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Ihr Ostern 2015 - Wirkliche Freilandhaltung oder tatsächliche Bodenhaltung Ihrer Hühner?

Medizin am Abend Fazit: "Panorama 3": Eier aus Freilandhaltung - häufig eine Mogelpackung

360° MFA - Zusatz-Information für Ihr Osterfest 2015 

 

http://www.praxisvita.de/lebensmittel-die-herzrhythmusstoerungen-vorbeugen# 

 

Eier, die unter dem Etikett "Freilandhaltung" verkauft werden, kommen mehrheitlich von Hühnern, die sich nicht im Freien aufhalten. Damit unterscheiden sich diese Eier sehr oft nicht von den preisgünstigeren Eiern aus Bodenhaltung. Das haben Recherchen des NDR Politikmagazins "Panorama 3" ergeben. Die Güteklasse "Eier aus Freilandhaltung" ist demnach häufig eine Mogelpackung.

Hühner in Freilandhaltung müssen laut gesetzlicher Vorgabe einen Freilauf von mindestens vier Quadratmetern haben. Trotz dieser Freilauffläche verlässt ein Großteil dieser Hühner den Stall nicht. Das gilt insbesondere für Großställe mit mehr als 10.000 Tieren. Das zeigen Luftaufnahmen: Direkt um den Stall herum ist der Boden meist kahl gefressen. Der größte Teil der Fläche dagegen ist grün, weil die Tiere dort nicht im Gras picken. Damit die Hühner die Fläche besser nutzen, müssten die Landwirte Anreize schaffen, also Unterstände für die Hühner errichten und Hecken, Büsche oder Obstbäume pflanzen. Doch solche Maßnahmen verteuern die Pflege der Freilauffläche.

Silvia Ey vom Geflügelwirtschaftsverband Mecklenburg-Vorpommern verweist im NDR Fernsehen darauf, dass Freilandhaltung erst seit wenigen Jahren praktiziert werde. Es sei sehr schwierig, die Hühner über eine große Fläche zu verteilen. Freilandeier seien aber "keine Mogelpackung, sondern ein realistischer Kompromiss zwischen den Wünschen der Verbraucher, ein Freilandei zu kaufen, und der wirtschaftlichen Machbarkeit, Freilandeier zu produzieren in Deutschland".

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bestätigt die Recherchen von "Panorama 3". Wie oft die Hühner ihre Freilauffläche nutzen, hänge "von einer Vielzahl von Faktoren" ab. Es sei aber ausreichend, dass die Verordnung "die Verfügbarkeit des Auslaufs ins Freie regelt". Eine Vorgabe, die festlege, wie viele Hühner in Freilandhaltung "tatsächlich ins Freie gehen, ist nicht praktikabel". Man arbeite mit den Ländern aber an einer Regelung, damit die Freilaufflächen so gestaltet werden, "dass möglichst viele Tiere auch tatsächlich ins Freie gehen".

Dabei nutzen nur 5,4 Prozent der Legehennen in Großställen den Auslauf. Zu diesem Ergebnis kam bereits im Jahr 2004 eine Studie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Damals gab es allerdings noch nicht die Unterscheidung zwischen "Bodenhaltung" und "Freilandhaltung". Heute kostet ein Ei, das unter dem Etikett "Freilandhaltung" verkauft wird, rund fünf Cent mehr als ein Ei, das in der Güteklasse "Bodenhaltung" verkauft wird.

Die Freilandhaltung wird durch die EU-Verordnung 589/2008 geregelt, doch das Bundesministerium könnte jederzeit strengere Vorgaben auf nationaler Ebene anordnen.

Mehr zu "Panorama 3" unter www.NDR.de/panorama3

Medizin am Abend DirektKontakt 

Ich heiße Jan Körner und beschäftige mich bei Panorama 3 mit Fragen der Landwirtschaft und des Tierschutzes. Sie kennen Fälle von Verstößen gegen geltende Tierschutzbestimmungen? Oder wissen von Problemen mit verantwortlichen Behörden in diesem Bereich?

Dann schreiben Sie mir, entweder mithilfe des unten stehenden Formulars oder per Email an: panorama3.recherche@ndr.de Ich bin gespannt!

Norddeutscher Rundfunk http://www.ndr.de

Sarkoidose - Systemerkrankung

Medizin am Abend Fazit: Das Sarkoidosezentrum Würzburg stellt sich vor

Die Sarkoidose ist eine höchst facettenreiche Erkrankung, die sich am besten durch ein multiprofessionelles, erfahrenes Team erkennen und behandeln lässt. Das Sarkoidosezentrum des Uniklinikums Würzburg gibt am Samstag, den 18. April 2015, in einer öffentlichen Vortragsveranstaltung einen Überblick über aktuelle Diagnose- und Therapiemöglichkeiten der seltenen Systemerkrankung. 

