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Deine Arzt-Patienten-Beziehung - volle Transparenz gewünscht? Patientenbasierte und integrative Medizin!

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Wenn Patienten vollen Zugang zu ihren Daten erhalten, verbessert sich Arzt-Patienten-Beziehung

Erhöhte Transparenz in der medizinischen Versorgung stärkt zudem Mitarbeit, Verständnis und Selbstfürsorge der Behandelten 
 
  • Wenn Patienten vollen Zugriff auf ihre medizinischen Befunde und die Notizen des Arztes zu ihrer Erkrankung erhalten, verbessert dies die Arzt-Patienten-Beziehung erheblich. 

Dies hat eine Gruppe von Forschern der Universität Witten/Herdecke (UW/H) und der Harvard University (Boston, USA) herausgefunden.

  • Zudem stärkt die erhöhte Transparenz in der Behandlung die Mitarbeit und das Selbstmanagement der Patienten, verbessert das Verständnis der medizinischen Probleme und unterstützt die Selbstfürsorge.

Prof. Dr. Tobias Esch

„Nach Studienlage versteht etwa die Hälfte der Patienten, die zum Arzt gehen, nicht genau, was gerade besprochen wurde“, erläutert der Studienleiter Prof. Dr. Tobias Esch.
 Der 45-Jährige hat an der Harvard Medical School zum Thema Arzt-Patienten-Beziehung geforscht und ist nun Professor für Integrierte Gesundheitsversorgung und -förderung an der UW/H.

„Durch das OpenNotes-Projekt hat sich das Verständnis für das Besprochene radikal verbessert. Dadurch, dass die Patienten alles noch einmal nachlesen und auch die Notizen der Ärzte online einsehen können, haben sie die Möglichkeit, sich noch intensiver mit dem Thema zu beschäftigen, etwas noch einmal nachzulesen oder mit Angehörigen und Bekannten darüber zu sprechen.“ Als das Projekt OpenNotes in den USA ins Leben gerufen wurde, seien viele Ärzte skeptisch gewesen. „Wir wollten herausfinden, wie sich die Beziehung zwischen Arzt und Patient verändert, wenn den Patienten volle Transparenz gewährt wird. Das für viele durchaus erstaunliche Ergebnis war, dass sich die Beziehung deutlich verbessert.“ So ist mittlerweile auch die Skepsis der Ärzte gewichen. Prof. Esch: „Am Anfang hatten wir 120.000 Patienten, die sich beteiligt haben. Mittlerweile sind schon rund acht Millionen dabei.

In zwei Jahren möchten wir 50 Millionen Leute erreichen.“

Überlegungen, wie Patienten aktiv in ihre Heilung einbezogen werden können, beschäftigen den Forscher schon seit längerer Zeit. „Ich glaube, OpenNotes kann hier eine gute Lösung sein“, so Esch. „In der Zukunft wird es für Ärzte immer wichtiger werden, nicht nur die Krankheit des Patienten zu betrachten, sondern gemeinsam mit dem Patienten an seiner Genesung zu arbeiten. Dazu muss er involviert sein, verstehen, was passiert und sich als aktiven Teil der Behandlung ansehen. Patienten, die sich eingebunden fühlen, erzielen in der Regel auch bessere Therapieerfolge. Dafür brauchen wir eine patientenbasierte und integrative Medizin.“

In der Studie gaben mehr als 77 Prozent der Patienten an, durch OpenNotes mehr Kontrolle über ihre Behandlung zu haben als zuvor.

Mehr als 60 Prozent konnten durch das Programm ihre Medikation korrekt oder besser dosieren. 

Und fast alle Befragten fanden mindestens einmal einen Irrtum oder ein Missverständnis in den Unterlagen, die sie dank der freien Zugänglichkeit schnell korrigieren lassen konnten. 

Einige Patienten gaben zudem zu, Informationen zum Schutz ihrer Privatsphäre zunächst zurückgehalten zu haben, bis ihnen durch die Einsicht in die Unterlagen klar geworden sei, dass sie zur Behandlung wichtig seien.

„Letztlich ist dieser transparente Ansatz ein Gewinn für beide Seiten”, sagt Prof. Esch. 
  • „Die Patienten haben mehr Vertrauen, nehmen ihre Medikamente wie verschrieben, erinnern sich besser an das Besprochene und arbeiten aktiv an ihrer Gesundung mit. 
Die Ärzte können dadurch ihre Kommunikation verbessern, haben besser informierte und vorbereitete Patienten und auch andere Ärzte und Pflegende können besser über die gewünschte Behandlung unterrichtet werden. 

Und zu guter Letzt hilft das auch dem Gesundheitssystem.

Wenn besser kommuniziert und die Dosierung der Medikamente eingehalten wird, medizinische Fehler vermieden werden und der Arzt seine Zeit effizienter nutzen kann, reduziert das am Ende auch die Kosten der Behandlung.“

Die Studie finden Sie unter: http://bmjopen.bmj.com/content/6/1/e010034.full


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Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.300 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Tumorwachstum: Die sauerstofffreie Energiegewinnung: Die Glykolyse - Blutgefässversorgung

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Neue Entdeckung im Kampf gegen Krebs: Tumorzellen stellen Betrieb um

Tumorzellen, denen mit Medikamenten der Sauerstoff abgedreht wird, stellen ihren Stoffwechsel mittelfristig um – sie wechseln auf eine Energiegewinnung ohne Sauerstoff. 

Diese Beobachtung von Biomedizinern von Universität und Universitätsspital Basel lässt sich für Therapien nutzbar machen, die das Tumorwachstum langfristig hemmen können, wie die Forscher in der neusten Ausgabe des Fachblatts «Cell Reports» berichten.  

