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Gutachten zur ambulanten Notfallversorgung im Krankenhaus


Medizin am Abend Fazit:

Fallkostenkalkulation und Strukturanalyse

Zum Link:

http://www.dkgev.de/media/file/19401.2015-02-17_Gutachten_zur_ambulanten_Notfallversorgung_im_Krankenhaus_2015.pdf


Allgemeine Zeitung Mainz: Mehr Kooperation / Kommentar zur Finanzierung der Notaufnahmen

Seit ein paar Jahren steigt die Zahl der Patienten, die eine Notaufnahme in einem Krankenhaus aufsuchen, kontinuierlich an. Das liegt aber nicht daran, dass die Menschen plötzlich immer öfter schwer krank werden. Vielmehr wissen manche trotz umfassender Informationsmöglichkeiten immer noch nicht, dass Notfallambulanzen, wie der Name sagt, für Notfälle zuständig sind. Für anderes sind Hausarzt, Facharzt oder außerhalb der Sprechzeit der ärztliche Bereitschaftsdienst zuständig. Manche ignorieren das auch bewusst - weil sie keine Lust haben, auf einen Facharzttermin zu warten, weil sie keinen Hausarzt haben oder weil sie die bessere Diagnostik der Klinik bevorzugen. Ein Ärgernis! Manche haben aber auch keine Wahl, weil es in ihrer Region keinen Bereitschaftsdienst in akzeptabler Nähe gibt. Und mancher Arbeitnehmer geht gezielt nach Dienstschluss oder am Wochenende in die Notaufnahme, damit ein Arztbesuch unter der Woche nicht von der Arbeitszeit abgeht. Ob es tatsächlich sinnvoll ist, darauf einfach nur mit mehr Geld für die Kliniken zu reagieren, ist fraglich. Selbst wenn es angesichts der enormen Vorhaltekosten mehr sein müsste, als die Fallpauschale von durchschnittlich 32 Euro, löst das allein nicht die Ursache des Problems. Es wird kein Weg daran vorbeiführen, Patienten noch besser zu informieren. Und Kliniken und niedergelassene Ärzte müssen enger zusammenarbeiten, vor allem in strukturschwachen Regionen. Doch zwischen den Interessenverbänden tun sich mitunter Gräben auf. Leidtragende sind echte Notfallpatienten, die in überlaufenen Notaufnahmen länger als nötig warten müssen, und Bedienste

Medizin am Abend DirektKontakt

Allgemeine Zeitung Mainz Wolfgang Bürkle Newsmanager Telefon: 06131/485828 online@vrm.de

360° Terminhinweis/Einladung: Ebola in Berlin: Sicherer Umgang mit infektiösen Abfällen

Das Ebolavirus stellt selbst jene Krankenhäuser vor neue
Herausforderungen, die bereits viele Erfahrungen mit Isolierstationen
haben und diese seit langem betreiben. Um eine Infektion über Blut- und
andere Körperflüssigkeiten zu verhindern, müssen Ärzte und Pflegepersonal
bei der Behandlung an Ebola erkrankten Patienten Ganzkörperschutzanzüge
mit gesicherter Atemluftzufuhr tragen. Doch auch über den Kontakt mit
sämtlichen Gegenständen, die vom Patienten oder seinen Betreuern berührt
wurden, kann die Infektion weitergegeben werden. Alle Abfälle müssen daher
bereits im Isolierbereich sicher verpackt werden, damit sie anschließend
auch sicher zu speziellen Entsorgungsanlagen transportiert und dort
verbrannt werden können.

Die gesamte Prozesskette im Umgang mit Ebola-belasteten Abfällen muss zu
jeden Zeitpunkt sicher sein.

Am Montag, den 23. Februar 2015 ab 10:00 Uhr werden in der BAM Experten
aus dem Robert-Koch-Institut (RKI), dem Umweltbundesamt (UBA), der
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) sowie der
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) über den sicheren
Umgang mit diesen hochinfektiösen Abfällen informieren sowie Fragen zur
Gesetzgebung und zum Arbeitsschutz beantworten.

Die vier Einrichtungen sind auf Bundesebene zuständig für dieses Thema.
„Bei der Behandlung eines Ebola-Patienten entsteht viel Abfall. Abfall ist
alles, was aus der Isolierstation herausgenommen wird. Dazu gehören
Geschirr, Bettwäsche, Infusionssysteme, aber auch die Schutzanzüge, die
nach wenige Stunden Einsatz gewechselt werden müssen. Alles muss so sicher
verpackt sein, dass niemand beim Umgang mit diesen Abfällen gefährdet
ist“, so Dr. Thomas Goedecke. Er leitet an der BAM den Fachbereich
Gefahrgutverpackung und ist auch zuständig für die Zulassung von
Verpackungen für mit Ebola kontaminierte Abfälle.

Die Themen der Veranstaltung im Überblick:

- Auftreten und Übertragungswege von Fieber (Ebola) (Dr. Julia
Sasse, RKI)
- Interne Logistik der Abfallentsorgung im Krankenhaus (Tide Voigt,
Charité / Dr. med. Iris Juditzki, Deutsche Krankenhausgesellschaft)
- Krankenhausabfallentsorgung auf der Grundlage der Bund / Länder-
Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) Vollzugshilfe 18 (Markus Gleis, UBA)
- Sicherer Transport und Verpackung von infektiösen Abfälle (Dr.
Thomas Goedecke BAM / Dr. Heinrich Maidhof, RKI)
- Anforderungen des Arbeitsschutzes beim Umgang mit infektiösen
Abfällen in einer Sonderabfallverbrennungsanlage (Dr. Beatrice Spottke,
Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie)

Der Eintritt ist frei. Fachbesucher müssen sich vorab anmelden unter
markus.gleis@uba.de. 


