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360°TOP-Thema: Die Schwangerschaft und das Mutterherz

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Schwangerschaft als Stresstest für das Mutterherz

Eine Schwangerschaft bedeutet für das Herz eine zusätzliche Belastung, der es nicht immer gewachsen ist. 

Die Zahl der Frauen, die während oder nach der Schwangerschaft eine Herzschwäche oder Bluthochdruck entwickeln, ist in den letzten Jahren gestiegen. 

Ursachen dafür können Übergewicht und höheres Alter der werdenden Mutter sein. 

Auch bei einer künstlichen Befruchtung steigt das Risiko, eine kardiovaskuläre Erkrankung zu erleiden. 

Eine frühzeitige Diagnose steigert die Chancen, dass Mutter und Kind die Krise ohne Spätschäden überstehen. Entscheidend ist, so die DGIM, dass betroffene Frauen von Spezialisten betreut werden – vor, während und nach der Geburt. 
 
  • Eine Herzschwäche in der Schwangerschaft beginnt schleichend. 

Wenn das Herz nicht in der Lage ist, die vom Körper benötigte Blutmenge zu befördern, fühlen die Frauen sich über das Maß hinaus müde und abgeschlagen; es stellt sich zunehmend Atemnot ein, die sich beim Liegen verstärkt. 

Es kann Herzrasen auftreten und das Gewicht nimmt durch Wassereinlagerungen im Gewebe zu. „Ein Teil dieser Symptome, wie die Wassereinlagerungen, treten häufig bei Schwangerschaften auf und sind in der Regel unbedenklich“, erläutert Professor Dr. med. Gerd Hasenfuß, Vorsitzender der DGIM und Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG, Universitätsmedizin Göttingen.

Wichtig sei, dass der behandelnde Arzt im Zuge der Voruntersuchungen Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Übergewicht ermittelt, regelmäßig den Blutdruck der werdenden Mutter kontrolliert und die Patientin gegebenenfalls engmaschig betreut.

Die häufigste Ursache für eine Herzschwäche ist eine Hochdruckerkrankung, die bei acht Prozent aller Schwangeren auftritt.

Wenn sie mit Eiweißverlust über die Niere verbunden ist, liegt eine Präeklampsie vor, die bleibende Schäden beim Ungeborenen verursachen kann.

„Eine frühzeitige Entbindung ist dann häufig die einzige Lösung, um die Gesundheit von Mutter und Kind nicht zu gefährden“, sagt Professor Hasenfuß. 

Die meisten Frauen erholen sich von der Herzschwäche.

  • Sie haben jedoch im späteren Leben ein 3 bis 8 Mal höheres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck und Nierenversagen zu leiden. 

„Diese Frauen sollten nach der Entbindung ärztlich weiter betreut werden“, so der Vorsitzender des Herzzentrums an der UMG.  

„Die Schwangerschaft ist ein Stresstest für das Herz. Dessen Ergebnis sollte ernst genommen werden.“

Eine Herzschwäche in der Schwangerschaft kann aber auch auf vorbestehende Erkrankungen hinweisen.

„Es ist keineswegs selten, dass während der Schwangerschaft ein angeborener Herzfehler entdeckt wird“, so der Experte. Bei anderen Frauen liegen Herzklappendefekte oder andere Herzkrankheiten vor. Für sie kann der Stresstest Schwangerschaft tödlich enden.

In einem internationalen Register betrug die Sterberate ein Prozent. Professor Hasenfuß sagt: „Es kann deshalb ratsam sein, das Kind vor dem Termin per Kaiserschnitt zu holen.“

  • Die Zunahme von Herzschwächen in der Schwangerschaft führen Experten darauf zurück, dass immer mehr Frauen in höherem Alter Kinder bekommen. 
  • Weitere Risikofaktoren sind Fettleibigkeit und auch Schwangerschaften, die durch eine künstliche Befruchtung entstanden sind. 

Manchmal erkranken Schwangere ohne erkennbare Risiken an einer Herzschwäche.  

Diese peripartale Kardiomyopathie ist selten.

Die Zahl der Diagnosen ist jedoch gestiegen, seit die Medizinische Hochschule Hannover ein deutschlandweites Register für die Erkrankung eingerichtet hat.

„Wir schätzen, dass eine von 1500 bis 2000 Schwangeren an einer peripartalen Kardiomyopathie erkrankt“, so Professor Hasenfuß.

Viele Patientinnen müssen auf einer Intensivstation behandelt werden. Einige Kliniken haben Task Forces aus Kardiologen, Geburtshelfern, Neonatologen, Anästhesisten und Herzchirurgen gegründet, um den Frauen über die Krise hinwegzuhelfen.

  • Häufig mit Erfolg. Laut dem Patientenregister erholen sich etwa 85 Prozent von der Herzschwäche.

Quelle:

Hilfiker-Kleiner D, Bauersachs J. Herzerkrankungen in der Schwangerschaft Dtsch Med Wochenschr 2016; 141: 110–114.
(https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0041-110068)

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Gicht, Atherosklerose und anderen Volkskrankheiten: Kristall-vermittelten Zelltods

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Krankmacher Kristalle - Signal zum Zelltod

Bei Gicht, Atherosklerose und anderen Volkskrankheiten schädigen Kristalle Gewebe. Forscher um Hans-Joachim Anders zeigen nun, wie die Mikropartikel das Absterben von Zellen auslösen. 
 
Bei verschiedenen weit verbreiteten Krankheiten sind Kristalle die Auslöser. 
Sie führen, wie etwa die Harnsäure-Kristalle bei Gicht, zu einer Abwehrreaktion des Immunsystems und lösen Entzündungen aus, zugleich verursachen sie das Absterben von Gewebezellen. 

Ein Forscherteam um Professor Hans-Joachim Anders von der Medizinischen Klinik und Poliklinik der LMU, hat nun erstmals den Mechanismen dieses Kristall-vermittelten Zelltods identifiziert. Ihre Ergebnisse sind für viele Erkrankungen von Bedeutung, darunter neben Gicht auch Atherosklerose und manche Formen des akuten Nierenversagens. Sie sind aktuell in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

  • Kristalle schädigen das Gewebe und können zu einem Versagen betroffener Organe führen. 

Es wird vermutet, dass die von ihnen ausgelösten ganz verschiedenen Erkrankungen einen verbindenden Pathomechanismus haben.

