Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Harnblasenkrebs - Harnblasenkarzinom: Früherkennung, Diagnose und Therapie...

Medizin am Abend Berlin Fazit:   S3-Leitlinie Harnblasenkrebs vor Fertigstellung

Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. erweitert Leitlinien-Angebot

S3-Leitlinien sind evidenz- und konsensbasiert und von höchster Qualität: 


Mit der „S3-Leitlinie Harnblasenkarzinom; Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien“ bringt die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), nach den S3-Leitlinien zum Prostatakarzinom und zum Nierenzellkarzinom, nun die dritte Leitlinie höchster Klassifikation an den Start. 
 
„Wir haben mit der Analyse von über 17.000 wissenschaftlichen Arbeiten und der Erstellung von über 320 Evidenztabellen eine hohe qualitative Messlatte für zukünftige europäische und internationale Leitlinien vorgegeben“, kommentiert die Leitlinien-Koordinatorin Prof. Dr. Margitta Retz.

„Damit bieten wir Ärzten und Patienten bei den wichtigsten urologischen Tumoren die bestmöglichen Entscheidungshilfen für das ärztliche Vorgehen auf Basis des aktuell verfügbaren Wissens und schaffen die Voraussetzungen, um die urologische Versorgung in der Breite zu verbessern“, sagt DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Oliver Hakenberg. Die Veröffentlichung der Konsultationsfassung der S3-Leitlinie Harnblasenkarzinom, die im Rahmen des AWMF-Leitlinienprogramms und unter Beteiligung von weiteren 31 medizinischen Fachgesellschaften und Patientenvertretern entsteht, wird im Mai dieses Jahres erwartet.

Die Bedeutung der neuen Leitlinie ist hoch: 

Blasenkrebs ist mit rund 28. 000 Neuerkrankungen (inkl. in-situ Tumoren und Neubildungen unsicheren oder unbekannten Verhaltens) pro Jahr die zweithäufigste urologische Tumorerkrankung, deren Bedeutung angesichts eines mittleren Erkrankungsalters von 73 (Männer) bzw. 75 (Frauen) Jahren im Zuge der demografischen Entwicklung weiter zunehmen wird.

Vor diesem Hintergrund und aufgrund immer differenzierterer diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen erweitere die Erarbeitung einer ersten S3-Leitlinie für das Harnblasenkarzinom das Leitlinien-Angebot der DGU maßgeblich, so die beiden Leitlinien-Koordinatoren der urologischen Fachgesellschaft, Prof. Dr. Margitta Retz und Prof. Dr. Jürgen E. Gschwend. Beide ermöglichten der medizinischen Öffentlichkeit auf dem 32. Deutschen Krebskongress Ende Februar 2015 erste Einblicke in die Konsultationsfassung.

Dabei war den Berichten der einzelnen Arbeitsgruppen unter anderem die konsensbasierte Empfehlung zu entnehmen, bei der epidemiologischen Erfassung alle Tumorstadien, insbesondere auch die nicht-muskelinvasiven Blasenkarzinome und das Carcinoma in situ zu dokumentieren.

Weiter wird die neue Leitlinie demnach aufgrund gesicherter beruflich bedingter Expositionen für ein erhöhtes Harnblasenrisiko ebenfalls empfehlen, bei Patienten mit Blasenkarzinom eine Berufsanamnese zu erheben. 

„Hinsichtlich des vieldiskutierten Screenings zur Früherkennung erteilt die S3-Leitlinie eine klare Absage an die am Markt befindlichen Schnelltests“, kommentiert Prof. Dr. Margitta Retz.

  • Neben der Früherkennung, Diagnostik und Therapie der verschiedenen Stadien des Harnblasenkarzinoms wird die Leitlinie gezielt Fragen der Lebensqualität, der Rehabilitation und der Nachsorge berücksichtigen.

„Auch für diese S3-Leitline der DGU wird nach deren Publikation eine Patientenleitlinie erstellt werden, welche die ärztliche Leitlinie in eine laienverständliche Sprache übersetzt und die Patientenkompetenz stärkt, damit Betroffene nicht zuletzt bei der schwierigen Frage des Blasenerhalts oder der Blasenentfernung informierte Entscheidungen treffen können“, sagt DGU-Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing. Die Veröffentlichung der konsentierten ärztlichen Leitlinie sei für Sommer 2016 geplant und werde den Urologinnen und Urologen auf dem 68. DGU-Kongress vom 28. September bis 1. Oktober 2016 in Leipzig vorgestellt, so Prof. Wülfing weiter.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com
 








Über Google: Medizin am Abend Berlin

DGU-
Bettina-C. Wahlers
Sabine M. Glimm
Stremelkamp 17
21149 Hamburg
Tel.: 040 - 79 14 05 60
Mobil: 0170 - 48 27 28 7
E-Mail: redaktion@bettina-wahlers.de

 institution logo


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.urologenportal.de

http://www.dgu-kongress.de

http://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/032-038OL.html

Rheumatischen Herzkrankheit RHD: Geräuschlose Herzklappenerkrankung.....?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Offensive gegen Rheumatische Herzkrankheit

An der Rheumatischen Herzkrankheit RHD sterben jedes Jahr über 250‘000 Menschen. Das Inselspital (Universitätsspital Bern) beteiligt sich an der weltweiten Anti-RHD-Forschungskampagne. Erste Ergebnisse eines nepalesisch-schweizerischen Forschungsprojekts sind soeben in den renommierten internationalen Fachzeitschriften The Lancet Global Health und JAMA cardiology veröffentlicht worden. 
 
Am Anfang steht ein bakterieller Rachen-Infekt beim Kind. Dagegen wehrt sich das Immunsystem. In manchen Fällen zu stark: Angegriffen werden auch körpereigene Zellen. Das kann zum sogenannten Rheumatischen Fieber und zu einer unwiderruflichen Schädigung der Herzklappen führen.
 Oben: Herz-Ultraschall bei einem Mädchen in Nepal. Unten: Der typische Befund: eine Verdickung der Mitralklappensegel.
 Oben: Herz-Ultraschall bei einem Mädchen in Nepal. Unten: Der typische Befund: eine Verdickung der Mitralklappensegel.  Foto: zvg

Die Rheumatische Herzkrankheit (rheumatic heart disease RHD) ist in der industrialisierten Welt praktisch ausgestorben, dank verbesserter medizinischer Gesundheitsversorgung.

  • In Schwellen- und Entwicklungsländern stellt sie aber weiterhin die häufigste Herzklappenerkrankung dar. 
Drei von vier Kindern weltweit leben in solchen Regionen. Unter allen Herzleiden verursacht RHD den grössten Verlust an Lebensjahren bei Teenagern. Weltweit sterben jährlich mehr als 250'000 Menschen an RHD. Die World Heart Federation, eine Partnerin der Weltgesundheitsoganisation WHO, will die durch RHD verursachen Todesfälle bis 2025 um 25 Prozent reduzieren. Sie evaluiert zur Zeit verschiedene Strategien zur Umsetzung dieses Ziels.

Kein Herzgräusch – trotzdem krank
Der Hauptgrund für die hohe RHD-Sterblichkeit: Die Krankheit bleibt lange unentdeckt. Hier setzt ein Forschungsteam um Prof. Thomas Pilgrim von der Universitätsklinik für Kardiologie des Inselspitals Bern an. Die Schweizer Herzmediziner haben zusammen mit nepalesischen Kollegen über 5000 Schulkinder in Nepal mittels Herz-Ultraschall auf bisher unentdeckte Herzklappenveränderungen untersucht und dabei ihre Hypothese bestätigt:

  • RHD äussert sich nur bei einem Bruchteil der betroffenen Kinder mit dem sonst für Herzklappenfehler typischen Herzgeräusch.

