Medizin am Abend Berlin Fazit: Gesamtzahl der herzchirurgischen Eingriffe auf stabilem Niveau
Fachgesellschaft der deutschen Herzchirurgen veröffentlicht
DGTHG-Leistungsstatistik 2015: trotz höherem Durchschnittsalter der
Patienten bessere Überlebensraten
Die Fachgesellschaft der deutschen Herzchirurgen, die Deutsche
Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), hat Mitte
Februar 2016 im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung in Leipzig
die
Leistungszahlen und Überlebensraten nach herzchirurgischen Eingriffen
für das Jahr 2015 veröffentlicht.
- Danach ist die Gesamtzahl der
Operationen an den 78 Fachabteilungen für Herzchirurgie in Deutschland
vom Jahr 2014 auf 2015 nahezu unverändert und liegt bei rund 100.000,
wobei sich die Zahlen nach Eingriffsgruppen differenziert
unterschiedlich entwickelten.
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Genau 128.175 Operationen am Herzen haben die rund 930 in Deutschland
tätigen Herzchirurgen im Jahr 2015 durchgeführt. Im Jahr 2014 waren es
128.546 herzchirurgische Eingriffe.
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Trotz des von Jahr zu Jahr steigenden Alters der Patienten in den
herzchirurgischen Fachabteilungen – 14,8 Prozent der Patienten waren im
vergangenen Jahr 80 Jahre und älter – und der damit einhergehenden
Zunahme von Patienten mit Begleiterkrankungen, blieben die
Krankenhaus-Überlebensraten in den jeweiligen Eingriffskategorien
durchweg stabil.
Herzchirurgische Standorte flächendeckend verteilt
Die Anzahl der Zahl der herzchirurgischen Fachabteilungen bleibt
konstant. „Die 78 Fachabteilungen verteilen sich in Abhängigkeit der
regionalen Bevölkerungsdichte über die gesamte Bundesrepublik.
Angesichts der nachgewiesenen flächendeckenden Versorgung und der
aktuellen Behandlungszahlen
ist keinerlei Notwendigkeit für die
Einrichtung weiterer Fachabteilungen für Herzchirurgie erkennbar“,
erklärte Professor Armin Welz, Präsident der DGTHG bei der Präsentation
der herzchirurgischen Leistungszahlen.
Zahl der Bypass-Operationen kaum verändert
Ein leichter Rückgang war gegenüber dem Vorjahr (2014) in der Kategorie
der
isolierten koronaren Bypass-Operation und der Bypass-Operationen mit
gleichzeitiger Durchführung eines weiteren herzchirurgischen Eingriffs
zu verzeichnen. So veränderte sich die Zahl gegenüber dem Vorjahr
marginal von 53.805 (2014) auf 51.941 (2015). Hintergrund dieser
Entwicklung ist, dass die `Koronare Herzkrankheit´ (KHK) in steigendem
Maße durch eine Katheterintervention mit Einsetzen eines Stents
behandelt wird. Unter der Koronaren Herzerkrankung versteht man die
Verengung der Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel mit Blut versorgen.
- Die Ergebnisse diverser medizinischer Studien und die aktuellen
Empfehlungen medizinischer Leitlinien zeigen: die koronare
Bypass-Operation ist bei Befall mehrerer Herzkranzgefäße sowie bei
komplexeren Verengungen der Herzkranzgefäße die bessere Wahl für den
Patienten sowohl in Hinblick auf die Überlebensrate als auch auf die
Lebensqualität.
„Die Entwicklung der Eingriffszahlen der koronaren Bypass-Operation muss
jeden Mediziner nachdenklich stimmen. Vergleicht man die
bundesdeutschen Eingriffszahlen mit denen anderer Industrienationen wie
den USA, zeigt sich proportional zur Bevölkerung eine deutlich andere
Verhältnismäßigkeit der koronaren Bypass-Operationen zu den
Stentimplantationen.
Daher sehen wir die Notwendigkeit eines
interdisziplinären Herz-Teams als unabdingbar, so dass Patienten über
die Vor- und Nachteile beider Verfahren individuell aufklärt werden“,
erläuterte Professor Anno Diegeler, Sekretär der DGTHG.
