbol) nicht bekannt ist.

Dieses erlernen sie durch das Feedback nach jedem Durchgang.

Nach einer Weile ändert sich unangekündigt das Sortierkriterium, und die Patienten müssen nun flexibel zum anderen Kriterium wechseln.

Patienten mit ausgedehnten Frontalhirnläsionen schaffen diesen Wechsel in den Zielkriterien nicht oder nur sehr langsam und begehen Wiederholungsfehler („perseverative errors“).

Mittels detaillierter mathematischer Modellierung konnten die Forscher nun genau beschreiben, wie die Informationsverarbeitung im Gehirn dieser Patienten gestört ist. 

Offenbar wird das negative Feedback bei einem Fehler nicht ausreichend wahrgenommen und ignoriert. 

Dadurch erkennen die Patienten aber nicht, dass sich die Zielanforderungen (Sortierkriterium) geändert haben – sie sortieren weiter nach dem vergangenen Kriterium und begehen Wiederholungsfehler. 

In der Analyse der Läsionskarten der Patienten, die auf den strukturellen MRT-Bildern beruht, zeigte sich:

Sowohl die Untergewichtung des negativen Feedbacks als auch die Wiederholungsfehler gingen vor allem mit Schädigungen des rechten Frontal- und Parietalkortex sowie der darunter liegenden Faserverbindungen einher. 

  • Diese Erkenntnisse deuten an, dass eine starke Fokussierung auf negatives Feedback und mögliche negative Konsequenzen von Verhalten dazu führen könnten, dass sich diese Patienten im Alltag flexibler auf neue Ziele einstellen können.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com










Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Dr. Jan Gläscher
Institut für Systemische Neurowissenschaften
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Telefon: 040 7410-58804
glaescher@uke.de

Martinistr. 52
20246 Hamburg
Deutschland
Hamburg


Saskia Lemm
Telefon: (040) 7410 56061
E-Mail-Adresse: s.lemm@uke.de
Originalpublikation:
Gläscher J., Adolphs R. & Tranel D (2019). Model-based lesion mapping of cognitive control using the Wisconsin Card Sorting Test. Nature Communications Volume 10, 20. DOI: 10.1038/s41467-018-07912-5

Sie wollen weniger Suizide/Selbstötungen? Dann Restriktionen.......

Medizin am Abend Berlin Fazit: Studie zur Gesetzgebung: Restriktionen helfen gegen Waffengewalt

Je strenger das Waffenrecht, desto kleiner sind die Fallzahlen von Mord und Suizid, zeigen LMU-Forscher in einem Vergleich westeuropäischer Staaten. 
 
Die Diskussion wird breit geführt und nach jedem Amoklauf, nach jedem Schulmassaker in den USA flammt sie wieder auf:

Was tun gegen die Waffengewalt? 

Könnte ein restriktiveres Waffenrecht die Welle der Gewalt eindämmen, so lautet die allfällige Frage, und die Zahl von Morden und Suiziden mit Schusswaffen verringern?

Für die USA bejahen Studien dies.

  • Doch wie steht es in westeuropäischen Ländern, in denen Waffengewalt insgesamt eine deutlich geringere Rolle spielt? 

Hat auch hier ein strengeres Waffenrecht einen positiven Effekt und könnte dafür sorgen, dass weniger Menschen sich oder andere erschießen?

Eindeutig ja, sagen die Politikwissenschaftler Dr. Steffen Hurka und Professor Christoph Knill vom Geschwister-Scholl-Institut der LMU.

Die LMU-Forscher haben dafür die Regulierungen in 16 verschiedenen Ländern Europas und die Zahlen von Morden und Selbsttötungen mit und ohne Schusswaffen miteinander verglichen.

Um die Werte miteinander in Beziehung setzen zu können, berichtet Steffen Hurka, haben sie zunächst für jedes der Länder einen sogenannten gun control index errechnet.

Nach einem arithmetischen Verfahren stuften die Wissenschaftler dafür das Waffenrecht der einzelnen Staaten nach verschiedenen Faktoren ein.

Ist Waffenbesitz in den untersuchten Staaten verboten, erlaubt oder nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig?

Welche persönlichen Voraussetzungen muss ein Waffenhalter erfüllen?

Welche sonstigen Anforderungen stellt das Gesetz an ihn?

Muss er eine Waffe beispielsweise in einem abgeschlossenen Schrank lagern?

Als besonders strikt gilt danach Großbritannien, als vergleichsweise liberal dagegen Finnland und die Schweiz. 

Diese länderspezifischen Werte haben die Forscher daraufhin jeweils mit den Fallzahlen der Jahre zwischen 1980 und 2010 in Beziehung gesetzt. 
  • Dabei zeigte sich, dass bei strengerer Gesetzgebung und damit einer geringeren Verfügbarkeit von Waffen die Zahl von Morden und Suiziden deutlich niedriger ausfiel. 
  • Das galt im Übrigen nicht nur für die mit einer Schusswaffe verübten Taten, sondern für alle Fälle von Mord und Suizid.

Regulation & Governance 2019

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com


















Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Dr. Steffen Hurka
Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft
Lehrstuhl für Empirische Theorien der Politik
Tel.: +49 89 2180 - 9038
E-Mail: steffen.hurka@gsi.uni-muenchen.de

Prof. Dr. Christoph Knill
Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft
Lehrstuhl für Empirische Theorien der Politik
Tel.: +49 89 2180 9061
E-Mail: christoph.knill@gsi.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl Ludwig-Maximilians-Universität München


Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München
Deutschland
Bayern

Telefon: 089 / 2180-2706
Fax: 089 / 338297
E-Mail-Adresse: dirscherl@lmu.de

TOP-CAVE-Spezial: Intensivstation: Stressbedingte Magengeschwüre

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neue Daten zur Ulkus-Prophylaxe auf Intensivstationen

Patienten auf Intensivstationen scheinen ein besonderes Risiko für stressbedingte Magengeschwüre zu haben. 