Die BAM ist eine wissenschaftlich-technische Bundesobernbehörde im
Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Sie
ist zuständig für Sicherheit in Technik und Chemie und setzt weltweite
Standards für Sicherheit.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Dr. rer. nat. Ulrike Rockland
Telefon: +49 30 8104-1003

Buchempfehlung: Was der Mensch essen darf

Was der Mensch essen darf. Ökonomischer Zwang, ökologisches Gewissen und
globale Konflikte

Das aktuelle Buch „Was der Mensch essen darf“ diskutiert in 26 Beiträgen
Aspekte von Moral, Ethik und Nachhaltigkeit in der Ernährung des 21.
Jahrhunderts.

Essen ist für jeden mehrfach täglich ein selbstverständlicher Vorgang.
Doch mittlerweile ist die simple Frage „Was soll ich essen?“ immer
schwieriger zu beantworten. Essen soll schmecken und Genuss bringen. Zudem
gilt es, sich gesund zu ernähren. Doch damit nicht genug mehren sich in
den letzten Jahren die Forderungen nach einem verantwortlichen, ethischen
Handeln. Essen ist nicht mehr länger eine private Angelegenheit, sondern
spiegelt das Verhältnis vom Menschen zu seiner (Um-)Welt wider.

Wir begreifen immer besser, wie unsere Welt funktioniert und dass unsere
Ernährung nicht nur Konsequenzen für den Menschen an sich, sondern auch
für die Gesellschaft und die Umwelt hat. Unsere derzeitigen Konsum- und
Produktionsmuster verbrauchen zu viele Ressourcen und setzen Treibhausgase
und zahlreiche andere Emissionen frei. Sie verursachen nicht nur globale
Umweltprobleme wie Klimawandel, Abfallberge und Artensterben, sondern sind
auch mit sozialen Problemen verbunden. Unser Essen wird immer stärker zu
einem moralisch aufgeladenen Gut und die Frage, nach welchen ethischen
Maßstäben wir künftig leben und konsumieren sollen, wird immer wichtiger.
Und so stellt sich in unseren täglichen Konsumentscheidungen auch immer
die Frage „Was ist denn nun gut und richtig?“

Richtlinien und Empfehlungen gibt es sehr viele, doch die Lücke zwischen
den Idealvorstellungen und der Realität ist groß. "Es scheint", so Dr.
Gesa Schönberger, Mitherausgeberin des Buches und Geschäftsführerin der
Dr. Rainer Wild-Stiftung, "dass eine ethisch verantwortungsvolle Ernährung
einem Alltag gegenübersteht, in dem ökonomische Zwänge, ökologische Ziele
und kulinarische Verlockungen nur schwer vereinbar sind."

Der vorliegende Band nähert sich diesem Dilemma aus unterschiedlichen
Richtungen und zeigt mit seiner fachübergreifenden Perspektive die
Vielschichtigkeit des Themas auf. Indem er Theorie- und Praxisbeiträge
verbindet, skizziert er Konzepte und Anwendungsfelder von Ernährungsethik
und prüft diese immer wieder auf ihre Alltagstauglichkeit. Konkretisiert
wird das am Beispiel des Huhns, das wie kein anderes Tier die
Veränderungen in der Lebensmittelproduktion und den Wandel der Esskultur
widerspiegelt.

Der Band richtet sich an Natur-, Sozial- und Kulturwissenschaftler,
Fachleute und Entscheider aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sowie
an alle, die sich mit ethischen Fragen der Ernährung und
Lebensmittelproduktion auseinandersetzen.

Der Band entstand unter dem Dach des Internationalen Arbeitskreises für
Kulturforschung des Essens, der bis Ende 2014 von der Dr. Rainer Wild-
Stiftung getragen wurde und sich in 2015 neu formiert.

Der Inhalt

• Zur Theorie einer ethischen Ernährung
• Ernährungsethische Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven
• Das Huhn im Fokus
• Vom gesellschaftlichen Umgang mit dem Fleischkonsum
• Von der Theorie zur Praxis

Hirschfelder, Gunther/Ploeger, Angelika/Rückert-John, Jana/Schönberger,
Gesa (Hg.):

Was der Mensch essen darf
Ökonomischer Zwang, ökologisches Gewissen und globale Konflikte
Springer VS, Wiesbaden 2015
405 Seiten, 14 Abbildungen
ISBN 978-3-658-01464-3
49,99 Euro
Auch als eBbook erhältlich:
ISBN 978-3-658-01465-0

Komplexe Schlaganfalltherapie bei endovaskulären Therapie

Medizin am Abend Fazit: Spektakuläre Studien zur endovaskulären Therapie: komplexe Schlaganfalltherapie mit großem Nutzen

Rund 10 000 Menschen mit einem schweren Schlaganfall könnten
jährlich in Deutschland vor dauerhaften Behinderungen und Tod bewahrt
werden, wenn Neuroradiologen das Blutgerinnsel, das eine Hirnarterie
blockiert, frühzeitig mit einem Spezialkatheter entfernen können. Dies
zeigen die Ergebnisse von gleich drei neuen Studien, die vergangene Woche
auf der International Stroke Conference in Nashville, USA, vorgestellt
wurden. Die Studien sind eine wichtige Bestätigung für die Neurozentren in
Deutschland, die diese als noch experimentell eingestufte Therapie bereits
durchführen.

