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Altersleukämie: Myelodysplastischen Syndrom (MDS)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Mit dem molekularen „Staubsauger“ gegen Blutarmut bei Altersleukämie: Neues Medikament erfolgreich getestet

  • Bei Menschen mit myelodysplastischen Syndrom (MDS), einer zumeist gutmütigen Form der Altersleukämie, produziert der Körper zu wenig funktionstüchtige Blutzellen. 

Sie leiden an einer Anämie, im Volksmund auch „Blutarmut“ genannt, die eine Vorstufe zur akuten Leukämie sein kann. 

  • Für die Patienten gibt es bisher außer regelmäßigen Bluttransfusionen kaum Behandlungsmöglichkeiten. 

Das Medikament Luspatercept, das im übertragenen Sinne wie ein „Staubsauger“ fungiert, konnte in einer Studie der deutschen MDS-Studiengruppe die Blutwerte von Betroffenen deutlich verbessern. Die weltweite Nachfolgestudie unter Leitung von Prof. Dr. Uwe Platzbecker hat die Wirksamkeit des Präparats bestätigt. 

Prof. Dr. Uwe Platzbecker

Mit dem molekularen „Staubsauger“ gegen Blutarmut bei Altersleukämie: Neues Medikament erfolgreich getestet Prof. Dr. Uwe Platzbecker Universitätsklinikum Leipzig/Stefan Straube


  • MDS zählt zu den häufigsten bösartigen Bluterkrankungen des Knochenmarks, die vor allem ältere Menschen betrifft. 

Etwa 80 bis 90 Prozent der Patienten werden mit regelmäßigen Transfusionen von Erythrozytenkonzentraten, also roten Blutkörperchen, behandelt. 
  • Auf die Dauer kann das jedoch die Symptome nicht entscheidend verbessern und auch zu Eisenüberladung und Organschädigungen führen. 
Die Ursachen der Erkrankung sind multifaktoriell.

„Wir wissen, dass ursächlich eine oder mehrere genetische Veränderungen in der Stammzelle des Knochenmarks vorliegen müssen, damit MDS entsteht. Parallel haben unsere Forschungsergebnisse auch gezeigt, dass die Knochenmarkumgebung und bestimmte Hormone, die sich negativ auf die Blutbildung auswirken können, ganz wesentlich zur Entwicklung der Erkrankung beitragen“, sagt Prof. Dr. Uwe Platzbecker, Professor für Hämatologie an der Universität Leipzig und Leiter des Bereichs Hämatologie und Zelltherapie am hiesigen Universitätsklinikum.

229 Patienten nahmen an der Untersuchung teil
In einer weltweiten Phase-III-Studie wurde nun das Medikament Luspatercept auf Wirksamkeit und Nebenwirkungen getestet. Die Substanz wirkt wie ein molekularer Staubsauger, in dem sie negative „Hormone“ aus dem Knochenmark entfernt und so die Blutbildung ankurbelt. 229 Patienten nahmen an der Untersuchung teil: 153 von ihnen bekamen 24 Wochen lang das Medikament Luspatercept, die anderen 76 Placebo. Im Ergebnis benötigten rund 38 Prozent der Teilnehmer mit Luspatercept mindestens acht Wochen lang keine Bluttransfusion. In der Placebo-Gruppe waren es nur 13 Prozent. 28 Prozent der Patienten, die das Medikament einnahmen, waren sogar mehr als 12 Wochen transfusionsfrei (Placebo: 8 Prozent). „Luspatercept kann für viele Betroffene eine gut verträgliche und vor allem hocheffektive Therapie sein. Viele Teilnehmer der Untersuchung blieben zum Teil über mehrere Jahre transfusionsunabhängig. Wir haben damit eine neue Therapieoption für eine Patientengruppe entwickelt, für die es bislang außer Transfusionen keine Behandlungsoptionen gibt“, so Platzbecker. Zudem zeichnet sich Luspatercept auch durch ein gutes Nebenwirkungsprofil aus: Die Studienteilnehmer berichteten lediglich etwas vermehrt Müdigkeit, Durchfall, Übelkeit und Schwindelgefühle.

Medikament fängt Hormone ein

Das Präparat Luspatercept wird als sogenannte Liganden-Falle bezeichnet.  

Das bedeutet, dass es Hormone anzieht und einfängt, die die Bildung der roten Blutkörperchen im Knochenmark unterdrücken. Sind diese Hormone eingefangen, kann die Blutbildung wieder wie gewohnt ablaufen. Für das Medikament wurde nun die Zulassung in den USA und in Europa beantragt. „Wir hoffen, dass es Ende 2020 in Deutschland auf den Markt kommt“, so Prof. Dr. Uwe Platzbecker. In der Zwischenzeit plant die Deutsche MDS-Studiengruppe unter der Leitung von Prof. Platzbecker aktuell weitere Folgestudien, in denen der Wirkstoff mit anderen Substanzen kombiniert wird, um die Ansprechraten zu erhöhen. Die aktuelle Studie wurde von Celgene in Zusammenarbeit mit Acceleron Pharma unterstützt.

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Prof. Dr. Uwe Platzbecker
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Dr. Katarina Werneburg Universität Leipzig
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04109 Leipzig
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Sachsen 


Originalpublikation:
Luspatercept in Patients with Lower-Risk Myelodysplastic Syndromes, DOI: 10.1056/NEJMoa1908892

 

Akute Entzündungsreaktionen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie Durchfallerreger bei Körpertemperatur auf Angriff schalten

Viele bakterielle Krankheitserreger scheiden Giftstoffe aus, sobald sie sich im Wirt befinden, um dessen Immunantwort zu unterdrücken. 

Was genau auf molekularer Ebene passiert, wenn der Durchfallerreger Yersinia pseudotuberculosis auf Angriff schaltet, haben Forscherinnen und Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB) untersucht.

Sie nahmen dazu sogenannte RNA-Thermometer unter die Lupe, die den Bakterien signalisieren, ob sie sich im Wirt befinden. 

