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360° Thema: Nahrungsmittelallergien - Säuglingsernährung www.leapstudy.co.uk LEAP-Studie (Learning Early About Peanut)

Medizin am Abend Fazit: Ist ein Umdenken bei der Säuglingsernährung erforderlich?

 

http://www.gpau.de/service/leitlinien-der-gpa/gemeinsame-leitlinien-mit-anderen-fachgesellschaften/

Noch bis vor wenigen Jahren galt besonders bei Kindern mit familiärem Allergierisiko die Empfehlung, hochallergene Nahrungsmittel wie Hühnerei, Erdnuss oder Baumnüsse erst spät in die Ernährung einzuführen. 

Nun wurde in einer in England durchgeführten Untersuchung gezeigt, dass die frühe Einführung von Erdnüssen in die Säuglingsernährung zwischen dem vollendeten 4. und 11. Lebensmonat zu einer deutlichen Reduzierung der Häufigkeit von Erdnussallergien führen kann.  

Zurzeit vollkommen unklar ist jedoch, welche Nahrungsmittel früh und regelmäßig gegeben werden sollten. 
 
Über Jahrzehnte hinweg lautete die Empfehlung von Allergologen, hoch allergieauslösende Nahrungsmittel, wie z. B. Erdnüsse, zur Vorbeugung von Nahrungsmittelallergien zu meiden. Die Empfehlung galt besonders für Säuglinge und Kinder mit einem erhöhten familiären Allergierisiko. Gerade diese Vorsicht könnte aber möglicherweise eher zu einer Zunahme der Allergien führen, wie eine in England durchgeführte Studie anhand der frühen Einführung von Erdnüssen in die Säuglingsernährung zeigt (www.leapstudy.co.uk).

Die Ergebnisse der so genannten LEAP-Studie (Learning Early About Peanut) deutet darauf hin, dass die frühe Einführung von Erdnüssen in die Säuglingsernährung zwischen dem vollendeten 4. und 11. Lebensmonat zu einer deutlichen Verminderung der Rate an Erdnussallergien führen kann.

Die Wissenschaftler vermuten, dass der kindliche Magen-Darm-Trakt im ersten Lebensjahr durch eine regelmäßige Auseinandersetzung mit Nahrungsmitteln eine Toleranz statt einer allergischen Immunantwort entwickeln könnte.

Laut Dr. Lars Lange, einer der beiden Koordinatoren der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe Nahrungsmittelallergie der GPA, ist jedoch zurzeit noch gänzlich ungeklärt, welche Nahrungsmittel früh und regelmäßig gegeben werden sollten. Darüber hinaus bestehe bei Gabe zum Beispiel von Erdnüssen oder anderen Nüssen bei kleinen Kindern die Gefahr der Aspiration, was zu lebensbedrohlichen Erstickungsereignissen führen könne.

Sinnvolle Zubereitungen hoch allergener Nahrungsmittel als Alternative stünden für dieses Alter jedoch kaum zur Verfügung.

Im Rahmen der Studie wurden nur Kinder untersucht, die unter einer ausgeprägten Neurodermitis litten, also Kinder mit einem bekannt erhöhten Risiko für eine Nahrungsmittelallergie. Daher lassen sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf gesunde Kinder übertragen. Darüber hinaus zeigte sich, dass ein recht großer Teil der an Neurodermitis erkrankten Kinder (ca. 10%) bereits vor dem ersten Kontakt mit Erdnüssen allergisch waren und auf die erste Gabe mit Allergiesymptomen reagierten.

Noch gravierender war das Risiko allergischer Reaktionen in einer zuvor veröffentlichten Studie aus Australien, bei der ebenfalls das Prinzip der frühen Einführung, allerdings mit Hühnerei getestet wurde. Hierbei erhielten Kinder mit Neurodermitis bereits im Alter von 4 Monaten Hühnerei. Ziel der der Untersuchung war, eine Hühnereiallergie, die in Australien besonders häufig ist, zu verhindern. Diese Studie wurde von den Initiatoren vorzeitig abgebrochen, weil zu viele Kinder bereits beim ersten Kontakt mit Hühnereiweiß zum Teil schwere allergische Symptome zeigten.

Die notwendige Konsequenz vor der frühen Einführung bestimmter Nahrungsmittel wäre also, alle Kindern mit Neurodermitis vorsorglich vor dem ersten Kontakt einem Allergietest zu unterziehen und bei den Allergietest-positiven Kindern orale Nahrungsmittelprovokationen durchzuführen, ein teures und zeitaufwändiges Prozedere.

Trotz der ermutigenden Ergebnisse ist die Zeit für einen Paradigmenwechsel noch nicht gekommen, so Prof. Bodo Niggemann, Koordinator der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe Nahrungsmittelallergie der GPA.

Im Moment laufen in Deutschland und weltweit weitere Studien zur frühen Beikosteinführung von bisher vermiedenen Nahrungsmitteln. Bis zum Vorliegen der Studienergebnisse sind seriöse Empfehlungen hinsichtlich der Einführung potentiell allergener Nahrungsmittel nicht möglich.

Medizin am Abend Fazit:  

Wenn Kinder aber einen Kontakt mit Nüssen oder Erdnuss zum Beispiel in Form von Brotaufstrichen bereits problemlos vertragen, sollten diese Nahrungsmittel regelmäßig verabreicht werden, um dem Körper die Möglichkeit zur Toleranzentwicklung zu erhalten. 


Wissenschaftliche Arbeitsgruppe Nahrungsmittelallergie der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V. (GPA)
Dr. med. Lars Lange, Bonn
Prof. Dr. med. Bodo Niggemann, Berlin

Medizin am Abend DirektKontakt

iKOMM GmbH, Friesenstr. 14
53175 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
E-Mail-Adresse: ulrich.kuemmel@ikomm.info
Dr. Ulrich Kümmel

Telefon: 0228373841
Fax: 0228373840
E-Mail-Adresse: ulrich.kuemmel@ikomm.info
Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V.