Nach Einschätzung der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), der
Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Gesellschaft
für Neuroradiologie (DGNR) ist es nun erforderlich, die bestehenden
Versorgungsstrukturen der akuten Schlaganfallbehandlung hierzulande zu
optimieren. Nur so kann sichergestellt werden, dass diese endovaskuläre
Therapie mit einem Katheter bestimmten Patienten mit schweren akuten
Schlaganfällen zu Gute kommt. Da nur Patienten mit einem großen
Blutgerinnsel in den Hirnarterien möglichst frühzeitig nach Symptombeginn
in Frage kommen, wird die aufwändige Therapie nur in spezialisierten
Neurozentren mit Stroke Unit, Neuroradiologie und neurologischer
Intensivstation erfolgen können.

Acht von zehn Schlaganfällen sind die Folge einer plötzlichen
Durchblutungsstörung im Gehirn. Wenn ein sehr großes Blutgerinnsel die
großen Hirnarterien verstopft, dann reicht die Standardtherapie, die
systemische Thrombolyse, meistens nicht aus, um das verantwortliche
Blutgerinnsel aufzulösen. „Seit etwa acht Jahren gibt es Katheter, mit
denen Neuroradiologen versuchen, das Blutgerinnsel mechanisch zu
entfernen“, erklärt Professor Dr. med. Joachim Röther, Chefarzt an der
Asklepios Klinik Altona. In vielen Fällen seien immer wieder spektakuläre
Erfolge erzielt worden, doch existierten keine Studienergebnisse aus
randomisierten Studien, dem Goldstandard in der Medizin. Dies änderte sich
im vergangenen Oktober mit der Vorstellung der MR CLEAN-Studie aus Holland
auf der World Stroke Conference in Istanbul, die zum ersten Mal die
Überlegenheit der interventionellen Therapie plus systemischer Lyse
gegenüber der Lyse allein zeigte. Professor Röther: „Dort wurden fast
ausnahmslos moderne Katheter eingesetzt, mit denen das Blutgerinnsel mit
einem körbchenartigen Drahtgeflecht (Stent) aus der Arterie gezogen wird.“

Komplexe Schlaganfalltherapie verbessert Behandlungsergebnis deutlich
Diese sogenannten Stent-Retriever wurden auch in drei Studien eingesetzt,
deren Ergebnisse jetzt in den USA vorgestellt wurden. In allen drei
Studien (EXTEND-IA, ESCAPE und SWIFT-PRIME) erhielten die Patienten die
Standardtherapie, eine Thrombolyse, und bei der Hälfte der Patienten kam
zusätzlich der Stent-Retriever zum Einsatz. In allen drei Studien wurden
große Erfolge erzielt. Die Chance der Patienten auf ein günstiges
Behandlungsergebnis wurde um 20 bis 30 Prozent gesteigert, ein
spektakuläres Ergebnis, so Professor Röther: „Die Behandlung konnte nicht
alle Behinderungen vermeiden, doch drei von fünf Patienten gewannen dank
der Behandlung ihre funktionelle Unabhängigkeit zurück“, erläutert der
Neurologe: „Sie waren 90 Tage nach dem Schlaganfall im Alltagsleben nicht
mehr auf fremde Hilfe angewiesen.“

Neurovaskuläre Netzwerke bieten optimale Versorgungsstruktur

Dies ist ein erstaunlicher Erfolg, der jedoch nur unter bestimmten
Bedingungen zu erreichen ist. „Die Studien zeigen, dass diese Therapie in
einem Zeitfenster von sechs Stunden nach Beginn der Schlaganfallsymptome –
selten auch noch danach – sinnvoll ist“, erklärt Professor Hans-Christoph
Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen und
Europäischer Leiter der SWIFT-PRIME Studie. Voraussetzung für die rasche
Therapie ist für den Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für
Neurologie eine sichere Ortung des Blutgerinnsels in den Hirnarterien
mittels CT-Angiographie. Zum anderen dürfe das durch den Schlaganfall
bereits geschädigte Hirnareal nicht zu groß sein. Der wichtigste Faktor
bleibe aber ein möglichst frühzeitiger Beginn. „Die besten Ergebnisse sind
zu erwarten, wenn so früh wie möglich mit der endovaskulären Therapie
begonnen wird“, sagt Professor Diener: „In den nächsten Monaten muss die
Zuweisung aller für die Katheterbehandlung in Frage kommenden Patienten in
die Neurozentren verbessert werden. Die von der DSG bereits initiierten
Neurovaskulären Netzwerke, der Zusammenschluss mehrerer Kliniken mit einem
Neurozentrum, bietet die optimale Versorgungsstruktur.“

Lysetherapie bleibt Standard – aber bei Bedarf danach der Einsatz des
Stent-Retrievers


Viereinhalb Stunden ist das derzeitige Zeitfenster für die Thrombolyse.
Professor Christoph Groden, Direktor der Abteilung für Neuroradiologie der
Universitätsmedizin Mannheim und Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Neuroradiologie (DGNR), weist daraufhin, dass die Lysetherapie weiterhin
der Standard für alle Schlaganfallpatienten im 4,5-Stunden-Zeitfenster
ist. Bestätigt dann die Computer- oder Kernspin-Angiographie ein großes
Blutgerinnsel, so sollte künftig die Behandlung mit einem Stent-Retriever
angeschlossen werden. „Die Behandlung kommt für etwa fünf Prozent der
Schlaganfallpatienten infrage“, so Professor Groden. Das höre sich
zunächst nicht sehr viel an, man müsse aber bedenken, dass es sich um sehr
schwer betroffene Patienten handelt, die teils noch auf dem Angiographie-
Tisch wieder beginnen zu reden und Arme und Beine zu bewegen. „Da die
Behandlung viel Erfahrung erfordere, gehöre diese Therapie in die Hand von
Spezialisten, also den Neuroradiologen.“

