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Frage in die Ferien: Berufsorientierung schon in der Grundschule....?

Medizin am Abend Berlin Fazit: „Mama, ich möchte Fußballstar werden“

Wie können Eltern und LehrerInnen mit Berufswünschen von Grundschulkindern umgehen? Das untersucht Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Iris Baumgardt von der Universität Siegen. 
 
Berufsorientierung schon in der Grundschule – ist das übertrieben früh oder sinnvoll?

Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Iris Baumgardt von der Uni Siegen hat Dritt- und ViertklässlerInnen befragt, was sie mal werden wollen.


War von den Ergebnissen ihrer Studie selbst überrascht: Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Iris Baumgardt


War von den Ergebnissen ihrer Studie selbst überrascht: Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Iris Baumgardt privat 

„Das Ergebnis meiner Studie hat mich selbst überrascht“, sagt Baumgardt.

Sie hat über 400 Aufsätze von Grundschulkindern zu ihren Berufswünschen analysiert und mit ausgewählten Kindern Interviews geführt. Dabei kam heraus:

„Für viele Grundschulkinder ist die Berufswahl ein doing-gender-Prozess. Das heißt: Sie konstruieren sich über die Wahl eines in ihren Augen ’weiblich‘ oder ‚männlich‘ assoziierten Berufs als Mädchen beziehungsweise Junge“. 
  • Ganze Berufsbereiche würden vernachlässigt: Keiner der befragten Jungen träume von einem Beruf in der Pflege, kein Mädchen habe einen Beruf auf dem Bau genannt. 
  • „Die Berufs- und Arbeitswelt scheint bereits für Grundschulkinder eine ideale Bühne zu sein, um sich als Junge oder Mädchen zu beschreiben“, sagt Baumgardt

Breite Palette an Möglichkeiten anbieten

Die berufliche Orientierung in der Grundschule solle dabei helfen, diese individuellen inneren Denkräume der Kinder auszuweiten, so die Erziehungswissenschaftlerin. Das Ziel liege nicht darin, aus jedem Jungen einen Erzieher und aus jedem Mädchen eine KfZ-Mechatronikerin zu machen, meint Baumgardt.

Aber: „Es geht darum, zu vermeiden, dass Mädchen und Jungen ganze Berufsgruppen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit ausblenden.“

Hier sind Lehrkräfte und Eltern gefragt.

„Kinder können sich vor allem das vorstellen, was sie aus ihrem Leben kennen“, erklärt Baumgardt. In einem der Interviews, die Baumgardt mit den Grundschulkindern führte, berichtete ihr ein Mädchen, dass sie Kickboxerin werden möchte. „Sie kannte aber keine weibliche Kickboxerin. Deshalb sagte sie zu mir: ‚Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt Kickboxerin werden darf.‘“ Lehrerinnen und Lehrer könnten den Kindern Beispiele geben. Sie könnten eine weibliche KFZ-Mechatronikerin oder einen männlichen Erzieher in den Unterricht einladen, die den Kindern von ihrer Arbeit berichten.

Mädchen werden immer selbstbewusster

Bei den Mädchen beobachtet Baumgardt unterdessen eine interessante Entwicklung:  

Sie sind im Vergleich zu ihren Altersgenossinnen aus einer Studie von 1990 deutlich selbstbewusster geworden.

„Mädchen wollen heute höher hinaus“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin. „Heute träumen die Mädchen nicht mehr so oft wie früher von den schulischen Ausbildungsberufen, die in der Regel schlecht bezahlt, anstrengend und mit wenig Aufstiegsmöglichkeiten verbunden sind: 

Immer mehr Mädchen möchten Lehrerin statt Erzieherin, Ärztin statt Krankenschwester werden.“

Eltern sollten Kinder beim Träumen unterstützen

„Es geht nicht darum, Kinder möglichst früh fit für die Leistungsgesellschaft zu machen beziehungsweise sie zu desillusionieren“, räumt Baumgardt mit möglichen Missverständnissen auf.

Vielmehr sollten Eltern ihren Kindern einen Raum zum Träumen und Ausprobieren geben. „Für viele Kinder ist der Berufswunsch von großer Bedeutung. Wenn also Ihr Sohn zu Ihnen kommt und sagt ‚Mama, ich möchte Fußballstar werden‘ – dann sind Sie gut beraten, diesen Wunsch ernst zu nehmen“ erklärt die Erziehungswissenschaftlerin. „Sie können sich mit Ihrem Sohn darüber unterhalten, wie er sich das Leben als Fußballstar ausmalt, was ihm daran gut gefällt und was nicht und wie er sich den Weg zu seinem Traumberuf vorstellt.“ Den eigenen Lebensentwurf phantasievoll auszugestalten, übt auf die Kinder laut Baumgardt eine große Anziehung aus – und sowohl die Eltern als auch die LehrerInnen könnten die Kinder behutsam dabei begleiten. Eltern können sich mit ihren Kindern verschiedene Berufe und Arbeitsorte ansehen, zum Beispiel beim Maus-Türöffner-Tag oder in der Kinder-Uni. Sie könnten selbst von ihrer Arbeit erzählen und den Kindern die Berufe aus ihrem Alltag deutlich machen. Spätestens als Teenager könnten die beruflichen Vorstellungen dann durch Betriebspraktika angereichert und ausdifferenziert werden.

Baumgardt betont, dass für Eltern, die nicht selbst im deutschen Bildungssystem aufgewachsen sind oder dies erfolgreich durchlaufen haben, die Begleitung der Berufsorientierung ihrer Kinder eine besondere Schwierigkeit darstellen kann. ,

So könnten ganz aktuell die Eltern von geflüchteten Kindern aber auch Eltern mit Migrationshintergrund nicht auf ihr eigenes Erfahrungswissen zur Berufsorientierung zurückgreifen.

Vielmehr bestehe ein großer Informationsbedarf im Hinblick auf das deutsche Schul- und Ausbildungssystem.

Gefragt seien hier die Lehrerinnen und Lehrer: „Sie können und sollen als Ansprechpartner und Wegweiser für berufliche Orientierungsprozesse fungieren – nicht nur, aber in besonderem Maße für Menschen, die das deutsche Bildungssystem nicht so gut kennen“, fordert Baumgardt.

Für die Lehrerausbildung stelle sich damit aktuell die Herausforderung, die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer bereits während ihres Studiums auf diese Aufgabe vorzubereiten.

 

Neues Denken, statt Angst zu scheiter?


