Medizin am Abend Berlin Fazit: Infektionen können Diabetes-Risiko bei Kindern erhöhen
Virale Atemwegsinfektionen in den ersten
sechs Lebensmonaten sind mit einem erhöhten Risiko für Typ-1-Diabetes
assoziiert.
Zu diesem Ergebnis kommt ein Wissenschaftlerteam des
Helmholtz Zentrums München im Rahmen einer Studie, die in der aktuellen
Ausgabe des renommierten US-Magazins ‚JAMA‘ erscheint.
Dr. Andreas Beyerlein und Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler Quelle: Helmholtz Zentrum München
Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler um Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des
Instituts für Diabetesforschung (IDF) am Helmholtz Zentrum München,
anonymisierte Daten von fast 300.000 Kindern, die zwischen 2005 und 2007
in Bayern geboren worden waren.
Das sind etwa 85 Prozent aller
bayerischen Neugeborenen aus diesem Zeitraum. Die Kassenärztliche
Vereinigung Bayern (KVB) hatte das Datenmaterial für Forschungszwecke
zur Verfügung gestellt.
Zieglers Team, das auch Partner im Deutschen Zentrum für
Diabetesforschung (DZD) ist, wertete gezielt alle verfügbaren Daten zu
Infektionen im Hinblick auf das spätere Auftreten von Typ-1-Diabetes
aus.
- Die Infektionen wurden noch einmal aufgeschlüsselt nach der
Lokalisation der Symptome (wie etwa Haut, Augen, Magen-Darm-Trakt oder
Atemwege), den Ursachen (Bakterien, Viren oder Pilze) und dem
Lebensalter (vierteljährlich ab Geburt).
Die daraus resultierenden Zusammenhänge fasst Erstautor Dr. Andreas
Beyerlein so zusammen:
- „Unsere Ergebnisse zeigen, dass virale
Atemwegserkrankungen innerhalb der ersten sechs Lebensmonate das Risiko
für Kinder, an Typ-1-Diabetes zu erkranken, signifikant erhöhen.“
Infektionen, die später oder an anderen Organen auftraten, waren nicht
mit einem signifikant höheren Risiko verbunden.
Für die Forscher ist
diese Erkenntnis ein weiterer Baustein auf dem Weg, die Entstehung von
Typ-1-Diabetes zu verstehen, bei der das Zusammenspiel von Genetik und
Umweltfaktoren noch weitgehend unklar ist.
Bisher gab es für den Einfluss von Infektionen nur relativ inkonsistente
Hinweise aus Studien von Kindern mit genetisch erhöhtem Risiko für
Typ-1-Diabetes.
„Wir konnten dies nun erstmals an einem
populationsbasierten Kollektiv von fast 300.000 Kindern bestätigen und
fanden insbesondere starke Hinweise für die ersten sechs Monate als
besonders empfindliche Lebensphase“, erklärt Studienleiterin Ziegler.
„Das deckt sich auch mit anderen von uns veröffentlichten Ergebnissen
basierend auf Daten von Kindern mit familiär bedingt erhöhtem Risiko,
die bereits nahelegten, dass das erste halbe Jahr entscheidend für die
Entwicklung des Immunsystems und möglicher Autoimmunkrankheiten wie
Typ-1-Diabetes ist.“
Künftig wollen die Wissenschaftler herausfinden, ob tatsächlich ein
kausaler Zusammenhang besteht und wenn ja, welche Krankheitserreger
genau beteiligt sind und wie sie diesen Effekt auslösen. Auf dieser
Grundlage könnte man dann möglicher Weise versuchen, eine entsprechende
Impfung zu entwickeln.
Weitere Informationen
Hintergrund
Die Ergebnisse bauen auf einer Publikation des Teams aus dem Jahr 2013 auf, die im Fachjournal JAMA Pediatrics erschien.
http://archpedi.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1704825
Original-Publikation:
Beyerlein, A. et al. (2016). Infections in early life and development of type 1 diabetes, JAMA, doi: 10.1001/jama.2016. 2181
Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum
für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die
Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie
Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür
untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und
Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden
Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300
Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18
naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische
Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. Das Helmholtz
Zentrum München ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung
e.V.
http://www.helmholtz-muenchen.de
Das Institut für Diabetesforschung (IDF) befasst sich mit der Entstehung
und Prävention von Typ 1 Diabetes und Typ 2 Diabetes als Spätfolge
eines Gestationsdiabetes. Ein vorrangiges Projekt ist die Entwicklung
einer Insulin-Impfung gegen Typ 1 Diabetes. In groß angelegten
Langzeitstudien untersucht das IDF den Zusammenhang von Genen,
Umweltfaktoren und Immunsystem für die Pathogenese von Typ 1 Diabetes.
Mit den Daten der Geburtskohorte BABYDIAB, die 1989 als weltweit erste
prospektive Diabetes-Geburtskohorte etabliert wurde, konnten Risikogene
sowie Antikörperprofile identifiziert werden. Diese lassen Vorhersagen
über Entwicklung und Ausbruch von Typ 1 Diabetes zu und werden die
Klassifizierung und den Diagnosezeitpunkt verändern. Das IDF ist Teil
des Helmholtz Diabetes Center (HDC).
http://www.helmholtz-muenchen.de/idf
Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung e.V. (DZD) ist eines der
sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten
auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung,
Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen
neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur
erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des
Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz
Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und
Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche
Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut
für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz
Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das
Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte
Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und
München sowie weitere Projektpartner.
http://www.dzd-ev.de
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