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Anti-Alzheimer-Therapie: Oligomere - die Vorstufe von Plaques bei Alzheimer

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Mögliche Gründe für Versagen von Anti-Alzheimer-Therapie gefunden

Verklumpte Proteine im Gehirn, so genannte Amyloid-β-Plaques, sind ein wichtiges Krankheitsmerkmal von Alzheimer. Eine Therapieoption nutzt spezielle Antikörper, um diese Plaques abzubauen. Im Tiermodell zeigte dieser Ansatz gute Ergebnisse, in Patientenstudien ist er aber bisher aus noch ungeklärten Gründen erfolglos. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) haben nun eine mögliche Ursache entdeckt: Sie stellten fest, dass in Mäusen, die eine Antikörpertherapie erhielten, Funktionsstörungen von Nervenzellen nicht besser und sogar noch verstärkt wurden. 
 
Immuntherapien mit zielgerichteten Antikörpern gegen Amyloid-β galten lange für die Behandlung von Alzheimer als vielversprechend. In Tierexperimenten hatte sich gezeigt, dass die Plaques dadurch reduziert und Gedächtnisstörungen wieder aufgehoben wurden. In klinischen Studien an Patienten konnten diese Ergebnisse aber bisher nicht bestätigt werden. Ein Forscherteam um Dr. Dr. Marc Aurel Busche, Wissenschaftler an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am TUM Klinikum rechts der Isar und am Institut für Neurowissenschaften der TUM und Prof. Dr. Arthur Konnerth vom Institut für Neurowissenschaften hat nun einen möglichen Grund hierfür aufgeklärt. Die Ergebnisse wurden in Nature Neuroscience veröffentlicht.

Zahl an hyperaktiven Nervenzellen steigt bei Immuntherapie

Die Forscher nutzten Alzheimer-Mausmodelle für ihre Studie. Diese Tiere tragen ein Transgen für das Vorläuferprotein von Amyloid-β, was wie beim Menschen zur Bildung von Amyloid-β-Plaques im Gehirn führt und Gedächtnisstörungen verursacht. Die Wissenschaftler behandelten die Tiere mit Immuntherapie-Antikörpern und untersuchten dann die Aktivität von Nervenzellen mit hochauflösender Zwei-Photonen Mikroskopie. Das  

Ergebnis: Zwar verschwanden die Plaques, die Anzahl an abnormal hyperaktiven Nervenzellen stieg aber stark an.

„Wenn Nervenzellen hyperaktiv sind, können sie ihre normalen Funktionen nicht mehr ausüben und verausgaben sich über längere Zeit. Sie verstummen dann und sterben möglicherweise im späteren Verlauf ab “, beschreibt Busche die Bedeutung ihrer Entdeckung. „Bei den Patienten, die die Immuntherapie erhalten haben, könnte das erklären, warum sich ihr Zustand nicht wirklich besserte, obwohl die Plaques weniger wurden“, ergänzt er.

Freigesetzte Oligomere als möglicher Grund für Hyperaktivität

Auch junge Alzheimer-Mäuse, bei denen noch gar keine Plaques im Gehirn nachweisbar waren, entwickelten bei der Antikörperbehandlung bereits vermehrt hyperaktive Nervenzellen. „Mit Blick auf diese Ergebnisse, wäre auch ein früher Einsatz der von uns untersuchten Immuntherapien, noch bevor die Plaques entstehen, wenig aussichtsreich. Denn auch hier treten die Nebenwirkungen der Therapie bereits auf“, erklärt der Wissenschaftler.

„Wir vermuten, dass der Mechanismus folgendermaßen ist: Die eingesetzten Antikörper setzen verstärkt lösliche Oligomere frei. Das sind Vorstufen der Plaques und gelten schon länger als problematisch. Das könnte die Zunahme der Hyperaktivität verursachen“, sagt Busche.

Die Arbeit wurde gefördert durch einen Advanced ERC Grant für Prof. Arthur Konnerth, das EU FP7 Programm (Projekt Corticonic) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (IRTG 1373 and SFB870). Marc Aurel Busche wurde zudem von der Hans und Klementia Langmatz Stiftung unterstützt.


Publikation
Marc Aurel Busche, Christine Grienberger, Aylin D. Keskin, Beomjong Song, Ulf Neumann, Matthias Staufenbiel, Hans Förstl und Arthur Konnerth, Decreased amyloid-β and increased neuronal hyperactivity by immunotherapy in Alzheimer's models, Nature Neuroscience, 9. November, 2015.
DOI: 10.1038/nn.4163
http://www.nature.com/neuro/journal/vaop/ncurrent/full/nn.4163.html


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Dr. Dr. Marc Aurel Busche
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am TUM Klinikum rechts der Isar &
Institut für Neurowissenschaften der TUM
Tel: +49 (0)89 4140 – 4201
aurel.busche@tum.de
Dr. Ulrich Marsch 
Technische Universität München

360° TOP-Thema: Grippeimpfung in der Schwangerschaft: Schutz für Mutter und Kind

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Grippeimpfung in der Schwangerschaft: Schutz für Mutter und Kind 

Medizin am Abend Berlin Zusatzfachlink hier:  


Eine Impfung gegen Influenza ist nicht nur für ältere und chronisch kranke Menschen sinnvoll, sondern auch für Schwangere. Zu dieser Empfehlung kommt die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts und macht zugleich gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf bestehende Wissens- und Impflücken aufmerksam: So kennen einer aktuellen Befragung zufolge nur rund 41 % der werdenden Mütter die Grippe-Impfempfehlungen für Schwangere.



In der Schwangerschaft ist die Immunabwehr weniger aktiv - es besteht ein höheres Risiko, dass eine Grippeerkrankung schwer verläuft und Komplikationen lebensbedrohlich werden. So steigt etwa die Gefahr, wegen einer Herz- oder Lungenerkrankung ins Krankenhaus zu müssen, für schwangere Frauen während einer Grippeinfektion auf das Sechs- bis Achtfache an. Zudem erhöht eine Grippeinfektion während der Schwangerschaft die Gefahr von Wachstumsverzögerungen sowie von Fehl- oder Frühgeburten. Eine rechtzeitige Grippeimpfung für Schwangere kann vor diesen Gefahren schützen.