Die Sarkoidose kann auch das Herz betreffen. Häufig finden sich dann knotige Vernarbungen (Pfeil) im Herzmuskel, die mit Hilfe einer MRT-Untersuchung nachgewiesen werden können.
Die Sarkoidose kann auch das Herz betreffen. Häufig finden sich dann knotige Vernarbungen (Pfeil) im Herzmuskel, die mit Hilfe einer MRT-Untersuchung nachgewiesen werden können. Bild: Uniklinikum Würzburg
 
Bei der Sarkoidose bilden sich – oftmals zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr aus noch ungeklärter Ursache mikroskopisch kleine Bindegewebsknötchen. Diese Granulome können überall im Körper auftreten und bei zunehmender Größe und Anzahl zu Störungen der jeweiligen Organfunktionen führen. Die seltene Erkrankung manifestiert sich häufig in der Lunge, aber auch das Nervensystem, das Herz, die Gelenke, die Haut und die Augen können betroffen sein. „Die klinischen Symptome der Sarkoidose sind von Patient zu Patient oftmals sehr unterschiedlich. Aufgrund der Vielfalt ihres Erscheinungsbilds kann die Sarkoidose andere, häufige Erkrankungen imitieren“, sagt Privatdozent Dr. Theo Pelzer von der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Der Herz- und Lungenspezialist fährt fort: „Für eine schnelle und sichere Diagnosestellung ohne Umwege sowie eine auf die Patientenbedürfnisse maßgeschneiderte Therapie müssen verschiedene medizinische Fachdisziplinen möglichst eng zusammenarbeiten.“

Teil des Zentrums für seltene Erkrankungen

Die dafür nötige organisatorische Struktur findet sich am Sarkoidosezentrum Würzburg. Die Einrichtung ist Teil des im vergangenen Dezember am UKW gegründeten Zentrums für seltene Erkrankungen (ZESE). „Das Würzburger Uniklinikum ist mit jährlich rund 700 behandelten Sarkoidose-Patienten ein bundesweiter Leistungsträger und Vorreiter“, unterstreicht Prof. Helge Hebestreit, der Sprecher des ZESE. Nach seinen Angaben verfügt das unterfränkische Krankenhaus der Maximalversorgung mit seinen Kliniken und Fachabteilungen nicht nur über die neuesten Methoden zur Diagnostik und Behandlung aller Formen der Sarkoidose, sondern auch über die erforderlichen Spezialisten, die sich seit vielen Jahren intensiv mit den Erscheinungsbildern der Krankheit auseinandersetzen.

Professionelle Hilfe bei Herzsarkoidose

Beispiel Herzbeteiligung: „Der granulomatöse Befall des Herzmuskels oder Granulome im Bereich des elektrischen Reizleitungssystems können eine Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen verursachen“, berichtet Dr. Pelzer. „Die Diagnose der Herzsarkoidose ist schwierig, die Granulome im Herzmuskel können jedoch von erfahrenen Untersuchern mit Hilfe spezieller radiologischer und nuklearmedizinischer Techniken, wie der Kernspintomographie oder der PET-CT sichtbar gemacht werden.“ Dabei sind die möglichen Auswirkungen der Herzsarkoidose nicht zu unterschätzen, schließlich kann sie zum plötzlichen Herztod und chronischem Herzversagen führen. Die Patienten des Sarkoidosezentrums Würzburg profitieren hier von der Expertise des am UKW angesiedelten Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI). „Mit Hilfe der dortigen Experten werden die Hochrisikopatienten zuverlässig identifiziert. Diesen können wir, neben der medikamentösen Behandlung der Grunderkrankung, zum Beispiel die Implantation eines oftmals lebensrettenden Kardioverter-Defibrillators anbieten“, schildert Dr. Pelzer.

13 Referenten in drei Stunden
Diese und viele weitere Leistungen des Sarkoidosezentrums Würzburg sind Thema einer öffentlichen, kostenlos zu besuchenden Informationsveranstaltung im Zentrum für Operative Medizin des Uniklinikums Würzburg. Am Samstag, den 18. April 2015, referieren 13 Experten zwischen 10:00 und 13:00 Uhr in Kurzvorträgen laienverständlich über die Eigenschaften und Therapiemöglichkeiten der auch als „Chamäleon der Inneren Medizin“ bezeichneten Krankheit. Anschließend haben die Zuhörerinnen und Zuhörer die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit den Referenten sowie zum Besuch einer begleitenden Ausstellung von Selbsthilfegruppen.

Das detaillierte Programm des Infotags kann im Internet abgerufen werden unter www.zese.ukw.de, Rubrik „Veranstaltungskalender“.

Medizin am Abend DirektKontakt

Susanne Just
Telefon: 0931/201-59447
Fax: 0931/201-60 59447
E-Mail-Adresse: just_s@ukw.de


360° Top-Thema: Bluttest zum Down-Syndrom - vorgeburtliche Blutuntersuchung

Medizin am Abend Fazit: Umstrittener Bluttest zum Down-Syndrom

Gesundheit/Kleine Anfrage

In einer interfraktionellen Kleinen Anfrage 18/4406 erkundigen sich Abgeordnete aller vier Bundestagsfraktionen über die neue vorgeburtliche Blutuntersuchung zur Feststellung des Down-Syndroms. Seit 2012 können den Angaben zufolge Schwangere in Deutschland mit einer einfachen Blutuntersuchung feststellen lassen, ob ihr Kind mit Down-Syndrom geboren wird. Bei dieser genetisch bedingten Erkrankung, auch Trisomie 21 genannt, kommt das Kind geistig behindert zur Welt.

