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Ihr Überschuss an dem Universal-Botenstoff Kalzium- nicht gut....?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Welche Rolle spielt Kalzium bei Multipler Sklerose?

 
Bei Multipler Sklerose (MS) greift das Immunsystem körpereigenes Nervengewebe an, Nervenzellen sterben ab. 

  • Könnte ein gestörter Kalzium-Haushalt der beteiligten Zellen Ursache und Antrieb der chronischen Erkrankung sein? 

Dieser zentralen Frage geht ab sofort eine neue Forschergruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unter Federführung von Professor Dr. Ricarda Diem, Neurologische Universitätsklinik Heidelberg nach. Beteiligt sind Wissenschaftlerteams aus Heidelberg, Homburg, Hamburg-Eppendorf und Münster. In gemeinsamen interdisziplinären Projekten werden sie untersuchen, was das Kalzium-Gleichgewicht durcheinanderbringt, wie sich dadurch die Interaktion von Immun- und Nervenzellen verändert und welche Bedeutung das für den Verlauf der MS hat. Weiteres Ziel ist es, Ansatzpunkte für neue Therapien zu identifizieren, die regulierend in den Kalzium-Haushalt von Immun- oder Nervenzellen eingreifen können. Die DFG fördert die Forschergruppe „Kalzium-Homöostase bei Neuroinflammation und -degeneration“ zunächst drei Jahre lang mit insgesamt 2,7 Millionen Euro.

  • Deutschlandweit leiden rund 120.000 Menschen an MS, die häufig bereits in jungen Jahren Nervenschäden und Behinderungen verursacht. 
  • Meist ist eine Entzündung des Sehnervs mit Schädigung der Netzhaut im Auge das erste Anzeichen einer MS, wiederholte Schübe können schließlich zur Erblindung führen. 
  • Medikamente, die das Immunsystem hemmen und die Entzündungsprozesse mildern, dämpfen zwar die Krankheitsschübe, können aber weder die Erkrankung selbst, noch bereits entstandene Nervenschäden heilen. 
Es gibt bisher keine zugelassenen Wirkstoffe, die Nervenzellen schützen und ihr Absterben verhindern.

Kalzium-Überschuss macht Immunzellen aggressiv und Nervenzellen krank


Entzündungsherde bei Multipler Sklerose (so genannte MS-Läsionen): Die rot eingefärbten Nervenzellen sind von den blau eingefärbten Entzündungszellen umgeben.
Entzündungsherde bei Multipler Sklerose (so genannte MS-Läsionen): Die rot eingefärbten Nervenzellen sind von den blau eingefärbten Entzündungszellen umgeben. Dr. Richard Fairless, Neurologische Universitätsklinik Heidelberg

Bisher ist noch nicht geklärt, welcher der beiden Hauptmechanismen bei MS die treibende Kraft bei Entstehung und Verlauf der Erkrankung ist: 
  • Steht am Beginn eine Überreaktion des Immunsystems auf körpereigenes Nervengewebe, was zum Absterben der Nervenzellen führt, oder aktiviert umgekehrt der Tod von Nervenzellen erst das Immunsystem? 
Aktuelle Forschungsergebnisse liefern Indizien für ein möglicherweise beiden Mechanismen zugrunde liegendes Ausgangsproblem:

ein Überschuss an dem Universal-Botenstoff Kalzium. Er lässt Nervenzellen absterben und macht Immunzellen aggressiv gegenüber körpereigenem Gewebe. „Wenn wir diesen Störungen auf den Grund gehen, finden wir möglicherweise den Ursprung der Erkrankung“, so Professor Ricarda Diem, Oberärztin an der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg.

In neun eng miteinander vernetzten Einzelprojekten widmen sich die Neurologen, Pharmakologen und Neurobiologen der Forschergruppe den verschiedenen Zelltypen, die bei MS eine Rolle spielen, darunter Immun-, Blutgefäß- und Nervenzellen.

Sie untersuchen Kalzium-abhängige Signalwege innerhalb und zwischen den Zellen, fahnden nach möglichen Defekten bei Kalzium-Transportproteinen, prüfen, wie das Ungleichgewicht an Kalzium zustande kommt und wie die einzelnen Zellen darauf reagieren.

  • Zudem gehen sie der Frage nach, ob Kalzium die Blut-Hirn-Schranke, die normalerweise Immunzellen den Zutritt zum Gehirn verwehrt, durchlässig macht. Bei MS passieren bestimmte Immunzellen die Blut-Hirn-Schranke, dringen ins Nervengewebe vor und lösen dort die Entzündungen aus.
Neuer Ansatz in der Erforschung der Multiplen Sklerose

Kalzium ist im Körper in alle Zellfunktionen, Signalwege und Netzwerkprozesse eingebunden.
Jede Zelle verfügt daher über ein höchst komplexes Regulationssystem für diesen Universal-Botenstoff. „Die Frage ist, was dieses System bei MS entgleisen lässt? Warum bringen Störungen an einzelnen Stellen das ganze System aus dem Gleichgewicht, obwohl den Zellen viele weitere Regulationsmechanismen zur Verfügung stehen?“, so die Neurologin.

 „Störungen in der Kalzium-Regulation sind bis jetzt in der Erforschung der MS wenig beachtet worden. 

Wir gehen davon aus, ein neues Forschungsfeld auf dem Gebiet der Neurologie zu erschließen.“




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Prof. Dr. med. Ricarda Diem
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Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg. www.klinikum.uni-heidelberg.de

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http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/AG-Neuroinflammation.138086.0.html Arbeitsgruppe Neuroinflammation, Universitätsklinikum Heidelberg

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Tumore sind Wunden, die nicht heilen.....?!

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Chemotherapie: Weniger Nebenwirkungen und mehr Effizienz durch veränderte Immunzellen

Tumore können wachsen, weil sie sich der körpereigenen Immunabwehr entziehen – daher suchen Forscher nach Wegen, die Strategien der Krebszellen aufzuklären und zu überlisten. 

Eine Arbeitsgruppe an der Universität Frankfurt hat jetzt herausgefunden, wie Tumore es schaffen, Abwehrzellen des Immunsystems umzuprogrammieren und in ihre Dienste zu stellen. 

Was genau dabei vor sich geht und wie Abwehrzellen gegen diesen Einfluss des Tumors gestärkt werden könnten, soll helfen, in Zukunft die Entwicklung gefährlicher Metastasen zu verhindern. 

Die Erkenntnisse, die die Gruppe um Bernhard Brüne und Andreas Weigert jetzt schon erlangt hat, verbessern potentiell auch die Wirkung einer Chemotherapie. 

 Links: Der Tumor ist mit Lymphgefäßen durchsetzt (rot). Rechts: Der Lipid-Rezeptor auf Makrophagen ist blockiert. Es gibt nur wenige Lymphgefäße, Tumorzellen können nicht wandern.
 
Links: Der Tumor ist mit Lymphgefäßen durchsetzt (rot). Rechts: Der Lipid-Rezeptor auf Makrophagen ist blockiert. Es gibt nur wenige Lymphgefäße, Tumorzellen können nicht wandern. Prof. B. Bruene, Universität Frankfurt

  • Tumore bestehen aus entarteten, bösartigen Zellen, aber auch aus gesunden Zellen in ihrer unmittelbaren Umgebung. 
  • Hierzu zählen körpereigene Fresszellen, sogenannte Makrophagen. Sie gehören zur Immunabwehr und greifen Tumorzellen an, um sie mit Hilfe weiterer Immunzellen unschädlich zu machen. Diese natürliche Kontrolle dient dem Schutz des Körpers vor Tumorwachstum.
  • Doch Tumorzellen können dieser Kontrolle ausweichen: Sie erziehen Makrophagen durch molekulare Botschaften um, sodass diese das Tumorwachstum fördern anstatt es zu blockieren. Diese Strategie ist als Reprogrammierung oder Polarisierung von Makrophagen bekannt.
  • Dabei stellen Tumorzellen, die nach einem Angriff von Makrophagen sterben, mit ihrer Zerstörung eine fettähnliche Substanz her, das Lipid Sphingosin-1-Phosphat. 

