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Morbus Huntington-Krankheit (HK): Krankheitsverlauf verlangsamt oder sogar gestoppt

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Den Boten stummschalten

Neuartige Studie zur Bekämpfung der Huntington Krankheit begonnen 
 
Die Huntington-Krankheit (HK) ist eine der häufigsten erblich bedingten neurodegenerativen Erkrankungen.

 Verklumpungen des Huntington-Eiweißes (rot-braune Ablagerungen) im Gehirn sind die Ursache der Huntington-Krankheit und sollen mit dem neuen Therapieansatz erstmals direkt bekämpft werden.
Verklumpungen des Huntington-Eiweißes (rot-braune Ablagerungen) im Gehirn sind die Ursache der Huntington-Krankheit und sollen mit dem neuen Therapieansatz erstmals direkt bekämpft werden.
Abbildung: Dr. Katrin Lindenberg, Neurologie Universitätsklinikum Ulm

In Deutschland rechnet man mit rund 8.000 Erkrankten und weiteren 30.000 Personen, die das veränderte Gen in sich tragen könnten. Eine an die Wurzel gehende Behandlung, die den Krankheitsverlauf wesentlich abmildern könnte, gibt es bisher nicht. In einer neuartigen klinischen Behandlungsstudie, an der sechs Huntington Zentren in drei Ländern auf zwei Kontinenten zusammenarbeiten, wird erstmals das therapeutische Stummschalten eines krankmachenden Gens am Menschen erprobt. Sollte dies wie erhofft funktionieren, wäre das ein Durchbruch in der Behandlung der Huntington-Krankheit und wäre wegweisend für die Behandlung anderer Erbkrankheiten.

Im März 2016 hat am Huntington Zentrum des Universitätsklinikums Ulm eine neue zukunftsweisende Studie zur Behandlung der Huntington-Krankheit begonnen. An einer kleinen, ausgewählten Gruppe von Patienten wird mittels des Wirkstoffs IONIS-HTT-Rx erprobt, ob das krankmachende Huntington-Gen therapeutisch stummgeschaltet und damit der Krankheitsverlauf verlangsamt oder sogar gestoppt werden kann. Weltweit sind noch fünf weitere Zentren in Kanada, Großbritannien und Deutschland an der Studie beteiligt.

Bereits im Jahr 1993 haben Wissenschaftler die Genveränderung entdeckt, die für die Huntington-Krankheit verantwortlich ist:

  • ein fehlerhaft verlängerter Abschnitt der Erbsubstanz DNS auf dem kurzen Arm von Chromosom 4. 
  • Normalerweise werden in diesem Bereich die DNS-Bausteine Cytosin-Adenin-Guanin (CAG) zehn bis dreißig Mal wiederholt. Sind es mehr als 35 Wiederholungen ("Stottern"), entwickeln die Betroffenen die Huntington-Krankheit, die mit Bewegungsstörungen, Einschränkungen der Denkfähigkeit und psychischen Veränderungen einhergeht und nach langen Jahren des Leidens zu Pflegebedürftigkeit und zum Tod führt.

Das mutierte Huntington-Gen „stumm“ schalten

Die Informationen, die in einem Gen verschlüsselt sind, werden über genau kontrollierte Zwischenschritte in Eiweiße umgewandelt: Eiweiße ihrerseits führen alle Funktionen unserer Zellen aus. Ein wichtiger Zwischenschritt ist dabei die Entstehung von sogenannter messenger-RNS, die als Bote die Bauanweisung für Eiweiße überbringt.

Aufgrund der Veränderungen durch die Huntington-Erkrankung, wird eine „falsche“ Bauanweisung überbracht: Es entsteht ein schadhaftes Eiweiß, das sich falsch faltet, leicht verklumpt und Gehirnzellen schädigt. 

Auf diesen Boten mit seiner Bauanweisung für das Huntington-Gen hat es das internationale Ärzteteam abgesehen.

Professor G. Bernhard Landwehrmeyer vom Huntington Zentrum des Universitätsklinikums Ulm, der die Studie in Deutschland leitet, erklärt: „Der Wirkstoff IONIS-HTT-Rx führt zu einem vermehrten Abbau der Bauanweisungen für das Huntington-Eiweiß. In Folge wird die Produktion des schädlichen Huntington-Eiweißes gedrosselt und damit die Belastung der Patienten mit den fehlerhaften Huntington-Gen-Produkten gesenkt.“

  • Dabei wird ein DNS-ähnliches Molekül (Antisense Oligonukleotide – ASO) schonend in die Nervenwasserflüssigkeit der Patienten eingebracht, um die messenger-RNS in Gehirnzellen zu neutralisieren, also den Boten mit dem falschen Bauplan stumm zu schalten.

Wenn alles so funktioniert, wie wir es erwarten, dann wird dieser Wirkstoff die Neubildung des schädlichen Huntington-Proteins nachhaltig hemmen.

Ein neuartiger Ansatz, der auf lange Sicht das Potenzial hat, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, zu stoppen oder gar umzukehren“, so PD Dr. Patrick Weydt, der zusammen mit PD Dr. Jan Lewerenz, Dr. Panteha Fathinia sowie den Studienassistentinnen Ariane Schneider, Carolin Geitner und Stefanie Uhl diese Medikamentenprüfung am Huntington Zentrum der Ulmer Universitätsklinik für Neurologie (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Albert C. Ludolph) durchführt. Professor Carsten Saft leitet die Studie am zweiten deutschen Standort, dem Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum.

„Eine Aufgabe Universitätsmedizin ist es, Menschen mit seltenen Erkrankungen bessere Therapiemöglichkeiten zu bieten. Die Ulmer Forschung zur Huntington-Erkrankung leistet dazu mit ihrer international anerkannten und vernetzten Forschung und ihrer therapeutischen Erfahrung einen wichtigen Beitrag, der vielen Patienten Hoffnung geben kann“, sagt Prof. Dr. Udo X. Kaisers, der Leitende Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Ulm.




