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Prof. Dr. med. Daniel Candinas: Darmbakterien verschlimmern Bauchverwachsungen (Adhesion) nach Operation im Bauchbereich

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Viszeralchirurgie: Darmbakterien verschlimmern Bauchverwachsungen

Einem multidisziplinären, internationalen Forschungsteam um Prof. Daniel Candinas und Prof. Deborah Stroka aus dem Inselspital und der Universität Bern ist ein wichtiger Nachweis gelungen: 

  • Die Forschenden haben die Ausgangszellen und den zentralen Auslöser bei der Bildung von Verwachsungen im Bauch nach Operationen mit Verunreinigungen durch Darmbakterien identifizieren können. 

Damit stehen erste, vielversprechende Ansatzpunkte für eine mögliche Therapie zur Verfügung.

Verwachsungen (Adhesion) nach Operation im Bauchbereich: Hier eine Adhäsion mit einer partiellen Einschnürung des Dünndarms (Obstructed small intestine). Verwachsungen (Adhesion) nach Operation im Bauchbereich: Hier eine Adhäsion mit einer partiellen Einschnürung des Dünndarms (Obstructed small intestine). Joel Zindel Insel Gruppe 

Viele Operationen im Bauchbereich können heute minimal invasiv vorgenommen werden. 

Trotzdem bleiben wichtige, lebensrettende Operationen im Bauch weiterhin mit einem grösseren Eingriff verbunden. 

Nach diesen Operationen können sich Verwachsungen bilden, die erhebliche Folgeprobleme verursachen. 

  • Frühere Arbeiten haben zeigen können, dass Verwachsungen bei sterilen Eingriffen auf Makrophagen zurückgehen, die auf die Öffnung des Bauchraumes überreagieren. 

In ihrer neusten Arbeit in Nature communications publiziert die Forschungsgruppe um Prof. Dr. med. Daniel Candinas nun Resultate zu denjenigen Operationen, bei denen Verunreinigungen durch Darmbakterien auftreten.

Verunreinigungen mit Darmbakterien führen zu stärkeren Verwachsungen

Bei verschiedenen Operationen (z.B. Blinddarm, Darmtumoren) können Darmbakterien in den Bauchraum gelangen. Solche Verunreinigungen ziehen stärkere Verwachsungen nach sich. Das Forschungsteam hat nun erstmals zeigen können, auf welche Mechanismen diese Verwachsungen zurückgehen und welches die Auslöser des übermässigen Zellwachstums sind. 

Interessanterweise funktioniert die Entstehung von Verwachsungen bei Verunreinigungen durch Darmbakterien anders als nach «sterilen» Operationen.

Mesothelzellen als Ausgangspunkt
Ausgangspunkt der Verwachsungen sind Mesothelzellen. 

Diese sind Teil des Reparaturmechanismus, der verletztes Gewebe im Bauchraum wieder Instand stellen soll. 

Dr. Joel Zindel, Erstautor der Studie erklärt: 

«Die Entzündung bringt Mesothelzellen dazu, ihr Verhalten zu ändern. 

  • Anstatt eine glatte Oberfläche zu bilden, die eine reibungslose Bewegung des Darms gewährleisten sollte, produzieren die Zellen nun sehr viel Narbenmaterial. 

Es scheint, die Entzündung, die u.a. auf die Verunreinigung zurückgeht, ist für dieses Umprogrammieren der Zellvermehrung der Mesothelzellen verantwortlich.» Die Suche galt deshalb dem «Programmierer», der für die Veränderung verantwortlich ist.

EGFR ist Hauptursache des Fehlverhaltens der Mesothelzellen
Bei der Suche nach dem Auslöser konnte der «Epidermal Growth Factor Rezeptor» (EGFR) als entscheidender, aktiver Faktor bestimmt werden. Im Tierversuch wurde gezeigt, dass EGFR die treibende Kraft ist, wenn normale Mesothelzellen ihre Rolle ändern und Verwachsungen zu bilden beginnen.  

