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Fetalperiode: Auswirkungen vorgeburtlicher Stress auf die Gesundheit und Krankheit www.brain-age.eu

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Wie prägt Stress im Mutterleib unsere Gesundheit im späteren Leben?

Das Symposium „Prenatal Stress and Brain Disorders in Later Life” vom 20. bis 22. September in Berlin widmet sich erstmals spezifisch der Frage, welche Auswirkungen vorgeburtlicher Stress langfristig auf die Gesundheit und die Ausbildung von Krankheiten hat. In einer anschließenden Summer School in Jena können Studierende und junge Wissenschaftler praktische Kenntnisse über Planung und Durchführung von Studien zu diesem Thema erwerben. 

 
Die Neigung zu Erkrankungen wie ADHS, Depression, Schlaganfall oder Demenz und deren große Verbreitung lässt sich durch genetische Faktoren oder einen ungesunden Lebensstil nicht ausreichend erklären.

Neuere Erkenntnisse zeigen, dass die Fetalperiode eine wesentliche Rolle bei der Entstehung einer Prädisposition für die Entwicklung dieser Erkrankungen spielt. „Offensichtlich bewirken ungünstige Umweltbedingungen in kritischen Phasen der fetalen Organentwicklung eine dauerhafte Anpassung der Organfunktionen oder –struktur an zu erwartende schlechte Umweltbedingungen. Dabei wird das Auslesen von Genen lebenslang verändert“, so Prof. Dr. Matthias Schwab vom Uniklinikum Jena. Der Neurologe koordiniert den EU-Forschungsverbund BrainAge. Die beteiligten Wissenschaftler erforschen diesen als „Fetale Programmierung“ bezeichneten Vorgang und stellen ihre Ergebnisse auf dem Symposium vor.

  • Die wesentlichsten Umwelteinflüsse auf das Baby im Mutterleib sind Stress und eine ungünstige Nährstoffversorgung. Solche Stresssituationen für das Baby können etwa bei psychischer Belastung der Mutter oder schon bei moderater Mangelernährung auftreten, z.B. durch zu wenig Nahrungsaufnahme der Mutter oder eine Plazentastörung, die insbesondere bei älteren Schwangeren nicht ungewöhnlich ist. Der Stress im Mutterleib beeinflusst die Hirnentwicklung und erhöht die Stressempfindlichkeit im späteren Leben.

„Biologisch gesehen ist eine erhöhte Stressempfindlichkeit zunächst erst einmal positiv“, erklärt Matthias Schwab. 

„Optimierte stressspezifische Reaktionen wie Flucht und Aufmerksamkeitsfokussierung sind wichtige Anpassungsmechanismen, die während der Evolution das Überleben sicherten.“ Eine stressbedingte Aufmerksamkeitsfokussierung hat jeder schon selbst erfahren: So konzentriert man sich in Prüfungssituationen völlig auf das Thema und denkt nicht über andere Dinge nach.

Allerdings ist eine erhöhte Stressempfindlichkeit auch mit negativen Auswirkungen verbunden. 

  • Es gibt eine Reihe von Stress assoziierten Erkrankungen wie das ADHS, Depressionen und hohen Blutdruck und Hinweise darauf, dass eine erhöhte Stressempfindlichkeit das Schlaganfallrisiko erhöht, zu kognitiven Störungen und zu einer früheren Hirnalterung führt.

Im von der Europäischen Union geförderten Projekt „Impact of Prenatal Stress on BRAIN AGEing“, arbeiten Molekularbiologen, Psychologen, Fetal- und Neurophysiologen aus fünf europäischen Ländern und den USA zusammen. Sie untersuchen in experimentellen Projekten und Studien die Mechanismen, die zur erhöhten Stressanfälligkeit und in der Folge zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder neurodegenerativen Störungen führen.

Eine bessere Kenntnis dieser Prozesse ist die Voraussetzung dafür, dass frühe Interventionen und Therapien entwickelt werden können.

Auf dem Symposium in Berlin diskutieren renommierte Wissenschaftler aus aller Welt die neuesten Erkenntnisse zu diesem Thema. In einer anschließenden zweitägigen Summer School am Universitätsklinikum Jena führen die Wissenschaftler Studierende und junge Nachwuchsforscher in das Thema ein und vermitteln ihnen praktische Kenntnisse, z. B. wie eine Kohortenstudie mit Patienten geplant und durchgeführt wird oder wie man das Stressempfinden von Kindern ermitteln kann.


Terminhinweis:

Symposium „Prenatal Stress and Brain Disorders in Later Life”
20.-22. September 2015, Seehotel Zeuthen, Fontaneallee 27, 15738 Zeuthen, Berlin
Summer School „Prenatal Stress and Brain Disorders in Later Life”
22.-24. September 2015, Universitätsklinikum Jena, Erlanger Allee 101, 07747 Jena

Programm für das Symposium und die Summer School:

http://www.brain-age.eu/images/_summerschool2015/programme.pdf


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt 

Prof. Dr. Matthias Schwab
Leiter der Arbeitsgruppe "Fetale Hirnentwicklung und Programmierung von Erkrankungen im späteren Leben"
Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/9 32 34 86
E-Mail: Matthias.Schwab[at]med.uni-jena.de
Dr. Uta von der Gönna Universitätsklinikum Jena




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http://www.brain-age.eu

360° TOP-Hinweis: Gebärmuttererkrankungen - Mehr Lebensqualität dank neuer Leitlinie

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Patientinnen mit Gebärmuttererkrankungen - Mehr Lebensqualität dank neuer Leitlinie


Starke Blutungsstörungen, Krämpfe während der Menstruation, Myome und Endometriose können zu extremen Beschwerden führen, die Frauen in ihrem Alltag einschränken und belasten. Welche Therapie ist die passende?

Handlungsempfehlungen gibt die neue S3-Leitlinie „Indikation und Methodik der Hysterektomie bei benignen Erkrankungen“ (AWMF-Nr. 015-070), die federführend von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) veröffentlicht wurde.

