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Online-Therapie pschische Folgen einer Sepsis http://www.zweileben.net/

Medizin am Abend Berlin Fazit: Durch Online-Therapie psychische Folgen einer Sepsis überwinden

Studie untersucht internetbasierte Schreibtherapie zur Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) bei Sepsis-Überlebenden und deren Partnern  
  • Sie haben nach tage- oder gar wochenlangem Aufenthalt die Intensivstation hinter sich gelassen, oft auch längere Krankenhaus- und Rehabilitationsbehandlungen erlebt und versuchen, in einen normalen Alltag zurückzufinden. 
Patienten, die eine so schwerwiegende Erkrankung wie eine Sepsis überlebt haben, kämpfen häufig nicht nur mit körperlichen Langzeitfolgen – die Erfahrung, völlig machtlos einer so akuten Lebensbedrohung ausgesetzt zu sein, kann auch psychische Spuren hinterlassen.

„Wir wissen, dass mehr als ein Fünftel der Überlebenden einer Sepsis eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt und auch die Lebenspartner der Patienten sehr oft betroffen sind.

Zutage tritt diese Störung meist einige Monate, nachdem das Schlimmste überwunden ist“, beschreibt PD Dr. Jenny Rosendahl das Ergebnis einer Untersuchung des Zentrums für Sepsis und Sepsisfolgen CSCC am Uniklinikum Jena.

Die Psychologin leitet gemeinsam mit ihrer Kollegin Prof. Dr. Christine Knaevelsrud von der Freien Universität Berlin eine jetzt startende Studie, die diesen Patienten und ihren Partnern in Form der internetbasierten Schreibtherapie „zwei leben“ Hilfe anbietet. 

Christine Knaevelsrud ist von der Wirksamkeit der internetbasierten Schreibtherapie überzeugt: 
  • „Aktuelle Studien belegen, dass internetbasierte Behandlungen genauso wirksam sein können wie Sprechzimmertherapien.“ 
  • Bei der Kommunikation per Internet falle es den Patienten mitunter sogar leichter, angst- und schambesetzte Erfahrungen sowie Gedanken und Gefühle anzusprechen und sich dem Therapeuten gegenüber zu öffnen.

Bislang wurde die Wirksamkeit der internetbasierten Schreibtherapie in verschiedenen Patientengruppen traumatisierter Menschen überprüft und bestätigt.

In der aktuellen Studie wollen die Wissenschaftlerinnen testen, wie wirksam die internetbasierte Schreibtherapie für Sepsis-Überlebende und deren Partner mit einer PTBS sein kann.

Entsprechend wurde das Behandlungsangebot erstmals speziell für die traumatischen Erfahrungen aus der intensivmedizinischen Behandlung angepasst. Neu ist zudem, dass auch die Lebenspartner der Patienten aktiv in die Behandlung einbezogen werden und ebenso eine Therapie in Anspruch nehmen können, wenn eine PTBS vorliegt. Etwa 100 betroffene Paare suchen die Forscher dafür.

Projektmitarbeiterin Romina Gawlytta zum Ablauf der Studie: „Bevor die Behandlung beginnen kann, untersuchen wir zunächst, ob eine PTBS vorliegt.“

Charakteristisch dafür sind u.a. das ungewollte Wiedererleben sowie Alpträume von den traumatischen Erlebnissen auf der Intensivstation, Vermeidungsverhalten in Bezug auf Orte und Personen, die mit dem Trauma verbunden sind, sowie Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen oder Schreckhaftigkeit. 

„Liegen bei mindestens einem der Partner entsprechende Symptome vor, kann eine Behandlung erfolgen“, so die Psychologin weiter. In der Therapie bekommen die Studienteilnehmer wöchentlich zwei Schreibaufträge, insgesamt sind es zehn. Wann sie diese bearbeiten, können sie flexibel gestalten. „Sie erhalten innerhalb eines Werktages die individuelle Rückmeldung ihrer persönlichen Therapeutin und eine Anleitung für das weitere Vorgehen“, betont Romina Gawlytta. Durch die Behandlung sollen so schließlich die traumatischen Erlebnisse verarbeitet und die Symptome gelindert werden. Der Erfolg der Behandlung wird nach deren Abschluss überprüft.

Jenny Rosendahl: „Wenn wir die Wirksamkeit der internetbasierten Schreibtherapie für traumatisierte Patienten und deren Partner nach intensivmedizinischer Behandlung bestätigen können, kann dieser belasteten Patientengruppe relativ unkompliziert und ohne lange Wartezeit die benötigte psychologische Unterstützung angeboten werden.“


Patienten und deren Partner, die sich für die Studie interessieren, können sich unter http://www.zweileben.net informieren.

Das Studienteam ist darüber hinaus unter zweileben@med.uni-jena.de für Fragen erreichbar. 

Die Teilnahme an der Studie, die als Kooperation vom Universitätsklinikum Jena und der Freien Universität Berlin als Projekt des CSCC vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, ist kostenlos.

CSCC: Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum Sepsis und Sepsisfolgen (Center for Sepsis Control & Care, CSCC) ist eines von acht integrierten Forschungs- und Behandlungszentren, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Das 2010 eingerichtete CSCC ist am Universitätsklinikum Jena angesiedelt und widmet sich der Erforschung von Sepsis und deren Folgeerkrankungen.

Die über 100 Forscherinnen und Forscher des CSCC betrachten dabei alle Aspekte der Erkrankung, von der Risikobewertung und Prävention über die Akutbehandlung bis hin zur Nachsorge.

http://www.cscc.uniklinikum-jena.de

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Romina Gawlytta, M.Sc.
Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie und CSCC, Universitätsklinikum Jena
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Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zu den komplexen Krankheiten

Medizin am Abend Berlin Fazit: Genomstudien: gemeinsame Krankheitsmechanismen bei Herz-Kreislauf- und anderen Erkrankungen

Ein internationales Team von Wissenschaftlern, bei dem Forscher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) maßgeblich beteiligt waren, hat herausgefunden, dass fast die Hälfte aller erblichen Risikofaktoren für eine koronare Herzkrankheit auch mit völlig anderen Erkrankungen in Verbindung steht, etwa Schizophrenie, chronisch entzündlicher Darmerkrankung oder Migräne. 
 
Im Rahmen dieser online im Journal of the American College of Cardiology veröffentlichten Studie haben die Forscher außerdem sechs weitere Varianten im menschlichen Erbgut identifiziert, die bei einer koronaren Herzkrankheit (KHK) häufiger vorkommen. 

  • Für die KHK, bei der die Herzkranzgefäße verengt sind, kennen die Wissenschaftler damit jetzt 62 solcher erblichen Risikofaktoren.

Aufschlussreiche Veränderungen

Rund 3,26 Milliarden Bausteine umfasst das menschliche Genom. 

Darin nach krankheitsrelevanten Veränderungen zu suchen, ähnelt der berühmten Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. In genomweiten Assoziationsstudien (GWAS) konzentrieren sich die Forscher auf typische Veränderungen im Erbgut, die sogenannten SNPs (Single Nucleotide Polymorphisms). 

  • Sie bezeichnen Stellen im DNA-Strang, bei denen nur ein einzelner Baustein (Nukleotid) verändert ist. 

SNPs sind unregelmäßig im ganzen Genom verteilt, durchschnittlich kommen sie alle 300 Bausteine vor.

Meistens liegen sie in Abschnitten zwischen Genen, also Bereichen, die keine Information für den Bauplan von Proteinen enthalten.

