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Schalten Sie die kleinen und mittleren Springbrunnen ab....

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Springbrunnen bald kein Sprungbrett für Keime mehr?

Brandenburger Firma entwickelt Modul zur Wasserreinhaltung – DBU fördert
 
Über Tröpfcheninfektion werden Viren übertragen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachHinweis: Frau Mengdi HU Business & Education Center St. Ingbert GmbH Spitalstraße 11 66386 St. Ingbert Telefon 01794246029  

Aber auch bakterielle Keime finden so ihren Weg und können so etwa Atemwegserkrankungen auslösen.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Raumlufttechnische Anlagen  

  • So stellte die Firma Gebrüder Schröfel (Woltersdorf, Brandenburg) beispielsweise fest, dass es bei öffentlichen Springbrunnen vor allem im Sommer zu einer enormen Vermehrung von Bakterien, wie etwa Legionellen, kommen könne. 
  • Gerade diese Krankheitserreger könnten über den Sprühnebel in die Umgebungsluft verteilt werden und bei Aufnahme durch Einatmen teilweise schwere Erkrankungen wie eine Lungenentzündung hervorrufen. 

Innerhalb eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) fachlich und finanziell mit rund 93.000 Euro geförderten Projekts will das Unternehmen daher ein Reinigungsmodul entwickeln, das die Qualität des Brunnenwassers deutlich länger erhalten soll.


Springbrunnen werden an heißen Tagen auch zum Abkühlen genutzt. Darunter leidet die Wasserqualität. Mit einem neuartigen Reinigungsmodus soll das Wasser deutlich länger nutzbar bleiben.
 Springbrunnen werden an heißen Tagen auch zum Abkühlen genutzt. Darunter leidet die Wasserqualität. Mit einem neuartigen Reinigungsmodus soll das Wasser deutlich länger nutzbar bleiben. Axel Steiner/piclease

Wasser wird im Kreislauf geführt – Qualität verschlechtert sich

„Brunnenanlagen prägen das Stadtbild vieler Städte auf der ganzen Welt“, sagt Franz-Peter Heidenreich, DBU-Fachreferent Kreislaufführung und Bautechnik. In deutschen Großstädten wie Berlin, Dresden, Bremen oder Stuttgart würden jeweils über 250 öffentliche Brunnen und Wasserspiele existieren.

Zwar würden die Brunnen mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser befüllt, und das Baden sei offiziell verboten. 

Doch das Wasser werde im Kreislauf geführt. 

Vor allem an heißen Tagen würden Erwachsene und Kinder es gerne zum Abkühlen und Spielen nutzen. Auch Vögel und Wildtiere nutzten das Wasser. 

Deshalb verschlechtere sich dessen Qualität.

Kleine und mittlere Brunnen verfügen über keine Reinigungsanlagen

„Bei wenigen großen Springbrunnen erfolgt das Entkeimen durch chemische Reinigungsmittel, sogenannte Biozide. Diese belasten jedoch die Umwelt und benötigen zudem eine teure Anlage, um die erforderliche Dosis abzumessen“, so Heidenreich. Bei kleinen und mittleren Brunnen gebe es solche Anlagen aus Kostengründen nicht.

Das Wasser werde zwar etwa alle vier bis sechs Wochen ausgetauscht, jedoch könnten sich innerhalb dieser Zeit bakterielle Krankheitskeime stark vermehren und auf Menschen im direkten Umfeld, zum Beispiel auch über den Sprühnebel, übertragen werden. 

Besonders Kinder, Senioren sowie kranke und immungeschwächte Personen hätten ein erhöhtes Erkrankungs-Risiko.

Reinigungsmodul soll Verkeimung und Algenbildung verringern

Um bei öffentlichen Springbrunnen das Verbreiten von Legionellen in die Umgebungsluft zu verhindern, hat der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) eine neue Richtlinie erlassen. „Springbrunnenbetreiber müssen zukünftig gewährleisten, dass die Keimkonzentration im Wasser so gering wie möglich ist. 

Da Algen ein ideales Rückzugsgebiet für viele Mikroorganismen darstellen, ist auch ein Eindämmen des Algenwachstums ein wichtiger Aspekt, um die Wasserverkeimung erfolgreich zu verringern“, sagt Projektleiter Günter Schröfel, Geschäftsführer des Unternehmens Gebrüder Schröfel.

Das von der Firma zu entwickelnde Reinigungsmodul soll die auch aus medizinischen Produkten bekannte desinfizierende Wirkung von Silber und Kupfer nutzen.

Damit werde sowohl die Verkeimung als auch die Algenbildung verringert. 

Ein weiterer Vorteil des neuartigen Moduls sei, dass es Wasser- und Reinigungskosten spare.

„Außerdem entwickeln wir innerhalb des Projekts ein preiswertes Verfahren zur Kontrolle der Wasserqualität“, so Schröfel.

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LDL - Cholesterinspiegel: Behandlung von Hypercholosterinämie

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schützt Eisen vor Atherosklerose?

Der erstmalige Nachweis von direkten Interaktionen zwischen Eisenstoffwechsel und Lipidhaushalt könnte einen neuen therapeutischen Weg zur Senkung des LDL-Cholesterinspiegels ebnen und damit die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen optimieren. 

Die wegweisenden Erkenntnisse sind das Ergebnis einer langjährigen Zusammenarbeit von Innsbrucker Forschungsteams rund um den Internisten und Eisenexperten Günter Weiss von der Medizinischen Universität Innsbruck. Das renommierte European Heart Journal berichtet. 

Mikroskopische Aufnahme von Kupfferzellen (rot umrandet) und primären Hepatozyten nach 48h. Das Cholesterin (grün) wurde fast vollständig an die primären Hepatozyten abgegeben.
Mikroskopische Aufnahme von Kupfferzellen (rot umrandet) und primären Hepatozyten nach 48h. Das Cholesterin (grün) wurde fast vollständig an die primären Hepatozyten abgegeben.
MUI/Innere II
 
Ausgangspunkt dieser Forschungsarbeit war die überraschende Entdeckung, dass TrägerInnen eines mutierten HFE-Gens – Veränderungen dieses Proteins lösen die hereditäre Hämochromatose (genetische Eisenüberladung) aus – einen niedrigen LDL-Cholesterinspiegel haben.