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Geschirrklappern, Musik, Stimmengewirr - Schwerhörige haben große Schwierigkeiten

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Neue Wege in der Schwerhörendenversorung

Geschirrklappern, Musik, Stimmengewirr - Schwerhörige haben große Schwierigkeiten in solchen Situationen einem Gespräch zu folgen oder auch Geräusche zu lokalisieren. Normalhörende haben deutlich weniger Probleme mit Hintergrundgeräuschen und der Ortung von einzelnen Klangquellen. Hauptgrund dafür ist, dass sie beidohrig (binaural) hören können. Forscher des Exzellenzclusters Hearing4all sind nun maßgeblich daran beteiligt, das Prinzip des binauralen Hörens auf die Cochlea Implantat-Technologie zu übertragen. 
 
Die Einführung von Cochlea-Implantaten bedeutete eine wegweisende Veränderung bei der Versorgung von hochgradig schwerhörenden und ertaubten Menschen.

  • Ein Cochlea Implantat kann bei Taubheit oder hochgradiger Schwerhörigkeit helfen wieder Geräusche zu hören und Stimmen zu verstehen. 
  • Im Unterschied zum Hörgerät, das die Lautstärke des Schalls verstärkt, wandelt das Cochlea-Implantat Schall in elektrische Impulse um, durch die der Hörnerv im Innenohr (Cochlea) stimuliert wird. Obwohl eine beidseitige Implantation (d.h. unabhängige Implantate in jedem Ohr) binaurales Hören bis zu einem gewissen Grad ermöglicht, fehlt hier jedoch die zeitliche Information völlig, die für ein echtes binaurales Hören notwendig ist. 
  • Denn die Signale, die die Ohren erhalten, werden vom Hörsystem im Gehirn so verarbeitet und miteinander verrechnet, dass die Differenzen zwischen links und rechts ausgewertet werden können. Die Ohren kommunizieren also miteinander und sind so in der Lage, Sprachsignale hervorzuheben bzw. Hintergrundgeräusche zu unterdrücken.

Um die Vorteile dieses natürlichen Prinzips auch für CI-Patienten nutzbar zu machen, wurden im Rahmen des EU-geförderten Forschungsprojekts Advancing Binaural Cochlear Implant Technology (ABCIT) Technologien für binaurale Implantate entwickelt, die einen einzelnen, gemeinsamen Prozessor benutzen und daher koordiniert zusammenarbeiten.

Dadurch wird den Anforderungen der binauralen Hörverarbeitung im Gehirn Rechnung getragen, um effektives Hören wieder herzustellen. 
  • Umfangreiche Studien zeigten, dass Methoden der binauralen Vorverarbeitung, die in modernen Hörgeräten bereits verwendet werden, auf CIs übertragbar sind und für CI-Hörer oft sogar noch einen größeren Vorteil bieten, als dies bei Hörgeräteträgern der Fall ist. 
Dieser Forschungsfortschritt wurde nur durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Wissenschaftlern in Deutschland, Frankreich und England möglich. Durch ihre unterschiedlichen Kompetenzen aus den Bereichen Grundlagenforschung, Audiologie und Algorithmenentwicklung für Cochlea-Implantate und Hörgeräte konnten die Wissenschaftler in enger Zusammenarbeit mit der Industrie den Grundstein für eine neue Generation von CIs legen. Die CIs der Zukunft sollen es ermöglichen, deutlich leichter Sprache bei Hintergrundgeräuschen zu verstehen, wie z.B. auf einer Party oder im Restaurant, und Geräusche besser zu lokalisieren und sich so z.B. in Verkehrssituationen besser zu orientieren.

Die Zeitschrift „Trends in Hearing“ würdigte diese Forschungsleistung mit einem Sonderband, in dem insgesamt 13 Publikationen des ABCIT-Projekts versammelt sind, davon 8 mit Beteiligung von Forschern des Exzellenzclusters.

Über ABCIT
Im September 2012 startete das Forschungsprojekt „Advancing Binaural Cochlear Implant Technology“, kurz: ABCIT, das von der Europäischen Union über einen Zeitraum von 3 Jahren in einer Höhe von 4 Mio. € gefördert wurde. Koordiniert wurde das Projekt vom Ear Institute am University College in London (UCL). Weitere Partner des Projekts waren der dänisch/französische Cochlea-Implantat-Hersteller Oticon Medical/Neurelec, die Universität Oldenburg sowie HörTech. Ziel des Projekts war die Verbesserung des räumlichen Hörvermögen von Cochlea –Implantat –Nutzern, speziell derer, die das binaurale Neurelec-Gerät verwenden, welches beide implantierten Ohren synchron stimuliert. Binaurales Hören ist notwendig, um Schallquellen zu lokalisieren sowie für das Hören in lärmbehafteten Umgebungen.

Über Hearing4all
Ziel des Exzellenzclusters „Hearing4all" ist buchstäblich das „Hören für alle". Durch eine Verbesserung der individualisierten Hördiagnostik und der darauf angepassten Versorgung mit persönlichen Hörhilfen wollen die WissenschaftlerInnen die Kommunikationssituation von Betroffenen entscheidend verbessern. Hierbei werden grundlegende, auf Modellen basierende Arbeiten zur Diagnose und zum auditorischen Profil von Normal- bis schwerhörenden Menschen durchgeführt, um zu einem besseren Verständnis des individuellen Gehörs zu gelangen. Darüber hinaus werden diese Modelle benutzt, um die individuelle Versorgung mit technischen Hörhilfen zu verbessern und an die jeweilige Situation angepasst zu optimieren. Die Federführung des Konsortiums liegt bei der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Neben der Medizinischen Hochschule Hannover und der Leibniz Universität Hannover sind auch das Kompetenzzentrum HörTech, die Jade Hochschule, die Hörzentren Hannover und Oldenburg, die Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie des Fraunhofer IDMT, das Laser Zentrum Hannover e.V. und das Hanse-Wissenschaftskolleg Delmenhorst am Exzellenzcluster beteiligt. Der Cluster ist eingebettet in das Netzwerk „Auditory Valley", das weitere öffentliche und private Einrichtungen, die im Bereich der Hörforschung im Nordwesten Deutschlands aktiv sind, verbindet.

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Das Osterhasen-Geschenk: Immunologische Stuhltest: (Blutfarbstoff Hämoglobin mittels Antikörper)

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Stuhluntersuchung zur Darmkrebsvorsorge nur alle fünf Jahre?