Bislang konzentrierte sich die Forschung vor allem darauf, wie Kristalle Entzündungen auslösen. Die Forscher um Hans-Joachim Anders konnten nun erstmals zeigen, dass die Kristalle bei Gewebezellen eine Form der regulierten Nekrose in Gang setzen. „Das galt bisher eher als passive Zellzerstörung. Es ist aber ein aktiv regulierter Mechanismus, der zum direkten Zelltod führt“, sagt Hans-Joachim Anders.

Neuer Ansatzpunkt für Medikamente

Die Forscher haben den molekularen Mechanismus unter anderem an Nieren- und Bindegewebszellen untersucht. Am Beispiel mehrerer Kristalle zeigen sie auf, dass die Mikropartikel den immer selben Signalweg aktivieren, der zum Zelltod führt. Ihre Daten weisen daraufhin, dass die Nekrose der Auslöser für das Entzündungsgeschehen ist.

Bislang wird auch bei der medizinischen Behandlung von Erkrankungen, die durch Kristalle ausgelöst werden, auf Entzündungshemmung gesetzt.

Der von Hans-Joachim Anders und seinen Kollegen identifizierte Mechanismus bietet nun ein neues Ziel für die pharmakologische Forschung. „Der Signalweg könnte ein neuer Ansatzpunkt für Medikamente sein.

Wird er unterbunden, würde das den durch Kristalle direkt ausgelösten Zelltod verhindern“, sagt Anders.

Der Studie zufolge müsste sich dadurch auch die Entwicklung einer chronischen Entzündung verhindern lassen. Ob sich daraus auch praktische Verbesserungen für die Behandlung von Patienten ergeben können, muss die weitere Forschung zeigen.

Publikation:
Mulay, S. R. et al.
Cytotoxicity of crystals involves RIPK3-MLKL-mediated necroptosis
In: Nat. Commun. 7:10274, doi: 10.1038/ncomms10274 (2016)

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Prof. Dr. Hans-Joachim Anders
Medizinische Klinik IV
Klinikum der Universität München – Campus Innenstadt
Allgemeinmedizin und Nephrologie
Tel: +49 (0)89 / 5160-3325
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Luise Dirscherl Ludwig-Maximilians-Universität München

Herzkranke Patienten: Erste Kardio-MRT-Studie mit Patienten am 7-Tesla-Scanner

Medizin am Abend Berlin Fazit: Gewebeschäden des Herzmuskels bis ins Detail sichtbar

Weltweit erste Kardio-MRT-Studie mit Patienten am 7-Tesla-Scanner

 
Abbildung der Mikrostrukturen des Herzmuskels, gekennzeichnet sind kleinste Vertiefungen im Muskelgewebe, sogenannte myokardiale Krypten. Links: hochauflösende CINE-Bildgebung am 7.0 Tesla. Rechts:…
 Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück Centrums für Molekulare Medizin (MDC) konnten erstmalig bei einer größeren Gruppe herzkranker Patienten die kardiale Magnetresonanztomographie an einem 7 Tesla MRT-Scanner anwenden. Die Aufnahmen des innovativen Hochleistungsgerätes zeigen das schlagende Herz in besonders hoher Auflösung. Details, die wertvolle Informationen über den Zustand des Herzmuskelgewebes geben, werden hierbei sichtbar. So lassen sich bei Patienten, die an einer Verdickung des Herzmuskels leiden, selbst kleinste Veränderungen im Muskelgewebe nachweisen, wie im aktuellen Fachmagazin PLOS ONE* veröffentlicht ist.

Die kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie (Kardio-MRT) wird zu einer Schlüsseltechnologie bei der Feindiagnostik von Herzmuskelerkrankungen.

Dabei entwickelt sich das Bildgebungsverfahren beständig weiter und ist in der Lage, immer genauere Details von gesundem und erkranktem Gewebe abzubilden, auch bei normaler Herzleistung.

Veränderungen oder Schäden des Herzmuskels lassen sich so besser erkennen und bewerten, beispielsweise bei Patienten mit einer genetisch bedingten Verdickung der linken Herzkammer, einer Hypertrophen Kardiomyopathie (HCM).

Aufgrund der Gewebedifferenzierung im Herzmuskelbereich werden am leistungsstarken 7-Tesla-Scanner Mikrostrukturen sichtbar, darunter krankhafte Veränderungen oder Vertiefungen in der Muskulatur.

Im klinischen Einsatz sind derzeit 1,5 und 3,0 Tesla MRT-Scanner. Weiterentwickelte 7-Tesla-Geräte liefern bei höherer Feldstärke deutlich höher aufgelöste Aufnahmen. Die meisten dieser neuartigen Scanner sind noch nicht für die klinische Anwendung, aber im Rahmen von Forschungsarbeiten zertifiziert.

Weltweit sind erst fünf Zentren in der Lage, das schlagende Herz auf diese Weise darzustellen. Die große Herausforderung des Kardio-MRT ist es, ein Organ abzubilden, das sich in stetiger Bewegung befindet.

Die Wissenschaftler um Prof. Dr. Jeanette Schulz-Menger, Leiterin der Hochschulambulanz für Kardiologie am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité und des MDC sowie Leiterin der Gruppe Kardiale MRT am ECRC in Kooperation mit dem HELIOS Klinikum Berlin-Buch, haben nun weltweit zum ersten Mal das Potential der neuen Technologie für HCM-Patienten geprüft: „Unser Ziel war es, die Möglichkeiten eines 7-Tesla-Scanners bei Patienten mit einer Hypertrophen Kardiomyopathie einzusetzen und zu prüfen, ob kleinste morphologische Auffälligkeiten aufgezeigt werden können,“ so die Kardiologin. Den Forschern ist es gelungen, winzige Vertiefungen im Muskelgewebe, sogenannte myokardiale Krypten, nachzuweisen, die am klinischen Gerät dort nicht erkennbar waren.

Ermöglicht wurde dies durch eine enge Kooperation mit der Berlin Ultrahigh Field Facility (B.U.F.F.) am MDC unter der Leitung von Prof. Dr. Thoralf Niendorf. Gemeinsam haben die Wissenschaftler Patienten mit verdickter Herzmuskulatur am 7-Tesla-Gerät mit 2D CINE-Bildgebung wie auch am herkömmlichen 3-Tesla-Gerät gescannt und die Aufnahmen des Herzens verglichen. Zusätzlich sind gesunde Vergleichspersonen mithilfe der neuen Geräte-Generation untersucht worden.

Nach Auswertung aller Daten kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass eine Untersuchung am 7-Tesla-MRT bei Patienten mit Hypertropher Kardiomyopathie sinnvoll sein kann.