Bislang müssten werdende Eltern diese Blutuntersuchung selbst bezahlen, heißt es in der Anfrage. Die Gesetzlichen Krankenkassen übernähmen die Kosten nur in Einzelfällen. Im April 2014 habe der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen, im Fall der Bluttests das Beratungsverfahren für eine Erprobungsrichtlinie einzuleiten. Am Ende des Verfahrens könnten die Kosten für die Bluttests in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgenommen werden.

Das Erprobungsverfahren lasse bislang keinen Raum für die notwendige gesellschaftliche Diskussion. Die Kostenübernahme wäre jedoch ein relevanter Schritt auf dem Weg zu einer Routineuntersuchung auf Down-Syndrom während der Schwangerschaft. Damit könnte die Erwartung verbunden sein, dieses Testangebot auch zu nutzen. Auf diese Weise würde möglicherweise Druck erzeugt, ein „perfektes Kind“ zu gebären, geben die Abgeordneten zu Bedenken.

Es könnte zu vermehrten Schwangerschaftsabbrüchen kommen.

Die Abgeordneten wollen nun unter anderem konkret wissen, wie sich die Zahl der mit Trisomie 21 geborenen Kinder in den vergangenen Jahren entwickelt hat und welche wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dem neuen Bluttest vorliegen.

Glutamat-Rezeptor und mein Gehirn

Medizin am Abend Fazit: Bestimmter Glutamat-Rezeptor unterstützt optimale Informationsverarbeitung im Gehirn

Lernen und Gedächtnisbildung faszinieren die Forschung seit langem, und noch immer sind viele Fragen ungeklärt. Die Bochumer Neurowissenschaftler Prof. Dr. Denise Manahan-Vaughan und Dr. Hardy Hagena sind jetzt einem weiteren Baustein dieses komplexen Prozesses auf die Spur gekommen. Ein bestimmter Rezeptor, der metabotrope Glutamat 5-Rezeptor, dient als Schalter, um im Hippokampus, einer für das Gedächtnis entscheidenden Gehirnregion, gegensätzliche Formen der Anpassung zu aktivieren. Sie berichten in der aktuellen Ausgabe des „Journal of Neuroscience“. 
 
Kontaktstellen zwischen Nervenzellen verarbeiten verschiedene Informationen

Die Gehirnregion um den Hippokampus ist entscheidend an der Gedächtnisbildung und der Verarbeitung räumlicher Informationen beteiligt. Der Hippokampus selbst lässt sich in verschiedene Regionen unterteilen: den Gyrus dentatus, Cornu ammonis (CA) 3 und CA1. Die zu verarbeitenden Informationen durchlaufen wie in einer Einbahnstraße nacheinander diese drei Regionen, wobei jede Region unterschiedliche räumliche Informationen der Umwelt verarbeitet. Eine besondere Rolle spielt hierbei CA3. Sie erhält zum einen Informationen über die sogenannten Moosfasern (MF), die aus Nervenzellen des Gyrus dentatus stammen und mit den Pyramidenneuronen in CA3 Kontaktstellen bilden, die Synapsen, in diesem Fall MF-CA3-Synapsen. Zum anderen kommunizieren aber auch Nervenzellen aus der CA3-Region sowohl derselben als auch der benachbarten Gehirnhälfte über bestimmte Fasern – die assoziativ/commissural (AC)-Fasern – auf CA3-Zellen und bilden hier die AC-CA3-Synapsen. „Wir haben bereits gezeigt, dass diese zwei Synapsen unterschiedliche Arten von Informationen verarbeiten und dass diese unterschiedliche Art der Informationsverarbeitung vermutlich verantwortlich dafür ist, dass die CA3-Region eine wichtige Rolle beim Arbeitsgedächtnis sowie bei der ‚pattern completion‘ spielt, einem Vorgang, der dazu dient, dass wir eine gesamte und komplexe Erinnerung aus einem kleinen Fragment wiederherstellen können“, erklärt Hardy Hagena.

Anpassung an Anforderungen: synaptische Plastizität

Doch wie kommt es dazu, dass Informationen an MF-CA3- und AC-CA3-Synapsen unterschiedlich verarbeitet werden? Auf Ebene der Nervenzellen führt die Verarbeitung von Informationen zu einer Anpassung an die Anforderungen, also praktisch einem Gedächtniseffekt. Die Forscher sprechen von synaptischer Plastizität. Sie äußert sich in zwei Formen: als Langzeitpotenzierung (long-term potentiation, LTP), einer Verstärkung der synaptischen Übertragung, und als Langzeitdepression (long-term depression, LTD), einer Abschwächung der synaptischen Übertragung. Sowohl LTP als auch LTD codieren dabei verschiedene Arten von räumlichen Informationen. Vorangegangene Studien haben für verschiedene Hirnregionen gezeigt, dass der metabotrope Glutamat 5-Rezeptor (mGlu5-Rezeptor) eine bedeutende Rolle bei dieser lang anhaltenden Form der synaptischen Plastizität spielt.