Diese können zu lebensbedrohlichen Blutungen führen. 

  • Eine neue Studie [1] untersuchte, ob die Ulkus-Prophylaxe mit Pantoprazol die Mortalität bei neurochirurgischen/neurologischen Intensivpatienten senken kann. 

Wie sich zeigte, ist das nicht eindeutig der Fall, obwohl weniger Blutungen unter der Medikation auftraten. 

Neurologische Experten sprechen sich daher für ein individualisiertes Vorgehen aus. 
 
  • Stress – so auch ausgeprägter Krankheits- und Behandlungsstress – erhöht unter anderem die Magensäureproduktion. 

In der Folge können Magen-/Darmgeschwüre (Ulzera) entstehen. 


Ein besonderes Risiko scheint auch bei Patienten nach Schädel-Hirn-Traumen zu bestehen [2].

Solche Ulzera können lebensbedrohliche Blutungen verursachen, die eine gefürchtete Komplikation auf neurologischen/neurochirurgischen Intensivstationen (ITS) darstellen.

  • Weitere Risikofaktoren für Ulkusblutungen auf Intensivstationen:
  • Polytraumen, 
  • Verbrennungen, 
  • künstliche Beatmung, 
  • Blutgerinnungsstörungen, 
  • Schock,
  • Sepsis, 
  • Kortikoidtherapie, 
  • frühere Magen-Darm-Blutungen,
  • /Geschwüre,
  • Leber
  • Nierenversagen [2].

Zur Prophylaxe wird Intensiv-Patienten oft ein Säurehemmer verabreicht, um die Magensäureproduktion zu senken und damit den pH-Wert zu erhöhen. 

  • „Viele frühere Studien zeigten, dass die medikamentöse Anhebung des Magen-pH-Wertes das Auftreten von Magen-Darm-Blutungen deutlich senken kann“, erklärt Prof. Dr. med. Dr. Hagen Huttner, Universitätsklinikum Erlangen. 

Daher wird eine medikamentöse Stressulkus-Prophylaxe auch in einigen Leitlinien, z.B. den „Surviving Sepsis Campaign: international guidelines for management of sepsis and septic shock: 2016“ [3] empfohlen.

Insgesamt sind Ulkusblutungen auf ITS-Stationen jedoch selten (1,5% [2]), und es besteht zunehmender Konsens, dass keinesfalls alle Intensivpatienten routinemäßig einer solchen Prophylaxe bedürfen.  
  • Neuere Studien zeigten außerdem, dass eine Verminderung der Magensäure andere Komplikationen fördern kann [2], da die Magensäure ihre schützende Funktion vor bakterieller Besiedlung des oberen Magen-Darmtraktes nicht mehr erfüllen kann. 
So können pathogene Erreger, die sonst im sauren Magenmilieu abgetötet würden, unter einer Säureblockade zu schweren Infektionen des Dickdarms führen (Clostridien-Kolitis) oder auch zu Lungenentzündungen, wenn es zu einem Übertritt von Magensekret ins Bronchialsystem kommt. 

„Nutzen und Risiken der Ulkus-Prophylaxe mit Säureblockern werden daher kontrovers diskutiert“, so Prof. Huttner.

Ergebnisse einer neuen prospektiven, doppelblinden, randomisierten Studie
Eine prospektive, doppelblind randomisierte Studie versuchte nun, die Datenlage zum Thema weiter zu verbessern [1]. Die europäische Multicenterstudie (33 Zentren aus Dänemark, Finnland, Niederlande, Norwegen, Schweiz und Großbritannien) analysierte 3.298 Patienten, die wegen akuter Erkrankungen auf Intensivstationen behandelt wurden und die zusätzlich mindestens einen Risikofaktor für gastrointestinale Blutungen aufwiesen (z. B. Kreislaufschock, künstliche Beatmung, Blutgerinnungsstörung oder blutgerinnungshemmende Therapie, Lebererkrankung, Dialyse wegen Nierenversagen). Die Patienten erhielten 1:1 randomisiert 40 mg/Tag Pantoprazol i.v. oder Placebo für die Dauer des ITS-Aufenthaltes. Primäres Untersuchungsziel war die 90-Tages-Mortalität, sekundäres waren Komplikationen (als Endpunkt-Kombination: Gastrointestinale Blutung, Lungenentzündung, Clostridien-Infektion, Herzinfarkt).

Nach 90 Tagen waren 510 Patienten (31,1 %) der Pantoprazol-Gruppe und 499 (30,4%) der Placebogruppe verstorben. Die mediane Aufenthaltsdauer der Patienten auf der Intensivstation betrug 6 Tage, die mediane Dauer der Pantoprazol-Prophylaxe lag bei 4 Tagen. Während des ITS-Aufenthaltes gab es mindestens ein klinisch schweres Ereignis (kombinierter Endpunkt) bei 21,9% unter Pantoprazol und bei 22,6% unter Placebo. Klinisch bedeutsame Magen-Darm-Blutungen hatten 4,2% Patienten der Placebogruppe und 2,5% der Patienten in der Pantoprazol-Gruppe (RR: 0,58). Sonstige Nebenwirkungen, Komplikationen bzw. schwere unerwünschte Ereignisse waren in den Gruppen ähnlich häufig.

Therapieentscheidung nach individueller Risikoabschätzung
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Studie nicht ausreichend gepowert war, um zu zeigen, dass die Gabe von Pantoprazol das Risiko für gastrointestinale Blutungen bei Risikopatienten senkte, und die Intervention nicht zu einer Reduktion der Mortalität führte. Unter Pantoprazol kam es aber auch nicht zur Zunahme des Risikos für Lungenentzündungen oder Clostridien-Infektionen – wie zuvor berichtet und befürchtet. Prof. Huttner kommentiert: „Aus den Studienergebnissen lassen sich keine allgemeinen Behandlungsempfehlungen ableiten. Voraussetzung für die Therapieentscheidung sollte immer eine individuelle Risikoabschätzung darstellen.

