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Mortalität von COVID-19 - die fatalen Entdeckungsraten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: COVID-19: In Deutschland werden nur 15 Prozent der SARS-Cov-2-Infektionen erkannt

Die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus ist womöglich in allen betroffenen Ländern deutlich höher als bislang angenommen. 

  • Wissenschaftler der Universität Göttingen vermuten, dass weltweit bislang im Durchschnitt nur etwa sechs Prozent aller Infektionen nachgewiesen wurden. 
 
Um die Qualität der offiziellen Fallaufzeichnungen zu prüfen, nutzten die Entwicklungsökonomen Dr. Christian Bommer und Prof. Dr. Sebastian Vollmer Schätzungen der Mortalität von COVID-19 und der Zeit bis zum Tod aus einer kürzlich in der Fachzeitschrift The Lancet Infectious Diseases veröffentlichten Studie.

Ihre Berechnungen implizieren, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten weltweit bereits mehrere zehn Millionen erreicht haben könnte.

Ihre Ergebnisse sind online unter www.uni-goettingen.de/vollmer verfügbar.

Unzureichende und verzögerte Tests könnten erklären, warum einige europäische Länder wie Italien und Spanien viel höhere Opferzahlen (im Vergleich zu den gemeldeten bestätigten Fällen) aufweisen als Deutschland.

  • Hier wurden bislang schätzungsweise 15,6 Prozent der Infektionen festgestellt, verglichen mit nur 3,5 Prozent in Italien oder 1,7 Prozent in Spanien. 

Die Entdeckungsraten sind in den USA (1,6 Prozent) und in Großbritannien (1,2 Prozent) sogar noch niedriger – zwei Länder, die von Expertinnen und Experten des öffentlichen Gesundheitswesens wegen ihrer verzögerten Reaktion auf die Pandemie weithin kritisiert wurden.

In scharfem Gegensatz dazu scheint Südkorea fast die Hälfte aller seiner SARS-CoV-2-Infektionen entdeckt zu haben. 

Die Autoren schätzen, dass bis zum 31. März 2020 in Deutschland 460.000 Infektionen aufgetreten waren.

Auf der Grundlage der gleichen Methode berechnen sie, dass in den USA über zehn Millionen, in Spanien über fünf Millionen, in Italien etwa drei Millionen und in Großbritannien etwa zwei Millionen Infektionen aufgetreten sind.

Am selben Tag berichtete die Johns Hopkins University, dass es weltweit weniger als 900.000 bestätigte Fälle gab, was bedeutet, dass die überwiegende Mehrheit der Infektionen bislang unentdeckt blieb.

„Diese Ergebnisse bedeuten, dass Regierungen und politische Entscheidungsträger bei der Interpretation der Fallzahlen zu Planungszwecken äußerste Vorsicht walten lassen müssen. 

Solche extremen Unterschiede in Umfang und Qualität der in den verschiedenen Ländern vorgenommenen Tests bedeuten, dass die offiziellen Fallzahlen keine hilfreichen Informationen liefern“, erklärt Vollmer. Bommer ergänzt:

„Die Fähigkeit, neue Infektionen zu erkennen und damit die Ausbreitung des Virus einzudämmen, muss dringend verbessert werden.“

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Prof. Dr. Sebastian Vollmer
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Originalpublikation:
Originalveröffentlichung: Bommer C & Vollmer S (2020) Average detection rate of SARS-CoV-2 infections is estimated around six percent. http://www.uni-goettingen.de/vollmer

Hintergrundpublikation: Verity et al. Estimates of the severity of coronavirus disease 2019: a model-based analysis. The Lancet Infectious Diseases 2020. DOI: 10.1016/S1473-3099(20)30243-7

Wer hat ein Frettchen als Haustier....?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neues Coronavirus SARS-CoV-2: Flughunde und Frettchen sind empfänglich, Schweine und Hühner nicht

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 stammt ursprünglich vermutlich aus Fledermäusen und führte zu einer Pandemie. 

Ob es auch andere Tierarten infizieren kann, wird weltweit von verschiedenen Forschungsinstituten untersucht. 

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) begann vor wenigen Wochen mit Infektionsstudien in Schweinen, Hühnern, Flughunden und Frettchen. 

Erste Ergebnisse zeigen, dass Flughunde und Frettchen empfänglich für eine SARS-CoV-2 Infektion sind, Schweine und Hühner hingegen nicht. 

Insbesondere die Empfänglichkeit von Frettchen ist ein wichtiger Befund, da sie als Modelltiere für die Infektion des Menschen zur Erprobung von Impfstoffen oder Medikamenten eingesetzt werden könnten. 
 
In den Infektionsstudien wurde den Tieren SARS-CoV-2 in die Nase verabreicht, um den natürlichen Infektionsweg beim Menschen über den Nasen-Rachenraum nachzuahmen.

Nilflughunde, die zu den Fledertieren gehören, wurden getestet, um Kenntnisse über die vermutete Reservoirfunktion von Fledermäusen zu erlangen. Diese Tiere konnten zwar infiziert werden, zeigten aber keine Krankheitssymptome und steckten Artgenossen nicht effizient an.

Frettchen sind bei anderen Atemwegs-Infektionen, insbesondere durch Grippeviren, ein gutes Modell für den Menschen.

  • Da SARS-CoV-2 sich vor allem im Atmungstrakt vermehrt, könnten Frettchen sich als Modell auch für diese Infektion eignen. 

Nach solch einem Tiermodell, das die Infektion des Menschen widerspiegelt, wird derzeit weltweit dringend gesucht.

Die Versuche des FLI zeigen, dass sich Frettchen effizient mit SARS-CoV-2 infizieren lassen, das Virus gut vermehren und es auf Artgenossen übertragen.

Die Tiere vermehrten das Virus hauptsächlich in den oberen Bereichen des Atmungstraktes, zeigten dabei aber keine Krankheitssymptome. 

Damit steht ein Infektionsmodell zur Verfügung, das bei der Erprobung von Impfstoffen und Medikamenten gegen SARS-CoV-2 helfen könnte.

Nutztiere sind besonders in Kontakt mit dem Menschen.

Daher wurden Schweine und Hühner auf Empfänglichkeit für SARS-CoV-2 getestet.

Es wurde untersucht, ob die Tiere infiziert werden, den Erreger vermehren und Krankheitssymptome zeigen.

