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Untersucher-Fazit: Junge Menschen mit extremer Adipositas in Deutschland

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Bessere Versorgung von Jugendlichen mit Adipositas |Forscherteam erarbeitet neues Behandlungskonzept

Rund 200.000 Jugendliche leiden in Deutschland an extremer Adipositas – einer
massiven Vermehrung von Körperfett. 


Eine körperliche aber auch psychische Belastung für die jungen Patient*innen. In der multizentrischen „JA“- Studie wurden nun erstmals Informationen für eine bessere Betreuung und Behandlung von Jugendlichen mit extremer Adipositas gesammelt und untersucht. 

Geleitet und koordiniert wurde die Studie von Professor Dr. Martin Wabitsch, Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Ulm. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Komatrinken  

Ein neues Behandlungskonzept soll die Versorgung von Jugendlichen mit Adipositas verbessern.
Ein neues Behandlungskonzept soll die Versorgung von Jugendlichen mit Adipositas verbessern. Universitätsklinikum Ulm
 
Im Zuge der Studie untersuchten die beteiligten Expert*innen von 2012 bis 2019 431
junge Menschen mit extremer Adipositas in Deutschland.

  • Aus den Ergebnissen entstand nun ein fundiertes und standardisiertes Betreuungs- und Behandlungskonzept sowie eine Checkliste mit Kriterien für einen chirurgischen Eingriff bei extrem adipösen Jugendlichen sowie ein Schulungsprogramm zur Vor- und Nachsorge. 

Die hohe Zahl der Studienteilnehmer*innen macht die Studie wohl weltweit einzigartig, da sich die Rekrutierung von Proband*innen dieser Patientengruppe schwierig gestaltet.

„Gerade junge Erwachsene mit extremer Adipositas suchen meist nicht nach medizinischen Behandlungsmöglichkeiten.

Sie fühlen sich diskriminiert und kämpfen in unserer Gesellschaft oft mit Stigmatisierung“, so Studienleiter Professor Dr. Martin Wabitsch.

  • „Wird eine extreme Adipositas im Jugendalter nicht behandelt, kann dies zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Depressionen oder orthopädischen Problemen führen“, ergänzt der Kinder- und Jugendarzt.

Die Studie umfasste ein Drei-Phasen-Programm, in dem sich die jungen Patient*innen im ersten Schritt auf ihren körperlichen und psychischen Gesundheitszustand untersuchen lassen konnten.

So konnte die weitere Betreuung der Patient*innen festgelegt werden.

Die zweite Phase bestand in einem drei- bis sechs-monatigem Gruppenprogramm, mit dem Ziel die Lebensqualität und Krankheitsakzeptanz der Patient*innen zu verbessern.

In der dritten und letzten Phase wurde den Jugendlichen dann eine individuelle Therapie angeboten, unter anderem auch ein bariatrischchirurgischer Eingriff, um eine langfristige Gewichtsreduktion erreichen zu können.

Unterstützt wurde die „JA“-Studie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
mit rund vier Millionen Euro. Neben dem Universitätsklinikum Ulm waren die Berliner
Charité,
das Universitätsklinikum Leipzig, das LVR- Klinikum Essen sowie die Vestische
Kinder- und Jugendklinik Dattel als Studienzentren an dem Projekt beteiligt.

  • Die Ergebnisse sind vor allem für Krankenkassen interessant, die nun auf der Grundlage der Studie besser entscheiden können, für welche Therapie der* die jeweilige Patient*in Unterstützung bekommen sollte.

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Prof. Dr. med. Martin Wabitsch
Leiter Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie
Universitätsklinikum Ulm
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Eythstraße 24
89075 Ulm

Vivian Bux Universitätsklinikum Ulm
Albert-Einstein-Allee 29
89081 Ulm
Deutschland
Baden-Württemberg


Telefon: 0731 500 43043
E-Mail-Adresse: vivian.bux@uniklinik-ulm.de


Meniskusschaden - Knorbelschaden: Räumlichen und zeitlichen Arthroseverlauf

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Saarländischer Arthrosespezialist entwickelt weltweit erstmalig Modell für das frühe Stadium der Arthrose

  • Arthrose, der Verlust des Gelenkknorpels, ist ein großes gesellschaftliches Problem. 

Alleine in Deutschland leiden rund fünf Millionen Menschen an Arthrose, die zum Teil mit großen Schmerzen und dem Verlust der Bewegungsfreiheit einhergeht. 

Die Frühphase der Krankheit ist dabei noch relativ unerforscht. 

Dem Arthroseforscher Henning Madry ist es nun erstmals gelungen, die Frühphase der Krankheit im Kniegelenk genauer zu beobachten. 

Das Modell des Krankheitsverlaufs hat er nun in der aktuellen Ausgabe von „Science Translational Medicine“, einem Tochtermagazin des weltweit renommierten Fachmagazins „Science“, veröffentlicht. 

Professor Dr. Henning Madry
 Professor Dr. Henning Madry Foto: Rüdiger Koop
 
Arthrose ist in einer stetig alternden Gesellschaft ein wachsendes Problem. Nach Ansicht von Fachleuten leiden alleine in Deutschland rund fünf Millionen Menschen an einer Schädigung des Gelenkknorpels, meist in den Händen, Hüften und Knien. Medizinische Behandlungen und Operationen schlagen dabei mit Milliardenkosten zu Buche.

  • Die überwiegende Mehrheit der Patientinnen und Patienten, 83 Prozent, leidet dabei an einer Kniegelenksarthrose.
  • Ist der Gelenkknorpel im Knie einmal zu stark geschädigt, werden auch die darunterliegenden Knochen in Mitleidenschaft gezogen. 

