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Zusammenhang zwischen Schlafverhalten und Darmflora und Hirnaktivität

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schlafmuster von Babys hängt mit Darmbakterien zusammen

Eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie zeigt, dass bereits bei Säuglingen ein Zusammenhang zwischen Schlafverhalten und Darmflora besteht.

  • Die Bakterien im Darm von Säuglingen haben eine Verbindung mit dem Schlaf. 

Bereits ab dem Alter von drei Monaten ist dies zu beobachten, wie die beiden Schlafforscherinnen Salome Kurth von der Universität Freiburg und Sarah Schoch von der Universität Zürich erstmals gezeigt haben. So schlafen zum Beispiel Kleinkinder mit weniger vielfältigen Darmbakterien tagsüber mehr, und auch die Schlafmuster in der Nacht korrelieren mit den vorhandenen Bakterienarten. 

 "Bisher war dies erst bei Erwachsenen bekannt", erklärt Schoch. 

Die Ergebnisse dieser vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützten Studie wurden in der Fachzeitschrift Progress in Neurobiology (*) publiziert.

  • Die Forscherinnen konnten auch zeigen, dass sich Schlaf, Darmbakterien und Hirnaktivität im ersten Lebensjahr dynamisch parallel entwickeln. 

Mit anderen Worten: 

  • Kleinkinder mit unterschiedlichem Darmbakterienprofil haben auch unterschiedliche Hirnaktivitäten, wenn sie schlafen. 
  • Am ausgeprägtesten ist dieser Zusammenhang im Alter von drei Monaten, was auf eine sensible Phase hinweist.


Beobachtung der Säuglinge in ihrem natürlichen Umfeld

Die Ergebnisse stammen aus einer grossen Langzeitstudie, die in der Schweiz mit einer Kohorte von 162 Säuglingen durchgeführt wurde. 

"An dieser Feldstudie waren viele Leute beteiligt, zum Beispiel bei Familienbesuchen, weil wir den Schlaf der Kleinkinder in ihrer üblichen Umgebung – zu Hause, im Kinderwagen, im Auto – und über einen längeren Zeitraum beobachten wollten. Dieser mobile Ansatz war ein Vorteil, denn viele Schlafstudien beschränken sich jeweils auf eine Nacht im Schlaflabor", erklärt Salome Kurth.

Die Säuglinge wurden zu drei Zeitpunkten in ihrem Zuhause beobachtet: im Alter von 3, 6 und 12 Monaten. Dabei wurde zur Überwachung des Schlafs jeweils zehn Tage lang ein Bewegungssensor an ihrem Knöchel angebracht. Gleichzeitig notierten die Eltern in einem Tagebuch, wann die Kinder zu Bett gingen, schliefen, nachts erwachten, was sie assen und wann sie weinten. Ausserdem nahmen die Eltern Stuhlproben, mit denen die Forscherinnen die Darmflora auf drei Kriterien genetisch analysieren konnten: Vielfalt, Reife (das Mikrobiom verändert sich im Lebensverlauf und insbesondere in der Kindheit) und Enterotyp (vereinfachtes Profil der Darmflora). Die Eltern gaben zudem in einem Fragebogen an, wie sich das Kind in fünf Bereichen entwickelte: Kommunikation, Grobmotorik, Feinmotorik, Problemlösung und soziale Beziehungen.

Ausserdem besuchte das Team rund 30 Kinder im Alter von sechs Monaten für die Aufzeichnung ihres Schlafs mit einem Elektroenzephalogramm während der ersten Nachtstunden.

Ansatzpunkte für Therapien

"Diese Ergebnisse sind sehr interessant, weil sie zeigen, dass Schlaf und Darmflora mit der Verhaltensentwicklung von Babys zusammenhängen. 

  • Da es möglich ist, Schlafprobleme mit Coachings für Eltern und die Darmbakterien durch Ernährungsumstellungen zu beeinflussen, können wir möglicherweise künftig auf diesem Weg bei Entwicklungsproblemen etwas bewirken", schliesst Kurth. 

Es ist jedoch noch zu früh für eine Verallgemeinerung der Ergebnisse. 

Ob sich diese wirksam umsetzen lassen, muss noch in klinischen Studien überprüft werden.

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Auf dem Weg zur Professur

Dieses Projekt wurde durch das SNF-Instrument Eccellenza unterstützt. Die SNSF Eccellenza Professorial Fellowships richten sich an junge Forschende mit Assistenzprofessur oder gleichwertiger Funktion, die eine permanente Professur anstreben. Mit der Leitung eines grosszügig ausgestatteten Forschungsprojekts mit eigenem Team an einer Hochschule in der Schweiz kommen sie diesem Ziel näher.