Weiterhin wurde getestet, ob sie den Erreger wieder ausscheiden und damit eine potenzielle Gefahr für den Menschen darstellen könnten.

Unter den Versuchsbedingungen zeigten sich weder Schweine noch Hühner als empfänglich für eine Infektion mit SARS-CoV-2. 

Nach jetzigem Kenntnisstand sind sie also von dem Virus nicht betroffen und stellen demnach kein potentielles Risiko für den Menschen dar.

Die komplette Auswertung aller Versuchsreihen wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, mit den Endergebnissen ist Anfang Mai zu rechnen.

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Informationen / FAQ zu SRS-Cov-2 und Tieren

Materialabnutzung in den Hüftimplantaten - Huftendoprothesen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Verständnis von Materialien verbessert Hüftimplantate

Forschungsteam am Max-Planck-Institut für Eisenforschung veröffentlicht neueste Erkenntnisse zur Materialabnutzung in Hüftimplantaten 

Der kobalthaltige Hüftkopf kann sich an der Verbindungstelle zum Hüftschaft aus einer Titanlegierung durch Reibung abbauen. Mittels Atomsondentomographie analysierte das MPIE-Team den Reibungsprozess
Der kobalthaltige Hüftkopf kann sich an der Verbindungstelle zum Hüftschaft aus einer Titanlegierung durch Reibung abbauen. Mittels Atomsondentomographie analysierte das MPIE-Team den Reibungsprozess S. Balachandran, Z. Zachariah, et al.: Advanced Science 2020, 1903008
 
2015 wurden in den Industrieländern 1,8 Millionen Hüftoperationen durchgeführt.

Aufgrund der höheren Lebenserwartung wird die Zahl der Hüftendoprothesen schätzungsweise auf 2,8 Millionen bis 2050 ansteigen. Am Ende des letzten Jahrtausends hielten künstliche Hüftprothesen nur etwa 10 Jahre. Seitdem haben sich Ärzte verstärkt mit Materialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern zusammengetan, um länger haltbare Implantate zu bauen, mit dem Ziel, Revisionsoperationen nach der Implantation zu vermeiden. Die Forscher befassen sich unter anderem mit der Freisetzung von winzig kleinen Metallpartikeln und Ionen aus dem Implantat in das umgebende Gewebe, ein Prozess, der durch kombinierte Mikrobewegungen und Korrosion zwischen den modularen Teilen der künstlichen Hüfte beschleunigt wird. Um die zugrundeliegenden Mechanismen auf atomarer Ebene zu identifizieren, analysierten Dr. Michael Herbig, Leiter der Gruppe "Materialwissenschaft der mechanischen Kontakte" am Max-Planck-Institut für Eisenforschung (MPIE), und sein Team, Kobalt- und Titanlegierungen, die in Hüftimplantaten verwendet werden. In Zusammenarbeit mit Prof. Alfons Fischer und Prof. Markus Wimmer vom Rush University Medical Center in Chicago, USA, modellierten die Wissenschaftler die Belastungen und die Umgebung des Hüftgelenks experimentell im Labor. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Advanced Science veröffentlicht.

"Hüftimplantate bestehen oft aus einem kobalthaltigen Gelenkkopf, der auf einem Schaft aus einer Titanlegierung befestigt ist.
Kombinierte Reibung und Korrosion an der Verbindungsstelle von Kopf und Schaft führen zur Freisetzung von Metallpartikeln und Ionen in den Körper des Patienten.
Das umliegende Gewebe wird gereizt, was eine Revisionsoperation des Implantats erforderlich machen kann", erklärt Dr. Shanoob Balachandran, Erstautor der Publikation zusammen mit seiner Kollegin Dr. Zita Zacharia, beide Postdoktoranden der Gruppe Mechanische Kontakte.

Mit Hilfe mehrerer hochauflösender Mikroskopietechniken konnte gezeigt werden, dass die Reibung zwischen Oberschenkelkopf und –schaft zu einem Relief auf der Oberfläche der Titanlegierung führt. 

  • "Die Unebenheiten ragen aus der Oberflächen der Titanlegierung heraus und verkratzen die gegenüberliegende Oberfläche der Kobaltlegierung. 
  • Dadurch wird deren natürliche Schutzschicht verletzt und es kommt zur weiteren Korrosion des Kobaltkopfes. 

Und dies wiederum führt zur Freisetzung von Metallionen", erklärt Herbig. "

Aber wie kann dieser Prozess gehemmt werden und wie beeinflussen die in der Gelenkflüssigkeit vorhandenen Proteine die Auflösung der Legierungen?

Dies wäre der nächste Schritt unserer Forschung, um den Weg für die Entwicklung tribokorrosionsbeständiger Legierungen für medizinische Anwendungen zu ebnen", so Zacharia.

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Originalpublikation:
S. Balachandran, Z. Zachariah, A. Fischer, D. Mayweg, M. A. Wimmer, D. Raabe, M. Herbig: Atomic scale origin of metal ion release from hip implant taper junctions. In: Advanced Science 2020, 1903008

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Der erste Schlaganfall - dann der zweite Schlaganfall....

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schlaganfall: Wenn das System ein zweites Mal ausfällt

Nach einem Schlaganfall steigt die Gefahr, einen zweiten zu erleiden. 
  • Bislang wusste man, sind beim ersten Anfall Areale in der linken Hirnhälfte betroffen, ist vor allem die Sprache beeinträchtigt. 

Um die aufrechtzuerhalten, fährt das Gehirn die Nachbarareale und kurzzeitig auch die Pendants seiner rechten Seite hoch. 

Unklar war jedoch, ob das auch nach einer zweiten Attacke passiert – und ob das überhaupt gut für die Regeneration ist.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften haben nun mithilfe einer virtuellen Läsion herausgefunden, dass die rechte Hirnhälfte bei wiederholten Störungen tatsächliche eine positive Rolle spielt. 
 
Dass das Gehirn deutlich formbarer ist als gedacht, ist inzwischen weitgehend bekannt. Selbst nach einem Schlaganfall oder anderen Hirnverletzungen gelingt es ihm häufig, die ausgefallenen Regionen und dort verarbeiteten Fähigkeiten auszugleichen. Oft aktiviert es dazu nicht nur die benachbarten Regionen, sondern auch die Schwesterareale auf der anderen Hirnseite. Die tragen bis dahin meist wenig zu der eigentlichen Fähigkeit bei und werden von der dominanten Hälfte in Schach gehalten – bis der Notfall eintritt. Fallen also etwa Bereiche zum Sprachverständnis auf der linken Seite aus, werden häufig die entsprechenden Pendants auf der rechten Seite hochreguliert. Der Ausfall kann so kurzzeitig ausgeglichen werden.

