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Rauchen von Wasserpfeifen (Shishas) zum Nikolausfest 2017

Medizin am Abend Berlin Fazit: Kohlenmonoxidvergiftungen durch Shisha Rauchen nehmen zu

Bereits rund 100 Behandlungen in der speziellen Druckkammer am UKD in diesem Jahr 
 
In diesem Jahr wurden bereits rund 100 Fälle von Kohlenmonoxidvergiftungen in der speziellen Druckkammer des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) mit der Hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) behandelt – etwa 40 davon gehen auf das Rauchen von Wasserpfeifen (Shishas) zurück.


In der Druckkammer der Düsseldorfer Uniklinik können bis zu 12 sitzende Patienten behandelt werden. Die Sitzreihen können zur Aufnahme von Krankenhausbetten entfernt werden.


In der Druckkammer der Düsseldorfer Uniklinik können bis zu 12 sitzende Patienten behandelt werden. Die Sitzreihen können zur Aufnahme von Krankenhausbetten entfernt werden. UKD

Bei der Therapie wird unter Zuhilfenahme von Überdruck 100 Prozent Sauerstoff verabreicht, um das Kohlenmonoxid aus dem roten Blutfarbstoff und lebenswichtigen Organgeweben (z.B. Gehirn) zu verdrängen.  

Medizin am Abend Berlin: Druckkammer in Berlin/Bundesweit  

  • Kohlenmonoxid (chemisches Zeichen: CO) ist ein farb-, geruchs- und geschmackloses Gas, das bei der unvollständigen Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Stoffen und unter unzureichender Sauerstoffzufuhr entsteht.  
  • Kohlenmonoxid ist hoch toxisch und sorgt dafür, dass Sauerstoff im Blut nicht mehr transportiert wird, was im schlimmsten Fall zum Ersticken führen kann. 
„Kohlenmonoxidvergiftungen sind lebensgefährlich“, sagt Dr. Sven Dreyer, leitender Druckkammerarzt der Uniklinik, „mehr Vorsicht und Sorgsamkeit können Leben retten.“

UKD rät zu erhöhter Wachsamkeit und Vorsicht

Aufgrund mehrerer aktueller Fälle rät das UKD zu erhöhter Wachsamkeit und Vorsicht: Defekte Gasthermen oder ein Holzkohlegrill in der Wohnung stellen ein Risiko dar. 

Die Uniklinik vermerkt zudem einen deutlichen Anstieg an Vergiftungen durch das Rauchen von Shishas.

Kohlenmonoxid ist die Ursache für einen Großteil der tödlichen Vergiftungen weltweit. Dennoch wird es immer noch häufig unterschätz. Da das Atemgift so gut wie keine Reizungen hervorruft, wird es zunächst kaum wahrgenommen: 

Die frühen Anzeichen einer Vergiftung – Müdigkeit, Benommenheit, Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und grippeähnliche Symptome – sehen Betroffene nicht als Folge der Verbrennung.

Hohe Dosen von Kohlenmonoxid wirken schwer toxisch und sorgen bereits nach wenigen Minuten der Einatmung für Bewusstlosigkeit und Erstickungen.

In geschlossenen Räumen kann das Gas nicht abziehen

Risikopunkte sind unter anderem Gasthermen, die unvollständig verbrennen – etwa weil der Brenner verrußt ist. Ein Warnzeichen für CO ist dabei die Farbe der Flamme: Sie ist nicht mehr blau sondern gelb. Prof. Dr. Joachim Windolf, Direktor der Klinik für Hand- und Unfallchirurgie am UKD, warnt zudem davor einen Holzkohlegrill oder ein offenes Feuer in geschlossenen Räumen aufzustellen: „Bei der Verbrennung von Kohlenstoffen, nämlich der Holzkohle, entsteht das Gas und kann in geschlossenen Räumen nicht abziehen“, erklärt der Leiter der Düsseldorfer Unfallmedizin, der auch die Düsseldorfer Druckkammer betreut. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht durch Versuche aus dem Jahr 2013 davon aus, dass in einer Garage oder einem Wohnzimmer bereits nach zwei Stunden Verbrennung von 800 Gramm Holzkohle eine giftige Gas-Konzentration (3.000 ppm/parts per Million) vorhanden ist, die zur Bewusstlosigkeit und auch zum Tode führen kann.

Unsachgemäßes Shisha Rauchen ist eine Gefahrenquelle
  • Eine Gefahrenquelle ist nicht zuletzt das beliebte Shisha Rauchen, da auch hier bei der Verbrennung der Wasserpfeifenkohle Kohlenmonoxid entsteht. 
  • Besonders beim schnellen Rauchen ohne Absetzen der Pfeife in geschlossenen Räumen ohne ausreichende Luftzufuhr gelangt nicht mehr genug Sauerstoff in den Organismus. 
Anschließende Benommenheit, Übelkeit und Bewusstlosigkeit sind auf das Kohlenmonoxid, nicht aber auf die Stärke des Tabaks zurückzuführen.

Im Verdachtsfall sollte man sofort alle Fenster öffnen, umgehend den Raum verlassen und die Feuerwehr verständigen.

Für eine CO-Vergiftung reichen nur wenige Atemzüge. 

  • Vorbeugend raten Experten daher immer zum Kauf von Kohlenmonoxidmeldern. 

Die kleinen Geräte werden an der Wand angebracht und sind in jedem Baumarkt zu bekommen.

Wichtig: Rauchmelder, die seit Anfang des Jahres in Nordrhein-Westfahlen Pflicht sind, ersetzen keine Kohlenmonoxidmelder, da sie das Gas nicht erfassen.


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Dr. Sven Dreyer, Universitätsklinikum Düsseldorf
Tel.: 0211 / 81-04107

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Nierenerkrankung - Auswirkung auf Herz- und Kreislauf?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Mediziner erforschen kardiovaskuläre Folgeerkrankungen bei Nierenpatienten

In einem neuen Sonderforschungsbereich erforschen Mediziner aus dem Saarland und Aachen den Zusammenhang zwischen Nierenerkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 
  • Diese entstehen häufig als Folge einer Nierenerkrankung, so dass das Risiko, an einer kardiovaskulären Krankheit zu sterben, bei Nierenpatienten deutlich höher ist als bei Menschen mit gesunden Nieren. 
Sprecher des universitätsübergreifenden Sonderforschungsbereichs (Transregio) ist Professor Danilo Fliser, Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten am Universitätsklinikum des Saarlandes. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert den Transregio von 2018 bis 2021 knapp 8 Millionen Euro. 

