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Dein und unter dem Weihnachtsbaum: Musiktherapie nach CI- Cochlea-Impantation

Medizin am Abend Berlin Fazit: Teilnehmer zur Studie zum (Wieder-)Hören lernen und Sprache verstehen von CI-Trägern (CI) gesucht!

 Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (DZM e.V.) startet in enger Kooperation mit der HNO-Klinik der Universität Heidelberg das Forschungsprojekt MusiCi - Musiktherapie in der Frührehabilitation nach Cochlea-Implantation. 

Hierbei stehen die Auswirkungen von Musiktherapie auf die Entwicklung des Sprachverständnisses von CI-Patienten nach der Implantation im Mittelpunkt. Finanziell unterstützt wird diese Studie durch die Firma MED-EL Deutschland. 
 
„Wenn in der Kirche die ersten Töne von „O du Fröhliche“ erklangen und die ganze Gemeinde feierlich in den Gesang einstimmte, wusste ich früher immer:

»Ja, jetzt ist Weihnachten«.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Dein für Dich gesunder Weihnachtsbaum  


Nach einer schweren Infektion verlor ich mein Gehör.

An Weihnachten erfreute ich mich weiterhin am Kerzenschein und der Gemeinschaft, die besonderen musikalischen Momente fehlten mir aber sehr. Vor einem Jahr habe ich ein Cochlea Implantat bekommen. Die ersten Höreindrücke waren ernüchternd – statt vollem Sound waren erst einmal nur „Mickymaus-Stimmen“ und rauschendes Gebrummel zu hören. Das Sprachverstehen kam dann recht schnell wieder – und durch eine spezielle Musiktherapie wurde ich auch wieder an das Musikhören herangeführt. Dieses Jahr freue ich mich ganz besonders auf Weihnachten, denn ich bin mir sicher, es wird wieder so ‚klangvoll‘ wie früher sein!“


Erlebnisse, wie die von dieser Patientin geschilderten, sind kein Einzelfall:

In Deutschland leben schätzungsweise 14 Millionen Menschen, die an einer hochgradigen Schwerhörigkeit leiden und dadurch im Alltag und ihrer Lebensqualität erheblich beeinträchtigt sind. 
  • Wenn eine Versorgung mit Hörgeräten nicht mehr ausreicht, kann eine elektronische Innenohrprothese helfen. 

Dieses sogenannte Cochlea- Implantat (CI) ersetzt die Funktion des geschädigten Innenohrs. Allerdings klingen Geräusche, Klänge und Stimmen mit CI oft blechern oder verzerrt, sprachliche Feinheiten werden nicht gut wiedergegeben.

Daher kann es für CI-Träger eine große Schwierigkeit sein, „Kling Glöckchen“ von „Jingle Bells“ zu unterscheiden oder zu erkennen, ob ein Sprecher fröhlich oder wütend spricht.


  • Das Hören mit dem CI muss von den Patienten neu erlernt werden. 

Am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung wird in Zusammenarbeit mit der HNO-Universitätsklinik Heidelberg seit 2010 intensiv daran geforscht, wie dieses Hören lernen mit CI verbessert werden kann. Seit 2014 haben Patienten an der Uniklinik Heidelberg die Möglichkeit, im Rahmen der Frührehabilitation auch Musiktherapie in Anspruch zu nehmen.


Die positiven Wirkungen der Musiktherapie auf die allgemeine Hörwahrnehmung, sowie insbesondere die Musikwahrnehmung, konnten in vorangegangenen Studien belegt werden.

Bisher existieren jedoch kaum Erkenntnisse über die Wirkungen der Musiktherapie, in denen die sprachliche Ebene im Fokus steht.


Daher startet jetzt eine weiterführende Studie (finanziell unterstützt von MED-EL Deutschland), um zu überprüfen, inwiefern sich ein musikalisches Training auch auf das Sprachverständnis von CI-Nutzern auswirkt.


Die Studie richtet sich an Erwachsene, die am Heidelberger HNO-Universitätsklinikum erstmalig mit einem CI versorgt werden. Interessenten müssen einseitig ertaubt sein und auf dem anderen Ohr eine deutliche Höreinschränkung haben, wobei diese Höreinschränkungen erst nach dem natürlichen Spracherwerb in der Kindheit erfolgt sein dürfen (sog. postlinguale Ertaubung).


Das musiktherapeutische Angebot umfasst sechs individuell abgestimmte Einzeltherapiesitzungen zu je 50 Minuten Dauer im DZM, sowie eine intensive, sorgfältige Betreuung und umfangreiche Testdiagnostik in Form von mehreren Hör- und Sprachtests.

Da die sprachlichen Hörfähigkeiten getestet werden, müssen alle Teilnehmer aus Gründen der Vergleichbarkeit Deutsch als Muttersprache sprechen.


Insgesamt werden drei Untersuchungsgruppen verglichen: eine Patientengruppe erhält Musiktherapie mit einem sprachlichen Schwerpunkt (emotionaler Ausdruck in der Sprache, Klangqualitäten verschiedener Stimmen), eine Patientengruppe hat Musiktherapie mit einem allgemein audiotherapeutischen Schwerpunkt (Hören von Musik, musikalisches Training zum Hören in Alltagssituationen, z.B. Geräusche, Richtungshören) und Patienten einer Kontrollgruppe erhalten die Musiktherapie erst im zweiten Rehabilitationsjahr. Die Zuordnung zu den drei Untersuchungsgruppen findet nach Zufallsprinzip statt.

Die Studienteilnahme ist kostenfrei. Musikalische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Für diese Studie suchen wir noch weitere Interessenten. 


Mehr Informationen sind telefonisch erhältlich unter 06221 – 83 38 60 oder per E-Mail unter dzm@dzm-heidelberg.de.


Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e. V. wurde 1995 in Heidelberg gegründet.

Heute ist das DZM eines der größten musiktherapeutischen Forschungsinstitute in Europa und vereint Forschung und Praxis unter einem Dach.

Das DZM ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spenden und Forschungsdrittmittel. Am DZM entwickeln und erforschen Musiktherapeuten, Mediziner, Musikwissenschaftler und Psychologen in interdisziplinären Projekten musiktherapeutische und musikmedizinische Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation erkrankter Menschen.

Außer dem Forschungsinstitut gehört eine Tinnitusambulanz zum DZM.

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CAVE: Personalausstattung von Pflegeheimen am Heiligabend

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wieviel Personal ist für eine gute Pflege erforderlich?

Am Forschungszentrum SOCIUM der Universität Bremen wird die wichtigste pflegepolitische Frage der aktuellen Legislaturperiode bearbeitet 
 
Sie haben die europaweite Ausschreibung für eine wichtige Expertise gewonnen und damit 3,7 Millionen Euro Drittmittel eingeworben: 14 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungszentrums Ungleichheit und Sozialpolitik (SOCIUM) der Universität Bremen sollen jetzt unter der Leitung von Professor Heinz Rothgang ein fundiertes Verfahren zur einheitlichen Bemessung des Personals in Pflegeeinrichtungen entwickeln und erproben.

