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Geriatrische Rehabilitation 2016

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Trotz guter Evidenz und Innovationen zu wenig verordnet

Die positive Kosten-Nutzen-Rechnung von Rehabilitationsmaßnahmen in der Geriatrie ist Konsens: 

Die Lebensqualität verbessert sich, Pflegebedürftigkeit wird vermindert oder verhindert. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Pflege 


  • Trotzdem ist die Zahl der vom MDK ausgesprochenen Reha-Empfehlungen mit knapp 31.000 im Jahr 2015 bei fast 1,5 Millionen Begutachtungen viel zu gering. 

Was muss sich also am deutschen Angebot für die Rehabilitation älterer Menschen verbessern? Welche aktuellen Erkenntnisse liefert die Forschung? Diesen Fragen widmen sich die beiden Fachgesellschaften der Altersmedizin – mit überraschenden Antworten! So ist z. B. Reha im heimischen Umfeld von der Effizienz her der stationären Rehabilitation gleichzusetzen. 

Prof. Ian Cameron, Sydney
Prof. Ian Cameron, Sydney
 
Der Grundsatz „Reha vor Pflege“ ist hierzulande auf dem Papier gesetzliche Vorgabe. Es gibt jedoch gerade in Deutschland ein systemisches Problem, diesen auch tatsächlich in der Realität umzusetzen. Kostenträger der geriatrischen Rehabilitationen sind in der Regel die Krankenkassen, Nutznießer einer erfolgreichen Maßnahme hingegen auch die Pflegekassen. Gerade vor diesem Hintergrund ist es nützlich, einen Blick über den nationalen Tellerrand zu werfen und die Expertise internationaler Experten miteinzubeziehen.

„Mir erscheinen die deutschen Angebote für die Rehabilitation älterer Menschen grundsätzlich gut entwickelt“, sagt Professor Ian Cameron aus Sydney, „insgesamt gibt es aber meiner Ansicht nach in den meisten Ländern Schwierigkeiten, den Stand der Forschung, der starke Hinweise auf die Vorteile von geriatrischer Rehabilitation liefert, in effektive Maßnahmen zu übersetzen.“ Prof. Cameron leitet unter anderem das John Walsh Centre for Rehabilitation Research, ist Mitherausgeber des Journal of Rehabilitation Medicine und berät als Geriater die australische Regierung in medizinischen Fragen älterer Menschen. Er wird auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft der Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) das Thema „Nutzen der geriatrischen Rehabilitation“ umfassend beleuchten.

  • Rehabilitation in Pflegeeinrichtungen kann negative Nebeneffekte haben

„Die meisten älteren Menschen mit einer schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigung können potentiell von Rehabilitation profitieren“, sagt Cameron. 

„Die besten Beispiele finden sich gerade nach Schlaganfällen oder Hüftfrakturen und es gibt immer mehr Hinweise für die positive Wirkung von Rehabilitation nach Immobilisierung und bei Gebrechlichkeit.

Doch wo sollte die Reha stattfinden?
Stationär in einer Klinik, in einer Pflegeeinrichtung oder zu Hause in der gewohnten Umgebung der älteren Menschen? 

Dies wurde bisher nicht ausreichend geklärt. Weltweit gibt es dazu erheblich abweichende Modelle. Im Rahmen des Vortrags wird Prof. Cameron darstellen, dass eine Rehabilitation in Pflegeeinrichtungen potentiell negative Ergebnisse produzieren kann, indem Behinderung und Abhängigkeit verlängert werden. Ist es dagegen möglich, eine Rehabilitation im häuslichen Umfeld anzubieten, ist dies mindestens so effektiv wie im Rahmen einer stationären Behandlung.

„Der größte Vorteil von Rehabilitationsmaßnahmen für ältere Menschen ist es, ein eigenständigeres Leben mit einer verbesserten Lebensqualität führen zu können“, so Cameron.

  • „Das könnte auch die Nutzung von Pflegeeinrichtungen verringern.“
  • Um bei Rehabilitationsmaßnahmen die höchste Kosteneffizienz und die besten Ergebnisse zu erzielen, kommt er zu dem Schluss, dass es in vielen Fällen nützlich ist, diese in der heimischen Umgebung stattfinden zu lassen.

Zur Person:

Professor Ian Cameron ist Facharzt für Geriatrie und Lehrstuhlinhaber für Rehabilitationsmedizin an der Universität Sydney. Forschungsschwerpunkte sind Verletzungen, Rehabilitation und Behinderungen insbesondere bei älteren Menschen. Prof. Cameron leitet das John Walsh Centre for Rehabilitation Research, das klinische, epidemiologische und anwendungsorientierte Studien interdisziplinär zusammenführt. Er ist Autor verschiedener Cochrane Reviews. Bei der Fachzeitschrift Journal of Rehabilitation Medicine und bei BioMed Central Geriatrics fungiert er als Mitherausgeber. Als Experte berät Prof. Cameron die australische Regierung und staatliche Organisationen in den Bereichen Rehabilitation und Gesundheitsangebote speziell für ältere und behinderte Menschen.

Jahreskongress der DGG (Deutsche Gesellschaft für Geriatrie) und der DGGG (Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie) in Stuttgart
7. bis 10. September 2016

Prof. Ian Cameron, Sydney
Keynote-Lecture: „Geriatric rehabilitation – What is the evidence?
Donnerstag, 08.09.2016
09:45 – 10:30 Uhr
Haus der Wirtschaft (König-Karl-Halle)


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Nina Meckel
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Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)
Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Ärzte, die sich auf die Medizin der späten Lebensphase spezialisiert haben. Wichtige Schwerpunkte ihrer Arbeit sind neben vielen anderen Bewegungseinschränkungen und Stürze, Demenz, Inkontinenz, Depressionen und Ernährungsfragen im Alter. Häufig befassen Geriater sich auch mit Fragen der Arzneimitteltherapie von alten Menschen und den Wechselwirkungen, die verschiedene Medikamente haben. Bei der Versorgung geht es darum, den alten Menschen ganzheitlich zu betreuen und ihm dabei zu helfen, so lange wie möglich selbstständig und selbstbestimmt zu leben. Die DGG wurde 1985 gegründet und hat heute rund 1700 Mitglieder.

Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG)
Die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie ist bewusst interdisziplinär ausgerichtet. Sie unterstützt zum einen Gerontologen und Geriater aktiv in der Forschung und Lehre über das Altern. Daneben finden hier alle in diesem Arbeitsfeld tätigen Berufsgruppen die Möglichkeit, sich fachlich auszutauschen und zu diskutieren – z. B. Biologen, Psychologen, Sozial- und Pflegewissenschaftler sowie Alten- und Krankenpfleger. Darüber hinaus ist der die Förderung des Nachwuchses ein besonderes Anliegen der Fachgesellschaft. Die DGGG wurde 1990 gegründet und hat heute rund 1200 Mitglieder.

 

Auslöser von Blutvergiftungen: Lipopeptide- PSM-Peptide Staphylokokken

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Wie Staphylokokken Blutvergiftungen auslösen

Forscherteam identifiziert Lipopeptide als Ursache für schweren Krankheitsverlauf 
 
  • Blutvergiftungen, verursacht durch Infektionen des bakteriellen Erregers Staphylococcus aureus, sind Ursache für viele tausend Todesfälle jährlich in Deutschland. 
Wie die Blutvergiftung bei solchen Infektionen ausgelöst wird und zum lebensbedrohlichen Multiorganversagen führt, war bislang weitgehend unverstanden.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Nierenersatz Therapie  


Auch sind die verfügbaren diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten derzeit sehr begrenzt. 

Forscher des Interfakultären Instituts für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen (IMIT) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) um Dr. Dorothee Kretschmer, Dennis Hanzelmann und Professor Andreas Peschel haben nun eine der Ursachen für diesen schweren Krankheitsverlauf geklärt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht.

Viele andere Erreger, sogenannte Gram-negative Bakterien, bilden Endotoxin-Moleküle, die Blutvergiftungen auslösen können. 

  • Da Staphylokokken jedoch kein Endotoxin besitzen, war bislang unklar, welche Faktoren der Staphylokokken zur Blutvergiftung führen. 

Wie das Forscherteam nun herausfand, spielen sogenannte Lipopeptide eine entscheidende Rolle bei der Auslösung von Blutvergiftungen. 

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen konnten zeigen, dass nur solche Staphylokokken schwere Blutvergiftungen auslösen, die zusätzliche Moleküle bilden, sogenannte PSM-Peptide, durch die Lipopeptide effizient freigesetzt werden. 

Häufig treten bei Patienten auch PSM-negative Staphylokokkenstämme auf ‒ diese setzen keine Lipopeptide mehr frei und lösen in experimentellen Infektionen kaum noch Blutvergiftungen aus.

Durch die neuen Erkenntnisse könnte die Gefährlichkeit der von Patienten isolierten Staphylokokken-Stämme künftig sehr viel besser eingeordnet werden.

Auch ermöglicht dies die Entwicklung neuer Therapien, die die Bildung von PSM und Lipopopetiden verhindern und so schwere Fälle von Blutvergiftungen vermeiden könnten.

Publikation:
Dennis Hanzelmann, Hwang-Soo Joo, Mirita Franz-Wachtel, Tobias Hertlein, Stefan Stevanovic, Boris Macek, Christiane Wolz, Friedrich Götz, Michael Otto, Dorothee Kretschmer & Andreas Peschel: Toll-like receptor 2 activation depends on lipopeptide shedding by bacterial surfactants. Nature Communications, 29. Juli 2016, DOI: 10.1038/ncomms12304

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Prof. Dr. Andreas Peschel
Universität Tübingen
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Dr. Karl Guido Rijkhoek Eberhard Karls Universität Tübingen
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Medizinische Diagnostik und Therapie: Strahlenmedizin und Strahlenschutz

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Online-Kompendium zu Strahlenmedizin und Strahlenschutz

Wer sich heute über Radioaktivität, Strahlenrisiken oder den Einsatz von Strahlung in medizinischer Diagnostik und Therapie kundig machen will, findet dazu viele Informationen im Internet. 

Die Suche war bisher allerdings zeitaufwändig und wenig komfortabel. 

Jetzt hat das Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz der TH Mittelhessen ein Online-Nachschlagewerk veröffentlicht, das verständlich gängige Fragen der Radiologie, der Strahlentherapie und des Strahlenschutzes beantwortet (www.strahlung-information.de). 

Klinischer Linearbeschleuniger für die Strahlentherapie
Klinischer Linearbeschleuniger für die Strahlentherapie TH Mittelhessen/Armin Eikenberg
 
Was riskiere ich, wenn ich mir einen Zahn röntgen lassen?

Wie groß ist das Risiko durch kosmische Strahlung beim Fliegen?

Belastet uns der Reaktorunfall von Tschernobyl heute noch? Das sind zum Beispiel Fragen, auf die ein „Dosisatlas“ Antworten gibt.

Drei Kapitel befassen sich mit Diagnostik, Therapie und Strahlenschutz.

Neben naturwissenschaftlichen Grundlagen behandeln die Autoren in den medizinischen Kapiteln zum Beispiel auch Fragen zum Ablauf einer Therapie und erklären verschiedene diagnostische Verfahren wie das konventionelle Röntgen, die Computertomografie oder die Magnetresonanztherapie. 

Im Kapitel zum Strahlenschutz geht es zum Beispiel um unterschiedliche Strahlungsquellen, denen der Mensch ausgesetzt ist, oder um Strahlenrisiken und -schäden.

Verfasser des Handbuchs sind die Professoren Joachim Breckow, Martin Fiebich und Klemens Zink.

Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Thema und sind Mitglieder in deutschen und internationalen Fach- und Beratungsgremien.

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Erhard Jakobs Technische Hochschule Mittelhessen



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Olympischen Spiele in Rio de Janeiro trotz der Zika-Viren

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:  Zika-Viren: Sind Sportler und Besucher der Olympiade in Brasilien in Gefahr?