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Originalpublikation:

(*) S. Schoch, J.L. Castro-Mejia, L. Krych, B. Leng, W. Kot, M. Kohler, R. Huber, G. Rogler, L. Biedermann, J.C. Walser, D. Nielsen, S.Kurth: From Alpha Diversity to Zzz: Interactions among sleep, the brain, and gutmicrobiota in the first year of life. Progress in Neurobiology (2021).
https://doi.org/10.1016/j.pneurobio.2021.102208


Prof. Dr. med. Martin Heni: Die Insulin-Empfindlichkeit im Gehirn wiederherzustellen...

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Diabetes-Medikament aus der Gruppe der SGLT2-Hemmer normalisiert Insulinwirkung im Gehirn

Übergewicht, eine ungünstige Verteilung von Fett im Körper und Typ-2-Diabetes sind häufig mit einer verminderten Wirkung des Hormons Insulin in vielen Organen einschließlich des Gehirns verbunden. 

Bislang gibt es noch keine Therapie, um die Insulin-Empfindlichkeit im Gehirn wiederherzustellen,  das eine Schlüsselrolle in der Stoffwechselkontrolle ausübt. 

Forschende des DZD, des Universitätsklinikums Tübingen und des Instituts für Diabetesforschung und metabolische Erkrankungen bei Helmholtz Munich konnten jetzt erstmals zeigen, dass mit dem SGLT2-Hemmer Empagliflozin die Insulin-Resistenz des Gehirns behandelt werden kann – mit positiven Effekten auf den Stoffwechsel des gesamten Körpers. 

Das Diabetes-Medikament Empagliflozin normalisiert die Insulinwirkung im Gehirn, verbessert die Nüchternglukose-Werte, senkt den Fettgehalt der Leber und reduziert den Körperfettgehalt. Das Diabetes-Medikament Empagliflozin normalisiert die Insulinwirkung im Gehirn, verbessert die Nüchternglukose-Werte, senkt den Fettgehalt der Leber und reduziert den Körperfettgehalt. DZD

  • Das Gehirn hat einen entscheidenden Einfluss auf unser Essverhalten und damit auch auf das Körpergewicht sowie den Stoffwechsel. 
  • Reagiert das Gehirn empfindlich auf Insulin, isst man weniger, speichert Fett weniger stark am Bauch und die Insulin-Empfindlichkeit des ganzen Körpers verbessert sich. 

Bei Menschen mit Übergewicht bzw. Typ-2-Diabetes wirkt das Hormon im Gehirn jedoch nicht mehr. 

  • Diese Insulin-Resistenz führt zu einem gestörten Stoffwechsel. 
  • Bislang lässt sich Insulin-Resistenz im Gehirn nicht mit Medikamenten behandeln. 

Die Forschenden untersuchten, ob ein Diabetes-Medikament der Gruppe der SGLT2-Hemmer auch die Insulin-Resistenz im Gehirn aufheben kann. 

SGLT2-Hemmer senken den erhöhten Blutzucker bei Diabetes durch vermehrte Ausscheidung von Zucker mit dem Urin und haben einen günstigen Einfluss auf das Herz, den Kreislauf und die Nieren. 

Bei Studienteilnehmenden mit einer Vorstufe des Diabetes (Prädiabetes) wurde hierzu die Wirkung des SGLT2-Hemmers Empagliflozin auf die Insulin-Empfindlichkeit des Gehirns untersucht.

In einer prospektiven, randomisierten, verblindeten Studie erhielten 40 Menschen mit Prädiabetes (Alter: 60 ± 9 Jahre; BMI: 31,5 ± 3,8 kg/m²) acht Wochen das Medikament Empagliflozin oder ein Placebo. Mit einer funktionellen Magnetresonanztomographie (MRT) überprüften die Forschenden die Insulin-Empfindlichkeit des Gehirns vor und nach der Behandlung. Dazu bekamen die Untersuchten über ein Nasenspray Insulin. Wird das Hormon über die Nase aufgenommen, gelangt es direkt ins Gehirn. Außerdem wurde mit einer Ganzkörper-Kernspintomographie (MRT) die Fettverteilung bestimmt.

SGLT2-Hemmer erhöht die Insulin-Empfindlichkeit des Gehirns

„Während die Placebo-Gabe keinen Einfluss auf die Insulinwirkungen im Gehirn hatte, verbesserte die Empagliflozin-Behandlung die Wirkung des Hormons auf die Gehirnaktivität signifikant“, fasst die Erstautorin PD Dr. Stephanie Kullmann die Ergebnisse der Studie zusammen. 

  • Durch die Gabe von Empagliflozin verbesserte sich auch der Nüchternglukose-Wert und der Fettgehalt der Leber nahm ab. 
  • Obwohl der SGLT2-Hemmer das Gewicht nicht senkte, reduzierte sich der Körperfettgehalt.


Erster pharmakologische Ansatz zur Umkehr der Insulin-Resistenz im Gehirn

„Unsere Untersuchungen bestätigen die Insulin-Resistenz im Gehirn bei Menschen mit Prädiabetes“, sagt Letztautor Prof. Martin Heni vom Universitätsklinikum Tübingen. 

