Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Õffentliche Nettostromerzeugung in Deutschland

Die öffentliche Nettostromerzeugung in Deutschland hat 2024 einen Rekordanteil erneuerbarer Energien von 62,8 Prozent erreicht. Bei der Solarstrom-Erzeugung wurde 2024 ein neuer Bestwert von 74,4 Terawattstunden (TWh) erzielt, auch der Ausbau der Photovoltaik liegt weiterhin über den Zielen der Bundesregierung. Da auch die Erzeugung aus Braunkohle (-8,6 Prozent) und Steinkohle (-26,9 Prozent) weiterhin stark zurück ging, war der deutsche Strommix so CO2- arm wie nie zuvor. Der Importsaldo stieg auf ca. 28,2 TWh.

Das geht aus einer Auswertung hervor, die das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE heute vorgelegt hat. Quelle der Daten ist die Plattform energy-charts.info


Die Windkraft war auch 2024 wieder die wichtigste Stromquelle, sie trug 136,1 Terawattstunden (TWh) bzw. 33,1 Prozent zur öffentlichen Stromerzeugung bei. 2024 war damit ein schwächeres Windjahr als 2023 (139 TWh).Der Anteil der Onshore-Windkraft sank auf 110,5 TWh (2023: 115,3 TWh), die Offshore-Produktion lag mit 25,6 TWh etwas über dem Vorjahresniveau (2023: 23,5 TWh). Der Ausbau der Windenergie bleibt allerdings weiterhin deutlich hinter dem Plan zurück: Bis November waren onshore 2,4 Gigawatt (GW) neu errichtet, geplant waren 7 GW. Der Ausbau der Offshore-Anlagen verlief etwas besser als in den Vorjahren. Hier wurden 2024 0,7 GW neu errichtet (geplant sind 5-7 GW jährlich bis 2026 und 30 GW gesamt bis 2030).
Photovoltaik-Anlagen haben im Jahr 2024 ca. 74,4 TWh erzeugt, wovon 59,9 TWh ins öffentliche Netz eingespeist und 14,5 TWh im Eigenverbrauch genutzt wurden. Die gesamte Produktion hat sich gegenüber dem Vorjahr um ca. 13 TWh bzw. 21 Prozent erhöht Ihr Anteil an der öffentlichen Nettostromerzeugung lag bei 14 Prozent. Der Juli 2024 war mit 8,7 TWh der Monat mit der höchsten solaren Stromerzeugung. Der Photovoltaik-Ausbau übertraf im Jahr 2024 wie bereits 2023 die Ziele der Bundesregierung: Statt der geplanten 13 Gigawatt wurden bereits bis November 13,3 Gigawatt errichtet. Alle Daten für 2024 liegen noch nicht vor – voraussichtlich werden es bis Ende 2024 15,9 Gigawatt sein. Der PV-Ausbau in Deutschland liegt damit weiterhin auf einem zweistelligen Niveau.
Die Wasserkraft lag mit 21,7 TWh etwa auf dem Niveau des Vorjahres (19,1 TWh). Die installierte Leistung von Laufwasseranlagen liegt bei 6,4 GW. Die Biomasse trug mit 36 TWh zur Stromerzeugung bei, wobei die installierte Leistung unverändert bei 9 GW lag.
Insgesamt produzierten die erneuerbaren Energien im Jahr 2024 mit ca. 277 TWh Strom und liegen damit 4,4 Prozent über dem Vorjahr (265 TWh). Der Anteil der in Deutschland erzeugten erneuerbaren Energien an der Last, d.h. dem Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt, lag bei 56,1 Prozent gegenüber 55,3 Prozent im Jahr 2023.
Die gesamte Nettostromerzeugung beinhaltet neben der öffentlichen Nettostromerzeugung auch die Eigenerzeugung von Industrie und Gewerbe, die hauptsächlich mit Gas erfolgt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Nettostromerzeugung einschließlich der Kraftwerke der »Betriebe im verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden« liegt bei ca. 58,4 Prozent (2023: 54,6 Prozent).
Durch den steigenden Anteil erneuerbarer Energien und den Rückgang der Kohleverstromung ist die Stromerzeugung so CO2-arm wie nie zuvor, seit 2014 haben sich die Emissionen aus der Stromerzeugung halbiert (von 312 auf ca. 152 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr). Die Kohlendioxidemissionen der deutschen Stromerzeugung lagen 58 Prozent niedriger als zu Beginn der Datenerhebung 1990.

Die Last im Stromnetz betrug 461 TWh und liegt damit leicht über dem Niveau des Jahres 2023 von 458 TWh. Dabei ist zu beachten, dass der Eigenverbrauch von Solarstrom auf ca. 14,5 TWh gestiegen ist. Dieser Eigenstromverbrauch zählt gemäß Definition nicht zur Last, deutet aber auf einen insgesamt gewachsenen Stromverbrauch hin. Die Last umfasst den Stromverbrauch aus dem Netz und die Netzverluste, aber nicht den Pumpstromverbrauch und den Eigenverbrauch der konventionellen Kraftwerke.

Batteriespeicher entwickeln sich rasant

Parallel zum Ausbau der erneuerbaren Energiequellen in Deutschland steigt auch der Bedarf an Speicherkapazität. Dezentrale Batteriespeicher sind besonders gut geeignet, um die Erzeugung von Wind- und Solarstrom zu puffern. So werden neue Photovoltaik-Anlagen in Privathaushalten meistens gemeinsam mit einem Heimspeicher installiert. Noch fehlen allerdings bei den meisten kleinen Anlagen die Eingriffsmöglichkeiten oder Anreizsysteme für einen netzdienlichen Betrieb. Im Segment der Großspeicher könnte sich in den nächsten Jahren die installierte Leistung vervielfachen, wenn alle von Projektierern im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur vorangemeldeten Projekte umgesetzt werden.
Die installierte Batterieleistung stieg stark auf 11,9 GW (8,6 GW in 2023), die Speicherkapazität stieg von12,6 GWh auf 17,4 GWh. Die Leistung der deutschen Pumpspeicherwerke liegt bei rund 10 GW.

Erstes volles Jahr ohne Kernkraft, Kohleverstromung weiter rückläufig

2024 war in Deutschland das erste volle Jahr ohne Stromerzeugung aus Kernkraft seit 1962, nachdem im April 2023 die letzten drei Atomkraftwerke Emsland A, Neckarwestheim 2 und Isar 2 abgeschaltet wurden. In ihrem letzten Betriebsjahr hatten diese 6,3 Prozent der öffentlichen Stromerzeugung geliefert. Dies wurde durch die Erzeugung aus erneuerbaren Energien energetisch ersetzt.
Die öffentliche Nettostromerzeugung der deutschen Kohlekraftwerke geht weiter zurück: Braunkohle lieferte 70,9 TWh, das sind 8,6 Prozent weniger als im Vorjahr (77,5 TWh). Hinzu kamen 1,3 TWh für den industriellen Eigenverbrauch.
Noch stärker sank die Nettoproduktion aus Steinkohlekraftwerken: Sie lieferten 24,4 TWh, ein Minus von 26,9 Prozent gegenüber 2023 (36,1 TWh), für den industriellen Eigenverbrauch wurde kein Steinkohlestrom mehr genutzt.
Für historische Vergleiche muss die Bruttostromerzeugung betrachtet werden, da es erst seit 2002 Zahlen zur Nettostromerzeugung gibt. Die Bruttostromerzeugung aus Braun- und Steinkohle in Summe wird ungefähr bei 108 TWh liegen. So ein niedriges Niveau hatten wir in Deutschland zuletzt im Jahr 1957.
Die Nutzung von Erdgas zur Stromerzeugung stieg mit 49 TWh für die öffentliche Stromversorgung um 10,6 Prozent über das Niveau des Vorjahres. Es trug zudem 28,7 TWh zur industriellen Eigenversorgung bei.