Professor Danilo Fliser ist Sprecher des neuen Transregio mit der RWTH Aachen, den die DFG ab 2018 mit acht Millionen Euro fördert.
 Professor Danilo Fliser ist Sprecher des neuen Transregio mit der RWTH Aachen, den die DFG ab 2018 mit acht Millionen Euro fördert. Foto: Thorsten Mohr/Universität des Saarlandes
 
Patienten, deren Nieren nicht mehr richtig funktionieren, haben mit einer Vielzahl von Einschränkungen und Komplikationen zu leben.

Etwa 100.000 Menschen müssen in Deutschland regelmäßig zur Dialyse, rund 25.000 Menschen leben mit einer transplantierten Niere, deren Funktionen ebenfalls häufig eingeschränkt sind. Insgesamt leben in Deutschland schätzungsweise 1,5 bis zwei Millionen Menschen, die eine Einschränkung ihrer Nierenfunktion haben.

Diese haben oft auch mit Folgeerkrankungen zu kämpfen, deren Ursache in der fehlerhaften Arbeit der Nieren liegt, zum Beispiel Blutarmut (Anämie). „Das Hauptproblem sind aber tatsächlich kardiovaskuläre Krankheiten, an denen diese Patienten deutlich häufiger leiden als die Normalbevölkerung“, erklärt Professor Danilo Fliser, der Sprecher des neuen Transregio.

 „Ein Dialysepatient hat ein dreimal höheres Risiko, an einem Versagen des Herz-Kreislauf-Systems zu sterben als ein Mensch mit gesunden Nieren.

Warum das so ist, ist medizinisch noch nicht hinreichend erforscht“, erläutert der Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten am Uniklinikum Homburg.

Um dies herauszufinden, gehen die Mediziner der Nephrologie (Nierenheilkunde) und der Kardiologie aus dem Saarland und aus Aachen nun eine Forschungskooperation ein, die in dieser Konstellation einmalig ist. In 19 Teilprojekten inklusive eines gemeinsamen Graduiertenkollegs forschen Nephrologen und Kardiologen zu gleichen Anteilen miteinander. „Dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft einen solcherart aufgestellten Transregio unterstützt, zeigt auch den Stellenwert des Problems“, sagt Danilo Fliser. Einmalig in diesem Forschungsverbund sei vor allem das „Patientenkollektiv“, das den Arbeiten zugrunde liegt. Üblicherweise werden Forschungen, die kardiovaskuläre Erkrankungen zum Gegenstand haben, nicht vorwiegend auf Grundlage von Patienten konzipiert, die darüber hinaus auch noch an Nierenerkrankungen leiden. Das ist beim Verbund der saarländischen und Aachener Forscher nun anders.

Neben den feststellbaren kardiovaskulären Erkrankungen, die häufiger bei Nierenpatienten auftreten, gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Nierenerkrankungen und dem Alterungsprozess. 
  •  „Die Gefäße bei nierenerkrankten Personen verkalken beispielsweise anders als bei gesunden Menschen, sie altern gewissermaßen schneller“, erklärt Professor Fliser. 
Die Zusammenhänge, die zu diesem Phänomen führen, sind bisher ebenfalls kaum erforscht. Auch ihnen wollen die Forscher im Transregio auf den Grund gehen. „Möglicherweise gibt es auch Mechanismen, die für die Allgemeinbevölkerung gelten“, erläutert Danilo Fliser.

Universitätspräsident Manfred Schmitt zeigte sich erfreut über den neuen Transregio-Sonderforschungsbereich: „Für die Universität des Saarlandes ist die Bewilligung ein fantastisches Signal und eine Bestätigung unserer Bemühungen, den Schwerpunkt Biomedizin an der Schnittstelle von klinischer und vorklinischer Forschung weiter zu stärken. Der Bereich der translationalen Medizin wurde in den letzten Jahren konsequent zu einem national sichtbaren Leistungsbereich entwickelt, der nunmehr zur erfolgreichen Einrichtung eines neuen Sonderforschungsbereichs geführt hat.“

„Die Förderentscheidung der DFG belegt, dass die Universität des Saarlandes zu den führenden Standorten in den Bereichen Herz- und Nierenforschung gehört. Der Sonderforschungsbereich ist ein wichtiger Baustein in der Landeshochschulentwicklungsplanung bis 2020 und wird einen bedeutenden Beitrag zum weiteren Ausbau dieser Forschungsbereiche leisten. Den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gratuliere ich herzlich und wünsche für die kommenden Jahre einen erfolgreichen Verlauf ihrer Projekte in einem starken Verbund“, erklärte Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Im Rahmen der gesamtstaatlichen Bund-Länder-Finanzierung ist die Staatskanzlei an der Finanzierung der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit jährlich insgesamt rund 10 Millionen Euro beteiligt.

Hintergrund:
Der Transregio „TRR 219: Mechanisms of Cardiovascular Complications in Chronic Kidney Disease“ ist ein gemeinsamer Forschungsverbund der Universität des Saarlandes und der RWTH Aachen. Insgesamt besteht er aus 19 Teilprojekten, die vom 1.1.2018 bis Ende 2021 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert werden. Die Fördersumme beträgt knapp 8 Millionen Euro. Sprecher des Transregio ist Professor Danilo Fliser, Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten am Uniklinikum Homburg.

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Hirntod - Hirnfunktionsausfall - Hirndtoddiagnostik

Medizin am Abend Berlin Fazit: Diagnoseproblem: Neuer Ratgeber zum irreversiblen Hirnfunktionsausfall

Die Gefahr einer Falschdiagnose beim irreversiblen Funktionsausfall des Gehirns muss so gering wie möglich gehalten werden. 

Dabei wird in der höchst sensiblen Hirntoddiagnostik aktuell vor allem auf die Erfahrung der behandelnden Mediziner gesetzt.

 Die Deutsche Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI) hat jetzt erstmals einen umfassenden Ratgeber entwickelt, der die wichtigsten und häufigsten Fragen rund um das Thema Hirntod zusammenfasst. 

Dr. Georg Gahn
 Dr. Georg Gahn

„Mit den gesammelten Erkenntnissen führender Wissenschaftler können wir klärende Antworten auf mögliche Fehlerquellen bei der Diagnose geben“, sagt DGNI-Präsident Professor Georg Gahn, Direktor der Neurologischen Klinik am Städtischen Klinikum Karlsruhe.

Notwendige Richtwerte und Qualifikationen werden ebenso besprochen wie Streitfälle und Zusatzdiagnosen. 

Auf der Webseite der DGNI finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen zu Diagnoseproblemen des irreversiblen Funktionsausfalls des Gehirns.

Unter zahlreichen Ärzten hat die vierte Aktualisierung der Richtlinie für die Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls für Verunsicherung gesorgt.

Die DGNI hat aus diesem Grund eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die Mitglieder der Fachgesellschaft zu den Problemen mit der geänderten Richtlinie befragt hat.