„Die Behandlung mit Empagliflozin konnte die Insulin-Empfindlichkeit wiederherstellen. 

Diese Ergebnisse positionieren SGLT2-Hemmer als ersten möglichen pharmakologischen Ansatz zur Behandlung einer Insulin-Resistenz im Gehirn. 

Die erhöhte Insulin-Sensitivität trägt auch zu einem verbesserten Stoffwechsel des Körpers bei.“

Im nächsten Schritt wollen die Forschenden untersuchen, ob die verbesserte Insulinwirkung im Gehirn auch an den günstigen Effekten von SGLT2-Inhibitoren an Herz und Niere beteiligt ist.

SGLT2-Hemmer

SGLT2-Inhibitoren (SGLT = Sodium [Natrium]-Glucose-Transporter) sind Arzneistoffe aus der Gruppe der Antidiabetika. 

  • Sie senken den Blutzucker, indem sie das SGLT2-Transportprotein in den Nieren blockieren. 
  • Dadurch kann die Glukose nicht zurück in die Gefäße befördert werden und wird mit dem Urin ausgeschieden.
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Prof. Dr. med. Martin Heni
Institut für Diabetes und Metabolismus Forschung bei Helmholtz Munich an der Universitätsklinik Tübingen
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Birgit Niesing Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

Ingolstädter Landstraße 1
85764 Neuherberg
Deutschland
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Dr. Astrid Glaser
Telefon: 089-3187-1619
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Birgit Niesing
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Originalpublikation:

Kullmann, St. et al.: Empagliflozin Improves Insulin Sensitivity of the Hypothalamus in Humans With Prediabetes: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled, Phase 2 Trial. Diabetes Care 2021, DOI: https://doi.org/10.2337/dc21-1136



Prof. Dr. Michael Rapp: Delir Helfer

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Gutes Erwachen – Potsdamer Forschende belegen Erfolg von Delirprävention nach Operationen

Chirurgische Eingriffe sind nicht nur körperlich anstrengend, sie haben häufig auch schwerwiegende Nebenwirkungen. 

Gerade ältere Menschen erleben nach Operationen Verwirrtheitszustände, sogenannte Delirien, bei denen Bewusstsein und Aufmerksamkeit stark eingeschränkt sind und nicht selten Folgeschäden drohen. 

Ein Forschungskonsortium, an dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Potsdam um den Sozial- und Präventivmediziner Prof. Dr. Michael Rapp beteiligt sind, konnte zeigen, dass sich das Delirrisiko mithilfe einer Präventionsintervention deutlich reduzieren lässt.

Die Ergebnisse der Studie sind nun im JAMA Surgery, dem weltweit wichtigsten Fachjournal für Chirurgie, erschienen. 

  • Das im Rahmen der Studie entwickelte Interventionsprogramm wird bereits in einigen Kliniken eingesetzt.
  • Gerade unter älteren Menschen erlebt rund jeder Fünfte sogenannte Delirzustände nach chirurgischen Eingriffen. 

Deren Folgen sind oft langwierig, mitunter sogar dramatisch: 

  • Während manche länger im Krankenhaus bleiben müssen, um sich zu erholen, bauen andere kognitiv langfristig ab und auch die Mortalität steigt infolge von Delirien. 

In der groß angelegten PAWEL-Studie haben Forschende von mehreren Universitätskliniken sowie der Universität Potsdam gemeinsam mit weiteren Kliniken die Delirhäufigkeit und das Auftreten kognitive Probleme nach chirurgischen Eingriffen untersucht – und anschließend versucht, durch eine gezielte multiprofessionelle Prävention die Delirhäufigkeit zu senken. 

Rund 1470 Patientinnen und Patienten in fünf Krankenhäusern wurden dafür vor und nach Operationen befragt und mit einem eigens entwickelten Präventionsprogramm begleitet. 

Mit Erfolg. 

„Die PAWEL-Studie konnte zeigten, dass unsere strukturierte, nicht-pharamakologische Intervention eine sichere und effektive Präventionsmaßnahme ist, um das Auftreten von postoperativen Delirien bei Älteren zu reduzieren“, sagt Prof. Michael Rapp.

Für die neue Intervention mit dem Titel „AKTIVER: Alltags- und Kognitionstraining & Interdisziplinarität verbessert das Ergebnis und mindert das Risiko“ wurden alle an der Patientenbehandlung beteiligten Berufsgruppen geschult. 

Zudem wurden psychogeriatrische Fachkräfte eingesetzt, welche die Interventionen anleiteten und überwachten. 

Auch die Krankenhausumgebung wurde den besonderen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten angepasst, z.B. in Form von Uhren, Boxen mit Seh- und Hörhilfen oder Sturzprophylaxe. 

Zusätzlich unterstützten Delir-Helfer mit begleiteten Mahlzeiten, Orientierungstraining und gezielter Aktivierung.

  • Die Studie, deren Ergebnisse im JAMA Surgery veröffentlicht wurden, zeigt, dass sich mithilfe der Intervention das Delirrisiko deutlich mindern lässt. 

