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Blutdruck: Nierennerven - die renale Denervation

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Minimalinvasiver Eingriff senkt den Blutdruck

Bluthochdruck ist die Hauptursache für Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskuläre Todesfälle. 

Eine internationale Studie hat nun gezeigt, dass ein minimalinvasiver Eingriff an den Nierennerven den Blutdruck deutlich senkt. 
 
Etwa 30 bis 50 % der Bevölkerung leiden an erhöhtem Blutdruck.

Ein häufiges Problem bei der Behandlung dieser gefährlichen Erkrankung ist, dass Patienten die verschriebenen Medikamente nicht regelmäßig oder aber in zu geringer Dosierung einnehmen. 

Dadurch kann der Blutdruck nicht ausreichend gesenkt und die in den europäischen Behandlungsleitlinien empfohlenen Werte können nicht erreicht werden.

Mediziner suchen daher nach alternativen Möglichkeiten zur Behandlung des hohen Blutdrucks.

Das Problem an der Quelle behandeln

Eine solche Möglichkeit könnte die renale Denervation sein, die in medizinischen Kreisen schon seit einigen Jahren diskutiert wird und sich jetzt in einer internationalen, US-amerikanischen Zulassungsstudie als wirksam erwiesen hat. 
  • Das Ziel der renalen Denervation ist, die Regulierung des Blutdrucks bereits am Entstehungsort zu beeinflussen, nämlich den Nieren. 
  • Die Nieren regulieren den Blutdruck, indem sie das Stressnervensystem des Menschen und damit die Versorgung des Körpers mit Wasser und Natrium und den Widerstand der Blutgefäße regulieren. 
  • Bei der renalen Denervation wird ein Katheter in die Nierenarterie eingeführt, mit dem punktgenau, an bestimmten Stellen die an der Gefäßaußenwand verlaufenden Stressnervenfasern der Nierenarterien zu veröden, wodurch die Reizweiterleitung unterbrochen wird.

Internationale Studie mit deutlichen Ergebnissen

An 46 Zentren aus neun Ländern wurde die Wirksamkeit des Verfahrens und in einer Studie der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (Federal Drug Administration) untersucht. Die Ergebnisse veröffentlichten die Studienautoren kürzlich beim Online-Kongress des American College of Cardiology. Insgesamt wurden 331 Patienten mit einem Blutdruck zwischen 140 und 180 mmHg, die keine medikamentöse Therapie erhielten, in zwei Gruppen unterteilt, die entweder mit einer renalen Denervation oder einer Scheintherapie behandelt wurden. Als Scheineingriff wurde eine Angiographie durchgeführt.

Renale Denervation senkt Blutdruck signifikant

Über drei Monate hinweg wurde der Blutdruck sowohl in den Studienzentren als auch über 24-Stunden-Messungen dokumentiert. „In der Gruppe, die mit der renalen Denervation behandelt wurde, zeigte sich in diesem Zeitraum eine Senkung des Praxisblutdrucks um 9,2 mmHg und 4,7 mmHg in der Langzeitblutdruckmessung“, berichtet Professor Böhm, Pressesprecher der DGK, der die Studie während des Kongresses präsentierte. Professor Böhm, Direktor der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum des Saarlandes, ist einer der Initiatoren der Studie. „Die statistische Analyse zeigt eine 99,9%-ige Wahrscheinlichkeit, dass die renale Denervation in ihrer Wirksamkeit einem Scheineingriff überlegen ist.“

Die Studie war zunächst auf eine Laufzeit von drei Monaten begrenzt, da die Patienten über diesen Zeitraum medikamentös unbehandelt blieben. Eine derzeit parallel durchgeführte Studie untersucht, ob sich ähnliche Effekte bei Patienten zeigen, deren Bluthochdruck bereits medikamentös behandelt wird.

„Wir können aus den jetzigen Studienergebnissen schließen, dass eine renale Denervation bei Patienten mit nicht eingestellter Hypertonie eine weitere Therapiealternative neben Lebensstilveränderungen und medikamentöser Behandlung bietet“, so Professor Böhms Fazit. „Über die breite Zulassung der renalen Denervation wird derzeit beraten.“

Literatur:
Michael Böhm et. al.: Efficacy of catheter-based renal denervation in the absence of antihypertensive medications (SPYRAL HTN-OFF MED Pivotal): a multicentre, randomised, sham-controlled trial.
https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30554-7


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Drogenkonsum-Trends bei synthetischen Opioiden

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: EU-Projekt untersucht Missbrauch synthetischer Opioide in Europa und Nordamerika

Gefahr durch inflationäre Verschreibung: 

Studie unter Federführung der Frankfurt UAS zu Drogenkonsum-Trends soll dramatischer Entwicklung wie in den USA vorbeugen 
 
Die Auswirkungen des Gebrauchs und Missbrauchs synthetischer Opioide in Europa und Nordamerika untersucht das EU-Projekt „Synthetic Opioids Health Systems:

Improving health system responses on the prevalence and use of Synthetic Opioids in Europe (SO-Prep)“ (Gesundheitssysteme und synthetische Opioide: Verbesserung der Reaktionen von Gesundheitssystemen auf die Verbreitung und den Gebrauch synthetischer Opioide (SO-Prep).

Federführend dabei ist das Institut für Suchtforschung Frankfurt (ISFF) an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) unter der Leitung von Prof. Dr. Heino Stöver.

Ziel ist es, das Verständnis gegenwärtiger Drogenkonsum-Trends bei synthetischen Opioiden zu verbessern, um innerhalb der Europäischen Union auf diesbezügliche Gesundheitsrisiken bzw. Gesundheitsschäden besser vorbereitet zu sein und schneller reagieren zu können.

Insgesamt fließen in das Projekt 500.000 Euro Fördermittel über eine Laufzeit von 24 Monaten. 80 Prozent der Mittel kommen von der EU-Kommission, die restlichen 20 Prozent sind Eigenmittel.