Literatur
M. Goyal, A.M. Demchuk, B.K. Menon et al.: Randomized Assessment of Rapid
Endovascular Treatment of Ischemic Stroke, The New England Journal of
Medicine, published on February 11, 2015, at NEJM.org.
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1414905#t=article
B.C.V. Campbell, P.J. Mitchell, T.J. Kleinig et al.: Endovascular Therapy
for Ischemic Stroke with Perfusion-Imaging Selection, The New England
Journal of Medicine, published on February 11,
2015, at NEJM.org.
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1414792#t=article

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. med. Joachim Röther
Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Chefarzt Neurologische Abteilung, Asklepios Klinik Altona, Paul-Ehrlich-
Straße 1, 22763 Hamburg
Tel.: +49 (0)40-181881-1401, E-Mail: j.roether@asklepios.com

Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener
Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)
Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Essen, Hufelandstr. 55,
45122 Essen
Tel.: +49 (0)201-7232460, E-Mail: h.diener@uni-essen.de

Prof. Dr. med. Christoph Groden
Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR)
Direktor der Abteilung für Neuroradiologie Universitätsklinikum Mannheim,
Theodor-Kutzer-Ufer 1-3, 68167 Mannheim
Tel.: +49 (0)621 383-2443, E-Mail: christoph.groden@umm.de

Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft
Dagmar Arnold
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-167

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.dsg-info.de

Herz-Kreislauferkrankungen

Herz-Kreislauferkrankungen sind häufigste Todesursache in Deutschland

In Deutschland waren 2013 mehr als 350.000 Todesfälle (39,7 Prozent) auf Herz-Kreislauferkrankungen zurückzuführen (1). Ein erhöhter Cholesterinspiegel gehört dabei zu den Risikofaktoren.

Zu den zentralen Ursachen für Herz-Kreislaufbeschwerden zählt die Arteriosklerose. Vor allem ein gestörter Fettstoffwechsel, beispielsweise durch einen erhöhten Cholesterinspiegel, kann zu Ablagerungen an den Gefäßwänden führen, was die Grundlage für die sogenannte "Arterienverkalkung" bildet. Das Problem: 75 Prozent der Deutschen kennen ihren Cholesterinwert nicht (2), wie eine von Becel pro.activ in Auftrag gegebene europäische Studie belegt. Aber nur wer die Höhe seines Cholesterinspiegels kennt, kann gegebenenfalls aktiv werden und gesundheitlichen Risiken vorbeugen. Deshalb werden noch bis Ende März 2015 kostenlose Cholesterintests in 300 deutschen Städten durchgeführt.
Die internationale Becel pro.activ Studie hat gezeigt, dass die Mehrheit der Deutschen den eigenen Cholesterinspiegel nicht kennt. Dieses Ergebnis nahm die Marke zum Anlass, um 2013 und 2014 weit mehr als 100.000 kostenlose Cholesterintests in ganz Deutschland durchzuführen. Deren Auswertung ergab, dass mehr als 50 Prozent (3) der Testteilnehmer einen Cholesterinspiegel oberhalb der empfohlenen Richtwerte aufwiesen. Grund genug, dass sich die Deutschen mit den Risiken eines erhöhten Cholesterinwerts auseinandersetzen und sich über Handlungsmöglichkeiten informieren. Damit auch in diesem Jahr möglichst viele Verbraucher ihren Cholesterinwert kostenlos überprüfen lassen können, wird die Aktion auch 2015 wieder in 300 deutschen Städten durchgeführt.

Ausführliche Informationen zu den Teststädten und -terminen sowie zum Thema Cholesterin erhalten Sie unter www.becelproactiv.de www.becelproactiv.de und in Ihren Lokalmedien.

1= Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 421 vom 27.11.2014 
2= Repräsentative Studie von Becel pro.activ, Dezember 2012. Umfrage 
zum Thema "Cholesterin" unter 9.066 Bürgern über 45 Jahre in zehn 
europäischen Ländern (Deutschland (n=1004), England (n=1033), 
Frankreich (n=1011), Spanien (n=1008), Niederlande (n=1004), 
Griechenland (n=1002), Schweden (n=502), Finnland (n=501), Polen 
(n=1001), Belgien (n=1000)). 
3= Die Daten sind nicht repräsentativ. Sie geben das Ergebnis der 
2013 und 2014 von Becel pro.activ durchgeführten Cholesterinmessungen
wieder. 
 
Über Becel pro.activ

Becel pro.activ Produkten sind hochwirksame Pflanzensterine zugesetzt, die den Cholesterinspiegel im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung mit viel Obst und Gemüse bei einer Aufnahme von ca. 2 g Pflanzensterinen (das entspricht 30 g Becel pro.activ Diät Halbfettmargarine) am Tag in zwei bis drei Wochen um bis zu 10 Prozent senken können. Eine weitere Senkung kann durch die Umstellung von Ernährung und Lebensstil als Basismaßnahme erreicht werden. Ein optimales Ergebnis wird beim Verzehr von drei Portionen Becel pro.activ täglich erzielt, wobei eine Portion aus 10 g Diät-Halbfettmargarine besteht. Becel pro.activ Diät Halbfettmargarine gibt es im 250- und 500-g-Becher im Lebensmitteleinzelhandel (unverbindliche Preisempfehlung 2,99 EUR/5,79 EUR).

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 Tim Krawczyk Telefon: 040/37 47 98 46 E-Mail: tim.krawczyk@edelman.com

Plötzlicher Herztod: Primär-präventiven ICD ?