 Nach einer anti-angiogenen Behandlung entstehen in Tumoren Regionen, die keine Blutgefässe (grün) und dadurch auch keinen Sauerstoff (rot) aufweisen. Die Tumor-Zellen sind blau eingefärbt.
Nach einer anti-angiogenen Behandlung entstehen in Tumoren Regionen, die keine Blutgefässe (grün) und dadurch auch keinen Sauerstoff (rot) aufweisen. Die Tumor-Zellen sind blau eingefärbt.
Departement Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel
 
  • Noch immer erkrankt jeder dritte Mensch im Lauf seines Lebens an Krebs, und noch immer verläuft die Hälfte der Krankheitsfälle tödlich. 

Neue Wege im Kampf gegen Krebs sind daher gefragt.

Es ist heute allgemein bekannt, dass sich die Krankheit in einer Reihe von Stufen entwickelt.

  • Eine davon, die Tumorangiogenese, besteht in der Bildung neuer Blutgefässe zur Versorgung des wachsenden Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen.

Das Verständnis der Grundlagen der Krebsentstehung hat dazu geführt, dass immer gezieltere Angriffstechniken entwickelt wurden:

Medikamente können heute gleichzeitig mehrere Signalwege hemmen, welche die Tumorangiogenese regulieren. 

Deren molekulare Aufklärung hat die routinemässige Anwendung bestimmter Therapien in der Klinik möglich gemacht:

  • So kann die Blutgefässversorgung der Tumore mit der sogenannten anti-angiogenen Therapie gezielt verhindert werden. 
  • Diese zeigt zwar meist einen vorübergehenden Erfolg, indem das Tumorwachstum für eine gewisse Zeit gebremst oder sogar ganz unterbunden wird. Die Tumore werden aber im Lauf der Behandlung resistent gegen diese Therapien – und sie beginnen wieder zu wachsen.

«Unerwartete Beobachtung»

Nun hat die Forschungsgruppe um Prof. Gerhard Christofori vom Departement Biomedizin der Universität und des Universitätsspitals Basel gezeigt, dass die neuesten Medikamente die Blutgefässbildung zwar effizient verhindern.  

Aber die Tumore können auch ohne neue Blutgefässversorgung weiter wachsen – eine unerwartete Beobachtung, wie die Forscher schreiben.

Die biochemische und molekulargenetische Aufarbeitung des Befunds zeigte, dass die Tumorzellen ihren Stoffwechsel umstellen: 

Sie verwenden zur Energiegewinnung nicht mehr den Sauerstoff, der über die Blutgefässe geliefert wird – sondern sie wechseln zu einer sauerstofffreien Energiegewinnung, der Glykolyse. 

Die dabei entstehende Milchsäure wird an die Zellen abgegeben, die noch genügend Sauerstoff erhalten und die Milchsäure mit dem Sauerstoff zur Energiegewinnung nutzen können.

Neue Therapien möglich

Die Arbeitsgruppe zeigte weiter, dass diese bestimmte Art des Stoffwechsels – und damit das Tumorwachstum – unterbrochen werden kann: 

nämlich indem die sauerstofffreie Energiegewinnung oder der Transport der Milchsäure gehemmt wird. 

«Unsere Erkenntnisse öffnen neue Wege, anti-angiogene Therapien zu optimieren und das Tumorwachstum effizient und langfristig zu hemmen», kommentiert Mitautor Christofori die Ergebnisse der Gruppe.

Originalbeitrag
Laura Pisarsky, Ruben Bill, Ernesta Fagiani, Sarah Dimeloe, Ryan William Goosen, Jörg Hagmann, Christoph Hess, and Gerhard Christofori
Targeting Metabolic Symbiosis to Overcome Resistance to Anti-angiogenic Therapy
Cell Reports (2016)

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Prof. Dr. Gerhard Christofori
Departement Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel
Tel. +41 61 267 35 62
E-Mail : gerhard.christofori@unibas.ch
Reto Caluori Universität Basel

Frauen und ihre Fernbeziehung - werden sie schwanger?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Schwangerwerden trotz Fernbeziehung: Kinderwunsch durch hormonelle Steuerung erfüllen

Frauen, die in einer Fernbeziehung leben, haben es oft besonders schwer, schwanger zu werden. Denn fällt ihre kurze fruchtbare Phase mit dem monatlichen Eisprung nicht auf die mit dem Partner verbrachte Zeit – etwa das Wochenende –, sinkt ihre Aussicht, schwanger zu werden auf unter fünf Prozent. Mit welchen Möglichkeiten Endokrinologen Paaren heute helfen können, dennoch schwanger zu werden, diskutieren Experten auf der  der DACH-Tagung am 26. Mai 2016 in München. 
 
Bei jedem fünften Paar in Deutschland klappt es nicht mit dem Schwangerwerden.

  • Dies liegt zum einen an organischen Ursachen wie geringer Spermienqualität beim Mann, seltenen bis ausbleibenden Eisprüngen bei der Frau oder Krankheiten wie Diabetes oder Schilddrüsenfunktionsstörungen. 
Aber auch Lebensstilfaktoren können dazu führen, dass der Kinderwunsch unerfüllt bleibt.

„Dazu gehören Über- oder Untergewicht, Stress oder Rauchen, aber auch schlicht Terminprobleme“, weiß PD Dr. med. Vanadin Seifert-Klauss, leitende Oberärztin an der Poliklinik/Endokrinologie, Frauenklinik und Poliklinik am Klinikum rechts der Isar in München.

So kommen in die Hormonsprechstunde der Münchener Hormonexpertin immer häufiger Paare, bei denen ihre Fernbeziehung mit ein Grund ist, dass die Frau nicht schwanger wird.