Die Personalausstattung von Pflegeheimen – schon immer ein Thema

  • Die Personalausstattung von Pflegeheimen ist unzureichend: 
  • So lautet eine Klage, die schon so alt ist wie die Pflegeversicherung selbst, also mehr als 20 Jahre. 

Die Personalausstattung fällt zudem im Bundesgebiet äußerst unterschiedlich aus.

Ein Beispiel:

In stationären Einrichtungen in Bayern wird pro Pflegebedürftigem 20 Prozent mehr Personal eingesetzt als in Sachsen-Anhalt. Bislang sind schon mehrere Versuche gescheitert, ein bundeseinheitliches Personalbemessungsverfahren einzuführen.
Im Zweiten Pflegestärkungsgesetz hat der Gesetzgeber daher die Vertragsparteien der Pflege-Selbstverwaltung verpflichtet, bis zum 30. Juni 2020 ein fundiertes Verfahren zur einheitlichen Bemessung des Personals in Pflegeeinrichtungen nach qualitativen und quantitativen Maßstäben wissenschaftlich entwickeln und erproben zu lassen.
Dazu müssen die Vertragsparteien fachlich unabhängige wissenschaftliche Einrichtungen beauftragen.

Neues Pflegeverständnis in der Praxis nötig

Die Frage nach einer angemessenen Personalausstattung hat zuletzt weiter an Bedeutung gewonnen – angestoßen durch die große Pflegereform in der vergangenen Legislaturperiode.

Der im Rahmen dieser Reform eingeführte „neue Pflegebedürftigkeitsbegriff“ zielt darauf ab, die Selbständigkeit der Pflegebedürftigen zu erhalten und zu fördern. 

Bei der Umsetzung wird es in den kommenden Jahren wichtig sein, auch ein verändertes Pflegeverständnis in der Praxis zu schaffen.

Es soll sich vom bisherigen „Verrichtungsbezug“ entfernen. 
  • Mit „Verrichtungen“ sind unerlässliche Tätigkeiten des Alltags gemeint, also Essen, Trinken, Einkaufen, Kochen, Putzen usw.

Zentraler Faktor: Menge und Ausbildungsgrad des Pflegepersonals

Der zentrale Faktor für ein verändertes Pflegeverständnis ist das Pflegepersonal. 

Dessen Zahl und der Ausbildungsgrad der Pflegenden werden künftig im Mittelpunkt der politischen Bemühungen zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung stehen. 

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff muss somit zum Anlass genommen werden, die Personalausstattung zu überprüfen und an den sich verändernden Bedarf anzupassen. 

  • Dies wird das Team von Professor Rothgang in den kommenden Jahren tun.

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Prof. Dr. Heinz Rothgang
Tel.: 0421/218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Mathias Fünfstück
Tel.: 0421/218-58637
E-Mail: m.fuenfstueck@uni-bremen.de

Thomas Kalwitzki
Tel.: 0421/218-58544
E-Mail: thomas.kalwitzki@uni-bremen.de


Kai Uwe Bohn
Telefon: 0421/218-60160
Fax: 0421/218-9860160
E-Mail-Adresse: kai.uwe.bohn@uni-bremen.de

Über das Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik (SOCIUM): Das SOCIUM ist bundesweit das einzige sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut, das Fragen von Ungleichheit, Sozialpolitik sowie deren gesellschaftliche und politische Wechselwirkungen empirisch wie theoretisch untersucht. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der fächerübergreifenden Forschung zu den sozialen, ökonomischen, politischen, kulturellen, organisatorischen, rechtlichen, historischen und sozial-medizinischen Bedingungen und Folgen sozialer Ungleichheit, staatlicher Sozialpolitik sowie deren Wechselwirkungen. Disziplinär getragen wird diese Forschung vor allem von Soziologie, Politik-, Gesundheits-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften.

CAVE: Großeltern - Kinder - Enkel: Stress zwischen den Generationen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Von der Großmutter bis zum Enkel

Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Thomas Elbert bestätigt epigenetische Übertragung von Gewalterfahrungen

Gewalterfahrung der Großmutter während der Schwangerschaft noch in der DNA der Enkelgeneration nachweisbar DNA-Mythilierung als zugrundeliegender molekularer Mechanismus
 

Ergebnisse im Wissenschaftsjournal Translational Psychiatry veröffentlicht 
 
In den Kriegsjahren 1944 bis 1945 erlebten die Niederlande einen Hungerwinter.

Untersuchungen ergaben, dass Kinder der Mütter, die während dieser Zeit schwanger waren, Tendenzen zu Übergewicht und Zivilisationskrankheiten aufwiesen. Die Kinder der Frauen, die während der Belagerung von Leningrad im Zweiten Weltkrieg schwanger waren, zeigten keine dieser Neigungen.  

Der Unterschied:

Im Gegensatz zur Sowjetunion entwickelte sich in Holland nach 1945 eine Wohlstandgesellschaft, in der es im Überfluss Nahrung gab. Die niederländischen Kinder waren jedoch auf eine ressourcenarme Hungerwelt programmiert.

Solche Codierungen ändern sich nicht innerhalb einer Generation. Tierexperimente belegen die Übertragung auf mehrere Generationen von Nachfahren. Auch bei den Menschen ist nach bisherigen Untersuchungen davon auszugehen, dass in der Enkelgeneration noch epigenetische Spuren in der DNA zu finden sind, die auf die Erlebnisse der Großmütter zurückgehen. Der Konstanzer Klinische Psychologe Prof. Dr. Thomas Elbert und sein Team liefern nun eine weitere Bestätigung für die Hypothese. Das Wissenschaftsjournal Translational Psychiatry veröffentlichte dazu Ergebnisse einer Datenerhebung von Dr. Fernanda Serpeloni in einer Region des brasilianischen Bundesstaates Rio de Janeiro, wo häusliche Gewalt und Gewalt in der Gemeinde verbreitet sind. Fernanda Serpeloni ist Mitarbeiterin des Arbeitsbereichs Klinische Psychologie und Neuropsychologie von Thomas Elbert.  

Die Studie konzentriert sich auf den Nachweis, dass massive Gewalterfahrung während der Schwangerschaft die Lesbarkeit der Gene auch noch bei den Enkelkindern beeinflusst.

Im Rahmen ihrer Dissertation entnahm Fernanda Serpeloni gemeinsam mit eigens geschulten Kolleginnen 386 Personen Speichelproben – Großmüttern, deren Töchtern und Enkelkindern. Die Großmütter und Töchter wurden zusätzlich nach ihren Gewalterfahrungen in der Partnerschaft und in der Gemeinde vor, während und nach der Schwangerschaft befragt.

Ein Fünftel der Großmütter berichtete von Gewalt durch den Partner während der Schwangerschaft, ein weiteres Fünftel hat Gewalt in der weiteren Familie und in der Gemeinde erfahren, sieben Prozent gaben an, während ihrer Schwangerschaft beiden Formen von Stress ausgesetzt gewesen zu sein. Aufgrund der Speichelproben ließ sich an fünf Orten der DNA das Erbgut der Enkel vorhersagen – anhand der Gewalterfahrungen der Großmutter, während sie mit der Mutter der Enkel schwanger war. „Unsere Untersuchungen ergaben, dass insbesondere Gewalterfahrungen während der Schwangerschaft zu unterschiedlichen Methylierungen bei den Kindern führen. Das ist sowohl bei Gewalt durch den Partner als auch in der Gemeinde der Fall“, fasst Thomas Elbert zusammen.