Eine Darmspiegelung ist die zuverlässigste Methode, um Darmkrebs frühzeitig zu erkennen. Doch viele Personen bevorzugen einen Test auf verborgenes Blut im Stuhl, der nach bisherigen Empfehlungen alle ein bis zwei Jahre durchgeführt werden soll. Jetzt zeigt eine Studie, dass mit den neuen immunologischen Tests auf Blut im Stuhl ein längeres Untersuchungsintervall von bis zu fünf Jahren möglicherweise den gleichen Nutzen bringt. 
  • Voraussetzung ist, dass der Test empfindlicher und exakt eingestellt wird. 
Professorin Ulrike Haug vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS ist Erstautorin der Studie, die jetzt im renommierten internationalen Journal GUT erschienen ist.  
In Deutschland wird allen gesetzlich Krankenversicherten ab 55 Jahren eine Darmspiegelung angeboten. 
Eine Darmspiegelung ist die zuverlässigste Methode zur Früherkennung von Darmkrebs und dessen Vorstufen und muss bei unauffälligem Befund erst nach zehn Jahren wiederholt werden. 
  • Jedoch nehmen nur 20 bis 30 Prozent aller Berechtigten das Angebot wahr. Viele Personen greifen lieber auf den Test auf verborgenes (okkultes) Blut im Stuhl zurück, der nach bisherigen Empfehlungen alle ein bis zwei Jahre wiederholt werden sollte.
  • Es ist zu erwarten, dass in Deutschland demnächst der bisherige chemische Test auf Blut im Stuhl, der sogenannte Guajak-Test, durch immunologische Testverfahren abgelöst wird. 
Diese Testverfahren weisen den Blutfarbstoff Hämoglobin mittels Antikörper nach.

In vielen anderen Ländern sind diese immunologischen Testverfahren auf Blut im Stuhl schon Standard, da sie Darmkrebs und dessen Vorstufen zuverlässiger erkennen als der Guajak-Test. 
  • Ein weiterer Vorteil der immunologischen Tests ist, dass sie in ihrer Empfindlichkeit exakt eingestellt werden können, sofern es sich um quantitative immunologische Tests handelt, die im Labor ausgewertet werden.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des BIPS und der Erasmus Universität Rotterdam stellten sich nun der Frage, ob man das Untersuchungsintervall für den immunologischen Stuhltest auf bis zu fünf Jahre ausdehnen kann, wenn der Test empfindlicher eingestellt wird. Dazu werteten sie die Daten von 4.523 Personen im Alter von 50 bis 74 Jahren aus, die am Darmkrebsfrüherkennungsprogramm in den Niederlanden teilgenommen hatten.

Die Personen unterzogen sich wiederholt – mit einem Abstand von ein bis drei Jahren – einem immunologischen Test auf Blut im Stuhl. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzten ab, welche diagnostischen Konsequenzen es gehabt hätte, wenn die erste Testung empfindlicher eingestellt und dafür die zweite Testung später durchgeführt worden wäre.

  • Es zeigte sich, dass mit der selteneren Anwendung (etwa alle fünf Jahre) eines empfindlicheren Tests ähnlich viele Frühstadien und Krebsvorstufen erkannt wurden wie mit einem weniger empfindlichen Test, der alle zwei Jahre durchgeführt wurde. Auch der Anteil an Personen, die sich im Laufe der Zeit einer Darmspiegelung unterziehen mussten, um ein positives Testergebnis abzuklären, war bei beiden Vorgehen vergleichbar (13 bis 18 Prozent).

Prof. Dr. Ulrike Haug, Erstautorin der Studie und Leiterin der Abteilung „Klinische Epidemiologie“ am BIPS, erklärt: 

„Unsere Studie zeigt, dass die Stuhltest-basierte Darmkrebsvorsorge vereinfacht und dadurch verbessert werden könnte. 
Wenn durch das längere Untersuchungsintervall nur halb so oft getestet werden muss, ist es für teilnehmende Personen wesentlich einfacher, den Anforderungen des Programms dauerhaft gerecht zu werden und maximal davon zu profitieren. Außerdem verringern sich der Aufwand und die Kosten, die mit der Organisation eines Früherkennungsprogramms einhergehen.“

Darmkrebs ist in Deutschland derzeit bei Frauen die zweithäufigste und bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung. 

Durch geeignete Früherkennungsmaßnahmen kann Darmkrebs rechtzeitig erkannt, behandelt oder auch abgewendet werden. 

  • Anders als in vielen anderen Ländern gehören immunologische Tests auf Blut im Stuhl in Deutschland bislang noch nicht zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm. Sie müssen daher als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) von den Patientinnen und Patienten selber bezahlt werden. Es ist jedoch zu erwarten, dass sie in absehbarer Zeit auch in Deutschland erstattungsfähig werden.

Publikation:

Haug U, Grobbee EJ, Lansdorp-Vogelaar I, Spaander MCW, Kuipers EJ. Immunochemical faecal occult blood testing to screen for colorectal cancer: can the screening interval be extended? GUT. 2016; http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2015-310102

 
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Frohe Ostern? - - Mein Osterhase kann sich nicht satt essen.....! Auch Frau Hase

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Der Feldhase ist ein Kräuterprofi

Die Deutsche Wildtier Stiftung erklärt, warum der „Osterhase“ als feinschmeckender Vegetarier kaum noch was zu fressen findet
 
Knackig, zart und vor allem grün – so sieht die Ernährung des Feldhasen aus. 

Und das ist gut so: Vitamin C in Löwenzahnblättern kurbelt den Stoffwechsel an, Beta-Carotin in Sauerampfer pusht die Immunabwehr und Folsäure in Barbarakraut stärkt das Blut. Solche Vitalstoffe brauchen Spitzensportler wie der Feldhase. 

Frische Kräuter helfen, wenn er mit angelegten Löffeln und rund 80 km/h (das sind 22,22 Meter pro Sekunde!) über Felder und Wiesen rennt und Haken schlägt.

Auch „Frau Hase“ braucht eine Extra-Portion Grünes:

Sie muss bei Kräften bleiben, denn es ist Paarungszeit und die ist anstrengend. Um unter den vielen Rammlern den Richtigen mit dem besten Erbgut zu finden, liefert sie sich Boxkämpfe mit ihren vielen Verehrern.