Wie der Rezeptor die Gedächtnisbildung beeinflusst

„Aufgrund dieser Erkenntnisse war es besonders interessant herauszufinden, ob und inwiefern der mGlu5-Rezeptor die synaptische Plastizität und damit auch die Gedächtnisbildung in der CA3-Region beeinflusst“, erklärt Hagena. Die Forscher schalteten den Rezeptor pharmakologisch in MF-CA3-Synapsen aus und stimulierten dann die entsprechenden informationsübertragenden Fasern. Daraufhin stellten sie zwar keine LTP mehr fest, konnten aber weiterhin LTD beobachten. Im Gegensatz dazu kam es bei Ausschaltung des mGlu5-Rezeptors in AC-CA3-Synapsen zu einer Blockierung von LTD, aber nicht von LTP. „Diese Ergebnisse zeigen, dass bei einer Aktivierung des mGlu5-Rezeptors vorzugsweise LTP in den MF-CA3-Synapsen und LTD in den AC-CA3-Synapsen hervorgerufen wird“, folgern die Forscher.

Faszinierender Einblick in die Funktionsweise der Hippokampusregion

„Diese Ergebnisse erlauben uns einen faszinierenden Einblick in die Funktionsweise und Regulierung synaptischer Plastizität in der CA3-Region des Hippokampus“, so die Bilanz der Forscher. „Besonders interessant ist der Einfluss des mGlu5-Rezeptors, der bei Aktivierung, z.B. bei Lernvorgängen, bei der Verarbeitung neuer Informationen der Umwelt oder auch während Prozessen wie der ‚pattern completion‘ die Richtung der synaptischen Plastizität vorgibt, indem LTP bevorzugt an MF-CA3-Synapsen hervorgerufen wird und LTD an AC-CA3-Synapsen.“

Diese gegensätzliche Regulation der synaptischen Plastizität unterstützt eine optimale Informationsverarbeitung und -speicherung und unterstreicht die einzigartige Rolle dieser Region bei Lernvorgängen und der Gedächtnisbildung.

Titelaufnahme

H. Hagena, D. Manahan-Vaughan (2015): mGlu5 acts as a switch for opposing forms of synaptic plasticity at mossy fiber-CA3 and commissural associational-CA3 Synapses, The Journal of Neuroscience, DOI: 10.1523/JNEUROSCI.3417-14.2015

Medizin am Abend DirektKontakt

Dr. Hardy Hagena, Prof. Dr. Denise Manahan-Vaughan, Abteilung für Neurophysiologie, Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-22042, hardy.hagena@rub.de; Denise.Manahan-Vaughan@rub.de
Dr. Julia Weiler Ruhr-Universität Bochum Redaktion: Meike Drießen

Phantomschmerz: Prothesentraining - Probanden mit Unterschenkel-Amputation gesucht

Medizin am Abend Fazit: Bessere Prothesen – weniger SchmerzArbeitsgruppe „Phantomschmerz“ der Universität Jena sucht Probanden mit Unterschenkel-Amputation 

Nach Amputation eines Armes oder Beines leiden viele Betroffene an oftmals schwer behandelbaren Phantomschmerzen in dem nicht mehr vorhandenen Körperteil. Neue Hoffnungen vermittelt hier ein von der Arbeitsgruppe „Phantomschmerz“ um Prof. Dr. Thomas Weiss vom Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie der Universität Jena (Leitung Prof. Dr. W. Miltner) entwickeltes Prothesentraining. Bei diesem 14-tägigen Training erlernten Unterarmamputierte mit Hilfe einer umgebauten herkömmlichen Prothese Greifbewegungen mit ihrer Prothese durch Rückmeldung der Griffstärke effizient zu kontrollieren. Daneben beobachtete man bei vielen Trainingsteilnehmern eine deutliche Linderung der Phantomschmerzen.

Die Erkenntnisse aus diesem Projekt werden inzwischen auch bei Patienten mit Amputation des Unterschenkels (unterhalb des Knies) angewandt. „Auch bei diesen Patienten, die wir mit einer vergleichbar umgebauten Unterschenkelprothese während eines ebenfalls 14-tägigen Trainings behandelten, konnten wir eine Linderung der Phantomschmerzen im Fuß und Unterschenkel beobachten. Auch das Gehen mit der Prothese auf unebenem Untergrund wurde deutlich verbessert“, so Prof. Weiss. In dieses Trainingsprogramm können aktuell zusätzliche Patienten nach Unterschenkelamputation im Alter zwischen 18 und 70 Jahren aufgenommen werden. Es spielt dabei keine Rolle, wie lang die Amputation zurück liegt.

Interessierte können sich über das Sekretariat des Lehrstuhls oder per E-Mail melden. Das Projekt wird von der Gesetzlichen Unfallversicherung Deutschland unterstützt. Teilnehmer, deren Rehabilitation durch die Berufsgenossenschaft gefördert wird, können auf Antrag für die Zeit der Trainingsteilnahme freigestellt werden.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Thomas Weiss
Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie
Am Steiger 3, Haus 1
07743 Jena
Tel.: 03641 / 945140
E-Mail: thomas.weiss[at]uni-jena.de

Bianca Wiedemann M.A.