Die sogenannte DNA-Methylierung beschreibt den biologischen Mechanismus, dass bestimmten DNA-Bausteinen eine Methylgruppe angehängt wird. Sie stellt eine Reaktion des Erbguts auf die Umwelt dar, durch die Gene an- beziehungsweise abgeschaltet werden. Der Mechanismus funktioniert epigenetisch, da nicht die Gensequenz, sondern lediglich die Umsetzung der Erbinformation – ihre Lesbarkeit – verändert wird.

Die Studie bestätigt auch die Rolle der DNA-Methylierung bei der Übertragung von Stress zwischen den Generationen. 

„Methylierungsmuster sollten eigentlich Anpassungen an die Umwelt erleichtern“, sagt Thomas Elbert.

Es besteht die Möglichkeit, dass die Kinder mit dem veränderten DNS-Methylierungsmuster entweder ängstlicher werden, bis hin zur Depressionsneigung, oder dass sie nach außen aggressiv und wenig sensitiv anderen gegenüber werden. 

„Es steht mittlerweile außer Frage, dass pränataler Stress die Entwicklung des Nervensystems, die psychische Gesundheit und das Risiko für psychiatrische Störungen beeinflussen“, so Thomas Elbert. 

  • Pränatale DNA-Methylierungsmuster könnten künftig als Biomarker eingesetzt werden.

Originalveröffentlichung:
Serpeloni, F., Radtk,e K., de Assis, S., Henning, F., Nätt, D., Elbert, T. (2017): Grandmaternal stress during pregnancy and DNA methylation of the third generation: an epigenome-wide association study. Tanslational Psychiatry, 7 :e1202.
http://dx.doi.org/10.1038/tp.2017.153

Faktenübersicht:
• Untersuchung zur epigenetischen Übertragung von Gewalterfahrungen in São Gonçalo, Brasilien, durch den Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Neuropsychologie von Prof. Dr. Thomas Elbert
• Teilnahmen von insgesamt 386 Personen aus drei Generationen
• Unterstützt durch den ERC Advanced Grant MEMO TV (Memories of trauma and violence).


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Die Kreissaal-Ambulanz: Muskulatur des Herzens beim Embryo

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wenn der Herzmuskel aussieht wie ein Schwamm

In seltenen Fällen geht die Entwicklung der Muskulatur des Herzens beim Embryo nicht richtig von statten, der linke Herzmuskel ist zerklüftet wie ein Schwamm. 

  • Das Herz kann deshalb schlecht pumpen, der Herzrhythmus ist gestört. 

Forscher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Universitätsklinikum Heidelberg haben dieses Krankheitsbild systematisch beschrieben und erbliche Faktoren identifiziert. 

Autoren der Studie: Dr. med. Farbod Sedaghat-Hamedani (li) und Dr. rer. nat. Jan Haas (re) Foto: Universitätsklinikum Heidelberg
Autoren der Studie: Dr. med. Farbod Sedaghat-Hamedani (li) und Dr. rer. nat. Jan Haas (re) Foto: Universitätsklinikum Heidelberg
 
Bei der sogenannten Linksventrikulären Non-Compaction-Kardiomyopathie (LVNC) ist die Herzmuskulatur der linken Herzkammer zerklüftet oder schwammartig angelegt. Dies ist meist die Folge eines fehlerhaften Aufbaus der Muskulatur in der embryonalen Phase, es kann aber auch im späteren Leben zu einem solchen Umbau der Herzwände kommen. Die Erkrankung ist zwar selten, jedoch die dritthäufigste Form von angeborenen Herzmuskelerkrankungen. Sie wird teilweise im Kindesalter diagnostiziert, manchmal treten die Symptome aber erst im Erwachsenenalter auf.

Das Team des Instituts für Cardiomyopathien Heidelberg (ICH.) der Klink für Kardiologie am Universitätsklinikum Heidelberg (Prof. Hugo A. Katus) hat sich auf Patienten mit Herzmuskelerkrankungen spezialisiert.

In der Spezialambulanz sieht Privatdozent Dr. Benjamin Meder die unterschiedlichsten Formen und Beschaffenheiten von Herzen. „Eine ausgeprägte LVNC ist im Ultraschall und Herz-MRT gut zu erkennen, man sieht deutlich den schwammartigen Aufbau des Herzmuskels“, sagt der Kardiologe.

  • Die klinische Ausprägung reicht von Rhythmusstörungen und Herzschwäche über Schlaganfälle bis hin zum plötzlichen Herztod. 
  • Manche Patienten haben auch gar keine Symptome, bei ihnen wird der Befund zufällig gestellt, etwa bei der Musterung oder durch einen Herzultraschall bei Leistungsportlern.

Obwohl viele einzelne Fälle und kleinere Studienkollektive beschrieben sind, wurde das Krankheitsbild bislang wenig systematisch erforscht. Leitlinien zur Diagnose oder Behandlung gibt es dementsprechend nicht. Dr. Farbod Sedaghat-Hamedani und das ICH.-Team haben deshalb jahrelang Fälle gesammelt und in einem Register erfasst. Es umfasst inzwischen hunderte Patienten, darunter auch Familienangehörige der Erkrankten. Auf diese Weise konnten die Forscher zeigen, dass Patienten mit LVNC im Durchschnitt schwerer von Herz-Kreislauf-Ereignissen wie Schlaganfall, Vorhofflimmern oder Herzschwäche betroffen waren, als etwa Patienten mit einer der häufigen Formen der Herzschwäche, der dilatativen Kardiomyopathie (DCM).

Mit Hilfe umfangreicher Genanalysen unter der Leitung des Biologen Dr. Jan Haas konnten die Forscher außerdem eine Reihe von bislang nicht bekannten krankheitsrelevanten Genen identifizieren.

Weiter konnten sie in Zusammenarbeit mit mehreren DZHK-Standorten ermitteln, dass das Gen RBM20, welches die Synthese des größten Muskelproteins Titin reguliert, an der Ausbildung der LVNC beteiligt ist. Patienten mit einem Defekt in den krankheitsrelevanten Genen wiesen besonders schwere Verläufe auf.

„Unsere Ergebnisse sind die Basis für eine präzise Diagnose und Behandlung der Patienten“, sagt Meder.

Bei eindeutig erblichen Komponenten können so auch Familienmitglieder besser auf ihr Krankheitsrisiko getestet und gegebenenfalls frühzeitig behandelt werden. 

Noch ist die Krankheit nicht heilbar, aber die Heidelberger Wissenschaftler haben mit ihren Forschungsergebnissen neue Ansatzpunkte für eine mögliche Gentherapie aufgezeigt, die nun gezielt untersucht werden.