Dieses Lipid dient als Überträger einer Programmierungsinformation und bindet an ein Zielmolekül auf den aktiven Makrophagen, wie ein Schlüssel in ein Schloss passt.

Krebszellen nutzen Tricks aus der Wundheilung

Das Andocken des Lipids löst Veränderungen in der Fresszelle aus: Die Zelloberfläche des Abwehrkörpers wird verändert, bildlich gesprochen öffnet der Schlüssel ein Haus, das anschließend umgebaut wird.

So bekommt die Fassade – die Zelloberfläche – ein anderes Aussehen, die Innenbereiche erhalten andere Funktionen. Danach verhält sich die Fresszelle völlig anders als von Natur aus vorgesehen:

Sie fördert nun das Tumorwachstum. Diese Strategie der Umerziehung ihrer natürlichen Feinde sichert der Tumorzelle das Überleben: Sie kann weiter wachsen und auch Metastasen bilden.

Wie es scheint, handelt es sich bei diesem Trick der Krebszellen um einen sehr urtümlichen Mechanismus, der in der Evolution eigentlich für die Heilung und Regeneration von verletztem Gewebe genutzt wird. Die Krebszellen missbrauchen also eine Technik, die für die Heilung von Wunden gedacht ist.

Deshalb bezeichnet man Tumore auch als Wunden, die nicht heilen.

Wie Tumorzellen im Körper wandern

Was genau zwischen Fresszellen und von sterbenden Tumorzellen produzierten Lipiden vor sich geht, haben die Frankfurter Forscher um Bernhard Brüne und Andreas Weigert jetzt aufgeklärt.

Dabei konnten sie auch zeigen, dass die Umprogrammierung von Makrophagen vor allem die Ansiedelung von Tochtertumoren an anderen Stellen im Körper ermöglicht.

  • Der Lipidrezeptor auf Makrophagen spielt hierbei eine wichtige Rolle für den Anschluss an das Blut- und Lymphsystem. 
  • Über Lymph- und Blutbahnen wandern einzelne Krebszellen in weit entfernt liegende Organe, wachsen dort an und werden zu den gefürchteten Metastasen. 
Zuvor helfen ihnen dabei die vom Ausgangstumor umprogrammierten Makrophagen. Diese schütten nach ihrer Veränderung neue Signalsubstanzen, sogenannte Zytokine, aus. So schließen sie den Primärtumor an das Lymphsystem an, so dass von dort Krebszellen in die Lymphbahnen einwandern können.

Metastasen verhindert

Die Frankfurter Forscher wollen ihre Erkenntnisse jetzt für die Entwicklung neuer Tumortherapien nutzen. Sie haben in Experimenten sowohl auf Zellen im Labor als auch bei Mäusen den Lipid-Rezeptor auf der Oberfläche von Makrophagen blockiert. Wie sich zeigte, konnte der Tumor danach nicht an das Lymphsystem angeschlossen werden. Das verhinderte die Verteilung von Tumorzellen im Körper und deren Ansiedelung in der Lunge.

Auch Chemotherapie-Studien bei Mäusen, die Krebsgeschwüre hatten, wurden bereits durchgeführt. Diesen Mäusen fehlte der Lipidrezeptor auf Makrophagen. Die Wissenschaftler fanden dabei heraus, dass der Lipidrezeptor grundsätzlich nötig ist, damit die Fresszellen überhaupt ihrer ursprünglichen Aufgabe nachkommen und gegen Tumorzellen vorgehen.

Schneller Nutzen für die Patienten

Weitere Experimente sollen nun zeigen, wie sich Makrophagen bei Chemotherapie verhalten. Eine Chemotherapie hat nach wie vor starke Nebenwirkungen und belastet die Patienten sehr. Daher ist es wichtig, ihre Wirksamkeit zu verbessern und die Behandlungsdauer zu verkürzen. 

Das könnte mit Hilfe von Fresszellen gelingen, die durch Chemotherapie so aktiviert werden, dass sie den Kampf gegen Tumore wieder aufnehmen.

Ein anderer Weg wäre die Veränderung der Rezeptoren bei Fresszellen, die bereits neu programmiert wurden. „Wir wollen im nächsten Schritt auch versuchen, die Lipid-Rezeptoren auf Makrophagen so zu verändern, dass die Botschaften der Krebszellen gar nicht erst ankommen“, so Bernhard Brüne. „Das würde die Chemotherapie effizienter machen“. „Auf jeden Fall sind wir sicher, setzt der Leiter der Arbeitsgruppe fort, „dass die Rolle von Makrophagen in der Umgebung von Tumorzellen für das Verständnis von Tumorbildung und –wachstum große Bedeutung für zukünftige Therapieentwicklungen hat.“

Das Frankfurter Team bemüht sich jetzt darum, seine Forschungsergebnisse schnell für die konkrete Behandlung von Patienten nutzbar zu machen. Dies könnte in Zukunft in Kombination mit Chemotherapie der Fall sein.

Die Wilhelm Sander-Stiftung hat dieses Forschungsprojekt mit rund 187.000 Euro unterstützt. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 220 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Damit ist die Wilhelm Sander-Stiftung eine der bedeutendsten privaten Forschungsstiftungen im deutschen Raum. Sie ging aus dem Nachlass des gleichnamigen bayerischen bayerischen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Originaltitel des Forschungsprojekts: 

Die Hemmung oder Elimination des Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptors 1 auf Tumor-assoziierten Makrophagen verbessert die Tumortherapie bei Einsatz von Chemotherapeutika. 


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Prof. Dr. Bernhard Brüne und PD Dr. Andreas Weigert
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360° TOP-Hinweis: Bundesweite Einladung für "Beratung für gesundes Altern" (BegA)

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Gesundheit im Alter ist machbar

Innovatives und bundesweit einmaliges FAU-Beratungskonzept für gesundes Altern startet im Januar 
 
Die wenigsten Senioren fühlen sich alt. Und doch stellen sich häufig gewisse Unsicherheiten ein.

Damit Menschen auch im Alter möglichst lange gesund bleiben, startet das Institut für Psychogerontologie (IPG) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ein neuartiges Modell für individuelle Beratung verbunden mit wissenschaftlicher Forschung.

Das Angebot zur „Beratung für gesundes Altern" (BegA) richtet sich an Menschen in der zweiten Lebenshälfte und deren Angehörige. Das Projekt wird für fünf Jahre von der Theo und Friedl Schöller-Stiftung gefördert.

Ein 70-Jähriger überquert die Straße und plötzlich, wie aus dem Nichts, ertönt die Hupe eines Autos. Herangekommen ist es bis auf einen knappen Meter. Alles noch mal gut gegangen. Das Auto hat der Senior vorher nicht gesehen.

  • Es sind solche und ähnliche kleine Missgeschicke, die ältere Menschen nicht einordnen können und sie zu dem Schluss kommen lassen: Etwas stimmt nicht mit mir. Was bleibt, sind mulmige Gefühle oder diffuse Ängste.
Stellen Senioren Anzeichen des Alterns fest, sind die Sorgen oft groß. 