  • Innerhalb kurzer Zeit paart sich die Häsin mit verschiedenen Rammlern – und das kostet Kraft. Rund 42 Tage später kommen die jungen Hasen auf die Welt.

Früher galten Hasen als potente und fruchtbare Feinschmecker, heute sind die Vegetarier vielerorts land- und schutzlos. „Viele Junghasen erleben ihren ersten Sommer nicht“, erklärt Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung.

Denn bereits vor Ostern werden Felder und Wiesen für die Landwirtschaft vorbereitet. Mais, Zuckerrüben und Sommergetreide werden gepflanzt und das Grünland wird gewalzt und geschleppt.

Gerade die jungen Hasen, die sich tief geduckt im Feld verstecken, werden dann zerquetscht, zerstückelt oder untergepflügt.

Fest steht: Zumindest für den Feldhasen war früher alles besser! „Hecken, Brachen und Ackerrandstreifen, auf denen Wildkräuter in großer Vielfalt wuchsen, sind heute der landwirtschaftlichen Produktionsfläche gewichen“, schildert der Experte.

„Wenn sich der Hase nicht mehr vor seinen Feinden verstecken kann, wird das blanke Überleben für ihn sehr schwer.“

  • Wenn sich der Osterhase einen Lebensraum wünschen dürfte, wäre das eine Landschaft wie vor 100 Jahren:
  • Mit kleinen Feldern, wenig gedüngt, keine Chemie. Dafür mit Hecken, breiten Wegen und Grasstreifen, die nicht gemäht werden. 
Die Deutsche Wildtier Stiftung kümmert sich um so ein tolles Hasen-Paradies: In der Gemarkung Schwichtenberg in Mecklenburg-Vorpommern finden Feldhasen auf rund 220 Hektar mit vielen Acker- und Grünflachen allerbeste Lebensbedingungen.

Wenn Sie dem Feldhasen helfen wollen, können Sie bei der Deutschen Wildtier Stiftung kostenlos ein Samentütchen bekommen. Wir freuen uns über ein Foto Ihres Kräutergartens auf unserer Facebook-Seite.

Die Deutsche Wildtier Stiftung wünscht Ihnen „Frohe Ostern“!


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Personalisierten Lithiumtherapie bei bipolaren Störungen

Medizin am Abene Berlin Fazit:  Studie eröffnet ersten Schritt hin zu einer personalisierten Lithiumtherapie bei bipolaren Störungen

An der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden werden seit vielen Jahren Daten bipolar erkrankter Patienten ausgewertet. Die ersten Ergebnisse weisen darauf hin, dass bestimmte molekulare Strukturen ausschlaggebend sind, welche Patienten von einer Lithiumtherapie profitieren, indem beispielsweise die Suizidalität gesenkt werden kann. In einer gemeinsamen Publikation internationaler Forscher im renommierten Fachjournal „THE LANCET“ wurde insbesondere herausgearbeitet, dass die große Anzahl von Patientendaten erstmals die Möglichkeit bietet, die genetischen Grundlagen, weshalb Lithium solch eine positive Wirkung bei vielen Patienten entfaltet, wissenschaftlich zu untersuchen. 

 Prof. Dr. Dr. Michael Bauer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.
 Prof. Dr. Dr. Michael Bauer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. Foto: Uniklinikum Dresden / Christoph Reichelt
 
Seit 60 Jahren gehört das Spurenelement Lithium zur äußerst wirksamen Standardtherapie bei Depressionen und Manisch-Depressiver Krankheit (bipolare Störung).

Bislang liegen allerdings kaum wissenschaftlich belegte Studienergebnisse vor, wie der Wirkmechanismus von Lithium genau funktioniert und welche Patientengruppen am meisten von einer entsprechenden Behandlung profitieren.

„Wir haben bei unseren Patienten immer wieder beobachtet, dass Lithium eines der wenigen Medikamente ist, welches langfristig Suizidgedanken ausschalten kann.

Es gibt kein anderes Medikament, das so ausgeprägt suizidale Gedanken und Handlungen vermindert“, sagt Professor Michael Bauer, der Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.

„Heute findet man kaum noch ein Medikament auf dem Arzneimittelmarkt, das über 60 Jahre hinweg noch verordnet wird, und trotzdem stellen wir immer noch weiter neue Wirkaspekte fest, die uns überraschen. 

Beispielsweise haben wir während der Analyse langjähriger Behandlungsdaten festgestellt, dass Lithium auch einen gewissen Schutz vor Gedächtnisverlust und Demenz aufweist. Im Laborversuch konnte ganz klar die neuroprotektive Wirkung von Lithium nachgewiesen werden“, so Professor Bauer.

„Wenn Patienten Lithium über zehn oder zwanzig Jahre einnehmen, dann sinkt auch die Demenzrate.“ All das waren Gründe, die dafür sprachen, Lithium noch genauer unter die Lupe zu nehmen.

Bereits 2008 hat sich ein internationales Forscherkonsortium in Dresden getroffen, um ganz detailliert Patientendaten zu erfassen und diese auszuwerten. Professor Bauer, der vor acht Jahren unter anderem die Initiative gestartet hat, hegt große Erwartungen, dass die über 3.000 Datensätze einen neuen Einblick in die Wirkmechanismen von Lithium geben, die bislang noch nicht umfassend erforscht sind.

  • Lithium löst eine Reihe von intrazellulären Effekten aus. Das Salz erhöht beispielsweise auch die Serotoninausschüttung.  
Ein möglicher Grund, weshalb es in der Therapie so wirksam einsetzbar ist.

Viele Patienten, die eine lange schwere Manie oder bipolare Erkrankung durchlebt haben, gelten mit der Einnahme des Medikaments als geheilt. 

„Wir unterscheiden in drei Gruppen: 

exzellente Lithiumresponder, Patienten, bei denen das Medikament weniger deutlich und solche, bei denen es gar nicht anschlägt.

Interessant dabei ist, dass sich ähnlich der bipolaren Erkrankung auch das Ansprechverhalten auf das Medikament vererbt“, so Professor Bauer.