„Bei sieben von dreizehn Patienten konnten wir kleinste Vertiefungen im Muskelgewebe der linken Herzkammer gut sichtbar nachweisen“, sagt Dr. Marcel Prothmann, Erstautor der Studie.

„Das räumlich hochauflösende Verfahren ist ein Qualitätssprung in der Bildgebung. Es ermöglicht eine detaillierte Visualisierung struktureller Veränderungen innerhalb von Abschnitten ausgedehnter Herzmuskelverdickung“, so der Mediziner.

Die präzisen Abbildungen können dazu beitragen, genauere Aussagen über die Ursachen einer Herzinsuffizienz oder anderer Erkrankungen des Herzens zu treffen.


*Prothmann M, von Knobelsdorff-Brenkenhoff F, Töpper A, Dieringer MA, Shahid E, Graessl A, et al. (2016) High Spatial Resolution Cardiovascular Magnetic Resonance at 7.0 Tesla in Patients with Hypertrophic Cardiomyopathy – First Experiences: Lesson Learned from 7.0 Tesla. PLoS ONE 11(2): e0148066. doi:10.1371/journal.pone.0148066


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Prof. Dr. Jeanette Schulz-Menger
Experimental and Clinical Research Center (ECRC)
Campus Berlin Buch
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Back to the roots: Einkorn, Emmer, Dinkel: Mehr Lutein für bessere Augen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Alte Weizenarten fördern die Sehkraft und senken das Cholesterin

Experten der Universität Hohenheim veröffentlichen wissenschaftliche Artikel zu Nährstoffen und Anbaufragen in alten Weizenarten / Herausforderungen liegen im Anbau 

Medizin am Abend Berlin Zusatzlink: Wir werden Farmer....! 

 
Back to the roots: Die alten und lange vergessenen Weizenarten Einkorn, Emmer und Dinkel bieten nicht nur geschmacklich ein besonderes Erlebnis. Auch gesundheitlich sind sie wertvoll, produzieren beispielsweise Lutein, einen Schutzstoff für die Augen.

Wissenschaftler der Universität Hohenheim forschen an Möglichkeiten den Ertrag der alten Weizensorten zu erhöhen – ohne Gentechnik.

Die gesundheitlichen Vorteile und Möglichkeiten für Landwirt & Co. heben die Wissenschaftler in zwei Fachartikeln hervor (im Journal of Functional Foods und in Crop Science). Weiter wurde eine Webstory der Amercian Society of Agronomy und der Crop Science Society zu den Erkenntnissen veröffentlicht.

Gut 46 kg Brot werden in jedem deutschen Haushalt im Durchschnitt jährlich verzehrt, lautet eine Auswertung des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks e. V. in Berlin. An der Spitze der Mehlsorten: Brotweizen und Roggen.

„Dabei gibt es gerade in der Weizenfamilie noch alte Arten mit einigen gesundheitsförderlichen Inhaltstoffen, die bisher missachtet werden“, erklärt Prof. Dr. Reinhold Carle, Lebensmitteltechnologe der Universität Hohenheim. Gemeinsam mit Jochen Ziegler und Dr. Friedrich Longin hat er Vorteile, Probleme und Möglichkeiten von alten Weizenarten untersucht und sie jetzt in zwei wissenschaftlichen Artikeln im Journal of Functional Foods sowie Crop Science veröffentlicht.

Mehr Lutein für bessere Augen

„Natürlich enthält auch beispielsweise der Brotweizen Inhaltsstoffe, die für den menschlichen Körper wichtig sind“. Vielversprechender sähe es jedoch bei den alten Weizenarten vor allem beim Einkorn aus, so Prof. Dr. Carle:

  • Er verzeichnet eine bis zu zehnmal höhere Konzentration an cholesterinsenkenden Sterylferulaten, Vitamin E und dem Augenschutzstoff Lutein.

„Lutein wird für den gelben Fleck im Auge benötigt, den Bereich des scharfen Sehens“, sagt Jochen Ziegler vom Fachgebiet Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel der Universität Hohenheim.

Gesünder Leben – auch ohne Grünkohl & Co.

  • Regelmäßig zu sich genommen, könne es beispielsweise die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), also den Hauptgrund des Erblindens älterer Menschen, verhindern. „Das Problem ist, dass Lutein vom Körper nicht selbst produziert werden kann“, so Ziegler. „Darum müssen wir es über unsere Nahrung aufnehmen.“
  • Vor allem Lebensmittel wie Grünkohl oder Spinat enthalten eine hohe Menge an Lutein. Das Problem erklärt Prof. Dr. Carle: „Wir essen nicht jeden Tag einen Topf Spinat um ausreichend Lutein aufzunehmen. Brot hingegen nehmen wir regelmäßig zu uns. Die alte Weizenart Einkorn bietet nun eine Möglichkeit, dass sich auch die Menschen gesünder ernähren, die nicht regelmäßig grünes, luteinreiches Gemüse zu sich nehmen.“

Natürlich gesund und resistent

Besonders attraktiv mache Einkorn das natürlich hohe Vorkommen von Lutein, sagt Ziegler. „Im Unterschied zum Golden Rice, bei dem Carotinoide durch Gentechnik in das Grundnahrungsmittel Reis eingebracht wurden, muss bei dieser alten Weizenart nichts verändert werden. Sie enthält von Natur aus viel Lutein.“

Warum die alten Weizenarten nicht schon längst die neuen verdrängt haben, liege nicht an ihren Inhaltsstoffen – sondern vor allem an den Herausforderungen im Anbau und an ihrem geringen Ertrag.

Umweltschutz und Biodiversität

Zwar habe vor allem Einkorn eine hohe Resistenz gegen Pilze und Krankheiten. „Die alten Weizensorten sind eine attraktive, einfach anzubauende Kulturart“, so die Einschätzung von Dr. Friedrich Longin, Experte für Einkorn, Emmer und Dinkel an der Universität Hohenheim.

