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Schilddrüsen - Schlüssellochchirurgie - Operation: ABBA Methode - mit schöner Halsregion

Medizin am Abend Berlin:  Schilddrüsen-OP: ABBA sorgt für makellosen Hals

Frauen, die sich aufgrund eines Knotens der Schilddrüse einer Operation unterziehen müssen, können aufatmen. 

Dank der Methode des „Axillo Bilateral Breast Approach“ – kurz ABBA – kann der Eingriff ohne den sonst üblichen queren Schnitt in der Halsregion erfolgen. 

Die Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden gehört deutschlandweit zu den wenigen Krankenhäusern, die diese Schlüsselloch-OP nun anbieten kann. 

Eine 32-jährige Dresdnerin ist die erste von dem Team um Klinikdirektor Prof. Jürgen Weitz operierte Patientin – der Eingriff fand Anfang Februar statt. 

 Dr. Sandra Leike zeigt Patientin Maria Streubel die Operationsinstrumente für den minimalinvasiven Eingriff bei der Schilddrüsen-OP.
 Dr. Sandra Leike zeigt Patientin Maria Streubel die Operationsinstrumente für den minimalinvasiven Eingriff bei der Schilddrüsen-OP. Holger Ostermeyer / Uniklinikum Dresden
 
Die Chirurgen erreichen die Schilddrüse, indem sie die für die speziell für Schlüssellochchirurgie hergestellten Operationsinstrumente über den Brustbereich und die Achsel einführen und unterhalb der Hautschicht bis zu dem Organ bewegen.

Neben dem guten kosmetischen Ergebnis – anstatt des mindestens vier Zentimeter langen Schnitts im Hals genügen nun drei wesentlich kürzere Schnitte – können die Operateure noch präziser vorgehen.

Denn im Bereich der Drüse verläuft ein Nerv, der die Stimmlippen steuert.

„Kalter Knoten“ nennen die Ärzte bestimmte Formen von Gewebeveränderungen der Schilddrüse. „Kalt“ deswegen, weil dieses Gewebe die Hormonproduktion nicht erhöht – ganz im Gegenteil zu den „heißen Knoten“. 

Trotzdem besteht auch bei ersteren Veränderungen Handlungsbedarf, weil sich daraus ein bösartiger Tumor entwickeln kann oder eventuell bereits ein solcher Tumor entstanden ist. 

Die „kalten Knoten“ werden in der Regel chirurgisch entfernt – ein Routineeingriff, den auch die Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie jährlich mehr als 100 Mal pro Jahr vornimmt.

„Da wir bundesweit zu den führenden Zentren der minimal-invasiven Chirurgie gehören, sind wir sehr daran interessiert, die Bandbreite unserer Verfahren und der sogenannten Schlüssellochchirurgie stetig auszubauen“, sagt Prof. Weitz.

  • Vor allem komplexe Eingriffe an Speiseröhre, Magen und Darm sowie Bauchspeicheldrüse oder Gallenblase gehören zu den Spezialitäten der Klinik. Im Mittelpunkt steht dabei die Versorgung von Krebspatienten. 

Aber auch die Korrekturen von Leistenbrüchen und weitere Standard-OPs führen die Operateure der Klinik hundertfach im Jahr in der Schlüsselloch-Technik aus.

„Die große wie vielfältige Erfahrung meines Teams prädestiniert uns, neue Verfahren einzuführen. Das aber ist kein Selbstläufer, denn die Sicherheit der Patienten und die höchstmögliche Qualität stehen an erster Stelle. Deshalb haben Dr. Sandra Leike und ich mehrere OP-Kurse unter anderem bei Prof. Martin Strik, dem deutschen Pionier der ABBA-Methode, absolviert“, so Prof. Weitz weiter. Nach dieser Phase des Lernens haben die Oberärztin und der Klinikdirektor am 2. Februar erstmals eine Patientin mit der ABBA-Methode operiert. Die Dresdnerin erfüllt alle Kriterien, die für diese OP-Technik gefordert sind: Die Veränderung der Schilddrüse war ein „Kalter Knoten“ und hatte eine relativ geringe Größe.

Dr. Leike kann gut verstehen, dass sich Frauen für die neue Form des Eingriffs entscheiden:

„Es ist eine markante Stelle des Körpers – dort springt einem eine Narbe sofort ins Auge.“

Denn bei einer herkömmlichen Schilddrüsen-OP muss ein mindestens vier Zentimeter langer Schnitt gemacht werden. Genau vorhersehbar ist nicht, wie die Narbe verheilt. Manchmal bleibt es nicht bei einer feinen, unauffälligen Linie:

  • So besteht die Gefahr, dass sich deutlich sichtbares, überschießendes Narbengewebe bildet. Der Schnitt durch die Hautschichten des Halses und dem darunterliegenden Gewebe kann weitere Folgen kosmetischer Natur haben. 

Etwa ein leichter Lymphstau als Folge des Schnitts, so dass es zu einer sichtbaren Schwellung kommt.

Als einen weiteren Vorteil des minimalinvasiven Eingriffs der ABBA-Methode sieht Dr. Leike die höhere Präzision.

Dank der Videokamera, die zu den OP-Instrumenten gehört, sieht sie das zu operierende Gebiet in mehrfacher Vergrößerung auf einem Bildschirm. „Damit können wir noch genauer sehen, wo zum Beispiel die Nerven in Richtung der Stimmlippen verlaufen. Sie sollten auf keinen Fall verletzt werden“, erklärt Dr. Leike.