Die Ergebnisse des mittlerweile auch auf Peru und Samoa ausgeweiteten nepalesisch-schweizerischen Forschungsprojekts sind soeben in den renommierten internationalen Fachzeitschriften The Lancet Global Health und JAMA cardiology veröffentlicht worden. 

Die Langzeitbeobachtung der untersuchten Kinder soll nun Aufschluss über die Wirksamkeit der getroffenen medikamentösen Gegenmassnahmen (Antibiotika) geben. 


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com

 







Über Google: Medizin am Abend Berlin  



3010 Bern
Schweiz
Bern

Markus Hächler
Telefon: 0041 31 632 41 59
E-Mail-Adresse: markus.haechler@insel.ch


Monika Kugemann
Telefon: +41 31 632 05 81
E-Mail-Adresse: monika.kugemann@insel.ch




Weitere Informatione für international Medizhin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25433627

http://cardiology.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=2498961


http://medicalresearch.com/infections/rheumatic-heart-disease-remains-silent-epi...

360° TOP-VorOrt: Mykobakterien: Neue Entwicklungen bei der Tuberkulose in Deutschland http://www.rki.de/tuberkulose

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Welttuberkulosetag 2016

Nachdem die Tuberkulose-Fallzahlen in Deutschland mehrere Jahre stagnierten, wurden dem Robert Koch-Institut 2015 insgesamt 5.865 Fälle übermittelt, nach 4.533 im Jahr 2014 und 4.325 im Jahr 2013. Höher war diese Zahl zuletzt mit 6.030 Fällen im Jahr 2005. „Trotz des Anstiegs der Tuberkulose-Fallzahlen ist das Infektionsrisiko innerhalb der Allgemeinbevölkerung unverändert sehr gering“ sagt Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, anlässlich des Welttuberkulosetags am 24. März. 
 
Nachdem die Tuberkulose-Fallzahlen in Deutschland mehrere Jahre stagnierten, wurden dem Robert Koch-Institut 2015 insgesamt 5.865 Fälle übermittelt, nach 4.533 im Jahr 2014 und 4.325 im Jahr 2013.

Höher war diese Zahl zuletzt mit 6.030 Fällen im Jahr 2005. 

„Trotz des Anstiegs der Tuberkulose-Fallzahlen ist das Infektionsrisiko innerhalb der Allgemeinbevölkerung unverändert sehr gering“ sagt Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, anlässlich des Welttuberkulosetags am 24. März.

Nach wie vor ist ein großer Teil (knapp 30 Prozent) der Tuberkulosepatienten in Deutschland geboren. 

  • Der deutliche Anstieg der Erkrankungszahlen im Jahr 2015 gegenüber 2014 geht in erster Linie auf die aktive Fallfindung bei der gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchung von Asylsuchenden zurück. 
  • Viele Asylsuchende kommen aus Ländern mit hohen Tuberkuloseraten und haben daher ein höheres Erkrankungsrisiko. 

Die aktive Fallsuche dient dazu, Tuberkulose frühzeitig zu entdecken und erkrankte Personen zu behandeln und so auch eine Weiterverbreitung zu verhindern. Die Zahl der Tuberkulosen, die durch die Untersuchung von Asylsuchenden nach §36 Infektionsschutzgesetz diagnostiziert wurden, betrug nach den dem Robert Koch-Institut aktuell vorliegenden Zahlen für das Jahr 2015 1.255 Fälle. Im Jahr 2014 waren es 425, gut doppelt so viele wie 2013 (198 Fälle). „Die Anstrengungen für die frühe Erkennung, Behandlung und Vermeidung von Tuberkulose sind daher wichtiger denn je“, unterstreicht Lothar H. Wieler, „Die Gesundheitsämter müssen dafür ausreichend ausgestattet sein“, betont Wieler.

Eine ausführliche Auswertung der Tuberkulose-Situation für das Jahr 2014 enthält der „Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland für 2014“, den das Robert Koch-Institut im Dezember 2015 veröffentlicht hat.

  • Gefährdet für eine Ansteckung sind in erster Linie enge Kontaktpersonen von Erkrankten, nach längerem oder wiederholtem Kontakt. Das Ansteckungsrisiko nach einmaligem, kurzem Kontakt ist dagegen sehr gering. Auch gilt, dass nicht jeder Tuberkulose-Erkrankte zwangsläufig infektiös ist. Bei knapp der Hälfte aller Tuberkulosepatienten liegt keine ansteckende, offene Lungentuberkulose, sondern eine andere Form der Tuberkulose vor.

Unverändert wichtig sind daher auch die Umgebungsuntersuchungen, eine weitere Form der aktiven, frühen Fallfindung und Prävention bei engen Kontaktpersonen im Umfeld infektiöser Patienten. Grundsätzlich können aktive Fallfindungsmaßnahmen allerdings nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn die dabei entdeckten Erkrankungen anschließend erfolgreich behandelt werden.

  • Die Sicherstellung einer effizienten und vollständigen Therapie einschließlich der Übermittlung des Therapieergebnisses ist von großer Bedeutung für eine wirksame Tuberkulosekontrolle und erfordert eine koordinierte Zusammenarbeit von allen Beteiligten.

Eine vom Bundesministerium für Gesundheit finanziell unterstützte Tagung in Berlin im Vorfeld des Welttuberkulosetags ist seit einigen Jahren ein Forum für Gesundheitsämter, Praxen, Kliniken und Laboratorien zum Austausch über die Herausforderungen in der Tuberkulose-Bekämpfung. 

Veranstalter sind neben dem Robert Koch-Institut das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (das die dies-jährige Tagung federführend organisiert) und das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien am Forschungszentrum Borstel. 

Die diesjährige Tagung am 14. März 2016 widmet sich thematisch „Tuberkulose und Migration“.

Weitere Informationen und Links: http://www.rki.de/tuberkulose

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com




 







Über Google: Medizin am Abend Berlin

Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin

http://www.rki.de
Twitter: @rki_de

Susanne Glasmacher
Günther Dettweiler
Heidi Golisch
Claudia Paape
Judith Petschelt

Kontakt
Tel.: 030-18754-2239, -2562 und -2286
E-Mail: presse@rki.de

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit



Brustkrebs-Früherkennungsuntersuchung (Mammografie-Screening) deutschlandweit

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Mammografie-Screening: IQWiG legt Entwurf für Entscheidungshilfe vor

Das Ziel: Frauen beim persönlichen Abwägen von Nutzen und Schaden besser unterstützen / IQWiG bittet um Stellungnahmen 
 
Seit 2009 wird die Brustkrebs-Früherkennungsuntersuchung (Mammografie-Screening) deutschlandweit angeboten. Dazu bekommen Frauen im Alter zwischen 50 und 69 alle zwei Jahre eine Einladung zur Mammografie und eine Informationsbroschüre (Merkblatt). Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Jahr 2014 beauftragt, ein Einladungsschreiben und eine Entscheidungshilfe zu erstellen.

  • Das Einladungsschreiben und ein Merkblatt wurden bereits Januar 2016 in einer neuen Version an den G-BA übersandt. Nun hat das IQWiG den Entwurf für die Entscheidungshilfe und ein angepasstes Einladungsschreiben vorgelegt, zu dem interessierte Personen und Institutionen bis zum 05. April 2016 Stellungnahmen abgeben können.