Die Ulkus-Prophylaxe erscheint sinnvoll, wenn mehrere der beschriebenen Risikofaktoren zusammenkommen oder bei kritisch kranken Patienten, die über Wochen oder gar Monate auf der Intensivstation behandelt werden müssen.“

Publikationen
[1] Krag M, Marker S, Perner A et al. Pantoprazole in Patients at Risk for Gastrointestinal Bleeding in the ICU. N Engl J Med 2018 Oct 24. doi: 10.1056/NEJMoa1714919. [Epub ahead of print]
[2] „NeuroIntensiv“, Stefan Schwab et al. 2015 Springer-Verlag
[3] Rhodes A, Evans LE, Alhazzani W et al. Surviving Sepsis Campaign: international guidelines for management of sepsis and septic shock: 2016. Intensive Care Med 2017; 43: 304 -77

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com









Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. med. Dr. Hagen Huttner
Universitätsklinikum Erlangen

c/o Jakobstraße 38
99423 Weimar
Deutschland
Thüringen


Dr. Bettina Albers
Telefon: 03643 / 776423
Fax: 03643 / 776452
E-Mail-Adresse: presse@dgn.org


Originalpublikation:
Krag M, Marker S, Perner A et al. Pantoprazole in Patients at Risk for Gastrointestinal Bleeding in the ICU. N Engl J Med 2018 Oct 24. doi: 10.1056/NEJMoa1714919. [Epub ahead of print]

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.dgn.org

TOP-CAVE: Intensivmedizinische Versorgung: Heilungs- und Rehabilitationssprozess

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bergmannsheil-Forscherin untersucht gesundheitliche Folgen der Intensivtherapie

DGUV fördert neues Projekt mit 214.000 Euro  
  • Anhaltende Sensibilitätsverluste an Händen und Füßen, schmerzhafte Empfindungsstörungen und motorische Schwäche sind typische Symptome einer sogenannten Erworbenen Skelettmuskel- und Nervenschwäche. 
Sie tritt häufig bei Patienten auf, die wegen einer anderen Grunderkrankung intensivmedizinisch versorgt werden mussten. 
Die zusätzlichen gesundheitlichen Probleme beeinflussen die Lebensqualität der Betroffenen und können zugleich ihren weiteren Heilungs- und Rehabilitationsprozess erheblich beeinträchtigen. 




Dr. Christine Meyer-Frießem


Dr. Christine Meyer-Frießem Nachweis: Volker Daum / Bergmannsheil

Forscher am BG Universitätsklinikum Bergmannsheil wollen herausfinden, wie häufig eine erworbene Skelettmuskelschwäche bei Intensivpatienten auftritt und welche Faktoren die Ausprägung dieser Erkrankung begünstigen. 

Dadurch wollen sie spezifische Biomarker definieren, mit denen eine frühere Erkennung und Behandlung der Erkrankung möglich würden. Das Projekt unter Leitung von Dr. Christine Meyer-Frießem, Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Palliativ- und Schmerzmedizin am BG Universitätsklinikum Bergmannsheil (Direktor: Prof. Dr. Peter Zahn), wird mit rund 214.000 Euro von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) gefördert. Beteiligt sind weiterhin die Neurologische Klinik (Direktor: Prof. Dr. Martin Tegenthoff), die Abteilung für Schmerzmedizin (Komm. Leitender Arzt: Dr. Dr. Andreas Schwarzer) und die Chirurgische Klinik (Direktor: Prof. Dr. Thomas A. Schildhauer) des Bergmannsheil. Das Projekt wurde zuvor bereits von der Forschungsförderung der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum (FoRUM-Programm) mit 55.000 Euro unterstützt.

Ernstzunehmende Komplikation moderner Intensivmedizin

Viele Patienten, die aufgrund unterschiedlicher Erkrankungen auf eine Intensivstation aufgenommen werden, verbringen dort je nach Krankheitssituation einige Tage bis zu mehreren Wochen und werden hier im künstlichen Koma beatmet.

Ihre Grunderkrankung bleibt auch im weiteren Behandlungs- und Rehabilitationsprozess stets im Fokus. 
  • Dagegen treten jedoch die gesundheitlichen Folgen, die eine Intensivtherapie auslösen kann, allzu oft in den Hintergrund. 
  • Mit einer Häufigkeit von 25% bis zu 100% stellt das Krankheitsbild der Erworbenen Skelettmuskelschwäche bei kritisch Kranken (ICU-acquired weakness, ICUAW, auch bekannt als Critical-Illness-Polyneuromyopathie, CINM) während und vor allem nach intensivmedizinischer Therapie eine ernstzunehmende Komplikation moderner Intensivmedizin dar. 
„Derzeit existiert kein verbindlicher Standard zur frühzeitigen Diagnosestellung, Verlaufsbeobachtung und Therapie dieser Erkrankung“, erläutert Dr. Meyer-Frießem.

„Die ICUAW gefährdet somit eine schnelle Rehabilitation und vollständige Genesung betroffener Patienten.“ 




Versorgung auf der Intensivstation
Versorgung auf der Intensivstation Nachweis: Dieter Pfennigwerth / Bergmannsheil

Langzeitfolgen verhindern, Heilungsaussichten verbessern

Ihr Forschungsprojekt verfolgt zwei Ziele: 

In einem ersten Schritt soll erfasst werden, wie häufig die Erworbene Skelettmuskelschwäche bei ehemals kritisch kranken Patienten nach einer Intensivtherapie im Bergmannsheil auftritt.