Langzeitstudien zu Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten-Impfung

Medizin am Abend Fazit: Je höher die Impfquote, desto seltener der plötzliche Kindstod

Hintergrund-Fachlink:

http://www.praxisvita.de/impfungen-die-haeufigsten-fragen

Aussagen von Langzeitstudien zu Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten-Impfung

Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten bei der Auswertung langfristiger Erhebungen einen statistischen Zusammenhang zwischen Impfverhalten und der Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes feststellen. Innerhalb der vergangenen 40 Jahre schwankte in den USA die Impfquote entsprechend gesellschaftlicher Trends. Die Kindstodrate steht dabei in einem umgekehrten Verhältnis zur Impfabdeckung gegen Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten. Veröffentlicht sind die Ergebnisse der Studie im Fachmagazin BMC Pediatrics*. 

 
Die Fälle von plötzlichem Kindstod gehen kontinuierlich zurück, dennoch bleiben sie ein Hauptgrund für den Tod von Säuglingen weltweit. Die Ursache ist weiterhin nicht bekannt, besonders gefährdet sind Neugeborene im ersten Lebenshalbjahr. Genau in diesen Zeitraum fallen die Impfungen gegen Keuchhusten, Diphtherie, Tetanus, Polio oder Haemophilus influenzae. Entgegen der Befürchtung von Impfskeptikern, Immunisierungen zögen Komplikationen oder ein erhöhtes Kindstodrisiko nach sich, zeigen die Zahlen der amerikanischen Impfbehörden und Gesundheitszentren ein anderes Bild: „Unsere Untersuchung ist als Hinweis zu sehen, dass die klassischen Impfungen im Säuglingsalter gegen Keuchhusten, Diphtherie, Tetanus, Polio oder Haemophilus influenzae nicht mit einem erhöhten Risiko für einen plötzlichen Kindstod verbunden sind. Sie scheinen sogar eher einen schützenden Effekt zu haben“, sagt Prof. Dr. Jacqueline Müller-Nordhorn, Leiterin und Sprecherin der Berlin School of Public Health (BSPH).

Bei der Suche nach signifikanten Veränderungen hinsichtlich der Sterblichkeitsrate durch plötzlichen Kindstod haben die Forscher zahlreiche Daten einbezogen, darunter auch Studien zur Schlafposition von Säuglingen im selben Zeitraum. Besonders deutlich wird in der aktuellen Untersuchung ein zeitlicher Kontext zu Impfempfehlungen oder gesellschaftlichen Stimmungen. In den 70er und 80er Jahren sinken in den USA die Impfquoten, verantwortlich sind Verunsicherungen in der Bevölkerung. Gleichzeitig steigt die Sterblichkeitsrate durch Kindstod um 27 Prozent zwischen 1968 und 1971 und um 47 Prozent zwischen 1971 und 1974. Später sinkt die Häufigkeit des Kindstodes wieder, beispielsweise um acht Prozent zwischen den Jahren 1991 und 2001. Der Trend ist eindeutig: Bei steigenden Impfquoten sinken zeitgleich die Fälle von plötzlichem Kindstod. Eine 10 Prozent höhere Quote in einer Bevölkerung, hier am Beispiel USA, verringert die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes um fast 10 Prozent.

Befürchtungen und Ängste bestimmen auch in Deutschland die Impfentscheidung von Eltern, wie die aktuell geführte Debatte um die Masernimpfung in Deutschland zeigt. Ein Beispiel ist der inzwischen mehrfach widerlegte Zusammenhang zwischen einer Masernimpfung und dem Entstehen von Autismus. Im Fall von Keuchhusten hat ein ebenfalls fälschlich kolportiertes, vermeintliches Risiko für Hirnschäden zu einem deutlichen Rückgang der Impfquoten in den 70er und 80er Jahren geführt. Medizinische Studien konnten in den Folgejahren kein solches Risiko feststellen. Impfquoten schwanken demnach entsprechend öffentlicher Meinung und Expertenempfehlungen. „In einigen Ländern, darunter Deutschland, wurde die Keuchhusten-Impfung sogar zeitweise aus den Empfehlungen herausgenommen und beispielsweise erst im Jahr 1991 wieder eingeführt“, so Müller-Nordhorn. Zahlen belegen: Parallel zur Wiederaufnahme der Keuchhusten-Impfung sinkt auch hier die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes. Wichtig im Falle jeder Schutzimpfung im Kindesalter ist allerdings nicht nur das „ob“, sondern auch das „wann“, also die Impfung im richtigen Zeitfenster. „Besonders tragisch wäre es, wenn Eltern die Impfungen hinauszögerten, um ihre Kinder vermeintlich zu schützen und damit möglicherweise das Gegenteil bewirken“, erklärt Müller-Nordhorn.

