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TV - Hinweis: Dokumentarfilm über Kaiserschnitt-Traumata - Meine Narbe -

Medizin am Abend Fazit: KatHO NRW zeigt erstmals Dokumentarfilm über Kaiserschnitt-Traumata

Jedes dritte Baby in Deutschland wird durch einen Kaiserschnitt zur Welt gebracht, Tendenz steigend. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich in der Spitzengruppe. Den Eingriff erleben die Mütter häufig als Trauma, das sie nur schwer verarbeiten können. Ein Tabu-Thema, das der Film „Meine Narbe“ ansprechen möchte. In sehr persönlichen Interviews schildern die Mütter ihr körperliches und seelisches Empfinden und erzählen von den Folgen der Geburt, die sie als traumatisierend erlebt haben. 
 
Die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen zeigt den Dokumentarfilm erstmals in Deutschland und lädt im Anschluss zu einer Podiumsdiskussion mit Hebammen, Ärzten und Betroffenen ein:

Montag, 23. März 2015
15 Uhr
Audimax
Katholische Hochschule NRW
Wörthstr. 10, 50668 Köln

Die Idee zum Film hatte Judith Raunig, eine Klinische- und Gesundheitspsychologin aus Österreich, die in ihrer Praxis zunehmend Frauen betreut, die unter psychischen Belastungen einer Kaiserschnitt-Geburt leiden. In ihrer Arbeit habe sie immer wieder teils sehr schockierende Erzählungen gehört:

„Frauen berichteten davon, überrumpelt und zum Kaiserschnitt gedrängt worden zu sein, von Androhungen schwerer Folgen für das Kind oder von eigenen Todesängsten“, so Raunig. „Irgendwann war für mich die Diskrepanz zwischen der Art, wie ein Kaiserschnitt in der Öffentlichkeit verkauft wird, nämlich als eine einfache, moderne, sichere und schmerzlose Art der Geburt, und der Wahrnehmung etlicher Frauen so absurd, dass ich nach einer Möglichkeit gesucht habe, diese Sicht des Kaiserschnitts, die Sicht der Betroffenen, der Öffentlichkeit näher zu bringen.“ Mit dem Film will Raunig die Schattenseiten des Kaiserschnitts zeigen, wachrütteln und den Sprachlosen Mut machen, wie sie es formuliert. Mindestens ein Drittel der Frauen, schätzt die Psychologin, erleben den Kaiserschnitt als unzufrieden, belastend oder traumatisierend, und bezieht sich dabei auf eine Studie vom „Wiener Programm für Frauengesundheit“. In Deutschland wären das demnach rund 62.000 Frauen, die betroffen sein könnten, folgert Judith Raunig.

Professorin Dr. Sabine Dörpinghaus leitet den neuen Studiengang

Hebammenkunde an der KatHO NRW und hat die Österreicherin eingeladen, den Film erstmals auch in Deutschland zu zeigen. Mit der Veranstaltung will die Hebammen-Professorin zum einen die derzeitigen Entwicklungen im Gesundheitssektor – hier im speziellen Fall die steigenden Kaiserschnittquoten – gesellschaftskritisch beleuchten, zum anderen die Perspektive der Betroffenen in den Blick nehmen. „Frauen befinden sich in der Geburtsphase in einer existentiell sehr bedeutsamen Situation. Aber ihre Perspektive gerät zugunsten einer analytisch-zergliedernden Betrachtungsweise häufig aus dem Blick“, sagt Professorin Dörpinghaus und kritisiert damit, dass eine einseitige Orientierung an Merkmalen, wie zum Beispiel der Muttermundsweite, vor dem ergreifenden und leiblich spürbarem Erleben und damit vor dem „Betroffen-sein“ der Frau selber stünden, wo durch „das Auge und die Beurteilung des Anderen“ (Fremdblick) Traumatisierungen auftreten können.

Obwohl mittel- und langfristige Effekte, wie die psychische Gesundheit der Frau, aber auch Probleme bei Neugeborenen bekannt seien, würde die Schwelle zur so genannten Schnittentbindung weiter gesenkt. „Die Gründe sind komplex“, sagt Dörpinghaus. „Medizinische Gründe, wie das Alter der Frauen, Mehrlingsschwangerschaften oder Kinder über 4.500g, aber auch organisatorische, finanzielle und haftungsrechtliche Gründe sind relevant.“

Dass Frauen, die einen Kaiserschnitt als traumatisch erlebt haben, bei der Verarbeitung ihrer Gefühle unterstützt werden, stelle eine Ausnahme dar. „Im Gesundheitssystem stehen Fragen im Vordergrund wie ‚Wie sieht die Wunde aus?‘ ‚Klappt das Stillen?‘ ‚Hat die Frau Temperatur?‘“, sagt Dörpinghaus.

„Hebammen betreuen Frauen nach der Geburt in ihrem häuslichen Umfeld und natürlich bekommen sie hier mit, was mit den Frauen ist. Dass sie beispielsweise eine Schnittentbindung als Unzulänglichkeit ihrer Selbst, ihres Frauseins erleben können.“

Mit dem Hebammen-Studiengang will die KatHO NRW die Planungs- und Reflexionsfähigkeiten der Hebammen fördern, damit sie die hochkomplexe klinische und beraterische Betreuungssituationen in den Bereichen Familienplanung, Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Überleitung vom Wochenbett in die Phase der Familiarität in angemessener Weise bewältigen können.

Ausschnitte zum Film finden Sie hier:

https://www.youtube.com/watch?v=QXrTmub4Xqs
https://www.youtube.com/watch?v=u8B9jDJBDbs

Medizin am Abend DirketKontakt: 

Prof. Dr. Sabine Dörpinghaus
s.doerpinghaus@katho-nrw.de
Tel. 0221/7757-340

 Julia Uehren


360° TOP-Thema: Chronische Epilepsiepatienten

Medizin am Abend Fazit:  Neue OP-Methode heilt chronische Epilepsiepatienten

Ein Drittel aller Epilepsiepatienten leiden trotz Medikamenten unter regelmäßigen Anfällen. Einigen Betroffenen könnte ein operativer Eingriff helfen. Damit gesunde Gehirnareale bei dem Eingriff unbeschädigt bleiben, wenden Neurophysiologen vor der OP ein neues bildgebendes Verfahren an. Mit großem Erfolg: Fast 80 Prozent der operierten Patienten sind nach dem Eingriff komplett anfallsfrei und leiden unter keinerlei Beeinträchtigungen. Dennoch lassen nur wenig Betroffene einen solchen Eingriff durchführen, betont die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung. Aktuelle Ergebnisse stellen Experten auf einer Pressekonferenz in Tübingen am 19. März vor. 


Hochauflösendes EEG mit 256 Elektroden, privat (M. Seeck, Genf)

Nicht immer können Medikamente Epilepsie-Anfälle verhindern. Die Betroffenen leiden folglich an immer wiederkehrenden Anfällen. Bei zwei von drei Patienten beschränkt sich die Ursache im Gehirn auf ein einziges Areal. „In diesem Fall sollte der behandelnde Arzt den Patienten in ein Epilepsiezentrum überweisen, um die Anfalls-Quelle chirurgisch entfernen zu lassen“, empfiehlt Professor Dr. med. Margitta Seeck, Neurologin am Universitätsspital Genf. „Entscheidend dabei ist, das Epilepsie hervorrufende Gewebe zu entfernen, ohne angrenzende lebenswichtige Areale zu beschädigen, die etwa für Handbewegungen oder die Sprache zuständig sind“, erklärt die Expertin im Vorfeld der DGKN-Jahrestagung.