Fernbeziehungen sind heute für viele Menschen Alltag, oft aus beruflichen Gründen. Jeder Achte lebt unter der Woche getrennt vom Lebenspartner. Wünschen sich Paare ein Kind, kann die Fernbeziehung plötzlich zu einem großen Hindernis werden. „Für Paare, die weitgehend zusammenleben, können wir von einer 25-prozentigen Schwangerschaftschance pro Monat ausgehen“, berichtet Dr. Seifert-Klauss. Sehe man sich hingegen nur selten, könne das kurze fruchtbare Zeitfenster rund um den weiblichen Eisprung oft nicht genutzt werden. „Die Eizelle ist nach dem Eisprung nur 12 bis 24 Stunden bereit, befruchtet zu werden“, so die Hormonexpertin.

In diesen Fällen könne eine Hormontherapie helfen, den Eisprung gezielt etwa auf das Wochenende zu verschieben.
  • Haben Frauen keinen oder nur selten einen Eisprung, helfen andere Hormontherapien, um die Möglichkeit einer Schwangerschaft zu verbessern. 
Dr. Seifert-Klauss erläutert:

„Viele Frauen haben direkt nach Absetzen der Pille vorübergehend eine Erhöhung ihres Follikelstimulierenden Hormons (FSH), das das Wachsen des Eibläschens anregt. Man nennt dieses Absetzphänomen auch „Rebound-Effekt“. Den so ausgelösten FSH-Schub auf die Eierstöcke können Patientinnen gezielt nutzen, um im ersten Zyklus nach dem Absetzen der Pille in vielen Fällen einen Eisprung hervorzurufen.“
Etwa fünf bis acht Prozent der Frauen leiden an einem Polyzystischen Ovar-Syndrom (PCOS). 
  • Es hat zur Folge, dass der Eisprung nur selten stattfindet. Hier kann eine zweiwöchige Gestagen-Gabe in der zweiten Zyklushälfte die Wahrscheinlichkeit eines Eisprungs im nächsten Zyklus der Patientin mit einem milden PCOS erhöhen.
  • Um die gezielt hervorgerufenen Eisprünge bestmöglich für eine Befruchtung zu nutzen, empfiehlt die Expertin, bereits einige Tage im Vorfeld Verkehr zu haben. Da Spermien im Körper der Frau drei bis zu fünf Tage befruchtungsfähig blieben, bestünde so die Chance, dass sie auf eine Eizelle treffen würden.
Professor Dr. med. Günter Stalla, Tagungspräsident und Leiter der Inneren Medizin, Endokrinologie und Klinischen Chemie, Neuroendokrinologische Ambulanz und Andrologie am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München ergänzt:

„Die hormonellen Regelkreise sind sehr kompliziert. Daher gehört diese Behandlung unbedingt in die Hände von gynäkologisch-endokrinologisch versierten Expertinnen und Experten.“

Für wen genau welche Therapie in Frage kommt und welche Vor- und Nachteile es dabei zu bedenken gilt, ist eines der Themen auf der der DACH-Tagung am 26. Mai 2016 in München.

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360° TOP-Hinweis: Karneval der Kulturen Berlin: Rettungsstelle: Hinweis auf Frühgeburt

Medizin am Abend Berlin Fazit: UKM-Studie: Frühgeburten besser erkennen

Neue Methode: Elastizität des Gebärmutterhalses gibt Hinweise auf Frühgeburt

Erkenntnisse ermöglichen, Schwangerschaften möglichst lange zu erhalten 
 Dr. Ralf Schmitz erklärt der schwangeren Melanie Degenhardt ihr Sreeningergebnis.
 Dr. Ralf Schmitz erklärt der schwangeren Melanie Degenhardt ihr Sreeningergebnis.
UKM (Universitätsklinikum Münster)

  • Optimal entwickelt sich ein Baby, wenn es nach der 38. Schwangerschaftswoche geboren wird. 
Doch nicht jede Schwangerschaft verläuft nach Plan. Am UKM (Universitätsklinikum Münster) hat ein Ärzteteam nun eine neue Technologie entwickelt, mit der eine drohende Frühgeburt besser erkannt werden kann.

Für die UKM-Mediziner bedeutet die neue Methode eine wesentliche Verbesserung zum Erkennen eines erhöhten Frühgeburtrisikos.

„Wenn es um Frühgeburten geht, zählt jeder Tag im Mutterleib“, sagt Dr. Ralf Schmitz, Leiter der Pränatalmedizin der UKM Geburtshilfe.

Er hat sich in seinen Forschungstätigkeiten mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Am UKM messen die Ärzte daher nicht nur die Länge des Gebärmutterhalses, um mögliche Frühgeburten frühzeitig zu erkennen, sondern auch seine Elastizität. 

Denn im Verlauf einer Schwangerschaft ändert sich der Gebärmutterhals:

  • Normalerweise wird er weicher und verkürzt sich erst gegen Ende der Schwangerschaft. 

Ist eine Veränderung lange vor dem errechneten Entbindungstermin zu erkennen, gibt es eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt.

„Die Veränderung des Elastizitätsmusters können wir nun zuverlässig messen. Der Gebärmutterhals zeigt sich dann nicht mehr homogen straff, sondern ähnlich eines „Kuhfleckenmusters“, erklärt Dr. Ralf Schmitz. Die Diagnostik erfolgt mittels „Hochfrequenzelastographie“, einer für die Frau völlig schmerzfreien und risikoarmen Untersuchungsmethode.

Doch die Ergebnisse der Arbeitsgruppe am UKM gehen noch darüber hinaus. Es ist gelungen, einen Grenzwert für diese Veränderung zu bestimmen. Wird eine drohende Frühgeburt erkannt, prüfen die Ärzte mögliche Ursachen.

  • Das kann beispielsweise eine Infektion, einen Diabetes oder eine mechanische Schwäche des Gebärmutterhalses sein. 

Um die Schwangerschaft soweit wie möglich zu verlängern, geht es für die Ärzte dann darum, die ursächlichen Faktoren zu bekämpfen. Denn das ungeborene Baby soll eine möglichst lange Zeit im Mutterleib verbleiben. 