Doch meist wollen sich die Betroffenen mit ihren Fragen nicht sofort an eine klinische, neurologische oder psychiatrische Einrichtung wenden. Sie befürchten, dass Untersuchungsergebnisse über funktionelle Einbußen an die Behörden wie zum Beispiel die Führerscheinstelle oder auch an andere Stellen weitergeleitet werden und ihnen dadurch Nachteile entstehen.

Hoher Beratungsbedarf

Zwar können mit dem Alternsprozess viele Veränderungen einhergehen, die subjektive oder objektive Einbußen der kognitiven oder körperlichen Funktionstüchtigkeit mit sich bringen. 

Doch Prof. Dr. Frieder R. Lang, Leiter des FAU-Instituts für Psychogerontologie (IPG) sagt: „Viele Einbußen, die ältere Menschen erleben, bedürfen meist keiner besonderen medizinischen Behandlung. Aber dennoch stellen sich viele Fragen und der Beratungsbedarf ist oft hoch.“

Deshalb beginnt das IPG im Januar 2016 ein bundesweit einmaliges, innovatives Beratungsmodell. 

Gefördert wird dessen Aufbau von der Nürnberger Theo und Friedl Schöller-Stiftung über den Zeitraum von fünf Jahren. 

Das neuartige, an die Universität angekoppelte und explizit nicht-klinische Konzept „Beratung für gesundes Altern" (BegA) ist ein umfassendes, vorsorge-orientiertes Angebot, das sich speziell an ältere Menschen in der zweiten Lebenshälfte, aber auch Angehörige richtet. 

Es unterstützt die Betroffenen, sich in der eigenen Lebensplanung auf allfällige Einbußen des Alterns einstellen zu können. Getragen und umgesetzt wird BegA von einem von Prof. Dr. Frieder R. Lang und seinem Mitarbeiter Dr. Roland Rupprecht geleiteten interdisziplinären Team, in dem unter anderem Gerontologen, Psychologen, Ärzte, Sozialpädagogen und Ergotherapeuten zusammenarbeiten.

Die Experten beraten etwa hinsichtlich zentraler Themen des Alternsprozesses: Was kann man tun, um fit zu bleiben? Wie ernährt man sich ab 50plus gesund? Wie lässt sich die Selbständigkeit erhalten? Dr. Roland Rupprecht sagt: „Um viele Menschen zu erreichen, ist unser Angebot bewusst niederschwellig und leicht zugänglich gehalten.“

In einem kostenlosen, unverbindlichen Erstgespräch werden zunächst die aktuellen Fragen und Probleme der Betroffenen besprochen. 

Dabei wird geklärt, ob eine weitergehende, auf die individuelle Problemlage der Betroffenen angepasste und wissenschaftlich fundierte Diagnostik sowie weitere Beratungsleistungen zu empfehlen sind. Außerdem besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an Präventionskursen und jährlichen Kontrolluntersuchungen. Hinzu kommt eine streng vertrauliche Vorgehensweise, bei der die Betroffenen über die Verwendung Ihrer Angaben selbst bestimmen.

Wissenschaftliche Fragestellungen

Aus den anonymisierten Daten, die im Rahmen der BegA-Angebote erhoben werden, wollen die Forscher sich vielfältige wissenschaftliche Fragen beantworten: Inwiefern sich die Teilnahme an Präventionsangeboten auf die Betroffenen auswirkt und wie sich der langfristige Verlauf der kognitiven Leistungsfähigkeit bei Personen darstellt, die sich wegen subjektiv empfundener Gedächtnisbeeinträchtigungen bei BegA melden. Oder wie Senioren damit zurechtkommen, wenn sie freiwillig nicht mehr Auto fahren.

Über das Institut für Psychogerontologie

Das Institut für Psychogerontologie (IPG) ist ein bayernweit einzigartiges Institut, das neben seiner Expertise in der Forschung und Lehre zu Fragen des Alterns über langjährige Erfahrung in der Diagnostik und Therapie von Gedächtnisproblemen sowie der Beratung zu alternsgerechten technischen Lösungen und Wohnumwelten verfügt. 


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Prof. Dr. Frieder R. Lang
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Dr. Susanne Langer Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Medizin am Abend Berlin Neujahr Ansprache zu 2016: „Frauen ticken anders – Männer erst recht!“

Medizin am Abend Berlin Fazit:  „Frauen ticken anders – Männer erst recht!“

 

 Medizin am Abend Berlin zum Jahreswechsel: Weisst Du was Du für mich bist?

 
Frauen sterben im Durchschnitt sechs Jahre später als Männer – mit 84 Jahren. 

Medizin am Abend Berlin zum Neuen Jahr 2016: My Butterfly  


Was bedeutet dieser Unterschied für die moderne Medizin? Brauchen wir eine eigene „Gendermedizin“ oder geht sie in der sogenannten personalisierten Medizin auf, die das Ansprechen des einzelnen Patienten auf die Therapie im Blick hat? Eine Veranstaltung der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Nürnberg und des Klinikums Nürnberg  versuchte eine Standortbestimmung. 
 
Ein Fazit der Veranstaltung:

Für häufige Erkrankungen wie die Koronare Herzkrankheit und Tumorerkrankungen gibt es Unterschiede bei der Erkrankungshäufigkeit und dem Erfolg von Diagnostik und Therapien bei Männern und Frauen.

Eine geschlechtsspezifische Behandlung ist deshalb notwendig.

  • Männer und Frauen unterscheiden sich nicht nur in der unterschiedlichen körperlichen und genetischen Konstitution, sondern auch in ihrem Lebensstil und dem Umgang mit ihrer Erkrankung.

Frauen wollen reden, Männer wollen handeln

Krebserkrankungen werden oft unterschiedlich bewältigt: Während Frauen häufiger (rund 30 Prozent) mit schweren Ängsten, Depression und chronischer Müdigkeit reagieren, steht für Männer der Wunsch nach Autonomie und Kontrolle im Vordergrund. Es gilt das Muster: Frauen wollen reden, Männer wollen handeln.
„Die Unterschiede bei dem Umgang mit Krebserkrankungen sind eindeutig. Männer wollen weniger sprechen und sind vor allem um ihre Autonomie und Erwerbsfähigkeit besorgt, während Frauen ein großes Bedürfnis haben, einen Gesprächspartner für ihre Ängste und Nöte zu haben“, erklärte Professor Dr. Wolfgang Söllner, Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg. „Diese Bedürfnisse werden in dem medizinischen Behandlungsangebot, etwa bei der Aufklärung über belastende Behandlungen, und bei der psychoonkologischen Beratung berücksichtigt.“

Männer leben ungesünder und haben häufiger Herzinfarkte

Bekannt ist auch der Geschlechterunterschied beim Herzinfarkt: Während in Europa jedes Jahr rund 250.000 Männer daran sterben, sind es nur 77.000 Frauen vor dem 65. Lebensjahr. Wie ist der große Unterschied zu erklären? „Frauen sind vor den Wechseljahren durch Hormone geschützt. Die koronare Herzerkrankung nimmt bei ihnen erst etwa ab dem 55. Lebensjahr zu“, erklärt Professor Dr. Roland Veelken, Leitender Oberarzt der Klinik für Innere Medizin 4, Klinikum Nürnberg. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass es zudem die Unterschiede bei den Risikofaktoren in jüngeren Jahren sind, die die Erkrankungshäufigkeit beeinflussen. „Jüngere Männer haben häufiger einen hohen Blutdruck und schlechtere Blutfettwerte als Frauen“, sagt Professor Veelken. Der Grundstein für die längere Lebenserwartung von Frauen wird also bereits in jungen Jahren gelegt.