In Kooperation mit Kollegen des Helmholtz-Instituts für Infektionsforschung Braunschweig zeigten sie außerdem, dass Bakterien mit deaktiviertem RNA-Thermometer keine Infektion mehr auslösen können. 
 
Über die Studie berichtet die Zeitschrift Plos Pathogens online am 17. Januar 2020.

Bei 37 Grad Celsius schmilzt das RNA-Thermometer auf

„Aus vorangegangenen Arbeiten wussten wir, dass Yersinia-Bakterien sehr sensibel auf Temperaturänderungen reagieren und die Anwesenheit in ihrem Wirt anhand der Körpertemperatur erkennen“, sagt Prof. Dr. Franz Narberhaus vom RUB-Lehrstuhl für Biologie der Mikroorganismen. Verantwortlich für die Temperaturmessung sind die RNA-Thermometer.

  • Dabei handelt es sich um Abschnitte in der Boten-RNA vieler Gene, die den Bauplan für die krankmachenden Substanzen enthalten.
  • Bei niedrigen Temperaturen, also außerhalb des Wirts, verhindern die RNA-Thermometer, dass die RNA abgelesen und in Proteine übersetzt wird. 
  • Erst nach erfolgreicher Infektion des warmblütigen Wirtes, also bei einer Temperatur von etwa 37 Grad Celsius, schmelzen die RNA-Strukturen auf. 

Dann können sie in Proteine umgeschrieben werden, die eine für den Wirt schädliche Wirkung entfalten.

In der aktuellen Publikation beschreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den zugrunde liegenden Schmelzmechanismus des RNA-Thermometers für einen der Giftstoffe von Yersinia pseudotuberculosis, das CnfY-Toxin.

Bakterien mit nicht funktionellen Thermometern machen nicht krank

Der Bochumer Doktorand Christian Twittenhoff zeigte anhand von isolierten Zellbestandteilen des Durchfallerregers, an welchen Stellen das RNA-Thermometer für das CnfY-Toxin aufschmilzt und welche Struktur es dabei annimmt. Der Biologe erstellte ein Modell, das dokumentiert, wie sich das Thermometer öffnet. Es zeigt auch, wie das Ribosom – der Zellbestandteil, an dem die Boten-RNA in ein Protein übersetzt wird – an die Boten-RNA andockt.

In Zusammenarbeit mit der Gruppe von Prof. Dr. Petra Dersch, früher am Helmholtz-Institut in Braunschweig, jetzt an der Universität Münster, demonstrierten die Forscher außerdem, welche Rolle das RNA-Thermometer für den Krankheitsprozess spielt. Sie infizierten Mäuse mit Yersinia-Bakterien, die entweder funktionierende RNA-Thermometer besaßen oder inaktivierte RNA-Thermometer, die nicht bei 37 Grad Celsius aufschmelzen konnten. Die Bakterienstämme mit modifizierten RNA-Thermometern waren nicht in der Lage, Mäuse krank zu machen. „Die Ergebnisse haben gezeigt, wie wichtig ganz kurze regulatorische RNA-Sequenzen für den erfolgreichen Infektionsverlauf eines Bakteriums sein können“, resümiert Christian Twittenhoff, der Erstautor dieser Studie.

Ähnliche Mechanismen in anderen Bakterien vermutet

Christian Twittenhoff verglich das Gen des CnfY-Toxins mit Toxin-Genen anderer Krankheitserreger mithilfe von bioinformatischen Methoden.

Die Analyse legt nahe, dass auch andere Toxin-Gene durch RNA-Thermometer reguliert sein könnten.

„Obwohl die Sequenzen sehr unterschiedlich sind, können wir vorhersagen, welche RNA-Strukturen vermutlich als Thermometer fungieren“, erklärt er.

„RNA-Thermometer funktionieren über einen sehr einfachen Mechanismus, der sich wahrscheinlich im Laufe der Evolution bewährt und deshalb vielfach und unabhängig voneinander entwickelt hat“, vermutet Franz Narberhaus.  

Grundsätzlich könne man einer bakteriellen Infektion vorbeugen, indem man das Aufschmelzen solcher RNA-Strukturen verhindere.

 „Substanzen, die RNA-Thermometer im geschlossenen Zustand einfrieren, sind aber bisher nicht bekannt“, so Narberhaus weiter.

Über den untersuchten Erreger

Der Durchfallerreger Yersinia pseudotuberculosis ist nahe verwandt mit dem Pesterreger Yersinia pestis.  

Das Bakterium wird über verunreinigte Lebensmittel übertragen.  

Sobald es im Darm des warmblütigen Wirts angekommen ist, sekretiert es das sogenannte CnfY-Toxin, welches akute Entzündungsreaktionen auslöst und die Wirkung anderer krankmachender Substanzen verstärkt.

Förderung


Die Deutsche Forschungsgemeinschaft förderte das Projekt mit dem Förderkennzeichen NA 240/10-2.

Originalveröffentlichung

Christian Twittenhoff, Ann Kathrin Heroven, Sabrina Mühlen, Petra Dersch, Franz Narberhaus: An RNA thermometer dictates production of a secreted bacterial toxin, in: PLoS Pathogens, 2019, DOI: 10.1371/journal.ppat.1008184

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Prof. Dr. Franz Narberhaus
Lehrstuhl Biologie der Mikroorganismen
Fakultät für Biologie und Biotechnologie
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 32 23100
E-Mail: franz.narberhaus@rub.de

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Originalpublikation:
Christian Twittenhoff, Ann Kathrin Heroven, Sabrina Mühlen, Petra Dersch, Franz Narberhaus: An RNA thermometer dictates production of a secreted bacterial toxin, in: PLoS Pathogens, 2019, DOI: 10.1371/journal.ppat.1008184

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https://journals.plos.org/plospathogens/article?id=10.1371/journal.ppat.1008184 - Orinigalveröffentlichung

MERS-Coronavirus: (nCoV-2019): Autophagie in Zellen vorantreihen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Zelluläre Müllabfuhr entsorgt Coronaviren

Wissenschaftler entdecken einen möglichen Ansatzpunkt für Medikamente zur Behandlung von Coronavirus-Infektionen 
 
Die Erforschung grundlegender zellulärer Abläufe führt immer wieder zu unvermuteten Entdeckungen.

