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Blutzuckersenkende Wirkung des Nüchternblutzucker

Medizin am Abend Berlin Fazit: Von der positiven Wirkung der Bittergurke

Gießener Arbeitsgruppe zeigt blutzuckersenkende Wirkung von Bittergurke-Extrakt – Ergebnisse der Studie im Journal of Ethnopharmacology publiziert  
  • Ein Bittergurke-Extrakt kann den Nüchternblutzucker bei Menschen im Frühstadium einer Zuckerkrankheit vom Typ 2 – sogenannte Prädiabetiker – deutlich senken. 

Der Nachweis für diesen positiven Effekt der Bittergurke konnten Ernährungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im Rahmen eines randomisierten Doppelblindversuchs erbringen, bei dem die Versuchspersonen unter Verwendung eines Zufallsmechanismus unterschiedlichen Gruppen zugeordnet wurden. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt im internationalen Journal of Ethnopharmacology erschienen. Sie bauen auf gemeinsame Forschungsarbeiten in Gießen, Taiwan und Tansania auf, bei denen in den vergangenen zehn Jahren die blutzuckersenkende Wirkung der Bittergurke (Momordica charantia) untersucht wurde. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Medikamentenplan  

Aus ethischen Gründen seien nur Probandinnen und Probanden in die Studie eingeschlossen worden, die sich im Frühstadium einer Erkrankung an Diabetes mellitus befanden und noch keine medikamentöse Therapie benötigten, erläutert der Leiter der Studie, Prof. i.R. Dr. Michael Krawinkel vom Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Die Auswahl dieser Studiengruppe bringe es zwangsläufig mit sich, dass die gemessenen Abweichungen nicht sehr groß sind. Umso schwieriger sei es gewesen, die Wirkung nachzuweisen. Dies sei aber auf jeden Fall gelungen. Denn die Studie ergab: Der Effekt auf den Nüchternblutzucker fällt umso größer aus, je höher der Ausgangswert ist. Für die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heißt dies: Für die Gruppe der Diabetiker lässt sich ein noch stärkerer Effekt erwarten, als er bei den Prädiabetikern beobachtet werden konnte.

Da der diätetische Ansatz für Menschen von besonderer Bedeutung ist, die keinen sicheren Zugang zu adäquater medikamentöser Behandlung haben, wurde die Studie in der Stadt Moshi in Tansania am Kilimanjaro Christian Medical Center durchgeführt.

In den letzten Jahrzehnten haben sich chronische nicht-infektiöse Krankheiten wie der Diabetes mellitus Typ 2 weltweit stark ausgebreitet, weil sich die Ernährungsgewohnheiten verändert haben. Das stellt nicht nur die einzelnen Menschen und ihre Familien, sondern auch die Entscheidungsträger in Ländern mit wenig Geld für das Gesundheitswesen vor enorme Herausforderungen. Daraus ermisst sich die Bedeutung der Prävention und Behandlung durch eine Ernährung, die der Zuckerkrankheit und ihren Folgen vorbeugt. Bei dieser Ernährung können neben allgemeinen Regeln spezielle Gemüse eine besondere Rolle spielen.

Dass die Bittergurke (englisch ‚karela’ oder auch ‚bitter melon’) den Blutzucker beeinflusst, ist zwar schon länger bekannt, aber bisher gab es keine Studie, die den Effekt wissenschaftlich haltbar als signifikant zeigen konnte.

Das Untersuchungsmaterial aus Bittergurke und Gurke zum Vergleich wurde im World Vegetable Center in Taiwan hergestellt, in dem in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Internationale Ernährung des Gießener Instituts für Ernährungswissenschaft auch Vorstudien durchgeführt worden waren. Diese zeigten, dass nicht ein einzelner Wirkstoff, sondern mehrere Komponenten für den Effekt der Bittergurke verantwortlich sind.

Das Untersuchungsteam bestand auf Gießener Seite aus Dr. Sandra Habicht, die an der Professur für Ernährung in Prävention und Therapie im Institut für Ernährungswissenschaft der JLU lehrt und forscht, Dr. Christine Ludwig, die inzwischen an der Professur für Ernährungsepidemiologie des Instituts für Ernährungswissenschaft der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn arbeitet, sowie als Leiter Prof. Dr. Michael Krawinkel, jetzt
Prof. i.R. am Institut für Ernährungswissenschaft.

Publikation
Michael B.Krawinkel, Christine Ludwig, Mark E.Swaib, Ray-yu Yang, Kwok PanChund, Sandra D. Habicht: Bitter gourd reduces elevated fasting plasma glucose levels in an intervention study among prediabetics in Tanzania
Journal of Ethnopharmacology 2018; 216, 1-7.
https://doi.org/10.1016/j.jep.2018.01.016)

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Prof. i.R. Dr. Michael B. Krawinkel
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https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378874117334840

CAVE: Tagschläfrigkeit und Sekundenschlaf: Obstruktive Schlafapnoe

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wenn Fahrer sich müde schnarchen: Pneumologen warnen vor Verkehrsunfällen durch Schlafapnoe

Fast 1900 Verkehrsunfälle mit Personenschaden wurden im Jahr 2016 durch Übermüdung verursacht. 

  • Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf sind häufig die Folgen einer obstruktiven Schlafapnoe. 

Betroffene haben im Straßenverkehr ein zwei- bis siebenmal so hohes Risiko Unfälle zu verursachen (2). 

  • Viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie an einer Schlafapnoe leiden. 

Beim 59. Kongresses warnt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) vor den gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen unbehandelter Schlafstörungen. 

Auf einer Konferenz am 15. März in Dresden erklärten Experten, wie Menschen mit Schlafstörungen besser versorgt werden könnten. 
 
Wie gefährlich Sekundenschlaf sein kann, verdeutlichen zwei Zugunglücke, die sich in New York und New Jersey ereigneten, weil die jeweiligen Lokführer am Steuerpult eingenickt waren.

Wie sich herausstellte, litten beide an einer obstruktiven Schlafapnoe (3). In Deutschland und der EU dürfen Menschen mit Schlafapnoe und Tagesschläfrigkeit Kraftfahrtzeuge nur dann steuern, wenn sie kontinuierlich erfolgreich behandelt werden. 

Ähnliches gilt auch für Menschen, die gefährliche Arbeitsgeräte bedienen.

Eine Schlafapnoe kann sich oft – aber nicht immer – durch lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atemaussetzern bemerkbar machen.

„Aber die obstruktive Schlafapnoe ist bei Weitem nicht der einzige Grund für Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf.

Ein- und Durchschlafstörungen sowie Atmungsschwächen bei Herz- oder Lungenerkrankungen können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

  • Und nicht jeder Patient mit Schlafapnoe zeigt die typischen Symptome“, betont Prof. Dr. Winfried Randerath, Kongresspräsident der DGP 2018. 

„Die Anzahl der Menschen die an einer nicht diagnostizierten Schlafapnoe leiden ist immer noch hoch.“ Experten schätzen, dass in Deutschland etwa 13 Prozent der Männer und 7 Prozent der Frauen betroffen sind.

  • Bei der häufigsten Form der Schlafapnoe kollabieren im Schlaf die Atemwege des Patienten immer wieder. 

Dies kann von 10 Sekunden bis zu 2 Minuten dauern sowie die Atmung und die Sauerstoffversorgung unterbrechen.