Diese Regionen können aber regulatorische Funktionen haben, z. B. kontrollieren, wie oft ein Bauplan abgelesen und umgesetzt wird. 

„Wenn wir ein SNP finden, dass bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit signifikant häufiger auftritt, dann haben wir damit zunächst einen Marker für die Erkrankung gefunden.

Wie diese Veränderung im Erbgut mit der Krankheit zusammenhängt, wird dann im zweiten Schritt erforscht“, erklärt Frau Prof. Jeanette Erdmann, DZHK-Professorin am Institut für Kardiogenetik der Universität zu Lübeck, die gemeinsam mit Prof. Heribert Schunkert vom DZHK-Standort in München an der aktuellen Studie mitarbeitete.

Denn anders als bei monogenen Erkrankungen, bei denen eine veränderte Stelle im Genom die Ursache für die Erkrankung ist, gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den komplexen Krankheiten.

Viele Faktoren wie Lebensstil, Umwelteinflüsse und erbliche Faktoren entscheiden darüber, ob man erkrankt. Ein mit KHK assoziierter SNP, löst die Krankheit daher nicht aus, sondern sagt etwas über das statistische Risiko aus, daran zu erkranken.

Eine Variante – viele Effekte

In der nun veröffentlichten Studie haben die Wissenschaftler das Erbgut von 42.335 Menschen mit koronarer Herzkrankheit und 78.240 gesunden Menschen mit 5.000 häufig vorkommenden SNPs verglichen.

Viele dieser SNPs waren bereits bei anderen Erkrankungen beschrieben. Mit diesem Ansatz konnten sie sechs neue genetische Varianten identifizieren, die auch das Risiko für eine KHK erhöhen. Anschließend wollten die Forscher das Phänomen, dass erbliche Risikofaktoren mit unterschiedlichen Krankheiten in Verbindung stehen, genauer untersuchen. Das haben sie in der bis dato umfassendsten derartigen Analyse für die bekannten 62 KHK Risikofaktoren überprüft. Grundlage dieser Arbeit war der GWAS Katalog, in dem die Ergebnisse aller publizierten genomweiten Assoziationsstudien verzeichnet sind. Heraus kam, dass ein Drittel der 62 SNPs mit traditionellen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen z. B. Bluthochdruck oder Cholesterinwerten verknüpft ist, das war wenig überraschend.

Aber fast die Hälfte spielt auch bei völlig anderen Erkrankungen eine Rolle, etwa Schizophrenie oder Migräne. 

Besonders auffällig war eine Variante auf Chromosom 12, die ein Risikofaktor für 17 andere Erkrankungen oder Krankheitsmerkmale ist.

Darunter rheumatoide Arthritis, Schilddrüsenunterfunktion, Zöliakie oder chronische Entzündung der Gallenwege. 

Obwohl noch nicht klar ist, wie das alles zusammenhängt, sind diese Erkenntnisse sehr wertvoll.

Denn sie liefern neue Ansatzpunkte, um aufzuklären, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen und sind damit wichtige Schritte auf dem Weg zu neuen Therapien.

Originalarbeit:
Systematic Evaluation of Pleiotropy Identifies 6 Further Loci Associated With Coronary Artery Disease. Webb et al., Journal of the American College of Cardiology Feb 2017, 69 (7) 823-836;
DOI: 10.1016/j.jacc.2016.11.056
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0735109716373417

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Prof. Dr. Jeanette Erdmann
Universität zu Lübeck, Institut für Kardiogenetik,
Tel.: 0451 3101-8300
jeanette.erdmann@iieg.uni-luebeck.de

Prof. Dr. Heribert Schunkert
Deutsches Herzzentrum München
Klinik an der Technischen Universität München, Klinik für Herz-Kreislauferkrankungen
Tel.: 089 1218-4073,
siebe@dhm.mhn.de

Christine Vollgraf
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK)
Tel.: 030 3465 529 02,
E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de



Oudenarder Straße 16
13347 Berlin
Deutschland
Berlin

Das DZHK
Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) will erreichen, dass neue Erkenntnisse aus der Herz-Kreislauf-Forschung schnellstmöglich bei den Patienten ankommen. Ziel ist es, Diagnose, Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland zu verbessern. Dafür arbeiten im DZHK Grundlagenforscher und klinische Forscher aus 30 Einrichtungen an sieben Standorten zusammen. Das DZHK wurde 2011 auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent von denjenigen Ländern gefördert, in denen seine Mitgliedseinrichtungen ihren Sitz haben. Es gehört zu den sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), die sich der Erforschung großer Volkskrankheiten widmen.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.dzhk.de

Arbeitsteilung: sehen, hören, spüren, riechen, schmecken

Medizin am Abend Berlin: Die Retina im Rausch der Kanäle

Den biologischen Grundlagen des Sehens auf der Spur: Tübinger Neurowissenschaftler erforschen die „Arbeitsteilung“ in der Netzhaut  
Was wir sehen, wird nicht erst im Gehirn verarbeitet. 
Bereits in der Netzhaut sind zahlreiche verschiedene Zelltypen dafür verantwortlich, visuell Wahrgenommenes in seine Komponenten zu zerlegen und diese auf verschiedenen Kanälen an das Gehirn weiterzuleiten. 
  • Dabei spielen die sogenannten Bipolarzellen eine zentrale Rolle, denn sie verarbeiten die Reize aus den lichtempfindlichen Zellen des Auges als erstes. 

Ihre Arbeitsweise haben Tübinger Neurowissenschaftler nun in einer Studie detailliert untersucht, die am Mittwoch im Fachmagazin Nature veröffentlicht wird, DOI: 10.1038/nature21394.

In jeder Sekunde sehen, hören, spüren, riechen, schmecken wir, was um uns herum geschieht. 

Aber das Sehen prägt wohl am stärksten die Art und Weise, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen.

Doch wie gelangen Informationen aus der Umwelt, die als Lichtmuster in unsere Augen projiziert werden, eigentlich in unser Gehirn und erzeugen dort eine visuelle Repräsentation der Welt?

Sicher ist: Es ist kompliziert. Denn wir sehen nicht einfach ein Bild, das aus einzelnen Punkten zusammengesetzt ist, wie eine Photographie. 

Stattdessen verarbeitet unser Sehsystem visuelle Eindrücke auf vielen Kanälen gleichzeitig und erzeugt aus ihnen ein vielschichtiges größeres Ganzes. 
Bereits die erste Stufe des Sehsystems, die Retina (Netzhaut), liefert Informationen über Farben, Kontrast, Bewegung und Helligkeit. Einzelne Objekte stechen dadurch aus dem Hintergrund hervor. 
Bewegte Reize erregen unsere besondere Aufmerksamkeit, wir erkennen sie auf einen Blick.

Damit visuelle Information das Gehirn auf diesen unterschiedlichen Kanälen erreichen kann, werden Bilder bereits in der Retina in hochkomplexer Weise verarbeitet. Der dafür verantwortlichen retinalen „Schalttafel“ aus zahlreichen unterschiedlich spezialisierten Nervenzelltypen geht ein Forscherteam um Professor Thomas Euler vom Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen bereits seit Jahren auf den Grund. Ihre Aufmerksamkeit galt zuletzt den Bipolarzellen; diese sind das Bindeglied zwischen den lichtempfindlichen Rezeptorzellen des Auges und den sogenannten retinalen Ganglienzellen, über die visuelle Information schließlich das Gehirn erreicht. 14 verschiedene Typen von Bipolarzellen wurden bisher genetisch und anatomisch unterschieden. Die Tübinger Forscher testeten daher die Hypothese, dass jeder dieser Zelltypen einen Informationskanal mit eigener Funktion darstellt. Aber wie genau unterscheiden sich diese verschiedenen Kanäle, welche Mechanismen stecken dahinter?