Grippeimpfung: Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend 

Für gesunde Frauen wird eine Impfung ab dem vierten Schwangerschaftsmonat empfohlen. Bestehen chronische Grunderkrankungen wie Asthma, Diabetes oder Bluthochdruck sollte noch früher geimpft werden. Den besten Schutz vor Grippe ermöglicht eine Impfung vor Beginn der Wintersaison - wer sich bis Ende November immunisieren lässt, hat gute Chancen der saisonalen Grippewelle zu entkommen.

Nach der Impfung dauert es etwa 10 bis 14 Tage, bis der Körper einen ausreichenden Schutz vor einer Ansteckung aufgebaut hat.

Positiver Zusatzeffekt der Impfung: 

Die Grippeimpfung der werdenden Mutter schützt auch das Baby - sowohl im Mutterleib als auch einige Monate nach der Geburt. Da Säuglinge erst ab dem sechsten Lebensmonat geimpft werden können, leistet die Grippeimpfung somit einen wichtigen Beitrag zum Nestschutz.

BKK Mobil Oil übernimmt Kosten und honoriert aktuellen Impfstatus im Bonusprogramm

Für alle Versicherten, die sich gegen Grippe impfen lassen möchten, übernimmt die BKK Mobil Oil die Kosten für die jährliche Schutzimpfung.

Weitere Informationen zum Thema Grippeimpfungen unter www.bkk-mobil-oil.de/grippeschutzimpfung.

Weiteres Extra: Im Rahmen ihres Bonusprogramms fitforcash belohnt die Krankenkasse einen aktuellen Impfstatus ihrer Versicherten mit 25,00 Euro.

Mehr dazu unter www.bkk-mobil-oil.de/fitforcash.
 
 
Die wichtigsten Fakten zur Grippeimpfung

- Risikogruppen: Die STIKO empfiehlt vor allem Menschen ab 60 Jahren 
und Risikogruppen, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Hierzu zählen 
Menschen mit chronischen Grunderkrankungen wie etwa Herzkrankheiten, 
Diabetes oder Asthma, medizinisches Personal, Pflegekräfte und 
Schwangere.

- Besondere Vorsicht für Schwangere: Schwangere weisen ein deutlich 
erhöhtes Risiko auf, schwer zu erkranken. So steigt das Risiko, etwa 
wegen einer Herz- oder Lungenerkrankung ins Krankenhaus zu müssen, 
während einer Influenzawelle auf das Sechs- bis Achtfache an. Zudem 
sind die Behandlungsmöglichkeiten während einer Schwangerschaft stark
eingeschränkt: Um die gesunde Entwicklung des Kindes und die 
Sicherheit der Mutter nicht zu gefährden, werden Medikamente in der 
Schwangerschaft nur nach strenger Prüfung verabreicht. Sicherer ist 
daher, eine Grippeinfektion bereits im Vorfeld durch eine 
Grippeimpfung zu verhindern.

- Gutes Timing: Ein optimaler Schutz lässt sich erreichen, wenn die 
Grippeimpfung bis Ende November vorgenommen wird. Da sich die 
saisonale Virusgrippe meist nach der Weihnachtszeit verbreitet, 
sollte der Immunschutz zu diesem Zeitpunkt vorliegen. Ein Immunschutz
tritt etwa 14 Tage nach der Impfung ein und schützt in der Regel 
zwischen vier und sechs Monate lang vor einer Infektion.

- Gesund zur Grippeimpfung: Grundsätzlich können bei leichten 
Erkältungen mit Temperaturen bis 38 °C Impfungen bedenkenlos 
stattfinden. Trotzdem sollte man lieber gesund zur Grippeimpfung 
gehen, da krankheitsbedingt auftretendes Unwohlsein sonst schnell als
Impfnebenwirkung fehlgedeutet wird.

- Virenschutz: Auch wenn es keinen 100-prozentigen Impfschutz gibt, 
so bewahrt die Grippeimpfung in ca. 60 bis 80 % der Fälle vor der 
Viruserkrankung - vor allem für Risikogruppen und Menschen ab 60 
Jahren ist die Impfung daher besonders empfehlenswert. 
 

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

BKK Mobil Oil Pressestelle

Telefon: 040 3002-11401

E-Mail: pressestelle@bkk-mobil-oil.de 

360° TOP-Thema: Ihre Nachtschicht im Altenheim: Alleinverantwortlich - oder was...?

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Nachtschicht im Altenheim: Alleinverantwortlich für 52 Bewohner

Ergebnisse der bisher größten Studie zur Belastung von Pflegekräften in deutschen Altenheimen der Universität Witten/Herdecke 
 
Pflegewissenschaftler der Universität Witten/Herdecke (UW/H) haben in einer Online-Befragung (276 auswertbare Fragebögen) die Belastung von Pflegenden im Nachtdienst in deutschen Altenheimen erhoben.

Sie kommen u.a. zu diesen Ergebnissen: 

Medizin am Abend Berlin zur Studie:


• Eine einzelne Pflegekraft ist im Schnitt für 52 Personen zuständig, meist ohne auf Entlastung durch einen Hintergrunddienst in Krisensituationen zurückgreifen zu können.

• 8,7 Prozent der Pflegenden sind für über 100 Personen zuständig.

• 100 Prozent geben an, dass Inkontinenzversorgung die häufigste Aufgabe im Nachtdienst ist. Es folgen die Lagerung von Patienten (73 Prozent) und Pflegedokumentation (50 Prozent).

• 60 Prozent der Befragten geben an, sich „häufig“ oder „sehr oft“ um herumirrende Patienten mit Demenz kümmern zu müssen.

• 65 Prozent der Pflegenden beklagen, dass sie sich nicht ausreichend um sterbende Patienten kümmern können.