Eine Studie von Forschern des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München, des Uniklinikums Bonn und der Charité in Berlin ist ein anschauliches Beispiel dafür, dass auch Grundlagenforschung zu neuen medizinischen Behandlungen führen kann.

Die Wissenschaftler haben Proteine für das Recycling von Abfallstoffen untersucht, mit denen die Zellen des Körpers Stress bewältigen. Dabei haben sie entdeckt, dass sie diese Proteine mit bereits zugelassenen Medikamenten regulieren können. Da Zellen mit diesen Proteinen auch eingedrungene Coronaviren abbauen, könnten die Wirkstoffe möglicherweise auch gegen die Krankheitserreger eingesetzt werden. Am Lead Discovery Center in Dortmund suchen Forscher nun nach weiteren Wirkstoffen, mit denen sie die zelluläre Müllabfuhr gegen die Viren aktivieren können.

Psychischer und physischer Stress ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung psychiatrischer Krankheiten.

Auch die Zellen des Körpers reagieren auf Stress. 

  • Insbesondere bei physischem Stress entsorgen sie zum Beispiel verstärkt nicht mehr benötigte oder schädliche Zellbestandteile.
  • Dadurch kann die Zelle Mangelsituationen überstehen und beschädigte zelluläre Bestandteile erneuern. 
  • Sie kann aber durch diese Art der Müllentsorgung auch manche Viren bekämpfen.

Die Arbeitsgruppe von Theo Rein am Max-Planck-Institut für Psychiatrie hat kürzlich entdeckt, dass das Stressprotein FKBP51 diese auch als Autophagie bezeichnete Recyclingmaschinerie steuert. Nils Gassen, der inzwischen eine Arbeitsgruppe am Universitätsklinikum Bonn leitet, ist bei seinen Untersuchungen auf ein weiteres an der Müllentsorgung beteiligtes Protein gestoßen, das sich durch verschiedene Substanzen regulieren lässt. „Darunter sind auch bereits zugelassene Medikamente“, sagt Theo Rein. Zusammen mit Marcel Müller und Christian Drosten vom Institut für Virologie der Charité in Berlin haben die Max-Planck-Forscher entdeckt, dass diese Wirkstoffe die Vermehrung des MERS-Coronavirus in Zellen eindämmen können.

Das MERS-Coronavirus ist wie das SARS-Coronavirus ein Verwandter des neuen Coronavirus (nCoV-2019), das für den aktuellen Ausbruch in China verantwortlich ist. 
Das MERS-Coronavirus kann beim Menschen eine schwere Lungenentzündung auslösen, die in mehr als 30 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Bislang gibt es weder eine zugelassene Therapie noch einen Impfstoff.

„Ob die zelluläre Müllabfuhr zur Abwehr von Coronaviren im Menschen eingesetzt werden kann, muss sich erst noch zeigen“, so Rein.

Derzeit untersuchen Wissenschaftler am Lead-Discovery-Center in Dortmund, einer Ausgründung der Max-Planck-Gesellschaft, Substanzen, die die Autophagie in Zellen auslösen können. Auf diese Weise sollen neue Medikamente zur Behandlung von Coronavirus-Infektionen sowie verschiedenster weiterer Krankheiten entwickelt werden.

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Dr. Theo Rein
Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München
+49 89 30622-531
theorein@psych.mpg.de

Hofgartenstraße 8
80539 München
Deutschland
Bayern 

Dr. Harald Rösch
E-Mail-Adresse: harald.roesch@gv.mpg.de

Originalpublikation:
Nils C. Gassen, Daniela Niemeyer, Doreen Muth, Victor M. Corman, Silvia Martinelli, Alwine Gassen, Kathrin Hafner , Jan Papies, Kirstin Mösbauer, Andreas Zellner, Anthony S. Zannas, Alexander Herrmann, Florian Holsboer, Ruth Brack-Werner, Michael Boshart, Bertram Müller-Myhsok, Christian Drosten, Marcel A. Müller & Theo Rein
SKP2 attenuates autophagy through Beclin1-ubiquitination and its inhibition reduces MERS-Coronavirus infection.
Nature Communications

Die Entzündung ausbremsen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Lichttherapie für Immunzellen hilft bei Nebenwirkungen von Krebstherapie

Eine häufige Nebenwirkung von Krebs-Immuntherapien lässt sich vermutlich durch Lichtaktivierung von Immunzellen stoppen, wie Forscher des Universitätsklinikums Freiburg zeigen / Publikation im New England Journal of Medicine 

Vor Beginn der Therapie ist der Darm entzündet und geschwollen. Durchfälle sind die Folge. Nach der Phototherapie hat sich der Zustand des Darms wieder vollständig normalisiert.
Vor Beginn der Therapie ist der Darm entzündet und geschwollen. Durchfälle sind die Folge. Nach der Phototherapie hat sich der Zustand des Darms wieder vollständig normalisiert.
The New England Journal of Medicine ©2020
 
Erst seit wenigen Jahren ist schwarzer Hautkrebs, auch Melanom genannt, medikamentös behandelbar.
  • Allerdings kommt es bei jedem zweiten Patienten zu starken Autoimmunreaktionen wie Hautausschlag oder Durchfall. 

Dass sich diese mit einer speziellen Lichttherapie aufhalten lassen, haben jetzt Forscherinnen und Forscher des Universitätsklinikums Freiburg mit schweizerischen Kollegen gezeigt.

Medizin am Abend Berlin ZusatzThema: Notarzteinsätze  

Einen 29-jährigen Krebspatienten mit einer schweren Entzündung der Darmschleimhaut behandelten sie sehr erfolgreich mittels Extrakorporaler Photopherese (ECP).

Dabei werden Immunzellen außerhalb des Körpers mit einem lichtreaktiven Medikament versetzt, mit UV-Licht bestrahlt und in den Körper zurückgegeben. Durch das Verfahren werden vermutlich Immunzellen aktiviert, die die Entzündung stoppen. Die Photopherese-Therapie führte bei dem Patienten zu einem vollständigen Abklingen der Beschwerden, während durch die fortlaufende Krebstherapie der Hautkrebs erfolgreich behandelt werden konnte. Bisherige, etablierte Behandlungsansätze waren im Vorfeld erfolglos geblieben. Die Fallbeschreibung erschien am 15. Januar 2020 im renommierten Fachmagazin New England Journal of Medicine.