Das Auftakt-Meeting des internationalen Forschungsprojekts fand Ende Februar 2020 in Utrecht in den Niederlanden statt. Prof. Dr. Heino Stöver (Geschäftsführender Direktor des Instituts für Suchtforschung Frankfurt (ISFF)) und Babak Moazen (wissenschaftlicher Mitarbeiter) haben als Vertreter der Frankfurt UAS an dem Meeting teilgenommen.

Synthetische Opioide (SO) sind synthetisch hergestellte Stoffe, die morphinartige Eigenschaften aufweisen und an Opioidrezeptoren im Körper wirken. 

Sie werden als Schmerzmittel in der Anästhesie (bei Narkosen) sowie zur Therapie akuter und chronischer Schmerzen eingesetzt, bekannt ist z. B. Fentanyl. 

  • „Die Forschung im Bereich der SO ist deshalb so wichtig, weil in den USA die inflationäre Verschreibung von synthetischen Opioiden – vor allem von Fentanyl – zu einer Welle von Abhängigkeiten und tödlichen Überdosierungen geführt hat“, erläutert Stöver. 

Zwischen 1999 und 2017 seien nach Behördenangaben fast 400.000 Menschen in den USA an den Folgen von Opioid-Missbrauch gestorben, berichtet der Suchtforscher. 

Allein 2017 starben 48.000 Amerikaner/-innen an den Folgen ihrer Opioid-Sucht. 

„Das sind jeden Tag über 130 Tote, mehr als täglich im Straßenverkehr oder durch Schusswaffen in den USA insgesamt ums Leben kamen“, bilanziert Stöver.

  • Das EU-Projekt will vor allem verhindern, dass es in den EU-Mitgliedsländern zu einer solchen Entwicklung kommt. 

Das soll erreicht werden, indem das Projekt die Reaktionen verschiedener europäischer Gesundheitssysteme auf die Verbreitung und den Gebrauch synthetischer Opioide in Europa verbessern soll.

Außerdem will es zu einem besseren Verständnis gegenwärtiger Drogenkonsum-Trends bei synthetischen Opioiden beitragen.

Zu den spezifischeren Unterzielen zählt zum einen, einen besseren Einblick und ein besseres Verständnis der gegenwärtigen Nutzung von synthetischen Opioiden zu gewinnen.

  • Außerdem sollen aus jüngsten Erfahrungen mit der Nutzung synthetischer Opioide in Nordamerika und – wo das Problem auch bereits entstanden ist – in Estland Lehren gezogen werden. 

Auch eine Übersicht der Praktiken zum Notfall-Gesundheitsschutz bzw. zu Notfall-Gesundheitsreaktionen bei synthetischen Opioiden will das Forscherteam erstellen und ein Modell der SO-Bereitschaft ausarbeiten. Dadurch sollen mögliche Risiken und Schäden angegangen und Richtlinien zu SO in den nationalen Gesundheitssystemen der fünf Länder Estland, Niederlande, Belgien, Finnland und Deutschland entwickelt werden.

Zudem wollen die Forschenden den Politikerinnen und Politikern und anderen wichtigen Interessenvertretern gezielte Werkzeuge wie strategische Kurzanleitungen und Informationsblätter an die Hand geben. Schließlich sollen die Länder Unterstützung bei der Implementierung und der Verbreitung der Ergebnisse über folgende Tools bekommen: die Organisation nationaler Treffen, ein Seminar und eine Web-Plattform.

Das deutsche Team unter Prof. Heino Stöver wird folgende Aufgaben bearbeiten:




Prof. Dr. Heino Stöver
Prof. Dr. Heino Stöver Frankfurt University of Applied Sciences


- aktuelle epidemiologische Daten und Informationen zur Verfügbarkeit, Verwendung und Verbreitung von synthetischen Opioiden in Europa und Nordamerika sammeln, aufzeichnen und analysieren;

- wichtige Erfahrungen aus der SO-Historie in Nordamerika sammeln, um möglichst dortige Fehler nicht zu wiederholen;

- eine Fallstudie des Gebrauchs von SO und von SO-Märkten in Estland als Modell durchführen;

- beurteilen, wie gut nationale Regierungen in sechs Ländern auf bevorstehende Probleme mit synthetischen Opioiden vorbereitet sind.

Neben der Frankfurt UAS nehmen folgende Hochschulen an dem Projekt teil: das Trimbos Institute aus den Niederlanden, das Estonian Health Institute aus Estland, das Finnish Health Institute aus Finnland, das Euro Harm Reduction Network „Correlation“ aus den Niederlanden, und die Universität Gent aus Belgien.

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Frankfurt University of Applied Sciences
Fachbereich 4: Soziale Arbeit & Gesundheit
Prof. Dr. Heino Stöver
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Oliver Klinke Frankfurt University of Applied Sciences
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Nicola Veith
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Stressinduziertem Essverhalten: Fettleibigkeit, metabolisches Syndrom, Essstörungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Die Widerstandskraft, nicht esssüchtig zu werden

Überkonsum von kalorisch sehr dichtem und schmackhaftem Essen war evolutionär von Vorteil, als Nahrung knapp war. 

Dieses Verhalten hatte die Überlebenschancen erhöht. 

In der jetzigen Zeit jedoch, durch die Verfügbarkeit von kalorienreicher Nahrung und stress-induziertem Essverhalten, kann diese Strategie Schaden anrichten und Fettleibigkeit, metabolisches Syndrom und Essstörungen verursachen. 

  • Interessanterweise entwickeln nicht alle Individuen eine Esssucht; einige zeigen eine Widerstandskraft und sind resilient, andere sind anfällig. 
 
Eine Studie, die kürzlich im Fachjournal „Nature Communications“ publiziert wurde, untersuchte die Schaltkreise und neuronalen Signalwege im Gehirn, welche dieses Verhalten regulieren.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Beat Lutz (Institut für Physiologische Chemie, Universitätsmedizin Mainz und Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz), Prof. Rafael Maldonado (Universität Barcelona) und Prof. Susanne Gerber (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) berichten darüber,

wie das Lipidsignalwege durch Endocannabinoide und den Neurotransmitter Dopamin Esssucht regulieren, indem diese die Cannabinoid CB1-Rezeptoren und Dopamin D2-Rezeptoren im präfrontalen Kortex aktivieren.