  • Der Körper steigert seine Atmungsanstrengung, erlebt permanente Stressreaktionen. 

Der Schlaf bringt unter diesen Umständen keine Erholung mehr. 

„Wer sich tagsüber häufig – und scheinbar grundlos – müde oder schläfrig fühlt, sich schlecht konzentrieren kann oder gar ungewollt einschläft, sollte seinen Schlaf untersuchen lassen“, rät Randerath, der als Chefarzt am Krankenhaus Bethanien in Solingen tätig ist.

Denn bei unbehandelter Schlafapnoe drohen auch Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfall.

Durch die große Zahl der Betroffenen, Arbeitsausfallzeiten, Unfälle und Folgeerkrankungen wird die Schlafapnoe zu einem gesundheitlichen wie auch gesellschaftlichen Problem.

  • Die ambulante Versorgung deckt nur einen Teil der Diagnostik und Therapie des nicht erholsamen Schlafs ab. 

Das Versorgungsangebot für Patienten wird hierzulande immer knapper, so Randerath.

„Weil die Krankenkassen immer weniger stationäre Behandlungen bezahlen und ambulante Möglichkeiten unter-finanziert werden, stehen schlafmedizinische Angebote nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung.

Die Wartezeiten für einen Termin im Schlaflabor liegen in der Regel bei mehreren Monaten bis hin zu einem Jahr.“ 

Die Schulung und Begleitung der Patienten in der Therapie leidet darunter, auch würden Kosten für alternative Verfahren oft nicht übernommen – selbst wenn sie sich schon wissenschaftlich bewährt haben.

Welche Maßnahmen notwendig sind, erklärten Experten auf einer Pressekonferenz im Rahmen des 59. DGP Kongresses in Dresden.

Quellen

(1) Statistisches Bundesamt. Anzahl der durch Übermüdung verursachten Verkehrsunfälle mit Personen-schaden in Deutschland von 1991 bis 2016
(2) KH Rühle, KJ Franke, G Nilius. Sekundenschlaf, Schläfrigkeit und Verkehrstüchtigkeit beim Schlafapnoe-Syndrom. Pneumologie 2008; 62(10): 595–601
(3) Failure to screen for sleep apnea led to 2 recent train crashes. New York Times feb 6, 2018

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TERMINHINWEIS

DGP in Berlin: Zum Programm

Der Rahmen des 59. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP)

 Themen:

• Schlaflos in Deutschland: Erholsamer Schlaf braucht eine stärkere Schlafmedizin
• Dampfen kann tödlich sein: Warum die E-Zigarette keine Alternative ist
• Länger leben, weniger leiden: Personalisierte Krebsmedizin verbessert Überlebenschancen bei Lungenkrebs
• Laufen gegen Atemnot: Sport und Bewegung helfen bei chronischen Lungenerkrankungen



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Armutsbedingte schlechte CAVE: Ernährung verursacht körperliche und geistige Entwicklungsprobleme bei Kindern

Medizin am Abend Berlin Fazit: Kinderernährung: Forscher warnen vor Teufelskreis der Armut in Deutschland

Armutsbedingte schlechte Ernährung verursacht körperliche und geistige Entwicklungsprobleme bei Kindern 

Stellungnahme der SNFS an der Uni Hohenheim 
 
  • 2,77 Euro – mit dieser Summe pro Tag sollen Hartz IV-Empfänger ihre Kinder gesund und vollwertig ernähren. 

Das ist schlicht nicht möglich, mahnen Ernährungswissenschaftler der Fachgesellschaft Society of Nutrition and Food Science (SNFS) mit Sitz an der Universität Hohenheim in Stuttgart. 

  • In ihrer aktuellen Stellungnahme warnen sie davor, nur die Kalorien im Blick zu haben. 
Entscheidend sei vielmehr die ausreichende Versorgung mit allen Nährstoffen. Denn Fehlernährung im Kindesalter könne zu körperlichen und geistigen Entwicklungsstörungen führen – und diese Kinder hätten dann ein höheres Risiko auch als Erwachsene in Armut zu leben. Die Wissenschaftler appellieren an die Politik, diesem Problem mit einem höheren Tagessatz und anderen Maßnahmen zu begegnen.

Kinder brauchen für Wachstum und Entwicklung eine abwechslungsreiche Ernährung. Sie muss genügend Obst und Gemüse, Milchprodukte, Fleisch und Eier enthalten, ergänzt durch Sättigungsbeilagen wie Kartoffeln, Reis und Nudeln. Nur damit kann man sicherstellen, dass die Kinder genügend Energie und Eiweiß, besonders aber Vitamine, Minerale und Spurenelemente zu sich nehmen.

Doch für viele Kinder, auch in Deutschland, ist ein solcher Speiseplan weit von der Realität entfernt.

Das Problem: Das Geld reicht nicht für eine gesunde Ernährung. „2,77 Euro für Kinder bis zum 6. Lebensjahr und 3,93 Euro für 6- bis 14-jährige für die tägliche Ernährung im Hartz IV-Satz liegen deutlich unter dem, was man für eine gesunde Ernährung rechnen muss“, erklärt Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Jan Frank, Präsident der Society of Nutrition and Food Science (SNFS). Betroffen seien vor allem Kinder alleinerziehender Mütter mit Hartz IV-Bezug, also derzeit 2,1 Millionen Kinder unter 15 Jahren.

Eine besondere Risikogruppe stellen außerdem Kinder aus Flüchtlingsfamilien dar, betonen die Forscher angesichts der aktuellen Debatte in der Politik. „Diese Kinder sind oft schon seit längerer Zeit schlecht ernährt, weshalb das Augenmerk ganz besonders auch auf sie gelegt werden sollte“, mahnt Prof. Dr. Frank an.

Zu viel Kalorien – zu wenig Nährstoffe


Die Folgen für die Kinder sind fatal: „Es drohen Entwicklungsstörungen, die nicht nur das körperliche Wachstum, sondern auch die geistige Entwicklung betreffen“, warnt Prof. Dr. Hans Konrad Biesalski, Ernährungsmediziner an der Universität Hohenheim. „Denn wenn gespart werden muss, dann werden vor allem solche Lebensmittel gekauft, die preisgünstig sind, aber auch satt machen.“

Die Sättigungsbeilage wird zur Hauptmahlzeit, fettes Schweinefleisch und billiges Fast Food ergänzen das Menü. „Es gibt zahlreiche Untersuchungen dazu, dass die Qualität eines Lebensmittels, also die Menge an enthaltenen Mikronährstoffen, mit sinkendem Preis abnimmt, während der Energiegehalt zunimmt“, erklärt Prof. Dr. Biesalski. Das Kind werde damit zwar satt, nehme aber zu viel Kalorien und zu wenig Mikronährstoffe auf. „Es kommt zu dem, was wir als ‚double burden‘ bezeichnen: Übergewicht bei unzureichender Versorgung mit Mikronährstoffen.“

Entwicklungsstörungen führen in Teufelskreis der Armut

Übergewicht ist bei Kindern aus armen Verhältnissen in Deutschland dreimal häufiger anzutreffen als bei Kindern aus Familien mit gutem Einkommen. „Zudem zeigt eine Studie aus Brandenburg, dass Kinder aus armen Familien kleiner sind“, berichtet Prof. Dr. Biesalski. Ein Hinweis auf eine Wachstumsstörung, wie sie vor allem bei einer Ernährung mit zu wenig Mikronährstoffen zu beobachten ist.
  • Internationale Studien zeigen außerdem, dass Kinder aus Ländern mit hohen Einkommen, die dort in Armut leben, häufiger Entwicklungsstörungen des Gehirns haben. „Besonders betroffen sind Hirnteile, die mit der Entwicklung und dem Gebrauch von Sprache zu tun haben“, erläutert Prof. Dr. Biesalski. 
  • Die Einschulungsuntersuchungen des Landes Brandenburg passten in dieses Bild, erklärt der Ernährungsmediziner: 
  • „Entwicklungsstörungen der Sprache treten dort bei Kindern aus armen Familien 15-mal häufiger auf als bei Kindern in finanziell gesicherten Verhältnissen.“

Eine Verbesserung der Ernährungssituation würde die Chancen dieser Kinder in Schule und Beruf deutlich verbessern, schlussfolgern die Wissenschaftler. „Ansonsten sind die Kinder im fatalen Kreislauf der Armut gefangen“, so Prof. Dr. Frank.