Um diese Frage zu beantworten, zeigten die Forscher den Netzhäuten von Mäusen verschiedenste Lichtmuster. Gleichzeitig maßen sie die Aktivität einzelner Bipolarzellen an deren Ausgangssynapsen mit Hilfe eines fluoreszierenden Farbstoffes. Dieser Ansatz hat den Vorteil, dass Daten von sehr vielen Synapsen (hier >13,000) und allen Bipolarzell-Typen gewonnen werden können.

Ein überraschendes Ergebnis der Studie war, dass sich die 14 Bipolarzell-Typen bei punktförmigen Lichtreizen nur sehr wenig in ihrer Funktion unterschieden. Erst ausgedehnte Lichtreize, die weit größer als das rezeptive Feld – das zentrale „Einzugsgebiet“ – der Zelle waren, lösten unterschiedliche Signale in den verschiedenen Informationskanälen aus. Weitere Experimente zeigten, dass Interaktionen mit Nachbarzellen – den sog. Amakrinzellen – für diese Aufweitung des Informations-spektrums verantwortlich sind.

Katrin Franke, die die Studie konzipierte und durchführte, erklärt dies so: „Anstatt nur an das Gehirn zu melden ‘in meinem rezeptiven Feld ist es gerade hell/dunkel/grün/blau‘, können einige Bipolarzell-Typen mit dem Input ihrer Amakrinzellen-Nachbarn Informationen senden wie ‘bei mir ist es hell, aber nebenan ist es dunkel‘. Aus solchen detaillierten Informationen kann das Gehirn dann einen vielschichtigen Eindruck von Übergängen und Kontrasten, Kanten und Bewegungen erzeugen.“

Die Signalverarbeitung in der Netzhaut besser zu verstehen, dient nicht nur der Grundlagenforschung, sondern auch der Augenheilkunde. ,

So ist an der Augenklinik der Universität Tübingen für Patienten mit degenerativen Augenerkrankungen seit Jahren ein Netzhautimplantat in Entwicklung, das genau bei den Bipolarzellen ansetzt.

Diese bilden nämlich die nächste Zellschicht nach den krankheitsbedingt zerstörten Lichtrezeptorzellen. Die neuen Ergebnisse dürften die anwendungsorientierte Forschung in diesem Bereich daher nachhaltig befördern.

Publikation:
Katrin Franke, Philipp Berens, Timm Schubert, Matthias Bethge, Thomas Euler, Tom Baden: Inhibi-tion Decorrelates Visual Feature Representations in the Inner Retina. Nature (im Druck). 08. Februar 2017.

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Tom Baden
Sussex Neuroscience, School of Life Sciences
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Thomas Euler
Werner-Reichardt-Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)
Universität Tübingen
thomas.euler@cin.uni-tuebingen.de
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Pressekontakt CIN:
Dr. Paul Töbelmann
Universität Tübingen
Werner-Reichardt-Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)
Tel.: +49 7071 29-89108
paul.toebelmann@cin.uni-tuebingen.de

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Antje Karbe Eberhard Karls Universität Tübingen  
Wilhelmstr. 5
72074 Tübingen
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Baden-Württemberg

Die Universität Tübingen
Die Universität Tübingen gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Translationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 28.400 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.

Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)
Das Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) ist eine interdisziplinäre Institution an der Eberhard Karls Universität Tübingen, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Ziel des CIN ist es, zu einem tieferen Verständnis von Hirnleistungen beizutragen und zu klären, wie Erkrankungen diese Leistungen beeinträchtigen. Das CIN wird von der Überzeugung geleitet, dass dieses Bemühen nur erfolgreich sein kann, wenn ein integrativer Ansatz gewählt wird.

Männer - Darmspiegelung ab 50. Lebensjahr......

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Darmspiegelung schon ab 50 – vor allem für Männer

Ab dem Alter von 55 Jahren haben gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf eine Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs. 

Eine gemeinsame Studie vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), der AOK Baden-Württemberg, der Bosch BKK und MEDI Baden-Württemberg legt nun nahe, diese Altersgrenze zu senken: 
  • Die Untersuchung ist routinemäßig schon ab dem Alter von 50 sinnvoll – insbesondere für Männer.  
2002 wurde die Vorsorge-Darmspiegelung in das Krebs-Früherkennungsprogramm der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Ab dem Alter von 55 Jahren haben Versicherte Anspruch auf die Untersuchung, bei der eventuell entdeckte Krebsvorstufen sogleich entfernt werden können.  

Seither ist die Darmkrebs-Neuerkrankungsrate deutlich zurückgegangen – und zwar ausschließlich in der Altersgruppe, der das Screening angeboten wird. 

http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2017/bilder/Darmkrebs.jpg
Quelle: Lutz Langbein, DKFZ“.BU: Dickdarmkrebs unter dem Fluoreszenzmikroskop

„In den ersten zehn Jahren haben mehr als vier Millionen Menschen an einer Vorsorge-Darmspiegelung teilgenommen.

Das hat nach unseren Berechnungen etwa 180.000 Darmkrebsfälle verhindert“, sagt Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Der Heidelberger Präventionsexperte und seine Kooperationspartner suchen nach Möglichkeiten, diese Rate noch weiter zu verbessern.
  • Bei Menschen ohne familiäre Belastungen tritt Darmkrebs vor dem Alter von 50 Jahren äußerst selten auf. 
Danach steigt die Erkrankungsrate kontinuierlich an. Nationale und internationale Leitlinien empfehlen daher die Krebsvorsorge bereits ab 50 Jahren. „Durch die Zusammenarbeit mit der AOK Baden-Württemberg, der Bosch BKK und MEDI Baden-Württemberg hatten wir erstmals die Möglichkeit, an einer großen Bevölkerungsgruppe zu prüfen, welche Ergebnisse mit dem Angebot der Vorsorge-Darmspiegelung ab 50 Jahren zu erzielen sind“, so Brenner.

Insgesamt 84.726 Versicherte der AOK Baden-Württemberg im Alter zwischen 50 und 54 Jahren erhielten in den Jahren 2014 und 2015 eine persönliche Einladung zu einer Früherkennungs-Darmspiegelung. Eingeladen wurden ausschließlich Personen, die in den Jahren zuvor keine Darmspiegelung beansprucht hatten, nicht an Krebs erkrankt und in das Hausarzt- oder das Facharztprogramm der AOK eingeschrieben waren.

1,9 Prozent der Angeschriebenen leisteten der Einladung Folge. Bei den insgesamt 1396 Untersuchungen wurden in 6,8 Prozent der Fälle Darmkrebs oder Darmkrebsvorstufen, so genannte fortgeschrittene Adenome, entdeckt und abgetragen.

Die Untersuchung offenbarte einen deutlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern:


  • Während bei nur 4,5 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe Darmkrebs oder Vorstufen gefunden wurden, traten sie bei Männern mit 8,6 Prozent fast doppelt so häufig auf. 
  • Das heißt, die Ärzte entdeckten bei jeder zwölften Untersuchung von Männern zwischen 50 und 54 eine verdächtige Gewebeveränderung. 
  • Dagegen müssten bei Frauen dieser Altersgruppe 22 Darmspiegelungen durchgeführt werden, um einen relevanten Befund zu entdecken.