Im Juni hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschlossen, dass die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro trotz der Zika-Viren stattfinden können. Das Risiko einer weiteren internationalen Ausbreitung sei gering. 

Die Viren stehen im Verdacht, bei Schwangeren das Ungeborene zu schädigen und eine Fehlbildung des Gehirns auszulösen. 

Experten am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), Prof. Christian Drosten und Prof. Jan Felix Drexler, Universität Bonn, bewerten die Situation. 
 Die Tigermücke Aedes aegypti kann das Zika-Virus übertragen
Die Tigermücke Aedes aegypti kann das Zika-Virus übertragen cdc/James Gathany
 
Wie groß ist die Gefahr für Sportler und Besucher, während der Olympischen Spiele im August und September mit dem Zika-Virus infiziert zu werden?
  • Es besteht durchaus die Gefahr einer Virusinfektion beim Besuch der Sportstätten. 

Die allgemeine Aktivität von Überträgermücken sollte allerdings mit Beginn des Winters auf der Südhalbkugel etwas abnehmen. Auch sind in Brasilien bereits sehr viele mit dem Virus infiziert worden und deshalb nun mit großer Wahrscheinlichkeit immun. Deshalb sinken die Chancen einer Virusweitergabe zwischen Moskitos, und die Rate an neuen Infektionen von Menschen wird mit der Abnahme der Infektionshäufigkeit von Moskitos sinken. Die Infektion mit dem Zika-Virus ist in den allermeisten Fällen harmlos und ruft allenfalls milde Symptome hervor, beispielsweise Rötungen der Augenbindehaut, Kopfschmerzen und ein allgemeines Fieber-/Müdigkeitsgefühl. Im Gegensatz hierzu steht die weiterhin bestehende Gefahr einer Infektion mit anderen von Mücken übertragenen Viren, beispielsweise Dengue- und Chikungunya-Viren, die auch schwere Krankheitssymptome hervorrufen können. Die brasilianischen Behörden haben weitreichende Maßnahmen zur Moskitobekämpfung im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen getroffen.

Wie kann man sich gegen die Mücken am besten schützen?

Die Moskitos, die die oben erwähnten Viren übertragen, sind tagaktiv. Dies bedeutet, dass nicht nur die nächtliche Verwendung von Moskitonetzen als Schutz empfehlenswert ist, sondern auch das Tragen langer Kleidung, die empfindliche Stellen wie die Fußgelenke, den Hals und die Unterarme bedeckt. Bei der Verwendung von Mückenschutzmitteln sollte darauf geachtet werden, dass die Mittel auch für tropische Gebiete empfohlen werden.

Können Schwangere zu den Olympischen Spielen nach Brasilien reisen?

Das genaue Risiko für eine Schädigung des ungeborenen Kindes durch eine Zika-Virusinfektion ist weiterhin unklar. Die bestehende Datenlage lässt aber stark vermuten, dass die frühe Schwangerschaft als wahrscheinlichster Schädigungszeitpunkt gelten muss. Schwangere, die sich in den ersten 6 Monaten der Schwangerschaft befinden, sollten deshalb bei unvermeidbarer Reise in ein Zika-betroffenes Gebiet auf einen ganz besonderen persönlichen Schutz gegen Moskitostiche achten. Zu den betroffenen Gebieten muss man auch die Sportstätten bei den jetzt anstehenden Olympischen Spielen zählen. Eine berufliche Reise im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen, bei der sich die Reisende meistenteils in klimatisierten Räumen (Hotel, Konferenzräume, etc.) aufhält, kann als hoher persönlicher Schutz angesehen werden.

Wie groß ist die Gefahr, dass Teilnehmer nach der Olympiade das Virus mit nach Hause nehmen? Wie lange können sie es weitergeben, z. B. an ihre Partnerinnen?

Bei der Gefahr einer Virusübertragung in Deutschland muss man zwischen zwei verschiedenen Konstellationen unterscheiden: Erstens kann das Virus noch geraume Zeit nach Infektion über die männliche Samenflüssigkeit übertragbar sein, in Einzelfällen eventuell sogar über mehrere Wochen. Besteht keine Schwangerschaft, ist eine so übertragene Infektion aber nicht gefährlicher als eine an sich harmlose, durch Moskitos übertragene Infektion. Kondome schützen gegen diese Übertragungsform. Männer, die aus einem Zikagebiet zurückkehren und Sorge haben, ihre schwangere Partnerin zu infizieren, können sich nach Ablauf von etwa zehn Tagen seit Ausreise durch einen spezifischen Antikörpertest untersuchen lassen. Ein negatives Testergebnis schließt eine Infektion aus.
Eine weitere Sorge besteht hinsichtlich einer Weiterverbreitung des Virus über einheimische Mücken. Obwohl bisher keine wissenschaftlichen Daten auf die Möglichkeit einer Übertragung durch einheimische Mücken hinweisen, lässt sich diese theoretische Möglichkeit nie mit absoluter Sicherheit ausschließen. Käme es zu einer einheimischen Übertragung, wäre diese sicherlich örtlich und zeitlich sehr begrenzt.

Sollten alle Heimkehrer zur Sicherheit einen Zika-Test machen lassen?

  • Ein Grund für einen Labortest nach Heimkehr besteht nur in Situationen, in denen eine nicht bemerkte Infektion schwere Konsequenzen hätte. 

Hierzu zählen nur wenige Fälle. Beispiele wären schwangere Frauen – auch nach verzögerter Feststellung einer Schwangerschaft – sowie Männer, deren Frauen schwanger sind und sich über Geschlechtsverkehr infizieren könnten. Ferner betroffen wären Patienten, die aufgrund einer vorbestehenden Erkrankung des Immun- oder Nervensystems einer erhöhten Gefahr unterliegen, virale Infektionen des zentralen Nervensystems zu erleiden.