Zweistufiger Prozess

Der Auftrag sollte in zwei Stufen bearbeitet werden: Die erste Stufe umfasste die Überarbeitung des seit 2010 im Mammografie-Programm eingesetzten Merkblatts und des Einladungsschreibens inklusive eines Nutzertests innerhalb von sechs Monaten. Das Ergebnis der ersten Stufe hat das IQWiG im Frühjahr 2015 als Rapid Report dem G-BA übergeben. Der G-BA hat auf Basis dieser Materialien im Oktober 2015 neue Versionen des Merkblatts und des Einladungsschreibens beschlossen. Diese Version des Merkblatts wird bereits seit Januar 2016 mit den Einladungen zur Mammografie verschickt.

  • Beim jetzt vorgelegten Vorbericht handelt es sich um die zweite Stufe des G-BA-Auftrags: Das in der ersten Stufe erstellte Merkblatt wurde zusammen mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen der Universitätsklinik Hamburg zu einer Entscheidungshilfe weiterentwickelt und das Einladungsschreiben entsprechend angepasst.

Was ist neu?

  • Die Weiterentwicklung hat zu folgenden Ergänzungen und Änderungen geführt: Das Anschreiben ist jetzt deutlicher getrennt in einen kurzen Einladungstext (Seite 1) und organisatorische Hinweise für Frauen, die die Untersuchung wahrnehmen wollen, inklusive Terminvorschlag (Seite 2).
Die Broschüre wurde um einen Abschnitt erweitert, der die wichtigsten Aussagen zur Mammografie übersichtlich zusammenfasst und Frauen die Möglichkeit gibt, die Bedeutung der Aspekte für sich zu bewerten.
Zudem werden Nutzen und Schaden der Mammografie nun für Frauen im Alter von 50 bis 59 und von 60 bis 69 getrennt dargestellt.
Der Begriff der „Überdiagnosen“ wird ausführlicher erklärt. Der Vorbericht beinhaltet außerdem eine Skizze der zukünftigen Entscheidungshilfe als Internetversion.

Dokumente laufend evaluieren

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schlagen zudem vor, Einladungsschreiben und Entscheidungshilfe künftig im Rahmen der Qualitätssicherung des Mammografie-Programms laufend zu evaluieren. Dazu sollen die Daten zur Nutzung sowie die Rückmeldungen der Frauen routinemäßig mit erfasst und auf Überarbeitungsbedarf geprüft werden. Darüber hinaus sollen zentrale Elemente der Entscheidungshilfe in einer Studie auf ihre Wirksamkeit untersucht werden.

Ergebnisse eines Nutzertests bereits eingeflossen

Primäres Ziel der Entscheidungshilfe ist es, Frauen beim persönlichen Abwägen von Nutzen und Schaden des Mammografie-Screenings besser zu unterstützen.

Erste Entwürfe der Materialien wurden in einer Serie von qualitativen Fokusgruppen mit insgesamt 37 Frauen und sechs Expertinnen und Experten kommentiert. „Daraus bekamen wir wichtige Anregungen, die in die jetzt vorgelegten Fassungen eingeflossen sind“, sagt Klaus Koch, Leiter des IQWiG-Ressorts Gesundheitsinformation. „Dass wir die Erklärung von Überdiagnosen deutlich erweitert haben, geht zum Beispiel auf den klaren Wunsch unserer Testerinnen zurück“, so Koch.

Nutzen-Schaden-Bilanz je nach Altersgruppe unterschiedlich

Zur Ableitung von Zahlenangaben zu Vor- und Nachteilen stützten sich die Wissenschaftler weitgehend auf die schon in der ersten Prozessstufe verwendete Literatur. Allerdings werden die Zahlen nun getrennt für zwei Altersgruppen dargestellt.

Demnach kann von 1000 Frauen im Alter von 50 bis 59, die zehn Jahre lang am Screening teilnehmen, eine Frau vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt werden. Dem stehen als wesentlicher Schaden sogenannte Überdiagnosen gegenüber:

  • Bei der Mammografie werden gelegentlich bösartige Veränderungen gefunden, die ohne Früherkennung nie aufgefallen wären oder Beschwerden bereitet hätten. Die Diagnose zieht aber für die Frauen und ihre Angehörigen Konsequenzen nach sich. Etwa vier bis sechs von 1000 Frauen zwischen 50 und 59 müssen mit einer solchen Überdiagnose rechnen.
  • Etwas anders stellen sich die Spannen für Frauen zwischen 60 und 69 dar: Wenn 1000 Frauen dieses Alters zehn Jahre lang am Screening teilnehmen, werden zwei bis drei vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt, und fünf bis sieben Frauen erhalten eine Überdiagnose.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Den Berichtsplan für dieses Projekt hatte das IQWiG im August 2015 vorgelegt. Stellungnahmen zu dem jetzt veröffentlichten Vorbericht werden nach Ablauf der Frist gesichtet. Sofern sie Fragen offen lassen, werden die Stellungnehmenden zu einer mündlichen Erörterung eingeladen. Die aus der Anhörung resultierenden Fassungen werden einem weiteren, nunmehr quantitativen Test (Survey) mit mindestens 1000 Teilnehmerinnen unterzogen.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com

 







Über Google: Medizin am Abend Berlin
 

Im Mediapark 8
50670 Köln
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

E-Mail-Adresse: kontakt@iqwig.de

Dr. Anna-Sabine Ernst
Telefon: 0221 35685 153
Fax: 0221 35685 833
E-Mail-Adresse: anna-sabine.ernst@iqwig.de
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.iqwig.de

 

360° TOP-Hinweis: Prokrastination: „Aufschieberitis“ betrifft vor allem junge Menschen

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Neue Studienergebnisse zur Prokrastination

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz haben im Rahmen des Forschungsschwerpunkts Medienkonvergenz der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Verbreitung und Risikomerkmale für Prokrastination in der deutschen Bevölkerung untersucht. Die Repräsentativ-Erhebung zeigte, dass Menschen, die Tätigkeiten häufig aufschieben, seltener in Partnerschaften lebten, häufiger arbeitslos waren und über ein geringes Einkommen verfügten. 

Betroffen waren vor allem männliche Schüler und Studierende. Die Studie bestätigt, dass ausgeprägtes Aufschiebeverhalten von wichtigen Tätigkeiten mit Stress, Depression, Angst, Einsamkeit und Erschöpfung einhergeht sowie die Lebenszufriedenheit verringert. 
 
Universitätsmedizin Mainz und Schwerpunkt Medienkonvergenz der Johannes Gutenberg-Universität Mainz veröffentlichen neue Studie zur Prokrastination

Im Volksmund gilt die Weise „Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!“ 

Doch dieser Appell verhallt im Alltag vieler Menschen häufig. Stattdessen schieben und verschieben sie geplante Handlungen immer wieder vor sich her. Fachleute nennen dieses insbesondere bei jungen Menschen weit verbreitete Phänomen Prokrastination. Wissenschaftler der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz haben nun mittels einer interdisziplinären Befragung die Verbreitung und Risikomerkmale für Prokrastination in der deutschen Bevölkerung untersucht.

Die im Rahmen des Forschungsschwerpunkts Medienkonvergenz der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) durchgeführten Studie zeigte folgende, zentrale Ergebnisse:

  • Menschen, die wichtige Tätigkeiten häufig aufschoben, lebten häufiger ein Single-Dasein, waren vermehrt von Arbeitslosigkeit betroffen, verfügten über ein geringes Einkommen und waren insbesondere unter männlichen Schülern oder Studierenden zu finden. 
  • Negative und dem Aufschiebenden durchaus bekannte Begleiterscheinungen dieses Verhaltens waren zumeist Stress, Depression, Angst, Einsamkeit und Erschöpfung. Die Ergebnisse sind nun in der renommierten Fachzeitschrift „PLOSone“ erschienen.