„Wer für 52 Personen in der Nacht zuständig ist, muss damit rechnen, dass – so wie es in Altenheimen meist aussieht - hinter 26 Türen jederzeit jemand beim Weg zur Toilette stürzen kann“, ordnet Prof. Christel Bienstein, die Leiterin der Studie und des Departments Pflegewissenschaft an der UW/H, die Ergebnisse ein. „Bei 52 Personen bleiben dem oder der Pflegenden rein rechnerisch zwölf Minuten für jeden Patienten pro Nacht für Inkontinenzversorgung, Lagerung oder Verabreichung von Medikamenten. Das ist Stress pur!“, macht Bienstein klar.

Die Studie ist auch in der Novemberausgabe von Die Schwester/Der Pfleger nachzulesen. 

Mehr auch unter: http://www.uni-wh.de/gesundheit/pflegewissenschaft/department-pflegewissenschaft...

Die größte Klage der Befragten lautet: „Zu wenig Zeit“ (30 Prozent) oder „zu wenig Personal“ (25 Prozent) – was ja auf das gleiche hinausläuft. Und auch kein Wunder, dass 25 Prozent der Befragten angeben, dass in ihrer Einrichtung freiheitsentziehende Maßnahmen wie Schlafmittel oder Bettgitter eingesetzt werden. „Wir gehen davon aus, dass in einer Nacht rund 100 sogenannte „körpernahe Tätigkeiten“ anfallen, also Vorlagenwechsel oder Infusionen anhängen. Alleine die vorgeschriebene Desinfektion der Hände vor und nach 100 solcher Tätigkeiten dauere fast zwei Stunden! rechnet Bienstein vor.

Warum also machen Pflegende dennoch Nachtdienst?

Zum einen, weil sie sich den Bewohnern und Bewohnerinnen gegenüber verantwortlich fühlen. Auch finanzielle Gründe und/oder die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden genannt . Die Befragten schätzen auch, dass sich die Bewohner in der Nacht mehr öffnen.Sie deshalb ein besseres Verhältnis zu ihnen aufbauen könnten. Auch das selbständige Arbeiten geben 38 Prozent von ihnen an und 17 Prozent nennen die größere Ruhe in der Nacht verglichen mit dem Tagdienst, als positive Erfahrung im Nachtdienst.

Die Forscher haben die Rückmeldungen in einen Forderungskatalog münden lassen:

• In der Nacht muss gewährleistet sein, dass mindestens zwei bis drei Pflegende für 60 BewohnerInnen anwesend sind

• Verantwortliche Pflegefachpersonen müssen über die beste Qualifikation verfügen, da sie schnell und alleine Situationen einschätzen und passgenaue Versorgungsmaßnahmen einleiten können müssen

• Jede Einrichtung muss einen hochqualifizierten Hintergrunddienst bereitstellen, der jederzeit beratend und unterstützend eingreifen kann

• Notfallleitlinien, ein erreichbarer ärztlicher Hintergrunddienst und eine stetig lieferbereite Apotheke stellen eine erforderliche Grundlage dar

• Es muss gewährleistet sein, dass Nachtpflegende mindestens pro Nacht eine 30-minütige Pause haben, die sie ohne Störungen verbringen können

• Mehr als vier Nächte hintereinander sollten Pflegende nicht die Verantwortung für die BewohnerInnen übernehmen

• Es muss sichergestellt werden, dass Pflegende des Nachtdienstes an Fortbildungen teilnehmen können, ohne ihre Schlafzeit reduzieren zu müssen




Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Prof. Christel Bienstein
02302/926-301 (Sekr.)
christel.bienstein@uni-wh.de
Kay Gropp Universität Witten/Herdecke




Prof. Christel Bienstein
 Prof. Christel Bienstein

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.200 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte
http://www.uni-wh.de/gesundheit/pflegewissenschaft/department-pflegewissenschaft...

416 574 Operationen am Herzen wurden im Jahr 2014 durchgeführt

Medizin am Abend Berlin Fazit:  

416 574 Operationen am Herzen wurden im Jahr 2014 in deutschen Krankenhäusern durchgeführt.

Am häufigsten implantierten Ärzte dabei einen Herzschrittmacher und Defibrillator (131 968 chirurgische Eingriffe).

An zweiter und dritter Stelle lagen Operationen, in denen sie einen Herzschrittmacher und Defibrillator entfernten, korrigierten und wechselten (62 756 Eingriffe) oder einen Bypass anlegten (79 428 Eingriffe).

Im Durchschnitt waren die Herzpatienten 70 Jahre alt und meist männlich (63,4 %).

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Sabine Nemitz, Telefon: (0611) 75-8133, www.destatis.de/kontakt
Statistisches Bundesamt

Telefon: (0611) 75-3444

Antibiotika-Therapie bei Kindern und Jugendlichen

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Ambulanter Antibiotika-Einsatz sinkt nur bei Kindern und Senioren

Anlässlich des bevorstehenden Europäischen Antibiotika-Tages am 18. November legen die Wissenschaftler vom Versorgungsatlas eine aktuelle Trendanalyse zum ambulanten Antibiotika-Einsatz in Deutschland vor. Demnach haben niedergelassene Ärzte 2014 bei Kindern und Jugendlichen signifikant weniger Antibiotika verordnet als 2008. Bei den Erwachsenen ist hingegen kein rückläufiger Trend erkennbar. Sorgen bereitet der gestiegene Einsatz der Cephalosporine bei Erwachsenen und Senioren. 

 Verordnetes Antibiotikavolumen in DDD pro 1.000 GKV-Versicherten nach Bundesländern 2008 (links) und 2014.  DDD = Definierte Tagesdosis.  Quelle: Versorgungsatlas
Verordnetes Antibiotikavolumen in DDD pro 1.000 GKV-Versicherten nach Bundesländern 2008 (links) und 2014. DDD = Definierte Tagesdosis. Quelle: Versorgungsatlas Versorgungsatlas.de


„Unsere aktuellen Analysen belegen, dass die Antibiotika-Therapie bei Kindern und Jugendlichen weiterhin statistisch signifikant rückläufig ist“, erklärt Dr. Jörg Bätzing-Feigenbaum, Leiter des Versorgungsatlas und Erstautor der aktuellen Trendanalyse. Die (Kinder-)Ärzte verordnen Antibiotika in geringeren Dosierungen und seltener.
Leicht rückläufig ist der Einsatz von Antibiotika auch bei älteren Menschen jenseits des 70. Lebensjahres, vor allem in Thüringen und Sachsen-Anhalt.