Export und Börsenstrompreis

2023 verzeichnete Deutschland erstmals einen Importüberschuss von 11,7 TWh, was besonders an den geringeren Stromerzeugungskosten in den europäischen Nachbarländern im Sommer und den hohen Kosten der CO2-Zertifikate lag. Der Import stieg 2024 insbesondere wegen der niedrigen Strompreise der Nachbarländer im Sommer im Saldo auf 28,3 TWh. Die wichtigsten Importländer waren Frankreich (Saldo 13,1 TWh), Dänemark (11,7 TWh), Schweiz (7,1 TWh) und Norwegen (5,7 TWh) waren. Deutschland exportierte Strom im Saldo nach Österreich (7,2 TWh), Polen (3,5 TWh), Luxemburg (3,5 TWh) und Tschechien (2,8 TWh).
Im November und Dezember stiegen die Börsenstrompreise deutlich an. Dadurch wurde die fossile Stromerzeugung zeitweise rentabler als im Sommer, und die Importe fielen in der Folge. Deutschland hat im Gegensatz zu seinen Nachbarländern (Österreich, Schweiz, Frankreich) auch im Winter genügend Kraftwerkskapazitäten, um Strom für den Export zu produzieren.
Der durchschnittliche volumengewichtete Day-Ahead Börsenstrompreis ging um 15,4 Prozent zurück auf 78,06 €/MWh bzw. 7,81 Cent/kWh (2023: 92,29 €/MWh bzw. 9,23 Cent/kWh). Er liegt damit auch unter dem Niveau des Jahres 2021 (93,36 €/MWh). Im Jahr 2022 lag der Börsenstrompreis bei 230,57 €/MWh bedingt durch den Angriff auf die Ukraine und die damit ausgelöste Energiekrise und durch die Nichtverfügbarkeit vieler Atomkraftwerke in Frankreich.

Mehr Informationen:

Eine ausführliche Präsentation der Daten zu Stromerzeugung, Import/Export, Preisen, installierten Leistungen, Emissionen und Klimadaten finden Sie auf dem Energy-Charts Server:energy-charts.info

Zur Datengrundlage

Die erste Version der Jahresauswertung 2024 vom 01.01.2024 berücksichtigt alle Stromerzeugungsdaten der Leipziger Strombörse EEX bis einschließlich 31.12.2023. Über die verfügbaren Monatsdaten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zur Elektrizitätserzeugung bis einschließlich September 2024 und die Monatsdaten zur Ein- und Ausfuhr von Elektrizität bis einschließlich Oktober 2024 wurden die Viertelstundenwerte von EEX und Entso-E energetisch korrigiert. Für die restlichen Monate wurden die Korrekturfaktoren auf Basis von zurückliegenden Jahresdaten abgeschätzt. Die hoch-gerechneten Werte unterliegen größeren Toleranzen.
Zugrunde liegen die Daten zur deutschen Nettostromerzeugung zur öffentlichen Stromversorgung. Sie ist die Differenz zwischen Bruttostromerzeugung und Eigenverbrauch der Kraftwerke und wird in das öffentliche Netz eingespeist. Die Stromwirtschaft rechnet mit Nettogrößen, z.B. für den Stromhandel und die Netzauslastung, und an den Strombörsen wird ausschließlich die Nettostromerzeugung gehandelt. Sie repräsentiert den Strommix, der tatsächlich zu Hause aus der Steckdose kommt.
Stündlich aktualisierte Daten zur Stromerzeugung finden Sie auf der Webseite der Energy-Charts: https://www.energy-charts.info

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT


Prof. Bruno Burger: bruno.burger@ise.fraunhofer.de

Einladung zum Krankenhausratschlag

 Lieb Kolleginnen und Kollegen,

 

ab heute könnt ihr euch für den Krankenhausratschlag am 18. und 19. Juni 2025 anmelden.

 

Hier geht’s zur Anmeldung: 


https://berliner-krankenhausbewegung.de/anmeldungkrankenhausratschlag25/

 

 

Worum geht's?

 

Von der Krankenhausreform über die Bewegung für mehr Personal und höhere Löhne bis zur Auseinandersetzung der Tochterunternehmen: 2025 wird ein Jahr der Veränderung. Der Krankenhausratschlag ist der Ort, um darüber zu diskutieren und Strategien zu entwickeln: 


Gemeinsam für gute Arbeitsbedingungen und eine bessere Gesundheitsversorgung für alle!

 

Zwei Tage mit Workshops, spannenden Diskussionsveranstaltungen und Vernetzung mit Kolleg*innen aus anderen Krankenhäusern in Berlin und Brandenburg. Werde Teil der Berliner Krankenhausbewegung von ver.di und nehme am Krankenhausratschlag teil!

 

Das genaue Programm geht allen angemeldeten Teilnehmer*innen spätestens im März zu.

 

 

Wo findet der Krankenhausratschlag statt?

 

Der Krankenhausratschlag findet in Berlin am Franz-Mehring Platz 1 im CCG statt (nähe S-Ostbahnhof).

 

Für alle Teilnehmer:innen aus Brandenburg werden die Fahrt- und Übernachtungskosten übernommen. 


Hierzu ist eine rechtzeitige Anmeldung notwendig, da die Hotelplätze begrenzt sind!

 

 

Wer kann teilnehmen?

 

Die Veranstaltung richtet sich an alle Beschäftigten der Berliner und Brandenburger Krankenhäuser. 


Eingeladen sind alle Kolleg*innen, die aktiv werden wollen für bessere Arbeitsbedingungen oder schon aktiv sind.

 

Lerne bei der Veranstaltung viele Kolleg*innen aus ganz Berlin und Brandenburg kennen!

 

 

Wie kann ich teilnehmen? Jetzt Bildungsurlaub bei deinem Arbeitgeber einreichen!

 

Für die Veranstaltung kann Bildungsurlaub bei deinem Arbeitgeber eingereicht werden. Alle Arbeitnehmer*innen in Berlin und Brandenburg stehen in zwei Jahren 10 Bildungsurlaub-Tage zu. Entsprechende Formulare zur Beantragung werden in der Regel von der Arbeitgeberin zur Verfügung gestellt.

 

Achtung: die Beantragung des Bildungsurlaubs muss mindestens 6 Wochen vor Veranstaltungsbeginn erfolgen (spätestens bis zum 6. Mai 2025)

 

Die Unterlagen zur Einreichung des Bildungsurlaubs gehen euch nach der Anmeldung per Mail zu.

 

Früh anmelden lohnt sich! Early Bird wird belohnt

 

Um Planungssicherheit zu haben, helfen uns frühe Anmeldungen sehr. Nur so können wir einschätzen, wie viele Veranstaltungen angeboten werden können, wie viele Räume wir brauchen etc.

 

Deswegen belohnen wir die frühe Anmeldung in diesem Jahr mit einer besonderen Überraschung: unter allen Kolleg:innen, die sich bis zum 01. Februar anmelden, wird eine besondere ver.di Überraschung verlost!

 

Hier geht’s zur Anmeldung: https://berliner-krankenhausbewegung.de/anmeldungkrankenhausratschlag25/

 

Wir freuen uns auf euch und den Krankenhausratschlag 2025,

euer ver.di Team

 

 

***********************************

ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft

 

Max Manzey 

Gewerkschaftssekretär

Fachbereich C Berlin
Gesundheit, Soziale Dienste, Bildung und Wissenschaft

Email: max.manzey@verdi.de

Mobil: 0170-8170925

Am Bahnhof Westend 3

14059 Berlin

 

Arbeitsrechtsanfragen: Für alle Fragen zur Rechtsberatung und rund um die ver.di-Mitgliedschaft (Eintritt, Beitrag, Leistungen, Wechsel, etc.) ist der ver.di-Service unter service.bb@verdi.de  

Tel. (030) 88666 erreichbar.

https://gesundheit-soziales-bb.verdi.de/

 

Morbus Huntington und das Stottern

Morbus Huntington ist immer noch unheilbar: 

Menschen mit der erblichen Nervenerkrankung leiden jahrelang etwa unter Bewegungsstörungen und zunehmendem geistigen Verfall. 

Die Erkrankung der rund 8.000 Betroffenen in Deutschland ist zwar unterschiedlich stark ausgeprägt, fest steht aber: Trägt ein Mensch den Gendefekt in sich, werden auch sicher Symptome auftreten. 

Um die Erkrankung vollständig verstehen und die Versorgung und Therapieentwicklung verbessern zu können, wird die „ENROLL-HD-Beobachtungsstudie“ mit international über 20.000 Patient*innen durchgeführt. 