Hintergrund

Zika-Viren
Das Zika-Virus verursacht Fieber, Hautausschlag, Gelenkschmerzen und Bindehautentzündungen. Bei Schwangeren kann das Virus auf das Ungeborene übertragen werden, was vermutlich ein seltener Vorgang ist. Forscher vermuten einen Zusammenhang zwischen der Virusinfektion und Fehlbildungen des Gehirns beim Baby: In Brasilien wurde seit Oktober ein Anstieg der Fälle von Babys oder Föten mit Mikrozephalie, einem zu kleinen Kopf, registriert. Bisher weiß man nicht, wie häufig eine Infektion bei Schwangeren zu solchen Missbildungen führt. Das Virus wird nach derzeitigem Kenntnisstand vor allem von der Ägyptischen Tigermücke Aedes aegypti übertragen, eine Mückenart, die auf dem Europäischen Festland nicht vorkommt. Das Virus wurde erstmals vor knapp 70 Jahren in Uganda beschrieben.

Viren-Forschung im DZIF
Am DZIF wurden mit dem Schwerpunkt „Neu auftretende Infektionskrankheiten“ beste Voraussetzungen geschaffen, um bei Ausbrüchen neuer Viren schnell Diagnostika, Impfstoffe und antivirale Medikamente zu entwickeln und eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Die Bonner Forscher um Christian Drosten konnten bereits den weltweit verwendeten Standardtest zum Nachweis des MERS-Erregers entwickeln. Sie sind auch beteiligt an der Ebola-Forschung im DZIF.



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Prof. Christian Drosten/Prof. Jan Felix Drexler
DZIF-Schwerpunkt „Neu auftretende Infektionskrankheiten“
Universität Bonn
T +49-228-287-11055/T +49-228-287-11697
E-Mail: drosten@virology-bonn.de/E-Mail: drexler@virology-bonn.de

DZIF
Karola Neubert und Janna Schmidt
T 0531/6181-1170 und -1154
E-Mail: presse@dzif.de
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/IGV/spiele_rio.html Reiseinformationen Olympiade

http://www.bnitm.de/aktuelles/mitteilungen/954-empfehlungen-zur-diagnostik-der-z... Zika-Test

Stilldauer von mehr als drei Monaten

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Stillen verändert den mütterlichen Stoffwechsel und schützt bis zu 15 Jahre vor Diabetes

Ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am Helmholtz Zentrum München hat den Stoffwechsel von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes nach der Entbindung untersucht. Zusammen mit Partnern der Technischen Universität München und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) konnten sie zeigen, dass eine Stilldauer von mehr als drei Monaten zu langfristigen Veränderungen des Stoffwechsels führt. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin ‚Diabetologia‘ nachzulesen. 
 Dr. Sandra Hummel und Dr. Daniela Much
Dr. Sandra Hummel und Dr. Daniela Much Quelle: Helmholtz Zentrum München 
  • Vier Prozent aller schwangeren Frauen in Deutschland entwickeln vor der Geburt einen Schwangerschaftsdiabetes. 

Obwohl sich ihr Blutzuckerspiegel nach der Entbindung zunächst wieder normalisiert, erkrankt jede zweite Betroffene innerhalb der nächsten zehn Jahre an einem Typ-2-Diabetes.

  • Mittlerweile ist zwar bekannt, dass Stillen dieses Risiko um 40 Prozent senken kann, warum das so ist, ist aber noch unverstanden.

In einer früheren Untersuchung hatten Forscherinnen und Forscher um Prof. Dr. Anette-G. Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung (IDF) am Helmholtz Zentrum München, bereits gezeigt, dass sich ab einer Stilldauer von drei Monaten ein Schutzeffekt einstellt, der bis zu 15 Jahre nach einem Schwangerschaftsdiabetes anhalten kann. In einer aktuellen Studie untersuchten sie nun, ob der Stoffwechsel dafür verantwortlich sein könnte.*

Für ihre Analysen untersuchte das Wissenschaftlerteam knapp zweihundert Patientinnen, die einen Schwangerschaftsdiabetes entwickelt hatten. Die Studienteilnehmerinnen nahmen dabei eine standardisierte Zuckerlösung zu sich und gaben zuvor nüchtern und im Testverlauf eine Blutprobe ab. Diese verglichen die Wissenschaftler hinsichtlich 156 verschiedener, bekannter Stoffwechselprodukte. Die Entbindung lag zu diesem Zeitpunkt im Schnitt dreieinhalb Jahre zurück.

„Wir konnten beobachten, dass sich die Stoffwechselprodukte der Frauen, die länger als drei Monate gestillt hatten, deutlich von jenen unterschieden, die kürzere Stillzeiten hatten“, berichtet Erstautorin Dr. Daniela Much vom IDF. 
  • „Das längere Stillen ist mit einer veränderten Produktion von Phospholipiden und verringerten Konzentrationen von verzweigtkettigen Aminosäuren im Blutplasma der Mütter verbunden.“ 
Dies sei auch insofern interessant, weil die betroffenen Stoffwechselprodukte schon in früheren Studien mit Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht wurden, so die Autoren.

„Die Ergebnisse unserer Studie liefern Hinweise auf krankheitsrelevante Stoffwechselpfade, die durch den Stillvorgang beeinflusst werden und somit dem Schutzeffekt zu Grunde liegen könnten“, fasst Dr. Sandra Hummel zusammen.

Sie führt die Arbeitsgruppe Gestationsdiabetes am IDF und leitete die Studie. Somit stelle Stillen eine kostengünstige Interventionsmaßnahme dar, langfristig das Risiko für Typ-2-Diabetes bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes zu senken.

Künftig wollen die Wissenschaftler überlegen, wie man die Erkenntnisse in konkrete Handlungsempfehlungen umsetzen kann.

„Frauen mit Gestationsdiabetes stillen durchschnittlich seltener und kürzer im Vergleich zu nicht-diabetischen Müttern“, so Hummel.

  • „Das Ziel ist nun, Strategien zu entwickeln, die langfristig das Stillverhalten insbesondere von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes verbessern.“

Weitere Informationen

Hintergrund:
* Konkret handelte es sich um einen targeted Metabolomics Ansatz: Darunter versteht man die zielgerichtete Identifizierung und Quantifizierung einer Vielzahl von bekannten Metaboliten.