Schweizer Neurologen haben dafür eine neue Methode entwickelt, die sogenannte high density electric source imaging (HD-ESI). Sie verbessert den Erfolg der Operation deutlich, indem sie die Anfalls-Quelle im Gehirn millimetergenau lokalisiert. „Wir kombinieren dabei zwei hochauflösende bildgebende Verfahren, die Elektroenzephalografie (EEG) und die Magnetresonanztomografie (MRT)“, erklärt Seeck. Die Forscher platzieren zu diesem Zweck insgesamt 256 Elektroden auf dem Kopf der Patienten – zehn Mal mehr als beim normalen EEG. Das MRT liefert zusätzlich ein dreidimensionales Bild des Gehirns aus extrem dünn gescannten Schichten. Mithilfe eines komplexen Algorithmus werden die beiden Bilder kombiniert und die Anfalls-Quelle so präzise lokalisiert. „Das ganze Verfahren dauert bis zu drei Stunden“, so Seeck. Die Kosten kann der Arzt abrechnen.

In einer Studie hat das Team um Professor Seeck bei 152 Patienten mit chronischer Epilepsie die Anfalls-Quelle mittels HD-ESI vor der Operation geortet. Ergebnis: Fast 80 Prozent der Probanden sind bis heute, zwei Jahre nach der OP, komplett anfallsfrei, 10 Prozent litten nur noch selten unter Anfällen. „Die Erfolgsquote unserer Methode ist damit höher als bei jeder anderen Hirnbildgebung“, so Seeck. In einer aktuellen Studie konnten die Schweizer Forscher die Methode jetzt noch weiter verfeinern und die Ergebnisse bestätigen.

Erfolgt die OP ohne zusätzliche bildgebende Verfahren – außer dem normalen MRT – sei die Erfolgsquote 10 bis 20 Prozent geringer, so Seeck.

„Trotz der enormen Fortschritte werden weit weniger als die Hälfte der Epilepsie-Patienten in Epilepsiezentren überwiesen oder gar über Chirurgie als eine sehr erfolgreiche Therapie-Alternative informiert“, kritisiert Seeck. Einige Experten schätzen sogar, dass nur etwa jeder zehnte Epilepsie-Patient operiert wird, der nicht ausreichend auf Medikamente anspricht.

Epileptische Anfälle sollten unbedingt verhindert werden, rät auch der Präsident der DGKN-Jahrestagung, Professor Dr. med. Holger Lerche. „Während der Anfälle besteht nicht nur die Gefahr von Verletzungen“, erklärt der Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Tübingen. Anfälle erhöhen bei medikamentenresistenten Patienten auch das Sterberisiko um das 3- bis 20-fache. „Zudem sind die Betroffenen sozial erheblich eingeschränkt“, erläutert Lerche. Sie müssen u.a. auf das Autofahren verzichten und sind in ihrer Berufs- und Sportauswahl häufig eingeschränkt.

Auf der Konferenz der DGKN am 19. März 2015 berichten führende Neurophysiologen über maßgeschneiderte Therapien für Epilepsie- und Parkinson-Patienten. Forscher der Uniklinik Tübingen stellen zudem ihre aktuellen Ergebnisse aus Genanalysen vor. Mit diesen entwickeln sie passgenaue Medikamente, die die Therapie komplexer Epilepsie-Formen verbessern sollen.

Quellen:

Brodbeck V, Spinelli L, Lascano AM, Wissmeier M, Vargas MI, Vulliemoz S, Pollo C, Schaller K, Michel CM, Seeck M. Electroencephalographic source imaging: a prospective study of 152 operated epileptic patients. Brain. 2011;134:2887-97

Mégevand P, Spinelli L, Genetti M, Brodbeck V, Momjian S, Schaller K, Michel CM, Vulliemoz S,Seeck M. Electric source imaging of interictal activity accurately localises the seizure onset zone. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2014;85:38-43

Medizin am Abend DirektKontakt:

Kathrin Gießelmann
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Frühkindliche Epilepsie

Medizin am Abend Fazit: Neues Krankheitsgen für frühkindliche Epilepsie entdeckt

Bestimmte Formen frühkindlicher Epilepsien werden durch bislang unbekannte Mutationen eines Kalium-Ionenkanal-Gens ausgelöst. Die entdeckten Veränderungen stören auf zwei Arten das elektrische Gleichgewicht im Gehirn: Bei einigen Patienten ist der Kaliumfluss stark reduziert, während er bei anderen massiv erhöht ist. Beides kann zu schlecht behandelbaren epileptischen Anfällen sowie zu einem Stillstand oder Rückschritten in der geistigen und motorischen Entwicklung führen. Das zeigt die aktuelle Nature Genetics Publikation einer europäischen Arbeitsgruppe unter Leitung von Wissenschaftlern der Universitäten Leipzig und Tübingen.


Die Funktionsfähigkeit des Gehirns beruht unter anderem auf dem Zusammenspiel vieler verschiedener Ionenkanäle, welche eine überschießende Ausbreitung elektrischer Aktivität durch ein sensibles Gleichgewicht zwischen hemmenden und fördernden Einflüssen verhindern. Sie sitzen, gemeinsam mit vielen weiteren Poren und Kanälen, in der Zellwand einer Nervenzelle. „Zu diesen zahlreichen Kanälen gehört auch der Kaliumkanal „KCNA2“. Durch Öffnen und Schließen bestimmt er den Durchfluss von Kaliumionen und beeinflusst damit die elektrische Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn“, erklärt Professor Dr. Johannes Lemke, kommissarischer Leiter des Instituts für Humangenetik am Universitätsklinikum Leipzig. Mutationen in verschiedenen Ionenkanälen sind eine wesentliche Ursache von Epilepsien. „Deshalb ist die Identifikation des jeweils gestörten Ionenkanals wichtig für die Diagnose des individuellen Epilepsie-Syndroms und damit auch für dessen Behandlung“, sagt Professor Dr. Holger Lerche, Vorstand am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) der Universität Tübingen und Ärztlicher Direktor der Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt Epileptologie des Universitätsklinikums Tübingen.

Krankheitsgen löst Epilepsie aus und beeinflusst Kalium-Ionenkanal zweifach

Bei ihren Untersuchungen stellten die Wissenschaftler fest, dass die entdeckten genetischen Mutationen die Funktion des Kaliumkanals auf zwei Arten stört: Bei einigen Patienten ist der Kaliumfluss stark eingeschränkt, während er bei anderen massiv erhöht ist. Bei den Patienten mit eingeschränkter Funktion des Kaliumkanals traten erste epileptische Anfälle im Alter von etwa einem Jahr auf und verloren sich im Kindes- oder Jugendalter. Bei Patienten mit gesteigerter Funktion desselben Kanals begann die Epilepsie jedoch noch früher und blieb bis ins Erwachsenenalter bestehen. Auch der Grad der geistigen Behinderung und weiterer Begleitprobleme war bei der zweiten Gruppe stärker ausgeprägt. Die durch die Störung des Kalium-Ionenkanals ausgelösten frühkindlichen Epilepsien bilden ein eigenständiges Krankheitsspektrum innerhalb der sogenannten epileptischen Enzephalopathien, schwerwiegenden Epilepsien mit Beginn im Kindesalter, die mit unterschiedlich stark ausgeprägten Entwicklungsstörungen, Intelligenzminderungen und weiteren neuropsychiatrischen Symptomen, wie Autismus und Koordinationsstörungen (Ataxie), verbunden sind.

Wie helfen die neuen Erkenntnisse den Patienten?