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Dein egoistisches Gehirn: Zucker und Fett

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Fettreiche Ernährung lässt Gehirn hungern

Eine fettreiche Ernährung führt in Mäusen nach nur drei Tagen zu einer geringeren Zuckerversorgung des Gehirns, berichtet eine Forschungsgruppe um Jens Brüning, Direktor am Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln. 

Das Mäusegehirn hat nach vier Wochen seinen Zuckerspiegel wieder hergestellt, allerdings auf Kosten des restlichen Körpers. 

 Querschnitt durchs Mausgehirn: Regionen mit reduzierter Glukoseaufnahme nach drei Tagen fettreicher Ernährung (blau: schwach reduziert, weiß: stark reduziert)
Querschnitt durchs Mausgehirn: Regionen mit reduzierter Glukoseaufnahme nach drei Tagen fettreicher Ernährung (blau: schwach reduziert, weiß: stark reduziert) Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung

Fettreiche Ernährung bringt unseren Körper durcheinander. 

Übergewicht und Erkrankungen wie Diabetes Typ 2 können die Folge sein. Aber was macht eine fettreiche Ernährung eigentlich mit unserem Gehirn? Forscher vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln haben jetzt in einer Studie Mäusen ins Gehirn geschaut, um zu verstehen, wie sich Übergewicht und Diabetes entwickeln.

Schlechter Glukose-Transport an der Blut-Hirn-Schranke

„Eine fettreiche Diät senkt schon nach drei Tagen die Aufnahme des Blutzuckers Glukose in das Gehirn. 

Das Gehirn hungert also, obwohl die Mäuse täglich viele Kalorien zu sich nehmen.

  • Verantwortlich dafür ist das Protein GLUT-1, welches der wichtigste Glukose-Transporter an der Blut-Hirn-Schranke ist“, erklärt Alexander Jais, Autor der Studie.
  • Mögliche Auslöser für die Rückbildung des GLUT-1 Transporters sind freie gesättigte Fettsäuren, die toxisch an der Blut-Hirn-Schranke wirken. Die Glukose fehlt dem Gehirn in wichtigen Regionen: 
  • im Hypothalamus, der den Stoffwechsel steuert und in der Hirnrinde, die für Lernen und Erinnerung zuständig ist.

Das Gehirn wirkt seinem Energiemangel entgegen. 
  • Makrophagen, spezialisierte Zellen des Immunsystems, produzieren den Wachstumsfaktor VEGF, welcher die Bildung von GLUT-1 steigert, und setzen ihn direkt an den Gefäßzellen der Blut-Hirn-Schranke frei. 
So lassen sich nach vier Wochen wieder normale Glukosespiegel im Gehirn messen, obwohl die Mäuse weiterhin fettreich essen.  

Fehlt den Mäusen VEGF, bleibt die Glukoseaufnahme in das Gehirn verringert. 

„Das hat zur Folge, dass die Mäuse langsamer lernen und ein schlechteres Erinnerungsvermögen haben“, sagt Jais.

Das egoistische Gehirn
  • Der Ausgleich des Zuckerbedarfs des Gehirns bei weiterhin fettreicher Ernährung funktioniert nur auf Kosten des restlichen Körpers. 
  • „Man spricht von dem egoistischen Gehirn, da es seinen Zucker dadurch bekommt, dass es den Appetit auf süße Nahrungsmittel anregt und die Zuckeraufnahme in Muskeln und Fett verhindert. 
  • Die Zellen in der Muskulatur werden dann resistent gegen das körpereigene Hormon Insulin, welches normalerweise den Zucker in die Zellen schleust. 
Dadurch kann dann im schlimmsten Fall Diabetes entstehen“, so Jais.


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360° TOP-Hinweis: Karneval der Kulturen Berlin: Rettungsstelle: Diabetes und Herzprobleme

Medizin am Abend Berlin Fazit: Forscher beschreiben Signalweg, der vor metabolischem Syndrom schützt

Das Hormon Adiponektin kann den Körper vor Fettleibigkeit und den Folgeerkrankungen schützen. 

Eine Forschergruppe der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Universität Tübingen hat nun einen wichtigen Signalweg identifiziert, der für die Produktion dieses Hormons im Körper verantwortlich ist. 

Ist das Hormon, das vom Fettgewebe gebildet wird, in zu geringen Mengen vorhanden, kann es unter Umständen zum metabolischen Syndrom und letztlich schweren Gefäß- und Herzerkrankungen kommen. Die Ergebnisse sind kürzlich im renommierten Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) erschienen. 
 
  • Das metabolische Syndrom beschreibt die körperlichen Folgen eines ungesunden Lebensstils, bei dem zu viele Kalorien aufgenommen und zu wenige verbraucht werden. 
  • Das führt nicht nur dazu, dass diese Menschen immer dicker werden, sondern oft auch unter Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 und Fettstoffwechselstörungen leiden. Das metabolische Syndrom gilt darüber hinaus auch als einer der zentralen Risikofaktoren für Erkrankungen der arteriellen Blutgefäße und begünstigt schwere Herzerkrankungen.
 "Der Körper kann sich davor in gewissem Maße schützen, indem er hohe Mengen des Hormons Adiponektin ausschüttet", erklärt Prof. Dr. Michael Föller vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften.

  • Das Hormon, das den Fett- und Zuckerstoffwechsel im Körper beeinflusst, veranlasst ihn nämlich auch, aufgenommenes Fett abzubauen. Folglich haben Patienten mit einem metabolischen Syndrom häufig einen verringerten Adiponektin-Spiegel.