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.leapstudy.co.uk LEAP Studie

Berliner Herzschlag - am Puls der Hauptstadt: Samstag, 13. Juni 2015 Charité und DHZB Symposium Herzmedizin


Medizin am Abend Fazit: Conclusio

Google, Merke, Beachte: PCSK9 - LDL, FFR, OCT, Flussvolumen-Messung, IVUS, IFR, Cholchicin, Syntax Score, Hybrid-OP-Saal, ZS-9-Substanz, LC2696


Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. med. B. Pieske, Prof. Dr. med. U. Landmesser, Prof. Dr. med. V. Falk






Hauptstadtkongress 2015 in Berlin –-- Bad Bank für Krankenhäuser--- Krankenhaus Rating Report 2015

Medizin am Abend Fazit:    Krankenhaus Rating Report 2015

 

Und die Bundeskanzlerin:

 

 http://www.bundeskanzlerin.de/Webs/BKin/DE/Mediathek/Einstieg/mediathek_einstieg_podcasts_node.html?id=1383936

 

Die Insolvenzwahrscheinlichkeit deutscher Krankenhäuser ist im Jahr 2013 leicht gestiegen, gleichzeitig hat sich aber ihre Ertragslage verbessert. Nach wie vor ist die Kapitalausstattung der Krankenhäuser jedoch unzureichend, der kumulierte Investitionsstau beträgt mindestens 12 Milliarden Euro.

Mittelfristig wird der demographische Wandel ein deutlich effizienteres Gesundheitswesen erfordern. Ansätze hierzu sind strukturelle Veränderungen und eine stärkere Digitalisierung der Medizin. Eine Art „Bad Bank“ für Krankenhäuser könnte dabei helfen, Klinikschließungen besser zu bewerkstelligen. Ein solcher Fonds würde eine Anfangsausstattung von ca. 2,7 Milliarden Euro benötigen.
 
Die Insolvenzwahrscheinlichkeit deutscher Krankenhäuser hat sich im Jahr 2013 gegenüber dem Vorjahr leicht erhöht. 16% befanden sich im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr. Gleichzeitig besserte sich aber ihre Ertragslage: die durchschnittliche Umsatzrendite stieg von 0,7 auf 1,4%. Auf Konzernebene schrieben 30% der Krankenhäuser einen Jahresverlust, 2012 waren es noch 33%. Aufgrund der verbesserten Ertragslage waren 2013 zudem 56% der Kliniken voll investitionsfähig, nach nur 48% im Jahr zuvor. Nach wie vor ist die Kapitalausstattung der Krankenhäuser jedoch unzureichend. Ihr jährlicher Investitionsbedarf (ohne Universitätskliniken) beträgt rund 5,3 Milliarden Euro. Die Länder steuern derzeit nur die Hälfte davon bei. Der kumulierte Investitionsstau beträgt mindestens 12 Milliarden Euro. Bei Fortschreibung des Status quo würde der Anteil der Krankenhäuser mit erhöhter Insolvenzgefahr bis 2020 weiter auf 27% steigen. Das anstehende Krankenhausstrukturgesetz dürfte zu einer Verbesserung der Lage führen, allerdings nur in dem Sinne, dass es zu keiner weiteren Verschlechterung bis 2020 kommt. Produktivitätsfortschritte und Marktaustritte von wirtschaftlich schwachen Häusern sind daher zusätzlich nötig, um den Anteil der Kliniken im „roten“ Bereich wieder zu verringern.

Zu diesen Ergebnissen kommt der elfte „Krankenhaus Rating Report“, den das RWI, die Institute for Healthcare Business GmbH (hcb), die Stiftung Münch und die Philips GmbH gemeinsam erstellt haben und dessen Ergebnisse im Rahmen des „Hauptstadtkongress 2015 – Medizin und Gesundheit“ in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Der Report basiert auf einer Stichprobe von 600 Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2012 sowie 143 Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2013. Sie umfassen insgesamt rund 950 Kliniken.

Ostdeutschen Kliniken geht es wirtschaftlich weiter am besten

In den ostdeutschen Bundesländern war die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser 2013 wie im Vorjahr am besten, gefolgt von Nordrhein-Westfalen.
Am schwierigsten war die Lage in Niedersachsen/Bremen, Baden-Württemberg, Bayern und Hessen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Situation insbesondere in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg verschlechtert. In vielen Regionen sind die Krankenhausstrukturen ungünstig, es gibt zu viele kleine Einheiten, eine zu hohe Krankenhausdichte und zu wenig Spezialisierung. In Ostdeutschland haben die Strukturanpassungen der vergangenen Jahrzehnte indessen Früchte getragen.

Bei einer Betrachtung nach Trägern lagen im Jahr 2013 29% der öffentlich-rechtlichen Häuser im „roten Bereich“, 14% der freigemeinnützigen und 5% der privaten. Dabei mussten alle Trägerschaften in den vergangenen Jahren eine Verschlechterung hinnehmen. Vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und im Nordwesten war die Lage vieler öffentlich-rechtlicher Häuser kritisch. Vorteilhaft sowohl in wirtschaftlicher als auch in qualitativer Hinsicht war ein hoher Spezialisierungsgrad. Ferner zeigte sich, dass Krankenhäuser mit hohem Kapitaleinsatz, d.h. Investitionen, wirtschaftlich stärker aufgestellt waren.

Mengenwachstum fand nicht mehr statt

Bemerkenswert ist, dass die Zahl der Krankenhausfälle 2013 nur um 0,9% stieg und das gesamte Leistungsvolumen (Casemixvolumen) sogar nahezu unverändert blieb. Dagegen stiegen die Preise für Krankenhausleistungen stärker als in den vergangenen Jahren. Es scheint sich hier in Bezug auf das in der Vergangenheit beobachtete Mengenwachstum eine Trendwende abzuzeichnen.

Überdies konnte erstmals der Anteil von Einrichtungen untersucht werden, die nicht an der Notfallversorgung teilnehmen. Er betrug 2013 nur 1,4%. Deutlich wird, dass sich darunter vorwiegend kleine Kliniken mit weniger als 50 Betten befinden. Unter ihnen sind viele Spezialversorger. Dagegen nahmen nahezu alle Grundversorger an der Notfallversorgung teil.

Demographischer Wandel macht effizienteres Gesundheitswesen nötig

Insbesondere nach dem Jahr 2020 wird sich nach Einschätzung der Wissenschaftler der demographische Wandel verstärkt im Gesundheitswesen bemerkbar machen. Mehr Alte und weniger Junge werden nicht nur die sozialen Sicherungssysteme finanziell überfordern, sondern auch das Krankenhauspersonal knapper und teurer machen. Mittelfristig ist daher ein deutlich effizienteres Gesundheitswesen nötig, um einer Rationierung in der Medizin entgegenwirken zu können. Effizienzverbesserungen des nötigen Ausmaßes scheinen nur auf der Ebene regionaler oder nationaler und integrierter Verbünde erzielbar. Dabei geht es nicht nur um Kostensenkungen, sondern auch um eine verbesserte medizinische Versorgungsqualität und ein besseres Case Management.

