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Prof. Dr. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe: Zertifizierten Wundheilungszentren: Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) und Diabeteserkrankung

Medizin am Abend Berlin - Ma-AB-Fazit: Medizin am Abend Berlin  MaAB-Fazit: Vier von fünf Amputationen sind vermeidbar

  • 70 Prozent aller Amputationen betreffen Menschen mit Diabetes. 

Eine Kampagne aus Kanada findet jetzt Unterstützung in Deutschland. 

Prof. Tschöpe, Diabeteszentrum Bad Oeynhausen:

 Zur Rettung von Gliedmaßen ist die frühzeitige Vorsorge in zertifizierten Wundheilungszentren unerlässlich. 

Vier von fünf Amputationen sind unnötig, wenn früh erkannt und richtig behandelt wird. So lautet der Ansatz der kanadischen Kampagne „Save the 4“, die bei den Experten im Diabeteszentrum des HDZ NRW volle Unterstützung findet
Vier von fünf Amputationen sind unnötig, wenn früh erkannt und richtig behandelt wird. So lautet der Ansatz der kanadischen Kampagne „Save the 4“, die bei den Experten im Diabeteszentrum des HDZ NRW volle Unterstützung findet (Foto: Marcel Mompour). HDZ NRW

Erst war es nur ein Kribbeln, dann schmerzten die Füße regelmäßig, wenn Werner Sohns als begeisterter Wanderer unterwegs war. 

Erst vor wenigen Jahren erhielt der heute 73-jährige ehemalige kaufmännische Angestellte beim Hausarzt die Diagnose eines Typ-2-Diabetes. „Wahrscheinlich zu spät“, sagt er. Denn nach allem, was Werner Sohns im letzten Jahr durchmachen musste, hat ihn der Diabetes womöglich schon Jahre zuvor unerkannt begleitet.

„Während die Rate von Amputationen in spezialisierten Zentren bei unter 5 Prozent liegt, kann sie andernorts 20 bis 30 Prozent betragen“, sagt Prof. Dr. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe, Direktor des Diabeteszentrum am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen. „Bei entsprechender Achtsamkeit und frühzeitiger, fachgerechter Behandlung insbesondere von Fußwunden und Gefäßproblemen ließe sich ein Großteil von jährlich über 40.000 Amputationen in Deutschland vermeiden.“ In Kanada geht man von 80 Prozent vermeidbarer Amputationen aus. 

„Save the 4 – Rette vier von fünf Gliedmaßen vor der Amputation“, so lautet deshalb eine Social Media Kampagne, die im vergangenen Jahr in Kanada gestartet ist und auch vom Bundesverband klinischer Diabeteseinrichtungen in Deutschland (BVKD) e.V. und seinen Mitgliedern wie dem HDZ NRW unterstützt wird.

Bei Werner Sohns war es erst eine kleine Verletzung am rechten Fuß, die nicht heilen wollte, dann aber massiv die Durchblutung im gesamten Fuß gefährdete. Im Heimatkrankenhaus wurde ihm schließlich ein Zeh amputiert. Doch auch diesmal heilte die Wunde nicht. Als man ihm daraufhin den rechten Vorderfuß entfernen wollte, wollte er eine zweite Meinung einholen und nahm dafür eine Stunde Fahrtzeit nach Bad Oeynhausen in Kauf. Heute ist er froh darüber, denn durch die Wundbehandlung im Diabeteszentrum wurde nicht nur der rechte Fuß erhalten, sondern auch der Ursache für seine Beschwerden auf den Grund gegangen: 

  • Es war die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), die ihm in Begleitung seiner Diabeteserkrankung so große Probleme bereitete und die ihm jetzt auch im linken Bein große Schmerzen bereitete.


„Eine PAVK oder – sogar noch häufiger – das sogenannte diabetische Fußsyndrom (DFS) sind heute die Hauptursachen für Amputationen“, sagt Oberärztin Dr. Tania-Cristina Costea, die das zertifizierte Wundheilungszentrum am HDZ NRW leitet. „Im schlimmsten Fall können auch Beinamputationen drohen, die nicht nur die Lebensqualität und -erwartung einschränken, sondern auch hohe Behandlungskosten mit sich bringen.“ Um individuelle Fragestellungen zu erörtern, trifft sich zwei Mal wöchentlich ein interdisziplinäres Expertenteam des HDZ NRW und der Mühlenkreiskliniken Bad Oeynhausen. Werner Sohns klagte zudem über Ruheschmerzen im linken Bein, die immer schlimmer wurden. Die Untersuchung bestätigte eine kritische Durchblutungsstörung mit wenig Chancen auf Verbesserung. Die Amputation des linken Unterschenkels stand im Raum. Die Diabetologen, Angiologen und Gefäßchirurgen empfahlen Werner Sohns einen gefäßchirurgischen Eingriff, der im Januar dieses Jahres im Krankenhaus Bad Oeynhausen durchgeführt wurde. Letztlich entschied man sich bei Werner Sohns für einen Venenbypass, und dieses Vorgehen hat ihn vermutlich vor einer Amputation des linken Unterschenkels bewahrt. „Ich bin gewiss kein Einzelfall“, sagt er. „Als Betroffener muss man die Risiken einfach besser kennen und geringste Beschwerden ernst nehmen.“

Professor Tschöpe spricht angesichts der schweren Folgen und Begleiterkrankungen des Diabetes mellitus von einer schleichenden Bedrohung, von der allein in Deutschland schätzungsweise zehn Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Deshalb seien breit angelegte, öffentliche Kampagnen so wichtig, die aufklären und auf die Bedeutung ausgewiesener Spezialeinrichtungen für Wundheilungstherapie und Gliedmaßenerhalt hinweisen. „Auch aus gesundheitspolitisch und ökonomischer Sicht ist es unerlässlich, die Versorgung von Menschen mit Diabetes und PAVK strukturell zu verbessern. Für den einzelnen Betroffenen geht dabei entscheidend um den Erhalt seiner persönlichen Lebensqualität.“

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen mit 35.000 Patienten pro Jahr, davon 14.600 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa.

Im Diabeteszentrum des HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe werden jährlich rund 2.000 Menschen mit allen Typen des Diabetes mellitus und seinen Folgeerkrankungen behandelt. Zum Leistungsspektrum gehört auch die Diagnostik und Therapie endokrinologischer und gastroenterologischer Erkrankungen. Ein besonderer Schwerpunkt ist die kardiovaskuläre Risikoabschätzung und Behandlung von Herz- und Gefäßerkrankungen im integrierten Versorgungskonzept. Zudem ist das Diabeteszentrum auf die Behandlung von Nervenschäden und Durchblutungsstörungen spezialisiert, dazu gehört auch die Wundheilung bei Diabetischem Fußsyndrom.

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Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
 Anna Reiss
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 97-1955
Fax 05731 97-2028
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Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe
Direktor Diabeteszentrum
Dr. medic. Tania-Cristina Costea
Oberärztin Diabeteszentrum
Herz- und Diabeteszentrum NRW
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum

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Dr. Bhupesh Prusty: Das Chronische Erschöpfungssyndrom (CFS), mittlerweile auch Myalgische Enzephalomyelitis (ME): Long Covid - Post-Covid-Syndrom

Medizin am Abend Berlinn - MaAB-Fazit: Long Covid: Auf der Suche nach den Auslösern

Manche Covid-19-Patienten sind noch Monate nach der Infektion dauerhaft geschwächt. 

Ihre Symptome gleichen denen des Chronischen Erschöpfungssyndrom. 

Ein Forscher der Uni Würzburg sucht jetzt nach den Parallelen. 

 Fluoreszenzkonfokales Bild von kultivierten humanen Zellen. Zu sehen ist die Reaktivierung von HHV-6 (GFP-positive Zellen, grün), die den Verlust von Mitochondrien (rot) verursacht. Die Zellkerne sind blau gefärbt.

 Fluoreszenzkonfokales Bild von kultivierten humanen Zellen. Zu sehen ist die Reaktivierung von HHV-6 (GFP-positive Zellen, grün), die den Verlust von Mitochondrien (rot) verursacht. Die Zellkerne sind blau gefärbt. AG Prusty Universität Würzburg

  • Die Betroffenen sind ständig müde und erschöpft, schon am Morgen fehlt ihnen häufig die Kraft aufzustehen oder auf die Arbeit zu gehen. 
  • Dazu gesellen sich bei vielen von ihnen Muskelschmerzen, Nervenstörungen und grippeähnliche Symptome, die über Jahre anhalten können. 
  • An ein normales Leben ist für sie kaum mehr zu denken.