Dazu werden Patienten und deren Krankheitsverläufe der letzten zehn Jahre analysiert. Im Weiteren sollen anhand modernster Techniken neurophysiologische, morphologische, histologisch-anatomische und molekular-biochemische Profile betroffener Patienten erstellt werden.

Anhand der Definition eines Biomarkers soll es in Zukunft möglich sein, Patienten frühzeitig mit spezifischen vorbeugenden und therapeutischen Strategien zu behandeln.
  •  
  • „Damit könnten wir Langzeitfolgen der Intensivtherapie verhindern und zugleich die Heilungsaussichten dieser Patienten verbessern“, sagt Dr. Meyer-Frießem.

Projekttitel: Multimodale prospektive Detektion und Definition von Biomarkern zur Prognoseverbesserung bei Critical-Illness-Polyneuromyopathie

Über das Bergmannsheil

Das BG Universitätsklinikum Bergmannsheil zählt zu den größten Akutkliniken der Maximalversorgung im Ruhrgebiet. 1890 als erste Unfallklinik der Welt zur Versorgung verunglückter Bergleute begründet, vereint das Bergmannsheil heute 23 hochspezialisierte Kliniken und Fachabteilungen mit insgesamt 707 Betten unter einem Dach. Mehr als 2.300 Mitarbeiter stellen die qualifizierte Versorgung von rund 89.000 Patienten pro Jahr sicher.

Das BG Universitätsklinikum Bergmannsheil gehört zur Unternehmensgruppe der BG Kliniken. In ihr sind neun berufsgenossenschaftliche Akutkliniken, zwei Kliniken für Berufskrankheiten und zwei Unfallbehandlungsstellen verbunden. Mit 12.500 Mitarbeitern und jährlich über 550.000 Patienten ist die Gruppe einer der größten Klinikverbünde Deutschlands. Darüber hinaus ist das Bergmannsheil Teil des Universitätsklinikums der Ruhr-Universität Bochum (UK RUB). Weitere Informationen: www.bergmannsheil.de, www.bg-kliniken.de

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com

 
















Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Robin Jopp
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil gGmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234 / 302-6125
E-Mail: robin.jopp@bergmannsheil.de


Dr. Christine Meyer-Frießem
Oberärztin
Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Palliativ- und Schmerzmedizin
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil gGmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
E-Mail: christine.meyer-friessem@bergmannsheil.de

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.bergmannsheil.de - Website des BG Universitätsklinikums Bergmannsheil

CAVE: Viren in den Leberzellen: Hepatozyten / Leberendothelzellen LSECs

Medizin am Abend Berlin Fazit: Hepatitis: Störung in der Blutversorgung als Ursache für Leberversagen

  • Eine Infektion mit Hepatitis-Viren kann im schlechtesten Fall zum Leberversagen führen. 

Ein Team der Technischen Universität München (TUM) fand nun den Grund: 

  • Immunzellen greifen Zellen des Blutgefäßsystems an und stören so die Blut- und Nährstoffversorgung des Organs. 

Erst das ruft die massiven Schäden hervor, die zum Leberversagen führen. 

Sie identifizierten im Tiermodell einen Wirkstoff, der diese tödlichen Prozesse verhinderte. 

Percy Knolle, Professor für Molekulare Immunologie an der TUM, untersucht die Ursachen des Leberversagens.
 Percy Knolle, Professor für Molekulare Immunologie an der TUM, untersucht die Ursachen des Leberversagens. Andreas Heddergott / Technische Universität München


Eine Infektion der Leber mit Hepatitis Viren, wie dem Hepatitis B Virus, kann sehr unterschiedlich ablaufen:

  • Die Leberentzündung (Hepatitis) kann problemlos ausheilen, chronisch werden, so dass eine lebenslange Einnahme von Medikamenten notwendig ist, oder sie kann fulminant verlaufen. 

Die immun-vermittelten Schäden in der Leber sind dann so stark, dass es zum Leberversagen kommt und als letzte mögliche therapeutische Maßnahme nur noch eine Lebertransplantation bleibt.

Das Ziel der Viren sind die Leberzellen, sogenannte Hepatozyten. 


Das Immunsystem versucht die Infektion dadurch in den Griff zu bekommen, indem sie mit Hilfe von bestimmten Immunzellen, den T-Killerzellen, die infizierten Leberzellen angreift und abtötet. 

Bisher wurde angenommen, dass dieser Prozess für die starken Organschäden bei einer akuten Hepatitis verantwortlich ist. 

Dr. Dirk Wohlleber, Forschungsgruppenleiter an der TUM und Percy Knolle, Professor für Molekulare Immunologie, haben mit ihren Kolleginnen und Kollegen von der Universität Würzburg und der Universität Bonn, nun eine ganz andere Erklärung für das Problem gefunden: 

Nicht der Tod der Leberzellen, sondern Defekte im Blutgefäßsystem sind die Gründe für das Versagen des Organs.

Störung der Blutversorgung durch Immunzellen

  • In der Leber gibt es wichtige Zellen, die sinusoidale Leberendothelzellen, kurz LSECs. 

Sie sind die Verbindung der Leberzellen zum Blutgefäßsystem und regeln den Austausch von Nähstoffen und Sauerstoff mit dem Blut. 

Sie haben zudem die Fähigkeiten kleine Teile von Viren auf ihrer Außenseite zu präsentieren, ähnlich wie Zellen des Immunsystems.

Die Forscherinnen und Forscher beobachteten, dass die T-Killerzellen diese Virenstücke spezifisch erkannten.

Sie hielten LSECs für infizierte Leberzellen und töteten sie. 

  • Dafür nutzten sie Proteine, die sich in die Zellmembran der Zielzelle einbauen und eine Pore bilden. Diese sogenannten Perforine durchlöchern die Membran und zerstören die Zelle.