Schmerzen und eingeschränkte Bewegungsfreiheit sind die Folgen. 

Bisher gibt es nur wenige Möglichkeiten, die Arthrose zu behandeln.

Ein künstliches Kniegelenk ist eine dieser Möglichkeiten, die sehr kostspielig ist. Die Operation bedeutet allerdings eine große Belastung für die Betroffenen, und sie ist überdies für junge Patienten nur in Ausnahmefällen geeignet.

Dabei ist vielen häufig gar nicht bewusst, dass sie an einer Arthrose leiden.

„Das ist ein schleichender Prozess“, sagt Henning Madry, Professor für Experimentelle Orthopädie und Arthroseforschung an der Saar-Uni und Direktor des Zentrums für Experimentelle Orthopädie am Universitätsklinikum des Saarlandes. „Irgendwann tut ihnen das Knie weh, ohne dass sie zuvor Schmerzen hatten. Dabei haben viele schon jahrelang Arthrose, ohne es zu merken“, erläutert der Wissenschaftler den Krankheitsverlauf. Kommen die Patienten dann zu ihm in die Klinik, ist die Krankheit oft schon in einem fortgeschrittenen Stadium.

Deshalb suchen Arthroseforscher und Orthopäden wie Henning Madry nach den Ursachen der Krankheit, um besser zu verstehen, wie sie überhaupt erst entstehen kann. Mit diesem tieferen Verständnis kann es dann gelingen, die Krankheit besser vorherzusagen und so einem Arthrosepatienten womöglich einen langen Leidensweg und größere Operationen zu ersparen.

Henning Madry und seinem Team ist es nun gelungen, die Kniegelenksarthrose im Frühstadium besser zu verstehen. 

Dabei hat er sich auf einen bereits bekannten Umstand gestützt:

Arthrose entsteht fast immer, wenn der Meniskus des Knies geschädigt ist, wie zum Beispiel nach einem Sportunfall. 

„Was man allerdings nicht weiß: Wie genau verläuft der Weg vom Meniskusschaden zu Schäden am Gelenkknorpel und damit zur Arthrose?“, fragt Professor Madry. „Aus klinischen Studien wissen wir, dass der Verlust des Gelenkknorpels nicht gleichmäßig, sondern hier und da unterschiedlich verläuft. Wie eine Wiese im Schnee, auf der der Schnee in der Sonne nicht gleichmäßig schmilzt, sondern hier und da noch etwas liegenbleibt, während wenig daneben alles weggeschmolzen ist“, vergleicht der Arthroseforscher.

Genau auf diese Frage konnte er nun experimentell eine Antwort finden und ein Modell entwickeln, das Forscher künftig heranziehen können, wenn sie den Krankheitsverlauf vorhersagen möchten. Dazu sind Henning Madry und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in drei Schritten vorgegangen. „Zuerst haben wir uns bei Patienten angeschaut, wo genau der Meniskusschaden ist. Dann haben wir den Knorpelschaden genau lokalisiert“, erläutert Henning Madry den ersten Schritt.

In einem zweiten Schritt haben die experimentellen Orthopäden die Kniegelenke von Schafen mit Arthrose untersucht, zuerst in einem frühen Stadium und dann in einem späten Stadium. „Hier konnten wir sehr genau im Knorpel und im Knochen nachschauen, was wann passiert im Verlauf der Krankheit“, so Henning Madry über diesen Schritt der Forschungsarbeit. Sie fanden unter anderem heraus, dass Knorpel- und Knochenabbau zuerst an der Stelle der Verletzung auftraten, bevor sie sich in der gesamten Kniegelenksregion ausbreiteten.

In einem dritten Schritt haben die Forscher wiederum Patienten mit schwerer Arthrose untersucht und mit der späten Verlaufsform der Schafs-Arthrose verglichen. „Wir haben dabei festgestellt, dass die menschlichen Arthrosen und die Arthrosen im Schafsmodell nach Meniskusschaden ganz ähnlich verlaufen“, erläutert Henning Madry. Mit den so erstellten hochauflösenden topographischen Karten des Krankheitsverlaufs kann genau die Pathologie der menschlichen Arthrose widergespiegelt werden. Dies ist der Beweis dafür, dass die beobachteten Verläufe bei den Schafen als Modell für die Entwicklung der Krankheit auch beim Menschen dienen können.

Diese Erkenntnisse zum räumlichen und zeitlichen Arthroseverlauf sind bisher weltweit einzigartig.

Mit ihrer Studie, die Henning Madry und sein Team im Tochtermagazin des renommierten Fachblattes „Science“, Science Translational Medicine, veröffentlichen konnten, haben sie damit Arthroseforschern weltweit ein Werkzeug an die Hand gegeben, um weiter an den Ursachen der Krankheit zu forschen und für künftige Patienten bessere Therapie- und auch Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.

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Prof. Dr. Henning Madry
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Thorsten Mohr Universität des Saarlandes
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Deutschland
Saarland 
Telefon: 0681/302-2648
Fax: 0681/302-2609


Originalpublikation:
Tamás Oláh, Jan Reinhard, Liang Gao, Sophie Haberkamp, Lars K. H. Goebel, Magali Cucchiarini, Henning Madry: Topographic modeling of early human osteoarthritis in sheep. ScienceTranslational Medicine, DOI: 10.1126/scitranslmed.aax6775.

https://stm.sciencemag.org/content/11/508/eaax6775

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://Informationen zur Arthrose bietet beispielsweise der Deutsche Arthrose-Hilfe e.V. unter www.arthrose.de

Das Dunkelhormon: Melatonin (-bildung) der Müdigkeit

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Lichtverschmutzung unterdrückt „Dunkelhormon“ Melatonin bei Mensch und Tier

  • Melatonin taktet die innere Uhr, dank einem hohen Melatoninspiegel werden wir abends müde. 