Jeder weiß: Das Leben besteht aus Rechten und Pflichten. Der Begriff „Pflicht“ ist jedoch häufig negativ besetzt, das Gegenteil von Spaß und damit zumindest kurzfristig betrachtet nicht von erstrebenswertem Nutzen. Zumal es ja scheinbar wesentlich attraktivere und vermeintlich ebenso wichtige Dinge zu tun gibt. Doch so zu denken und zu handeln kann sich langfristig als Fehler herausstellen. Denn die Vermeidung einer unangenehmen Tätigkeit zieht häufig ein weiteres Umgehen dieser oder anderer negativ empfundener Aufgaben nach sich.  

Mit der Zeit bildet sich dann ein erlerntes, nicht unproblematisches Verhaltensmuster heraus: Prokrastination.

Wie so ein Lernprozess ablaufen kann, verdeutlicht folgendes Fallbeispiel:

Der 32-jährige Thomas P. ist im 20. Semester eines sozialwissenschaftlichen Studiengangs eingeschrieben. Seine Tätigkeit als Aushilfe in der Gastronomie reicht gerade, um ihn finanziell über Wasser zu halten. Er berichtet mit Stolz, dass er nicht mehr auf seine Eltern angewiesen sei, deren Kontakt er meidet, um peinliche Rückfragen zu seinem Studium zu entgehen. Ansonsten widmet er die Nächte seiner CD-Sammlung und Onlineaktivitäten wie Recherchieren, Videos schauen oder gelegentlichem Spielen. Tagsüber schläft er. Den Kontakt zu Kommilitonen an der Universität hat er verloren, da er seit mehreren Jahren nicht mehr regelmäßig an Lehrveranstaltungen teilnimmt. Längst ist sein Studiengang reformiert und umgestellt und er in lebt in Unkenntnis darüber, welche Scheine er noch benötigt, um sein Studium abzuschließen. Doch weil er sich schämt, sucht er nicht das zuständige Prüfungsamt auf. Mittlerweile leidet er zunehmend unter depressiven Zuständen, Schlafstörungen und Erschöpfung.

Kein Einzelfall, wie die aktuelle Studie des Forschungsschwerpunkts (FSP) Medienkonvergenz der JGU belegt. Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz und Mitglied im Koordinationsausschuss des FSP Medienkonvergenz, Univ.-Prof. Dr. Manfred Beutel, der die Studie initiiert und geleitet hat, fasst deren Ergebnisse so zusammen:

„Die Repräsentativ-Erhebung zeigte, dass Menschen, die Tätigkeiten häufig aufschieben, seltener in Partnerschaften lebten, häufiger arbeitslos waren und über ein geringes Einkommen verfügten. Betroffen waren vor allem junge Männer. Schüler und Studierende prokrastinierten dabei häufiger als ihre berufstätigen oder in einer Ausbildung befindlichen Altersgenossen. 
  • Die Studie bestätigt, dass ausgeprägtes Aufschiebeverhalten von wichtigen Tätigkeiten mit Stress, Depression, Angst, Einsamkeit und Erschöpfung einhergeht. Insgesamt war bei Prokrastination auch die Lebenszufriedenheit verringert.“ Die Studienkohorte umfasste insgesamt 2.527 Personen im Alter von 14 bis 95 Jahren.
Ein Ziel der Mainzer Wissenschaftler war es, eine Antwort auf folgende Frage zu finden:

Warum schieben Menschen Tätigkeiten auf, wenn dies absehbar zu Stress und negativen gesundheitlichen Folgen führt?
  • Prokrastination ist ein erlerntes Verhalten, das unmittelbar durch Vermeidung unangenehmer Tätigkeiten verstärkt wird. Warum bestimmte Tätigkeiten negative Gefühle hervorrufen, wird von den Betroffenen zu wenig hinterfragt. Leistungsanforderungen sind häufig mit Versagensängsten verbunden, eigene Leistungsansprüche sind möglicherweise zu hoch gesteckt und Zielsetzungen unrealistisch. Ersatzhandlungen wie beispielsweise Medienkonsum haben überdies häufig unmittelbar positive Konsequenzen. Nachteilige negative Konsequenzen wie Versagen, Depression oder Einsamkeit treten hingegen erst langfristig auf und sind damit weniger verhaltensbestimmend.

Die Studie zeigte, dass dies vor allem für junge Menschen in Schule oder Studium zutrifft. 

Doch was sind die Gründe dafür?

Offenbar gibt ein Beschäftigungsverhältnis eine feste Struktur und Orientierung. Ein Studium erfordert hingegen mehr Selbstorganisation und -disziplin.

  • Doch junge Menschen befinden sich in einem Alter, in dem sie die Zeit als scheinbar unbegrenzt empfinden und ihnen vielfach Gewissenhaftigkeit nicht so wichtig ist. Sie leben in dem Gefühl, dass ihnen das Leben und eine Zukunft offenstehen, die ihnen schier unzählige und vielfältigste Möglichkeiten und Chancen bieten. Der Studienanfänger sieht sich beispielsweise vor die Wahl aus tausenden Studiengängen gestellt. Zudem sind Erwerbsbiographien weniger geradlinig und planbar geworden. 
  • Beides kann viele Menschen überfordern und zu einer Prokrastination beitragen.

Für Studienleiter und Klinikdirektor Professor Beutel Anlass genug, um zu handeln:

„Aufgrund der steigenden Häufigkeit derartiger Krankheitsverläufe haben wir ein spezielles Behandlungsangebot für junge Erwachsene mit Prokrastinationsverhalten entwickelt.

Im stationären Rahmen und der damit verbundenen Struktur dienen aufeinander abgestimmte einzel- und gruppentherapeutische Behandlungselemente der Überwindung der Prokrastination und damit verbundenen, oft tiefgreifenden Entwicklungsblockaden. 

  • Der Teufelskreis aus Aufschieben, Vermeidung, Versagensgefühlen, Erschöpfung und Depression wird in der stationären Behandlung sorgfältig aufgearbeitet.“ 

So konnte beispielweise auch dem jungen Mann aus dem Fallbeispiel geholfen werden: Während seiner Behandlung in der psychosomatischen Klinik normalisierte er seinen Tagesablauf und setzte sich klare und realistische Ziele, die er Schritt für Schritt umsetzte.

  • So klärte er seine Studiensituation beim Prüfungsamt und führte ein offenes Gespräch mit seinen Eltern.

Für die Wissenschaftler des Schwerpunkts Medienkonvergenz birgt die Studie darüber hinaus weiteres Erkenntnispotenzial:

Sie wollen künftige Auswertungen der Studie dazu nutzen, um zu erfahren, inwieweit sich die Nutzung des allseits präsenten Online-Angebots an Ablenkungen durch Computer und Smartphone auf Prokrastination auswirkt.