  • Der Prozess wird durch die Entzündungsreaktion nach der Verunreinigung mit Bakterien gestartet. EGFR ist dabei kein Unbekannter: 

Aus der Krebsforschung ist er bekannt als wichtiger Faktor, der das Wachstum von Tumoren antreibt.

Der Durchbruch: Hinweise aus dem Mausmodell am Menschen bestätigt
Die umfangreiche Studie blieb nicht beim Tiermodell stehen, sondern unternahm den Versuch, den neu entdeckten Mechanismus zur Entstehung von Verwachsungen beim Menschen nachzuweisen. Tatsächlich fanden die Forschenden hier die identischen Prozesse. Sie stellten dazu Patientinnen und Patienten mit Darmbakterien im Bauchraum (geplatzter Blinddarm) solchen mit Operationen ohne Vorbelastung durch Verunreinigungen gegenüber.

Ein möglicher Hebel gegen Verwachsungen ist gefunden
Das Forschungsteam um Prof. Candinas ging von Beginn weg von einem translational orientierten Forschungsansatz aus. Gesucht waren Massnahmen, die in der Klinik zur Reduktion von Verwachsungen nach Operationen im Bauch zur Anwendung kommen sollten. Prof. Daniel Candinas, Leiter der Studie hält fest: «Mit der Identifikation der Mesothelzelle als Ausgangspunkt und EGFR als wichtigster Treiber von überschiessender Narbenbildung ist ein grosser Schritt getan. 

  • Im Experiment wurden Medikamente eingesetzt, die in der Onkologie den Tumorwachstumsfaktor EGFR bremsen. 
  • Tatsächlich konnte eine Reduktion der Verwachsungen erreicht werden, allerdings erst bei sehr hohen Dosierungen.»


Bis zum therapeutischen Einsatz sind noch wichtige Fragen zu klären
Noch steht mit den hier publizierten Forschungsergebnissen erst ein grobes Gerüst einer möglichen künftigen Bekämpfung von Verwachsungen nach Bauchoperationen mit Verunreinigungen. 

Insbesondere wird noch zu wenig verstanden, wie genau Bakterien eine Hochregulierung von EGFR auf Mesothelzellen bewirken. 

Weiter wird nach Wegen gesucht, den Einsatz der bekannten EGFR-Hemmer aus Krebstherapien für die Anwendung nach Bauchoperationen anzupassen. 

Weitere Studien sowohl auf molekularbiologischer Ebene, wie auch in der Klinik sind notwendig, um griffige Therapien gegen Verwachsungen nach Operationen im Bauch zu etablieren.

 Prof. Dr. med. Daniel Candinas und Team während einer Operation: Wichtige, lebensrettende Eingriffe im Bauchbereich können Verwachsungen zur Folge haben.   Foto: Janosch Abel, © Insel Gruppe

 Prof. Dr. med. Daniel Candinas und Team während einer Operation: Wichtige, lebensrettende Eingriffe im Bauchbereich können Verwachsungen zur Folge haben. Foto: Janosch Abel, © Insel Gruppe Janosch Abel Insel Gruppe

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- Dr. med. Joel Zindel, Stv. Oberarzt Viszerale Chirurgie, Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin, Inselspital, Universitätsspital Bern
- Prof. Dr. rer. nat. Deborah Stroka, DBMR, Laboratory for Visceral and Transplantation Surgery, Universität Bern
- Prof. Dr. med. Daniel Candinas, Klinikdirektor und Chefarzt Viszerale Chirurgie und Medizin, Inselspital, Universitätsspital Bern

http://www.insel.ch


3010 Bern
Schweiz
Bern

Marcel Wyler
Telefon: 0041 31 632 3720
E-Mail-Adresse: marcel.wyler@insel.ch
Originalpublikation:

Joel Zindel, Jonas Mitter, Simon April-Monn et al. Intraperitoneal microbial contamination drives post-surgical peritoneal adhesions by mesothelial EGFR-signaling DOI: 10.1038/s41467-021-27612-x

 

Ihre Entscheidung - sich ein künstliches Hüft- und/oder Kniegelenk einzusetzen

Medizin am Abend  Berlin - MaAB- Fazit: Künstliche Hüftgelenke: Zementierte Hüftschäfte sitzen bei Senioren besser

Zementieren oder nicht zementieren? 