„Sicher kann nicht jede individuelle Situation im Rahmen von Richtlinien berücksichtigt werden – sie erfordert auch eine Einordnung in den Gesamtzusammenhang.

Trotzdem können wir mit unserer Umfrage und den daraus resultierenden Antworten etwas Sicherheit im Umgang mit wiederholt auftretenden Fragestellungen vermitteln“, so Gahn.

DGNI-Teamarbeit: „Wir wollen den Kollegen im Alltag helfen“

Die DGNI-Arbeitsgruppe hat sich mit den zahlreichen Fragen beschäftigt und Vorschläge für eine Beantwortung der Fragen beziehungsweise den Umgang mit diesen Fragen im Alltag erarbeitet.

„Wir als NeuroIntensivmediziner sind durch die neuen Richtlinien in das Zentrum der Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls gerückt und hoffen, mit unserem Ratgeber-Beitrag eine Hilfestellung für den Alltag der Kollegen leisten zu können“, sagt DGNI-Präsident Gahn.

Beteiligt waren an der Arbeit Professor Andreas Ferbert (Kassel), Privatdozentin Dr. Stefanie Förderreuther (München), Professor Uwe Walter (Rostock) und Professor Dr. Georg Gahn (Karlsruhe).

Unterstützt wurde die Gruppe bei der Überarbeitung des Ratgebers von Professor Wolfgang Müllges (Würzburg) und Dr. Katja Wartenberg (Halle/Saale).

Unter dem unten stehenden Link finden die Antworten auf die häufigsten Fragen zur Diagnose beim irreversiblen Funktionsausfall des Gehirns (IHA)

http://www.dgni.de/aerzte/irreversibler-hirnfunktionsausfall.html


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Durchblutungsstörung des Herzmuskel

Medizin am Abend Berlin Fazit: Frühe Katheteruntersuchung: Hochrisiko-Patienten mit akuten Herz-Durchblutungsstörungen profitieren

Forscher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und des Herzzentrums Leipzig haben herausgefunden, dass bei einer bestimmten Form von Durchblutungsstörungen des Herzmuskels, dem akuten Koronarsyndrom ohne ST-Hebung, eine frühe Katheteruntersuchung die Anzahl der Todesfälle reduzieren könnte – allerdings nur bei Hochrisiko-Patienten. 

Bei allen anderen Patienten beeinflusst der frühe Zeitpunkt des Eingriffs die Sterblichkeit mutmaßlich nicht. 
 
Ein akutes Koronarsyndrom ist ein Notfall.

Ein Herzkranzgefäß ist verschlossen oder hochgradig verengt und es kommt zu lebensbedrohlichen Durchblutungsstörungen des Herzens.

Die Patienten verspüren Schmerzen, Atemnot und ein starkes Engegefühl in der Brust. In der Notaufnahme wird zunächst ein Elektrokardiogramm (EKG) aufgezeichnet. Zeigt sich dort im Kurvenverlauf eine ST-Strecken-Hebung, handelt es sich um einen ST-Strecken-Hebungsinfarkt und es wird sofort eine Katheteruntersuchung durchgeführt, um das verschlossene Blutgefäß zu identifizieren und wiederzueröffnen.
  • Wenn das EKG keine ST-Hebung zeigt, liegt ein akutes Koronarsyndrom ohne ST-Hebung (NSTE-ACS) vor und dem Patienten wird Blut zur Bestimmung eines Biomarkers, dem Troponin, abgenommen. 
  • Ist dieser Biomarker erhöht, handelt es sich um einen Nicht-ST-Strecken-Hebungsinfarkt. 
  • Ist das Troponin hingegen nicht erhöht, liegt eine instabile Angina pectoris vor. 
  • Die Leitlinien empfehlen für Hochrisikopatienten mit NSTE-ACS einen frühen Kathetereingriff innerhalb von 24 Stunden nach Krankenhausaufnahme.
Die Empfehlung basiert auf mehreren Studien, die zeigten, dass eine frühe Koronarangiographie die Krankenhausaufenthaltsdauer verkürzt und Symptome einer Durchblutungsstörung des Herzmuskels nicht so häufig wiederkehren.

Allerdings waren diese Studien zu klein, um eine Aussage darüber treffen zu können, ob der Zeitpunkt auch die Sterblichkeit beeinflusst.

Hochrisiko-Patienten profitieren

Dr. Alexander Jobs, DZHK-Wissenschaftler am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und an der Universität zu Lübeck, hat gemeinsam mit Kollegen vom Standort München und dem Herzzentrum Leipzig nun mit einer umfangreichen Meta-Analyse herausgefunden, dass eine frühe Koronarangiographie die Anzahl der Todesfälle bei vier Hochrisikogruppen senken könnte.

Dazu gehören Patienten, die entweder älter als 75 Jahre sind, Diabetes haben, erhöhte Biomarker-Werte bei der Aufnahme haben oder einen hohen Punkt-Wert bei einem Risiko-Score aufweisen. 

Betrachtet man hingegen die Gesamtheit der 5.324 untersuchten Patienten mit NSTE-ACS reduzierte der frühe Eingriff, gegenüber der Koronarangiographie zu einem späteren Zeitpunkt, die Sterblichkeit nicht. Die Daten für die Analyse stammen aus acht Studien. Anders als vorherige Meta-Analysen zu diesem Thema konnten Jobs und Kollegen im Rahmen einer wissenschaftlichen Kooperation individuelle Patientendaten der einzelnen Studien analysieren. Des Weiteren standen längere Nachbeobachtungszeiträume zur Verfügung. „Dadurch wurde unsere Analyse statistisch aussagekräftiger und wir konnten erstmals Subgruppen analysieren“, erläutert der Assistenzarzt vom Universitären Herzzentrum Lübeck. Da die Aussage bezüglich der Hochrisikogruppen auf der Auswertung von solchen Subgruppen basiert, planen die Wissenschaftler derzeit eine große randomisierte Studie, um diese explorativen Ergebnisse zu bestätigen.

Für die Veröffentlichung der Meta-Analyse in "The Lancet" erhielt Jobs den Publikationspreis der Arbeitsgruppe Interventionelle Kardiologie (AGIK) der Deutschen Gesellschaft für
Kardiologie e. V.