Das Chronische Erschöpfungssyndrom (CFS), mittlerweile auch Myalgische Enzephalomyelitis (ME) genannt, stellt Wissenschaft und Medizin seit vielen Jahren vor große Rätsel. Noch immer hat die Suche nach den Ursachen der Erkrankung keinen wirklichen Durchbruch verzeichnet, viele Faktoren stehen als Auslöser unter Verdacht – angefangen bei Infektionen über Hormonstörungen bis zu einer Fehlreaktion des Immunsystems. Und eine Therapie gibt es dementsprechend auch nicht.

Weltweit führender Experte für CFS/ME

Dazu kommt: Seit dem Beginn der Corona-Pandemie hat sich die Situation verschärft. Denn während der Großteil der an Covid-19 Erkrankten die Krankheit vergleichsweise glimpflich übersteht, leidet ein geringer Prozentsatz der Betroffenen auch Monate später noch unter Beschwerden, die einem Chronischen Erschöpfungssyndrom sehr stark ähneln.  

Von „Long Covid“ oder dem „Post-Covid-Syndrom“ sprechen Mediziner in diesem Fall. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Long Covid inzwischen als eigenständige Erkrankung anerkannt und die Ähnlichkeit mit dem Erschöpfungssyndrom attestiert.

Einer der wenigen Wissenschaftler, die sich weltweit mit den Ursachen der Myalgischen Enzephalomyelitis beschäftigen, ist Dr. Bhupesh Prusty, Gruppenleiter am Lehrstuhl für Virologie der Julius-Maximilians-Universität. Prusty hat ein spezielles Virus als Auslöser dieser und etlicher anderer neurologischer Krankheiten im Verdacht: 

das Humane Herpes Virus-6 (HHV-6).

Angriff auf die Kraftwerke der Zellen

Wie Prusty und andere Wissenschaftler in der Vergangenheit zeigen konnten, integriert sich das Virus häufig in das menschliche Erbgut. 

Entgegen der vorherrschenden Meinung legt es damit nicht zwangsläufig seine Aktivitäten dauerhaft ab. Bestimmte Faktoren können es wieder aktivieren – beispielsweise eine zusätzliche Infektion mit Chlamydien oder Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken – wie Prustys Arbeiten zeigen.

  • Dann greift HHV-6 die Kraftwerke der Zelle an, die Mitochondrien, und verursacht dort Fehlfunktionen. 
  • Befallene Mitochondrien erzeugen weniger ATP – Energielieferanten im menschlichen Körper – und zeigen starke Schwankungen in ihrem Kalzium-Haushalt. 
  • Gut möglich, dass auch eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus die Herpesviren erneut aktiv werden lässt.


Viel Geld von zwei britischen Stiftungen

Ob das tatsächlich so ist: Daran kann Prusty in den kommenden Jahren mit besonderem Nachdruck forschen. Zwei Stiftungen statten ihn dafür mit viel Geld aus: Insgesamt 900.000 US-Dollar – umgerechnet rund 750.000 Euro – erhält Prusty von der Amar Foundation. Die US-amerikanische Wohltätigkeitsorganisation finanziert damit Prustys Arbeiten zu SARS-CoV-2, dem Ursprung des Chronischen Müdigkeitssyndroms und der mitochondrialen Dysfunktion bei ME/CFS.

Mit rund 200.000 Pfund – umgerechnet etwas über 240.000 Euro – unterstützt eine britische Stiftung Prustys Arbeit auf dem gleichen Gebiet: die ME Research UK, eine Organisation, die sich das Ziel gesetzt hat, „qualitativ hochwertige wissenschaftliche Untersuchungen zu den Ursachen, Folgen und der Behandlung der Myalgischen Enzephalomyelitis / des Chronischen Erschöpfungssyndroms in Auftrag zu geben und zu finanzieren“.

Genauer Blick auf die Vorgänge in den Zellen

„Wir hier in Würzburg haben ein spezielles Arbeitsmodell, um sowohl an Long Covid als auch an der Myalgischen Enzephalomyelitis zu arbeiten“, erkärt Bhupesh Prusty. Mithilfe spezieller Techniken und Verfahren können Prusty und seine Arbeitsgruppe einen genauen Blick in das Innere einzelner Zellen zu werfen und dabei detailliert zu entschlüsseln, zu welchem Zeitpunkt welche Gene aktiviert sind und welche Prozesse sie dabei in Gang setzen. 

„Auf diese Weise werden wir in der Lage sein besser zu verstehen, wie Krankheitserreger, insbesondere Herpesviren wie HHV-6, spezifische menschliche Zellen einschließlich der Immunzellen verändern, um diese Krankheiten zu verursachen“, sagt Prusty.

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Dr. Bhupesh Prusty, Lehrstuhl für Virologie, T: +49 931 31-88067, bhupesh.prusty@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Kristian Lozina Julius-Maximilians-Universität Würzburg

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Deutschland
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Telefon: 0931 / 31-85300
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Univ.-Prof. Dr. med. Adrian Dragu: Nervenkompression: Karpaltunnelsyndrom - handchirurgischen Eingriff

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Karpaltunnelsyndrom - das nächtliche Kribbeln in den Fingern ist keine Bagatelle!

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine der häufigsten Gründe für einen handchirurgischen Eingriff. 

Etwa jeder sechste Erwachsene ist von dieser Form der Nervenkompression betroffen. 

In der Regel verstärken sich die Symptome schleichend. 

  • Viele Betroffene nehmen den in der Frühphase mit einem nächtlichen Kribbeln in den Fingerspitzen bemerkbaren Druck auf den Nervenstrang nicht ernst. 

Doch sie riskieren irreparable Schäden, warnen die Handchirurgen des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden. 

Auch wenn Diagnose und Entscheidung über die richtige Therapie gemeinsam mit anderen Spezialisten getroffen wird, sollte im ersten Schritt ein Handchirurg konsultiert werden.

 Dieser Test liefert einen Anhaltspunkt auf das Karpaltunnelsyndrom. Werden die Hände an den Außenseiten vor der Brust gegeneinandergedrückt und es fängt nach wenigen Minuten an, in den Fingerspitzen zu kribbeln, weist dies auf das Karpaltunnelsyndrom hin.

 Dieser Test liefert einen Anhaltspunkt auf das Karpaltunnelsyndrom. Werden die Hände an den Außenseiten vor der Brust gegeneinandergedrückt und es fängt nach wenigen Minuten an, in den Fingerspitzen zu kribbeln, weist dies auf das Karpaltunnelsyndrom hin. Holger Ostermeyer Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Etwa jeder sechste Deutsche wird mit den Folgen eingeengter oder eingeklemmter Nervenstränge des Arms konfrontiert. 

Bei stärkerer Ausprägung können so alltägliche Aktivitäten einschränkt werden, da diese Nerven Bewegung und das Gefühl der Hände vermitteln. Dass aus einem anfänglichen, vor allem beim Schlafen auftretenden Kribbeln – vor allem an Daumen, Zeige- und Mittelfinger sowie der daumenzugewandten Hälfte des Ringfingers – ein ernsthafteres Problem werden kann, hat die Dresdnerin Maria E. erlebt. Bereits als 18-Jährige weckte dieses mit einem Taubheitsgefühl verbundene Kribbeln sie ab und an. Wie die meisten Menschen nahm sie dieses Zeichen nicht weiter ernst.

Fast zehn Jahre später hat sich daraus jedoch ein ernstes Problem entwickelt, das sogar ihre Berufstätigkeit in Frage stellte. Denn aus der nächtlichen Störung, die sich anfangs mit dem Ausschütteln der Hand abstellen ließ, ist ein Taubheitsgefühl in den Fingern geworden. Schließlich hielt dieses Handicap über mehrere Tage an. Der Kellnerin fielen Gläser aus der Hand, so dass ihr andere Aufgaben übertragen werden mussten. Zu dieser Zeit kannte die heute 28-Jährige bereits die Diagnose „Karpaltunnelsyndrom“. „Deshalb habe ich mich geradezu auf die OP gefreut“, sagt Maria E. rückblickend. Der Erfolg des ambulanten Eingriffs in der Abteilung für Plastische- und Handchirurgie des UniversitätsCentrums für Orthopädie, Unfall- und Plastische Chirurgie (OUPC) gab ihr recht. Nach einer kurzen Zeit der Wundheilung konnte sie wieder behände mit Tellern, Tassen und Gläsern umgehen. Das Kribbeln und die Taubheitsgefühle sind seitdem komplett verschwunden.