Welchen Einfluss hat der Body-Mass-Index darauf, ein Implantat zu erhalten? 

Wie lange halten Hüft- und Knieimplantate im menschlichen Körper und was sind die Gründe für Wechseloperationen? 

Wer ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk erhält, hat viele Fragen. 

Das Endoprothesenregister informiert mit einer patientenverständlichen Broschüre. 

Das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) hat seine Patienteninformation 2021 veröffentlicht. 

Die 18-Seiten umfassende patientenverständlich aufbereitete Publikation wendet sich an Patienten, die vor der Entscheidung stehen, sich ein künstliches Hüft- und/oder Kniegelenk einsetzen zu lassen.

Zementieren oder nicht zementieren ist eine Frage des Alters

  • In mehr als 88 Prozent aller dem EPRD gemeldeten Hüfterstimplantationen wird eine Totalendoprothese eingesetzt. 
  • Weitaus weniger werden Teilendoprothesen verwendet – in gut elf Prozent der Fälle. 
  • Bei der Befestigung der Totalendoprothesen wird diese überwiegend zementfrei in den Knochen eingesetzt: 

Implantat und Knochen wachsen im Laufe der Zeit auf natürliche Weise ein. Für das Gros der Patienten stellt die Verankerung ohne Zement inzwischen also eine Standardbehandlung dar.

Internationale Studien und Datenanalysen des Endoprothesenregister Deutschland zeigen nun, dass dieses Verfahren bei älteren Menschen ab 75 Jahren weniger erfolgversprechend ist;
---sie profitieren bei einer Hüfterstimplantation von einer Schaftzementierung. 

Das Implantat sitzt stabiler und das Risiko eines Austauschs ist deutlich reduziert. 

Dieses Ergebnis ist für ältere Patienten von zentraler Bedeutung. 

  • Mit rund 33 Prozent erhält die Altersgruppe der 75- bis 84-Jährigen am häufigsten ein künstliches Hüftgelenk. 
  • Dabei sind Frauen mit mehr als 66 Prozent in dieser Altersgruppe am häufigsten betroffen.


Patienten mit einer Knieerstimplantation weisen einen Body-Mass-Index von durchschnittlich 30 auf


Ein zu hohes Körpergewicht belastet die Gelenke. 

Männer und Frauen, die erstmalig eine Knieendoprothese erhalten, weisen einen Body-Mass-Index (BMI) von durchschnittlich 30 auf. 

Laut Weltgesundheitsorganisation beschreibt ein BMI von mehr als 30 einen adipösen Menschen. 

Zum Vergleich: 

Der Body-Mass-Index eines Normalgewichtigen bewegt sich zwischen 18,5 und 24,9. Patienten, die erstmalig ein Hüftimplantat erhalten, verfügen im Schnitt über einen BMI von 27.


Männer haben ein höheres Infektionsrisiko bei Kniegelenksoperationen

Der zweithäufigste Grund für eine Wechseloperation nach einer Hüft- oder Knieerstimplantation sind Infektionen. 

Dies sind rund 15 Prozent der Fälle. 

  • Dabei tragen Männer, denen ein künstliches Kniegelenk eingesetzt wurde, ein deutlich höheres Risiko für eine postoperative Infektion – sowohl nach dem Ersteingriff wie auch bei einer Folgeoperation.

Der mit Abstand häufigste Grund für eine Wechseloperation an Hüfte und Knie ist eine Lockerung des Implantats. 

Sie macht fast 25 Prozent der Folgeeingriffe an der Hüfte und mehr als 23 Prozent der Folgeeingriffe am Knie aus.