Rund vier Euro nötig für gesunde Ernährung von Kindern

Um diesen zu durchbrechen, sei jedoch eine Erhöhung des Hartz IV-Regelsatzes unumgänglich, appellieren die Forscher. Denn auch Initiativen wie "IN FORM", eine Initiative zweier Bundesministerien für gesunde Ernährung und mehr Bewegung, gäben zwar gute Ernährungstipps, die jedoch mit 2,77 Euro täglich nicht umsetzbar seien. „Rund 4 Euro am Tag sind nötig um eine gesunde Ernährung für Kinder unter 6 Jahren zu gewährleisten“, betont Prof. Dr. Frank.

Bei den Politikern mahnt er daher dringenden Handlungsbedarf an:

„Die immer wieder geforderten Verbesserungen bei der Ernährung gerade für Kinder in Armut sind dort bisher nicht auf offene Ohren gestoßen.“ Auch Möglichkeiten wie kostenloses Essen in KITAs und Ganztagsschulen könnten einen Beitrag zur Lösung des Problems bringen, meint Prof. Dr. Biesalski. „Damit lernen die Kinder auch gesunde Ernährung kennen – und das Gesundheitssystem spart Kosten für die Behandlung kranker und übergewichtiger Kinder.“

Wissenschaftliche Stellungnahme der SNFS zu Kinderarmut: http://snfs.org/comments/snfs-stellungnahme-kinder.html

SAVE THE DATE:
4. Hidden Hunger-Kongress an der Universität Hohenheim vom 27.2. bis 1.3.2019


Drei internationale Kongresse zum Thema des verborgenen Hungers in den letzten Jahren an der Universität Hohenheim haben die Fragen der Armut und der damit einhergehenden Ernährungsprobleme gerade bei Kindern dargestellt. Nicht nur die Folgen für die körperliche, sondern auch für die kognitive Entwicklung standen dabei im Mittelpunkt. Diese Kongresse zeigten, dass Armut oft die Ursache für unzureichende Ernährung ist und wie wichtig dies gerade für die kindliche Entwicklung ist. Der 4. Hidden Hunger-Kongress im kommenden Jahr (27.2. bis 1.3.2019) wird dieses Thema erneut aufgreifen.
Mehr Infos: https://hiddenhunger.uni-hohenheim.de

Hintergrund: Society of Nutrition and Food Science (SNFS)

Die Society of Nutrition and Food Science e.V. (SNFS) ist ein im Jahr 2013 gegründeter Zusammenschluss unabhängiger Experten im Bereich Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften mit Sitz an der Universität Hohenheim. Ziel der gemeinnützigen Organisation ist es, Forschung und Lehre in diesem Themenfeld voranzutreiben, neutral und wissenschaftlich fundiert Stellung zu kontroversen Themen und aktuellen Publikationen zu nehmen sowie dem Verbraucher fachlich korrektes Wissen zu Ernährungsthemen zur Verfügung zu stellen. Homepage: http://www.snfs.org/

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Prof. Dr. Jan Frank, Universität Hohenheim, Fachgebiet Biofunktionalität und Sicherheit der Lebensmittel
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Neurodermitis - Zusammenspiel von Hautzellen, Immunzellen und den Mikroben

Medizin am Abend Berlin Fazit: Kieler Studie zeigt: Trockene Haut und Neurodermitis führen zu einem veränderten Hautmikrobiom

Patientinnen und Patienten mit Neurodermitis haben im Vergleich zu gesunden Menschen ein deutlich verändertes und weniger vielfältiges bakterielles Besiedlungsmuster der Haut. 

Dies betrifft nicht nur Stellen mit akuten oder chronischen Ekzemen, sondern auch nicht entzündete Hautareale, wie ein Team des Exzellenzclusters Entzündungsforschung in einer Studie herausfand.  

Medizin am Abend Berlin Zusatzfachthema: Medikamentenplan
  • Allerdings gibt es Unterschiede zwischen Körperregionen, die mit einer unterschiedlichen Zusammensetzung der Hautlipide einhergehen.  Im Fall eines Ekzems bei Neurodermitis-Patienten, also einer akuten Entzündung der Haut, sinkt die Vielfältigkeit der Bakterien weiter ab und der Anteil bestimmter „schlechter Bakterien“ steigt an.
Im Fall eines Ekzems bei Neurodermitis-Patienten, also einer akuten Entzündung der Haut, sinkt die Vielfältigkeit der Bakterien weiter ab und der Anteil bestimmter „schlechter Bakterien“ steigt an. Holly McKelvey/Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces“


Überraschend für Erstautor Dr. Hansjörg Baurecht vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein war, dass diese regionalen Unterschiede in den Hintergrund treten, wenn die Haut sich entzündet. 

„Die natürlichen Unterschiede in der Zusammensetzung des Mikrobioms an unterschiedlichen Körperstellen sind dann aufgehoben, und es entsteht ein typisches weniger vielfältiges Muster der bakteriellen Besiedelung, wenn die Hautentzündung chronisch wird.“

Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt im Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlicht.

Die Haut des Menschen ist Lebensraum unzähliger Mikroorganismen, deren Gesamtheit als Mikrobiom bezeichnet wird.

  • Dabei findet man an verschiedene Körperstellen jeweils typische Bakterienstämme, und die bakterielle Zusammensetzung unterscheidet sich zum Teil erheblich, zum Beispiel zwischen Stirn und Fußsohle. 

Das ist zunächst weder gut noch schlecht, sondern einfach durch die jeweilige Umgebung bedingt.

Feuchtigkeit, pH-Wert, Temperatur und Lipidgehalt der Haut haben Einfluss auf das Besiedlungsmuster, ebenso wie genetische Faktoren und Umwelteinflüsse.

Das feine Zusammenspiel von Hautzellen, Immunzellen und den Mikroben sorgt dafür, dass die Haut ihre Barrierefunktion ausübt. Veränderungen im Mikrobiom können diese Funktion beeinflussen.
  • Die am besten beschriebene Ursache für eine generelle Barrierestörung der Haut ist ein Mangel am Hauteiweiß Filaggrin. 

Bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung ist dieser Mangel durch vererbte Mutationen entstanden. Diese Personen leiden an einer allgemeinen Hauttrockenheit und verminderter Barrierefunktion, das heißt die Haut ist durchlässiger für Einflüsse von außen.