„Nur bei einem weiteren wichtigen Risikofaktor, dem Rauchen, sind junge Frauen heute aktiver als junge Männer.“

Frauen greifen häufiger zu Schlafmitteln und Stimmungsaufhellern

Ein wichtiger Faktor ist auch die Therapietreue von Patienten. Werden Medikamente nicht genommen und Untersuchungen versäumt, so kann dies schwere Folgen haben. „Es gibt Unterschiede im Einnahmeverhalten von Medikamenten zwischen Männern und Frauen“, berichtet Dr. Annette Sattler, Leiterin der Apotheke am Klinikum Nürnberg. So wurde im Klinikum Nürnberg untersucht, welche Medikamente Patienten, die wegen eines Notfalls in die Klinik aufgenommen werden mussten, mitgebracht hatten. „Frauen nehmen prinzipiell mehr Medikamente ein, die sie sich selbst in der Apotheke besorgen“, so Dr. Sattler. „Und sie bekommen häufiger Antidepressiva verordnet (in der eigenen Erhebung: 20 Prozent, Männer rund 12 Prozent) und Schlafmitteln (10 Prozent, Männer rund 7 Prozent), die ein Abhängigkeitspotential bergen.“

Zukunftsperspektive ist die „personalisierte“ individuelle Medizin

Die Arzneimitteltherapie ist darüber hinaus ein Bereich, in dem die Gendermedizin längst Einzug gehalten. 

  • Der unterschiedlichen Aufnahme und den Verstoffwechslung von Arzneimitteln, den Interaktionen mit Hormonen bei Frauen und Männern muss Rechnung getragen werden. 

„Entscheidend ist aber nicht nur die Geschlechtszugehörigkeit, sondern die individuelle Betrachtung des Patienten und seiner jeweiligen körperlichen und genetischen Konstitution“, so Dr. Sattler.

  • Insbesondere in der Krebsmedizin ist man bereits zum Teil mit Erfolg dazu übergegangen, das Ansprechen des einzelnen Patienten auf ein Arzneimittel zu testen („personalisierte Medizin“).

Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Nürnberg wurde 2014 gegründet und ist zweiter Standort der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg. Sie arbeitet dabei mit dem Klinikum Nürnberg zusammen. In Nürnberg werden jährlich 50 Medizinstudierende ausgebildet. Das Curriculum orientiert sich eng an der Ausbildung der amerikanischen Mayo-Medical School. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität kooperiert zudem mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland.

Das Klinikum Nürnberg ist eines der größten kommunalen Krankenhäuser in Deutschland und bietet das gesamte Leistungsspektrum der Maximalversorgung an. Mit rund 2.370 Betten an zwei Standorten (Klinikum Nord und Klinikum Süd) und 6.200 Beschäftigten versorgt es 100.000 stationäre und knapp 100.000 ambulante Patienten im Jahr. Zum Klinikverbund gehören drei weitere Krankenhäuser des Landkreises Nürnberger Land.

Literatur:
Söllner W., Gender-Aspekte in der Onkologie: Wie erleben und bewältigen Männer eine Krebserkrankung? JATROS, Hämatologie & Onkologie 2 / 2011

Fritz J. et al.: Mediation analysis of the relationship between sex, cardiovascular risk factors and mortality from coronary heart disease: Findings from the population-based VHM&PP cohort, Atherosclerosis 243 (2015) 86 – 92

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Prof. Dr. Wolfgang Söllner, Chefarzt Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Tel: 0911-398-2839
E-Mail: ingrid.boening@klinikum-nuernberg.de

Prof. Dr. Roland Veelken, Leitender Oberarzt
Medizinische Klinik 4, Klinikum Nürnberg, Schwerpunkt Hypertensiologie
Tel: 0911-398-2702
E-Mail: roland.veelken@klinikum-nuernberg.de

Dr. Annette Sattler
Leitende Apothekerin, Klinikum Nürnberg
Tel: 0911-398-2550
E-Mail: Annette.Sattler@klinikum-nuernberg.de
Dr. Annette Tuffs Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Standort Nürnberg

Großflächige Brandwunden: Qualifizierten Beurteilung der Tiefe von Brandwunden

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Brandwunden präzise und berührungslos vermessen

Interdisziplinäres Forschungsprojekt erprobt neues Diagnostikverfahren 
 
Großflächige Brandwunden zählen zu den schlimmsten Unfallverletzungen, ihre medizinische Behandlung und Beurteilung ist äußerst komplex. Forscher der Universität Erlangen, Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik (LHFT) und der Universitätsklinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte des Bergmannsheil erproben jetzt neue Ansätze, um ein leistungsfähiges Diagnoseverfahren zur qualifizierten Beurteilung der Tiefe von Brandwunden zu entwickeln. In diesem Kontext soll erstmals das Konzept einer berührungslosen, mikrowellenbasierten Nahfeldbildgebung erforscht werden. Für ihr Projekt erhalten die Wissenschaftler in Erlangen und Bochum jetzt eine Förderung der Deutschen Forschungsgmeinschaft (DFG) in Höhe von rund 288.000 Euro.

Derzeitige Diagnosesysteme oft nicht ausreichend

„Derzeit gibt es keine technischen Systeme zur diagnostischen Abbildung von Brandwunden, die sich im klinischen Alltag nachhaltig bewährt haben“, sagt Priv.-Doz. Dr. Ole Goertz, Oberarzt der Universitätsklinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte des Bergmannsheil, der gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. Martin Vossiek, Leiter des Lehrstuhls für Hochfrequenztechnik der Universität Erlangen, das Forschungsprojekt verantwortet.  

Zu den bisher verfügbaren Ansätzen zur Diagnose von Brandwunden gehören das Laser-Doppler-Imaging (LDI) sowie die optische Kohärenztomographie (OCT).

Darüber hinaus wurden bereits Abbildungstechniken vorgestellt, die im Terahertz-Bereich (THz) des elektromagnetischen Wellenspektrums arbeiten: Sie sind für die Forschung besonders interessant, weil sie auch Verbandsmaterial durchdringen können. Bei den bisher verfügbaren THz-Systemen handelt es sich allerdings um relativ einfache, inkohärent arbeitende Scan-Systeme mit stark fokussierenden Antennen oder taktilen Sonden.

Wie bei LDI und OCT muss auch bei diesem Verfahren die Hautoberfläche des Patienten Punkt für Punkt und in einem langwierigen Prozess abgetastet werden.

Hochauflösende dreidimensionale Bildrekonstruktionen


Um das volle Potential von THz-Abbildungsverfahren zur Diagnose von Brandwunden systematisch zu untersuchen, sollen in diesem Vorhaben erstmals berührungslose, voll kohärente, rekonstruktive THz-Abbildungsverfahren zur Brandwundendiagnostik erforscht werden. Hierzu sollen zwei alternative Ansätze vergleichend untersucht werden:

einerseits eine tomographische Radarbildgebung mit einer Multiple-Input-Multiple-Output (MIMO) basierten Datenerfassung und andererseits eine berührungslos arbeitende Sondenanordnung zur Auswertung des evaneszenten Nahfeldes.

Neben optimierten THz-Sensorsystemkonzepten sollen Rekonstruktionsverfahren erforscht werden, die eine hochaufgelöste dreidimensionale Abbildung von Brandwunden liefern.

Diese soll insbesondere verbesserte diagnostische Aussagen hinsichtlich der Tiefe der Verbrennung und der Blutversorgung (Perfusion) des Wundbereichs erlauben. 