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Susanne Herda, Swetlana Meier
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) e.V.
Straße des 17. Juni 106-108, 10623 Berlin
Telefon: +49 (0)30 340 60 36 -16 oder -00
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EPRD Deutsche Endoprothesenregister gGmbH
Straße des 17. Juni 106-108, 10623 Berlin
Telefon: +49 (0)30 340 60 36 -40
E-Mail: presse@eprd.de

Über das Endoprothesenregister Deutschland
Das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) ist ein freiwilliges Register. Ziel ist die Qualitätsmessung und -darstellung der endoprothetischen Versorgung in Deutschland. Das EPRD wurde 2010 auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e.V. (DGOOC) gemeinsam mit dem AOK-Bundesverband GbR, dem Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) sowie dem Bundesverband Medizintechnologie e.V. (BVMed) aufgebaut. Betreiber des EPRD ist die gemeinnützige EPRD Deutsche Endoprothesenregister gGmbH, eine hundertprozentige Tochter der DGOOC. Mit mehr als 1,9 Millionen erfassten Dokumentationen ist das EPRD das zweitgrößte endoprothetische Register Europas. 

 


Dr. Alexandra Dopfer-Jablonka: TOP-Einladung zur Studie: Atemprobleme und Luftnot, chronische Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Geruchsverlust (Long-COVID)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: MHH sucht Teilnehmende für Long-COVID-Studie

Projekt ErgoLoCo erprobt Online-Live-Ergotherapie bei langfristigen Beschwerden nach Corona-Infektion 

Jacqueline Niewolik (links) und Marie Mikuteit vom ErgoLoCo-Team Jacqueline Niewolik (links) und Marie Mikuteit vom ErgoLoCo-Team Copyright: Karin Kaiser / MHH 

Viele Menschen, die eine Corona-Infektion überwunden haben, leiden auch nach Monaten noch unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen. 

  • Dazu zählen beispielsweise Atemprobleme und Luftnot, chronische Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Geruchsverlust. 

Fachleute sprechen dabei von Long-COVID. 

Das Phänomen wirft für Medizinerinnen und Mediziner viele Fragen auf – dazu gehört auch die nach speziellen Therapien. Hier setzt die Pilotstudie ErgoLoCo der Klinik für Rheumatologie und Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) an. Das Team um Privatdozentin Dr. Alexandra Dopfer-Jablonka möchte herausfinden, ob und wie Ergotherapie den Patientinnen und Patienten mit Long-COVID helfen kann. 

Für die Studie, die in den kommenden Wochen starten soll, werden noch Teilnehmende gesucht.

  • „Unser Ziel ist es, eine ergotherapeutische Behandlung für Long-COVID-Betroffene zu entwickeln, die schon länger als drei Monate unter andauernden schwerwiegenden Beeinträchtigungen leiden“, erklärt Marie Mikuteit, Ärztin im ErgoLoCo-Team. 

Für die Studie werden die Probandinnen und Probanden in zwei Gruppen unterteilt. 

Die eine Gruppe erhält ergotherapeutische Interventionsvideos zum Anschauen. 

Die andere Gruppe nimmt an einer Online-Live-Ergotherapie unter persönlicher Anleitung einer Ergotherapeutin teil. 

Nach sechs bis acht Wochen werden die Ergebnisse verglichen und die Wirkung der Ergotherapie erhoben. 

Dabei wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur herausfinden, ob Ergotherapie grundsätzlich geeignet ist, den Betroffenen zu helfen. 

Sie wollen beispielsweise auch ermitteln, ob die Live-Ergotherapie bessere Effekte erzielt als die Videos.

Das Projekt zielt darauf ab, möglichst schnell Hilfe für die Betroffenen bieten zu können. 

„Im Falle eines positiven Ergebnisses können wir die Übungen, die zur Genesung beitragen, sofort in die Versorgung der Patientinnen und Patienten mit Long-COVID übertragen“, erläutert Jacqueline Niewolik, ebenfalls Ärztin im ErgoLoCo-Team. Gedacht ist an die Bereitstellung der Übungen auf einer Internet-Plattform.