Originalarbeit:
Optimal timing of an invasive strategy in patients with non-ST-elevation acute coronary syndrome: a meta-analysis of randomised trials. Jobs A, Mehta SR, Montalescot G, Vicaut E, Van't Hof AWJ, Badings EA, Neumann FJ, Kastrati A, Sciahbasi A, Reuter PG, Lapostolle F, Milosevic A, Stankovic G, Milasinovic D, Vonthein R, Desch S, Thiele H. Lancet. 2017 Aug 19;390(10096):737-746.
DOI: 10.1016/S0140-6736(17)31490-3

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Christine Vollgraf,  Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), Tel.: 030 3465 529 02, presse@dzhk.de


Oudenarder Straße 16
13347 Berlin
Deutschland
Berlin

Telefon: 030 3465 52902
E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de
Dr. Alexander Jobs, Medizinische Klinik II, Kardiologie, Angiologie, Intensivmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Universitäres Herzzentrum Lübeck, alexander.jobs@uksh.de

Herz- und thorakale Gefäßchirurgie - Hybrid-OP

Medizin am Abend Berlin Fazit: Prof. Dr. Ardawan Julian Rastan – Neuer Direktor der Marburger Herzchirurgie

Prof. Dr. med. Ardawan Julian Rastan (50) wurde zum 1. Oktober 2017 zum neuen Direktor der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Marburg des UKGM sowie zum W3-Professor für Herzchirurgie an der Philipps-Universität Marburg berufen. Er übernahm damit die Nachfolge der im Jahr 1994 unter Prof. Dr. Rainer Moosdorf gegründeten Klinik. 

Prof. Dr. Ardawan Julian Rastan, neuer Direktor der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Marburg.
 Prof. Dr. Ardawan Julian Rastan, neuer Direktor der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Marburg. Herz-Kreislauf-Zentrum Rotenburg.


Rastan studierte Humanmedizin an der Universität Regensburg sowie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Seine umfassende herz-, thorax- sowie gefäßchirurgische Ausbildung begann er an der Ernst-August-Universität Göttingen sowie anschließend im Herzzentrum Leipzig unter Prof. Friedrich-Wilhelm Mohr. 

Seit 2005 arbeitete er als Oberarzt in der Klinik für Herzchirurgie im Herzzentrum Leipzig und trug dort zur Weiterentwicklung der Herzmedizin, insbesondere der minimal-invasiven Herzchirurgie und der interventionellen Klappenverfahren bei.

Seit 2012 ist Professor Rastan Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie im Herz-Kreislaufzentrum Rotenburg/Fulda und war seit 2016 zudem der dortige ärztliche Direktor.

Nach dem Wechsel an die Universität Marburg und das UKGM wird Prof. Rastan in Rotenburg seine Leitungsfunktion hoheitlich beibehalten, um so den wachsenden Anforderungen innerhalb der Herzmedizin in der vernetzenden Struktur des Zentrums für cardiopulmonale Medizin Rechnung zu tragen.

In seiner Laufbahn erwarb sich Prof. Rastan eine ausgewiesene klinische und wissenschaftliche Qualifikation auf dem Gebiet der Erwachsenen- und Kinderherzchirurgie, die er auch in zahlreichen Publikationen und wissenschaftlichen Vorträgen vertreten konnte. Schwerpunkte seiner klinisch-wissenschaftlichen Tätigkeit liegen in den neuen Verfahren der katheter-basierten Klappenimplantationen, der video-assistenten Klappenchirurgie sowie im Bereich der total-arteriellen Koronarchirurgie.

Die Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie bildet so das komplette Spektrum der Erwachsenenherzchirurgie ab. Beispielhaft für die moderne und qualitativ hochwertige Behandlung steht der am 20. Oktober 2017 eröffnete Hybrid-OP mit interdisziplinärem Katheterbereich des Herzzentrums Marburg. 

Das roboter-gestützte Angiographie-System wird von der Klinik für Kardiologie (Prof. Dr. Bernhard Schieffer) sowie von der Klinik für Herzchirurgie gemeinsam betrieben, die Fortsetzung einer bereits lange bestehenden, engen Kooperation.

„Praktisch an einem Ort versorgen wir Patientinnen und Patienten auf dem neuestem Stand und auch für komplexe Krankheitsbilder, die die Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen verlangen:

Der „Hybrid-OP“ bietet eine exzellente Bilddatenverarbeitung und Röntgentechnologie und erlaubt eine Zusammenführung von dreidimensionaler Sonographie und CT-Untersuchungen während des laufenden Eingriffes unter maximal sterilen Bedingungen“, so Direktor Rastan.



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Prof. Dr. Ardawan Julian Rastan
Direktor der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Standort Marburg
Tel.: +49 (06421) 58-66 223
E-Mail: Heidrun.Goerss@uk-gm.de

Dr. Manuela Rutsatz Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Rudolf-Buchheim-Straße 8
35392 Gießen
Deutschland
Hessen 
Telefon: 06421 5866308
E-Mail-Adresse: manuela.rutsatz@uk-gm.de

TOP-Thema: Herzproteom: Krankes oder gesundes Herz?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Erstmals menschliches Herzproteom entschlüsselt

  • Ein gesundes Herz schlägt ungefähr zwei Milliarden Mal im Leben.  
  • Dafür sorgen mehr als 10.000 Proteine. 
Welche und wie viele einzelne Proteine in welchen Zelltypen vorhanden sind, haben jetzt Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Instituts für Biochemie (MPIB) und des Deutschen Herzzentrums München an der Technischen Universität München (TUM) erfasst. 

Sie haben den ersten Herzatlas des gesunden menschlichen Herzens, das sogenannte Herzproteom, erstellt. 

Damit lassen sich in Zukunft Unterschiede zwischen kranken und gesunden Herzen aufdecken. 

Vordergrund: Herzschemata, Hintergrund: Ausschnitt aus einer sogenannten Heatmap, eine Übersichtsdarstellung analysierter Proteine, die erstmals in einem Herzatlas zusammengefasst wurden
Vordergrund: Herzschemata, Hintergrund: Ausschnitt aus einer sogenannten Heatmap, eine Übersichtsdarstellung analysierter Proteine, die erstmals in einem Herzatlas zusammengefasst wurden
Doll/Krause/Menzfeld © MPI für Biochemie
 
Proteine sind die molekularen Maschinen der Zelle und übernehmen dort eine Vielzahl von Funktionen.

Diese werden anhand ihrer Bauanleitung, der DNA, hergestellt. 

Veränderungen auf DNA- oder Protein-Ebene können Krankheiten verursachen.

Damit solche Veränderungen als Ursachen für Herzkrankheiten erkannt werden können, ist es wichtig zu wissen, wo welche Proteine im gesunden Herzen vorhanden sind und in welcher Menge sie vorliegen.

Proteinlandkarte des Herzens
Einen solchen Proteinatlas für das Herz konnte ein Forscherteam aus München jetzt in Nature Communications veröffentlichen. Dafür bestimmten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die komplette Proteinausstattung der Zellen in allen Regionen des Herzens wie Herzklappen, Herzkammern und den wichtigsten Blutgefäßen.