  • Bei der großen Altersgruppe der 15-69-Jährigen griffen Ärzte unverändert häufig zum Rezeptblock. Deutlich sind regionale Unterschiede bei den Verordnungshäufigkeiten.

West-Ost-Gefälle.

  • Generell verordnen die Ärzte in den alten Bundesländern, insbesondere in Westdeutschland, mehr Antibiotika als in den neuen.

Problemfall Reserveantibiotika.

Kritisch ist der bundesweit gestiegene Einsatz sogenannter Cephalosporine bei Erwachsenen und Senioren. 

„Insbesondere ab der zweiten Generation gilt diese Wirkstoffklasse aufgrund ihres breiteren Wirkungsspektrums als Reservegruppe, die schweren Infektionen vorbehalten sein sollte“, erklärt der Allgemeinmediziner und Infektiologe Dr. Bätzing-Feigenbaum.

 „Diese Antibiotika gelten als eine der Ursachen für die Entwicklung von Multiresistenzen, denen unbedingt entgegengewirkt werden muss.

Ein statistisch signifikanter Verordnungsanstieg bereitet uns daher große Sorge.“

Veränderten Leitlinien der Urologen und Allgemeinmediziner könnte hingegen der rückläufige Einsatz von Fluorchinolonen bei älteren Patienten zu verdanken sein. Fluorchinolone gelten als Hauptverursacher von schweren Infektionen mit dem Bakterium Clostridium difficile, die mit einer hohen Sterblichkeitsrate verbunden sind.

Verbesserung des Verordnungsverhaltens regional unterstützen.

„Unsere Analysen liefern zwar keine Erklärung für die teilweise sehr deutlichen regionalen Unterschiede bei der Verordnung von Antibiotika“, betont Dr. Bätzing-Feigenbaum, „sie zeigen aber, in welchen Regionen besonderer Handlungsbedarf besteht.

  • Der Atlas bietet Anhaltspunkte dafür, wo die Bevölkerung besonders aufgeklärt und Ärzte bei der sachgerechten Verordnung von Antibiotika unterstützt werden müssen.“

Veröffentlicht werden die Analysen unter dem Titel „Entwicklung des Antibiotikaverbrauchs in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung - Update mit regionalisierten Trendanalysen für den Zeitraum 2008 bis 2014“ am 18.11.2015 im Portal des Versorgungsatlas.

Die Analyse.
Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Versorgungsatlas haben bei ihrer Analyse die pseudonymisierten Arzneiverordnungsdaten des Jahres 2008 bis 2014 aus Arztpraxen ausgewertet. Berechnet wurde die Anzahl der verordneten definierten Tagesdosen (DDD) systemisch wirkender Antibiotika pro Versicherte in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Der Versorgungsatlas. 
 
www.versorgungsatlas.de ist eine Einrichtung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Es ist eine öffentlich zugängliche Informationsquelle mit Studien zur medizinischen Versorgung in Deutschland. Schwerpunkt der Studien sind regionale Unterschiede in der Versorgung sowie deren unterschiedliche Strukturen und Abläufe. Die Analysen sollen Anhaltspunkte liefern, wie die Versorgung verbessert werden kann. Sie basieren auf den bundesweiten kassenübergreifenden Abrechnungsdaten der vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland. Die Internet-Plattform steht aber auch anderen Forschergruppen zur Verfügung, die ihre Untersuchungen nach einem Peer-Review auf www.versorgungsatlas.de veröffentlichen können.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
 
Dipl. Biol. Barbara Ritzert · ProScience Communications
Andechser Weg 17 · 82343 Pöcking Fon 08157 9397-0
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Unhaltbare Zustände bei der Versorgung Krebskranker in Hamburg und Umgebung

stern Recherchen enthüllen / Skrupellose Geschäfte mit dem Krebs - unhaltbare Zustände bei der Versorgung Krebskranker in Hamburg und Umgebung

 

Es geht um den Vorwurf des Abrechnungsbetrugs, um die fehlende Unabhängigkeit von Ärzten und um zweifelhafte Methoden, unter denen Chemotherapien hergestellt wurden:

Das Hamburger Magazin stern veröffentlicht in seiner neuen Print-Ausgabe, die bereits an diesem Mittwoch erscheint, Recherchen zum Treiben des Hamburger Millionärs Günter Zeifang. Sie zeigen, dass das Geschäft mit dem Krebs mit großer Gier betrieben wird - und mit zuweilen dubiosen Methoden. Nach stern-Informationen ermittelt bereits die Staatsanwaltschaft.

Der Unternehmer Günter Zeifang, 59, besitzt drei Apotheken im Hamburger Stadtteil Altona und im Zentrum. Zeifang gehört auch die "C&C Compound&Care Pharma GmbH", ein Herstellbetrieb für Krebsmittel, die so genannten Zytostatika. C&C beliefert über Zeifangs Elb-Apotheke Onkologische Praxen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Nach stern-Informationen soll Zeifang über einen Arzt aus einem kleinen Ort nahe Hannover die beiden Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) Stormarn und Bergedorf kontrollieren. Das schreibt Zeifangs Rechtsanwalt in einer Email, die dem stern vorliegt. In den beiden MVZs werden Tausende Krebspatienten aus Hamburg und Umgebung behandelt.

Zeifang schickt nun immer wieder Bevollmächtigte in die MVZs, die die Belegschaft anhalten, die lukrativen Rezepte über Krebsmittel in höherem Maße in Zeifangs Elb-Apotheke zu bestellen. Das zeigen Erinnerungsprotokolle von MVZ-Mitarbeitern.

Umsatz hat Zeifang in von ihm gewünschter Weise auch ein 71-jähriger Arzt verschafft, der seit Januar 2015 im Standort Norderstedt des MVZ Stormarn arbeitet. Dieser Arzt, Prof. Rainer Klapdor, besitzt keinen Sitz der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein und war auch über Monate nicht als Vertretung gemeldet. Er durfte demnach keine Kassenpatienten abrechnen.