Medizin am Abend Fazit: Auch gering ausgeprägte Herzschwäche kann zu plötzlichem Herztod führen

Der plötzliche Herztod ist eine mögliche Todesursache bei PatientInnen mit nicht-ischämischer Herzmuskelschwäche, also einer Herzschwäche, die genetisch bedingt ist, bzw. deren Ursache unbekannt ist. Nun ist es ForscherInnen der Universitätsklinik für Innere Medizin II der MedUni Wien (Klinische Abteilung für Kardiologie) im Rahmen einer internationalen Kooperation gelungen, die Vorteile eines implantierten Defibrillators (ICD) als geeignete Präventionsmaßnahme bei PatientInnen mit mäßig eingeschränkter Herzfunktion nachzuweisen und zu zeigen, dass die Betroffenen genauso behandelt werden müssen wie PatientInnen mit einer ischämischen Herzschwäche etwa in Folge eines Herzinfarkts.

Menschen mit nicht-ischämischer Herzschwäche und krankhafter Erweiterung des Herzmuskels haben meistens normale Herzkranzgefäße. Die Pumpschwäche entsteht bei diesen PatientInnen nicht, wie bei der ischämischen Herzmuskelschwäche, durch abgestorbene oder narbig verheilte Muskelareale. 

Die Pumpschwäche basiert hier auf einer krankhaft fibrotischen Umwandlung und Erweiterung des Herzens.

"Dieser Unterschied findet sich in der Risikobewertung für einen plötzlichen Herztod wieder", sagt Studienautor Thomas Pezawas von der Abteilung für Klinische Kardiologie. "PatientInnen mit nicht-ischämischer Herzmuskelschwäche werden mit einem geringeren plötzlichen Herztod-Risiko beurteilt und erhalten daher seltener einen primär-präventiven ICD."

Als Standard-Test für die Risikobewertung für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen gilt derzeit die so genannte links-ventrikuläre Auswurffraktion, die ein Maß für die Herzfunktion darstellt und das Schlagvolumen im Verhältnis zum Gesamblutvolumen der Herzkammer misst. 

Zudem werden nicht-invasive Tests (Messung von EKG-Parametern) empfohlen. 

Die aktuelle Studie konnte nun zeigen, dass die derzeit üblichen Tests, über einen Zeitraum von zehn Jahren betrachtet, aber nur ungenaue Prognosen erlauben und dass PatientInnen mit nicht-ischämischer Herschwäche genauso gefährdet sind und entsprechend behandelt werden müssen.

"Wir haben Herzmuskelschwäche-PatientInnen mit ungefährlichen Herzrhythmusstörungen untersucht. Die Anzahl der potenziell tödlich verlaufenden Fälle ist viel häufiger als erwartet. Leider betrifft der plötzliche Herztod auch PatientInnen mit nur gering ausgeprägter Herzmuskelschwäche", fasst Pezawas die Ergebnisse zusammen, die nun im Top-Journal "Circulation AE" veröffentlicht wurden.

Diese neuen Erkenntnisse sollten künftig in eine neue Risikobewertung der Personen mit nicht-ischämischer Herzmuskelschwäche einfließen, so die Wissenschafter. Mit dem Ziel, einen besseren Schutz vor dem plötzlichen Herztod zu erreichen und nicht zielführende Untersuchungsmethoden zu reduzieren. 

Die Empfehlung der StudienautorInnen, den Einsatz eines implantierbaren Defibrillator auch bei gering ausgeprägter Herzmuskelschwäche zu erwägen, könnte einen Paradigmenwechsel in der Behandlung einleiten.

Multizentrale, internationale Kooperation

Die vorliegende Publikation ist aus einer Kooperation der MedUni Wien (Abteilung für Kardiologie, Studienleiter Thomas Pezawas), des Gesundheits- und Vorsorgezentrums Hera, Wien, und der Vanderbilt University (Autonomic Dysfunction Center, Nashville, TN, USA) entstanden und wurde vom National Institute of Health (NIH), Bethesda, USA, unterstützt.

Service: Circulation AE

Pezawas T, Diedrich A, Winker R, Robertson D, Richter B, Wang L, Byrne DW, Schmidinger H. "Multiple Autonomic and Repolarization Investigation of Sudden Cardiac Death in Dilated Cardiomyopathy and Controls". Circulation AE, 2014. doi:10.1161/CIRCEP.114.001745.

Fünf Forschungscluster an der MedUni Wien

Insgesamt sind fünf Forschungscluster der MedUni Wien etabliert. Dort werden in der Grundlagen- wie in der klinischen Forschung vermehrt Schwerpunkte an der MedUni Wien gesetzt. Die Forschungscluster umfassen medizinische Bildgebung, Krebsforschung/ Onkologie, kardiovaskuläre Medizin, medizinische Neurowissenschaften und Immunologie. Die vorliegende Arbeit fällt inhaltlich in den Bereich des Clusters für kardiovaskuläre Medizin.