Der angeborene Filaggrinmangel führt nicht zwangsläufig zu Neurodermitis, geht aber mit einem deutlich erhöhten Erkrankungsrisiko einher. Eine Ursache dafür könnte ein verändertes Hautmikrobiom sein. Die jetzt veröffentlichte Studie stützt diese Vermutung:

Die bakterielle Besiedlung bei Menschen mit Filaggrinmangel ähnelt in Teilen der von Neurodermitispatientinnen und -patienten. Kommt es dann zur Erkrankung, verändert sich das Mikrobiom weiter.

Bislang war das Mikrobiom von Menschen mit Neurodermitis nur an den typischerweise betroffenen Körperstellen wie Kniekehlen und Armbeugen gut untersucht.

Die aktuelle Studie zeigte, dass dort die für die Neurodermitis typischen Veränderungen des Hautmikrobioms zwar am deutlichsten ausgeprägt sind, aber auch nicht betroffene Hautareale typische Veränderungen aufweisen. Zu diesen Besonderheiten zählen eine verminderte Vielfalt von Bakterien und eine unterschiedliche Zusammensetzung von Staphylokokken-Stämmen.

„Die Diversität, also die Bakterienvielfalt, und der Anteil bestimmter Staphylokokken nimmt von gesunder über trockene zu entzündeter Haut sukkzessive ab, während bestimmte andere Stämme, insbesondere S. aureus immer mehr dominieren“, betont Dr. Hansjörg Baurecht, Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe von Clustermitglied Professor Stephan Weidinger an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des UKSH Kiel.

„Wirklich überraschend war, dass wir die für Gesunde typische körperstellenspezifischen Unterschiede im Hautmikrobiom auf akuten und chronischen Ekzemen von Neurodermitispatienten nicht mehr finden. 

Die Entzündung verändert das Hautmikrobiom massiv, unabhängig von der Körperstelle. Das hatten wir in dem Ausmaß nicht erwartet.“

„Unsere neuen Daten vertiefen das Verständnis der wechselseitigen Abhängigkeit zwischen Hautfunktion und bakterieller Besiedlung“, betont Professor Stephan Weidinger, stellvertretender Direktor der Universitäts-Hautklink Kiel und Leiter der Abteilung für entzündliche Hautkrankheiten.

  •  „Das Besiedlungsmuster der Haut ist bei Patientinnen und Patienten mit Neurodermitis generell verändert, und ist sowohl Ausdruck als auch Triggerfaktor der Entzündung und kann Ausgangspunkt für echte Infektionen sein.“ 




Cluster-Mitglied Professor Stephan Weidinger
Cluster-Mitglied Professor Stephan Weidinger Dr. Tebke Böschen/Exzellenzcluster "Inflammation at Interfaces"


Stichwort Neurodermitis
Neurodermitis (atopisches Ekzem) ist eine der häufigsten chronischen, nicht ansteckenden entzündlichen Hauterkrankungen. Sie tritt meist schon in frühester Kindheit auf und verläuft in Schüben. Schätzungsweise 10 bis 20 Prozent der Kinder und 5 bis 10 Prozent der Erwachsenen sind betroffen. Kennzeichen sind extremer Juckreiz, immer wieder kehrende Ekzeme, und meist eine generelle Hauttrockenheit. Die Ursachen der Neurodermitis liegen zum größten Teil in einer erblichen Veranlagung zu einer Überempfindlichkeit der Haut sowie Überreaktionen des Immunsystems. Bei der Neurodermitis ist die optimale Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit und Fetten gestört und die natürliche Barrierefunktion herabgesetzt

  • Auf diese Weise können irritierende und allergieauslösende Stoffe aus der Umwelt leichter eindringen.

Originalpublikation:
Baurecht, H, Rühlemann, MC, Rodríguez, E, Thielking, F, Harder, I, Erkens, AS, Stölzl, D, Ellinghaus, E, Hotze, M, Lieb, W, Wang, S, Heinsen, FA, Franke, A und Weidinger, S (2018): Epidermal lipid composition, barrier integrity and eczematous inflammation are associated with skin microbiome configuration. Journal of Allergy and Clinical Immunology, https://doi.org/10.1016/j.jaci.2018.01.019

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Dr. Hansjörg Baurecht
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am UKSH Kiel
Tel.: 0431/500 21111
hbaurecht@dermatology.uni-kiel.de

Prof. Dr. Stephan Weidinger
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am UKSH Kiel
Tel.: 0431/500 21110
sweidinger@dermatology.uni-kiel.de

Dr. Tebke Böschen
Telefon: (0431) 880-4682, E-Mail: tboeschen@uv.uni-kiel.de
Internet: www.inflammation-at-interfaces.de

Der Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces/Entzündungsforschung“ wird seit 2007 durch die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder mit einem Gesamtbudget von 68 Millionen Euro gefördert; derzeit befindet er sich in der zweiten Förderphase. Die rund 300 Clustermitglieder an den insgesamt vier Standorten: Kiel (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Muthesius Kunsthochschule), Lübeck (Universität zu Lübeck, UKSH), Plön (Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie) und Borstel (Forschungszentrum Borstel – Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften) forschen in einem innovativen, systemischen Ansatz an dem Phänomen Entzündung, das alle Barriereorgane wie Darm, Lunge und Haut befallen kann.

Exzellenzcluster Entzündungsforschung
Wissenschaftliche Geschäftsstelle, Leitung: Dr. habil. Susanne Holstein
Postanschrift: Christian-Albrechts-Platz 4, D-24118 Kiel
Telefon: (0431) 880-4850, Telefax: (0431) 880-4894
E-Mail: spetermann@uv.uni-kiel.de
Twitter: I@I @medinflame
 

Zentralnervensystem: Myelinschicht/Myelinhülle - Fortsätze von Nervenhzellen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bildung und Reparatur der Myelinschicht um Nervenfasern erstmals „live“ untersucht

  • Die Fortsätze von Nervenzellen sind von einer Myelinschicht umgeben. 

Ein Team der Technischen Universität München (TUM) hat erstmals „live“ beobachtet, wie sie gebildet wird, und wie Schäden repariert werden. 

Dabei zeigte sich, dass charakteristische Muster der Myelinschicht früh festgelegt werden. 

Bei Bedarf können sie sich jedoch anpassen, vermutlich gesteuert von den Nervenzellen selbst.
 
  • Die Myelinhülle um Fortsätze von Nervenzellen (Axone) lässt sich mit der Isolation um elektrische Kabel vergleichen. 
  • Myelin schirmt das Axon ab und macht eine schnelle Übertragung von elektrischen Signalen erst möglich. Wird die Isolierung beschädigt, beispielsweise bei Erkrankungen wie Multipler Sklerose, kann es zu schweren Ausfallerscheinungen kommen.

Myelinsegmente bestimmen Übertragungsgeschwindigkeit

Das Myelin bildet allerdings keinen durchgängigen Schlauch um das Axon, sondern ist in Segmente unterteilt. Diese können unterschiedlich lang sein und sind jeweils durch sogenannte Ranviersche Schnürringe voneinander getrennt.

Im komplexen Netzwerk des Zentralnervensystems geht es nicht darum, alle Verbindungen so schnell wie möglich zu machen. Entscheidend ist vielmehr das Feintuning: Impulse müssen zum exakt richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. 
  • Wie schnell Informationen durch ein Axon übertragen werden, wird auch durch die Zahl und Länge der Segmente beeinflusst.