Forschende vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben in einem internationalen Team Daten zur Auswirkung von Lichtverschmutzung auf die Melatoninbildung beim Menschen und bei Wirbeltieren ausgewertet. 

Das Ergebnis: 

Selbst die niedrigen Lichtintensitäten einer städtischen Lichtglocke reduzieren die Bildung des sogenannten Dunkelhormons. 

Der Himmel über Berlin bei Nacht
Der Himmel über Berlin bei Nacht Chris Kyba
 
Melatonin prägt den Tag-Nacht-Rhythmus beim Menschen und bei Wirbeltieren. 

Organe, Gewebe und Zellen stellen abhängig von der Konzentration dieses Hormons ihre innere Uhr. 

  • Melatonin steuert auch Prozesse wie Fortpflanzung und Wachstum. 

Über Lichtrezeptoren, beispielsweise auf der Netzhaut im Auge, nehmen Wirbeltiere und der Mensch Unterschiede in der Helligkeit ihrer Umgebung war.

  • Wenn viel Licht auf die Rezeptoren wirkt, wird die Bildung von Melatonin unterdrückt; 
  • Bei Dunkelheit wird viel Melatonin gebildet.

Die Empfindlichkeitsschwelle beim Menschen liegt bei 6 Lux, Straßenbeleuchtung strahlt meist heller:

Künstliches Licht bei Nacht kann den Melatoninhaushalt stören, wenn mit der Dunkelheit eigentlich die Melatoninproduktion einsetzten sollte.

Die Forschenden identifizierten im Rahmen einer Literaturrecherche aus 1900 Studien 72 relevante Arbeiten, die ihre Kriterien zur Untersuchung von Lichtverschmutzung erfüllten.

Sie zeigen anhand der Datenlage, dass bereits sehr geringe Lichtintensitäten die Ausschüttung des Melatonins unterdrücken: bei Fischen liegt die Schwelle bei 0,01 Lux, bei Nagern bei 0,03 Lux und bei empfindlichen Menschen bei 6 Lux; bei Licht mit einem hohen Blaulichtanteil sogar weit darunter.

Dazu im Vergleich die Beleuchtungsstärken, welche die Lebewesen in der Nacht erfahren:

In einer sternenklaren Nacht liegt die Beleuchtungsstärke bei 0,001 Lux.

In einer Vollmondnacht erreicht sie ein Maximum von 0,3 Lux.

Die Lichtglocke einer Stadt kann Beleuchtungsstärken bis zu 0,1 Lux, eine Straßenbeleuchtung mehr als 150 Lux erreichen.

„Das Erstaunliche ist, dass schon die sehr geringen Intensitäten der Lichtglocke einer Stadt ausreichen, um bei bestimmten Wirbeltierklassen wie Fischen und Nagern die Melatoninproduktion zu unterdrücken“, sagt die Erstautorin Dr. Maja Grubisic vom IGB.

„Von dieser Art Lichtverschmutzung sind weltweit große Areale betroffen, wie wir aus der Auswertung von Satellitendaten wissen“, ergänzt ihr Kollege Dr. Andreas Jechow.  

Denn das Licht von künstlicher Beleuchtung strahlt in den Himmel und wird an Wolken und Partikeln reflektiert, wodurch eine große Lichtglocke entsteht.

Die Forschenden stießen bei ihrer Datenauswertung auch auf Wissenslücken: „Bisher gibt es keine Studien zu den Folgen von Lichtverschmutzung auf die Melatoninbildung bei Reptilien und Amphibien, Langzeitfolgen sind wenig erforscht. Und insbesondere die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sind noch nicht hinreichend verstanden“, stellt IGB-Forscher Dr. Franz Hölker fest, der die Studie geleitet hat.

Ach, wie schlafen eigentlich Fische? Auch das wissen Franz Hölker oder Andreas Jechow, also gerne nachfragen!

Über das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB):
„Forschen für die Zukunft unserer Gewässer“ ist der Leitspruch des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Das IGB ist das bundesweit größte und eines der international führenden Forschungszentren für Binnengewässer. Es verbindet Grundlagen- und Vorsorgeforschung, bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus und berät Politik und Gesellschaft in Fragen des nachhaltigen Gewässermanagements. Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten und die Auswirkungen des Klimawandels, die Renaturierung von Ökosystemen, der Erhalt der aquatischen Biodiversität sowie Technologien für eine nachhaltige Aquakultur. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin-Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin.

Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. https://www.igb-berlin.de

Anmeldung für den Newsletter: https://www.igb-berlin.de/newsletter

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Dr. Franz Hölker
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
030/64181665
hoelker@igb-berlin.de

Dr. Andreas Jechow
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
030/64181909
jechow@igb-berlin.de

Nadja Neumann Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
Deutschland
Berlin


Nadja Neumann
Telefon: 030/64181975
E-Mail-Adresse: nadja.neumann@igb-berlin.de

Originalpublikation:
Grubisic, M.; Haim, A.; Bhusal, P.; Dominoni, D.M.; Gabriel, K.M.A.; Jechow, A.; Kupprat, F.; Lerner, A.; Marchant, P.; Riley, W.; Stebelova, K.; van Grunsven, R.H.A.; Zeman, M.; Zubidat, A.E.; Hölker, F. Light Pollution, Circadian Photoreception, and Melatonin in Vertebrates. Sustainability 2019, 11, 6400.