„Überraschend deshalb, weil Personen mit der genetischen Eisenspeicherkrankheit, übrigens die häufigste rezessive Erbkrankheit bei Europäern, aufgrund von Eisenablagerungen in den Gefäßen ein erhöhtes Atherosklerose-Risiko zugeschrieben wurde. 

In der Fachwelt herrschte bislang Uneinigkeit darüber, ob eine Eisenüberladung positive oder negative Effekte auf das kardiovaskuläre Risikoprofil hat“, erklärt der Direktor der Innsbrucker Univ.-Klinik für Innere Medizin II, Günter Weiss, der bereits seit vielen Jahren zum Eisenstoffwechsel und damit assoziierten Erkrankungen forscht.


Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: EisenlaborUntersuchung
 
Regulation von LDL-Rezeptoren und Cholesterin-Transport

Bei einem im Labor von Günter Weiss etablierten Knockout Mausmodell mit Eisenüberladung und einem dem menschlichen Organismus angeglichenen Cholesterin-Spiegel konnte das Team, darunter Egon Demetz und Ivan Tancevski, nach der Verabreichung einer Eisendiät feststellen, dass die Mäuse weniger Atherosklerose entwickelten. Die Innsbrucker ForscherInnen konnten zudem in über 200.000 humanen Proben von HFE-GenträgerInnen aus verschiedenen Biodatenbanken und Genomweiten Assoziationsstudien niedrige LDL-Werte nachweisen. „In unseren Untersuchungen identifizierten wir schließlich drei Mechanismen, die diesen Zusammenhang aufklären.

Wir konnten nachweisen, dass das Hämochromatoseprotein HFE die Expression des LDL Rezeptors auf Leberzellen reguliert, indem es sie an der Zellmembran verfügbar macht und dass auch Kupffer Zellen, das sind die Fresszellen der Leber, LDL-Rezeptoren exprimieren und so an der Verstoffwechslung des LDL-Cholesterins beteiligt sind“, so Tancevski. 

„Für den Transfer von den Blutfetten aus diesen Kupffer Zellen ist schließlich das Eisen zuständig, indem es das Transportprotein ABCA1 hochreguliert, sodass LDL aus dem Serum abtransportiert wird“, ergänzt Egon Demetz, Erstautor der Arbeit, die physiologischen Details.

Neuer Ansatz zur Behandlung der Hypercholesterinämie

Die Aufklärung dieses Zusammenhangs wollen die Innsbrucker ForscherInnen nun für neue Strategien zur therapeutischen Vorbeugung von Atherosklerose nützen.

„Vor allem im Rahmen der familiären Hypercholesterinämie, bei der ein genetischer Defekt die Funktion des LDL-Rezeptors beschränkt, ist es denkbar, diese Interaktion zwischen dem HFE-Protein, den Kupffer Zellen und Eisen zu forcieren, um mehr LDL aus dem Serum zu transportieren und den Cholesterinspiegel zu senken“, so Weiss.

Die im European Heart Journal veröffentlichten Erkenntnisse basieren auf der langjährigen und erfolgreichen Zusammenarbeit zahlreicher Arbeitsgruppen und Institute am Standort, darunter die Univ.-Klinik für Neurologie (Direktor: Stefan Kiechl) und das Institut für Genetische Epidemiologie (Direktor: Florian Kronenberg) im Rahmen des Global Lipids Genetics Consortiums (GLGC).

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Doris Heidegger Medizinische Universität Innsbruck
Innrain 52
6020 Innsbruck
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Tirol

E-Mail-Adresse: doris.heidegger@i-med.ac.at

Originalpublikation:
https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaa140

 

Klinische Studien zu SARS-CoV-2 in der Übersicht

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: DZIF und Universitätsmedizin Köln erstellen Gesamtüberblick über Studien zu SARS-CoV-2 und COVID-19 in Deutschland

In der Bekämpfung des neuen Coronavirus werden auch in Deutschland zunehmend Medikamente in klinischen Studien getestet. 

Um einen deutschlandweiten Gesamtüberblick darüber zu ermöglichen, erfassen die Klinischen Studienzentren des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) an der Uniklinik Köln erstmalig alle Studienaktivitäten zum SARS-CoV-2 im Healex Site Management System, dem standortübergreifenden Studienregister des DZIF. 
  • Alle in Deutschland geplanten und initiierten Studien sollen auf der DZIF-Website eingebettet werden und so für Ärzte, Bürger, Forscher und Patienten sichtbar und auffindbar sein. 
 Klinische Studien zu SARS-CoV-2 in der Übersicht
 Klinische Studien zu SARS-CoV-2 in der Übersicht

Der aktive Austausch von Forschenden, auch aus unterschiedlichen Disziplinen, trägt entscheidend zur erfolgreichen Entwicklung neuer Diagnose- und Behandlungsansätze in klinischen Studien bei.

Transparente Einsicht in geplante und aktive Forschungsarbeiten zum neuen Coronavirus fördert diesen Austausch.

Dafür ist es erforderlich, Forschungs- und Behandlungsstrategien zentral zu erfassen und ungehindert zugänglich zu machen.

Diesen Ansatz verfolgt der Kölner Infektiologe Prof. Oliver Cornely als Koordinator der Klinischen Studienzentren im DZIF mit der von der Healex GmbH bereitgestellten Plattform.

„Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren mit diesem System und konnten es daher in kürzester Zeit zusammen mit Healex für die SARS-CoV-2-Forschung anpassen.

Damit erhöhen wir die Forschungsgeschwindigkeit und erleichtern die Zusammenarbeit aller Forschungsgruppen“, so Prof. Cornely.

Stefan Wiesner, der Geschäftsführer von Healex, ergänzt:

„Das Coronavirus erfordert eine starke Vernetzung von vielen Kliniken, Forschungsgruppen und Förderprojekten.