Für die Patienten, bei denen der Kaliumfluss erhöht wird, ergibt sich eine unmittelbare Behandlungsoption, da ein verfügbares und zugelassenes Medikament, das 4-Aminopyridin, diesen Kanal spezifisch blockiert. Erste Patienten sollen jetzt damit behandelt werden. Die Wissenschaftler und Ärzte hoffen auf eine Besserung der Anfälle aber auch der geistigen Fähigkeiten. Eine schwere Entwicklungsverzögerung, die darauf beruht, dass sich während der Hirnentwicklung ganz andere Verschaltungen ergeben haben oder Nervenzellen gar nicht richtig ausgebildet wurden, wird sich natürlich nicht zurückbilden können. Deshalb ist es in der Zukunft so wichtig, die Gendefekte möglichst früh zu erkennen, um Entwicklungsstörungen so weit wie möglich zu vermeiden. Auch bei den Patienten mit einem Funktionsverlust des Kaliumstroms wollen die Wissenschaftler durch weitere Experimente herausfinden, wie die epileptischen Anfälle genau entstehen, um daraus neue Therapiemöglichkeiten abzuleiten. So wären sie zumindest in der Lage, einem kleinen Teil der Patienten mit epileptischen Enzephalopathien zu einer verbesserten und individualisierten Therapie zu verhelfen.

Fachveröffentlichung in nature genetics, doi: 10.1038/ng.3239

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. med. Johannes Lemke
Institut für Humangenetik
Universitätsklinikum Leipzig
Telefon: +49 341 97 23800
E-Mail: johannes.lemke@medizin.uni-leipzig.de
Diana Smikalla

Weitere Informationen:

http://www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/full/ng.3239.html Link zur Fachveröffentlichung

 

Brokkoli & Co: Krebsprävention durch Ernährung

Medizin am Abend Fazit: Brokkoli & Co: Krebsprävention durch Ernährung

Wer sich gemüse- und obstreich ernährt, kann damit nach aktuellem Wissensstand sein Krebsrisiko senken oder die Krebstherapie unterstützen. Wie eine solche Ernährung aussehen kann und auf welche Nahrungsmittel man lieber verzichten sollte, erklärt Professor Dr. Ingrid Herr, Sektionsleiterin an Chirurgischer Universitätsklinik und Deutschem Krebsforschungszentrum, bei Medizin am Abend am 18. März 2015. 
 
Inhaltsstoffe aus Brokkoli und verwandtem Gemüse hemmen das Krebswachstum und verstärken die Wirkung von Chemotherapien. Das zeigte das Team um Professor Dr. Ingrid Herr, Leiterin der Sektion Chirurgische Forschung am Universitätsklinikum Heidelberg, in den letzten Jahren in Forschungsarbeiten. Inzwischen ist klar: Viele Substanzen aus Obst und Gemüse sind Gift für Krebszellen und schützen ganz allgemein vor Entzündungen. Wie sich dieses Wissen für die tägliche Ernährung nutzen lässt, erklärt Professor Herr den Besuchern der Vortragsreihe "Medizin am Abend" am Mittwoch, 18. März 2015. Auch Ideen für die Küche fehlen nicht und beim anschließenden Imbiss gibt es gesunde Häppchen zum Probieren. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!


Professor Dr. Ingrid Herr, Leiterin der Sektion Chirurgische Forschung am Universitätsklinikum Heidelberg, spricht bei Medizin am Abend über Krebsprävention durch Ernährung.
Professor Dr. Ingrid Herr, Leiterin der Sektion Chirurgische Forschung am Universitätsklinikum Heidelberg, spricht bei Medizin am Abend über Krebsprävention durch Ernährung. Universitätsklinikum Heidelberg

Wie Brokkoli-Wirkstoffe Krebszellen schaden

Seit 2007 sucht das Team um Professor Herr nach Wegen, die Widerstandskraft besonders aggressiver Zellen, sogenannter Tumorstammzellen, des Bauchspeicheldrüsenkrebs zu brechen. Diese Vorläuferzellen des Tumors können sich sehr gut regenerieren und sind daher gegen Medikamente und Bestrahlung resistent. Fündig wurden die Wissenschaftler zunächst bei Brokkoli und verwandtem Gemüse: Der pflanzliche Wirkstoff Sulforaphan unterdrückt in Laborversuchen einen bestimmten Stoffwechselweg in den Tumorstammzellen, mit dem diese sich vor der Chemotherapie schützen. „Sulforaphan bricht in unseren Experimenten die Resistenz der Tumorstammzellen“, so Herr, Leiterin der Arbeitsgruppe Molekulare OnkoChirurgie, einer Kooperation der Chirurgischen Universitätsklinik mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum. Eigene Therapieversuche an Mäusen sowie gerade begonnene Pilotstudien aus den USA zu anderen Krebsarten verliefen bisher so vielversprechend, dass am Universitätsklinikum Heidelberg 2014 ebenfalls eine Patientenstudie gestartet wurde. Darin will das Team zusammen mit dem Chirurgen Professor Dr. Peter Schemmer, Leiter der Sektionen Leberchirurgie und Viszerale Organtransplantation, prüfen, ob Sulforaphan aus Brokkolisprossen das Behandlungsergebnis bei Bauchspeicheldrüsenkrebs verbessern kann.

Schützende Effekte wies die Heidelberger Arbeitsgruppe im Laborversuch auch bei anderen Pflanzenstoffen nach – z.B. bei Quercetin, das in Brokkoli, Apfelschalen und vielen anderen Obst- und Gemüsesorten enthalten ist, oder Salicylsäure, dem Wirkstoff der Weidenrinde, aus dem Aspirin entwickelt wurde. Internationale Forschungsarbeiten identifizierten noch weitere pflanzliche Wirkstoffe gegen Tumorstammzellen: Nachgewiesen hat man solche Stoffe bisher u.a. bei den verschiedenen Kohlarten, Hülsenfrüchten, Tomaten, Peperoni, Weintrauben, Beeren, schwarzem Pfeffer oder grünem Tee. Auch Vitamin D, das nach Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet wird, scheint die Krebszellen zu schädigen.

Ernährung mit viel Gemüse enthält wirksame Dosis

Inzwischen gibt es Hinweise darauf, dass diese Pflanzenstoffe nicht nur Krebszellen schädigen können, sondern bereits das Krebsrisiko senken. „Substanzen wie Sulforaphan, Quercetin und Co wirken Entzündungen entgegen. Und Entzündungen sind nach aktuellem Stand der Forschung ein Schlüsselfaktor bei der Krebsentstehung“, so die Biologin. „Eine entzündungshemmende Ernährung spielt daher – neben einem gesunden Lebenswandel ohne Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum – eine wichtige Rolle für die Krebsprävention.“

Aber muss man für eine wirksame Dosis der Pflanzenmedizin dann Berge von Brokkoli, Blumenkohl und Sojaschrot zu sich nehmen oder gar zu Extrakten greifen? „Studien weisen darauf hin, dass eine angepasste Ernährung mit reichhaltig Obst und Gemüse z.B. zur Unterstützung einer Krebstherapie ausreicht – und besser wirkt als die Einnahme einzelner Nahrungsergänzungsmittel. Man sollte bei der Zubereitung aber darauf achten, die wertvollen Inhaltsstoffe nicht zu zerkochen – am besten das Gemüse nur kurz dämpfen“, rät die Forscherin. Dazu empfiehlt sie, entzündungsfördernde Nahrungsmittel besser nur in Maßen zu genießen: Dazu zählen u.a. rotes Fleisch, Wurst, Produkte aus Weißmehl und Süßigkeiten.