„Damit sind Darmkrebs und seine Vorstufen bei Männern dieser Altersgruppe sogar häufiger als bei den 55 bis 69-jährigen Frauen, bei denen die Darmspiegelung ganz selbstverständlich zum Krebsfrüherkennungsangebot gehört.

Das ist ein überzeugender Grund dafür, die Altersgrenze für die Vorsorge-Koloskopie zumindest bei Männern schon vom 50. Geburtstag an routinemäßig anzubieten“, ist das Fazit Hermann Brenners. 
  • Andere Länder, etwa Österreich, haben die Vorsorgeuntersuchung bereits ab 50 Jahren in ihr Krebsfrüherkennungsprogramm aufgenommen.
Seit 2017 ist ein Einladungsverfahren für die Früherkennung durch die Darmspiegelung ab dem Alter von 55 gesetzlich vorgesehen. Bundesweiter Vorreiter ist dabei seit Jahren das Facharztprogramm Gastroenterologie von AOK Baden-Württemberg und Bosch BKK. Dort wird das Einladungsschreiben bereits seit 2011 für Teilnehmer ab dem 55. Geburtstag und seit 2014 für Teilnehmer ab dem 50. Geburtstag umgesetzt.

Die Studienergebnisse bestätigen den Beteiligten die Richtigkeit des Weges:

„Es wird eindeutig belegt, wie unverzichtbar Früherkennung bei Darmkrebs gerade auch bei Jüngeren ist.

Wer an unserem Haus- und Facharztprogramm teilnimmt, kann die kostenlose Darmspiegelung bereits ab 50 Jahren in Anspruch nehmen.

Ich empfehle dies nachdrücklich“, so der Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann.

Hermann Brenner, Nadine Zwink, Leopold Ludwig, Michael Hoffmeister: Sollte die Vorsorgekoloskopie bereits ab 50 Jahren angeboten werden? Befunde eines landesweiten Modellprojekts und Ergebnisse einer randomisierten Interventionsstudie.
Deutsches Ärzteblatt 2017, 114(6): 94-100; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0094

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Dr. Stefanie Seltmann
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42-2854
F: +49 6221 42-2968
E-Mail: S.Seltmann@dkfz.de

Dr. Sibylle Kohlstädt
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
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F: +49 6221 42 2968
E-Mail: S.Kohlstaedt@dkfz.de


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Depressive Störung auf Grund von Entzündungen: Zytokine

Medizin am Abend Berlin Fazit: Entzündung und Depression

In Deutschland leiden derzeit rund vier Millionen Menschen an einer Depression. 

Deren Ursachen sind noch immer unzureichend verstanden. 

Seit längerem wird vermutet, dass Immun-Botenstoffe, so genannte Zytokine, an der Entstehung depressiver Störungen beteiligt sein könnten. 

Diese werden während einer Entzündung von den aktivierten Immunzellen freigesetzt.

Einen wichtigen experimentellen Beleg dafür konnten nun die beiden Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) Prof. Harald Engler und Prof. Manfred Schedlowski vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) finden.  
  • In einer interdisziplinären Studie* konnten die Essener Forscher erstmalig beim Menschen zeigen, dass im Verlauf einer akuten Entzündung die Konzentration des Immunbotenstoffs Interleukin-6 (IL-6) nicht nur im Blut, sondern auch deutlich in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) ansteigt. 
Der Anstieg von IL-6 im Liquor hing dabei signifikant mit den von den Probanden berichteten depressiven Anzeichen zusammen:

Nahm die Konzentration zu, verstärkten sich auch die Symptome.

Die Wissenschaftler vermuten nun, dass IL-6 über die Blutbahn das Gehirn erreichen und hier durch die Modulation neuronaler Prozesse eine Depression bewirkenkönnte.

Auch wenn weiterführende Untersuchungen noch die genauen Transportmechanismen identifizieren müssen, über die IL-6 ins Gehirn gelangt, weisen diese Befunde auf neue Möglichkeiten hin, depressive Störungen zu behandeln.

So ließe sich beispielsweise dieser Botenstoff gezielt blockieren.

An der Studie waren elf Forscher der Kliniken für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Neurochirurgie sowie Orthopädie und Unfallchirurgie beteiligt.

* Engler H, Brendt P, Wischermann J, Wegner A, Röhling R, Schoemberg T, Meyer U, Gold R, Peters J, Benson S, Schedlowski M. Selective increase of cerebrospinal fluid IL-6 during experimental systemic inflammation in humans: association with depressive symptoms. Mol Psychiatry. 2017 Jan 31. DOI: 10.1038/mp.2016.264.
 
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Christine Harrell,
Medizinische Fakultät
Tel. 0201/723-1615
christine.harrell@uni-due.de

Beate Kostka M.A. Universität Duisburg-Essen

Vollgefressen? Appetitregler Ghrelin, Leptin, Cortisol als Signalgeber

Medizin am Abend Berlin Fazit: Aufbruch von Zugvögeln nach einem Zwischenstopp ist hormongesteuert

  • Bei ihren langen Reisen pausieren Zugvögel. 
  • Der Zweck, Rast und Fressen, ist schlüssig. 
Bislang war jedoch unklar, welche Körpersignale den Weiterflug auslösen. 

Ein Team um Forschende der Vetmeduni Vienna identifizierte nun erstmals ein Hormon, den bekannten Appetitregler Ghrelin, als Signalgeber für das Vogelhirn. 

Bei „vollgefressenen“ Gartengrasmücken, einer Singvogelart, war das Hormon in hoher Konzentration nachweisbar. 
  • Zusätzlich verabreicht, steigerte es den höchst aktiven Zustand der Zugunruhe und zügelte den Appetit.
Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal PNAS, bestätigen die hormonelle Steuerung von Zugvögeln und könnten auch menschliche Essstörungen erklären. 
 Zugvögel, wie die Gartengrasmücke beenden ihre Zwischenstopps aufgrund von appetitregelnden Hormonen.
Zugvögel, wie die Gartengrasmücke beenden ihre Zwischenstopps aufgrund von appetitregelnden Hormonen. Wolfgang Goymann
 
Jedes Jahr machen sich Milliarden Zugvögel auf den Weg zurück aus ihren Winterquartieren nach Europa. Da ihre Energiereserven nicht für einen „Direktflug“ reichen, legen sie auf ihrer langen Reise Rastpausen ein. Dabei können sie sich ausruhen und ihre Fettdepots wieder auffüllen. Dass die Zugvögel einen Zwischenstopp einlegen müssen, ist somit nachvollziehbar. Wie lang sie rasten und auf welchen Impuls hin die Vögel aber weiterziehen, war bislang unklar.

Ein Forschungsteam um Leonida Fusani vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna und dem Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien, und Wolfgang Goymann vom Max-Plank-Institut für Ornithologie in Seewiesen, konnte nun erstmals die hormonelle Steuerung durch den Botenstoff Ghrelin nachweisen. Sie konnten außerdem zeigen, dass die bislang als inaktiv beschriebene Form des Hormons einflussreicher ist als angenommen.

Appetitregelndes Hormon als Aufbruchssignal identifiziert

Bei Säugetieren sorgt ein Hormonnetzwerk für die Regelung des Appetits. 

Die Botenstoffe geben vor, wieviel Nahrung wir aufnehmen und wann wir genug haben. 

Neben unter anderem Leptin und Cortisol wurde vor allem Ghrelin als ein wesentlicher Faktor der Appetitregulation identifiziert. 

„Das Hormon wurde vor kurzem auch in Vögeln nachgewiesen. Wir untersuchten daher, ob es auch beim Verhalten der Zugvögel eine Rolle spielen könnte“, erklärt Fusani. Der Nachweis, dass Ghrelin ein Indikator und Signalgeber für den Weiterflug ist, gelang den Forschenden mit der Gartengrasmücke, Sylvia borin, durch zwei Versuchsreihen.


Auf ihrem Zwischenstopp auf der Mittelmeerinsel Ponza, Italien, wurden bei den Singvögeln zuerst die Fettdepots vermessen und die Konzentration von Ghrelin im Körper untersucht. Es zeigte sich dabei, dass der Ghrelin-Gehalt im Blutkreislauf „fetter“ Gartengrasmücken höher war als jener ihrer dünneren Artgenossen.

„Die Konzentration des Hormons stimmte genau mit dem Body-Mass-Index der Vögel überein“, so Goymann.

Der Hormongehalt im Kreislauf der Vögel spiegelte also exakt die Körperkondition wieder.

Gartengrasmücken in einem guten körperlichen Zustand und damit hohem Ghrelin-Spiegel waren außerdem im Zustand der sogenannten Zugunruhe. Zum eigentlichen Zeitpunkt ihres Aufbruchs lässt sich diese Form höchster Aktivität selbst bei Zugvögeln in Gefangenschaft gut erkennen.

Inaktive Form des Hormons ebenfalls ein aktiver Einflussfaktor

Zugunruhe war auch beim zweiten Versuch des Forschungsteams ein Indikator für den Einfluss des Hormons.

Ausgelöst wurde dieses Verhalten bei den Gartengrasmücken allerdings durch die bislang als inaktiv angesehene Form von Ghrelin. 
  • „Es gibt zwei Formen von Ghrelin im Blutkreislauf, eine acylierte und eine nicht-acylierte. 
Bislang galt letztere als die inaktive Form des Hormons“, sagt Fusani.

Die beiden Formen unterscheiden sich durch eine zusätzliche Acyl-Gruppe, einen Essigsäurerest, an der bislang als aktiv bekannten Variante des Hormons.
 
Die Forschenden verabreichten den Singvögeln in einem zweiten Versuchsansatz unterschiedliche Konzentrationen des Hormons. Die acylierte Form von Ghrelin hatte keine Auswirkung auf die Tiere, die nicht-acylierte dagegen schon, vor allem bei Tieren, die ihre Energiedepots noch nicht ausreichend aufgefüllt hatten. Das verabreichte „inaktive“ Ghrelin reduzierte den Appetit der getesteten Gartengrasmücken, erhöhte aber gleichzeitig ihre Aktivität, löste also Zugunruhe aus.

Hormonelle Steuerung des Vogelzugs als Denkanstoß für Säugetierforschung

Die Ergebnisse des Forschungsteams zeigten eindeutig, dass ein hormoneller Auslöser für den Weiterflug der Zugvögel verantwortlich ist. „Damit konnte ein wesentlicher Faktor des Zugverhaltens, neben den natürlichen Einflüssen wie dem Wetter und der Nahrungsverfügbarkeit, identifiziert werden“, so Goymann. Die Ergebnisse könnten allerdings auch zum Verständnis der Wirkung des Hormons in Säugetieren beitragen.
Der Nachweis, dass gerade die bislang als inaktiv angesehene Form von Ghrelin das Verhalten der Zugvögel beeinflusst, lässt auf alternative Mechanismen des Botenstoffs schließen.

Das Hormon kann auch im nicht-acylierten Zustand die Blut-Hirn-Schranke überwinden. 

Es könnte demnach erst im Nervenzentrum aktiviert werden und damit eine Reaktion auslösen.

„Dieser Hinweis könnte dazu beitragen, die Regulation der Nahrungsaufnahme, Stoffwechselerkrankungen oder Adipositas beim Menschen aus einem neuen Blickwinkel zu erforschen“, sagt Fusani.


Service:
Der Artikel „Ghrelin affects stopover decisions and food intake in a long-distance migrant” von Wolfgang Goymann, Sara Lupib, Hiroyuki Kaiya, Massimiliano Cardinale und Leonida Fusani wurde im Journal PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America) veröffentlicht.
DOI: 10.1073/pnas.1619565114

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. http://www.vetmeduni.ac.at

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Herzschwäche: Tragen der Defibrillalatorweste

Medizin am Abend Berlin Fazit: Damit das Herz im Takt bleibt

MHH-Ärzte fanden heraus: Das längere Tragen einer Defibrillatorweste erspart vielen Patienten die Implantation eines Defibrillators 

Professor Dr. Johann Bauersachs, Privatdozent Dr. Christian Veltmann und Dr. David Duncker (von links) sowie im Vordergrund eine Defibrillatorweste.
Professor Dr. Johann Bauersachs, Privatdozent Dr. Christian Veltmann und Dr. David Duncker (von links) sowie im Vordergrund eine Defibrillatorweste. "Foto: Kaiser/MHH"
 
Jedes Jahr sterben in Deutschland 100.000 bis 150.000 Menschen am plötzlichen Herztod – besonders gefährdet sind Menschen, deren Herz etwa aufgrund eines Herzinfarktes oder einer Herzmuskelentzündung nur noch sehr vermindert pumpt. 

Deshalb bekommen diese Herzschwäche-Patienten zum Schutz oft einen Defibrillator implantiert, der Rhythmusstörungen behandeln kann.

In der Zeit bis zur Implantation werden bei ihnen nach und nach die Medikamente gegen Herzschwäche bis zur vollen Dosis gesteigert.

Zum Schutz vor bösartigen Herzrhythmusstörungen bekommen sie währenddessen sicherheitshalber eine Defibrillatorweste, welche den Herzrhythmus überwacht und die Patienten im Notfall auch durch einen Elektroschock behandelt.

Bei einigen Patienten verbessert sich die Pumpfunktion während dieser Zeit so deutlich, dass sie keine Defibrillator-Implantation mehr benötigen.

Liegt die Pumpleistung jedoch immer noch unter 35 Prozent, wird ihnen die Implantation empfohlen.
  • Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben nun herausgefunden, dass es sinnvoll ist, mit der Implantation eines Defibrillators noch länger zu warten: 
  • „Wenn man auch nach Ablauf der drei Monate die Medikation weiterhin in optimaler Weise auf den einzelnen Patienten abstimmt, benötigen weniger Patienten die Defibrillator-Implantation. 

Die Weste muss dabei aber auf jeden Fall weiter getragen werden. 

Wenn die Pumpleistung dann auf über 35 Prozent angestiegen ist, muss die Weste nicht mehr weiter getragen werden“, sagt Dr. David Duncker.

Der Arzt der MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie ist Autor dieser vom „Journal of the American Heart Association“ veröffentlichen Studie. 
„An unserer Klinik wird die Defibrillatorweste seit einigen Jahren routinemäßig bei Patienten mit neu diagnostizierter Herzschwäche und deutlich reduzierter Pumpfunktion eingesetzt“, erläutert Professor Dr. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie.
An der Untersuchung nahmen 265 Träger einer Defibrillatorweste teil.

Nach drei Monaten hatte sich bei 69 Patienten die Herzfunktion verbessert, die Pumpleistung lag bei mindestens 35 Prozent.

Nach einer verlängerten Tragezeit und weiterer Optimierung der Medikation stieg bei weiteren 20 Patienten die Pumpleistung auf über 35 Prozent an.