Wir sind sehr froh, zusammen mit dem DZIF so schnell eine zentrale Lösung und Anlaufstelle zur Koordination und Vernetzung aller Studien ermöglichen und bereitstellen zu können.“

Forschende innerhalb und außerhalb des DZIF haben die Möglichkeit, ihre klinischen Studien und Projekte auf der Plattform zu registrieren. 

Neben Basisinformationen zum Forschungsvorhaben werden auch Verantwortliche und beteiligte Studienzentren erfasst.

So haben Forschende und Ärzte die Möglichkeit, sich mit Kollegen auszutauschen oder potenzielle Kooperationen und Studienzentren für ihre Studien zu identifizieren.

Betroffene Patienten, Angehörige und interessierte Bürger können sich mithilfe der Plattform über klinische Studien und Forschungsprojekte in ihrer Region informieren und Ansprechpartner kontaktieren.

Die Übersicht der aktuellen klinischen Forschungsprojekte und Studien finden Sie auf der DZIF-Webseite: https://dzif.clinicalsite.org/de/cat/2084#c2084

Wenn Sie Ihre Studie oder Ihr Forschungsprojekt der Übersicht zufügen möchten, wenden Sie sich gerne an Prof. Oliver Cornely.

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Prof. Oliver Cornely
Universität Köln und DZIF
E-Mail: oliver.cornely(at)uk-koeln.de

Karola Neubert Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
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38124 Braunschweig
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Niedersachsen


Karola Neubert
Telefon: 0531 6181 1170
E-Mail-Adresse: karola.neubert@dzif.de
Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://dzif.clinicalsite.org/de/cat/2084#c2084 Klinische Studien zu SARS-CoV-2

Neuer Entzündungsschub bei Morbus Crohn.....? Die Paneth-Zellen - Das Erscheinungsbild von Stammzellen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Morbus Crohn: Erhalt von entzündungsfreien Phasen

Morbus Crohn ist eine chronische Entzündung des Darms, die meist schubweise verläuft. 

Heilen lässt sich die Krankheit bisher nicht. 

Eine Forschungsgruppe unter Federführung der Technischen Universität München (TUM) hat einen Marker gefunden, mit dem auf mikroskopischer Ebene Patientinnen und Patienten identifiziert werden können, bei denen mit hoher Wahrscheinlichkeit ein neuer Entzündungsschub bevorsteht. 

Dies bietet die Möglichkeit, früher therapeutisch gegenzusteuern. 

Prof. Haller, Dr. Eva Rath und Dr. Amira Metwaly diskutieren ihre Forschungsergebnisse.
Prof. Haller, Dr. Eva Rath und Dr. Amira Metwaly diskutieren ihre Forschungsergebnisse.
Andreas Heddergott / TUM
 
  • Der Stoffwechsel der Stammzellen im Darm wird durch die zelleigenen Energiekraftwerke – die Mitochondrien – gefördert. 
  • Chronische Entzündungsprozesse stören den Zellstoffwechsel und führen zu einem Funktionsverlust dieser Stammzellen.

Dies hat ein Forschungsteam der TUM in einer gemeinsamen Studie mit dem Helmholtz Zentrum München und der Université de Paris herausgefunden, das Zellen des Dünndarms von Morbus Crohn-Kranken und vergleichend dazu im Mausmodell analysiert hat.

Rolle von Stammzellen und Paneth-Zellen

Stammzellen sind für den Erhalt und die Regeneration von Geweben unerlässlich. 

Die Stammzellen im Darm sind umgeben von so genannten Paneth-Zellen.

  • Diese sind für die lokale Immunabwehr verantwortlich und sorgen für eine Umgebung, in der es den Stammzellen gut geht und damit für deren Erhalt.
  • Personen, die an Morbus Crohn leiden, haben insgesamt weniger Paneth-Zellen, die noch dazu in ihrer Funktion eingeschränkt sind. 

Die Forschungsgruppe beschäftigte sich mit den Fragen, was die Veränderungen der Paneth-Zellen verursacht und inwieweit der Zellstoffwechsel in den Stammzellen eine Rolle spielt.

Dazu wurde neben Studien an Mäusen auch Darmgewebe von Patientinnen und Patienten mit Morbus Crohn, das operativ entfernt wurde, analysiert und genauestens kartiert. Nach sechs Monaten haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Darm der Patienten erneut endoskopisch begutachtet und nach Entzündungsanzeichen gesucht.

Morbus Crohn-Schub durch das Erscheinungsbild von Stammzellen vorhersagen

Mikroskopische Veränderungen der Stammzellen waren in der Studie besonders häufig bei Patientinnen und Patienten zu finden, die nach sechs Monaten wieder Entzündungsanzeichen im Darm zeigten.

„Das Erscheinungsbild der Stammzellen ist ein sehr frühes Anzeichen für den Beginn entzündlicher Prozesse und eignet sich, um die Wahrscheinlichkeit des Wiederaufflammens der Darmentzündung nach einer teilweisen Entfernung der betroffenen Dünndarmabschnitte abzuschätzen. 

Hier wäre ein geeigneter Ansatzpunkt für eine therapeutische Intervention“, erklärt Dirk Haller, Professor für Ernährung und Immunologie an der TUM.

Stammzellenfunktion wiederherstellen

Sowohl beim Menschen wie auch im Mausmodell wurde gleichzeitig mit den Veränderungen von Paneth-Zellen und Stammzellen auch eine verminderte Funktion der Mitochondrien festgestellt.

  • Mit dem Wissen, dass eine verminderte mitochondriale Atmung zu Veränderungen bei Stammzellen und Paneth-Zellen führt, verwendeten die Forschenden im Mausmodell eine Substanz (DCA, Dichloracetat), die unter anderem bei bestimmten Krebserkrankungen eingesetzt wird. 
  • Sie bewirkt einen Anstieg der mitochondrialen Atmung.

Diese Substanz verursacht eine Verschiebung des zellulären Stoffwechsels. 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten damit im Rahmen der Studie die Funktion der Stammzellen aus dem Darm entzündeter Mäuse wiederherstellen. 