Medizin am Abend DirektKontakt

Julia Bird Telefon: 06221 564537
Fax: 06221 564544
E-Mail-Adresse: julia.bird@med.uni-heidelberg.de

Blutschwämme bei Kindern - Propranolol

Medizin am Abend Fazit: Blutschwämme mit Herzmittel verschwinden lassen – Kinderchirurgen begrüßen neue Studienergebnisse

Drei bis zehn Prozent aller Säuglinge entwickeln Blutschwämme. Über 85 Prozent der sogenannten Hämangiome bilden sich von selbst zurück. Wachsen sie schnell oder sitzen sie an kritischen Stellen wie Augen, Lippen oder After, muss der Kinderchirurg sie mit Laser, Vereisung oder Skalpell behandeln. Doch nicht immer ist dies vollständig möglich. Viele Kinderchirurgen setzen deshalb das Herzmittel Propranolol ein, um die Blutschwämmchen medikamentös schrumpfen zu lassen. Dass der seit Jahrzehnten bekannte Blutdrucksenker hier wirksam ist, ist vor einigen Jahren zufällig in Frankreich entdeckt worden. 
 
In Deutschland ist er seit April 2014 dafür nun offiziell zugelassen. Eine jetzt im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie bestätigt, dass diese Therapie sicher und sinnvoll ist. Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) sieht daher im Einsatz des Herzmittels Propranolol ein wichtiges Instrument bei der Behandlung von Hämangiomen.

Blutschwämmchen sind oft nur millimetergroße hellrote bis bläuliche Flecke auf der Haut. Mitunter erstrecken sie sich aber auch auf deutlich größere Hautflächen. Um einer problematischen Größenzunahme beziehungsweise funktionellen oder ästhetischen Komplikationen vorzubeugen, müssen Ärzte Blutschwämme oft schon im Frühstadium behandeln. „Dies betrifft häufig Hämangiome im Gesicht“, erläutert Professor Dr. Rainer Grantzow, Coautor der Studie und Kinderchirurg an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Blutschwämme nahe den Augen etwa können unbehandelt zur Erblindung führen. An der Nase führen sie mitunter zu entstellenden und dauerhaften Veränderungen, an den Lippen verbleiben erfahrungsgemäß oft Reste. Doch große, rasch wachsende oder komplizierte Hämangiome lassen sich mit bisherigen Maßnahmen wie Kältetherapie, Laser und OP oft nicht ausreichend oder schonend genug behandeln. Zudem bleiben oft Narben und therapiebedürftige Hautveränderungen zurück. „Deshalb greifen wir in solchen Fällen seit einigen Jahren auf Propranolol zurück“, berichtet Professor Grantzow. Seit etwa fünf Jahren ist es im sogenannten „Off-Label-Use“ im Einsatz. Daten aus qualitativ hochwertigen klinischen Studien über die optimale Dosierung und mögliche Nebenwirkungen fehlten bislang.

Diese Lücke schließt nun die aktuell veröffentlichte internationale Studie einer Forschergruppe unter französischer Leitung: Insgesamt hatten sie 456 Kinder mit wachsenden Hämangiomen in die Studie einbezogen. Von diesen erhielten 55 ein Scheinmedikament, ein sogenanntes Placebo. Eine Gruppe von 188 Patienten nahm drei Milligramm Propranolol pro Kilogramm Körpergewicht über 24 Wochen ein. Mit Erfolg: Insgesamt sprachen 88 Prozent der kleinen Patienten positiv auf die Therapie an. Bei 60 Prozent aller Behandelten bildeten sich die Hämangiome vollständig oder nahezu vollständig zurück – gegenüber vier Prozent bei den Kindern mit Placebo. Die geringen Nebenwirkungen wie Kreislaufprobleme waren in beiden Gruppen vergleichbar. Jedoch traten bei zehn Prozent der zunächst erfolgreich behandelten Kinder die roten Male später wieder auf.

„Auch wenn es leider hin und wieder zu einem solchen „Rebound-Effekt“ kommt, ist der Einsatz von Propranolol eine unverzichtbare Therapieoption“, stellt Dr. Tobias Schuster, Pressesprecher der DGKCH und Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie in Augsburg, fest. „Mit dem Medikament können wir den Kindern eine nach dem heutigen Erkenntnisstand sichere und zumeist auch wirkungsvolle Behandlung anbieten“. Um alle therapeutischen Möglichkeiten optimal auszuschöpfen und dabei gleichzeitig eine Übertherapie zu vermeiden empfiehlt er Eltern, Blutschwämme möglichst frühzeitig einem Kinderarzt oder Kinderchirurgen vorzustellen.

Quelle:
N Engl J Med 2015; 372:735-746 February 19, 2015 DOI: 10.1056/NEJMoa1404710
http://www.nejm.org/toc/nejm/372/8/

Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie
Gegründet im Jahr 1963 schafft die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) bis heute Grundlagen für eine bestmögliche kinderchirurgische Versorgung in Deutschland. Dazu gehören Neugeborenenchirurgie, allgemeine Kinderchirurgie und Kindertraumatologie ebenso wie Kinderurologie. Die DGKCH vertritt das Fach in allen wissenschaftlichen, fachlichen und beruflichen Belangen. Derzeit praktizieren hierzulande Fachärzte für Kinderchirurgie in mehr als 80 kinderchirurgischen Kliniken und Abteilungen sowie als Niedergelassene. Kinderchirurgie gehört in die Hände von Kinderchirurgen. Denn ihre Patienten sind keine kleinen Erwachsenen.

Medizin am Abend DirektKontakt 

Dr. Adelheid Liebendörfer, Anna Julia Voormann
Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-173
Fax: 0711 8931-167

Weitere Informationen:

http://www.dgkch.de

360° TOP-Thema: Geflügelschlachthygiene zu Ostern 2015?

Medizin am Abend Fazit: Verbesserungen bei der Geflügelschlachthygiene erforderlich


Die Ergebnisse des repräsentativen Zoonosen-Monitorings 2013, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute veröffentlicht hat, zeigen, dass bei der Verringerung von Campylobacter-Bakterien bei Masthähnchen und in frischem Hähnchenfleisch in den letzten fünf Jahren keine Fortschritte erzielt wurden. Auch antibiotikaresistente Keime wie MRSA und ESBL-bildende Bakterien wurden häufig in der Hähnchenfleischkette nachgewiesen. Hohe Kontaminationsraten der Schlachtkörper von etwa 50 % mit potentiell krankmachenden Keimen verdeutlichen, dass die Geflügelschlachthygiene umfassend verbessert werden muss. Die Ergebnisse der Resistenzuntersuchungen zeigen gegenüber den Vorjahren einen leichten Rückgang der Resistenzen, wobei bei Masthähnchen vorkommende Bakterien allgemein höhere Resistenzraten aufweisen als Bakterien aus der Lebensmittelkette Mastrind.

Im Rahmen des Zoonosen-Monitorings 2013 wurden insgesamt 5.669 Proben auf allen Ebenen der Lebensmittelkette genommen und von den Untersuchungseinrichtungen der Bundesländer auf das Vorkommen der wichtigsten über Lebensmittel übertragbaren Erreger untersucht. Dabei wurden 3.515 Bakterien-Isolate gewonnen und in den Nationalen Referenzlaboratorien am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weitergehend charakterisiert und auf ihre Resistenz gegen ausgewählte Antibiotika untersucht. Die wichtigsten Ergebnisse sind:

Campylobacter
Die Kontaminationsrate der Schlachtkörper von Masthähnchen mit Campylobacter spp. (52,3 % positive Halshautproben) hat sich im Vergleich zum Zoonosen-Monitoring 2011 (40,9 % positive Halshautproben) noch deutlich erhöht. Auch frisches Hähnchenfleisch war mit 37,5 % positiver Proben wiederholt häufig mit Campylobacter spp. belastet. Etwa 20 % der Schlachtkörperproben wiesen Keimzahlen oberhalb des in der EU diskutierten Grenzwertes für Campylobacter spp. von 1.000 KbE/g auf. Angesichts der hohen Zahl an Erkrankungen des Menschen an einer Campylobacter-Infektion besteht aus Sicht des gesundheitlichen Verbraucherschutzes Handlungsbedarf. Die Anstrengungen zur Einhaltung guter Hygienepraktiken bei der Geflügelschlachtung müssen intensiviert werden.