Hier zur Indikation, Methodik der Hysterektomie

„Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen erhalten erstmals einen systematischen Überblick für Anamnese und Diagnostik zur Indikationsstellung und zu wählender Behandlungsmethode bei gutartigen (benignen) Erkrankungen der Gebärmutter“, erläutert Professor Diethelm Wallwiener, Präsident der DGGG.

  • Die Leitlinie ordnet neben Methoden zur Gebärmutterentfernung (Hysterektomien) auch organerhaltende Alternativen ein, die minimalinvasiv, mit der so genannten Schlüssellochchirurgie, erfolgen und besonders schonend sind. Wichtig sind eine umfassende Diagnose und die detaillierte ärztliche Aufklärung über Therapiemöglichkeiten, damit verbundene Chancen sowie etwaige Nebenwirkungen und Risiken. 
  • Das Mittel der Wahl kann den Frauen zu einer deutlich verbesserten Lebensqualität verhelfen.

„Mit dieser Leitlinie ist es uns gelungen, anhand von Transparenz und Evidenz sowohl die Ärztinnen und Ärzte als auch die Patientinnen in die Lage zu versetzen, gemeinsam die beste Behandlung herauszufinden, wobei der aktuellen Lebenssituation der Frauen und ihren Präferenzen ein hoher Stellenwert zukommt.

So kann für eine Frau entscheidend sein, die Gebärmutter zu behalten und für eine andere, möglichst keinen weiteren Eingriff vornehmen lassen zu müssen", verdeutlicht Professor Klaus-Joachim Neis, wissenschaftlicher Koordinator dieser S3-Leitlinie. Im Aufklärungsgespräch sollten Frauenärztinnen und Frauenärzte über die Behandlungsoptionen, Nebenwirkungen und Erfolgsaussichten informieren und sorgfältig mit der Patientin abwägen, welche Therapie im individuellen Fall die optimale ist.

Systematische Flussdiagramme sind Orientierungshilfen und zeigen Wege, die bei Myomen, Blutungsstörungen, Endometriose und Gebärmuttersenkungen indikationsbezogen sinnvoll sind. Gibt es mehrere gleichwertige therapeutische Alternativen, sollte die Frau durch eine detaillierte Beratung in die Lage versetzt werden zu entscheiden, welche der zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten am besten zu ihr passt.

  • Wann ist eine Gebärmutterentfernung notwendig?
  • Prinzipiell gilt, dass über eine Hysterektomie nachgedacht werden kann, wenn ein Kinderwunsch, auch wenn er noch so latent ist, nicht mehr besteht. „Wenn Myome deutlich wachsen, angrenzende Organe betroffen sind und starke Blutungen auslösen, die nicht anders zu stoppen sind, ist die Entscheidung für eine Gebärmutterentfernung und das Vorgehen in Abhängigkeit von der Lebenssituation gemeinsam mit der Patientin abzuwägen“, so Neis. Ebenso sei bei einer Vielzahl kleiner Myome und bei sehr starken Symptomen von Gebärmuttererkrankungen wie einer Endometriose eine Hysterektomie notwendig.

Bei Patientinnen mit extremen Blutungsstörungen ist zunächst zu klären, welche Veränderungen in der Gebärmutter vorliegen. In jedem Falle sollten zur Sicherung der Diagnose zunächst ein ausführliches Anamnesegespräch und eine Ultraschalluntersuchung stattfinden. Wenn der Verdacht einer Ausweitung der Endometriose auf benachbarte Organe besteht, sollte zusätzlich eine Bauchspiegelung erfolgen, empfehlen die Experten.

Bei Versagen einer Hormontherapie und bei abgeschlossener Familienplanung kommen eine Entfernung oder Zerstörung der Gebärmutterschleimhaut bei Blutungsstörungen (Endometriumablation) und eine Hysterektomie als Behandlungsmöglichkeiten in Betracht.

Operationsmethoden im Vergleich

„Frauen mit starken Blutungsstörungen und Krämpfen, deren Kinderwunsch abgeschlossen ist, profitieren im Hinblick auf die gemessene Lebensqualität sowohl von organerhaltenden Verfahren als auch von der operativen Entfernung der Gebärmutter.

Organerhaltende Verfahren zeigen in den Studien weniger Komplikationen, allerdings sind in nicht wenigen Fällen erneute Eingriffe erforderlich, d.h. die Beschwerden werden nicht komplett beseitigt oder treten wieder auf“, schildert Dr. Monika Nothacker von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und stellvertretende Leiterin des Institutes für Medizinisches Wissensmanagement.

Sie hat den Evidenzbericht erstellt, d.h. die Empfehlungen zu allen Verfahren auf Basis der internationalen Literaturlage überprüft und bewertet.

„Wenn eine Entscheidung zur Entfernung der Gebärmutter gefallen ist, sollte anhand eines systematischen Methodenvergleichs das individuell passende Verfahren gefunden werden“, schließt Nothacker.

  • Vor- und Nachteile der häufigsten Operationstechniken zur Gebärmutterentfernung über die Scheide, per Bauchspiegelung oder über einen Bauchschnitt wurden bewertet.

Bei der Entwicklung der Leitlinie stellte sich heraus, dass trotz der bisherigen Erfolge weiterer Forschungsbedarf besteht und insbesondere das Monitoring der Hysterektomie, welches vor zwei Jahren in Deutschland ausgesetzt wurde, wieder eingesetzt werden muss.

Dies ist eine Chance alternative organerhaltende Behandlungsverfahren, welche vorwiegend im ambulanten Bereich vorgenommen werden, mit einzubinden.

Information und Aufklärung ist das A und O: 

„Diese Leitlinie unterstützt Ärzte in der Kommunikation mit Patientinnen. Mithilfe einer leitlinienkonformen Behandlung können wir Frauen mit Blutungsstörungen ein Mehr an Versorgungs- und Lebensqualität bieten“, resümiert Professor Wallwiener. 


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http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-070l_S3_Indikation_und_Methodik_...