Unterlagen, die dem stern vorliegen, zeigen, dass Prof. Klapdor in dieser Zeit Kassenpatienten behandelte. Er stellte auch Rezepte über Krebsmittel aus, die pro Patient bis zu 30.000 Euro kosteten. Die Abrechnung übernahmen zwei Kollegen aus dem MVZ. Ein Sprecher der KV Schleswig-Holsteins sagte dem stern, dass Ende vergangenen Woche die Kriminalpolizei zur KV gekommen sei und Unterlagen gesichert habe. "Es steht der Vorwurf von Abrechnungsbetrug im Raum", sagte der KV-Sprecher.

Nach dem stern vorliegenden Unterlagen soll zudem in Günter Zeifangs Pharmafirma C&C im Sommer 2014 die Klimaanlage ausgefallen sein. Im Sterillabor, wo Chemotherapien für jeden Patienten individuell zusammen gemischt werden, zeigte das Thermometer an einem Tag 28,3 Grad an. Die Luftfeuchtigkeit bewegte sich auf 100 Prozent zu. Unter diesen Bedingungen können sich Keime schneller vermehren. Bei C&C sollen trotzdem teils hochsensible Zytostatika für Krebskranke hergestellt worden sein - darunter auch solche Medikamente, deren Wirksamkeit in derartiger Hitze zu schwinden droht.

Für die Hamburger Polizei ist Günter Zeifang kein Unbekannter. 2008 ermittelte sie gegen seine Elb-Apotheke. Die Apotheke wurde damals auch durchsucht. Zeifang hatte 766 Packungen eines Zytostatikums importiert. Die Packungen stammten aus Ägypten und waren als "Drittlandsware" in Deutschland nicht zugelassen. Mitarbeitern sagte Zeifang, gar nicht gewusst zu haben, was man ihm da geliefert habe. Die Ermittlungen wurden zur Überraschung der beteiligten Beamten eingestellt.


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stern-Redakteur Wigbert Löer

(040) 3703-4341

loeer.wigbert@stern.de 

Warum sind Sie ausgehungert? Von der Sauerstoff- und Nährstoffversorgung abgeschnitten?

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Ausgehungerte Zellen verdichten ihre DNA

Wissenschaftler am Institut für Molekulare Biologie (IMB) haben erstmals die dramatischen Veränderungen der DNA in Zellen beobachtet, die nicht genug Sauerstoff und Nährstoffe erhalten. 

  • Dieser "ausgehungerte" Zustand ist typisch für einige der häufigsten Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs. 

Die Forschungsergebnisse der aktuellen Studie liefern neue Einblicke darüber, welche Schäden diese Krankheiten verursachen und könnten zur Entwicklung neuer Behandlungsmethoden beitragen. 
 
Wenn ein Mensch einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erleidet, wird die Blutzufuhr zu einem Teil seines Herzens oder Gehirns unterbrochen. 

Das führt dazu, dass die Zellen dort mit Sauerstoff und Nährstoffen unterversorgt sind. Dieser Zustand der Mangeldurchblutung, der auch als Ischämie bezeichnet wird, kann zu langfristigen, irreparablen Schäden führen.

Ina Kirmes, Doktorandin in der Gruppe von Dr. George Reid am IMB, hat untersucht, was genau mit der DNA in diesen Zellen passiert, die von der Sauerstoff- und Nährstoffversorgung abgeschnitten sind.

  • In einer gesunden Zelle sind große Teile der DNA offen zugänglich. 
  • Das bedeutet, dass Gene einfach abgelesen werden können, sodass die Zelle normal funktionieren kann. 

Forscher am IMB konnten jetzt zeigen, dass sich während einer Ischämie die Anordnung der DNA dramatisch verändert:

Die DNA verdichtet sich. Die Gene in solchen kompakten Regionen können von der Zelle nicht mehr ausgelesen werden, ihre Aktivität ist damit stark reduziert.

Falls die Blutversorgung nicht wieder hergestellt wird, fährt die Zelle schließlich ihren Betrieb herunter oder stirbt sogar. Wenn beispielsweise die Zellen im Herzen eines Menschen nicht mehr richtig funktionieren, hört dieser Teil des Herzmuskels auf, sich zusammenzuziehen, und das Herz versagt. Ganz ähnlich verhält es sich im Gehirn: Ist die Blutzufuhr zu Zellen unterbrochen und damit auch die Zufuhr von Nährstoffen, so sterben die Nervenzellen ab.

"Bei einem Schlaganfall und/oder bei einem Herzinfarkt passiert wahrscheinlich genau dies mit der DNA", erklärt Dr. Reid. "Da wir jetzt wissen, was [in der Zelle] geschieht, können wir nach Wegen suchen, dieser Verdichtung der DNA vorzubeugen."

Der Schlüssel zu dieser Entdeckung war eine enge Zusammenarbeit mit Aleksander Szczurek, gemeinsam mit Ina Kirmes Erstautor der Studie, der in der Gruppe von Prof. Dr. Christoph Cremer am IMB tätig ist. Die beteiligten Forscherinnen und Forscher nutzten eine neue Methode, mit der die DNA in der Zelle in bisher unerreichter Genauigkeit dargestellt werden kann, eine Weiterentwicklung der "superauflösenden Lichtmikroskopie". Hierbei werden blinkende Farbstoffe eingesetzt, die an die DNA binden und es somit den Forschern ermöglichen, die Lage von einzelnen Molekülen in Zellen nachzuverfolgen. Diese neue Technologie wurde in einem gesonderten Aufsatz beschrieben, der Anfang September 2015 im Journal Experimental Cell Research veröffentlicht wurde.



http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/IMB_mikroskopietechnik_DNA.jpg
Neue Mikroskopietechnik bietet bisher unerreichte Detailtiefe in der Beobachtung einer Zelle. Das Bild der DNA einer Zelle, aufgenommen mit der am IMB entwickelten neuen superauflösenden Mikroskopietechnik, zeigt die DNA in scharfen Details (links). Im Gegensatz dazu ist das herkömmliche Mikroskopiebild verschwommen und macht eine Darstellung der auffälligen Veränderungen in der DNA, die von den Forschern am IMB entdeckt wurden, unmöglich (rechts). Quelle: A. Szczurek & I. Kirmes




http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/IMB_ischaemie.jpg



Dramatische Effekte der Ischämie. Die Bilder zeigen DNA in einem Zellkern unter normalen (links) und ischämischen (recht) Bedingungen. Die am IMB entwickelte neue Technik für superauflösende Mikroskopie zeigt, dass sich die DNA zu ungewöhnlichen, engen Haufen verdichtet, wenn die Zellen nicht mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt sind. Quelle: A. Szczurek & I. Kirmes