Bis zu 15 Prozent der Betroffenen erleiden jedoch einen zweiten Schlaganfall.

Unklar war bislang, ob die Reperaturmechanismen auch dann einsetzen, das Gehirn also seine Anpassungsfähigkeit behält.

Zudem war man sich uneins darüber, ob eine aktivierte rechte Hirnhälfte generell gut für die Heilung ist.

Einige Studien legen zwar nahe, dass eine Einbindung der rechten Hirnhälfte zumindest kurzfristig bei der Erholung hilft. Andere hatten aber gezeigt:

Ein Ausfall von Spracharealen in der linken Hälfte, kann die rechte regelrecht enthemmen. 

Die trägt dann etwas bei, was nichts mit Sprache zutun hat und sorgt für Verwirrung.

Das Gehirn gerät aus dem Takt.

Weitere Untersuchungen hatten zudem herausgefunden, den Patienten geht es besser, wenn die überaktive Hälfte durch hemmende Magnetstimulation wieder eingedämmt wird.

Die Aktivität verlagert sich dadurch zunehmend zurück in die linke Hirnhälfte. Sie gewinnt wieder die Oberhand.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Leipzig haben nun herausgefunden, dass das Gehirn auch bei einer zweiten Störung der linken Sprachareale seine Aktivität in den Schwesterarealen auf der rechten Seite hochfährt. „Im erholten Gehirn war deren Beitrag nach der ersten Läsion noch nicht groß. Bei der zweiten Störung, bei der große Teile der linken Hirnhälfte außer Kraft gesetzt sind, wird ihr Anteil jedoch viel stärker“, erklärt Gesa Hartwigsen, Forschungsgruppenleiterin am MPI CBS und Erstautorin der zugrundeliegenden Publikation, die jetzt im renommierten Open Access Magazin elife erschienen ist. „Die zweite Störung hat also den Beitrag der rechten Hirnhälfte verstärkt und sichtbar gemacht“, so Hartwigsen.

Untersucht haben die Wissenschaftler diese Zusammenhänge mithilfe von 12 Patienten, bei denen die Regionen zur Verarbeitung von Lauteigenschaften in der linken Hemisphäre durch einen ersten Schlaganfall verletzt waren. Der lag jeweils etwa sechs Monate zurück. Ihr Gehirn hatte somit Gelegenheit sich zu regenerieren und der neuen Situation anzupassen. Die zweite Störung simulierten die Forscher mithilfe der sogenannten transkraniellen Magnetstimulation, mit der bestimmte Hirnareale durch elektrische Reize gezielt kurzzeitig gestört werden können. Dadurch lässt sich nachbilden, wie das Gehirn reagieren würde, wenn tatsächlich bestimmte Bereiche durch einen Schlaganfall oder andere Ereignisse ausfallen – und wie sich das etwa auf die Fähigkeit auswirkt, Laute zu erkennen. Dazu nutzten Hartwigsen und ihr Team wiederum eine einfache Sprachaufgabe. Die Probanden hörten etwas das Wort „Katze“ und sollten entscheiden, ob es aus zwei oder drei Silben besteht.

Dabei zeigt sich: Je mehr die Areale zur Lautverarbeitung auf der linken Seite beeinträchtigt waren, desto höher war die Aktivität in den Pendants der rechten Hirnhälfte. Umso stärker zudem bei einem Patienten die Faserverbindung zwischen den aktivierten Schwesterarealen der rechten Seite ausgebildet war, desto besser schnitt er in den Aufgaben ab - desto weniger beeinträchtigte ihn also die Störung auf der linken.

Nach großflächigen Störungen, bei der große Teile der linken Hirnhälfte nicht mehr funktionieren wie sie sollten, spielt die rechte Seite wahrscheinlich eine förderliche Rolle. In der linken Hirnhälfte liegt soviel brach, dass die nur eingeschränkt arbeitet und Unterstützung von der rechten braucht. „Andere Studien zeigen, dass es zu einem späteren Zeitpunkt jedoch gut für die Regeneration ist, wenn sich die aktivierte rechte Seite wieder runterreguliert und damit zu einer Normalisierung auf der linken Seite beiträgt“, so Hartwigsen. Bleibt die rechte Hälfte dagegen dauerhaft hochreguliert, verzögert sich die Heilung.

Die Erkenntnisse darüber, wie sich das geschädigte Gehirn an eine weitere Störung anpasst, könnten langfristig helfen die Therapie von Schlaganfallpatienten zu verbessern. „Damit lässt sich womöglich irgendwann einschätzen, ob es hilfreicher wäre, bestimmte Areale gezielt hoch- oder runterzuregulieren“, gibt Hartwigsen zu verstehen.

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PD Dr. Gesa Hartwigsen
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Originalpublikation:
Gesa Hartwigsen, Anika Stockert, Louise Charpentier, Max Wawrzyniak, Julian Klingbeil, Katrin Wrede, Hellmuth Obrig, and Dorothee Saur (2020) Short-term modulation of the lesioned language network, eLife

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https://www.cbs.mpg.de/institut/forschung/sprache-grosse-unbekannte zum aktuellen Top-Thema "Sprache, die große Unbekannte"

https://www.cbs.mpg.de/forschung/language-interview zum aktuellen Interview mit Sprachforscherin Prof. Angela D. Friederici: "Affen kommunizieren, Menschen haben Sprache"

Schreckreize - Phasen des Herzzyklus - Herzschlag

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Herzaktivität beeinflusst kognitive Reaktion unter Stress

In bedrohlichen Situationen reagieren wir instinktiv und ohne lange nachzudenken – quasi automatisch. 

Welche Rolle dabei die Herzaktivität spielen könnte, haben Forschende des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) nun untersucht. 

Hierzu wurden Schreckreize gezielt während verschiedener Phasen des Herzzyklus abgegeben. 

Es zeigte sich, dass automatische Reaktionen schneller ablaufen, wenn die Schreckreize gleichzeitig zum Herzschlag präsentiert wurden. Die Ergebnisse wurden im Nature-Journal „Scientific Reports“ veröffentlicht. 
 