Zudem untersuchten sie die Proteinzusammensetzung in drei unterschiedlichen Zelltypen des Herzens:

den Herzfibroblasten, den glatten Muskelzellen und den Endothelzellen. So konnte das Forscherteam wie auf einer Landkarte die Verteilung der Proteine in den unterschiedlichen Herzbereichen darstellen. Mit Hilfe der Massenspektrometrie wurden fast 11.000 unterschiedliche Proteine im gesamten Herz identifiziert.

Bisherige Studien konzentrierten sich meist nur auf einzelne Zelltypen oder nutzten Gewebe aus kranken Herzen. „Das bringt zwei Probleme mit sich“, erklärt Sophia Doll vom MPIB und Erstautorin der Studie. „Erstens, lieferten diese Ergebnisse kein Gesamtbild des Herzens mit all seinen unterschiedlichen Regionen und Geweben und zweitens fehlten häufig Daten des gesunden Herzens als Vergleich. Unsere Studie hat jetzt beide Probleme gelöst. Die Daten können als Referenz für zukünftige Studien genutzt werden.“

„Der Blick in den Proteinatlas unseres Herzens zeigt: Alle gesunden Herzen funktionieren sehr ähnlich. Wir konnten in den einzelnen Regionen jeweils eine ähnliche Proteinzusammensetzung messen, die nur wenige individuelle Unterschiede zeigte“, sagt Sophia Doll.  

  • Überraschend war auch, dass die rechte und linke Herzhälfte sich glichen, obwohl sie unterschiedliche Aufgaben übernehmen. 

Die rechte Hälfte pumpt sauerstoffarmes Blut zur Lunge und die linke das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge in den Körper.

Krank vs. Gesund: Individuelle Unterschiede erkennen
Im nächsten Schritt wollte die Autorinnen und Autoren testen, ob sich mit den Daten der gesunden Herzen als Kontrolle auch Veränderungen in kranken Herzen erkennen lassen. Sie verglichen ihre Werte mit Herzproteomen von Patienten mit Vorhofflimmern, einer sehr häufigen Herzrhythmusstörung. Die Ergebnisse konnten tatsächlich erste Hinweise auf die Ursache der Krankheit liefern:  

Das Gewebe des kranken Herzens unterschied sich am stärksten bei Proteinen, die für die Energieversorgung der Zelle verantwortlich sind.

Der Vergleich lieferte noch ein weiteres interessantes Ergebnis: Zwar waren bei allen Patienten die Proteine des Energiestoffwechsels verändert, aber bei jedem gab es individuelle Veränderungen. „Diese Ergebnisse zeigen uns, wie wichtig die personalisierte Medizin ist. Obwohl alle Patienten sehr ähnliche Symptome haben, sehen wir anhand der Daten, dass bei allen Patienten eine unterschiedliche molekulare Fehlfunktion zugrunde liegt. In Zukunft müssen wir – gerade in der Herzmedizin – lernen, solche individuellen Unterschiede zu erkennen und zu behandeln.“, sagt Dr. Markus Krane, stellvertretender Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen Herzzentrum München an der TUM.

Fast 11.000 Proteine in weniger als zwei Tagen
In der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Deutsches Herzzentrums München (Direktor: Prof. Rüdiger Lange) konnte Markus Krane zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen weit über 150 Gewebeproben aus über 60 Herzoperationen und aus rechtsmedizinischen Proben zusammengetragen. In aufwendigen Zellkulturverfahren konnten die unterschiedlichen Zelltypen daraus gewonnen werden. Erst diese große Menge an Herzmaterial machte es möglich, die einzelnen Herzbereiche so genau zu untersuchen. Prof. Matthias Mann, Leiter der Gruppe „Proteomics und Signaltransduktion“ am MPIB, führte zusammen mit seinem Team die umfangreichen massenspektrometrischen Messungen durch. Aufgrund der Weiterentwicklung der Massenspektrometrie und der Probenaufarbeitung sind die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf einem guten Weg zur personalisierten Medizin.

Das Team am MPIB legte großen Wert auf eine präzise, wiederholbare und schnelle Analysemethode.

Das Messverfahren wurde so verbessert, dass sich jetzt eine gesamte Herzregion in weniger als zwei Tagen messen lassen kann – das ist doppelt so schnell wie bisher. Gerade für die Anwendung am Patienten ist das entscheidend.

Die Daten können demnächst in der offenen Datenbank MaxQB (maxqb.biochem.mpg.de) abgerufen werden.

Originalpublikation
S. Doll, M. Dreßen, P. E. Geyer, D. Itzhak, C. Braun, S. Doppler, F. Meier, M.-A. Deutsch, H. Lahm, R. Lange, M. Krane, M. Mann, Region and cell-type resolved quantitative proteomic map of the human heart, Nature Communications, November 2017
DOI: 10.1038/s41467-017-01747-2

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Über das Max-Planck-Institut für Biochemie
Das Max-Planck-Institut für Biochemie (MPIB) in Martinsried bei München zählt zu den führenden internationalen Forschungseinrichtungen auf den Gebieten der Biochemie, Zell- und Strukturbiologie sowie der biomedizinischen Forschung und ist mit rund 35 wissenschaftlichen Abteilungen und Forschungsgruppen und ungefähr 800 Mitarbeitern eines der größten Institute der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. Das MPIB befindet sich auf dem Life-Science-Campus Martinsried in direkter Nachbarschaft zu dem Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Instituten der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie (IZB). http://biochem.mpg.de

Über die Technische Universität München
Die Technische Universität München (TUM) ist mit mehr als 550 Professorinnen und Professoren, 41.000 Studierenden sowie 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine der forschungsstärksten Technischen Universitäten Europas. Ihre Schwerpunkte sind die Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften und Medizin, verknüpft mit den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die TUM handelt als unternehmerische Universität, die Talente fördert und Mehrwert für die Gesellschaft schafft. Dabei profitiert sie von starken Partnern in Wissenschaft und Wirtschaft. Weltweit ist sie mit dem Campus TUM Asia in Singapur sowie Verbindungsbüros in Brüssel, Kairo, Mumbai, Peking, San Francisco und São Paulo vertreten. An der TUM haben Nobelpreisträger und Erfinder wie Rudolf Diesel, Carl von Linde und Rudolf Mößbauer geforscht. 2006 und 2012 wurde sie als Exzellenzuniversität ausgezeichnet. In internationalen Rankings gehört sie regelmäßig zu den besten Universitäten Deutschlands.