Das zeigte sich in organähnlichen Mikrostrukturen, so genannten Organoiden.

Therapieansatz zur Verlängerung von entzündungsfreien Phasen bei Morbus Crohn

„Diese Ergebnisse deuten auf einen neuen Therapieansatz zur Verlängerung von entzündungsfreien Phasen bei Morbus Crohn hin“, so Dr. Eva Rath, Wissenschaftlerin im Wissenschaftszentrum Weihenstephan und Mitautorin der Studie.

Ziel weiterer Forschungen ist es, den Effekt von DCA im Tiermodell und bei Patienten genauer zu untersuchen. 

Über eine gezielte Veränderung ihres Stoffwechsels, also eine so genannte metabolische Intervention, könnten Stammzellen und Paneth-Zellen, die die Darmbarriere bilden, vor einem Funktionsverlust bewahrt und eine nachfolgende Entzündung verhindert werden.

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Fax: 089 / 289 - 23388

Originalpublikation:
Sevana Khaloian, Eva Rath, Nassim Hammoudi, Elisabeth Gleisinger, Andreas Blutke, Pieter Giesbertz, Emanuel Berger, Amira Metwaly, Nadine Waldschmitt, Matthieu Allez, Dirk Haller: Mitochondrial impairment drives intestinal stem cell transition into dysfunctional Paneth cells predicting Crohn’s disease recurrence. Gut 2020;0:1–13. DOI:10.1136/gutjnl-2019-319514

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://gut.bmj.com/content/early/2020/02/28/gutjnl-2019-319514 (Originalpublikation)

https://www.ziel.tum.de/ (Institute for Food & Health, ein interdisziplinäres Zentralinstitut der TUM)

Kreislauf: Gedanken und Schmerzverstärkung bei Rückenschmerzen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wann Rückenschmerzen chronisch werden

Die Psyche spielt eine entscheidende Rolle, wenn aus akuten Schmerzen andauernde werden. 

Warum manche Menschen gefährdeter sind als andere. 
 
  • Bei rund 35 bis 40 Prozent aller Rückenschmerzpatienten sind die Beschwerden von Dauer. 

Die Art und Weise, wie man die Schmerzen empfindet und wie sehr sie in der Folge das eigene Leben beeinträchtigen, kann jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein.

Prof. Dr. Monika Hasenbring beschäftigt sich seit langem mit der Frage, welche Bedeutung die individuelle Schmerzverarbeitung für die Entwicklung chronischer Beschwerden hat, denn sie weiß, dass diese kein rein medizinisches, sondern auch ein psychologisches Phänomen sind.

Vier Risikogruppen

Als Leiterin der Abteilung für medizinische Psychologie und medizinische Soziologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat sie bereits vor Jahren ein Modell der Schmerzverarbeitung entwickelt, bei dem sie Patienten einer von vier Risikogruppen zuordnen kann.

Dieses Modell helfe, geeignete Diagnose- und Therapieformen auf die verschiedenen Risikogruppen abzustimmen.

Die erste Gruppe reagiert demnach sehr ängstlich auf Schmerz und deutet ihn typischerweise als Symptom einer schweren Erkrankung. In der Folge vermeiden diese Menschen alle möglichen Situationen, die eventuell den Schmerz auslösen könnten. Inaktivität und Muskelschwäche sind die Folgen, welche wiederum Schmerzen und die negative Stimmung begünstigen.

  • Durchhalteparolen verschlimmern den Schmerz

Zur zweiten Gruppe gehören Menschen, die die Schmerzen unterdrücken – sowohl gedanklich als auch in ihrem Verhalten. Mit Leitsätzen wie „Stell dich nicht so an“ oder „Denk nicht an den Schmerz“ zwingen sie sich selbst zum Durchhalten. Eine Strategie, die sich nicht unbedingt positiv auswirkt, denn diese Personen legen keine entspannungsfördernden Pausen ein. So kann es auch hier zu einer Verstärkung der Schmerzen kommen.

In der dritten Gruppe finden sich Patienten, die sich vom Schmerz ablenken können. Sie schaffen es, eine positive Stimmung aufrechtzuerhalten. Da sie aber auch dazu neigen, ihren Körper nicht zu schonen, kommt es bei ihnen ebenfalls häufig zu einer Verschlimmerung der Beschwerden.

  • Balance zwischen Be- und Entlastung

Einzig Personen, die sich der vierten Gruppe zuordnen lassen, schaffen es durch ihre Einstellung und ihr Verhalten, ihre Schmerzen zu reduzieren. „Diese Menschen reagieren recht flexibel auf den Schmerz“, beschreibt Monika Hasenbring ihre Erfahrungen. „Sie finden eine Balance zwischen Be- und Entlastung und legen auch mal Pausen ein, meiden Bewegungen aber nicht“, so die Wissenschaftlerin.

Auch Leistungssportler leiden unter Rückenschmerzen

Aktuell beschäftigt sich Monika Hasenbring mit der Frage, ob dieses Modell auch auf Leistungssportler mit Rückenschmerzen anzuwenden ist. Im Rahmen des bundesweiten interdisziplinären Forschungsnetzwerks Medicine in Spine Exercise, welches unter dem Label „Ran Rücken“ vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft gefördert wurde, verglich sie Daten aus der Allgemeinbevölkerung mit denen von 200 Sportlerinnen und Sportlern, die angaben, unter Rückenschmerzen zu leiden. Das Ergebnis der Befragungen: Obwohl man denken könnte, dass Leistungssportlerinnen und Leistungssportler ein besonderes Verhältnis zu ihrem Körper haben, sind sie hinsichtlich ihrer Risikofaktoren für die Chronifizierung von Rückenschmerzen der Allgemeinbevölkerung sehr ähnlich, sie passen in dasselbe Modell.

„Unsere Erkenntnisse können den Betroffenen helfen, denn die kognitive Einstellung zum Schmerz ist etwas, was wir durch Psychotherapie ändern können“, erklärt Hasenbring.