„Man muss sie kaum spritzen und sie wachsen quasi von selbst. Das belastet natürlich auch die Umwelt weniger. Außerdem fördert der Anbau der alten Arten die Biodiversität, ein wichtiges Ziel für zukunftsfähige Landwirtschaft.“

Der Ertrag ist zu gering

In ihrem Wachstum liege aber auch das Problem, so Dr. Longin: „Die Halme von Einkorn und Emmer werden sehr lang. Man muss darauf achten, dass sie nicht umkippen und die Ernte dadurch verloren geht.“

Auch der Ertrag sei deutlich geringer als beim Brotweizen, sagt der Experte der Universität Hohenheim: „Emmer erreicht lediglich 50 % des Ertrages von Brotweizen, Einkorn sogar nur 25 %. Dadurch sind sie natürlich auch viel teurer. Das bekommt der Verbraucher zu spüren.“

Selbst durch verbesserte Züchtungen könne man den Ertrag nur bedingt steigern. „ Der Brotweizen wurde die letzten 100 Jahre intensiv züchterisch verbessert, das kann man beim Einkorn und Emmer so schnell nicht mehr aufholen.“

Ein weiteres Problem sei ein zusätzlicher Arbeitsschritt. „Alte Weizenarten besitzen im Gegensatz zu modernen noch ihre Hülle um das Korn, sie sind also bespelzt. Um die Körner von ihrer Hülle zu befreien entsteht in der Müllerei ein erheblicher Mehraufwand – auch das macht die alten Arten teurer.“ Umgekehrt stellt diese feste Umhüllung einen natürlichen Schutz gegen Schaderreger und Schadstoffe dar.

Experte fordert Umdenken und regionale Vermarktung

Trotz allem sieht der Experte der Universität Hohenheim ein hohes Marktpotenzial in den alten Getreidearten. „Der Trend unter den Verbrauchern geht zurück zum ‚Ursprünglichen‘. Auch auf Regionalität legen Kunden immer größeren Wert.“

Auf dem regionalen Markt sieht Dr. Longin die alten Weizenarten auch in Zukunft. „Wenn feste regionale Produktionsketten zwischen Landwirten, Müllern und Bäckern entstehen, fördert das nicht nur das regionale Handwerk. Die kurzen Produktionsstrecken sparen auch Geld.“

Sein Tipp um die alten Arten attraktiver zu machen: „Landwirte, Müller und Bäcker müssen zusammenarbeiten. Der Landwirt muss vor dem Anbau abklären, wer ihm seine Ernte abnimmt. Diese Sicherheit kann der Müller ihm aber nur geben, wenn Bäcker bereit sind, etwas Neues, dafür aber sehr Gesundes auszuprobieren. Denn auch das ist ein Trend unter den Verbrauchern: gesünder leben. Mit den alten Weizenarten kann das gelingen.“

Die ganzen Artikel gibt es im Journal of Functional Foods unter doi:10.1016/j.jff.2015.11.022 sowie in Crop Science unter doi: 10.2135/cropsci2015.04.0242. Die Erkenntnisse der Wissenschaftler wurden außerdem in einer Webstory der Amercian Society of Agronomy und der Crop Science Society zusammengebracht unter www.agronomy.org/science-news/ancient-going-nouveau

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Dr. Friedrich Longin, Universität Hohenheim, Landessaatzuchtanstalt - Arbeitsgebiet Weizen
T 0711 459 23846, E friedrich.longin@uni-hohenheim.de

Prof. Dr. Reinhold Carle, Universität Hohenheim, Fg. Technologie und Analytik funktioneller Lebensmittel
T 0711 459 22314, E carle@uni-hohenheim.de

Dipl.-LM-Ing. Jochen Ziegler, Universität Hohenheim, Fg. Technologie und Analytik funktioneller Lebensmittel
T 0711 459 24109, E jochen.ziegler@uni-hohenheim.de

C. Schmid / Klebs

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Hausaufgabenhilfe - ein Teufelskreis?

Medizin am Abend Berlin: Hausaufgabenhilfe: Weniger ist manchmal mehr

Studie untersucht elterliches Engagement bei Hausaufgaben und Leistungsentwicklung bei Sechstklässlern ‒ Die besten Ergebnisse fanden sich bei Eltern, die unterstützten, ohne sich einzumischen 
 
Elterliche Hilfe bei Hausaufgaben führt nicht unbedingt zu besseren Schulleistungen. 

Medizin am Abend Berlin Zusatzfachlink: Gesundheitsberufe - Bewerbung  

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachlink: Pflegezeitgesetz (PflegeZG) und die Fa milienpflegezeit nach dem Familienpfle- gezeitgesetz (FPfZG)  

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz nach der Auswertung einer Längsschnittstudie, in der knapp 1700 Schweizer Schüler und ihre Eltern über einen längeren Zeitraum hinweg befragt wurden. Gemessen wurde das elterliche Engagement bei den Hausaufgaben in Klassenstufe 6 sowie die Leistungsentwicklung über ein Schuljahr. So fielen sowohl die Deutschnoten als auch die Leistungsentwicklung im Lesen bei Kindern, deren Eltern häufig bei den Hausaufgaben halfen, schlechter aus als bei Kindern, die ihre Hausaufgaben selbstständig machten. Die Ergebnisse wurden im „Journal of Educational Research“ veröffentlicht.

Schlechte Zeugnisnoten sind für viele Eltern Anlass, sich verstärkt in die Hausaufgaben ihrer Sprösslinge einzumischen. Ob das Kindern hilft, ist jedoch umstritten, die dazu zahlreich vorliegenden Studien kommen zu widersprüchlichen Aussagen. „Das liegt unter anderem daran, dass die Studien ganz unterschiedliche Aspekte der elterlichen Hausaufgabenhilfe untersucht haben. Einige erheben zum Beispiel nur, wie oft Eltern ihren Kindern helfen und nicht, wie diese Hilfe konkret aussieht. Außerdem begrenzt die Untersuchungsmethodik die Aussagekraft vieler Studien“, so Ulrich Trautwein, Professor für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen.

Des Weiteren zeigten die Ergebnisse der Studie, dass sich die Qualität der elterlichen Hausaufgabenhilfe von Familie zu Familie deutlich unterscheidet. So erwies es sich als besonders günstig für den Lernfortschritt der Kinder, wenn Eltern sich wenig einmischten, aber dennoch zur Unterstützung des Lernprozesses zur Verfügung standen.

„Es macht einen großen Unterschied, ob Kinder die Unterstützung der Eltern als Hilfe oder als unliebsame Einmischung und Kontrolle empfinden“, erklärt Sandra Moroni von der Pädagogischen Hochschule Bern, die Erstautorin der Studie.

Da Eltern bekanntlich oft verstärkt dann eingreifen, wenn die Leistungen ihrer Kinder nachlassen, frustriert das Kinder oft doppelt. Ihnen wird dadurch signalisiert, dass sie gute Leistungen anscheinend nicht alleine erreichen können.

„Das führt zu einem Teufelskreis“, erklärt Moroni. Ihr Rat: Zunächst genau prüfen, warum die Leistung des eigenen Kindes nachgelassen hat, und – ggf. auch gemeinsam mit den Lehrkräften – nach Möglichkeiten suchen, wie es (wieder) selbst Verantwortung für die Hausaufgabenerledigung übernehmen kann.