„Wir erhoffen uns durch dieses interdisziplinäre Gemeinschaftsprojekt einen neuen Weg zu finden, der zukünftig eine leistungsfähigere und kliniktaugliche Brandwunden-Diagnostik ermöglichen könnte“, so Dr. Goertz.




Bild: Priv.-Doz. Dr. Ole Goertz (links) mit seinen Mitarbeitern Maria Voigt und Leon von der Lohe
Bild: Priv.-Doz. Dr. Ole Goertz (links) mit seinen Mitarbeitern Maria Voigt und Leon von der Lohe
Bildnachweis: V. Daum/Bergmannsheil


Über das Bergmannsheil

Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil repräsentiert den Strukturwandel im Ruhrgebiet wie kein anderes Krankenhaus: 1890 als erste Unfallklinik der Welt zur Versorgung von verunglückten Bergleuten gegründet, zählt es heute zu den modernsten und leistungsfähigsten Akutkliniken der Maximalversorgung und gehört zum Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum (UK RUB). In 23 Kliniken und Fachabteilungen mit insgesamt 652 Betten werden jährlich rund 21.000 Patienten stationär und 65.000 Patienten ambulant behandelt.

Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil gehört zur Unternehmensgruppe der BG Kliniken. In ihr sind neun berufsgenossenschaftliche Akutkliniken, zwei Kliniken für Berufskrankheiten und zwei Unfallbehandlungsstellen verbunden. Mit 12.000 Mitarbeitern und jährlich über 500.000 Patienten ist die Gruppe einer der größten Klinikverbünde Deutschlands. Weitere Informationen: www.bergmannsheil.de, www.bg-kliniken.de

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Priv.-Doz. Dr. Ole Goertz
Oberarzt der Universitätsklinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234/302-3814
E-Mail: ole.goertz@rub.de

Robin Jopp
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234/302-6125
E-Mail: robin.jopp@bergmannsheil.de

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.bergmannsheil.de - Website des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil

360° TOP-Hinweis: Damit Dein Fondue-Fleisch nicht krank macht

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Schutz vor lebensmittelbedingten Infektionen mit Campylobacter-Bakterien  

Fleisch-Fondue oder Pfännchen-Essen mit gleichzeitiger Zubereitung von rohem Fleisch, frischem Gemüse und verschiedenen Saucen sind in der kalten Jahreszeit beliebt.

Dabei können aber im rohen Fleisch vorhandene Krankheitserreger auf verzehrfertige Lebensmittel übergehen, wenn sie auf demselben Teller liegen oder mit demselben Besteck in Kontakt kommen.

Am Essenstisch und bei der Zubereitung in der Küche sollte beim Umgang mit rohen Lebensmitteln vom Tier auf eine gute Küchenhygiene geachtet werden.

Dazu hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einem aktualisierten Merkblatt zum Schutz vor lebensmittelbedingten Infektionen mit Campylobacter und anderen Lebensmittelkeimen Verbrauchertipps veröffentlicht.

Damit weist das BfR zum Schutz vor Infektionen nochmals auf die Notwendigkeit der Lebensmittelhygiene hin: 
  • „Durch konsequentes Trennen von rohem Fleisch, vor allem von Geflügel, und Lebensmitteln, die ohne weiteres Erhitzen verzehrt werden, lassen sich Campylobacter-Infektionen vermeiden“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR. 
„Zur guten Küchenhygiene gehört außerdem konsequentes Reinigen von Händen, Küchenutensilien und Zubereitungsflächen nach Kontakt mit rohen Lebensmitteln vom Tier und vor der Zubereitung weiterer Bestandteile einer Mahlzeit.“ 
  • Eine Infektion mit Campylobacter-Keimen ist die häufigste gemeldete lebensmittelbedingte bakterielle Erkrankung in Deutschland und in der EU. In Deutschland wurden im Jahr 2014 mehr als 70.000 Fälle registriert. Besonders häufig infizieren sich kleine Kinder und junge Erwachsene. Die Folge sind Durchfallerkrankungen, in Einzelfällen aber auch schwerwiegende Nervenerkrankungen oder Gelenkentzündungen.
Auch die europäischen Behörden richten ihr besonderes Augenmerk auf die Häufigkeit von Campylobacter-Erkrankungen des Menschen, beispielsweise in dem jüngst veröffentlichten Bericht zur Zoonosensituation in der EU im Jahr 2014.

Die Campylobacteriose ist seit Jahren europa- und deutschlandweit die am häufigsten gemeldete bakterielle lebensmittelbedingte Erkrankung. Für das Jahr 2014 verzeichnen sowohl das Robert Koch-Institut als auch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) einen Anstieg um 11,5 % bzw. 

9,6 % der gemeldeten Fälle gegenüber dem Vorjahr.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) berichtet von einer EU-weiten Zunahme der Campylobacter-Nachweise in Masthähnchen-Herden im Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr, die Nachweisrate in Hähnchenfleischproben sei jedoch gegenüber dem Vorjahr gleich geblieben.

In Deutschland allerdings sind 2014 gegenüber 2013 sowohl die Nachweisrate der Campylobacter-positiven Proben in Masthähnchen-Herden als auch die Nachweisrate von positiven Hähnchenfleischproben deutlich angestiegen.

Campylobacter-Bakterien kommen weltweit bei Haus- und Nutztieren sowie in der Umwelt vor.

Sie gelangen oft bereits beim Melken oder Schlachten auf die Lebensmittel. Besonders häufig wird Campylobacter in rohem Geflügelfleisch nachgewiesen. Aber auch andere rohe oder unzureichend erhitzte Lebensmittel vom Tier können den Erreger enthalten, z. B. Hühnereier, Rohmilch und Rohfleischerzeugnisse wie Hackepeter (Mett).

Durch mangelnde Küchenhygiene können die Bakterien bei der Zubereitung auch auf andere Lebensmittel gelangen und ggf. nach Verzehr dieser zu einer Erkrankung führen. Schon sehr geringe Mengen an Campylobacter-Keimen können beim Menschen Darminfektionen verursachen, die typischerweise mit Bauchschmerzen und Durchfall einhergehen. Als seltene Komplikationen können auch Nervenerkrankungen (Guillain-Barré-Syndrom) und Gelenkentzündungen auftreten.

Um dem Verzehr von mit Campylobacter kontaminierten Lebensmitteln vorzubeugen, sollte in der Küche darauf geachtet werden, dass es zu keiner Verschleppung von Keimen, also einer Kreuzkontamination kommt.

Als Kreuzkontamination wird die Keimübertragung von einem meist rohen Lebensmittel auf ein anderes Lebensmittel bezeichnet. Die Bakterien können direkt von einem Lebensmittel auf das andere übergehen, wenn diese unverpackt in Kontakt kommen. Möglich ist aber auch die indirekte Übertragung über Hände, Geräte, Arbeitsflächen, Messer oder andere Küchenutensilien.

Beispielsweise können Bakterien von ungegartem Fondue-Fleisch auf fertigen Salat übertragen werden, wenn das Besteck nicht gewechselt wird.
  • Da Campylobacter-Keime nicht zum Verderb der Lebensmittel führen, lässt sich ihr Vorkommen weder am Aussehen noch am Geruch einer Speise erkennen. 
  • Wie die meisten Lebensmittelinfektionserreger lässt sich Campylobacter durch Erhitzen abtöten, also durch Kochen, Braten oder Pasteurisieren. Voraussetzung ist, dass für mindestens zwei Minuten eine Temperatur von 70 °C im Kern des Lebensmittels erreicht wurde. 
  • Das Tiefgefrieren von Lebensmitteln kann Campylobacter hingegen nicht vollständig abtöten, sondern nur die Anzahl der Keime reduzieren.