  • Mit der ABBA-Methode ist der Weg der OP-Instrumente zur Schilddrüse deutlich länger. Die in Hülsen mit einem Durchmesser von fünf Millimetern eingeführten Instrumente – die selber teilweise nur drei Millimeter dick sind - werden in dem unter der Haut befindlichen Fettgewebe bewegt. 

Dabei ist ein Schnitt nur nötig, um einmal die Oberhaut zu öffnen – in der Achsel sind dies 1,5 Zentimeter im Bereich der Brust lediglich fünf Millimeter. Danach reicht es den Operateuren aus, CO2 zwischen die Gewebeschichten zu drücken, um sich den Weg zu bahnen – absolute Routine bei jedem Minimalinvasiven Eingriff, beispielsweise auch bei Operationen an Magen und Darm oder bei der Korrektur eines Leistenbruchs.


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Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie
Direktor: Prof. Dr. med. Jürgen Weitz
Tel.: 0351 458 2742
E-Mail: juergen.weitz@uniklinikum-dresden.de

Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie
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Fokale kortikale Dysplasien: Epilepsie + Chiptechnologie

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Epilepsie auf molekularer Ebe

Forscher untersuchen Zusammenhang zwischen fehlgebildeter Hirnrinde und der neurologischen Erkrankung 
 
Warum birgt eine strukturelle Unregelmäßigkeit im Schläfenlappen des Menschen ein erhöhtes Potenzial für epileptische Anfälle? 

Diese Frage beschäftigt Fachkreise schon seit Langem. Eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Freiburg, die dem Exzellenzcluster BrainLinks-BrainTools der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg angehören, hat in der Fachzeitschrift „Cerebral Cortex“ eine Studie vorgelegt, die einen Vergleich von fast 30.000 Genen umfasst.

Das Team beschreibt pathologische Prozesse im Gewebe bei einer Entwicklungsstörung der Großhirnrinde.

Die Studie ist die bislang größte dieser Art. Für das Team gilt sie als beispielhaft für die Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforscherinnen und -forschern sowie Klinikerinnen und Klinikern.


Bildunterschrift: Siehe Pressemitteilung

Der Ausschnitt aus der Großhirnrinde zeigt die Myelinfasern, die die Nervenzellen elektrisch abschirmen (grün/lila).
Cerebral Cortex/Oxford University Press

Bei etwa 25 Prozent der auf bestimmte Bereiche begrenzten Epilepsien finden sich als „fokale kortikale Dysplasien“ bezeichnete krankhafte Veränderungen der Hirnrinde. 
  • Patientinnen und Patienten mit diesen Dysplasien weisen oft eine Resistenz gegen Antiepileptika auf. 
  • Der bislang wirkungsvollste therapeutische Ansatz ist, die betroffenen Areale zu entfernen, denn nach einer Operation kommen in der Regel keine epileptischen Anfälle mehr vor. 
Bisher konnten Forscher jedoch nur vermuten, welche molekularen Zusammenhänge zwischen der abweichenden Hirnrindenstruktur und dem Auftreten von Epilepsie bestehen.

Um zu einem detaillierten Verständnis zu gelangen, hat das Team um die Freiburger Neurobiologin Prof. Dr. Carola Haas verglichen, welche Gene bei fehlgebildetem Hirnrindengewebe und epileptischem, nicht fehlgebildeten Hirnrindengewebe exprimiert sind. 

Dazu nutzten die Forscher so genannte Microarrays, einer Chiptechnologie, die ursprünglich aus der Halbleiterindustrie stammt.

Auf diese Weise haben Haas und ihre Kolleginnen und Kollegen gezeigt, dass vor allem Faktoren, die für die Bildung von Myelin verantwortlich sind, im kranken Gewebe weniger stark ausgeprägt sind.

  • Bei Myelin handelt es sich um eine die Nervenzellen elektrisch abschirmende Schicht. 
  • Zusätzliche Analysen zeigten, dass die Struktur dieser Schicht aufgebrochen und durcheinander gebracht erscheint. 
  • Dadurch könnte die Leitung der Reize in der betroffenen Hirnregion nicht unerheblich eingeschränkt sein. 

„Möglicherweise lässt sich die Neigung zu Epilepsie bei der untersuchten Fehlbildung auf eine dadurch entstandene elektrische Überreizbarkeit jener Nervenfaserumhüllung zurückführen“, sagt Haas.

In weiteren Studien will die in der Klinik für Neurochirurgie ansässige Gruppe nun erforschen, was im fehlgebildeten Gewebe bei der Entwicklung von Myelin genau passiert.

Originalveröffentlichung:
C. Donkels, D. Pfeifer, P. Janz, S. Huber, J. Nakagawa, M. Prinz, A. Schulze-Bonhage, A. Weyerbrock, J. Zentner, C. Haas (2016): Whole Transciptome Screening Reveals Myelination Deficits in Dysplastic Human Temporal Neocortex..In: Cerebral Cortex., pp. 1-15.

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Prof. Dr. Carola Haas
Sektion Grundlagen epileptischer Erkrankungen
Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Freiburg
Tel.: 0761/270-52950
E-Mail: carola.haas@uniklinik-freiburg.de

Levin Sottru
Science Communicator
Exzellenzcluster BrainLinks-BrainTools
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-67721
E-Mail: sottru@blbt.uni-freiburg.de
Rudolf-Werner Dreier Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

360° TOP-Thema: Ab 55 Jahre : Vorsorge - Darmspiegelung - Koloskopie

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Darmkrebsmonat März

Deutlich weniger Neuerkrankungen und Todesfälle seit Einführung der Vorsorge-Darmspiegelung

2002 wurde die Vorsorge-Koloskopie in das gesetzliche Krebsfrüherkennungs-Programm in Deutschland aufgenommen. 