Die Autoren der Studie untersuchten auch, wie sich ihre Ergebnisse veränderten, wenn sie – wie das in vielen früheren Studien der Fall war – wichtige weitere Faktoren wie frühere Leistungen und familiären Hintergrund – außer Acht ließen.

Das Ergebnis: Die Effekte der Hausaufgabenhilfe wurden bisher deutlich überschätzt. Das Fazit von Ulrich Trautwein: „Besonders bei einer so wichtigen, häufig diskutierten Thematik wäre es wichtig eine gute Datengrundlage zu haben. Mehr und vor allem bessere Studien sind daher unerlässlich.“

Originalpublikation:
Moroni, S., Dumont, H., Trautwein, U., Niggli, A., & Baeriswyl, F. (2015). The need to distinguish between quantity and quality in research on parental involvement: The example of parental help with homework. The Journal of Educational Research, 108(5), 417-431.

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Prof. Dr. Ulrich Trautwein
Universität Tübingen
Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung
Telefon +49 7071 29-73931
ulrich.trautwein@uni-tuebingen.de
Antje Karbe Eberhard Karls Universität Tübingen

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Aggressiver Bauchspeicheldrüsenkrebs/Pankreaskrebs: Entzündungssignale

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Welche Rolle spielen Entzündungssignale?

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der gefährlichsten Krebsarten überhaupt. Gegen Strahlen- und Chemotherapie ist er praktisch resistent und daher kaum zu behandeln. 

Darüber hinaus streut er früh in die Umgebung und wird oft spät entdeckt. 

Viele Patienten sterben wenige Monate nach der Diagnose. 

Warum Pankreaskrebs aber so aggressiv ist, lag lange im Dunkeln. 

Ein Team um Jens Siveke am Klinikum rechts der Isar der TU München hat sich auf die Spur der molekularen Veränderungen in den Krebszellen gemacht. Dabei gab es eine Überraschung: ein kleines Molekül, das Entzündungssignale in der Bauchspeicheldrüse reguliert, hemmt entscheidend die Tumorentstehung. Seine Rolle war bisher nicht bekannt. 

Krebszellen aus der Bauchspeicheldrüse unter dem Fluoreszenzmikroskop
Krebszellen aus der Bauchspeicheldrüse unter dem Fluoreszenzmikroskop
Rechte: Jens Siveke, Klinikum rechts der Isar, München
 
  • In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 15.000 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs – und fast alle sterben innerhalb eines Jahres daran. 

Zu wenig ist bisher darüber bekannt, was genau die Zellen der Bauchspeicheldrüse zu ihrem unkontrollierten Wachstum anregt. Allerdings zeigte sich bei Untersuchungen von Krebszellen aus der Bauchspeicheldrüse in fast allen Fällen eine Übereinstimmung:

Ein bestimmtes Gen war mutiert, das KRAS-Onkogen. 

  • Diese Mutation ist nicht ungewöhnlich, sie tritt auch schon auf, wenn es Entzündungen oder Schäden in der Bauchspeicheldrüse gibt, die noch nicht bösartig sind. Ab wann aber eine vorgeschädigte Zelle zur Tumorzelle entartet und was genau die gefährliche Veränderung auslöst, ist im Detail bisher nicht bekannt.

Krebs: Die Zellen entarten nach Entzündungen

Jens Siveke, Gastroenterologe und Spezialist für Krebs im Verdauungstrakt, hat sich zusammen mit einem Team der TU München auf die noch unverstandenen Mechanismen rund um Entzündungen in der Krebsentstehung konzentriert: 

Welche Zusammenhänge gibt es, welche Akteure und Botenstoffe in der Zelle lösen die bösartige Veränderung aus? 

  • Dabei arbeitete die Gruppe mit den Zellen, die für die Produktion von Verdauungssäften zuständig sind, die sogenannten azinären Zellen. 

An Mäusen zeigte sich, dass die Entzündung eine Art Auslöser für die bösartige Veränderung ist: 

  • Die Entzündungsreaktion der Zellen setzt zahlreiche Botenstoffe frei, die schließlich das bereits mutierte KRAS-Onkogen weiter aktivieren und die Zellentartung fördern.

Die Arbeitsgruppe um Jens Siveke konnte dabei auch weitere Mitspieler im Krebsgeschehen identifizieren, den sog. epidermal growth factor receptor (EGFR), sowie ein Molekül, das eine Schlüsselrolle für wichtige Wachstums- und Teilungsprozesse der Zelle spielt, RAC1 genannt. 

In ihren Studien entwickelten sie ein System, mit dem sich das Zusammenspiel von KRAS, EGFR und RAC1 in verschiedenen Erkrankungsstadien studieren ließ: 

Die Forscher isolierten und kultivierten azinäre Zellen mit den typischen Schädigungen, außerdem untersuchten sie Mäuse bezüglich der Rolle der drei Akteure in vorgeschädigten Zellen einerseits und bereits entarteten Zellen andererseits. 

Die Mäuse hatten die typische KRAS-Mutation in den Bauchspeicheldrüsenzellen, im Versuch wurde aber der RAC1-Botenstoff bei ihnen mit molekularen Methoden gestoppt.
 

Entzündungsbotenstoffe unterdrückt

Das überraschende Ergebnis: 

Fehlte RAC1 durch genetische Manipulation, wurde die Entartung der azinären, vorgeschädigten Zelle zur Tumorzelle komplett unterdrückt. 
  • RAC1 ist dabei zuständig für die Aussendung von Entzündungssignalen, die wiederum die Veränderung zur Tumorzelle durch KRAS auslösen.
  • Zusätzlich konnten die Wissenschaftler zeigen, dass RAC1 hauptsächlich für den äußeren Aufbau der Zelle, ihr Skelett, zuständig ist. Es steuert den Aufbau und die Stabilität dieses Skeletts. Das mutierte Krebsgen KRAS scheint also nur dann auf die Zelle einwirken zu können, wenn auch RAC1 seinen Einfluss auf das Zellskelett ausübt.

Bald Medikamente?

Die Erkenntnis, dass derartige grundlegende Prozesse wie die Regulation des zellulären Aufbaus einen zentralen Einfluss auf die Wirkweise mutierter Onkogene haben, war für Projektleiter Siveke überraschend: „Unsere Versuche zeigen, dass Zellen tatsächlich dauerhaft dem Stress des mutierten Onkogens KRAS widerstehen können. Wir waren sehr erstaunt, dass das überhaupt geht – und es eröffnet Ansätze für ganz neue Therapieverfahren“, sagt Jens Siveke. 