Originalpublikation: Beutel, M. E., Klein, E. M., Aufenanger, S., Brähler, E., Dreier, M., Müller, K.W., Quiring, O., Reinecke, L., Schmutzer, G., Stark, B., Wölfling, K. (2016). Procrastination, Distress and Life Satisfaction Across the Age Range – A German Representative Community Study. PLOSONE. [in press]
DOI: 10.1371/journal.pone.0148054

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:
www.medizin-am-abend.blogspot.com



 













Über Google: Medizin am Abend Berlin

Univ.-Prof. Dr. Manfred Beutel,
Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie,
Universitätsmedizin Mainz, Tel: 06131 / 17-2841, Fax: 06131 / 17-6688,
E-Mail: manfred.beutel@unimedizin-mainz.de

Barbara Reinke, Universitätsmedizin Mainz,
Tel: 06131 / 17-7428, Fax: 06131 / 17-3496,
E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.300 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Über den Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Ziel des seit 2007 bestehenden interdisziplinären Forschungsschwerpunkts ist es, die Folgen der rasanten Medienevolution und ihre Auswirkungen auf Kommunikation, Märkte und Nutzungsverhalten zu untersuchen. Die an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz vertretenen Medienfächer (Buch-, Film-, Theaterwissenschaft, Publizistik und Journalistik) sowie Medienrecht, -pädagogik, -ökonomie, -psychologie, Neurolinguistik und Psychosomatik haben sich hierfür zu einem stabilen Verbund zusammengeschlossen. Dabei gilt es, den gemeinsamen Forschungsansatz stets von neuem an die Entwicklungsdynamik des gesellschaftlichen Wandels durch die sich wandelnden Medien anzupassen. Weitere Informationen im Internet unter www.medienkonvergenz.uni-mainz.de/

institution logo

Flugmedizinischen Dienst

Westfalenpost: Ein unvorstellbares Unglück Von Joachim Karpa

Für die Angehörigen der 150 Opfer ist das kein Trost. Viel schlimmer, sie haben jetzt Gewissheit: Ihre Lieben könnten noch leben. Andreas Lubitz war ein Kamikaze-Pilot auf Abruf. Seit Jahren litt er an schweren Depressionen, unterbrach deshalb die Ausbildung, taumelte später von Mediziner zu Mediziner und fürchtete ständig, seinen Beruf aufgeben zu müssen. Noch zwei Wochen bevor der 27-Jährige 149 Menschen mit in den Tod nimmt, empfiehlt der Arzt die Behandlung in einer psychiatrischen Klinik. Ohne Folgen. Die Fluggesellschaft erfährt von dieser Entwicklung nichts, will es über Jahre nicht wirklich wissen. Nicht bei einer der fünf Untersuchungen des flugmedizinischen Dienstes wird ein Psychologe hinzugezogen. Ein Versäumnis. Dass der Todespilot seine Seelenlage für sich behält und versucht, seine selbstmörderische Absicht mit Medikamenten zu betäuben, ist bei diesem Krankheitsbild nicht ungewöhnlich. Er hängt an seinem Traumjob. Bereits heute sei es so, sagt die Vereinigung Cockpit, dass Ärzte bei Gefahr in Verzug Informationen weitergeben dürfen. Doch wer will das Vertrauensverhältnis zum Patienten verletzten? Ihn beruflich in den Abgrund stoßen?

Ein Katastrophe dieser Art ist nicht vorstellbar gewesen - bis zum 24. März 2015.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend. blogspot.com

 







Über Google: Medizin am Abend Berlin

Westfalenpost

Redaktion 

Telefon: 02331/9174160 
 
 
 
 

Schmerzlindernd - lasst uns Oxytocin - Kuscheln

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Kuschelhormon wirkt schmerzlindernd

Max-Planck-Forscher entdecken eine neue Wirkung von Oxytocin 
 
  • Manchmal reichen kleine Moleküle aus, um unsere Stimmung oder auch den Stoffwechsel zu verändern: eines wie Oxytocin, das an der Entstehung von Gefühlen wie Vertrauen und Liebe beteiligt ist. 
Das Hormon wird ausschließlich im Gehirn gebildet und unter anderem über die Hirnanhangsdrüse ins Blut abgegeben. Bislang war unbekannt, warum diese Oxytocin-produzierenden Nervenzellen mit dem Hirnstamm und dem Rückenmark verknüpft sind. Forscher des Max-Planck-Instituts für medizinische Forschung in Heidelberg haben nun eine kleine Population an Nervenzellen entdeckt, die die Ausschüttung von Oxytocin ins Blut koordiniert und auch Zellen im Rückenmark anregt.

  • Eine Reizung dieser Zellen erhöht den Oxytocinspiegel im Körper und hat eine schmerzlindernde Wirkung.
Schnelle Geburt: Die Bezeichnung des Hormons im Griechischen weist bereits auf eine wichtige Aufgabe hin: Bei der Geburt löst Oxytocin eine Kontraktion der Gebärmuttermuskulatur aus und leitet die Wehen ein. Außerdem ist es wichtig für eine starke Bindung zwischen Mutter und Kind sowie den Milcheinschuss der Mutter. Es reguliert zudem soziale Interaktionen im Allgemeinen. Es wird deswegen oft als Kuschelhormon bezeichnet

Das Hormon wird ausschließlich im Hypothalamus produziert.

Eine kleine Gruppe Oxytocin-produzierender Nervenzellen (rot) koordiniert die Freigabe von Oxytocin über Blut und Rückenmark.
 Eine kleine Gruppe Oxytocin-produzierender Nervenzellen (rot) koordiniert die Freigabe von Oxytocin über Blut und Rückenmark. Eliava et al., 2016

Oxytocin-bildende Nervenzellen werden in zwei unterschiedlich große Zelltypen unterteilt: Die großen Oxytocin-produzierenden Nervenzellen sind mit der Hirnanhangsdrüse verbunden, die Oxytocin über Kapillaren ins Blut abgibt. Die kleinen sind mit dem Hirnstamm und den tiefen Regionen des Rückenmarks verknüpft. Die Funktion dieser Verbindungen war bisher unklar.

Es wurde vermutet, dass sie wichtig für die Kontrolle des Herz-Kreislauf-Systems oder auch der Atmung sein könnte.

Kleine Zellen, große Wirkung

Forscher des Max-Planck-Instituts für medizinische Forschung und ihre Kollegen aus anderen Ländern haben nun eine schmerzstillende Wirkung von Oxytocin entdeckt und festgestellt, dass die Freisetzung nicht nur über das Blut, sondern auch über das Rückenmark reguliert wird. „Wir konnten einen neuen Aspekt der Wirkung von Oxytocin nachweisen und haben zudem eine neue Subpopulation an kleinen Oxytocin-produzierenden Neuronen entdeckt“, erklärt der Direktor Peter Seeburg. „Eine Gruppe des kleinen Zelltyps von etwa 30 Zellen sendet seine Nervenenden zu den großen Neuronen, wodurch Oxytocin über die Hirnanhangsdrüse ins Blut abgegeben als auch zum Rückenmark, wo Oxytocin als Neurotransmitter dient, um Nervenzellen zu hemmen." Diese Population koordiniert somit die Oxytocin-Freigabe. „Es ist faszinierend, dass die Koordination der Oxytocin-Wirkung von so wenigen Zellen abhängt“, so Seeburg.

Mit dem Griff in die optogenetische Werkzeugkiste konnten die Wissenschaftler die Population der kleinen Zellen im lebenden Versuchstier gezielt mit Licht stimulieren und dazu bringen, über beide Wege mehr Oxytocin auszuschütten. Ratten, die anschließend einen erhöhten Oxytocin Spiegel im Blut hatten, reagierten weniger stark auf die Berührung eines entzündeten Fußes. Das deutete auf eine geringere Schmerzempfindung hin. 

Eine Hemmung der Oxytocinwirkung erhöhte dagegen das Schmerzempfinden.