Originalarbeit:
Clinical genetics and outcome of left ventricular non-compaction cardiomyopathy. Sedaghat-Hamedani F, Haas J, Zhu F, Geier C, Kayvanpour E, Liss M, Lai A, Frese K, Pribe-Wolferts R, Amr A, Li DT, Samani OS, Carstensen A, Bordalo DM, Müller M, Fischer C, Shao J, Wang J, Nie M, Yuan L, Haßfeld S, Schwartz C, Zhou M, Zhou Z, Shu Y, Wang M, Huang K, Zeng Q, Cheng L, Fehlmann T, Ehlermann P, Keller A, Dieterich C, Streckfuß-Bömeke K, Liao Y, Gotthardt M, Katus HA, Meder B.
Eur Heart J. 2017 Oct 6. doi: 10.1093/eurheartj/ehx545. [Epub ahead of print]

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Christine Vollgraf, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK),
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13347 Berlin
Deutschland
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Telefon: 030 3465 52902
E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de
 

www.aktiv-und-gesund.org - Einladung zur Studie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Studienteilnehmer für computergestützte Hilfsangebote gesucht (Gesundheitsförderung)

Die Universitätsmedizin Greifswald hat in Kooperation mit den Universitätskliniken Tübingen und Lübeck innovative computergestützte Beratungsangebote zur Förderung eines gesunden Lebensstils entwickelt. 

Solche arztentlastenden Systeme ermöglichen eine breitere Verfügbarkeit von Gesundheitsberatung. 

Die entwickelten Beratungsangebote haben bereits eine Testphase durchlaufen und wurden von den bisherigen Teilnehmern als hilfreich bewertet. 
 
Nun werden Interessierte zwischen 18 und 64 Jahren gesucht, um die Wirksamkeit der Angebote wissenschaftlich zu überprüfen. 

Hilfe übers Smartphone? – Für innovative Beratungsangebote werden Testpersonen gesucht.
Hilfe übers Smartphone? – Für innovative Beratungsangebote werden Testpersonen gesucht.
Foto: UMG

Für die Teilnahme an den Studien ist eine Aufwandsentschädigung vorgesehen.

Am Institut für Sozialmedizin und Prävention der Universitätsmedizin Greifswald liegt der Schwerpunkt des Beratungsangebots auf der Förderung des seelischen Wohlbefindens. 

Viele Menschen kennen Phasen von Niedergeschlagenheit, Traurigkeit oder Antriebslosigkeit.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass langfristig viele Lebensgewohnheiten helfen können, seelisch im Gleichgewicht zu bleiben.

So hat es sich zum Beispiel als hilfreich erwiesen, für ausreichend körperliche Bewegung zu sorgen oder sich bewusst Zeit für Dinge zu nehmen, die einem wichtig sind.

Das entwickelte Angebot motiviert Teilnehmer, mittels Briefen und SMS-Kurznachrichten Strategien in ihrem Alltag auszuprobieren. 

Die für jeden Einzelnen erfolgversprechendsten Empfehlungen werden dabei über ein Computerprogramm ermittelt, das auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse die persönlichen Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten berücksichtigt.

Interessierte können unter www.aktiv-und-gesund.org an einer 10-minütigen Gesundheitsbefragung teilnehmen. 

Bei Eignung erhalten diese anschließend die Möglichkeit, an einem der innovativen Programme teilzunehmen. 


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Der Kreissaal/Ambulanz: Mukoviszidose-Screenings für Neugeborene

Medizin am Abend Berlin Fazit: Deutsch-polnisches Neugeborenen-Screening wird erweitert

Im „RareScreen“ werden erstmals auch Brandenburger Neubürger erfasst

Seit 2011 werden Neugeborene aus Mecklenburg-Vorpommern und der polnischen Wojewodschaft Zachodniopomorskie (Westpommern) im Rahmen des EU-Programmes Interreg nach der Geburt umfangreicheren Untersuchungen unterzogen und die Daten wissenschaftlich ausgewertet. 


Mit rund 45.000 Neugeborenen jährlich rechnet Projektleiterin Dr. Theresa Winter im neuen Screening-Programm.
 Mit rund 45.000 Neugeborenen jährlich rechnet Projektleiterin Dr. Theresa Winter im neuen Screening-Programm. Foto: UMG/Manuela Janke


Mit „PomScreen“ wurden 2012-2015 in Mecklenburg-Vorpommern die Weichen für die bundesweite Einführung des Mukoviszidose-Screenings für Neugeborene im Jahr 2016 gestellt. Das mit 2,5 Millionen Euro geförderte bislang einzigartige grenzübergreifende Neugeborenen-Screening in der Modellregion Pomerania wird nun fortgesetzt und deutlich erweitert. Das Nachfolgeprojekt hat ein Gesamtvolumen von 3,4 Millionen Euro mit einer Laufzeit von drei Jahren. Heute haben die Projektpartner in der Universitäts- und Hansestadt Greifswald den Startschuss für das neue EU-Projekt „RareScreen“ (INTERREG V A) gegeben.

„Mit dem erweiterten Forschungsvorhaben nimmt die Universitätsmedizin Greifswald erneut deutschlandweit eine Vorreiterrolle im Bereich der Prävention und Gesundheit von Neugeborenen ein“, betonte der Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Greifswald (UMG), Prof. Dr. Max P. Baur. 

„Das Leuchtturmprojekt verkörpert zukunftsorientierte Spitzenforschung im Bereich der Gesundheitsförderung und Präventionsarbeit zusammen mit nationalen und internationalen Projektpartnern und stärkt somit unseren Lebens- und Wissenschaftsstandort.“

Das Projekt RareScreen wird als grenzüberschreitendes Zentrum zur Früherkennung seltener Erkrankungen bei Neugeborenen die Gesundheitsversorgung für die jüngsten Bewohner der deutsch-polnischen Region verbessern und neue Ansätze für die Therapie von Erkrankungen liefern.

Das Neugeborenen-Screening ist eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen zur Früherkennung angeborener Stoffwechselstörungen und Hormonstörungen, die durch fehlende Symptome in den ersten Lebenstagen ohne Laboruntersuchungen nicht zu erkennen sind. 

Das Ziel der Vorsorgeuntersuchungen ist die frühestmögliche Diagnose kranker Kinder und der Beginn der entsprechenden Therapie, um so jedem Kind eine weitestgehend normale Entwicklung zu sichern. Das Projekt RareScreen verbessert somit nicht nur die Gesundheit der betroffenen Kinder, sondern auch die Situation der ganzen Familie.

Neue Partner, innovative Methoden und mehr Untersuchungen

„Ziel des aktuellen Projektes ist es, die Normalversorgung unserer Neugeborenen deutlich auszuweiten, indem wir den Kindern und ihren Familien drei zusätzliche Untersuchungen kostenfrei anbieten, erklärte Projektleiterin Dr. Theresa Winter (Foto) vom Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin an der UMG.

„Die Liste der bisher 15 diagnostizierbaren seltenen Krankheiten wird um die frühzeitige Erkennung von angeborenen Erkrankungen des Immunsystems, des Fettstoffwechsels und von Hämoglobinkrankheiten ergänzt. 