  • Siveke betreut und behandelt viele Patienten mit Pankreaskarzinom und hofft jetzt darauf, dass er, der inzwischen am Westdeutschen Tumorzentrum der Universitätsklinikum Essen und Deutschen Krebsforschungszentrum arbeitet, mit seinem Team auch Medikamente und zielgerichtete Verfahren zur Beeinflussung von RAC1 und KRAS entwickeln kann. 

„Wir hoffen, mit den besseren Einblicken in die Zell-Mechanismen und im Zusammenspiel mit vielen beteiligten Forschern und Ärzten neuartige Therapiekonzepte zu entwickeln und in klinischen Studien zu testen“.

Auszeichnung: Ismar-Boas-Preis 2013 der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stofffwechselkrankheiten an Dr. Irina Heid, Mitglieder der Arbeitsgruppe, für den Beitrag “Molecular Carcinogenesis, Development of New Therapeutic Strategies and Multimodal Imaging in Murine Endogenous Pancreatic Cancer”

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Professor Dr. Jens Siveke,
Westdeutsches Tumorzentrum
Universitätsklinikum Essen
und Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), Partnerstandort Essen
Hufelandstr. 55
45147 Essen
Tel: 0201 723-4580
E-Mail: j.siveke@dkfz-heidelberg.de und jens.siveke@uk-essen.de

Dr. Clara Lubeseder-Martellato
2. Medizinische Klinik und Poliklinik, Klinikum rechts der Isar, Technical University Munich, Munich, Germany.
Tel: 089 4140-6792
E-Mail: clara.lubeseder-martellato@tum.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte die zweite Phase dieses Forschungsprojekts mit rund 160.000 Euro, nachdem sie die erste Phase mit rund 210.000 € unterstützt hatte. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 220 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Damit ist die Wilhelm Sander-Stiftung eine der bedeutendsten privaten Forschungsstiftungen im deutschen Raum. Sie ging aus dem Nachlass des gleichnamigen bayerischen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Weitere Informationen zur Stiftung: http://www.wilhelm-sander-stiftung.de
Bernhard Knappe Vorstandsvorsitzender Wilhelm Sander-Stiftung

Nachhilfe: Außerunterrichtliche Fördermaßnahmen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Eltern geben jährlich fast 900 Millionen Euro für Nachhilfe aus

In Deutschland erhalten 1,2 Millionen Schüler Nachhilfe. Nicht alle von ihnen haben schlechte Noten. Ganztagsschulen bieten Möglichkeiten, privat finanzierte Nachhilfe zu ersetzen. 

Eltern in Deutschland geben jährlich 879 Millionen Euro für private Nachhilfestunden aus. 

Pro Monat investieren sie für ihre Kinder durchschnittlich 87 Euro in außerunterrichtliche Fördermaßnahmen. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann Stiftung hervor, die von Professor Klaus Klemm und Nicole Hollenbach-Biele auf Basis einer repräsentativen Elternbefragung erstellt wurde.

  • Laut der Studie erhalten insgesamt 14 Prozent der Schüler zwischen 6 und 16 Jahren privat finanzierte oder kostenfreie Nachhilfe. Im Osten nehmen 16 Prozent der Schulkinder Nachhilfe in Anspruch, im Westen 13 Prozent.  
Schüler aus finanzstarken Familien (ab 3.000 € Haushaltsnettoeinkommen) nutzen mit 15 Prozent Nachhilfe etwas häufiger als Schüler aus Haushalten mit geringeren Einkommen (12 Prozent). Kinder und Jugendliche ohne Migrationshintergrund erhalten eher Nachhilfe als solche mit ausländischen Wurzeln (14 zur 11 Prozent).

Nachhilfe signalisiert Nachholbedarf bei individueller Förderung

Mit dem Wechsel von Grund- zu weiterführenden Schulen steigt der Nachhilfebedarf: Erhalten in der Grundschule knapp 5 Prozent der Kinder Nachhilfe, sind es in den weiterführenden Schulen der Sekundarstufe insgesamt rund 18 Prozent.

Am häufigsten verbreitet ist die Lernunterstützung an Gymnasien: Fast jeder fünfte Gymnasiast (18,7 Prozent) nutzt Nachhilfe.

"Nachhilfe darf kein Ersatz für fehlende individuelle Förderung sein. Gerade die weiterführenden Schulen müssen sich noch besser auf die Vielfalt ihrer Schüler einstellen", sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Am häufigsten nutzen Schüler Nachhilfe in Mathematik (61 Prozent aller Nachhilfeschüler) gefolgt von den Fremdsprachen (46 Prozent) und Deutsch (31 Prozent). Unbefriedigende Zensuren sind dabei nicht unbedingt ausschlaggebend.

In Mathematik haben zwar 63 Prozent der Nachhilfeschüler bestenfalls ausreichende Zensuren (Notendurchschnitt 4 – 6). Doch rund jeder Dritte (34 Prozent) nutzt die zusätzliche Förderung auch bei befriedigenden bis sehr guten Leistungen (Notendurchschnitt 1 - 3).

Mehr kostenfreie Nachhilfeangebote für Ganztagsschüler

Überraschend: Nur gut zwei Drittel der Eltern zahlen für die Nachhilfe ihrer Kinder (69 Prozent). Ob sie die Fördermaßnahmen privat finanzieren, hängt auch von der Organisationsform der Schule ab.

Schüler an Halbtagsschulen erhalten laut Elternangaben in 20 Prozent aller Fälle kostenfreie Angebote. An offenen Ganztagsschulen sind es 25 Prozent; an gebundenen Ganztagsschulen, wo feste Betreuungszeiten außerhalb des Unterrichts geregelt sind, profitiert ein gutes Drittel (34 Prozent) von kostenlosen Nachhilfeangeboten.

Der Ausbau von Ganztagsschulen müsse weiter vorangetrieben werden, fordert Jörg Dräger. "Bildungschancen dürfen nicht von privat finanzierter Nachhilfe abhängen. Ganztagsschulen bieten einen guten Rahmen für zusätzliche und individuelle Förderung."

Zusatzinformationen

Die Bertelsmann Stiftung engagiert sich für mehr Chancengerechtigkeit und Teilhabe im Schulsystem. In der vorliegenden Studie „Nachhilfeunterricht in Deutschland: Ausmaß – Wirkung – Kosten“ haben Professor Klaus Klemm und Nicole Hollenbach-Biele für die Bertelsmann Stiftung aktuelle Forschungsbefunde zur Nutzung von Nachhilfe ausgewertet. Ergänzt wird diese Analyse durch die Ergebnisse einer repräsentativen Elternumfrage, in deren Rahmen Infratest dimap im Auftrag der Bertelsmann Stiftung insgesamt rund 4.300 Eltern aus ganz Deutschland zur Nutzung von Nachhilfe befragte.

