Medizin am Abend Berlin Fazit: Kakao: Eine leckere Quelle für Vitamin D?
Viele Menschen sind nicht mit ausreichend Vitamin D versorgt.
- Brüchige Knochen und ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen können
die Folge eines Vitamin-D-Mangels sein.
Eine neue, bislang unbekannte
Quelle für Vitamin D2 hat nun eine Forschergruppe der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Max
Rubner-Instituts ausgemacht:
Kakao und kakaohaltige Lebensmittel
enthalten nennenswerte Mengen des wichtigen Nährstoffs.
Den höchsten
Vitamin-D2-Gehalt haben laut den Forschern Kakaobutter und dunkle
Schokolade.
Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie kürzlich in der
Fachzeitschrift "Food Chemistry".
Vitamin D ist für den menschlichen Körper von zentraler Bedeutung.
Er kommt in zwei Varianten vor:
Vitamin D2 und D3.
Vitamin D3 wird in
der menschlichen Haut durch die Einwirkung von Sonnenstrahlen gebildet.
So deckt der Mensch 90 Prozent seines Vitamin-D-Bedarfs. Den Rest nimmt
der Mensch im Idealfall über die Nahrung zu sich, also etwa fetthaltigen
Fisch oder Hühnereier.
Vitamin D2,
das ebenfalls vom menschlichen
Körper genutzt werden kann, kommt zudem in Pilzen vor. "Viele meisten
Menschen sind nicht optimal mit Vitamin D versorgt. Das Problem steigert
sich in den sonnenarmen Monaten im Winter noch einmal", sagt die
Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Gabriele Stangl von der MLU.
In ihrer neuen Studie untersuchten die Forscher den Vitamin-D-Gehalt von
Kakao und kakaohaltigen Produkten, weil sie darin eine bisher
unbekannte Quelle des Vitamins vermuteten. Kakaobohnen werden nach der
Fermentation getrocknet.
Dazu werden sie auf Matten gelegt und ein bis
zwei Wochen der Sonne ausgesetzt. Durch dieses Sonnenlicht wandeln sich
die Vorstufen des Vitamin D, die vermutlich aus harmlosen Pilzen
stammen, zu Vitamin D2 um. Um ihre Idee zu testen, analysierte die
Forschergruppe verschiedene Kakaoprodukte und -pulver mit Hilfe moderner
Massenspektrometrie.
Das Ergebnis: Kakaohaltige Produkte sind eine Quelle für Vitamin D2, der
Gehalt variiert aber von Lebensmittel zu Lebensmittel sehr stark.
Während dunkle Schokolade über einen relativen hohen Vitamin-D2-Gehalt
verfügt, fanden die Forscher in weißer Schokolade nur wenig davon. "Das
ist nicht verwunderlich, da der Kakaogehalt in weißer Schokolade
deutlich geringer ist. Das bestätigt unsere Annahme, dass Kakao die
Quelle für das Vitamin D2 ist", so Stangl weiter.
Aus ihrem Befund leitet die Ernährungswissenschaftlerin aber nicht die
Empfehlung ab, große Mengen Schokolade zu verzehren: "Man müsste
Unmengen an Schokolade essen, um darüber den Bedarf an Vitamin D2 zu
decken. Das wäre aufgrund des hohen Zucker- und Fettanteils extrem
ungesund", sagt Stangl.
Das Ergebnis der Studie sei vielmehr dafür wichtig, korrekte Daten
darüber zu erlangen, welche Nährstoffe die Bevölkerung im Durchschnitt
zu sich nimmt.
In Nationalen Verzehrstudien wird dazu der
Lebensmittelverzehr der Bevölkerung ermittelt.
In Kombination mit dem
Bundeslebensmittelschlüssel, einer umfangreichen Nährstoffdatenbank,
berechnet das Max Rubner-Institut daraus die tägliche Nährstoffzufuhr
der Bevölkerung.
Fehlt in dieser Datenbank eine Quelle für Vitamin D, so
stimmen die Zahlen am Ende nicht.
Deshalb empfehlen die Forscher, die
Lebensmittel- und Nährstoffdatenbanken regelmäßig zu überarbeiten.
Auch die Arbeitsgruppe an der MLU nutzt die Erkenntnisse der neuen
Studie in einem Folgeprojekt:
"Kakao ist ein spannender
Lebensmittelrohstoff, weil er zusätzliche sekundäre Pflanzenstoffe
beinhaltet, die zum Beispiel förderlich für das Herzkreislauf-System
sind", sagt Ernährungswissenschaftlerin Stangl.
Im Rahmen des vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten
Kompetenzclusters nutriCARD untersucht ihr Team, ob sich zuckerfreie,
kakaohaltige Lebensmittel, zum Beispiel Teigwaren, produzieren lassen
und ob diese einen Beitrag zu einem verbesserten Vitamin-D2-Spiegel beim
Menschen leisten können.
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Originalpublikation:
Kühn, J., Schröter, A.,
Hartmann, B.M., Stangl, G.I., Cocoa and chocolate are sources of vitamin
D2, Food Chemistry (2018), doi: 10.1016/j.foodchem.2018.06.098