An der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus läuft zu diesem Forschungsschwerpunkt gerade eine vom Dresdner Forscherteam initiierte große mehrzentrische bundesweite Studie, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Dabei bietet sich die Chance, den sofortigen Effekt von Lithium auf Suizidgedanken bei Depressionen nachzuweisen, etwas, was bisher noch für kein einziges Medikament belegt werden konnte.

Informationen zum Forschungsverbund
http://www.conligen.org


Publikation
Genetic variants associated with response to lithium treatment in bipolar disorder: a genome-wide association study, in: The Lancet, Volume 387, Issue 10023, 12–18 March 2016, Pages 1085–1093
doi:10.1016/S0140-6736(16)00143-4
www.thelancet.com

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Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden
Prof. Dr. Dr. Michael Bauer
Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Telefon:0351-458 2760
E-Mail: michael.bauer@uniklinikum-dresden.de
Konrad Kästner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.uniklinikum-dresden.de/psy

360° TOP-Hinweis: Häufig unerkannt - Rheuma bei Schuppenflechte - Psoriasis-Arthritis

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Frühzeitige Behandlung hilft vielen Patienten

Bis zu zehn Prozent aller Menschen mit Schuppenflechte entwickeln schmerzhafte Schwellungen an einem oder mehreren Gelenken – die sogenannte Psoriasis-Arthritis. Häufig bleibt diese rheumatische Erkrankung unerkannt. Aktuelle Studien zeigen, dass Ärzte die Symptome mit Medikamenten und engmaschigen Kontrolluntersuchungen nahezu vollständig unter Kontrolle bringen und damit den Patienten ein schmerzfreies Leben ermöglichen können – wenn Arzt und Patient die Krankheit rechtzeitig bemerken.
 
  • Viele Menschen, die an Schuppenflechte leiden, entwickeln zudem Gelenkbeschwerden, die sich mit den Jahren verschlimmern und immer schmerzhafter werden. 
  • Die Psoriasis-Arthritis äußert sich beispielsweise in Gelenk-, Sehnenscheiden-, Knochen- und Wirbelsäulenentzündungen. 

 „Das Gelenk wird, wie bei der rheumatoiden Arthritis, ohne Behandlung langfristig zerstört“, erläutert Professor Dr. med. Elisabeth Märker-Hermann, Direktorin der Klinik Innere Medizin IV: Rheumatologie, Klinische Immunologie, Nephrologie an den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden.

Dennoch bleibe die Krankheit, die bei jedem zehnten Schuppenflechten-Patienten auftritt, häufig unerkannt. Dabei ist sie gut behandelbar: „Wird frühzeitig mit der Medikamentengabe begonnen, können viele Patienten ein schmerzfreies Leben führen“, so die DGIM-Expertin.

Genetische Faktoren spielen bei der Psoriasis und der Psoriasis-Arthritis eine entscheidende Rolle. 

Jährlich werden in großen internationalen Studien neue Gene gefunden, die Einfluss auf immunologische Abwehrreaktionen der Haut und auf Entzündungsvorgänge im Körper nehmen.

„Wir haben gelernt, dass Ärzte, vor allem Dermatologen und Rheumatologen, und Patienten bei einer Schuppenflechte immer auch rheumatische Gelenkentzündungen in Betracht ziehen müssen, um rechtzeitig reagieren zu können“, sagt Professor Märker-Hermann.

Damit könne den Patienten eine Doppelbelastung durch Haut- und Gelenkbeschwerden erspart bleiben.

  • Die eingesetzten Medikamente wirkten sich zudem positiv sowohl auf die rheumatischen Beschwerden als auch auf die Schuppenflechte aus.
  • In der Regel verschreiben Ärzte bei einer Psoriasis-Arthritis Rheuma-„Basis“-Medikamente, beispielsweise immunologisch wirksame Medikamente wie Methotrexat, Sulfasalazin und Leflunomid. 
Sehr gut wirksam sind die Biologika, welche den Botenstoff TNF-alpha hemmen.

Zudem sind in den letzten Monaten neue Medikamente zur Therapie der Haut und der Gelenke zugelassen worden.

Wegen der Wirkung auf das Immunsystem und möglicher Nebenwirkungen müssen die Patienten gut aufgeklärt werden.

 „Die Therapie darf aufgrund möglicher Nebenwirkungen nur unter engmaschiger Betreuung durchgeführt werden“, ergänzt Professor Dr. med. Gerd Hasenfuß, Vorsitzender der DGIM aus Göttingen:

„Ziel ist ein maximaler Gelenkschutz bei minimalen Risiken und Nebenwirkungen.“ 

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Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
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70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-457
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Bluttest für Tuberkulose - das Bakterium Mycobacterium tuberculosis

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Biomarker sollen in Zukunft das Ausbruchsrisiko einer Tuberkulose voraussagen können  


Die Rede ist von Tuberkulose, an der jedes Jahr zwischen 1,5 und zwei Millionen Menschen sterben. Doch nicht jeder, der mit dem Bakterium infiziert ist, entwickelt auch eine Tuberkulose: Bei weniger als zehn Prozent der Infizierten bricht die Krankheit tatsächlich aus. Ein internationales Wissenschaftlerteam, an dem auch Forscher des Max-Planck Instituts für Infektionsbiologie in Berlin beteiligt waren, hat nun einen Tuberkulosetest entwickelt, der einen Ausbruch der Krankheit bei Infizierten zuverlässig voraussagen kann. 
  • Durch diesen Test können zukünftig Ärzte den Verlauf der Krankheit abschätzen und frühzeitig mit einer medizinischen Versorgung beginnen.


Moleküle im Blut sollen Ärzten künftig verraten, ob ein Mensch an Tuberkulose erkranken wird.


 Moleküle im Blut sollen Ärzten künftig verraten, ob ein Mensch an Tuberkulose erkranken wird. MPG/ J. Steengard

Weltweit sterben täglich etwa 4000 Menschen an Tuberkulose:

Eine Krankheit, die durch das Bakterium Mycobacterium tuberculosis verursacht wird und mir dem insgesamt etwa ein Drittel der Erdbevölkerung infiziert ist. 