Zwischen 2003 und 2012 sank die altersstandardisierte Darmkrebs-Neuerkrankungsrate in Deutschland um rund 14 Prozent, wie Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum nun berechneten. 

  • Der Rückgang zeigte sich am stärksten in den Altersgruppen ab 55 Jahren, in denen die Untersuchung angeboten wird. 

Die altersstandardisierte Darmkrebs-Sterblichkeit sank um fast 21 Prozent bei Männern und sogar um über 26 Prozent bei Frauen. 
 
  • Die Darmspiegelung ist Früherkennung und zugleich echte „Krebsvorsorge“; da eventuell entdeckte Krebsvorstufen direkt bei der Untersuchung entfernt werden können. 

Im Oktober 2002 wurde die „Vorsorge-Koloskopie“, so der Fachbegriff, für Versicherte ab 55 Jahren in das gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm in Deutschland aufgenommen.

  • Zwischen 2003 und 2012 nahmen etwa 20-30 Prozent der Anspruchsberechtigten dieses Angebot wahr.

Hermann Brenner und seine Kollegen im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben nun gemeinsam mit Wissenschaftlern vom Krebsregister Saarland und der Universität Lübeck untersucht, ob und in welchem Umfang die Vorsorge-Koloskopie bereits zehn Jahre nach ihrer Einführung Wirkung zeigt.

  • Da Darmkrebs sich in den meisten Fällen sehr langsam über viele Jahre entwickelt, wird der volle Effekt der Präventionsmaßnahme erst längerfristig zum Tragen kommen. 
  • Doch schon zwischen 2003 und 2012 sank die altersstandardisierte Neuerkrankungsrate in Deutschland um 13,8 Prozent bei Männern und um 14,3 Prozent bei Frauen. 
  • Die altersstandardisierte Darmkrebs-Sterblichkeit sank um 20,8 Prozent bei Männern und sogar um 26,5 Prozent bei Frauen.

Der starke Rückgang an neu diagnostizierten Darmkrebs-Fällen betraf selektiv die Altersgruppen ab 55 Jahren.

Zuvor war die Neuerkrankungsrate über mehrere Jahrzehnte angestiegen, erst im Untersuchungszeitraum kam es zur Trendumkehr.

  • In den Altersgruppen unter 55 Jahren, denen die Vorsorge-Untersuchung nicht angeboten wird, war dagegen kein vergleichbarer Rückgang der Neuerkrankungen zu beobachten.
Die beobachteten Muster sprechen dafür, dass die Vorsorge-Darmspiegelung ganz wesentlich dazu beiträgt, die Darmkrebs-Neuerkrankungsrate und Sterblichkeit in Deutschland zu senken. 

Nach den längerfristigen Erfahrungen aus den USA erwarten die Wissenschaftler, dass sich dieser Rückgang sowohl der Neuerkrankungsrate als auch der Sterblichkeit in den kommenden Jahren weiter deutlich fortsetzt und noch verstärkt.

„Bei der Koloskopie werden viele Tumoren in einem frühen Stadium mit guten Heilungschancen entdeckt, deshalb geht die Sterblichkeit sogar noch stärker zurück als die Neuerkrankungsrate“, erklärt der Epidemiologe Michael Hoffmeister vom DKFZ. Studienleiter Hermann Brenner ergänzt: „Heute gibt es in Deutschland jedes Jahr mehr als 60.000 Darmkrebs-Neuerkrankungen und mehr als 25.000 Darmkrebs-Todesfälle.

  • Die meisten dieser Fälle könnten durch eine Darmspiegelung vermieden werden – das ist das beste Argument dafür, dieses effektive Vorsorgeangebot zu nutzen!“.

Die Grundlage für die Berechnung der Neuerkrankungsrate waren die Daten der epidemiologischen Krebsregister, für die Berechnung der Mortalität die amtliche Todesursachenstatistik. Längerfristige Trends wurden anhand der Daten des Krebsregisters Saarland ermittelt, das bereits seit langem Krebsfälle vollständig erfasst.

Hermann Brenner, Petra Schrotz-King, Bernd Holleczek, Alexander Katalinic, Michael Hoffmeister: Rückgang der Darmkrebs-Inzidenz und Mortalität in Deutschland - Analyse zeitlicher Trends in den ersten 10 Jahren nach Einführung der Vorsorge-Koloskopie
Deutsches Ärzteblatt, 19. Februar 2016

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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Dr. Stefanie Seltmann
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
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360°-TOP-Hinweis: Novovirus: Der Winter ist Hochsaison für Durchfallerreger

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Norovirus: Nach der Erkrankung noch zwei Tage zu Hause bleiben

Wenn es kalt ist, haben Noroviren Hochsaison: 

Fast die Hälfte der im vergangenen Jahr in Deutschland registrierten 89 000 Infektionen fiel auf die Monate Januar bis März. 

Dabei umfasst die Zahl nur Fälle, bei denen das Magen-Darm-Virus durch eine Laboruntersuchung nachgewiesen wurde. 