Muster bleiben stabil

Der Körper von Menschen und Tieren ist zumindest teilweise in der Lage, beschädigte Myelinhüllen zu reparieren. Dr. Tim Czopka, Neurowissenschaftler an der TUM, hat diesen Prozess erstmals „live“ beobachtet. Durch eigens entwickelte Markierungssubstanzen konnten er und sein Team sichtbar machen, wie Myelinsegmente um Axone im Rückenmark von Zebrafischen gebildet werden. 

Dabei stellten sie fest: Charakteristische Muster mit unterschiedlich langen Myelinsegmenten entlang eines Axons werden innerhalb weniger Tage nach dem Beginn der Myelinbildung festgelegt. Danach wachsen die Segmente zwar weiterhin – schließlich wächst auch der Körper des Fisches – das Muster bleibt aber erhalten.

In einem nächsten Schritt zerstörten Tim Czopka und sein Team gezielt einzelne Segmente. „Dabei erlebten wir eine Überraschung“, sagt Czopka. „Nach der Zerstörung begann die Myelinschicht, sich dynamisch zu verändern. Am Ende war der Schaden repariert und das ursprüngliche Muster in den meisten Fällen wieder hergestellt.“ Der Wiederaufbau folgte einem festen Schema: 

Zunächst dehnten sich die benachbarte Segmente aus, wie um die Lücke zu schließen. Dann wuchs zwischen ihnen ein neues Segment und sie schrumpften wieder auf ihre ursprüngliche Größe zurück.

Axone beeinflussen Segmentbildung

Daraus ergibt sich eine wichtige Frage: Wer steuert Entstehung und Wiederherstellung des Segmentmusters? 

„Unsere Beobachtungen legen nahe, dass nicht die myelinbildenden Zellen, die Oligodendrozyten, sondern die Axone bestimmen, wo Myelin gebildet wird“, sagt Tim Czopka. „Man könnte sagen, dass sie am besten wissen, welches Muster für die ideale Übertragungsgeschwindigkeit benötigt wird.“
  • Derzeit erforschen er und sein Team, wie sich die Segmentmuster durch gezielt ausgelöste Nervenzellaktivität und dabei ausgeschüttete Botenstoffe verändern. 

„Wenn wir die Rolle der Axone bei der Myelinregeneration verstehen, könnten sich neue Ansätze ergeben, um sie zu steuern“, erläutert Czopka. „Das wäre beispielsweise für die Behandlung von Erkrankungen wie Multipler Sklerose relevant.“

Publikation:

F. Auer, S. Vagionitis, T. Czopka, “Evidence for Myelin Sheath Remodeling in the CNS Revealed by In Vivo Imaging”, Current Biology (2018). DOI: 10.1016/j.cub.2018.01.017.

Volltext (Open Access):
http://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(18)30019-8

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Dr. Tim Czopka
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Mehr Informationen:

Dr. Tim Czopka leitet eine Emmy-Noether-Nachwuchsforschungsgruppe am Institut für Zellbiologie des Nervensystems der TUM. Das aktuelle Forschungsprojekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Seit 2016 fördert der Europäische Forschungsrat (ERC) Czopkas Forschung mit einem ERC Starting Grant. Tim Czopka ist Mitglied des Exzellenzclusters für Systemneurologie, SyNergy.

Profil Dr. Tim Czopka: https://www.professoren.tum.de/tum-junior-fellows/c/czopka-tim

Forschungsgruppe: https://www.czopka-lab.de/


Institut für Zellbiologie des Nervensystems: http://www.neuroscience.med.tum.de


Exzellenzclusters SyNergy: http://www.synergy-munich.de/index.html


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Zeitrafferaufnahme der Myelinbildung um ein Axon

http://www.cell.com/action/showImagesData?pii=S0960-9822%2818%2930019-8 


Weitere Kurzvideos zur Studie


Faszientraining - Fitnessstudio

Medizin am Abend Berlin Fazit: Faszien: Vernetzt von Kopf bis Fuß

In einem Artikel für Gray´s Anatomy fassen Sportwissenschaftler und Sportmediziner der Goethe-Uni überraschende Erkenntnisse aus der neueren Forschung zusammen. 
 
Lange Zeit galten Faszien als vornehmlich passives Verpackungsmaterial für Muskeln ohne bedeutsame Funktionen für das Bewegungssystem.

Als neuere Forschungsergebnisse zeigten, dass sie eine weitaus wichtigere Rolle spielen könnten, entwickelte sich bald das Faszientraining. In seiner neusten Ausgabe würdigt auch das renommierte amerikanische Anatomiebuch „Gray´s Anatomy“ das muskelumhüllende Gewebe mit einem Eintrag. Geschrieben ist er von den Frankfurter Forschern Dr. Jan Wilke und Prof. Winfried Banzer.


Faszien im Bereich des unteren Rückens und des Gesäßes.


Faszien im Bereich des unteren Rückens und des Gesäßes. Abbildung: fascialnet.com

In Anatomiebüchern wurden Faszien bisher nur selten exponiert dargestellt, in Anatomiekursen fielen sie meist schnell dem Skalpell zum Opfer, da das dünne, weißliche Gewebe den Blick auf die Muskeln des Körpers verstellt. 

  • Inzwischen weiß man aber, dass es eine höhere Nervendichte und Schmerzempfindlichkeit besitzt als Muskeln und somit bei verschiedenen orthopädischen Beschwerden relevant sein könnte. 

So erklärt sich auch der gegenwärtige Hype um das Faszientraining: Kaum ein Fitnessstudio verzichtet darauf, die Industrie entwickelt unablässig neue Trainingsgeräte und Buchläden präsentieren diverse Werke mit bunten, teils reißerischen Covers.

Mit einem Eintrag in der kürzlich erschienenen 42. Auflage des renommierten Anatomiebuchs „Gray’s Anatomy“ haben Faszien nun auch einen festen Platz im Lehrbuchwissen erhalten.

Der Atlas zählt zu den bekanntesten und einflussreichsten Werken weltweit und ist, insbesondere im anglo-amerikanischen Sprachraum, ein Klassiker. Die Frankfurter Sportwissenschaftler Dr. Jan Wilke und Prof. Winfried Banzer, der zugleich Sportmediziner ist, wurden eingeladen, einen Kommentar zu ihren Forschungsergebnissen für Gray´s Anatomy zu verfassen. 

Beide Autoren beschäftigen sich mit der potenziellen mechanischen Rolle des kollagenen Bindegewebes.

Mit einer systematischen Literaturanalyse konnten Wilke und Banzer nachweisen, dass Faszien, entgegen zahlreicher Darstellungen in Standardwerken der Anatomie, die Muskeln des Körpers nicht voneinander abgrenzen, sondern – teils von Kopf bis Fuß – direkt verbinden.  
  • Möglicherweise erklären die so entstehenden Muskel-Faszien-Ketten, warum Schmerzen manchmal in entfernten Körperregionen auftreten. 
Da im Verlauf der Kontinuitäten auch Kräfte übertragen werden, beschränken sich die Wirkungen von klassischen Sportübungen wie Dehnen oder Krafttraining auch nicht auf den Anwendungsort. 