Medizin am Abend Berlin TEAM VOR ORT Fortbildung

Medizin am Abend Berlin Fazit: 































Kognitive Störungen - Demenz in Akutkrankenhäusern

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: iso-Institut präsentiert Praxisleitfaden zum Aufbau demenzsensibler Krankenhäuser

Jeden Tag werden in deutschen Krankenhäusern rund 76.000 ältere Patientinnen und Patienten mit kognitiven Störungen behandelt. 

  • Meist besteht Ratlosigkeit, wie die steigende Zahl an Patienten mit der Nebendiagnose Demenz in Akutkrankenhäusern angemessen versorgt werden soll.

Dringend sind Maßnahmen zur Erhöhung der Demenzsensibilität von Akutkliniken erforderlich. 

Nun wurde der Öffentlichkeit ein umfassender Praxisleitfaden vorgestellt, den das Saarbrücker Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) im Auftrag der Robert Bosch Stiftung erarbeitet hat. 

Dieser Leitfaden unterstützt Krankenhäuser dabei, in Zukunft demenzsensible Strukturen und Prozesse aufbauen zu können. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Studie  
 
Der Praxisleitfaden basiert im Wesentlichen auf einer Analyse des Förderprogramms „Demenz im Krankenhaus“ der Robert Bosch Stiftung durch das iso-Institut.

Den wichtigsten Fundus an Erfahrungen stellten dabei 17 von der Robert Bosch Stiftung geförderte Projekte aus verschiedenen Regionen Deutschlands dar.

Neben diesen Gute-Praxis-Krankenhäusern wurden weitere Erkenntnisquellen einbezogen, darunter insbesondere Dokumente und Literatur zum Thema, Zusatzprojekte der Stiftung zur Epidemiologie und zur Umgebungsgestaltung sowie Erkenntnisse aus dem ebenfalls von der Robert Bosch Stiftung geförderten Studiengang zur Demenz und dem Graduiertenkolleg „Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus“.


Als Gesamtergebnis ist ein Praxisleitfaden zur modularen Umsetzung von Maßnahmen entstanden, die in der Summe ein demenzsensibles Krankenhaus ausmachen.

  • Zielgruppe sind Führungskräfte und Beschäftigte von Akutkrankenhäusern, die mithilfe des Praxisleitfadens ihr eigenes berufliches Handeln mit Blick auf die Bedürfnisse von Menschen mit kognitiven Einschränkungen reflektieren und auf dieser Basis Schritte zur Organisationsentwicklung einleiten möchten. 
  • Der Leitfaden beschreibt Gestaltungsansätze und Wege, wie Maßnahmen zur Demenzsensibilität entwickelt und umgesetzt werden können.


Im Hauptteil des Leitfadens sind die wichtigsten zehn Bausteine eines demenzsensiblen Krankenhauses in modularer Form aufbereitet.

Beginnend mit dem Wissensaufbau, der von zentraler Bedeutung ist, werden Themen wie Delir-Management, Konzepte für spezielle Abteilungen und für die Notaufnahme, Angehörigenarbeit und Umgebungsgestaltung dargestellt. 

Dabei wird die Umsetzung für jedes Thema durch verschiedene Elemente unterstützt:


• einen Kurzcheck zur Selbsteinschätzung, mit dem sich die Leserinnen und Leser einen schnellen Überblick über den Umsetzungsstand der eigenen Klinik bei dem jeweiligen Baustein verschaffen können,
• eine Erläuterung zur Relevanz des Bausteins und der bei der Umsetzung zu erwartenden Vorteile,
• eine Darstellung des jeweiligen Erkenntnisstandes sowie von Gestaltungsansätzen Guter Praxis,
• eine Empfehlung für angepasste Arbeitsprozesse und organisatorische Abläufe sowie
• nützliche Instrumente und Prozessbeschreibungen.

Der Praxisleitfaden kann kostenfrei bei Robert Bosch Stiftung als Print- oder als Onlineversion bestellt werden:

https://www.bosch-stiftung.de/de/publikation/praxisleitfaden-zum-aufbau-demenzse...

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Dr. Sabine Kirchen-Peters (kirchen-peters@iso-institut.de)
Dr. Elisabeth Krupp (krupp@iso-institut.de)


Trillerweg 68
66117 Saarbrücken
Deutschland
Saarland


Andreas Preuth
Telefon: 0681 - 954 24 22
Fax: 0681 - 954 24 27
E-Mail-Adresse: preuth@iso-institut.de


Dr. Volker Hielscher
E-Mail-Adresse: hielscher@iso-institut.de

Originalpublikation:
Kirchen-Peters, Sabine; Krupp, Elisabeth (2019): Praxisleitfaden zum Aufbau demenzsensibler Krankenhäuser. Stuttgart.

Alte und bettlägerigen Menschen: Vorbeugen von Muskelschwund

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Von den Bären lernen

  • Grizzlybären verbringen viele Monate im Winterschlaf, ohne dass ihre Muskeln unter der fehlenden Bewegung leiden. 

Wie ihnen das gelingt, berichtet ein Team um Michael Gotthardt im Fachblatt „Scientific Reports“. 

Die Strategien der Bären könnten helfen, Muskelschwund auch beim Menschen vorzubeugen. 

Bei Grizzlybären überstehen die Muskeln den Winterschlaf beinahe unbeschadet. Forscher*innen suchen nun nach den Mechanismen, um so auch bettlägerigen Menschen zu helfen.
Bei Grizzlybären überstehen die Muskeln den Winterschlaf beinahe unbeschadet. Forscher*innen suchen nun nach den Mechanismen, um so auch bettlägerigen Menschen zu helfen. AG Gotthardt, MDC
 
Ein Grizzlybär kennt eigentlich nur drei Jahreszeiten.