Kooperationspartnerinnen der Pilotstudie sind die Universitätsmedizin Göttingen und die Ostfalia Hochschule für Angewandte Wissenschaften Braunschweig. Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und baut auf die große Studie DEFEAT Corona, die ebenfalls an der MHH läuft, auf.

Kontaktmöglichkeit für Interessierte: Personen, die von Long-COVID betroffen sind und sich an der Pilotstudie ErgoLoCo beteiligen wollen, können sich über den Fragebogen des Projekts DEFEAT Corona auch für ErgoLoCo bewerben. 

Weitere Informationen finden Interessierte unter http://www.defeat-corona.de

Bei Fragen können sie sich per Mail an info@defeat-corona.de wenden.


Weitere Informationen erhalten Sie bei Privatdozentin Dr. Alexandra Dopfer-Jablonka, jablonka.alexandra@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-3014. 

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Prof. Dr. med. Christiane Waller: TOP - Einladung für tagesklinische Plätze speziell für Post-COVID Patienten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Klinikum Nürnberg bringt neues tagesklinisches Angebot für Post-COVID-Patienten auf den Weg

Müdigkeit, Kurzatmigkeit, eingeschränkte Leistungsfähigkeit – noch Monate nach einer Erkrankung mit COVID-19 leiden manche Betroffene an den Folgen. 

Das Klinikum Nürnberg hat sich schon früh um das Thema Post-COVID gekümmert und für betroffene Mitarbeitende sowie Patienten eine ambulante Post-COVID-Sprechstunde eingerichtet. 

Nun geht heute zum 10. Januar eine weitere Säule an den Start: 

An der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie sowie an der Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkt Geriatrie, wurden tagesklinische Plätze speziell für Post-COVID-Patienten ein-gerichtet. 

Während der Therapie sollen sie dort sowohl die körperlichen als auch die seelischen Symptome der Infektion ausheilen. 

Prof. Dr. med. Christiane Waller, Ärztliche Leiterin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg Prof. Dr. med. Christiane Waller, Ärztliche Leiterin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg Rudi Ott Klinikum Nürnberg 

Die Post-COVID-Erkrankung ist eine anhaltende Komplikation nach einer CO-VID-19-Infektion. 

  • Erschöpfung und verminderte Leistungsfähigkeit führen bei den Betroffenen zu eingeschränkter Lebensqualität und verhindern die Teilhabe am Alltags- und Arbeitsleben. 

„Die Betroffenen finden nicht mehr in den Tagesrhythmus, fühlen sich erschöpft und müde, der Körper läuft unter Dauerstress“, schildert Prof. Dr. med. Christiane Waller, Chefärztin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg.

Vermehrte Anfragen und Fälle

Weil sich die Anfragen und Fälle in ihrer Ambulanz zuletzt häuften, hat Waller gemeinsam mit Prof. Dr. med. Markus Gosch, Chef der Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie, und Prof. Dr. med. Jochen Ficker, Chef der Klinik für Innere Medizin 3, Schwerpunkt Pneumologie, das neue tagesklinische Angebot am Klinikum Nürnberg auf den Weg gebracht:  

  • Patientinnen und Patienten mit Post-COVID Symptomen werden dort während der drei- bis vierwöchigen Verweildauer von Fachleuten interdisziplinär und multimodal begutachtet und therapiert.


„Zunächst schließen wir aus, dass andere körperliche Ursachen wie beispielsweise eine schwere Erkrankung, die sich im Körper unbemerkt entwickelt, Ursache der Beschwerden sind “, sagt Prof. Dr. med. Markus Gosch, „wir arbeiten dafür eng mit den Fachkliniken hier im Haus wie etwa der Klinik für Pneumologie zusammen.“

Stressreduktion und körperliche Aktivierung

So übernimmt zum Beispiel die Abteilung für Physikalische Therapie der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie einen der Schwerpunkte der Behandlung: mit speziellen physiotherapeutischen, ergotherapeutischen und logopädischen Programmen werden die körperlichen Fähigkeiten wiederhergestellt und damit die Patienten*innen aus ihrem Tief geholt.

Im Zentrum der Behandlung: Stressreduktion und körperliche Aktivierung. 