„Der Patient sprach unglaublich gut auf unseren neuen Therapieansatz an.

Mit der Extrakorporalen Photopherese haben wir für ihn und hoffentlich für viele weitere Patienten eine wichtige Therapiemöglichkeit gefunden“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Robert Zeiser, Leiter der Abteilung Tumorimmunologie der Klinik für Innere Medizin I (Schwerpunkt: Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation) am Universitätsklinikum Freiburg.

 „Prinzipiell ist der Therapieansatz auch bei immunvermittelten Nebenwirkungen anderer Krebstherapien denkbar“, so Zeiser. Die Wirksamkeit der ECP konnte die Forschungsgruppe um Zeiser in Zusammenarbeit mit Dr. Frank Meiß undProf.Dr. Dagmar von Bubnoff, beide Oberärzte an der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Freiburggemeinsam mit Prof. Dr. Burkhard Becher vomInstitut für Experimentelle Immunologie der Universität Zürich nachweisen.

Ersatz für nebenwirkungsreiche Kortisontherapie

Bei der Behandlung von schwarzem Hautkrebs und vielen anderen Krebsarten kommen sogenannte Immuncheckpoint-Inhibitoren zum Einsatz. 

„Krebszellen haben oft eine Art Deckmäntelchen, das sie für die körpereigene Immunantwort unsichtbar macht.

Immuncheckpoint-Inhibitoren entreißen ihnen dieses Deckmäntelchen und ermöglichen so einen Angriff des Immunsystems auf die Krebszellen“, erklärt Zeiser.

Allerdings beginnt das Immunsystem oft auch, körpereigene Strukturen zu zerstören. 

  • Diese Nebenwirkungen können verschiedene Organe betreffen wie zum Beispiel Darm, Haut, Schilddrüse, Leber oder Gehirn. 

„Bisher werden Patienten mit derartigen Nebenwirkungen einer Krebs-Immuntherapie meist längere Zeit mit Kortison oder anderen immunmodulierenden Wirkstoffen behandelt, was aber nicht immer wirkt oder starke Nebenwirkungen haben kann“, so Zeiser.

Außerdem steht Kortison im Verdacht, die Immunantwort auf den Tumor zu blockieren und damit die Krebsbehandlung zu torpedieren.

Die ECP-Behandlung wurde bei dem Patienten acht Monate lang alle zwei bis vier Wochen wiederholt.

Bereits kurz nach Beginn der Therapie kam es zu einem kompletten Rückgang des entzündungsbedingten starken Durchfalls.

Wie die Forscher feststellten, wurde während der ECP-Therapie eine bestimmte Art von Immunzellen größer und aktiver.

„Wir gehen davon aus, dass diese vergrößerten Immunzellen auf andere Teile des Immunsystems einwirken und so die Entzündung ausbremsen“, erklärt Zeiser. Auch im präklinischen Tiermodell erwies sich der Therapieansatz als sicher.

Unterschied auf Zellebene: Während vor der Therapie das Gewebe unstrukturiert wuchert, sind am Ende der Therapie die schleimbildenden Zellverbünde wieder gut zu erkennen.
Unterschied auf Zellebene: Während vor der Therapie das Gewebe unstrukturiert wuchert, sind am Ende der Therapie die schleimbildenden Zellverbünde wieder gut zu erkennen.
The New England Journal of Medicine ©2020


„Ganz wichtig für die begleitende Therapie war, dass die ECP-Behandlung keinen negativen Einfluss auf die Anti-Tumor Wirkung der Immunmedikamente hatte“, so Zeiser.

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Prof. Dr. Robert Zeiser
Leiter der Abteilung für Tumorimmunologie
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Universitätsklinikum Freiburg
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Originalpublikation:
Originaltitel der Publikation: Extracorporeal Photopheresis for Colitis Induced by Checkpoint-Inhibitor Therapy
DOI: 10.1056/NEJMc1912274

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http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc1912274?query=featured_home

TOP - Einladung zur EUCLID - Coronavirus-Studie-Umfrage

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Online-Studie zum Coronavirus gestartet

Psychologie-Studierende an der Universität Konstanz laden zur Teilnahme ein 
 
Seit Dezember 2019 ist ein neues Coronavirus (2019-nCoV) im Umlauf.

Zunächst im chinesischen Wuhan ausgebrochen, verbreitet sich das neue Coronavirus seitdem auch über China hinaus.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 30. Januar 2020 eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite ausgerufen. 

Im Rahmen dieser Entwicklung ist an der Universität Konstanz die Online-Studie „EUCLID“ zum Coronavirus gestartet.

Hier geht es zur Umfrage:

Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: EUCLID-Umfrage  

Unter dem Namen „Elektronische Umfrage zur Coronavirus-Lage in Deutschland“ (EUCLID) untersuchen Masterstudierende des Konstanzer Fachbereichs Psychologie unter der Leitung der Gesundheitspsychologin Prof. Dr. Britta Renner das Verhalten und die Einschätzung der Bevölkerung in Bezug auf das neue Coronavirus. 

Über die aktuelle Umfrage hinaus ist eine umfassende Untersuchung über den zeitlichen Verlauf der Verbreitung des Virus hinweg geplant, mit der beispielsweise auch der Einfluss der Medien auf das Verhalten und die Einschätzung der Menschen genauer analysiert wird.

Faktenüberblick:
• Coronavirus-Studie EUCLID an der Universität Konstanz
• Master-Studierende im Fachbereich Psychologie starten Online-Umfrage
• Unter der Leitung der Gesundheitspsychologin Prof. Dr. Britta Renner von der Universität Konstanz
• Zur Online-Umfrage: cutt.ly/euclid-umfrage

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Julia Wandt Universität Konstanz

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78464 Konstanz
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Tau-Proteine im Gehirn: tau-PET Untersucherung: Alzheimer-Demenz (AD)

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Infektiöse Proteine bei Alzheimer

Im Zuge der Alzheimer-Demenz mit immer weiter fortschreitendem geistigem Verfall reichern sich im Gehirn fehlgefaltete Amyloid- und Tau-Proteine an. 