„Wir haben beobachtete, dass das Abtöten der LSECs durch die Immunzellen massive Auswirkungen auf das Lebergewebe hat.

Der Blutfluss in der Leber ist massiv gestört und das führt dazu, dass sehr viele - auch nicht-infizierte - Leberzellen sterben. 

  • Die Auswirkung dieser Immunantwort ist sehr viel dramatischer als der Angriff auf die eigentlich infizierten Leberzellen.“, erklärt Wohlleber. 

Möglich war diese Erkenntnis nur, weil die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein neues Mausmodell entwickelten, dass ausschließlich diesen fulminanten Verlauf der Virushepatitis nachbildet.

Perforin-Inhibitoren als therapeutisches Werkzeug

„Erst jetzt, wo wir den eigentlichen zerstörerischen Mechanismus bei einer akuten Hepatitis kennen, können wir auch bei der Hepatitis-Therapie in neue Richtungen denken und diesen Prozess gezielt angreifen.“, so Knolle.

Sie konnten in ihrem Mausmodell zeigen, dass ein neuer Wirkstoff eine fulminante Hepatitis verhindert.

Es handelt sich dabei um einen Perforin-Inhibitor, der die Porenbildung durch Killer-T-Zellen verhindert und damit auch den Angriff auf LSECs hemmte. 

Die Mäuse konnten durch den Einsatz des Wirkstoffs vor einer fulminanten Hepatitis bewahrt werden, weil die LSECs und damit die Blutversorgung der Leberzellen intakt blieben.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com










Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Percy A. Knolle, MD
Lehrstuhl für Molekulare Immunologie
Technische Universität München und Universitätsklinikum rechts der Isar
Tel.:+49-89-4140-6920
percy.knolle@tum.de

Arcisstr. 21
80333 München
Deutschland
Bayern


Dr. Ulrich Marsch
Telefon: 089 / 289 - 22778
Fax: 089 / 289 - 23388
E-Mail-Adresse: presse@tum.de

Originalpublikation:
M. Welz, S. Eickhoff, Z. Abdullah, J. Trebicka, K.H. Gartlan , J.A. Spicer, A.J. Demetris, H. Akhlaghi, M. Anton, K. Manske, D. Zehn, B. Nieswandt, C. Kurts, J.A. Trapani, P. Knolle, D. Wohlleber & W. Kastenmüller: Perforin inhibition protects from lethal endothelial damage during fulminant viral hepatitis, Nature Communications, 15. November 2018, DOI: 10.1038/s41467-018-07213-x (Open Access)
https://www.nature.com/articles/s41467-018-07213-x

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.professoren.tum.de/knolle-percy-a/ - http://www.professoren.tum.de/knolle-percy-a/
http://www.imi-muenchen.de/ - Institute of Molecular Immunology and Experimental Oncology at TUM

 

Untersucher-Studie: Gedächtnis- oder Konzentrationsproblemen: Kognitive Beeinträchtigung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie ändert sich die Wahrnehmung im Alter?

Im Gedächtniszentrum am Universitätsklinikum Jena untersuchen und behandeln Ärzte, Neuropsychologen und Ergotherapeuten Patienten mit dem Verdacht einer beginnenden Demenzerkrankung. 

  • Sie erforschen, wie sich Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Alter verändern und worin sich diese Veränderungen beim gesunden Altern und der beginnenden Demenz unterscheiden. 

Ihr Ziel ist die frühzeitige Identifikation von Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine Demenz, um deren Entwicklung bestmöglich entgegen wirken zu können. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Notfallsanitäter 

Im Gedächtniszentrum am UKJ erforscht die Psychologin PD Dr. Kathrin Finke, wie sich Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Alter verändern.
Im Gedächtniszentrum am UKJ erforscht die Psychologin PD Dr. Kathrin Finke, wie sich Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Alter verändern.
Foto: Manuela Schacke/UKJ
 
Eine einfache Zeichnung; den abgebildeten Gegenstand zu erkennen und zu benennen ist eine Aufgabe in den umfassenden Tests, die die Patienten im Gedächtniszentrum am Universitätsklinikum Jena absolvieren.

Sie kommen aus eigenem Anstoß, auf Anregung der Angehörigen oder auf Empfehlung des Hausarztes in die Klinik für Neurologie nach Lobeda.

Oft leiden sie unter Gedächtnis- oder Konzentrationsproblemen und befürchten, darin die Anzeichen einer beginnenden Demenz zu erkennen.

Neben den neuropsychologischen Tests werden die Patienten auch neurologisch und labordiagnostisch untersucht, um eventuelle andere Ursachen für kognitive Beeinträchtigungen ausschließen zu können.

CAVE: Mit zunehmendem Alter wird die Wahrnehmung langsamer

Nicht selten können die Spezialisten vom Gedächtniszentrum ihre zumeist älteren Patienten und deren Angehörige beruhigen, weil die Gedächtnisleistungen nicht aufgrund einer Erkrankung verringert sind, sondern dem Alter entsprechend. 

„Wir wissen, dass die Geschwindigkeit aller geistigen Prozesse mit dem Lebensalter kontinuierlich abnimmt“, so die psychologische Leiterin des Gedächtniszentrums, PD Dr. Kathrin Finke.

„Und zwar linear bereits ab dem jüngeren Erwachsenenalter.“ 
  • Die Psychologin erforscht, wie sich die kognitiven Leistungen mit den Lebensjahren verändern, beim Altern in geistiger Gesundheit und bei beginnender Demenz.

Ihr Projekt ist Teil der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten interdisziplinären Forschungsgruppe „Active Perception“ an der LMU München, die mit experimentalpsychologischen, neurowissenschaftlichen und mathematischen Methoden den Zusammenhang von menschlicher Wahrnehmung, Erkennen und Handlung untersucht.

Im Fokus steht dabei die Frage, wie unsere Wahrnehmung von Erwartungen beeinflusst wird. 