Im Personalbereich werden insbesondere im ärztlichen Bereich neue Wege beschritten werden müssen. 2013 entfiel erstmals der größte Teil der Personalkosten von Krankenhäusern nicht mehr auf den Pflegedienst, sondern mit 31% auf den ärztlichen Dienst.

Dieser immer weiter steigende Anteil wird die Krankenhäuser mittelfristig dazu zwingen, ärztliche Tätigkeiten stärker zu delegieren und zu substituieren. 

Ein Ansatz hierzu könnte die Digitalisierung der Medizin sein. Voraussetzungen hierfür sind die elektronische Patientenakte, eine offene Telematikinfrastruktur und sektorenübergreifende Medizin.

„Bad Bank“ für Krankenhäuser könnte Marktaustritte begleiten

Im Krankenhaussektor finden nur wenige Marktaustritte statt, obwohl die Versorgungssicherheit in kaum einer Region dadurch gefährdet würde. Um Marktaustritte besser bewerkstelligen zu können, schlagen die Wissenschaftler eine Weiterentwicklung des vom Gesetzgeber geplanten Strukturfonds hin zu einer Art „Bad Bank“ für Krankenhäuser vor. Dieser „aktive Strukturfonds“ würde Krankenhäuser zur Abwicklung aufnehmen, wenn für den Träger weder eine Sanierung noch ein Verkauf in Frage kommt und der Standort nicht aus Versorgungsgründen aufrechterhalten werden muss. Parallel dazu sollten bundesweit einheitliche Mindestanforderungen an die Erreichbarkeit und die Qualität der Krankenhäuser sowie an die Notfallversorgung formuliert werden.

Der Fonds sollte einerseits die Kosten für den Abriss oder ggf. die Umwidmung der Immobilie sowie für die Aufstellung eines Sozialplans tragen. Andererseits könnte er auch Einnahmen erzielen, wenn er die bislang vereinbarten Casemixpunkte des zu schließenden Krankenhauses ohne Fixkostendegressionsabschlag anderen Trägern in der Region anbietet.

Geht man davon aus, dass alle insolvenzgefährdeten, nicht versorgungsrelevanten Krankenhäuser mit einem Jahresverlust und mit weniger als 400 Betten an den Fonds übergingen, entstünden ihm Abwicklungskosten von rund 4,3 Milliarden Euro. Demgegenüber stünden Erlöse aus dem Verkauf der Casemixpunkte-Lizenzen in einer Größenordnung von schätzungsweise 1,6 Milliarden Euro. Insgesamt würde der Fonds damit eine Anfangsausstattung von 2,7 Milliarden Euro benötigen.

Er sollte aus Bundesmitteln gespeist werden und unabhängig von den Ländern agieren können.

Medizin am Abend DirektKontakt 

Dr. Boris Augurzky (RWI) Tel.: (0201) 81 49-203
Sabine Weiler  Tel.: (0201) 81 49-213
Dr. Sebastian Krolop (Philips) Tel.: (0151) 29 908 758

Dieser Information liegt die Studie "Krankenhaus Rating Report 2015: ,Bad Bank‘ für Krankenhäuser - Krankenhausausstieg vor der Tür?" zugrunde. Sie enthält unter anderem zahlreiche grafisch aufbereitete Darstellungen und Krankenhausbenchmarks. Die Studie kann bis zum 30. Juni 2015 für 324,99 Euro (danach: 349,99) inkl. 7% MwSt. beim Verlag medhochzwei (www.medhochzwei-verlag.de) bestellt werden (Buch inklusive eBook, ISBN 978-3-86216-229-1; als Jahresband im Abonnement für 324,99 Euro). Sie ist auch als reines E-Book erhältlich. Sämtliche Grafiken und Tabellen sind separat auf CD verfügbar.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.medhochzwei-verlag.de - hier kann der "Krankenhaus Rating Report" direkt bestellt werden

Speiseröhrenkrebs - Medikamentöse Strategie

Medizin am Abend Fazit:    Brüchiges Erbgut: Neuer Therapie-Ansatz gegen Speiseröhrenkrebs

 

Bevor es zu dieser Erkrankung kommt, sollte folgendes beachtet werden: 

 

http://www.praxisvita.de/soforthilfe-bei-reflux

 

Bei Speiseröhrenkrebs könnte eine medikamentöse Strategie erfolgreich sein, die bereits bei Leukämien im klinischen Einsatz ist. 


Das zeigen Forscher des Universitätsklinikums Freiburg. Sie behandelten gesunde und entartete Speiseröhrenepithelzellen mit „epigenetisch“ wirksamen Substanzen, die das Erbgut der Krebszellen brüchig machen. 

Während die gesunden Zellen überlebten, starben die Krebszellen ab. Ein solcher epigenetischer Therapie-Ansatz könnte bei inoperablem Speiseröhrenkrebs zielgerichteter wirken als bisherige Strahlen-und Chemotherapien. Die in der Zeitschrift Epigenetics veröffentlichte Studie könnte langfristig zu effektiveren und verträglicheren Krebs-Therapien beitragen. 

Speiseröhrenkrebszellen in der Petrischale angefärbt: Blau: DNA im Zellkern, Rot und Grün: Eiweißstoffe in der Zelle,  Universitätsklinikum Freiburg


Speiseröhrenkrebszellen in der Petrischale angefärbt: Blau: DNA im Zellkern, Rot und Grün: Eiweißstoffe in der Zelle


Speiseröhrenkrebs in der westlichen Welt stark auf dem Vormarsch

6.500 Menschen erkrankten im Jahr 2012 in Deutschland an Speiseröhrenkrebs, der damit zwar zu den selteneren Tumorerkrankungen gehört;  


gleichzeitig zeigt er aber eine der höchsten Zuwachsraten an Neuerkrankungen. 

Die Zahlen haben sich seit 1990 mehr als versiebenfacht. Grund sind vermutlich verändertere Lebens- und Ernährungsgewohnheiten. Wichtigste Risikofaktoren sind langjähriges Sodbrennen, Alkoholkonsum und Rauchen.

Es gibt zwei häufige histologische und klinische Typen von Speiseröhrenkrebs, das Adenokarzinom und das Plattenepithelkarzinom. Bislang werden Erkrankte chirurgisch, mit Strahlen- oder Chemotherapie oder einer Kombination aus beidem behandelt. Wegen der meist späten Diagnose überlebt aber gerade einmal jeder fünfte Patient mehr als fünf Jahre – trotz Therapie.