  • Dabei scheinen sich die Tau-Proteine in zusammenhängenden neuronalen Netzwerken wie bei einer Infektion zu verbreiten. 

Das haben Wissenschaftler des Instituts für Schlaganfall- und Demenzforschung am LMU Klinikum nun erstmals in einer Längsschnitt-Studie bei Alzheimer Patienten nachgewiesen. 
 
Die Alzheimer-Demenz (AD) zählt zu den häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems und ist die Hauptursache für Demenz im Alter.

Weltweit sollen 44 Millionen Menschen betroffen sein. 

  • Im Verlauf der AD werden die Nervenzellen und Kontaktstellen zwischen den Neuronen, die Synapsen, immer weiter zerstört. 

Die Folge:

Gedächtnis- und Orientierungsstörungen
Sprachstörungen
 Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit.
Sie machen die Bewältigung des Alltagslebens immer schwieriger.

Erst Beta-Amyloid, dann Tau


  • Die Krankheit beginnt nach derzeitiger Kenntnis mit der Ablagerung von Beta-Amyloid-Proteinen im Gehirn in Form sogenannter Plaques, die sich außerhalb der Nervenzellen anreichern. 
  • Bald darauf häufen sich die Tau-Proteine innerhalb der Nervenzellen im Gehirn an, die für das Fortschreiten der Demenz offenbar entscheidend sind. 

„Je stärker die Tau-Pathologie, desto ausgeprägter ist in der Regel die klinische Symptomatik der Patienten“, betont Dr. Nicolai Franzmeier vom Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung. In Zell- und Tierversuchen stellte sich jüngst heraus:  

Die Tau-Proteine breiten sich über miteinander verbundene Nervenzellen aus und werden, ähnlich einer ansteckenden Erkrankung, an den Synapsen an andere Neurone weitergegeben.

Daten aus zwei bildgebenden Verfahren

Die Forscher der LMU Medizin um Arbeitsgruppenleiter Prof. Michael Ewers und den Erstautor der Studie, Dr. Nicolai Franzmeier, haben nun in einer internationalen Arbeit mit einem ausgefeilten bildgebenden Verfahren, der sogenannten tau-PET, die Verteilung der Tau-Proteine im Gehirn von Alzheimer-Patienten beleuchtet. Die Forscher untersuchten zwei Stichproben mit jeweils etwa 50 Alzheimer-Patienten, die über ein bis zwei Jahre mit der Tau-PET-Untersuchung nachverfolgt wurden. Zu Studienbeginn wurden die Gehirne der Patienten außerdem mit einem anderen bildgebenden Verfahren untersucht, der funktionellen Magnetresonanz-Tomografie. Sie kann erfassen, welche Nervenzellen bzw. Hirnregionen in funktionellen Netzwerken eng verknüpft sind.

„Mit diesen Längsschnitt-Daten“, erklärt Franzmeier, „haben wir analysiert, ob sich die Ausbreitung der Tau-Proteine im Verlauf anhand der Topologie funktioneller Hirnnetze vorhersagen lässt.“

Eine bessere individuelle Risikovorhersage erscheint möglich

„Tatsächlich verbreitet sich die Tau-Pathologie im Verlauf der Erkrankung vornehmlich entlang miteinander vernetzter Hirnregionen“, resümiert Franzmeier das wichtigste Ergebnis der Studie.

 „Diese Vernetzung der Hirnregionen ist zentral für mentale Leistungen.

Die Vorhersage der Ausbreitung von Tau in diesen Netzwerken könnte sich damit auch als wichtig für die Vorhersage der zukünftigen Abnahme in der mentalen Leistung erweisen“, erläutert Ewers. 

Langfristig gesehen planen die Forscher, die Modelle zur individuellen Vorhersage der Verbreitung der Tau-Pathologie zu nutzen. Damit ließe sich der mitunter sehr unterschiedliche Verlauf der Erkrankung für den einzelnen Patienten besser prognostizieren.

Publikation: “Functional brain architecture is associated with the rate of tau accumulation in Alzheimer’s disease”, DOI: 10.1038/s41467-019-14159-1

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80336 München
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E-Mail-Adresse: philipp.kressirer@med.uni-muenchen.de

Originalpublikation:
https://www.nature.com/articles/s41467-019-14159-1

Weitere Informationen:
https://www.isd-research.de/isd-research-news

Paradoxen Effekt: CAVE: zu geringe Bioverfügbarkeit

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wenn der Hemmstoff aktiviert – Zu geringe Dosis hat schwerwiegende Folgen

Ein Wirkstoff soll eine Reaktion im Körper unterdrücken, stattdessen verstärkt er sie zusätzlich: 

Dieser Effekt kann zum Beispiel in der Krebstherapie fatal sein, wenn es darum geht, das unkontrollierte Wachstum erkrankter Zellen zu hemmen? 

Ein internationales Team unter Leitung der Universität Duisburg-Essen (UDE) hat nun eine Erklärung für diesen paradoxen Effekt gefunden. 
 
Dass ein Medikament einen Prozess aktiviert statt ihn wie geplant zu hemmen, geschieht vor allem dann, wenn der Wirkstoff in nur geringer Konzentration am Zielort ankommt und dort zudem mehrere potenzielle Bindestellen vorliegen. 

Das fanden Wissenschaftler um UDE-Professor Dr. Michael Ehrmann heraus und publizierten ihre Erkenntnisse im Fachjournal PNAS.

Den Forschern zufolge führen in diesem Fall strukturelle Veränderungen am Zielort dazu, dass die freigebliebenen Bindestellen noch aktiver werden als ohne gebundenen Hemmstoff.

  • Der Sinn der Therapie ist damit nicht nur verfehlt, sondern sogar ins schädliche Gegenteil verkehrt.