Dr. Martin Schreiber möchte nicht, dass die Patienten einen Arzttermin und die möglicherweise notwendige OP so lange rauszögern wie Maria E. „Die Nervenstränge werden von Blutgefäßen begleitet. Sorgt der Druck im verengten Karpaltunnel für eine Unterbrechung des Blutstroms, besteht die Gefahr, dass die von ihnen versorgten Nervenfasern absterben.“ Die Folgen, so der Handchirurg des OUPC, reichen von einem dauerhaft pelzigen Gefühl bis zu dem, was seine Patientin erlebt hat. Beispielsweise sorgt der fehlende Tastsinn dafür, dass den Betroffenen immer wieder etwas aus der Hand fällt. Auch die Fingerfertigkeit leidet: Mit einem Schlüssel eine Tür zu öffnen, wird zur Herausforderung.

Um dem Kribbeln in den Fingern frühzeitig auf die Spur zu kommen, sollten Betroffene nicht zögern, die Symptome abklären zu lassen. „Die rechtzeitige Beratung durch eine Chirurgin beziehungsweise einen Chirurgen mit der Zusatzbezeichnung Handchirurgie ist wichtig, um sich möglichst viele Behandlungsoptionen zu erhalten“, sagt Prof. Adrian Dragu, Direktor für Plastische- und Handchirurgie am OUPC des Dresdener Uniklinikums. 

  • Als erste Maßnahme wird das betroffene Handgelenk über Nacht mit einer Orthese ruhiggestellt. 
  • Bleibt dabei ein Erfolg aus und Missempfindungen, Kribbeln und Taubheitsgefühle oder auch Lähmungserscheinungen verschwinden nicht, könnte eine Operation notwendig werden.


Um die Ursache für die kribbelnden Hände herauszufinden, gibt es einige einfache Tests. 

Dabei stimuliert der Arzt den Nerv mit sanftem Druck oder die Patienten drücken ihre Hände vor der Brust gegeneinander. 

Fängt es dann nach wenigen Minuten an, in den Fingerspitzen zu kribbeln, ist das ein weiterer Hinweis auf das Karpaltunnelsyndrom. 

Ein Neurologe kann diese Vermutung durch die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit bestätigen. 

In einem ersten Schritt ist dann bei allen leichten bis mittelschweren Krankheitsfällen die konservative, also nicht chirurgische Therapie der beste Weg. 

Dabei wird das Handgelenk nachts mit einer speziellen Schiene in einer Mittelstellung fixiert. 

Geht mit der Einengung des Nervs eine Entzündung einher, ist Kortison eine Option. 

Ärzte können das Medikament ins Handgelenk spritzen oder Tabletten verordnen. 

Rühren die Beschwerden von einer übermäßigen Belastung her – etwa beim Bau durch die Arbeit an stark vibrierenden Geräten oder in der Gastronomie durch häufiges Tragen schwerer Lasten – muss die Hand unbedingt geschont werden, um eine weitere Überbeanspruchung zu vermeiden.

Dr. Martin Schreiber, Leitender Oberarzt  der Abteilung für Plastische- und Handchirurgie des UniversitätsCentrums für Orthopädie, Unfall- und Plastische Chirurgie (OUPC) schaut auf die noch leicht gerötete Stelle des Eingriffs.

 Dr. Martin Schreiber, Leitender Oberarzt der Abteilung für Plastische- und Handchirurgie des UniversitätsCentrums für Orthopädie, Unfall- und Plastische Chirurgie (OUPC) schaut auf die noch leicht gerötete Stelle des Eingriffs. Holger Ostermeyer Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Ziel jeder Therapie ist es, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit und Muskelkraft der Hand wiederherzustellen. Sollten konservative Therapiemethoden nicht den gewünschten Erfolg haben, kann ein chirurgischer Eingriff notwendig werden. „Bei Nervenkompressionen gilt es, den richtigen Zeitpunkt für eine Operation zu erkennen“, sagt der Leitende Oberarzt Dr. Martin Schreiber. Sie erfolgt in der Regel ambulant bei örtlicher oder regionaler Betäubung. Der eigentliche Eingriff dauert häufig nicht länger als 20 Minuten. Trotzdem handelt es sich hierbei um einen mikrochirurgischen Eingriff, der unter Lupenbrillenvergrößerung und nur von Handchirurgen vorgenommen werden sollte, um auch kleineste, aber sehr wichtige abgehende Nervenfasern während der Operation erkennen und schonen zu können. 

  • Dabei wird der Gewebestrang, der die zur Hand führenden Nerven umgibt, über mehrere Zentimeter vollständig durchtrennt. 

Der dazu notwendige Schnitt verläuft am unteren Bereich der Hand ausgehend von der sogenannten Lebenslinie. 

Damit ist er nach der Wundheilung kaum noch zu sehen. 

Nach der OP muss die Hand zwei Wochen geschont werden. 

Danach treten in der Regel keine Einschränkungen mehr auf, sofern sich die Patienten nicht zu spät operieren lassen und die betroffenen Nerven ohne irreversible Schäden geblieben sind.

Maria E. hat Glück gehabt. Trotz der starken Symptome kann sie wieder ohne jede Einschränkung kellnern. Teller, Tassen und Gläser hat sie dabei wieder voll unter Kontrolle.

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Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Adrian Dragu, MHBA
0351 / 4 58 44 40 (Sekretariat)
E-Mail: jacqueline.oestreich@uniklinikum-dresden.de
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Prof. Dr. Margitta Elvers: Mangel an Thrombozyten in der Leber (Thrombozytopenie) (erhöhte Blutgerinnung)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Publikation in "Hepatology": Veränderte Thrombozytenaktivierung nach Leberschädigung

Nach einer Leberschädigung und dem Verlust von Lebergewebe wird die Blutstillung nach kurzzeitigem Mangel an Thrombozyten in der Leber höchst effektiv in einer Reaktion auf diesen akuten Zustand wiederhergestellt. 

Ein Düsseldorfer Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Margitta Elvers, Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie des Universitätsklinikums Düsseldorf, konnte diese akute-Phase-Antwort durch die Interaktion verschiedener Rezeptoren in der Leber identifizieren. 

Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Hepatology veröffentlicht und könnten von großer Bedeutung für die Behandlung von Patienten mit Lebererkrankungen sein.

In den meisten Ländern steigt oder stagniert die Prävalenz von Lebererkrankungen wie z.B. der Leberzirrhose oder des hepatozellulären Karzinoms (HCC). 

Weitreichende Veränderungen der Blutstillung (Hämostase) bei Patienten mit Lebererkrankungen sind bekannt. 

  • Sie sind durch Blutungskomplikationen aufgrund zu weniger Thrombozyten (Thrombozytopenie) oder Defekte ihrer Funktion, aber auch durch erhöhte Blutgerinnung (Hyperkoagulabilität) gekennzeichnet. 

Daher geht man derzeit davon aus, dass Thrombozyten eine bivalente Rolle bei Lebererkrankungen einnehmen. 

Die zugrundeliegenden molekularen Wechselwirkungen sowie die funktionellen Konsequenzen sind bisher jedoch nur unzureichend verstanden.

Bereits in früheren Studien zeigte die Arbeitsgruppe von Margitta Elvers, dass die Thrombozytenfunktion bei einer Lebererkrankung gestört ist und es zu einem erhöhten Blutungsrisiko im Mausmodell kommen kann (Gowert et al., Cell Physiol Biochem. 2017). Aktuelle Studien der Arbeitsgruppe, in denen die Funktion der Thrombozyten in einem alternativen Leberschädigungsmodell, der Leberteilresektion, untersucht wurde, bestätigten diese Beobachtungen. Erneut fanden die Forscher/innen, dass es nach chirurgischer Entfernung von zwei Dritteln des Lebergewebes zu einem erhöhten Blutungsrisiko kommt und die Thrombozyten in ihrer Funktion stark gestört sind. Auch in der aktuellen Studie konnte das Forscherteam zeigen, dass erhöhte Plasmaspiegel von Prostaglandinen, Stickstoffoxiden und des Gallensalzes eine wichtige Rolle bei der Schädigung der Thrombozytenfunktion spielen.