MRSA
Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) wurden auf etwa der Hälfte der Masthähnchenschlachtkörper (49,0 % positive Halshautproben) und in rund 20 % der Proben von frischem Hähnchenfleisch nachgewiesen. Die Schlachtkörper von Mastrindern (5,0 % positive Proben) und frisches Rindfleisch (5,5 % positive Proben) waren im Vergleich dazu deutlich seltener mit MRSA kontaminiert. Bei den nachgewiesenen MRSA-Typen handelte es sich überwiegend um sogenannte „Nutztier-assoziierte“ MRSA-Stämme, so dass von einer Übertragung der Keime von den Tieren auf die Lebensmittel im Zuge der Lebensmittelgewinnung auszugehen ist. Nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft ist der Verzehr oder die Handhabung von mit MRSA kontaminierten Lebensmitteln nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden, durch diese Bakterien besiedelt oder infiziert zu werden. Ein solches Risiko besteht dagegen für Menschen, die einen häufigen Kontakt zu Tierbeständen haben, wie Landwirte und Tierärzte.

ESBL/AmpC-bildende E. coli
ESBL/AmpC-bildende E. coli wurden in über 60 % der Proben von frischem Hähnchenfleisch nachgewiesen. Die Bedeutung der unterschiedlichen Übertragungswege von ESBL/AmpC-bildenden E. coli ist Gegenstand intensiver Forschung. Nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand ist aber davon auszugehen, dass ESBL/AmpC-bildende E. coli auch über Lebensmittel auf den Menschen übertragen werden können.

Salmonellen
Erstmalig wurden im Zoonosen-Monitoring auch Futtermittel untersucht. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass durch die Verfütterung von Rapspresskuchen (2,1 % positive Proben) an Lebensmittel liefernde Tiere ein Eintrag von Salmonellen in die Lebensmittelkette möglich ist. Dies verdeutlicht, dass höchste Anforderungen an die Qualität der eingesetzten Saaten und die Hygiene in den Anlagen gestellt werden müssen, um salmonellenfreie Futtermittel herzustellen.

Resistenzlage
Die Ergebnisse der Antibiotikaresistenzuntersuchungen bestätigen die Befunde aus den vergangenen Jahren und zeigen, dass Isolate aus der Lebensmittelkette Masthähnchen allgemein höhere Resistenzraten aufweisen als Isolate aus der Lebensmittelkette Mastrind. Im Vergleich zu den Vorjahren wurde im Zoonosen-Monitoring 2013 insgesamt aber tendenziell ein Rückgang der Resistenzen beobachtet.

44,4 % der Salmonella-Isolate aus Hähnchenfleisch und 23,7 % der Isolate von Masthähnchenschlachtkörpern waren resistent gegenüber den getesteten Antibiotika.

Etwa die Hälfte der Campylobacter jejuni-Isolate aus der Rindfleischkette war resistent gegen alle Substanzen. Der durchschnittliche Anteil resistenter Isolate in der Hähnchenfleischkette lag dagegen bei rund 66 %. Insbesondere wiesen die Isolate von Masthähnchen eine höhere Resistenzrate gegenüber Fluorchinolonen (47,5 % Ciprofloxacinresistenz) auf als Isolate vom Rind (39,4 %). Inwieweit hierfür Unterschiede in der Bestandsbehandlung von Masthähnchen und Mastrindern mit Fluorchinolonen verantwortlich sind, sollte weiter analysiert werden.

E. coli-Isolate aus Hähnchenfleisch wiesen deutlich höhere Resistenzraten von etwa 80 % auf als Isolate aus Rindfleisch, die zu etwa 30 % resistent waren. Als positiv zu bewerten ist die im Jahr 2013 im Vergleich zu 2011 beobachtete geringere Resistenzrate von Isolaten aus Hähnchenfleisch gegenüber dem in der Humanmedizin bedeutenden Wirkstoff Ciprofloxacin, die von 52,3 % auf 39,1 % gesunken ist.

Bei der Interpretation der Ergebnisse der Resistenzuntersuchungen muss beachtet werden, dass die minimalen Hemmkonzentrationen (MHK) anhand der epidemiologischen Cut-Off-Werte bewertet wurden. Diese bestimmen den Anteil mikrobiologisch resistenter Isolate und geben frühzeitig Hinweise auf eine beginnende Resistenzentwicklung, erlauben aber keine unmittelbare Aussage über die Wahrscheinlichkeit eines Therapieerfolges mit einem Antibiotikum.

Hintergrund
Zoonosen sind Krankheiten bzw. Infektionen, die auf natürlichem Weg direkt oder indirekt zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Zoonoseerreger können von Nutztieren zum Beispiel während der Schlachtung und Weiterverarbeitung auf das Fleisch übertragen werden. Mit Zoonoseerregern kontaminierte Lebensmittel stellen eine wichtige Infektionsquelle für den Menschen dar. Häufige Erreger lebensmittelbedingter Infektionen sind Campylobacter spp. und Salmonellen. Infektionen mit Listeria monocytogenes oder verotoxinbildende E. coli (VTEC) treten seltener auf. Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) und ESBL/AmpC-bildende E. coli sind weltweit verbreitete Erreger von zum Teil schwerwiegenden Krankenhausinfektionen. Bei Nutztieren hat sich ein spezifischer Typ von MRSA ausgebreitet. Eine Besiedlung des Menschen mit diesen „Nutztier-assoziierten“ MRSA-Stämmen scheint jedoch nur in seltenen Fällen zu schweren Krankheitserscheinungen zu führen.

Basierend auf der Richtlinie 2003/99/EG zur Überwachung von Zoonosen und Zoonoseerregern, sind alle EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, repräsentative und vergleichbare Daten über das Auftreten von Zoonosen und Zoonoseerregern sowie diesbezüglicher Antibiotikaresistenzen in Lebensmitteln, Futtermitteln und lebenden Tieren zu erfassen, auszuwerten und zu veröffentlichen, um so Aufschluss über Entwicklungstendenzen und Quellen von Zoonosen und Zoonoseerregern zu erhalten. Dabei werden vor allem diejenigen Zoonoseerreger überwacht, die eine besondere Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen. Das Zoonosen-Monitoring wird von den Ländern seit dem Jahr 2009 auf Grundlage einer Verwaltungsvorschrift bundesweit einheitlich jährlich im Rahmen der amtlichen Lebensmittel- und Veterinärüberwachung durchgeführt. Die von den Ländern erhobenen Untersuchungsergebnisse werden vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gesammelt, ausgewertet und zusammen mit den Ergebnissen der Typisierung und Resistenztestung sowie der Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im Bericht über die Ergebnisse des jährlichen Zoonosen-Monitorings veröffentlicht. Das BfR übermittelt die Ergebnisse gemäß den Bestimmungen des Artikels 9 der Richtlinie 2003/99/EG an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Im Zoonosen-Monitoring werden repräsentative Daten zum Vorkommen von Zoonoseerregern bei den wichtigsten Lebensmittel liefernden Tierarten und Produkten gewonnen, die es ermöglichen, das Infektionsrisiko für Verbraucher durch den Verzehr von Lebensmitteln abzuschätzen. Die Resistenzuntersuchungen verbessern die Datenlage in diesem Bereich und tragen dazu bei, Beziehungen zwischen dem Antibiotikaeinsatz in der Tierproduktion und der Entwicklung von Antibiotikaresistenzen besser analysieren zu können.