Veröffentlichungen:
Kirmes I, Szczurek A, Prakash K, Charapitsa I, Heiser C, Musheev M, Schock F, Fornalczyk K, Ma D, Birk U, Christoph Cremer C, Reid G (2015). A transient ischemic environment induces reversible compaction of chromatin. Genome Biology, 16, 246

Żurek-Biesiada D, Szczurek AT, Prakash K, Mohana GK, Lee HK, Roignant JY, Birk U, Dobrucki JW and Cremer C (2015). Localization microscopy of DNA in situ using Vybrant® DyeCycle™ Violet fluorescent probe: A new approach to study nuclear nanostructure at single molecule resolution. Experimental Cell Research, doi: 10.1016/j.yexcr.2015.08.020

Weitere Informationen:
zur Forschung von Dr. George Reid: http://www.imb.de/reid.
zur Forschung von Prof. Dr. Christoph Cremer: http://www.imb.de/cremer

Über das Institut für Molekulare Biologie gGmbH
Das Institut für Molekulare Biologie gGmbH (IMB) ist ein Exzellenzzentrum der Lebenswissenschaften, das 2011 gegründet wurde. Die Forschung am IMB konzentriert sich auf drei topaktuelle Gebiete: Epigenetik, Entwicklungsbiologie und Genomstabilität. Das Institut ist ein Paradebeispiel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Einrichtungen und einer privaten Stiftung. Die Boehringer Ingelheim Stiftung hat 100 Millionen Euro für einen Zeitraum von 10 Jahren bereitgestellt, um die laufenden Kosten für die Forschung am IMB zu decken, das Land Rheinland-Pfalz noch einmal ca. 50 Millionen Euro für den Bau des hochmodernen Forschungsgebäudes. Weitere Informationen zum IMB finden Sie unter http://www.imb.de.

Boehringer Ingelheim Stiftung
Die Boehringer Ingelheim Stiftung ist eine rechtlich selbstständige, gemeinnützige Stiftung und fördert die medizinische, biologische, chemische und pharmazeutische Wissenschaft. Errichtet wurde sie 1977 von Hubertus Liebrecht, einem Mitglied der Gesellschafterfamilie des Unternehmens Boehringer Ingelheim. Mit ihrem Perspektiven-Programm "Plus 3" und den "Exploration Grants" für selbstständige Nachwuchswissenschaftler fördert die Stiftung bundesweit exzellente unabhängige Nachwuchsforschergruppen. Sie dotiert den internationalen Heinrich-Wieland-Preis sowie Preise für Nachwuchswissenschaftler. Die Boehringer Ingelheim Stiftung fördert für zehn Jahre den wissenschaftlichen Betrieb des 2011 eingeweihten Instituts für Molekulare Biologie (IMB) an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) mit 100 Millionen Euro. Seit 2013 fördert sie ebenfalls über zehn Jahre die Lebenswissenschaften an der JGU mit insgesamt 50 Millionen Euro. Weitere Informationen unter http://www.boehringer-ingelheim-stiftung.de.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt 

Dr. Ralf Dahm, Direktor Wissenschaftliches Management
Institut für Molekulare Biologie gGmbH (IMB)
Ackermannweg 4
55128 Mainz, Germany
Telefon: +49 (0) 6131 39-21455
Fax: +49 (0) 6131 39-21421
E-Mail: press@imb.de
Petra Giegerich
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Ihr Hauptrisikofaktor ist das Rauchen - Glycodelin als Marker für den Verlauf der Krebserkrankung

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Lungentumoren besänftigen Immunsystem mit Schwangerschaftsprotein

Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom nutzt körpereigenen Schutzmechanismus für Embryonen / Protein „Glycodelin“ im Blut zeigt Tumorwachstum an / Heidelberger Wissenschaftler veröffentlichten in Clinical Cancer Research 
 
Bestimmte Lungentumoren machen sich einen natürlichen Schutzmechanismus aus der Schwangerschaft zunutze, wie Wissenschaftler der Sektion Translationale Forschung aus der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg gezeigt haben.

  • Zu Beginn der Schwangerschaft schützt das Protein Glycodelin den Embryo – den das Immunsystem der Mutter sonst als körperfremd attackieren würde – vor der Abstoßung. 
  • Das Nicht-kleinzellige Lungenkarzinom sowie seine Absiedlungen in anderen Organen schütten – bei Frauen und Männern – ebenfalls Glycodelin aus und unterdrücken damit wahrscheinlich in ihrer unmittelbaren Umgebung Abwehrreaktionen des Immunsystems. 

Das Heidelberger Team zeigte zudem: Das Protein ist im Blut nachweisbar und könnte sich als Biomarker für die Früherkennung und Verlaufskontrolle eignen. Die Ergebnisse sind in der renommierten Zeitschrift „Clinical Cancer Research“ erschienen.

Rund 52.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an Lungenkrebs. Der Tumor verursacht im frühen Stadium in der Regel keine Beschwerden und wird daher häufig erst spät entdeckt. Die Prognose ist entsprechend schlecht: Die ersten fünf Jahre nach Diagnose und Behandlung überlebt nur etwa jeder fünfte Patient. Insgesamt sterben jährlich mehr als 43.000 Menschen an dieser Krebserkrankung, die bei den meisten vermeidbar gewesen wäre.


  • Hauptrisikofaktor ist das Rauchen.

„Das Immunsystem spielt in den letzten Jahren eine immer größere Rolle bei der Bekämpfung von Lungenkrebs. Man versucht herauszufinden, über welche Mechanismen die Tumorzellen das Immunsystem beeinflussen und ob man die Erkenntnisse daraus für Diagnostik und Therapie nutzen kann“, erklärt Dr. Michael Meister, Leiter der Sektion Translationale Forschung und Seniorautor der Publikation.