Nun wurde auch die Ambulanz für Morbus Huntington am Universitätsklinikum Bonn (UKB) als Erhebungsort in die Studie aufgenommen.

Morbus Huntington ist eine erbliche Nervenerkrankung, bei der das Gehirn fortschreitend zerstört wird. Die Betroffenen entwickeln über Jahre hinweg allmählich zunehmende, unkontrollierte Bewegungen am ganzen Körper, psychische Veränderungen sowie einen zunehmend geistigen Abbau und magern stark ab. „Huntington betrifft also den ganzen Körper“, fasst Priv.-Doz. Dr. Patrick Weydt zusammen, der Neurologe und Leiter der Huntington-Ambulanz am UKB ist. Nach den ersten Symptomen können Huntington-Patient*innen etwa zehn bis 15 Jahre überleben.

Es wird davon ausgegangen, dass rund 8.000 Menschen in Deutschland von Morbus Huntington betroffen sind. Weitere schätzungsweise bis zu 30.000 leben mit dem Risiko, die Krankheitsanlage von ihren Eltern geerbt zu haben. Huntington wird dominant vererbt: Ist also ein Elternteil erkrankt, hat das Kind eine fünfzigprozentige Wahrscheinlichkeit, die Krankheit auch zu entwickeln. „Die Erkrankung ist doppelt belastend: Zum einen der schwere Verlauf und zum anderen die hohe Wahrscheinlichkeit es an die eigenen Kinder weitergegeben zu haben“, erklärt Weydt. Ursache der Erkrankung ist ein „Stottern“ im genetischen Code. Aus der Falschinformation werden dann giftige Produkte abgelesen. 


Je länger das „Stottern“, desto schwerwiegender und früher treten die Symptome auf. 


Korrigieren, kann man diese genetische Veränderung bislang nicht. Stattdessen arbeiten Forschende aktuell an unterschiedlichen Therapieansätzen, bei denen zumindest die giftigen Produkte abgebaut oder blockiert werden können. „Das ist ein sehr vielversprechender Weg“, bestätigt der Bonner Neurologe Weydt. Er ergänzt aber: „Noch haben die Betroffenen davon nichts, für die kommenden Generationen gibt es aber viel Hoffnung.“

Mit ENROLL-Studie Verständnis, Versorgung und klinische Studien verbessern

An der Entwicklung von Therapien wird zwar gearbeitet, aber mehr als etwas Hoffnung für Erkrankte bietet das noch nicht. „Deshalb wird darüber hinaus auch an den Grundlagen der Erkrankung geforscht“, berichtet Patrick Weydt, der im September zum neuen Vorsitzenden des Europäischen Huntington-Krankheit-Netzwerks (EHDN) gewählt wurde. Ziel ist es, das Verständnis von Morbus Huntington sowie die Versorgung der Patient*innen und damit auch die klinischen Studien zu verbessern. Für die darauf ausgelegte „ENROLL-HD-Studie“ wurde nun auch die Ambulanz für Morbus Huntington am UKB unter Leitung von Weydt ausgewählt.


 „Das ist eine große Auszeichnung für mein Team und den Standort Bonn“ so Weydt. 


Das medizinische Personal am UKB ist damit in die weltweit größte Beobachtungsstudie für Huntington-Betroffene mit derzeit international mehr als 20.000 Teilnehmenden eingebunden. 


Die an der ENROLL-Studienteilnehmenden werden einmal im Jahr auf Zeichen der Huntington Krankheit untersucht. Mithilfe von Befragungen und kognitiven wie motorischen Tests dokumentiert das medizinische Fachpersonal dort die anfangs kaum merklichen Symptome und den Verlauf der Huntington-Krankheit. „Mit den Daten können wir verstehen, wie die Erkrankung typischerweise verläuft und sind optimal vorbereitet Therapiestudien hocheffizient durchzuführen und auszuwerten“, erklärt Weydt. Dabei spielt die enge Verzahnung mit dem klinischen Studienzentrum des DZNE und mit dem Zentrum für Seltene Erkrankungen Bonn (ZSEB) eine wichtige Rolle.

Die Huntington-Ambulanz auf dem Venusberg-Campus

Möchten Betroffene an der „ENROLL-HD-Studie“ in Bonn teilnehmen, können sie dafür nun einen Termin bei der Huntington-Ambulanz am UKB vereinbaren.


 Die Ambulanz versorgt aber nicht nur Huntington Patienten, sondern betreut auch andere Störungen mit unwillkürlichen und unregelmäßigen Überbewegungen. Abhängig von den Beschwerden erfolgen ambulant oder in einem kurzen stationären Aufenthalt weiterführende Untersuchungen. Im Anschluss an die Diagnostik werden Betroffenen am UKB auch entsprechend ihrer Symptome behandelt: 


Dazu gehören klinisch-neurologische Untersuchungen, Beratung zu Pflege- und Hilfsmitteln sowie psychologische Unterstützung. „Heilen können wir Huntington noch nicht, wir versuchen aber die Lebensqualität der Betroffenen so gut es geht zu verbessern“, sagt der Gründer der Ambulanz Patrick Weydt. 


Jährlich werden inzwischen über 120 Huntington-Erkrankte am UKB versorgt.

Mehr Informationen und der Kontakt zur Ambulanz für Morbus Huntington sind hier zu finden: 

https://www.ukbonn.de/neurodegenerative-erkrankungen/klinik/ambulanz-fur-morbus-

.. sowie Insta:@huntington_doc

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT


Dr. Inka Väth
Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Telefon: (+49) 228 287-10596
E-Mail: inka.vaeth@ukbonn.de

Zum Universitätsklinikum Bonn: Im UKB finden pro Jahr etwa 500.000 Behandlungen von Patient*innen statt, es sind ca. 9.500 Mitarbeiter*innen beschäftigt und die Bilanzsumme beträgt 1,8 Mrd. Euro. Neben den 3.500 Medizin- und Zahnmedizin-Studierenden werden pro Jahr 550 Personen in zahlreichen Gesundheitsberufen ausgebildet. Das UKB steht in der Focus-Klinikliste auf Platz 1 unter den Universitätsklinika (UK) in NRW, hatte in 2023 in der Forschung über 100 Mio. Drittmittel und weist den zweithöchsten Case Mix Index (Fallschweregrad) in Deutschland auf. Das F.A.Z.-Institut hat das UKB mit Platz 1 unter den Uniklinika in der Kategorie „Deutschlands Ausbildungs-Champions 2024“ ausgezeichnet.
Weitere Informationen finden Sie unter
Informationen und der Kontakt zur Ambulanz für Morbus Huntington

Mit Gefühl für den eigenen Körper

Rein in die Laufschuhe und ab die Post. Oder in die Schlittschuhe. Oder ins Hallenbad. Sport im Winter ist nicht nur eine nette Option, sondern ein riesiges Investment. 

Ins Wohlbefinden, für den Body und auch das Sozialleben. Wie das funktioniert und was es bei Schmuddelwetter oder eisigen Außentemperaturen zu beachten gilt, erfahren Sie hier.

Das Weihnachtsessen liegt noch schwer im Magen und der Süßkram auf dem Plätzchenteller zwinkert einem auch schon nicht mehr so kräftig zu. 

Nach den Festtagen und der Silvestersause stehen sie wieder vor der Tür, die guten Vorsätze. Wenn da nur nicht das Problem mit dem Motivationsloch wäre! Doch aus diesem holen wir Sie heraus. Nur anfangen müssen Sie selbst. Und das wird sich lohnen.

Freier Kopf und starke Abwehrkräfte

Denn kommen Sie erst einmal in Bewegung, profitieren Sie von vielen positiven Effekten, die Sport im Winter mit sich bringt. Er stärkt die Abwehrkräfte, verbrennt Kalorien und macht den Kopf frei. Um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen. Was nämlich keiner auf dem Schirm hat: 

Sport macht auch sozialer. 

Wie das zusammenhängt und wann es zum Joggen dann doch zu kalt wird, weiß Dr. Angela Teichert. Die Sportmentaltrainerin ist Professorin für Soziale Arbeit an der SRH Fernhochschule und selbst eine echte Sportskanone.