Die Forscher aus Halle und Tübingen haben nun herausgefunden, was die Produktion von Adiponektin beeinflusst: 

Ein bestimmter Signalweg - der PI3K-Weg, der für Insulin bedeutsam ist - steuert auch die Ausschüttung des Hormons

Dafür verglichen die Wissenschaftler den Stoffwechsel zweier Mausarten miteinander. Dabei handelte es sich um normale Mäuse und sogenannte transgene Mäuse, deren Erbgut an bestimmten Stellen gezielt verändert worden war. Beide erhielten eine fettreiche Ernährung. Anschließend bestimmten die Forscher das Körpergewicht und einige Blutwerte, wie den Blutzuckerwert und den Cholesterinspiegel. "Dabei zeigte sich, dass der veränderte Signalweg trotz der kalorienreichen Ernährung vor den Anzeichen eines metabolischen Syndroms schützt", so Föller weiter.

Die Erkenntnisse der Studie könnten neue Ansatzpunkte für mögliche Therapien liefern, die gezielt den beschriebenen Signalweg beeinflussen und so auch den Menschen vor einem metabolischen Syndrom schützen könnten.

Zur Publikation:
Hong et al 2016. PI3K-resistant GSK3 controls Adiponektin formation and protects from metabolic syndrome. PNAS www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1601355113 

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Tom Leonhardt

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360° TOP-Thema: Karneval der Kulturen Berlin: Rettungsstelle: Diabetes und Schlaganfall - Glukosesteuerung

Medizin am Abend Berlin:  Diabetes und Schlaganfall

Glukosesteuerung von der Akutbehandlung bis zur Nachsorge empfohlen

Beim Blick auf absolute Häufigkeiten hat der Schlaganfall den Herzinfarkt überholt. 

Fast 60 Prozent der Patienten mit Insult weisen metabolische Störungen auf. 

In 10 bis 25 Prozent bestätigt sich die Diagnose Diabetes. 

Ein Versorgungsmanagement könnte helfen, die Prognose nach Schlaganfall zu verbessern. 
 
Neben Blutdruck und Antikoagulation sollte die Glukoseeinstellung Bestandteil der Therapie sein, davon ist die Stiftung DHD (Der herzkranke Diabetiker) überzeugt. 

Die Behandlung bei Schlaganfall muss multimodal sein. Alle Risikofaktoren sollten adressiert werden. 
Seit 2015 im Kuratorium der Stiftung DHD: Prof. Dr. med. Dr. h.c. E. Bernd Ringelstein, ehemaliger Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Münster
 Seit 2015 im Kuratorium der Stiftung DHD: Prof. Dr. med. Dr. h.c. E. Bernd Ringelstein, ehemaliger Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Münster  Foto: UK Münster

"Hohes Alter, Rauchen, Hypertonie und Vorhofflimmern bei Diabetes entwickeln ein besonderes Kausalgewicht", sagt Professor E. Bernd Ringelstein von der Stiftung DHD. 
  • Hirninfarkte seien größer, der Krankheitsverlauf ist schwieriger. 
„Bei Schlaganfall-Patienten mit Diabetes sind Letalität und Re-Insult-Risiko erhöht.

Auch intrakranielle Stenosen treten häufiger auf“, so der Neurologe aus Münster. Selbst ohne Infarkt könne in 12 bis 15 Prozent eine zerebrovaskuläre Verschlusskrankheit nachgewiesen werden, die als Zeitbombe tickt und irgendwann in den Insult übergeht.

  • Plasmatische und plättchenbedingte Hyperkoagulabilität sowie stark entzündliche Plaques können die Ereignisse beschleunigen.
  • Prognostisch ungünstig ist, wenn Diabetes-Patienten in der sekundärpräventiven Therapie bei Schlaganfall oder TIA (Transitorisch-ischämischer Attacke) wichtige Medikamente wie Antihypertensiva, Statine, Trombozytenaggregations-Hemmer und Antidiabetika absetzen.¹
Neben konsequenter Hypertonie-Behandlung und Antikoagulation rät die Stiftung DHD dazu, die Glukosesteuerung zu optimieren.

Sie empfiehlt ein metabolisches Screening von Beginn an. 

„Im Idealfall werden Glukose- und Säure-Base-Status schon vom Notarzt erfasst“, meint Professor Diethelm Tschöpe aus Bad Oeynhausen.

Spätestens bei Feststellung der Diagnose auf der Stroke Unit sollte der Blutzucker fortlaufend überwacht werden. 

Kritische Situationen müssen vermieden werden. 
  • „Also, keine Hypoglykämien und keine exzessiven Schwankungen der Blutglukose“, warnt Tschöpe. 
  • Sonst provoziere man unerwünschte Ereignisse. Bei älteren Menschen sind Hypoglykämien auch mit erhöhtem Demenz-Risiko assoziiert.
Unabhängig vom Zeitpunkt der Diagnosestellung können nach Schlaganfall regelhafte Diabetes-Konsile und bei hochbetagten Patienten geriatrische Konsile sinnvoll sein.

Für die bessere Steuerung des Glukosemanagements in der neurologischen Versorgung hat die Stiftung DHD einen Vorschlag entwickelt (Abb.). Sie plädiert dafür, dass die Therapie von der Akutbehandlung bis zur Nachsorge zwischen Neurologen, Diabetologen, Internisten und Geriatern abgestimmt wird.
 Vorschlag zur Glukosesteuerung von der Akutbehandlung bis zur Nachsorge
 Vorschlag zur Glukosesteuerung von der Akutbehandlung bis zur Nachsorge
Abb.: Stiftung DHD

Auch die Rückkopplung zu ambulant weiterbehandelnden Hausärzten darf nicht fehlen. 