Weil die visuellen Leistungen besonders anfällig sind für Altern und Demenzerkrankungen wie Alzheimer, testet die Arbeitsgruppe von Kathrin Finke die Aufmerksamkeit und Wahrnehmungsgeschwindigkeit in eigens dafür konzipierten Wahrnehmungstests am Computer.

„Nicht alle Aufmerksamkeitsleistungen sind bei gesunden Senioren verringert.

Unsere Untersuchungen zeigen, dass sie sehr gut in der Lage sind, sich auf Wichtiges zu konzentrieren und Hinweise zu nutzen, um ihre Aufmerksamkeit und Wahrnehmung verbessern.“

Biomarker für Demenz-Risiko

Das Nachlassen der Wahrnehmungsgeschwindigkeit im Alter ist individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Dies hängt offenbar damit zusammen, ob und wie stark sich die Organisation von Hirnnetzwerken verändert. Kathrin Finke: „Wir erkennen typische Veränderungen in der sogenannten ‚Konnektivität‘ bestimmter Hirnnetzwerke, die im Zusammenhang mit der Verlangsamung der Sinnesverarbeitung stehen.“ In der Fortführung des Forschungsprojektes können nun im Gedächtniszentrum Jena Patienten mit einem Risiko für eine Alzheimer-Entwicklung untersucht werden. Sie absolvieren die Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitstests als Teil der Diagnostik in der Gedächtniswoche. Die Wissenschaftler erwarten, dass sich die Wahrnehmung und die Hirnaktivitätsmuster bei den Patienten mit Demenz-Risiko auf charakteristische Weise von denen gesunder Senioren unterscheiden. „Daraus wollen wir Biomarker entwickeln, die es erlauben, ein Demenz-Risiko möglichst frühzeitig und präzise zu bestimmen. Individuell abgestimmte kognitive Trainings und medikamentöse Behandlung könnten den Verlauf der Krankheit dann so weit wie möglich hinauszögern“, so Katrin Finke.

Genau das ist auch das Ziel der Behandlung, wenn im Gedächtniszentrum eine beginnende Alzheimer-Demenz festgestellt wird.

Natürlich ist das die Diagnose, die die Patienten und ihre Angehörigen befürchten.

Aber Team des Zentrums beobachtet oft auch eine Erleichterung bei den betroffenen Familien über die nun bestehende Klarheit.

„Anhand der umfassenden medizinischen, neuropsychologischen und ergotherapeutischen Diagnostik erstellen wir für den Patienten einen individuellen Behandlungsplan, der gemeinsam mit dem Hausarzt verfolgt wird, und vermitteln auch weitere Unterstützung“, sagt PD Dr. Christoph Preul, ärztlicher Leiter des Gedächtniszentrums.

Eine wesentliche Rolle spielt die Angehörigenschulung, die das Verständnis für die mit der Erkrankung einhergehenden Veränderungen und den besten Umgang damit fördert.

Kathrin Finke:

„Die Krankheit schreitet sehr langsam voran und die Patienten finden sich in gewohnten Situationen und Umgebungen noch lange gut zurecht.

Auch später sind sie Menschen mit eigenen Vorlieben, Wünschen und Bedürfnissen, mit denen man gemeinsam Freude empfinden kann.“

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com 



















Über Google: Medizin am Abend Berlin  
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

PD Dr. Kathrin Finke
Gedächtniszentrum Jena, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641 9323474
E-Mail: Kathrin.Finke@med.uni-jena.de

Bachstraße 18
07743 Jena
Deutschland
Thüringen


Dr. Uta von der Gönna
Telefon: 03641/ 93 42 93
Fax: 03641/ 93 30 13
E-Mail-Adresse: pr-dekanat@med.uni-jena.de

Originalpublikation:
Adriana L. Ruiz-Rizzo u.a. (2019). Decreased cingulo-opercular network functional connectivity mediates the impact of aging on visual processing speed. Neurobiology of Aging, https://doi.org/10.1016/j.neurobiolaging.2018.09.014
Haupt, M., Sorg, C., Napiórkowski, N., & Finke, K. (2018). Phasic alertness cues modulate visual processing speed in healthy aging. Neurobiology of Aging, https://doi.org/10.1016/j.neurobiolaging.2018.05.034

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.for2293.uni-muenchen.de/index.html Homepage der Forschungsgruppe

CED - Chronisch-entzündliche Darmerkrankung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bessere Versorgung von Patienten mit Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Der Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) fördert mit rund 5,4 Mio. Euro ein neues Projekt im Bereich „Neue Versorgungsformen“ zur Verbesserung der Therapiebegleitung für Menschen mit Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). 

PD Dr. Bernd Bokemeyer (Gastroenterologe in Minden u. Medizinische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität Kiel) erhielt als Projektleiter den Förderbescheid des G-BA. 

Wesentlicher Partner ist die Klinik für Innere Medizin I (Direktor Prof. Dr. Stefan Schreiber) des UKSH, Campus Kiel. 

Zusammen mit anderen Konsortialpartnern wird das neue Versorgungskonzept in den kommenden vier Jahren umgesetzt und in einer randomisierten Studie evaluiert. 

 PD Dr. med. Bernd Bokemeyer
 PD Dr. med. Bernd Bokemeyer privat

  • Die Zahl der an CED erkrankten Menschen nimmt kontinuierlich zu, vor allem in Nordeuropa sind immer mehr Menschen betroffen – in Deutschland derzeit ungefähr 400.000 Menschen. 
  • Die beiden häufigsten Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. 
Bei beiden Erkrankungen sind die Symptome ähnlich: 
  • Patienten leiden unter Bauchschmerzen, häufigen, zum Teil blutigen Durchfällen sowie bei länger anhaltenden Schüben unter Gewichtsverlust und Schwäche. 
  • Darüber hinaus können Beschwerden auch außerhalb des Magen-Darm-Traktes auftreten, z.B. an den Gelenken und der Haut. 
  • Heilbar sind die Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nicht, die Krankheitsschübe lassen sich jedoch mit medikamentöser Behandlung und einer Anpassung der Lebensgewohnheiten an Häufigkeit und Intensität reduzieren und langfristig kontrollieren.
„Die psychosoziale Dimension ist neben den körperlichen Beeinträchtigungen ein wesentlicher Faktor Chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen“, sagt PD Dr. Bokemeyer.