Dies soll das Leben kranker Kinder, deren Geschwister oder Eltern retten oder multiple Komplikationen verhindern.“

Somit geht das Präventionsangebot im neuen Projekt weit über die Regelversorgung für Neugeborene hinaus.

Durch eine parallele Erfassung der Familien betroffener Neugeborener wird es auch möglich sein, sich um weitere Familienmitglieder mit erhöhtem Risiko für die untersuchten Krankheiten zu kümmern. Dies erstreckt sich auch auf die fachärztliche Versorgung Neugeborener anderer ethnischer Gruppen im Fördergebiet. Eine weltweit weit verbreitete Erkrankung des Hämoglobins, also des Blutfarbstoffs in den roten Blutkörperchen, wird zukünftig im Rahmen des Forschungsprogramms mit untersucht.

Die bestehende Zusammenarbeit wird ferner durch drei neue Partner sowie neue diagnostische Methoden erweitert. Die bereits erfolgreich etablierte Zusammenarbeit zwischen dem Screening-Zentrum Mecklenburg-Vorpommern in Greifswald und dem Screening-Zentrum an der Pommerschen Medizinischen Universität Stettin wird im aktuellen Projekt durch das Screening-Zentrum der Charité Berlin verstärkt, die für die Auswertung der Gesundheitsdaten der Brandenburger Neugeborenen verantwortlich sind. Jedes Screening-Labor wird sich auf eine Krankheit für alle anderen Neugeborene des Einzugsgebietes spezialisieren. Erkrankungen des Immunsystems werden in Stettin, des Fettstoffwechsels in Greifswald und der Hämoglobinkrankheiten an der Charité untersucht. „Das erweiterte Analysespektrum beinhaltet natürlich auch neue Methoden, die lokal etabliert und wissenschaftlich ausgewertet werden“, so Dr. Theresa Winter weiter.

„Wir rechnen mit rund 45.000 Neugeborenen jährlich, wobei die Teilnahme an dem Programm freiwillig ist, und hoffen auf eine weiterhin große Beteiligung“, sagte die Projektleiterin.

„Unsere Ergebnisse werden wir auch auf nationaler Ebene in Fachgesellschaften diskutieren, um ähnlich wie beim Mukoviszidose-Screening eine bundesweite Einführung von neuen Screening-Erkrankungen zu erreichen.

Die Bemühungen, letztendlich bundesweit allen Kindern eine verbesserte Vorsorge anzubieten, unterstützen wir mit unserem Projekt sehr gern.“

Neben der wissenschaftlichen Analyse der Daten wird das deutsch-polnische Forschungs- und Krankenversorgungsprojekt durch gemeinsame Weiterbildungsveranstaltungen für polnische und deutsche Experten für seltene Erkrankungen sowie einen intensiven Erfahrungsaustausch der Projektpartner, Studierende der polnischen und deutschen medizinischen Fakultäten im Fördergebiet, Krankenhausmitarbeiter, Ärzte, Pflegekräfte, Hebammen und Familien der Patienten begleitet.

Weitere Informationen
Neugeborenen-Screening-Labor MV: https://goo.gl/EKaXNs
EU-Programm: http://www.interreg5a.info






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Sabine Köditz


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Nierentransplantation und Abstoßreaktion

Medizin am Abend Berlin Fazit: Organabstoßung langfristig verhindert

Biologen der Universität Konstanz unterdrücken durch Hemmung von Immunproteasomen eine chronische Abstoßung von Nierentransplantaten 
 
Der Konstanzer Immunologe Prof. Dr. Marcus Groettrup hat mit seiner Arbeitsgruppe einen Weg entwickelt, um bei Ratten nach einer Nierentransplantation die Abstoßungsreaktionen der Empfänger zu verhindern, und im Immunsystem der Organempfänger die Bildung von Antikörpern gegen das transplantierte Organ zu unterdrücken.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Infektionen - Leitlinien 

 Prof. Dr. Marcus Groettrup und Dr. Jun Li
Prof. Dr. Marcus Groettrup und Dr. Jun Li

Die entscheidende Rolle spielt dabei die Hemmung des Immunproteasoms, wodurch die Produktion der Antikörper unterdrückt wird.

Die Ergebnisse der Forschergruppe wurden nun im renommierten Fachjournal „Kidney International“ mit dem Titel: „Immunoproteasome inhibition prevents chronic antibody-mediated allograft rejection in renal transplantation" veröffentlicht.

Im Verlauf von zehn Jahren nach einer Nierentransplantation werden circa die Hälfte der Trans-plantatnieren durch Antikörper wieder abgestoßen.

  • Gegen diese chronische Abstoßung gibt es bisher kaum eine wirksame medikamentöse Abwehr. 
Nicht-selektive Proteasomhemmer können zwar die durch Antikörper verursachte Abstoßung von Transplantaten unterdrücken, sind aber aufgrund starker negativer Nebeneffekte nur bedingt einsetzbar. 

Immunproteasomhemmer haben sich hingegen bei vorklinischen Modellen von Autoimmunerkrankungen als effektiv erwiesen und wurden über Wochen hinweg ohne offensichtlich erkennbare Nebenwirkungen verabreicht. 

In einem Rattenmodell haben die Wissenschaftler um Marcus Groettrup gezeigt, dass durch die Hemmung des Immunproteasoms die aktivierten Plasmazellen, die die Antikörper gegen die Transplantatniere produzieren, abgetötet werden.

Die selektive Immunproteasomhemmung durch den Hemmer ONX 0914 reduzierte die Anzahl von B- und Plasmazellen und unterdrückte die Produktion der dem Spender eigenen Antikörper.

Die Transplantationen wurden von einem jungen urologischen Chirurgen vom Cancer Institute Chongqing in China, Dr. Jun Li, durchgeführt, der im Rahmen eines Stipendiums des Chinese Scholarship Council an der Universität Konstanz arbeitet und inter-nationaler Experte für Mikrochirurgie ist.

„Die Ergebnisse sind ein voller Erfolg.

Wir können die Abstoßung komplett bei allen Tieren verhindern und sehen, dass die Antikörper, die gegen das Transplantatorgan gebildet werden, praktisch kaum mehr vorhanden sind.

Die Entzündungsparamter in der transplantierten Niere sind deutlich zurückgegangen und die Nierenfunktion der Empfänger ist exzellent“, resümiert Marcus Groettrup und erläutert, dass diese Ergebnisse darauf schließen lassen, dass Immunproteasomhemmung ein vielversprechender Therapieansatz bei der Behandlung chronischer, durch Antikörper verursachter Abstoßung sein kann.

Groettrups Strukturmodell des Immunproteasoms gilt als grundlegend für die Entwicklung von Wirkstoffen gegen Autoimmunerkrankungen wie Diabetes, rheumatoide Arthritis und Multiple Sklerose. Bereits Anfang der 2000er-Jahre gelang es Groettrup, das Immunproteasom als Regulator für genau jene Botenstoffe auszumachen, die autoimmune Erkrankungen verursachen. Eine pharmazeutische Entwicklung von Hemmstoffen, die gezielt das Immunproteasom ausschalten, würde eine Bekämpfung von Autoimmunerkrankungen und Organspendenempfängern erlauben, ohne zugleich das gesamte Immunsystem des Körpers zu schwächen.