*Jacqueline Müller-Nordhorn, Chih-Mei Hettler-Chen, Thomas Keil, Rebecca Muckelbauer. Association between sudden infant death syndrome and diphtheria-tetanus-pertussis immunisation: an ecological study. BMC Pediatrics, Jan. 2015. doi: 10.1186/s12887-015-0318-7

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Jacqueline Müller-Nordhorn
Leiterin der Berlin School of Public Health (BSPH)
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 570 872
jacqueline.mueller-nordhorn@charite.de
Dr. Julia Biederlack Charité – Universitätsmedizin Berlin

Weitere Informationen für die Medizin am Abend Beteiligten:
http://www.charite.de
http://bsph.charite.de/

Pille danach - Selbstmedikation - Zwischenstand

Medizin am Abend: "Pille danach": Rasantes Wachstum um 31 %

ErgänzungsLink: 

http://www.praxisvita.de/die-heilkraft-der-babypflanzen#

Seit zwei Wochen können Frauen die "Pille danach" ohne Rezept in der Apotheke kaufen. Wie der Branchendienst APOTHEKE ADHOC berichtet, wurden alleine in der ersten Woche fast ein Drittel mehr Packungen abgegeben als bislang üblich.
Nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens IMS Health wurden in der 12. Kalenderwoche 13.500 Packungen der "Pille danach" in den Apotheken abgegeben. Hochgerechnet auf den ganzen Monat entspricht das 54.000 Packungen. Verglichen mit 41.000 Packungen im März 2014 ergibt sich ein Anstieg von 31 Prozent.

Zwar sind beide Wirkstoffe rezeptfrei. In der Selbstmedikation wurde bislang allerdings nur EllaOne (Ulipristal) abgegeben. Die Apotheken waren wegen der unklaren Rechtslage zu den noch nicht umgestellten Packungen der "Pille danach" mit Levonorgestrel offenbar vorsichtig.

Trotz des markanten Anstiegs erwartet der Hersteller HRA Pharma auf das Jahr gerechnet geringere Zuwächse. Im Startmonat März sei wegen der großen öffentlichen Aufmerksamkeit mehr zu erwarten gewesen, die Kurve werde aber abflachen, sagt HRA-Deutschlandchef Klaus Czort. Der Hersteller hatte mehr als 100.000 Packungen ausgeliefert.

Wachstumspotential für die Zukunft sieht Czort dennoch: In Deutschland gebe es einen Bedarf für den Fall von Risikosituationen - dazu zählen alle Arten von Verhütungspannen sowie ungeschützter Verkehr - von 2,4 Millionen Packungen pro Jahr. Davon sei man mit zuletzt 400.000 Packungen im Jahr noch sehr weit entfernt, so Czort.

Die Apotheken kommen mit der neuen Aufgabe offenbar gut zurecht. Mehrere Testkäufe bescheinigten, dass Abgabe und Beratung meist nach dem Leitfaden der Bundesapothekerkammer (BAK) durchgeführt werden.

Den vollständigen Beitrag sowie ausführliche Hintergrundinformationen finden Sie unter: www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/nachricht-detail-wissenschaft/pille-danach-ellaone-apotheke-levonorgestrel-otc-bfarm-hra-31-prozent/
 
APOTHEKE ADHOC ist der unabhängige Branchendienst für den Apotheken- und Pharmamarkt.

Medizin am Abend DirektKontakt

APOTHEKE ADHOC Skalitzer Straße 68 10997 Berlin Telefon: +49 - 30 - 80 20 80 560 Fax: +49 - 30 - 80 20 80 569 E-Mail: info@apotheke-adhoc.de

ADHS - traumatische Gehirnverletzungen: Methylphenidat oder Atomoxetin

Medizin am Abend Fazit: Kinder und Jugendliche mit ADHS - Gehirnverletzungen sind seltener bei Einnahme von Medikamenten

Kinder und Jugendliche, die an der Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden, haben ein geringeres Risiko für traumatische Gehirnverletzungen, wenn sie Methylphenidat oder Atomoxetin einnehmen. Dies zeigt eine Langzeitstudie zu ADHS bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, die das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS durchgeführt hat. Die Ergebnisse des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts sind jetzt im amerikanischen Journal für Kinderheilkunde JAMA Pediatrics erschienen. 
 
Es ist bekannt, dass Menschen mit ADHS häufiger unfallbedingte Verletzungen, wie zum Beispiel Knochenbrüche, Kopfverletzungen, Verbrennungen und Vergiftungen, erleiden. Bislang fehlten allerdings eindeutige Hinweise zu der Frage, ob die medikamentöse Therapie mit Methylphenidat oder Atomoxetin das erhöhte Verletzungsrisiko verringern kann. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS und dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung sind dieser Frage in ihrer Studie bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS nachgegangen.

Die Grundlage der Studie bildete die "Deutsche Pharmakoepidemiologische Forschungsdatenbank" (GePaRD), die Daten von etwa 17 Millionen Versicherten vier gesetzlicher Krankenkassen enthält. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler identifizierten 37.650 Kinder und Jugendliche zwischen drei und 17 Jahren, bei denen 2005 und 2006 ADHS neu diagnostiziert wurde, und verfolgten deren Daten bis 2009. Von dieser Gruppe wurden in der beobachteten Zeit 2.128 wegen einer Verletzung ins Krankenhaus eingeliefert, von denen 821 die Diagnose einer traumatischen Gehirnverletzung erhielten.