 „Wenn wir den Patientinnen und Patienten klarmachen können, in welchem Kreislauf aus Gedanken und Schmerzverstärkung sie sich befinden, können wir ihnen auch Lösungen aufzeigen, besser mit der Situation umzugehen.“

Ausführlicher Beitrag in Rubin

Einen ausführlichen Beitrag zu dem Thema finden Sie im Wissenschaftsmagazin Rubin.

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Prof. Dr. Monika Hasenbring
Abteilung für medizinische Psychologie und medizinische Soziologie
Fakultät Medizin
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 32 25439
E-Mail: monika.hasenbring@rub.de

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44780 Bochum
Postfach 10 21 48
44780 Bochum
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
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Meike Drießen
Telefon: 0234/32-26952
Fax: 0234/32-14136
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Untersucher-CAVE: Bestimmung des Fettsäure-Status

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Mehrfach ungesättigte Fettsäuren lösen Morbus Crohn ähnliche Darmentzündung aus

Die Inzidenz chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist in den letzten Jahren stark angestiegen. 

Neben genetischen Komponenten wird der westlichen Ernährung eine zentrale ursächliche Rolle zugeschrieben. 

Welche Bestandteile aus der komplexen Zusammensetzung der Nahrung die treibende Kraft sind, haben Innsbrucker ForscherInnen untersucht. 

  • Nun liegen erste, überraschende Ergebnisse vor, die zeigen, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren in einer westlichen Diät eine Entzündungsreaktion im Darm auslösen können. 

Das Fachjournal Nature Communications berichtet. 
 
  • Menschen mit Morbus Crohn – rund 27.000 davon leben in Österreich – leiden aufgrund von Entzündungen der Darmschleimhaut an Symptomen wie krampfartigen Bauchschmerzen, chronischem Durchfall, Gewichtsverlust, sowie Fistel- und Abszessbildungen. 

Die chronische, oft fortschreitende Erkrankung kann symptomatisch behandelt, bislang aber nicht geheilt werden. Zwar gibt es ca. 300 identifizierte genetische Varianten, welche das Risiko für die Entwicklung einer CED beeinflussen, trotzdem kann die Genetik nur einen geringen Teil der Erkrankungen erklären.

„Migrationsstudien haben offengelegt, dass die westliche Ernährung einen zentralen Platz bei der Entstehung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen einnimmt.

So hat sich etwa die niedrige CED-Rate von Japanern, die vor rund 20 Jahren in die USA auswanderten, bereits nach einigen Jahren der nordamerikanischen Bevölkerung angepasst.“, weiß Herbert Tilg, ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Darmerkrankungen und Direktor der Univ.-Klinik für Innere Medizin I an der Medizin Uni Innsbruck. Welche einzelnen Bestandteile in einer westlichen Diät jedoch krank machen ist bislang ungeklärt.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren lösen Entzündung im Darm aus



Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Fettsäuren-Status 

Die komplexe Zusammensetzung der Ernährung erweist sich für die Ursachenforschung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen als große Herausforderung.

Ein Team um Lisa Mayr, Felix Grabherr und Timon Adolph forscht am Department für Innere Medizin I an Entzündungsprozessen im Darm.

„Auf der Suche nach entzündlichen Nahrungsbestandteilen haben wie einen neuen Ansatz verfolgt:

Wir haben für unsere Untersuchungen im Labor eine Diät zusammengestellt, die der Zusammensetzung einer westlichen Ernährungsweise entspricht.

Dabei wurden nicht nur gesättigte Fettsäuren, sondern auch mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die gehäuft in Fleisch, verschiedenen Ölen und Eiern vorkommen, in einer Diät angereichert und Labormäusen über drei Monate gefüttert“, so Adolph.

In ihrer Forschungsarbeit, die soeben in Nature Communications veröffentlicht wurde, konnten die Wissenschaftler zeigen, dass insbesondere mehrfach ungesättigte Fettsäuren eine Entzündungsreaktion im Darm hervorrufen, welche dem Bild eines Morbus Crohn beim Menschen ähnelt. 

  • Die Entzündungssignale werden von Darmepithelzellen, der Darm-Barriere, gebildet, und durch ein anti-oxidatives Enzym namens Glutathione Peroxidase 4 (GPX4) kontrolliert. 

GPX4, dessen Aktivität durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren gehemmt wird, schützt Darmepithelzellen vor oxidativem Stress an Membranlipiden und verhindert so das Auslösen einer Entzündungsantwort.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren werden teilweise in Lebensmitteln angereichert oder als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen.

Dem Nachweis, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren Auslöser einer Darmentzündung sind, kommt deshalb besondere Brisanz zu. „

Eine Übersetzung dieser Erkenntnisse für den Menschen muss noch erfolgen, um Rückschlüsse für CED Patienten ziehen zu können“, betont Timon Adolph, der mit seinem Team weiter an der Aufklärung dieser Entzündungsmechanismen forschen wird.

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Dr.med.univ. Timon Adolph PhD
Universitätsklinik für Innere Medizin I
E-Mail: Timon-Erik.Adolph@i-med.ac.at

Innrain 52
6020 Innsbruck
Österreich
Tirol



Doris Heidegger
E-Mail-Adresse: doris.heidegger@i-med.ac.at
Originalpublikation:
https://doi.org/10.1038/s41467-020-15646-6

Untersucher-CAVE: Schildrüsenhormone - Lern- und Gedächtniszentrum

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Gut fürs Gedächtnis – Schilddrüse beeinflusst Gehirnleistung stärker als gedacht

  • Schilddrüsenhormone fördern unmittelbar die Bildung von Nervenzellen im Lern- und Gedächtniszentrum des Gehirns. 

Das belegen Forschungen der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der University of Edinburgh erstmals. 

Die Ergebnisse liefern neben wichtigen Grundlagenerkenntnissen auch neue Ansatzpunkte, wie die geistige Leistungsfähigkeit mithilfe der Medizin verbessert werden kann. 

Das renommierte Stem Cell Reports berichtet. 
 
  • In Deutschland leidet etwa jeder dritte Erwachsene an einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse. 