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Prof. Dr. Iris Baumgardt, Universität Siegen
Department Erziehungswissenschaft und Psychologie
Telefon: 0271 740-2929
E-Mail: baumgardt@erz-wiss.uni-siegen.de
André Zeppenfeld Universität Siegen

Uni-Studie-Einladung: Ursachen von Depression : Kennwort: DISBOUND

Medizin am Abend Berlin Fazit:  StudienteilnehmerInnen gesucht: Uni-Studie untersucht die Ursachen von Depressionen

Patientinnen und Patienten, die bereits mehrere depressive Phasen hatten, im Alter zwischen 18 und 65 Jahren gesucht 
 
Die Depression ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Leider gelingt es bisher noch nicht immer, depressive Phasen frühzeitig zu erkennen und dann erfolgreich zu behandeln. 
  • Dies liegt auch daran, dass nach wie vor noch nicht richtig verstanden wird, welche Prozesse im Gehirn bei der Entstehung und Aufrechterhaltung depressiver Symptome ablaufen. 
Um dies zu verbessern, möchte das Psychologische Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) die Gehirnaktivität von Patientinnen und Patienten, die depressive Phasen kennen und wissen, was es heißt zu grübeln und sich zu nichts aufraffen zu können, unabhängig von der Grunderkrankung genauer verstehen.

Die Versuchsteilnahme beinhaltet zwei Interviews (telefonisch und in den Testräumen des Psychologischen Instituts der JGU, Wallstr. 3, gegenüber vom Mainzer Hauptbahnhof),
die Beantwortung einiger Online-Fragebögen, die Bearbeitung von Aufgaben am Computer und im MRT (keine radioaktive Strahlung!).
Die Teilnahme dauert ca. acht Stunden, die auf zwei Tage verteilt werden können.
Die Termine können individuell vereinbart werden.
Für die Teilnahme an der Studie wird eine Aufwandsentschädigung von 12 Euro/Stunde gezahlt.

Personen, die aktuell Benzodiazepine oder Beta-Blocker einnehmen, an einer neurologischen Erkrankung wie Parkinson oder Epilepsie leiden und bei denen schon mal Alkoholabhängigkeit, Magersucht, Posttraumatische Belastungsstörung oder ADHS diagnostiziert wurde, können nicht an der Studie teilnehmen.

Hingegen können Personen, die an einer bipolarer Störung leiden, an der Studie teilnehmen.

Interessenten werden gebeten, sich per E-Mail an depression@uni-mainz.de oder auf dem Studien-Anrufbeantworter 06131 39-39232 zu melden (Kennwort: DISBOUND).

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Petra Giegerich Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Dr. Julia Linke & Sonja Ascheid
Abteilung für Klinische Psychologie und Neuropsychologie
Psychologisches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
Wallstr. 3
55122 Mainz
Tel. 06131 39-39232
E-Mail: depression@uni-mainz.de
https://www.klinische-psychologie-und-neuropsychologie.uni-mainz.de/forschung/ba...

Geschäftsmodelle des Modehandels

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Neues Buch „Green Fashion Retail“ zeigt Handlungsoptionen für einen nachhaltigeren Modehandel auf

Das Buch „Green Fashion Retail“ ist jüngst in der „Springer Series in Fashion Business“ erschienen. 

Die Serie ist speziell auf die Bedürfnisse des Fashion Business zugeschnitten und wird von Professor Dr. Tsan-Ming Choi der Hong Kong Polytechnic University herausgegeben. 

Das Fachbuch bietet ein solides Verständnis zur Einbindung nachhaltiger Aspekte in diverse Geschäftsmodelle des Modehandels. 

 Buchcover
Buchcover

  • Das Buch konzentriert sich auf Nachhaltigkeit im Mode-Einzelhandel, die zukünftig Dreh- und Angelpunkt von Fashion-Retail-Strategien sein wird. 
Als erstes Buch weltweit widmet sich das Buch konkret der Fragestellung, wie textile Handelsunternehmen auf die Nachhaltigkeitswelle reagieren können. 

Die einzelnen Kapitel geben theoretische und praktische Einblicke darüber, wie sich Nachhaltigkeit positiv auf die Strategie von Modeeinzelhändlern und Vermarktern auswirken kann, die auf wandelnde Kundenbedürfnisse reagieren müssen.

Dem Leser werden konkrete Ansatzpunkte für Verbesserungen aufgezeigt und ein solides Verständnis vermittelt, wie jedes Modehandel-Geschäftsmodell nachhaltiger gestaltet werden kann.


„Das Buch ist ein praktischer Leitfaden für Manager und Wissenschaftler und soll das Verständnis von Nachhaltigkeitsaspekten im Modehandel schärfen“, so Autor Prof. Dr. Jochen Strähle.

Über den Autor
 
Professor Jochen Strähle ist ein internationaler Fashion-Management-Spezialist, der an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Universidade de Coimbra und der University of London /Paris ausgebildet wurde. Er gilt als Einflussgröße im Bereich Fashion Retailing und ist bekannter Mode-Management-Experte für TV und Hörfunk. Vor seiner Berufung an der Hochschule Reutlingen war Jochen Strähle CEO des größten Mode-Online-Händlers in Mittel- und Osteuropa. Seine Erfahrungen aus mehreren Management-Positionen in der Modebranche in verschiedenen Ländern sind bisher in fünf Bücher eingeflossen. Heute lehrt er Internationales Fashion Management an der Fakultät Textil & Design an der Hochschule Reutlingen.


Prof. Dr. Jochen Strähle

Prof. Dr. Jochen Strähle Foto: Scheuring

Informationen über die Publikation
Jochen Strähle: Green Fashion Retail, Springer 2017, ISBN 978-981-10-2440-5 


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Juliane Schreinert Hochschule Reutlingen


Alteburgstr. 150
72762 Reutlingen
Deutschland
Baden-Württemberg
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E-Mail-Adresse: juliane.schreinert@reutlingen-university.de

 

360° TOP-Bitte: Rettungsstelle-KANZEL: Infektionskrankheit SYPHILIS

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Pandemische Erregergruppe verantwortlich für Syphilis-Rückkehr

In den letzten Jahrzehnten hat sich Syphilis weltweit zurückgemeldet. 

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Universität Zürich konnte nun zeigen, dass alle Bakterien aus modernen Syphilis-Patientenproben auf einen gemeinsamen Erregerstamm des 18. Jahrhunderts zurückgehen. 

Zudem haben sich die heute weltweit vorherrschenden Bakterien nach 1950 aus einem gemeinsamen Stamm entwickelt, die eine besorgniserregende Gemeinsamkeit teilen: 

die Resistenz gegen das Antibiotikum Azithromycin. 
 
Die weltweite Ausbreitung von Syphilis begann im späten 15. Jahrhundert.

  • Nachdem 1495 in Europa die ersten Ausbrüche gemeldet wurden, breitete sich die Krankheit rasch auf andere Kontinente aus und war während mehr als 500 Jahren eine der schwerwiegendsten Seuchen der Menschheit. 
  • Mit der Verfügbarkeit des Antibiotikums Penicillin ab Mitte des 20. Jahrhunderts gingen die Infektionszahlen dramatisch zurück. 
  • Doch in den letzten Jahrzehnten haben Infektionen mit dem Bakterium Treponema pallidum subsp. pallidum (TPA) weltweit wieder stark zugenommen – aktuell snd es mehr als zehn Millionen Neuerkrankungen pro Jahr. 
  • Die Gründe für das Wiederauftauchen der sexuell übertragbaren Krankheit sind unklar.