„Für die Betroffenen waren die vergangenen Monate ja eine Dauerausnahmesituation“, sagt Prof. Dr. med. Christiane Waller, „Stressreduzierende Maßnahmen in Kombination mit Kraft-, Ausdauer- und Gedächtnistraining fördern die Ausheilung der Symptome. Wir haben Verfahren etabliert, mit denen der Stresslevel über die Bestimmung von oxidativem Stress im Blut überprüft werden kann.“

Dafür arbeitet die Klinik von Prof. Dr. med. Christiane Waller mit der sogenannten psychoneuroimmunologischen Diagnostik. „Wir untersuchen unter anderem das Blut der Betroffenen und können sehen, ob die Zellen noch unter Stressbelastung stehen“, erklärt Prof. Waller. „Wenn die Werte für den Sauerstoffstress während des Aufenthalts besser werden, sehen wir, dass die Therapie anschlägt“. Mit angeleiteten Kraft- und Ausdauertrainings werden die Patientinnen und Patienten parallel auch körperlich wieder fitter gemacht. „Ziel des Aufenthalts in der Tagesklinik ist es, Post-COVID auszuheilen“, betont Prof. Dr. med. Christiane Waller.

Multiprofessionelles und interdisziplinäres Therapiekonzept


Bei den älteren und oft schon mehrfach vorerkrankten Patientinnen und Patienten, die mit Post-COVID in die Tagesklinik zu Prof. Dr. med. Markus Gosch kommen, geht es vor allem darum, sie nach der Erkrankung wieder zu mobilisieren. „Sie sollen so weit wie möglich wieder an ihr Leben vor der COVID-Erkrankung anknüpfen können“, sagt Prof. Dr. med. Markus Gosch, „beispielsweise wieder selbst Einkaufen gehen“. Ziel sei, die Selbstständigkeit und die Lebensqualität der Betroffenen wieder zu verbessern. „Auch wenn die Erkrankung vielleicht nicht schwerwiegend verlaufen ist, so sind viele doch sehr belastet und dauerhaft erschöpft.“

Die Geriatrischen Tageskliniken am Klinikum Nürnberg bieten diesen Patienten ein multiprofessionelles und interdisziplinäres Therapiekonzept, das auch auf die seelischen und sozialen Bedürfnisse der Patienten eingeht. Das sei besonders wichtig, weil es unter den erkrankten Senioren besonders viele Patientinnen und Patienten gäbe, die die Corona-Pandemie in vielerlei Hinsicht sehr hart getroffen habe, sagt Prof. Dr. med. Markus Gosch. „Sie haben Angehörige, Freunde, Nachbarn verloren und müssen oft mit Einsamkeit zurechtkommen. Kommen dann noch dauerhaft Post-COVID-Symptome hinzu, ist das sehr belastend und verkürzt die Lebenserwartung“, so Gosch. „Wir möchten ihnen helfen“.

  • Der Weg zum neuen tagesklinischen Angebot für Post-COVID-Patienten am Klinikum Nürnberg führt über den Hausarzt und eine Überweisung. 


Kontakt: Psychosomatik-Post-Covid@klinikum-nuernberg.de 

Prof. Dr. med. Markus Gosch, Ärztlicher Leiter der Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie

 Prof. Dr. med. Markus Gosch, Ärztlicher Leiter der Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie Jasmin Szabo Klinikum Nürnberg

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PD Dr. Tobias Wengenmayer: CAVE- ECMO-Therapie - extrakorporalen Membranoxygenenierung - Herz-Lungenmaschine

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Gute Prognose nach erfolgreicher ECMO-Therapie

Freiburger Forscher*innen zeigen in einer Langzeitstudie: Patient*innen, die eine Herz-Lungenmaschine benötigten und genesen sind, weisen häufig eine gute Lebensqualität auf

Welche langfristigen Folgen haben intensivmedizinische Eingriffe für die Lebensqualität der Patient*innen? 