Seine aktive Zeit beginnt zwischen März und Mai.

Um den September herum fängt der Bär an, große Mengen zu fressen.

Und irgendwann zwischen November und Januar fällt er in den Winterschlaf. 

Aus physiologischer Sicht ist diese Zeit die merkwürdigste.

  • Der Stoffwechsel und der Herzschlag des Bären sinken rapide. 
  • Er scheidet weder Urin noch Fäkalien aus. 
  • Die Menge an Stickstoff im Blut steigt drastisch und zudem wird der Grizzlybär resistent gegenüber dem Hormon Insulin.

Ein Mensch würde diese rund viermonatige Phase kaum gesund überstehen.

Er oder sie hätte im Anschluss womöglich mit Thrombosen oder auch psychischen Veränderungen zu kämpfen. 

Vor allem aber würden die Muskeln unter der langen Auszeit leiden.

Das weiß jeder, der schon einmal einen Arm oder ein Bein für ein paar Wochen in Gips hatte oder wegen einer Krankheit längere Zeit im Bett liegen musste.

Ein bisschen träge, aber ansonsten wohlauf

Nicht so der Grizzlybär: Im Frühling erwacht er aus seinem Winterschlaf, ist zunächst vielleicht noch ein bisschen träge, aber ansonsten rundum wohlauf. Schon lange interessiert sich daher eine Vielzahl von Wissenschaftler*innen für die Strategien des Bären, mit denen sich das Tier an seine drei Jahreszeiten anpasst.

Wie es die Muskeln schaffen, den Winterschlaf praktisch unbeschadet zu überstehen, hat jetzt ein Team um Professor Michael Gotthardt, den Leiter der Arbeitsgruppe „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin untersucht. Dabei interessierten sich die Forscherinnen und Forscher aus Berlin, Greifswald und den USA insbesondere für die Frage, welche Gene in den Muskelzellen der Bären abgelesen und in Proteine umgesetzt werden und welchen Effekt das auf die Zellen ausübt.

Die Tricks der Natur verstehen und kopieren

„Muskelschwund ist beim Menschen ein echtes Problem, das unter vielen Umständen auftritt.
Wir sind noch immer nicht sonderlich gut darin, ihm vorzubeugen“, sagt die Erstautorin der Studie, Dr. Douaa Mugahid, die einst Mitglied in Gotthardts Arbeitsgruppe war und inzwischen als Postdoc im Labor von Professor Marc Kirschner vom Department of Systems Biology der Harvard Medical School in Boston forscht.

„Die Schönheit unserer Arbeit bestand für mich darin, zu lernen, wie die Natur eine Möglichkeit perfektioniert hat, den Muskel unter den schwierigen Bedingungen des Winterschlafs zu erhalten“, sagt Mugahid. „Wenn wir diese Strategien besser verstehen, könnten wir nicht-intuitive und neuartige Methoden entwickeln, um Muskelschwund bei Patientinnen und Patienten besser zu verhindern und zu behandeln.“

Per Gensequenzierung und Massenspektrometrie

Um den Tricks der Bären auf die Spur zu kommen, untersuchte das Team um Mugahid und Gotthardt Muskelproben von Grizzlybären während und außerhalb des Winterschlafs, die sie von der Washington State University zur Verfügung gestellt bekommen hatten. „Wir wollten durch die Kombination moderner Sequenziermethoden und Massenspektrometrie ermitteln, welche Gene und Proteine während und außerhalb des Winterschlafs hochreguliert oder heruntergefahren werden“, erklärt Gotthardt.

„Diese Aufgabe erwies sich als knifflig – schon allein deshalb, weil weder das vollständige Genom noch das Proteom, also die Gesamtheit aller Proteine, des Grizzlybären bekannt waren“, sagt der MDC-Forscher. In einem weiteren Schritt planten er und sein Team, die erhaltenen Befunde mit Beobachtungen bei Menschen, Mäusen und Fadenwürmern abzugleichen.

Nicht-essenzielle Aminosäuren ließen Muskelzellen wachsen

Wie die Forscher*innen in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ berichten, fanden sie bei ihren Experimenten auf Proteine, die während des Winterschlafs der Bären deren Aminosäurestoffwechsel stark beeinflussen.

Dadurch befinden sich in den Muskelzellen erhöhte Mengen bestimmter nicht-essenzieller Aminosäuren (non-essential amino acids, NEAA).

„In Experimenten mit isolierten Muskelzellen von Menschen und Mäusen mit Muskelschwund ließen sich auch diese Zellen durch die NEAA zum Wachstum anregen“, sagt Gotthardt.

  • Aus früheren klinischen Studien wisse man allerdings, dass die Gabe der Aminosäuren in Form von Tabletten oder Pulvern nicht ausreiche, um Muskelschwund bei älteren oder bettlägerigen Menschen zu verhindern.

„Offenbar ist es von Bedeutung, dass der Muskel diese Aminosäuren selbst produziert – ansonsten gelangen sie womöglich nicht an die Orte, an denen sie gebraucht werden“, spekuliert der MDC-Forscher. Dennoch könne der Versuch, den menschlichen Muskel in längeren Ruhephasen dazu zu bringen, die NEAA durch Aktivierung der entsprechenden Stoffwechselwege mit geeigneten Wirkstoffen selbst herzustellen, ein Ansatzpunkt für eine Therapie sein.