Das Merkblatt „Schutz vor lebensmittelbedingten Infektionen mit Campylobacter“ steht auf der Internetseite des BfR zur Verfügung und kann zudem auch kostenfrei bestellt werden:

http://www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps-schutz-vor-lebensmittelbedingten-...

Das BfR hat zum Thema Küchenhygiene zudem den Videoclip „Was tun mit dem Huhn?“ veröffentlicht:

 

Bericht der EFSA und ECDC: http://www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/pub/4329

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

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360°TOP-Thema: Gewinnen? Vermeiden? Verlieren? Was ist Ihre 2016 Ausrichtung?

Medizin am Abend Fazit:  Fußball: Drei-Punkte-Regel animiert nicht zu Sturmläufen - weltweit detaillierteste Studie

Nicht unbedingt der Gewinn zählt für Fußballteams so sehr, dass sie bis zum Schluss aufs gegnerische Tor stürmen, sondern das deutlich defensivere "Hinten reinstellen" ist wichtiger, um eine Niederlage zu vermeiden. Das belegt eine Studie, in der Wissenschaftler der Universität Münster die 1995/96 weltweit eingeführte so genannte Drei-Punkte-Regel mit der früheren Zwei-Punkte- Regel verglichen. Fazit: Die Zahl der Unentschieden nahm nicht in dem Maße ab, wie es sich die FIFA erhofft hatte. 
 
Der Sieg ist für Fußballteams offenbar nicht so wichtig, dass sie bis zum Schluss aufs gegnerische Tor stürmen.

  • Für sie steht vielmehr im Vordergrund, eine Niederlage zu vermeiden - enstprechend defensiv sind sie oft ausgerichtet. 

Das belegt eine aktuelle Studie, in der Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) die in der Saison 1995/96 weltweit eingeführte so genannte Drei-Punkte-Regel in 24 Ländern mit der früheren Zwei-Punkte-Regel verglichen haben. Fazit: Die Zahl der Unentschieden nahm nicht in dem Maße ab, wie es sich der Fußball-Weltverband FIFA erhofft hat.

Die Wissenschaftler veröffentlichten die Studie mit dem Titel "Why the Three-Point Rule Failed to Sufficiently Reduce the Number of Draws in Soccer" jetzt im nordamerikanischen Fachmagazin "Journal of Sport and Exercise Psychology".

"Der erhoffte Anreiz mit der Einführung der Drei-Punkte-Regel ist deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, die aus statistischer Sicht abgeleitet werden können", betont Dennis Riedl. Der Doktorand des Sportpsychologen Prof. Dr. Bernd Strauß verfasste die Arbeit gemeinsam mit dem derzeitigen Dekan des Fachbereichs Chemie und Pharmazie, Prof. Dr. Andreas Heuer, einem passionierten Fußball-Statistiker.

Die FIFA wollte mit der Vergabe von drei statt zwei Punkten für einen Sieg (ein Punkt wie bisher für ein Remis) eine offensivere Spielweise hervorrufen und die in den 1990er Jahren gestiegene Zahl an Unentschieden verringern. 

Nach Auswertung der Daten stellten die Wissenschaftler allerdings fest, dass sich die Zahl der Remis nicht wie erwartet verringert hat. "Das Vermeiden einer Niederlage hat immer noch höhere Priorität als der Wunsch
 zu gewinnen", urteilt Bernd Strauß.

Die drei WWU-Forscher beziehen sich mit ihren Schlussfolgerungen besonders auf die sogenannte "Prospect-Theorie", eine psychologische Theorie, für die Daniel Kahneman vor einigen Jahren den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten hat.

  • Kahnemann stellte fest, dass für viele Menschen nicht das Gewinnen, sondern das Vermeiden von Verlusten die entscheidende Motivation darstellt.

Dank der Analyse konnten die WWU-Forscher ableiten, dass ein "4-1-0-Punktesystem" (vier Punkte für einen Sieg, ein Punkt für ein Remis, kein Punkt bei einer Niederlage) notwendig wäre, damit Gewinnen attraktiver als das Nicht-Verlieren wird. "Erst damit würden psychologische Anreize zu einer übermäßigen Spielsicherung abgebaut", meint Bernd Strauß.

In der jüngsten Studie analysierten die Wissenschaftler die Ergebnisse von Erstligaspielen aus 24 Ländern über jeweils 20 Saisons (zehn Jahre vor und zehn Jahre nach Einführung der 3-Punkte-Regel) – insgesamt sammelten sie die Daten aus 118.148 Spielen. Die drei Wissenschaftler stellten fest, dass die Unentschieden nach wie vor deutlich häufiger vorkommen als statistisch erwartet. Zwar war der Anteil der Unentschieden in Zeiten der 2-Punkte-Regel (29,7%) höher als in Zeiten der 3-Punkte-Regel (17,6%). Insofern habe die Einführung der 3-Punkte-Regel zwar weltweit – allerdings nicht in der deutschen Liga – zu einer gewissen Reduktion der Unentschieden geführt. "Dies reicht aber nicht aus, damit in der letzten Spielphase die Offensivbemühungen der Teams nicht nachlassen, wenn es Unentschieden steht", betont Andreas Heuer.

Die Forscher untersuchten zudem früher nur kurzzeitig eingesetzte Varianten auf ihrer Wirksamkeit. Am besten funktionierte ein sehr eigenwilliges System, das in der bulgarischen Liga von 1984 bis 1987 versuchsweise galt.  

Dort gab es zwar auch die 2-1-0 Regel, aber mit der entscheidenden Ausnahme, wonach bei einem 0:0 kein Team einen Punkt erhielt. Die Folge: Es gab deutlich weniger 0:0-Spiele, und es fielen erheblich mehr Tore. Man führte dies damals allerdings nicht weiter, "wahrscheinlich, weil es ein zu unübersichtliches System war", meint Dennis Riedl.

Originalquelle:
Riedl, D., Heuer, A. & Strauss, B. (2015). Why the Three-Point Rule Failed to Sufficiently Reduce the Number of Draws in Soccer: An Application of Prospect Theory. Journal of Sport and Exercise Psychology, 37, 316-326.

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Gesundheitsvorsorge 2016: Identitätsklau: 2015 - macht der Gesundheit große Probleme

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Identitätsklau: 2015 analysierte Hasso-Plattner-Institut 35 Millionen im Internet kursierende Daten

Sicherheitsforscher des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) haben in diesem Jahr in speziellen Internetforen fast 35 Millionen geraubte Identitätsdaten aufgespürt. Diese kamen aus 15 Quellen. Cyberkriminelle hatten die von ihnen gestohlenen Identitäten veröffentlicht und so für mögliche weitere illegale Handlungen zugänglich gemacht. Wie HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel mitteilte, kann jedermann mit dem „Identity Leak Checker“ des Instituts überprüfen, ob seine persönlichen Identitätsdaten betroffen sind. 
 
  • Wer auf Medizin am Abend Berlin: Hier gehts zum Prüflink seine E-Mailadresse eingibt, erfährt nach einem Abgleich sofort, ob diese in Verbindung mit anderen persönlichen Daten (z.B. Passwörtern oder Kontonummern) offengelegt wurde und so missbraucht werden könnte.