Das haben Ärzt*innen des Universitätsklinikums Freiburg bei Patient*innen untersucht, die aufgrund schwersten Lungenversagens zeitweise eine sogenannte ECMO-Therapie erhalten haben. 

  • Bei der extrakorporalen Membranoxygenierung wird das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und wieder zurück in den Körper gepumpt. 
  • Damit kann die Lungenfunktion für eine gewisse Zeit ersetzt werden. 

Langfristig wiesen viele der 53 Befragten eine gute, mit der Allgemeinbevölkerung zum Teil vergleichbare Lebensqualität auf. 

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  • Rund 60 Prozent der Betroffenen konnten wieder ihre alte Arbeit aufnehmen, weitere 20 Prozent eine alternative Tätigkeit. 

Die Studie erschien am 29. November 2021 im Fachmagazin Critical Care.

„Eine ECMO-Therapie ist bei schwerstem Lungenversagen unsere letzte Hoffnung und gleichzeitig ein großer Eingriff. 

Die Ergebnisse unserer Langzeitstudie sind besser als wir befürchtet hatten. 

Viele der genesenen Patient*innen finden wieder gut zurück in ihr altes Leben“, sagt PD Dr. Tobias Wengenmayer, Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Freiburg. 

In ihre Studie werteten die Forscher*innen die Situation aller 289 Patient*innen auf, die im Zeitraum zwischen 2010 und 2019 auf der Medizinischen Intensivstation der Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Freiburg eine ECMO-Therapie erhalten haben. 129 Patient*innen konnten das Krankenhaus genesen verlassen. An der Befragung nach durchschnittlich vier Jahren nahmen 53 Personen teil.

Wichtige Perspektive für Angehörige

„Zu wissen, dass die Patient*innen langfristig ihre ursprüngliche Lebensqualität wiedererlangen können, ist für die Therapieentscheidungen der Intensivmediziner*innen und -pflegenden sowie insbesondere für die Angehörigen von großer Bedeutung“, sagt Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Bode, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Freiburg.

Auch in der Intensivtherapie von COVID-19-Patient*innen werden regelmäßig ECMO-Therapien angewandt. 

Der Studienzeitraum endete vor Beginn der Corona-Pandemie. 

„Es ist anzunehmen, dass sich die Ergebnisse auf die ECMO-Therapie von COVID-19-Patient*innen zumindest teilweise übertragen lassen. 

Das müssen jetzt weitere Untersuchungen bestätigen“, so Wengenmayer.

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PD Dr. Tobias Wengenmayer
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Originalpublikation:

Original-Titel der Studie: Long-term survival and health-related quality of life in patients with severe acute respiratory distress syndrome and veno-venous extracorporeal membrane oxygenation support.

DOI: 10.1186/s13054-021-03821-0


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34844654/ Link zur Studie


Zusammenhang zwischen Schlafverhalten und Darmflora und Hirnaktivität

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schlafmuster von Babys hängt mit Darmbakterien zusammen

Eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie zeigt, dass bereits bei Säuglingen ein Zusammenhang zwischen Schlafverhalten und Darmflora besteht.

  • Die Bakterien im Darm von Säuglingen haben eine Verbindung mit dem Schlaf. 

Bereits ab dem Alter von drei Monaten ist dies zu beobachten, wie die beiden Schlafforscherinnen Salome Kurth von der Universität Freiburg und Sarah Schoch von der Universität Zürich erstmals gezeigt haben. So schlafen zum Beispiel Kleinkinder mit weniger vielfältigen Darmbakterien tagsüber mehr, und auch die Schlafmuster in der Nacht korrelieren mit den vorhandenen Bakterienarten. 

 "Bisher war dies erst bei Erwachsenen bekannt", erklärt Schoch. 

Die Ergebnisse dieser vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützten Studie wurden in der Fachzeitschrift Progress in Neurobiology (*) publiziert.

  • Die Forscherinnen konnten auch zeigen, dass sich Schlaf, Darmbakterien und Hirnaktivität im ersten Lebensjahr dynamisch parallel entwickeln. 