Mehrere Studien aus dem Frankfurter Institut für Sportwissenschaften zeigten, dass Dehnübungen der Beinmuskulatur sogar die Beweglichkeit der Halswirbelsäule steigern und nicht weniger effektiv sind, als lokale Übungen des Nackens selbst.

Aktuell versuchen Wilke und Banzer herauszufinden, ob die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung bei Gesunden auch auf Patienten übertragbar sind.

Hinweise:
• Die 42. Auflage von „Gray´s Anatomy“ ist kürzlich als Ebook erschienen. Die gedruckte Version ist für das Jahr 2020 geplant.
• Am 27. Januar um 22.50 Uhr zeigte ARTE eine Dokumentation zum Thema Faszien, in der, neben anderen führenden Faszienforschern, auch der Frankfurter Wissenschaftler Dr. Jan Wilke zu sehen war.


Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main. Internet: www.uni-frankfurt.de

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CAVE: Multiple-Sklerose-Therapie (MS) - verfügbaren MS-Pharmazeutika

Medizin am Abend Berlin Fazit: Umfangreiche Richtlinien für Multiple-Sklerose-Therapie veröffentlicht

Für die medikamentöse Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) hat ein internationales Team 20 Richtlinien zusammengestellt. 

  • Sie machen Chancen und Risiken, mit denen diese Substanzen verbunden sind, transparent und sollen Betroffene so dabei unterstützen, die passende Arznei für den jeweiligen Fall auszuwählen. 
 
Die Richtlinien erarbeiteten 27 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Dr. Xavier Montalban von der Universitätsklinik Vall d’Hebron in Barcelona und Prof. Dr. Ralf Gold vom Bochumer Universitätsklinikum St. Josef-Hospital. Sie sind in den Fachzeitschriften „Multiple Sclerosis Journal“ und „European Journal of Neurology“ erschienen. Das Projekt war eine Initiative der European Academy of Neurology und des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis.

Häufige Fragen aus dem Klinikalltag aufgegriffen

Derzeit gibt es keine Medikamente, mit denen sich die Multiple Sklerose heilen lässt.


  • Die Arzneimittel zielen darauf ab, neue Krankheitsschübe und somit ein Fortschreiten der Symptome zu verhindern.

Bis Anfang 2017 hatte die European Medicine Agency elf MS-Medikamente zugelassen. Alle bis zum Zeitpunkt der Publikation auf dem Markt verfügbaren Substanzen wurden berücksichtigt.

Die Richtlinien helfen Ärzten, Patienten, Krankenkassen und Entscheidern im Gesundheitswesen zu klären, was für eine bestimmte Person die beste Anfangstherapie ist und was die beste Folgetherapie; wie sich der Behandlungserfolg optimal messen lässt; wann die Behandlung abgebrochen oder verändert werden sollte; und was bei Schwangeren zu beachten ist.

Aktualisierung geplant

Ansätze für Behandlungsrichtlinien gab es bereits mehrere in den vergangenen fünf Jahren.

Aber keine hat sich so umfassend mit allen verfügbaren MS-Pharmazeutika befasst wie die aktuelle Initiative, die speziell die Probleme in den Fokus genommen hat, die Klinikern und Patienten im Alltag begegnen. 

In fünf Jahren wird das Konsortium die Richtlinien aktualisieren.

Originalveröffentlichung
Xavier Montalban et al.: ECTRIMS/ EAN Guideline on the pharmacological treatment of people with Multiple Sclerosis, in: European Journal of Neurology, 2018, DOI: 10.1111/ene.13536
Xavier Montalban et al.: ECTRIMS/ EAN Guideline on the pharmacological treatment of people with Multiple Sclerosis, in: Multiple Sclerosis Journal, 2017, DOI: 10.1177/1352458517737372


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Therapiestrategien Bauchspeicheldrüsenkrebs: Aggressivität und frühe Metastasierung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bauchspeicheldrüsenkrebs: Verdopplung von Genen macht Tumore so aggressiv

Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den Krebserkrankungen mit der weltweit höchsten Sterblichkeit. 

Genetische Veränderungen, mit denen sich die besondere Aggressivität und frühe Metastasierung dieser Krebsform erklären ließe, konnten bisher allerdings nicht gefunden werden. 

Ein Forschungsteam der Technischen Universität München (TUM) und des Deutschen Krebskonsortiums (DKTK) zeigt jetzt, dass diese Eigenschaften durch bestimmte Gen-Vervielfältigungen, die entlang unterschiedlicher Evolutionswege des Krebses entstehen, erklärt werden können. 

Aus dieser Entdeckung leiten sie grundlegende Prinzipien für die Biologie dieser Krebsart ab. 
 
Bisher scheiterten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, Eigenschaften des Bauchspeicheldrüsenkrebses, wie dessen Aggressivität, mit Veränderungen im Erbgut des Tumors, so genannten Mutationen, in Zusammenhang zu bringen.

  • Zudem bildet Bauchspeicheldrüsenkrebs sehr viel schneller Metastasen als andere Krebsarten. 

Auch hier sind die genetischen Ursachen bisher unklar.

Ein Team um Prof. Roland Rad und Prof. Dieter Saur am TUM Universitätsklinikum rechts der Isar und dem Deutschen Krebskonsortium ist beiden Problemen einen entscheidenden Schritt nähergekommen. Mit Hilfe verschiedener Mausmodelle zur Erforschung des Bauchspeicheldrüsenkrebses gelang es ihnen, molekulare Wege der Tumorentstehung im Detail aufzudecken. Sie können so nachvollziehen, wie unterschiedliche Eigenschaften der Erkrankung entstehen. Die Studie wurde im Fachjournal Nature veröffentlicht.

Tumorzellen besitzen mehrere fehlerhafte Kopien eines Krebsgens

Gesunde Zellen in Menschen haben von jedem Gen zwei Kopien. Für ihre Experimente mutierten die Forscherinnen und Forscher eine der beiden Kopien des Kras-Gens in Mäusen. Das Gen spielt bei der Zellvermehrung eine wichtige Rolle und ist in 90% aller menschlichen Bauchspeicheldrüsentumore aktiviert.

Solche Gene werden auch als Krebsgene oder Onkogene bezeichnet. Dabei machte das Team um Roland Rad eine überraschende Entdeckung: Das mutierte Gen wurde häufig bereits in sehr frühen Vorstufen des Krebses vervielfältigt. Hatte ein Tumor die mutierte Kras-Genkopie nicht verdoppelt, entdeckten die Forscher Vervielfältigungen in anderen Krebsgenen.

„Es scheint so als müsste die Zelle das Wachstumssignal durch die zusätzlichen Gen-Kopien erhöhen. Dieses Modell der Dosisverstärkung während der Tumorentwicklung wurde bisher nicht berücksichtigt.“ sagt Sebastian Müller, Erstautor der Studie, und fügt hinzu: “Wir konnten zusätzlich zeigen, dass bei erhöhter Zahl der mutierten Kras-Kopien die Aggressivität und die Fähigkeit zur Metastasierung zunahmen.“

Störung körpereigener Schutzmechanismen bestimmt die Evolution des Krebses

Normalerweise haben gesunde Zellen eigene Schutzmechanismen, damit sich Mutationen nicht anhäufen. Warum konnten die Zellen also diese Dosisverstärkung überhaupt schaffen, ohne daran gehindert zu werden?