Dominant-zentrale Schlafapnoe“ ZSA - Keine Atemmaske bei schwachem Herz

Medizin am Abend Berlin Fazit:     Riskant für schwache Herzen: Atemmaske

Etwa die Hälfte der Menschen mit akuter Herzschwäche leidet auch unter Atemstillstand meist während der Nacht („Dominant-zentrale Schlafapnoe“ ZSA). Solche Aussetzer beim Luftholen im Schlaf können lebensbedrohlich sein. Deshalb tragen die Patienten nachts eine Maske, die ihre Atmung unterstützt. Ob sich diese Therapie („adaptive Servoventilation“ ASV) für die ohnehin besonders belasteten Herzpatienten eignet, erkundete nun ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Prof. Helmut Teschler von der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen an der Ruhrlandklinik Essen und Prof. Martin Cowie vom Royal Brompton Hospital in London. 
 
Erste Ergebnisse wurden jetzt im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht. Die Ruhrlandklinik, das Westdeutsche Lungenzentrum am Universitätsklinikum Essen (UK Essen), ist eine der führenden medizinischen Institutionen in der Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung von Lungen- und Atemwegserkrankungen.

In der bisher weltweit größten Studie wurden insgesamt 1.325 Herzschwäche-Patienten mit ZSA an mehr als 80 Standorten in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland, Tschechien und Australien untersucht. Das interdisziplinäre Forscherteam aus Schlafmedizinern, Pneumologen und Kardiologen ging der Frage nach, ob das Leben der betroffenen Patienten mit der gängigen Standardtherapie ASV verlängert werden kann.

  • Bei der ASV-Beatmung tragen die Betroffene eine Maske über Mund und Nase. Das daran angeschlossene Gerät berechnet bei jedem Atemzug den erforderlichen Atemdruck und passt diesen bei Bedarf individuell an. 
Die Wissenschaftler verglichen nun Herz-Patienten mit und ohne diese Beatmungshilfe.

  • Anders als erwartet stellte sich dabei heraus, dass sich die Sterblichkeit bei Herzschwäche-Patienten, wenn sie per ASV beatmet wurden, sogar erhöhte. 
  • Ein wichtiger Hinweis für Betroffene.

Prof. Helmut Teschler: „Auch wenn wir gerade zu dem Schluss gekommen sind, dass die betroffenen Patienten derzeit besser nicht per ASV beatmet werden sollten, so ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Weitere Aufschlüsse zu dieser Frage erwarten wir uns bei der detaillierten Auswertung des in dieser Form einzigartigen Datenschatzes unserer Studie.“


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Christine Harrell
Tel. 0201/723-1615
christine.harrell@uk-essen.de
Beate Kostka M.A. Universität Duisburg-Essen

Flüchtlingen helfen

Medizin am Abend Berlin  Fazit  Flüchtlingen helfen

Studie zu freiwilligem Engagement offenbart Motivation und Schwierigkeiten der Münchner HelferInnen
Tausende Flüchtlinge strömen zurzeit nach München. Viele Münchnerinnen und Münchner engagieren sich freiwillig für das Wohlergehen dieser Menschen. Wer sind sie und was motiviert sie? Was kritisieren sie? Das untersuchten Studierende der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule München gemeinsam mit Prof. Dr. Gerd Mutz und dem munich institute or social sciences (miss). Von April bis Juni 2015 befragte die Gruppe Engagierte in Münchner Organisationen und Initiativen. Zeitgleich fand eine repräsentative Online-Befragung statt. 

Prof. Dr. Gerd Mutz und sein Team bei der Arbeit
 Prof. Dr. Gerd Mutz und sein Team bei der Arbeit  Hochschule München / Marco Gierschewski

  • Fremdenfeindlichkeit verhindern und etwas zurückgeben

Der Untersuchung zufolge engagieren sich vor allem höher gebildete Personen, die auch in anderen kulturellen und politischen Bereichen aktiv sind.

 „Dabei handelt es sich durchweg um gesellschaftlich interessierte und reflektierte Menschen, die neben dem Engagement auch beruflich und familiär stark eingebunden sind“, stellt Mutz fest. Als Motiv gaben einige der Befragten an, deutlich machen zu wollen, dass in München Ressentiments oder Fremdenfeindlichkeit keinen Platz haben und damit eine öffentliche Willkommenskultur zu etablieren. Sich selbst sehen sie als Personen, die das Glück hatten, in eine relativ wohlhabende Umgebung hineingeboren worden zu sein, weshalb sie teilen und anderen, denen es mangelt, etwas zurückgeben wollen.

  • Mehr Koordination notwendig

Der öffentlichen und von Wohlfahrtsverbänden organisierten Versorgung stehen die Helfenden eher kritisch gegenüber. Zwar erkennen sie an, dass in München seitens der Stadt und der Verbände vergleichsweise viel für Flüchtlinge getan wird, sie sehen bei ihrem Engagement aber auch den Mangel, der sich an allen Ecken und Enden bemerkbar macht: Nach ihren Erfahrungen verläuft die freiwillige Flüchtlingshilfe immer noch sehr unkoordiniert, zum Engagement bereite Personen können oft über Monate nicht vermittelt werden und es fehlt an spezifisch ausgebildeten Fachkräften – oft bedarf es viel Energie, erst einmal selbst effektive Strukturen und Organisationen aufzubauen. Von der Stadt und den Verbänden fordern die Engagierten, mehr Personal und finanzielle Mittel bereitzustellen. Sie sehen aber auch die Landespolitik in der Pflicht.

  • Psychische Herausforderungen und fehlendes Fachwissen

Viele Engagierte beklagen die besondere psychische Belastung durch ihre Tätigkeit, z. B. miterleben zu müssen, wie Flüchtlinge abgeschoben werden, zu denen sie ein gutes freundschaftliches Verhältnis aufgebaut haben. „Dies hinterlässt seelische Verletzungen und es gibt nur wenige Organisationen, die hier eine qualifizierte Unterstützung für die Engagierten anbieten“, erklärt Mutz.