Auf potenzielle Bedrohungen reagiert unser Körper mit Stress:

  • Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol werden in den Blutkreislauf ausgeschüttet, der Blutdruck steigt und unser Herz schlägt schneller. 

Diese Reaktionen können über verschiedene Mechanismen die Gehirnaktivität und somit unser Erleben und Verhalten beeinflussen. Forschende um Dr. Mauro Larrá vom IfADo haben untersucht, wie sich die unterschiedlichen Phasen der Herzaktivität darauf auswirken, wie wir Informationen verarbeiten.

Schreckreize mit Herzschlag synchronisiert


Insgesamt nahmen 80 Personen an der Studie teil. Den teilnehmenden Personen wurden Schreckreize wie laute Knallgeräusche zufällig wechselnd von links oder rechts präsentiert. Daraufhin sollten sie entweder mit derselben oder der dem Schreckreiz gegenüberliegenden Hand einen Knopf drücken. Die Forschenden haben gleichzeitig den jeweiligen Schreckreflex erfasst. Dazu haben sie gemessen, wie stark eine Person reflexartig blinzeln musste, wenn ein Schreckreiz abgegeben wurde. Mittels Elektrokardiografie wurde während des Versuchs zusätzlich die Herzaktivität gemessen. Dadurch konnten die Schreckreize gezielt mit der Herzaktivität synchronisiert werden: Die Reize wurden entweder präsentiert, während das Herz schlägt und die Signalübertragung zum Hirn maximal ist, oder während das Herz ruht und kaum Signale weitergeleitet werden.

Auf Basis dieses Vorgehens haben die Forschenden in der aktuellen Studie analysiert, inwiefern sich die Herzaktivität auf automatische oder kognitiv kontrollierte Informationsverarbeitung im Gehirn auswirkt.

Denn es ist bekannt: Wenn man Reize aus einer bestimmten Richtung wahrnimmt, gibt es eine automatische Tendenz auch in dieser Richtung zu reagieren. Reaktionen auf derselben Seite des Reizes laufen sozusagen automatisch und somit sehr schnell ab. Will man mit der dem Reiz entgegengesetzten Seite reagieren, muss man diese Tendenz überwinden. Das erfordert kognitive Kontrolle, strengt uns an und verlangsamt somit die Reaktion.

Herzschlag begünstigt automatische und hemmt kontrollierte Reaktionen

Die Forschenden konnten nun Folgendes beobachten:  

Wenn Knallgeräusche abgespielt wurden, während das Herz pumpt, reagierten die Versuchspersonen im Vergleich zur Herzentspannungsphase mit der Hand schneller, auf deren Körperseite auch das Knallgeräusch abgespielt wurde.

Wenn die Probanden mit der dem Ton entgegengesetzten Hand reagieren sollten, kehrte sich der Effekt der Herzaktivität um:

Reaktionen waren schneller bei Knallgeräuschen, die abgespielt wurden, wenn das Herz entspannte. 

  • Das Schreckblinzeln war hingegen reduziert, wenn Reize in Phasen stärkerer Herzaktivität abgegeben wurden, und zwar auf beiden Augen gleich stark.

„Der Schreckreflex wird durch einfache Verschaltungen im Hirnstamm vermittelt. Willentliche Handlungen hingegen, wie das Drücken der Knöpfe in unserem Versuch, benötigen höhere kortikale Hirnareale“, erklärt Mauro Larrá. „Dass einfache Reflexe durch die Herzaktivität gehemmt werden, weiß man. Hier konnten wir nun zeigen, dass das Herz auch höhere Informationsverarbeitungsprozesse beeinflussen kann.“

Zusammen mit seinem Team möchte der Psychologe diesen Einfluss nun weiter untersuchen. Mittels Elektroenzephalografie soll etwa direkt die Gehirnaktivität gemessen werden. Übergeordnetes Ziel der Forschenden ist es besser zu verstehen, wie Stress sich auf unser Gehirn auswirkt. „In einer Stresssituation würde man erwarten, dass automatische, unbedachte Reaktionen verstärkt werden. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht nur Stresshormone, sondern auch erhöhte kardiovaskuläre Erregung unter Stress entscheidend an stressbedingten Prozessen im Gehirn beteiligt sein könnte“, sagt Psychologe Mauro Larrá.

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Dr. Mauro Larrá
Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsabteilung "Ergonomie"
Telefon: + 49 231 1084-375
E-Mail: larra@ifado.de

Ardeystraße 67
44139 Dortmund
Deutschland
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Eva Mühle
Telefon: ++49 (0)231 - 1084-239
Fax: ++49 (0)231 - 1084-308
E-Mail-Adresse: muehle@ifado.de

Originalpublikation:
Larra, M.F., Finke, J.B., Wascher, E. et al. Disentangling sensorimotor and cognitive cardioafferent effects: A cardiac-cycle-time study on spatial stimulus-response compatibility. Sci Rep 10, 4059 (2020). https://doi.org/10.1038/s41598-020-61068-1

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https://www.ifado.de/2020/03/23/herz-stress/ IfADo-Website

https://doi.org/10.1038/s41598-020-61068-1 Originalpublikation (Open Access)


 

Alte und chronisch kranke Menschen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Keine Experimente mit der alten und chronisch kranken Bevölkerung ohne wissenschaftliche Begleitung

Mit Hochdruck wird derzeit an dem Ausstiegskonzept aus dem Maßnahmenpaket zur sozialen Distanz gearbeitet. 

Alte und chronisch kranke Menschen sollen weiterhin zu Hause bleiben. 

Das EbM-Netzwerk fordert nachdrücklich eine Politik-unabhängige, prospektiv geplante Begleitforschung der Implikationen der verordneten Maßnahmen. 
 
Bundesminister Spahn kündigt jetzt an, bis Ostern ein Ausstiegskonzept aus den umfangreichen Maßnahmen zur sozialen Distanz, Beschränkung der Kontakte und des gesellschaftlichen Lebens vorzulegen.

Die alten und chronisch kranken Menschen müssten weiterhin die Kontakte einschränken und zu Hause bleiben.

Distanz und Isolation also für eine Bevölkerungsgruppe mit erhöhtem Sterberisiko.

  • In Anbetracht der schwachen oder fehlenden Evidenz letztlich ein nationenweites unkontrolliertes Experiment. 