Originalveröffentlichung:
Li, J., Basler, M., Alvarez, G., Brunner, T., Kirk, C. J., and Groettrup, M. Immunoproteasome inhibition prevents chronic antibody-mediated allograft rejection in renal transplantation. Kidney Int. in the press

DOI: 10.1016/j.kint.2017.09.023

Faktenübersicht:

• Li, J., Basler, M., Alvarez, G., Brunner, T., Kirk, C. J., and Groettrup, M. Immunopro-teasome inhibition prevents chronic antibody-mediated allograft rejection in renal trans-plantation. Kidney Int. in the press

• Hemmung der Immunoproteasomen Untereinheit LMP7 (β5i) durch den Hemmer ONX 0914 tötet die aktivierten Plasmazellen ab, die die Antikörper gegen die Transplantatniere produzieren.

• Die Infiltration durch T-Zellen, B-Zellen und Makrophagen wie auch durch Interferon-γ, In-terleukin-17 und Immunglobulin G sowie die Ablagerung von Komplementfaktoren war bei Nierenallotransplantaten derjenigen Empfänger reduziert, die mit ONX 0914 behandelt worden waren. Die chronische Nephropathie wurde verbessert und die Funktion des Nie-renallotransplantats erhalten, was das langfristige Überleben der Empfänger sicherte.

• Gefördert durch: Else Kröner-Fresenius-Stiftung (www.ekfs.de)

• Forschungspartner: Kezar Life Sciences (www.kezarlifesciences.com)
Biotechnologie Institut Thurgau an der Universität Konstanz (www.bitg.ch).

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SSRI-Medikamente: Antidepressiva, Serotonin, Kalzium, Clozapin

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bislang unbekannter Wirkmechanismus von Antidepressiva entdeckt

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg haben einen zweiten Mechanismus entdeckt, über den gängige Antidepressiva wirken und das Gehirn stress-resistenter machen 
 
Wie gängige Antidepressiva wirken, glaubte man seit 60 Jahren zu wissen.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Clozapine 


Nun haben Forscherinnen und Forscher des Universitätsklinikums Freiburg bei Mäusen einen zweiten, völlig unabhängigen Wirkmechanismus entdeckt.

Bislang war nur bekannt, dass die Antidepressiva den Abbau des Nerven-Botenstoffs Serotonin verlangsamen. 
  • Ein zu geringer Serotoninspiegel gilt seit langem als Hauptursache für Depression. 
  • Die Wissenschaftler zeigten nun, dass Antidepressiva zusätzlich den Kalziumtransport in Nervenzellen des Gehirns blockieren.
  • Dadurch können die Zellen leichter neue Verknüpfungen zu anderen Nervenzellen bilden. 
  • Diese Vernetzbarkeit ist elementar, um sich an neue Reize und Stress anpassen zu können. 
  • Bei Depressionen ist diese Fähigkeit vermindert, wie sich in den letzten Jahren herausgestellt hat. 
Die neuen, am 19. Oktober 2017 im Fachjournal Biological Psychiatry veröffentlichten Erkenntnisse könnten helfen, neue Therapieansätze zu entwickeln.

In Deutschland leiden mehr als vier Millionen Menschen an einer Depression. Jeder Zehnte durchlebt einmal im Leben eine schwere depressive Episode. „Fast alle Medikamente gegen Depressionen, die in den letzten Jahrzehnten auf den Markt kamen, waren lediglich geringfügige Abwandlungen der ursprünglichen Substanzen. Unsere Erkenntnisse können helfen, Medikamente zu entwickeln, die ganz gezielt den neu entdeckten Wirkmechanismus angreifen.

Das könnte Menschen helfen, bei denen bisherige Medikamente nicht oder kaum gewirkt haben“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Claus Normann, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg.

Wirkung auch ohne eigentlichen Wirkort

Seit den 1960er Jahren ist bekannt, dass im Gehirn depressiver Menschen zu wenig von dem Botenstoff Serotonin gebildet wird.

Darum hemmen fast alle Antidepressiva dessen Recycling-Prozess, um so die Menge des verfügbaren Serotonins zu erhöhen.  

Die Medikamente werden als selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SSRI, bezeichnet.

Die Forscher des Universitätsklinikums Freiburg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Universität Basel hatten aber bereits aus Vorstudien den Verdacht, dass dies nicht der einzige Wirkmechanimus ist.

Darum untersuchten sie in einem Tiermodell Mäuse, die keinen Serotonin-Aufnahmemechanismus besaßen. 

 Sie hätten eigentlich nicht auf die SSRI-Gabe reagieren dürfen.

„Zu unserer großen Überraschung zeigte sich auch bei Tieren ohne Serotonin-Transporter ein antidepressiver Effekt“, sagt Prof. Normann.

Medikament erleichtert Anpassung und Lernen
Die Freiburger Forscher zeigten, dass die Antidepressiva in einen zentralen Lern- und Anpassungsmechanismus des Gehirns eingreifen, der als synaptische Plastizität bezeichnet wird.
Um neue Reize zu verarbeiten und sich an Stress anzupassen, müssen neue Nervenverknüpfungen im Gehirn gebildet werden.
Bei Depressiven ist diese Fähigkeit schwächer als bei gesunden.
  • „Wir haben entdeckt, dass die SSRI-Medikamente diesen Anpassungsprozess normalisieren, indem sie die Kalziumkanäle der Nervenzellen blockieren.  

Das verhindert eine stressbedingte Depression und hilft Tieren, die bereits depressionsähnliche Symptome zeigen“, sagt Prof. Normann. „Unsere Studie zeigt deutlich, dass diese Blockade ein wesentlicher Wirkmechanismus von Antidepressiva ist.“

Auftreten und Behandlung von Depressionen

Eine Depression kann in jedem Alter auftreten, erstmalig am häufigsten zwischen 20 und 30 Jahren.

Die Betroffenen fühlen sich niedergeschlagen, antriebs- und interesselos. Sie schlafen meist schlecht, ermüden schnell und sind oft unfähig, Gefühle zu empfinden. Schwer betroffene Patienten können suizidgefährdet sein. 

Die Behandlung erfolgt gemäß Leitlinien psychotherapeutisch, bei einer schweren depressiven Episode zusätzlich medikamentös.

  • Insbesondere aufgrund eines häufigen Auftretens von Todesgedanken ist rasche professionelle Hilfe notwendig. 

Als Auslöser der Erkrankung wird eine Kombination erblicher, lebensgeschichtlicher und aktueller Belastungsfaktoren wie Stress angenommen.

Originaltitel der Arbeit: Antidepressants rescue stress-induced disruption of synaptic plasticity via serotonin transporter-independent inhibition of L-type calcium channels

DOI: 10.1016/j.biopsych.2017.10.008

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29174591 Link zur Studie

https://www.uniklinik-freiburg.de/psych/forschung-research/research-groups/rg-no... 