Die Autoren untersuchten in einem Esssucht-Modell das Verhalten von Mäusen, denen der CB1-Rezeptor in kortikalen erregenden Neuronen fehlte. Dieses Modell, in welchem die Mäuse trainiert werden, sich Schokoladenfutter selbst zu verabreichen, ermöglicht das Messen von drei Kriterien einer Sucht:

Motivation, Impulsivität und zwanghaftes Verhalten. 

Die Mäuse ohne CB1-Rezeptoren waren widerstandsfähig gegenüber jedem Kriterium der Sucht.

Diese Mäuse zeigten auch eine erhöhte synaptische Aktivität im Präfrontalkortex und auch im Nucleus Accumbens, ein zentraler Bestandteil des Belohnungssystems im Gehirn.

Selektive Verringerung der neuronalen Aktivität der Projektion vom Präfrontalkortex zum Nucleus Accumbens verstärkte die Gefahr, eine Esssucht zu entwickeln.

Die Analyse des Transkriptoms im Präfrontalkortex ergab, dass die Expression des Dopamin D2 Rezeptors in esssüchtigen Mäusen gesteigert ist. 

Die genetische Manipulation, diesen Signalweg zu verstärken, führte ebenfalls dazu, eher Esssucht zu entwickeln; insbesondere das zwanghafte Verhalten wurde erhöht.

Die Studie konnte zeigen, dass der Präfrontalkortex eine zentrale Rolle bei Esssucht spielt und dass die erregende Aktivität von dieser Gehirnregion zum Nucleus Accumbens die Widerstandskraft gegenüber Esssucht verstärkt. 

Diese Erkenntnisse ermöglichen neue Ansätze zur Therapie von Esssucht, z. B. durch Stimulation des Präfrontalkortex in Patienten.


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Univ.-Prof. Dr. Beat Lutz
Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR) gGmbH
Tel.: +49 6131 3925912
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Deutschland
Rheinland-Pfalz


Martina Diehl
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E-Mail-Adresse: martina.diehl@lir-mainz.de
Originalpublikation:
Domingo-Rodriguez L1, Ruiz de Azua I1, Dominguez E, Senabre E, Serra I, Kummer S, Navandar M, Baddenhausen S, Hofmann C, Andero R, Gerber S, Navarrete M, Dierssen M, Lutz B2, Martín-García E2, Maldonado R2 (2020) A specific prelimbic-nucleus accumbens pathway controls resilience versus vulnerability to food addiction. Nat Commun 11:782. doi: 10.1038/s41467-020-14458-y (1,2shared first and senior position, respectively)

Mortalität von COVID-19 - die fatalen Entdeckungsraten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: COVID-19: In Deutschland werden nur 15 Prozent der SARS-Cov-2-Infektionen erkannt

Die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus ist womöglich in allen betroffenen Ländern deutlich höher als bislang angenommen. 

  • Wissenschaftler der Universität Göttingen vermuten, dass weltweit bislang im Durchschnitt nur etwa sechs Prozent aller Infektionen nachgewiesen wurden. 
 
Um die Qualität der offiziellen Fallaufzeichnungen zu prüfen, nutzten die Entwicklungsökonomen Dr. Christian Bommer und Prof. Dr. Sebastian Vollmer Schätzungen der Mortalität von COVID-19 und der Zeit bis zum Tod aus einer kürzlich in der Fachzeitschrift The Lancet Infectious Diseases veröffentlichten Studie.

Ihre Berechnungen implizieren, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten weltweit bereits mehrere zehn Millionen erreicht haben könnte.

Ihre Ergebnisse sind online unter www.uni-goettingen.de/vollmer verfügbar.

Unzureichende und verzögerte Tests könnten erklären, warum einige europäische Länder wie Italien und Spanien viel höhere Opferzahlen (im Vergleich zu den gemeldeten bestätigten Fällen) aufweisen als Deutschland.

  • Hier wurden bislang schätzungsweise 15,6 Prozent der Infektionen festgestellt, verglichen mit nur 3,5 Prozent in Italien oder 1,7 Prozent in Spanien. 

Die Entdeckungsraten sind in den USA (1,6 Prozent) und in Großbritannien (1,2 Prozent) sogar noch niedriger – zwei Länder, die von Expertinnen und Experten des öffentlichen Gesundheitswesens wegen ihrer verzögerten Reaktion auf die Pandemie weithin kritisiert wurden.

In scharfem Gegensatz dazu scheint Südkorea fast die Hälfte aller seiner SARS-CoV-2-Infektionen entdeckt zu haben. 

Die Autoren schätzen, dass bis zum 31. März 2020 in Deutschland 460.000 Infektionen aufgetreten waren.

Auf der Grundlage der gleichen Methode berechnen sie, dass in den USA über zehn Millionen, in Spanien über fünf Millionen, in Italien etwa drei Millionen und in Großbritannien etwa zwei Millionen Infektionen aufgetreten sind.

Am selben Tag berichtete die Johns Hopkins University, dass es weltweit weniger als 900.000 bestätigte Fälle gab, was bedeutet, dass die überwiegende Mehrheit der Infektionen bislang unentdeckt blieb.

„Diese Ergebnisse bedeuten, dass Regierungen und politische Entscheidungsträger bei der Interpretation der Fallzahlen zu Planungszwecken äußerste Vorsicht walten lassen müssen. 

Solche extremen Unterschiede in Umfang und Qualität der in den verschiedenen Ländern vorgenommenen Tests bedeuten, dass die offiziellen Fallzahlen keine hilfreichen Informationen liefern“, erklärt Vollmer. Bommer ergänzt:

„Die Fähigkeit, neue Infektionen zu erkennen und damit die Ausbreitung des Virus einzudämmen, muss dringend verbessert werden.“

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Prof. Dr. Sebastian Vollmer
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http://www.uni-goettingen.de/vollmer

Dr. Christian Bommer
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Wilhelmsplatz 1
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Deutschland
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Romas Bielke
Telefon: 0551/39-12172
E-Mail-Adresse: romas.bielke@zvw.uni-goettingen.de

Originalpublikation:
Originalveröffentlichung: Bommer C & Vollmer S (2020) Average detection rate of SARS-CoV-2 infections is estimated around six percent. http://www.uni-goettingen.de/vollmer

Hintergrundpublikation: Verity et al. Estimates of the severity of coronavirus disease 2019: a model-based analysis. The Lancet Infectious Diseases 2020. DOI: 10.1016/S1473-3099(20)30243-7

Wer hat ein Frettchen als Haustier....?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neues Coronavirus SARS-CoV-2: Flughunde und Frettchen sind empfänglich, Schweine und Hühner nicht

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 stammt ursprünglich vermutlich aus Fledermäusen und führte zu einer Pandemie. 