  • Interessanterweise zeigen die Ergebnisse der aktuellen Studie, dass die Anzahl der Thrombozyten nach kurzzeitiger Thrombozytopenie bereits drei Tage nach Leberteilresektion wieder auf normale Zahlen in der Blutzirkulation steigen, obwohl die Regeneration des Lebergewebes erst nach 14 Tagen abgeschlossen ist. 

Der Wachstumsfaktor Thrombopoietin (TPO) ist für die Bildung von Thrombozyten verantwortlich. 

  • In der aktuellen Studie wiesen Elvers und Team nach, dass es zu einer vermehrten Bildung des Wachstumsfaktors TPO im geschädigten Lebergewebe trotz reduzierter Anzahl von Leberzellen kommt. 

In Zusammenarbeit mit Forscher/innen aus den USA und dem Team von Prof. Dr. Jürgen Scheller, Institut für Biochemie und Molekularbiologie II der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, fanden die Wissenschaftler/innen, dass die Bindung von gealterten Thrombozyten an den sog. Ashwell-Morell Rezeptor sowie die Bindung des akute-Phase Zytokins Interleukin-6 an seinen Rezeptor synergistisch die Neubildung von TPO in der Leber kontrollieren. 

  • Sie stellen so die Anzahl und Funktion der Thrombozyten nach Leberschädigung zeitnah wieder her und gewährleisten damit die Blutstillung im Organismus.


Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen die entscheidende Rolle einer veränderten Thrombozytenaktivierung nach Leberschädigung und zeigen erstmalig, dass die Anzahl und Funktion der Thrombozyten durch eine hoch-effiziente akute-Phase Antwort im verbleibenden Lebergewebe reguliert wird und somit die Leberregeneration durch direkte und indirekte Effekte unterstützt. 

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Prof. Dr. Margitta Elvers, Leiterin der Arbeitsgruppe Exp. Vaskuläre Medizin, Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirugie, Universitätsklinikum Düsseldorf, Tel.: 0211 81 08851, margitta.elvers@med.uni-duesseldorf.de; elvers@hhu.de

Originalpublikation:

Originalpublikation:
Hepatology, Reusswig et al., 2020, Efficiently restored thrombopoietin production via AMR and IL-6R induced JAK2-STAT3 signaling early after partial hepatectomy, doi:10.1002/hep.31698

Universitätsstraße 1
40225 Düsseldorf
Deutschland
Nordrhein-Westfalen  

Susanne Dopheide
Telefon: 0211 81 04173
Fax: 0211 81 04908
E-Mail-Adresse: susanne.dopheide@med.uni-duesseldorf.de


Behandlungsleitfaden für Prostatakrebs/Prostatakarzinom

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: 6. Aktualisierung zur Kommentierung freigegeben: Konsultationsfassung der S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom online

Nach der letzten Aktualisierung im Mai 2019 wurde die S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) nun erneut überarbeitet: 

Die Konsultationsfassung der „S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom" ist seit heute auf der Internetseite des Leitlinienprogrammes Onkologie einzusehen. 

www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom

Bis zum 12. April 2021 haben Experten, Betroffene und Interessierte die Möglichkeit, Einblick zu nehmen: Kommentare, Verbesserungsvorschläge und Hinweise können per Post oder E-Mail an das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) geschickt werden. 

Stellungnahmen und Änderungsvorschläge werden berücksichtigt, sofern sie begründet und mit Literatur hinterlegt sind.

In der jetzigen umfangreichen Aktualisierung wurden folgende Themen bearbeitet: 

  • Früherkennung, multiparametrisches MRT in der Primärdiagnostik, Brachytherapie, fokale Therapie, adjuvante Strahlenbehandlung, Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms (hormonsensitives und kastrationsrefraktäres Prostatakarzinom, lokale Therapien beim oligometastasierten Prostatakarzinom), PSMA-PET/CT in der Ausbreitungsdiagnostik.


Die Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zum Prostatakarzinom entstand unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. in Kooperation mit dem ÄZQ und wurde von der Deutschen Krebshilfe e.V. (DKH) gefördert. 

  • Die Leitlinie enthält Statements und Empfehlungen zu den Bereichen Prävention, Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Begleitung des lokal begrenzten, des lokal fortgeschrittenen, des rezidivierten und des metastasierten Prostatakarzinoms sowie zu Rehabilitation und Nachsorge.


Als Behandlungsleitfaden für die mit jährlich rund 60.000 Neuerkrankungen häufigste Krebserkrankung des Mannes ist die Prostatakrebs-Leitlinie von zentraler Bedeutung in der Urologie.

 Die 6. Aktualisierung haben Patientenvertreter und Ärzte aus dem Kreis der Leitlinienautoren gemeinsam erarbeitet. 

Methodische Begleitung und Redaktion lagen beim Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin. Die Entwicklung erfolgte im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie, das gemeinsam von der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der DKH getragen wird.

Die heutige Veröffentlichung der Konsultationsfassung erlaubt medizinischen Fachgesellschaften aller Disziplinen, Krankenkassen, Patientenorganisationen und anderen Handlungsträgern im Gesundheitswesen Einsicht und bietet die Gelegenheit zur Stellungnahme. 

Die Kommentare werden vom ÄZQ gesammelt, der Steuergruppe des Projekts zur Würdigung vorgelegt und finden gegebenenfalls noch Eingang in die Leitlinie. 

"Mit der nunmehr sechsten und sehr umfangreichen Aktualisierung erfüllt die Leitlinie zum Prostatakarzinom alle Anforderungen an das angestrebte Prinzip einer Living-Guideline", sagt Leitlinienkoordinator und DGU-Vorstandsmitglied Professor Dr. med. Marc-Oliver Grimm.

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Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.
Bettina-C. Wahlers
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Wettloop 36c
21149 Hamburg
Tel.: 040 - 79 14 05 60
Mobil: 0170 - 48 27 28 7
E-Mail: redaktion@bettina-wahlers.de


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/

 
http://www.urologenportal.de

 


Prof. Dr. Michael Witthöft: Einladung zur Posttraumatische Belastungsstörung Studie www.enhance-traumatherapie.de

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: ENHANCE – Teilnehmer für Trauma-Behandlungsstudie nach Gewalt oder Missbrauch in Kindheit und Jugend gesucht

BMBF-geförderte Studie erforscht Behandlungsverfahren für die Posttraumatische Belastungsstörung

Menschen, die als Kinder oder Jugendliche Opfer von Gewalt oder Missbrauch wurden, spüren die Folgen dieser traumatischen Erfahrungen häufig noch im Erwachsenenalter. Eine nicht selten auftretende Traumafolgestörung ist die sogenannte Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Die PTBS ist unter anderem durch unwillkürliches Wiedererleben der traumatischen Erfahrungen in Form von sich aufdrängenden Erinnerungen an das Trauma und Albträumen gekennzeichnet. Auch die Vermeidung von traumabezogenen Reizen und Gedanken ist ein Merkmal. Intensive Schuld- und Schamgefühle sowie starke körperliche Reaktionen wie erhöhte Schreckhaftigkeit stellen ebenfalls Symptome einer PTBS dar.

Für die PTBS existieren mehrere effektive psychotherapeutische Behandlungsverfahren, deren Wirksamkeit noch weiter verbessert werden soll. Die ENHANCE-Studie ist eine bundesweite, durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Behandlungsstudie, in der zwei Behandlungsverfahren für die PTBS miteinander verglichen werden: die traumafokussierte psychodynamische und die traumafokussierte kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlung. Sowohl die Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin als auch die Forschungs- und Lehrambulanz der Poliklinischen Institutsambulanz für Psychotherapie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) beteiligen sich an der multizentrischen ENHANCE-Behandlungsstudie.

Aktuell werden weitere Interessierte für eine Behandlung im Rahmen der ENHANCE-Behandlungsstudie gesucht. Interessierte sollten zwischen 18 und 65 Jahre alt sein, unter Symptomen einer PTBS leiden und in der Kindheit und/oder der Jugend körperliche oder sexualisierte Gewalt durch eine Bezugs- oder Autoritätsperson erlebt haben.