Die tatsächliche Fallzahl liegt um ein Vielfaches höher. Der wirksamste Schutz besteht in häufigem und sorgfältigem Händewaschen, so die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). 

  • Erkrankte sollten zudem zwei Tage über das Abklingen der Symptome hinaus zu Hause bleiben. 
 
„Wenn Erkrankte zu früh wieder in Kontakt mit anderen Menschen treten, besteht ansonsten das Risiko, dass sich die Noroviren weiter ausbreiten“, erklärt Professor Dr. med. Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Jena. Zudem gelte es, auch im Anschluss an eine Erkrankung auf sorgfältige Hygiene zu achten. 

„Der Körper scheidet die Viren noch über ein bis zwei Wochen aus“, so der Experte.

In den meisten Fällen sei es sinnvoll, zu Hause abzuwarten, bis Durchfall und Erbrechen vorbei sind.

Da die Krankheit dem Körper Wasser und Elektrolyte entzieht, sollten Patienten viel trinken: verdünnte Säfte, Brühe oder gezuckerter Tee können die Verluste ausgleichen. 

Selten müssen Betroffene eine Infusion bekommen, um den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. 

  • „Kinder unter fünf und ältere Menschen über 70 Jahren erkranken nicht nur häufiger, sondern oft auch schwerer als andere Altersgruppen“, betont Stallmach. 

Wenn Angehörige oder Pflegende feststellen, dass sich der Allgemeinzustand eines Patienten verschlechtert, sollten sie medizinische Hilfe suchen.  

Wichtig dabei: die Voranmeldung in der Klinik oder der Praxis.

Denn dort breitet sich das Virus weiter aus und gefährdet andere. 2014 kam es laut Robert Koch-Institut in deutschen Kliniken zu 850 Norovirus-Ausbrüchen mit über 9000 Infektionen.

„Für schwerkranke Patienten in Kliniken kann eine Norovirus-Infektion lebensbedrohlich sein.

  • Deshalb müssen Erkrankte soweit möglich isoliert werden.“

Der Experte erklärt, welche Möglichkeiten es gibt, sich vor Noroviren zu schützen: „Das Wichtigste ist, sich möglichst von Erkrankten fern zu halten und separate Toiletten zu benutzen“, so Stallmach.

  • Denn Noroviren sind hochansteckend. 

  • Stallmach: „Pflegende und Angehörige sollten beim Waschen von Kleidungsstücken und Handtüchern oder beim Toilettenputzen unbedingt Einmalhandschuhe nutzen.“ 

Damit beim Ausziehen der Handschuhe keine Erreger an die Hände gelangen, wenden Profis folgende Technik an:

  • Zunächst zieht die eine Hand den Handschuh der anderen ab und hält diesen Locker in der Hand. Dann krempelt die freie Hand vom Arm her vorsichtig den zweiten Handschuh über den ersten. Anschließend wandern beide in den Müll.

Da Noroviren gegenüber vielen Desinfektionsmitteln unempfindlich sind, bleiben sie auch nach sorgfältigen Putzaktionen meist noch im Umlauf. 

Sie überstehen Temperaturen von minus 20 bis plus 60 Grad Celsius und halten sich nicht nur im Privathaushalt, sondern auch in Kitas, Senioreneinrichtungen und Kreuzfahrtschiffen äußerst hartnäckig.

„Wir hoffen sehr auf die Impfstoffe, die derzeit in der Entwicklung sind und die zum Teil bereits in klinischen Studien getestet werden“, sagt DGVS-Experte Stallmach.

Die Krankheitslast und die wirtschaftlichen Kosten, die das Norovirus verursacht, seien enorm und könnten durch einen wirksamen Impfstoff drastisch gesenkt werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten.

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Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

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Stressantwort in meiner Zelle: ADP-Ribosylierung des Chromatins: zelllären Stressreaktion

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Exaktere Analyse der Zellreaktionen auf Stress

Stress in den Zellen des Körpers sind sowohl Ursache als auch Konsequenz von Entzündungskrankheiten oder Krebs. 

Die Zellen reagieren auf diesen Stress, um sich vor Schädigungen zu schützen. 

Forschende der Universität Zürich haben nun ein neues Verfahren entwickelt, mit der sich eine elementare Stressantwort viel detaillierter als bisher untersuchen lässt: 

die ADP-Ribosylierung des Chromatins. 

Langfristig soll diese Methode helfen, krankmachende Prozesse zu unterbinden. 

 Zellen in Kultur reagieren auf Stress mit massiver ADP-Ribosylierung (rot) im Zellkern (blau).
Zellen in Kultur reagieren auf Stress mit massiver ADP-Ribosylierung (rot) im Zellkern (blau).
Bild: Universität Zürich
 
  • Sind Zellen Stress ausgesetzt, werden verschiedene Reparatur- und Entgiftungsprozesse in Gang gesetzt, damit sich die Zellen vor Schädigungen schützen können. 
  • Stress wird durch Umweltfaktoren oder durch die körpereigene Reaktion auf Entzündungen verursacht, was zu Krebs oder Herzkrankheiten führen kann. 
Die Zellen reagieren, indem sie diverse Proteine chemisch modifizieren, so dass sich deren Aktivität und Funktion verändert. 

Zentral in dieser Stressantwort ist die ADP-Ribosylierung: 
  • Enzyme fügen dabei an bestimmten Stellen eines Proteins kleine Moleküle an oder entfernen sie, womit das Protein aktiviert oder deaktiviert wird. 
  • Dieser Schritt löst eine Kaskade von Prozessen aus, mit denen sich die Zelle dem Stress anpasst, um zu überleben.
  • Besonderes Augenmerk gilt unter anderem dem Schutz der Chromosomen, den Trägern der Erbinformation. 