Glycodelin als Marker für den Verlauf der Krebserkrankung

Eine wichtige Rolle in der Wechselwirkung zwischen einem bestimmten Lungentumor, dem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom, und dem Immunsystem spielt das Schwangerschaftsprotein Glycodelin. Bisher war lediglich bekannt, dass diese Tumoren das Protein bilden, weitere Untersuchungen standen noch aus. „Wir vermuten, dass die Krebszellen Glycodelin ausschütten, um Immunzellen in ihrer direkten Umgebung zu betäuben. Diese können so keine Abwehrreaktion einleiten“, so Meister. Hinderten die Wissenschaftler die Tumorzellen im Labor daran, das Protein herzustellen, bildeten diese stattdessen andere Proteine, die das Immunsystem beeinflussen.

Die Heidelberger Lungenspezialisten verglichen außerdem erstmals den Glycodelin-Spiegel in konservierten Blutproben von mehr als 25 Patienten mit deren Krankheitsverlauf. „Die Konzentration von Glycodelin im Blut korrelierte sehr gut mit dem Therapieansprechen oder dem Fortschreiten der Erkrankung“, so Dr. Marc Schneider, Erstautor der Arbeit. Schlug eine Chemotherapie an oder wurde der Tumor entfernt, sank der Glycodelinspiegel. Wuchs der Tumor weiter oder bildeten sich im späteren Verlauf Absiedlungen, stieg die Konzentration an. Das Team konnte für diese Untersuchungen auf eine große Anzahl von Blut- und Gewebeproben von Patienten mit Lungentumoren zurückgreifen, dank der engen Zusammenarbeit mit dem Pathologischen Institut des Universitätsklinikums Heidelberg und der seit 15 Jahren bestehenden Lungenbiobank Heidelberg.

Bestätigt sich dieser Zusammenhang in weiteren, bereits angelaufenen Studien, könnte das Protein als leicht zu testender Biomarker in der Früherkennung und Verlaufskontrolle speziell beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom eingesetzt werden.

Regelmäßige Kontrollen des Glycodelin-Spiegels könnten zusammen mit weiteren Untersuchungen den Ärzten dabei helfen, auf ein Fortschreiten der Erkrankung schnell zu reagieren und die Therapie anzupassen. 

 „In künftigen Studien muss außerdem geklärt werden, ob Glycodelin sich als mögliches Ziel für die Therapie beim Nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom eignet“, sagt Meister.


Literatur:
Schneider MA, Granzow M, Warth A, Schnabel PA, Thomas M, Herth FJ, Dienemann, H, Muley T, Meister M. Glycodelin: A New Biomarker with Immunomodulatory Functions in Non-Small Cell Lung Cancer. Clin Cancer Res. 2015 Aug 1;21(15):3529-40. doi: 10.1158/1078-0432.CCR-14-2464. Epub 2015 Apr 2

Marc A. Schneider, Nicolas C. Kahn, Michael Thomas, Felix J.F. Herth, Thomas Muley, Claus P. Heussel, Michael Meister and Hendrik Dienemann, The pregnancy associated protein glycodelin as a follow-up biomarker in a male Non-small cell lung Cancer patient, Cancer Treatment Communications, http://dx.doi.org/10.1016/j.ctrc.2015.09.005 unedited manuscript.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:

Dr. Michael Meister
Leiter der Sektion Translationale Forschung
Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 3961650
E-Mail: michael.meister@med.uni-heidelberg.de
Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg


Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg. www.klinikum.uni-heidelberg.de

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Buch „Schutzimpfung Masern – Prävention einer vermeintlich harmlosen Kinderkrankheit

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Masern: Unterschätzte Gefahr – durch Impfung effektiv vermeidbar

Im 9. Band der APOLLON Schriftenreihe zur Gesundheitswirtschaft wird mithilfe der Analyse bisheriger Masern-Impfprogramme eine Handlungsempfehlung für ein wirksames Interventionsprogramm entwickelt, das sich speziell an Eltern von Kleinkindern richtet. 

Buchcover: „Schutzimpfung Masern – Prävention einer vermeintlich harmlosen Kinderkrankheit“ von Julia Gaudlitz
 Buchcover: „Schutzimpfung Masern – Prävention einer vermeintlich harmlosen Kinderkrankheit“ von Julia Gaudlitz © APOLLON University Press

Masern gehören nach wie vor zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten des Menschen.

Dies machen aktuelle Ausbrüche in Europa immer wieder deutlich: So wurden allein von Januar bis März 2015 deutschlandweit 1.096 Fälle gemeldet.

Was viele Menschen nicht wissen: Masern sind nicht so harmlos, wie oft angenommen. Die vermeintlich ungefährliche Kinderkrankheit geht zum Teil mit schweren Komplikationen für die Betroffenen oder sogar Todesfällen einher – teilweise noch Jahre nach überstanden geglaubter Infektion.

  • Da das Masern-Virus ausschließlich durch Menschen übertragen wird, ist eine Eliminierung der Erkrankung grundsätzlich möglich. 

Nötig dafür ist eine Impfquote von 95 Prozent, die sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für 2015 europaweit zum Ziel gesetzt hat. Doch obwohl die Impfung im Kleinkindalter einen effektiven Schutz vor der Krankheit ermöglicht, steht sie immer wieder in der öffentlichen Kritik.

  • Die Folgen: niedrige Impfquoten und damit eine verstärkte Ausbreitung der Masern.

Was sind die Motive der Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen? In welchem Verhältnis stehen mögliche Erkrankungsfolgen und Impfnebenwirkungen? Wie wirkt man der Impfmüdigkeit effektiv entgegen?

Julia Gaudlitz schildert in ihrem Fachbuch „Schutzimpfung Masern – Prävention einer vermeintlich harmlosen Kinderkrankheit“ detaillierte, gründlich recherchierte Fakten zur Erkrankung sowie Impfung und klärt über die weitverbreitete Fehleinschätzung der Gefährlichkeit von Masern auf.