Eine Evaluierung der Effekte der Maßnahmen sei nicht geplant, dazu sei der Handlungsdruck zu groß.

Das QUEST Center (Quality, Ethics, Open Science, Translation) fordert zusammen mit dem EbM-Netzwerk und der Akademie für Ethik in der Medizin, die Wirkungen und unerwünschten gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Kollateraleffekte der ergriffenen Maßnahmen zu untersuchen. Keinesfalls darf jetzt der Eindruck entstehen, dass es mit der umfangreichen BMBF-Förderung eines Forschungsnetzwerks der deutschen Universitätsmedizin getan ist. Dieses soll die Forschungsaktivitäten in der Universitätsmedizin zur Bewältigung der aktuellen Pandemie-Krise bündeln. Die Covid-19 Pandemie ist bei Weitem nicht nur ein Problem der medizinischen Grundlagenforschung, klinischer Therapiestudien und intensivmedizinischer Verfahrensweisen. Dringlich sind ebenso Fragen der Versorgungsforschung, Pflegewissenschaft und Public Health.

Ganz real bedrohliche Zustände zeichnen sich zum Beispiel in den Settings jenseits der Universitätsmedizin ab, wo mehrheitlich alte und gebrechliche Menschen begleitet werden:

In der hausärztlichen Versorgung, der ambulanten professionellen und familialen Pflege und in den Heimen.

Unsere Pflegeheime haben sich inzwischen mehrheitlich zur Außenwelt verschlossen. Die Bewohner*innen können keinen Besuch mehr von Angehörigen und Freund*innen empfangen, da diese als Überträger fungieren könnten. 

  • Das Personal jedoch ist täglich zugehend und so erscheint das Pflegeheim als der perfekte Inkubator für die Verbreitung der Infektion. 

Von den Pflegenden geht vermutlich eine ungleich große Gefahr für Übertragung aus, denn sie stehen im körpernahen Kontakt mit vielen Menschen. Derweilen wird der eklatante Mangel in der Ausstattung mit Hygieneartikeln und Desinfektionsmitteln beklagt. Eine Umsetzung der vom Robert Koch Institut empfohlenen Schutzmaßnahmen ist so nicht möglich. Diese Klagen werden auch in der ambulanten Pflege erhoben, in der die Mehrzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland begleitet werden. Neben dem erhöhten Infektionsrisiko dieser vulnerablen Gruppe, die ja nun gerade besonders geschützt werden soll, sind die psychosozialen Folgen der Kontaktbeschränkung unvorhersehbar. Es ist fahrlässig, dies alles nicht systematisch begleitend dokumentieren zu wollen, um später Rückschlüsse daraus ziehen zu können. 

In den Heimen sind derweilen die Qualitätsprüfungen des MDK ausgesetzt und Dokumentationspflichten wurden gelockert.

Andere soziale Notlagen wie die Engpässe in der häuslichen Begleitung von Pflegebedürftigen durch ausländische Betreuer*innen zeichnen sich ab.

Geschlossene Grenzen, Quarantäne und Furcht wird viele der in geschätzt 300.000 deutschen Haushalten lebenden Betreuer*innen abhalten, die alten und pflegebedürftigen Menschen weiter zu begleiten.

Es ist fahrlässig, eine systematische Dokumentation des Zusammenbruchs dieses sozialen Arrangements zu unterlassen.

Benötigt wird eine Politik-unabhängige, prospektiv geplante Protokoll-gestützte Begleitforschung der Implikationen der verordneten Maßnahmen.

Schon jetzt aber sollten Wissenschaftler*innen, die sowieso gerade empirische Studien in Pflegesettings durchführen, ihre Protokolle anpassen und Prozessdaten zum Covid-19 Geschehen erheben.

Und natürlich können und müssen in dieser Situation Modelle entwickelt und erprobt werden, die die älteren und vulnerablen Gruppen schützen könnten, ohne den Zugang zu ihren Angehörigen und Vertrauten zu beschneiden und sie dem Risiko ständig wechselnder und schlecht geschützter Pflegender auszusetzen. So viel Zeit muss sein!

Am Ende der Pandemie muss eine sorgfältige Analyse der Auswirkungen der Maßnahmen und ein vertieftes Verständnis ihres Nutzens und Schadens stehen.

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Gabriele Meyer, Medizinische Fakultät, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft
Magdeburger Straße 8, 06112 Halle (Saale)
E-Mail: gabriele.meyer@medizin.uni-halle.de
Kuno-Fischer-Straße 8
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Karsta Sauder
Telefon: 030-30833660
Fax: 030-30833662
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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.ebm-netzwerk.de/de/veroeffentlichungen/pdf/stn-20200327-covid19-begl... - Vollständige Stellungnahme mit Referenzen

TOP-Untersucher-CAVE-Einladung: Ernährungsstatus der Patienten COVID-19-Erkrankung - das Coronavirus SARS-CoV-2

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: UKSH startet bundesweite Ernährungsstudie zur Verbesserung des Verlaufs von COVID-19

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, startet ab sofort eine Studie zur Wirksamkeit einer molekularen Ernährungsintervention bei Patientinnen und Patienten mit einer frühen COVID-19-Erkrankung, die durch das Coronavirus SARS-CoV-2 hervorgerufen wird. 

Dabei geht es darum, milde Erkrankungen zu stabilisieren und die Zahl schwerer Verläufe, die eine Sauerstofftherapie im Krankenhaus nötig machen, zu reduzieren. 

Dazu soll gezielt der Ernährungsstatus der Patienten optimiert werden. 

Bundesweit sollen rund 1.300 ambulante Patientinnen und Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion, bei denen leichte bis mittelschwere Symptome auftreten, in die Studie eingeschlossen werden. 


Durchgeführt wird das Vorhaben von Prof. Dr. Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Innere Medizin I, Prof. Dr. Matthias Laudes, Leiter der Ernährungsmedizin der Klinik, Prof. Dr. Wolfgang Lieb, Direktor des Instituts für Epidemiologie des UKSH und der Universität zu Kiel sowie dem Kompetenznetz Darmerkrankungen e. V.

Hintergrund des Forschungsprojektes ist der begründete Verdacht, dass Mangelernährung ein wesentlicher Risikofaktor für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung ist. 

In einer Arbeit, die bereits 2012 im renommierten Fachblatt Nature veröffentlicht worden ist, konnten Prof. Schreiber und seine Kollegen zeigen, dass der negative Einfluss einer Mangelernährung auf das Immunsystem insbesondere auf eine einzelne Aminosäure zurückzuführen ist.