Epigenetische Behandlung wirkt gezielt gegen Krebszellen

Einen gänzlich neuen Ansatz im Kampf gegen Speiseröhrenkrebs hat nun die Forschergruppe von Prof. Dr. Silke Lassmann und Prof. Dr. med. Martin Werner am Institut für Klinische Pathologie des Universitätsklinikums Freiburg erprobt. Die jetzt erschienene Studie ist in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung entstanden, dem Prof. Lassmann und Prof. Werner angehören sowie dem Exzellenzcluster BIOSS Centre for Biological Signalling Studies der Universität Freiburg, an dem Prof. Lassmann Assoziiertes Mitglied ist.

Im Labor behandelten sie mit ihrem Team junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Zellkulturen aus normalen und entarteten Zellen mit vier „epigenetisch“ wirksamen Substanzen, die das Erbmaterial auflockern und dadurch zerbrechlicher machen. 

Bricht das Erbmaterial, führt dies meist zum Absterben der Zelle. 

Die Wirkstoffe wurden jeweils allein und in Kombination auf die Zellen aufgebracht. Während sich die Zellen gegen einzelne Substanzen zur Wehr setzen konnten, starben die Krebszellen bei der Kombination der beiden Stoffe Entinostat und Azacitidin. Gesunde Zellen nahmen auch dann keinen Schaden.

„Gesunde Zellen haben offenbar noch einen Plan B, also Schutz- und Reparatur-Mechanismen, die bei Krebszellen nicht mehr funktionieren. Das macht die Krebszellen anfälliger“, sagt Prof. Lassmann. Welche Schutzmechanismen bei gesunden Zellen vorhanden sind und bei Krebszellen fehlen, möchten die Forscher als nächstes herausfinden. Azacitidin ist bereits für die Behandlung von Leukämien zugelassen. Für Entinostat läuft derzeit die Zulassung in der Krebstherapie.

Ergebnisse möglicherweise auch auf andere Tumoren übertragbar

In Gewebeschnitten von operativ entferntem Speiseröhrenkrebs wiesen die Forscher jene Zielstrukturen nach, gegen die die epigenetischen Wirkstoffe gerichtet sind. Auch in Darmkrebs-Gewebe und anderen Tumorarten des Magen-Darm-Trakts ließen sich dieselben molekularen Ziele identifizieren. Das spricht dafür, dass sich die Erkenntnisse zumindest teilweise auf andere Tumorarten übertragen lassen.

„Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, dass sich daraus ein neuer Ansatz im Kampf gegen Speiseröhrenkrebs entwickeln lässt. Aber klar ist: das ist nur ein erster Schritt und viele weitere müssen folgen“, dämpft Prof. Lassmann zu große Hoffnungen.

Die Forschungsarbeit ist im Rahmen des Sonderforschungsbereichs SFB 992 „Medizinische Epigenetik – Von grundlegenden Mechanismen zu klinischen Anwendungen“ entstanden, dem die Arbeitsgruppe von Prof. Lassmann angehört. Gleichzeitig besteht ein intensiver Austausch mit dem Zentrum für Gastrointestinale Tumore des Universitätsklinikums Freiburg, das Diagnose und Therapie auf dem neuesten Stand der Forschung betreibt.

Original-Titel der Arbeit: Selective inhibition of esophageal cancer cells by combination of HDAC inhibitors and Azacytidine

DOI: 10.1080/15592294.2015.1039216.

Link zum Online-Artikel: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25923331


Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Silke Lassmann
Institut für Klinische Pathologie
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-80620
silke.lassmann@uniklinik-freiburg.de
Benjamin Waschow Universitätsklinikum Freiburg


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.uniklinik-freiburg.de/pathologie/forschung/ag-lassmann.html Forschungsgruppe Lassmann/Werner

http://www.sfb992.uni-freiburg.de/ SFB 992 „Medizinische Epigenetik – Von grundlegenden Mechanismen zu klinischen Anwendungen“

http://www.bioss.uni-freiburg.de/ BIOSS Centre for Biological Signalling Studies

http://www.dkfz.de/de/dktk/partnerstandorte/Freiburg.html Deutsches Konsortium Translationales Krebszentrum Partnerstandort Freiburg

Darmbakterium Clostridium difficile: Schwere Durchfälle - Lebensbedrohliche Darmentzündung

Medizin am Abend Fazit:    cMolekulare Andockstelle eines Bakteriengifts identifiziert

 

Mal für ein weiteres Tagesgelingen zum Einkauf: 

 

http://www.praxisvita.de/warum-wir-jetzt-radieschen-essen-sollten#

Freiburger Forscher haben aufgeklärt, wie ein von Darmerregern hergestelltes Toxin ins Innere von Zellen gelangt 

© Panagiotis Papatheodorou 

© Panagiotis Papatheodorou
 
Das Darmbakterium Clostridium difficile kann mithilfe seiner Giftstoffe schwere Durchfälle und lebensbedrohliche Darmentzündungen hervorrufen.

Die Freiburger Pharmakologen und Toxikologen Prof. Dr. Dr. Klaus Aktories und Privatdozent Dr. Panagiotis Papatheodorou haben die molekulare Andockstelle identifiziert, die dafür verantwortlich ist, dass ein bestimmtes C. difficile-Toxin an seinen Rezeptor auf der Membran von Zellen der Darmschleimhaut bindet. Der Rezeptor befördert den Giftstoff wie ein Fahrstuhl ins Zellinnere, wo das Toxin seine tödliche Wirkung entfaltet. „Bakterien werden zunehmend resistent gegenüber Antibiotika.

Neue Therapiekonzepte sind daher erforderlich, die nicht mehr primär auf die Bakterien ausgerichtet sind“, sagt Aktories. „Das Ziel sollte zukünftig sein, zusätzlich das toxische Potenzial ihrer Giftstoffe zu reduzieren.“ Die Forschungsergebnisse haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Journal of Biological Chemistry“ veröffentlicht.

Der Darmerreger C. difficile tritt vor allem in Krankenhäusern und häufig bei älteren oder immungeschwächten Personen in Erscheinung.

In den westlichen Ländern nehmen Infektionen mit so genannten hypervirulenten C. difficile-Stämmen, die gefährlicher und schwieriger zu behandeln sind, rasant zu. 

Das Krankheitsbild der C. difficile-Infektion wird maßgeblich durch zwei Toxine ausgelöst, die vom Erreger abgegeben werden und dann die Darmschleimhaut schädigen. 

Besonders gefährliche hypervirulente Stämme produzieren ein drittes Toxin, die C. difficile-Transferase (CDT). Das CDT-Toxin verändert das Zellskelett, sodass die Wirtszellen zusammenbrechen und schließlich absterben.