Die meisten hauptamtlichen Fachkräfte haben keine entsprechende Ausbildung, um die geforderte Unterstützung für die HelferInnen bereit zu stellen. Gefordert wird daher, dass der Flüchtlingsproblematik in der akademischen Ausbildung von SozialarbeiterInnen eine größere Rolle zukommt und dass Professionelle in der Praxis eine entsprechende Weiterbildung erhalten.

  • Der ausführliche Bericht mit detaillierten Ergebnissen der quantitativen und qualitativen Studie liegt Ende September vor.

Medizin am Abend Berlin  DirektKontakt

Prof. Dr. Gerd Mutz
E-Mail: gerd.mutz@hm.edu
Tel.: 0172 84 10 515

Dr. Rosario Costa-Schott
E-Mail: rosario.costa-schott@gmx.de
Tel.: 0152 288 214 19
Christina Kaufmann + Hochschule München

Meningeomen - Hirntumore: Übergewicht + Fettleibigkeit mögliche Verursacher?

Medizin am Abend Berlin Fazit:     Übergewicht als Risikofaktor für die Erkrankung an Hirntumoren – Forscher legen neue Studie vor

Wenn man übergewichtig oder fettleibig ist, scheint sich auch das Risiko zu erhöhen, an einer bestimmten Form von Hirntumoren – Meningeomen – zu erkranken. Diesen Schluss legt eine groß angelegte Untersuchung von Gesundheitsdaten und -studien nahe, die jetzt von Regensburger Forschern durchgeführt wurde. Die Ergebnisse der Untersuchung werden in der renommierten Fachzeitschrift „Neurology“ veröffentlicht. 
 
„Das ist eine bedeutende Entdeckung, da wir erst wenige Risikofaktoren für die Erkrankung an Meningeomen identifiziert haben. Und die Risikofaktoren, die wir bislang kennen, lassen sich nicht beeinflussen“, erklärt Dr. Gundula Behrens. Sie hat die Studie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen vom Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin der Universität Regensburg betreut. „Wenn man die starke Verbreitung von Adipositas und die ungünstige Prognose für Meningeom-Patienten berücksichtigt, dürften unsere Ergebnisse für die Entwicklung neuer Strategien zur Verringerung des Risikos zur Erkrankung an dieser gefährlichen Form von Hirntumoren bedeutsam sein.“ Fünf bis acht Personen von 100.000 erkranken jedes Jahr ein einem Meningeom. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt dabei bei lediglich 63 Prozent.

  • Die Meta-Untersuchung der Regensburger Wissenschaftler umfasste Gesundheitsdaten und -studien zum Body-Mass-Index (BMI), zur körperlichen Aktivität und zu den beiden Hirntumor-Typen Meningeom und Gliom. 

  • Meningeome und Gliome sind die häufigsten Formen von Hirntumoren bei Erwachsenen.

Insgesamt wurde das Datenmaterial aus 12 Studien einbezogen, darunter 2.982 Fälle mit Meningeom- und 3.057 Fälle mit Gliom-Erkrankung.

  • Die Analysen ergaben, dass für Personen mit Übergewicht eine um 21 % höhere Wahrscheinlichkeit vorliegt, in ihrem Leben an einem Meningeom zu erkranken. Für fettleibige Personen liegt die Wahrscheinlichkeit sogar um 54 % höher. Übergewicht wurde dabei über einen BMI von 25 bis 29,9 definiert, Fettleibigkeit über einen BMI von 30 oder mehr. 

Zwischen einem erhöhten Körpergewicht und Erkrankungen mit einem Gliom, der ähnlich oft auftritt wie ein Meningeom, aber eine noch schlechtere Prognose hat, konnte kein Zusammenhang hergestellt werden. Die Regensburger Studie deutet jedoch auf einen positiven Einfluss körperlicher Aktivität hin. So weisen die Personen mit dem höchsten Grad an körperlicher Aktivität ein um 27 % geringeres Meningeom-Risiko auf als die „inaktivste“ Personengruppe.

Behrens geht davon aus, dass – mit Blick auf die Verbindung zwischen Übergewicht und Meningeom-Erkrankungen – verschiedene biologische Prozesse eine Rolle spielen.

  • So führt Übergewicht beispielsweise zu einer Überproduktion von Östrogenen, die wiederum die Entwicklung von Meningeomen fördern. Zudem ist Übergewicht mit einem hohen Insulinniveau im Körper verbunden, wobei auch Insulin das Wachstum von Meningeomen begünstigt.

Die Regensburger Wissenschaftlerin betont allerdings auch, dass die neue Studie kein Nachweis dafür ist, dass Übergewicht oder fehlende körperliche Aktivität die Ursachen für eine Erkrankung mit Hirntumoren darstellen.

Sie belegt nach Ansicht von Behrens nur eine Beziehung zwischen den Messkategorien „Übergewicht“ oder „körperliche Aktivität“ und der Häufigkeit der Erkrankungen.

Titel der Original-Publikation:


Tobias Niedermaier, Gundula Behrens, Daniela Schmid, Inga Schlecht, Beate Fischer, Michael F. Leitzmann: Body mass index, physical activity, and risk of adult meningioma and glioma. A meta-analysis, in „Neurology“ 2015; 85 : 1–9


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt 

Dr. Gundula Behrens
Universität Regensburg
Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin
Tel.: 0941 944-5217
Gundula.Behrens@klinik.uni-regensburg.de
Alexander Schlaak Universität Regensburg

360° MFA - Medizin am Abend Berlin: Oberarzt Julien Dufayet: Adipositas - Das Fettgewebe - ein endokrines Organ


Medizin am Abend Berlin Fazit:













Jetzt: Zusammenspiel von Arbeitsplatz, Bildschirm und Brille http://ergonomic-vision.ifado.de/

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Online-Beratungstool: Besser sehen und arbeiten im Büro

Ab dem 35. Lebensjahr nimmt die Fähigkeit des Auges ab, sich an verschiedene Sehentfernungen mühelos anzupassen. Schleichend treten die ersten Anzeichen einer Alterssichtigkeit in Erscheinung. Gerade im Büro ist es wichtig, die richtige Brille und einen darauf abgestimmten Arbeitsplatz zu haben. Das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund – IfADo stellt auf der Website http://ergonomic-vision.ifado.de ein Beratungstool bereit, das erklärt, worauf es beim Thema Brille und Bildschirmarbeitsplatz ankommt. 