Medizin am Abend DirektKontakt

Medizinische Universität Wien
Mag. Johannes Angerer
Tel.: +43 1 40160 - 11 501
Mobil: +43 664 800 16 11 501
johannes.angerer@meduniwien.ac.at
http://www.meduniwien.ac.at

Fehlzeitenreport der AOK

WAZ: Verschnupft zur Arbeit - Kommentar von Petra Koruhn zur Erkältungswelle

Es kratzt im Hals, die Augen tränen, die Nase läuft - man fühlt sich krank und will nur noch Ruhe. Doch wer bleibt mit einer Erkältung schon zu Hause? Laut Fehlzeitenreport der AOK schleppt sich jeder Zweite krank zur Arbeit.
Nur was bringt es der Firma und den Kollegen, wenn der Mitarbeiter total verschnupft seinem Job nachgeht? Es bringt nichts Gutes. Wer sich wie zerschlagen fühlt, und trotzdem einen Bus lenkt, eine Hausfassade saniert oder ein Auto repariert, handelt leichtsinnig: Er bringt sich und andere in Gefahr. Unternehmensberatungen sprechen schon davon, dass der Löwenanteil der finanziellen Belastungen daher stamme, dass sich Arbeitnehmer krank in die Firma schleppten und Fehler machten. "Präsentismus" nennt man das, klingt ja auch schon wie eine Krankheit.

Doch woher kommt es, dass die Leute sich nicht trauen, zu Hause zu bleiben und lieber die Kollegen anstecken? In vielen Fällen haben sie schlicht Angst, schlechte Karten beim Chef zu haben. In Zeiten von unsicheren Arbeitsplätzen will das keiner. Es müsste also so sein, dass ein Chef seinen kranken Mitarbeiter auch mal nach Hause schickt und ergänzend zum Hausarzt und Facharzt motiviert. Oder ist das zu viel verlangt?

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Westdeutsche Allgemeine Zeitung Zentralredaktion Telefon: 0201 - 804 6519 zentralredaktion@waz.de

Nächtliches Alkoholverkaufsverbot

Medizin am Abend Fazit: Nächtliches Alkoholverkaufsverbot verringert Zahl der
Krankenhausaufenthalte

Infolge des nächtlichen Alkoholverkaufsverbots in Baden-Württemberg ist
die Zahl der alkoholbedingten Krankenhausaufenthalte von Jugendlichen und
jungen Erwachsenen um sieben Prozent gesunken. Bei älteren Erwachsenen hat
die im Jahr 2010 in Kraft getretene Regelung hingegen keine Auswirkungen.

Das haben Forscher des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) und des
Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) erstmals
herausgefunden.

„Das sogenannte Komasaufen unter Jugendlichen ist für die Betroffenen mit
hohen Gesundheitsrisiken verbunden und gesellschaftlich ein Problem. Wenn
dies durch den erschwerten Zugang zu Alkohol reduziert werden kann, ist
ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot auch für andere Bundes-länder ein
interessanter politischer Ansatz“, sagen die beiden Studienautoren Thomas
Siedler vom HCHE und Jan Marcus vom DIW Berlin.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben sich die alkoholbedingten
Krankenhausaufenthalte von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in
Deutschland innerhalb von nicht einmal zehn Jahren (2002 bis 2010) mehr
als verdoppelt. Im März 2010 reagierte Baden-Württemberg mit einem
Alkoholverkaufsverbot: Zwischen 22 und 5 Uhr gehen dort seitdem an
Tankstellen, Supermärkten und Kiosken keinerlei alkoholische Getränke mehr
über die Ladentheke. Lediglich in Restaurants und Bars ist der Ausschank
von Alkohol weiter erlaubt.

Die Forscher aus Berlin und Hamburg konnten nun erstmals zeigen, dass
dieses nächtliche Alkoholverkaufsverbot wirkt – wenn auch nicht übermäßig
stark: Bei den 15- bis 19-Jährigen und bei den 20- bis 24-Jährigen sind
die alkoholbedingen Krankenhauseinlieferungen seit Beginn des
Verkaufsverbots jeweils um etwa sieben Prozent gesunken – am stärksten bei
jüngeren Männern. Zudem wurden infolge des Verkaufsverbots weniger
Personen aufgrund von Körperverletzungen in Krankenhäuser eingeliefert.
„Baden-Württemberg konnte sich damit dem allgemeinen Trend widersetzen“,
so Jan Marcus vom DIW Berlin. „Während die alkoholbedingten
Krankenhauseinlieferungen in den anderen Bundesländern anstiegen, erzielte
Baden-Württemberg durch das nächtliche Alkoholverkaufsverbot bereits
kurzfristig eine Stagnation.“ Allein in den ersten 22 Monaten nach
Inkrafttreten konnten über 700 alkoholbedingte Krankenhauseinlieferungen
in Baden-Württemberg vermieden werden.

„Jugendliche kaufen seltener Alkohol auf Vorrat und haben in der Regel
weniger Geld zur Verfügung, so dass sie Alkohol öfter in Supermärkten und
Tank-stellen kaufen als Erwachsene, die einfacher auf Kneipen und
Restaurants ausweichen können“, erklärt Siedler. Daher entfalte das
nächtliche Alkohol-verkaufsverbot seine Wirkung nur bei Jugendlichen und
jungen Erwachsenen. Bei den älteren Erwachsenen ab 25 Jahren stellen die
Forscher dagegen keine signifikante Reaktion fest. Marcus: „Hier spielen
auch ein höheres Einkommen und eine eigene Wohnung eine Rolle. Der
Alkoholkonsum findet geplanter und weniger in der Öffentlichkeit statt.“

Die groß angelegte Studie von HCHE und DIW Berlin hat erstmals die
kurzfristigen gesundheitlichen Effekte des Alkoholverkaufsverbots in
Baden-Württemberg untersucht. Die Forscher werteten dafür eine 70-Prozent-
Stichprobe aller Krankenhauseinlieferungen in Deutschland für die Jahre
2007 bis 2011 aus (Krankenhausdiagnosestatistik). Alleine für das Jahr
2011 analysierten die Forscher Daten von 13 Millionen
Krankenhausaufenthalten. Durch den Vergleich mit anderen Bundesländern
konnten sie generelle Veränderungen im Alkoholkonsum herausrechnen und
auch wirtschaftliche und demografische Veränderungen in den einzelnen
Bundesländern berücksichtigen.