Aktories und Papatheodorou identifizierten 2011 das Oberflächenprotein LSR (lipolysis-stimulated lipoprotein receptor) als Rezeptor für den Giftstoff CDT. CDT verwendet LSR, um in Wirtszellen einzudringen.

Die Arbeitsgruppe um Papatheodorou und Aktories hat nun diejenigen Bereiche innerhalb des CDT-Toxins und des LSR-Rezeptors eingegrenzt, die miteinander wechselwirken. Zu diesem Zweck stellten die Forscherinnen und Forscher Zellen, denen der LSR-Rezeptor fehlt, sowie Verkürzungen des Toxins und des Rezeptors gentechnisch her. Anschließend prüften sie, ob das CDT-Toxin an seinen Rezeptor binden und in die Zelle aufgenommen werden kann. Es stellte sich heraus, dass der Teil des Toxins, der mit dem Rezeptor interagiert, deutlich kleiner ist als bislang angenommen: Allein der Teil des Rezeptors, der sich außerhalb der Zelle befindet, reicht für die Aufnahme des Toxins aus. „Zukünftig sollte es dank dieses Wissens möglich sein, die entsprechenden Bereiche des Giftstoffes und des Rezeptors zu blockieren und damit den Eintritt des Toxins in die Wirtszellen zu verhindern“, erklärt Papatheodorou.

Papatheodorou und Aktories forschen am Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität Freiburg. Aktories ist zudem Mitglied des Freiburger Exzellenzclusters BIOSS Centre for Biological Signalling Studies.

Originalpublikation:
Hemmasi S*, Czulkies BA*, Schorch B, Veit A, Aktories K, Papatheodorou P (2015). Interaction of the Clostridium difficile Binary Toxin CDT and Its Host Cell Receptor, Lipolysis-stimulated Lipoprotein Receptor (LSR). In: Journal of Biological Chemistry 290(22):14031-44. DOI: 10.1074/jbc.M115.650523
*geteilte Erstautorenschaft


Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Dr. Klaus Aktories
Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-5301
E-Mail: klaus.aktories@pharmakol.uni-freiburg.de
Rudolf-Werner Dreier Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Gamma-Kammera: Myokard-Szintigraphie - Myokard-SPECT

Medizin am Abend Fazit:   Moderne Nuklearmedizin: Schneller und strahlungsärmer

 

In derzeit nur zehn deutschen Universitätskliniken und Praxen stehen Gamma-Kameras der neuesten Generation zur Verfügung. Eine davon hat jetzt am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, im Institut für Radiologie, Nuklearmedizin und molekulare Bildgebung unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Burchert ihren Betrieb aufgenommen. Das Gerät des Typs Discovery NM 530 c bietet erhebliche Vorteile für die Patienten. „Wir können zukünftig deutlich schneller und mit geringerer Strahlendosis untersuchen“, betont Burchert. In der Herzdiagnostik bieten sich dadurch viele neue Einsatz- und Forschungsmöglichkeiten. 

Verbesserte Herzdiagnostik: Professor Dr. Wolfgang Burchert mit der neuen Gamma-Kamera im HDZ NRW
Verbesserte Herzdiagnostik: Professor Dr. Wolfgang Burchert mit der neuen Gamma-Kamera im HDZ NRW (Foto: Armin Kühn).
 
Die Gamma-Kamera wird im Herz- und Diabeteszentrum NRW vor allem zur sogenannten Myokard-Szintigraphie eingesetzt. Diese Untersuchung führen die Nuklearmediziner bei Verdacht auf eine koronare Herzerkrankung (KHK) durch. Die Myokard-Szintigraphie stellt die Durchblutung des Herzmuskels sowohl bei Belastung als auch in Ruhe in Schnittbildern dar. Im Vergleich zu ihrem Vorgänger ist die neue Gamma-Kamera mehr als doppelt so schnell. Die Strahlenbelastung für den Patienten ist dabei nur noch halb so groß.

Zunächst erhalten die Patienten eine Spritze mit schwach radioaktiven Substanzen, die sich im Körper verteilen. Nach 45 Minuten Wartezeit kommt die Gamma-Kamera zum Einsatz.

Dunkle Stellen zeigen schlecht durchblutete Bereiche an, helle Stellen gut durchblutete. „Grundsätzlich gilt: Wenn bei Belastung mehr als zehn Prozent des Herzmuskels schlecht durchblutet sind, ist zu einem Herzkathetereingriff oder einer Bypassoperation zu raten.“

Im Vergleich zu früher müssen die Patienten während der Untersuchung auch nicht mehr so lange still liegen bleiben. Die hohe Qualität der Aufnahmen und deutlich reduzierte Strahlendosis ist einer neuen, hochempfindlichen Halbleiter-Detektoren-Technologie zu verdanken, mit der die neue Gamma-Kamera NM 530c ausgestattet ist.  

Weil verschiedene radioaktive Untersuchungssubstanzen auch gleichzeitig aufgenommen werden können, wird es zukünftig leichter, Entzündungsherde im Körper zu erkennen und zu lokalisieren.

Das Gerät verfügt zudem über einen so genannten List Mode, der den Einstrom der radioaktiven Substanz im Herzmuskel exakt nachverfolgen kann. „Dass wir die Durchblutung damit auch quantitativ messen können, ist für die weitere Forschung zur Koronaren Herzkrankheit hochinteressant.“

Hintergrundinformation

Myokardszintigraphie

Dieses nuklearmedizinische Verfahren wird eingesetzt, wenn auf Grund von Risikofaktoren oder Symptomen der Verdacht auf Verengungen in den Herzkranzgefäßen besteht und/oder das Belastungs-EKG keine richtungweisenden Informationen ergibt. Die Untersuchung wird auch „Myokard-SPECT“ (Myokard = Herzmuskel) genannt. Im Herz- und Diabeteszentrum NRW wird die Untersuchung im Medizinischen Versorgungszentrum durchgeführt.

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Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, ist ein international anerkanntes Zentrum zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen. Mit 37.000 Patienten pro Jahr, davon 15.000 in stationärer Behandlung, ist das HDZ NRW ein führendes Spezialklinikum in Europa. Unter einem Dach arbeiten vier Universitätskliniken und Institute seit 30 Jahren interdisziplinär zusammen. Das HDZ NRW ist Universitätsklinik und zugleich Akademisches Lehrkrankenhaus der Ruhr-Universität Bochum.