Unsere Experten: Dr. Nicole Hollenbach-Biele, Telefon: 0 52 41 81 81 541
E-Mail: nicole.hollenbach-biele@bertelsmann-stiftung.de

Dr. Dirk Zorn, Telefon: 0 52 41 81 81 546
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Rettungsstellen - Notfallversorgung:

Medizin am Abend Berlin Fazit:

Notfallversorgung Berlin: Gesetz gilt auch für den Gesundheitssenator





Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin weist Kritik von Gesundheitssenator Mario Czaja zurück. 
  • Diese bezieht sich auf eine von der KV gewünschte Begründung zu Behandlungen in Rettungsstellen während der üblichen Sprechzeiten von ambulant tätigen Vertragsärzten. 
  • Der Senator verkenne bei seiner Argumentation geltendes Recht, demzufolge Kliniken nur im Notfall oder bei fehlender Versorgung durch niedergelassene Ärzte tätig werden dürfen. 
Der Vorstand der KV Berlin verweist auf das Urteil des Bundessozialgerichts vom 12.12.2012 (B 6 KA 5/12 R [15]), in dem es unter anderem heißt: 

 „Der Arzt darf nicht mehr Leistungen erbringen und verordnen, als es dem Rahmen der Notfall-Erstversorgung entspricht. Behandlungen im Rahmen des Notfalldienstes haben sich auf die Erstversorgung zu beschränken; sie sind darauf zu konzentrieren, Gefahren für Leib und Leben sowie unzumutbaren Schmerzen der Patienten zu begegnen. [...] Der Behandlungsumfang ist beschränkt auf die Maßnahmen, die bis zum erneuten Einsetzen der Regelversorgung in den üblichen Sprechstundenzeiten erforderlich sind.“

Der KV-Vorstand schlussfolgert: „Damit darf eine Behandlung im Notdienst während der Öffnungszeiten der Praxen nur sehr ausnahmsweise erfolgen. 

Der Notfall ist darzulegen – mehr haben wir nicht verlangt.“

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin ist die Dachorganisation der mehr als 9.000 ambulant tätigen Ärzte und Psychotherapeuten in Berlin. Sie sorgt unter anderem dafür, dass die ambulante medizinische Versorgung von gesetzlich krankenversicherten Patienten auf hohem Qualitätsniveau stattfindet und dass diese den Arzt ihrer Wahl aufsuchen können, ganz gleich, in welcher Krankenkasse sie versichert sind. Die Berliner Kassenärzte versorgen täglich 160.000 Patienten.


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Hirnhauttransplantation - Transplantation

Medizin am Abend Berlin Fazit: Alzheimer-ähnliche Hirnveränderungen nach Hirnhaut-Transplantation

Medizin am Abend Berlin Zusatzfachlink: OP - Bericht 2015 

Bisher ging man davon aus, dass Alzheimer nicht übertragbar ist. Nun konnten Forschende der Universität Zürich und der Medizinischen Universität Wien zeigen, dass eine Hirnhaut-Transplantation von mit Prionen infizierten Spendern, die zur Creutzfeldt-Jakob-Krankheit führen, bei den Empfängern auch Alzheimer-ähnliche Gehirnablagerungen verursachen können. 

Braun gefärbte Aβ-Plaques in der Hirnrinde bei Alzheimer-Krankheit. Braun gefärbte Aβ-Plaques in der Hirnrinde bei Alzheimer-Krankheit. Bild: Universitätsspital Zürich
 
Alzheimer ist die weltweit häufigste Demenzerkrankung.
Bereits viele Jahre bevor erste Symptome der Alzheimer-Krankheit sichtbar werden, lassen sich im Gehirn von Betroffenen typische krankhafte Ablagerungen nachweisen.

Diese Plaques bestehen aus falsch gefalteten Varianten des Proteins Beta-Amyloid, kurz: Aβ. 

Gemäss gängiger Lehrmeinung ist Alzheimer nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

  • Allerdings konnte in Versuchen wiederholt gezeigt werden, dass Aβ-Plaques, die aus dem Hirn von Alzheimer-Patienten extrahiert und in Labormäuse gespritzt wurden, die Entstehung neuer Plaques im Gehirn der Tiere fördern können.

Eine in der heutigen Ausgabe von Swiss Medical Weekly veröffentlichte Forschungsarbeit von Karl Frontzek sowie Mitarbeitern der Universität Zürich und der Medizinischen Universität Wien fügt der Klärung der Frage, ob und wie Alzheimer übertragbar ist, einen weiteren beunruhigenden Aspekt hinzu. 

Sie untersuchten die Hirne von sieben relativ jungen Patienten, die an einer Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung verstorben waren und Jahre zuvor eine Hirnhaut-Transplantation erhalten hatten. Da einige der Hirnhaut-Spender mit Prionen infiziert waren – der Erreger der tödlichen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit –, wurde die Erkrankung via Transplantat unbeabsichtigt auf die Empfänger übertragen.

  • Bisher sind weltweit etwa 220 Fälle von sogenannt iatrogener Creutzfeldt-Jakob-Krankheit nach Hirnhaut-Transplantation aufgetreten. Die Patienten hatten die Hirnhaut-Transplantate bei Hirnoperationen erhalten, um den Heilungsprozess zu verbessern. Aufgrund dieses Risikos wurde die Transplantation von Hirnhäuten bereits vor Jahren eingeschränkt.

Hirnhaut von Creutzfeldt-Jakob-Erkrankten kann zu Aβ-Hirnablagerungen führen

Wie sich nun herausstellte, war die Hirnhaut nicht nur mit Prionen infiziert, sondern übertrug auch Alzheimer-typische Hirnablagerungen auf ihre Empfänger.

Mittels Immunhistochemie konnten die Forschenden in fünf von sieben Hirnen der verstorbenen, Patienten die charakteristischen Aβ-Plaques nachweisen.

Diese kamen deutlich häufiger vor als in den Hirnen von Patienten, die keine Hirnhaut-Transplantation erhalten hatten.

Da Aβ-Plaques im Gehirn bei jüngeren Patienten sehr ungewöhnlich sind, deuten die Resultate stark darauf hin, dass die Aβ-Ablagerungen durch die Hirnhaut-Transplantate verursacht worden sind.