Ob es auch andere Tierarten infizieren kann, wird weltweit von verschiedenen Forschungsinstituten untersucht. 

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) begann vor wenigen Wochen mit Infektionsstudien in Schweinen, Hühnern, Flughunden und Frettchen. 

Erste Ergebnisse zeigen, dass Flughunde und Frettchen empfänglich für eine SARS-CoV-2 Infektion sind, Schweine und Hühner hingegen nicht. 

Insbesondere die Empfänglichkeit von Frettchen ist ein wichtiger Befund, da sie als Modelltiere für die Infektion des Menschen zur Erprobung von Impfstoffen oder Medikamenten eingesetzt werden könnten. 
 
In den Infektionsstudien wurde den Tieren SARS-CoV-2 in die Nase verabreicht, um den natürlichen Infektionsweg beim Menschen über den Nasen-Rachenraum nachzuahmen.

Nilflughunde, die zu den Fledertieren gehören, wurden getestet, um Kenntnisse über die vermutete Reservoirfunktion von Fledermäusen zu erlangen. Diese Tiere konnten zwar infiziert werden, zeigten aber keine Krankheitssymptome und steckten Artgenossen nicht effizient an.

Frettchen sind bei anderen Atemwegs-Infektionen, insbesondere durch Grippeviren, ein gutes Modell für den Menschen.

  • Da SARS-CoV-2 sich vor allem im Atmungstrakt vermehrt, könnten Frettchen sich als Modell auch für diese Infektion eignen. 

Nach solch einem Tiermodell, das die Infektion des Menschen widerspiegelt, wird derzeit weltweit dringend gesucht.

Die Versuche des FLI zeigen, dass sich Frettchen effizient mit SARS-CoV-2 infizieren lassen, das Virus gut vermehren und es auf Artgenossen übertragen.

Die Tiere vermehrten das Virus hauptsächlich in den oberen Bereichen des Atmungstraktes, zeigten dabei aber keine Krankheitssymptome. 

Damit steht ein Infektionsmodell zur Verfügung, das bei der Erprobung von Impfstoffen und Medikamenten gegen SARS-CoV-2 helfen könnte.

Nutztiere sind besonders in Kontakt mit dem Menschen.

Daher wurden Schweine und Hühner auf Empfänglichkeit für SARS-CoV-2 getestet.

Es wurde untersucht, ob die Tiere infiziert werden, den Erreger vermehren und Krankheitssymptome zeigen.

Weiterhin wurde getestet, ob sie den Erreger wieder ausscheiden und damit eine potenzielle Gefahr für den Menschen darstellen könnten.

Unter den Versuchsbedingungen zeigten sich weder Schweine noch Hühner als empfänglich für eine Infektion mit SARS-CoV-2. 

Nach jetzigem Kenntnisstand sind sie also von dem Virus nicht betroffen und stellen demnach kein potentielles Risiko für den Menschen dar.

Die komplette Auswertung aller Versuchsreihen wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, mit den Endergebnissen ist Anfang Mai zu rechnen.

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Dipl.-Biologin Elke Reinking Friedrich-Loeffler-Institut,
Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit
Südufer 10
17493 Greifswald - Insel Riems
Deutschland
Mecklenburg-Vorpommern

Dipl.-Biologin Elke Reinking

Telefon: 038351 / 7 - 1244
Fax: 38351 / 7 - 1226
E-Mail-Adresse: elke.reinking@fli.de
Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/coronavirus/

Informationen / FAQ zu SRS-Cov-2 und Tieren

Materialabnutzung in den Hüftimplantaten - Huftendoprothesen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Verständnis von Materialien verbessert Hüftimplantate

Forschungsteam am Max-Planck-Institut für Eisenforschung veröffentlicht neueste Erkenntnisse zur Materialabnutzung in Hüftimplantaten 

Der kobalthaltige Hüftkopf kann sich an der Verbindungstelle zum Hüftschaft aus einer Titanlegierung durch Reibung abbauen. Mittels Atomsondentomographie analysierte das MPIE-Team den Reibungsprozess
Der kobalthaltige Hüftkopf kann sich an der Verbindungstelle zum Hüftschaft aus einer Titanlegierung durch Reibung abbauen. Mittels Atomsondentomographie analysierte das MPIE-Team den Reibungsprozess S. Balachandran, Z. Zachariah, et al.: Advanced Science 2020, 1903008
 
2015 wurden in den Industrieländern 1,8 Millionen Hüftoperationen durchgeführt.

Aufgrund der höheren Lebenserwartung wird die Zahl der Hüftendoprothesen schätzungsweise auf 2,8 Millionen bis 2050 ansteigen. Am Ende des letzten Jahrtausends hielten künstliche Hüftprothesen nur etwa 10 Jahre. Seitdem haben sich Ärzte verstärkt mit Materialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern zusammengetan, um länger haltbare Implantate zu bauen, mit dem Ziel, Revisionsoperationen nach der Implantation zu vermeiden. Die Forscher befassen sich unter anderem mit der Freisetzung von winzig kleinen Metallpartikeln und Ionen aus dem Implantat in das umgebende Gewebe, ein Prozess, der durch kombinierte Mikrobewegungen und Korrosion zwischen den modularen Teilen der künstlichen Hüfte beschleunigt wird. Um die zugrundeliegenden Mechanismen auf atomarer Ebene zu identifizieren, analysierten Dr. Michael Herbig, Leiter der Gruppe "Materialwissenschaft der mechanischen Kontakte" am Max-Planck-Institut für Eisenforschung (MPIE), und sein Team, Kobalt- und Titanlegierungen, die in Hüftimplantaten verwendet werden. In Zusammenarbeit mit Prof. Alfons Fischer und Prof. Markus Wimmer vom Rush University Medical Center in Chicago, USA, modellierten die Wissenschaftler die Belastungen und die Umgebung des Hüftgelenks experimentell im Labor. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Advanced Science veröffentlicht.