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Prof. Dr. Matthias Mann
Proteomics und Signaltransduktion
Max-Planck-Institut für Biochemie
Am Klopferspitz 18
82152 Martinsried
E-Mail: mmann@biochem.mpg.de

Dr. Christiane Menzfeld
Max-Planck-Institut für Biochemie
Am Klopferspitz 18
82152 Martinsried
Tel. +49 89 8578-2824
E-Mail: pr@biochem.mpg.de
www.biochem.mpg.de

PD Dr. Markus Krane
Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie
Deutsches Herzzentrum München
Klinik an der Technischen Universität München (TUM)
Telefon: +49 (0) 89 1218 – 2503
E-Mail: krane@dhm.mhn.de

Dr. Vera Siegler
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80333 München
siegler@zv.tum.de
http://www.tum.de



 
 
 
 
Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.biochem.mpg.de - Webseite des Max-Planck-Institutes für Biochemie

http://www.biochem.mpg.de/mann - Webseite der Abteilung von Matthias Mann

Vorhofflimmern - Schlaganfall und Demenzrisiko - kognitive Leistungsfähigkeit

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bei Vorhofflimmern: Marcumar und Co. senken Schlaganfall- und Demenzrisiko

Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen – rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sind davon betroffen. 

Diese Patienten haben ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall oder Demenz. 

Eine frühzeitige Behandlung mit oralen Antikoagulanzien, wozu beispielsweise in Deutschland das Medikament Marcumar (Wirkstoff: Phenprocoumon) und die neueren, sogenannten NOAKs zählen, senkt nicht nur das Schlaganfallrisiko dieser Patienten, sondern kann auch ihre kognitive Leistungsfähigkeit bewahren und sie vor Demenz schützen, betonen die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). 
 
„Vorhofflimmern erhöht das Schlaganfallrisiko immens“, sagt Professor Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und Chefarzt der Klinik für Neurologie am Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld. „Zudem erkranken Patienten mit Vorhofflimmern häufiger an Demenz als Menschen ohne diese Form von Herzrhythmusstörung.“

Behandelt wird Vorhofflimmern mit Gerinnungshemmern, den sogenannten Antikoagulanzien, zu denen Marcumar und auch die Nicht-Vitamin-K oralen Antikoagulanzien (NOAK) wie Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban gehören. 

Diese Medikamente verhindern, dass sich Blutgerinnsel im Herz bilden und zu Schlaganfällen führen.

„Wissenschaftler haben sich nun gefragt, ob durch diese Antikoagulanzien auch winzig kleine Schäden im Gehirn vermieden werden, die zu kognitiven Leitungseinbußen führen könnten“, so Professor Dr. Martin Dichgans, 1. Vorsitzender der DSG und Direktor am Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) am Klinikum der Universität München.

Die Wissenschaftler aus Stockholm werteten Patientendaten aus zwei schwedischen Registern aus den Jahren 2006 bis 2014 aus und veröffentlichten ihre Ergebnisse kürzlich im „European Heart Journal“. Insgesamt 444.106 Patientendaten wurden für diese Studie analysiert. Der überwiegende Teil der Patienten (43 Prozent) war auf die klassischen Vitamin-K-Antagonisten eingestellt, ein kleiner Teil wurde mit einem NOAK behandelt (2,9 Prozent). Etwas mehr als 50 Prozent waren nicht mit Antikoagulanzien behandelt worden.

„Patienten unter einer Antikoagulanzientherapie entwickelten deutlich weniger kognitive Funktionsstörungen“, berichtet Professor Dr. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Seniorprofessor für Neurologie des Universitätsklinikums Essen.

  • Beim Vergleich von Patienten mit ähnlichem medizinischem Hintergrund wurde in der Studie deutlich, dass das Risiko für eine Demenz durch Antikoagulanzien um insgesamt 29 Prozent reduziert werden kann. 
  • Eine sorgfältige und möglichst kontinuierliche Einnahme der Medikation im Beobachtungszeitraum senkt das Risiko noch deutlicher (um 48 Prozent). 

Die Wirkstoffklasse, also die Frage danach, ob alte oder neue Antikoagulanzien eingenommen wurden, hatte dabei keinen erwähnenswerten Einfluss auf den antidementen Effekt.

„Um das Risiko für eine Demenz bei Patienten mit Vorhofflimmern zu reduzieren, ist eine frühe und konsequente Therapie mit Antikoagulanzien hilfreich “, fasst Diener die Publikation der schwedischen Wissenschaftler zusammen. 

Der Schlaganfall-Experte Schäbitz fügt hinzu:

„Diese Daten sind bemerkenswert, denn sie unterstreichen die Bedeutung einer Antikoagulation bei Vorhofflimmern, die offenbar über die allgemein bekannte Verhinderung von Schlaganfällen hinausgeht.“

Quelle
• Friberg L, Rosenqvist M. Less dementia with oral anticoagulation in atrial fibrillation. European Heart Journal (2017) Oct 24. doi: 10.1093/eurheartj/ehx579

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CAVE: Vitamin D Überdosierung: Risiko einer Hypervitaminose und Hyperkalzämie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Hyperkalzämie durch Überdosierung mit Vitamin D

Zwei Fallberichte zeigen, dass die Einnahme von vermeintlich harmlosen Vitamin-D-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln oder Präparaten schädlich sein kann.

Eine 78-jährige Patientin (A) und ein 60-jähriger Patient (B) hatten sich eigenständig Vitamin-D-haltige Präparate besorgt und täglich hohe Dosen (A: Vitamin D3 10.000 IE/d; B: „Vitamin D“ 50.000 IE/d) eingenommen. 

Beide entwickelten ein akutes Nierenversagen bei ausgeprägter Hyperkalzämie (A: 3,42 mmol/l; Referenzbereich: 2,15–2,58 mmol/l; für B liegt genauer Wert nicht vor). 


Hinweise auf alternative Ursachen wie primären Hyperparathyreoidismus, Sarkoidose oder Tumorerkrankung gab es nicht. 

Der Zustand der Patientin A besserte sich unter forcierter diuretischer Therapie und peroraler Kortisongabe. 
  • Patient B entwickelte schwere Komplikationen und hat eine dialysepflichtige Niereninsuffizienz davongetragen (Nierenbiospie: schwerer tubulärer Schaden mit Mikroverkalkungen, passend zu hyperkalzämischer Schädigung).

Vitamin D ist durch Aufrechterhaltung des physiologischen Kalziumspiegels im Serum u. a. an der Knochengesundheit beteiligt. 

  • Vitamin-D-Mangel bei Erwachsenen kann zu Osteoporose und Osteomalazie führen (1). 

Bei UV-Bestrahlung werden in der Haut Vorstufen gebildet, aus denen über Zwischenschritte in Leber und Niere das eigentlich wirksame Calcitriol gebildet wird. 

Wenn die endogene Produktion nicht ausreicht (z. B. bei mangelnder UV-Bestrahlung), können Cholecalciferol („Vitamin D3“) oder Ergocalciferol („Vitamin D2“) oral eingenommen werden. 

Eine Dosierung von 800 IE/d reicht in der Regel aus (1).