Für die 2.128 Kinder und Jugendlichen, die mit einer Verletzung im Krankenhaus behandelt wurden, erfassten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler alle Verordnungen der Substanzen Methylphenidat und Atomoxetin. Es zeigte sich, dass etwa über die Hälfte der Kinder und Jugendlichen auch eine Verschreibung von Methylphenidat oder Atomoxetin während der Beobachtungszeit bis 2009 erhielt; 92 Prozent der Verordnungen waren hierbei für Methylphenidat. Im Anschluss verglichen sie das Risiko, im Beobachtungszeitraum generell eine Verletzung oder eine traumatische Gehirnverletzung bei einer medikamentösen Behandlung zu erleiden, mit dem Risiko ohne Behandlung.

Es zeigte sich, dass während der Einnahme von Medikamenten die Wahrscheinlichkeit um 34 Prozent geringer war, wegen einer traumatischen Gehirnverletzung ins Krankenhaus eingewiesen zu werden. Wenn jedoch alle Verletzungen betrachtet wurden, die zu einer Einlieferung ins Krankenhaus führten, war das Risiko aus statistischer Sicht nicht eindeutig niedriger.

Prof. Dr. Edeltraut Garbe, Leiterin der Abteilung Klinische Epidemiologie am BIPS, erklärt: "Unsere Studienergebnisse zeigen, dass Kinder und Jugendliche mit ADHS ein niedrigeres Risiko für traumatische Gehirnverletzungen haben, wenn sie mit Methylphenidat oder Atomoxetin behandelt werden. Ob dieser Zusammenhang auch generell bei unfallbedingten Verletzungen besteht, muss weiter untersucht werden - unsere Studie deutet darauf hin, konnte dies aber nicht belegen."

Publikation:
Mikolajczyk R, Horn J, Schmedt N, Langner I, Lindemann C, Garbe E. Accident prevention by medication among children with attention deficit/hyperactivity disorder (ADHD) - A case-only study. JAMA Pediatrics. 2015; http://dx.doi.org/10.1001/jamapediatrics.2014.3275

Medizin am Abend DirektKontakt:

Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS
Abteilung Klinische Epidemiologie
Prof. Dr. Edeltraut Garbe
Tel. 0421/218-56862
E-Mail garbe@bips.uni-bremen.de

Niklas Schmedt
Tel. 0421/218-56868
E-Mail schmedt@bips.uni-bremen.de

Anja Wirsing
Tel. 0421/218-56780
E-Mail presse@bips.uni-bremen.de

Weitere Informationen für Medizin am Abend Beteiligte

http://Publikation: http://dx.doi.org/10.1001/jamapediatrics.2014.3275

Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie

Medizin am Abend Fazit: Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie effizienter als gedacht

Trotz stetig erweiterter Regulierung der Zulassungsverfahren von
Medikamenten und den damit steigenden Kosten bleibt die Forschung und
Entwicklung in der Pharmaindustrie unerwartet effizient. Dies zeigt eine
Studie des European Center of Pharmaceutical Medicine (ECPM) der
Universität Basel. Die Resultate wurden in der Fachzeitschrift «Nature
Reviews/Drug Discovery» veröffentlicht.

Die Forschungs- und Entwicklungskosten von Medikamenten sind in den
letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen, während gleichzeitig die Anzahl
an neu zugelassenen Medikamenten stagniert. Es stellt sich die Frage nach
den Faktoren, die für diese Situation verantwortlich sein könnten.

Um die Effizienz der Pharmaforschung zu überprüfen, analysierten
Forschende des ECPM nun die Daten zur Zulassung von Medikamenten durch die amerikanische Behörde «Food and Drug Administration» (FDA). Sie
untersuchten dabei welche Faktoren die Registrierung eines Medikaments
positiv beeinflussen.

Weniger Aufwand, schnellere Zulassung

Die Studie unter Leitung von Prof. Thomas D. Szucs umfasste insgesamt 257
Medikamente, die in den Jahren 2003 bis 2013 von der FDA zugelassen

wurden. Für die Bewertung der sogenannten Innovations-Effizienz
untersuchten die Forschenden verschiedene Parameter und Faktoren. Die
Studie zeigt: Obwohl noch Effizienzpotential besteht haben sich mehrere
Parameter in den vergangenen zehn Jahren eindeutig positiv entwickelt.

Die Forschenden entdeckten zudem, dass neue Medikamente schneller und mit
weniger Studienaufwand auf den Markt kommen, wenn sie das
Zulassungsverfahren in gewissen Kategorien durchlaufen. Allein die
Zugehörigkeit zu bestimmten Kategorien reduziert beispielsweise die
Wahrscheinlichkeit aufwändiger Schlüsselstudien – ein Verfahren das die
Wirksamkeit eines Wirkstoffs gegenüber Placebo prüft.

Insgesamt zeigen die Resultate, dass der Marktzugang von Medikamenten
heutzutage nicht verlangsamt ist. Entscheidend ist, dass «Industrie und
Behörden gemeinsam die Zulassungsverfahren weiterentwickeln damit
Patienten möglichst schnell von Innovationen profitieren», so Szucs.