Etwa 90 Prozent der Infizierten bleiben jedoch ihr Leben lang symptomfrei.

Bei einer solchen latenten Tuberkulose schlummern die Bakterien im Körper, ohne dass die Krankheit aktiv ist.

  • Menschen mit schwächerem oder geschwächtem Immunsystem, zu denen sehr junge, sehr alte Menschen und Personen mit weiteren Erkrankungen, wie HIV oder Diabetes mellitus gehören, erkranken häufiger an einer aktiven Tuberkulose. Ebenso tragen mangelnde Ernährung und schlechte soziale Bedingungen zu einem erhöhten Risiko bei.

Das Blutbild von Menschen mit latenter oder aktiver Tuberkulose unterscheidet sich voneinander. Trotzdem war es bis heute unmöglich vorherzusagen, ob eine mit Mycobacterium tuberculosis infizierte Person eine aktive Tuberkulose entwickeln wird.

In einer nun veröffentlichten Studie haben Wissenschaftler einen auf Biomarkern basierenden Bluttest entwickelt, mit dem sie eine entstehende aktive Tuberkulose mit etwa 75 prozentiger Wahrscheinlichkeit voraussagen können.

Ein Biomarker kann eine Zelle, Gene oder Moleküle wie etwa Enzyme oder Hormone sein, mit dem Mediziner Veränderungen im Körper nachweisen können.

Um die Unterschiede zwischen latenter und aktiver Tuberkulose festzustellen, haben Wissenschaftler der South African Tuberculosis Vaccine Initiative (SATVI) und des Center for Infectoius Disease Research (CIDR) die Genaktivität in Blutproben von mehr als 10000 Menschen aus Südafrika und Gambia ausgewertet und diese anschließend zwei Jahre lang beobachtet.

Mit Genmustern eine Tuberkulose voraussagen

Die Ergebnisse zeigen, dass im Blut der Personen, die später eine aktive Tuberkulose entwickeln ganz bestimmte Gene in Immunzellen aktiv sind. Ein Bluttest für die Genaktivität soll künftig das typische Aktivitätsmuster potenzieller Tuberkulosepatienten entdecken. „Ein solcher Test könnte das Auftreten der Krankheit schon mehr als ein Jahr im Voraus vorhersagen, bevor die Krankheit ausbricht“, sagt der Leiter der Studie Willem Hanekom von der Universität Kapstadt.

„Dieser lange Vorlauf gibt Medizinern genug Zeit, mit einer Behandlung anzufangen.“ Der Bluttest soll nun in klinischen Studien getestet werden, um herauszufinden, ob man mit einer gezielten Therapie den Verlauf der vorhergesehenen Krankheit stoppen kann.

Stefan H.E. Kaufmann vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, der auch an der Studie beteiligt war, leitet selbst eine ähnliche Untersuchung. Diese umfasst Gruppen von Versuchsteilnehmern aus verschiedenen Teilen Afrikas, zu denen Südafrika, Malawi, Uganda, Äthiopien und Gambia gehören. Ziel dieser Studie ist ein panafrikanischer Biomarker-Test für Tuberkulose, der zusätzlich Unterschiede zwischen Patientenpopulationen und Erregertypen einbezieht. Die Ergebnisse der parallel laufenden Studie deuten auf dasselbe Genprofil für ein erhöhtes Tuberkuloserisiko hin. Sie sollen Ende des Jahres veröffentlicht werden. „Wenn wir frühzeitig voraussagen können, dass ein Mensch eine aktive Tuberkulose entwickeln wird, wird dies entscheidend zur Eindämmung dieser Krankheit beitragen.

Außerdem können wir nun gezielt Menschen mit hohem Tuberkulose-Risiko in die klinische Überprüfung neuer Medikamente und Impfstoffe mit einbeziehen und dadurch die Anzahl der Studienteilnehmer und die Studiendauer verringern. Das reduziert auch deutlich die Studienkosten“, erklärt Kaufmann.

Originalpublikation:
Daniel E. Zak, Adam Penn-Nicholson, Thomas J. Scriba et al.
A prospective blood RNA signature for tuberculosis disease risk
The Lancet, 23. März 2016

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Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan H.E. Kaufmann
Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Berlin
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Dr Harald Rösch Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

360° TOP-Thema: Neglect - räumliche Wahrnehmungsstörung

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Heilungsverlauf nach Schlaganfall früh vorhersagbar

Welche Patienten nach einem Schlaganfall langfristig besonders viel Unterstützung benötigen, konnten Forscherinnen und Forscher des Universitätsklinikums Freiburg jetzt bereits in den ersten Tagen nach dem Schlaganfall ermitteln. Mit Hilfe bildgebender Verfahren untersuchten sie die Hirnaktivität bei 34 Patienten mit rechtsseitig schwerem Schlaganfall. Dabei zeigte sich: Je aktiver die Zellen im rechten Aufmerksamkeitszentrum des Gehirns waren, desto besser war auch die langfristige Gesamterholung. Zudem erholten sich Patienten besonders gut von einer als Neglect bezeichneten räumlichen Wahrnehmungsstörung, wenn links das Areal besonders aktiv war, das rechts geschädigt wurde.  Ein Schlaganfall führt häufig zu einer räumlichen Wahrnehmungsstörung. Diese fällt wesentlich schwächer aus, wenn die Kommunikation zwischen linker und rechter Gehirnhälfte intensiv ist.
 Ein Schlaganfall führt häufig zu einer räumlichen Wahrnehmungsstörung. Diese fällt wesentlich schwächer aus, wenn die Kommunikation zwischen linker und rechter Gehirnhälfte intensiv ist. Universitätsklinikum Freiburg


  • Patienten mit Neglect verhalten sich so, als hätte eine Seite des Raumes oder des eigenen Körpers aufgehört zu existieren.  
Die Mitte Februar im Fachmagazin Annals of Neurology veröffentlichten Ergebnisse könnten zukünftig helfen, Patienten mit schlechter Heilungsprognose früh zu identifizieren und durch besonders intensive Rehabilitations-Maßnahmen zu unterstützen.