Original-Publikation:
Much, D. et al. (2016). Lactation is Associated with Altered Metabolomic Signatures in Women with Gestational Diabetes, Diabetologia, DOI: 10.1007/s00125-016-4055-8
http://link.springer.com/article/10.1007/s00125-016-4055-8/fulltext.html

Grundlagen-Publikation:
Ziegler, AG. et al. (2012). Long-term protective effect of lactation on the development of type 2 diabetes in women with recent gestational diabetes mellitus, Diabetes, DOI: 10.2337/db12-0393

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de

Das Institut für Diabetesforschung (IDF) befasst sich mit der Entstehung und Prävention von Typ 1 Diabetes und Typ 2 Diabetes als Spätfolge eines Gestationsdiabetes. Ein vorrangiges Projekt ist die Entwicklung einer Insulin-Impfung gegen Typ 1 Diabetes. In groß angelegten Langzeitstudien untersucht das IDF den Zusammenhang von Genen, Umweltfaktoren und Immunsystem für die Pathogenese von Typ 1 Diabetes. Mit den Daten der Geburtskohorte BABYDIAB, die 1989 als weltweit erste prospektive Diabetes-Geburtskohorte etabliert wurde, konnten Risikogene sowie Antikörperprofile identifiziert werden. Diese lassen Vorhersagen über Entwicklung und Ausbruch von Typ 1 Diabetes zu und werden die Klassifizierung und den Diagnosezeitpunkt verändern. Das IDF ist Teil des Helmholtz Diabetes Center (HDC). http://www.helmholtz-muenchen.de/idf

Die Technische Universität München (TUM) ist mit mehr als 500 Professorinnen und Professoren, rund 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 39.000 Studierenden eine der forschungsstärksten Technischen Universitäten Europas. Ihre Schwerpunkte sind die Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften und Medizin, ergänzt um Wirtschafts- und Bildungswissenschaften. Die TUM handelt als unternehmerische Universität, die Talente fördert und Mehrwert für die Gesellschaft schafft. Dabei profitiert sie von starken Partnern in Wissenschaft und Wirtschaft. Weltweit ist sie mit einem Campus in Singapur sowie Verbindungsbüros in Brüssel, Kairo, Mumbai, Peking, San Francisco und São Paulo vertreten. An der TUM haben Nobelpreisträger und Erfinder wie Rudolf Diesel, Carl von Linde und Rudolf Mößbauer geforscht. 2006 und 2012 wurde sie als Exzellenzuniversität ausgezeichnet. In internationalen Rankings gehört sie regelmäßig zu den besten Universitäten Deutschlands. http://www.tum.de

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung e.V. (DZD) ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. http://www.dzd-ev.de

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Sonja Opitz Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

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Nudging: Schockbilder auf Zigarettenschachteln

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Nudging und Co: Neue Strategien der Politik im Präventionsstaat

  • Nudging, also das Anstoßen von Entscheidungen mit dem Ziel, gesünder und nachhaltiger zu leben, ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen. 
In der deutschen Politik gibt es immer mehr Beispiele, wie das Verhalten von Menschen auf vorhersagbare Weise beeinflusst werden soll, ohne dabei auf Verbote und Gebote zurückzugreifen. 

Seit Mai 2016 sollen etwa Schockbilder auf Zigarettenschachteln für einen Rückgang des Tabak-Konsums sorgen. Kathrin Loer beschäftigt sich aus wissenschaftlicher Sicht unter anderem mit dem Nudging, aber auch mit anderen Formen politischer Steuerung, die zunehmend durch verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse geprägt werden. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Die Bekämpfung des Eichen - Prozessionsspinners – erfolglos?

 
Wenn Dr. Kathrin Loer sich vorgenommen hat, mehr Obst zu essen, dann nimmt sie morgens eine Dose mit Apfelstücken mit zur Fernuniversität in Hagen.

Das Obst vorzuschneiden ist ihre persönliche Form von Nudging. 

 „Es ist dann realistischer, dass ich den Apfel auch wirklich esse.“

Schockbilder auf Zigarettenschachteln

Die 36-jährige Expertin für Gesundheits- und Verbraucherpolitik forscht und lehrt seit drei Jahren an der FernUniversität in Hagen und schreibt ihre Habilitation über Politik im Präventionsstaat im Lehrgebiet Politikwissenschaft III: Politikfeldanalyse & Umweltpolitik (Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller).

„Politische Instrumente zur Vermeidung individueller Gesundheitsrisiken werden auf neue Weise inspiriert von der Verhaltensforschung“, erklärt Kathrin Loer. Mit ihrer Habilitation will sie zeigen, unter welchen Voraussetzungen die Politik in Deutschland Maßnahmen zur Vermeidung individueller Gesundheitsrisiken beschließt. „Warum kommt es zu politischen Entscheidungen, die sich in Verbraucherentscheidungen einmischen?“, fragt Kathrin Loer mit dem Fokus auf gesundheitliche Risiken wie Rauchen, Alkohol, Ernährung oder fehlende Bewegung.

Beispiele aus unterschiedlichen Ländern
Neben der Erarbeitung eines theoretischen Modells zu politischen Instrumenten, das den Einfluss verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse berücksichtigt (darunter auch Nudging), sind zusätzlich Experten-Interviews mit Wortführerinnen und Wortführern aus der Umsetzungsdebatte in Deutschland, England und Dänemark geplant.

„Es gibt derzeit eine Arbeitsgruppe im Kanzleramt, auf deren Ergebnisse ich schon gespannt bin“, sagt Loer mit Blick auf die aktuelle Diskussion. Diese wird stark geprägt durch den Vorwurf, die Bürgerinnen und Bürger würden manipuliert. Daher wird sie Beispiele aus unterschiedlichen Ländern erfassen und auswerten, in denen verhaltenswissenschaftliche Regulierung und vor allem das Nudging sehr aktiv eingesetzt werden.