Die Forscher gehen davon aus, dass es die Untergruppe Oxytocin-produzierender Zellen auch im menschlichen Gehirn gibt. „Vermutlich ist das menschliche Oxytocin-System jedoch komplexer und besteht aus mehr als 30 Zellen“, erklärt Seeburg. Die Funktion dieser Zellen lässt sich im Menschen zudem nur schwer untersuchen. Trotzdem könnten die Erkenntnisse ein neuer Ansatz für die Entwicklung von Schmerztherapien sein.

Originalpublikation:
Marina Eliava , Meggane Melchior , H. Sophie Knobloch-Bollmann, Jérôme Wahis, Miriam da Silva Gouveia, Yan Tang , Alexandru Cristian, Ciobanu , Rodrigo Triana del Rio, Lena C. Roth , Ferdinand Althammer,Virginie Chavant , Yannick Goumon , Tim Gruber, Nathalie Petit-Demoulière, Marta Busnelli, Bice Chini , Linette L. Tan, Mariela Mitre, Robert C. Froemke, Moses V. Chao, Günter Giese , Rolf Sprengel , Rohini Kuner , Pierrick Poisbeau , Peter H. Seeburg , Ron Stoop , Alexandre Charlet and Valery Grinevich
A new population of parvocellular oxytocin neurons controlling magnocellular neuron activity and inflammatory pain processing
Neuron, 4 März 2016 (DOI: 10.1016/j.neuron.2016.01.041)

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt 
www.medizin-am-abend.blogspot.com


 







Über Google: Medizin am Abend Berlin 

Prof. Dr. Peter H. Seeburg
Max-Planck-Institut für medizinische Forschung, Heidelberg
Telefon:+49 6221 486-495Fax:+49 6221 486-110
seeburg@mpimf-heidelberg.mpg.de
Dr Harald Rösch Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

360° TOP-Thema: Soziale Hormone - AVP- ArininVasopressin - Lösung für Medikamentenplan-Complience?

Medizin am Abend Berlin:  Fördern kooperatives Verhalten in riskanten Situationen

Zwei neue Studien untersuchen den Einfluss von Arginin Vasopressin auf Handlungskontrolle und die Verarbeitung von Belohnungsanreizen 

 Dr. Claudia Brunnlieb, Dr. Marcus Heldmann
 Dr. Claudia Brunnlieb, Dr. Marcus Heldmann  Uni Lübeck
 
Eine interdisziplinäre Forschergruppe der Universitäten Lübeck (Klinik für Neurologie), Magdeburg (Institut für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie) und des California Institute of Technology (Behavioral Economics) zeigt den Einfluss des Neuropeptides Arginin Vasopressin (AVP) auf kooperatives Verhalten beim Menschen. Diese Ergebnisse, veröffentlicht am 8. Februar in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), erklären eine wichtige biologische Voraussetzung für die erfolgreiche Interaktion in Gruppen.

Aus Untersuchungen an Tieren ist bekannt, dass AVP monogames Bindungsverhalten und elterliche Fürsorge genauso fördert wie bei männlichen Tieren aggressives Verhalten gegenüber Eindringlingen. Frühere Untersuchungen der Lübecker Gruppe haben bereits gezeigt, dass auch bei Menschen AVP einen modulierenden Einfluss auf Hirnprozesse hat, die Aggression und Empathie zugrunde liegen.

 https://idw-online.de/de/attachmentdata48866.jpg
Erhöhte funktionelle Koppelung des dlPFC mit dem ventralen Pallidum


In ihrer neuen Publikation beschreibt die Forschergruppe nun den Einfluss von AVP auf kooperatives Verhalten beim Menschen und die damit verbundenen Hirnmechanismen. „Durch Kooperation können Menschen Dinge erreichen, die über die Fähigkeiten des Einzelnen hinausgehen. Uns hat die Frage interessiert, durch welche neurobiologischen Mechanismen solch kooperatives Verhalten geformt wird“, so der Psychologe Dr. Marcus Heldmann von der Universität zu Lübeck.

Erhöhte Aktivierung im dlPFC
Erhöhte Aktivierung im dlPFC Brunnlieb et al.

Um den Einfluss von AVP auf diesen Aspekt der sozialen Kooperation zu untersuchen, wurden zunächst 59 männliche Probanden in einer Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie untersucht. Den Teilnehmern wurde über ein Nasenspray AVP gegeben, in der Placebogruppe erhielten die Probanden Kochsalzlösung. Anschließend spielten die Probanden in Zweiergruppen ein Spiel, das für einen maximalen Gewinn die Kooperation der Spielpartner erfordert.

„Unser Experiment zeichnet sich durch zwei Eigenheiten aus“, erläutert Dr. Dipl.-Biol. Claudia Brunnlieb die Untersuchungssituation. „Die Teilnehmer gewinnen am meisten Geld, wenn sie sich für ein kooperatives Verhalten entscheiden und ihr Gegenüber es auch tut. Allerdings bekommt ein Spieler besonders wenig, wenn er sich zwar kooperativ verhält, sein Gegenüber dies aber nicht tut.“

Es zeigte sich, dass unter AVP die Probanden eine stärkere Bereitschaft zu einer solch risikobehafteten Kooperation zeigen als unter Placebo. Um auszuschließen, dass sich lediglich die Risikobereitschaft verändert, wurde das Verhalten der Probanden zusätzlich in einer Lotterieaufgabe untersucht. In dieser Lotterieaufgabe unterscheiden sich die Gruppen mit und ohne AVP-Gabe nicht. AVP verändert also nicht die Risikowahrnehmung per se, sondern nur die Risikowahrnehmung im sozialen Kontext.

Um die neuralen Mechanismen riskanter Kooperation zu verstehen, wurde die Untersuchung an einer weiteren Gruppe von 34 Männern bei gleichzeitiger Messung der Hirnaktivität durch die funktionelle Magnetresonanztomographie wiederholt.

  • Kooperatives Verhalten unter AVP veränderte die Aktivität von Hirnstrukturen, die für Handlungskontrolle, Wahrnehmung von Risiko und die Verarbeitung von Belohnungsreizen verantwortlich sind.

„Zwei Aspekte sind an unserer Untersuchung hervorzuheben“, ordnen Claudia Brunnlieb und Marcus Heldmann die Befunde ein.

„Zum einen können wir trotz der Komplexität sozialer Interaktionen unsere Ergebnisse in zwei Studien replizieren, was für die Robustheit des Einflusses von AVP spricht.

  • Zum anderen finden wir mit der Gehirnregion des ventralen Pallidum, welches ein Teil des menschlichen Belohnungssystems ist, eine Struktur bei kooperativem Verhalten funktionell stärker eingebunden, die sich durch eine hohe Dichte von Vasopressinrezeptoren auszeichnet. 
  • Das Besondere dabei ist, dass sich der Einfluss des Petpids selektiv in einer Bedingung auswirkt (kooperatives Verhalten unter AVP) und nicht generell wirkt.“

Vielfältige Fragestellungen können sich an diese Befunde anschließen. So ließe sich prüfen, ob Vasopressin in Gruppen genutzt werden kann, bei denen eine Kooperation notwendig für das Erreichen eines übergeordneten Zieles ist, wie es zum Beispiel auf die Arbeit von Teams in Notfallsituationen zutrifft. Die Lübecker Wissenschaftler interessieren sich besonders dafür, ob der Einfluss von Vasopressin im klinischen Bereich genutzt werden kann, etwa bei Patienten mit Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion.