„Daher planen wir, für Patienten mit CED, die auf Grund eines schwereren Krankheitsverlaufs einer Therapie mit Biologika bedürfen, nun ein verbessertes Versorgungskonzept mit einer intensiven Betreuung zu etablieren.“

Kern des Konzeptes ist es, dem Patienten eine spezialisierte pflegerische, bzw. im ambulanten Bereich eine spezielle mitbetreuende Assistenz („CED-Versorgungsassistenz“) an die Seite zu stellen.

Dabei werden wertvolle Erfahrungen aus dem Ausland („IBD-Nurse - Inflammatory Bowel Disease Nurse“) genutzt.

  • Die Delegation ärztlicher Leistungen unter Berücksichtigung krankheitsbezogener körperlicher, seelischer wie psychosozialer Probleme wird die Versorgungsqualität erhöhen und dem Patienten mehr Zeit für die gegenseitige Interaktion innerhalb des Betreuungskonzeptes geben. 

Zugleich soll eine stärkere Einbeziehung der Patienten in Planung und Organisation der eigenen Behandlung diese zu einer aktiveren Rolle bei medizinischen Problemsituationen befähigen, z.B. bei der Therapieeinleitung, einer Therapieumstellung bei Wirkungsverlust der Biologika-Therapie oder beim Auftreten von Nebenwirkungen.

„Eine solche patientenzentrierte Betreuung unter Einbeziehung der individuellen somatischen wie psychosozialen Belastungen und Risiken entspricht exakt dem Anspruch unserer Klinik, ein umfassendes, integriertes Versorgungskonzept für CED-Patienten zur Verfügung zu stellen.

Diese intensive Begleitung kann u.a. die krankheitsspezifische Lebensqualität der Patienten steigern“, sagt Prof. Schreiber.

Die Umsetzung der neuen Versorgungsform in die Praxis wird durch eine entsprechende Schulung der CED-Fachassistenz vorbereitet sowie durch ein kollegiales Beratungsangebot für die am Projekt teilnehmenden Ärzte begleitet.

Im Rahmen des Projektes erfolgt eine wissenschaftliche Evaluation mit Durchführung einer randomisierten Studie, um den Stellenwert einer Begleitung durch eine spezialisierte CED-Fachassistenz für Therapieverlauf, definierte klinische Outcomes, krankheitsspezifische Lebensqualität, psychosoziale Beeinträchtigungen und Selbstmanagementfähigkeiten zu erfassen.

Medizinischer Leiter des Projektes ist PD Dr. Bokemeyer, die Projektkoordination erfolgt durch das vom UKSH ausgeründete Kompetenznetz Darmerkrankungen e.V. mit Sitz in der Hopfenstraße in Kiel. PD Dr. Bokemeyer betreibt eine Gastroenterologische Praxis in Minden.

Die Klinik für Innere Medizin I mit den Schwerpunkten Gastroenterologie, Hepatologie, Pneumologie, internistische Intensivmedizin, Endokrinologie, Infektiologie, Rheumatologie, Ernährungs- und Alterungsmedizin ist mit seinem Exzellenzzentrum Entzündungsmedizin (ab 2019 „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen/Precision Medicine in Chronic Inflammation“) Teil des Exzellenzclusters Entzündungsforschung.

Weitere Projektpartner sind: Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands e.V. (bng), Fachgesellschaft für Assistenzpersonal Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen e.V. (FA-CED), Techniker Krankenkasse, Hamburg Center for Health Economics der Universität Hamburg, Institut für Sozialmedizin/Zentrum für Bevölkerungsmedizin und Versorgungsforschung, Universität zu Lübeck (Prof. Dr. med. Dr. phil. Heiner Raspe, Dr. phil. Angelika Hüppe).



Prof. Dr. Stefan Schreiber
Prof. Dr. Stefan Schreiber UKSH


Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) erhielt mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz den Auftrag, neue Versorgungsformen und Projekte zur Verbesserung der bestehenden Versorgung zu fördern. Übergeordnetes Ziel des Innovationsfonds ist eine qualitative Weiterentwicklung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland.

Die Bundesregierung hat zu diesem Zweck einen Innovationsfonds aufgelegt. Die zur Verfügung stehende Fördersumme beträgt in den Jahren 2016 bis 2019 jeweils 300 Millionen Euro jährlich.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com










Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Klinik für Innere Medizin I
PD Dr. Bokemeyer
Tel.: 0431 500-15101
E-Mail: bernd.bokemeyer@t-online.de

Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Deutschland
Schleswig-Holstein
E-Mail-Adresse: presse@uksh.de

Oliver Grieve
Telefon: 0431 / 597 - 5544
Fax: 0431 / 597 - 4218
E-Mail-Adresse: oliver.grieve@uksh.de
 

Deine Schmerzwahrnehmung - Chronische Schmerzpatienten

Medizin am Abend Berlin Fazit: Schmerz: Wahrnehmung und Handlungsimpuls entstehen unabhängig voneinander im Gehirn

Schmerz ist ein negatives Gefühl, das wir schnell loswerden wollen. 

Um den Körper zu schützen, handeln wir, indem wir beispielsweise die Hand zurückziehen. 