„Wir haben in der Analyse der Hirnaktivität zwei wesentliche Parameter gefunden, mit denen wir den Heilungsverlauf bei Schlaganfall-Patienten sehr gut vorhersagen können“, sagt Prof. Dr. Cornelius Weiller, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neurologie und Neurophyisologie des Universitätsklinikums Freiburg.

„Ich rechne damit, dass wir in drei bis vier Jahren ein zuverlässiges Prognosewerkzeug für den klinischen Alltag haben werden“, so Prof. Weiller weiter.

  • Bislang war eine frühzeitige Prognose nur durch sekundäre Parameter wie Alter, Gesundheitszustand und Größe der betroffenen Gehirnregion möglich. 
  • Die Freiburger Forscher untersuchten Schlaganfall-Patienten mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) zwei bis drei Tage, acht bis zehn Tage und vier bis sechs Monate nach dem Schlaganfall.
  • Überraschend war, dass sich eine hohe Aktivität der linken Hirnhälfte positiv auf die Erholung vom Neglect auswirkte.
Bisher wurde vermutet, dass ein Ungleichgewicht in der Aktivität der Hirnhälften den Zustand der Patienten verschlechtert.

„Unsere Ergebnisse widerlegen die Hypothese der konkurrierenden Gehirnhälften als Ursache für das Auftreten von Neglect und sprechen eher für eine gegenseitige Unterstützung.

Insbesondere wenn die Hirnschäden sehr groß sind, ist eine frühere Verschaltung zwischen betroffener und gesunder Gehirnhälfte wichtig, damit sich der Patient bereits in den ersten Wochen nach dem Schlaganfall gut erholt“, sagt die Erstautorin der Publikation Dr. Roza Umarova, Fachärztin und zum Zeitpunkt der Studie Arbeitsgruppenleiterin an der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie des Universitätsklinikums Freiburg.

Ob eine therapeutische Stimulation des Gehirns von außen bei der Rehabilitation förderlich sein kann und welches Hirnareal dafür infrage käme, sollen weitere Untersuchungen zeigen.

Titel der Original-Arbeit: Predictors and signatures of recovery from neglect in acute stroke

DOI: 10.1002/ana.24614

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Dr. Roza Umarova
Fachärztin
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Johannes Faber
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Benjamin Waschow Universitätsklinikum Freiburg


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Belrin Beteiligte
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26873402 Link zur Publikation

http://www.uniklinik-freiburg.de/neurologie.html Klinik für Neurologie und Neurophysiologie

360° TOP-Thema: Schwangerschaftsbedingte Herzschwäche - Katecholamine Dobutamin-

Medizin am Abend Berlin:  Gängige Therapie bei Herzversagen verschlechtern die Heilungs

Das Notfallmedikament Dobutamin kann bei PPCM zu irreversibler Herzschädigung führen / Veröffentlichung im European Heart Journal  
  • Ärzte wenden sogenannte Katecholamine wie Dobutamin insbesondere als Notfallmedikament bei akuter Herzschwäche an, da es die Herzkraft steigert. 
Das Team um Professorin Dr. Denise Hilfiker-Kleiner, Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), fand nun heraus, dass bei Patientinnen mit peripartaler Herzschwäche (peripartale Kardiomyopathie, PPCM) genau diese Behandlung Herzmuskelzellen aktiv zerstören und deren Energieversorgung unterdrücken kann.

Die Folge: eine schwere irreversible Herzschwäche. 

 Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun in dem Fachmagazin European Heart Journal.



Dr. Britta Stapel und Professorin Hilfiker-Kleiner am Mikroskop.
Dr. Britta Stapel und Professorin Hilfiker-Kleiner am Mikroskop. "Foto:MHH/Kaiser"

Die Herzschädigung der PPCM-Patientinnen ist in der Regel mit Medikamenten behandelbar.

90 Prozent der Frauen erholen sich bei adäquater Therapie weitgehend von der Herzschädigung.

Bei der Auswertung des an der MHH geführten deutschlandweiten Registers hatten die Forscher jedoch beobachtet, dass PPCM-Patientinnen, die aufgrund eines akuten Herzversagens mit Dobutamin behandelt worden waren, einen schlechteren Verlauf aufwiesen.

Um herauszufinden, ob ein Zusammenhang zwischen der Behandlung mit Dobutamin und der PPCM-Erkrankung besteht, untersuchten die Wissenschaftler in an PPCM erkrankten Mäusen die Auswirkung des Medikaments auf das Herz.

Sie stellten dabei fest, dass die Gabe von Dobutamin das Herz zusätzlich schädigt. 

Das Medikament hebt die sonst heilende Wirkung anderer Medikamente wie Bromocriptin auf.

 „In der MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie sind wir deshalb sehr zurückhaltend mit dem Einsatz von Dobutamin bei PPCM-Patientinnen. 

Alternativ setzen wir den Patientinnen mit akutem Herzversagen spezielle Pumpen in die linke Herzkammer ein, sogenannte Microaxialpumpen, um die Pumpfunktion des Herzens zu unterstützen und die kritische Phase zu überbrücken“, sagt deren Direktor Professor Dr. Johann Bauersachs.

  • „Es gibt Hinweise, dass neben den PPCM-Patientinnen auch bei anderen Patienten mit akutem Herzversagen die Gabe von Katecholaminen zu einer zusätzlichen Herzschädigung führt. 

Dies untersuchen wir in weiteren wissenschaftlichen Projekten.“

Molekularbiologische Ursache

Das Team um Professorin Hilfiker-Kleiner untersuchte im Mausmodell molekularbiologisch, warum die Behandlung mit Katecholaminen zu irreversiblen Herzschäden führt.

„In der Regel beziehen die Herzzellen ihre Energie zum größeren Teil über den Fettsäurestoffwechsel, im Notfall können die Kraftwerke der Zellen, die Mitochondrien, aber auch ausschließlich Zucker in Energie umwandeln“, erklärt die Professorin.

Das Problem: Der Fettstoffwechsel bricht unter Dobutamin zusammen. 

Für die nun nötige effizienteEnergieumwandlung von Zucker benötigen die Zellen das Protein STAT3, das bei PPCM-Patientinnen im Herzen stark reduziert ist. Der Zuckerstoffwechselweg ist also ebenfalls gehemmt. Die Herzzellen können nicht mehr mit Energie versorgt werden. „Bereits nach einem Tag sterben die ersten Herzzellen ab, und Bindegewebe sowie Entzündungen nehmen zu“, ergänzt Dr. Britta Stapel, Forscherin in Professorin Hilfiker-Kleiners Arbeitsgruppe.