Ausnahme sind Patientinnen und Patienten, die sich einem herzchirurgischen Eingriff unterziehen mussten. 

  • Auch die Anzahl an Tagen mit Delir konnte durch die Intervention signifikant gesenkt werden. 

„Das wir die Wirksamkeit der Intervention nachweisen konnten, ist ein großer Erfolg“, sagt Rapp. 

Schon jetzt werde das AKTIVER-Programm in einigen Fachkliniken in Deutschland angewendet, z.B. in Bielefeld und in Stuttgart. 

„Wünschenswert wäre es, die Durchführbarkeit und Wirksamkeit der Intervention nun auch in kleineren, nicht-akademischen Krankenhäusern etwa in ländlichen Regionen zu erforschen.“

Zur Veröffentlichung: doi:10.1001/jamasurg.2021.6370

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Prof. Dr. Michael Rapp, Sozial- und Präventivmedizin
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Matthias Zimmermann

Universität Potsdam
Am Neuen Palais 10
14469 Potsdam
Tel.: +49 331 977-1474
Fax: +49 331 977-1130

Originalpublikation:

doi:10.1001/jamasurg.2021.6370


Prof. Dr. Stefan Pöhlmann: Wie effizient die Omikron-Variante durch Antikörper von Genesenen und Geimpften neutralisiert wird?

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Omikron-Variante weitgehend resistent gegen aktuelle Antikörper

Zellkulturstudien zeigen, dass die SARS-CoV-2-Variante Omikron Antikörpern ausweicht, die nach Infektion und Impfung gebildet wurden und gegen mehrere therapeutische Antikörper resistent ist 

Die Mutationen im Spike-Protein führen dazu, dass die meisten therapeutischen Antikörper wirkungslos gegen das Omikron-Spike sind und dass das Omikron-Spike Antikörpern ausweicht, die nach Infektion oder zweifacher BioNTech-Pfizer Impfung gebildet wurden. Die Mutationen im Spike-Protein führen dazu, dass die meisten therapeutischen Antikörper wirkungslos gegen das Omikron-Spike sind und dass das Omikron-Spike Antikörpern ausweicht, die nach Infektion oder zweifacher BioNTech-Pfizer Impfung gebildet wurden. Markus Hoffmann Deutsches Primatenzentrum 

Die Omikron-Variante des SARS-Coronavirus-2 verbreitet sich mit besorgniserregender Geschwindigkeit. 

Schon bald könnte sie die derzeit weltweit dominierende Delta-Variante ablösen. 

Es ist aber nur wenig dazu bekannt, ob die gegenwärtig verfügbaren Impfstoffe und Medikamente gegen die Omikron-Varianten wirksam sein werden. 

Um die Wirksamkeit der Impfungen und therapeutischen Antikörpern einzuschätzen, hat ein Forschungsteam um Stefan Pöhlmann und Markus Hoffmann vom Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen sowie Forschenden an der Medizinischen Hochschule Hannover, der Universitätsmedizin Göttingen, der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg sowie des Deutschen Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig untersucht, wie effizient die Omikron-Variante durch Antikörper von Genesenen und Geimpften neutralisiert wird. 

  • Eine Hemmung durch T-Zellen, die sich nach der Infektion bilden, ist noch zu untersuchen.

Das Team konnte zeigen, dass Antikörper von Genesenen die Omikron-Variante kaum hemmen. 

  • Auch die nach zweifacher BioNTech-Pfizer Impfung gebildeten Antikörper wiesen gegen die Omikron-Variante eine deutlich geringere Wirksamkeit als gegen die Delta-Variante auf. 
  • Eine bessere Hemmung wurde nach dreifacher BioNTech-Pfizer-Impfung ebenso wie nach Kreuzimpfung mit Oxford-AstraZeneca und BioNTech-Pfizer beobachtet. 
  • Außerdem konnte das Team zeigen, dass die meisten der in der Studie untersuchten therapeutischen Antikörper, die für die Behandlung von COVID-19 eingesetzt werden, nicht gegen die Omikron-Variante wirksam sind. 
  • Die Ergebnisse deuten jedoch auch darauf hin, dass eine dritte Immunisierung mit dem BioNTech-Pfizer Impfstoff (Booster) sowie eine Kreuzimmunisierung gut gegen die Omikron-Variante schützen könnten (Cell).