Originalartikel
Rossella Belleli, Roland Fisch, Thomas D. Szucs
Efficiency indicators for new drugs approved by the FDA from 2003 to 2013
Nature Reviews Drug Discovery (2015), published online 27 February 2015,
doi: 10.1038/nrd4563

Medizin am Abend DirektKontakt 

Prof. Dr. Thomas Szucs, European Center of Pharmaceutical Medicine,
Universität Basel, Tel. +41 61 265 76 50, E-Mail: thomas.szucs@unibas.ch
Universität Basel, Olivia Poisson

Mach mir ein Ei - Achtung Sommerzeit: Die „Vögel-Uhr“

Medizin am Abend: Achtung Sommerzeit: Die „Vogel-Uhr“ steht jetzt auf Balz

Zeckenbiss: http://www.praxisvita.de/zeckenbiss-was-tun#

Am kommenden Wochenende (heute Nacht- von 02.00 auf 03.00 Uhr MESZ) ist es wieder soweit: Die Sommerzeit wird mit dem Umstellen der Uhren eingeleitet. Unsere heimischen Vögel brauchen keine Uhr, denn ihre Frühlingsgefühle sind vom Licht abhängig. „Da die Morgendämmerung jetzt von Tag zu Tag früher einsetzt, singen die Vögel auch früher“, erläutert Svenja Ganteför, Biologin der Deutschen Wildtier Stiftung. Das Piep-Konzert hat gute Gründe: Es geht um die Familienplanung. 
 
Das Liebesgeflüster während der Balz im Frühling ist hormonell bedingt und sehr anstrengend. Die Männchen wollen mit ihren kräftigen Stimmen Rivalen aus ihrem Revier verjagen, den Weibchen ihre Paarungsabsichten mitteilen und mit ihrem auffälligen Gefieder signalisieren: Ich bin gesund, ich bin stark, ich habe gute Gene, die ich an die Brut weitergebe! Um dem Gesang Nachdruck zu verleihen, präsentiert das Rotkehlchen die rote Brust, der Fasan seine blauen Kopffedern und roten Kinnlappen und der Star sein metallisch-glänzendes Prachtkleid. Der Gute-Gene-Look beim Haussperling sind beispielsweise der schwarze Brustfleck, die helleren Wangen und der deutlich dunklere Scheitel“, erklärt Svenja Ganteför. Eine kräftige Federfarbe, deutliche Musterung und ein vielfältiger Gesang sprechen für gute Gesundheit.

Ein Vogelmann, der von Parasiten gequält wird, hat schlechte Karten bei den Frauen.

Beim Gesang versuchen die Männchen mit Lautstärke, Dauer und Häufigkeit des Gesangs zu beeindrucken. Ein ordentliches Repertoire an Strophen ist dabei ebenfalls von Vorteil. Wer sein Liebeslied dann noch mit einer Tanzeinlage unterlegen kann, hat bei der Vogelhochzeit besonders gute Chancen. Männliche Rotkehlchen zittern mit den Flügeln und fordern in vorgeneigter Haltung zur Kopulation auf. Stare sträuben die Kehlfedern und rudern heftig mit den Flügeln, während sie ihr Balzlied singen. Amseln umkreisen die Auserwählte wie beim Tango mit erhobenem Kopf. Die Schwanzfedern werden aufgefächert, die Flügel rhythmisch gehoben und gesenkt. Meisen-Männer zeigen den Weibchen ihre Brust und schaukeln angeberisch mit dem Körper hin und her. Dann stellt das Männchen die Schwanzfedern auf und trippelt laut singend zur Seite, bis das Weibchen um Futter bettelt und damit signalisiert: „Mach mir ein Ei…!“

Der Spatzen-Mann lockt mit aufgeplustertem Gefieder und zeigt beim Singen seinen anschwellenden, schwarzen Brustlatz, während er ständig variierende Tschilptöne von sich gibt. Je größer der Brustfleck, desto fitter der Spatzenmann. Kommt ein interessiertes Weibchen vorbei, zeigt er sein Nest. Bei Erfolg hält die Spatzen-Ehe ein Leben lang.

Ärgern Sie sich am kommenden Wochenende nicht über die „verlorene“ Stunde beim Beginn der Sommerzeit. Gehen Sie mit Ihren Kinder in die Natur und belauschen Sie die Vögel.

Wussten Sie, dass unsere Kinder laut einer Emnid-Umfrage erschreckend wenig über Natur wissen? Mit der Janosch-Spatzenkiste will die Deutsche Wildtier Stiftung dem entgegenwirken: Diese Naturbildungskiste kann von Kitas und Grundschulen ausgeliehen werden. Als einmalige Frühlings-Aktion enthält jede Janosch-Spatzenkiste das neue Vogelmalbuch „Gefiederte Freunde“ kostenlos für jedes Kind aus der Projektgruppe!


Medizin am Abend DirektKontakt

Eva Goris
Telefon: 040 9707869-13
E.Goris@DeWiSt.de
www.DeutscheWildtierStiftung.de

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