Produziert sie nicht ausreichend Hormone, klagen Betroffene neben einem Gefühl von Müdigkeit und Abgeschlagenheit oder depressiven Verstimmungen auch über eine verringerte kognitive Leistung. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Labor Schilddrüse Hypothyreose  

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Labor Schilddrüse Hyper 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Laboruntersuchung Schilddrüse 

Letztere hängt stark davon ab, ob im Hippocampus, unserem Lern- und Gedächtniszentrum, neue Nervenzellen gebildet werden.

Als Teil eines Forschungsteams untersuchte Hormonspezialist Dr. Steffen Mayerl den Zusammenhang zwischen der Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen und der Bildung neuer Neuronen.

Vor allem deren Vorläuferzellen, die von ansässigen Stammzellen im Hippocampus produziert werden, nahm das Team in den Blick.

„Wir konnten zeigen, dass diese progenitor cells verstärkt einen Transporter bilden, der die Aufnahme von Schilddrüsenhormonen vorantreibt. 

Dadurch werden Reifungsprozesse hin zu neuen funktionsfähigen Nervenzellen in Gang gebracht“, erläutert Mayerl.

Dr. Mayerl wechselte jüngst von Edinburgh an die Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel am Universitätsklinikum Essen.

Hier wird er ein Forschungsteam aufbauen, um herauszufinden, wie Schilddrüsenhormone die Neuronenbildung zusätzlich beeinflussen. 

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert seine Untersuchungen seit 2017 mit einem Stipendium.


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Martin Rolshoven, Medizinische Fakultät, Tel. 0201/723-6274, martin.rolshoven@uk-essen.de
Dr. rer. nat. Steffen Mayerl, Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel, Tel. 0201/723-5677, steffen.mayerl@uk-essen.de

Forsthausweg 2
47057 Duisburg
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Ulrike Bohnsack
Telefon: 0203 / 379-2429
Fax: 0203 / 379-2428
E-Mail-Adresse: ulrike.bohnsack@uni-due.de
Originalpublikation:
Stem Cell Reports (2020): „Hippocampal Neurogenesis Requires Cell-Autonomous Thyroid Hormone Signaling“, Mayerl S, Heuer H, ffrench-Constant C,
https://doi.org/10.1016/j.stemcr.2020.03.014

 

Parasit im Zahnfleischgewebe: Parodontitis - Darmschleimhaut

Medizin am Abend Berlin -MaAB-Fazit: Parodontitis gezielter behandeln: Amöben an schweren Zahnfleischentzündungen beteiligt

Forschenden an der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist es erstmals gelungen nachzuweisen, dass ein im Mund häufig vorkommender einzelliger Parasit bei Gewebezerstörungen und starken Entzündungsreaktionen beteiligt ist. 

  • Die Amöbe Entamoeba gingivalis besiedelt in hoher Anzahl die Mundhöhle der meisten Patienten mit schweren, mitunter wiederkehrenden Zahnfleischentzündungen. 

Sie ist eine Verwandte der im Darm die Amöbenruhr auslösenden Entamoeba histolytica und verhält sich ähnlich. 

Der Parasit dringt in das Zahnfleischgewebe ein, ernährt sich dort von Zellen – das Gewebe wird zerstört. 

Die Ergebnisse sind im Fachmagazin Journal of Dental Research* erschienen. 

Der Parasit Entamoeba gingivalis dringt ins Zahnfleischgewebe ein und ernährt sich dort von Wirtszellen.
Der Parasit Entamoeba gingivalis dringt ins Zahnfleischgewebe ein und ernährt sich dort von Wirtszellen. Schäfer/ Charité
 
  • Die Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparates und zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. 

In Deutschland leiden etwa 15 Prozent der Menschen an einer besonders schweren Form dieser Volkskrankheit.

  • Unbehandelt führt Parodontitis zum Zahnverlust, sie begünstigt aber auch Arthritis, Kreislauf- und Krebserkrankungen. 

Während die bakterielle Vielfalt der Mundhöhle abnimmt, steigt die Häufigkeit von Entamoeba gingivalis (E. gingivalis) bei einer schweren Parodontitis sehr stark an.

Nun konnte das Team um Prof. Dr. Arne Schäfer – Leiter der Forschungsabteilung für Parodontologie am Institut für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Charité - zeigen, wie die orale Entzündung mit einer Kolonisierung der mundspezifischen Amöbe E. gingivalis einhergeht.

Das krankheitserregende Potenzial dieser Amöbengattung ist bereits durch die Darmamöbe E. 
histolytica gut bekannt. 

Diese verursacht die sogenannte Amöbenruhr, eine der weltweit häufigsten Todesursachen durch Parasiten.

Wir haben nachgewiesen, dass auch eine die Mundhöhle besiedelnde Amöbe wie E. gingivalis in die Schleimhaut eindringt und dort das Gewebe zerstört.

In der Folge können vermehrt Bakterien eintreten und die Entzündung und Gewebezerstörung weiter verstärken“, sagt Prof. Schäfer. Wie genau die Amöbe E. gingivalis zum Entzündungsgeschehen beiträgt, hat das internationale Forschungsteam nun erstmals beschrieben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten entzündete Zahnfleischtaschen und fanden die Amöben bei etwa 80 Prozent der Patienten, aber nur bei 15 Prozent der gesunden Probanden. Sie konnten beobachten, dass die Parasiten in das Zahnfleisch eindringen, sich dort fortbewegen und die Wirtszellen töten, indem sie den Inhalt der Zellen in sich aufnehmen. Zellkulturexperimente zeigten zudem, dass eine Infektion mit E. gingivalis das Wachstum von Zellen verlangsamt und schließlich zum Zelltod führt.

Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass die Rolle der Amöben während des Entzündungsprozesses deutliche Parallelen zur Entstehung einer Amöbenruhr aufweist.

„E. gingivalis trägt im Zahnfleisch aktiv zur Gewebszerstörung bei und aktiviert dieselben Abwehrmechanismen des menschlichen Wirtes wie E. histolytica während der Invasion in die Darmschleimhaut“, erklärt Prof. Schäfer. 