  • „Der Körper baut darüber hinaus bei chronischen Entzündungen die essentielle Aminosäure Tryptophan ab und wandelt sie in Stoffwechselprodukte um, die selbst entzündungsfordernd sind. 
  • Ebenso wird Deckzellen der Lunge und des Darms lebenswichtige Energie entzogen“, sagt Prof. Schreiber. 
Der Entzug von Tryptophan konnte bei Patienten mit der Infektionskrankheit SARS oder nach einer Ansteckung mit dem Virus MERS-CoV ebenso wie bei Grippekranken beobachtet werden. 

In Folgestudien stellten Prof. Schreiber und viele andere Forschungsgruppen fest, dass molekulare Ernährungsinterventionen im Tiermodell eine reparierende Wirkung für die Immunfunktion haben und ihnen eine wesentliche antientzündliche Wirkung zukommt.

Als tägliche Gabe über vier Woche werden nun zwei ernährungsrelevante Interventionen angeboten.

Die Hälfte der Patienten wird 1.000 mg Vitamin B3 bekommen, die andere Hälfte erhält das Heilmittel Kieselerde. 

Teilnehmer werden noch in die Studie aufgenommen.

Informationen dazu finden Interessierte ab 1. April auf der Internetseite www.covid19trial.de.

Besonders angesprochen sind Ärztinnen und Ärzte, die ihren frisch diagnostizierten Patienten eine Behandlungsoption bieten wollen, und Betroffene, bei denen eine SARS-CoV-2 Infektion nachgewiesen wurde und die Symptome haben. 

Die Studienteilnehmer erhalten die Testpräparate kostenlos zugesandt. 

Es folgen drei Anrufe im Abstand von zwei Wochen und ein abschließender Kontakt nach sechs Monaten, in denen Fragen zum Krankheitsverlauf gestellt werden.

Die Studie wurde von der Ethikkommission der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel genehmigt.

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Metabolisches Syndrom: Bauchspeicheldrüsenhormon Insulin

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Aufnahmestopp für Insulin – die Rolle der Blutgefäße bei der Insulinresistenz

  • Damit Insulin seine Wirkung ausüben und Glukose aus dem Blut in die Muskelzellen transportiert werden kann, muss das Hormon zunächst das Endothel durchqueren, die Zellschicht, die die Blutgefäße von innen auskleidet. 
Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum und vom Universitätsklinikum Heidelberg und der Universitätsmedizin Mannheim haben jetzt festgestellt, dass bei übergewichtigen Mäusen ein Signalweg angekurbelt ist, der diesen Schritt verhindert und so die Insulinresistenz fördert. 

Mit diesem Ergebnis tragen die Forscher entscheidend dazu bei, das metabolische Syndrom und das Entstehen von Diabetes besser zu verstehen. 
 
Als eine der Hauptursachen für Diabetes mellitus Typ 2 gilt heute die Insulinresistenz.

Das Bauchspeicheldrüsenhormon Insulin hat unter anderem die Aufgabe, die Aufnahme von Glukose aus der Blutbahn in die Muskelzellen zu ermöglichen.

  • So werden die Zellen mit dem wichtigen Energielieferanten versorgt, gleichzeitig sinkt der Blutzuckergehalt. 
  • Ist das Gewebe nicht in der Lage, ausreichend auf Insulin zu reagieren und Zucker aufzunehmen, spricht man von einer Insulinresistenz – einer Vorstufe von Diabetes. 
  • Hält dieser Zustand an, beginnt die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin zu produzieren – trotzdem steigt der Blutzuckerspiegel immer weiter. 
  • Kommt die Drüse an ihre Leistungsgrenze, führt dies zu einem relativen Insulinmangel. Ganz besonders gefährdet sind hier stark übergewichtige Menschen.

Die exakten Mechanismen, die hinter dieser Insulinresistenz stecken, sind jedoch noch nicht endgültig geklärt. Jetzt haben Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) sowie des Universitätsklinikums Heidelberg und der Universitätsmedizin Mannheim herausgefunden, dass das Endothel, also die Zellschicht, die die Blutgefäße von innen auskleidet, dabei eine wichtige Rolle spielen könnte. „Das liegt eigentlich nahe, denn diese Schicht gilt es zu durchqueren, wenn das Insulin vom Blut zur Muskelzelle transportiert wird“, sagt Andreas Fischer, der am DKFZ und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg forscht und am Universitätsklinikum Heidelberg als Arzt tätig ist.

Fischer untersucht mit seinem Team die Signalwege, die den Transport von Nährstoffen, Hormonen sowie Immun- und Krebszellen über die Gefäßwände steuern.

Ganz besonders hat er dabei den so genannten Notch-Signalweg im Visier. Endothelzellen kurbeln diesen molekularen Kommunikationsweg an, damit Fettsäuren durch die Zellschicht gelangen können. Nun hat Fischer bei Mäusen untersucht, was bei einem übermäßigen Angebot an Fettsäuren passiert, also etwa bei chronischer Fettleibigkeit.

Der Notch-Signalweg ist bei übergewichtigen Nagern aktiver als bei normalgewichtigen Artgenossen, wie die Forscher herausfanden.

Zudem weisen die dicken Mäuse verringerte Sensibilität gegenüber Insulin sowie einen erhöhten Blutzuckerspiegel auf.

Um zu prüfen, ob Notch hier wirklich eine entscheidende Rolle spielt, untersuchte das Team um Fischer speziell gezüchtete Mäuse, bei denen der Notch-Signalweg dauerhaft aktiv ist. Und tatsächlich: Selbst bei jungen schlanken und vermeintlich gesunden Tieren stellten die Wissenschaftler bereits eine Insulinresistenz und erhöhte Blutzuckerspiegel fest.

Blockierten die Forscher dagegen Notch, kam es selbst bei Tieren, die extrem fettreiches Futter bekamen, nicht zur Insulinresistenz.

Darüber hinaus erkannten die Wissenschaftler, dass die Notch-Aktivierung verhindert, dass sich im Endothel so genannte Caveolae bilden. 