Die Omikron-Variante von SARS-CoV-2 scheint sich schneller auszubreiten als alle vorigen Varianten und könnte schon bald global dominieren. Die Infektion mit SARS-CoV-2 und die Impfung führt zur Bildung von Antikörpern, die wesentlich zum Schutz vor einer schweren Erkrankung beitragen. Außerdem werden Kombinationen von Antikörpern, die biotechnologisch hergestellt werden, für die Behandlung von COVID-19 eingesetzt. Das Spike-Protein des SARS-CoV-2 vermittelt den Eintritt des Virus in Zellen und stellt den zentralen Angriffspunkt für Antikörper dar, die das Virus hemmen (neutralisieren). Daher ist es wichtig herauszufinden, ob das Omikron-Spike von Antikörpern gehemmt wird, die nach Impfung oder Infektion gebildet werden oder gegenwärtig für die COVID-19-Therapie eingesetzt werden. Diese Fragen haben die Forschenden mit Hilfe von ungefährlichen Virus-ähnlichen Partikeln untersucht, die das Omikron-Spike tragen und für die Analyse des Virus-Eintritts und seiner Hemmung gut geeignet sind.
Derzeit werden häufig Kombinationen aus den Antikörpern Casirivimab und Imdevimab sowie aus Etesevimab und Bamlanivimab für die Behandlung von COVID-19 eingesetzt. Die Tests des Teams zeigten jedoch, dass diese Antikörper gegen das Omikron-Spike weitgehend wirkungslos sind. 

Lediglich ein Antikörper, Sotrovimab, hemmte das Omikron-Spike. 

„Unsere Zellkulturstudien legen nahe, dass die meisten gegenwärtig für die COVID-19-Therapie verfügbaren Antikörper gegen Omikron wirkungslos sein werden. 

  • Sotrovimab ist eine Ausnahme und könnte ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Omikron infizierten Patientinnen und Patienten werden“, schließt der Erstautor der Studie, Markus Hoffmann.


Die Forschenden haben weiterhin untersucht, ob Erkrankte, die sich während der ersten Corona-Welle in Deutschland infizierten, Antikörper gebildet hatten, die vor der Omikron-Variante schützen. 

Die Antikörper hemmten zwar das Spike des Virus, das für die erste Welle verantwortlich war, hatten jedoch kaum Wirkung gegen das Omikron-Spike. 

Es ist daher davon auszugehen, dass diese Personen keinen robusten Immunschutz gegen die Omikron-Variante aufweisen, wobei eine Hemmung durch T-Zellen, die auch während der Infektion gebildet werden, noch analysiert werden muss.

  • Auch Antikörper, die nach zweimaliger Immunisierung mit dem BioNTech-Pfizer Impfstoff gebildet wurden, hemmten das Omikron-Spike deutlich schlechter als die Spike-Proteine anderer Varianten. 

Eine bessere Schutzwirkung wurde nach dreimaliger Immunisierung mit BioNTech-Pfizer sowie nach Kreuzimpfung mit Oxford-AstraZeneca/BioNTech-Pfizer beobachtet. 

Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass die zweifache Immunisierung mit BioNTech-Pfizer möglicherweise vor der Omikron-Variante nicht so gut schützt wie vor der Delta-Variante. 

Die dreifache Immunisierung mit BioNTech-Pfizer (Booster) sowie die Kreuzimpfung mit Oxford-AstraZeneca/BioNTech-Pfizer könnten dagegen einen stärkeren Schutz aufbauen.

„Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Antikörpertherapien für COVID-19 an die Omikron-Variante angepasst werden müssen. 

Auch eine Anpassung des BioNTech-Pfizer Impfstoffes sollte erwogen werden. 

Eine dreifache Immunisierung mit BioNTech-Pfizer (Booster) sowie die Kreuzimpfung mit Oxford-AstraZeneca/BioNTech-Pfizer könnten dagegen Schutz vor der Omikron-Variante bieten“, sagt Stefan Pöhlmann.

Prof. Dr. Stefan Pöhlmann, Leiter der Abteilung Infektionsbiologie am Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ).

 Prof. Dr. Stefan Pöhlmann, Leiter der Abteilung Infektionsbiologie am Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ). Karin Tilch Deutsches Primatenzentrum

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Prof. Dr. Stefan Pöhlmann
Tel: +49 (0) 551 3851-150
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Dr. Markus Hoffmann
Tel: +49 (0) 551 3851-338
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Karin Tilch M.A. Deutsches Primatenzentrum GmbH - Leibniz-Institut für Primatenforschung

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37077 Göttingen
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Dr. Susanne Diederich
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Fax: 0551 3851-452
E-Mail-Adresse: sdiederich@dpz.eu

Karin Tilch M.A.
E-Mail-Adresse: ktilch@dpz.eu
Originalpublikation:

Hoffmann, M., Krüger, N., Schulz, S., Cossmann, A., Rocha, C., Kempf, A., Nehlmeier, I., Graichen, L., Moldenhauer, A.-S., Winkler, M.S., Lier, M., Dopfer-Jablonka, A., Jäck, H.-M., Behrens, G.M.N., Pöhlmann, S., The Omicron variant is highly resistant against antibody-mediated neutralization – implications for control of the COVID-19 pandemic, Cell (2022), doi: https://doi.org/10.1016/j.cell.2021.12.032.