Praxisorientierte Lösungsansätze

Die Autorin beschreibt die aktuelle Verbreitung von Masern seit der Einführung der Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz in Deutschland und die damit einhergehenden Kosten für das Gesundheitssystem.

Zudem erläutert sie Krankheitsverläufe, Übertragungswege und Therapiemöglichkeiten von Masern und beschreibt die theoretischen Grundlagen des Gesundheitsverhaltens sowie präventiver Interventionen.

  • Die Impfung wird dabei als wichtigste und wirksamste präventive Maßnahme gegen Masern in den Vordergrund gestellt.

In der Konsequenz betrachtet und bewertet Julia Gaudlitz bisherige Masernimpfprogramme in Deutschland hinsichtlich der Zielgruppenansprache, der Möglichkeiten einer Steigerung der Durchimpfungsrate und der zeitlichen Kontinuität.

Dabei konzentriert sie sich besonders auf die Zielgruppe der impfskeptischen Eltern, um hier praxisorientierte Lösungsansätze für ein erfolgreiches und zielgruppenspezifisches Interventionsprogramm zu liefern.

Zur Autorin

Julia Gaudlitz, Jahrgang 1987, absolvierte unmittelbar nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen bei einer großen privaten Krankenversicherung ein berufsbegleitendes Fernstudium der Gesundheitsökonomie (B. A.) an der APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft. Bereits seit Beginn ihres Studiums interessierte sie sich insbesondere für das Thema medizinische Prävention und deren gesundheitsökonomische Auswirkungen. Ihre Bachelor-Thesis nahm sie zum Anlass, mehr über die Prävention von Infektionskrankheiten – im Speziellen von Maserninfektionen – herauszufinden.

Das Buch „Schutzimpfung Masern – Prävention einer vermeintlich harmlosen Kinderkrankheit“ ist ab sofort bundesweit im Buchhandel für 24,90 Euro erhältlich.
„Schutzimpfung Masern – Prävention einer vermeintlich harmlosen Kinderkrankheit“ von Julia Gaudlitz, Bremen: APOLLON University Press, 2015. ‒ 128 Seiten, broschiert, ISBN 978-3-943001-22-8.

Die APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft GmbH ist Teil der Stuttgarter Klett Gruppe. Mit ihren 56 Unternehmen an 34 Standorten in 14 Ländern ist die Klett Gruppe ein führendes Bildungsunternehmen in Europa. Die 2.879 Mitarbeiter in den Unternehmen der Gruppe erwirtschafteten im Jahr 2014 einen Umsatz von 459,9 Millionen Euro. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://www.klett-gruppe.de


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360°TOP-Hinweis: Flüchtlinge - Therapie für Flüchtlinge’ (IITF)

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Start des Hilfsprogramms für Flüchtlinge mit psychischen Störungen

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Projektträger DLR) hat das Kurzzeit-Hilfsprogramm zur Unterstützung und Förderung der Integration in die Arbeits- und Sozialwelt genehmigt. 

An der Psychologischen Hochschule Berlin (PHB) kann nun das Interpersonelle integrative Modellprojekt für Flüchtlinge mit psychischen Störungen unter der Leitung von Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier (PHB) in Kooperation mit PD Dr. Meryam Schouler-Ocak (Charité / St. Hedwigs Krankenhaus) starten. 
 
Für dieses Modellprojekt wurde die evidenzbasierte Interpersonelle Therapie modifiziert und auf die Bedürfnisse und Probleme von Flüchtlingen ausgerichtet.

  • Im Rahmen dieser zweimonatigen ‚Interpersonellen Integrativen Therapie für Flüchtlinge’ (IITF) wird der Fokus auf interpersonelle belastende Themen wie durch die Flucht bedingte schwierige Rollenwechsel, Konflikte, Verluste, Trauer und Isolation gesetzt. 
  • Zudem erhalten die Flüchtlinge durch die Arbeit mit TherapeutInnen, SozialarbeiterInnen und ErgotherapeutInnen intensive multidisziplinäre Unterstützung bei der Integration. 
  • Bei Fortbestehen der psychischen Probleme nach der zweimonatigen IITF sollen PatientInnen an entsprechende Kooperationseinrichtungen weiter vermittelt werden. 
Wenn Traumatisierungen so stark ausgeprägt sind, dass PatientInnen sich nicht auf die IITF einlassen können, werden sie direkt an Kooperationseinrichtungen vermittelt, die spezifische Traumatherapien durchführen.

In der ersten Phase wird das Hilfsprogramm in Berlin im November 2015 an der Psychologischen Hochschule Berlin, an der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwigs Krankenhaus und der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Campus Charité Mitte, Universitätsmedizin Berlin, implementiert. Qualifizierte psychologische und ärztliche Kollegen sowie Sozialarbeiter und Ergotherapeuten haben bereits ihre größtenteils ehrenamtliche Mitarbeit zugesagt. Auch die Psychotherapeuten in Ausbildung, die an der Psychologischen Hochschule Berlin studieren, engagieren sich ehrenamtlich im Hilfsprojekt. Um eine hohe Qualität zu gewährleisten, werden professionell qualifizierte Dolmetscher Diagnostik und Therapie unterstützen. Sollte sich das Hilfsprogramm als gut durchführbar und wirksam erweisen, könnte es schnell flächendeckend in Berlin und ganz Deutschland als Kurzzeit-Hilfsprogramm implementiert werden.

Im Hinblick auf die Arbeitsmarktimplikationen wird eine Kooperation zwischen den ProjektmitarbeiterInnenn und dem Referat „Leistungen zur Aktivierung und Eingliederung“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, der Bundesagentur für Arbeit sowie Jobcentern vor Ort aufgebaut.

Wenn viele Flüchtlinge, die derzeit in Deutschland eine neue Heimat suchen, langfristig unter psychischen Störungen leiden, wird dies abgesehen vom Leid des Einzelnen und der Angehörigen auch zu Problemen bei der Eingliederung in einen neuen Lebensraum führen. Insofern soll dieses Projekt Flüchtlingen helfen, Zugangsbarrieren zur neuen Arbeits- und Sozialwelt aus dem Weg zu räumen und dadurch letztlich zu einer Willkommenskultur beitragen.

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