Originalbeitrag

Jan Marcus und Thomas Siedler: Reducing binge drinking? The effect of a
ban on late-night off-premise alcohol sales on alcohol-related hospital
stays in Germany; Journal of Public Economics, 2015.
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0047272714002564

Medizin am Abend DirektKontakt

Hamburg Center for Health Economics, Universität Hamburg
Andrea Bükow, Tel.: 040 42838-9515,
E-Mail: andrea.buekow@wiso.uni-hamburg.de
Elena Granina, Tel.: 040 42838-9516,
E-Mail: elena.granina@wiso.uni-hamburg.de
www.hche.de
Universität Hamburg, Birgit Kruse

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
Sebastian Kollmann, Tel.: 030 897 89 250

GenderMedizin - Singles: demografische Engpässe

Medizin am Abend Fazit: Singles in Deutschland: Ursachen zunehmender Partnerlosigkeit

Hintergrundlink für Medizin am Abend Beteiligte: 

https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/publikationen/Stat_Berichte/2015/SB_A01-05-00_2014h02_BE.pdf

https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/pms/2015/15-02-12a.pdf

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl der Singles in Deutschland
immer mehr zugenommen. Zwischen 1993 und 2009 ist der Anteil der Menschen
ohne Partner im Alter bis zu 60 Jahren um 8,5 Prozent gestiegen. Die
Ursachen dafür hat der Heidelberger Soziologe Jan Eckhard auf Basis der
für Deutschland repräsentativen Daten des Sozio-oekonomischen Panels
(SOEP) im DIW Berlin näher ergründet. Unterschiedliche
sozialwissenschaftliche Theorien zum Singledasein wurden dabei empirisch
überprüft. Eine überraschend große Rolle für die zunehmende Zahl der
Singles spielen demnach „demografische Engpässe“ auf dem sogenannten
„Partnermarkt“.

„Für die Männer und Frauen einiger Geburtsjahrgänge besteht ein
gravierendes Unterangebot an möglichen künftigen Partnerinnen oder
Partnern“, sagt Eckhard. „Dies hat dazu geführt, dass diese Männer und
Frauen im Laufe ihres Lebens sehr viel häufiger ohne Partner lebten als
Menschen älterer Generationen.“ Außerdem trugen unter anderem die
zunehmende Berufstätigkeit der Frauen und der Anstieg der Arbeitslosigkeit
in den 90er Jahren dazu bei, dass immer mehr Menschen immer häufiger
alleine leben. Die Studie wurde in der letzten Ausgabe der Zeitschrift für
Soziologie veröffentlicht.

Für seine Untersuchung hatte Jan Eckhard die SOEP-Daten von mehr als
20.000 Männern und Frauen ausgewertet, die jährlich wiederholt befragt
worden waren zu Partnerschaften innerhalb und außerhalb des eigenen
Haushalts, Einkommen, beruflicher Position, Familiengeschichte und
weiteren Faktoren. Anhand statistischer Analysen dieser Daten überprüfte
der Soziologe mehrere Theorien zu den Ursachen der Partnerlosigkeit.

Die Analyse der SOEP-Daten zeigt: Eine überraschend große Rolle für die
zunehmende Zahl der Singles spielen „demografische Engpässe“ auf dem
„Partnermarkt“. Beispielsweise kamen Mitte der 1960er Jahre besonders
viele Kinder zur Welt – die geburtenstarken Jahrgänge. Anschließend sanken
die Geburtenzahlen so stark ab, dass in den nachfolgenden Jahrgängen bis
zu 40 Prozent weniger Kinder geboren wurden. Da sich – wie bereits mehrere
frühere Studien belegt haben – Männer bei der Partnersuche meist auf die
zwei bis vier Jahre jüngeren Frauen, die Frauen sich umgekehrt auf die
zwei bis vier Jahre älteren Männer konzentrieren, kann dies zu Engpässen
bei der Partnersuche führen: Die vielen Männer aus den geburtenstarken
Jahrgängen „konkurrieren“ um die wenigen Frauen aus den zahlenmäßig
kleineren Jahrgängen.

Auch gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen begünstigen das
Singleleben. Ein Beispiel hierfür ist die zunehmende Erwerbstätigkeit von
Frauen. „Durch das eigene Einkommen der Frauen verliert die traditionelle
Versorgungsfunktion einer Beziehung an Bedeutung“, sagt Jan Eckhard.
„Beziehungen, die nicht funktionieren, werden nicht mehr wie in der
Vergangenheit aus rein finanziellen Gründen aufrecht erhalten.“ Das weit
verbreitete Bild, dass vor allem beruflich erfolgreiche „Karrierefrauen“
ohne Partner leben, würden die SOEP-Daten jedoch nicht bestätigen. Jan
Eckhard: „Die Entscheidung für ein Singledasein ist unabhängig von der
beruflichen Position der Frauen. Ausschlaggebend ist viel mehr, ob die
Frauen überhaupt ein eigenes Einkommen haben.“

Dass Frauen immer öfter ohne Partner leben, liegt teilweise auch an der
immer häufigeren Erfahrung, als Kind einer allein erziehenden Mutter
aufzuwachsen. Eckhard erklärt diesen Unterschied durch den sogenannten
„Transmissionseffekt“. Darunter versteht man in der Familiensoziologie,
dass die Frauen Verhaltensmuster und Bewältigungsstrategien ihrer allein
lebenden Mütter lernen können und somit gut auf ein Leben ohne Partner
vorbereitet sind.