Diese bestehen einerseits aus der genetischen Information sowie andererseits aus diversen Proteinen, um die die fadenförmige DNA gewickelt ist, dem Chromatin. 

  • Seit langem ist bekannt, dass einige der Chromatin-Proteine unter bestimmten Stressbedingungen ADP-ribosyliert werden, was der Zelle hilft, Stress-induzierte Schädigungen zu bewältigen. 

Doch wo genau die ADP-Ribosylierung am Chromatin stattfindet, war bislang unklar. Geeignete Verfahren, um diese Frage zu beantworten, fehlten.
Neue Methode erlaubt besseres Verständnis der zellulären Stressreaktion

Eine Gruppe von Wissenschaftlern des Instituts für Molekulare Mechanismen bei Krankheiten (ehemals Institut für Veterinärbiochemie und Molekularbiologie) der Universität Zürich hat nun eine neue Methode mit dem Namen «ADPr-ChAP» entwickelt, die den Nachweis der modifizierten Chromatin-Stellen erlaubt, die nach Zellstress entstehen. 

«Damit können wir genauer untersuchen, wo und wie die ADP-Ribosylierung die Struktur des Chromatins reguliert und diverse Prozesse wie die Vervielfältigung der DNA, deren Reparatur oder die Genaktivität steuert», erläutert Prof. Michael O. Hottiger, Leiter der Studie.

«Mit dieser Technik lässt sich viel detaillierter erforschen, welche Proteine ADP-ribosyliert werden – sowohl in Bezug auf das gesamte Genom wie auch an spezifischen Stellen. 

  • Und dies ermöglicht es, besser zu verstehen, wie eine Zelle auf einen bestimmten Stress reagiert», fasst Hottiger zusammen. 

Damit steht der Wissenschaft nun ein zuverlässiges Instrument zur Verfügung, um jene molekularen Signalwege zu identifizieren, die bei zellulären Stressreaktionen eine zentrale Rolle spielen. Langfristiges Ziel der Forschenden ist es, neue Möglichkeiten zu finden, um gezielt die krankmachenden Prozesse im Körper, beispielsweise bei chronischen Entzündungen oder Krebserkrankungen, zu unterbinden.

Literatur:
Giody Bartolomei, Mario Leutert, Massimiliano Manzo, Tuncay Baubec, and Michael O. Hottiger. Analysis of Chromatin ADP-Ribosylation at the Genome-wide Level and at Specific Loci by ADPr-ChAP. Molecular Cell, January 28, 2016. doi:10.1016/j.molcel.2015.12.025

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Prof. Michael O. Hottiger
Institut für Molekulare Mechanismen bei Krankheiten
Universität Zürich
Tel. +41 44 635 54 74
E-Mail: hottiger@dmmd.uzh.ch
Kurt Bodenmüller Universität Zürich

Biologicals: Blut-Hirn-Schranke

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Mit neuen Wirkstoff-Fähren ins Gehirn vordringen

Neue Ansätze zur Behandlung von Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie zum Beispiel Alzheimer oder Gehirntumore erforschen Wissenschaftler des Instituts für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg. Zusammen mit einem Forscherteam aus den USA entwickeln Prof. Dr. Gert Fricker auf dem Gebiet der Pharmazeutischen Technologie und die Neurobiologin Prof. Dr. Ulrike Müller sogenannte Trägersysteme, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden und damit wie eine Fähre bestimmte Wirkstoffe in das Gehirn einschleusen können. Das dreijährige Vorhaben wird als Schlüsselprojekt von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung mit rund 560.000 Euro unterstützt. Die Forschungsarbeiten beginnen im April 2016.

  • Die Blut-Hirn-Schranke, die das zentrale Nervensystem vom Blutkreislauf abschottet, wird von den Gefäßwänden der Gehirnkapillaren gebildet und erlaubt nur wenigen Nährstoffen den freien Durchtritt. 
  • Insbesondere für Makromoleküle wie Proteine, DNA oder RNA ist die Barriere praktisch völlig undurchlässig. 
Genau diese Moleküle, sogenannte Biologicals, sind aber für die Therapie von Erkrankungen wie Alzheimer oder zur Behandlung von aggressiven Hirntumoren, den Glioblastomen, von besonderem Interesse, wie Prof. Fricker erläutert.

Seine Arbeitsgruppe hat nun spezielle Polymer-Nanopartikel entwickelt, die an ihrer Oberfläche modifiziert sind und ganz gezielt an die Blut-Hirn-Schranke andocken, diese überwinden und sich anschließend im Gehirn auflösen.

Nach Angaben von Prof. Fricker können diese Partikel mit niedermolekularen Wirkstoffen, das heißt Stoffen mit geringer Molekülmasse, „hoch“ beladen werden. Sie befördern dann die ansonsten nicht gehirngängigen Stoffe in das zentrale Nervensystem, wo therapeutisch notwendige Konzentrationen erreicht werden.

Das zugrundeliegende Konzept wird nun auf Biologicals übertragen, die von Prof. Müller und ihrer Kollegin Prof. Dr. Olivia Merkel von der Wayne State University Detroit (USA) bereitgestellt werden.