  • Dabei handelt es sich um winzige sackförmige Einbuchtungen in der Zellmembran, die unter anderem dafür zuständig sind, Insulinmoleküle durch die Zellmembran zu transportieren.
„Demnach kontrolliert der Notch-Signalweg direkt den Insulin-Transport durch die Gefäßwand und eine dauerhafte Aktivierung führt zur Insulinresistenz“, fasst Fischer zusammen. 

Diese Erkenntnis trägt entscheidend dazu bei, das metabolische Syndrom besser zu verstehen – und Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie Übergewicht und kalorienreiche Ernährung zu Diabetes Typ 2 führen.

Notch bei Betroffenen einfach auszuschalten und so die Insulinaufnahme wieder anzukurbeln, ist jedoch keine Option.

Wie der DKFZ-Forscher bereits früher festgestellt hat, ist der Notch-Signalweg verantwortlich dafür, dass Fettsäuren in die Herzmuskelzellen gelangen. 

Fettsäuren sind die Hauptenergiequelle des Herzens. 

Eine Notch-Blockade kann daher eine Herzinsuffizienz bewirken.

„Wir gehen davon aus, dass Notch eine Art Schalter ist, und sich der aktive und der inaktive Zustand des Signalwegs unter normalen physiologischen Umständen in einem gesunden Organismus die Waage halten“, so Fischer. Jetzt geht es darum, herauszufinden, was dieses Gleichgewicht bei Übergewichtigen stört.

Hasan, SS, Jabs M, Taylor J, Wiedmann L, Leibing, T, Nordström V, Federico G, Roma LP, Carlein C, Wolff G, Ekim-Üstünel B, Brune M, Moll I, Tetzlaff F, Gröne HJ, Fleming T, Cyrill Géraud C, Herzig S, PP, Fischer, A: Endothelial Notch signaling controls insulin transport in muscle.
EMBO Molecular Medicine 2020, DOI: 10.15252/emmm.201809271

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können.
Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.
Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern.
Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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Hasan, SS, Jabs M, Taylor J, Wiedmann L, Leibing, T, Nordström V, Federico G, Roma LP, Carlein C, Wolff G, Ekim-Üstünel B, Brune M, Moll I, Tetzlaff F, Gröne HJ, Fleming T, Cyrill Géraud C, Herzig S, PP, Fischer, A: Endothelial Notch signaling controls insulin transport in muscle.
EMBO Molecular Medicine 2020, DOI: 10.15252/emmm.201809271

Untersucher-CAVE: Schmerzen in Verbindung mit psychosozialen Belastungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schmerzen im durchtrainierten Körper

Eine Studie der Goethe-Universität zeigt: 

Viele Sportstudierende stoßen an ihre körperlichen Grenzen, sprechen aber lieber nicht darüber.  
  • Sie sind jung und gut trainiert – dennoch leidet ein Viertel der Studierenden der Sportwissenschaften unter Schmerzen in Verbindung mit psychosozialen Belastungen, zum Beispiel Stress. 
  •  
  • Dies zeigte eine Studie, die an der Goethe-Universität entstanden ist.
  • Wenn der aktive Sport im Mittelpunkt des Berufslebens oder der Ausbildung steht, sind Schmerzen häufig ein ständiger Begleiter – wobei Schmerzen hier als Verbindung von körperlichen und psychischen Beschwerden definiert ist. 

Jeder dritte Spitzensportler leidet unter erheblichen Schmerzen“, erklärt Dr. Johannes Fleckenstein, Privatdozent an der Goethe-Universität. Gemeinhin werde das Thema eher stiefmütterlich behandelt, er habe es jedoch ins Zentrum seiner Lehrveranstaltungen gestellt.

In diesem Zusammenhang ist jetzt eine Masterarbeit entstanden, die Verfasserin Anke Bumann widmet sich darin vor allem der Situation von Sportstudentinnen und -studenten. Bumann hat ihre Fragebögen an die Studierenden von 89 sportwissenschaftlichen Instituten im deutschsprachigen Raum gesendet, der Rücklauf war beachtlich: 865 haben teilgenommen, 664 den vollständigen Bogen ausgefüllt, zum Teil sogar mit sehr ausführlichen frei formulierten Antworten.

Grundlage der Befragung war der „deutsche Schmerzfragebogen“ der deutschen Schmerzgesellschaft, er wurde um spezifische Aspekte wie Sportlichkeit, Trainingslast, Selbstwirksamkeit und Resilienz ergänzt. Gefragt wurde danach, in welchen und wie vielen Körperregionen Schmerzen auftreten, welche Verletzungen und sonstige Diagnosen vorliegen, außerdem ging es um psychische Faktoren, Alkoholgenuss und Schlafqualität.

Die Studie zeigt deutlich: Jeder vierte der vermeintlich gesunden jungen Menschen leidet unter Schmerzen und zeigt das Auftreten sogenannter bio-psycho-sozialer Faktoren, die Schmerzen begünstigen können, vor allem Stress infolge hohen Leistungsdrucks. Mehr als die Hälfte der Befragten empfindet Schmerzen in zwei und mehr Körperregionen – obwohl die meisten eine relativ große Schmerztoleranz angeben. Verglichen mit Altersgenossen haben Sportstudenten häufiger Depressionen, Angstzustände und Stress, während Rücksichtnahme auf sich selbst deutlich reduziert ist. Die Studierenden trainieren im Durchschnitt fünf bis sieben Stunden wöchentlich und konsumieren mehr Schmerzmittel (Analgetika) und Alkohol. Mehr als 60 Prozent geben an, unter Schlafstörungen zu leiden. Der Befund ist für alle Sportarten gleich, lediglich die Lokalisierung der Schmerzen ist eine andere.

Die fehlende Rücksichtnahme gegenüber dem eigenen Körper und seinen Beschränkungen führe jedoch zu einer Chronifizierung dieses Zustands, der immer schwieriger zu verändern sei.

Dass die Not groß ist, zeige sich bei den qualitativen Antworten: Häufig wurde Freude darüber geäußert, dass nun ein Augenmerk auf die Thematik falle und man Gelegenheit habe, seine Probleme zu kommunizieren. Fleckenstein hofft darauf, dass die frühzeitige Auseinandersetzung der Studierenden mit dem Thema helfe, offener damit umzugehen – ohne Angst davor, als „Weichei“ abgestempelt zu werden. Dazu könnten seiner Meinung nach auch die Lehrenden beitragen, die bei praktischen Prüfungen mehr Rücksicht auf den gesundheitlichen Zustand der Kandidaten nehmen sollten. Und wenn die „fertigen“ Sportwissenschaftler in entsprechende berufliche Positionen kommen, könnten sie allmählich zu einem Umdenken beitragen.