Diese Studie verstärkt die Hinweise darauf, dass die fundamentalen Merkmale der Alzheimer-Erkrankung unter bestimmten Voraussetzungen übertragbar sein können.

Und sie lenkt die Aufmerksamkeit auf einen unerwarteten, sehr ernstzunehmenden Aspekt der Transplantationsmedizin: 

Die prinzipielle Übertragungsmöglichkeit von Proteinen, die bei neurodegenerativen Erkrankungen eine Schlüsselrolle spielen.

 Braun gefärbte Prion-Ablagerungen im Kleinhirn bei Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.
Braun gefärbte Prion-Ablagerungen im Kleinhirn bei Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.  Bild: Universitätsspital Zürich

Literatur:
Karl Frontzek, Mirjam I. Lutz, Adriano Aguzzi, Gabor G. Kovacs and Herbert Budka. Amyloid-β pathology and cerebral amyloid angiopathy are frequent in iatrogenic Creutzfeldt-Jakob disease after dural grafting. Swiss Medical Weekly. January 26, 2016. doi:10.4414/smw.2016.14287

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Dr. med. Karl Frontzek
Institut für Neuropathologie
Universitätsspital Zürich
Tel. +41 44 255 27 15
Mobile: +41 76 722 81 85
E-Mail: karl.frontzek@usz.ch

Prof. Dr. med. Herbert Budka
Institut für Neuropathologie
Universitätsspital Zürich
Tel. +41 44 255 25 02
E-Mail: herbert.budka@usz.ch
Kurt Bodenmüller Universität Zürich

Frühkindlichen Autismus, Asperger-Syndrom, Atypischen Autismus

Medizin am Abend Berlin Fazit: Ist eine Gehirnfalte für Autismus verantwortlich?

Forscher des CNRS (französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung), der Universität Aix-Marseille und der staatlichen Krankenhauseinrichtung von Marseille (AP-HM) haben durch MRT-Untersuchungen einen für Autismus typischen speziellen Hirnmarker entdeckt, der ab dem zweiten Lebensjahr auftritt. 

 Cerveau     Kartographie der Furchen im Kortex. Grün: sulcal pits (die tiefsten Punkte der Furchen). Rot: Lokalisierung der Anomalie bei autistischen Kindern (im Broca-Areal).
 Cerveau Kartographie der Furchen im Kortex. Grün: sulcal pits (die tiefsten Punkte der Furchen). Rot: Lokalisierung der Anomalie bei autistischen Kindern (im Broca-Areal). © équipe SCALP / INT


Forscher des CNRS (französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung), der Universität Aix-Marseille und der staatlichen Krankenhauseinrichtung von Marseille (AP-HM) haben durch MRT-Untersuchungen einen für Autismus typischen speziellen Hirnmarker entdeckt, der ab dem zweiten Lebensjahr auftritt.

Bei der entdeckten Anomalie handelt es sich um eine weniger ausgeprägte Falte des Broca-Areals.

Diese Region des Gehirns ist für Sprache und Kommunikation verantwortlich – Funktionen, die bei Autisten gestört sind. 

Diese Entdeckung basiert auf den Ergebnissen der MRT-Untersuchungen und einer Kohorten-Studie an Patienten, bei denen bereits im frühen Alter diese Krankheit identifiziert wurde. Sie ermöglicht eine verbesserte und frühzeitigere Diagnose bei diesen Patienten. Die Ergebnisse wurden am 12. Januar 2016 in der Fachzeitschrift Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscienes and Neuroimaging veröffentlicht.

  • Autismus bezeichnet tiefgreifende Entwicklungsstörungen, die sich auf die Entwicklung der sozialen Interaktion, der Kommunikation und der Verhaltensweisen auswirken. 
  • Es wird zwischen dem frühkindlichen Autismus, dem Asperger-Syndrom und dem atypischen Autismus unterschieden. Die jüngsten Ergebnisse des Neuroimaging (Bildgebung des zentralen Nervensystems) legen Anomalien im zerebralen Cortex nahe.
Die charakteristischen Windungen und Furchen des Gehirns entstehen schon in den letzten Schwangerschaftsmonaten durch mechanische Kräfte: 
Die Nervenfasern zwischen den unterschiedlichen Arealen der Hirnoberfläche geraten zunehmend unter Spannung, wenn die Hirnrinde des Fötus wächst. 
  • Gehirnregionen, die durch viele Nervenfasern miteinander verbunden sind, werden während der embryonalen und frühkindlichen Entwicklung des Hirns zueinander gezogen und wölben sich zu Hügeln auf. Furchen entstehen in den weniger stark vernetzten Regionen zwischen den Hügeln. 
  • Behinderungen wie Autismus oder Schizophrenie beruhen oft auf Entwicklungsstörungen, wobei u. a. neuronale Verbindungen nicht in normaler Weise ausgebildet werden.
Die Forscher beschäftigten sich insbesondere mit dem „sulcal pit“ – dem tiefsten Punkt jeder Hirnfurche. Sie untersuchten Jungen im Alter zwischen 2 und 10 Jahren, die in 3 Gruppen unterteilt waren (Autisten, Kinder mit autistischen Symptomen und Kinder ohne Autismus-Spektrum-Störungen).

Sie stellten fest, dass die Hirnfurche bei autistischen Kindern deutlich geringer ausgeprägt war als bei den beiden anderen Gruppen.

Daraus lässt sich schlussfolgern: je flacher die Furche, desto geringer die Kommunikationsfähigkeiten.

  • Diese spezifische Anomalie bei autistischen Kindern könnte als Biomarker für diese Erkrankung genutzt werden und so eine frühzeitigere Diagnose ermöglichen (ab einem Alter von 2 Jahren).
Bislang erfolgt die Diagnose hauptsächlich über klinische Symptome, die durch Beobachtung und Gespräche mit den Kindern und ihren Eltern festgestellt werden. Dies geschieht durchschnittlich im Alter von 4,5 Jahren (in Frankreich).

Im Laufe ihrer Untersuchungen stellten die Forscher zudem fest, dass die Entwicklung des Gehirns – wie bislang angenommen – nicht mit der Geburt abgeschlossen ist. 

Sie konnten beobachten, dass sich bestimmte Furchen (in den oberflächlichsten Schichten) auch später noch weiter ausbilden.

Diese Entwicklung verläuft bei autistischen und gesunden Kindern gleich.

Quelle:

“L’autisme se cache-t-il dans un pli du cerveau ?”, Pressemitteilung des CNRS, 12.01.2016 – http://www2.cnrs.fr/presse/communique/4373.htm

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Übersetzerin: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr
Marie de Chalup
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland