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Prof. Dr. Frauke Zipp: Die Gabe des mRNA Impstoffes + Technik der MRNA Vakzinierung + die Zielantigene + sehr definierte (Virus) Antigene

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Stellungnahme des KKNMS zur Methode der mRNA Vakzinierung

Neue Technik der mRNA Vakzinierung, die gegenwärtig so erfolgreich als COVID Impfung eingesetzt wird, ist nicht ohne weiteres auf Erkrankungen wie die Multiple Sklerose übertragbar

In einer bemerkenswerten Studie ist es gelungen, die Entstehung von experimenteller autoimmuner Enzephalomyelitis bei Mäusen durch einen entzündungshemmenden Impfstoff zu unterdrücken (Krienke et al., Science 2020). 

  • Bei bereits erkrankten Tieren konnte der Krankheitsverlauf durch die Gabe des mRNA Impfstoffes abgemildert bzw. rückgängig gemacht werden. 

Die Ergebnisse von Christina Krienke und Kollegen, unter der Studienleitung von Prof. Sahin, dem Mitbegründer von Biontech, wecken Hoffnungen bei MS-Betroffenen. 

Die Resonanz in den Medien ist hoch, es wird teilweise von der Möglichkeit gesprochen hier eine Impfung gegen die Multiple Sklerose generieren zu können.


Die Technik der mRNA Vakzinierung wird derzeit intensiv diskutiert. 

Zumal sie erstmals erfolgreich als Strategie zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen das SARS-COV2 Virus etabliert wurde. 

Mit Datum vom 08.01.2021 sind gegenwärtig zwei Impfstoffe zugelassen, die beide das gleiche Prinzip verwenden. 

Das Kompetenznetzwerk hatte in einer Stellungnahme vom 18.12.2020 hierzu informiert und Empfehlungen für MS Patienten herausgegeben. 


Nun wurde die mRNA Vakzinierung im Tierexperiment und an einem Modell, welches Aspekte der MS nachstellt, verwendet. 

Die Studie ist höchstwertig und wissenschaftlich von größter Bedeutung und dokumentiert erneut auch das Potential der mRNA Vakzinierungsstrategie insgesamt. 

Allerdings: 

Was in Mäusen mit experimenteller autoimmuner Enzephalomyelitis als Impfstrategie funktioniert, ist als Strategie für eine Autoimmunerkrankung beim Menschen nicht so einfach zu übersetzen. 

Hauptproblem beim Menschen – im Gegensatz zum Tiermodell – ist, dass die Zielantigene bei der MS nicht bekannt sind.  

Über Jahrzehnte haben Wissenschaftler bereits versucht, die für Multiple Sklerose relevanten Antigene zu identifizieren, dies gelang jedoch nicht. 


Ganz im Gegenteil: 

In den 90er Jahren haben Antigen-spezifische Therapieansätze bei der Übertragung aus Laborbedingungen auf den Menschen sogar teilweise unerwartet zu einer Verstärkung der Entzündung im Gehirn geführt, indem Immunantworten gegen das ZNS sogar befördert und nicht unterdrückt wurden. 

Die MS gilt heute als komplexe Störung immunregulatorischer Netzwerke. 

  • Nach der Gabe einer Selektion von Antigenen zur Therapie einer Autoimmunerkrankung, kann es sogar zu einer fehlgesteuerten Aktivierung von Abwehrzellen kommen. 
  • Denn im Verlauf der Erkrankung gibt es offensichtlich sehr viele Antigene sowie HLA Moleküle, welche den T Zellen helfen anhand der zellulären Oberflächenstruktur kranke von gesunden Zellen zu unterscheiden, und diese sind individuell unterschiedlich. 
  • Weiterhin beruht das Phänomen der Verstärkung der Entzündung wohl auf speziellen Bindungsstärken der gegen den eigenen Körper gerichteten Immunabwehr. 

Somit ist es nicht verwunderlich, dass bislang kein Antigen-spezifischer Therapieansatz in der Multiplen Sklerose (und auch nicht bei anderen Autoimmunerkrankungen) erfolgreich war. 

  • Eine Autoimmunkrankheit wie die Multiple Sklerose ist im Kontext der entwickelten Impfung damit nicht gleichzusetzen mit einer Infektion, die ja eine sehr gerichtete Antwort auf sehr definierte (Virus)Antigene darstellt. 

Die Strategie eine „Impfung gegen MS“ zu entwickeln ist zwar charmant und wissenschaftlich ein hochwertvolles Ziel. 

CAVE-Untersucher: Es fehlt aber beim Menschen nicht die richtige Labortechnik, sondern die Biologie der Entzündungsprozesse bei der MS ist ganz anders zu bewerten als bei einer Infektion.

Quellen
[1] Krienke et al., Science 371, 145–153 (2021)

Autorinnen und Autoren:
Prof. Dr. Frauke Zipp, Klinik für Neurologie, Johannes Gutenberg-Universität, Mainz
Prof. Dr. Heinz Wiendl, Klinik für Neurologie mit Institut für Translationale Neurologie, Universitätsklinikum Münster
Prof. Dr. Ralf Gold, Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Ralf Linker, Neurologische Klinik des Universitätsklinikums Erlangen
Prof. Dr. Martin Kerschensteiner, Institut für Klinische Neuroimmunologie der LMU München


Originalpublikation:

Krienke et al., Science 371, 145–153 (2021)

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Prof. Dr. Frank Bengel: PET-Scan Herz-Infarkt-Patienten mit überschießender Entzündungsreaktion (Myokardinfarkt)

Medizin am Abend Berlin -MaAB-Fazit: Neue Möglichkeit zur Diagnose und Heilung von Herzschwäche nach Infarkt

MHH-Studie untersucht Entzündungsreaktion mit schwach-radioaktiver Spürsubstanz

Jedes Jahr erleiden in Deutschland etwa 220.000 Menschen einen Herzinfarkt (Myokardinfarkt). 

Er entsteht, wenn sich ein Blutgefäß des Herzmuskels verschließt. 

Das Herz erhält dann nicht mehr genügend Sauerstoff und ein Teil des Herzmuskels stirbt ab. 

Spezialisierte weiße Blutkörperchen (Leukozyten) des Immunsystems lösen daraufhin eine Entzündungsreaktion im Herzmuskel aus, bei der das beschädigte Gewebe abgebaut wird und setzen so den Heilungsprozess in Gang. 

Ist die Entzündungsreaktion zu stark, steigt für die Patientinnen und Patienten jedoch das Risiko einer chronischen Herzschwäche (Herzinsuffizienz). 

Ein Forschungsteam um Professor Dr. Frank Bengel, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), hat jetzt eine Möglichkeit gefunden, mit Hilfe einer hochauflösenden, molekularen Bildgebungstechnik die Reparatur des Herzens nach einem Infarkt nicht nur genau zu verfolgen, sondern auch zu verbessern

Die Studie unter der Leitung von James Thackeray, PhD in Zusammenarbeit mit der MHH-Klinik für Kardiologie ist in der renommierten Fachzeitschrift European Heart Journal veröffentlicht.

Mit sogenannten Radiotracern ist das Forschungsteam den genauen Abläufen nach einem Herzinfarkt auf die Spur gekommen.  

Die winzigen Spürsubstanzen sind für kurze Zeit schwach radioaktiv und lassen sich durch hochauflösende Positronen-Emissions-Tomografie (PET) sichtbar machen. 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten dabei bestimmte Proteine in der Oberflächenmembran von Herzmuskelzellen im Blick. 

Diese Rezeptoren mit Namen CXCR4 sind die Bindungsstellen für kleine Signalproteine (Chemokine), die bei den Leukozyten eine Wanderbewegung auslösen. 

„In unseren Untersuchungen konnten wir zeigen, dass der Chemokin-Rezeptor CXCR4 nach einem Infarkt im Herzmuskel zeitweise hochreguliert sein kann“, erklärt Annika Hess, PhD, Erstautorin der Studie. „Dadurch erhöht sich das Risiko für einen schlechten Krankheitsverlauf und die Entwicklung einer Herzinsuffizienz.“

Therapie in Untersuchung an Mäusen und Menschen erprobt

Für die Studie haben die Wissenschaftler einen speziellen, in Kooperation mit der Technischen Universität München entwickelten Radiotracer hergestellt. In den Körper injiziert, heftet sich dieser dann gezielt an die CXCR4-Bindungsstelle der weißen Blutkörperchen im Herzmuskel. Mittels PET-Scanner lässt sich die Entzündungsreaktion im Herzen ohne zusätzlichen Eingriff direkt darstellen. Ein weiterer Vorteil der nicht-invasiven Bildgebung: Das Tracer-Verfahren beeinflusst die Reaktion im Körper nicht und verfälscht damit auch nicht das Messergebnis. In einem weiteren Versuch konnte das Forschungsteam zudem nachweisen, wie sich die Heilung des Infarkts verbessern und das Risiko für eine Herzinsuffizienz senken lässt. „Wir haben ein Medikament eingesetzt, das an die gleiche Stelle der bindet wie der Tracer und so den CXCR4-Rezeptor blockiert“, sagt Professor Bengel. Die Therapie haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen der Studie im Mausmodell untersucht. Dabei stellten sie fest, dass offenbar auch der Zeitpunkt der Medikamentengabe eine wichtige Rolle spielt: Am dritten Tag nach dem Infarkt eingesetzt — und damit genau zum Zeitpunkt des stärksten Signals in der Bildgebung — war die Wirkung des CXCR4-Blockers für den weiteren Krankheitsverlauf am besten.

In der Studie konnte zudem gezeigt werden, dass die Bildgebung auch am Patienten funktioniert. 

„Wir hoffen, mit dem PET-Scan Infarkt-Patienten mit überschießender Entzündungsreaktion entdecken zu können, die gezielt von CXCR4-Blockern oder anderen entzündungshemmenden Medikamenten profitieren“, sagt der Klinikdirektor. 

Diese Fragen müssen nun in klinischen Studien geklärt werden. 

Dann könnte die Standardtherapie des Herzinfarktes in Zukunft individuell ergänzt werden.

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 Professor Dr. Frank Bengel

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Originalpublikation:

Die Originalarbeit „Molecular imaging-guided repair after acute myocardial infarction by targeting the chemokine receptor CXCR4” finden Sie unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32901270/.

 

Prof. Dr. Robert Thimme + Dr. Maike Hoffmann: Chronische Infektion mit Hepatitis C

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Dauerhaft vernarbt: Chronische Hepatitis C-Infektionen hinterlassen Spuren auf Immunzellen

Freiburger Wissenschaftler*innen weisen in Zusammenarbeit mit Berliner Forscher*innen molekulare Narben in Immunzellen nach einer erfolgreich therapierten Hepatitis-C-Infektion nach / Publikation in Nature Immunology

Rund 70 Millionen Menschen sind weltweit von einer chronischen Infektion mit Hepatitis C betroffen, schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO. 

Dank hochwirksamer, direkt antiviral wirksamer Substanzen ist die Erkrankung mittlerweile heilbar. 

Bisher war jedoch unklar, ob sich auch die körpereigene Immunantwort nach erfolgreicher Therapie wieder erholt. 

Nun konnten Forscher*innen des Universitätsklinikums Freiburg in Zusammenarbeit mit der Berliner Charité zeigen, dass in Killer-T-Zellen Narben zurückbleiben. 

  • Dies erlaubt Rückschlüsse auf die Wirkweise der Killer-T-Zellen bei Re-Infektionen mit Hepatitis C sowie weiteren chronischen Erkrankungen. 

Veröffentlicht wurden die Forschungsergebnisse am Montag, 4. Januar 2021 in der Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Nature Immunology.

Nobelpreiswürdiger Therapieansatz zeigt Wirkung

Bei rund 70 Prozent aller Infizierten versagt die virus-spezifische Immunantwort gegen Hepatitis-C-Viren (HCV). 

  • So entstehen chronische Infektionen, die neben einer Entzündung der Leber zu schweren Folgeerkrankungen und einer deutlich erhöhten Sterblichkeit führen. 

„Ein wichtiger Schritt zur Lösung dieses globalen Gesundheitsproblems war die Einführung von hochwirksamen, direkt antiviral wirksamen Substanzen, die erstmals eine Heilung der chronischen HCV-Infektion ermöglichen“, erläutert Prof. Dr. Robert Thimme, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Freiburg. „Die Bedeutung dieser medizinischen Erfolgsgeschichte unterstreicht die Vergabe des diesjährigen Nobelpreises für Medizin an Harvey J. Alter, Michael Houghton und Charles M. Rice, die mit ihren Arbeiten die Entwicklung der Therapie maßgeblich in die Wege geleitet haben.“

Dauerhafte Schäden trotz erfolgreicher Therapie

Offen blieb die Frage, wie sich eine solche Therapie mit direkt antiviral wirksamen Substanzen, sogenannten direct acting antivirals oder DAA, auf das Immunsystem auswirkt. 

Erholt sich auch die virus-spezifische Immunantwort nach einer oftmals jahrelangen chronischen HCV-Infektion?  

Wissenschaftler*innen des Universitätsklinikums Freiburg um Thimme und Dr. Maike Hofmann konnten in Zusammenarbeit mit Dr. Naveed Ishaque von der Berliner Charité jetzt zeigen, dass auch nach erfolgreicher Therapie Spuren im Immunsystem zurückbleiben. 

  • „In den sogenannten Killer-T-Zellen, die für die direkte Abwehr von virus-infizierten Zellen verantwortlich sind, konnten wir Narben nachweisen. 

Diese Narben zeigten sich durch ein molekulares Muster, das sich auch schon während der chronischen Hepatitis-C-Infektion zeigte und mit einer geringeren Wirksamkeit der Killer-T-Zellen bei der Virusabwehr einhergeht“, berichtet Hofmann. 

Sie ist wissenschaftliche Arbeitsgruppenleiterin an der Klinik für Innere Medizin II und wird unter anderem durch das Margarete von Wrangell-Habilitationsprogramm für Frauen des Landes Baden-Württemberg unterstützt.

Auswirkung der Narben bei erneuten Infektionen

  • „Unsere Erkenntnisse sind insbesondere wichtig für die Behandlung von erneuten Infektionen mit Hepatitis-C-Viren, welche in den Risikogruppen leider nicht selten vorkommen. 

Als nächstes werden wir daher den Effekt der molekularen Narben während Re-Infektionen mit HCV genauer beleuchten,“ kündigt Thimme an. 

Auch für das Verständnis weiterer Erkrankungen haben die Erkenntnisse Relevanz: 

„Die gewonnenen Einblicke ermöglichen uns Rückschlüsse auf die Wirkweise der Killer-T-Zellen bei anderen chronischen Virusinfektionen wie HIV oder Hepatitis B, aber auch bei Tumorerkrankungen“, sagt Hofmann. 

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die translationale Forschung zur HCV-Infektion im Rahmen des Sonderforschungsbereichs Transregio 179 an den Universitäten Freiburg, Heidelberg und München.

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Dr. Maike Hofmann
Arbeitsgruppenleiterin
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Originalpublikation:

Original-Titel der Studie: Memory-like HCV-specific CD8+ T cells retain a molecular scar after cure of chronic HCV infection

DOI: 10.1038/s41590-020-00817-w

Link zur Studie: www.nature.com/articles/s41590-020-00817-w


Prof. Oliver Söhnlein: Monozyten + Neutrophile - Akute bakterielle Infektion - Herzinfarktrisiko + Schlaganfall

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Herzinfarktrisiko nach Infektionen senken

  • Nach einer Infektion erhöht sich das Risiko für einen Herzinfarkt bei Herz-Kreislauf-Patienten bis zu zwanzigmal. 

Beteiligt daran sind Zellen des Immunsystems, fanden Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) in einem Mausmodell heraus. 

Bestimmte Moleküle und Antikörper können die Immunzellen allerdings ausbremsen und somit Risikopatienten nach einer Infektion schützen.

In Mäusen ahmten Prof. Oliver Söhnlein vom Klinikum der Universität München und sein Team eine akute bakterielle Infektion nach, um das erhöhte Infarkt-Risiko besser zu verstehen. Die Mäuse hatten zudem eine Atherosklerose und waren daher ein geeignetes Modell für Infarkt-gefährdete Herz-Kreislauf-Patienten

Bei einer Atherosklerose ist die Innenwand der Blutgefäße chronisch entzündet und es bilden sich Ablagerungen, die Plaques. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Labortest-Werte  

Wenn sich diese Ablagerungen lösen, können sie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen. 

Die Forscher beobachteten, dass die Infektion die Plaques der Mäuse vergrößerte und die Entzündungen sich verstärkten.

Positiv geladenes Lockmittel

  • Ein genauer Blick auf die Gefäßablagerungen zeigte, dass sich dort vermehrt bestimmte Immunzellen ansammelten, die Neutrophilen. 

Die Infektion hatte sie aktiviert, wodurch sie sogenannte NETs (Neutrophil Extracellular Traps) freisetzten. NETs bestehen aus DNA und Proteinen, die aus dem Inneren der Neutrophilen stammen, und dienen eigentlich dazu, Krankheitserreger zu binden. 

Die Münchner Forscher fanden heraus, dass in den NETs das Protein Histon H2a noch andere Immunzellen anlockt, die Monozyten. 

„Histon H2a ist stark positiv geladen und liegt normalerweise im Zellkern vor“, erklärt Söhnlein. „Mit der Freisetzung der NETs gelangt es nach außen. Die Zelloberfläche von Monozyten ist negativ geladen, dadurch bleiben sie am positiv geladenen Histon H2a und damit an den Ablagerungen kleben.“  

  • Die Monozyten dringen dann in die Gefäßwand ein und verwandeln sich dort in Fresszellen. 
  • Damit rufen sie Entzündungen hervor und fördern die Entstehung der gefährlichen Ablagerungen.


Mini-Proteine könnten vor Herzinfarkt schützen

Wenn die Wissenschaftler Antikörper gegen das Histon H2a oder sehr kleine, spezifische Proteine einsetzten, die nur an Histon H2a binden, hafteten keine Monozyten an Histon H2a und die Atherosklerose verschlimmerte sich nicht.

Damit eröffnet sich eine neue Therapieoption für Herz-Kreislauf-Patienten mit einer akuten Infektion. 

Denn gegen das Histon H2a gerichtete kleine Proteine, sogenannte Peptide, könnten auch bei ihnen verhindern, dass sich atherosklerotische Läsionen und damit das Herzinfarktrisiko vergrößern. Ein Patent für diese Peptide hat Söhnlein bereits eingereicht

Komplikationen bei COVID-19 abmildern

„Auch Viren und andere Bakterien rufen eine Freisetzung von NETs hervor. Wenn sie zudem Herz-Kreislauf-Komplikationen verursachen, könnten infizierte Patienten von einer gegen NETs beziehungsweise Histone gerichteten Therapie profitieren. Das müsste allerdings noch in entsprechenden Studien nachgewiesen werden“, sagt Söhnlein. 

Der Münchner Forscher denkt dabei auch an SARS-CoV2.  

Seit dem Frühjahr ist bekannt, dass Neutrophile maßgeblich an schweren COVID-19-Symptomen wie Lungenschäden und Thrombosen beteiligt sind. 

Auch dort setzen diese Immunzellen NETs frei. 

Die darin vorkommenden Histone aktivieren die Blutgerinnung und lösen damit Thrombosen aus. 

Eine auf Histone abzielende Therapie könnte daher laut Söhnlein schwere COVID-19-Verläufe abschwächen.

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Prof. Oliver Söhnlein

Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten (IPEK), Poliklinik, Klinikum der Universität München, Ludwig-Maximilians-Universität München; Karolinska Institut, Stockholm, Schweden

Oliver.Soehnlein(at)med.uni-muenchen.de

Potsdamer Str. 58
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Christine Vollgraf
Telefon: 030 3465 52902
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Sarah Mempel
Telefon: 030 3465 529-18
E-Mail-Adresse: sarah.mempel@dzhk.de
Originalpublikation:

Endotoxinemia Accelerates Atherosclerosis via Electrostatic Charge-Mediated Monocyte Adhesion. Schumski A, Ortega-Gómez A, Wichapong K, Winter C, Lemnitzer P, Viola JR, Pinilla-Vera M, Folco E, Solis-Mezarino V, Völker-Albert M, Maas SL, Pan C, Perez Olivares L, Winter J, Hackeng T, Karlsson MCI, Zeller T, Imhof A, Baron RM, Nicolaes GAF, Libby P, Maegdefessel L, Kamp F, Benoit M, Döring Y, Soehnlein O. Circulation. 2020 Nov 10.
https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCULATIONAHA.120.046677

 

Prof. Dr. Kai Tobias Horstmann: Kontaktverfolgungs-Apps - Corona-Warn-App - Pandiemien, Epidemien, Endemien

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Studie: Wie (un)beliebt ist die „Corona-Warn-App“?

Forscher*innen aus Berlin und Bochum untersuchten, welche Personen die „Corona-Warn-App“ in Deutschland nutzen, welche nicht und wie sie ihre Entscheidung begründeten.

In ihrer Studie setzen vor allem Angehörige einer Risikogruppe sowie jüngere Personen die App zur Kontaktverfolgung ein. 

Männer nutzen sie häufiger als Frauen, Vollzeit-Beschäftigte eher als Personen in Ausbildung. Personen, die die „Corona-Warn-App“ nicht nutzen, sind in dieser Studie im Durchschnitt älter, weiblich und gesünder. 

Sie vertrauen anderen im Allgemeinen weniger und befinden sich eher in Ausbildung oder Studium.
Dagegen hängen weder Bildungsjahre noch Elternschaft signifikant mit der Nutzung der Kontaktverfolgungs-App zusammen.


Dies fand ein Forschungsteam um Dr. Susanne Bücker von der Ruhr-Universität Bochum und Prof. Dr. Kai Horstmann von der Humboldt-Universität zu Berlin heraus. Die Expert*innen für Persönlichkeitspsychologie befragten im Rahmen der Bochum Berlin Covid-19 Längsschnitt-Studie online 1.972 Deutschen im Alter von 18 bis 88 Jahren, ob diese die App nutzen und warum, beziehungsweise warum nicht. Die Studie ist im European Journal of Public Health erschienen.

Unter den 1.972 Studienteilnehmer*innen nutzten 1.291 die „Corona-Warn-App“. Als Begründung nannten sie vor allem, dass es keinen Grund gäbe, sie nicht einzusetzen. Außerdem würden die Vorteile der App ihre Risiken aufwiegen und sie helfe dabei, die Pandemie zu verlangsamen. Die 681 Studienteilnehmer*innen, die die „Corona-Warn-App“ nicht nutzen, hegen vor allem Bedenken in Bezug auf den Datenschutz, die Effektivität der App zur Eindämmung der Pandemie oder sie verfügen über unzureichende technische Möglichkeiten.

Die „Corona-Warn-App“ wurde von der Bundesregierung und dem Robert-Koch-Institut entwickelt, um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen. 

  • Sie erfasst Begegnungen per Bluetooth-Funktion und warnt die Nutzer*innen, wenn sie mit einer Person in Kontakt waren, die kürzlich positiv auf das Corona-Virus getestet wurde – sofern diese den positiven Befunde selbst in die „Corona-Warn-App“ eingetragen hat. 
  • Kontaktverfolgungs-Apps wie die deutsche „Corona-Warn-App“ sind allerdings erst dann besonders effektiv, wenn sie von vielen Personen aktiviert werden.


Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Warn-App-Kampagnen vor Veröffentlichung der App die Bedenken von App-Ablehner*innen zum Datenschutz und zur Effektivität nicht vollständig ausräumen konnten. Das Forschungsteam schlägt vor, dass Personengruppen, die die App durchschnittlich seltener nutzten, Zielgruppe zukünftiger Kampagnen des Gesundheitswesens in der Bekämpfung der COVID-19 Pandemie sein könnten. Jedoch ist weitere Forschung zur Infektionsprävention (inkl. Nutzung von Kontaktverfolgungs-Apps) notwendig, die repräsentative Stichproben nutzt.