Ulrike Müller ist Spezialistin für die Erforschung der Alzheimer-Erkrankung. Die Heidelberger Neurobiologin und ihre Arbeitsgruppe liefern das Peptid APPsα, das Nervenzellen schützt und als Gegenspieler des toxischen ß-Amlyoids gilt.

Die ß-Amlyoid-Ablagerungen werden als eine der Hauptursachen von Alzheimer angesehen. 

Olivia Merkel und ihr Forschungsteam stellen sogenannte small interfering RNA-Moleküle zur Verfügung.

Mit Hilfe dieser kurzen Moleküle aus Ribonukleinsäure soll die Expression bestimmter Gene in Gehirntumoren abgeschaltet werden.

Die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung dient der Förderung medizinischer Wissenschaft. Als Schlüsselprojekte unterstützt die Stiftung Vorhaben, die das Potential aufweisen, grundlegende und für ein ganzes Forschungsfeld richtungweisende Entdeckungen zu ermöglichen.

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Prof. Dr. Gert Fricker und Prof. Dr. Ulrike Müller
Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie
Telefon (06221) 54-8336 (Fricker) und -6717 (Müller)
gert.fricker@uni-hd.de, u.mueller@urz.uni-hd.de
Marietta Fuhrmann-Koch Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

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http://www.ipmb.uni-heidelberg.de/phazt/abteilung

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Flynn-Effekt: Die größe meines Gehirn + mein IQ

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Wenn das Gehirn wächst, steigt der IQ

Michael A. Woodley of Menie, PhD, Scientist in Residence an der TU Chemnitz, belegt erstmals einen Zusammenhang zwischen dem Wachstum des Gehirns und dem langfristigen Anstieg der Intelligenz 
 
Die Größe des Gehirns ist bei Menschen in Deutschland und Großbritannien im vergangenen Jahrhundert gewachsen.

  • Damit einher ging ein Anstieg des Intelligenzquotienten. 
Diesen Zusammenhang haben internationale Wissenschaftler unter Leitung von Michael A. Woodley of Menie, PhD, nun erstmals nachgewiesen.

Woodley of Menie ist Scientist in Residence an der Technischen Universität Chemnitz und Wissenschaftler des Center Leo Apostel for Interdisciplinary Research an der Vrije Universiteit Brussel. Beteiligt waren mit David Becker ein weiterer Forscher der TU Chemnitz sowie Wissenschaftler aus Kanada, Brasilien und Neuseeland. Ihre Ergebnisse haben sie im Januar 2016 in der Fachzeitschrift „Learning and Individual Differences“ veröffentlicht, die im Verlag Elsevier erscheint.

Die Psychologen stützen ihre Aussagen auf die Sekundär-Analyse von zwei Datensätzen, die mehrere Studien repräsentieren und Hinweise geben auf eine langfristige Steigerung der Gehirnmasse in Großbritannien und Deutschland.

In Großbritannien zeigen sich für einen Zeitraum von 80 Jahren folgende Zahlen: Bei Männern stieg die Masse des Gehirns um 52 Gramm, bei Frauen um 23 Gramm an.

In Deutschland lag der Anstieg innerhalb von 99 Jahren bei Männern bei 73,16 Gramm, bei Frauen bei 52,27 Gramm.

Hieraus haben die Forscher um Woodley of Menie nach einer Methode des US-amerikanischen Psychologen Arthur R. Jensen berechnet, wie hoch der Anstieg des IQ ist, der sich durch das Wachstum des Gehirns begründet: Bei den Männern in Großbritannien liegt der so ermittelte Anstieg bei 0,19 Punkte pro Jahrzehnt, bei den Frauen sind es 0,08 Punkte.  

In Deutschland zeigt sich ein Anstieg des IQ pro Jahrzehnt von 0,2 Punkten bei Männern und 0,15 bei Frauen.

Diese Zahlen haben die Wissenschaftler wiederum ins Verhältnis gesetzt zu den Prognosen des so genannten Flynn-Effekts.

„Einer der Co-Autoren unserer Veröffentlichung ist Prof. Dr. James Flynn, der als einer der ersten nachgewiesen hat, dass der Intelligenzquotient in unterschiedlichen Bevölkerungen mit der Zeit konstant ansteigt. 

Dieser IQ-Anstieg wird in Anerkennung seiner Entdeckung als Flynn-Effekt bezeichnet“, erklärt Woodley of Menie.

  • Der Flynn-Effekt beschreibt, dass der Intelligenzquotient in westlichen Staaten seit Beginn des 20. Jahrhunderts stetig um durchschnittlich drei Punkte pro Jahrzehnt gestiegen ist. 

Die aktuelle Studie zeigt nun, dass ein Teil des Flynn-Effektes durch das Wachstum des Gehirns erklärt werden kann.

In Großbritannien, wo der Gesamtanstieg des IQ Untersuchungen zufolge von 1932 bis 2008 bei 1,1 Punkte pro Dekade lag, beziffert sich der Beitrag des Anstiegs der Gehirnmasse auf fast 13 Prozent.

  • In Deutschland, wo für den Zeitraum von 1956 bis 2008 ein Gesamtanstieg um 6,1 IQ-Punkte nachgewiesen wurde, beträgt der Anteil rund drei Prozent.

Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Learning and Individual Differences“ veröffentlicht: Michael A. Woodley of Menie, Mateo A. Peñaherrera, Heitor B.F. Fernandes, David Becker & James R. Flynn (2016): It’s getting bigger all the time: Estimating the Flynn effect from secular brain mass increases in Britain and Germany. Learning and Individual Differences, 45, 95-100. DOI 10.1016/j.lindif.2015.11.004

Stichwort: Scientist in Residence

Das „Scientist in Residence“-Stipendium wurde zum 1. April 2015 an der TU Chemnitz eingerichtet und ermöglicht der Universität, weltweit renommierte Gastwissenschaftler einzuladen, um den wissenschaftlichen Austausch zu fördern und internationale Beziehungen zu pflegen. Der Fokus liegt dabei auf der Kernkompetenz „Mensch und Technik“ der TU Chemnitz. Michael A. Woodley of Menie, Wissenschaftler des Center Leo Apostel for Interdisciplinary Research (CLEA) an der Vrije Universiteit Brussel, forscht und arbeitet für zwei Jahre im Rahmen des Stipendiums an der Chemnitzer Universität. Der gebürtige Engländer beschäftigt sich interdisziplinär mit Aspekten der menschlichen Intelligenz und des Humankapitals und fokussiert dabei die Einflüsse auf den technologischen sowie wirtschaftlichen Fortschritt.



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Michael A. Woodley of Menie  PhD
E-Mail michael.woodley-of-menie@hrz.tu-chemnitz.de
Katharina Thehos Technische Universität Chemnitz

Türkisch sprachige Krebspatienten: www.ucch.de

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Neues interkulturelles Netzwerk unterstützt türkischsprachige Krebspatienten

Für Hamburger Krebspatienten mit türkischem Migrationshintergrund ist ab sofort eine Behandlung ohne Barrieren in einem neu geschaffenen ärztlichen Netzwerk möglich: 

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) startet zusammen mit klinischen und niedergelassenen Fachspezialisten der Onkologie, Chirurgie, Urologie und Strahlentherapie ein interkulturelles Netzwerk zur Krebstherapie. 

  • Ziel ist eine umfassende medizinische Versorgung ohne sprachliche und kulturelle Distanzen. 

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„Gerade als onkologisches Spitzenzentrum in Norddeutschland ist uns eine medizinische Rundumversorgung unserer Patientinnen und Patienten auf Augenhöhe besonders wichtig. Hierfür ist eine Betreuung ohne sprachliche und kulturelle Barrieren unerlässlich – in der Prävention, bei der Behandlung vor Ort wie auch in der Nachsorge. Denn ein enger Austausch zwischen Patient und Arzt trägt wesentlich zur Gesundung der Patienten bei“, sagt Prof. Dr. Carsten Bokemeyer, Sprecher des Hubertus Wald Tumorzentrums – Universitäres Cancer Center Hamburg (UCCH) des UKE.

Laut Statistischem Landesamt haben ein Drittel der Hamburger einen Migrationshintergrund; die meisten von ihnen stammen aus der Türkei.

Zuerst wird deshalb auf Initiative der chirurgischen Abteilung des UKE mit einem türkischsprachigen Angebot gestartet. Die behandelnden Ärzte sind türkischsprachig und können bei Bedarf auf die Ressourcen im Netzwerk zurückgreifen. Eine Erweiterung des interkulturellen Angebots ist angedacht, es werden derzeit Netzwerke für weitere Sprachen geplant.

Der am Netzwerk beteiligte niedergelassene Onkologe Dr. Eray Gökkurt aus der Eppendorfer Praxis hope (Hämatologisch-Onkologische Praxis Eppendorf) hat selbst türkische Wurzeln und weiß um die teilweise schwierige Annäherung im Arzt-Patienten-Gespräch. „Ich erlebe häufig türkischsprachige Patienten in unserer Praxis, die froh sind, einen Behandler vor sich zu haben, der nicht nur ihre Sprache spricht, sondern sich auch mit den Besonderheiten ihrer Kultur auskennt und sich mit ihnen auseinandergesetzt hat. Dies erleichtert Vieles in der weiteren Versorgung.“

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von Dr. Mike Mösko, Arbeitsgruppe Psychosoziale Migrationsforschung am Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie des UKE, dessen Forschung sich unter anderem auf die Interkulturelle Öffnung im Gesundheitswesen konzentriert.

„Wir gehen Fragen nach wie: In welchem Umfang nutzen Menschen mit Migrationshintergrund die Gesundheitsversorgung? Welche Barrieren erschweren und welche Ressourcen fördern die Behandlung? Was benötigen Krankenhäuser darüber hinaus, um den sprachlichen und kulturellen Bedürfnissen der Patienten gerecht zu werden?“

Die Ärzte des interkulturellen türkisch-deutschen Netzwerks für Krebstherapie sind online unter www.ucch.de abzurufen.

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Avin Hell
Hubertus Wald Tumorzentrum – Universitäres Cancer Center Hamburg (UCCH)
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Telefon: (040) 7410-57835
E-Mail: a.hell@uke.de
Saskia Lemm Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

360°TOP-Hinweis: Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische KHK

Medizin am Abend Berlin Fazit:   NVL Chronische KHK, 4. Auflage veröffentlicht

Ab sofort steht die 4. Auflage der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische KHK zum kostenlosen Download zur Verfügung. 
 
Die chronische koronare Herzkrankheit (KHK) gehört zu den wichtigsten Volkskrankheiten.

Ziel der NVL Chronische KHK ist es, zu beschreiben, wie eine bestmögliche, sektorenübergreifende Versorgung von Patienten mit chronischer KHK erfolgen sollte.