Zahl der Herzklappenoperationen steigt um rund drei Prozent an
Im Gegensatz zu den koronaren Bypass-Operationen steigt die Zahl der
Eingriffe bei Patienten mit erworbenen Defekten der Herzklappen seit
Jahren spürbar an. Wurden 2014 noch 31.359 Operationen dieser Art
gezählt, sind es im vergangenen Jahr bereits 32.346 gewesen – eine
Steigerung von ca. drei Prozent.
Der überwiegende Teil der Operationen von Herzklappen betrifft die
Aortenklappe. Allein 11.183 konventionelle
Aortenklappenersatz-Operationen wurden im Jahr 2015 in Deutschland
vorgenommen. Die In-Hospital-Überlebensrate bleibt mit ca. 97 Prozent
seit mehreren Jahren auf diesem Niveau konstant. In weiteren 1.372
Fällen wurde in Kombinationseingriffen
die Aortenklappe ersetzt und die
Mitralklappe rekonstruiert oder ebenfalls ersetzt.
Die Zahl
kathetergestützter Aortenklappenimplantationen im Jahr 2015
beträgt laut DGTHG-Leistungsstatistik 9.831 (2014: 8.631). Allerdings
erfasst die DGTHG-Leistungsstatistik nur diejenigen dieser Eingriffe,
die aus den herzchirurgischen Fachabteilungen übermittelt wurden.
Der Vorstand der DGTHG begrüßt in diesem Zusammenhang die am 25. Juli
2015 in Kraft getretene „Richtlinie minimalinvasive
Herzklappeninternventionen“ des Gemeinsamen Bundessausschusses, die für
die Patientensicherheit im Zusammenhang mit diesen Verfahren,
Struktur-, Prozess- und Personalvoraussetzungen verbindlich festlegt
und deren Übergangsfrist Ende Juni 2016 endet.
Bei den 6.027 isolierten Operationen an der Mitralklappe setzte sich die
Trends der letzten Jahre fort: Bei rund zwei Drittel der Operationen
kann die
patienteneigene Herzklappe rekonstruiert werden. In den übrigen
Fällen
wird die Mitralklappe durch eine Prothese ersetzt, dies auch vor
dem Hintergrund, dass nicht jeder Herzklappenfehler für eine
Rekonstruktion zugänglich ist. Auch die In-Hospital-Überlebensraten
zeigen seit Jahren ein konstant hohes Niveau von ca. 98 Prozent für die
Rekonstruktionen.
Herzunterstützungssysteme als alternative Therapie / Historischer Rückgang der Anzahl von Spenderherzen
Ein neues Rekordtief hat zum Bedauern der herzchirurgischen
Fachgesellschaft die Zahl der Herztransplantationen erreicht. So konnten
2015
nur noch 283 Herztransplantationen durchgeführt werden, nachdem im
vorvergangenen Jahr nur 294 Herz-Transplantationen zu verzeichnen
waren. Gegenüber dem Jahr 1998, in dem der vorläufige Höchststand mit
526 Herztransplantationen erreicht worden war, ist dies ein Rückgang um
mehr 40 Prozent. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist die
zurückgehende Bereitschaft der Bevölkerung zur Organspende.
Um die Patienten am Leben zu halten bis ein geeignetes Spenderorgan zur
Verfügung steht, aber aufgrund der fehlenden Spenderherzen immer
häufiger auch als permanente Therapie, wird von den Herzchirurgen
zunehmend auf Herzunterstützungssysteme zurückgegriffen:
- Die Zahl der
implantierten Herzunterstützungssysteme ist deutlich von 350 im Jahr
2005 auf 989 im vergangenen Jahr angestiegen, wobei die Systeme, die
entweder die linke oder die rechte Herzkammer unterstützen, bei mehr als
90% der Patienten zum Einsatz kommen.
„Die Systeme werden immer kleiner, leistungsfähiger und einfacher in der
Handhabung. Allerdings wird es nach heutigem Stand noch eine längere
Zeit dauern, bis technische Systeme in ihrer Funktion einem
transplantierten menschlichen Herz annähernd gleichwertig sind.
Dies
zeigt sich auch daran, dass die Zahl der sogenannten Kunstherzen, die
das menschliche Herz gänzlich ersetzen, bisher nur sehr selten
implantiert werden“, so Professor Welz.
Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG)
vertritt als medizinische Fachgesellschaft die Interessen der über 1.000
in Deutschland tätigen Herz-, Thorax- und Kardiovaskularchirurgen im
Dialog mit Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit.
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