Diskutiert wird die Vermeidung von Gesundheitsrisiken unter dem Stichwort Präventionspolitik in vielen industrialisierten Ländern. Die politischen Maßnahmen, die daraus resultieren, sind allerdings sehr verschieden. Loer verweist beispielsweise auf die Debatte zur Regulierung von Zucker und erste Kampagnen zur Einschränkung des Zuckerkonsums, etwa in den USA, Australien und Mexiko. „Warum kommt es in Deutschland nicht dazu, dass Süßigkeiten ähnlich reguliert werden wie Zigaretten?“, fragt sie. Eine Bewertung, ob dies wünschenswert oder gut und richtig ist, wird sie in ihrem Projekt nicht vornehmen, stattdessen will sie politische Prozesse erklären.

Politische Strategieberatung für Unternehmen
Neben der Sicht der Wissenschaft kennt die Habilitandin der FernUni auch die Seite von Politik und Wirtschaft. Denn nach ihrer Promotion an der Universität Osnabrück über Produktionsmodelle in der internationalen Automobilwirtschaft stieg sie in Berlin in die politische Strategieberatung für Unternehmen ein – mit dem Schwerpunkt Gesundheitspolitik. „Das war eine sehr interessante Erfahrung“, blickt sie zurück. „Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich zurück in die Wissenschaft möchte. Forschung und Lehre an der FernUniversität, das ist für mich eine Herzensangelegenheit.“



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Susanne Bossemeyer FernUniversität in Hagen

Dr. Kathrin Loer, kathrin.loer@fernuni-hagen.de
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Heute abend: Die Sieger stehen bereits fest: Adidas Runners City Night Berlin (Vattenfall City-Nacht)

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Wie sich Beziehungsstatus und Selbstwertgefühl beeinflussen

Erfahrungen in Partnerschaften und das Selbstwertgefühl von Menschen beeinflussen sich gegenseitig: 

Das Selbstwertgefühl einer Person trägt zu Erfolg und Misserfolg im Lebensbereich Partnerschaft bei, während positive und negative Erfahrungen in Partnerschaften wiederum das Selbstwertgefühl der Person verändern.

Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie von Forschenden des Instituts für Psychologie der Universität Bern, die nun in der renommierten Fachzeitschrift «Journal of Personality and Social Psychology» publiziert wurde. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Der „Fachinformationsdienst (FID) Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung 
 
  • Das Selbstwertgefühl von Menschen steigt typischerweise im jungen und mittleren Erwachsenenalter an, bevor es seinen Höhepunkt im Alter von etwa 50 bis 60 Jahren erreicht. 

Unklar ist bisher jedoch, welche Ereignisse dazu führen, dass manche Personen besonders positive Veränderungen beim Selbstwertgefühl erleben, während bei anderen der Entwicklungsverlauf weniger positiv ist.

Erfahrungen in Partnerschaften beeinflussen das Selbstwertgefühl
In einer dreijährigen Studie mit über 9000 Personen im Alter von 15 bis 37 Jahren haben Eva C. Luciano und Ulrich Orth vom Institut für Psychologie an der Universität Bern nun gezeigt, dass sowohl der Beginn einer Partnerschaft als auch eine Trennung das Selbstwertgefühl von Menschen beeinflusst. Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer, die eine neue Partnerschaft begannen, zeigten einen deutlichen Anstieg im Selbstwertgefühl, wenn die Partnerschaft mindestens ein Jahr lang andauerte. Im Gegensatz dazu veränderte eine kurze Partnerschaft von geringer Beziehungsqualität das Selbstwertgefühl nicht. Luciano stellt zudem fest, dass das Ende einer Beziehung keine langfristigen Auswirkungen hat: «Erfreulicherweise führten Trennungen nur zu vorübergehenden Verringerungen im Selbstwertgefühl. Typischerweise hatte sich das Selbstwertgefühl bereits ein Jahr nach der Trennung wieder erholt».

Selbstwertgefühl beeinflusst die Zukunft einer Partnerschaft

Das Selbstwertgefühl ist jedoch nicht nur eine Folge von Erfahrungen in Partnerschaften, sondern auch eine Ursache für das Gelingen bzw. Scheitern von Partnerschaften. So gingen Singles, die zu Beginn der Studie ein hohes Selbstwertgefühl hatten, mit grösserer Wahrscheinlichkeit eine Partnerschaft ein. Und bei Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern , die in einer Partnerschaft waren, kam es häufiger zu einer Trennung, wenn sie zu Beginn der Studie ein niedriges Selbstwertgefühl hatten. Die Qualität der Beziehung zwischen den Partnern erklärte, auf welche Weise das Selbstwertgefühl das Schicksal von Partnerschaften beeinflusst: «Während ein hohes Selbstwertgefühl die Beziehungszufriedenheit fördert und die Häufigkeit und Intensität von Beziehungskonflikten reduziert, führt ein niedriges Selbstwertgefühl zu einer schlechteren Beziehungsqualität und so im Extremfall dazu, dass die Beziehung zerbricht», erklärt Luciano. Frühere Studien aus der Arbeitsgruppe um Ulrich Orth zeigen ausserdem, dass nicht nur das eigene Selbstwertgefühl die Zufriedenheit in einer Partnerschaft beeinflusst. So neigen Personen mit niedrigem Selbstwertgefühl beispielsweise dazu, in übertriebener Art und Weise Bestätigung beim Partner zu suchen, oder sich in schwierigen Situationen zu sehr oder vorschnell vom Partner zurückzuziehen, was die Beziehungszufriedenheit des Partners verringert.

Personen mit hohem Selbstwertgefühl hingegen haben häufig bessere Fähigkeiten, ihren Partner beziehungsweise ihre Partnerin emotional zu unterstützen und so die die Partnerschaft zu stärken.

Keine Effekte für Heirat

  • In der Studie fand sich hingegen kein Zusammenhang zwischen Heirat und Selbstwertgefühl. 

Studienteilnehmer, die bereits in einer Partnerschaft waren und heirateten, zeigten als Reaktion auf die Heirat keine Veränderung im Selbstwertgefühl.

Umgekehrt hatte das Selbstwertgefühl auch keinen Einfluss darauf, ob Personen heirateten oder ohne Trauschein mit einem Partner zusammenlebten. Die Forschenden vermuten, dass diese Befunde auf die in unserem Kulturkreis verringerte gesellschaftliche Bedeutung der Ehe zurückzuführen sind.

 «Für das Selbstwertgefühl der heutigen jungen Erwachsenen scheint die Erfahrung des Beginns einer Partnerschaft weitaus wichtiger zu sein als die formale und rechtliche Anerkennung dieser Beziehung durch die Heirat», so Luciano.

Angaben zur Publikation:

Luciano, E. C., & Orth, U. (2016). Transitions in romantic relationships and development of selfesteem. Journal of Personality and Social Psychology. Advance online publication. http://dx.doi.org/10.1037/pspp0000109

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360° TOP-Hinweis: GenderMedizin: Blutfette - Fettstoffwechselstörungen - Blutlipidmuster

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Mehr als nur der kleine Unterschied: Männer und Frauen variieren auffällig in punkto Blutfette

Ein Fünftel aller Deutschen weist Fettstoffwechselstörungen auf, an deren Folgen durch Herzinfarkt und andere Gefäßerkrankungen etwa die Hälfte aller Menschen stirbt.
  • In einer Studie an jungen gesunden Männern und Frauen haben Forscher der Medizinischen Klinik und Poliklinik 3 des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus und des Max-Planck-Instituts für Molekulare Zellbiologie und Genetik jetzt in Dresden herausgefunden, dass sich Männer und Frauen wesentlich stärker in ihren Blutfetten unterscheiden als bisher angenommen. 

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der bei "nature" erscheinenden Scientific Reports. 

Mit einer Massenspektrometrie kann die Blutfettanalyse vorgenommen werden.
Mit einer Massenspektrometrie kann die Blutfettanalyse vorgenommen werden.
Stephan Wiegand / Medizinische Fakultät TU Dresden, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit und Marketing 
  • Bei einem Teil der Männer zeigten die Analysen darüber hinaus, dass bei noch normalen Blutfettwerten bereits frühe Anzeichen eines gestörten Fettstoffwechsels erkennbar waren, die die Gefahr einer späteren Gefäßschädigung in sich trugen. 
  • Dramatische Veränderungen der Blutlipidmuster wurden bei Frauen durch die Einnahme oraler Kontrazeptiva beobachtet, die auf eine Reizung der Leberzellen zurückzuführen war. 
Der Einsatz moderner Analysentechnik soll in Zukunft dazu dienen, Veränderungen des Blutlipidmusters frühzeitig zu erkennen, um Schäden an Gefäßen und Organen effizient vorbeugen zu können.

Reicht aber die Bestimmung von Cholesterol und Triglyceriden im Blut aus, um das individuelle Risiko zu erkennen? 

Was sind die molekularen Grundlagen von Fettstoffwechselstörungen?

Das sind die Fragen, mit denen sich derzeit Professor Jürgen Gräßler, Leiter des Bereiches für Pathologische Biochemie der Medizinischen Klinik 3 an der TU Dresden, befasst. Er sagt: „Mittels moderner Analysemethoden wie der Massenspektrometrie lassen sich heute bereits schon mehr als 280 verschiedene Fettmoleküle im Blut bestimmen. 

Unklar ist allerdings noch, welche dieser Moleküle die wichtigen Informationen über Krankheitsentstehung und deren Verlauf liefern.“ Um diese Frage beantworten zu können, ist die Definition eines „gesunden Blutfettmusters (Lipidoms)“ von entscheidender Bedeutung.

Genau jener Problemstellung widmeten sich Forschungsgruppen der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Dresden unter der Leitung von Klinikdirektor Professor Stefan R. Bornstein und Professor Jürgen Gräßler, in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerteams des Dresdener Max-Planck-Instituts für Molekulare Zellbiologie und Genetik unter der Leitung von Dr. Andrej Shevchenko, und der Firma „Zora Biosciences“ aus Finnland.

Umfangreiche klinische und klinisch-chemische Untersuchungen zum Ausschluss jeglicher Art von Begleiterkrankungen wurden durchgeführt, um eine homogene Population gesunder junger Frauen und Männer zu etablieren, die sich für die Bestimmung einer normalen biologischen Variabilität, der Untersuchung von Geschlechtsunterschieden und generellen Einflussfaktoren auf das Blutfettmuster eignete.

Das erste und in diesem Umfang unerwartete Ergebnis war, dass sich 112 der 281 gemessenen Blutfettmoleküle hochsignifikant zwischen Frauen und Männern unterschieden. Für neu zu planende Untersuchungen des Blutfettmusters bedeutet das strikte separate Analysen für Frauen und Männer, die durch statistische Verfahren gemischtgeschlechtlicher Untersuchungsgruppen allein nicht realisiert werden können.

Eine weitere Überraschung, so Professor Gräßler: „Nach einer gesonderten Auswertung der Blutfettprofile von Frauen, die orale Kontrazeptiva einnahmen, haben wir plötzlich gesehen, dass die bisher stoffwechselmäßig als harmlos angesehenen Präparate doch eine Auswirkung auf den Fettstoffwechsel haben.

  • Es kam zu auffälligen Veränderungen, die auf eine Reizung der Leberzellen und einer damit einhergehenden allgemein erhöhten Entzündungsaktivität schließen lassen.“ 
  • Persönliche Berichte von Frauen, die nach Beginn der Einnahme von Kontrazeptiva über eine Zunahme des Körperfetts klagten, stützen diesen Befund. Der gravierende Effekt der oralen Kontrazeption auf das Blutfettmuster ist ein zentrales Einflussmoment, das bei künftigen Studien unbedingt Beachtung finden muss.