Medizin am Abend DirektKontakt

Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Anna Reiss
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 / 97 1955
Fax 05731 / 97 2028
E-Mail: info@hdz-nrw.de


Weitere Informationen:
http://www.hdz-nrw.de

Charité - Universitätsmedizin Berlin: Eröffnung der Interdisziplinären Onkologischen Portalambulanz http://opa.charite.de/

Medizin am Abend Fazit:  Charité bündelt Krebs-Expertise


Die Charité – Universitätsmedizin Berlin eröffnet jetzt am Campus Charité Mitte die Interdisziplinäre Onkologische Portalambulanz. Mit dieser zentralen Anlaufstelle für ambulante Krebspatienten bündelt die Uniklinik ihre Expertise in der Krebsmedizin noch stärker. Ziel ist es, die fächerübergreife Behandlung auch im ambulanten Bereich noch weiter zu verbessern. In der Portalambulanz werden alle hämatologischen und onkologischen Krankheitsbilder diagnostiziert und behandelt.

Für eine optimale Therapie braucht es die Expertise aller diagnostischen und therapeutischen Fächer. In interdisziplinären Tumorkonferenzen besprechen die Experten die optimale Therapie für die einzelnen Patienten.

Für die Betroffenen werden sich auch die Wege verkürzen. 

„Alle Spezialsprechstunden befinden sich jetzt an einem Ort.

So erleichtern wir die fächerübergreifende Zusammenarbeit für alle Beteiligten: Beispielsweise wird ein Patient mit Darmkrebs nach entsprechend spezialisierter Diagnostik durch die Gastroenterologen, Radiologen und Pathologen von den Experten der Chirurgie, der internistischen Onkologie und eventuell auch der Strahlentherapie gemeinsam behandelt.

In der Portalambulanz planen und koordinieren wir die bestmögliche ganzheitliche und auch leitliniengerechte Therapie der Patienten“, sagt Dr. Bert Hildebrandt, Leiter der Interdisziplinären Onkologischen Portalambulanz. Zudem erhalten die Betroffenen und deren Angehörige psychologische Beratung sowie weitere unterstützende Angebote.

Für Patienten anderer Kliniken oder Praxen bietet die Ambulanz die zeitnahe Einholung einer ärztlichen Zweitmeinung an.

Die Interdisziplinäre Onkologische Portalambulanz wird im Rahmen eines Symposiums am Mittwoch, den 17. Juni von 16 bis 18.30 Uhr am Campus Charité Mitte, Charitéplatz 1 (Geländeadresse: Virchowweg 6) in 10117 Berlin feierlich eröffnet.

Die Veranstaltung ist für Fach- und Laienpublikum geeignet.

Medizin am Abend DirektKontakt:   http://opa.charite.de/

Dr. med. Bert Hildebrandt
Leiter der Interdisziplinären Onkologischen Portalambulanz
Charité Comprehensive Cancer Center
Medizinische Klinik und Poliklinik mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie
Campus Charité Mitte
t: +49 30 450 513 102

Frage: Thymische B-Zellen - na gibts denn so etwas?

Medizin am Abend Fazit:  Immunologie - Neue Funktion von B-Zellen entdeckt

 

360° Medizin am Abend SpezialLink: GKV-Versorgungsstärkungsgesetz 

 

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/040/1804095.pdf 

 

Die klassische Funktion von B-Zellen ist die Antikörper-Produktion. LMU-Forscher haben nun eine bislang unbekannte Rolle dieser Immunzellen nachgewiesen: In der Thymusdrüse treiben sie unerwünschte T-Zellen in den Zelltod und verhindern damit Autoimmunerkrankungen. 
 
B- und T-Zellen sind die Soldaten des Immunsystems. Während B-Zellen Antikörper gegen Krankheitserreger produzieren, können T-Zellen Angreifer oder infizierte Zellen vernichten. Ein Team um den LMU-Immunologen Professor Ludger Klein hat jetzt eine neue Funktion der B-Zellen entdeckt: Sie setzen in der Thymusdrüse potenziell gefährliche T-Zellen außer Gefecht, damit diese nicht körpereigene Strukturen angreifen. Darüber berichten die Forscher aktuell in der Fachzeitschrift Immunity.

T-Zellen tragen Rezeptoren auf ihrer Oberfläche, mit denen sie Strukturen von Fremdkörpern erkennen. Mit diesen individuellen Rezeptoren werden sie quasi per Zufallsprinzip ausgestattet, wenn sie in der Thymusdrüse heranreifen. Dank dieser Vielfalt kann das Immunsystem auf nahezu jeden Krankheitserreger reagieren.  

Haben T-Zellen aber einen Rezeptor bekommen, mit dem sie körpereigene Strukturen erkennen, besteht die Gefahr, dass sie sich gegen den eigenen Körper richten und Autoimmunerkrankungen auslösen wie Multiple Sklerose oder Typ 1 Diabetes. Damit das nicht passiert, müssen solche autoreaktiven T-Zellen vernichtet werden, bevor sie die Thymusdrüse verlassen.

T-Zellen erkennen körpereigene und -fremde Strukturen nicht direkt, sondern über den Umweg von sogenannten antigen-präsentierenden Zellen.

In der Thymusdrüse gibt es antigen-präsentierende Zellen, die darauf spezialisiert sind, körpereigene Strukturen für T-Zellen sichtbar zu machen und sie so in den Zelltod zu treiben.

 „Wir konnten bereits in früheren Untersuchungen zeigen, dass dafür ein spezialisierter Zelltyp eine wichtige Rolle spielt: die medullären Epithelzellen. Sie produzieren sämtliche körpereigenen Strukturen und präsentieren diese den T-Zellen. Gesteuert wird dieses Phänomen durch ein Gen, das Autoimmune Regulator (Aire)Gen“, sagt Ludger Klein. Auf diese Weise wird praktisch ein Spiegelbild aller Proteine des gesamten Körpers in den Thymus hineinprojiziert, sodass gefährliche T Zellen noch während ihrer „Ausbildung“ im Thymus entschärft werden.

Thymische B-Zellen haben besondere Eigenschaften

In der neuen Studie haben die Forscher um den LMU-Immunologen nun entdeckt, dass auch B-Zellen im Thymus das Aire-Gen exprimieren. „Wir haben Hinweise darauf gefunden, dass B-Zellen möglicherweise ebenso wichtig sind wie medulläre Epithelzellen, um autoreaktive T-Zellen zu eliminieren“, sagt Klein. Ihr Ergebnis widerlegt die bisherige Annahme, dass ausschließlich medulläre Epithelzellen und dendritische Zellen wichtige antigen-präsentierende Zellen im Thymus sind.

Wie die Forscher herausfanden, unterscheiden sich B-Zellen in der Thymusdrüse in mehrerer Hinsicht von B-Zellen in Blut, Milz und Lymphknoten, wo sie sich üblicherweise aufhalten. 