 
Für viele Menschen, die fünf Tage in der Woche am Computer arbeiten, stellt sich irgendwann die Frage:

Welche Brille ist die richtige? Zwischen Fernbrille, Bildschirmbrille, Universal-Bifokalbrille, Trifokalbrille oder Gleitsichtbrille verliert man schnell den Überblick.  

Zusätzlich leidet die Sitzhaltung häufig unter schlechter werdenden Augen, sodass auch die Nackenpartie und der Rücken falsch belastet werden. Optiker, Augenärzte, Ergonomen und Arbeitsmediziner setzen sich zwar mit diesen Themen auseinander, richten ihren Blick jedoch häufig nur auf einzelne Aspekte bei der Gestaltung der Arbeitsumgebung, beispielweise die Brille, den richtigen Stuhl oder die Monitorneigung.

  • Aber erst das Zusammenspiel von Arbeitsplatz, Bildschirm und Brille unterstützt die Gesundheit von Augen, Nacken und Rücken.

Um dieses Zusammenspiel zu gewährleisten, hat das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund – IfADo ein übersichtliches und kostenloses Beratungstool veröffentlicht.

Seit über zehn Jahren untersuchen Forscherinnen und Forscher im Team von Wolfgang Jaschinski am IfADo, wie ein Bildschirmarbeitsplatz optimal eingestellt wird. Die Ergebnisse aus verschiedenen Studien hat das IfADo nun auf der Website http://ergonomic-vision.ifado.de zur Verfügung gestellt.

Mit diesem Beratungstool kann jeder die Vor- und Nachteil verschiedener Brillenarten nachlesen und für sich selbst feststellen: Wie bringe ich Stuhl, Tisch, Monitor und Brille in einen optimalen ergonomischen Einklang? In drei Schritten werden die Besucher der Website dazu angeleitet, sich ihren Arbeitsplatz nach wissenschaftlichen Erkenntnissen individuell einzurichten.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Dipl.-Ing. (FH) Mirjam König
Optometristin und ArbeitsplatzExpertin (Mensch & Büro Akademie)
Forschungsbereich Ergonomie
Telefon: + 49 231 1084-379
E-Mail: koenig@ifado.de
Verena Kemmler, Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://ergonomic-vision.ifado.de

Erhöhte Blutzuckerspiegel: Insulinresistenz + Insulinmangel + genetische Veranlagung!

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Vier Gene beeinflussen die Teilungsfähigkeit insulinproduzierender Zellen

Im Rahmen eines vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) geförderten Kooperationsprojekts haben Wissenschaftler unter der Leitung von Annette Schürmann vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) vier Gene identifiziert, die bei übergewichtigen Mäusen in Abhängigkeit der Kohlenhydratzufuhr die Teilungsfähigkeit der insulinproduzierenden Beta-Zellen beeinflussen. Alle vier Gene befinden sich auf Chromosom 1, wobei bereits frühere Untersuchungen der Forscher sowie Ergebnisse aus Humanstudien dieses Chromosom mit Diabetes in Verbindung gebracht haben. 


Inselzellen der Maus, die das Gen Ifi202b überexprimieren (grün). Die Zellkerne der sich nicht teilenden Zellen sind blau. Die der sich teilenden Zellen sind pink. Maßstab: 50 Mikrometer
 Inselzellen der Maus, die das Gen Ifi202b überexprimieren (grün). Die Zellkerne der sich nicht teilenden Zellen sind blau. Die der sich teilenden Zellen sind pink. Maßstab: 50 Mikrometer Fotoquelle: DIfE
 
„Unsere Resultate geben einen tiefen Einblick in die Mechanismen, die der Diabetesentstehung zu Grunde liegen und machen deren Komplexität deutlich“, sagt Erstautor Oliver Kluth vom DIfE.

Das Forscherteam, zu dem auch Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München an der Eberhard-Karls- Universität Tübingen sowie Mediziner des Universitätsklinikums Tübingen gehören, veröffentlichten ihre Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift PLOS Genetics (Kluth et al. 2015; DOI:10.1371/journal.pgen.1005506; http://journals.plos.org/plosgenetics/article?id=10.1371/journal.pgen.1005506).

  • Das Hormon Insulin regt die Fett- und Muskelzellen dazu an, Traubenzucker aus dem Blut aufzunehmen, um sich mit Energie zu versorgen. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist jedoch die Signalwirkung von Insulin gestört. Mediziner sprechen auch von einer Insulinresistenz. Zu Beginn der Erkrankung versucht der Körper diese Insulinunempfindlichkeit der Zellen auszugleichen, indem er mehr Insulin als normal über die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse freisetzt. Im weiteren Krankheitsverlauf ermüden diese Zellen aber zusehends und sterben mit der Zeit ab, wodurch es zu einem Insulinmangel kommt. Ursache hierfür sind erhöhte Zucker- und Fettsäurespiegel im Blut, aber auch die genetische Veranlagung spielt anscheinend für die Lebenszeit der Beta-Zellen eine Rolle.

Um mehr über die molekularen Mechanismen zu erfahren, die beim Vorliegen einer Insulinresistenz für die Teilungsfähigkeit der insulinproduzierenden Zellen entscheidend sind, sowie die Gene zu identifizieren, die hierfür eine Rolle spielen, verglichen die Wissenschaftler die physiologischen Veränderungen und Genaktivitäten der Beta-Zellen von zwei verschiedenen Mausstämmen in vivo und in vitro. Sowohl die New-Zealand obese (NZO)-Maus als auch die B6-ob/ob-Maus haben einen natürlichen Hang zu Übergewicht, wobei jedoch nur der Stamm der NZO-Maus anfällig für Diabetes ist. Ein Phänomen, das sich auch am Menschen beobachten lässt, denn nicht jeder übergewichtige Mensch ist gleichsam für die Krankheit empfänglich.