Forschungsgruppe Prof. Normann "Mechanisms of Depression"



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Prof. Dr. Claus Normann
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Johannes Faber
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Benjamin Waschow Universitätsklinikum Freiburg
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Information zu Clozapin: Britische Arzneimittelbehörde erinnert an den Einfluss von Clozapin auf die Darmperistaltik bis hin zum Risiko von Darmverschluss, Koprostase und paralytischem Ileus

Das Antipsychotikum Clozapin wird angewandt zur Behandlung von Patienten mit therapierefraktärer Schizophrenie sowie bei Schizophrenie, die wegen schwerer neurologischer Nebenwirkungen nicht mit anderen Antipsychotika behandelt werden kann (1). Es hat einen langjährig etablierten, relevanten Stellenwert in der psychiatrischen Pharmakotherapie. Vergleichende Metaanalysen und Kohortenstudien zeigen konsistent eine über alle anderen Antipsychotika herausgehobene antipsychotische Wirkung (2) und einen einzigartigen mortalitätsreduzierenden Effekt (3). Clozapin ist darüber hinaus indiziert zur Behandlung von Psychosen bei Patienten mit M. Parkinson (1).

Die antipsychotische Wirkung wird vermittelt durch Hemmung des Dopamin-D4-Rezeptors. Neben der Beeinflussung weiterer Transmittersysteme besitzt Clozapin auch eine anticholinerge Aktivität. Vermutlich dadurch bedingt kann es in unterschiedlicher Ausprägung die Darmperistaltik beeinträchtigen: Gemäß Fachinformation tritt Obstipation sehr häufig (≥ 1 von 10 Patienten) auf. Darmverschluss, Koprostase und paralytischer Ileus werden als sehr seltene (< 1 von 10.000 Patienten) Nebenwirkungen genannt. Diese sind jedoch wegen ihres Schweregrades klinisch relevant.

Die Britische Arzneimittelbehörde (MHRA) erinnert an das potenziell lebensbedrohliche Risiko dieser Nebenwirkungen: 

Clozapin ist bei paralytischem Ileus kontraindiziert. 

Besondere Vorsicht ist angeraten, wenn gleichzeitig weitere Arzneimittel mit dem Risiko der Auslösung einer Obstipation angewendet werden (insbesondere Arzneimittel mit anticholinergen Eigenschaften wie verschiedene Antipsychotika, Antidepressiva oder Antiparkinsonmittel) oder wenn Patienten Dickdarmerkrankungen oder Operationen am Unterbauch in der Vorgeschichte aufweisen sowie bei Patienten ab 60 Jahren.

  • Patienten sollten über das Risiko aufgeklärt und aufgefordert werden, entsprechende Beschwerden unverzüglich anzusprechen. Eine Obstipation unter Clozapin sollte aktiv behandelt werden.

▶ Information des MRHA vom 26.10.2017
Literatur
  1. Mylan Healthcare GmbH: Fachinformation "Leponex® 25 mg/ 100 mg Tabletten". Stand: August 2017.
  2. Leucht S, Cipriani A, Spineli L et al.: Comparative efficacy and tolerability of 15 antipsychotic drugs in schizophrenia: a multiple-treatments meta-analysis. Lancet 2013; 382: 951-962.
  3. Tiihonen J, Lonnqvist J, Wahlbeck K et al.: 11-year follow-up of mortality in patients with schizophrenia: a population-based cohort study (FIN11 study). Lancet 2009; 374: 620-627.
Bitte teilen Sie der AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen und Medikationsfehler
(auch Verdachtsfälle) mit. Die Formulare finden Sie auf der Webseite der AkdÄ.

Geriatrie-CAVE-LaborKontrolle: Vitamin D, Folsäure, Vitamin B12, Eisen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Vitamin-Mangel im Alter

Jeder zweite über 65 hat zu wenig Vitamin D im Blut. 

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung im Rahmen der Augsburger Bevölkerungsstudie KORA-Age. 

Außerdem habe jeder vierte eine Vitamin B12 Unterversorgung, berichten die Autorinnen und Autoren des Helmholtz Zentrums München im Fachmagazin ‚Nutrients‘. 
 
Die Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg (KORA) untersucht seit über 30 Jahren die Gesundheit tausender Bürger aus dem Raum Augsburg. Ziel ist es, die Auswirkungen von Umweltfaktoren, Verhalten und Genen auf die Gesundheit zu verstehen. „In diesem Zusammenhang interessierte uns auch die Versorgungslage von älteren Menschen mit Mikronährstoffen wie Vitaminen“, erklärt Studienleiterin PD Dr. Barbara Thorand vom Institut für Epidemiologie (EPI) am Helmholtz Zentrum München. „Dazu ist die Studienlage in Deutschland bisher relativ dünn.“

Entsprechend untersuchten die Wissenschaftler Blutproben von insgesamt 1079 KORA-Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Alter zwischen 65 und 93*.  

Bei Ihrer Analyse konzentrierten sie sich auf die Mengen von Vitamin D, Folsäure, Vitamin B12 sowie Eisen.

„Die Ergebnisse sind durchaus klar“, erklärt Erstautorin Romy Conzade.

  • „52 Prozent der Probanden lagen unterhalb des Grenzwertes für Vitamin D von 50 nmol/L und sind somit suboptimal versorgt.“ 
  • Und auch für die anderen Parameter stellten die Wissenschaftler zum Teil eine nennenswerte Unterversorgung fest: 
  • So lagen die Vitamin B12-Werte von 27 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter dem Soll, bei elf Prozent war der Eisenwert zu niedrig und knapp neun Prozent hatten zu wenig Folsäure im Blut.

EPI-Direktorin Prof. Dr. Annette Peters ordnet die Daten ein: „Die aktuelle Studie kann mithilfe von Blutanalysen das kritische Ergebnis der letzten Nationalen Verzehrstudie II bestätigen**, die zu einer ungenügenden Mikronährstoffaufnahme über die Nahrung kam.

Das ist insbesondere mit Blick auf unsere alternde Gesellschaft ein hochrelevantes Thema.“

Nahrungsergänzungsmittel als Ausweg?

Gemeinsamkeiten der meisten Menschen mit einer Unterversorgung waren ein sehr hohes Alter, wenig Bewegung und Gebrechlichkeit. 
In diesen Gruppen sollte daher gezielt auf eine mögliche Unterversorgung mit Mikronährstoffen geachtet werden, erklären die Forscher.

„Zudem zeigt unsere Studie, dass die regelmäßige Einnahme von Vitaminpräparaten mit einer besseren Versorgung mit den entsprechenden Vitaminen einhergeht“, so Barbara Thorand.

„Die Einnahme von Vitaminpräparaten ist jedoch kein Allheilmittel und gerade ältere Menschen sollten besonders auf eine gesunde und nährstoffreiche Ernährung achten.“***

Als weitere Zielsetzung sollten dementsprechend die biologischen Stoffwechselwege zwischen Supplementeinnahme, Mikronährstoffspiegel und Krankheitszustand weiter untersucht werden, so die Autoren.
 