Was Sport mit Sozialer Arbeit verbindet

Gefragt nach der Brücke zwischen Sozialer Arbeit und regelmäßiger Bewegung, berichtet sie begeistert: „Sport ist ein ganz wichtiges Hilfsmittel in der Sozialen Arbeit. Als niedrigschwelliger Zugang verbindet er Menschen untereinander und macht eben auch Türen auf, die sonst verschlossen blieben. Sport bringt die Menschen ins Tun und das ist ein ganz wichtiger Schritt. Diesen Effekt machen sich zum Beispiel Sportsozialarbeiter:innen zu nutze. Es ist egal, wie alt man ist und welchen sozialen Hintergrund man hat. Sport ist für alle da.“

Stimmungsaufheller in der dunklen Jahreszeit

Zudem würde Sport eine sehr gute Integrationsmöglichkeit darstellen, sei motivationsfördernd und gerade in der dunklen Jahreszeit wichtig, weil die körperliche Betätigung Lebensfreude bringe, gute Laune mache und als echter Stimmungsaufheller wirke. Davon ist nicht nur Teichert überzeigt, sondern diese Effekte werden auch durch zahlreiche Studien belegt. In einem Bericht des Robert Koch-Institutes (RKI) zum Beispiel, wird schon im Jahr 2012 festgestellt, dass körperliches Training bei Depressionen ähnlich wirksam sein kann wie eine medikamentöse Therapie.

Lungenbläschen, Minusgrade, Aufwärmtraining: Das gilt es bei Sport im Winter zu beachten

Am Anfang einer jeder sportlichen Betätigung steht die Motivation. Um die zu bekommen, ist gutes Equipment keine schlechte Idee. Warme und gute Laufschuhe sind eine Investition, die man tätigen sollte. Denn sie geben dem Fuß Stabilität und verringern das Risiko, auszurutschen, umzuknicken oder sich zu verletzen. Und die müssen nicht nur funktional sein, sondern sollten auch richtig gut aussehen. Schließlich will man sie oft und gern schnüren.

Bei Temperaturen um die 0 Grad sollten Sie eine dünne Mütze oder ein Stirnband tragen. Das sorgt für warme Ohren und hält die Temperatur, die zum Großteil über den Kopf entweicht. Zudem gilt bei der Kleidung das gute alte Zwiebelprinzip. Mehrere Schichten isolieren die Körperwärme besser als eine einzelne dicke Schicht Kleidung. Und für den Start empfehlen sich dünne Handschuhe. Bis der Körper nämlich erstmal auf Betriebstemperatur läuft und genügend Wärme produziert, dass sie bis in die Fingerspitzen gelangt, vergeht einiges an Zeit. Und die muss man nicht mit dem schrecklichen Gefühl halbtoter Finger herumbekommen. Dann vor dem Start noch einen ordentlichen Schluck Wasser, denn geschwitzt wird auch bei Minusgraden und auf geht’s!

Diese positiven Effekte haben Joggen und Sport im Winter auf Körper und Geist

Wenn es kalt ist, verengen sich die Blutgefäße und das Herz muss mehr arbeiten, um genug Blut durch den Körper zu pumpen. Klingt unheimlich, hat aber einen fantastischen Trainingseffekt. Ein Sportlerherz ist um die ein Drittel größer als ein untrainiertes und das hat zum Vorteil, dass es in der gleichen Zeit sehr viel mehr Blut durch die Adern pumpen kann und mit diesem wird bekanntlich Sauerstoff transportiert. Und eine bessere Sauerstoffversorgung führt zu mehr Leistungsfähigkeit.


Mit Gefühl für den eigenen Körper

Bei all diesen Erkenntnissen und positiven Effekten gilt immer: Auf den eigenen Körper hören ist essenziell. Es gilt nicht, irgendwelche Wettbewerbe zu gewinnen, sondern am Ball zu bleiben und Spaß an der Sache zu haben. Denn Kontinuität ist wichtiger als Schnelligkeit. Wer es schafft, regelmäßig in Bewegung zu kommen, stärkt die Abwehrkräfte. Kleiner Bonus bei Kälte: Um die Temperatur aufrecht zu halten, verbrennt der Körper um die 15 Prozent mehr Kalorien als in warmen Monaten. Im Fachjargon heißt dieser hilfreiche Nebeneffekt Thermogenese.

Bei -10 Grad ist Schluss mit lustig

Es gibt keine konkrete Temperatur, ab der man sagen kann: Jetzt ist es zu kalt zum Laufen. Bei vielen Menschen ist dieser Punkt bei -5 Grad erreicht. Andere sind empfindlicher und bekommen schon bei geringeren Minusgraden schlechter Luft. Wenn ein dünner Loop über Mund und Nase keine Abhilfe schafft, lieber warten, bis es etwas milder wird. In die Eishalle zum Schlittschuhlaufen gehen, sich mit Freunden im Schwimmbad verabreden oder doch den Zumba-Kurs buchen. Möglichkeiten gibt es viele.
Bei -10 Grad sollte dann aber auch wirklich kein Freizeitsportler mehr rennen gehen. Die Lungenbläschen könnten Schaden nehmen und bei längeren Laufrunden drohen Erfrierungen. Da hilft alle Sportlichkeit nix. Zügige Spaziergänge sind jedoch erlaubt.

Sozialleben und Sport verknüpfen zum Motivationserhalt

Wer nach all den warmen Worten noch immer nicht überzeugt ist, braucht als letzten Stupser vielleicht noch Motivationstipps von Frau Prof. Dr. Teichert. Sie rät: „Wer jetzt den inneren Schweinehund überwindet, stärkt das Selbstbewusstsein. Besorgen Sie sich Funktionskleidung, integrieren Sie Routinen und planen Sie den Sport mehrfach wöchentlich ein, damit er zur Gewohnheit wird. 


Verabreden Sie sich mit Freund:innen, Kolleg:innen oder Familienmitgliedern zum gemeinsamen Sporteln. 


Das erhöht die Hemmschwelle, doch noch kurzfristig abzusagen und stärkt das soziale Gefüge. 


Langlaufen, Skitouren, Walken… es MUSS etwas geben, was Ihnen Freude bereitet. 


Und jede Bewegung ist besser als keine. Sport lohnt immer. Für gute Beziehungen, das Immunsystem, die Gesundheit und die Seele.“

Ambulanz für Krebsprädispositionssyndrome

Direkter Wissenstransfer in die klinische Versorgung: 

Patientinnen und Patienten kommen aus ganz Deutschland in die Ambulanz für Krebsprädispositionssyndrome in der Kinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Krebs bei Kindern und Jugendlichen ist selten. 

Dennoch gehören bösartige Erkrankungen in dieser Altersgruppe nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen. 

Überlebende einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter erleiden oftmals chronische gesundheitliche Probleme mit erhöhter Krankheits- und Sterblichkeitsrate. 


Der wichtigste bekannte Risikofaktor für Krebs im Kindesalter ist die genetische Krebsprädisposition. 


Bestimmte krankheitsassoziierte Varianten in den Genen eines Menschen erhöhen das Risiko, eine Krebserkrankung zu entwickeln. „Das Verständnis zu den Ursachen von Krebs im Kindes- und Jugendalter ist essentiell, um Krebs in dieser Altersgruppe noch besser zu behandeln, noch früher zu erkennen oder zukünftig sogar verhindern zu können“, erklärt Prof. Dr. Christian Kratz, Direktor der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie der MHH.

Genetische Architektur von Krebserkrankungen ist komplex

Bösartige Erkrankungen haben bei Kindern und Jugendlichen eine erbliche Komponente, die durch eine komplexe Architektur gekennzeichnet ist, an der häufige Genvarianten an mehreren Genorten und seltene krankheitsassoziierte Genvarianten beteiligt sein können. 


Darüber hinaus können Umweltfaktoren wie Virusinfektionen eine Rolle spielen. 


Vor 40 Jahren wurde das erste von inzwischen vielen bekannten Krebs-Prädispositions-Genen (KPGs) identifiziert, die im Falle erblicher krankheitsassoziierter Varianten zu einer Krebsrisikoerhöhung führen.

Bei diesen erblichen Erkrankungen spricht man von Krebsprädispositionssyndromen (KPS), wie zum Beispiel dem Li-Fraumeni-Syndrom oder der Fanconi-Anämie. 