Neue Analysemethoden für eine alte Infektionskrankheit

Bisher war wenig bekannt über die Muster der genetischen Vielfalt der Erreger, die aus aktuellen Infektionen stammen, oder über den evolutionären Ursprung der Krankheit.

Blut- und Gewebeproben von Syphilis-Patienten enthalten nur kleine Mengen an Treponema-DNA, und das Bakterium lässt sich nur sehr schwierig im Labor kultivieren.

Forschende der UZH verwendeten daher Techniken, mit denen sich ganze Genome sequenzieren lassen, und die ihre Kollegen an der Universität Thübingen einsetzen, um sehr alte DNA-Proben zu untersuchen. Insgesamt sammelten sie 70 klinische und Labor-Proben von Syphilis, Frambösie und Bejel aus 13 Ländern rund um den Globus.

Wie Syphilis werden auch die Infektionskrankheiten Frambösie und Bejel via Hautkontakt übertragen. 

Sie werden durch die nahe verwandten Unterarten Treponema pallidum subsp. pertenue (TPE) und Treponema pallidum subsp. endemicum (TEN) verursacht und zeigen ähnliche Krankheitsbilder.

Anhand der Genom-Daten konnten die Forschenden einen Stammbaum der Verwandtschaftsverhältnisse erstellen und eine klare Trennung der Abstammungslinien von TPA und von TPE/TEN ermitteln. «Seit Syphilis vor über 500 Jahren aufgetaucht ist, drehen sich viele Fragen um den Ursprung der Krankheit. Indem wir evolutionsbiologische und epidemiologische Ansätze kombinierten, konnten wir die genetischen Verwandtschaftsverhältnisse der Bakterienstämme ermitteln, die für die heutigen Infektionen verantwortlich sind. Wir fanden eine pandemische Erregergruppe mit einer hohen Rate an Antibiotikaresistenzen», erläutert Homayoun C. Bagheri, ehemaliger Professor am Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der UZH.

Pandemische Gruppe resistenter Bakterienstämme verantwortlich für aktuelle Syphilis-Fälle

Die Genomanalysen zeigen, dass eine global vorherrschende Gruppe von eng verwandten Syphilis-Bakterien namens SS14-Ω für die aktuellen, weltweiten Infektionen verantwortlich ist. Diese pandemische Gruppe unterscheidet sich vom gut untersuchten Referenzstamm namens Nichols. «Wichtig ist daher, zukünftig jene Bakterienstämme besser zu erforschen, die hauptverantwortlich für die aktuelle weltweite Epidemie sind», streicht Natasha Arora, Forscherin am Institut für Rechtsmedizin der UZH und Erstautorin der in Nature Microbiology veröffentlichten Studie, hervor.

Epidemiologisch relevant ist die Erkenntnis, dass sich die Gruppe SS14-Ω evolutionsbiologisch aus einem gemeinsamen Erregerstamm in der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelt hat – nachdem Antibiotika entdeckt wurden. Besorgniserregend ist die Tatsache, dass ein grosser Teil der Bakterien der pandemischen Gruppe SS14-Ω resistent ist gegen das Antibiotikum Azithromycin, das als Zweitlinientherapie breit gegen sexuell übertragbare Krankheiten eingesetzt wird.
Natasha Arora ergänzt: «Die gute Nachricht ist, dass bisher keine Treponema-Stämme entdeckt wurden, die gegen Penicillin resistent sind, der Erstlinientherapie gegen Syphilis.»

Ko-Autor Philipp Bosshard vom Universitätsspital Zürich sammelt weiterhin Patientenproben aus der Schweiz, um die klinischen Aspekte dieser Arbeit weiter zu untersuchen. Die Forschenden sind überzeugt, dass diese Art von Analysen neue Möglichkeiten eröffnen, um die Epidemiologie dieser verheerenden Krankheit besser zu verstehen, die trotz Verfügbarkeit wirksamer Therapien noch immer nicht besiegt ist.

Literatur:
Natasha Arora, Verena J. Schuenemann, Günter Jäger, Alexander Peltzer, Alexander Seitz, Alexander Herbig, Michal Strouhal, Linda Grillová, Leonor Sánchez-Busó, Denise Kühnert, Kirsten I. Bos, Leyla Rivero Davis, Lenka Mikalová, Sylvia Bruisten, Peter Komericki, Patrick French, Paul R. Grant, María A. Pando, Lucía Gallo Vaulet, Marcelo Rodríguez Fermepin, Antonio Martinez, Arturo Centurion Lara, Lorenzo Giacani, Steven J. Norris, David Šmajs, Philipp P. Bosshard, Fernando González-Candelas, Kay Nieselt, Johannes Krause and Homayoun C. Bagheri. Origin of modern syphilis and emergence of a pandemic Treponema pallidum cluster. Nature Microbiology. December 5, 2016. doi: 10.1038/nmicrobiol.2016.245

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Dr. Natasha Arora
Institut für Rechtsmedizin
Universität Zürich
Tel. +41 44 635 60 70
E-Mail: natasha.arora@irm.uzh.ch

Dr. Homayoun C. Bagheri
Repsol Technology Center
Madrid, Spanien
Tel. +34 620 699 507
E-Mail: homayoun.bagheri@repsol.com
Kurt Bodenmüller Universität Zürich


01. Januar 2017: Dein innerer Schweinehund....

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Den inneren Schweinehund besiegen

Mehr Sport, gesund essen, keinen Alkohol – nun kommt die Zeit der guten Vorsätze. 

Allerdings: 

Nicht einmal jeder Dritte schafft es, diese auch in die Tat umzusetzen. 

So wurde Weihnachten 2016 und der Jahreswechsel 2016 zugleich zur Zeit der Fehltritte. 

Wie sich das Verhalten verändern lässt, wie der innere Schweinehund besiegt werden kann, darüber forscht Prof. Dr. Sonia Lippke, Gesundheitspsychologin an der Jacobs University in Bremen. Ihr Ratschlag: 
  • Möglichst konkret planen und die eigene Strategie immer wieder der Wirklichkeit anpassen. 
Prof. Dr. Sonia Lippke, Gesundheitspsychologin an der Jacobs University, forscht dazu, wie der innere Schweinehund besiegt werden kann.
Prof. Dr. Sonia Lippke, Gesundheitspsychologin an der Jacobs University, forscht dazu, wie der innere Schweinehund besiegt werden kann. Foto: WFB Bremen/Jonas Ginter
 
Vorsätze seien gut, findet Sonia Lippke, denn sie sind die Grundlage für Veränderungen.

Aber nach dem ersten Schritt müsse eben auch der zweite folgen – und da geraten viele Menschen schnell ins Stolpern.