 

Prof. Daniel Surbek: Die Hebammengeburt

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Geburtshilfe: Hebammengeleitete Geburten in der Klinik bewähren sich

Eine jüngst publizierte Studie analysiert die Hebammengeleiteten Geburten an der Frauenklinik des Inselspitals von 2006 bis 2019: 

  • Das Team von Prof. Daniel Surbek zeigt, dass die Hebammengeburt bei Schwangerschaften mit niedrigem Risiko eine sichere Option ist. 

Hebammengeburt in der Klinik:  Manuelle Lagekontrolle des Kindes. Hebammengeburt in der Klinik: Manuelle Lagekontrolle des Kindes. Tanja Lässer Insel Gruppe 

Ein Kind kommt zur Welt: Das Ereignis des Gebärens ist für werdende Eltern tiefgreifend, feierlich, mit Hoffnungen, Ängsten und Freuden verbunden. Eine wachsende Zahl von schwangeren Frauen sieht in der Hebammengeburt eine Chance, den besonderen Moment einer Geburt aktiv mit zu gestalten. Als Hebammengeburt wird eine Geburt bezeichnet, die von einer Hebamme geleitet wird und ohne ärztliche Anwesenheit abläuft. Daher spricht man von hebammengeleiteter Geburt, im Gegensatz zu der üblichen Geburtsbetreuung bei der sowohl Hebamme wie Ärztin die Geburt betreuen. Dabei spielt der persönliche, intime Rahmen und ein möglichst weitgehender Verzicht auf medizinische Interventionen eine wichtige Rolle. Bei einer Hebammengeburt in der Klinik kann zugleich dem Bedürfnis der Gebärenden entsprochen werden, im Falle eines unerwartet auftretenden Problems, die modernen medizinischen Versorgungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen zu können. In der vorliegenden Studie wurden Erfahrungen aus über 500 geplanten Hebammengeburten aus 14 Jahren an der Frauenklinik des Inselspitals analysiert.

Vorabklärungen wichtig
Nicht jede Geburt kann als Hebammengeburt geplant werden. Sowohl der Gesundheitszustand und allfällige Vorbelastungen der Mutter, die Entwicklung des Fetus, wie auch der Verlauf der Schwangerschaft werden mit definierten Kriterien abgeklärt. Wenn allfällige Risiken ausgeschlossen sind und die Frau eine Hebammengeburt wünscht, wird diese entsprechend geplant.

Über die Hälfte der geplanten Hebammengeburten ohne ärztliche Unterstützung
Über die Hälfte aller geplanten Hebammengeburten konnte ohne ärztliche Unterstützung stattfinden. Bei den anderen Fällen (43%) war ein ärztlicher Beizug und allenfalls eine medizinische Intervention notwendig. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um einen ungewöhnlichen Geburtsverlauf, eine Beeinträchtigung des Zustandes des ungeborenen Kindes, ein Wunsch nach Periduralanästhesie zur Schmerzlinderung oder allenfalls um eine Notwendigkeit der medikamentösen Geburtseinleitung. In nur rund 5% der geplanten Hebammengeburten musste die Entbindung letztendlich per Kaiserschnitt erfolgen, und lediglich 1% aller Neugeborenen mussten auf der Intensivpflegeabteilung für Neugeborene betreut werden.

Adäquate Versorgung in der Geburtshilfe

In der öffentlichen Diskussion wird in jüngerer Zeit vermehrt thematisiert, dass die medizinische Versorgung in der Geburtshilfe adäquat sein müsse und medizinische Interventionen, wenn möglich vermieden werden sollten. In diesem Zusammenhang scheint die Hebammengeleitete Geburt in einer Klinik ein zielführender Weg zu sein. Die Erstautorin Dr. med. Ann-Katrin Morr, Oberärztin an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde erläutert: «Die Studie liefert dazu nun Zahlen: In der Schweiz kommen 97 von 100 Kindern in Kliniken zur Welt. An der Frauenklinik waren während des Beobachtungszeitraums der Studie von 2006 bis 2019 insgesamt 2.6% der Geburten geplante Hebammengeburten auf Wunsch der Frauen. Gut die Hälfte davon fand ohne ärztliche Unterstützung statt. Die Zahl der hebammengeleiteten Geburten in Kliniken hat demnach ein grosses Potential an unserer Klinik und in der ganzen Schweiz»

Geringere Kosten bei hebammengeleiteten Geburten in der Klinik?

Prof. Dr. med. Daniel Surbek, Co-Klinikdirektor und Chefarzt der Universitätsklinik für Frauenheilkunde führt weiter aus: «Die Studie zeigt, dass die Hebammengeburt bei schwangeren Frauen mit niedrigem Risiko eine sichere Option ist. Ob die Gesamtkosten geringer sind als bei der Geburt mit Betreuung durch Hebamme und Ärztin gemeinsam prüfen wir zur Zeit in einer vertieften ökonomischen Analyse.» 