Weitere Informationen

* Die Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg (KORA) untersucht seit 30 Jahren die Gesundheit tausender Bürger aus dem Raum Augsburg. Ziel ist es, die Auswirkungen von Umweltfaktoren, Verhalten und Genen auf die Gesundheit zu verstehen. Kernthemen der KORA-Studien sind Fragen zu Entstehung und Verlauf von chronischen Erkrankungen, insbesondere Herzinfarkt und Diabetes mellitus. Hierzu werden Risikofaktoren aus dem Bereich des Gesundheitsverhaltens (u.a. Rauchen, Ernährung, Bewegung), der Umweltfaktoren (u.a. Luftverschmutzung, Lärm) und der Genetik erforscht. Aus Sicht der Versorgungsforschung werden Fragen der Inanspruchnahme und Kosten der Gesundheitsversorgung untersucht.

Die KORA-Age Studie hat das Ziel, Faktoren für ein gesundes und zufriedenes Altern zu identifizieren und die aktive Teilnahme älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben zu unterstützen. Mit den Ergebnissen kann ein wichtiger Beitrag zur epidemiologischen Forschung und Gesundheitsförderung im Alter geleistet werden. http://www.helmholtz-muenchen.de/kora

** Max Rubner-Institut: Nationale Verzehrsstudie II, Ergebnisbericht Teil 2 (2008). Die Bundesweite Befragung zur Ernährung von Jugendlichen und Erwachsenen. https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Institute/EV/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2...

*** Aktuelle Ergebnisse des Forschungsteams um Prof. Dr. Philippe Autier zeigten z.B., dass eine Substitution mit Vitamin D auf nicht-skelettale Erkrankungen keinen Effekt hat. Eine Reduzierung der Gesamtmortalität durch die Vitamin D Einnahme ist allenfalls bei älteren Menschen in Heimen oder Krankenhäusern zu beobachten. Quelle: Autier, P. et al. (2017): Effect of vitamin D supplementation on non-skeletal disorders: a systematic review of meta-analyses and randomised trials. The Lancet Diabetes & Endocrinology , Volume 5 , Issue 12 , 986 - 1004

Hintergrund:
Dass die Einnahme von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten kein Allheilmittel zu sein scheint berichtete das Team um Barbara Thorand 2013: Damals stellten die Forscher fest, dass ältere Menschen dadurch zu viel Magnesium und Vitamin E zu sich nehmen. https://www.helmholtz-muenchen.de/presse-medien/pressemitteilungen/alle-pressemi...

Die Erstautorin Romy Conzade ist Teilnehmerin der Helmholtz Graduate School Environmental Health, kurz HELENA. https://www.helmholtz-helena.de/

Original-Publikation:
Conzade, R. et al. (2017): Prevalence and Predictors of Subclinical Micronutrient Deficiency in German Older Adults: Results from the Population-Based KORA-Age Study. Nutrients, DOI: 10.3390/nu9121276 http://www.mdpi.com/2072-6643/9/12/1276

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Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de

Das Institut für Epidemiologie (EPI) erforscht die Zusammenhänge von Umwelt, Lebensstil und Genetik bei der Entstehung von Diabetes, Erkrankungen des Herzens und der Erhaltung der Gesundheit im Alter. Die Forschung stützt sich auf die einzigartigen bevölkerungsbasierten KORA-Ressourcen (Kohorte, Herzinfarktregister, Aerosol-Messstation). Folgestudien innerhalb der Kohorte ermöglichen die Untersuchung von Frühformen und Komplikationen ausgewählter chronischer Erkrankungen und deren Verbreitung in der Bevölkerung. http://www.helmholtz-muenchen.de/epi

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Blut im Urin: Blasenspülung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Mehr Patientensicherheit bei Blut im Urin

Entwicklung eines drahtlosen Sensorsystems für Blasenspülungen soll Patientenversorgung nachhaltig verbessern / Idee und klinische Begleitung des Projekts am Universitätsklinikum Freiburg 
 
  • Blut im Urin kann viele Ursachen haben und zu Komplikationen wie Blutgerinnseln mit Verstopfung des Blasenausganges sowie starken Schmerzen führen. 

Nach urologischen Operationen treten meistens leichte Blutungen auf, daher sind kontinuierliche Blasenspülungen über Katheter sehr wichtig.

Seit November 2017 beteiligen sich Mediziner der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Freiburg an dem Projekt „VisIMon“, in dem ein neues Sensorsystem zur Kontrolle und Steuerung von Blasenspülungen entwickelt werden soll.

Das intelligente Monitoringsystem soll den Blutgehalt der Spülflüssigkeit in Echtzeit messen und damit die Qualität der postoperativen Patientenüberwachung verbessern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Vorhaben mit etwa 1,8 Millionen Euro. Davon gehen rund 255.000 Euro nach Freiburg, wo auch die Idee für das neue Verfahren entstanden ist.

„Blut im Urin nach einer Operation betrifft viele unserer Patientinnen und Patienten und verunsichert die Betroffenen oft stark. Wir hoffen, mit dem Projekt einen wichtigen Beitrag zur alltäglichen Patientenversorgung in der Urologie zu leisten“, sagt der medizinische Leiter des Projekts Prof. Dr. Arkadiusz Miernik, Leiter der Sektion für Urotechnologie der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Freiburg. Geleitet wird das Projekt „Vernetztes, intelligentes und interaktives System zur kontinuierlichen, perioperativen Überwachung und Steuerung einer Irrigationsvorrichtung sowie zum funktionellen Monitoring des unteren Harntraktes“ (VisIMon) durch das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Das geplante System soll bei der Harnblasenspülung per Sensor Zufluss und Abfluss des Spülkatheters überwachen. 
  • So können der Blutgehalt im Urin und der Blasenfüllstand optimal kontrolliert werden. 
Ärzte und Pflegekräfte können alle wichtigen Daten per Tablet abrufen.

Das Verfahren soll vor allem bei Patienten, die am Harntrakt operiert worden sind, angewendet werden.

Darüber hinaus kann es zum Beispiel bei Menschen eingesetzt werden, die aufgrund von Harnwegsinfekten oder bestimmten Medikamenten Blasenblutungen entwickelt haben. 

Das Sensorsystem soll durch automatisierte Messungen dabei unterstützen, noch besser auf Patientenbedürfnisse einzugehen und gleichzeitig das Pflegepersonal vor Ort zu entlasten.

„Um die Praxistauglichkeit des Systems zu gewährleisten, planen wir eine ausgiebige Testung sowohl im Labor als auch im simulierten klinischen Einsatz.

Wir hoffen so die Qualität von Blasenspülungen nachhaltig zu verbessern“, sagt Dr. Dominik Schöb.

Er betreut das Projekt „VisIMON“ in Freiburg zusammen mit Franz Dreßler, beide Assistenzärzte an der Klinik für Urologie sowie wissenschaftliche Mitarbeiter der Sektion für Urotechnologie am Universitätsklinikum Freiburg.

Die Freiburger Urologen stellen den anderen Projektpartnern die notwendige klinische Expertise zur Verfügung, damit das geplante System in seinen Spezifikationen speziell auf den klinischen Alltag zugeschnitten werden kann.

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Prof. Dr. Dr. med. univ. Arkadiusz Miernik, FEBU
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