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Nina Banspach
http://www.bvl.bund.de/ZoonosenMonitoring - Bericht zum Zoonosen-Monitoring 2013
http://www.bvl.bund.de/lebensmittelhygiene - Verbrauchertipps zum Schutz gegen lebensmittelbedingte Infektionen

Vogelgrippe-Virus und neuartige HIV-Impfung

Medizin am Abend Fazit: Neue Forschungen zum Vogelgrippe-Virus und neuartige HIV-Impfung

Während sich die Grippewelle weiter in Deutschland ausbreitet, gibt es neue Erkenntnisse zur Entwicklung antiviraler Impfstoffe. Dies ist ein wichtiger Schwerpunkt bei der 25. Jahrestagung der Gesellschaft für Virologie e. V. (GfV), die vom 18. bis 21. März 2015 gemeinsam mit der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e.V. (DVV) in Bochum stattfindet. Beim Kongress der größten wissenschaftlichen Fachgesellschaft der Virologie in Europa werden rund 1.000 Virologen erwartet. 
 
Zum Thema der Vorhersage und Prävention von Pandemien präsentieren der holländische Virologe Prof. Ron Fouchier und Prof. George Gao aus China aktuelle Studienergebnisse zur Übertragung und Gesundheitsgefährdung des Menschen durch H5N1 und H7N9 Vogelgrippeviren. Um auf eine mögliche Ausbreitung dieser Infektion vorbereitet zu sein, wurden Experimente mit Vogelgrippe-Viren durchgeführt. Wenige Veränderungen am Virus führten dazu, dass es auch auf Säugetiere übertragbar war.
Die Untersuchung mit veränderten Viren zeigte, dass das H5N1-Virus über eine Tröpfcheninfektion zwischen Meerschweinchen weitergegeben werden kann und somit eine Übertragung von Säugetier zu Säugetier möglich ist. Bei den Studien mit H7N9 Viren konnte ein isoliertes Virus vom Menschen über eine Tröpfcheninfektion auf Frettchen übertragen werden. Diese aktuellen Forschungsergebnisse stützen die Befürchtung, dass eine Übertragung von H5N1 und H7N9-Viren von Mensch zu Mensch auf Dauer nicht ausgeschlossen werden kann. Nach wie vor sind Forschungen mit der Herstellung ansteckender Viren im Labor nicht unumstritten und dürfen nur unter größten Sicherheitsbedingungen durchgeführt werden.

Weiterhin wird auf der Virologen-Fachtagung der neue Entwicklungsstand prophylaktischer und therapeutischer HIV Impfstoffe präsentiert. Internationale Experten wie Prof. Louis Picker (Oregon), und Prof. Dan Barouch (Boston) zeigen ihre aktuellen Ergebnisse zur Entwicklung viraler Genfähren für eine Impfung gegen Viren. Jean-Marie Andrieu (Paris) und Wei Lu (Paris) stellen eine neuartige Entwicklung eines HIV-Impfstoffs vor: eine prophylaktische Schleimhautimpfung gegen die HIV-Infektion, die im Tierversuch erfolgreich getestet wurde. Der neue Impfstoff ist aus einem inaktivierten Virus und einem lebenden Bakterium zusammengesetzt und wurde Affen (Makaken) zur Immunisierung verabreicht. Drei bis 14 Monate später wurden 20 Affen mit HIV infiziert, 19 waren für bis zu 54 Monate vor einer Ansteckung geschützt. Im Gegensatz zu allen bisher entwickelten Impfstoffen führt der neue Impfstoff nicht zu spezifischen Antikörpern, sondern zu einer Entwicklung regulatorischer T-Zellen. Diese unterdrücken eine überschießende Immunaktivierung, die ansonsten die Ausbreitung des HIV-Virus befördert. Dieser Ansatz könnte die Entwicklung einer neuartigen sowohl therapeutischen als auch präventiven HIV-Impfung beim Menschen ermöglichen.

Kongress-Logo

Hintergrund

Bisher kam es zu mehr als 600 Erkrankungen bei Menschen durch H5N1-Influenzaviren, die seit 2006 als Vogelgrippeviren bezeichnet werden. Mehr als die Hälfte der erkrankten Menschen starb. Die in mehreren Ländern verbreiteten H5N1-Viren bei Wildvögeln und Geflügel sind in der Lage, Schweine zu infizieren.
Anfang 2013 berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über die ersten Vogelgrippe-Fälle aus China, die durch ein neu entstandenes H7N9-Influenzavirus verursacht wurden. Inzwischen infizierten sich über 400 Menschen, von denen ca. 30% verstarben. Bisher kam es noch nicht zu einer Übertragung zwischen Menschen durch eine Tröpfcheninfektion durch Husten, Atmen oder Niesen. Experten schließen aber nicht aus, dass sich die Viren soweit verändern können, dass sie von Mensch zu Mensch weitergegeben werden.

Die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Virologie GfV hält weitere Forschungsarbeiten zur Übertragbarkeit von H5N1-Viren unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen für notwendig: „Die GfV ist der Überzeugung, dass der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn und der gesellschaftliche Nutzen solcher Untersuchungen das Gefahrenrisiko bei Einhaltung entsprechender Sicherheitsvorkehrungen überwiegen“, so GfV-Präsident Prof. Dr. Thomas Mertens in einer Stellungnahme.

Als größte wissenschaftliche Fachgesellschaft der Virologie in Europa bietet die Gesellschaft für Virologie e. V. (GfV) auf ihrer Jahrestagung in Bochum neueste Forschungsergebnisse zur Bekämpfung von Viruskrankheiten. Unter der Leitung von Kongresspräsident Prof. Dr. med. Klaus T. Überla werden rund 1000 Experten erwartet, die sich über weitere Schwerpunkte wie die neuesten Studienergebnisse bei der ersten Anwendung des Ebola-Impfstoffs austauschen. Als besonderes Highlight wird die bekannte Forscherin Dr. Nancy Sullivan vom Vaccine Research Center des National Institutes of Health (NIH), USA, erwartet. Ihrem Team gelang an dem renommierten Forschungszentrum für Infektionskrankheiten die Entwicklung des vielversprechenden Ebola-Impfstoffs, der jetzt in Ebola-Gebieten in Westafrika getestet wird. Renommierte Referenten aus China, den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland diskutieren über alle wichtigen Aspekte der Virologie.

Alle Informationen sowie das gesamte wissenschaftliche Programm gibt es auf der Tagungs-homepage unter http://www.virology-meeting.de.

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Kerstin Aldenhoff
Tel. 0172 / 3516916
kerstin.aldenhoff@conventus.de

Wolfgang Müller M.A.

MERS-Coronavieren

Laborarbeit in der Virologie der Universität Bonn  DZIF/scienceRELATIONS
Laborarbeit in der Virologie der Universität Bonn

Medizin am Abend Fazit: MERS-Coronaviren: „Kein Risiko für die Bevölkerung“

In Osnabrück hat am Wochenende ein Patient für Aufsehen gesorgt, der sich
in Abu Dhabi mit dem gefährlichen MERS-Coronavirus infiziert hat. Viele
Menschen befürchten eine Ausbreitung des Erregers, der schwere
Lungenentzündungen auslösen kann. Experten am Deutschen Zentrum für
Infektionsforschung (DZIF) geben Entwarnung.

„Das MERS-Virus ist viel weniger ansteckend als eine normale Grippe“,
erklärt DZIF-Wissenschaftler Prof. Christian Drosten, der zusammen mit den behandelnden Ärzten, dem RKI und den zuständigen Gesundheitsbehörden den Fall betreut.