¹Bushnell CD, Olson DM, Zhao X, Pan W, Zimmer LO, Goldstein LB, Alberts MJ, Fagan SC, Fonarow GC, Johnston SC, Kidwell C, Labresh KA, Ovbiagele B, Schwamm L, Peterson ED, AVAIL Investigators. Secondary preventive medication persistence and adherence 1 year after stroke. Neurology 2011; 77: 1182-90

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Stiftung DHD
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Telefon: 05731-973771
E-Mail: info@stiftung-dhd.de
Katrin Hertrampf
Der herzkranke Diabetiker - Stiftung in der Deutschen Diabetes-Stiftung


Weitere Informationen:
http://www.stiftung-dhd.de

360° TOP-Thema: Rettungsstelle: TRACHEOTOMIE Atemwegs- und Beatmungsmanagement - Intubation

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Wegweisende Erkenntnisse im Atemwegs- und Beatmungsmanagement von Schlaganfallpatienten

Wann ist der beste Zeitpunkt, eine Tracheotomie (umgangssprachlich „Luftröhrenschnitt“) bei schwer erkrankten Schlaganfallpatienten durchführen? 

Wie sollten Patienten während einer endovaskulären Schlaganfalltherapie – also der Entfernung des Blutgerinnsels mittels Katheter – beatmet und sediert werden? 

Fragen, die für Schlaganfallpatienten in Deutschland und die behandelnden Ärzte eine hohe Relevanz haben. 

Antworten liefert jetzt PD Dr. med. Julian Bösel, Oberarzt an der Neurologischen Klinik der Universität Heidelberg. Gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe erforscht er das Atemwegs- und Beatmungsmanagement von Patienten mit schweren ischämischen oder hämorrhagischen Schlaganfällen.  
  • Tracheotomie bereits in den ersten Tagen auf der Intensivstation
  • In der SETPOINT-Pilostudie konnte Studienleiter Bösel unter anderem zeigen, dass eine Tracheotomie, die bei schwerst betroffenen Schlaganfallpatienten schon in den ersten Tagen auf der Intensivstation vorgenommen wird, positive Effekte hat:
  • Die Patienten brauchen weniger Sedativa und müssen seltener vollkontrolliert beatmet werden. 
Darüber hinaus legte die Studie nahe, dass die frühe Tracheotomie die Mortalität positiv beeinflusst. 

„Die Ergebnisse waren so vielversprechend, dass wir sie momentan im Rahmen der SETPOINT2-Studie überprüfen und ausweiten wollen“, so der Neurologe aus Heidelberg. 

„Der Ansatz ist dieses Mal multizentrisch, um so durch eine große Fallzahl generalisierbarere Aussagen über den tatsächlichen Nutzen im funktionellen Outcome der Patienten machen zu können.“ Dies ist auch ganz im Sinne von IGNITE! – einer Forschungsgruppe für multizentrische klinische Neurointensivstudien innerhalb der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI), zu der viele teilnehmende Zentren gehören.

Intubation oder keine Intubation bei der endovaskulären Schlaganfallbehandlung?

Mehrere Studien haben bereits nachgewiesen, dass die katheterbasierte Rekanalisierung beim akuten ischämischen Schlaganfall wirksam ist. Dennoch sind viele Fragen zum optimalen periinterventionellen Management noch offen. 

Eine der wichtigsten betrifft das Atemwegsmanagement und die Sedierung. 

So deuten viele retrospektive Studien darauf hin, dass die weit verbreitete Intubationsnarkose während der Intervention nachteilig für den Patienten sein könnte. 

Dieser Fragestellung geht Bösel daher aktuell mit seiner Arbeitsgruppe in der Studie SIESTA nach. Sie untersuchen den Vergleich zwischen Intubationsnarkose und Leichtsedierung ohne Intubation in diesem Setting.

Neuro-Monitoring mittels Nahinfrarotspektroskopie
  • Darüber hinaus prüfte Bösel ein Neuro-Monitoring mittels Nahinfrarotspektroskopie (NIRS, nicht-invasive Messung der Hirn-Sauerstoff-Sättigung), das während der endovaskulären Schlaganfallbehandlung zum Einsatz kommt. 
  • Das Verfahren könnte während der Intervention helfen, Beatmung und Narkose bei denjenigen Patienten optimal zu steuern, die diese benötigen und daher klinisch nicht beurteilbar sind. Parameter aus dem Monitoring erlaubten aber auch Aussagen über die klinische Prognose des Patienten nach dem Eingriff.

Auszeichnung mit dem H. G. Mertens Preis

Für seine wegweisenden Arbeiten wurde PD Dr. med. Julian Bösel kürzlich der H. G. Mertens - Preis verliehen. Der Preis würdigt innovative therapierelevante Forschung im Bereich der neurologischen Intensivmedizin und allgemeinen Neurologie und wird alle zwei Jahre von der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) gemeinsam vergeben.

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Nina Meckel
Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI)

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Proktologen-Hämorrhoiden: Blutrückstau - oder was...?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Hämorrhoiden: Keine falsche Scham – früher Facharztbesuch kann Operation verhindern

Rund 70 Prozent aller Erwachsenen leiden im Laufe ihres Lebens an Hämorrhoidalbeschwerden.

  • Doch trotz der unangenehmen und oft schmerzhaften Symptome suchen nur etwa vier Prozent der Betroffenen einen Arzt auf. 

Die Mehrheit der Patienten versucht – häufig aus Scham – ihre Beschwerden durch Hausmittel und Salben eigenständig zu beheben, so die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Die Experten der Fachgesellschaft empfehlen, schon bei ersten Anzeichen wie Juckreiz, Brennen und Schmerzen im Analbereich sowie Blut beim Stuhlgang oder am Toilettenpapier einen Haus- oder Facharzt aufzusuchen.  
  • Zögern Patienten die Diagnose und Therapie hinaus, müssen die geschädigten Blutgefäße am After oft operativ behandelt werden.

Hämorrhoidalleiden zählen zu den häufigen und zunehmenden Beschwerden in Industrieländern. Experten vermuten genetische Faktoren aber auch ungünstige Ernährung, mangelnde Bewegung und Übergewicht als Ursachen für die steigende Erkrankungshäufigkeit. „Ernährt man sich zu einseitig und ballaststoffarm, führt dies häufig zu Verstopfung.

Beim Toilettengang erhöht sich dadurch der Druck auf die Hämorrhoiden, also jene Gefäße, die ringförmig in der Enddarmschleimhaut oberhalb des Schließmuskels verlaufen“, erklärt Dr. med. Peter N. Meier, Chefarzt der Klinik für Gastroenenterologie, DIAKOVERE Henriettenstift gGmbH, Hannover.

  • Kommt es dann zu einem Blutrückstau, wölben sich die Gefäße mit der Schleimhaut nach außen und verursachen Probleme.

Bei der Entstehung von Beschwerden im Analbereich spielen häufig auch übertriebene Hygiene nach dem Stuhlgang, beispielsweise mit aggressiven Reinigungsmitteln oder rauem Toilettenpapier, eine Rolle, berichtet Meier. „Schonender als feuchtes Toilettenpapier ist die Reinigung mit einem wasserbefeuchteten Lappen oder einer Analdusche“, empfiehlt der Experte.

Suchen Patienten bei ersten Beschwerden den Gastroenterologen auf, können in über 95 Prozent der Fälle konservative Behandlungsmethoden, wie stuhlregulierende Medikamente, ausreichend Bewegung und ballaststoffreiche Kost, helfen. 


Erreichen Patienten jedoch den dritten oder vierten Schweregrad der Erkrankung, ist häufig ein operativer Eingriff notwendig.

„Von den rund 50 000 jährlichen Hämorrhoiden-Operationen in Deutschland ließe sich sicherlich ein Großteil verhindern, wenn Patienten frühzeitiger zum Arzt gingen“, vermutet Meier.

Aber auch nicht jeder Juckreiz am After ist auf Hämorrhoiden zurückzuführen. 

Gastroenterologen müssen hier eine große Bandbreite an Erkrankungen in Betracht ziehen.

Auch Ekzeme, Pilze oder Infektionen mit Herpes oder Humanen Papillomaviren (HPV) können ähnliche Symptome hervorrufen.

Hier sind eine professionelle Differenzialdiagnose und gegebenenfalls labordiagnostische Maßnahmen notwendig“, betont DGVS-Mediensprecher Professor Dr. med. Christian Trautwein von der Uniklinik RWTH Aachen. „Am besten ist es, gleich einen ‚Proktologen‘ aufzusuchen, also einen Arzt, der auf Leiden des Enddarms spezialisiert ist.“

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten. Mehr unter http://www.dgvs.de


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Tumorpatient: ProtonenTherapie (UPTD) - Strahlenterapie

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Protonentherapie nun auch für Ersatzkassen-Patienten in Dresden

Der Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) hat mit dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden einen Vertrag geschlossen, der die Abrechnungsmodalitäten zur Behandlung von Tumorpatienten in der Universitäts ProtonenTherapie Dresden (UPTD) regelt. 

Damit ist der Weg frei, dass die bei Ersatzkassen versicherten Krebspatienten mit der innovativen Strahlentherapie auch in Dresden behandelt werden, ohne jeweils eine gesonderte Vereinbarung abschließen zu müssen. 
 Zukünftig profitieren Ersatzkassen-Patienten ohne Zusatzvereinbarung von den Leistungen der Dresdner Protonentherapie.
Zukünftig profitieren Ersatzkassen-Patienten ohne Zusatzvereinbarung von den Leistungen der Dresdner Protonentherapie. Uniklinikum Dresden
 
Der neue Vertrag, von dem die Patienten der Techniker Krankenkasse (TK), der BARMER GEK, der DAK-Gesundheit, der KKH Kaufmännische Krankenkasse sowie der Handelskrankenkasse (hkk) profitieren, wird die Zahl der am UPTD behandelten Patienten weiter erhöhen.

Im ersten Jahr des Betriebs der Protonentherapie wurden 100 Krebskranke bestrahlt. In diesem Jahr sollen es 160 Patienten werden. Dafür erweitert das Uniklinikum die personellen Kapazitäten des UPTD und führt ab Sommer einen Zwei-Schicht-Betrieb ein.

Von der neuen hochwirksamen und doch schonend einsetzbaren Protonentherapie profitieren derzeit vor allem Menschen mit Tumoren im Hirn, der Schädelbasis, Bauchspeicheldrüsentumoren sowie Kinder mit unterschiedlichen Krebserkrankungen.

Die Zahl der Behandlungen wird Dank des Vertrags mit dem vdek steigen. „Wir freuen uns, mit dem Verband der Ersatzkassen einen weiteren verlässlichen Partner gewonnen zu haben. Der Vertrag öffnet noch mehr Patienten einen unkomplizierteren Zugang zur hochmodernen wie innovativen Protonentherapie. Vor allem Krebskranke aus Sachsen, aber auch aus den umliegenden Bundesländern, profitieren so von der über die Ländergrenzen hinaus anerkannten Spitzenmedizin, die in dieser Form ohne die Förderung von Bund und Freistaat nicht möglich wäre“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Dresdner Universitätsklinikums.

„Mit der Protonentherapie können wir Ersatzkassenversicherten eine Behandlung anbieten, die bei bestimmten Krebsarten deutliche Vorteile verspricht“, betont Silke Heinke, Leiterin der vdek-Landesvertretung Sachsen. „Gerade Kinder, die an Krebserkrankungen leiden, bedürfen einer besonderen Fürsorge. Wir sind deshalb froh, dass auch sie zu dem Patientenkreis gehören, denen diese innovative Form der Strahlentherapie zu Gute kommt.“ ,

Neben dem Dresdner Uniklinikum haben die Ersatzkassen bereits mit den Uniklinika Essen und Heidelberg Verträge zur Protonentherapie geschlossen.

Weil weltweit erst äußerst wenige Kliniken die innovative Protonentherapie anbieten, werden die Patienten in Rahmen wissenschaftlicher Studien behandelt.

Auch deshalb spielen die genaue Auswahl der Patienten, die sehr umfassende Dokumentation der Therapie und die langfristige Beobachtung der gesundheitlichen Situation der Behandelten eine wichtige Rolle.

Diese umfassende Betreuung der UPTD-Patienten ist ein weiterer Beleg dafür, dass sie eine Therapie auf weltweit höchstem Level erhalten. Dabei sind alle Tumorpatienten in die Strukturen des Universitäts KrebsCentrums Dresden eingebunden. In diesem Rahmen entscheidet ein interdisziplinäres Expertengremium – das sogenannte Tumorbord – einvernehmlich über die Art und Abfolge der Behandlung. Dies reicht von Entscheidungen für spezielle Formen der Diagnostik über Art und Abfolge der Therapie bis zur Nachsorge.

Umfassende Vorbereitung und aufwändige Qualitätssicherung

Am UPTD arbeiten Ärzte, Physiker, Wissenschaftler und Medizinische Fachangestellte sowie Technische Assistenten an der Versorgung der Patienten. Hierbei steht die Sicherheit der Behandelten an erster Stelle. Ein Beleg dafür ist die zweiwöchige Vorbereitungsphase für jeden einzelnen der mit Protonen therapierten Krebspatienten – bei der herkömmlichen Bestrahlung mit Photonen dauert diese Phase selbst bei komplexen Behandlungen meist nur eine Woche.

  • Ursache für den größeren Zeitaufwand für die Vorbereitung einer Protonentherapie ist unter anderem, dass hierfür jeder Bestrahlungsplan eine besonders aufwändige Qualitätssicherung durchläuft und vor der ersten Applikation im Patienten ein Phantommodell bestrahlt wird, um die gegebene Dosis genau zu messen. Zudem muss für jeden Patienten eine individuelle Apparatur für die jeweilige Form des Bestrahlungsfelds hergestellt werden.

Bei den aktuellen Therapiezyklen erhalten die UPTD-Patienten eine im Verhältnis zur Photonen-Bestrahlung vergleichbar hohe Dosis. „Derzeit geht es darum, die kurz- und langfristigen Nebenwirkungen zu reduzieren“, erklärt UPTD-Direktor Prof. Michael Baumann. Bei der Strahlentherapie von Hirntumoren erhofft sich das Expertenteam beispielsweise weniger Gedächtnisprobleme bei den Patienten.

Diese therapiebedingte Nebenwirkung werten die Wissenschaftler derzeit bei allen mit Protonen bestrahlten Hirntumorpatienten aus und vergleichen sie mit denen, die eine Photonentherapie erhielten.

  • Wenn sich die Erwartungen auf die positiven Effekte der Protonentherapie erfüllen, sollen in einem zweiten Schritt Patientengruppen mit besonders aggressiven Erkrankungen identifiziert werden. 

An dieser Gruppe wollen die UPTD-Experten dann untersuchen, ob sich der Tumor mit einer erhöhten Protonenstrahlendosis besser bekämpfen lässt. Weil die Daten jedes Patienten und jedes Behandlungszyklus´ in diese wissenschaftlichen Netzwerke einfließen, sind im Vorfeld jeder Protonentherapie alle notwendigen Kriterien zu überprüfen und sorgfältig zu dokumentieren. Auch der Ablauf und die Effekte der Therapie müssen erhoben werden. Erst diese mit einem hohen Aufwand verbundene wissenschaftliche Begleitung jedes einzelnen Falls schafft die Basis dafür, die Wirksamkeit dieser innovativen Therapie mit den Behandlungen an den anderen Protonenzentren zu vergleichen und wissenschaftlich zu überprüfen.

Schonende Behandlung von Tumoren in komplizierten Lagen

Die Universitäts ProtonenTherapie Dresden behandelt derzeit eine Reihe von Tumoren bei Kindern. 

Hinzu kommen Tumoren der Schädelbasis und solche, die in der Nähe des Rückenmarks liegen, sowie Speicheldrüsentumoren. 

  • Im Fokus der UPTD stehen auch Tumoren, die sich aufgrund ihrer individuell komplizierten Lage mit der üblichen Strahlentherapie nicht oder nur unzureichend behandeln lassen, weil die dafür notwendige Strahlendosis nicht eingesetzt werden kann. 
  • Zudem therapieren die Experten ausgewählte Patienten mit lokal begrenzten Tumoren in vorbestrahltem Gewebe, bei denen eine erneute Photonentherapie das Risiko schwerer chronischer Nebenwirkungen deutlich erhöhen würde. 

„Es ist in manchen Fällen sogar möglich, schwangere Krebspatientinnen, die eine Strahlentherapie benötigen, mit Protonen zu bestrahlen. 

Hierbei erfolgt immer eine individuelle Abwägung von Nutzen und Risiken.

Die in der Gebärmutter zu erwartenden Strahlendosen werden genau berechnet und die Patientinnen gemeinsam mit den Kollegen der Frauenklinik über die bestmögliche Therapieoption beraten“, berichtet die stellvertretende UPTD-Direktorin Prof. Mechthild Krause.


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Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek)
Universitäts ProtonenTherapie Landesvertretung Sachsen
Direktor: Prof. Dr. med. Michael Baumann Pressesprecher Dirk Bunzel
Tel.: 0351 458 15693 (hotline) Tel. 0351/ 8 76 55 37
E-Mail: protonentherapie@uniklinikum-dresden.de dirk.bunzel@vdek.com
Holger Ostermeyer Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

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