"Hüftimplantate bestehen oft aus einem kobalthaltigen Gelenkkopf, der auf einem Schaft aus einer Titanlegierung befestigt ist.
Kombinierte Reibung und Korrosion an der Verbindungsstelle von Kopf und Schaft führen zur Freisetzung von Metallpartikeln und Ionen in den Körper des Patienten.
Das umliegende Gewebe wird gereizt, was eine Revisionsoperation des Implantats erforderlich machen kann", erklärt Dr. Shanoob Balachandran, Erstautor der Publikation zusammen mit seiner Kollegin Dr. Zita Zacharia, beide Postdoktoranden der Gruppe Mechanische Kontakte.

Mit Hilfe mehrerer hochauflösender Mikroskopietechniken konnte gezeigt werden, dass die Reibung zwischen Oberschenkelkopf und –schaft zu einem Relief auf der Oberfläche der Titanlegierung führt. 

  • "Die Unebenheiten ragen aus der Oberflächen der Titanlegierung heraus und verkratzen die gegenüberliegende Oberfläche der Kobaltlegierung. 
  • Dadurch wird deren natürliche Schutzschicht verletzt und es kommt zur weiteren Korrosion des Kobaltkopfes. 

Und dies wiederum führt zur Freisetzung von Metallionen", erklärt Herbig. "

Aber wie kann dieser Prozess gehemmt werden und wie beeinflussen die in der Gelenkflüssigkeit vorhandenen Proteine die Auflösung der Legierungen?

Dies wäre der nächste Schritt unserer Forschung, um den Weg für die Entwicklung tribokorrosionsbeständiger Legierungen für medizinische Anwendungen zu ebnen", so Zacharia.

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Dr. Michael Herbig
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Originalpublikation:
S. Balachandran, Z. Zachariah, A. Fischer, D. Mayweg, M. A. Wimmer, D. Raabe, M. Herbig: Atomic scale origin of metal ion release from hip implant taper junctions. In: Advanced Science 2020, 1903008

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.mpie.de/4267292/hip-implants

Der erste Schlaganfall - dann der zweite Schlaganfall....

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schlaganfall: Wenn das System ein zweites Mal ausfällt

Nach einem Schlaganfall steigt die Gefahr, einen zweiten zu erleiden. 
  • Bislang wusste man, sind beim ersten Anfall Areale in der linken Hirnhälfte betroffen, ist vor allem die Sprache beeinträchtigt. 

Um die aufrechtzuerhalten, fährt das Gehirn die Nachbarareale und kurzzeitig auch die Pendants seiner rechten Seite hoch. 

Unklar war jedoch, ob das auch nach einer zweiten Attacke passiert – und ob das überhaupt gut für die Regeneration ist.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften haben nun mithilfe einer virtuellen Läsion herausgefunden, dass die rechte Hirnhälfte bei wiederholten Störungen tatsächliche eine positive Rolle spielt. 
 
Dass das Gehirn deutlich formbarer ist als gedacht, ist inzwischen weitgehend bekannt. Selbst nach einem Schlaganfall oder anderen Hirnverletzungen gelingt es ihm häufig, die ausgefallenen Regionen und dort verarbeiteten Fähigkeiten auszugleichen. Oft aktiviert es dazu nicht nur die benachbarten Regionen, sondern auch die Schwesterareale auf der anderen Hirnseite. Die tragen bis dahin meist wenig zu der eigentlichen Fähigkeit bei und werden von der dominanten Hälfte in Schach gehalten – bis der Notfall eintritt. Fallen also etwa Bereiche zum Sprachverständnis auf der linken Seite aus, werden häufig die entsprechenden Pendants auf der rechten Seite hochreguliert. Der Ausfall kann so kurzzeitig ausgeglichen werden.

Bis zu 15 Prozent der Betroffenen erleiden jedoch einen zweiten Schlaganfall.

Unklar war bislang, ob die Reperaturmechanismen auch dann einsetzen, das Gehirn also seine Anpassungsfähigkeit behält.

Zudem war man sich uneins darüber, ob eine aktivierte rechte Hirnhälfte generell gut für die Heilung ist.

Einige Studien legen zwar nahe, dass eine Einbindung der rechten Hirnhälfte zumindest kurzfristig bei der Erholung hilft. Andere hatten aber gezeigt:

Ein Ausfall von Spracharealen in der linken Hälfte, kann die rechte regelrecht enthemmen. 

Die trägt dann etwas bei, was nichts mit Sprache zutun hat und sorgt für Verwirrung.

Das Gehirn gerät aus dem Takt.

Weitere Untersuchungen hatten zudem herausgefunden, den Patienten geht es besser, wenn die überaktive Hälfte durch hemmende Magnetstimulation wieder eingedämmt wird.

Die Aktivität verlagert sich dadurch zunehmend zurück in die linke Hirnhälfte. Sie gewinnt wieder die Oberhand.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Leipzig haben nun herausgefunden, dass das Gehirn auch bei einer zweiten Störung der linken Sprachareale seine Aktivität in den Schwesterarealen auf der rechten Seite hochfährt. „Im erholten Gehirn war deren Beitrag nach der ersten Läsion noch nicht groß. Bei der zweiten Störung, bei der große Teile der linken Hirnhälfte außer Kraft gesetzt sind, wird ihr Anteil jedoch viel stärker“, erklärt Gesa Hartwigsen, Forschungsgruppenleiterin am MPI CBS und Erstautorin der zugrundeliegenden Publikation, die jetzt im renommierten Open Access Magazin elife erschienen ist. „Die zweite Störung hat also den Beitrag der rechten Hirnhälfte verstärkt und sichtbar gemacht“, so Hartwigsen.

Untersucht haben die Wissenschaftler diese Zusammenhänge mithilfe von 12 Patienten, bei denen die Regionen zur Verarbeitung von Lauteigenschaften in der linken Hemisphäre durch einen ersten Schlaganfall verletzt waren. Der lag jeweils etwa sechs Monate zurück. Ihr Gehirn hatte somit Gelegenheit sich zu regenerieren und der neuen Situation anzupassen. Die zweite Störung simulierten die Forscher mithilfe der sogenannten transkraniellen Magnetstimulation, mit der bestimmte Hirnareale durch elektrische Reize gezielt kurzzeitig gestört werden können. Dadurch lässt sich nachbilden, wie das Gehirn reagieren würde, wenn tatsächlich bestimmte Bereiche durch einen Schlaganfall oder andere Ereignisse ausfallen – und wie sich das etwa auf die Fähigkeit auswirkt, Laute zu erkennen. Dazu nutzten Hartwigsen und ihr Team wiederum eine einfache Sprachaufgabe. Die Probanden hörten etwas das Wort „Katze“ und sollten entscheiden, ob es aus zwei oder drei Silben besteht.

Dabei zeigt sich: Je mehr die Areale zur Lautverarbeitung auf der linken Seite beeinträchtigt waren, desto höher war die Aktivität in den Pendants der rechten Hirnhälfte. Umso stärker zudem bei einem Patienten die Faserverbindung zwischen den aktivierten Schwesterarealen der rechten Seite ausgebildet war, desto besser schnitt er in den Aufgaben ab - desto weniger beeinträchtigte ihn also die Störung auf der linken.

Nach großflächigen Störungen, bei der große Teile der linken Hirnhälfte nicht mehr funktionieren wie sie sollten, spielt die rechte Seite wahrscheinlich eine förderliche Rolle. In der linken Hirnhälfte liegt soviel brach, dass die nur eingeschränkt arbeitet und Unterstützung von der rechten braucht. „Andere Studien zeigen, dass es zu einem späteren Zeitpunkt jedoch gut für die Regeneration ist, wenn sich die aktivierte rechte Seite wieder runterreguliert und damit zu einer Normalisierung auf der linken Seite beiträgt“, so Hartwigsen. Bleibt die rechte Hälfte dagegen dauerhaft hochreguliert, verzögert sich die Heilung.

Die Erkenntnisse darüber, wie sich das geschädigte Gehirn an eine weitere Störung anpasst, könnten langfristig helfen die Therapie von Schlaganfallpatienten zu verbessern. „Damit lässt sich womöglich irgendwann einschätzen, ob es hilfreicher wäre, bestimmte Areale gezielt hoch- oder runterzuregulieren“, gibt Hartwigsen zu verstehen.

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PD Dr. Gesa Hartwigsen
Forschungsgruppenleiterin
+49 341 9940-162
hartwigsen@cbs.mpg.de

Originalpublikation:
Gesa Hartwigsen, Anika Stockert, Louise Charpentier, Max Wawrzyniak, Julian Klingbeil, Katrin Wrede, Hellmuth Obrig, and Dorothee Saur (2020) Short-term modulation of the lesioned language network, eLife

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.cbs.mpg.de/institut/forschung/sprache-grosse-unbekannte zum aktuellen Top-Thema "Sprache, die große Unbekannte"

https://www.cbs.mpg.de/forschung/language-interview zum aktuellen Interview mit Sprachforscherin Prof. Angela D. Friederici: "Affen kommunizieren, Menschen haben Sprache"

Schreckreize - Phasen des Herzzyklus - Herzschlag

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Herzaktivität beeinflusst kognitive Reaktion unter Stress

In bedrohlichen Situationen reagieren wir instinktiv und ohne lange nachzudenken – quasi automatisch. 

Welche Rolle dabei die Herzaktivität spielen könnte, haben Forschende des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) nun untersucht. 

Hierzu wurden Schreckreize gezielt während verschiedener Phasen des Herzzyklus abgegeben. 

Es zeigte sich, dass automatische Reaktionen schneller ablaufen, wenn die Schreckreize gleichzeitig zum Herzschlag präsentiert wurden. Die Ergebnisse wurden im Nature-Journal „Scientific Reports“ veröffentlicht. 
 
Auf potenzielle Bedrohungen reagiert unser Körper mit Stress:

  • Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol werden in den Blutkreislauf ausgeschüttet, der Blutdruck steigt und unser Herz schlägt schneller. 

Diese Reaktionen können über verschiedene Mechanismen die Gehirnaktivität und somit unser Erleben und Verhalten beeinflussen. Forschende um Dr. Mauro Larrá vom IfADo haben untersucht, wie sich die unterschiedlichen Phasen der Herzaktivität darauf auswirken, wie wir Informationen verarbeiten.

Schreckreize mit Herzschlag synchronisiert


Insgesamt nahmen 80 Personen an der Studie teil. Den teilnehmenden Personen wurden Schreckreize wie laute Knallgeräusche zufällig wechselnd von links oder rechts präsentiert. Daraufhin sollten sie entweder mit derselben oder der dem Schreckreiz gegenüberliegenden Hand einen Knopf drücken. Die Forschenden haben gleichzeitig den jeweiligen Schreckreflex erfasst. Dazu haben sie gemessen, wie stark eine Person reflexartig blinzeln musste, wenn ein Schreckreiz abgegeben wurde. Mittels Elektrokardiografie wurde während des Versuchs zusätzlich die Herzaktivität gemessen. Dadurch konnten die Schreckreize gezielt mit der Herzaktivität synchronisiert werden: Die Reize wurden entweder präsentiert, während das Herz schlägt und die Signalübertragung zum Hirn maximal ist, oder während das Herz ruht und kaum Signale weitergeleitet werden.

Auf Basis dieses Vorgehens haben die Forschenden in der aktuellen Studie analysiert, inwiefern sich die Herzaktivität auf automatische oder kognitiv kontrollierte Informationsverarbeitung im Gehirn auswirkt.

Denn es ist bekannt: Wenn man Reize aus einer bestimmten Richtung wahrnimmt, gibt es eine automatische Tendenz auch in dieser Richtung zu reagieren. Reaktionen auf derselben Seite des Reizes laufen sozusagen automatisch und somit sehr schnell ab. Will man mit der dem Reiz entgegengesetzten Seite reagieren, muss man diese Tendenz überwinden. Das erfordert kognitive Kontrolle, strengt uns an und verlangsamt somit die Reaktion.

Herzschlag begünstigt automatische und hemmt kontrollierte Reaktionen

Die Forschenden konnten nun Folgendes beobachten:  

Wenn Knallgeräusche abgespielt wurden, während das Herz pumpt, reagierten die Versuchspersonen im Vergleich zur Herzentspannungsphase mit der Hand schneller, auf deren Körperseite auch das Knallgeräusch abgespielt wurde.

Wenn die Probanden mit der dem Ton entgegengesetzten Hand reagieren sollten, kehrte sich der Effekt der Herzaktivität um:

Reaktionen waren schneller bei Knallgeräuschen, die abgespielt wurden, wenn das Herz entspannte. 

  • Das Schreckblinzeln war hingegen reduziert, wenn Reize in Phasen stärkerer Herzaktivität abgegeben wurden, und zwar auf beiden Augen gleich stark.

„Der Schreckreflex wird durch einfache Verschaltungen im Hirnstamm vermittelt. Willentliche Handlungen hingegen, wie das Drücken der Knöpfe in unserem Versuch, benötigen höhere kortikale Hirnareale“, erklärt Mauro Larrá. „Dass einfache Reflexe durch die Herzaktivität gehemmt werden, weiß man. Hier konnten wir nun zeigen, dass das Herz auch höhere Informationsverarbeitungsprozesse beeinflussen kann.“

Zusammen mit seinem Team möchte der Psychologe diesen Einfluss nun weiter untersuchen. Mittels Elektroenzephalografie soll etwa direkt die Gehirnaktivität gemessen werden. Übergeordnetes Ziel der Forschenden ist es besser zu verstehen, wie Stress sich auf unser Gehirn auswirkt. „In einer Stresssituation würde man erwarten, dass automatische, unbedachte Reaktionen verstärkt werden. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht nur Stresshormone, sondern auch erhöhte kardiovaskuläre Erregung unter Stress entscheidend an stressbedingten Prozessen im Gehirn beteiligt sein könnte“, sagt Psychologe Mauro Larrá.

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Dr. Mauro Larrá
Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsabteilung "Ergonomie"
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Eva Mühle
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Originalpublikation:
Larra, M.F., Finke, J.B., Wascher, E. et al. Disentangling sensorimotor and cognitive cardioafferent effects: A cardiac-cycle-time study on spatial stimulus-response compatibility. Sci Rep 10, 4059 (2020). https://doi.org/10.1038/s41598-020-61068-1

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte 
https://www.ifado.de/2020/03/23/herz-stress/ IfADo-Website

https://doi.org/10.1038/s41598-020-61068-1 Originalpublikation (Open Access)


 

Alte und chronisch kranke Menschen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Keine Experimente mit der alten und chronisch kranken Bevölkerung ohne wissenschaftliche Begleitung

Mit Hochdruck wird derzeit an dem Ausstiegskonzept aus dem Maßnahmenpaket zur sozialen Distanz gearbeitet. 

Alte und chronisch kranke Menschen sollen weiterhin zu Hause bleiben. 

Das EbM-Netzwerk fordert nachdrücklich eine Politik-unabhängige, prospektiv geplante Begleitforschung der Implikationen der verordneten Maßnahmen. 
 
Bundesminister Spahn kündigt jetzt an, bis Ostern ein Ausstiegskonzept aus den umfangreichen Maßnahmen zur sozialen Distanz, Beschränkung der Kontakte und des gesellschaftlichen Lebens vorzulegen.

Die alten und chronisch kranken Menschen müssten weiterhin die Kontakte einschränken und zu Hause bleiben.

Distanz und Isolation also für eine Bevölkerungsgruppe mit erhöhtem Sterberisiko.

  • In Anbetracht der schwachen oder fehlenden Evidenz letztlich ein nationenweites unkontrolliertes Experiment. 

Eine Evaluierung der Effekte der Maßnahmen sei nicht geplant, dazu sei der Handlungsdruck zu groß.

Das QUEST Center (Quality, Ethics, Open Science, Translation) fordert zusammen mit dem EbM-Netzwerk und der Akademie für Ethik in der Medizin, die Wirkungen und unerwünschten gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Kollateraleffekte der ergriffenen Maßnahmen zu untersuchen. Keinesfalls darf jetzt der Eindruck entstehen, dass es mit der umfangreichen BMBF-Förderung eines Forschungsnetzwerks der deutschen Universitätsmedizin getan ist. Dieses soll die Forschungsaktivitäten in der Universitätsmedizin zur Bewältigung der aktuellen Pandemie-Krise bündeln. Die Covid-19 Pandemie ist bei Weitem nicht nur ein Problem der medizinischen Grundlagenforschung, klinischer Therapiestudien und intensivmedizinischer Verfahrensweisen. Dringlich sind ebenso Fragen der Versorgungsforschung, Pflegewissenschaft und Public Health.

Ganz real bedrohliche Zustände zeichnen sich zum Beispiel in den Settings jenseits der Universitätsmedizin ab, wo mehrheitlich alte und gebrechliche Menschen begleitet werden:

In der hausärztlichen Versorgung, der ambulanten professionellen und familialen Pflege und in den Heimen.

Unsere Pflegeheime haben sich inzwischen mehrheitlich zur Außenwelt verschlossen. Die Bewohner*innen können keinen Besuch mehr von Angehörigen und Freund*innen empfangen, da diese als Überträger fungieren könnten. 

  • Das Personal jedoch ist täglich zugehend und so erscheint das Pflegeheim als der perfekte Inkubator für die Verbreitung der Infektion. 

Von den Pflegenden geht vermutlich eine ungleich große Gefahr für Übertragung aus, denn sie stehen im körpernahen Kontakt mit vielen Menschen. Derweilen wird der eklatante Mangel in der Ausstattung mit Hygieneartikeln und Desinfektionsmitteln beklagt. Eine Umsetzung der vom Robert Koch Institut empfohlenen Schutzmaßnahmen ist so nicht möglich. Diese Klagen werden auch in der ambulanten Pflege erhoben, in der die Mehrzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland begleitet werden. Neben dem erhöhten Infektionsrisiko dieser vulnerablen Gruppe, die ja nun gerade besonders geschützt werden soll, sind die psychosozialen Folgen der Kontaktbeschränkung unvorhersehbar. Es ist fahrlässig, dies alles nicht systematisch begleitend dokumentieren zu wollen, um später Rückschlüsse daraus ziehen zu können. 

In den Heimen sind derweilen die Qualitätsprüfungen des MDK ausgesetzt und Dokumentationspflichten wurden gelockert.

Andere soziale Notlagen wie die Engpässe in der häuslichen Begleitung von Pflegebedürftigen durch ausländische Betreuer*innen zeichnen sich ab.

Geschlossene Grenzen, Quarantäne und Furcht wird viele der in geschätzt 300.000 deutschen Haushalten lebenden Betreuer*innen abhalten, die alten und pflegebedürftigen Menschen weiter zu begleiten.

Es ist fahrlässig, eine systematische Dokumentation des Zusammenbruchs dieses sozialen Arrangements zu unterlassen.

Benötigt wird eine Politik-unabhängige, prospektiv geplante Protokoll-gestützte Begleitforschung der Implikationen der verordneten Maßnahmen.

Schon jetzt aber sollten Wissenschaftler*innen, die sowieso gerade empirische Studien in Pflegesettings durchführen, ihre Protokolle anpassen und Prozessdaten zum Covid-19 Geschehen erheben.

Und natürlich können und müssen in dieser Situation Modelle entwickelt und erprobt werden, die die älteren und vulnerablen Gruppen schützen könnten, ohne den Zugang zu ihren Angehörigen und Vertrauten zu beschneiden und sie dem Risiko ständig wechselnder und schlecht geschützter Pflegender auszusetzen. So viel Zeit muss sein!

Am Ende der Pandemie muss eine sorgfältige Analyse der Auswirkungen der Maßnahmen und ein vertieftes Verständnis ihres Nutzens und Schadens stehen.

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TOP-Untersucher-CAVE-Einladung: Ernährungsstatus der Patienten COVID-19-Erkrankung - das Coronavirus SARS-CoV-2

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: UKSH startet bundesweite Ernährungsstudie zur Verbesserung des Verlaufs von COVID-19

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, startet ab sofort eine Studie zur Wirksamkeit einer molekularen Ernährungsintervention bei Patientinnen und Patienten mit einer frühen COVID-19-Erkrankung, die durch das Coronavirus SARS-CoV-2 hervorgerufen wird. 

Dabei geht es darum, milde Erkrankungen zu stabilisieren und die Zahl schwerer Verläufe, die eine Sauerstofftherapie im Krankenhaus nötig machen, zu reduzieren. 

Dazu soll gezielt der Ernährungsstatus der Patienten optimiert werden. 

Bundesweit sollen rund 1.300 ambulante Patientinnen und Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion, bei denen leichte bis mittelschwere Symptome auftreten, in die Studie eingeschlossen werden. 


Durchgeführt wird das Vorhaben von Prof. Dr. Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Innere Medizin I, Prof. Dr. Matthias Laudes, Leiter der Ernährungsmedizin der Klinik, Prof. Dr. Wolfgang Lieb, Direktor des Instituts für Epidemiologie des UKSH und der Universität zu Kiel sowie dem Kompetenznetz Darmerkrankungen e. V.

Hintergrund des Forschungsprojektes ist der begründete Verdacht, dass Mangelernährung ein wesentlicher Risikofaktor für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung ist. 

In einer Arbeit, die bereits 2012 im renommierten Fachblatt Nature veröffentlicht worden ist, konnten Prof. Schreiber und seine Kollegen zeigen, dass der negative Einfluss einer Mangelernährung auf das Immunsystem insbesondere auf eine einzelne Aminosäure zurückzuführen ist.

  • „Der Körper baut darüber hinaus bei chronischen Entzündungen die essentielle Aminosäure Tryptophan ab und wandelt sie in Stoffwechselprodukte um, die selbst entzündungsfordernd sind. 
  • Ebenso wird Deckzellen der Lunge und des Darms lebenswichtige Energie entzogen“, sagt Prof. Schreiber. 
Der Entzug von Tryptophan konnte bei Patienten mit der Infektionskrankheit SARS oder nach einer Ansteckung mit dem Virus MERS-CoV ebenso wie bei Grippekranken beobachtet werden. 

In Folgestudien stellten Prof. Schreiber und viele andere Forschungsgruppen fest, dass molekulare Ernährungsinterventionen im Tiermodell eine reparierende Wirkung für die Immunfunktion haben und ihnen eine wesentliche antientzündliche Wirkung zukommt.

Als tägliche Gabe über vier Woche werden nun zwei ernährungsrelevante Interventionen angeboten.

Die Hälfte der Patienten wird 1.000 mg Vitamin B3 bekommen, die andere Hälfte erhält das Heilmittel Kieselerde. 

Teilnehmer werden noch in die Studie aufgenommen.

Informationen dazu finden Interessierte ab 1. April auf der Internetseite www.covid19trial.de.

Besonders angesprochen sind Ärztinnen und Ärzte, die ihren frisch diagnostizierten Patienten eine Behandlungsoption bieten wollen, und Betroffene, bei denen eine SARS-CoV-2 Infektion nachgewiesen wurde und die Symptome haben. 

Die Studienteilnehmer erhalten die Testpräparate kostenlos zugesandt. 

Es folgen drei Anrufe im Abstand von zwei Wochen und ein abschließender Kontakt nach sechs Monaten, in denen Fragen zum Krankheitsverlauf gestellt werden.

Die Studie wurde von der Ethikkommission der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel genehmigt.

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