Eine weitere Ursache dafür, dass die Partnerlosigkeit in der Vergangenheit
zugenommen hat, ist bei beiden Geschlechtern die Zunahme der
Arbeitslosenzahlen ab Beginn der 90er Jahre. Die Zahl der Arbeitslosen
stieg seit 1990 von unter 2,5 Millionen auf zeitweilig 4,5 Millionen in
den Jahren 2003 – 2006. Der Anteil der Singles im Alter zwischen 20 und 35
Jahren erhöhte sich in diesem Zeitraum um 12 Prozent. „Schlechte
Arbeitsmarktchancen verlangen ein höheres Maß an Flexibilität und lassen
eine gemeinsame Zukunftsplanung in einer stabilen Partnerschaft oft nicht
zu“, erklärt Jan Eckhard.

STICHWORT SOEP

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten
laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW
Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem
Dach der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) von Bund und Ländern gefördert. Für
das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut TNS Infratest
Sozialforschung mehrere tausend Menschen befragt. Zurzeit sind es etwa
25.000 Befragte in knapp 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter
anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und
Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden,
können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die
gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert
werden. Mehr als 500 Forscherinnen und Forscher im In- und Ausland nutzen
die SOEP-Daten für ihre Studien. Bis heute sind mehr als 7.000
Veröffentlichungen auf Basis der SOEP-Daten erschienen.


Medizin am Abend DirektKontakt

jan.eckhard@soziologie.uni-heidelberg.de
Sozio-oekonomisches Panel (SOEP), Monika Wimmer

Die Studie:
Eckhard, Jan (2014): Der sozialstrukturelle Kontext der zunehmenden
Partnerlosigkeit in Deutschland. Zeitschrift für Soziologie, Jg. 43, Heft
5: 341-360

www.zfs-online.org/index.php/zfs/article/view/3179

Intersexueller Kinder oder uneindeutigem Geschlecht

Weder Mädchen noch Junge: RUB-Forscherinnen untersuchen
Versorgungssituation intersexueller Kinder

Was in Kliniken passiert, wenn Babys mit „uneindeutigem“ Geschlecht
geboren werden

Was passiert, wenn ein Kind geboren wird, was nicht eindeutig ein Mädchen
oder Junge ist? Wie werden die Eltern beraten? Wie geht es weiter? Das
untersuchen erstmals RUB-Forscherinnen um Prof. Dr. Katja Sabisch (Gender
Studies) anhand von Interviews mit betroffenen Eltern, Ärztinnen und
Ärzten. Ihre Studie „Intersexualität in NRW. Eine qualitative Untersuchung
der Gesundheitsversorgung von zwischengeschlechtlichen Kindern in
Nordrhein-Westfalen“ wird unterstützt vom Landeszentrum Gesundheit NRW.

Ziel ist es, Stärken und Schwächen der real praktizierten Medizin im Fall
von intersexuell geborenen Kindern identifizieren.

Betroffene erfahren oft großes Leid

Schätzungsweise eines von 4.500 Kindern wird mit äußerlichen
Geschlechtsmerkmalen geboren, die nicht eindeutig sind. Für die Eltern ist
die Geburt eines betroffenen Kindes mit großen Unsicherheiten verbunden.
Für die Kinder ist es ein Schicksal, das häufig mit großem Leid
einhergeht, nicht zuletzt verursacht durch geschlechtszuweisende
Operationen im frühen Kindesalter, die seit den 1970er Jahren vorgenommen
werden und auch heute noch gang und gäbe sind. Eine Hamburger Studie hat
2007 gezeigt, dass viele Intersexuelle mit ihrer Situation und der
Behandlung in Kliniken äußerst unzufrieden sind.

Interviews mit Eltern von intersexuellen Kindern, die seit 2010 in NRW
geboren wurden

Bislang wurde aber nicht untersucht, welche Erfahrungen die Eltern von
intersexuellen Kindern in den Kliniken machen, wie sie beraten und
unterstützt werden oder ob sie mit der Behandlung ihrer Kinder zufrieden
sind. Die RUB-Forscherinnen wollen die Versorgungsrealität nun erstmals
untersuchen. Dazu führen sie Interviews mit Eltern intersexuell geborener
Kinder durch, die seit 2010 in Nordrhein-Westfalen zur Welt gekommen sind.
Außerdem befragen sie Ärztinnen und Ärzte, welche Maßnahmen sie bei Geburt
eines betroffenen Kindes ergreifen.

Hintergrund: die politische Entdeckung des Themas

2012 stellte der Deutsche Ethikrat fest, dass irreversible medizinische
Maßnahmen zur Geschlechtszuordnung einen Eingriff in das Recht auf
körperliche Unversehrtheit darstellen. Kurz darauf sprach sich die
Gesundheitsministerkonferenz der Länder auf Initiative der nordrhein-
westfälischen Landesregierung dafür aus, die Empfehlungen des Deutschen
Ethikrates zur Intersexualität aufzugreifen und geeignete Maßnahmen zu
entwickeln, um die Diskriminierung und das damit verbundene schwere Leid
der Betroffenen zu beenden. In diesem Zusammenhang damit steht auch die
seit dem 1. November 2013 gültige neue Vorschrift im Personenstandsgesetz:

Erstmals kann der Geschlechtseintrag im Geburtsregister bei Neugeborenen mit „uneindeutigem“ Geschlecht offen bleiben.

Medizin am Abend DirektKontakt 

Prof. Dr. Katja Sabisch, Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB, Tel.
0234/32-22988, E-Mail: katja.sabisch@rub.de
Ruhr-Universität Bochum, Meike Drießen