Hebammengeburt in der Klinik:  Betreuung während der Entspannung im Wasser.  Foto: Tanja Lässer, © Insel Gruppe

Hebammengeburt in der Klinik: Betreuung während der Entspannung im Wasser. Foto: Tanja Lässer, © Insel Gruppe Tanja Lässer Insel Gruppe


Fazit des Forschungsteams
Das Forschungsteam zieht eine positive Bilanz. Es besteht das Potential, in der Schweiz diese Art der Geburtsbetreuung zu erweitern und zu fördern. Die Leitende Hebamme Frau Andrea Messer sagt: «Insbesondere die Hebammengeburt mit einer Beleghebamme, welche die Frau bereits während der Schwangerschaft betreut und dann in der Klinik die Entbindung leitet, erfreut sich bei den schwangeren Frauen zunehmender Beliebtheit.»

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- Dr. med. Ann-Katrin Morr, Oberärztin, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Inselspital, Universitätsspital Bern
- Andrea Messer, Stationsleiterin Geburtsstation, Hebamme, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Inselspital, Universitätsspital Bern
- Prof. Dr. med. Daniel Surbek, Co-Klinikdirektor und Chefarzt Geburtshilfe und feto-maternale Medizin, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Inselspital, Universitätsspital Bern

Marcel Wyler Universitätsspital Bern

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E-Mail-Adresse: marcel.wyler@insel.ch 
Originalpublikation:

Morr, AK., Malah, N., Messer, A.M. et al. Obstetrician involvement in planned midwife-led births: a cohort study in an obstetric department of a University Hospital in Switzerland. BMC Pregnancy Childbirth 21, 728 (2021).
https://doi.org/10.1186/s12884-021-04209-2


Prof. Dr. Sebastian Weis: Die Veränderungen des Stoffwechsels bei schweren systemischen Infektionen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie schwere Infektionen den Gewebestoffwechsel verändern

Als neuer Professor für Translationale Infektionsforschung am Universitätsklinikum Jena untersucht Sebastian Weis in Labor und Klinik, wie der Körper als Schutzreaktion auf schweren Infektionen den Stoffwechsel in Geweben anpasst und ob sich solche Mechanismen für neue Behandlungen nutzen lässt.

Als neuer Professor für Translationale Infektionsforschung am Universitätsklinikum Jena untersucht Sebastian Weis in Labor und Klinik, wie schwere Infektionen den Gewebestoffwechsel verändern. Als neuer Professor für Translationale Infektionsforschung am Universitätsklinikum Jena untersucht Sebastian Weis in Labor und Klinik, wie schwere Infektionen den Gewebestoffwechsel verändern. Universitätsklinikum Jena 

Sebastian Weis, Oberarzt am Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Jena (UKJ), erforscht die Veränderungen des Stoffwechsels bei schweren systemischen Infektionen und hat zum Wintersemester 2021 die neu eingerichtete Professur für Translationale Infektionsforschung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena angetreten.

Wissenschaftlich beschäftigt er sich insbesondere mit Abwehrstrategien des Körpers, die sich nicht gegen die Erreger oder von ihnen produzierte Gifte richten. Prof. Weis: 

„Diese Anpassungsprozesse ermöglichen es dem infizierten Körper, Schäden am Gewebe in einem gewissen Maß hinzunehmen, wir bezeichnen das als Krankheitstoleranz oder Resilienz. Wir untersuchen, wie diese Adaptionen reguliert sind, ob sie Schutzwirkung haben oder zusätzlichen Schaden anrichten und, das ist das eigentliche wichtigste, ob sie sich als Therapieansatz eignen. Der Schutz und die Unterstützung der Organfunktion sind ein zentrales Therapieziel bei schweren Infektionen.“

Prof. Weis begann bereits früh während seines Medizinstudiums in Leipzig mit der Grundlagenforschung. Er unterbrach das Studium für einen einjährigen Forschungsaufenthalt in den USA, um an der Stanford University in Kalifornien für seine Doktorarbeit zu forschen. Nach der Facharztweiterbildung zum Internisten am Universitätsklinikum Leipzig ging er mit einem DFG-Stipendium an das Instituto Gulbenkian de Ciência in Oeiras, Portugal, und untersuchte Abwehrmechanismen des Körpers bei schweren Infektionen. Danach wechselte er Ende 2014 an das UKJ. „In Jena waren und sind die Bedingungen für die Vereinbarkeit für die Kombination aus klinischer Infektiologie und infektiologischer Grundlagenforschung einzigartig“, so Prof. Weis. Hier habilitierte er sich mit seinen Forschungsergebnissen zur Stoffwechselanpassung in der Sepsis und erwarb die Zusatzbezeichnung Infektiologie. Für die Professur in Jena lehnte er Rufe an die Exzellenzuniversitäten Hamburg, Tübingen und Dresden ab.

Prof. Weis ist lokal im Jenaer Infektionsforschungsnetzwerk und darüber hinaus bestens vernetzt. Er führte die SUPPORT-Studie im Zentrum für Sepsis- und Sepsisfolgen CSCC durch, war dort Vorstandsmitglied, ist maßgeblich an der Neustadt-Studie und im von der EU-geförderten Forschungsverbund Immunosep zur personalisierten Immuntherapie bei Sepsis beteiligt. Außerdem warb er beim Bundesforschungsministerium Mittel für eine Phase-I-Sepsis-Therapiestudie ein und forscht im Jenaer Exzellenz-Cluster. Die Arbeitsgruppe wird an das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut assoziiert. „Diese Verbindung ist eine hervorragende Möglichkeit für neue Kooperationen und einem Ausbau der Zusammenarbeit zwischen dem UKJ und dem HKI“, so Prof. Weis.

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Sexuell aggressive Verhalten im Dating-Setting: Teenegeralter und Folgen körperlicher und sexueller Gewalt

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Körperliche und sexuelle Gewalt bei Dates von Jugendlichen: Wie effektiv sind Präventionsprogramme?

Studien zeigen, dass körperliche und sexuelle Gewalt bei Teenager-Dates oft vorkommt: 

Die Häufigkeit liegt laut aktuellen Daten bei rund 20 Prozent für körperliche Gewalt und bei rund 10 Prozent für sexuelle Gewalt. 

Ein Forschungsteam an der Universität Klagenfurt hat nun mit einer Meta-Analyse untersucht, inwiefern Präventionsprogramme wirken.

Die Ergebnisse wurden nun in JAMA Pediatrics vorgestellt.

Unter körperlicher Gewalt verstehen die Forscher*innen Schläge, Ohrfeigen oder das Stoßen des Dating-Partners. Sexuelle Gewalt meint das Zwingen (bzw. Versuche des Zwingens) der Dating-Partnerin zu sexuellen Handlungen, mit denen diese nicht einverstanden ist. Die Folgen von körperlicher und sexueller Gewalt können weitreichend sein, wie Studienautorin Heather Foran, Professorin am Institut für Psychologie, erklärt: „Kurz-, mittel- und langfristig kann es zu Folgen für die Gesundheit der Betroffenen kommen, darunter Depressionen, Suizidalität, Suchtmittelkonsum und vieles mehr.“ Daher setzen viele Präventionsmaßnahmen schon im Teenageralter an.

Sie hat gemeinsam mit dem Post-Doc-Assistenten Antonio Piolanti eine systematische Meta-Analyse von 18 Studien durchgeführt, in denen Daten von 22.781 Jugendlichen erfasst sind. Das Durchschnittsalter der untersuchten Jugendlichen liegt bei 12,2 bis 17,6 Jahren. 13 der untersuchten Präventionsmaßnahmen wurden im schulischen Setting angeboten, 5 waren in andere Kontexte implementiert.

Antonio Piolanti erklärt zu den Ergebnissen: „Wir sehen, dass die Präventionsprogramme bei der Verhinderung von körperlicher Gewalt gut wirksam sein können. Komplexer scheint die sexuelle Gewalt zu sein: Hier zeigt sich kein signifikanter Effekt durch die Interventionen.“ Daraus könne man, so die Studienautor*innen, schließen, dass das sexuell aggressive Verhalten im Dating-Setting komplexer und schwieriger durch Präventionsprogramme zu verhindern sei. 

„Ein Erfolgsfaktor bei bestimmten Programmen könnten die Eltern sein“, erklärt Piolanti weiter. So würde sich zeigen, dass jene Interventionen eine signifikant höhere Reduktion der Gewalt erreichen können, in denen die Eltern eingebunden sind. Ähnliches zeige sich auch bei anderen Studien zu familienbasierten Programmen, bei denen es um die Vermeidung von Gesundheitsrisiken bei Jugendlichen geht. „Eltern sprechen üblicherweise nicht mit ihren Teenager-Kindern über Gewalt bei Dates. Wenn sie aber in Präventionsprogrammen involviert sind, könnte das hilfreich sein“, fasst Antonio Piolanti zusammen.

Wichtig für den Erfolg von Präventionsprogrammen sei außerdem der richtige Fokus, beispielsweise auf jene Jugendlichen, die grundsätzlich einem höheren Risiko ausgesetzt sind. Auch das Alter sei entscheidend: Setzt man zu früh an, liegen Dates noch außerhalb der Lebensrealität der Jugendlichen. Sind Jugendliche aber 15 Jahre alt und älter, könnten die Programme effektiver sein.

Antonio Piolanti und Heather Foran stellen mit ihrer Studie wichtige neue Erkenntnisse zu dem Thema vor. Gleichzeitig betonen sie: „Wir brauchen zusätzliche Forschung, um auch mehr über die Prävention bei der sexuellen Gewalt bei Teenager-Dates zu lernen. Insgesamt bringt uns mehr Wissen auch bei der Entwicklung von neuen Programmen voran.“

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Originalpublikation:

Piolanti, A. & Foran, H. (2021). Efficacy of Interventions to Prevent Physical and Sexual Dating Violence Among Adolescents. JAMA Pediatrics, https://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/fullarticle/2786460 (online first).