Literatur
Brunnlieb C, Nave G, Camerer CF, Schosser S, Vogt B, Münte TF, Heldmann M.
Vasopressin increases human risky cooperative behavior. Proc Natl Acad Sci U S A.
2016 Feb 23;113(8):2051-6. doi: 10.1073/pnas.1518825113. Epub 2016 Feb 8. PubMed
PMID: 26858433.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com














Über Google: Medizin am Abend Berlin 



Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Deutschland
Schleswig-Holstein

Rüdiger Labahn
Telefon: 0451/500-3004
Fax: 0451/500-3016
E-Mail-Adresse: presse@uni-luebeck.de


360° TOP-Thema: Patienten am Lebensende - lebensverlängernde Maßnahmen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Arzt und Patient verzichten häufiger auf lebensverlängernde Massnahmen

In der Schweiz wird bei Patienten am Lebensende häufig auf eine Behandlung verzichtet – auch im europäischen Vergleich. Im Jahr 2013 leisteten Deutschschweizer Ärzte in mehr als vier von fünf erwarteten Sterbefällen in irgendeiner Form Sterbehilfe. Die ethisch schwierigen Entscheidungen werden meist gemeinsam mit Patienten und Angehörigen gefällt, wie zwei neue Studien von Wissenschaftlern der Universitäten Zürich und Genf belegen. 
 
Schwindet die Hoffnung auf Heilung, verschieben sich die Schwerpunkte medizinischen Handelns. 
  • Anstatt den Tod weiter hinauszuzögern, soll die Lebensqualität von schwerkranken Patientinnen und Patienten möglichst hoch sein und ihr Leiden gelindert werden. 

Forschende der Universitäten Zürich und Genf haben im Jahr 2013 Ärzte in der Deutschschweiz zu ihrer medizinischen Praxis am Lebensende befragt.

Die nun veröffentlichten Daten zeigen, dass in mehr als vier von fünf erwarteten Todesfällen in irgendeiner Form Sterbehilfe geleistet wurde – am häufigsten als Behandlungsverzicht oder -abbruch sowie als intensivierte Verabreichung von Schmerzmitteln wie etwa Morphin.

In der überwiegenden Mehrheit der Fälle wurde der Entscheid gemeinsam mit dem Patienten und seinen Angehörigen gefällt.

Insgesamt waren 71,4 Prozent bzw. 2256 der untersuchten Todesfälle «nicht plötzlich» und «erwartet».

  • Nur bei 18 Prozent dieser Fälle wurden im Vorfeld keine medizinischen Entscheidungen getroffen, die den Todeseintritt möglicherweise oder wahrscheinlich beschleunigt haben. 
Bei 70 Prozent der erwarteten Sterbefälle wurde auf weitere Behandlungen verzichtet bzw. eine laufende Therapie abgebrochen.

Fast gleich häufig war mit 63 Prozent der Fälle die intensivierte Abgabe von Mitteln zur Schmerz- bzw. Symptomlinderung. «Bei etwas mehr als der Hälfte der erwarteten Sterbefälle wurden vor dem Tod mehrere Massnahmen kombiniert», erklärt Matthias Bopp vom Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich. Hingegen selten – in drei Prozent der Fälle – war aktive Sterbehilfe wie Suizidbeihilfe, aktive Sterbehilfe auf Verlangen oder ohne ausdrückliches Verlangen des Patienten.

Medikamentöser Tiefschlaf am Lebensende

Die Studie untersuchte auch die sogenannte terminale Sedierung, den Einsatz von Beruhigungsmitteln mit dem Ziel, den Patienten kurz vor dem Tod in einen kontinuierlichen Tiefschlaf zu versetzen. Auch wenn diese Massnahme in der Regel nicht zu einer Lebensverkürzung führt, ist die terminale Sedierung eine ethisch schwerwiegende Entscheidung.

  • Verschiedene Länder berichteten über eine Zunahme dieses Trends. 
  • In der vorliegenden Studie ergab sich für 2013 gegenüber 2001 beinahe eine Vervierfachung der Häufigkeit und damit ein (noch) höherer Wert als etwa in Belgien oder den Niederlanden.

Gemeinsame Entscheidung mit Patienten und Angehörigen

Ein besonderes Augenmerk legte die Studie auf die Frage, wie häufig Patienten und Angehörige bei Entscheidungen miteinbezogen wurden. Dabei zeigten sich grosse Unterschiede, je nach dem, wie der Arzt die Entscheidungsfähigkeit des Patienten einschätzte. Während nur mit jedem zehnten der nicht urteilsfähigen Patienten die getroffenen Entscheidungen besprochen wurden, geschah dies bei den voll urteilsfähigen Patienten in beinahe drei von vier Fällen. Werden auch Gespräche mit Angehörigen und frühere Willensäusserungen des Patienten berücksichtigt, kommt es bei nicht urteilsfähigen Patienten in vier von fünf Fällen zu einer gemeinsamen Entscheidung und bei voll Urteilsfähigen sogar in rund neun von zehn Fällen. Georg Bosshard, Leitender Arzt an der Klinik für Geriatrie des UniversitätsSpitals Zürich, sieht hier Verbesserungspotenzial: «Es werden noch einige medizinische Entscheidungen gefällt, ohne dass der Arzt diese mit dem Patienten oder seinem Umfeld vorgängig bespricht. Wenn es gelingt, die Kommunikation zwischen Arzt, Patient und Angehörigen zu verbessern und solch heikle Entscheidungen wann immer möglich gemeinsam zu treffen, führt dies zu einer besseren Situation für alle Betroffenen.»

Vergleiche mit den lateinischen Landesteilen in Aussicht

In der letzten Lebensphase haben Ärztinnen und Ärzte oft ethisch schwierige Entscheidungen zu fällen, die den Todeszeitpunkt der von ihnen betreuten Patientinnen und Patienten beeinflussen können. Dabei treffen unterschiedliche Erfahrungen, Emotionen, Glaubens- und Wertanschauungen von Ärztinnen und Ärzten, von Patientinnen und Patienten und Angehörigen aufeinander. Mit den Resultaten dieser Studie kann das Thema «Sterbehilfe» wissenschaftlich fundiert und aus einer sachlichen Perspektive beleuchtet werden. Im Gegensatz zur Erhebung im Jahr 2001 sind in der neuen Studie alle Landesteile der Schweiz abgedeckt. Dies ermöglicht eine gezielte Untersuchung allfälliger kultureller Unterschiede. Entsprechende Auswertungen sind im Gange und sollen noch in diesem Jahr veröffentlicht werden.

Zur Studie
Repräsentative Daten zur Häufigkeit medizinischer Praktiken in der letzten Lebensphase wurden bisher in der Schweiz erst einmal, im Jahr 2001, erhoben. Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 67 «Lebensende» führte das Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit der Klinik für Geriatrie am Universitätsspital Zürich, dem Institut für Biomedizinische Ethik der Universität Genf und dem Bundesamt für Statistik 2013 eine zweite Erhebung durch. Von den rund 5000 an Deutschschweizer Ärzte versandten Fragebogen wurden 63,5 Prozent retourniert.

Methodische Anmerkung
Es gibt zwei mögliche Nenner als Bezugsgrösse für medizinische Entscheidungen am Lebensende: (1) das Total aller Sterbefälle, das bei internationalen Vergleichen üblich ist (siehe Publikation in JAMA Internal Medicine); (2) alle Sterbefälle, bei denen eine Entscheidung möglich war (d.h. unter Ausschluss von rund 30 Prozent plötzlichen und unerwarteten Sterbefällen, bei denen vermutlich gar keine Entscheidung möglich war), was bessere Aussagen über die Versorgungsqualität erlaubt (siehe Publikation in Swiss Medical Weekly).