Etwa zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen mit einer Krebserkrankung haben ein KPS. 


Zudem gibt es krankheitsauslösende Genvarianten, die während der Embryonalentwicklung entstehen und im Laufe des Lebens zu einer Krebserkrankung führen können. Bei den Betroffenen kommt es zu einer Mosaikerkrankung, bei der sowohl veränderte als auch gesunde Zellen vorhanden sind.

Ambulanz für Krebsprädispositionssyndrome in der Kinderklinik der MHH

In der Ambulanz der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie werden mehrere hundert Personen, die von einem KPS betroffen sind, beraten und betreut. 


Die Patientinnen und Patienten kommen aus ganz Deutschland in die MHH. 


Die Erkenntnisse aus der Forschung nehmen hier direkt Einfluss auf das medizinische Handeln. 


Den Betroffenen wird zudem die Teilnahme an Früherkennungsprogrammen sowie an diversen Studien ermöglicht.

Professor Kratz hat das komplexe Thema aktuell in einer Übersichtsarbeit für die Zeitschrift Nature Reviews Cancer zusammengefasst. Das Journal veröffentlicht Forschungsergebnisse, Rezensionen und Kommentare zur Krebsforschung und wird als führende Quelle für die wissenschaftliche Gemeinschaft betrachtet. Unterstützt wird das Team um Professor Kratz durch die Deutsche Kinderkrebsstiftung, die Krebshilfe, das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Verein für krebskranke Kinder Hannover e.V.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT


Professor Dr. Christian Kratz, Kratz.Christian@mh-hannover.de, 0511 532-6712

Originalpublikation:
Übersichtsarbeit für Nature Reviews Cancer: https://www.nature.com/articles/s41568-024-00775-7
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.krebs-praedisposition.de

Fanggebiet für grossed Hechte

Die Bodden um Rügen sind als hervorragende Fangebiete vor allem für große Hechte bekannt. 

Doch seit einigen Jahren nehmen Hechtfänge und Fanggrößen ab. 

Die Gründe dafür sind vielfältig. 

Eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) zeigt nun, dass auch die Freizeitfischerei Einfluss auf den Boddenhecht hat:

In Gebieten mit intensiver Angelfischerei gibt es weniger Hechte als in Schutzgebieten, in denen wenig oder gar nicht geangelt wird. Ein weiterer Effekt: Die Hechte gehen immer schwerer an den Haken, sie werden vorsichtiger.

Der Bestandsrückgang und seine Ursachen:

Der Hecht ist einer der größten Raubfische unserer Seen, Flüsse und der inneren Küstengewässer der Ostsee. 

In den schwach salzhaltigen Küstengewässern um Rügen, den Bodden, wachsen die Tiere besonders schnell und zu Längen von über 1,20 Metern heran. 


Das hat den Boddenhecht gerade unter Angler*innen überregional bekannt gemacht und Rügen zu einem Hotspot des Angeltourismus werden lassen. 


Die wirtschaftliche Bedeutung der anglerischen Boddenhechtfischerei ist mit einer Bruttowertschöpfung von über 10 Millionen Euro pro Jahr rund 34-mal höher als die der Berufsfischerei auf Hecht. 


Über 200 Arbeitsplätze in der Region hängen direkt oder indirekt von den Ausgaben der Hechtangler*innen ab.

„Verschiedene Umweltveränderungen haben dem Boddenhecht in den letzten Jahren das Leben schwer gemacht: Klimawandel, Überdüngung und der damit verbundene Verlust von Unterwasserpflanzen als Laichplätze und Kinderstuben, der Verlust von Laichplätzen in angrenzenden Flüssen und Gräben durch Wanderhindernisse infolge des Wassermanagements für die Landwirtschaft sowie die Abkopplung der im Frühjahr überschwemmten Hechtlaichwiesen von den Bodden. Weitere Faktoren sind eine hohe Sterblichkeit von Hechteiern und -larven durch Stichlinge sowie ein starker Fraßdruck auf Junghechte und die Beutefische der Hechte durch eine angestiegene Kormoranpopulation. Auch rückläufige und sich in ihrer Zusammensetzung verändernden Beutefische sowie die fischereiliche Nutzung spielen eine Rolle“, erklärt Fischereiprofessor Dr. Robert Arlinghaus vom IGB und der HU, der von 2019 bis 2023 ein umfangreiches Projekt zum Boddenhecht geleitet hat, in dem auch die aktuelle Studie durchgeführt wurde.

„Sinkende Fangquoten bei Dorsch und Hering – den eigentlichen Brotfischen der gewerblichen Küstenfischerei – haben in den letzten Jahren den Fangdruck durch die Berufsfischerei in den Bodden auf Süßwasserfische wie den Hecht erhöht“, ergänzt der Fischereiwissenschaftler. Aktuell werden von Berufsfischern etwa doppelt so viele Hechte entnommen wie von Freizeitanglern. Das hat die Fischereibehörde in Mecklenburg-Vorpommern kürzlich dazu veranlasst, neue Winterlagerregelungen als Sofortmaßnahme zu erlassen, um den Boddenhechtbestand zu schonen.

Die Rolle der Angelfischerei:

Doch welchen Einfluss hat die Freizeitfischerei auf die Hechtbestände? Um diese Frage zu untersuchen, wurde in drei Boddenbereichen jeweils ein Schutzgebiet mit geringem oder fehlendem Zugang für Angler*innen mit einem offenen Vergleichsgebiet mit intensiver Angelfischerei verglichen. Die Forscher beprobten die Hechte mit standardisierten Angelmethoden und Stellnetzen, um einerseits die Bestandsgrößen zwischen den Gebieten zu vergleichen und andererseits die Angelbarkeit der Hechte zu untersuchen. „Die Fangraten in den Schutzgebieten waren durchschnittlich drei- bis viermal so hoch wie in den Vergleichsgebieten. Auch kapitale Hechte kamen in den Schutzgebieten häufiger vor. Dies deutet darauf hin, dass auch die Angelfischerei Einfluss auf den Hechtbestand der Boddengewässer hat beziehungsweise auch früher schon hatte“, erklärt Phillip Roser, ehemaliger Masterstudent und Erstautor der Fachpublikation in der Zeitschrift Fisheries Management and Ecology.

Aber nicht nur die Angelfischerei kann die unterschiedlichen Fangzahlen in Schutzgebieten und ungeschützten Gebieten erklären. „Es ist denkbar, dass ein Teil der Fangunterschiede auf gebietsspezifische Effekte der Berufsfischerei oder auf unterschiedliche Lebensraumqualitäten zurückzuführen ist, auch wenn wir in der Studie darauf geachtet haben, Studiengebiete auszuwählen, die sich im Pflanzenbewuchs, Salzgehalt oder der Wassertiefe möglichst nicht unterscheiden“, erläutert der Biostatistiker und Fischökologe Dr. Johannes Radinger, Koautor der Studie.

Hechte gehen deutlich schlechter an die Angel:

Ein weiterer Faktor, der zu den reduzierten Fangraten in den Angelrevieren beiträgt, ist das veränderte Beißverhalten der Hechte. Robert Arlinghaus: „Viele der von Anglerinnen und Anglern gefangenen Boddenhechte werden nach dem Fang wieder freigelassen, sie haben also die Erfahrung, dass von Kunstködern oder Booten Gefahr ausgeht. Zudem werden systematisch besonders leicht zu fangende Hechte entnommen, was durch Selektion und genetische Anpassung zu einer Häufung von Eigenschaften wie geringer Aggressivität und geringerer Schwimmaktivität in der Population führen kann. Beide Effekte – Lernen und Auslese – können die Beißmotivation der neu heranwachsenden, beziehungsweise der erfahrenen Hechte reduzieren.“ Das erlernte oder genetisch bedingte Vermeidungsverhalten der von Angler*innen stark befischten Hechte konnte die Forschergruppe nun in den Bodden nachweisen: „Von den Hechten, die sich für den Kunstköder interessierten, bissen in Schutzgebieten ohne Angelfischerei ein deutlich höherer Anteil tatsächlich an, während Hechte in beangelten Gebieten häufiger nach einer Begutachtung des Köders abdrehten. Zudem lösten sich Hechte aus in der Vergangenheit intensiv beangelten Gebieten nach einem Biss häufiger vom Haken, was für ein vorsichtigeres Anbeißverhalten spricht“, ordnet Phillip Roser die Studienergebnisse ein.