  • „Der durch einfache Tröpfcheninfektion übertragbare Parasit ist somit ein möglicher Verursacher schwerwiegender oraler Entzündungskrankheiten.“

Oft sind die Heilungserfolge der Parodontitis nur von geringer Dauer. 

Ursache könnte das hohe krankheitserregende Potenzial dieser bisher unbeachtet gebliebenen, aber äußerst häufigen Amöbe sein.

„Wir haben einen infektiösen Parasiten identifiziert, dessen Beseitigung die Behandlung schwerer Entzündungen des Zahnfleisches gezielt und möglicherweise langfristig verbessern könnte“, resümiert Prof. Schäfer.

 „Bislang werden weder die Infektion noch die erfolgreiche Eliminierung dieses Parasiten in der Therapie einer Parodontitis berücksichtigt.“

Aktuell soll eine klinische Studie klären, in welchem Umfang die Parodontitis durch eine Beseitigung der Amöben besser behandelt werden kann.

*Bao X et al. Entamoeba gingivalis causes oral inflammation and tissue destruction. J Dent Res (2020), DOI:10.1177/0022034520901738

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Asthmaschübe: Ketogene Ernährung bei Asthma: ketogene Diät - weniger Kohlenhydrate und Proteine

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Forscher schlagen eine spezielle Diät gegen Asthma vor

Kann eine spezielle Diät gegen bestimmte Fälle von Asthma helfen? 

Eine neue Studie an der Universität Bonn legt diesen Schluss zumindest nahe. 

Demnach zeigten Mäuse, die auf eine so genannte ketogene Ernährung umgestellt wurden, eine deutlich geringere Entzündung der Atemwege. 

Die Resultate erscheinen nun in der renommierten Fachzeitschrift „Immunity“. 
  • Asthmapatienten reagieren schon auf geringe Konzentrationen mancher Allergene mit heftigen Entzündungen der Bronchien. 
  • Diese gehen zudem mit einer verstärkten Schleimproduktion einher, die die Atmung zusätzlich erschwert. 
Eine zentrale Rolle spielen dabei Zellen des angeborenen Immunsystems, die erst vor wenigen Jahren entdeckt wurden und Innate Lymphoid Cells (ILC) genannt werden.

Sie übernehmen in der Lunge eine wichtige Schutzfunktion, indem sie geschädigte Schleimhäute regenerieren. 
  • Dazu produzieren sie Entzündungsbotenstoffe aus der Gruppe der Zytokine, welche die Schleimhautzellen zur Teilung anregen und die Schleimproduktion fördern.
Dieser Mechanismus ist eigentlich sehr sinnvoll:

Der Körper kann so durch Erreger oder schädliche Substanzen hervorgerufene Schäden schnell reparieren.

Der Schleim transportiert die Krankheitserreger dann aus den Bronchien und schützt die Atemwege gegen einen erneuten Befall.

„Bei Asthma fällt die Entzündungsreaktion aber weit stärker und länger aus als normalerweise“, betont Prof. Dr. Christoph Wilhelm vom Institut für Klinische Chemie und Pharmakologie, der Mitglied im Exzellenzcluster ImmunoSensation der Universität Bonn ist.

Die Folge sind extreme Atembeschwerden, die sogar lebensbedrohlich sein können.

Rasante Vermehrung
  • Die ILC vermehren sich bei diesem Prozess rasant und produzieren große Mengen entzündungsfördernder Zytokine. 
Könnte man ihre Teilung bremsen, ließe sich so vermutlich die überschießende Reaktion in den Griff bekommen, hoffen Wissenschaftler.

Tatsächlich deuten die jetzt erschienenen Ergebnisse genau in diese Richtung.

„Wir haben untersucht welche Stoffwechselprozesse in den ILC aktiv sind, wenn sie in den Vermehrungsmodus schalten“, erklärt Wilhelms Mitarbeiter Dr. Fotios Karagiannis. „Dann haben wir versucht, diese Stoffwechselwege zu blockieren und so die Geschwindigkeit zu verringern, mit der sich die Zellen teilen.“

In der Tat waren bei sich teilenden ILC manche Stoffwechselwege deutlich aktiver.

Sie sichern vor allem die Versorgung der Zellen mit Energie sowie mit Bausteinen, die diese für die Vermehrung benötigen.

Zu letzteren zählen zum Beispiel Fettsäuren, die für die Herstellung der Zellmembran gebraucht werden. Diese bildet eine dünne Haut, mit der sich Zellen von ihrer Umgebung abgrenzen. „Aktivierte ILC nehmen daher Fettsäuren aus ihrer Umgebung auf und speichern sie kurzzeitig in ihrem Innern in kleinen Tröpfchen, ein wichtiger Zwischenschritt, um daraus Membranen generieren zu können“, erklärt Karagiannis.

Doch was ist, wenn man Zellen zwingt, diese Fettsäuren anderweitig zu verwenden? Um diese Frage zu beantworten, setzten die Forscher Mäuse mit Asthma auf eine Diät, die vor allem aus Fetten bestand, aber kaum aus Kohlenhydraten und Proteinen.

Bei dieser Ernährung, auch als ketogene Diät bekannt, stellt sich der Stoffwechsel von Zellen um: 

Die Energie, die sie brauchen, gewinnen sie nun aus der Fettverbrennung.

Damit fehlen ihnen aber Fettsäuren, die sie für die Bildung neuer Membranen bei der Zellteilung benötigen.

Als Konsequenz ging die Teilungsaktivität der ILC bei den entsprechend gefütterten Nagern zurück – und zwar drastisch: 

„Normalerweise erhöht sich bei Kontakt mit Allergenen die Zahl der ILC in den Bronchien um das Vierfache“, sagt Prof. Wilhelm. „In unseren Versuchstieren blieb sie dagegen nahezu konstant. Entsprechend verringerten sich sowohl die Schleimproduktion als auch andere Asthmasymptome.“

Verantwortlich dafür ist nicht nur die Umstellung auf Fette als alternative Energiequelle und die dadurch hervorgerufene Fettsäureknappheit.

Vermutlich trägt der Glukosemangel auch direkt zur verminderten Aktivität der ILC bei. 