Diese Handlung wird üblicherweise als Folge der Schmerzwahrnehmung aufgefasst.
  • Ein Team der Technischen Universität München (TUM) hat nun gezeigt, dass Wahrnehmung, Handlungsimpuls und Energiebereitstellung gleichzeitig und nicht, wie erwartet, nacheinander im Gehirn entstehen. 

Laura Tiemann, Erstautorin der neuen Studie zur Schmerzwahrnehmung, bereitet zusammen mit Markus Ploner, Heisenberg-Professor für Human Pain Research an der TUM, eine Person für die EEG-Messung vor.
Laura Tiemann, Erstautorin der neuen Studie zur Schmerzwahrnehmung, bereitet zusammen mit Markus Ploner, Heisenberg-Professor für Human Pain Research an der TUM, eine Person für die EEG-Messung vor. Kurt Bauer / Technische Universität München
 
Unter der Leitung von Markus Ploner, Heisenberg-Professor für Human Pain Research, haben sich Forscherinnen und Forscher der Klinik für Neurologie des TUM-Universitätsklinikums rechts der Isar angesehen, wie genau im Gehirn ein schmerzhaftes Ereignis verarbeitet wird.

  • Sie konnten erstmals zeigen, dass das Gehirn auf einen Schmerzreiz mit mindestens drei unterschiedlichen Antworten reagiert – und dass diese gleichzeitig und nicht abhängig voneinander ablaufen. 

Die Ergebnisse könnten grundlegende Auswirkungen auf das Verständnis und die Behandlung von Schmerzpatientinnen und -patienten haben.

Schmerz besteht aus mindestens drei Faktoren: 

  • der Wahrnehmung, der Handlung - zum Beispiel dem Zurückziehen der Hand von einer heißen Herdplatte - und der Reaktion des autonomen Nervensystems, das die notwendige Energie für das Handeln bereitstellt. 
Über das autonome Nervensystem werden die lebenswichtigen Funktionen wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und Stoffwechsel gesteuert.

Zusammenspiel aus Verhaltens- und EEG-Messungen

In ihren Versuchen setzten die Forscherinnen und Forscher Freiwillige kurzen, unterschiedlich starken Schmerzreizen auf dem Handrücken aus. Um die Schmerzwahrnehmung zu bestimmen, sollten die Personen die wahrgenommene Stärke des Reizes auf einer Skala bewerten. Die Handlungskomponente untersuchte das Team um Markus Ploner anhand der Reaktionszeit, die die Patienten benötigten, um ihre Finger als Antwort auf die Reize zurückzuziehen.  

Um auch die dritte Schmerzkomponente, die Reaktion des autonomen Nervensystems, zu bestimmen, maßen sie die Schweißproduktion in den Handinnenflächen.

Gleichzeitig wurde während des Versuchs die Hirnaktivität mit Hilfe der Elektroenzephalographie (EEG) registriert. Mit dieser Methode lässt sich sehr genau sichtbar machen, wann und wie Nervenzellen auf einen Schmerzreiz reagieren.

Schmerzkomponenten entstehen unabhängig voneinander


Für die Auswertung verwendeten Ploner und sein Team ein statistisches Verfahren, die sogenannte Mediationsanalyse. Dieses Verfahren ist in den Sozialwissenschaften inzwischen gut etabliert und wurde von ihnen erstmals auf EEG-Daten angewendet. So konnten sie herausfinden, welche Hirnantworten an der Umsetzung der drei Schmerzkomponenten beteiligt sind, und wann genau diese stattfinden.

Das Ergebnis der Auswertungen überraschte die Forscherinnen und Forscher:

„Wir konnten erstmals sehen, dass die Hirnantworten für die Schmerzkomponenten nicht nacheinander ablaufen, sondern teilweise gleichzeitig. 

Das heißt, dass die Handlungsvorbereitung und die Energiebereitstellung nicht vollständig von der Schmerzwahrnehmung abhängen, sondern teilweise unabhängig davon umgesetzt werden“, erklärt Laura Tiemann, Erstautorin der Studie.

Umfassende Schmerztherapie für chronische Schmerzpatienten

Was zunächst abstrakt klingt, könnte auch für Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen wichtig sein.

Ploner empfiehlt für eine umfassende Schmerztherapie alle drei Komponenten des Schmerzes im Auge zu behalten: 
  • „Bei chronischen Schmerzpatienten sind möglicherweise nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch die Vorbereitung und Durchführung von Handlungen gegen den Schmerz sowie die Energiebereitstellung verändert. 
Unsere Befunde sind somit ein biologisches Argument für eine Schmerztherapie, die den Schmerz ganzheitlich mit allen seinen Komponenten umfasst.

Das würde sowohl psychotherapeutische und medikamentöse als auch physiotherapeutische Therapien beinhalten“, erklärt Ploner.

Am Interdisziplinären Zentrum für Schmerzmedizin der TUM werden solche sogenannten Multimodalen Schmerztherapien bereits angeboten.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com















Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Markus Ploner
Neurologische Klinik und Poliklinik
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Tel.: 089 4140-4608
markus.ploner@tum.de

Arcisstr. 21
80333 München
Deutschland
Bayern


Dr. Ulrich Marsch
Telefon: 089 / 289 - 22778
Fax: 089 / 289 - 23388
E-Mail-Adresse: presse@tum.de

Originalpublikation:
Laura Tiemann, Vanessa D. Hohn, Son Ta Dinh, Elisabeth S. May, Moritz M. Nickel, Joachim Gross and Markus Ploner: Distinct patterns of brain activity mediate perceptual and motor and autonomic responses to noxious stimuli, Nature Communications, October 2018, DOI: 10.1038/s41467-018-06875-x (Open Access).
https://www.nature.com/articles/s41467-018-06875-x

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.professoren.tum.de/de/ploner-markus/ - Profil von Prof. Markus Ploner

https://www.painlabmunich.de/ - Forschungsgruppe von Markus Ploner