„Etwa ein Drittel der Unterschiede der Fänge beim probeweisen Vergleichsangeln zwischen Schutzgebiet und Nichtschutzgebiet lässt sich auf ein vermindertes Anbeißverhalten zurückführen“, ergänzt Phillip Roser, der heute beim Landesfischereiverband Bayern arbeitet. „Ein solches Vermeidungsverhalten kann helfen, den Hechtbestand zu sichern. Anglerinnen und Angler hingegen müssen sich bei der Wahl der Angeltechnik anpassen. Und wir Forscherinnen und Forscher nehmen mit, dass schlechtere Fänge mit der Angel nur zum Teil den tatsächlichen Zustand der Hechtbestände widerspiegeln“, stellt Robert Arlinghaus fest.

Anpassung der Bewirtschaftung der Fischbestände nötig:

Die Ergebnisse dieser und früherer Studien des IGB zum Boddenhecht unterstreichen die Notwendigkeit einer verbesserten Bewirtschaftung des Hechts in den Boddengewässern. „Wünschenswert wäre es, möglichst vielen der unter Druck geratenen Boddenhechte die Möglichkeit zu geben, sich zu vermehren und zu einer stattlichen Größe heranzuwachsen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Berufs- und Angelfischerei auch in der Zukunft von guten Fängen und hoher Ertragsfähigkeit an den Bodden profitieren können", betont Robert Arlinghaus.

Im Rahmen des Boddenhechtprojektes wurden in einem mehr als dreijährigen intensiven Beteiligungsprozess mit Interessengruppen aus Berufsfischerei, Angelfischerei, Tourismus und Naturschutz abgestimmte Empfehlungen zur zukünftigen Bewirtschaftung erarbeitet und dem Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern zur Umsetzung empfohlen. Erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt: Seit dem 1. November 2024 gelten die Udarser Wiek, der Koselower See und die Neuendorfer Wiek als Winterlager für den Hecht mit stark eingeschränkten Entnahme- und Befischungsmöglichkeiten für Berufs- und Angelfischer. So ist beispielsweise die Stellnetzfischerei auf Hecht in dieser Zeit nicht mehr erlaubt. Weitere im Konsens aller Beteiligten beschlossene, aber noch nicht umgesetzte Empfehlungen sind die Einführung eines Entnahmefensters, das sowohl kleine als auch große Hechte schont, die Festlegung maximaler Maschenweiten für die Stellnetzfischerei und die Reduzierung der täglichen Entnahmequote für Angler*innen von derzeit drei auf einen Hecht pro Angeltag.

„Aus wissenschaftlicher Sicht gehen diese Maßnahmen jedoch nicht weit genug. Wichtig wäre ein Netz von Schutzgebieten ohne jeglichen Fischereidruck, was derzeit nur für etwa ein Prozent der Boddenfläche der Fall ist. Diese Gebiete könnten periodisch für die Berufs- und Angelfischerei geöffnet werden, so dass die Fischerei von den Schutzeffekten im Sinne höherer Bestandsgrößen und gesteigerter Fängigkeit profitiert. Denkbar wäre auch die Einführung betriebsspezifischer Hechtquoten für die Berufsfischerei und einer maximalen jährlichen Entnahmequote für Hechte in der Angelfischerei. Denn partielle oder ganzjährige Schutzgebiete alleine werden das Problem der Entnahme nicht lösen, da Berufsfischer*innen und Angler*innen nach Einführung von räumlichen Schutzzonen gerne ihren Fangaufwand in offene Gebiete verlagern und so der Entnahmedruck in ungeschützten Gebieten steigen kann. Derzeit ist die Gesamtentnahme von Hecht aus den Bodden nach oben nicht begrenzt, was für den angespannten Bestand durchaus problematisch ist, insbesondere wenn, wie derzeit, die Fangmöglichkeiten anderer Küstenfischarten zurückgehen und so der Anreiz steigt, auf nichtquotierte Arten wie den Boddenhecht auszuweichen“, erläutert Robert Arlinghaus.

Über die Fischerei hinaus: Die Boddenumwelt verbessern, Flüsse durchgängig machen, Hechtlaichwiesen anlegen:

Das Forschungsteam macht deutlich, dass die Freizeit- und Berufsfischerei nicht allein für den Rückgang des Boddenhechts verantwortlich ist. Der Küstenhecht ist auch von starken Veränderungen der Umwelt und der Ostsee betroffen. Diese haben die aktuelle Wachstumsrate und die Bestandsproduktivität des Boddenhechts im Vergleich zur Nachwendezeit stark reduziert.

„In einem sich verschlechternden ökologischen Umfeld ist der Boddenhecht nicht mehr wie früher in der Lage, die aktuellen fischereilichen Entnahmen ohne Probleme zu kompensieren“, erklärt Johannes Radinger. Deshalb seien längerfristige Maßnahmen außerhalb der kurzfristigen Regulierung der Angel- und Berufsfischerei notwendig, denn eine Fokussierung auf die Entnahme allein wird aller Voraussicht nach nicht ausreichen. „Es gilt, die verschiedenen Laichplätze des Hechtes in den Bodden zu renaturieren und im Frühjahr flach überflutete Hechtlaichwiesen in den Boddenrandbereichen anzulegen, damit genügend Junghechte nachwachsen können. Dazu muss die Durchgängigkeit der in die Bodden mündenden Fließgewässer und Gräben verbessert und das Wassermanagement angepasst werden. Wichtig ist auch, durch die Förderung von Wasserpflanzen und die Reduzierung des Fraßdrucks durch Kormorane (auf Jungfische) und Stichlinge (auf Eier und Hechtlarven) dafür zu sorgen, dass der Hechtnachwuchs in großen Anzahlen heranwachsen kann. Nachhaltiges Hechtbestandsmanagement verlangt ein Denken auf der Ebene des Ökosystems „Bodden“ bzw. „Ostsee“, was auch ein Management der Wirkungen der Landwirtschaft über Nährstoffeinträge, verändertes Wassermanagement und verändertes Management der Fraßfeinde des Hechts einschließt“, erläutert Robert Arlinghaus.

Zusammenwirken von Naturschutz, Land- und Wasserwirtschaft für eine gesunde Ostsee:

Diese und weitere Empfehlungen liegen dem für Umwelt- und Fischerei zuständigen Landesministerium in Mecklenburg-Vorpommern seit Juni 2023 vor. Die Novellierung der Küstenfischereiverordnung ist für 2026 geplant, hier könnten weitere fischereiliche Regelungen angepasst werden. „Unabhängig davon wäre es wünschenswert, flankierend Renaturierungsprojekte anzustoßen und zügig voranzutreiben. Denn von diesen Maßnahmen profitieren viele Organismen, nicht nur der Hecht. Der Hecht steht nur stellvertretend für tiefer liegende Probleme in der Ostsee, die bis in die inneren Küstengewässer ausstrahlen. Auch Dorsch und Hering sind rückläufig. Der Boddenhecht ist leider nicht allein“, stellt Robert Arlinghaus abschließend fest. Er weist darauf hin, dass das Zusammenspiel von Akteuren weit über die Fischerei hinaus gefragt ist, einschließlich Naturschutz, Land-, Wasser- und Tourismuswirtschaft.