„Asthma hat in den letzten Jahrzehnten stark an Häufigkeit zugenommen. 

Eventuell hängt das auch mit der immer zucker- und fettreicheren Ernährung zusammen“, spekuliert Wilhelm.

Die Wissenschaftler wollen nun an Patienten untersuchen, ob eine ketogene Ernährung Asthmaschübe verhindern kann. 
  • Diese ist allerdings langfristig nicht ganz ungefährlich und sollte nur nach Absprache mit einem Arzt durchgeführt werden. 

„Wir versuchen daher herauszufinden, welche Komponenten der Nahrungsumstellung für den Effekt verantwortlich sind“, erklärt Wilhelm. „Vielleicht eröffnet das Wege zur Entwicklung neuer Medikamente.“

Dass eine ketogene Diät bei manchen Erkrankungen eine wirksame Therapie sein kann, ist bekannt.

So werden Patienten mit bestimmten Formen der Epilepsie mit dieser Methode behandelt. 

Und auch bei manchen Tumoren soll die Ernährungsumstellung helfen – schließlich vermehren sich auch in ihnen die Zellen ungewöhnlich stark.

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Prof. Dr. Christoph Wilhelm
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Johannes Seiler Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
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Nordrhein-Westfalen 

Originalpublikation:
Fotios Karagiannis, Schekufe Kharabi Masouleh, Klaus Wunderling, Jayagopi Surendar, Vanessa Schmitt, Alexander Kazakov, Marcel Michla, Michael Hölzel, Christoph Thiele & Christoph Wilhelm: Lipid-droplet formation drives pathogenic group 2 innate lymphoid cells in airway inflammation; Immunity; DOI: 10.1016/j.immuni.2020.03.003

 

Blutdruck: Nierennerven - die renale Denervation

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Minimalinvasiver Eingriff senkt den Blutdruck

Bluthochdruck ist die Hauptursache für Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskuläre Todesfälle. 

Eine internationale Studie hat nun gezeigt, dass ein minimalinvasiver Eingriff an den Nierennerven den Blutdruck deutlich senkt. 
 
Etwa 30 bis 50 % der Bevölkerung leiden an erhöhtem Blutdruck.

Ein häufiges Problem bei der Behandlung dieser gefährlichen Erkrankung ist, dass Patienten die verschriebenen Medikamente nicht regelmäßig oder aber in zu geringer Dosierung einnehmen. 

Dadurch kann der Blutdruck nicht ausreichend gesenkt und die in den europäischen Behandlungsleitlinien empfohlenen Werte können nicht erreicht werden.

Mediziner suchen daher nach alternativen Möglichkeiten zur Behandlung des hohen Blutdrucks.

Das Problem an der Quelle behandeln

Eine solche Möglichkeit könnte die renale Denervation sein, die in medizinischen Kreisen schon seit einigen Jahren diskutiert wird und sich jetzt in einer internationalen, US-amerikanischen Zulassungsstudie als wirksam erwiesen hat. 
  • Das Ziel der renalen Denervation ist, die Regulierung des Blutdrucks bereits am Entstehungsort zu beeinflussen, nämlich den Nieren. 
  • Die Nieren regulieren den Blutdruck, indem sie das Stressnervensystem des Menschen und damit die Versorgung des Körpers mit Wasser und Natrium und den Widerstand der Blutgefäße regulieren. 
  • Bei der renalen Denervation wird ein Katheter in die Nierenarterie eingeführt, mit dem punktgenau, an bestimmten Stellen die an der Gefäßaußenwand verlaufenden Stressnervenfasern der Nierenarterien zu veröden, wodurch die Reizweiterleitung unterbrochen wird.

Internationale Studie mit deutlichen Ergebnissen

An 46 Zentren aus neun Ländern wurde die Wirksamkeit des Verfahrens und in einer Studie der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (Federal Drug Administration) untersucht. Die Ergebnisse veröffentlichten die Studienautoren kürzlich beim Online-Kongress des American College of Cardiology. Insgesamt wurden 331 Patienten mit einem Blutdruck zwischen 140 und 180 mmHg, die keine medikamentöse Therapie erhielten, in zwei Gruppen unterteilt, die entweder mit einer renalen Denervation oder einer Scheintherapie behandelt wurden. Als Scheineingriff wurde eine Angiographie durchgeführt.

Renale Denervation senkt Blutdruck signifikant

Über drei Monate hinweg wurde der Blutdruck sowohl in den Studienzentren als auch über 24-Stunden-Messungen dokumentiert. „In der Gruppe, die mit der renalen Denervation behandelt wurde, zeigte sich in diesem Zeitraum eine Senkung des Praxisblutdrucks um 9,2 mmHg und 4,7 mmHg in der Langzeitblutdruckmessung“, berichtet Professor Böhm, Pressesprecher der DGK, der die Studie während des Kongresses präsentierte. Professor Böhm, Direktor der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum des Saarlandes, ist einer der Initiatoren der Studie. „Die statistische Analyse zeigt eine 99,9%-ige Wahrscheinlichkeit, dass die renale Denervation in ihrer Wirksamkeit einem Scheineingriff überlegen ist.“

Die Studie war zunächst auf eine Laufzeit von drei Monaten begrenzt, da die Patienten über diesen Zeitraum medikamentös unbehandelt blieben. Eine derzeit parallel durchgeführte Studie untersucht, ob sich ähnliche Effekte bei Patienten zeigen, deren Bluthochdruck bereits medikamentös behandelt wird.

„Wir können aus den jetzigen Studienergebnissen schließen, dass eine renale Denervation bei Patienten mit nicht eingestellter Hypertonie eine weitere Therapiealternative neben Lebensstilveränderungen und medikamentöser Behandlung bietet“, so Professor Böhms Fazit. „Über die breite Zulassung der renalen Denervation wird derzeit beraten.“

Literatur:
Michael Böhm et. al.: Efficacy of catheter-based renal denervation in the absence of antihypertensive medications (SPYRAL HTN-OFF MED Pivotal): a multicentre, randomised, sham-controlled trial.
https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30554-7


Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 10.500 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org

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