Beide in ENHANCE eingesetzte Behandlungsverfahren umfassen 24 Therapiesitzungen. Da es sich um eine wissenschaftliche Studie handelt, ist es notwendig, dass die Teilnehmenden zufällig einem der beiden Verfahren oder einer Wartegruppe zugeteilt werden. Sollten Teilnehmende in die Wartegruppe kommen, dürfen sie nach sechs Monaten selbst das Behandlungsverfahren auswählen. Behandlungsort ist Mainz. Wenn jedoch einer der anderen Studien-Standorte – Berlin, Dresden, Gießen oder Ulm – geeigneter sein sollte, können wir gerne den Kontakt zu den anderen Standorten vermitteln.

Personen, die an einer Teilnahme an der ENHANCE-Studie Interesse haben, können per E-Mail über ENHANCE@uni-mainz.de oder per Telefon über 06131 17-6149 Kontakt zum Studienteam in Mainz aufnehmen und ihre telefonischen Kontaktdaten sowie eine Erreichbarkeit hinterlassen. Das Studienteam wird sich daraufhin zeitnah zurückmelden. Weitere Informationen sind unter www.enhance-traumatherapie.de zu finden.

Weitere Links:
https://www.unimedizin-mainz.de/psychosomatik/forschung/psychotherapie-versorgun... - ENHANCE an der Universitätsmedizin Mainz 


https://klipsy.uni-mainz.de/forschung/enhance/ - ENHANCE an der Poliklinischen Institutsambulanz für Psychotherapie

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Lina Krakau
Prof. Dr. med. Manfred Beutel
Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin
und
Karoline Sophie Sauer
Prof. Dr. Michael Witthöft
Forschungs- und Lehrambulanz der Poliklinischen Institutsambulanz für Psychotherapie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel.: 06131 17-6149
E-Mail: ENHANCE@uni-mainz.de
www.enhance-traumatherapie.de

 Petra Giegerich  Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Forum universitatis 3
55128 Mainz
Deutschland
Rheinland-Pfalz

Telefon: 06131 39-22369
Fax: 06131 39-24139
E-Mail-Adresse: idw@uni-mainz.de

Prof. Dr. Katajun Lindenberg: Krankheitsangst im Kindes- und Jugendalter - Menschen mit Krankheitsängsten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Und wenn ich krank werde? Studie über die Entstehung von Krankheitsängsten in jungen Jahren

Warum fürchten sich manche Menschen besonders vor Krankheiten? 

Und wie entstehen solche Ängste bereits bei Kindern und Jugendlichen? 

Eine psychologische Studie an der Goethe-Universität soll neue Erkenntnisse liefern.

Für die Teilnahme werden Kinder und Jugendliche mit und ohne solche Ängste gesucht.

Krankheitsängste in jungen Jahren stehen im Zentrum des Projekts KaiKiJu (Krankheitsangst im Kindes und Jugendalter) am Zentrum für Psychotherapie an der Goethe-Universität: 

Wo liegen die Ursachen? 

Wie kann die Diagnostik anhand von wissenschaftlich geprüften Fragebögen verbessert werden? 

Und wie haben sich existierende Krankheitsängste in der Zeit der Pandemie verändert? 

Dazu werden Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 19 Jahren mit stärker ausgeprägten Krankheitsängsten und Kinder und Jugendliche mit keinen oder nur geringen Krankheitsängsten befragt.

Doch was genau versteht man unter „Krankheitsängsten“? 

  • „Menschen mit Krankheitsängsten“, erklärt Studienleiterin Vera Özak, „leiden besonders unter stark ausgeprägten Ängsten und Sorgen hinsichtlich ihrer Gesundheit und führen teilweise übertriebene gesundheitsbezogene Verhaltensweisen aus. 

Zum Beispiel gehen sie sehr häufig zum Arzt, um ihren Gesundheitszustand überprüfen zu lassen“. 

Wenig bekannt ist bislang jedoch über die Entwicklung und den Verlauf von Krankheitsängsten im Kindes- und Jugendalter. 

  • Zahlreiche Studien insbesondere aus dem Erwachsenenbereich deuten jedoch darauf hin, dass Krankheitsängste ihren Ursprung bereits im Kindesalter haben könnten.


Das Projekt KaiKiJu hat deshalb verschiedene Ziele: 

Zum einen sollen die Gründe für das Entstehen von Krankheitsängsten erforscht werden. 

Zum anderen soll die wissenschaftliche Qualität bereits vorhandener Fragebögen für die Diagnose von Krankheitsängsten im Kindes- und Jugendalter überprüft werden. 

Dazu will das Team Kinder und Jugendliche mit stärker ausgeprägten Krankheitsängsten und Kinder und Jugendliche mit keinen oder nur geringen Krankheitsängsten miteinander vergleichen. 

Außerdem soll untersucht werden, ob und wie sich Krankheitsängste bei Kindern- und Jugendlichen durch die Corona-Pandemie verändern.

Für die Erhebung wurden verschiedene Fragebögen zusammengestellt, die u.a. Krankheitsängste, körperliche Symptome, andere Ängste, belastende Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen sowie Stärken und Schwächen erfassen. 

Außerdem werden Informationen über die Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien erhoben. Darüber hinaus erhalten auch die Eltern ein Fragebogenpaket, das sich u.a. auf eigene Belastungen bezieht.


Alle Fragebögen werden online ausgefüllt. 

Die anonyme Umfrage dauert 40 bis 60 Minuten. Kinder und Jugendliche können entweder allein, gemeinsam mit einem Elternteil und/oder gemeinsam mit einem Geschwisterkind (8-19 Jahre) teilnehmen.

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Prof. Dr. Katajun Lindenberg
Leiterin der Verhaltenstherapieambulanzen für Kinder und Jugendliche
Abteilung Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie
Goethe-Universität
Telefon +49 (0)69 798 23975
E-Mail lindenberg@psych.uni-frankfurt.de

Dipl.-Psych. Vera Özak
E-Mail oezak@psych.uni-frankfurt.de 

Dr. Anke Sauter Goethe-Universität Frankfurt am Main

Theodor-W.-Adorno-Platz 1
60325 Frankfurt am Main
Postfach 11 19 31
60054 Frankfurt am Main
Deutschland
Hessen  

Telefon: 06979813066
Fax: 069/798-76312531
E-Mail-Adresse: sauter@pvw.uni-frankfurt.de


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

http://Die Teilnahme an der Studie ist unter den folgenden Links möglich:


http://Für Kinder und Jugendliche und Geschwister (8-19 Jahre):  

https://ww3.unipark.de/uc/f_uni_KiJuPsy/55c6/
 

http://Für Eltern:


https://ww3.unipark.de/uc/f_uni_KiJuPsy/4aef/

 
http://Den Flyer finden Sie zum Download unter:


https://www.psychologie.uni-frankfurt.de/97121738/Flyer_KaiKiJu_2021_01_neu.pdf


Dr. Malte Tiburcy: Reoxygenierungsschaden - Sauerstoffversorgung des Herzens - Therapie der Blutarmut bei Nierenschwäche

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schutz nach Herzinfarkt

Herzforscher*innen der Universitätsmedizin Göttingen haben den Effekt der Substanz „Roxadustat“ in einem Herzmuskelmodell getestet und einen schützenden Effekt festgestellt. Veröffentlicht in der kardiologischen Fachzeitschrift „Circulation“. 

 Dr. Malte Tiburcy, Institut für Pharmakologie und Toxikologie, UMG

 Dr. Malte Tiburcy, Institut für Pharmakologie und Toxikologie, UMG Foto: umg

 Jedes Jahr erleiden rund 220.000 Menschen einen Herzinfarkt, 50.000 Patient*innen sterben daran. 

Bei einem Herzinfarkt wird das Herzmuskelgewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt (Hypoxie). Ursache ist der akute Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Je mehr Zeit ohne Behandlung vergeht, desto mehr Herzmuskelzellen sterben. Um den Schaden für das Herz durch einen Herzinfarkt einzugrenzen, ist es besonders wichtig, die Herzdurchblutung zeitnah wieder herzustellen. 