Diese Studie wurde hauptsächlich durch den Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen seines Nationalen Forschungsprogramms 67 «Lebensende» finanziert. Ein Zusatzbeitrag wurde von der SwissLife Jubiläumsstiftung gesprochen.

Literatur:
Georg Bosshard, Ueli Zellweger, Matthias Bopp, Margareta Schmid, Samia A. Hurst, Milo A. Puhan, Karin Faisst. Medical end-of-life practices in Switzerland: A comparison of 2001 and 2013. JAMA Internal Medicine. Published online February 29, 2016. doi:10.1001/jamainternmed.2015.7676

Margareta Schmid, Ueli Zellweger, Georg Bosshard, Matthias Bopp. Medical end-of-life decisions in Switzerland 2001 and 2013: Who is involved and how does the decision-making capacity of the patient impact? Swiss Medical Weekly, March 2, 2016. doi:10.4414/smw.2016.14307

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:
www.medizin-am-abend.blogspot.com



 












Über Google: Medizin am Abend Berlin

Prof. Dr. med. et phil. Milo A. Puhan
Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention
Universität Zürich
Tel. +41 44 634 46 10
E-Mail: miloalan.puhan@uzh.ch

PD Dr. med. Georg Bosshard
Klinik für Geriatrie
UniversitätsSpital Zürich
Tel. +41 79 870 55 18
E-Mail: georg.bosshard@usz.ch
Kurt Bodenmüller Universität Zürich
 institution logo

360° TOP-Hinweis: Behandlung von Erektionsproblemen + Vorher zum Hausarzt? Vorher zum Hautarzt?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Potenzmittel Sildenafil kann Wachstum von Hauttumoren verstärken

Tübinger Biochemiker entdecken Signalweg in Zellen des malignen Melanoms, der von dem Medikament beeinflusst wird 

Medizin am Abend Berlin ZusatzfachLink hier  
 
  • Tübinger Wissenschaftler haben neue Hinweise gefunden, dass die Einnahme des Wirkstoffs Sildenafil das Wachstum von Hauttumoren anregen kann. 
  • Sildenafil wird häufig bei Männern zur Behandlung von Erektionsproblemen eingesetzt.  
Professor Robert Feil und seine Arbeitsgruppe vom Interfakultären Institut für Biochemie der Universität Tübingen konnten im Tierversuch und an menschlichen Zellkulturen nun nachweisen, dass Sildenafil offenbar stimulierend in die Wirkung des Botenstoffes cyclisches Guanosinmonophosphat (cGMP) eingreift, was wiederum das Wachstum von bereits bestehenden bösartigen Melanomen anregt.

Ein Angriff auf den cGMP-Signalweg in Melanomzellen könnte im Gegenzug möglicherweise für die Behandlung von Hautkrebs genutzt werden. Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Cell Reports veröffentlicht.
Der Signalstoff cGMP spielt in vielen komplexen Stoffwechselwegen eine wichtige Rolle, von den Zellen der Blutgefäße und des Herzens bis hin zu Nerven- und Sinneszellen.
Seine genaue Wirkung auf erwünschte und unerwünschte Wachstumsprozesse im Körper ist noch weitgehend unbekannt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtete 2013 zum Thema „cGMP-Signalwege beim Zellwachstum und Überleben“ eine Forschergruppe an der Universität Tübingen ein.

„Wir haben entdeckt, dass auch Zellen des malignen Melanoms den cGMP-Signalweg für ihr Wachstum nutzen“, sagte Feil. Normalerweise sorge in der Zelle ein Enzym, die Phosphodiesterase 5 (PDE5), dafür, dass neu gebildetes cGMP kontinuierlich abgebaut werde. Sildenafil wiederum hemme die Wirkung von PDE5. „PDE5 wirkt in der Zelle wie eine Bremse auf das cGMP“, sagte Feil:

  • „Die Einnahme von Sildenafil schaltet diese Bremse gewissermaßen aus.“ Die Folge sei, dass die Melanome stärker zu wachsen beginnen. Dieser biochemische Mechanismus könnte erklären, warum Sildenafil das Melanomrisiko bei Männern erhöht.
  • Ein möglicher Zusammenhang zwischen der Einnahme von Sildenafil und Krebs wird in der Forschung seit mehreren Jahren diskutiert. 
  • Bei der Auswertung einer Langzeitstudie an rund 15.000 Männern in den USA hatte sich 2014 der Verdacht ergeben, dass die Einnahme von Sildenafil mit einem erhöhten Risiko für bösartige Melanome verbunden ist. 
Dieser Verdacht erhärtete sich 2015 durch eine weitere Studie an etwa 24.000 Männern aus Schweden. Die beiden Untersuchungen konnten jedoch nicht abschließend klären, ob das erhöhte Melanomrisiko tatsächlich auf eine biologische Wirkung des Arzneimittels auf die Tumorzellen zurückzuführen ist. Nicht ausgeschlossen wurde, dass das vermehrte Auftreten von Hautkrebs bei Männern, die Sildenafil einnehmen, auch eine Folge ihres Lebensstils sein könnte, der durch zahlreiche Urlaube mit intensiven Sonnenbädern oder Besuche in Solarien geprägt war.

Der Tübinger Biochemiker betonte, auch vor dem Hintergrund der neuen Ergebnisse bestehe kein Anlass, Männern generell von der gelegentlichen Einnahme von PDE5-Hemmern zur Behandlung von Erektionsstörungen abzuraten.

Zunächst seien weitere Untersuchungen notwendig, um die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen abzuschätzen.

  • Es sei aber eher unwahrscheinlich, dass der Wirkstoff bereits die Entstehung von Melanomzellen begünstige. „Wir gehen davon aus, dass Sildenafil und möglicherweise auch andere PDE5-Hemmer in erster Linie das Fortschreiten bereits vorhandener Melanome verstärken könnten, vor allem wenn diese Medikamente dauerhaft in hohen Dosen eingenommen werden“, sagte Feil.
Die Ergebnisse anderer Forschungsgruppen deuteten zudem darauf hin, dass der Wirkstoff auf weitere Tumorarten möglicherweise positive Effekte hat, so etwa das Wachstum bestimmter Darmtumore hemmen könnte.
Melanompatienten allerdings sollten die Verwendung solcher Medikamente mit ihren Ärzten abklären.

 „Letztlich sollten wir alle daran denken, unser Melanomrisiko zu reduzieren, indem wir unsere Sonnenexposition vermindern und wirksamen UV-Schutz verwenden“, sagte Feil.

Publikation:
Sandeep Dhayade, Susanne Kaesler, Tobias Sinnberg, Hyazinth Dobrowinski, Stefanie Peters, Ulrike Naumann, He Liu, Robert E. Hunger, Martin Thunemann, Tilo Biedermann, Birgit Schittek, Hans-Uwe Simon, Susanne Feil, and Robert Feil: Sildenafil Potentiates a cGMP-Dependent Pathway to Promote Melanoma Growth. Cell Reports (2016), http://dx.doi.org/10.1016/j.celrep.2016.02.028

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt: 
www.medizin-am-abend.blogspot.com


 















Über Google: Medizin am Abend Berlin

Prof. Dr. Robert Feil
Universität Tübingen
Interfakultäres Institut für Biochemie
Telefon +49 7071 29-73350
robert.feil[at]uni-tuebingen.de
Dr. Karl Guido Rijkhoek Eberhard Karls Universität Tübingen

institution logo