Mit dem HPI Identity Leak Checker kann jeder prüfen, ob eigene Identitätsdaten geraubt und im Netz v ...
HPI

„Wir können solche Abgleiche mittlerweile mit mehr als 215 Millionen erfasster Daten aus so genannten Identity Leaks durchführen“, sagte Meinel. Ende 2014 waren es noch rund 180 Millionen gewesen. Die in diesem Jahr neu erfassten Daten stammen aus 15 Quellen wie zum Beispiel Ashley Madison, Skype, Twitter und Minecraft. Aber auch durch Leaks aus weniger bekannten Quellen wie Lizard Stresser, Sprashivai oder Impact Mailorder wurden unberechtigt Identitätsinformationen zur Verfügung gestellt.

„Es gab in diesem Jahr sehr viele große Datendiebstähle, bei denen jeweils mehr als eine Million Sätze von Identitätsdaten geraubt und anschließend veröffentlicht wurden“, berichtete der Potsdamer Internetsicherheitsforscher. Vermehrt seien so genannte Dating-Portale wie Ashley Madison oder Adult Friend Finder angegriffen worden, wo die Hacker ein hohes Erpressungs-Potenzial sähen.

Insgesamt verzeichnete der kostenlose Identity Leak Checker-Dienst des Hasso-Plattner-Instituts in den vergangenen zwölf Monaten fast 100.000 Besucher.

In nahezu 13.000 Fällen mussten diese per E-Mail darüber informiert werden, dass Identitätsdaten von ihnen frei im Internet kursieren und welches Verhalten im speziellen Fall empfehlenswert ist. Seit dem Start des Dienstes im Mai 2014 nahmen bislang insgesamt rund 1,7 Millionen Besucher den HPI-Identity Leak Checker in Anspruch. 160.000 Warnmeldungen wegen unrechtmäßig veröffentlichter Identitätsdaten wurden bislang versandt.

„Selbst wenn nichts gefunden wurde, teilen wir das den Anfragern mit.

Das bietet aber keine Garantie, dass persönlichen Informationen nicht doch gestohlen wurden“, betonte Meinel.
Denn nicht alle geraubten Daten würden auch veröffentlicht. Die Daten selbst gibt das Institut aus Sicherheitsgründen nicht preis. Allerdings nennt es für jede betroffene Information die Kategorie und ein ungefähres Veröffentlichungsdatum.

Passwörter sind die meistgeraubten Identitätsdaten

In Fällen von geraubten Identitätsdaten stehen laut den Statistiken der HPI-Sicherheitsforscher Passwörter mit weitem Abstand an der Spitze der entdeckten sensiblen Informationen:

In 62 Millionen von 233 Millionen Fällen liegen sie sogar im Klartext vor. Nach Häufigkeit sortiert folgen dann Vor- und Zunamen (37 Mio.), Telefonnummern (32 Mio.) und – mit weitem Abstand - Kreditkartendaten (10.200).

Wie die Potsdamer Sicherheitsforscher anhand der gesammelten Daten analysierten, stehen bei den Internetnutzern in aller Welt immer noch Zahlenreihen oder Zeichenfolgen auf der Tastatur (z.B. qwerty) an der Spitze der Beliebtheitsskala bei Passwörtern. Gern würden auch Vornamen oder andere Begriffe aus dem Wörterbuch verwendet, etwa das Wort „password“. „Unangefochten weltweit auf Platz 1 liegt leider nach wie vor die Zahlenreihe 123456, obwohl automatische Cracker solche simplen Passwörter als erstes und blitzschnell ermitteln“, sagte Meinel.

Kurzprofil Hasso-Plattner-Institut

Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH (https://hpi.de) in Potsdam ist Deutschlands universitäres Exzellenz-Zentrum für IT-Systems Engineering. Als einziges Universitäts-Institut in Deutschland bietet es den Bachelor- und Master-Studiengang „IT-Systems Engineering“ an – ein besonders praxisnahes und ingenieurwissenschaftliches Informatik-Studium, das von derzeit 480 Studenten genutzt wird. Die HPI School of Design Thinking, Europas erste Innovationsschule für Studenten nach dem Vorbild der Stanforder d.school, bietet 240 Plätze für ein Zusatzstudium an. Insgesamt zwölf HPI-Professoren und über 50 weitere Gastprofessoren, Lehrbeauftragte und Dozenten sind am Institut tätig. Es betreibt exzellente universitäre Forschung – in seinen elf Fachgebieten des IT-Systems Engineering, aber auch in der HPI Research School für Doktoranden mit ihren Forschungsaußenstellen in Kapstadt, Haifa und Nanjing. Schwerpunkt der HPI-Lehre und -Forschung sind die Grundlagen und Anwendungen großer, hoch komplexer und vernetzter IT-Systeme. Hinzu kommt das Entwickeln und Erforschen nutzerorientierter Innovationen für alle Lebensbereiche. Das HPI kommt bei den CHE-Hochschulrankings stets auf Spitzenplätze. Mit openHPI.de bietet das Institut seit September 2012 ein interaktives Internet-Bildungsnetzwerk an, das jedem offen steht.


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Zum Jahreswechsel 2016: Pflegende Angehörige sind keine Co-Patienten

Medizin am Abend Berlin Fazit: Pflegende Angehörige brauchen einen Coach

Pflegende Angehörige sollten als kompetente Partner anerkannt und in ihren Kompetenzen unterstützt werden, zum Beispiel durch eine Anlaufstelle, die auch in der Nacht und am Wochenende verfügbar ist. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). 
 
Bei der Betreuung von schwer kranken Menschen zu Hause tragen pflegende Angehörige die Hauptlast.

Medizin am Abend Berlin Zusatzfach-Link: Unabhängige Patientenberatung 

  • Um diese schwierige Aufgabe erfolgreich zu meistern, sollten sie frühzeitiger und systematischer unterstützt werden, zum Beispiel im psychosozialen Bereich und durch einen besseren Zugang zu Entlastungangeboten. 
Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die die Ressourcen und Bewältigungsstrategien pflegender Angehöriger untersucht hat.

Erfolgreiche Bewältigungsstrategien entwickeln

Wie belastend pflegende Angehörige ihre Situation erleben, hängt nicht nur von direkt erhaltener Unterstützung wie Hilfe in der Pflege ab, sondern auch von ihren Strategien und Ressourcen.

  • Mit Ressourcen sind nicht allein finanzielle Möglichkeiten, sondern auch Merkmale der Person wie zum Beispiel Motivation, ihr soziales Netz, ihre Fähigkeiten sowie die Persönlichkeit gemeint. 

Das sozialwissenschaftliche Forschungsteam von Beat Sottas aus Freiburg i. Ue. hat im Rahmen des Nationalen Forschungsprogrammes „Lebensende“ (NFP 67) die Perspektive der pflegenden Angehörigen untersucht. Dazu wurden 25 Personen aus den Kantonen Freiburg und Wallis interviewt, die sich aufgrund eines Zeitungsartikels gemeldet haben.

Befragt wurden 20 Frauen, die ihre schwerkranken Ehemänner, Mütter, Väter oder Geschwister pflegten, und 5 Männer, die sich um ihre Ehefrau kümmerten. Die Forschenden wollten wissen, was die pflegenden Angehörigen als besonders belastend erleben und welche Strategien sie entwickeln, um die oft lang andauernde Situation zu bewältigen.

  • Die Studie zeigt, dass pflegende Angehörige häufig über zunehmende Müdigkeit und Überlastung berichten. 
  • Hinzu kommen Einsamkeit, Trauer und Zukunftssorgen, Hilf- und Machtlosigkeit sowie das Gefühl, immer stärker fremdbestimmt zu sein.