Eine grundlegend neue Erkenntnis ergab sich aus der Charakterisierung einer Subpopulation von Männern, die sich nach komplexen mathematischen Analysen, die am Biotechnologischen Zentrum der TU Dresden (BIOTEC) durch die Gruppe für Biomedizinische Kybernetik unter Leitung von Dr. Carlo V. Cannistraci durchgeführt wurden, herauskristallisiert hatte.

Diese Gruppe von Männern, die circa 20 Prozent aller untersuchten Männer ausmachte, zeichnete sich durch Veränderungen des Blutfettmusters aus, wie sie in wesentlich stärkerer Ausprägung bei Patienten mit metabolischem Syndrom beobachtet werden.

Bemerkenswert dabei ist besonders, dass diese Männer zu diesem Zeitpunkt einen normalen Body-Mass-Index und normale (klinisch-chemische) Blutfettwerte hatten. Die biochemische Signatur für das metabolische Syndrom ist demzufolge lange vor dessen klinischer Ausprägung vorhanden. Auch bei den Frauen war diese Konstellation erkennbar, allerdings deutlich seltener.

Diese aktuelle Untersuchung belegt, dass durch die Kombination von systematischer, anspruchsvoller klinischer Arbeit mit ausgefeilter analytischer Technik im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit eine wesentliche Vertiefung unseres Wissens zum Fettstoffwechsel erreicht werden konnte, die eine weitreichende Wirkung für zukünftige Untersuchungen haben wird.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der bei "nature" erscheinenden Scientific Reports:
Susanne Sales, Juergen Graessler, Sara Ciucci, Rania Al-Atrib, Terhi Vihervaara, Kai Schuhmann, Dimple Kauhanen, Marko Sysi-Aho, Stefan R. Bornstein, Marc Bickle, Carlo V. Cannistraci, Kim Ekroos & Andrej Shevchenko: Gender, Contraceptives and Individual Metabolic Predisposition Shape a Healthy Plasma Lipidome; in: Scientific Reports 6, Article number: 27710 (2016), doi:10.1038/srep27710

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360° TOP-Hinweis: Rettungsstelle-KANZEL: Medizinische Versorgung bei Amoklauf in München

Medizin am Abend Berlin Fazit: Medizinische Versorgung durch TraumaNetzwerk bei Amoklauf in München vorbildlich

Der Amoklauf in München hat aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) erneut die große Bedeutung des TraumaNetzwerkes DGU® (TNW) unter Beweis gestellt. 

„Durch die qualitativ hochwertige und flächendeckende medizinische Versorgung innerhalb der TraumaNetzwerke München Oberbayern-Nord und -Süd konnten die schwerverletzten Opfer in den jeweiligen Traumazentren schnellstmöglich und optimal behandelt werden“, sagt der Generalsekretär der DGU Professor Dr. Reinhard Hoffmann. 

  • Die Vorkommnisse in München zeigen aber auch, dass Terroranschläge und Amokläufe eine völlig neue Herausforderung an die Notfallmedizin und die Einsatzkräfte stellen. 
 
Trotz der komplexen und teilweise unübersichtlichen Informationslage funktionierte die Versorgung der Schwerverletzten aufgrund der bestehenden standardisierten und strukturierten Notfallpläne im Rahmen der TraumaNetzwerke München Oberbayern-Nord und -Süd vorbildlich.

Unmittelbar nach Alarmierung von Polizei und Rettungskräften wurden an verschiedenen Kliniken innerhalb der TraumaNetzwerke der Katastrophenalarm beziehungsweise der MANV-Alarm (Massenanfall von Verletzten) ausgelöst.
Beispielsweise an der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie am Klinikum rechts der Isar: Binnen kürzester Zeit waren nach Alarmierung durch die Klinikleitung 150 zusätzliche Mitarbeiter freiwillig in die chirurgische Notaufnahme gekommen, um die diensthabenden medizinischen Teams in der akuten Krisensituation zu unterstützen. „Unsere Mitarbeiter haben in dieser dramatischen Situation einen beispiellosen und professionellen Einsatz gezeigt und eine beeindruckende Solidarität bewiesen“, sagt Professor Dr. Peter Biberthaler, Leiter der Unfallchirurgie am Klinikum rechts der Isar.

Im Zuge des Katastrophenalarms wurden unter der Leitung von Biberthaler sofort acht Schockraum-Teams sowie zehn Not-Operations-Teams gebildet, um parallel operieren zu können. Vorsorglich wurden zusätzliche Intensivplätze bereitgehalten. Auch Seelsorger waren im Einsatz. Die Notfallmedizin in dem zertifizierten, überregionalen Traumazentrum des Klinikums rechts der Isar war vorbildlich, so der Unfallchirurg. Ebenso beispielhaft verlief die Traumaversorgung in den Traumazentren der Traumanetzwerke München Oberbayern-Süd. „Wir können der Bevölkerung leider nicht die Sorge nehmen, dass Amokläufe und Terroranschläge geschehen, aber wir können mit unseren TraumaNetzwerken schwerverletzten Menschen rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr schnellstmöglich die beste medizinische Versorgung garantieren“, betont Biberthaler, der zugleich Präsidiumsmitglied der DGU ist.

Hintergrund:
Jährlich erleiden in Deutschland ca. 33.000 Menschen schwere Verletzungen bei Verkehrs-, Arbeits- oder Freizeitunfällen. Ihre Rettung und Behandlung ist ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem jeder Handgriff sitzen muss. Im Jahr 2006 schrieben Unfallchirurgen die optimalen Bedingungen für die Versorgung von Schwerverletzten im Weißbuch Schwerverletztenversorgung fest und gründeten die Initiative TraumaNetzwerk DGU® (TNW). Ziel ist es, jedem Schwerverletzten an jedem Ort zu jeder Zeit bestmögliche Überlebenschancen unter standardisierten Qualitätsmaßstäben zu bieten und auch außerhalb der Ballungszentren eine optimale Versorgung zu gewährleisten.

Rund 600 Traumazentren erfüllen die Qualitätsvorgaben der DGU und sind in 51 zertifizierten TraumaNetzwerken zusammengeschlossen.

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