******

Boddenhecht:

Übergeordnetes Ziel des Projektes BODDENHECHT war es, den Hecht in den Boddengewässern Mecklenburg-Vorpommerns besser zu verstehen und in Zukunft besser zu fördern. Das wissenschaftliche Team von BODDENHECHT erarbeitete in umfangreichen Freilandexperimenten und über Umfragen neue Erkenntnisse zum Hecht und zur Hechtfischerei. Darüber hinaus brachte das Projekt alle Interessensgruppen auf Augenhöhe ins Gespräch, um gemeinsam Wege zu finden, die Hechtbestände für Berufsfischerei, Angelfischerei und Tourismus langfristig zu erhalten und zu entwickeln. Das Projekt wurde aus Mitteln des EMFF der EU und des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Mecklenburg-Vorpommern gefördert. Die Laufzeit war vom 01.01.2019 bis 30.08.2023. www.boddenhecht-forschung.de

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT


Prof. Dr. Robert Arlinghaus, Projetleiter und Professor für Integratives Fischereimanagement (www.ifishman.de), arlinghaus@igb-berlin.de

Originalpublikation:
Roser, P., Radinger, J., Feldhege, F., Braun, M., Arlinghaus, R. (2024). Getting scarce and lure shy: impacts of recreational fishing on coastal northern pike (Esox lucius) abundance, size structure and vulnerability to angling. Fisheries Management and Ecology, https://doi.org/10.1111/fme.12769. Open access download: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/fme.12769

Silvesterböller

Ein unsachgemäßer Umgang mit Silvesterböllern kann zu schwersten Gesundheitsschäden bis hin zum Verlust von Sinnesorganen und Gliedmaßen oder sogar zum Tod führen. 

Daher bitte ich ALLE: 

Kaufen und benutzen Sie nur gesetzlich zugelassene Produkte, lesen und befolgen Sie die Gebrauchsanweisung und halten Sie Feuerwerkskörper insbesondere von Kindern fern! 

Gehen Sie verantwortungsvoll mit Böllern und Raketen um. 

Bringen Sie sich selbst und andere nicht in Gefahr. 

Damit schützen Sie nicht nur Ihre Gesundheit und die Ihrer Lieben, sondern entlasten zugleich die Krankenhäuser, deren Notaufnahmen über den Jahreswechsel ohnehin über Gebühr belastet sind. 

In diesem Sinne wünsche ich ALLEN  einen guten und gesunden Rutsch ins neue Jahr!“

Für den Verkauf und das Abbrennen von Feuerwerkskörpern gelten strenge Sicherheitsbestimmungen. 

Pyrotechnische Gegenstände der Kategorie F 2 dürfen nur unter Aufsicht an Erwachsene ab 18 Jahren und ausschließlich in Verkaufsräumen des Groß- und Einzelhandels verkauft werden. 

Ein Verkauf im Freien oder aus einem Kiosk heraus ist nicht zulässig.

Beim Kauf ist darauf zu achten, dass die Feuerwerkskörper mit dem CE-Zeichen und einer Registrierungsnummer (beispielsweise 0589-F2-0001) gekennzeichnet sind. 

Das Abbrennen von Silvesterfeuerwerk ist nur am 31. Dezember und 1. Januar erlaubt. 

Verboten sind Böller und Raketen in unmittelbarer Nähe von Krankenhäusern, Kirchen, Kinder- und Altenheimen, Reetdach- und Fachwerkhäusern sowie Tankstellen.

Die Einfuhr und der Handel von nicht zugelassener Pyrotechnik sind in Deutschland verboten. 

Zuwiderhandlungen werden als Ordnungswidrigkeit oder Straftat geahndet. 

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung Arbeitsschutz des Landesamtes für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit werden auch in diesem Jahr wieder landesweit umfangreiche Kontrollen beim Verkauf von Pyrotechnik durchführen.

Hinweise zur Verwendung von Schallerzeugern

Auch in diesem Jahr muss wieder mit dem Verkauf von Schallerzeugern, sogenannte Sound-Emittern, der Kategorie P 1 als Feuerwerkskörper gerechnet werden. 

Das Design dieser Schallerzeuger und deren Verpackung suggerieren dem Endverbraucher, dass es sich bei diesen Produkten um gewöhnliche Feuerwerkskörper handelt. 

Pyrotechnische Gegenstände der Kategorie P 1 dienen jedoch nicht zu Vergnügungszwecken, sondern werden beispielsweise zur Abwehr von Tieren oder als akustische Notsignale verwendet. 

Das Abbrennen dieser Schallerzeuger sowie anderer Produkte der Kategorie P 1 ist wegen der extremen Schallentwicklung (bis über 140 dB) und der hohen Explosivstoffmenge nur für den vorbestimmten Zweck und unter Einhaltung zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen (zum Beispiel Gehörschutz und erweiterter Sicherheitsabstand) erlaubt.

Wichtige Hinweise beim Umgang mit den Feuerwerkskörpern:

Wer Feuerwerkskörper kauft, muss auch für die sichere Aufbewahrung sorgen. Niemals Feuerwerkskörper in bewohnten Räumen aufbewahren und auf keinen Fall Anzündmittel und Feuerwerkskörper zusammen lagern. 

Das Feuerwerk muss vor dem möglichen Zugriff von Minderjährigen geschützt aufbewahrt werden. Bitte beachten Sie außerdem:

  • Rechtzeitig sämtliche Fenster, Dachluken, Balkontüren und Garagentore schließen.
  • Brennbare Gegenstände vom Balkon oder vom Haus entfernen.
  • Nur geprüfte Feuerwerkskörper der Kategorien F1 und F2 verwenden.
  • Vor dem Abbrennen des Feuerwerks die Gebrauchsanweisung lesen und beachten.
  • Feuerwerk nicht in der Nähe von Tankstellen, Krankenhäusern, Kirchen, Kinder- und Altenheimen, Fachwerkhäusern und Gebäuden zünden, die mit Reet gedeckt sind.
  • Für den Notfall Löschmittel bereithalten (Eimer mit Wasser, besser Feuerlöscher).
  • Feuerwerk (mit Ausnahme von Tischfeuerwerk) nur im Freien zünden, niemals innerhalb geschlossener Räume.
  • Beim Abbrennen von Tischfeuerwerk bedenken, dass Silvesterdekoration in der Regel brennbar ist.
  • Feuerwerkskörper nicht in der Hand behalten, sondern auf den Boden legen und dann zünden.
  • Raketen senkrecht in Getränkekästen mit leeren Glasflaschen oder Ähnlichem stellen und so ausrichten, dass sie nicht auf benachbarte Gebäude, Menschen oder Tiere zielen.
  • Niemals versuchen, „Fehlzünder“ ein zweites Mal anzuzünden.
  • Niemals eigene Böller basteln, Feuerwerkskörper manipulieren oder illegale Böller verwenden.
  • Schützen Sie sich insbesondere auf öffentlichen Plätzen gegen schädliche Lärmeinwirkungen (Knalltraumata) durch Gehörschutz.

Magdeburger Weihnachtsmarkt Hilfsangebote

Linksammlung zu niederschwelligen und bedarfsgerechten Angeboten in psychischer Ausnahmesituation

Der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt verlangt schnelle und wirksame Antworten in einer Ausnahmesituation – das sagen Expertinnen und Experten des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG). 

Demnach braucht es jetzt eng vernetzte, stufenweise organisierte Netzwerke aus Fachleuten der psychischen Gesundheit, die regional und kapazitär zusammenarbeiten und alle nötigen Expertisen bündeln. Denn

die Vielzahl an Betroffenen stellt nicht nur diese selbst, sondern auch ihre Angehörigen und die Hilfesysteme vor große Herausforderungen.


„Dabei sind zwei Dinge zu unterscheiden: Die unmittelbaren Krisen im Kontext der Ereignisse und Traumafolgestörungen. Letztere entwickeln sich meist erst in den Wochen danach“, sagt Prof. Martin Walter, Sprecher des DZPG-Standorts Halle-Jena-Magdeburg. „Die Entwicklung fällt dann meist erst im sozialen Netz der Betroffenen auf, wenn sich Freunde oder Familienangehörige zurückziehen oder eine Veränderung im Verhalten auffällt. Betroffene und Angehörige, aber auch Arbeitskollegen und Lehrer brauchen daher leicht zugängliche Informationen, auch dazu, was die eigenen Grenzen angeht.“

Gerade in der bevorstehenden Ferienzeit kommt einem intakten sozialen bzw. familiären Umfeld bei der Beobachtung von Anpassungsreaktionen eine besondere Bedeutung zu. „Vor allem Kinder- und Jugendliche sind eine besondere Risikogruppe, falls ihr eigenes Netz keine ausreichende Unterstützung bietet“, sagt Prof. Dr. Silvia Schneider, Professorin für Kinder- und Jugendpsychotherapie und Sprecherin des Standorts Bochum-Marburg.