„Thymische B-Zellen zeigen mehrere Eigenschaften, die ansonsten nur für hochspezialisierte antigen-präsentierende Zellen charakteristisch sind“, sagt Klein. Diese Eigenschaften sind das Resultat eines „Umerziehungsprozesses“, den aus dem Blutstrom eingewanderte B Zellen durchlaufen, wenn sie mit T-Zellen im Thymus interagieren.

In einem nächsten Schritt wollen die Forscher untersuchen, ob eine erblich bedingte verminderte B-Zellfunktion, die bislang nur mit einer verminderten Immunantwort in Verbindung gebracht wurde, paradoxerweise auch Auslöser von T-Zell-vermittelten Autoimmunerkrankungen, also einer Überfunktion des Immunsystems, sein kann.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Professor Ludger Klein
Professor für Zelluläre Immunologie an der LMU
Institute for Immunology der LMU
Tel.: 089 / 2180 75696
E-Mail: ludger.klein@med.uni-muenchen.de
Luise Dirscherl Ludwig-Maximilians-Universität München

Publikation:

Tomoyoshi Yamano, Jelena Nedjic, Maria Hinterberger, Madlen Steinert, Sandra Koser, Sheena Pinto, Norbert Gerdes, Esther Lutgens, Naozumi Ishimaru, Meinrad Busslinger, Benedikt Brors, Bruno Kyewski and Ludger Klein:
Thymic B cells undergo licensing to express and present self antigens for central T cell tolerance
In: Immunity

http://www.cell.com/immunity/abstract/S1074-7613(15)00211-3

Teilbrustbestrahlung (APBI) oder verkürzte Bestrahlung der ganzen Brust

Medizin am Abend Fazit:  DEGRO-Experten erläutern Vorteile:

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 75 000 Frauen an Brustkrebs. Das Mammakarzinom ist damit die häufigste Krebserkrankung der Frau. Bei mehr als zwei Drittel der Erkrankten ist eine brusterhaltende Operation möglich. Die anschließende Bestrahlung des Gewebes verhindert Rückfälle und dauerte bislang an die sechs Wochen – eine lange Zeit für die Betroffenen. Deshalb setzen Experten die „Radiotherapie“ jetzt noch gezielter ein. Bei welchen Patientinnen eine verkürzte Bestrahlung der ganzen Brust möglich ist, und bei welchen eine Teilbrustbestrahlung der beste Weg ist, diskutieren Experten am 25. Juni 2015 auf der Pressekonferenz der Radioonkologen in Hamburg. 
 
Nahezu alle Frauen mit Brustkrebs erhalten nach einer brusterhaltenden Operation eine Bestrahlung von Brust und Brustwand, um einen Rückfall der Krebserkrankung im Operationsgebiet und in den angrenzenden Lymphknoten zu verhindern.  

Diese Ganzbrustbestrahlung weicht immer mehr neuen, individuell zugeschnittenen Konzepten: „Lange Zeit hatten wir für alle Patientinnen einen Therapiestandard: Die ganze Brust wurde über fünf bis sechs Wochen bestrahlt“, sagt Professor Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim der DEGRO. Die Therapie ist hocheffektiv, aber für die Patientinnen ist die wochenlange Behandlung eine Belastung. „Heute entwickelt sich die Radiotherapie hin zu personalisierten, individualisierten und risikoadaptierten Konzepten“, erklärt der Strahlentherapeut.

Der Radioonkologe berücksichtigt dabei noch stärker als bisher Art, Lage und Größe des Tumors sowie Alter und Belastbarkeit der Patientin.

Mit einer Computertomographie der Brust als Basis erstellt er ein individuelles Patientenmodell. Ein Medizinphysikexperte errechnet die Dosisverteilung.

Dann beginnt die tägliche, fraktionierte Behandlungsserie für die Patientin: 
An jedem Wochentag wird sie in einer fünf bis zehnminütigen Sitzung mit dem Linearbeschleuniger bestrahlt, einem Gerät in dem Elektronen beschleunigt und in therapeutische Röntgenstrahlen mit hoher Energie umgewandelt werden, um dann gezielt auf den Tumor gelenkt zu werden.

„Strahlenbiologische Gesetzmäßigkeiten halfen dabei, eine Strategie zu entwickeln, mit der sich die Behandlungsdauer für die Patientinnen bei gleich gutem Ergebnis verkürzen ließ“, berichtet Professor Dr. med. Cordula Petersen, Tagungspräsidentin der DEGRO.

Die Strahlen erzeugen Brüche im Erbgut der Krebszellen und verhindern so, dass diese sich weiter teilen. Doch ein Teil der Zellen kann sich wieder erholen. „Deren Anteil verringert sich, wenn wir mit höheren Einzeldosen bei gleichzeitig reduzierter Gesamtdosis bestrahlen“, so die Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Studien aus Großbritannien, Kanada und Dänemark zeigen, dass durch diese sogenannte Hypofraktionierung die Behandlungszeit bei gleicher Heilungschance von den herkömmlichen fünf bis sechs Wochen auf drei bis vier Wochen reduziert werden kann

Da sich ein Rückfall in einer behandelten Brust meist am Ort des ursprünglichen Tumors entwickelt, bestrahlen Radioonkologen bei einigen Patientinnen heute nur noch Teile der Brust. Professor Wenz:

 „Das verringert die Belastung für das gesunde Gewebe. Zudem wird auch hier die Therapiezeit wesentlich verkürzt.“ Diese beschleunigte Teilbrustbestrahlung, auch „Accelerated Partial Breast Irradiation“ (APBI) genannt, findet bei manchen Patientinnen schon während der Tumoroperation statt.

Aktuelle Studien zeigen, dass hiervon vor allem Patientinnen über 70 Jahre profitieren, die einen kleinen Tumor haben.