„Die Implantation eines Defibrillators ließ sich so bei insgesamt einem Drittel der Patienten vermeiden, was insofern gut ist, als dass dieser langfristig auch Komplikationen mit sich bringen kann“, erläutert Privatdozent Dr. Christian Veltmann, Bereichsleiter der Rhythmologie und Elektrophysiologie der Klinik für Kardiologie.

Diese Strategie müsse nun durch Studien gesichert werden.

Eine solche prospektive, multizentrische Studie haben die MHH-Ärzte initiiert, sie startet in Kürze.
 
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Die Originalpublikation „Avoiding Untimely Implantable Cardioverter/Defibrillator Implantation by Intensified Heart Failure Therapy Optimization Supported by the Wearable Cardioverter/Defibrillator—The PROLONG Study” finden Sie im Internet unter http://jaha.ahajournals.org/.

Bitte ENTWURMEN Sie Ihren Hund.....Welpen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Des Wolfes kleine „Mitbewohner“

Mit wachsendem Wolfsbestand nimmt auch die Zahl der pro Wolfsindividuum gefundenen Parasitenarten zu. 

Welpen haben eine größere Vielfalt von Parasitenarten als ältere Tiere. 

Die Parasiten stellen jedoch keine Gesundheitsgefahr für den Menschen dar. 

Die Studienergebnisse wurden in der Online-Fachzeitschrift „Scientific Reports“ der Nature Publishing Group publiziert. 
 Gefärbter Kopf, doppelter Hakenkranz; Bandwurm Taenia species aus einem Wolf

 Gefärbter Kopf, doppelter Hakenkranz; Bandwurm Taenia species aus einem Wolf  Leibniz-IZW; Lesniak I
 
Seit dem Jahr 2000 breitet sich der Europäische Grauwolf, Canis lupus lupus, wieder in Deutschland aus.

Anlass für ein Forscherteam um Ines Lesniak vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW), sich auch die kleinen „Mitbewohner“ des Einwanderers genau anzusehen und die Frage zu stellen, ob sich Anzahl und Art der Parasiten mit wachsendem Wolfsbestand ändern. 
  • Dies ist in der Tat der Fall, da mit wachsendem Wolfsbestand auch die Zahl der pro Wolfsindividuum gefundenen Parasitenarten zunimmt.
  • Welpen hatten zudem eine größere Vielfalt von Parasitenarten als ältere Tiere. 
  • Die gute Nachricht: Die Parasiten im Wolfsinnern (Endoparasiten) stellen keine Gesundheitsgefahr für den Menschen dar.
Die Studienergebnisse wurden in der Online-Fachzeitschrift „Scientific Reports“ der Nature Publishing Group publiziert.

Im Rahmen des nationalen Wolf-Gesundheits-Monitorings wurden am Leibniz-IZW die inneren Organe der Kadaver von 53 Grauwölfen untersucht, die zwischen 2007 und 2014 bei Verkehrsunfällen oder illegalen Tötungen ums Leben kamen.

  • „Während sich Würmer im eröffneten Tierkörper meist schon mit bloßem Auge erkennen lassen, war die Identifizierung von einzelligen Sarkozysten im Darminhalt des Wolfs eine echte Herausforderung. 

Denn diese Arten unterscheiden sich morphologisch nicht voneinander“, erläutert Doktorandin Lesniak.

Endoparasiten lassen sich nach ihrem Entwicklungszyklus in zwei Typen aufteilen
:

Die einen infizieren ihren Wirt direkt – zu ihnen gehören unter anderem Würmer.

Andere, wie Sarkozysten, kapern zunächst einen Zwischenwirt. 

Erst wenn dieser zur Beute wird, also gefressen wird, erreichen sie ihren Endwirt. In die Umwelt gelangen Sarkozysten erneut mit den Fäkalien des Endwirtes. 

Gräser, die mit diesen Parasiten verunreinigt sind, werden von potentiellen Beutetieren des Wolfes gefressen und gelangen so in den Zwischenwirt, bei dem sie sich zunächst im Muskelfleisch festsetzen. 

Zu den Zwischenwirten gehören das Reh, der Rothirsch und das Wildschwein. Werden diese zur Beute des Wolfes, dann infiziert sich der Hauptwirt, der Wolf, in dessen Darm sich daraufhin die Parasiten vermehren.


Mit Hilfe molekulargenetischer Analysen identifizierten die ForscherInnen in den Kadavern 12 Arten von Sarkozysten.  

Sie fanden außerdem vier Bandwurmarten (Zestoden), acht Fadenwurmarten (Nematoden) sowie eine Saugwurmart (Trematode).


Um auch die großen Beutetiere der Wölfe auf Parasitenbefall untersuchen zu können, sammelte das Team bei Gesellschaftsjagden die inneren Organe erlegter Tiere.


In Deutschland jagen Wölfe vorwiegend Rehe, aber auch Rot- und Schwarzwild.

Kleinsäuger wie Hasen und Mäuse stehen dagegen nur sehr selten auf ihrem Speiseplan.

Für letzteres spricht, dass nur in einem der 53 Tierkörper Fuchsbandwürmer gefunden wurden. Diese werden von Mäusen übertragen und können bei allen Hundeartigen, vor allem aber beim Fuchs vorkommen. 
  •  „Eine gute Nachricht“, so die Wissenschaftlerin, da die Larven der Fuchsbandwürmer zu Krankheiten beim Menschen führen können.


Außerdem stellten die ForscherInnen fest, dass die Parasitenlast sich im Laufe des Wolfslebens verändert. „Welpen beherbergen deutlich mehr Parasitenarten als Jährlinge. 

Im adulten Tier nimmt die Vielfalt dann wieder leicht zu.“

Ines Lesniak erklärt diese Schwankungen mit zunehmenden Abwehrkräften bei heranwachsenden Wölfen und einem Ansammlungseffekt in den erwachsenen Tieren,
da Wölfe – anders als Hunde – natürlicherweise nie entwurmt werden.


Bei Tieren, die zu Beginn des Untersuchungszeitraums zu Tode kamen, fanden die ForscherInnen eine geringere Parasitenvielfalt als bei späteren Opfern.

„Je größer die Population wird, desto häufiger haben Wölfe und ihre Beutetiere Kontakt und desto häufiger werden Wölfe mit verschiedenen Parasiten infiziert“, vermutet Lesniak. 

Aktuell sind 46 Wolfsrudel in Deutschland bekannt. 

Ein Rudel setzt sich aus den Elterntieren sowie den Welpen des aktuellen Jahres und des Vorjahres zusammen, und kann bis zu zehn Individuen umfassen. 

„Genetische Untersuchungen unserer Kooperationspartner zeigen, dass die Urväter der zentraleuropäischen Flachlandpopulation, die sich heute über Deutschland und Westpolen erstreckt, aus der Lausitz stammen“, sagt Lesniak.

Die ersten Wölfe, die Anfang des Jahrtausends wahrscheinlich aus dem Baltikum einwanderten, ließen sich im Grenzgebiet zwischen Südbrandenburg und Nordsachsen nieder. 

Von dort aus breiteten sie sich über beide Bundesländer aus.


„Wölfe sind relativ scheue Wildtiere, so dass es zwischen Mensch und Wolf nur wenig Berührungspunkte gibt“, betont Lesniak.

Dennoch sollten vor allem Jäger, die Wildreste an ihre Hunde verfüttern, diese grundsätzlich durchkochen, um eventuell enthaltene Parasiten abzutöten, warnt Lesniak. 

  • Außerdem ist das regelmäßige Entwurmen der Hunde, die im Wolfsgebiet unterwegs sind, ein Muss.
  • Es gibt vereinzelte Meldungen, dass sich Wölfe bis an Siedlungen heranwagen; 
Schafshalter beklagen vermehrt Verluste. 

„Es kann durchaus sein, dass die heutigen Wölfe lernen, dass es in der Nähe des Menschen, der ihre Vorväter einst ausrottete, einfacher ist, an Nahrung zu kommen.“

In ein Schafsgatter einzudringen ist natürlich deutlich bequemer, als ein Reh durch den Wald zu verfolgen. 

Der Bau bzw. die Installation von entsprechenden Schutzmaßnahmen wie Zäune und Herdenschutzhunden ist daher wichtig und wird in Deutschland deshalb auch finanziell unterstützt.


Gefärbter Saugwurm (Alaria alata) aus dem Zwölffingerdarm eines Wolfs
Gefärbter Saugwurm (Alaria alata) aus dem Zwölffingerdarm eines Wolfs Leibniz-IZW; Lesniak I

Die Leibniz-IZW-Studie, an der auch Forscher der Humboldt-Universität zu Berlin, des Leibniz Forschungsinstituts Senckenberg sowie des LUPUS Instituts für Wolfsmonitoring und -forschung beteiligt waren, wurde unter anderem von der Deutschen Bundestiftung Umwelt (DBU) und dem Staatsbetrieb Sachsenforst finanziert.

Publikation

Ines Lesniak, Ilja Heckmann, Emanuel Heitlinger, Claudia A. Szentiks, Carsten Nowak, Verena Harms, Anne Jarausch, Ilka Reinhardt, Gesa Kluth, Heribert Hofer, Oliver Krone (2017): Population expansion and individual age affect endoparasite richness and diversity in a recolonising large carnivore population. Nature Scientific Reports/ 7:41730/ DOI: 10.1038/srep41730.

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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteilige
http://www.nature.com/articles/srep41730

Nahrungsergänzungsmittel: Pflanzen-, Algen-, Pilzen- oder Flechtenextrakten (sogenannte „Botanicals“

Medizin am Abend Berlin Fazit: Nahrungsergänzungsmittel - ein Trend ohne Risiko?


Calcium-Brausetabletten zum Frühstück, Vitamin D-Kapseln zum Mittag und abends Folsäure und Isoflavone - welche Nahrungsergänzungsmittel sind für wen und wann gesundheitlich sinnvoll? 

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat auf dem BfR-Forum „Nahrungsergänzungsmittel - Ein Trend ohne Risiko?“ über Nutzen und mögliche Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln sowie zum Konsumverhalten verschiedener Verbrauchergruppen informiert.

„Das Wissen ist für die Risikokommunikation wichtig, denn eine zu hohe Dosis an Vitaminen und Mineralstoffen kann in einigen Fällen der Gesundheit schaden“, sagte BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

„Bei einer abwechslungsreichen Ernährung erhält der Körper in der Regel alle Nährstoffe, die er braucht. 

Es gibt nur wenige Ausnahmen: 

  • Beispielsweise Folsäure für Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere.“ 

Das BfR-Forum, das am Donnerstag, den 26. Januar 2017, im Rahmen der Internationalen Grünen Woche 2017 in Halle 3.2 (Erlebnisbauernhof) von 13 bis 16 Uhr in Berlin stattgefunden hat, vermittelte den Teilnehmenden eine differenzierte Sichtweise in Bezug auf Nahrungsergänzungsmittel.

Die Regulation von Nahrungsergänzungsmitteln, die gesundheitliche Risikobewertung von Vitamin D sowie von pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln (Botanicals) und die Risikokommunikation zum Thema wurden diskutiert.

Nahrungsergänzungsmittel sind für gesunde Personen, die sich abwechslungsreich und ausgewogen ernähren, in der Regel überflüssig. Bei ausgewogener Ernährung bekommt der Körper alle Nährstoffe, die er braucht. Dagegen kann der unkontrollierte Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein. Verbraucherinnen und Verbraucher sind deswegen für einen achtsamen Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln zu sensibilisieren und sollten auch über mögliche Risiken aufgeklärt werden.

  • Bei einer überhöhten Vitamin D-Aufnahme durch hochdosierte Präparate können unerwünschte Wirkungen wie die Bildung von Nierensteinen oder Nierenverkalkung auftreten. 
  • Allgemein wird die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin D nur dann empfohlen, wenn eine unzureichende Versorgung nachgewiesen wurde und wenn eine gezielte Verbesserung der Versorgung weder durch die Ernährung noch durch die körpereigene Vitamin D-Bildung durch Sonnenbestrahlung zu erreichen ist. 
  • Zu Risikogruppen einer Unterversorgung mit Vitamin D zählen Personen, die sich bei Sonnenschein kaum oder gar nicht bzw. nur mit gänzlich bedecktem Körper im Freien aufhalten oder Personen mit dunkler Hautfarbe. 
  • Zu den Personen, die nicht ausreichend und regelmäßig in die Sonne gehen, gehören insbesondere mobilitätseingeschränkte, chronisch kranke und pflegebedürftige ältere Menschen (Pflegeheimbewohner, geriatrische Patienten, Osteoporose- und sturzgefährdete Senioren). 
Gestillte und nicht-gestillte Säuglinge bekommen im Rahmen der kinderärztlichen Versorgung je nach Maßgabe für einen bestimmten Zeitraum spezifische Präparate mit Vitamin D zur Rachitisprophylaxe verschrieben.

Die synthetisch hergestellte Form des Vitamins Folat wird als „Folsäure“ bezeichnet.

Folsäure wird in Nahrungsergänzungsmitteln und zur Anreicherung von Lebensmitteln verwendet. Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, und Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel empfiehlt das BfR, ergänzend zu einer folatreichen Ernährung Folsäure in Form von Nahrungsergänzungsmitteln einzunehmen.

  • Dadurch kann das Risiko eines Neuralrohrdefekts („offener Rücken“) beim Kind verringert werden. 
  • Für die Allgemeinbevölkerung ist dagegen die Einnahme von Folsäurepräparaten nur empfehlenswert, wenn eine unzureichende Versorgung medizinisch nachgewiesen wurde. 
Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für einen Nutzen von Folsäuresupplementen oberhalb der Mengen, die für eine bedarfsgerechte Versorgung notwendig sind. Folatverbindungen sind natürlicherweise in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln wie beispielsweise Grünkohl, Feldsalat oder Hühnerei enthalten.

Aus allen Teilen der Welt sind mittlerweile Nahrungsergänzungsmittel aus Pflanzen-, Algen-, Pilzen- oder Flechtenextrakten (sogenannte „Botanicals“) über das Internet leicht zugänglich geworden.

Daten zu deren Sicherheit für die menschliche Gesundheit und den Eigenschaften einer Vielzahl der darin enthaltenen bioaktiven Substanzen sind allerdings nur in beschränktem Umfang verfügbar. Dies bringt Herausforderungen mit sich sowohl bei der Durchführung von Risikobewertungen der aktiven Verbindungen als auch bei der Ableitung von sicheren Zufuhrmengen für diese Stoffe.

Verbraucherinnen und Verbrauchern ist oftmals nicht bekannt, dass Nahrungsergänzungsmittel zu den Lebensmitteln zählen und nicht zu den Arzneimitteln, obwohl sie ebenfalls als Tabletten, Dragees oder Pulver angeboten werden.