"Hier zeigt sich die Bedeutung von Mausmodellen. Sie ermöglichen uns, die außerordentlich komplexen Prozesse der molekularen Krebsentwicklung umfassend zu beobachten und experimentell zu überprüfen: von der gesunden Zelle über Krebsvorläufer bis hin zum aggressiven Tumor und dessen Ausbreitung in verschiedene Organe." erklärt Prof. Dieter Saur.

Nach der durch die Forscher verursachten Kras-Mutation entstanden zunächst weitere Mutationen in so genannten Tumorsuppressorgenen.

Damit die Entwicklung einer Tumorzelle verhindert wird, besitzt eine gesunde Zelle eine ganze Reihe solcher schützender Gene. 

Eine grundlegende Erkenntnis der Forscher war: Je nachdem welches Tumorsuppressorgen betroffen war und wie stark dessen Funktion beeinträchtigt wurde, wird entweder das mutierte Kras-Gen oder ein anderes Krebsgen vervielfältigt.

Die Wichtigsten Entwicklungsschritte aufgeklärt

Erst durch das Ausschalten der zelleigenen Schutzmechanismen und die darauffolgende ‚Dosisverstärkung‘ kann am Ende ein Tumor entstehen.

Welchen Weg die Zelle dabei einschlägt und welche Gene beteiligt sind, bestimmte dann maßgeblich die Eigenschaften des Bauchspeicheldrüsentumors.

Durch das Modell der ‚Dosisverstärkung‘ lassen sich erstmals genetische Muster festlegen, die dessen Aggressivität und Metastasierung erklären.

„Wir haben Hinweise darauf, dass unsere Entdeckung ein grundlegendes Prinzip bei der Entstehung von Tumoren darstellt und auch bei anderen Krebsarten von Bedeutung ist.

Wir gehen nun der Frage nach, inwieweit diese neuen Einblicke in die Tumorbiologie für die Entwicklung neuer Therapiestrategien genutzt werden können.“, erklärt Prof. Roland Rad die nächsten Forschungsziele.

Folgende Institutionen waren ebenfalls an der Studie beteiligt: The Wellcome Trust Sanger Institute, Ludwig-Maximilians Universität (Anthropologie und Humangenetik), Helmholtz Zentrum München, (Forschungsabteilung Strahlenzytogenetik), Universidad de Oviedo (Institute of Oncology of Asturias, Departamento de Bioquímica y Biología Molecular, Facultad de Medicina, Instituto Universitario de Oncología, Nanomaterials and Nanotechnology Research Center), University of Cambridge (Department of Veterinary Medicine), Instituto de Medicina Oncológica y Molecular de Asturias, Klinikum der LMU München-Grosshadern (Medizinische Klinik und Poliklinik II), Instituto de Biomedicina y Biotecnología de Cantabria

Originalpublikation
S. Mueller, T. Engleitner, R. Maresch, M. Zukowska, S. Lange, T. Kaltenbacher, B. Konukiewitz, R. Öllinger, M. Zwiebel, A. Strong, H.-Y. Yen, R. Banerjee, S. Louzada, B. Fu, B. Seidler, J. Götzfried, K. Schuck, Z. Hassan, A. Arbeiter, N. Schönhuber, S. Klein, C. Veltkamp, M. Friedrich, L. Rad, M. Barenboim, C. Ziegenhain, J. Hess, O. M. Dovey, S. Eser, S. Parekh, F. Constantino-Casas, J. de la Rosa, M. I. Sierra, M. Fraga, J. Mayerle, G. Klöppel, J. Cadiñanos, P. Liu, G. Vassiliou, W. Weichert, K. Steiger, W. Enard, R. M. Schmid, F. Yang, K. Unger, G. Schneider, I. Varela, A. Bradley, D. Saur, R. Rad, Evolutionary routes and KRAS dosage define pancreatic cancer phenotypes, Nature, 2018, DOI: 10.1038/nature25459
https://www.nature.com/articles/nature25459

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Prof. Dr. med. Roland Rad
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II
Universitätklinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Tel.: (089) 4140 - 4374
E-Mail: roland.rad@tum.de
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Dr. Ulrich Marsch
Telefon: 089 / 289 - 22778
Fax: 089 / 289 - 23388
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https://www.med2.mri.tum.de/de/forschung/grundlagenforschung/ag-rad.php
- Forschungsgruppe von Roland Rad

https://www.med2.mri.tum.de/de/forschung/grundlagenforschung/ag-saur.php
- Forschungsgruppe von Dieter Saur

 

Windkrafträder: Stresssymptome, Stressbewältigung, Gesundheitsbilderfahrung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Windräder: Wie sich der Stress für Anwohner reduzieren lässt

Egal ob beim Einschlafen, Entspannen oder bei Freizeitaktivitäten: 

Die Geräusche von Windrädern belästigen knapp ein Drittel der Anwohner eines Windparks gar nicht oder nur wenig. 

  • Jeder Zehnte erlebt dagegen Stresssymptome, wie Reizbarkeit oder Einschlafprobleme. 

Aber nicht nur der Lärm ist für die Betroffenen ein Problem, so Psychologen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Energy Policy". 

  • Gerade auch eine kritische Haltung gegenüber des Windparks begünstigt das Stressempfinden.

Eine bessere Informationspolitik während der Planungsphase könnte der Studie zufolge dabei helfen, die Probleme der Anwohner zu mindern. 
 
Die Umweltpsychologen um Prof. Dr. Gundula Hübner und Dr. Johannes Pohl von der MLU untersuchten für ihre Studie einen Windpark in Norddeutschland in der Zeit von 2012 bis 2014.

Dazu führten sie Befragungen mit den Anwohnern durch und der Projektpartner UL DEWI (UL International GmbH) analysierte Tonaufnahmen der Windräder.

Sogar das Wetter floss in die Betrachtung der Psychologen mit ein. 
  • So konnten die Forscher zum Beispiel herausfinden, dass die Geräusche der Windräder bei einer hohen Luftfeuchtigkeit und bei Frost stärker wahrgenommen wurden.
Ein weiteres Ergebnis:  

Bei knapp 10 Prozent der Befragten, die sich nach eigenen Angaben von den Windrädern belästigt fühlten, traten mindestens einmal pro Monat Stresssymptome auf. 

"Dazu gehören beispielweise Probleme beim Einschlafen, ein allgemein unruhiger Schlaf, negative Stimmung und eine stärkere Reizbarkeit", erklärt Pohl. 
Zum Vergleich: Beim Verkehrslärm gaben 16 Prozent der Befragten an, mindestens einmal pro Monat an einem solchen Stresssymptom zu leiden.

Als die Psychologen zwei Jahre später die Anwohner erneut befragten, war der Anteil an Personen, die unter mindestens einem konkreten Symptom litten, auf 6,8 Prozent gesunken. "Viele Anwohner gewöhnen sich an die Geräusche des Windparks oder sie finden sich damit ab.

Gut ein Viertel der Betroffenen schließen nachts ihre Fenster, um nicht mehr von den Geräuschen gestört zu werden", sagt Pohl.

Auffällig sei jedoch, dass gerade die Menschen weiterhin die größten Probleme mit den Windrädern hätten, die der Anlage ohnehin sehr kritisch gegenüber eingestellt sind. 

  • Diese Gruppe habe auch wenig Interesse daran gezeigt, Methoden zur Stressbewältigung zu lernen, so der Forscher. 

Das zeige, wie schwer es ist, bereits etablierte Einstellungen wieder zu verändern.