Wenn höhere Dosierungen von Vitamin D erforderlich sind, sollte dies unter ärztlicher Aufsicht und regelmäßiger Kontrolle des Vitamin-D-Status erfolgen. 

Für die tägliche Aufnahme wurde von der Europäischen Lebensmittelbehörde eine tolerierbare, d. h. sichere Obergrenze von 100 µg/d (4000 IE/d) für Heranwachsende und Erwachsene festgelegt (2). 

Überdosierung geht mit dem Risiko einer Hypervitaminose einher, die sich als Hyperkalzämie manifestieren kann (1). 

Positive Wirkungen von Vitamin D auf nichtskelettale Erkrankungen sind überwiegend nicht belegt (3).

Vitamin-D-haltige Fertigarzneimittel mit einer Tagesdosis über 1000 IE sind verschreibungspflichtig. 

Hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel (ggf. von ausländischen Anbietern) können jedoch im Internet erworben werden, wie in den oben dargestellten Fällen geschehen.
  • Wegen der genannten Risiken raten wir davon ab, eigenständig hochdosierte Vitamin-D-Präparate einzunehmen. 
Bei Fragen sollten sich Patienten an ihren Arzt oder Apotheker wenden.

Literatur:
  1. Gemeinsame Expertenkommission BVL /BfArM zur Einstufung von Stoffen: Stellungnahme zu Vitamin-D-haltigen Produkten (01/2016). Revision 1.1 (2017): http://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/01_Lebensmittel/expertenkommission/ Zweite_Stellungnahme_VitaminD_Revision1.1.pdf. Braunschweig 2017.
  2. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA): Scientific opinon on the tolerable upper intake level of vitamin D. EFSA Journal 2012; 10: 2813.
  3. Autier P, Mullie P, Macacu A et al.: Effect of vitamin D supplementation on non-skeletal disorders: a systematic review of meta-analyses and randomised trials. Lancet Diabetes Endocrinol 2017: 5: 986-1004.
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CAVE: REHA vor Pflege: Pflegeheime und Pflegeplätze

Medizin am Abend Berlin Fazit: Pflegeheime: Bedarf an Pflegeplätzen steigt, Personalknappheit auch

Den meisten deutschen Pflegeheimen geht es momentan wirtschaftlich gut. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzThema: DEPRESSION  

In den nächsten Jahren wird die zunehmende Alterung der Gesellschaft aber voraussichtlich zu Engpässen bei stationären Pflegeplätzen und Pflegepersonal führen. 

Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle „Pflegeheim Rating Report 2017“ von RWI, hcb GmbH und Deloitte GmbH, mit Unterstützung der Terranus Consulting GmbH. 

Er untersucht die derzeitige und zukünftige Situation des deutschen Pflegemarkts und schlägt Maßnahmen gegen die drohenden Engpässe vor. 

Unter dem Titel „Pflege sucht Investoren“ berichtet das „Handelsblatt“ heute über die Studie. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: PatientenLeitlinien  


 
Den meisten deutschen Pflegeheimen geht es momentan wirtschaftlich gut.

In den nächsten Jahren wird die zunehmende Alterung der Gesellschaft aber voraussichtlich zu Engpässen bei stationären Pflegeplätzen und Pflegepersonal führen. Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle „Pflegeheim Rating Report 2017“ von RWI, hcb GmbH und Deloitte GmbH, mit Unterstützung der Terranus Consulting GmbH. Er untersucht die derzeitige und zukünftige Situation des deutschen Pflegemarkts und schlägt Maßnahmen gegen die drohenden Engpässe vor. Unter dem Titel „Pflege sucht Investoren“ berichtet das „Handelsblatt“  über die Studie.

 Im Jahr 2015 befanden sich lediglich 2 Prozent im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr, 82 Prozent im „grünen Bereich“ mit geringer Insolvenzgefahr und 16 Prozent im „gelben Bereich“ dazwischen. 

 Ihre durchschnittliche Ausfallwahrscheinlichkeit (Zahlungsunfähigkeit) lag mit 0,54 Prozent deutlich niedriger als die von Krankenhäusern. Ihre Ertragslage hat sich ebenfalls verbessert. Schrieben 2013 noch 20 Prozent der Pflegeheime einen Jahresverlust, so waren es im Jahr 2015 nur noch 10 Prozent. Dies sind einige der Ergebnisse des aktuellen „Pflegeheim Rating Report 2017“, in dem das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, die Institute for Health Care Business GmbH (hcb) und die Deloitte GmbH mit Unterstützung der Terranus Consulting GmbH die derzeitige und zukünftige Situation des deutschen Pflegemarkts untersucht haben. Für die aktuelle Ausgabe des alle zwei Jahre erscheinenden Reports wurden 432 Jahresabschlüsse ausgewertet, die insgesamt 2 050 Pflegeheime umfassen. Zudem berücksichtigt der Report amtliche Daten des Statistischen Bundesamts von allen rund 13 600 Pflegeheimen und 13 300 ambulanten Diensten.

Wie die Analyse zeigt, war die wirtschaftliche Situation der Heime in Mecklenburg-Vorpommern/Brandenburg/Berlin, Sachsen-Anhalt/Thüringen, Sachsen und Baden-Württemberg am besten und in Niedersachsen/Bremen, Bayern, Schleswig-Holstein/Hamburg und Hessen am schlechtesten. Ketten schnitten etwas besser ab als Einzelheime.

  • Personalknappheit hat weiter zugenommen

Viele bereits im „Pflegeheim Rating Report 2015“ beobachtete Trends haben sich fortgesetzt. So hat die Personalknappheit weiter zugenommen: Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen bei Heimen lag im Juli 2017 mehr als dreimal so hoch wie im Juli 2007. Zudem werden immer mehr Pflegebedürftige in privaten Einrichtungen versorgt. In Pflegeheimen betrug ihr Anteil im Jahr 2015 37,7 Prozent (2013: 36,4 Prozent), bei ambulanten Diensten 50,6 Prozent (2013: 49,5 Prozent).

Besonders auffällig ist die kontinuierlich wachsende Zahl der Neuzugänge von Pflegeheimen direkt aus dem Krankenhaus. 

2015 wurden 385 000 Personen aus Krankenhäusern in ein Heim überwiesen. Bei einer durchschnittlichen Verweildauer in einem Pflegeheim von 18 Monaten entsprach dies 74 Prozent aller Neuzugänge. 2005 betrug dieser Anteil noch 31 Prozent. Die Ursachen dafür sind unklar. Möglicherweise hat die Umstellung der Krankenhausvergütung auf Fallpauschalen diese Entwicklung in Gang gesetzt.  