 „Das konkrete Planen von Zielen und die Entwicklung von Strategien zum Umgang mit eventuellen Hindernissen ist wichtig“, sagt die 42-jährige Wissenschaftlerin. 
Wer sich zum Beispiel vornimmt, dreimal pro Woche 30 Minuten mit Sport ins Schwitzen zu kommen, aber es dann doch sein lässt, weil der Rücken zwickt, der sollte statt dessen Spazierengehen oder leichtere Rückenübungen machen.

„Jeder sollte für sich die passende Strategie suchen und sie immer mal wieder anpassen. 

Wenn die Umsetzung der Vorsätze in der einen Woche nicht gelingt, dann sollte man überlegen, was man in der kommenden Woche anders machen kann, damit es klappt.“

Von der Entwicklung einer „Selbstregulationskompetenz“ spricht die Wissenschaftlerin. 

„Das Gefühl, etwas bewegen zu können, in Kombination mit der Aufstellung von Handlungs- und Bewältigungsplänen, wirkt sich positiv auf die längerfristige Gewohnheitsbildung und die Zufriedenheit aus – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Beruf“, verdeutlicht Lippke.

Die Förderung der Gesundheit, im Alltag und im Beruf, ist ihr eine Herzensangelegenheit.

Dabei geht es ihr in erster Linie um Prävention. „Ich will nicht warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist, sondern möglichst verhindern, dass Krankheiten auftreten!“ Der Lebensstil habe eine erstaunliche Bedeutung für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen, und doch falle es vielen unendlich schwer, ihn zu ändern. Zu verstehen, warum das so ist, und Menschen konkret zu helfen, das ist die Mission der Psychologin.

Deshalb ist Grundlagenforschung weniger ihr Ding; Sonia Lippke bevorzugt die Forschung mit Anwendungsbezug, Kooperationen mit Unternehmen, Krankenkassen oder Rentenversicherungen.

„Diese Partner übersetzen unsere Forschung in konkrete Programme, mit ihnen gemeinsam können wir wirklich etwas bewegen.“ So befasst sie sich etwa mit der Frage, wie langfristig gesundheitlich eingeschränkten Menschen der Weg zurück in die Erwerbstätigkeit und in die Gesellschaft geebnet werden kann. „Wer nicht mehr arbeiten kann, nimmt oft auch nicht mehr am sozialen Leben teil. Das ist ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt“, meint Sonia Lippke.

Was sie in ihrer Forschung beschäftigt, versucht die Mutter von drei Kindern auch in ihrem Alltag umzusetzen: viel Obst und Gemüse essen, ausreichend Wasser trinken und Bewegung, vor allem Radfahren. In ihrem Büro an der Jacobs University stehen höhenverstellbare Tische, Besprechungen finden schon einmal im Stehen statt. „Wir alle sitzen viel zu viel“, sagt sie. „Arbeitsmediziner empfehlen für den Büroalltag 50 Prozent Sitzen, 40 Prozent Stehen und 10 Prozent Bewegung.“

Ihre Studierenden profitieren von ihrer Forschung, sie bindet sie ein, gibt in ihrer Lehre viele Praxisbeispiele.

„Wenn ich unterwegs bin, überlege ich immer, wie ich konkrete Beispiele aus dem Alltag in der Lehre verwenden kann.“ „Forschendes Lernen“ nennt sie das, im Gegensatz zu dem „bulemischen Lernen“, dem Pauken auf den Punkt, um das Erlernte anschließend möglichst schnell wieder zu vergessen. „Ich möchte, dass meine Studierenden merken: Ihr Wissen ist von Relevanz – nicht nur für den Seminarraum und die Noten.“

Aus aller Welt stammen die jungen Menschen, die in ihrem Studium Seminare bei Sonia Lippke absolvieren. „Das internationale Leben und Arbeiten an der Jacobs University ist einzigartig, das schätze ich sehr“, sagt sie. Schließlich ist sie selbst in Mexiko und Spanien aufgewachsen, hat in den Niederlanden, in China und in Kanada gelehrt und geforscht. „Total reizvoll“ seien auch der Austausch mit Wissenschaftlern anderer Fachrichtungen und die Transdisziplinarität, wie sie an der Jacobs University gepflegt wird. So hat Sonia Lippke gemeinsam mit einem Chemiker einen Kurs angeboten, in dem es um Ernährung ging. Eine Doktorandin betreut sie gemeinsam mit einem Informatiker. „Das ist spannend und sehr lehrreich – für alle Beteiligten.“

Weitere Informationen:

http://slippke.user.jacobs-university.de/deutsch/
 
http://www.jacobs-university.de


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Prof. Dr. Sonia Lippke | Professor of Health Psychology and Behavioral Medicine
s.lippke@jacobs-university.de | Tel: +49 421 200-4730
Kristina Logemann Jacobs University Bremen gGmbH

Über die Jacobs University:
Die Jacobs University ist eine private, unabhängige, englischsprachige Universität in Bremen. Hier studieren junge Menschen aus der ganzen Welt in Vorbereitungs-, Bachelor-, Master- und PhD-Programmen. Internationalität und Transdisziplinarität sind die besonderen Kennzeichen der Jacobs University: Forschung und Lehre folgen nicht einem einzigen Lösungsweg, sie gehen Fragestellungen aus der Perspektive verschiedener Disziplinen an. Dieses Prinzip macht Jacobs Absolventen zu begehrten Nachwuchskräften, die erfolgreich internationale Karrierewege einschlagen.

Silvester : Blutalkoholspiegel Volumenprozente oder Gramm?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Alkoholangaben: Ehrlicher trinken

Klarheit schafft Wahrheit. Die Forderung von Medizinern, beim Alkoholgehalt von Getränken die Volumenprozente durch Gramm-Angaben zu ersetzen, ist sinnvoll. Es erleichtert enorm, den Blutalkoholspiegel auszurechnen und sich vor Augen zu führen, welche Mengen reinen Alkohols man sich in den Körper kippt. Dann lassen sich die potenziellen Schäden am Leib eher nachvollziehen. Wer "Alkohol" und "Gramm" googelt, wird beim Anblick der Trefferliste ordentlich schlucken - möglichst ohne Alkohol. Leberschaden und Darmkrebs stehen ganz oben. Die Diskussion, wie viel Alkohol der Körper ohne gravierende Gesundheitsrisiken verträgt, wird dennoch nie enden. Je nach eigenem Verhalten will jeder Erkenntnisse in Richtung seiner Interessenslage schieben: Abstinente hin zur Nulllinie, Konsumenten je nach Trinkmenge in die Gegenrichtung. Man sucht selektiv die passenden Argumente für sein gewohntes Verhalten. Der Interpretationsspielraum wird gerne in vollem Umfang und darüber hinaus genutzt. Das wird sich mit Gramm- statt Volumenprozentangaben kaum ändern. Aber es würde schwieriger, beim Rechnen abstinent zu bleiben, nur weil es mühsam ist. Das Lieber- nicht-wissen-wollen funktioniert dann schlechter. Die Konfrontation mit der Wahrheit wird härter.