Anders als Arzneimittel durchlaufen Nahrungsergänzungsmittel kein Zulassungsverfahren, sie unterliegen nur einer Registrierungspflicht beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). 
Für ihre Sicherheit sind ausschließlich die Hersteller verantwortlich.

Wie bei anderen Lebensmitteln auch erfolgt die Überwachung des Verkehrs von Nahrungsergänzungsmitteln einschließlich der Kontrolle der Produktkennzeichnung und der Einhaltung von lebensmittelrechtlichen Bestimmungen durch die amtliche Lebensmittelüberwachung der Bundesländer.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

In diesem Jahr feiert das BfR sein 15-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat das BfR eine Jubiläumsbroschüre herausgegeben, die unter http://www.bfr.bund.de/de/publikation/broschueren-660.html kostenlos heruntergeladen oder bestellt werden kann.


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Dr. Suzan Fiack Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)



Max-Dohrn-Str. 8-10
10589 Berlin
Deutschland
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Dr. Suzan Fiack
Telefon: 030-18412-4300
Fax: 030-18412-4970





Gerinnungsfaktoren: Blutplättchen und Herzinfarkt der Blutverdünner

Medizin am Abend Berlin Fazit: Mögliche Erklärung für erhöhtes Herzinfarktrisiko bei Einnahme bestimmter Blutverdünner

Das Risiko für einen Herzinfarkt ist bei Patienten mit Vorhofflimmern, die mit oralen Thrombininhibitoren (OTI) behandelt werden, etwas höher als bei Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen. 

Wissenschaftler um Dr. Tobias Petzold vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Standort München haben im Labor untersucht, ob hierfür tatsächlich OTIs verantwortlich sind. 
  • Dabei haben sie herausgefunden, dass sich im Blut von Patienten, die OTI erhielten, die Blutplättchen vermehrt zusammenlagern. 
  • Außerdem beobachteten sie eine verstärkte Bildung von Blutgerinnseln.  
OTI sind Medikamente, die das Blut verdünnen, sogenannte Antikoagulantien. 

Sie werden bei Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern verordnet, um das Risiko für Schlaganfälle zu senken.

Die sogenannten neuen oralen Antikoagulantien (NOAKs), zu denen die oralen Thrombininhibitoren (OTI) gehören, stellen eine attraktive Alternative zu den herkömmlichen Blutverdünnern, den Vitamin-K-Antagonisten (VKA), dar. 

Denn verglichen mit VKAs weisen NOAKs wie OTI einige Vorteile auf: z.B. ein geringeres Schlaganfallrisiko, auch schwere Blutungen sind seltener.

Zudem haben sie weniger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die bei VKAs notwendigen regelmäßigen Blutkontrollen entfallen, und die Ernährung kann die blutverdünnende Wirkung nicht so leicht beeinflussen.

„Einige große Meta-Analysen mit mehreren 10.000 Patienten haben jedoch ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte festgestellt, wenn die Patienten OTI erhielten“, berichtet Dr. Tobias Petzold vom Universitätsklinikum München. 

„Dieser Beobachtung wollten wir nachgehen und herausfinden, warum Patienten mehr Herzinfarkte bekommen, wenn sie den Blutverdünner erhalten, der sie ansonsten gut vor Schlaganfällen und Beinvenenthrombosen schützt.“

Knackpunkt Blutfluss

Das Münchner Team untersuchte hierfür Blutproben von Patienten, die entweder OTI oder einen Vitamin-K Antagonisten erhielten und Blut von gesunden Menschen.

Das Blut füllten sie in kleine Plastikflusskammern, die mit verschiedenen Oberflächen beschichtet waren: u.a. Kollagen, einem Bestandteil der Gefäßwände oder dem von-Willebrand-Faktor, der bei der Blutstillung eine Art Brücke zwischen Blutplättchen und Gefäßwand bildet.

Eine weitere Beschichtung bestand aus humanem atherosklerotischen Plaquematerial, also Ablagerungen, die aus der Halsschlagader von Patienten mit Gefäßverkalkung isoliert wurden.

Die Münchner Wissenschaftler waren nicht die ersten, die sich die Unterschiede im Blut angeschaut haben.

Vorherige Studien hatten das Blut unter statischen Bedingungen untersucht.

Entscheidend für die Entdeckung der DZHK-Wissenschaftler war jedoch, dass sie in ihren Kammern den Blutfluss simuliert haben.

Denn nur dann lagerten sich die Blutplättchen im OTI-Blut vermehrt zusammen und es bildeten sich mehr Gerinnsel.

In den mit Plaques beschichtete Kammern verstärkte sich der Effekt noch.

Auch im Tiermodell konnten die Forscher diese prothrombotischen Effekte von OTI bestätigen. Sie vermuten, dass OTI die Bindung des Gerinnungsfaktors Thrombin an einen Oberflächenrezeptor auf Blutplättchen verändert.

Denn Antikörper, die diese Bindung blockieren, verhindern auch das Zusammenlagern der Blutplättchen und die Bildung von Blutgerinnseln.

„Dieser Mechanismus könnte dazu beitragen, dass Herzinfarkte bei Patienten, die OTI einnehmen, häufiger auftreten“, erklärt Petzold.

Herzinfarkt-Risiko berücksichtigen

Noch gibt es keine klinischen Studien, die diesen im Labor beobachteten Effekt untermauern.

Ebenso können diese Laborergebnisse nicht einfach auf die Klink übertragen werden, denn dafür spielen zu viele Faktoren bei der Bildung von Gerinnseln oder dem Entstehen eines Herzinfarktes eine Rolle.

  • Doch für die Münchner Ärzte leitet sich daraus ab, dass man vor der Gabe von OTIs das Herzinfarkt-Risiko des Patienten abwägen sollte, also ob etwa Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen vorliegen. 

„Sofern jedoch kein Herzinfarkt-Risiko vorliegt, überwiegen eindeutig die Vorteile von OTI“, betont Petzold. 

In den nächsten Jahren wird es seiner Meinung nach darum gehen, mithilfe klinischer Studien den optimalen Blutverdünner für unterschiedliche Patientengruppen zu bestimmen.

Originalarbeit:
Oral Thrombin Inhibitor Aggravates Platelet Adhesion and Aggregation During Arterial Thrombosis. Petzold, T., Thienel, M., Konrad, I., Schubert, I., Regenauer, R., Hoppe, B., Lorenz, M., Eckart, A., Chandraratne, S., Lennerz, C., Kolb, C., Braun, D., Jamasbi, J., Brandl, R., Braun, S., Siess, W., Schulz, C. & Massberg, S. Science translational medicine, 8(367): 367ra168 (2016).
http://stm.sciencemag.org/content/8/367/367ra168

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Dr. Tobias Petzold, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Klinikum der Universität München,
Tel.: 089 4400-0, tobias.petzold@med.uni-muenchen.de
Christine Vollgraf Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

Oudenarder Straße 16
13347 Berlin
Deutschland
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Telefon: 030 3465 52902
E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de

Über das DZHK

Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) will erreichen, dass neue Erkenntnisse aus der Herz-Kreislauf-Forschung schnellstmöglich bei den Patienten ankommen. Ziel ist es, Diagnose, Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland zu verbessern. Dafür arbeiten im DZHK Grundlagenforscher und klinische Forscher aus 30 Einrichtungen an sieben Standorten zusammen. Das DZHK wurde 2011 auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent von denjenigen Ländern gefördert, in denen seine Mitgliedseinrichtungen ihren Sitz haben. Es gehört zu den sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), die sich der Erforschung großer Volkskrankheiten widmen.

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