Es stellt sich allerdings auch die Frage, ob einige Pflegefälle nicht hätten vermieden werden können, wenn während des Krankenhausaufenthalts dazu entsprechende Maßnahmen eingeleitet worden wären. Vor diesem Hintergrund sollte das Prinzip „Reha vor Pflege“ stärker in den Fokus genommen werden.
  • Pflegestärkungsgesetz hat Zahl der Leistungsberechtigten ausgeweitet

Der gesamte deutsche Pflegemarkt bleibt ein Wachstumsmarkt. Sein Anteil am Gesundheitsmarkt beträgt mittlerweile 13,6 Prozent (2013: 12,7 Prozent). Damit liegt die Pflege an dritter Stelle hinter Krankenhäusern und Arztpraxen. Insgesamt gab es im Jahr 2015 2,9 Millionen Pflegebedürftige. Hauptgrund für das Wachstum des Pflegemarkts ist die zunehmende Alterung der Gesellschaft. Zudem wurde mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz zum 1. Januar 2017 ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt, der durch die Gleichbehandlung körperlicher, kognitiver und psychischer Beeinträchtigungen die Zahl der Leistungsberechtigten deutlich ausgeweitet hat. Insgesamt wird die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 voraussichtlich auf 4,1 Millionen ansteigen.

Damit verbunden ist ein zusätzlicher Bedarf von voraussichtlich 271 000 stationären Pflegeplätzen bis zum Jahr 2030. Die dafür erforderlichen Neu- und Re-Investitionen belaufen sich auf 53 bis 85 Milliarden Euro. Hierzu wird insbesondere privates Kapital benötigt. Die Politik sollte Heimgesetze so schlank wie möglich gestalten, um entsprechende Rahmenbedingungen für private Investitionen zu schaffen. So sind zum Beispiel Vorgaben zur Heimgröße oder zum Anteil der Ein-Bett-Zimmer überflüssig. Insbesondere zeigt sich, dass die regionale Konkurrenzsituation die Heimpreise beeinflusst: ein stärkerer Wettbewerb zwischen Pflegeheimanbietern in einer Region führt zu niedrigeren Preisen. Darüber hinaus ist auch mehr Personal erforderlich. Bis 2030 ist mit insgesamt 130 000 bis 307 000 zusätzlichen Stellen (Vollkräfte) in der stationären und mit 83 000 bis 172 000 in der ambulanten Pflege zu rechnen.

Attraktivität des Pflegeberufs erhöhen

Um dem zu erwartenden Mangel an Pflegefachkräften zu begegnen, sollte in erster Linie der Pflegeberuf attraktiver werden. Ziel sollte es sein, die Verweildauer im Pflegeberuf zu verlängern, die Vollzeitquote auszuweiten und neue Auszubildende zu gewinnen. Dazu werden die Löhne für qualifiziertes Personal gegenüber Hilfskräften steigen müssen. Allerdings spielen auch weiche Faktoren eine wesentliche Rolle, z.B. weniger Bürokratie, eine gute Führungskultur, größeres gesellschaftliches Ansehen des Berufs, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und bessere Karrieremöglichkeiten. Darüber hinaus könnte die Zuwanderung qualifizierter Pflegefachkräfte den Fachkräftemangel lindern. Zudem sollte auch in der Pflege über arbeitssparenden Technikeinsatz verstärkt nachgedacht werden.

Steigen die Löhne im Pflegebereich an, wird das zunächst die wirtschaftliche Lage der Pflegeheime verschlechtern. Ohne arbeitssparenden Technikeinsatz müsste der Lohndruck dann über steigende Preise für Pflegeleistungen aufgefangen werden. Die dadurch bedingte höhere finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen und der Sozialhilfeträger wird allerdings Gegenreaktionen auslösen. Heime, die dem Kostendruck durch effizientere Abläufe entgegenwirken können, werden sich Wettbewerbsvorteile verschaffen. Zudem lässt sich die betriebliche Effizienz über horizontale und vertikale Integration weiter erhöhen. Denn der Pflegemarkt in Deutschland ist nach wie vor sehr kleinteilig. Die Bildung großer Verbünde zur Nutzung gemeinsamer Ressourcen ist daher noch in großem Maße möglich.

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Die Studie „Pflegeheim Rating Report 2017“ zugrunde. Die komplette Studie kann für 299,99 Euro inkl. 7% MwSt. beim med-hochzwei-Verlag hier bestellt werden: https://www.medhochzwei-verlag.de/shop/index.php/978-3-86216-364-9-pflegeheim-ra...

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Insulinproduktion bei Diabetespatienten

Medizin am Abend Berlin Fazit: Diabetes: Immunsystem kann Insulin regulieren

Wenn bei Diabetespatienten die Insulinproduktion versagt, sind Entzündungsprozesse dafür verantwortlich. 

Zur Therapie dieser Erkrankung könnte das körpereigene Immunsystem beitragen: 

Forscher von Universität und Universitätsspital Basel fanden einen Regelkreis, der die Insulinproduktion bei Übergewichtigen aufrechterhalten könnte, wie sie im Fachblatt «Immunity» berichten. 
 
In ihrer Studie konzentrierten sich die Basler Forschenden speziell auf kürzlich entdeckte ILC2-Zelltypen des Immunsystems in der Bauchspeicheldrüse.

Hier wird unter diabetischen Bedingungen unter anderem das Protein IL33 aktiviert.

Dieses regt seinerseits die ILC2-Zellen an, die über bestimmte Retinsäuren die Ausschüttung von Insulin bei Übergewichtigen stimulieren. Bei diesen könnte damit das Versagen der Insulinproduktion verhindert werden.

Die Wissenschaftler der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Metabolismus am Universitätsspital Basel und des Departements Biomedizin der Universität Basel geben mit ihrer Forschung Einblick in ein entzündliches Netzwerk, das zur Erhaltung der Insulinproduktion bei Diabetes beitragen könnte.

Offenbar sind die komplexen Wechselwirkungen zwischen endokrinen Zellen und Immunzellen wichtig für die Erhaltung der Insulinausschüttung.

Bekannt ist bereits, dass Übergewicht und Diabetes zu einer krankhaften, übermässigen Aktivierung des Immunsystems führen, bei welcher der Botenstoff IL1-beta eine zentrale Rolle spielt.
Als Folge davon sterben die Insulin produzierenden Zellen ab. Wird IL1-beta jedoch blockiert, kann Diabetes mit seinen Komplikationen – besonders kardiovaskulären Erkrankungen – gebremst werden. Die Entzündungsreaktionen bei Diabetes finden bereits klinische Anwendung.

Originalbeitrag

Elise Dalmas et al.
Interleukin-33-Activated Islet-Resident Innate Lymphoid Cells Promote Insulin Secretion Through Myeloid Cell Retinoic Acid Production
Immunity (2017), doi: 10.1016/j.immuni.2017.10.015

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