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Mittelbayerische Zeitung

Redaktion - Bernhard Fleischmann
            

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Gängige Behandlungsoptionen bei Frühformen von Prostatakrebs

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Prostatakrebs-Studie PREFERE wird nicht fortgeführt

Von Deutscher Krebshilfe, AOK-Bundesverband, BKK Dachverband, IKK e.V., Knappschaft, Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) sowie Verband der Privaten Krankenversicherung 
 
Deutsche Krebshilfe, Krankenkassen und -versicherungen beenden Förderung vorzeitig

Die Deutsche Krebshilfe, die gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen werden die PREFERE-Studie zur Bewertung der gängigen Behandlungsoptionen bei Frühformen von Prostatakrebs nicht fortführen und die Studienförderung zum 31. Dezember 2016 beenden, weil die Zahl der eingeschriebenen Patienten weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.

Damit bleibt weiter unklar, von welcher der vier Möglichkeiten – Radikaloperation (radikale Prostatektomie), perkutane Strahlentherapie, Brachytherapie (dauerhaft in der Prostata platzierte Strahlenquellen), Aktive Überwachung – Patienten mit einem Prostatakarzinom im frühen Stadium am meisten profitieren.

Das vor dreieinhalb Jahren begonnene Studienprojekt hat die Erwartungen zur Durchführbarkeit, insbesondere der Rekrutierungsrate, die der Entscheidung, die Studie zu fördern, zugrunde lagen, nicht erfüllt. Zu diesem Fazit kommen die Deutsche Krebshilfe sowie die gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen nach einer weiteren Zwischenbewertung der Studie, die unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Stöckle, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg/Saar, und Prof. Dr. Thomas Wiegel, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Ulm, durchgeführt wurde. Hinzu kommt, dass kürzlich veröffentlichte Daten einer englischen Studie (ProtecT-Studie) nach eigenen Aussagen der Studienleiter grundlegende Änderungen im Studiendesign notwendig gemacht hätten.

Für die weitere Betreuung der 343 Patienten, die sich bisher für eine Teilnahme entschieden haben, bringt die Beendigung der PREFERE-Studie keine Nachteile. Die gesetzlichen Krankenkassen, die privaten Krankenversicherungen sowie die Deutsche Krebshilfe werden die langfristige medizinische Betreuung / Beobachtung der Patienten in der Form sicherstellen, wie sie im Rahmen der PREFERE-Studie erfolgt wäre. Sie werden darüber hinaus Möglichkeiten prüfen, wie die klinischen Ergebnisse bei diesen Studienpatienten trotz des Studienabbruchs für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden können.

Den Förderern erscheint es nicht vertretbar, eine Studie fortzusetzen, die absehbar nicht abgeschlossen werden kann und damit die eigentliche Studienfragestellung nicht beantworten wird. Die Förderer bedauern den Studienabbruch in hohem Maße. Sie halten fest, dass damit eine große Chance nicht genutzt werden konnte, im Interesse der zahlreichen Patienten eine derart wichtige klinische Fragestellung zu klären, die auch unter Berücksichtigung aktueller international publizierter Studiendaten weiterhin unbeantwortet ist.

Den Förderern der Studie waren die Herausforderungen von Anfang an bewusst – insbesondere die Aspekte hohe Teilnehmerzahl und Randomisierung. Dem Studienbeginn war deshalb eine fast zweijährige intensive Vorbereitungsphase vorgeschaltet worden. Das Studienkonzept und -design war seitens der Deutschen Krebshilfe und der Kostenträger abgestimmt worden mit der Deutschen Gesellschaft für Urologie, der Deutschen Gesellschaft für Radiologie, dem Berufsverband Deutscher Urologen, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Krebs-Selbsthilfe-/Patientenorganisation Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS). Die Studie und ihr Design fanden zudem die uneingeschränkte Unterstützung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Das Studiendesign der präferenzbasierten Randomisierung war und ist für alle Beteiligten zukunftsweisend: Trotz wissenschaftlich gebotener Randomisierung bleiben dem Patienten Wahlentscheidungen. „Nach dieser intensiven Abstimmung zwischen allen Beteiligten im Vorfeld des Studienbeginns war davon auszugehen, dass PREFERE einen erfolgreichen Verlauf nehmen wird. Wohl wissend um die Herausforderungen, haben wir uns auf diese Allianz verlassen", so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krebshilfe, Gerd Nettekoven.

Die Förderer der Studie müssen nach dreieinhalb Jahren jedoch konstatieren, dass die Herausforderungen des Studiendesigns möglicherweise unterschätzt wurden. „Es war beispielsweise nicht zu antizipieren, dass der überwiegende Teil der Studienpatienten die Standardtherapien – Operation und konventionelle Strahlentherapie – abwählt", erklärt Prof. Dr. Jürgen Fritze vom Verband der Privaten Krankenversicherung. Dies führe dazu, dass sich die Teilnehmerzahl nochmals deutlich erhöhen müsste, um valide Studienergebnisse zu erhalten.

Durch die unmittelbare Kontaktaufnahme mit niedergelassenen Urologen, die in der Regel die erste Anlaufstelle für den Patienten sind, haben die Förderer im Laufe der bisherigen Studienlaufzeit zudem den Hinweis erhalten, dass ein Viertel der niedergelassenen Urologen nicht bereit ist, an PREFERE mitzuwirken. 

  • „Den Patienten konnte anscheinend nicht ausreichend vermittelt werden, dass die Frage der besten Therapie wissenschaftlich unbeantwortet ist, dass also die Empfehlung der einen gegenüber der anderen Therapie unfundiert ist. Denn anderenfalls wären die Patienten der Logik gefolgt, dass die Randomisierung jedenfalls keinen Nachteil bedeutet, aber Erkenntnisgewinn", so Fritze weiter.

Die im PREFERE-Studiendesign berücksichtigte Randomisierung sieht auch der Vorsitzende des Fachausschusses ‚Krebs-Therapiestudien' der Deutschen Krebshilfe, Prof. Dr. Andreas Neubauer, Klinik für Innere Medizin des Universitätsklinikums Marburg, nicht als gravierende Hürde an. „In klinischen Studien werden Therapien an einer größeren Anzahl von Patienten statistisch geplant, systematisch überprüft und sorgfältig ausgewertet. Nur so kann zuverlässig festgestellt werden, wie wirksam Behandlungsmethoden wirklich sind." 

Fortschritte in der Krebsmedizin, wie beispielsweise bei Leukämien und beim Brustkrebs, seien meistens durch randomisierte klinische Studien erreicht worden.

Auch die gesetzlichen Krankenkassen bedauern den Studienverlauf. „Die äußerst unbefriedigende Rekrutierung wird leider nicht zu den erhofften wichtigen Erkenntnissen führen. Vor diesem Hintergrund erscheint es nicht mehr verantwortbar, die Studie weiter zu fördern", erklärt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, im Namen aller gesetzlichen Krankenkassen.