  • Allerdings kann die Wiederherstellung des unterbrochenen Blutflusses (Reperfusion) die Zellen des Herzmuskels zusätzlich schädigen, wenn die Sauerstoffversorgung im Gewebe schlagartig ansteigt. 
  • Die Folge ist ein sog. Reoxygenierungsschaden.


Herzforscher*innen der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) unter der Leitung von Dr. Malte Tiburcy, Institut für Pharmakologie und Toxikologie der UMG, haben nun einen Weg entdeckt, mit dem sich die unerwünschte Schädigung der Herzzellen nach einer Wiederherstellung des Blutflusses vermindern ließe. In einem humanen, präklinischen Modell von Herzmuskulatur, die durch Sauerstoffmangel und erhöhte Sauerstoffversorgung (Reoxygenierung) geschädigt wurde, haben sie untersucht, welchen Effekt die Gabe der Substanz Roxadustat hat. Der Wirkstoff ist bekannt dafür, dass er den zell-internen Sauerstoffsensor stabilisiert, den Hypoxia Inducible Factor, kurz HIF.  

In den Untersuchungen zeigte sich, dass eine kurzzeitige Gabe von Roxadustat im Anschluss an die Hypoxie einen schützenden Effekt vor einem Reoxygenierungsschaden hat. Zusätzlich verbesserte sich die Fähigkeit des Herzmuskels, sich aktiv zusammen-zuziehen, deutlich. Die Forschungsergebnisse sind veröffentlicht in der kardiologischen Fachzeitschrift „Circulation“.

  • „Da sich Roxadustat bereits als Therapie der Blutarmut bei Nierenschwäche im europäischen Zulassungsverfahren befindet, besteht die Hoffnung, dass die herzschützende Wirkung der Substanz zügig auch in die Therapie nach Herzinfarkt weiterentwickelt werden kann“, sagt Dr. Tiburcy.


Originalveröffentlichung: Elif Levent, Claudia Noack, Laura C. Zelarayán, Dörte M. Katschinski, Wolfram-Hubertus Zimmermann, Malte Tiburcy: Inhibition of Prolyl-Hydroxylase Domain Enzymes Protects From Reoxygenation Injury in Engineered Human Myocardium. Circulation (2020), doi: 10.1161, October 27th, 2020.

HIF-Faktor, der Sauerstoff-Sensor

Zellen „spüren“, wie viel Sauerstoff sie zur Zellatmung zur Verfügung haben, und passen sich entsprechend an. 

Immer wieder müssen sie mit wechselnder Sauerstoffversorgung zurechtkommen, z.B. bei Krankheit oder beim Sport. 

Vor mehr als 20 Jahren entdeckten drei Forscher aus den USA und Großbritannien ein Protein, das als Sauerstoffsensor in den Zellen dient: 

den Hypoxia Inducible Factor, kurz HIF. 

Ist die Sauerstoffversorgung ausreichend, enthält eine Zelle kaum HIF, besteht Sauerstoffmangel, steigt die HIF-Menge. 

Zellen produzieren stetig neue HIF-Moleküle und bauen sie ebenso stetig ab. 

Der Abbau funktioniert aber nur solange genügend Sauerstoff vorhanden ist. 

Die Entdeckung des HIF-Systems wurde 2019 mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet.

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Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Herzzentrum Göttingen
Dr. Malte Tiburcy
Institut für Pharmakologie und Toxikologie
Telefon 0551 / 39-20729
m.tiburcy@med.uni-goettingen.de
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Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Institut für Pharmakologie und Toxikologie
Dr. Malte Tiburcy
Telefon 0551 / 39-20729
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Stefan Weller Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

Robert-Koch-Str. 42
37075 Göttingen
Postfach
37099 Göttingen
Deutschland
Niedersachsen

Stefan Weller
Telefon: 0551 / 39-9959
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E-Mail-Adresse: presse.medizin@med.uni-goettingen.de
Originalpublikation:

Originalveröffentlichung: Elif Levent, Claudia Noack, Laura C. Zelarayán, Dörte M. Katschinski, Wolfram-Hubertus Zimmermann, Malte Tiburcy: Inhibition of Prolyl-Hydroxylase Domain Enzymes Protects From Reoxygenation Injury in Engineered Human Myocardium. Circulation (2020), doi: 10.1161, October 27th, 2020.


Prof. Dr. med. Wolfram Windisch: nicht-invasive und invasive Beatmung

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Atemversagen bei COVID-19 - Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse nach einem Jahr Pandemie

Zu Beginn der Pandemie wurden hohe Sterberaten von über 80% bei intubierten Corona-Patienten beobachtet. 

Die Rolle nicht-invasiver Therapieverfahren bei einem Atemversagen (High-Flow-Sauerstoff, CPAP, nicht-invasive Beatmung/NIV) ergänzend zur konventionellen Sauerstoffgabe wird diskutiert. 

Deren hervorragende Wertigkeit ist inzwischen deutlich. 

Allerdings muss bei einigen Patienten nach Ausschöpfung nicht-invasiver Verfahren auf eine invasive Beatmung umgestellt werden. 

In den Leitlinien der Fachgesellschaften wird bei einem schweren Atemversagen ein Stufenschema vorgeschlagen.

Eine Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus kann zu einer Lungenentzündung und in deren Folge zu einer mitunter schweren Störung der Atemfunktion kommen. S

Spätestens dann ist eine stationäre Behandlung in der Klinik angezeigt. Hier stehen neben medikamentösen Behandlungsstrategien unterschiedliche Therapieverfahren zur Verbesserung der Sauerstoffversorgung des Körpers zur Verfügung. 

Diese werden in nicht-invasive und invasive Verfahren eingeteilt, wobei nicht-invasiv, also nicht „in den Körper hineingehend“, zum Ausdruck bringt, dass die Verbindungstelle zwischen den biologischen Atemwegen des Menschen einerseits und den künstlichen, Sauerstoff-zuführenden Schlauchsystemen andererseits außerhalb des menschlichen Körpers liegen, z.B. über eine Gesichtsmaske.

  • Als nicht-invasive Verfahren sind in der Medizin die Sauerstoffzufuhr über Nasenbrillen oder Gesichtsmasken, die High-Flow-Sauerstofftherapie mit hohen Sauerstoffkonzentrationen und Anfeuchtung der zugeführten Atemluft ebenfalls über Nasenbrillen und schließlich die nicht-invasive Beatmung (NIV = non-invasive ventilation) über Gesichtsmasken etabliert. 
  • Bei der NIV wird zusätzlich zur Sauerstoffgabe auch mit erhöhten Atemwegsdrücken gearbeitet, so dass zusätzlich zur Sauerstoffgabe damit entweder eine Beatmungstherapie mit unterschiedlichen Drücken während der Ein- und Ausatmung oder lediglich CPAP (continuous positive airway pressure) durchgeführt wird. 

Im Gegensatz dazu muss für die Gewährleistung der invasiven Beatmung ein Beatmungsschlauch (Tubus) über den Mund in die Luftröhre gelegt werden, ein Vorgang, den man als endotracheale Intubation bezeichnet.

Die genannten Verfahren unterscheiden sich zum Teil erheblich in ihrer Wirksamkeit, in ihren Voraussetzungen zur korrekten Durchführung sowie ebenfalls in ihrem Nebenwirkungsprofil. 

Zudem richtet sich ihr Einsatz nach den individuellen Bedingungen der Patienten/innen. Wichtig ist die Erkenntnis, dass eine invasive Beatmung nach Intubation zwar das effektivste Verfahren darstellt, wohl aber auch das weitaus größte Nebenwirkungs- und Komplikationsprofil aufweist. Dies ist unter anderem darin begründet, dass für die Dauer einer invasiven Beatmung über einen Endotrachealtubus in der Regel ein künstliches Koma aufrechterhalten werden muss, was eine 

Reihe von körpereigenen Funktionen über mehrere Tage oder sogar Wochen außer Kraft treten lässt, was wiederum Begleittherapien und entsprechende Komplikationen nach sich ziehen kann. 

  • Aus diesen Gründen gilt für schwere akute Atmungsstörungen grundsätzlich, eine Intubation mit nachfolgender invasiver Beatmung so lange wie möglich hinauszuzögern, ihren Zeitpunkt aber auch nicht zu verpassen, da dies ebenfalls mit einer erhöhten Komplikationsrate einhergehen kann.