Die Umweltpsychologen der Uni Halle schlagen deshalb vor, die Probleme und Bedenken der Anwohner bereits in der Planungsphase offensiv anzugehen. 

 "Wie die Anwohner die Planungs- und Bauphase erleben, ist ein entscheidender Indikator dafür, wie stark oder schwach sie am Ende von den Windanlagen beeinträchtigt werden", fasst Pohl zusammen. Deshalb sei es wichtig, die Phase als möglichst positive Erfahrung zu gestalten.

Das könne zum Beispiel über frühzeitige Informationskampagnen und Bürgerversammlungen geschehen. Außerdem sollten die Anwohner nach Möglichkeit in die Planung einbezogen werden.

Außerdem hatten einige der Anwohner Aufnahmen lästiger Geräusche bei Nacht angefertigt, die von den DEWI-Forschern analysiert wurden.

"Durch den Wind und die Bewegung der Rotorblätter kann eine Amplitudenmodulation entstehen, also ein unregelmäßiges Pulsieren der Lautstärke. 

Diese Unregelmäßigkeit ist es, die einige Anwohner stört und die sie als unregelmäßiges Wummern oder Rauschen wahrnehmen", sagt Dr. Johannes Pohl vom Institut für Psychologie der MLU.

  • Ein leises, gleichmäßiges Hintergrundrauschen lasse sich dagegen besser ignorieren, so der Forscher. 
  • Die meisten Beschwerden traten während der Nacht- und der frühen Morgenstunden auf, wenn es wenig andere Geräusche gibt. 

Die Nähe der eigenen Wohnung zum Windpark hat der Studie zufolge dagegen keinen nennenswerten Einfluss auf die Belästigung der Anwohner.

Ihre Studienergebnisse bringen die Psychologen aus Halle unter anderem in das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Projekt "TremAc" ein:

Dort arbeiten zehn universitäre und kommerzielle Forschungseinrichtungen an einem neuen Konzept zur Vorhersage von Schall und Erschütterungen durch Windkraftanlagen. 

Mit diesem Modell soll das Zusammenspiel der beiden Faktoren besser verstanden und vorhergesagt werden können, um unter anderem die Geräusche von Windenergieanlagen auch für Betroffene angenehmer zu gestalten.

Hierzu finden auch akustische und seismische Messungen sowie umweltpsychologische und -medizinische Befragungen an zwei Windparks statt.

Publikation:
Johannes Pohl, Joachim Gabriel, Gundula Hübner, Understanding stress effects of wind turbine noise - The integrated approach, In Energy Policy, Volume 112, 2018, Pages 119-128, ISSN 0301-4215, DOI: 10.1016/j.enpol.2017.10.007

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Tom Leonhardt Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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CAVE Rettungsstelle: Weltfrauentag - WeltnierenTag: Einfach zu hoher Blutdruck

Medizin am Abend Berlin Fazit: Weltnierentag: Zu hoher Blutdruck ist eine häufige Ursache für Nierenversagen

Ein zu hoher Blutdruck ist nach dem Diabetes die zweithäufigste Ursache für schwere Nierenerkrankungen. 

  • In Deutschland könnte er für ein Viertel aller Dialyse-Fälle verantwortlich sein. 

Die rechtzeitige Diagnose und eine konsequente Behandlung können chronische Nierenschäden verhindern, teilt die Deutsche Hochdruckliga (DHL®) anlässlich des Weltnierentags am 8. März mit. 
 
Etwa 300 Mal am Tag wird das Blut in den Nieren gefiltert und von Schadstoffen befreit. 

  • Die Arbeit erledigen in jeder Niere etwa eine Million mikroskopisch kleine Nierenkörperchen mit einem angeschlossenen Kanälchen, in denen der Urin entsteht. 
  • Zusammen werden diese Einheiten als Nephrone bezeichnet.

Ein zu hoher Blutdruck kann die Nierenkörperchen zerstören. 

„Bereits beim gesunden Menschen kommt es im Verlauf des Lebens zu einem Verlust von Nephronen“, erklärt DHL®-Vorstandsvorsitzender Professor Dr. med. Bernhard Krämer, Direktor der V. Medizinischen Klinik an der Universitätsmedizin Mannheim:

„Bei Menschen mit Bluthochdruck ist dieser Prozess beschleunigt, so dass am Ende nicht mehr genügend Nephrone vorhanden sind, um das Blut von Stoffwechselschlacken zu befreien.“

In Deutschland haben etwa 20 bis 30 Millionen Menschen einen zu hohen Blutdruck.

Zu den Folgen gehören neben Schlaganfall und Herzinfarkt auch Nierenschäden. Die nephrologischen Fachverbände schätzen, dass ein chronisches Nierenversagen in Deutschland zu 24 Prozent auf den Bluthochdruck zurückzuführen ist. „Damit wäre der Bluthochdruck in Deutschland für 20.000 von über 80.000 Dialysefällen verantwortlich“, sagt Professor Krämer.

Viele Erkrankungen können durch eine rechtzeitige und gute Behandlung des Bluthochdrucks vermieden werden. Professor Krämer erläutert: 

„Wir verfügen nicht nur über eine Reihe von Medikamenten, die den Blutdruck senken und damit die Nieren schonen. Einige Mittel wie die ACE-Hemmer oder AT1-Antagonisten können über eine Hemmung von Angiotensin II auch bei Nierenerkrankungen den Blutdruck senken und häufig eine weitere Verschlechterung der Nierenfunktion verhindern.“

  • Wegen der engen Beziehung zwischen Blutdruck und Nieren, rät die Deutsche Hochdruckliga allen Patienten mit hohem Blutdruck, die Nierenfunktion regelmäßig überprüfen zu lassen. 
  • Dies geschieht heute durch eine Untersuchung des Urins auf Albumin, das bei vielen Nierenerkrankungen vermehrt ausgeschieden wird. 
  • Eine 24-Stunden-Blutdruckmessung gibt einen ersten Hinweis, ob der Bluthochdruck seine Ursache in den Nieren hat. 
  • „In diesem Fall fehlt häufig der leichte Abfall des Blutdrucks, zu dem es in den Nachstunden kommt“, erläutert Prof. Dr. Ulrich Wenzel vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. 
  • Eine Ultraschall- und Laboruntersuchungen können dann häufig die Ursache aufdecken.
  • Bei einer Verengung der Nierenarterien können in ganz ausgewählten Fällen eine Angiografie mit Aufweitung und Stent-Einlage Blutdruck und Nierenfunktion verbessern. 
  • Bei Patienten, deren Blutdruck sich durch Medikamente definitiv nicht senken lässt, kann eine Verödung von Nervenfasern in den Nierenarterien zur Blutdrucksenkung erwogen werden. 

Laut Professor Wenzel kommt sie aber derzeit nur in besonderen Ausnahmefällen und im Rahmen von klinischen Studien zur Anwendung.

Ein nierenbedingter Bluthochdruck lässt sich auch durch einen gesunden Lebensstil beeinflussen. 

Wichtig ist aus Sicht der DHL® ein Verzicht auf das Rauchen, da damit eine vorzeitige Verkalkung der Nierenarterien verhindert wird.

Auch eine salzarme Kost kann die Nieren entlasten, zu deren Aufgaben die Ausscheidung von übermäßig mit der Nahrung aufgenommenem Kochsalz gehört.

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