Grundlage für PREFERE war ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). 

Danach wurde die Entscheidung über die Aufnahme der sogenannten Brachytherapie in den ambulanten Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zunächst ausgesetzt. 

Der Grund: Es gab keine ausreichenden Daten, um diese Behandlungsform zu bewerten. Daraufhin wurde das Studienkonzept für PREFERE entwickelt, um die Brachytherapie mit anderen Therapien vergleichen zu können. Nach einer Reihe von ausführlichen Begutachtungen dieses Konzeptes und der Weiterentwicklung durch nationale und internationale Experten verschiedener Fachrichtungen konnte PREFERE schließlich auf den Weg gebracht werden.

Der Vorsitzende des G-BA, Prof. Josef Hecken, zeigt sich enttäuscht von den bisherigen Ergebnissen der für den G-BA nach wie vor wichtigen Studie, kann aber die getroffene Entscheidung der Förderer nachvollziehen. 
  • „Damit bleibt bedauerlicherweise die Frage nach der besten Therapie des Niedrig-Risiko-Prostatakarzinoms ungeklärt", erklärt Hecken. 
„Ich würde mir jedoch wünschen, dass die Deutsche Krebshilfe, der G-BA sowie die Kostenträger gemeinsam im Sinne der Patienten darüber nachdenken, wie weit die offene Fragestellung mit einem erfolgversprechenderen Studienkonzept erneut aufgegriffen und bearbeitet werden kann, damit der Aussetzungsbeschluss mit Blick darauf aufrechterhalten werden kann", so Hecken weiter.

Trotz des vorzeitigen Studienabbruchs resultieren aus der Studie auch wichtige Erkenntnisse. 

So hat beispielsweise die Zweitbegutachtung der Gewebeproben das Risiko einer Über- oder Untertherapie für die Betroffenen deutlich verringert. 

Die in den letzten dreieinhalb Jahren eingeschriebenen Patienten haben von diesem Vorteil profitiert – ebenso wie von der strukturierten und neutralen Aufklärung über die vier möglichen Behandlungsoptionen bei Prostatakrebs im frühen Stadium.

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Dr. med. Svenja Ludwig
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E-Mail: Ludwig@krebshilfe.de

Buschstraße 32
53113 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
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Brotkruste: Glukose-Fett- oder Glukose-Eiweiß

Medizin am Abend Berlin Fazit: Brotbacken für die Wissenschaft

In einem vom Land Sachsen-Anhalt geförderten Projekt von Prof. Andreas Simm (Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) soll herausgefunden werden, welche Brotkruste sich als Basis für ein Nahrungsergänzungsmittel eignet. 

Prof. Andreas Simm Prof. Andreas Simm UKH/Fotostelle
 
Man könnte meinen, das Projekt von Prof. Andreas Simm ist eine spontane Idee gewesen, beim Frühstück entstanden.

Stattdessen ist sie „regelrecht historisch“, wie er sagt. Schon von 1990 bis 2000 hat er an der Universität Würzburg über Signaltransduktion geforscht und ist dabei mit dem Thema glykierte Proteine in Kontakt gekommen - und mit Brot als „Forschungsobjekt“.

Denn in Brot sind sogenannte AGE enthalten. 

AGE steht für Advanced Glycation Endproducts, also Glukose-Fett- oder Glukose-Eiweiß-Verbindungen.

Mittlerweile ist Prof. Simm seit 16 Jahren Leiter des Forschungslabors der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Halle (Saale) und greift die Brot-Idee wieder auf.

Sein Projekt nennt sich „Backwaren als Functional Food: neuronaler Schutz vor stressinduziertem Zelltod“.

  • Darin soll herausgefunden werden, welche Effekte AGE aus der Nahrung auf degenerative Erkrankungen haben. 

Vorarbeiten haben gezeigt, dass AGE-reiche Extrakte aus der Brotkruste Zellen vor oxidativem Stress schützen können, wie er beispielsweise bei Diabetes, Alzheimer, Operationen oder Gewebeschäden nach einer Sauerstoffunterversorgung (Ischämie-Reperfusionsschäden) in Zellen entsteht. 

  • Die verzuckerten Eiweiße bringen Zellen dazu, dass sie ihr eigenes Abwehrsystem gegen den Stress aktivieren.

„Beim Backen bilden sich die modifizierten Eiweiße“, erklärt der Biologe. In der Brotkruste seien dabei deutlich mehr AGE enthalten als in der Krume. Beim Essen werden diese veränderten Eiweiße dann freigesetzt. Und dabei gilt „je dunkler, desto mehr AGE“, aber verbrannt darf es nicht sein. Deswegen besteht ein Teil des Projektes darin, herauszufinden, wie dunkel gebacken die Kruste sein muss.

Auch muss untersucht werden, welche traditionelle Getreidesorte und welche Backtemperatur das beste Ergebnis liefern. Dazu werden in einer Bäckerei viele verschiedene Brote standardisiert gebacken. „Wir fangen mit den Sorten an, die in Deutschland angebaut werden, also unter anderem Dinkel, Hafer, Weizen, Roggen“, sagt Prof. Simm. Wenn sich dann zwei Sorten als besonders geeignet zeigen, wird mit diesen Teigen ebenfalls standardisiert getestet, welche Backtemperatur und Backzeit am besten sind. „Es werden insgesamt bestimmt 100 Laib Brot werden“, schätzt Prof. Simm, der auch selbst schon mal seinen eigenen Sauerteig angesetzt und damit Brot gebacken hat.

  • Ein großes Ziel sei, aus der Kruste ein Nahrungsergänzungsmittel zu entwickeln, mit dem man seine Abwehr sozusagen trainieren könne. 

Bei Demenz, die der Fokus der „Autonomie im Alter“-Projekte ist, bei der Nervenzellen absterben, aber auch bei Lungentumorzellen könnte eine solche AGE-Therapie eventuell helfen.

Sie könnte dazu führen, die zelleigene Abwehr zu induzieren beziehungsweise das Wachstum des Tumors zu hemmen.

„Die Frage, der wir auch nachgehen, ist, welche Version die wirksamste wäre, die beides kann“, blickt Prof. Simm voraus. Auch müsse dann untersucht werden, welche Menge und in welchen Abständen man diese nehmen müsste.

„Der Körper muss zwischendurch reagieren können, so dass eine tägliche Einnahme nicht sinnvoll ist. 
  • Das ist wie beim Sport, da muss der Muskel auch Zeit haben, auf eine Beanspruchung zu reagieren“, erklärt Prof. Simm. 

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Case Management Herzinfarkt

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Nachsorge durch geschulte Pflegekräfte hilft Herzinfarktpatienten

Die Lebensqualität von älteren Herzinfarkt-Patienten lässt sich ohne Mehrkosten durch ein sogenanntes Case Management im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt wesentlich verbessern. 

Das berichten Gesundheitsökonomen des Helmholtz Zentrums München in der Zeitschrift ‚Value in Health‘. 
 
Laut den Autoren um Dr. Hildegard Seidl vom Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen (IGM) und Dr. Inge Kirchberger vom Institut für Epidemiologie II (EPI II) führen die regelmäßigen Kontakte und Informationsprogramme durch geschulte Pflegekräfte zudem zu weiteren positiven Effekten:

  • So verbessern sich die Muskelkraft und die Blutfettwerte, während sich geringere körperliche Einschränkungen zeigen und sich die Patienten gesünder ernähren.

Die Ergebnisse gehen zurück auf Daten der KORINNA-Studie, für die die Wissenschaftler über 300 Herzinfarkt-Patienten ab einem Alter von 65 Jahren untersucht hatten. Sie wurden nach ihrem Krankenhausaufenthalt gemäß dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Eine erhielt die übliche Behandlung nach deutschen Standards, die andere zusätzlich ein sogenanntes Case Management durch entsprechend geschulte Pflegekräfte: 

Dazu gehörten etwa Informationsmaterialien bei Klinikentlassung, Hausbesuche und regelmäßige Telefonkontakte (mindestens alle 3 Monate).

Erstautorin Seidl erklärt die Hypothese: 

„Wir wollten testen, ob die höhere Informationsdichte zu Themen wie Medikamenteneinnahme, Ernährung oder psychosozialen Aspekten und eine Anleitung zur Messung wichtiger Parameter wie Blutdruck, Puls oder Blutzucker, bei Patienten zu einer besseren Lebensqualität führt.“ 

  • Denn ältere Patienten mit Herzinfarkt leiden laut den Autoren häufig unter Begleiterkrankungen, die zu Mehrfachmedikation, reduzierter Lebensqualität und Wiedereinweisungen ins Krankenhaus führen können. 
In Deutschland sei aber bisher kein Case Management für ältere Patienten mit Herzinfarkt angeboten und evaluiert worden.

„Gute Informationsgrundlage für rationale Entscheidungen“

„Unser Gesundheitswesen sieht sich durch demographische Entwicklungen und teure Innovationen immens steigenden Kosten gegenüber“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Rolf Holle. 

„Kosteneffektive Lösungen, die das Befinden der Patienten verbessern sind nötiger denn je“, so der stellvertretende Institutsdirektor des IGM weiter. Daher sei es sinnvoll zu prüfen, ob die nun publizierten Ergebnisse auch in eine mögliche Handlungsempfehlung münden sollten.

„Die von uns durchgeführte Studie schafft eine gute Informationsgrundlage, anhand der die zuständigen Stellen in der Gesundheitspolitik rationale Entscheidungen treffen können“, erklärt Seidl. „Die Ergebnisse liefern wissenschaftliche Evidenz dazu, dass die ergänzende Versorgung durch ein Case Management bei älteren Menschen die Gesundheit kosteneffektiv verbessern kann. 

Es ist zu überlegen, ob die Richtlinie zur Übertragung ärztlicher Tätigkeiten auf Pflegekräfte* um die Diagnose Herzinfarkt zu erweitern ist und so ein Case Management für diese Patientengruppe zu ermöglichen.“
  • Herzinfarkt ist eine der Haupttodesursachen weltweit. Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten, haben ein hohes Risiko für einen Reinfarkt, das durch eine Lebensstiländerung und Verbesserung der Zuverlässigkeit der Medikamenteneinnahme verringert werden kann. Dies erfordert jedoch einen engen und anhaltenden Kontakt zum Therapeuten, der durch niederschwellige Angebote gefördert werden kann.

Weitere Informationen

* Konkret handelt es sich hier um die Richtlinie nach § 63 Abs. 3c SGB V

Die KORINNA-Studie: Gesundheitsökonomische Analyse eines Case-Managementprogramms bei älteren Herzinfarktpatienten. In der monozentrischen Studie wurden 340 Patienten mit akutem Herzinfarkt und Alter ab 65 Jahren im Klinikum Augsburg rekrutiert und per Zufall der Interventions- bzw. Kontrollgruppe zugewiesen. In der Interventionsgruppe erhielten die Patienten über drei Jahre jeweils einen oder bei Bedarf mehrere Hausbesuche durch geschultes Personal sowie vierteljährliche telefonische Beratungen, die Teilnehmer in der Kontrollgruppe erhielten die übliche Versorgung. In beiden Gruppen wurden der Gesundheitszustand und die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen alle drei Monate telefonisch erfragt. Primäres Zielkriterium war die Zeit ab Entlassung vom Basisaufenthalt bis zur ersten ungeplanten Rehospitalisierung (bzw. bis zum Tod außerhalb des Krankenhauses). Sekundäre Zielkriterien, wie klinische Messparameter, Funktionsfähigkeit, Depressivität und gesundheitsbezogene Lebensqualität wurden bei der Untersuchung nach drei Jahren erhoben. Kosten der Krankenhausaufenthalte wurden aus den administrativen Daten ermittelt, alle anderen Kosten wurden aus den Patientenangaben nach dem Unit Cost-Ansatz geschätzt. 

Weitere Informationen finden Sie unter:

 http://www.lgl.bayern.de/gesundheit/gesundheitsversorgung/informationsplattform_versorgungsforschung/akteure/helmholtz_schwpkt1_projekt1.htm und http://www.helmholtz-muenchen.de/igm/forschung/projekte/abgeschlossene/korinna/index.html

Hintergrund:
Die Studie wurde von Prof. Dr. Christa Meisinger (EPI II, MONICA/KORA Herzinfarktregister, NAKO Studienzentrum), Prof. Dr. Bernhard Kuch (jetzt Chefarzt im Stiftungskrankenhaus Nördlingen) und Prof. Dr. Rolf Holle (IGM) geplant und am Klinikum Augsburg durchgeführt. Die Auswertung der Daten erfolgte am IGM durch Dr. Hildegard Seidl, Dr. Matthias Hunger und Dr. Björn Stollenwerk.

Das angebotene Case-Management für ältere Patienten hatte in einer ersten Erhebung innerhalb des ersten Folgejahres noch keine statistisch nachweisbare Verbesserung der Lebensqualität zur Folge gehabt. Das Follow-up im Rahmen der Studie wurde auf drei Jahre erweitert, um auch die mittelfristigen Effekte analysieren zu können. Hier setzt die aktuelle Studie auf. Kein Nachweis konnte erbracht werden für eine Verlängerung der Zeit bis zur ersten Wiedereinweisung ins Krankenhaus oder bis zum Tod (kombinierter Endpunkt) sowie für einen Zugewinn an qualitätsadjustierten Lebensjahren.

Original-Publikation:
Seidl, H. et al. (2016): The 3-year cost-effectiveness of a nurse-based case management versus usual care for elderly patients with myocardial infarction: Results from the KORINNA follow-up study. Value in Health, doi: 10.1016/j.jval.2016.10.001
http://www.valueinhealthjournal.com/article/S1098-3015(16)30103-6/fulltext

Korrespondierende Publikation:
Kirchberger, I. et al (2015): Effects of a 3-Year Nurse-Based Case Management in Aged Patients with Acute Myocardial In-farction on Rehospitalisation, Mortality, Risk Factors, Physical Functioning and Mental Health. A Secondary Analysis of the Randomized Controlled KORINNA Study. PLoS One, doi: 10.1371/journal.pone.0116693.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4374800/

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de

Das Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen (IGM) untersucht Ansätze zur Verbesserung der Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsversorgung. Das Gesundheitssystem steht vor der Herausforderung, allen Bürgern eine qualitativ hochwertige und finanziell tragbare medizinische Versorgung zu gewährleisten. Der rasche medizinisch-technische Fortschritt und die demographischen Veränderungen verschärfen das beschriebene Spannungsverhältnis. Eine fundierte Evaluation der Strukturen und Prozesse der gesundheitlichen Versorgung unter den Gesichtspunkten von Effektivität und Effizienz ist eine unabdingbare Voraussetzung für rationales Handeln. http://www.helmholtz-muenchen.de/igm

Das Institut für Epidemiologie II (EPI II) erforscht die Zusammenhänge von Umwelt, Lebensstil und Genetik bei der Entstehung von Diabetes, Erkrankungen des Herzens und der Erhaltung der Gesundheit im Alter. Die Forschung stützt sich auf die einzigartigen bevölkerungsbasierten KORA-Ressourcen (Kohorte, Herzinfarktregister, Aerosol-Messstation). Folgestudien innerhalb der Kohorte ermöglichen die Untersuchung von Frühformen und Komplikationen ausgewählter chronischer Erkrankungen und deren Verbreitung in der Bevölkerung. http://www.helmholtz-muenchen.de/epi2

Die Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg (KORA) untersucht seit 30 Jahren die Gesundheit tausender Bürger aus dem Raum Augsburg. Ziel ist es, die Auswirkungen von Umweltfaktoren, Verhalten und Genen zu verstehen. Kernthemen der KORA-Studien sind Fragen zu Entstehung und Verlauf von chronischen Erkrankungen, insbesondere Herzinfarkt und Diabetes mellitus. Hierzu werden Risikofaktoren aus dem Bereich des Gesundheitsverhaltens (u.a. Rauchen, Ernährung, Bewegung), der Umweltfaktoren (u.a. Luftverschmutzung, Lärm) und der Genetik erforscht. Aus Sicht der Versorgungsforschung werden Fragen der Inanspruchnahme und Kosten der Gesundheitsversorgung untersucht. http://www.helmholtz-muenchen.de/kora

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Sexualhromon Testosteron - stolze Mähne

Medizin am Abend Berlin Fazit: Im Winter trägt der Hirsch Schal und Wildschweine erhalten eine Haarverlängerung

So kommen Wildtiere gut durch die Kälte 
 
Wildtiere brauchen bei Minusgraden ein dickes Fell, um Kälte abzuwettern.

Der Fellwechsel ist jetzt abgeschlossen; Väterchen Frost kann kommen.

Wie funktioniert die haarige „Funktionsjacke“?

Sie arbeitet ähnlich wie funktionelle Winterkleidung nach dem Schichten-Prinzip mit Luftkammern.

Fette helfen obendrein die Körperwärme zu halten. 

  • Die Wildtiere machen sich im Winter im Wortsinn „dicke“: Vögel plustern sich auf, Säugetiere tragen wollige „Unterwäsche“. 

Damit der Hirsch gut durch den Winter kommt, wachsen ihm neue Haare.

Seine Fellfarbe wandelt sich von einem glänzenden sommerlichen Rot in ein gedecktes winterliches Grau.

„Das Winterhaar der Hirsche ist doppelt so lang wie im Sommer, es ist wesentlich spröder und hat einen anderen Querschnitt“, sagt Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung.

Unter der äußeren Decke wachsen Wollhaare, die wie eine wärmende Thermo-Unterwäsche beim Menschen Schutz gegen die Kälte bieten. „Die Wollhaare stehen sehr dicht. Luftpolster zwischen den Haaren sorgen zusätzlich für Isolation und auch die Temperaturleitfähigkeit der Haare ist deutlich herabgesetzt.“ 

Damit ist der Rothirsch perfekt gegen eisige Temperaturen gewappnet.  

Am auffälligsten ist der Haarwuchs der Hirsche am Hals – seine prächtige Mähne sieht einem warmen Wollschal sehr ähnlich.

Doch sie hat nicht nur eine wärmende Aufgabe.

  • „Während der Brunft ist die stolze Mähne an die Menge des Sexualhormons Testosteron gebunden: 
  • Je länger die Mähne, desto mehr Testosteron steckt in dem Prachtkerl.“ 
  • So dienen Haare bei Wildtieren nicht nur als Wärmeschutz, sondern auch als wichtiges Kriterium bei der Partnerwahl.

Auch im Wildschwein-Fell sind zwischen den Haaren Luftkammern eingeschlossen, die die Abgabe der Körperwärme verhindern. 

Jetzt im Dezember ist der Fellwechsel bei Wildschweinen abgeschlossen. 

Sie haben sich das Sommerfell an Bäumen abgescheuert, sind so die alten Haare losgeworden. 

Das Winterhaar kommt ebenfalls in dunkelgrau bis schwarz daher – und eine auffällige Haarverlängerung stand an: 

Denn die borstigen Deckhaare sind deutlich länger als im Sommer. Darunter liegt die kurze, dicke Unterwolle. 

„An besonders frostigen Tagen rotten sich die Tiere auch mit ihren Artgenossen zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen“, erklärt von Münchhausen. 

Wer im Wasser lebt, braucht eine gute Portion Schmierfett, um sich vor klirrender Kälte zu schützen. 

  • Der Fischotter hat zwar ein perfektes „Funktionsjacken“-Fell mit etwa 50.000 Haaren pro Quadratzentimeter – und damit den dichtesten Winterpelz aller heimischen Säugetiere. 

Doch auch bei ihm spielt Fett als Kälteschutzmittel eine wichtige Rolle. 

Er produziert ein öliges Drüsensekret, das wasserabweisend wirkt. 

Damit wird das Fell ordentlich „bearbeitet“.

Dasselbe Wärmeschutzprinzip wenden Wasservögel an: 

Ihre Federn sind gut eingefettet. Enten haben eine spezielle Fettdrüse an der Oberseite der Schwanzwurzel, die sogenannte Bürzeldrüse. Das Fett aus dieser Drüse verteilen sie mit dem Schnabel im Federkleid – eine gute Portion Pomade ist in diesem Fall überlebenswichtig.

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