Gewebeproben von bettlägerigen Menschen

Um herauszufinden, welche Signalwege dazu im Muskel angeschaltet werden müssen, verglich das Team um Gotthardt die Aktivität der Gene bei Grizzlybären, Menschen und Mäusen. Die dafür erforderlichen Daten kamen beispielsweise von alten oder bettlägerigen Patient*innen und von Mäusen, die an Muskelschwund litten – etwa infolge reduzierter Bewegung nach Anlegen eines Gipsverbandes. „Auf diese Weise wollten wir erfahren, welche Gene bei Lebewesen, die Winterschlaf halten, und solchen, die es nicht tun, unterschiedlich reguliert sind“, erklärt Gotthardt.

Dabei stießen die Wissenschaftler*innen allerdings auf eine ganze Reihe solcher Gene. Um die möglichen Kandidaten, die Ansatzpunkt für eine Therapie gegen Muskelschwund sein könnten, weiter einzugrenzen, führte das Team im Anschluss Experimente mit Fadenwürmern durch. „Beim Wurm lassen sich einzelne Gene relativ leicht ausschalten und man kann schnell sehen, welche Effekte das auf das Wachstum seiner Muskeln hat“, erläutert Gotthardt.

Ein Gen für circadiane Rhythmen

Mithilfe dieser Experimente hat sein Team nun eine knappe Handvoll von Genen gefunden, deren Einfluss sie in künftigen Arbeiten an Mäusen weiter untersuchen wollen.

  • Mit dabei sind beispielsweise die Gene Pdk4 und Serpinf1, die am Glukose- und Aminosäurestoffwechsel beteiligt sind, sowie das Gen Rora, das zur Entstehung circadianer Rhythmen beiträgt. 

„Wir werden nun als Nächstes schauen, welche Effekte es hat, wenn wir diese Gene ausschalten“, sagt Gotthardt. „Denn als Angriffspunkt für eine Therapie eignen sie sich natürlich nur dann, wenn das keine oder nur wenige Nebenwirkungen hat.“ (bro)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

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Prof. Dr. Michael Gotthardt
Leiter der Arbeitsgruppe „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“
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+49-30-9406 2245
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Jana Schlütter Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft
Robert-Rössle-Str. 10
13125 Berlin
Deutschland
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Telefon: 030-9406-2121
E-Mail-Adresse: jana.schluetter@mdc-berlin.de

Originalpublikation:
Douaa Mugahid et al. (2019): „Proteomic and Transcriptomic Changes in Hibernating Grizzly Bears Reveal Metabolic and Signaling Pathways that Protect against Muscle Atrophy“, Scientific Reports, DOI: 10.1038/s41598-019-56007-8.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.mdc-berlin.de/de (MDC-Webseite)

https://www.mdc-berlin.de/de/gotthardt (AG Gotthardt)

https://www.nature.com/articles/s41598-019-56007-8 (Paper)



Das Herz und sein Organisationsgrad: Die Muskelkontraktion

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie das Herz altert

Alter gehört zu den größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) haben nun erforscht, was tief im Herzen passiert, wenn es altert. 

Dafür haben sie in abertausenden alten und jungen Herzzellen untersucht, welche Gene in ihnen aktiv sind. 

Ihr Ergebnis: 
  • Im Alter verliert das Herz seinen hohen Organisationsgrad. 
  • Insbesondere Bindegewebszellen, die Fibroblasten, geraten zunehmend außer Kontrolle. 

Dr. Sascha Sauer
Dr. Sascha Sauer David Ausserhofer / MDC
 
„Wir haben uns angeschaut, was im gesunden Herz passiert, wenn es unter standardisierten Bedingungen altert“, sagt Dr. Sascha Sauer vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin. Die Ergebnisse offenbaren, wo das alternde Herz besonders verletzlich ist und liefern damit auch eine mögliche Grundlage für neue therapeutische Ansatzpunkte.

Die Wissenschaftler setzten eine neue Methode ein, die Einzelzelltranskriptionsanalyse. Sie ermöglicht es, für jede Zelle gesondert zu analysieren, welche Gene in ihr abgelesen werden. Insgesamt rund 28.000 Herzzellen von jungen und alten Mäusen haben die Berliner Forscher zusammen mit der Arbeitsgruppe von Prof. Stefanie Dimmeler, Goethe Universität Frankfurt, auf diese Weise untersucht. Damit entstand ein umfassender Zellatlas der Genaktivität in alten Herzen von Säugetieren.

Gene arbeiten nicht mehr so synchron

Die größten Unterschiede zwischen Jung und Alt waren bei Bindegewebszellen, den sogenannten Fibroblasten, zu beobachten. In Fibroblasten aus Herzen von jungen Mäusen waren in jeder Zelle jeweils Gene ähnlich aktiv. Bei den älteren Mäusen sah das von Zelle zu Zelle nicht mehr so einheitlich aus. „Betrachtet man wenige Zellen ist das Muster noch halbwegs in Ordnung“, berichtet Sauer. 
  • „Doch all die kleinen Abweichungen führen insgesamt dazu, dass die alten Zellen sich mehr und mehr unterscheiden und somit nicht mehr so gut zusammenarbeiten. 
  • Dadurch gerät das hochkomplexe System Herz etwas durcheinander.“

In der äußersten Schicht des Herzens, dem Epikard, fanden Sauer, Dimmeler und Kollegen in alten Herzen zudem eine Gruppe von Bindegewebszellen, in denen Gene aktiv waren, die zur Verkalkung führen.

 „Es ist zwar bekannt, dass im Alter die Gefäße zunehmend verkalken, aber dass im gesunden Herzen ein bestimmter Subtyp von alternden Fibroblasten dazu beiträgt, ist neu“, so Sauer.
 Parallele Analyse der Genaktivität von einzelnen Zellen in miniaturisierten Formaten
Parallele Analyse der Genaktivität von einzelnen Zellen in miniaturisierten Formaten
David Ausserhofer / MDC

Wie das Herz altert

Schlechter Einfluss

  • In alten Herzen senden Fibroblasten außerdem bestimmte Eiweiße, die sogenannten Serpine, an Endothelzellen aus. 