Nun ist in Deutschland eine Diskussion zur richtigen Anwendung dieser Verfahren entstanden. Diese Diskussion wird allerdings weniger in Fachkreisen geführt, findet aber vielmehr über die mediale Kommunikation eine erhebliche Verbreitung. Dies hat zu vielen Fragen und mitunter schweren Verunsicherungen in der Laien-Bevölkerung geführt.

Insbesondere wird postuliert, dass eine zu frühe Intubation für eine Vielzahl von Todesfällen in Deutschland verantwortlich sei. In der Tat haben sehr frühe wissenschaftlich ausgewertete Beobachtungen auch sehr hohe Todeszahlen für COVID-19-Infizierte zeigen können, wenn sie intubiert gewesen sind. Diese Behauptung der Intubations-verursachten Todesfälle ist für die aktuelle Phase der Pandemie in Deutschland dennoch sicherlich nicht haltbar: 

Denn die genannten Beobachtungen stammen primär aus anderen Ländern als Deutschland wie China oder Italien während der initialen Phase der Pandemie ohne entsprechende Vorbereitung und reflektieren vielmehr die damals chaotischen Zustände in den dortigen massiv überfüllten Notaufnahmen mit zudem schwer eingeschränkten Möglichkeiten zur intensivmedizinischen Überwachung. Entsprechend kann daraus nicht abgeleitet werden, dass eine invasive Beatmung nach Intubation per se den Tod von COVID-19-Patienten bedingt, wie es an einigen Stellen in der allgemeinen Presse suggeriert wird.

Tatsächlich existieren national und international keine vergleichenden Studien, welche nicht-invasive und invasive Therapieverfahren in ihrer Wirksamkeit und Komplikationsrate bei COVID-19 gegenüberstellen. Dies ist medizinisch-wissenschaftlich auch nicht nur sehr schwierig unter der Prämisse, „Real-Life-Bedingungen“ durchzuführen, sondern mitunter auch nicht sinnvoll. So sind nicht-invasive und invasive Beatmung grundsätzlich ja nicht kompetitiv zueinander ausgerichtet, sondern reflektieren unterschiedliche Therapiestrategien, die bei unterschiedlichen Schweregraden des Atemversagens ihre Einsatzberechtigung haben.

  • Aktuelle Studien, insbesondere aus Frankreich und Italien, haben aber zeigen können, dass nicht-invasive Verfahren auch bei schwerster Störung der Atmungsfunktion ausreichend sein können, ohne dass eine Intubation notwendig wird. 

Dies bleibt aber im Einzelfall in Abhängigkeit von sehr vielen unterschiedlichen Parametern der Krankheitsschwere zu entscheiden. Dabei besteht heute ebenfalls Klarheit darüber, dass unter den Bedingungen erhaltener intensivmedizinischer Kapazitäten eine invasive Beatmung nach Intubation sehr wohl auch in der Lage ist, das Leben des Patienten zu retten und dass demgegenüber das kompromisslose Festhalten an nicht-invasiven Therapieverfahren prognostisch wiederum ungünstig sein kann.

Aus den genannten Gründen haben die wesentlichen an der Intensivmedizin beteiligten medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften unter der Mitarbeit führender Wissenschaftler in Deutschland im Konsens Leitlinien und Therapieempfehlungen zu COVID-19 publiziert. Danach wird ein Therapiealgorithmus als sinnvoll erachtet, welcher im Sinne eines Stufenschemas zunächst die Sauerstofftherapie und dann die High-Flow-Sauerstofftherapie als Therapiemaßnahme vorsieht, um dann auf nicht-invasive Beatmungsverfahren zu eskalieren, wenn die Initialtherapie unzureichend ist. Sollte auch diese nicht genügen, sind die Intubation und konsekutiv die invasive Beatmung zu erwägen. Es ist wichtig zu betonen, dass nach Maßgabe der Leitlinien nicht einzelne Parameter zu einer Therapieeskalation führen sollten. Vielmehr ist es das klinische Gesamtbild, welches unter den wachsamen Augen erfahrener Intensivmediziner/innen die Entscheidung zur Therapie-Eskalation oder auch –Deeskalation prägen soll.

Es ist zudem wichtig festzustellen, dass in Deutschland bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Engpässe in der intensivmedizinischen Versorgung von COVID-19-Patienten/innen aufgetreten sind und für die Zukunft gegenwärtig auch nicht erwartet werden. Deutschland verfügt über eine Vielzahl von Intensivstationen mit hoch qualifiziertem ärztlichen und pflegerischen Personal. Es gibt daher keinen Zweifel daran, dass Patienten/innen mit schwerer COVID-19-Infektion und Atemversagen flächendeckend in Deutschland gut und sachgerecht behandelt werden. Hier schaffen auch die gegenwärtig überarbeiteten Therapie-Leitlinien, welche die Pandemie-Erfahrungen über ein Jahr integrieren, Sicherheit für alle Krankenhäuser.

Vor diesen Hintergründen muss eine medial geführte Debatte zum richtigen oder falschen Zeitpunkt der Intubation als kontraproduktiv gelten. Eine solche Diskussion führt selbstverständlich beim medizinischen Laien zu Unsicherheit und mangelndem Vertrauen in die Medizin. Sie führt außerdem zu einer künstlichen Spaltung der Gesellschaft, indem sie fälschlicherweise suggeriert, es gäbe viele Mediziner die viel zu früh intubierten und damit das Leben von Betroffenen gefährdeten einerseits sowie solche, die fast immer ohne Intubation erfolgreich behandelten andererseits.

Die medial geführte Debatte zur Intubation bei COVID-19-Erkrankung reiht sich außerdem in eine Summe von öffentlichen Diskussionen ein, die auch das Ziel verfolgen, Verantwortliche und Schuldige zu benennen, die maßgeblich an einer Verschlechterung der Pandemie-Situation beteiligt sind. Dies untergräbt allerdings die tatsächliche Gefährlichkeit der Erkrankung. Tatsächlich sterben Patienten an COVID-19 sowohl unter den Bedingungen einer invasiven Beatmung als auch unter Fortsetzung nicht-invasiver Therapiemaßnahmen. Dies zeigt nur einmal mehr die Bedeutung von Hygienemaßnahmen und vom Impfen als wesentliche Maßnahmen der Pandemiebekämpfung.

Im Falle eines schweren Krankheitsverlaufes einer COVID-19 Erkrankung stehen aber nach einem Jahr Pandemieerfahrung unterschiedliche medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen zur Verfügung, die in der Regel im Rahmen von Stufenschemata nach klinischer Einschätzung und unterstützt durch Leitlinien-Empfehlungen der Fachgesellschaften zum Einsatz kommen.

Dies hat zu einer deutlichen Verbesserung der stationären Behandlungsmöglichkeiten geführt. 

Zum Arsenal der Beatmung gehören somit sowohl nicht-invasive als auch invasive Verfahren, die weder besser noch schlechter als das jeweils andere Verfahren sind, als vielmehr abhängig vom Schweregrad der Erkrankung sowie abhängig von Ko-Morbiditäten und anderen Patienten-individuellen Bedingungen zum Einsatz kommen.

Zum weiteren Lektüre sei an dieser Stelle verwiesen auf
1) Einen Übersichtsartikel zur invasiven und nicht-invasiven Beatmung bei COVID-19:
https://www.aerzteblatt.de/archiv/214735/Invasive-und-nichtinvasive-Beatmung-bei...,


2) die aktuellen Leitlinien zur stationären Behandlung der COVID-19-Erkrankung:
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/113-001.html,


3) die Internetseite des deutschen Intensivregisters der DIVI:
https://www.intensivregister.de/#/index

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Prof. Dr. med. Wolfram Windisch
Lungenklinik, Kliniken der Stadt Köln gGmbH
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Dr. Ulrich Kümmel
Der Deutschen Atemwegsliga
Telefon: 0228 / 28634593
Fax: 0228 / 28634594
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Originalpublikation:

https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/113-001.html


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.aerzteblatt.de/archiv/214735/Invasive-und-nichtinvasive-Beatmung-bei... Übersichtsartikel zur invasiven und nicht-invasiven Beatmung bei COVID-19:


https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/113-001.html Leitlinien zur stationären Behandlung der COVID-19-Erkrankung


https://www.intensivregister.de/#/index Internetseite des deutschen Intensivregisters der DIVI


Durchführung von Rehasport (Lungensport) zu Pandemiezeiten: Der Rehabilitationssport in Gruppen https://www.lungensport.org/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Durchführbarkeit von Rehasport (Lungensport) zu Pandemiezeiten - Stellungnahme der AG Lungensport in Deutschland e.V.

Training, z. B. in ambulanten Lungensportgruppen, verbessert die Belastbarkeit von chronisch Lungenerkrankten. 

Diese Therapieoption hilft den Betroffenen, trotz eingeschränkter Lungenfunktion, den Alltag leichter zu bewältigen und Lebensqualität zu gewinnen. 

Lungensport ist eine medizinisch notwendige Leistung. 

Die im Rehasport geforderte Fläche von 5qm/Teilnehmer übertrifft den geforderten Mindestabstand von 1,50m weit. 

Im Rahmen des Rehabilitationssports ist die Nachverfolgbarkeit von möglichen Infektionen „systembedingt" zu 100% gegeben. 

Die AG Lungensport fordert, dass Lungensport unter Beachtung entsprechender Schutz- und Hygienekonzepte unter fachlicher Leitung stattfinden kann.

Bei der Frage der Durchführung von Rehasport (Lungensport) zu Pandemiezeiten muss abgewogen werden zwischen dem Risiko einer Infektion und den Risiken, die eine Unterbrechung des Rehasports mit sich bringt. 

Beide Risiken betreffen dasselbe Schutzgut, nämlich die Gesundheit. Einerseits birgt Rehasport in Gruppen die Gefahr einer Infektion, andererseits gefährdet die Untersagung das angestrebte Ziel des Rehasports, nämlich die gesundheitliche Rehabilitation. Von zentraler Bedeutung ist das Erlebnis des gemeinsamen Sporttreibens trotz krankheitsbedingter Leistungslimitierung.

Auch beim Rehasport hat die Gesundheit höchste Priorität. Kürzlich wurde eine Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. zu Hygienemaßnahmen bei der Behandlung von Patienten mit Lungenerkrankungen in der ambulanten Physiotherapie und dem Lungensport zu Pandemiezeiten publiziert (Hellmuth T et al. Pneumologie 2021; 75: 57-59). Die Umsetzung der beschriebenen Sicherheits- und Hygienestandards ist praktikabel und problemlos möglich. So ist beispielsweise durch die im Rehasport geforderten 5qm pro Teilnehmer immer ein Abstand von 2,50m gegeben. Der übliche Mindestabstand von 1,50 ist somit weit übertroffen. Weitere Maßnahmen umfassen die Erklärung der Sicherheits- und Hygienemaßnahmen durch Gruppenleiter, die Desinfektion verwendeter Materialien (auch Hocker) vor und nach jeder Übungsstunde, die Lüftung des Übungsraumes, die Kontrolle des Zugangs und die Bereitstellung von medizinischen Masken, Desinfektionsmitteln und Einmalhandtüchern. Auf die Nutzung von Umkleidekabinen und Gemeinschaftsräumen kann verzichtet werden.

Rehabilitationssport verlangt ausdrücklich nicht die Durchführung von maximaler körperlicher Leistung an Trainingsgeräten (wie in einem Fitnessstudio) und vermeidet dadurch hohe Atemluftströmungen bzw. vermehrte Aerosolbildung. Beim Training wird die Maske durchgehend getragen, und die Räumlichkeiten werden regelmäßig gelüftet. Jedem Teilnehmer wird ein fester Platz zugewiesen – beispielsweise im Sitzen auf dem Hocker. Zu Pandemiezeiten finden keine Partnerübungen statt. Von Bedeutung ist vielmehr das Erlebnis des gemeinsamen - also ort- /und zeitgleichen – Trainierens.

Der Rehabilitationssport in Gruppen findet unter Leitung eines zertifizierten Übungsleiters statt. Dieser Übungsleiter verfügt über (Fach-) Kenntnisse in Biologie und Medizin. Außerdem wird die Rehasportgruppe bei Bedarf von einem Arzt beraten. Diese Beratung umfasst auch die erforderlichen Hygienebestimmungen. Erfahrungsgemäß haben die Aussagen von Ärzten besonderes Gewicht und bieten deshalb eine besondere Gewähr dafür, dass Hygieneschutzbestimmungen eingehalten werden. Die Einhaltung eines Schutz- und Hygienekonzeptes kann also – anders als bei Individualtraining in Fitnessstudios von einer medizinisch fachkundigen Person kontrolliert werden.

Das Ministerium argumentiert, dass der Rehabilitationssport gerade für Teilnehmer aus „vulnerablen Gruppen“ untersagt werden muss. Diese Aussage konterkariert aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. In Norwegen wurden zunächst wie in anderen europäischen Ländern im Rahmen der Lockdown-Maßnahmen die Fitness-Studios geschlossen. Das norwegische Gesundheitsministerium hat daraufhin wissenschaftlich prüfen lassen, ob die Studios unter bestimmten Bedingungen wieder öffnen können. Die TRAiN-Studie („Rapid-Cycle Re-Implementation of Training Facilities in Norway“) der Oslo Universität ist eine randomisierte Studie zum Infektionsrisiko in Fitnessstudios. Das Virus zirkulierte während der Studienzeit in der Stadt. 

Doch die Fitness-Studios hat es unter den Sicherheitsstandards, die beim Rehasport deutlich höher sind, nicht erreicht (https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/114193/SARS-CoV-2-Wie-sich-Infektionen-im...).

Natürlich gibt es kein NULL-Risiko für eine CORONA-Infektion, doch muss das minimale Risiko in der „vulnerablen Gruppe“ der Lungenkranken unter den oben skizzierten Voraussetzungen in Beziehung gesetzt werden zum Risiko durch Unterbrechung des evidenzbasiert wirksamen Lungensports, das ungleich höher ist.

Weiter ist zu berücksichtigen, dass der ärztlich verordnete Rehabilitationssport in Gruppen schon ausweislich der gesetzlichen Leistungsbeschreibung in § 64 Abs. 1 Nr. 3 SGB IX „unter ärztlicher Betreuung und Überwachung“ steht und es deshalb nicht nur möglich, sondern gesetzlich vorgeschrieben ist, dass der betreuende und überwachende Arzt diejenigen Teilnehmer, bei denen ausnahmsweise derzeit der Besuch der Rehasportgruppe aus infektionsschutzgründen medizinisch nicht vertretbar ist, von der Teilnahme ausschließt.

  • Besonders schwer trifft die Entscheidung, Lungensport in ordentlicher Form zu untersagen, die Patienten mit Post-COVID-Syndrom. 

Gerade für diese Patienten ist Reha-Sport von besonderer Bedeutung. Dass die Betroffenen Rehasport nicht durchführen dürfen (ungeachtet der Tatsache, dass sie ja immun sind…), erscheint nicht plausibel.

Ein kleiner, aber relevanter Punkt ist, dass im Rahmen des Rehabilitationssports die Nachverfolgbarkeit von möglichen Infektionen „systembedingt" zu 100% gegeben ist.

Wir appellieren deshalb an die zuständigen Behörden, die Untersagung der Teilnahme am Reha-/Lungensport in kleinen Gruppen unter strikter Beachtung des oben genannten Schutzkonzeptes und der Hygienestandards aufzuheben, da diese Maßnahme in keinem angemessenen Verhältnis zum Ziel der Infektionsverhinderung bzw. Virusverbreitung durch Kontaktvermeidung steht, die Rehabilitation der Betroffenen sonst aber immer mehr gefährdet ist.

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Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Lungensport in Deutschland e.V.

Korrespondierende Autoren
Dr. Sebastian Teschler
Prof. Dr. Heinrich Worth

Dr. Sebastian Teschler, Essen
Prof. Dr. Heinrich Worth, Fürth 

Dr. Ulrich Kümmel Deutsche Atemwegsliga e.V.

Dr. Ulrich Kümmel
der Deutschen Atemwegsliga
Telefon: 0228 / 28634593
Fax: 0228 / 28634594
E-Mail-Adresse: ulrich.kuemmel@medcomuk.de


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.lungensport.org/ Website der AG Lungensport in Deutschland e. V.