Die Fachleute sagen zudem, dass neben den unmittelbar Betroffenen bei derartigen Großschadensereignissen, gerade auch wegen der großen medialen Präsenz, auch an mittelbar betroffene Risikogruppen gedacht werden muss. „Menschen mit erhöhter Vulnerabilität, sei diese durch psychische Vorerkrankungen oder aktuelle psychosoziale Umstände bedingt, können aufgrund einer ungünstigen Verarbeitung mit psychischen Beschwerden reagieren und auch dann psychische Hilfe benötigen, wenn sie nicht direkt beteiligt waren“, sagt Prof. Dr. Dr. Andreas Heinz, DZPG-Sprecher und Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik an der Charité in Berlin-Mitte.

Auf der Homepage des DZPG finden sich aus aktuellem Anlass Links zu niederschwelligen Anlaufstellen. Sie bieten krisenpsychologische, seelsorgerische und medizinische Unterstützung. Von dort werden Betroffene bei Bedarf an spezialisierte Partner des DZPG wie Traumaambulanzen in Magdeburg und benachbarten Städten weitervermittelt.

Auf der Homepage des DZPG haben die Expertinnen und Experten Unterstützungsangebote gebündelt: 

https://www.dzpg.org/linkliste

Spendenkonto zur Unterstützung für Betroffene und Angehörige des Anschlags in Magdeburg

Die Hilfsorganisationen DRK, Caritas und Diakonie haben in einem Aktionsbündnis ein Spendenkonto zur Unterstützung für Betroffene und Angehörige des Anschlags in Magdeburg eingerichtet. 

Die Initiative kam von der Landesregierung Sachsen-Anhalt. 

Die Spenden unterstützen die Arbeit der Hilfsorganisation sowie der Organisation der Opferhilfe Weißer Ring vor Ort. 

 

Spenden bitte unter folgender Bankverbindung: 

DRK Sachsen-Anhalt  

Sozialbank 

IBAN: DE10 3702 0500 0003 5195 00 

BIC: BFSWDE33XXX 

 

Stichwort: Opferhilfe Magdeburg

ADHS und Neurofeedback - Behandlungen

Es gibt kaum Belege dafür, dass Neurofeedback-Behandlungen für die meisten Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) als einzige Behandlung nützlich sind, obwohl eine kleine Wirkung von Standard-Neurofeedback nachweisbar ist. 

Das ist das zentrale Ergebnis einer Übersichtsarbeit, die das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit zusammen mit dem King's College London, der Universität Southampton und der Universität Zürich durchgeführt hat. 

Dafür wurden 38 wissenschaftliche Studien ausgewertet.

Neurofeedback ist ein Training, bei dem Menschen lernen können, ihre Gehirnaktivität zu steuern. 


In der Regel wird die Elektroenzephalografie (EEG) eingesetzt, um die elektrische Aktivität des Gehirns zu messen und der Person ein Echtzeit-Feedback zu geben. 

DieservAnsatz wird als Alternative zur Einnahme von Medikamenten vorgeschlagen, um Menschen zu helfen, die ADHS-bezogene Gehirnaktivität selbst zu regulieren und Verhaltenssymptome zu reduzieren.

Doch können durch Neurofeedback tatsächlich ADHS-Symptome signifikant reduziert werden? 


Dieser Frage geht die in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlichte Übersichtsarbeit nach, die neben dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim vom King's College London, der Universität Southampton sowie der Universität Zürich durchgeführt wurde. 


Die Übersichtsarbeit umfasste eine Metaanalyse von 38 randomisierten kontrollierten Studien, in denen die Ergebnisse der Neurofeedback-Behandlung bei Personen mit ADHS untersucht wurden. 


Ausgewählt wurden also nur Studien, in denen Personen nach dem Zufallsprinzip einer Neurofeedback- oder Kontroll-Gruppe zugewiesen wurden und bei denen die Berichte über die Symptome wahrscheinlich „verblindet“ waren, das heißt die Beurteilenden nicht wussten, wer Neurofeedback erhielt und wer nicht.

Keine signifikante Verringerung von ADHS-Kernsymptomen

Die Metaanalyse ergab, dass Neurofeedback insgesamt keine signifikante Verringerung der ADHS-Kernsymptome, wie Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität/Impulsivität, bewirkte, aber klassisches („Standard“)-Neurofeedback zu einer kleinen Verbesserung der Gesamtsymptomatik führte. 


Auch die kognitiven Leistungen hatten sich nicht verbessert, abgesehen von einem kleinen positiven Effekt auf die Geschwindigkeit, mit der die Teilnehmenden Informationen verarbeiteten.

„Neurofeedback nutzt Echtzeit-Feedback der Gehirnaktivität, um die Selbstregulierung dieser Aktivität zu trainieren. In den vergangenen Jahren hat diese Methode, die anstelle von Medikamenten oder begleitend zu diesen eingesetzt wird, zunehmend an Interesse gewonnen, doch war die Wirksamkeit dieser Intervention bei Menschen mit ADHS bisher unklar. 


Unsere Meta-Analyse von 38 randomisierten, kontrollierten Studien ergab, dass die Beweise nicht ausreichen, um Neurofeedback als Erstbehandlung für ADHS zu empfehlen“, sagt Dr. Sam Westwood, Dozent für Psychoedukation am King’s College London und Erstautor der Studie.

Keine Belege für den Nutzen neuerer Neurofeedback-Techniken

Die Forscherinnen und Forscher fanden auch keine Unterschiede zwischen Neurofeedback und anderen nicht-pharmakologischen Behandlungen, wie körperlicher Bewegung oder kognitivem Training, – obwohl es nur wenige Studien gab, die diese Interventionen untersuchten beziehungsweise miteinander verglichen. 


Es gab keine Belege für den Nutzen neuerer Neurofeedback-Techniken wie funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRI) und funktionelle Nahinfrarot-Spektroskopie (fNIRS).

„Sinnvoll wäre weitere Forschung, die sich damit beschäftigt, Patienten zu identifizieren, die eher auf Neurofeedback ansprechen und lernen“, sagt Prof. Dr. Daniel Brandeis, Leiter der Arbeitsgruppe Klinische Neurophysiologie des Kindes- und Jugendalters am ZI und neben Prof. Edmund Sonuga-Barke (King’s College London) und Prof. Samuele Cortese (Universität Southampton) einer der Hauptautoren der Studie.

Neue Ansätze für die Behandlung entwickeln

„Trotz Fortschritte in unserem wissenschaftlichen Verständnis von ADHS hat sich in Bezug auf die Behandlung seit Jahrzehnten wenig geändert. 


Es fehlt nach wie vor an wirksamen Alternativen zur medikamentösen Behandlung der Kernsymptome. 


Die Entwicklung neuer, wissenschaftlich fundierter und wirksamerer nicht-pharmakologischer Ansätze für die Behandlung von ADHS bleibt daher eine Priorität für unser Fachgebiet“, sagt Professor Edmund Sonuga-Barke, Professor für Entwicklungspsychologie, Psychiatrie und Neurowissenschaften am King's College London.

„Auch wenn Neurofeedback nicht zu einer klinisch bedeutsamen Verringerung der ADHS-Gesamtsymptome führte, machen die Präzisionsmedizin und die Techniken der Bildgebung rasche Fortschritte. 


Dies könnte uns helfen, Personen mit ADHS zu identifizieren, die in Zukunft eher von Neurofeedback profitieren könnten“, sagt Professor Samuele Cortese, NIHR-Forschungsprofessor an der Universität von Southampton.

Die Untersuchung wurde im Rahmen der Europäischen ADHS-Leitliniengruppe (EAGG) durchgeführt.

Originalpublikation:
Westwood SJ, Aggensteiner PM, Kaiser A, Nagy P, Donno F, Merkl D, Balia C, Goujon A, Bousquet E, Capodiferro AM, Derks L, Purper-Ouakil D, Carucci S, Holtmann M, Brandeis D, Cortese S, Sonuga-Barke EJS; European ADHD Guidelines Group (EAGG): Neurofeedback for Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder: A Systematic Review and Meta-Analysis. In: JAMA Psychiatry. 2024 Dec 11. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2024.3702. Online ahead of print. PMID: 39661381
Link: 

https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2827733