Diese Zellen kleiden die Blutgefäße von innen aus. 

  • Die Serpine bewirken, dass sich die Endothelzellen schlechter zusammenfinden, was negative Folgen für die Blutgefäßauskleidung haben kann. 

Setzten die Forscher Antikörper gegen die Serpine ein, konnten sie die negativen Effekte auf die Endothelzellen wieder rückgängig machen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass das Zusammenspiel von Fibroblasten und Endothelzellen tatsächlich noch viel komplexer ist.

Denn auch weitere für die Zellkommunikation zuständige Gene sind in alten Fibroblasten anders reguliert als in jungen.

Hohe Spezialisierung geht verloren

Bei den Herzmuskelzellen fanden die Forscher erst dann altersbedingte Unterschiede, als sie speziell nach Genen schauten, die für die Muskelkontraktion wichtig sind.

Diese Gene verhielten sich in alten Herzmuskelzellen sehr variabel.

Andere Gene, die zum Beispiel für Stoffwechselwege codieren und in allen Zellen identisch sind, waren in alten und jungen Herzmuskelzellen hingegen gleichermaßen aktiv.

„Wenn man sich grob vorstellt, wie sich ein Organismus entwickelt, dann treten hoch spezialisierte Zellen eher später auf.

Und was spät kommt, verliert man anscheinend wieder früh, beziehungsweise sind gerade die spät ausgeprägten Spezialisierungen sehr anfällig im Alter“, sagt Sauer.

Sauer und sein Team wollen nun herausfinden, wodurch die Genaktivität in den einzelnen Zellen im Alter so variabel wird.

Dafür betrachten sie Marker auf der DNA, sogenannte Methylierungen, die darüber entscheiden, ob ein Gen abgelesen wird oder nicht.

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Dr. Sascha Sauer
 Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), Sascha.Sauer@mdc-berlin.de

Originalpublikation:
Transcriptional heterogeneity of fibroblasts is a hallmark of the aging heart. Vidal R, Wagner JUG, Braeuning C, Fischer C, Patrick R, Tombor L, Muhly-Reinholz M, John D, Kliem M, Conrad T, Guimarães-Camboa N, Harvey R, Dimmeler S, Sauer S. JCI Insight. 2019 Nov 14;4(22). pii: 131092. DOI:10.1172/jci.insight.131092


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Christine Vollgraf

Telefon: 030 3465 52902
E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de

Vorhofseptumdefekt: Verschluss von Defekten der Herzscheidewand - Atrium-Septum-Defekt (ASD)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Kinderkardiologische Premiere

Zum europaweit ersten Mal wurde am DHZB ein neuartiges Implantat zum Verschluss von Defekten der Herzscheidewand eingesetzt. 

Es passt sich dem umliegenden Gewebe noch besser an und kann den Patiententen in manchen Fällen sogar eine offene Operation am Herzen ersparen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Notfallsanitäter 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Medikamente  
  • Der Vorhofseptumdefekt oder Atrium-Septum-Defekt (ASD) ist – vereinfacht gesagt – ein „Loch“ in der Scheidewand zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens und gehört zu den häufigsten angeborenen Herzfehlern.

In den meisten Fällen können ASD heute schonend über Herzkatheter verschlossen werden, eine Operation am offenen Herzen ist dann nicht mehr nötig.


  • Dabei wird ein sogenannter Okkluder, ein doppelter Schirm aus einem Drahtgeflecht über die Blutgefäße bis in den Herzvorhof geschoben und an beiden Seiten des „Lochs“ aufgespannt.

Nach diesem schonenden und risikoarmen Eingriff wächst der Okkluder ein und ermöglicht eine meist uneingeschränkte Lebensqualität und –Erwartung.

Zum europaweit ersten Mal ist am Deutschen Herzzentrum Berlin nun ein neuartiger Okkluder eingesetzt worden.

Wie die bisher eingesetzten Schirme besteht auch das Gerüst dieses Modells aus einer speziellen formstabilen und gleichzeitig weichen Metalllegierung.

Der Unterschied: 

  • Die Maschen des Geflechts sind wesentlich weiter, die dabei entstehenden Zwischenräume werden mit einer Kunststoffmembran verschlossen.

„Der Okkluder wird durch dieses neue Konstruktionsprinzip insgesamt weicher und flexibler, er passt sich dem umliegenden Gewebe also noch besser an, kann damit sehr gut einheilen und wird aufgrund des geringeren Metallanteils auch in seltenen Fällen einer Metall-Unverträglichkeit besser aufgenommen“, erläutert Kinderkardiologe Prof. Dr. med. Stephan Schubert, Oberarzt und Leiter des Herzkatheterlabors an der Klinik für Angeborene Herzfehler – Kinderkardiologie am DHZB.

  • Das neue System stammt aus den USA, wurde dort bereits rund hundertmal erfolgreich eingesetzt und hat Ende 2019 auch die EU-Zulassung erhalten. 

Am Montag, also vor vier Tagen,  haben Professor Schubert und sein Team den „Cardioform Occluder“ den ersten vier Patienten im Alter von drei bis 17 Jahren implantiert.

Die Eingriffe dauerten jeweils nur etwa eine Stunde und verliefen ohne Komplikationen.

Bei einer der „Premieren“-Patienten kam ein weiterer großer Vorteil des neuen Implantats zum Tragen:

Bei der vierjährigen Emilia aus Berlin lag der ASD sehr nahe an der Mündung der Hauptschlagader (Aorta). 