Zu den Bewältigungsstrategien der Angehörigen gehört die aktive Suche nach Entlastung, zum Beispiel durch die Unterstützung professioneller Dienste oder durch Hilfe aus dem persönlichen Umfeld;

Sich informieren und Kompetenzen erwerben; Austausch mit anderen; das Positive hervorheben sowie Ausgleich schaffen und die eigenen Bedürfnisse pflegen.

  • Denn die Angehörigen fühlen sich durch moralische Verpflichtungen oder gesellschaftliche Erwartungen unter Druck, sich um ihre kranken Angehörigen zu kümmern. 

„Am wichtigsten ist in dieser Situation, mutig zu sein und sich Zeit zu nehmen, um eine gewisse Distanz zu gewinnen“, sagt Beat Sottas.

Partner, keine Co-Patienten

Um die pflegenden Angehörigen zu unterstützen brauche es meistens keine weiteren Entlastungsangebote, sondern insbesondere bessere Information über die bestehenden Dienste und Finanzierungen, ein ernsthaftes Abwägen der eigenen Möglichkeiten sowie soziale, psychologische und spirituelle Unterstützung, folgern die Forschenden aus ihren Ergebnissen.

Und Beat Sottas betont: „Es braucht einen Wechsel in der Wahrnehmung. Pflegende Angehörige sind keine Co-Patienten, sondern sollten als kompetente Partner des Pflegesystems behandelt werden.“

Um das Therapie- und Unterstützungsangebot eines Patienten zu Hause zu koordinieren bringe ein Gespräch an einem Tisch viel mehr, als vereinzelte kurze Besuche eines Arztes oder Spitex-Dienstes.

Wichtig sei dabei, dass die Fäden immer bei einer einzigen Fachperson zusammenlaufen, sagt Sottas: „Für die pflegenden Angehörigen wäre eine Ansprechperson für alle Fragen wie ein Coach.“

(*) Sarah Brügger, Adrienne Jaquier und Beat Sottas (2015). Belastungserleben und Coping-Strategien pflegender Angehöriger. doi: 10.1007/s00391-015-0940-x
(Für Medienvertreter als PDF-Datei beim SNF erhältlich: com@snf.ch)

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Dr. Beat Sottas, sottas formative works, Bourguillon FR
Tel: 043 222 50 29 oder 079 285 91 77
Schweizerischer Nationalfonds SNF

HCMR-Studie: Einladung zur Studie: Plötzlicher Herztod

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Plötzlicher Herztod: Studie zu besserer Risikoeinschätzung

Eine der häufigsten Ursache für plötzlichen Herztod bei jungen Menschen ist eine genetisch bedingte Erkrankung, die "hypertrophe Kardiomyopathie" (HCM). Wie hoch das Risiko für einen plötzlichen Herztod ist, ist mit heutigen Methoden schwer einzuschätzen. Die National Institutes of Health (NIH) haben eine großangelegte Studie initiiert, die die Risikoeinschätzung verbessern soll. Die Hochschulambulanz für Kardiologie am Experimental and Clinical Research Center (ECRC) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) und der Charité übernimmt die Leitung für die klinische Prüfung der beteiligten Forschungseinrichtungen mit MRT-Expertise in Deutschland. 

Einladung in die Hochschulambulanz hier:  
 
Der plötzliche Herztod kommt schnell und meist völlig unerwartet.

 Schnittbild des Herzens: Der dunkle Ring in der Bildmitte zeigt die Herzwand. Die linke Seite ist klar als verdickt zu erkennen.
Schnittbild des Herzens: Der dunkle Ring in der Bildmitte zeigt die Herzwand. Die linke Seite ist klar als verdickt zu erkennen. Aufnahme: S. Fritschi/ECRC

Ihm gehen schwere Herzrhythmusstörungen voraus, dann folgt binnen weniger Minuten der Herzstillstand.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: PEEP Entgelte  


Ursache für einen plötzlichen Herztod kann prinzipiell jede Erkrankung sein, die Herzrhythmusstörungen auslöst – beispielsweise Erkrankungen der Herzkranzgefäße, von denen meist Menschen mittleren Alters betroffen sind. Ein erhöhtes Risiko haben auch Patienten mit so genannter hypertropher Kardiomyopathie (HCM), einer genetisch bedingten Verdickung der Muskulatur der linken Herzkammer.

Bei einer HCM kann der Herzmuskel um mehr als das Vier- bis Fünffache verdickt sein, und die Muskulatur durch vernarbtes – so genanntes fibrotisches Gewebe – verändert sein“, erklärt Prof. Jeanette Schulz-Menger, Leiterin der Hochschulambulanz für Kardiologie am Experimental and Clinical Research Center (ECRC) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Leiterin der Arbeitsgruppe Kardio-MRT in Kooperation mit dem HELIOS Klinikum Berlin-Buch. „Das kann die Entstehung von Herzrhythmusstörungen begünstigen und das Risiko für einen plötzlichen Herztod erhöhen.“

HCM ist eine der häufigsten Ursachen für den plötzlichen Herztod bei jungen Menschen. Und die Erkrankung ist gar nicht so selten:

Einer von 500 Menschen besitzt Erbanlagen für HCM. Aber nur rund zwei bis drei Prozent der Patienten erleiden wirklich einen plötzlichen Herztod. Dennoch besteht ein Risiko. „Die Risikoeinschätzung ist heute aber leider noch sehr schwierig. Denn das Gefährdungspotenzial lässt sich nicht ausschließlich am Grad der Verdickung des Herzmuskels messen“, sagt Schulz-Menger. „Auch HCM-Patienten ohne sichtbare Verdickung sind gefährdet.

  • Es spielen zum Beispiel auch die Erbanlagen und weitere bislang noch unbekannte Faktoren eine Rolle.“

Welche das sind und wie sie genau zusammenspielen, soll nun eine großangelegte internationale Studie mit 2.750 HCM-Patienten klären.

  • Mit Hilfe genetischer Tests, Blutuntersuchungen sowie moderner bildgebender Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) wird nach aussagekräftigen Risikofaktoren gefahndet. 
Insgesamt sind 42 Forschungsstandorte aus den USA, Großbritannien, Kanada und Europa an der Studie beteiligt.

Schulz-Menger übernimmt mit ihrem Team die Leitung der klinischen Prüfung für die an der Studie beteiligten deutschen Forschungseinrichtungen mit MRT-Expertise.

Die so genannte HCMR-Studie (HCMR – Neue Prognosemarker bei Hypertropher Kardiomyopathie) wird durch die National Institutes of Health (NIH) finanziert.

„Das ist die bislang größte und wichtigste Studie zur hypertrophen Kardiomyopathie, die die Therapie und Prognose von HCM-Patienten in Zukunft deutlich verbessern wird“, sagt Schulz-Menger.

„Unser Ziel ist es, mit der Kombination verschiedenster Verfahren, Patienten mit hohem Risiko für den plötzlichen Herztod zu erkennen, um diese in Zukunft besser und beraten und behandeln zu können – und so das individuelle Risiko für plötzlichen Herztod zu minimieren.“

Es werden noch Studienteilnehmer gesucht

Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren mit bestätigter hypertropher Kardiomyopathie (HCM) oder Verdacht auf HCM können sich noch bis April 2016 melden und an der Studie teilnehmen. Weitere Informationen zur Studienteilnahme und Ansprechpartner unter:

http://www.hochschulambulanz-charite-buch.de/hochschulambulanzen/kardiologie/hyp...

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Josef Zens
josef.zens@mdc-berlin.de
030/9406-2118

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.hochschulambulanz-charite-buch.de/hochschulambulanzen/kardiologie/hyp... (Link für potenzielle Studienteilnehmer)