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Prof. Dr. Kai Tobias Horstmann
Humboldt-Universität zu Berlin
Psychological Assessment of Person-Situation-Dynamics
mail: kai.horstmann@hu-berlin.de

Frank Aischmann Humboldt-Universität zu Berlin

Unter den Linden 6
10099 Berlin
Deutschland
Berlin 

Telefon: +49 30 2093-2694
E-Mail-Adresse: frank.aischmann@hu-berlin.de


Originalpublikation:

“Short report: Who does or does not use the “Corona-Warn-App” and why?” European Journal of Public Health, ckaa239, https://doi.org/10.1093/eurpub/ckaa239

 

 

 

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Corona-Warn-App auf dem Prüfstand

Studie untersucht, wie die Corona-Warn-App genutzt wird, wie sie Überzeugungen und Verhalten beeinflusst und ob sie sich als Instrument für Notfälle eignet – Förderung durch die VolkswagenStiftung

Im Kampf gegen Corona gehört die Corona-Warn-App der Bundesregierung zu den Eckpfeilern, um Ansteckungsrisiken zu erkennen und Infektionsketten zu unterbrechen. 

Die App wurde Mitte Juni 2020 in Deutschland eingeführt und bisher über 20 Millionen Mal heruntergeladen. 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) untersuchen in einem aktuellen Forschungsprojekt, wie die Corona-Warn-App mittlerweile beurteilt wird und wie sie das Entscheidungsverhalten der Bevölkerung beeinflusst. Die VolkswagenStiftung unterstützt die Forschungen, die im Arbeitsbereich Technik- und Innovationssoziologie, Simulationsmethoden unter der Leitung von Prof. Dr. Petra Ahrweiler durchgeführt werden, mit knapp 120.000 Euro.

Einfluss der Corona-Warn-App auf Einstellung und Verhalten der Nutzer im Fokus

Die Forschenden untersuchen in ihrer Fallstudie die Bedeutung der Corona-Warn-App aus zwei Perspektiven: 

aus Sicht von Beteiligten der Regierung, des Robert Koch-Instituts und der Entwickler einerseits und aus Sicht der Nutzer andererseits. 

„Wir kontaktieren zurzeit die Akteure, die an der Erstellung der Corona-Warn-App beteiligt waren, um sie nach ihren Absichten und ihren Erwartungen über die Verwendung der App zu befragen“, erklärt Maia Janowitz, Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe von Petra Ahrweiler. 

Gleichzeitig ermittelt das Forscherteam, wie Nutzer mit der Corona-Warn-App umgehen und welche Erfahrungen sie gemacht haben. 

Hierzu werden insbesondere Studierende befragt. Schließlich soll erforscht werden, wie sich die Nutzung der App darauf auswirkt, welche Überzeugungen über die Pandemie vertreten werden und welches Verhalten zur Infektionseindämmung daraus folgt.

Die Erkenntnisse aus der Fallstudie sollen uns eine bessere Vorstellung davon geben, wie sich künstliche Intelligenz – hier in Form der Smartphone-App – auf das menschliche Denken, auf das Notfallmanagement und auf die Covid-19-Pandemie in Deutschland auswirkt. „Der Erfolg der App ist ein Eckpfeiler in der Covid-19-Strategie der Bundesregierung“, so Maia Janowitz. „Die Erkenntnisse über den Einfluss der App auf Überzeugungen und auf das tatsächliche Verhalten, um das Ansteckungsrisiko zu verringern, haben eine große Bedeutung für die Gesellschaft insgesamt.“ Janowitz weist darauf hin, dass die App in nur 50 Tagen entwickelt worden ist und unter anderem aus Datenschutzgründen nicht genau verfolgen kann, wie sich Covid-19 unter der Bevölkerung ausbreitet.

Förderung erfolgt als Zusatzmodul zu AI Navi – Einfluss künstlicher Intelligenz auf Populismus

Die VolkswagenStiftung fördert das Projekt mit dem Titel „Artificial Intelligence Navigation of Complex Social Landscapes (AI Navi) – Coronavirus Module” im Rahmen ihrer Initiative „Corona Crisis and Beyond – Perspectives for Science, Scholarship and Society“. Die Förderung erfolgt als Zusatzmodul zum Hauptprojekt AI Navi, das ebenfalls im Arbeitsbereich von Petra Ahrweiler angesiedelt ist. AI Navi soll erforschen, ob und wie künstliche Intelligenz gesellschaftspolitische Entscheidungen beeinflusst und zu den gegenwärtigen Erscheinungsformen des Populismus weltweit beiträgt. Die VolkswagenStiftung hat hierzu einen „Planning Grant“ gewährt. Die Ergebnisse aus der Fallstudie sollen in diese Vorarbeiten einfließen.

Der Arbeitsbereich Technik- und Innovationssoziologie, Simulationsmethoden setzt sich in verschiedenen Projekten aktiv mit den dramatischen Auswirkungen der Corona-Pandemie auseinander: Abgesehen von den Untersuchungen über den Einfluss der Corona-Warn-App befasst sich das Team mit Entscheidungshilfen für das Corona-Krisenmanagement und auch mit Ansätzen zur Verbesserung der Situation von Einwanderungsarbeitern in der Krise.

Weiterführende Links:
https://technikundinnovation.soziologie.uni-mainz.de/ - Technik- und Innovationssoziologie, Simulationsmethoden
https://www.volkswagenstiftung.de/unsere-foerderung/unser-foerderangebot-im-uebe... - Förderangebot der VolkswagenStiftung

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Maia Janowitz
Technik- und Innovationssoziologie, Simulationsmethoden
Institut für Soziologie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-29240
Fax +49 6131 39-26525
E-Mail: mjanowit@uni-mainz.de
https://technikundinnovation.soziologie.uni-mainz.de/team/maia-janowitz-m-sc/ 

Petra Giegerich Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Forum universitatis 3
55128 Mainz
Deutschland
Rheinland-Pfalz

Telefon: 06131 39-22369
Fax: 06131 39-24139


Prof. Henrik Bringmann: Schlaf-Menge nach einer Verletzung/Wunde - Bessere Erholung mit Schlaf-Neuronen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Natürliche Antibiotika, die in Wunden produziert werden, fördern den Schlaf und das Überleben nach Verletzungen

Wenn unser Körper verwundet wird, löst er eine komplexe Immunantwort aus. 

Als Teil davon produziert die Wunde kleine antimikrobielle Moleküle, um die Krankheitserreger lokal abzuwehren. 

Forschende des Biotechnologischen Zentrums (BIOTEC) der TU Dresden und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Zusammenarbeit mit dem Centre d'Immunologie de Marseille-Luminy (CIML) in Frankreich haben herausgefunden, dass diese natürlichen Antibiotika auch als weitreichende molekulare Botenstoffe wirken können.

  • Sie signalisieren die Wunde von der Verletzungsstelle zum Gehirn, erhöhen dadurch die Schlaf-Menge, und fördern so die Überlebenschancen nach der Verletzung.

 

 C. elegans-Wurm, der ein Gen exprimiert (in grün), das die Produktion der antimikrobiellen Moleküle (AMP) fördert.

 C. elegans-Wurm, der ein Gen exprimiert (in grün), das die Produktion der antimikrobiellen Moleküle (AMP) fördert. © Henrik Bringmann

Diese Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Current Biology" veröffentlicht.

Schlaf ist die beste Medizin, wie ein altes Sprichwort sagt. 

Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass längerer Schlaf zu einer besseren Erholung führt. 

Es ist keine Überraschung, dass unser Gehirn auf eine Verletzung reagiert, indem es unseren Schlaf verlängert. 

Aber wie geschieht das? Wie erfährt das Gehirn von der Verletzung? Wird von der Wunde eine Art weitreichende Nachricht an das Gehirn gesendet?

Ein Wissenschaftlerteam untersuchte diese Fragen anhand von Verletzung und Schlaf bei Würmern. „Der Wurm C. elegans ist das einfachste Tier, an dem wir den Schlaf untersuchen können. Es ist ein Modell, das ein breites Spektrum molekularbiologischer Techniken erlaubt, um grundlegende biologische Prozesse im Detail zu erforschen“, erklärt Prof. Bringmann, Forschungsgruppenleiter am Biotechnologiezentrum (BIOTEC) der TU Dresden und Gastgruppenleiter am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.

Ein Team unter der Leitung von Prof. Bringmann hat damit begonnen, nach Genen zu suchen, die für die Verlängerung des Schlafes bei Würmern verantwortlich sind. Sie haben ein großangelegtes genetisches Screening durchgeführt und über 4.500 verschiedene Genmutationen analysiert. Eines der gefundenen Gene hat ihre besondere Aufmerksamkeit erregt. Die Steigerung der Aktivität dieses Gens führte zu einem enormen Anstieg der Produktion von antimikrobiellen Peptiden (AMPs). Bei den AMPs handelt es sich um natürliche Antibiotika, die der Körper im Inneren der Wunde produziert, um die Krankheitserreger lokal abzuwehren.

Um den Zusammenhang zwischen den antimikrobiellen Peptiden und der Schlafsignalisierung herauszufinden, haben die Dresdner Wissenschaftler:innen mit den Immunolog:innen Dr. Nathalie Pujol und Dr. Jonathan Ewbank vom Centre d'Immunologie de Marseille-Luminy (CIML) in Frankreich zusammengearbeitet. Gemeinsam hat das Team die Genexpression von Würmern manipuliert. Sie haben die Produktion der natürlichen Antibiotika ausgeschaltet und sich angesehen, was mit den verletzten Würmern geschieht. Was sich anhört, als würde man einfach einen Schalter umlegen, war in Wirklichkeit gar keine einfache Aufgabe. Es hat sich herausgestellt, dass antimikrobielle Peptide hochgradig redundant sind

Die Wissenschaftler:innen haben festgestellt, dass insgesamt 19 verschiedene Gene, die für die Produktion von AMPs verantwortlich sind, gleichzeitig ausgeschaltet werden mussten, um einen erstaunlichen Unterschied zu beobachten. 

„Wir haben gesehen, dass die Würmer, die keine antimikrobiellen Peptide produzieren, nach einer Verletzung viel weniger schlafen“, erklärt Prof. Bringmann. „Normalerweise überleben Würmer Verletzungen recht gut. Wir haben jedoch beobachtet, dass der Schlafverlust die Anzahl der Würmer erhöhte, die eine scheinbar nicht bedrohliche Verletzung nicht überlebten“, fügt Prof. Bringmann hinzu.

  • Die Forscher konnten zeigen, dass die AMPs, einmal aus der Hautwunde freigesetzt, als Botenstoff wirken und Rezeptoren im Gehirn aktivieren. 
  • Diese Aktivierung wirkt als Schalter und schaltet Schlaf-Neuronen an, die dann die Schlaf-Menge steigern. 

„Es ist seit langem bekannt, dass AMPs lokal wirken, aber unsere Studie hat gezeigt, dass sie auch als Botenmoleküle mit grosser Reichweite wirken, die dem Nervensystem den Schlafbedarf von Wunden signalisieren“, sagt Prof. Bringmann.

Diese Ergebnisse stärken die Rolle des Schlafs bei der Erholung von Verletzungen weiter. 

„Da Schlaf bei praktisch allen Tieren vorkommt, deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass Schlaf nicht nur für C.-elegans-Würmer, sondern auch für andere Tiere und möglicherweise sogar für den Menschen entscheidend für die Erholung und das Überleben nach einer Verletzung sein könnte“, folgert Prof. Bringmann. Seine Gruppe wird durch den Starting Grant SLEEPCONTROL des Europäischen Forschungsrates (ERC) finanziert.

Das Biotechnologische Zentrum (BIOTEC) wurde 2000 als zentrale wissenschaftliche Einrichtung der TU Dresden mit dem Ziel gegründet, modernste Forschungsansätze in der Molekular- und Zellbiologie mit den in Dresden traditionell starken Ingenieurswissenschaften zu verbinden. Seit 2016 ist das BIOTEC eines von drei Instituten der zentralen wissenschaftlichen Einrichtung Center for Molecular and Cellular Bioengineering (CMCB) der TU Dresden. Das BIOTEC nimmt eine zentrale Position in Forschung und Lehre im Forschungsschwerpunkt Molecular Bioengineering ein und verbindet zellbiologische, biophysikalische und bioinformatische Ansätze miteinander. Es trägt damit entscheidend zur Profilierung der TU Dresden im Bereich Gesundheitswissenschaften, Biomedizin und Bioengineering bei.
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Konrad Kästner
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Originalpublikation:

Marina P. Sinner, Florentin Masurat, Jonathan J. Ewbank, Nathalie Pujol, Henrik Bringmann: Innate immunity promotes sleep through epidermal antimicrobial peptides. Current Biology (November 2020)
doi: 10.1016/j.cub.2020.10.076
URL: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960982220316535


Prof. Dr. Georg Behrens: Das Blut auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 testen -

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Corona-Pandemie: MHH ist ein sicherer Ort für Patientinnen, Patienten und Klinikpersonal

CoCo-Studie: Im nächsten Schritt soll Immunantwort nach Corona-Impfung untersucht werden

Seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland im März 2020 untersucht ein Forschungsteam der MHH-Klinik für Rheumatologie und Immunologie in der CoCo (COVID-19 Contact)-Studie, wie häufig es beim Personal in der Krankenversorgung zu einer Infektion mit SARS-CoV-2 gekommen ist

Dazu wurde das Blut auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 untersucht, was eine stattgefundene Infektion anzeigt.

 „Wir wollten vor allem wissen, wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer erkrankt sind, ohne es zu merken“, sagt Studienleiter Professor Dr. Georg Behrens. 

Professor Dr. Georg Behrens und Doktorandin Anne Cossmann mit eingelagerten Blutproben aus der CoCo-Studie.
Professor Dr. Georg Behrens und Doktorandin Anne Cossmann mit eingelagerten Blutproben aus der CoCo-Studie. Copyright: „Karin Kaiser/MHH“.

Die beruhigenden Ergebnisse

Es gab viel weniger Infizierte als befürchtet. Nur bei etwa einem Prozent waren überhaupt Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachzuweisen – eine sehr niedrige Infektionsrate im Vergleich zur Bevölkerung Region Hannover Außerdem konnte das Studienteam kaum sogenannte „stille Infektionen“ feststellen. Nur zwei der insgesamt mehr als 1.250 Getesteten hatten sich bis November infiziert, ohne es zu wissen.  

Deshalb ist die Furcht, sich in der Klinik selbst anzustecken, weitgehend unbegründet. 

Und das liegt nicht nur an der bislang relativ niedrigen Zahl an COVID-19-Patientinnen und -Patienten. Auch das Klinikpersonal selbst trägt entscheidend dazu bei, indem es offensichtlich verantwortungsvoll arbeitet und die Hygienevorschriften beachtet.

Mehr als 1.000 Mitarbeitende nehmen an der CoCo-Studie teil


Die MHH ist bundesweit eine der ersten Institutionen, die Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte aus der klinischen Routine- und Notfallversorgung von COVID-19-Patientinnen und Patienten regelmäßig testet. 

„Wir haben anfangs wöchentlich, dann monatlich Blutproben von mehr als 200 Teilnehmenden untersucht und gleichzeitig mithilfe von Fragebögen mögliche Symptome erfasst“, erklärt Anne Cossmann, Doktorandin in der Klinik und eine Organisatorin der Studie. Ein logistischer Kraftakt, denn aufgrund der Abstandsregeln konnten die Teilnehmenden nicht zentral zur Blutentnahme bestellt werden. „Da aber alle medizinisch geschult sind, haben sie zum Glück selbst die Blutproben entnommen, wir hatten sozusagen lauter kleine Studienzentren auf dem Campus“, sagt Studienleiter Behrens. Inzwischen sind zudem 1.000 weitere Probanden rekrutiert worden, die alle sechs Monate getestet werden. Das Interesse an der CoCo-Studie ist enorm. „Wir sind dankbar für die Teilnahmebereitschaft, können aber leider nicht noch mehr Interessierte einschließen“, sagt Professor Behrens.

Als nächstes soll der Impfschutz untersucht werden

Jetzt geht die Studie in eine neue Phase, denn demnächst starten die Impfungen gegen SARS-CoV-2. Nächstes Ziel ist, die dadurch ausgelöste Immunantwort zu untersuchen. „Wir haben vorab Fragebögen zur möglichen Impfteilnahme an unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer versendet. Aufgrund der Antworten gehen wir davon aus, dass sich 70 bis 80 Prozent gegen das Corona-Virus immunisieren lassen werden“, schätzt Professor Behrens. 

Daraus leite sich die Frage ab, wie stark die Impflinge jeweils auf den Impfstoff ansprechen, wie viele Antikörper sie bilden und wie lange der Impfschutz andauert. 

Doch auch Teilnehmende, die sich nicht impfen lassen möchten, werden weiterhin innerhalb der CoCo-Studie getestet. 

Die Ergebnisse erfahren sie auf einer extra für die klinische Studie eingerichteten Webseite. 

„Die Seite ist eine Art Kommunikationsplattform für Neuigkeiten, Hintergrundinformationen und Schaubilder“, erklärt Anne Cossmann. 

Die Teilnehmenden können sich mit einem persönlichen Passwort einloggen, Fragen stellen und ihre Untersuchungsergebnisse abfragen – alles pseudonymisiert und datenschutzkonform.

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Prof. Dr. Georg Behrens

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Prof. Dr. Robert Wagner: Blutzuckerwerten, Leberfett, Körperfettverteilung, Blutfettspiegel und genetisches Risiko

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Subtypen bei Vorstufe des Diabetes entdeckt

Prädiabetes ist nicht gleich Prädiabetes: 

Bei Menschen im Vorstadium des Typ-2-Diabetes gibt es sechs klar abgrenzbare Subtypen, die sich in der Krankheitsentstehung, dem Risiko für Diabetes und der Entwicklung von Folgeerkrankungen unterschieden. 

Das zeigt eine Studie des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München an der Universität Tübingen, des Universitätsklinikums Tübingen und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). 

Die Ergebnisse sind jetzt in ´Nature Medicine´ erschienen. 

Bei Menschen mit Prädiabetes gibt es sechs klar abgrenzbare Subtypen (Cluster), die sich in der Krankheitsentstehung, dem Risiko für Diabetes und der Entwicklung von Folgeerkrankungen unterscheiden. Bei Menschen mit Prädiabetes gibt es sechs klar abgrenzbare Subtypen (Cluster), die sich in der Krankheitsentstehung, dem Risiko für Diabetes und der Entwicklung von Folgeerkrankungen unterscheiden. Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM

Diabetes ist eine weltweite Pandemie. Seit 1980 hat sich die Zahl der Menschen mit Diabetes weltweit vervierfacht. Allein in Deutschland leiden 7 Mio. Menschen daran. Tendenz weiter steigend. 2040 könnte sich die Anzahl der Menschen mit Typ-2-Diabetes auf bis zu 12 Mio. erhöhen

Doch Typ-2-Diabetes entwickelt sich nicht von einem Tag auf den anderen. 

Oft durchlaufen die Personen eine längere Vorstufe des Diabetes, in der die Blutzuckerwerte bereits erhöht, aber die Menschen noch nicht krank sind. 

„Bisher konnte man bei Menschen mit Prädiabetes nicht vorhersehen, ob sie einen Diabetes entwickeln und Risiken zu schweren Folgeerkrankungen wie Nierenversagen haben, oder nur eine harmlose Form von leicht höheren Blutzuckerwerten ohne bedeutsames Risiko aufweisen“, erläutert Prof. Dr. Hans-Ulrich Häring, der die Studie vor 25 Jahren initiiert hat. 

Eine solche Unterscheidung ist jedoch wichtig, um der Stoffwechselerkrankung gezielt vorbeugen und so der Diabetes-Pandemie entgegenwirken zu können. 

Forschenden aus Tübingen ist jetzt ein wichtiger Durchbruch gelungen. 

Sie haben mit Hilfe der Clusteranalyse* bei Menschen mit Prädiabetes sechs verschiedene Subtypen mit unterschiedlichem Diabetes-Risiko entdeckt. Eine differenzierte Einteilung des Prädiabetes und des Diabetes ermöglicht es, eine an die Krankheitsentstehung angepasste individuelle und frühe Prävention und Therapie von Diabetes und seinen Folgeerkrankungen zu betreiben.

Prädiabetes: Sechs unterschiedliche Cluster identifiziert
Die Arbeitsgruppe um Prof. Häring und Prof. Fritsche im Universitätsklinikum in Tübingen hat den Stoffwechsel von noch als gesund geltenden Personen mit Prädiabetes detailliert untersucht. Die Probanden (n=899) stammen aus der Tübinger Familienstudie und der Studie des Tübinger Lebensstilprogramms, die in den vergangenen 20 Jahren in Tübingen wiederholt intensiv klinisch, laborchemisch, kernspintomografisch und genetisch untersucht wurden. Anhand von für den Stoffwechsel wichtiger Kerngrößen wie u.a. Blutzuckerwerten, Leberfett, Körperfettverteilung, Blutfettspiegel und genetisches Risiko konnten die Forschenden sechs Subtypen des Prädiabetes identifizieren. 

„Wie beim manifesten Diabetes gibt es auch im Vorstadium des Diabetes unterschiedliche Krankheitstypen, die sich durch Blutzuckerhöhe, Insulinwirkung und Insulinausschüttung, Körperfettverteilung, Leberfett sowie genetischem Risiko unterscheiden“, fasst Erstautor Prof. Dr. Robert Wagner vom DZD Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München an der Universität Tübingen das Ergebnis der Untersuchung zusammen.

Drei dieser Gruppen (Cluster 1, 2 und 4) zeichnen sich durch ein niedriges Diabetes-Risiko aus. 

Die Probanden des Cluster 1 und 2 waren gesund. 

Dabei gehören dem Cluster 2 vor allem schlanke Menschen an. 

Sie haben ein besonders niedriges Risiko, an Komplikationen zu erkranken. 

Das Cluster 4 bilden übergewichtige Menschen, deren Stoffwechsel jedoch noch relativ gesund ist. 

Die drei übrigen Subtypen (Cluster 3, 5 und 6) gehen mit einem erhöhten Risiko für Diabetes und / oder Folgeerkrankungen einher. 

Menschen, die dem Subtyp 3 angehören, bilden zu wenig Insulin und haben ein hohes Risiko an Diabetes zu erkranken. Menschen aus dem Cluster 5 weisen eine ausgeprägte Fettleber und ein sehr großes Diabetesrisiko auf, weil ihr Körper resistent gegen die blutzuckersenkende Wirkung von Insulin ist. B

Beim Subtyp 6 treten bereits vor einer Diabetesdiagnose Schädigungen der Niere auf. Hier ist auch die Sterblichkeit besonders hoch.

Doch lässt sich die Einteilung in sechs Prädiabetes-Subtypen auch in anderen Kohorten bestätigen? Um das zu untersuchen, haben die Forschenden das Verfahren auf beinahe 7000 Probanden der Whitehall II Kohorte in London ausgeweitet und dort ebenfalls die sechs Untertypen des Prädiabetes identifiziert.

Gezielter vorbeugen
Die Forschenden planen schon weiter. „In den nächsten Schritten werden wir zuerst in prospektiven Studien prüfen, wie weit die neuen Erkenntnisse für die Einteilung von einzelnen Personen in Risikogruppen anwendbar sind“, berichtet Prof. Dr. Andreas Fritsche vom Universitätsklinikum Tübingen. Sollte dies der Fall sein, könnten Menschen mit hohem Risikoprofil künftig früh erkannt und spezifisch behandelt werden.
„Ein Ziel des DZD ist es, präzise Präventions- und Therapiemaßnahmen zu entwickeln, d. h. die passende Prävention oder Behandlung für die richtige Personengruppe zur richtigen Zeit. Die Verbindung aus tiefgehender klinischer und molekularer Forschung mit modernster Bioinformatik hat dieses auch international wichtige Ergebnis ermöglicht. Die Identifizierung von Subtypen im Vorstadium des Typ-2-Diabetes ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer Präzisionsmedizin bei der Prävention des Diabetes und seiner Begleiterkrankungen“, sagt DZD-Vorstand Prof. Martin Hrabě de Angelis.

Über die Studie
Diese Ergebnisse basieren auf der seit über 25 Jahre andauernden Arbeit der Diabetesforschung in der Universitätsklinik Tübingen, Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko zu charakterisieren. Die Arbeit wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie vom Land Baden-Württemberg gefördert.

* Clusteranalyse:
Die Clusteranalyse ist ein Verfahren, mit dem man anhand von vorgegebenen Kriterien und Merkmalen die Untersuchungsobjekte (z.B. Personen) gruppieren kann. Die so gefundenen Gruppen – auch Cluster genannt – enthalten dann jeweils Fälle, die sich ähnlich sind. Ein gebildetes Cluster soll in sich maximal homogen sein, sich aber gleichzeitig von den anderen Clustern so stark wie möglich unterscheiden. Hier konnten bei Probanden mit Prädiabetes anhand von acht für den Stoffwechsel wichtigen Kerngrößen (u.a. Blutzuckerwerte, Leberfett, Körperfettverteilung, Blutfettspiegel und genetisches Risiko) sechs unterschiedliche Cluster identifiziert werden.

Weitergehende Informationen
In der Deutschen Diabetes Studie haben Forschende des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und der Universität Lund in Schweden verschiedene Cluster entdeckt, die die Aufteilung des Diabetes in Subtypen ermöglichen. Mithilfe der Clusteranalyse wurden fünf verschiedene Subtypen mit unterschiedlichen Risiken für Folgeerkrankungen identifiziert.
https://www.dzd-ev.de/aktuelles/news/news/article/eine-neue-diabetesklassifikati...

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. Weitere Informationen: http://www.dzd-ev.de

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de

Das 1805 gegründete Universitätsklinikum Tübingen gehört zu den führenden Zentren der deutschen Hochschulmedizin. Als eines der 33 Universitätsklinika in Deutschland trägt es zum erfolgreichen Verbund von Hochleistungsmedizin, Forschung und Lehre bei. Weit über 400 000 stationäre und ambulante Patienten aus aller Welt profitieren jährlich von dieser Verbindung aus Wissenschaft und Praxis. Die Kliniken, Institute und Zentren vereinen alle Spezialisten unter einem Dach. Die Experten arbeiten fachübergreifend zusammen und bieten jedem Patienten die optimale Behandlung ausgerichtet an den neuesten Forschungsergebnissen. Das Universitätsklinikum Tübingen forscht für bessere Diagnosen, Therapien und Heilungschancen, viele neue Behandlungsmethoden werden hier klinisch erprobt und angewandt. Neben der Diabetologie sind die Neurowissenschaften, Onkologie, Immunologie, Infektionsforschung und Vaskuläre Medizin Forschungsschwerpunkte in Tübingen. Das Universitätsklinikum ist in vier der sechs von der Bundesregierung initiierten Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung verlässlicher Partner. http://www.medizin.uni-tuebingen.de

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Prof. Dr. Robert Wagner
Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen
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Birgit Niesing Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

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Originalpublikation:

Robert Wagner et al: Pathophysiology-based subphenotyping of individuals at elevated risk for type 2 diabetes. Nature Medicine. DOI: https://doi.org/10.1101/2020.10.12.20210062


Prof. Dr. Christine S. Falk + Dr. Ulrike Meltzer: Die wirkungsvolle COVID-19 Schutzimpfung - Zweite Impfung muss sein

Medizin am Abend Berlin -MaAB-Fazit: DGfI Stellungnahme zur Impfung gegen SARS-CoV-2: Kann die zweite Dosis warten?

In der aktuellen Diskussion um die SARS-CoV-2 Impfstrategie möchte die DGfI darauf hinweisen, dass bereits die erste Impfung ab Tag 14 einen beträchtlichen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bieten kann. 

  • Auf eine zweite Impfung darf nicht verzichtet werden, sie kann aber auch später als an Tag 21 (BNT162b2; BioNTech/Pfizer) bzw. Tag 28 (mRNA-1273; Moderna) erfolgen. 

In dieser besonderen Pandemielage ist es vertretbar, mit den jetzt vorhandenen Impfdosen möglichst vielen Menschen erst einmal die erste Immunisierung zu ermöglichen, und die zweite Impfung verzögert, 

aber zwingend innerhalb von 60 Tagen, nachzuholen.

Möglichst schnell möglichst viele Menschen in der COVID-19 Pandemie zu impfen, rettet
Leben. 

Medizin am AbendBerlin ZusatzFachThema: Anti-Körpertest  

Aber offenbar reichen die verfügbaren Impfdosen derzeit noch nicht, um sofort alle Risikogruppen zweimal zu impfen, sie so maximal zu schützen und schrittweise Herdenimmunität zu erreichen. 

Als Immunologen weisen wir darauf hin, dass bereits die erste Impfung ab Tag 14 einen beträchtlichen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bieten kann. 

  • Auf eine zweite Impfung darf nicht verzichtet werden, sie kann aber auch später als an Tag 21 (BNT162b2; BioNTech/Pfizer) bzw. Tag 28 (mRNA-1273; Moderna) erfolgen. 
  • Bei anderen Impfstoffen hat sich das sogar als wirkungsvoller herausgestellt. 

Allerdings liegen für mRNA-Impfstoffe noch keine Studiendaten zu einem längeren Zeitfenster vor. 

In dieser besonderen Pandemielage ist es vertretbar, mit den jetzt vorhandenen Impfdosen möglichst vielen Menschen erst einmal die erste Immunisierung zu ermöglichen, und die zweite Impfung verzögert, aber zwingend innerhalb von 60 Tagen, nachzuholen.

Angesichts der Knappheit der zugelassenen und verfügbaren Impfstoffe, und der trotz
Lockdown-Maßnahmen hohen Infektions- und Todeszahlen in der Pandemie, wird zur Zeit
über die optimale SARS-CoV-2 („COVID-19“) Impfstrategie diskutiert. Angeregt wird eine
Verlängerung der Zeitspanne zwischen der ersten und der zweiten Impfung von 21 bzw. 28
Tagen auf bis zu 60 Tage, um bei möglichst vielen Menschen möglichst schnell eine
Grundimmunisierung durch die erste Impfung zu erreichen.


Die Zulassung des Protokolls für die Anwendung des mRNA-basierten COVID-19-
Impfstoffs BNT162b2 („Comirnaty“ von BioNTech/ Pfizer) mit zwei Impfungen im Abstand
von 21 Tagen bzw. 28 Tagen bei mRNA-1273 (Moderna) basiert auf klinischen Studien, in
denen keine anderen Intervalle getestet wurden (1, 2). 

  • Der Impfschutz beginnt frühestens 14 Tage nach der ersten Impfung und die hohe Effizienz von 94% bzw. 95% wurde erst ab Tag 7 bzw. 14 nach der zweiten Impfung dokumentiert. 

Das Intervall orientiert sich an Erfahrungswerten mit anderen Impfstoffen und an dem Ziel, möglichst schnell einen maximalen Schutz für die Geimpften zu erreichen. 

Für eine maximale und nachhaltige  Antikörperantwort ist eine zweite Impfung notwendig (3, 4). 

Antikörper und T-Zell-Antworten, die nach der zweiten Impfung gebildet werden, schützen generell besser und halten länger (immunologisches Gedächtnis).  

Unklar ist allerdings weiterhin, inwieweit die Geimpften nach der zweiten Impfung im Falle einer Infektion selbst noch infektiöse Viren produzieren und übertragen können.

  • Der Abstand von 21 Tagen zwischen erster und zweiter Impfung hat sich bei anderen
  • Impfstudien als frühester Zeitpunkt für die zweite Impfung herausgestellt, weil sonst die
  • erste Immunreaktion die zweite Immunreaktion blockiert. 

Erfolgt die zweite Impfung später als 21 Tage nach der ersten, kann die zweite Immunreaktion bei anderen Impfstoffen sogar fulminanter sein (5-8). 

Ob das bei den mRNA-basierten Impfstoffen auch so ist, könnte nur durch zusätzliche Studien gezeigt werden. 

Bisherige Ergebnisse zeigen jedoch, dass es ohne eine zweite Impfung keinen lang anhaltenden Schutz gegen den Erreger gibt (3). Aus immunologischer Sicht kann das Zeitintervall für die zweite Impfung durchaus länger sein als 21 Tage, aber entscheidend ist, dass die zweite Impfung innerhalb von 60 Tagen erfolgt.

Die DGfI empfiehlt, umgehend begleitende wissenschaftliche Studien zur Auswirkung der
Verlängerung der Impfintervalle auf bis zu 60 Tage durchzuführen, und dabei die Menge
an gebildeten neutralisierenden Antikörpern, insbesondere neutralisierendes sekretorisches
IgA, als relevantes Vergleichsmaß zu nehmen

  • Probanden könnten Freiwillige aus medizinischem und Pflegepersonal sein, die selbst nicht zu gefährdeten Risikogruppen gehören.


Bis diese Ergebnisse vorliegen, wäre angesichts der besonderen Pandemielage eine
Flexibilität der zweiten Impfung für den Zeitraum von bis zu 60 Tagen nach der ersten
Impfung vertretbar. 

Das bedeutet, dass jetzt verfügbare Impfdosen nicht für eine zweite Impfung zurückgehalten, sondern für eine Erstimmunisierung von möglichst vielen Menschen der Risikogruppen verwendet werden sollten.

Weiterführende Literatur:

1. Polack FP, Thomas SJ, Kitchin N, Absalon J, Gurtman A, Lockhart S, Perez JL, Pérez Marc G, Moreira ED, Zerbini C, Bailey R, Swanson KA, Roychoudhury S, Koury K, Li P, Kalina WV, Cooper D, Frenck RW Jr, Hammitt LL, Türeci Ö, Nell H, Schaefer A, Ünal S, Tresnan DB, Mather S, Dormitzer PR, Şahin U, Jansen KU, Gruber WC; C4591001 Clinical Trial Group. Safety and Efficacy of the BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine. N Engl J Med. 2020 Dec 31;383(27):2603 2615. doi: 10.1056/NEJMoa2034577. Epub 2020 Dec 10.

  • Diese Studie zeigt für die BNT162b2 Impfung, dass ein Schutz vor Erkrankung frühestens 12 Tage nach der ersten BNT162b2 Impfung wirksam ist und die Effizienz von 94% Schutz erst ab Tag 7 nach der zweiten Impfung berechnet wurde.


2. Baden LR, El Sahly HM, Essink B, Kotloff K, Frey S, Novak R, Diemert D, Spector SA, Rouphael N, Creech CB, McGettigan J, Kehtan S, Segall N, Solis J, Brosz A, Fierro C, Schwartz H, Neuzil K, Corey L, Gilbert P, Janes H, Follmann D, Marovich M, Mascola J, Polakowski L, Ledgerwood J, Graham BS, Bennett H, Pajon R, Knightly C, Leav B, Deng W, Zhou H, Han S, Ivarsson M, Miller J, Zaks T; COVE Study Group. Efficacy and Safety of the mRNA-1273 SARS-CoV-2 Vaccine. N Engl J Med. 2020 Dec 30. doi: 10.1056/NEJMoa2035389.

Diese Studie zeigt für mRNA-1273 Impfung, dass ein Schutz vor Erkrankung frühestens 14 Tage nach der ersten mRNA-1273 Impfung wirksam ist und die Effizienz von 95% Schutz erst ab Tag 14 nach der zweiten Impfung berechnet wurde.

3. Chang HD, Mashreghi MF, Radbruch A; Immunität gegen SARS-CoV-2: Die Vielschichtigkeit des immunologischen Gedächtnisses TRILLIUM https://doi.org/10.47184/ti.2020.03.01

Diskutiert werden Entstehung und Aufbau des Immunologischen Gedächtnisses und der Immunität mit Blick auf COVID-19 Erkrankung und Impfungen dagegen.

4. Sahin U, Muik A, Derhovanessian E, Vogler I, Kranz LM, Vormehr M, Baum A, Pascal K, Quandt J, Maurus D, Brachtendorf S, Lörks V, Sikorski J, Hilker R, Becker D, Eller AK, Grützner J, Boesler C, Rosenbaum C, Kühnle MC, Luxemburger U, Kemmer-Brück A, Langer D, Bexon M, Bolte S, Karikó K, Palanche T, Fischer B, Schultz A, Shi PY, Fontes-Garfias C, Perez JL, Swanson KA, Loschko J, Scully IL, Cutler M, Kalina W, Kyratsous CA, Cooper D, Dormitzer PR, Jansen KU, Türeci Ö. COVID-19 vaccine BNT162b1 elicits human antibody and TH1 T cell responses. Nature. 2020 Oct; 586(7830):594-599. doi: 10.1038/s41586-020-2814-7. Epub 2020 Sep 30.

Zeigt, dass eine virus-spezifische T-Zell-Antwort erst nach einer 2. Impfung mit BNT162b1
nachgewiesen werden konnte.


5. Capone S, Brown A, Hartnell F, Sorbo MD, Traboni C, Vassilev V, Colloca S, Nicosia A, Cortese R, Folgori A, Klenerman P, Barnes E, Swadling L. Optimising T cell (re)boosting strategies for adenoviral and modified vaccinia Ankara vaccine regimens in humans. NPJ Vaccines. 2020 Oct 12;5:94. doi:10.1038/s41541-020-00240-0. PMID: 33083029; PMCID: PMC7550607.

  • Die Arbeit zeigt bei einem dem Astra-Zeneca verwandten Hepatitis (HCV) Impfstoff, dass die zweite Impfung nach 1 Jahr besser ist als nach 8 Wochen, für die T Zellantwort.


6. Palgen JL, Tchitchek N, Rodriguez-Pozo A, Jouhault Q, Abdelhouahab H, Dereuddre-Bosquet N, Contreras V, Martinon F, Cosma A, Lévy Y, Le Grand R, Beignon AS. Innate and secondary humoral responses are improved by increasing the time between MVA vaccine immunizations. NPJ Vaccines. 2020 Mar 19;5:24. doi: 10.1038/s41541-020-0175-8. PMID: 32218996; PMCID: PMC7081268.

Vergleich des Zeitpunktes der Zweitimmunisierung bei Primaten von 2 Wochen gegen 2 Monate: 2 Monate deutlich besser.

7. Carter C, Houser KV, Yamshchikov GV, Bellamy AR, May J, Enama ME, Sarwar U, Larkin B, Bailer RT, Koup R, Chen GL, Patel SM, Winokur P, Belshe R, Dekker CL, Graham BS,
Ledgerwood JE; VRC 703 study team. Safety and immunogenicity of investigational seasonal influenza hemagglutinin DNA vaccine followed by trivalent inactivated vaccine administered intradermally or intramuscularly in healthy adults: An open-label randomized phase 1 clinical trial. PLoS One. 2019 Sep 18;14(9):e0222178. doi: 10.1371/journal.pone.0222178. PMID: 31532789; PMCID: PMC6750650.

  • Zeigt effiziente zweite Immunreaktionen gegen Influenzaimpfstoffe 3, 5 und 10 Monate nach der Erstimmunisierung.


8. Koch T, Dahlke C, Fathi A, Kupke A, Krähling V, Okba NMA, Halwe S, Rohde C, Eickmann M, Volz A, Hesterkamp T, Jambrecina A, Borregaard S, Ly ML, Zinser ME, Bartels E, Poetsch JSH, Neumann R, Fux R, Schmiedel S, Lohse AW, Haagmans BL, Sutter G, Becker S, Addo MM. Safety and immunogenicity of a modified vaccinia virus Ankara vector vaccine candidate for Middle East respiratory syndrome: an open-label, phase 1 trial. Lancet Infect Dis. 2020 Jul;20(7):827-838. doi:10.1016/S1473-3099(20)30248-6. Epub 2020 Apr 21. PMID: 32325037; PMCID: PMC7172913.

Das Zeitintervall zwischen Erst-und Zweitimpfung von 28 Tagen ist effektiv bei MVA-MERS-S
Vakzine. Kein anderes Intervall wurde getestet.

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