Ein herkömmlicher Schirm aus engmaschigem Metallgewebe hätte hier womöglich nicht eingesetzt werden können, da er langfristig die Aortenwand hätte verletzen können.

Beim neuen Cardioform Occluder besteht diese Gefahr nicht.

Eine Operation am offenen Herzen blieb Emilia damit erspart.

Schon am übernächsten Morgen nach dem Katheter-Eingriff konnte sie das DHZB beschwerdefrei verlassen.

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CAVE-Untersucher: Erhöhtes Risiko für Schluckstörungen (Dysphagie Screening)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:  Zwei Teelöffel Wasser können Leben retten: Dysphagie Screening Tool Geriatrie (DSTG) vorgestellt

Zwei Teelöffel Wasser und ein Wasserglas – mehr braucht es nicht, um bei hochbetagten Menschen ein erhöhtes Risiko für Schluckstörungen zu erkennen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: Untersucher-Bogen  

Diese Erkenntnis hat die Arbeitsgemeinschaft Dysphagie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) just veröffentlicht und ihr Dysphagie Screening Tool Geriatrie (DSTG) vorgestellt. „Wir haben mit einem einseitigen Durchführungsbogen einen sehr praktikablen Schluckstörungstest, gut einsetzbar für geschultes Personal wie z. B. Chefarzt/Oberarzt/Facharzt-Arzthelfer, Arzthelferinnen, Pflegekräfte oder Ärzte, entwickelt“, erklärt Dr. Martin Jäger, Leiter der AG Dysphagie und ärztlicher Direktor Geriatrie am Hüttenhospital Dortmund. 
 
Jägers Ziel ist es, Schluckstörungen bei sehr alten Menschen in Kliniken, Arztpraxen sowie ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen deutlich schneller und häufiger zu erkennen und durch weitere Tests dann zu verifizieren. 

Denn Früherkennung in der Grundversorgung kann Komplikationen verhindern! 

„Die Gefahr für diese Patienten sich zu verschlucken, in der Folge zu ersticken oder auch eine Lungenentzündung zu entwickeln, Zeichen von Muskelschwund oder Mangelernährung aufzuweisen, ist sehr hoch“, warnt Jäger.

„Ich möchte deshalb alle Kollegen aufrufen: Nutzt ab sofort das DSTG bei euren geriatrischen Patienten. Es kann Leben retten!“

Medizin am Abend Berlin ZusatzHinweis: Diagnostik Schluckstörungen  

In der Literatur finden sich Prävalenzen für Schluckstörungen bei unabhängig lebenden Älteren von bis zu 33 Prozent, bei Pflegeheimbewohnern von mehr als 50 Prozent und bei Patienten in geriatrischen Kliniken von bis zu 70 Prozent – somit sind Schluckstörungen in der Geriatrie ein häufig auftretendes und schwerwiegendes Problem.

Positiver Likelihood Quotient des DSTG liegt bei 4,95


Die Durchführung des Tests ist wie gesagt bewusst einfach gehalten:

Ist der Patient in der Lage zu sitzen und ausreichend wach, ist der erste Schritt des Screenings bereits durchlaufen.

In Schritt zwei sollte der Untersuchende beobachten, ob sich die Zunge des Patienten frei bewegen lässt, keine auffälligen Beläge oder Nahrungsreste im Mund zu finden sind und der Patient spontan husten kann. 


Schritt drei ist dann entscheidend:

  • Der Patient bekommt zwei Mal hintereinander einen Teelöffel mit Wasser angereicht. 
  • Es folgt zwei Mal ein Schluck Wasser aus einem normalen Wasserglas. 

Muss der Patient räuspern oder husten?

Ist eine Stimmveränderung bemerkbar?

Falls nur eine dieser Fragen mit „Ja!“ beantwortet wird, liegt mit bis zu fünf Mal so hoher Wahrscheinlichkeit eine Dysphagie vor und sollte unbedingt ein weiteres Vorgehen mit dem behandelnden Arzt bzw. Logopäden des Patienten besprochen werden.

Die fünf Mal so hohe Wahrscheinlichkeit, durch das DSTG eine Dysphagie mit weiteren Untersuchungsmethoden zu bestätigen, bescheinigt der erfahrene Geriater und ehemaliges Vorstandsmitglied Prof. Dr. Ulrich Thiem. Thiem, Chefarzt der Geriatrie sowie Inhaber der Stiftungsprofessor für Geriatrie und Gerontologie an der Universität Hamburg, wertete die Daten der AG Dysphagie der DGG aus, nachdem das Screening Tool in eine erste Evaluierungsphase in den vergangenen 18 Monaten ging.

„Das Tool funktioniert gut!“, sagt Thiem.

„Es gibt kein anderes für geriatrische Patienten.

Deshalb sollte es jetzt unbedingt zum Einsatz kommen. Denn ein Tool ist besser als kein Tool!“

DSTG: einfache Methode kann Großes bewirken

So freut sich AG-Leiter Dr. Martin Jäger jetzt auf die Einführung des DSTG: „Wir haben viele Jahre entwickelt und evaluiert und es zeigt sich: Einfache Methoden können sehr Großes bewirken. Dieser einfach durchzuführende Früherkennungstest zeigt deutlich, ob die Gefahr einer Schluckstörung, einer Dysphagie, beim geriatrischen Patienten vorliegt und ob weitere Maßnahmen notwendig werden.

Das DSTG, validiert für geriatrische Patienten, ist das erste Screening Tool seiner Art.



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Dr. Martin Jäger, Leiter der AG Dysphagie und ärztlicher Direktor Geriatrie am Hüttenhospital Dortmund

Torben Brinkema Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)

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