Ursache der fehlgeschlagenen Behandlung ist in diesen Fällen eine zu geringe Bioverfügbarkeit: 

Sie gibt an, wie viel Wirkstoff tatsächlich am Zielort angekommen ist, denn Medikamente verteilen sich nicht gleichmäßig im Körper.

„Der Effekt ist nun bekannt und kann überprüft werden“, erklärt Ehrmann.

„Wir schlagen daher vor, die mögliche unerwünschte Aktivierung bei der Entwicklung von Medikamenten zu berücksichtigen.“


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Fax: 0203 / 379-2428
E-Mail-Adresse: birte.vierjahn@uni-due.de
Prof. Dr. Michael Ehrmann
Zentrum für Medizinische Biotechnologie (ZMB)
Tel. 0201/18 3-2949, michael.ehrmann@uni-due.de

Forsthausweg 2
47057 Duisburg
Deutschland
Nordrhein-Westfalen 

Originalpublikation:
„Activation by substoichiometric inhibition.“
Merdanovic M, Burston SG, Schmitz AL, Köcher S, Knapp S, Clausen T, Kaiser M, Huber R, Ehrmann M., PNAS, 2020 Jan 6.
doi: 10.1073/pnas.1918721117
https://www.pnas.org/content/early/2020/01/03/1918721117

Allergieprävention im frühen Kindesalter

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Allergien vorbeugen: Wie steht es um die Gesundheitskompetenz zu Allergieprävention im frühen Kindesalter?

Dr. Susanne Brandstetter und Dr. Janina Curbach von der Universität Regensburg erforschen in zwei Teilprojekten der Forschungsgruppe HELICAP (Health Literacy in Early Childhood Allergy Prevention) die Rolle von Gesundheitskompetenz zu Allergieprävention im frühen Kindesalter – zum einen bei Eltern, zum anderen bei Gesundheitsfachkräften (Ärzte und Hebammen). 

Gefördert wird die Forschungsgruppe von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). 
 v.l.: Dr. Janina Curbach, Dr. Julia von Sommoggy, Dr. Susanne Brandstetter und Maja Pawellek M.Sc.
v.l.: Dr. Janina Curbach, Dr. Julia von Sommoggy, Dr. Susanne Brandstetter und Maja Pawellek M.Sc. © Theresa Riedhammer


Mehr als die Hälfte der Deutschen hat nach eigener Einschätzung Schwierigkeiten, mit der Flut an Gesundheitsinformationen umzugehen und sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Tötungsdelikte in Berlin  

  • Das ist problematisch, denn die so genannte Gesundheitskompetenz beeinflusst, wie gesund sich Menschen verhalten und letztlich auch wie gesund sie sind. 

Welche Bedingungen im Einzelnen dafür sorgen, ob Menschen gut und richtig informiert sind, will eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Forschungsgruppe am Beispiel frühkindlicher Allergieprävention herausfinden. Die DFG-Gruppe HELICAP an den Standorten Hannover, Magdeburg, Regensburg und Freiburg wird mit insgesamt 2,2 Millionen Euro gefördert. Sprecher der Forschungsgruppe ist Prof. Dr. Christian Apfelbacher (Universität Magdeburg).

An der Universität Regensburg werden davon mit 470.000 Euro zwei Teilprojekte gefördert: Unter der Leitung von Dr. Susanne Brandstetter (Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin) untersucht das Teilprojekt „Gesundheitskompetenz und Maßnahmen der frühkindlichen Allergieprävention von Eltern“, wie sich die Gesundheitskompetenz von Eltern über den Lauf der Zeit entwickelt und welche Rolle Gesundheitskompetenz für die Vorbeugung von Allergien im Kindesalter spielt. Hierzu werden Daten aus der KUNO-Kids Gesundheitsstudie (Studienleitung: Prof. Dr. Michael Kabesch) analysiert. KUNO-Kids ist eine sogenannte Geburtskohortenstudie, die seit 2015 in der KUNO-Klinik St. Hedwig in Regensburg durchgeführt wird. Zur Teilnahme an der Studie werden alle Familien eingeladen, deren Kind in der Klinik geboren wird. Um die Entwicklung des Kindes zu begleiten und die Entwicklung von Gesundheit und Krankheit besser zu verstehen, werden regelmäßig Daten gesammelt und Fragebögen verschickt. Bislang nehmen mehr als 3.000 Familien mit ihren Kindern an der Studie teil – somit bietet KUNO-Kids einen idealen Ausgangspunkt, um Gesundheitskompetenz und elterliche Maßnahmen zur Allergieprävention im Detail zu untersuchen.

In einem zweiten Teilprojekt, „Gesundheitsfachkräfte: 

Welche Rolle spielt Gesundheitskompetenz in der Praxis der Allergieprävention?“, wird unter der Leitung von Dr. Janina Curbach (Medizinische Soziologie/Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin) untersucht, wie Ärzte/innen und Hebammen die Gesundheitskompetenz von Eltern im Bereich frühkindlicher Allergieprävention prägen und stärken können.

  • Die Wissenschaftlerinnen untersuchen, wie Ärzte/innen und Hebammen die aktuellen Forschungsergebnisse zu frühkindlicher Allergieprävention aufnehmen, wie sie diese als praktisch anwendbare Empfehlungen an ihre Patienten weitergeben, und welche Rolle Gesundheitskompetenz in der Patientenberatung spielt. 

Hierzu werden in den nächsten drei Jahren an verschiedenen Standorten in Deutschland 70 Interviews mit Ärzten, Hebammen und Experten geführt. Anhand der Ergebnisse dieser Interviews wird ein Fragebogen entwickelt und getestet. Mit den gewonnenen Erkenntnissen wollen die Forscherinnen Empfehlungen entwickeln, wie Ärzte/innen und Hebammen das Wissen und Handeln von jungen Eltern im Bereich Allergieprävention verbessern kann.

„Gerade im Bereich Allergien sehen wir in den letzten Jahren einen schnellen Wandel in den wissenschaftlichen Empfehlungen.

  • Früher hieß es, man solle Allergene wie Nüsse und Pollen meiden, heute empfiehlt man hingegen, Babies und Kleinkinder möglichst früh mit Allergenen in der Nahrung und Lebensumgebung in Kontakt zu bringen“, sagt Dr. Brandstetter. 

Weil immer mehr Menschen von Allergien betroffen sind, ist es besonders wichtig zu verstehen, welche Empfehlungen Eltern von Gesundheitsfachkräften bekommen und wie sie mit diesen Informationen umgehen.

„Hinzu kommt, dass es viele Gerüchte und Missverständnisse zum Thema Allergien gibt, durch die Eltern zusätzlich verunsichert werden. Das betrifft vor allem die praktischen Fragen, wie sie die Ernährung und Lebensumgebung ihrer Kinder gestalten sollen“, erklärt Dr. Curbach.

Zunächst werden die Forschungsgruppe und die Teilprojekte für drei Jahre von der DFG gefördert, mit der Möglichkeit, am Ende des Förderzeitraums eine Anschlussfinanzierung für weitere drei Jahre einzuwerben.

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Dr. Susanne Brandstetter
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
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Dr. Janina Curbach
Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin
Universität Regensburg
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Christina Glaser
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Hängetrauma: neurokardiogenen Reflex - langem Stehen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Empfehlungen zum Hängetrauma veröffentlicht

Der Klettergurt rettet Bergsteigern, Fensterputzern oder Hangarbeitern oft das Leben. 

Doch wer nach einem Sturz länger im Seil hängt, kann ein sogenanntes Hängetrauma erleiden. 

Studienteilnehmer während des Experiments
Studienteilnehmer während des Experiments
Eurac Research/Simon Rauch

  • Die Betroffenen werden bewusstlos, in schweren Fällen können sie sogar sterben. 

In einer Studie zeigen die Experten für alpine Notfallmedizin des Forschungszentrums Eurac Research in Bozen (Italien), dass das Hängetrauma einem neurokardiogenem Mechanismus geschuldet ist und geben praktische Empfehlungen, wie die Gefahr abgewendet werden kann. 

Die Studie wurde kürzlich in den renommierten Fachzeitschriften „European Journal of Applied Physiology“ und „Wilderness & Environmental Medicine“ veröffentlicht. 
 
In den 70er Jahren wurden Fallberichte von Bergsteigern veröffentlicht, die in das Seil gestürzt und nach längerem freiem Hängen plötzlich verstorben waren, obwohl sie sich beim Sturz keine schweren Verletzungen zugezogen hatten.

Seitdem beschäftigen sich Ärzte mit der Frage, weshalb es zum sogenannten Hängetrauma kommt.

Um das Syndrom besser zu verstehen, haben Notfallmediziner von Eurac Research ein Experiment mit 20 Kletterern durchgeführt.

Dabei wurden die Studienteilnehmer nach dem Klettern bzw. nach einer Ruhephase bis zu 60 Minuten lang an einem Klettergurt frei ins Seil gehängt.

Die Tests wurden gemeinsam mit dem Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol und der Medizinischen Universität Innsbruck durchgeführt. In 30 Prozent der Fälle kam es während des Hängens zu einer Beinahe-Bewusstlosigkeit.

  • „Wir haben festgestellt, dass sich die Venen in den Beinen ausweiten und sich dort schwerkraftbedingt vermehrt Blut ansammelt“, erklärt der Notfallmediziner Simon Rauch, der die Studie geleitet hat. 
  • „Anders als bisher angenommen, führt dieser Umstand jedoch nicht zu einem Volumenmangelschock, bei dem zu wenig Blut zum Herzen gelangt und lebenswichtige Organe nicht mehr ausreichend durchblutet werden können. 

Wir konnten hingegen feststellen, dass das Herz in dieser Situation weiterhin ausreichend mit Blut versorgt wird und sind zum Schluss gekommen, dass der Kreislaufzusammenbruch auf einen sogenannten neurokardiogenen Reflex zurückzuführen ist.

  • Dabei kommt es aufgrund einer Fehlregulation des autonomen Nervensystems plötzlich zu einer Verlangsamung der Herzfrequenz und einer Weitstellung der Blutgefäße, was zu einem Abfall des Blutdrucks führt“. 

Laut Rauch kann dasselbe Phänomen beispielsweise bei Personen festgestellt werden, die nach langem Stehen plötzlich bewusstlos werden und zu Boden fallen. 

  • Anders als bei dieser sogenannten orthostatischen Synkope, bei der die Personen das Bewusstsein im Liegen rasch wiedererlangen, bleiben Patienten mit Hängetrauma bewusstlos. 
  • Durch das Hängen im Gurt und die vertikale Lage des Körpers kommt es zu einer unzureichenden Durchblutung des Gehirns.

„Der Kreislaufzusammenbruch erfolgt völlig unerwartet und ohne besondere Warnzeichen“, meint Rauch.

Die Experten empfehlen deshalb nach einem Sturz in das Seil, die betroffene Person unverzüglich davon zu lösen und in die horizontale Lage zu bringen. 
  • Rettungskräfte, die zu frei hängenden Kletterern oder Arbeiter gerufen werden, sollten keine Zeit für die Bergung verlieren, auch wenn die Person voll bei Bewusstsein ist. 
Nach dem Bewusstseinsverlust kann nämlich sehr rasch der Kreislaufstillstand eintreten.

  • Sollte das Abhängen nicht umgehend möglich sein, ist es ratsam, die Beine so weit als möglich zu bewegen und den Betroffenen in eine möglichst horizontale Lage zu bringen. 

„Der genaue Mechanismus, der den plötzlichen Kreislaufzusammenbruch auslöst, ist uns derzeit nicht bekannt.

Indem man aber versucht die Blutansammlung in den herabhängenden Körperteilen zu verringern, kann der Kreislaufzusammenbruch wahrscheinlich hinausgezögert bzw. sogar vermieden werden“, so Rauch abschließend.

Originalpublikation:
https://doi.org/10.1007/s00421-019-04126-5

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Prostatatumoren - Geschlechtshormone Tesosteron

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Nuklearmediziner „überlisten“ Prostatakrebs mit eigentlich wirkungslosem Medikament

Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs haben oft kaum noch Behandlungsoptionen. 

  • Eine besteht darin, radioaktive Moleküle über eine Andockstelle der Tumoroberfläche, PSMA, in die Zelle einzuschleusen, um diese zu zerstören. 

Nuklearmediziner haben nun herausgefunden, dass viel mehr PSMA-Moleküle auf der Tumoroberfläche entstehen, wenn sie ein eigentlich schon wirkungslos gewordenes Medikament verabreichen. 

Auf diese Weise gelangt deutlich mehr Radioaktivität in die Tumorzellen als bisher. 

Prof. Dr. Samer Ezziddin
Prof. Dr. Samer Ezziddin
Foto: Universität des Saarlandes/Thorsten Mohr
 
Wenn sich ein Nicht-Wissenschaftler einen Wissenschaftler vorstellt, herrscht oft noch das Bild vom weltfremden Genius vor: Ein superschlauer Forscher sitzt einsam im Kämmerlein und erfindet die tollsten Sachen, und das ohne jeglichen Kontakt zur „normalen“ Welt. Dabei ist Wissenschaft ein Teil des Lebens wie jeder andere auch. Und wie im normalen Leben auch ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass bisweilen die Intuition eine große Rolle bei wissenschaftlichen Fortschritten spielt.

Das haben auch der Nuklearmediziner Professor Samer Ezziddin und seine Mitarbeiter erfahren, als sie Hinweisen nachgingen, die sie aufgrund ihrer Spezialisierung in der Behandlung von fortgeschrittenem Prostatakrebs gemacht haben.

Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Rezeptoren auf der Tumoroberfläche:

Zum ersten das „Prostataspezifische Membranantigen“ (PSMA), ein Eiweißmolekül, das sehr häufig auf der Oberfläche von Prostatatumoren vorkommt.

Über dieses Einfallstor gelingt es Nuklearmedizinern, radioaktiv strahlende Substanzen in die Tumorzelle einzuschmuggeln und so die bösartigen Zellen von innen zu zerstören.

Je mehr es davon gibt, desto mehr Radioaktivität können die Ärzte prinzipiell in die Zellen einbringen, ohne die Gesamtdosis zu erhöhen.

Zum zweiten spielt eine Sorte Rezeptoren auf dem Tumor eine Rolle, an die männliche Geschlechtshormone wie Testosteron andocken.

„Prostatatumore benötigen Testosteron wie ein Auto Benzin“, erklärt Samer Ezziddin.

  • Daher zielt eine bestimmte Therapie darauf ab, diese Rezeptoren zu blockieren und dem Krebs gleichsam den Treibstoff zu entziehen.
  •  „Das funktioniert mit Medikamenten wie zum Beispiel Enzalutamid eine Zeitlang sehr gut, der Tumor schrumpft dann in der Folge”, weiß Samer Ezziddin. 
  • „Nach einer gewissen Zeit – einige Monate, vielleicht zwei Jahre, wenn es gut läuft – wirkt das Medikament aber nicht mehr, der Tumor wächst dann wieder.“ 
  • Das teure Medikament wird dann meist abgesetzt. 
  • Wozu sollte man es auch weiter einsetzen, wenn es nicht mehr wirkt?

Hier kommt nun die Intuition der Homburger Mediziner ins Spiel.

Denn was für die eine Therapie schlecht ist (ein wirkungsloses Medikament), kann für die andere Form der Therapie vielleicht gut sein: „Wir hatten den Verdacht und später eindeutige Hinweise, dass die PSMA-Dichte zunimmt, wenn der Androgenrezeptor auf der Tumoroberfläche, an den das Testosteron andockt, blockiert ist“, erläutert er die Ausgangslage. Ihr Bauchgefühl ließ die Nuklearmediziner aber anhand ihrer klinischen Beobachtungen noch stark vermuten, dass das auch funktioniert, wenn das Medikament, das den Rezeptor blockiert, den Tumor eigentlich nicht mehr erfolgreich bekämpfen konnte und abgesetzt wurde.

Die Intuition der Ärzte erwies sich als goldrichtig:

„Wir konnten nachweisen, dass mit der Gabe von Enzalutamid die PSMA-Dichte auf der Tumoroberfläche deutlich zugenommen hat, selbst wenn es eigentlich gar keine Wirkung mehr in seinem ursprünglichen Sinn gezeigt hat und schon abgesetzt wurde“, erläutert Samer Ezziddin. 

Zwar umfasste ihre Studie nur zehn Patienten.

 „Aber wir konnten nach der Gabe von Enzalutamid bei allen einen deutlichen Anstieg der PSMA-Moleküle auf den Tumorzellen feststellen“, sagt der Nuklearmediziner.

„Auf diese Weise ist es uns möglich, viel mehr radioaktive Substanz in die Tumorzellen einzuschleusen und diese gezielt bis auf Mikrometerebene hinab zu von innen zu bestrahlen“, erklärt Ezziddin.

Damit lassen sich Prostatatumore künftig viel effizienter und schonender mit der so genannten PSMA-gerichteten Radioligandentherapie behandeln als dies bisher bereits der Fall war.


„Diese Studienergebnisse müssen nun in größeren Studien weiter erforscht und untermauert werden“, erklärt Samer Ezziddin das weitere Vorgehen in der Forschung. „Wir wollten unser Wissen jedoch so schnell wie möglich verbreiten, da es vielen Patienten helfen kann. Daher haben wir uns für diese ‚short communication‘ entschieden. Denn ich gehe davon aus, dass selbst diese kleine Studie zu einem drastischen ‚Management change‘ in der Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakrebses führen wird“, ist sich der Spezialist Ezziddin sicher. Mutmaßlich wird ihn auch hier seine Intuition nicht im Stich lassen.


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Originalpublikation:
Samer Ezziddin et. al.: New insights in the paradigm of upregulation of tumoral PSMA expression by androgen receptor blockade: Enzalutamide induces PSMA upregulation in castration-resistant prostate cancer even in patients having previously progressed on enzalutamide. European Journal of Nuclear Medicine and Molecular Imaging, https://doi.org/10.1007/s00259-019-04674-0.