  • Hierzu gehören verlässliche Definitionen des Notwendigen und Angemessenen in Prävention, Diagnostik und Therapie. Auf diesem Weg sollen die Qualität der Versorgung verbessert und die Stellung des Patienten gestärkt werden.

An der Erstellung der 4. Auflage der NVL Chronische KHK waren Vertreter von zehn Fachgesellschaften und Organisationen beteiligt.

  • Zwischen Juli 2014 und Februar 2016 wurden die Kapitel Definition und Therapieziele, Epidemiologie, Schweregrade und Klassifikationen, sowie Diagnostik bei (Verdacht auf) chronische KHK komplett überarbeitet.

Das Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (NVL) steht unter der Trägerschaft von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.

Mit der Durchführung wurde das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin beauftragt.

Das NVL-Programm zielt auf die Entwicklung und Implementierung versorgungsbereichsübergreifender Leitlinien zu ausgesuchten Erkrankungen hoher Prävalenz unter Berücksichtigung der Methoden der evidenzbasierten Medizin.

Insbesondere sind Nationale VersorgungsLeitlinien inhaltliche Grundlage für die Ausgestaltung von Konzepten der strukturierten und integrierten Versorgung.


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Corinna Schaefer M.A. Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin
TiergartenTower Straße des 17. Juni 106 - 108
10623 Berlin
Deutschland
Berlin

E-Mail-Adresse: mail@azq.de

Corinna Schaefer M.A.
Telefon: 030 / 4005 - 2526
Fax: 030 / 4005 - 2555
E-Mail-Adresse: schaefer@azq.de


Martina Westermann
Telefon: 030 / 4005 - 2501
E-Mail-Adresse: westermann@azq.de


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.leitlinien.de/nvl/khk - Übersichtsseite NVL Chronische KHK

http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/khk/khk-4aufl-vers1-lang.pdf - Langfassung NVL Chronische KHK, 4. Auflage


http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/khk/khk-4aufl-vers1-llr.pdf - Leitlinienreport NVL Chronische KHK, 4. Auflage


http://www.leitlinien.de/nvl - Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien

Krankhaftes Herzwachstum: RNA „cardiac hypertrophy associated transcript“ (Chast) Hemmer

Medizin am Abend Berlin Fazit:  MHH-Forscher entdecken neue Therapie der Herzschwäche

Hemmstoffe bremsen Aktivität von Chast-RNA / Krankhaftes Herzwachstum geht im Tierversuch zurück 
 
  • Ein Herzinfarkt oder anhaltend hoher Blutdruck können dazu führen, dass das Herz krankhaft wächst, schwach wird oder sogar versagt. 
Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben nun eine Therapieoption gefunden, die diesen Prozess möglicherweise aufhalten oder sogar zurückbilden kann: 

Sie haben eine zuvor unbekannt Ribonukleinsäure (RNA) entdeckt, die in krankhaft gewachsenen Herzmuskelzellen besonders oft vorkommt, und deren Hemmung im Zell- und Mausmodell zum Rückgang des krankhaften Herzwachstums führte.

Die Ergebnisse um die RNA „cardiac hypertrophy associated transcript“ (Chast) veröffentlichte das renommierte Journal Science Translational Medicine. Erstautorin ist Janika Viereck aus dem MHH-Institut für Molekulare und Translationale Therapiestrategien, das Professor Dr. Dr. Thomas Thum leitet.


Professor Dr. Dr. Thomas Thum und Janika Viereck
 Professor Dr. Dr. Thomas Thum und Janika Viereck "Foto:MHH/Kaiser"

Chast ist eine „lange nichtkodierende RNA“ (lncRNA).

  • Diese dienen nicht der Umsetzung genetischer Informationen in Eiweißbausteine, sondern sie haben regulatorische Funktionen – die bisher jedoch größtenteils noch unbekannt sind. 
Von diesen neu entdeckten nicht-Protein kodierenden RNAs gibt es in unserem Körper bis zu 100.000, jedoch ist bisher erst eine Handvoll wissenschaftlich genauer untersucht worden.

„Wir konnten erstmals eine Therapieoption für eine Herz- Kreislauferkrankung aufzeigen, die über die Hemmung einer lncRNA funktioniert“, sagt Professor Thum.

Die Forscher analysierten – unter anderem in Zusammenarbeit mit Forschern des Exzellenzclusters REBIRTH der MHH – in Zellen von krankhaft gewachsenem Herzgewebe mit Hilfe sogenannter Gen-Chips die Aktivität von insgesamt 30.000 IncRNAs und fanden heraus, dass die krankhaften Umbauprozesse und Herzvergrößerungen mit einer gesteigerten Aktivität von Chast zusammenhingen. 

  • Dann generierten sie neue Stoffe, mit denen sie in Zellkulturen und in Mausmodellen Chast hemmen konnten. 

Das führte zum Rückgang der krankhaften Umbauprozesse im Herzen und des Herzwachstums.

Im Mausmodell konnten sie zudem nachweisen, dass die hemmenden Stoffe keine schädigende Wirkung auf andere Organe hatten. Nun wollen sie künftig herausfinden, ob der Chast-Hemmer auch für Menschen geeignet ist, um neue medikamentöse Therapieoptionen für Herzschwäche zu entwickeln.




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Professor Dr. Dr. Thomas Thum
MHH-Institut für Molekulare und Translationale Therapiestrategien
Telefon (0511) 532-5272
thum.thomas@mh-hannover.de
Stefan Zorn Medizinische Hochschule Hannover