Die peripartale Herzschwäche

Diese lebensbedrohliche Erkrankung des Herzens tritt ohne Vorwarnung im letzten Schwangerschaftsmonat oder in den ersten Monaten nach der Geburt auf. 

Binnen weniger Wochen kann diese Erkrankung zum schweren Herzversagen und sogar zum Tode führen.

  • Die Symptome: Abgeschlagenheit, Atemnot, Husten, Gewichtszunahme, besonders durch Wassereinlagerungen in Lunge und Beinen, sowie Herzrasen. 

„Da diese Symptome eher unspezifisch auch bei Frauen ohne PPCM während und nach der Schwangerschaft auftreten können, wird die Erkrankung oft verzögert diagnostiziert“, betont Professor Bauersachs.

Dabei ist eine von 1.500 bis 2.000 Schwangeren von einer PPCM betroffen. Gut die Hälfte der erkrankten Frauen erholt sich nach einer medikamentösen Therapie wieder komplett von dieser Erkrankung.

MHH ist Europas größtes PPCM-Zentrum

Die MHH gehört zu den weltweit größten Zentren für PPCM.  

„Wir wollen keine Ängste schüren, sondern Schwangere, Hebammen und Frauenärzte, aber auch Allgemeinmediziner dafür sensibilisieren, bei entsprechenden Symptomen an eine PPCM zu denken“, sagt Professor Bauersachs.

„Die PPCM ist eine seltene Krankheit – und auch gut behandelbar. Wir möchten jedoch, dass die Erkrankung noch früher diagnostiziert wird als bisher.“




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360° TOP-Einladung zur Therapiestudie : Training nach Schlaganfall für Hand- und Armfunktion

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Greifswalder Wissenschaftler optimieren Training nach Schlaganfall

Greifswalder Wissenschaftler haben zusammen mit einer Arbeitsgruppe aus Bochum eine Therapiestudie zur Optimierung von Therapieeffekten nach einer Schlaganfallbehandlung gestartet. Von den Studienergebnissen sollen Patienten, die bei einem Schlaganfall Schädigungen der Hand- und Armfunktion erlitten haben, profitieren. Derzeit werden Patienten für die Therapiestudie gesucht. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFach Link: Anthrax - Sporen   

In der aktuellen Studie „Sensorisches Priming vor motorischem Training bei Schlaganfallpatienten im chronischen Stadium“ von Prof. Martin Lotze (Funktionelle Bildgebung an der Universitätsmedizin Greifswald) und Prof. Thomas Platz (Neurologischen Rehabilitation der BDH-Klinik Greifswald) werden die Therapien zur Wiederherstellung nach einem Schlaganfall untersucht. 

Ziel ist, diese zu optimieren. In Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe von der Ruhr-Universität Bochum um Priv.-Doz. Hubert Dinse werden sie mit einer einfachen, wiederholten Stimulation der Fingerspitzen die motorische Funktion der Hand nach der Gehirnschädigung untersuchen
  • Dabei wollen sie herausfinden, ob es sinnvoll ist, das motorische Training mit der Fingerstimulation zu kombinieren und dadurch die Lerneffekte zu verstärken. 
Der Ansatz ist, dass die Areale im Gehirn durch die Stimulation spezifisch aktiviert werden, die für den motorischen Trainingserfolg entscheidend sind. Zudem wird untersucht, welche Veränderungen im Gehirn während des Trainings einhergehen. Es wurde eine Therapiestudie entwickelt, um durch die Kombination der taktilen Stimulation und des Armfähigkeitstrainings optimale Therapieeffekte zu erzielen.

Für die Durchführung der Therapiestudie werden Patienten gesucht, die vor mindestens drei Monaten einen Schlaganfall erlitten haben. Das Training soll nach Einführung für eine Zeit von drei Wochen zum großen Teil zu Hause erfolgen. Vor, während und nach erfolgtem Training sollen die Effekte auf das Gehirn und die Trainingsverbesserung gemessen werden.

Die Greifswalder Professoren arbeiten bereits seit zehn Jahren sehr eng zusammen. Prof. Platz entwickelte Trainingsverfahren, die vor allem nach motorischen Ausfällen an der oberen Extremität je nach Schwere des Zustandes, also „schädigungsorientiert“, wirkungsvoll eingesetzt werden können.

Diese Therapien haben sich als überlegen erwiesen und werden von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Gesellschaft Neurorehabilitation (DGNR) in ihren Leitlinien ausdrücklich empfohlen.

Darüber hinaus setzt sich Prof. Platz mit neurophysiologischen Veränderungen während des Trainings auseinander, um das Training noch gezielter anzuwenden.

Dazu nutzt er die Methode der transkraniellen Magnetstimulation (TMS).

Prof. Lotze beschäftigt sich mit den Veränderungen im Gehirn – je nach Schädigung – die besonders effektiv mit einer Wiederherstellung der Handfunktion einhergehen.

Hier wird die Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt. 

Es wird sowohl die veränderte Gehirnstruktur nach dem Schlaganfall als auch die Veränderung der funktionellen Repräsentation zum Beispiel einer Handbewegung dargestellt.

Dadurch wird erkannt, wie das Gehirn mit der Schädigung umgeht und welche Strategien zur Durchführung einer zunächst ausgefallenen Funktion nach der Rehabilitation genutzt werden.

Weitere Informationen:

Interessierte Patienten erhalten unter 03834 86-6945 oder unter martin.lotze@uni-greifswald.de weitere Informationen.

Motorische Restitution nach Schlaganfall

http://www.baltic-imaging-center.de/projekte/motorische+restitution+nach+schlaganfall.htm

Neural Plasticity Lab Bochum http://www.neuralplasticitylab.de/index.aspx?resort=3


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Universitätsmedizin Greifswald
Prof. Dr. Martin Lotze
Diagnostische Radiologie und Neuroradiologie
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Jan Meßerschmidt Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

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Prof. Dr. Thomas Platz
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