Tagungspräsidentin Petersen bilanziert: „Für unsere Patientinnen sind die neuen Bestrahlungstechniken und die individualisierten Konzepte von Vorteil, denn wir verkürzen die Dauer der Behandlung bei gleichguten Ergebnissen und teilweise sogar noch geringeren Nebenwirkungen.“

Literatur:
Professor Dr. med. Frederik Wenz: Redemanuskript der DEGRO-Pressekonferenz vom 25. Juni 2015


Streitgespräch

S02 - Kontroversen in der Therapie des Mammakarzinoms: Therapie bei axillären Lymphknotenmetastasen, Hypofraktionierung
Vorsitz: W. Budach (Düsseldorf), M.-L. Sautter-Bihl (Karlsruhe)
Termin: Freitag, 26. Juni 2015, 10:45 bis 12:15 Uhr
Ort: CCH – Congress Center Hamburg, Saal 2
Anschrift: Marseiller Straße, 20355 Hamburg

Vortragssitzung
V11 - Mammakarzinom & Gynäkologische Tumoren
Vorsitz: S.U. Pigorsch (München), D. Krug (Heidelberg), F. Würschmidt (Hamburg)
Termin: Sonntag, 28. Juni 2015, 10:00 bis 11:30 Uhr
Ort: CCH – Congress Center Hamburg, Saal 6
Anschrift: Marseiller Straße, 20355 Hamburg

Weitere Informationen zur Tagung und das wissenschaftliche Programm finden Sie im Internet unter http://www.degro.org/degro2015.


Medizin am Abend Direkt: Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen.

Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.


Medizin am Abend DirektKontakt:

Wolfgang Müller M.A.
Geschäftsführer
Telefon: 0211/312828
Fax: 0211/316819
E-Mail-Adresse: w.mueller@awmf.org

Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.
Dagmar Arnold / Stefanie Schweigert
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: +49 (0)711 8931-380/-649
arnold@medizinkommunikation.org
schweigert@medizinkommunikation.org

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
 

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.degro.org/degro2015

360° Freitag-TOP-Thema: Wachkoma häufig falsch diagnostiziert - reaktionslosen Wachheit (SRW)

Medizin am Abend Fazit:

Rund 40 Prozent aller Wachkoma-Patienten sind bei minimalem Bewusstsein, ohne dass Angehörige und Ärzte dies erkennen und werden daher häufig nicht ausreichend therapiert. 

Derzeit prognostizieren Ärzte den Bewusstseinszustand mithilfe einer komplexen Skala, die unter anderem visuelle und motorische Funktionen erfasst. 

Dieser Goldstandard wird aber noch zu selten angewendet, bemängeln Experten der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN). Zudem könnten neurophysiologische Methoden dieses Verfahren ergänzen, um Patienten mit einem minimalen Bewusstsein sicher zu identifizieren, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. 
 
Zirka 1 500 bis 5 000 Wachkoma Patienten leben in Deutschland. Experten sprechen vom Syndrom der reaktionslosen Wachheit (SRW). Nach einer schweren Hirnschädigung öffnen sie wieder die Augen, lassen aber weder Bewusstsein noch Kontaktfähigkeit erkennen. Zeigen solche Patienten bewusste Wahrnehmungen, zum Beispiel gezielte Augenbewegungen, befinden sie sich nicht mehr im Wachkoma, sondern im sogenannten minimalen Bewusstseinszustand, auch Syndrom des minimalen Bewusstseins (SMB) genannt. In der derzeitigen klinischen Versorgungsrealität sei die Abgrenzung zwischen Wachkoma und SMB jedoch schwierig, sagt der DGKN-Experte Dr. med. Andreas Bender vom Therapiezentrum Burgau.

 „Studien belegen eine hohe Rate an Fehldiagnosen von bis zu 40 Prozent.“

Für die Therapie könne diese Fehldiagnose schwerwiegende Folgen haben. „Wir vermuten, dass viele SMB-Patienten, die für Wachkoma-Patienten gehalten werden, unter der fehlenden persönlichen Ansprache leiden“, so Bender.

Einige werden daher verfrüht palliativ behandelt. „Die Ärzte versuchen nur noch das Leiden des vermeintlichen Wachkoma-Patienten zu reduzieren, anstatt sämtliche therapeutischen Möglichkeiten auszuschöpfen“, kritisiert der DGKN-Experte.

Mit der aktuellen Metastudie zeigt das Forscherteam um Bender, dass elektrophysiologische Verfahren solche Fehldiagnosen reduzieren können.

Für die Analyse hatten die Neurophysiologen 20 klinische Studien mit 436 Wachkoma- und 470 SMB-Patienten ausgewertet, deren Hirnaktivität unter anderem mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) und quantitativer Elektroenzephalographie (qEEG) gemessen worden war.

Beide Methoden zeigen, ob Patienten sich bestimmte Bewegungen, etwa Tennisspielen, vorstellen können, wenn man sie dazu auffordert. Sowohl in den fMRT- als auch in den EEG-basierten Studien konnten 10 bis 24 Prozent der Wachkoma-Patienten solche Aufgaben befolgen. Diese Patienten wären also nicht als Wachkomapatienten, sondern als SMB-Patienten mit wenigstens partiell erhaltenem Bewusstsein einzustufen und zwar trotz der gründlichen standardisierten Untersuchung.

„Mit dem derzeitigen Goldstandard für die Wachkoma-Diagnose, der sogenannten revidierten Coma Recovery Scale (CRS-R), lassen sich solche Bewegungsvorstellungen nicht nachweisen“, erklärt Professor Dr. med. Andreas Straube vom Klinikum der Universität München die Ursache der Fehldiagnosen.

Denn die CRS-R erfordert, dass Patienten sich tatsächlich bewegen. Dennoch bleibt diese klinische Einstufung derzeit der Goldstandard der Diagnostik.

„Es gibt aber auch Patienten, die zwar bei Bewusstsein sind, aber keinen Zugriff auf ihr motorisches System haben“, so Bender.

Besser geeignet seien für diese Patienten möglicherweise neurophysiologische Verfahren. „Am genauesten konnte der Bewusstseinszustand mit dem qEEG erkannt werden“, erklärt der DGKN-Experte die aktuellen Ergebnisse.

Um diese Methode korrekt anzuwenden, bedarf es jedoch einer speziellen Ausbildung. 

Die DGKN bietet eine EEG-Fortbildung an, die als Basis für die Anwendung des qEEG gilt Die nächste schriftliche EEG-Prüfung findet am 31. Oktober 2015 statt.


Quelle:
Bender et al. „Wachkoma und minimaler Bewusstseinszustand: Systematisches Review und Metaanalyse zu diagnostischen Verfahren“, Dtsch Arztebl Int 2015; 112(14): 235-42; DOI: 10.3238/arztebl.2015.0235: http://www.aerzteblatt.de/archiv/169015/Wachkoma-und-minimaler-Bewusstseinszusta...

weitere Informationen:

EEG-Prüfung der DGKN: http://www.dgkn.de/aktuelles/termine/
revidierte Coma Recovery Scale (CRS-R):

http://www.coma.ulg.ac.be/medical/chronic.html


Medizin am Abend DirektKontakt 

http://www.dgkn.de/richtlinien/eeg/

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Kathrin Gießelmann
DGKN
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70451 Stuttgart

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