Mit anderen Worten: 

  • Kleinkinder mit unterschiedlichem Darmbakterienprofil haben auch unterschiedliche Hirnaktivitäten, wenn sie schlafen. 
  • Am ausgeprägtesten ist dieser Zusammenhang im Alter von drei Monaten, was auf eine sensible Phase hinweist.


Beobachtung der Säuglinge in ihrem natürlichen Umfeld

Die Ergebnisse stammen aus einer grossen Langzeitstudie, die in der Schweiz mit einer Kohorte von 162 Säuglingen durchgeführt wurde. 

"An dieser Feldstudie waren viele Leute beteiligt, zum Beispiel bei Familienbesuchen, weil wir den Schlaf der Kleinkinder in ihrer üblichen Umgebung – zu Hause, im Kinderwagen, im Auto – und über einen längeren Zeitraum beobachten wollten. Dieser mobile Ansatz war ein Vorteil, denn viele Schlafstudien beschränken sich jeweils auf eine Nacht im Schlaflabor", erklärt Salome Kurth.

Die Säuglinge wurden zu drei Zeitpunkten in ihrem Zuhause beobachtet: im Alter von 3, 6 und 12 Monaten. Dabei wurde zur Überwachung des Schlafs jeweils zehn Tage lang ein Bewegungssensor an ihrem Knöchel angebracht. Gleichzeitig notierten die Eltern in einem Tagebuch, wann die Kinder zu Bett gingen, schliefen, nachts erwachten, was sie assen und wann sie weinten. Ausserdem nahmen die Eltern Stuhlproben, mit denen die Forscherinnen die Darmflora auf drei Kriterien genetisch analysieren konnten: Vielfalt, Reife (das Mikrobiom verändert sich im Lebensverlauf und insbesondere in der Kindheit) und Enterotyp (vereinfachtes Profil der Darmflora). Die Eltern gaben zudem in einem Fragebogen an, wie sich das Kind in fünf Bereichen entwickelte: Kommunikation, Grobmotorik, Feinmotorik, Problemlösung und soziale Beziehungen.

Ausserdem besuchte das Team rund 30 Kinder im Alter von sechs Monaten für die Aufzeichnung ihres Schlafs mit einem Elektroenzephalogramm während der ersten Nachtstunden.

Ansatzpunkte für Therapien

"Diese Ergebnisse sind sehr interessant, weil sie zeigen, dass Schlaf und Darmflora mit der Verhaltensentwicklung von Babys zusammenhängen. 

  • Da es möglich ist, Schlafprobleme mit Coachings für Eltern und die Darmbakterien durch Ernährungsumstellungen zu beeinflussen, können wir möglicherweise künftig auf diesem Weg bei Entwicklungsproblemen etwas bewirken", schliesst Kurth. 

Es ist jedoch noch zu früh für eine Verallgemeinerung der Ergebnisse. 

Ob sich diese wirksam umsetzen lassen, muss noch in klinischen Studien überprüft werden.

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Auf dem Weg zur Professur

Dieses Projekt wurde durch das SNF-Instrument Eccellenza unterstützt. Die SNSF Eccellenza Professorial Fellowships richten sich an junge Forschende mit Assistenzprofessur oder gleichwertiger Funktion, die eine permanente Professur anstreben. Mit der Leitung eines grosszügig ausgestatteten Forschungsprojekts mit eigenem Team an einer Hochschule in der Schweiz kommen sie diesem Ziel näher.

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Salome Kurth
Universität Freiburg
Tel.: +41 26 300 76 47
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E-Mail-Adresse: martina.stofer@snf.ch
Originalpublikation:

(*) S. Schoch, J.L. Castro-Mejia, L. Krych, B. Leng, W. Kot, M. Kohler, R. Huber, G. Rogler, L. Biedermann, J.C. Walser, D. Nielsen, S.Kurth: From Alpha Diversity to Zzz: Interactions among sleep, the brain, and gutmicrobiota in the first year of life. Progress in Neurobiology (2021).
https://doi.org/10.1016/j.pneurobio.2021.102208