„Wir müssen endlich aufhören, das Thema Schmerzen im Sport zu bagatellisieren“, fordert Johannes Fleckenstein. Es sei bedenklich, dass Schmerzerkrankungen bereits bei jungen und körperlich aktiven Studierenden in dieser Anzahl auftreten.

Mit wachsender Professionalisierung, so die These der Autoren, steige die Zahl der Betroffenen noch weiter an: „Es wird enorm viel Leistung verlangt, und es geht um viel Geld“, so der Sportmediziner. Deshalb werde die Studie nun mit professionellen Athleten fortgesetzt.“

Publikation: Journal of Sports Science and Medicine, Volume:(19), Pages:323-336 Prevalence of Biopsychosocial Factors of Pain in 865 Sports Students of the Dach (Germany, Austria, Switzerland) Region – A Cross-Sectional Survey Anke Bumann, Winfried Banzer, Johannes Fleckenstein please click the link for reading the article:
>> www.jssm.org/hf.php?id=jssm-19-323.xml



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Priv.-Doz. Dr. Johannes Fleckenstein, Institut für Sportwissenschaften, Campus Ginnheim, Telefon +49 (69) 798 24484, Mail johannes.fleckenstein@sport.uni-frankfurt.de

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E-Mail-Adresse: sauter@pvw.uni-frankfurt.de

Originalpublikation:
Publikation: Journal of Sports Science and Medicine, Volume:(19), Pages:323-336 Prevalence of Biopsychosocial Factors of Pain in 865 Sports Students of the Dach (Germany, Austria, Switzerland) Region – A Cross-Sectional Survey Anke Bumann, Winfried Banzer, Johannes Fleckenstein please click the link for reading the article:
>> www.jssm.org/hf.php?id=jssm-19-323.xml

Untersucher-CAVE: Herzschwäche und noch eine Infektion mit COVID-19

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Herzkranke in Zeiten von Corona

Für Patienten mit Herzinsuffizienz ist das Coronavirus besonders riskant. 

Das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) untersucht im Rahmen einer weltweiten Registerstudie, wie sich das Virus bei diesen Patienten auswirkt. 
 
Immer noch gibt es sehr viel mehr Herzkranke als Coronakranke.


Und viel mehr Menschen sterben an Herzschwäche als an Corona.

Wenn zur Herzschwäche noch eine Infektion mit COVID-19 kommt, ist das besonders riskant für die Betroffenen.

  • Am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) wird jetzt eine Substudie der G-CHF-Registerstudie an 22.000 Patienten mit Herzschwäche durchgeführt, die weltweit prüft, ob eine bestätigte COVID-19 Infektion (Confirmed) oder ein Verdacht auf eine COVID-19 Infektion (Suspected) vorliegt. 
  • „Patienten mit Herzinsuffizienz sind meist älter und haben Begleiterkrankungen, stellen also ein ausgeprägtes Risikokollektiv für COVID-19 dar. Wir werden lernen, wie sich eine COVID-19 Infektion bei diesen Patienten auswirkt, und ob sie besonders anfällig sind“, erklärt Professor Georg Ertl, Studienleiter für Deutschland und Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Würzburg (UKW).

Herzinsuffizienz-Patienten haben als Standardtherapie sogenannte ACE-Hemmer. 

  • Das COVID-19-Virus benutzt das Angiotensin-Conversions-Enzym (ACE) 2 als Rezeptor, um in die Zelle zu gelangen.

 „Welche Bedeutung das für unsere Patienten hat, ist nicht klar“ sagt Professor Stefan Störk, der die Studie gemeinsam mit Professor Georg Ertl in Deutschland leitet. „Klinische Daten gibt es dazu nicht, sodass neue Aufschlüsse aus der G-CHF-Registerstudie zu erwarten sind.“

Professor Christoph Maack, Sprecher des DZHI weist auf einen Artikel im renommierten New England Journal of Medicine hin.

„Wichtigste Botschaft ist, dass Patienten die ACE-Hemmer einnehmen, auf keinen Fall ihre Medikamente weglassen sollten. 

Die schädigende Wirkung ist nicht nachgewiesen, der organschützende Effekt aber bei vielen Erkrankungen erwiesen.“

Bei Fragen und Unsicherheiten sollten Patienten sich mit ihrem Hausarzt, Kardiologen oder der Herzinsuffizienz-Ambulanz im DZHI in Verbindung setzen:

 0931 201 46301. 

Außerhalb der Sprechzeiten rufen Sie bitte den Bereitschaftsdienst 116 117 an, und im Notfall umgehend die Rettungsleitstelle 112.

Professor Georg Ertl legt großen Wert darauf, dass alle Patienten wissen, sie werden weiter wie bisher mit den gewohnten medizinischen Standards am UKW versorgt:

„Bitte schieben Sie nichts ohne ärztliche Beratung raus. Corona darf nicht auf Kosten unserer Patienten mit Herzkrankheiten, Krebs oder anderen schweren Erkrankungen gehen!“

Weitere Informationen:

Was Herzinsuffizienz-Patienten über Covid-19 wissen müssen! Die Heart Failure Association der European Society of Cardiology hat auf ihrer Webseite in allen Sprachen wichtige Informationen und praktische Tipps zusammengestellt:

https://www.heartfailurematters.org/de_DE/Allgemeine-Hinweise/COVID-19-Virus-and...

Auf der Homepage www.icd-forum.de geben Psychologen der Universität Würzburg und Kardiologen vom DZHI nützliche Hinweise, wie Herzpatienten mit einem implantierten Defibrillator und ihre Angehörige die COVID-19-Krise möglichst sorgenfrei überstehen.

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Prof. Dr. Georg Ertl, ertl_g@ukw.de
Prof. Dr. Stefan Störk, stoerk_s@ukw.de

Kirstin Linkamp, Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg Universitätsklinikum Würzburg
Josef-Schneider-Str. 2 Haus D3
97080 Würzburg
Deutschland
Bayern


Susanne Just
Telefon: 0931/201-59447
Fax: 0931/201-60 59447
E-Mail-Adresse: just_s@ukw.de

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.heartfailurematters.org/de_DE/Allgemeine-Hinweise/COVID-19-Virus-and...

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMsr2005760