„Wir haben in einer wissenschaftlichen Untersuchung in Saudi Arabien
gesehen, dass es nur in der Minderheit aller Fälle von MERS überhaupt zu
Übertragungen kommt, und diese waren fast immer äußerst mild“, so Drosten.
Übertragungsketten scheinen sich nicht ohne Weiteres zu bilden. „Die
großen Krankenhausausbrüche in Saudi Arabien im vergangenen Jahr wären
unter hiesigen krankenhaushygienischen Bedingungen wohl nicht denkbar“,
ergänzt Drosten. Es bestehe kein Risiko für die Allgemeinbevölkerung. Die
Aufklärung von möglichen – auch unauffälligen – Infektionen in der
Umgebung des Patienten werde derzeit sehr effizient von den zuständigen
Behörden betrieben.


Am DZIF wurden mit dem Schwerpunkt „Neu auftretende Infektionskrankheiten“
beste Voraussetzungen geschaffen, um bei Ausbrüchen neuer Viren schnell
Diagnostika und Impfstoffe zu entwickeln und eine weitere Ausbreitung zu
verhindern. Nach der Entdeckung des MERS-Coronavirus 2012 konnten die
Bonner Forscher um Christian Drosten den weltweit verwendeten Standardtest
zum Nachweis des MERS-Erregers entwickeln. Der Münchner Virologe Prof.
Gerd Sutter generierte im DZIF bereits einen Impfstoffkandidaten, der
derzeit getestet wird. Bisher gibt es keinen Impfstoff gegen die MERS-
Coronaviren.

MERS-Coronaviren
Seit das MERS-Coronavirus 2012 erstmals als neues, gefährliches Virus in
Saudi-Arabien entdeckt wurde, beunruhigt es die Öffentlichkeit. Es
verursacht schwere Krankheitsverläufe mit Atemnot und Lungenentzündung,
die zum Tode führen können. Derzeit geht man davon aus, dass Dromedare ein
Reservoir für den Erreger bilden. In einer wissenschaftlichen Studie
konnten Drosten und sein Team feststellen, dass die Übertragungsrate von
Mensch zu Mensch gering ist.

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Prof. Dr. Christian Drosten
Telefon: 0228/28711055

Deutsches Zentrum für Infektionsforschung, Karola Neubert

Resistente Darmbakterien nach Auslandsaufenthalten

Medizin am Abend Fazit: Vermehrt resistente Darmbakterien nach Auslandsaufenthalten

Jeder fünfte Tourist, der in Länder mit mangelhaften Hygienestandards reist, kehrt mit einem multiresistenten – jedoch nicht notwendigerweise krankmachenden – Darmbakterium in die Heimat zurück. Dies ergab eine aktuelle Studie aus Finnland. Das Risiko, dass sich multiresistente Keime im Darm ansiedelten, stieg bis auf 80 Prozent, wenn Reisende unterwegs Antibiotika einnahmen. Angesichts dieser Ergebnisse macht die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) auf die Zunahme multiresistenter Bakterienstämme in Deutschland aufmerksam. Die Fachgesellschaft fordert mehr Forschung für Medikamente und den gewissenhaften Einsatz vorhandener Präparate. 
 
Die finnischen Wissenschaftler untersuchten Stuhlproben von 430 Reisenden. Danach finden sich bei jedem Fünften, der ins tropische oder subtropische Ausland reist, nach seiner Rückkehr Spuren von Extended-Spectrum Betalaktamase (ESBL). ESBL sondern Bakterien ab, die gegen viele Antibiotika resistent sind. Von den Testpersonen, die an Reisedurchfall erkrankten, entpuppte sich jeder zweite als Träger eines multiresistenten Keims. Nahm der Reisende gegen den Durchfall Antibiotika, stieg das Risiko bis auf 80 Prozent, einen solchen Erreger mit nach Hause zu bringen. „In vielen Fällen wissen die Infizierten nicht einmal, dass sie Träger sind“, sagt Professor Dr. med. Ansgar Lohse Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf. Auf diesem Wege können Keime auch bis ins Krankenhaus gelangen, wo sie mitunter auf geschwächte Patienten treffen. „Was das bedeutet, zeigen die jüngsten Ereignisse am Universitätsklinikum Kiel“, sagt Lohse. Dort starben zwölf Patienten, die sich mit einem multiresistenten Keim infiziert hatten.

Laut der Antibiotika-Resistenz-Datenbank „ARS“ des Robert Koch-Instituts haben Multiresistenzen bei Darmbewohnern in Deutschland in den letzten Jahren deutlich zugenommen: Bei der Gattung Escherichia coli etwa verzeichnet das Institut von 2008 bis 2013 im stationären Bereich eine Zunahme von 5,1 auf 8,8 Prozent derjenigen Erreger, die gegen drei Antibiotikagruppen resistent sind. Bei der Gattung Klebsiella pneumoniae waren 2013 bereits 10,8 Prozent der getesteten Keime von Krankenhauspatienten gegen drei und 0,4 Prozent sogar gegen vier Antibiotikagruppen resistent.

Viele der Resistenzen entstehen in der Tiermast, wo Bauern großflächig Antibiotika einsetzen. Experten sehen zudem den zu leichtfertigen Gebrauch in Tier- und Humanmedizin als entscheidende Ursache: „Oft genug kommt es vor, dass Ärzte selbst Patienten mit einer Erkältung ein Breitspektrum-Antibiotikum verschreiben“, kritisiert Lohse. „Um Resistenzen zu vermeiden, müssen wir Antibiotika sparsam und zielgerichtet einsetzen.“ Bei Reisedurchfall rät der Experte eher davon ab, zum Antibiotikum zu greifen: Gewöhnliche Reiseinfekte vergingen in der Regel nach wenigen Tagen von selbst. Dauert die Krankheit länger, treten Fieber, starke Schmerzen oder Blut oder Schleim im Stuhl auf, sollten Betroffene jedoch auf jeden Fall einen Arzt hinzuziehen.

Die Ausbreitung von Resistenzen dürfe nicht billigend in Kauf genommen, sondern müsse aktiv bekämpft werden, so die DGVS. Zudem sollte die Entwicklung neuer Medikamente nicht zu kurz kommen, so Lohse. „Resistenz ist ein natürliches, evolutionäres Phänomen, mit dem Keime ihre Überlebenschancen vergrößern. Es wird also auch ein Zukunftsproblem bleiben, wenn wir nicht immer wieder neue Wirkstoffe entwickeln.“ Für Pharmakonzerne lohnt sich die Forschung nach neuen Antibiotika jedoch finanziell kaum, wenn das Endprodukt nur mit großer Zurückhaltung verschrieben werden soll. „Wir müssen neue Finanzierungsstrategien finden, um neue Anreize für Industrie und Forschung zu setzen“, sagt Lohse.

Literatur:
Antimicrobials Increase Travelers' Risk of Colonization by Extended-Spectrum Betalactamase-Producing Enterobacteriaceae
Kantele et al., Clinical Infectious Disease 2015, 60 (6): 837-846

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5.000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten.