Die Tiere erhielten bis zu einem Alter von 18 Wochen eine fettreiche, aber kohlenhydratfreie Kost, wodurch beide Mausstämme kräftig an Gewicht zunahmen. Ihre Blutzuckerspiegel erhöhten sich während dieser Zeit nicht. Bekamen die Mäuse dann auch Kohlenhydrate zu fressen, stieg schon nach wenigen Tagen der Blutzuckerspiegel in der für Diabetes anfälligen NZO-Maus merklich an. Zudem führte das kohlenhydrathaltige Futter bei diesen Tieren zu einem Absterben der Beta-Zellen durch Apoptose (programmierter Zelltod). Die Beta-Zellen des anderen Mausstamms waren dagegen nicht nur vor dem Absterben geschützt, ihre Zahl nahm sogar auch noch weiter zu. Die hiermit verbundene gesteigerte Insulinproduktion normalisierte die am Anfang auch noch bei diesen Tieren erhöhten Blutzuckerspiegel, so dass die Tiere nicht an Diabetes erkrankten.

„Wie unsere Daten annehmen lassen, ist die unterschiedliche Reaktion der Beta-Zellen auf vier Gene zurückzuführen.

Untersuchungen an isolierten Beta-Zellen machen deutlich, dass eine erhöhte Aktivität der Gene Lefty1, ApoA2 und Pcp4l1 die Zellteilung stimuliert und letztendlich die B6-ob/ob-Mäuse vor Diabetes schützt. Dagegen bewirkt eine gesteigerte Genaktivität von Ifi202b bei den NZO-Mäusen das Gegenteil“, erklärt Biochemiker Kluth.

„Auch beim Menschen spielt zumindest ein Teil der von uns identifizierten Gene anscheinend eine Rolle für Diabetes. Wie Humanstudien unserer Kooperationspartner zeigen, waren zwei verschiedene Varianten des menschlichen Gens für Lefty1 mit einer veränderten Insulinfreisetzung assoziiert“, ergänzt Studienleiterin Schürmann. „Zudem beobachteten Forscher an Studienteilnehmern in Utah einen Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und Varianten des menschlichen APOA2-Gens“, so die Wissenschaftlerin weiter.

„Gene zu identifizieren, die sowohl bei der Maus als auch beim Menschen eine Rolle spielen, ist von entscheidendem Vorteil“, sagt Kluth. Denn so könne man die Genfunktionen und die zugrundeliegenden molekularen Mechanismen der Glucotoxizität* und Diabetesentstehung am Modellsystem der Maus detailliert unter kontrollierten Bedingungen erforschen. Am Menschen seien solche Studien oft aus ethischen sowie auch aus praktischen Gründen nicht möglich.

Hintergrundinformation:

  • * Erhöhte Blutzuckerspiegel wirken auf viele Gewebe toxisch. Wissenschaftler sprechen daher auch von einer Glucotoxizität.

Inselzellen der Maus, die das Gen Lefty1 überexprimieren (grün). Die Zellkerne der sich nicht teilenden Zellen sind blau. Die der sich teilenden Zellen sind pink. Maßstab: 50 Mikrometer
Inselzellen der Maus, die das Gen Lefty1 überexprimieren (grün). Die Zellkerne der sich nicht teilenden Zellen sind blau. Die der sich teilenden Zellen sind pink. Maßstab: 50 Mikrometer Fotoquelle: DIfE

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz- Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ursachen und Folgen des metabolischen Syndroms, einer Kombination aus Adipositas (Fettsucht), Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, die Rolle der Ernährung für ein gesundes Altern sowie die biologischen Grundlagen von Nahrungsauswahl und Ernährungsverhalten. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). Mehr unter www.dzd-ev.de.

Die Leibniz-Gemeinschaft vereint 89 Einrichtungen, die anwendungsbezogene Grundlagenforschung betreiben und wissenschaftliche Infrastruktur bereitstellen. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Einrichtungen rund 18.100 Menschen

– darunter 9.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – bei einem Jahresetat von insgesamt knapp 1,64 Milliarden Euro. Die Leibniz-Gemeinschaft zeichnet sich durch die Vielfalt der in den Einrichtungen bearbeiteten Themen und Disziplinen aus. Die Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft bewahren und erforschen das natürliche und kulturelle Erbe. Darüber hinaus sind sie Schaufenster der Forschung, Orte des Lernens und der Faszination für die Wissenschaft. Mehr unter www.leibniz-gemeinschaft.de.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:


Prof. Dr. Annette Schürmann
Leiterin der Abteilung Experimentelle Diabetologie Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal
Tel.: +49-33200 88-2368
E-Mail: schuermann@dife.de

Dr. Oliver Kluth
Abteilung Experimentelle Diabetologie Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal
Tel.: +49-33200 88-2524
E-Mail: oliver.kluth@dife.de

Dr. Gisela Olias
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal
Tel.: +49-33200 88-2278/-2335
E-Mail: olias@dife.de oder presse@dife.de
http://www.dife.de

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.dife.de/forschung/abteilungen/kurzprofil.php?abt=DIAB Informationen zur Abteilung Experimentelle Diabetologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung

GenderMedizin: Aktionswoche zu Kopf-Hals-Krebs: Symptome frühzeitig erkennen und handeln

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Aktionswoche zu Kopf-Hals-Krebs: Symptome frühzeitig erkennen und handeln

Bereits zum dritten Mal initiiert die Europäische Kopf-Hals-Gesellschaft (European Head and Neck Society, EHNS) eine Aktionswoche zur Aufklärung über Kopf-Hals-Krebs. Ziel der europaweiten Aktivitäten vom 21. bis 25. September ist es, die Risikofaktoren, Präventionsmöglichkeiten und Symptome der Krebserkrankung bekannt zu machen. 


 Kopf-Hals-Krebs FACT SHEET Seite 1/2  Merck Serono
 
„Jedes Jahr wird in Europa bei 350.000 Menschen Kopf-Hals-Krebs diagnostiziert und über die Hälfte davon wird nach fünf Jahren nicht mehr am Leben sein. Und das, obwohl Patienten bei früher Diagnose und Behandlung eine Überlebensrate von 80-90% haben könnten,” so Professor Dr. med. René Leemans, Vorsitzender der EHNS.

Daher finden am 23. September Patiententage in Kliniken statt – mit kostenlosen Screenings, Vorträgen und umfangreichen Informationsmaterialien. In Deutschland wird die Aktionswoche gemeinsam mit den Landespartnern der EHNS, Ärzten und Patientenorganisationen veranstaltet.

Aufklärung rettet Leben

Kopf-Hals-Krebs ist derzeit die sechsthäufigste Krebsart weltweit und es treten jährlich bis zu 600.000 neue Fälle auf – davon ungefähr 18.000 in Deutschland. Männer erkranken zwei- bis dreimal häufiger als Frauen, doch auch bei Frauen ist die Tendenz steigend.

„Es ist von größter Bedeutung, dass bei der zunehmenden Häufigkeit und dem niedrigen Bewusstsein für die Erkrankung, weitere Aufklärungsarbeit über die Risiken und Präventionsmöglichkeiten geleistet wird“, so Professor Dr. med. Andreas Dietz, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Leipzig und Vorstandsmitglied der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Kopf-Hals-Tumore (IAG-KHT) innerhalb der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG). Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe ist offizieller Partner der EHNS und organisiert die Aktivitäten in Deutschland rund um die Aktionswoche.

Was sind die Ursachen für die Entstehung von Kopf-Hals-Krebs? Vor allem übermäßiger Tabak- und Alkoholkonsum sind verantwortlich, da mehr als 90 Prozent der Kopf-Hals-Tumore in den Zellen der Schleimhaut von Mundhöhle, Zunge, Rachen und Kehlkopf entstehen.

  • Auch das Humane Papillom Virus (Subtyp 16) ist inzwischen ein bedeutender Risikofaktor – weshalb auch bei jungen Menschen, die kaum Tabak oder Alkohol konsumiert haben, die Wahrscheinlichkeit zu erkranken, in den letzten Jahren angestiegen ist.

Symptome früh erkennen mit 1für3-Regel

Die häufigsten Symptome der Erkrankung sind unter anderem dauerhafte Lymphknotenschwellungen am Hals, Schluckbeschwerden mit unklarer Ursache und lang anhaltende Heiserkeit.

„Die Symptome lassen sich nur schwer von denen anderer, harmloserer Erkrankungen differenzieren. Die Diagnose durch den Facharzt erfolgt daher für den Großteil der Patienten immer noch zu einem zu späten Zeitpunkt“, so Professor Dietz.

  • 60 bis 70 Prozent der Kopf-Hals-Tumore werden erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. 

Wie bei allen Krebserkrankungen gilt jedoch: Je früher der Tumor entdeckt wird, desto besser lässt er sich behandeln. „Eine gute Orientierung bietet hier die „1 für 3“-Definition. Sobald ein Symptom länger als drei Wochen anhält, sollte medizinischer Rat eingeholt werden“, empfiehlt Dietz. Weitere Informationen zur „1 für 3“-Regel und den Risikofaktoren von Kopf-Hals-Krebs sind in einem Informationsblatt der EHNS zusammengestellt, das über die Internetseite www.kopf-hals-krebs.de abrufbar ist.

Patiententage mit Vorträgen und Informationsständen

Während der Aktionswoche sind Interessierte, Patienten und Angehörige eingeladen, sich am 23. September bundesweit in Kliniken und Kopf-Hals-Zentren über die Erkrankung, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

Experten verschiedener Fachdisziplinen (Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Radioonkologie und internistische Onkologie) bieten Untersuchungen zur Früherkennung und Vorträge an sowie weiterführende Materialien und Beratung. Auch Vertreter von Patientenorganisationen stehen an Informationsständen für Fragen zur Verfügung.

In Deutschland werden die Veranstaltungen während der Aktionswoche u.a. von der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Kopf-Hals-Tumoren der DKG, der Arbeitsgemeinschaft Onkologie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sowie dem Bundesverband der Kehlkopflosen und Kehlkopfoperierten e.V., der Kopf-Hals-Tumorstiftung und dem biopharmazeutischen Unternehmen Merck Serono GmbH unterstützt.

Weitere Informationen zu Kopf-Hals-Krebs und zur Aktionswoche sowie Informationen zu den teilnehmenden Kliniken sind auf der Webseite zur Aktionswoche www.kopf-hals-krebs.de zusammengestellt. Hier stehen zudem kostenlose Informationsmaterialien der EHNS zum Download bereit.



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Gefährlich für Ihre Niere

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Nichtsteroidale Antirheumatika: Nicht unproblematisch für die Nieren

Bei bestimmten „Risikopatienten“ (u.a. älteren Menschen, Patienten mit Nierenvorschädigungen oder Diabetikern) kann der unbedachte, dauerhafte Einsatz von freiverkäuflichen nichtsteroidale Antirheumatika die Nieren schädigen. Nephrologen raten zum vorsichtigen Einsatz. 
 
Schmerzmittel stehen heute in Deutschland mit ca. 960 Millionen Euro auf Platz zwei der umsatzstärksten Indikationsbereiche der Selbstmedikation (Bericht des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller BAH e.V. 2013, Bonn) [1]. 
  • Dabei handelt es ich in erster Linie um klassische freikäufliche Schmerz- und Fiebermittel, die nichtsteroidalen Antirheumatika - NSA(R). Dazu zählen beispielsweise Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Diclofenac.
In den Verruf geraten sind NSAR in den 1970er-Jahren, als das NSAR Phenacetin vom Markt genommen werden musste, da es nach Langzeitgebrauch zum Krankheitsbild der Analgetika-Niere führte, oft mit der Folge Dialysepflichtigkeit. Danach kam es zum massiven Rückgang der Inzidenz dieses Nierenschadens, so dass manche Fachleute das Problem als gelöst betrachteten [2, 3].

Seit Jahren wird jedoch das akut und chronisch nephrotoxische Potenzial der verbliebenen NSAR untersucht, beschrieben und diskutiert [4, 5 6] und es zeigt sich zunehmend, dass NSAR keinesfalls als unproblematisch für die Nieren gelten können. 

Auch wenn das typische histopathologische Bild, wie es früher bei der Phenacetin-Niere gesehen wurde, aus dem Biopsiegut der Pathologen verschwunden ist, so sehen sich Nephrologen regelmäßig mit Patienten mit NSAR-geschädigten Nieren konfrontiert.

Es handelt sich dabei jedoch um ein viel komplexeres Krankheitsbild als die ehemalige reine Phenacetin-Niere, daher spricht man auch oftmals vom „Analgetika-Syndrom“, da die Nierenschädigung im Rahmen anderer Komorbiditäten auftritt. So lassen sich inzwischen Risikofaktoren nennen, die das Risiko eines renalen Analgetika-Schadens deutlich erhöhen [6, 7].

  • Dazu gehören vorbestehende Nierenerkrankungen oder eine (unbekannte) Nierenfunktionseinschränkung, wie sie auch physiologischerweise bei älteren Menschen auftritt. Menschen mit Erkrankungen, die ihrerseits mit einem erhöhten renalen Risiko einhergehen (wie Diabetes mellitus, Hypertonie, Gefäßerkrankungen oder Herzinsuffizienz) und Patienten mit der Notwendigkeit einer jahrelangen oder hochdosierten NSAR-Therapie gehören ebenfalls zum gefährdeten Personenkreis (laut der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie weist ein Viertel der Deutschen Einschränkungen durch muskuloskelettale Erkrankungen auf, davon 10 Millionen behandlungsbedürftig [8]).

Auch Dehydratationszustände (Fieber, Diarrhoe, heißes Wetter) machen die Nieren anfälliger, da sie dann höheren Analgetikakonzentrationen ausgesetzt sind. Darüber hinaus sind Analgetika-Kombinationspräparate problematisch (höheres renales Risiko als bei Monopräparaten) und nicht selten auch die Arzneimittelkombinationen, die insbesondere bei Multimorbidität zum Einsatz kommen (müssen).

  • So steigt das Risiko für renale Analgetikaschäden bei gleichzeitiger Verabreichung von drei oder mehr Antihypertensiva nachweislich an [Lapi].

Auswege aus dem Dilemma sind nicht immer einfach, da chronische Erkrankungen wie Hypertonie oder rheumatische Leiden nicht unbehandelt bleiben können und dürfen.

Folgende Maßnahmen empfehlen die Nephrologie dennoch für alle Patienten:

1. Alternativen prüfen! Ist die regelmäßige NSAR-Einnahme wirklich notwendig oder können andere Schmerztherapien in Frage kommen (andere Substanzen, Akkupunktur, TENS/transkutane elektrische Nervenstimulation, physiotherapeutische Maßnahmen)?

2. Viel trinken! Grundsätzlich soll auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden (1,5 l), um die Analgetikakonzentration, die die Nieren durchströmt, gering zu halten; bei verschiedenen Begleitumständen (wie fortgeschrittenen Niereninsuffizienz und Herzinsuffizienz) muss jedoch gegebenenfalls eine therapeutische Flüssigkeitsrestriktion erfolgen, dann sollte die Trinkmenge individuell vom Nephrologen festgelegt werden.

3. Besser Gels & Cremes statt Tabletten! Bei vielen Patienten kann die lokale Applikation von NSAR als Cremes, Gel oder Spray über die Kühlwirkung hinaus eine wirksame Alternative darstellen, die nicht vergessen werden sollte [9, 10, 11, 12]. Zwar werden auch bei topischer NSAR-Anwendung messbare Substanzspiegel im Blutplasma erreicht, sie liegen jedoch 50- bis 100fach unter denen bei systemischer Gabe. Die Konzentrationen, die im Gelenk bzw. im umgebenen Gewebe (Synovialflüssigkeit) erreicht werden, können bei geeigneten Präparaten dabei sehr wirksam sein.


Literatur

[1] www.bah-bonn.de
[2] Mihatsch MJ, Khanlari B, Brunner FP. Obituary to analgesic nephropathy--an autopsy study. Nephrol Dial Transplant 2006; 21 (11): 3139-45
[3] Michielsen P. In memoriam 'analgesic nephropathy' (circa 1972-2006). Nephrol Dial Transplant 2007; 22 (4): 999-1001
[4] Naidoo S, Meyers AM. Drugs and the kidney. S Afr Med J 2015; 105 (4): 2683
[5] Pazhayattil GS, Shirali AC. Drug-induced impairment of renal function. Int J Nephrol Renovasc Dis 2014; 7: 457-68
[6] Moore N, Pollack C, Butkerait P. Adverse drug reactions and drug-drug interactions with over-the-counter NSAIDs. Ther Clin Risk Manag 2015 Jul; 11: 1061-75
[7] Lapi F, Azoulay L, Yin H et al. Concurrent use of diuretics, angiotensin converting enzyme inhibitors, and angiotensin receptor blockers with non-steroidal anti-inflammatory drugs and risk of acute kidney injury: nested case-control study. BMJ 2013;346:e8525
[8] DGR Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie. Rheuma in Zahlen. http://dgrh.de/1726.html
[9] Sandholzer H, Kochen MM. Perkutane Rheumatherapie. Pharma-kritik 1991; 13 (4):13-16
[10] Heyneman CA, Lawless-Liddy C, Wall GC. Oral versus topical NSAIDs in rheumatic diseases. Drugs 2000; 60 (3): 555-74
[11] Zacher J, Burger KJ, Färber L et al. Topisches Diclofenac Emulgel versus orales Ibuprofen in der Therapie der aktivierten Arthrose der Fingergelenke. Doppelblinde, kontrollierte, randomisierte Studie. Akt Rheumatol 2001; 26: 7-14
[12] El-Hadidi T, El-Garf A. Double-blind study comparing the use of Voltaren Emulgel versus regular gel during ultrasonic sessions in the treatment of localized traumatic and rheumatic painful conditions. J Int Med Res 1991; 19: 219-27

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