Medizin am Abend DirektKontakt 

DGVS
Anna Julia Voormann
Irina Lorenz-Meyer
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Berliner Büro im Langenbeck Virchow-Haus:
Luisenstraße 59
10117 Berlin
Tel.: 0711 8931-552/-642
Fax: 0711 8931-167


Weitere Informationen:

http://www.dgvs.de

Muskeln unter Strom: Krafttraining durch elektrische Impulse /Koordinationstraining

Medizin am Abend Fazit: 

Muskeln unter Strom: Krafttraining durch elektrische Impulse kann das Gleichgewicht verbessern

http://www.fhstp.ac.at/studienangebot/bachelor/pt/projekte/m.a.n.d.u.-ein-innova... Projektwebseite


http://www.mandu.at/ M.A.N.D.U


https://www.ffg.at/innovationsscheck Förderprogramm FFG-Innoscheck:

Julia Furdea, die Miss Austria 2014, hat es benutzt, um eine bessere Figur zu machen, es lässt sich aber auch in der Physiotherapie und Rehabilitation einsetzen: Kraftraining mithilfe von elektrischen Impulsen. Der Strom unterstützt die Muskelaktivität. Das steigert den Effekt des Trainings für Kraft und Ausdauer und wird therapeutisch eingesetzt, etwa um Muskelschwund vorzubeugen. Physiotherapeutinnen der FH St. Pölten haben nun herausgefunden, dass sich mit der Methode auch das Gleichgewicht trainieren lässt. 
 
Nicht weniger als 656 Muskeln bewegen den menschlichen Körper. Wer Kraft und Ausdauer steigern will, muss trainieren. Durch das gleichzeitige Stimulieren der Muskeln mit Strom über Elektroden auf der Haut, lässt sich der Trainingseffekt steigern. Ob dieser Effekt das Gleichgewicht von PatientInnen in der Rehabilitation verbessern könnte, hat ein Team um Romana Bichler, Sport-Physiotherapeutin und stellvertretende Leiterin des Studiengangs Physiotherapie an der FH St. Pölten, untersucht.

„Es gibt im Bereich der Sportmedizin bzw. Trainingslehre einiges an Evidenz zum Thema Krafttraining durch Elektrostimulation, allerdings ist die Auswirkung beim Koordinationstraining noch nicht sehr breit erforscht“, erklärt Bichler.

Gewöhnungsbedürftig, aber nicht schmerzhaft

M.A.N.D.U.-Training
Bei der sogenannten elektrischen Muskelsimulation (EMS) erfolgt die Muskelkontraktion nicht (nur) über einen Impuls des zentralen Nervensystems, sondern vor allem durch einen elektrischen Reiz, der direkt die gezielte Muskelpartie anregt. Der Impuls kommt von einer Elektrode, die auf der Haut über dem zu kontrahierenden Muskel liegt. Die Trainierenden tragen dazu eine Weste und Manschetten über die der Strom großflächig aufgebracht wird.

„Die Stromimpulse sind weder unangenehm noch schmerzhaft. Das Stromgefühl und die Kontraktion der Muskulatur durch den elektrischen Impuls sind lediglich etwas gewöhnungsbedürftig“, sagt Bichler

Verbessertes Gleichgewicht

In einem Projekt gemeinsam mit dem EMS-Trainingsanbieter M.A.N.D.U. hat Bichler untersucht, wie sich Ganzkörperelektrostimulationstraining auf Haltung und Gleichgewicht auswirkt. Dazu wurde ein Trainingskonzept mit koordinativen Übungen in Zusammenwirken mit der Elektrostimulation entworfen und analysiert.

Verglichen hat Bichler ein Kraftausdauertraining mit Langhantel und Theraband und ein EMS-Training nach dem M.A.N.D.U.-Konzept. M.A.N.D.U. ist ein Trainingskonzept, das durch Ganzkörper-Elektrostimulation (Maximal-)Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer verbessern kann. Durch ein individuell steuerbares Training ist es möglich, muskuläre Dysbalancen auszugleichen und eine verbesserte Stabilität des Körpers zu erreichen. Das Ergebnis: Beide Methoden sind wirksam, das EMS-Training benötigt aber für den gleichen Effekt weniger Zeit als das Kraftausdauertraining.

„Durch Krafttraining verbessert sich die inter- und intramuskuläre Koordination.

Beinkraft und Kraftausdauer sind wichtig für die Sturzprävention. Wir haben untersucht, ob ein Elektrostimulationstraining im Vergleich zu einem Kraftausdauertraining zu einer signifikanten Verbesserung des statischen und dynamischen Gleichgewichtes führt“, sagt Bichler. Die Studie zeigte, dass Elektrostimulation das dynamische Gleichgewicht der erwachsenen Versuchspersonen deutlich verbessert hat. Einsetzen ließe sich dies in der Sturzprophylaxe, Verletzungsprophylaxe und Rehabilitation.

„Die Trainingsmethode kommt aus dem medizinisch-therapeutischen Bereich und wird dort schon sehr lange verwendet. In unserer Arbeit wird die Sturzprophylaxe für ältere Personen ein immer wichtigeres Thema. Eine Studie wie diese mit der FH St. Pölten ist wichtig, um die wissenschaftliche Ernsthaftigkeit zu unterstreichen“, sagt Martina Kies, Betreiberin des M.A.N.D.U.-Studios Amstetten, die gemeinsam mit der FH St. Pölten die Studie durchgeführt hat.

Elektrosimulation und Physiotherapie
 

Elektrostimulation wird aber auch schon bisher in der Physiotherapie eingesetzt, z.B. als unterstützende Maßnahme nach Verletzungen zum Muskelaufbau bzw. um Muskelschwund zu verhindern oder zu reduzieren.

Dabei müssen auch einige mögliche Nachteile bedacht werden: Durch den Einsatz des Stroms könnte die Funktion wichtiger neuronaler Regelkreise und Koordinierungssysteme in den Hintergrund treten. Zudem könnten physiologische Schutzmechanismen der Ermüdung durch die elektrischen Impulse außer Kraft gesetzt und Muskeln geschädigt werden. Im Einsatz der Therapie wird dies jedoch berücksichtigt, um die Nachteile zu verhindern.

Als Trainingsmethode wird die Elektrostimulation sowohl von Laien wie AthletInnen angewandt. „Der Unterschied zeigt sich in der Dosierung, der Durchführung der Übungen sowie in der Übungsauswahl. Wie überall im Training oder Sport ist es auch hier wichtig, die richtige Dosierung zu finden, um den gewünschten Effekt zu erzielen“, so Bichler.

Projekt „M.A.N.D.U. – ein innovatives Trainingskonzept“
Das Projekt „M.A.N.D.U. – ein innovatives Trainingskonzept“ wurde von den Bundesministerien für Verkehr, Innovation und Technologie sowie Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft im Zuge des Programms Innovationsscheck gefördert.

Über die Fachhochschule St. Pölten

Die Fachhochschule St. Pölten ist Anbieterin praxisbezogener und leistungsorientierter Hochschulausbildung in den sechs Themengebieten Medien & Wirtschaft, Medien & Digitale Technologien, Informatik & Security, Bahntechnologien & Mobilität, Gesundheit und Soziales. In mittlerweile 17 Studiengängen werden rund 2.300 Studierende betreut. Neben der Lehre widmet sich die FH St. Pölten intensiv der Forschung. Die wissenschaftliche Arbeit erfolgt zu den oben genannten Themen sowie institutsübergreifend und interdisziplinär. Die Studiengänge stehen in stetigem Austausch mit den Instituten, die laufend praxisnahe und anwendungsorientierte Forschungsprojekte entwickeln und umsetzen.


Medizin am Abend DirektKontakt:

Mag. Mark Hammer
Telefon: +43/0/2742313228269
Fax: +43/0/2742313228219
E-Mail-Adresse: mark.hammer@fhstp.ac.at

http://www.fhstp.ac.at/studienangebot/bachelor/pt/projekte/m.a.n.d.u.-ein-innova... Projektwebseite
http://www.mandu.at/ M.A.N.D.U
https://www.ffg.at/innovationsscheck Förderprogramm FFG-Innoscheck: