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Untersucher-CAVE: NAFLD - nichtalkoholische Fettleberkrankheit

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Fettleber bei schlanken Menschen – Tübinger Forscher entdecken eine neue Ursache

Der Diabetologie Professor Norbert Stefan und Kollegen vom Universitätsklinikum Tübingen haben jetzt eine noch unbekannte Ursache für NAFLD bei mageren Menschen entdeckt. 

Sie berichten vom Fall einer Frau, die eine Immuncheckpoint-Inhibitor Therapie gegen Hautkrebs erhielt, die möglicherweise eine Entzündung ihres Unterhautfetts auslöste, was zu einem dramatischen Verlust an Fettmasse und einer schweren Form der NAFLD führte. 
 
  • Die nichtalkoholische Fettleberkrankheit (NAFLD) wird meist bei übergewichtigen und fettleibigen Menschen diagnostiziert. 

Schwere Formen von NAFLD können jedoch auch bei seltenen genetischen Erkrankungen wie Lipodystrophie oder bei HIV-Patienten nachgewiesen werden, wodurch sie ein hohes Risiko für die Entwicklung von Leberversagen, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen.

Der Diabetologie Professor Norbert Stefan und Kollegen vom Universitätsklinikum Tübingen haben jetzt eine noch unbekannte Ursache für NAFLD bei mageren Menschen entdeckt. Sie berichten vom Fall einer Frau, die eine Immuncheckpoint-Inhibitor Therapie gegen Hautkrebs erhielt, die möglicherweise eine Entzündung ihres Unterhautfetts auslöste, was zu einem dramatischen Verlust an Fettmasse und einer schweren Form der NAFLD führte.

  • Man geht davon aus, dass die weltweite Epidemie von NAFLD hauptsächlich durch einen ungesunden Lebensstil mit wenig körperlicher Aktivität und einer Ernährung mit einem hohen Anteil an gesättigten Fetten, Zucker und Fruktose verursacht wird.
  • Bei diesen übergewichtigen und fettleibigen Patienten gilt die Gewichtsabnahme, die durch eine Veränderung des Lebensstils herbeigeführt wird, als die wirksamste und sicherste Methode zur Behandlung der NAFLD und zur Verringerung des Risikos für fortgeschrittene Formen von Lebererkrankungen wie Zirrhose oder Leberkrebs, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

Eine NAFLD findet sich jedoch auch bei schlanken Menschen. 

  • Diese Patienten haben entweder eine genetisch bedingte Veränderung des Unterhautfettgewebes (Lipodystrophie), erworbene Lipodystrophie-Syndrome oder eine HIV-Lipodystrophie, die alle durch eine dramatische Verringerung der Unterhaut-Fettmasse und eine Zunahme des Fettgewebes im Bauch und in der Leber gekennzeichnet sind.

Thomas Eigentler und Diana Lomberg von der Universitäts-Hautklinik Tübingen sowie Jürgen Machann und Norbert Stefan von der Abteilung Innere Medizin IV des Universitätsklinikums Tübingen, des Helmholtz Zentrums München und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) haben jetzt eine neue Ursache für die erworbene Lipodystrophie entdeckt. Sie berichten über den Fall einer 45-jährigen Patientin mit der Diagnose Malignes Melanom, ein Hautkrebs, der mit dem programmierten Zelltodprotein-1 (PD-1)-Inhibitor (Immuncheckpoint-Inhibitor) Nivolumab wirksam behandelt wurde. Dieser und andere Immuncheckpoint-Inhibitoren haben die Behandlung von Krebs, insbesondere des Malignen Melanoms, revolutioniert.
  • Die Therapie mit diesen Immuncheckpoint-Inhibitoren ist jedoch auch mit unerwünschten Ereignissen verbunden, die häufig die Haut, den Magen-Darm-Trakt, die Lunge und das endokrine System betreffen. 
  • Gegen Ende der Behandlung mit Nivolumab fanden Stefan und Kollegen bei ihrer Patientin sehr hohe Lipidwerte, einen neu entwickelten Diabetes und eine schwere Form einer NAFLD. 

Dies kam völlig unerwartet, insbesondere weil die Patientin 31 kg Körpergewicht verloren hat. 

Die Gewebebiopsie ihres Unterhaut-Fettgewebes und die Magnetresonanztomographie ergaben die Diagnose einer erworbenen Lipodystrophie mit einer schweren Form der Entzündung ihres Fettgewebes. 

Dies könnte bei der Patientin durch die immunmodulatorische Funktion von Immuncheckpoint-Inhibitoren ausgelöst worden sein, zumal bei der Patientin zuvor eine asymptomatische Mastozytose, eine immunzellbezogene Störung, diagnostiziert wurde. 

Eine intensive pharmakologische Behandlung, insbesondere mit Pioglitazon, das eine Zunahme des Unterhaut-Fettgewebes herbeiführt, resultierte darin, dass ihr Leberfett, ihre Leberenzyme und ihre Lipidwerte wieder fast im Normalbereich lagen.

Norbert Stefan, Professor für Diabetologie an der Universität Tübingen und Gastprofessor an der Harvard Medical School in Boston, kommt zu dem Schluss, dass "es wichtig ist, dass Kliniker, die Patienten mit Checkpoint-Inhibitoren behandeln, sich eines neu identifizierten unerwünschten Ereignisses im Zusammenhang mit einer solchen Therapie bewusst sind. 

Es kann eine Entzündung des Fettgewebes auftreten, die zu einer schweren Fettleber führt. 

Bei diesen Patienten könnte eine spezifische Pharmakotherapie hilfreich sein, die Mechanismen zur Erhöhung der Unterhaut-Fettmasse und damit zur Aufbewahrung der Lipide in einem sicheren Stauraum beinhaltet.

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Medizinische Klinik, Abteilung IV
Prof. Dr. med. Norbert Stefan
Tel. 07071 29-80390
norbert.stefan@med.uni-tuebingen.de

Bianca Hermle Universitätsklinikum Tübingen
Telefon: 07071 / 29 81032
E-Mail-Adresse: presse@med.uni-tuebingen.de
Hoppe-Seyler-Str. 6
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72016 Tübingen
Deutschland
Baden-Württemberg 

Originalpublikation:
Eigentler T, Lomberg D, Machann J, Stefan N. Lipodystrophic Nonalcoholic Fatty Liver Disease Induced by Immune Checkpoint Blockade, Annals of Internal Medicine (2020), http://annals.org/aim/article/doi/10.7326/L19-0635

Hochwirksamen und gleichzeitig schonenden Protonentherapie in Dresden

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Universitäts ProtonenTherapie Dresden: 1.000. Krebspatient beendet Behandlungszyklus

Die vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden gemeinsam mit dem OncoRay-Zentrum getragene Universitäts ProtonenTherapie Dresden (UPTD) hat den Aufbau des regulären Betriebs abgeschlossen und 2019 erstmals seine Kapazitäten voll ausgeschöpft. 

Mit jährlich über 250 Patienten, die insgesamt jeweils knapp 9.000 Einzelbestrahlungen absolvierten, erfolgen die Behandlungen im Zwei-Schicht-Betrieb. 

Seit dem Start der Bestrahlungen im Dezember 2014 haben 1.000 Patienten von der hochwirksamen und gleichzeitig schonenden Protonentherapie in Dresden profitiert. 

Diese Zahl wurde Ende Januar 2020 mit dem Ende eines siebenwöchigen Behandlungszyklus´ mit insgesamt 35 Bestrahlungen erreicht. 

Prof. Mechthild Krause, Co-Direktorin der Universitäts ProtonenTherapie Dresden (UPTD) und Patient Kay Hofstetter am hochmodernen Behandlungsplatz der Dresdner Protonentherapie.
Prof. Mechthild Krause, Co-Direktorin der Universitäts ProtonenTherapie Dresden (UPTD) und Patient Kay Hofstetter am hochmodernen Behandlungsplatz der Dresdner Protonentherapie. Foto: Uniklinkum Dresden / Marc Eisele
 
Da die Protonentherapie noch keine Regelleistung der Krankenkassen ist, hat das Dresdner Universitätsklinikum mit der AOK PLUS und dem Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) Verträge abgeschlossen.  

Damit können deren Versicherte bei bestimmten schwerwiegenden onkologischen Erkrankungen diese Therapieform ohne aufwändiges Antragsverfahren in Anspruch nehmen.

Um schnell und unkompliziert zu klären, für wen die Protonentherapie geeignet ist, betreibt das UPTD eine Hotline für Ärzte und Patienten.

Ende Januar hat der 1.000. Patient der Universitäts ProtonenTherapie Dresden den über sieben Wochen und 35 Termine angelegten Behandlungszyklus abgeschlossen. Diese Zahl steht für das kontinuierliche Wachstum des Zentrums, das Ende 2014 mit den ersten Behandlungen begann. Damit blickt das UPTD-Team auf das erste Jahr im Vollbetrieb zurück: „Mit jährlich über 250 Patienten, die an nur einem Bestrahlungsplatz nach den höchsten Sicherheitsstandards behandelt werden, setzt die Dresdner Universitäts ProtonenTherapie weltweit Maßstäbe bei der Effizienz des Betriebs einer so komplexen Anlage“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums.

„Angesichts des umfassenden technischen Supports der Anlage und des parallel von Forschern genutzten Protonenstrahls belegt diese Zahl, wie wichtig es ist, eine solche Einrichtung strategisch klug zu planen und zu betreiben. Die Zahlen zeigen auf beeindruckende Weise, dass dies den Initiatoren der Dresdner Protonentherapie gelungen ist“, ergänzt Katrin Erk, Kaufmännischer Vorstand des Uniklinikums. Für die Erforschung der Protonentherapie steht den OncoRay Wissenschaftlern ein zusätzlicher, rund 250 Quadratmeter großer Experimentalraum für Untersuchungen auf dem Gebiet der medizinischen Physik und Strahlenbiologie zur Verfügung.

Während im ersten kompletten Betriebsjahr (2015) 104 Patienten therapiert werden konnten, stieg diese Zahl danach wie geplant kontinuierlich: 2016 waren es 155 Patienten, 2017 dann 215, 2018 zählte das Zentrum 247 Patienten und 255 im Vorjahr. „Wir haben in den vergangenen Jahren ein ausgeklügeltes System entwickelt, um möglichst viele Patienten bestrahlen zu können – ohne jeden Abstrich an Qualität und Sicherheit. Das bedeutete eine große Herausforderung bei den sehr komplexen Abläufen der jeder Therapie vorangehenden Diagnostik, der auf diesen Ergebnissen basierenden Behandlungsplanung sowie der Bestrahlung selbst. Selbst die Steuerung der besonders gesicherten Tür zum Behandlungsraum haben wir dabei optimiert“, erklärt Co-Direktorin der UPTD Prof. Esther Troost.

Universitäts ProtonenTherapie Dresden

Über 30 Ärzte, Physiker, und Medizinische Fachangestellte sowie Technische Assistenten sind an der Versorgung der UPTD-Patienten beteiligt.

  • Zu den häufigsten Indikationen der Protonentherapie Dresden gehören derzeit Tumore bei Kindern, Tumore in Nähe des Hirns oder Rückenmarks, der Prostata, des Kopf-Hals-Bereichs sowie Tumore, die sich nicht anderweitig bestrahlen lassen. 

Bisher erhielten die Krebskranken eine im Verhältnis zur Photonen-Bestrahlung vergleichbar hohe Dosis.

„Im ersten Schritt geht es darum zu untersuchen, ob sich mit der Protonentherapie die kurz- und langfristigen Nebenwirkungen der Bestrahlung reduzieren lassen.

Daher werden nahezu alle Patienten, die eine Protonentherapie erhalten, durch Studien begleitet“, so Prof. Mechthild Krause, Co-Direktorin der UPDT und Direktorin des OncoRay.

„Bei der Strahlentherapie von Hirntumoren erhoffen wir uns beispielsweise eine Verringerung von Gedächtnisproblemen.“

Diese therapiebedingte Nebenwirkung werten die Wissenschaftler derzeit bei allen mit Protonen bestrahlten Hirntumorpatienten aus und vergleichen sie mit den Patienten, die eine Photonentherapie erhielten.

Eignung und Erfolg der Protonentherapie wird in klinischen Studien nachgewiesen. Denn bisher liegen für die meisten Krebserkrankungen dazu noch nicht genügend klinische Daten vor. Deshalb initiiert das UPTD gezielt eigene Studien und beteiligt sich an weiteren. Um solche Studien effizient und sicher zu organisieren und abzuwickeln, wird seit 2013 ein radioonkologisches Studienzentrum in Dresden aufgebaut. Derzeit sind es über 20 Prozent aller an der Klinik für Strahlentherapie am Uniklinikum versorgten Patienten, die im Rahmen klinischer Studien behandelt werden. Beispiel dafür ist die „Proto-R-Hirn“-Studie, welche beim Einsatz der Protonentherapie bei Hirntumor-Patienten Effizienz und Nebenwirkungen bei klinischen Standarddosen überprüft. Bei der Studie „ProtoChoice-Hirn“ werden die Protonen- und Photonentherapie von Hirntumoren verglichen, wobei die Fragen von Effizienz und Nebenwirkungen bei klinischen Standarddosen im Mittelpunkt stehen. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Tumoren des Kopf-Hals-Bereichs. So erfasst die klinische Studie „Proto-R-HN“ Effizienz und Nebenwirkungen von Standarddosen beim Einsatz der Protonentherapie. Die „PRONTOX“-Studie untersucht die Protonenbehandlung zur primären Radiochemotherapie bei fortgeschrittenen Nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinomen zur Verminderung der Normalgewebstoxizität.

Dank der engen Kooperation von Universitätsklinikum, OncoRay – Nationales Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie, Medizinischer Fakultät der TU Dresden sowie dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf wird die Technologie permanent verbessert. Dadurch können zukünftig in einem weiteren Schritt ausgewählte Patientengruppen mit besonders aggressiven Erkrankungen in Studien eingeschlossen werden, um mit einer erhöhten Dosis der Protonenstrahlen den Tumor noch wirksamer zu bekämpfen. Diese Weiterentwicklung erfolgt im engen Austausch mit anderen universitären Standorten. „Schon lange verzahnen wir in der Hochschulmedizin Dresden die medizinische, naturwissenschaftliche und technologieorientierte Forschung. Das kommt den Patienten unmittelbar zugute“, erklärt Prof. Michael Albrecht.

Hotline gibt zeitnah Rückinformationen zu Optionen der Protonentherapie

Auch gut fünf Jahre nach dem Start der UPTD gibt es viele Fragen über die Chancen und Grenzen der Protonentherapie. Mit der Hotline haben die Experten einen Informationskanal geschaffen, der sowohl niedergelassenen Ärzten als auch Patienten offensteht.  

Nicht selten fragen Patienten an, bei denen Jahre nach einer Photonen-Bestrahlung ein Tumor erneut auftritt und deshalb nur eine das umliegende Gewebe deutlich schonendere Strahlentherapie in Betracht kommt.

  • „Gern stehen wir für eine Zweitmeinung zur Verfügung, wenn aus welchem Grund auch immer Fachkollegen eine Strahlentherapie nicht mehr in Erwägung ziehen“, sagt Prof. Esther Troost. 

In der Regel kann sie Anfragen innerhalb von 24 Stunden beantworten.

  • Hilfreich ist es dabei, wenn die externen Ärzte oder die ratsuchenden Patienten zusätzlich einen aktuellen Arztbrief sowie die aktuellen Befunde mit CT- und MRT-Bildern und den Angaben zur Histologie übermitteln.

Hotline für Einweiser und Patienten

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Universitäts ProtonenTherapie
Tel.: 0351 458 15693 (montags bis freitags von 9 bis 11 und von 13 bis 15 Uhr)
Fax: 0351 458 4340
E-Mail: protonentherapie@uniklinikum-dresden.de

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Prof. Dr. med. Mechthild Krause / Prof. Dr. med. Dr. Esther Troost
Tel.: 0351 458 5292
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Holger Ostermeyer Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
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emotionale Reaktionen auf Erfolge und Misserfolge bei Aufgaben

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Das Streben nach Stolz

Forscherinnen und Forscher der Universität zu Lübeck zeigen, dass unser emotionales Erleben davon abhängt, wie sehr wir glauben zu einem Ereignis beigetragen zu haben. 
 
Wenn Menschen eine Aufgabe meistern, erleben sie positive Emotionen. 

  •  Eine nun veröffentlichte Studie der Universität zu Lübeck zeigt, wie das Gefühlsleben davon abhängt, inwieweit Menschen davon überzeugt sind, für Ereignisse selbst verantwortlich zu sein.

Situationen als kontrollierbar zu erleben steigert das Wohlbefinden. 

  • Das Gefühl Kontrolle zu haben hängt dabei davon ab, ob Menschen glauben, den Lauf der Dinge durch ihr eigenes Handeln beeinflussen zu können. 
  • Die Ergebnisse der neuen Studie zeigen, dass Erfolge, die von eigenen Handlungen und Fähigkeiten abhängen, dazu führen, dass Menschen glücklicher sind und Stolz empfinden. 

Die Studie, die jetzt in Nature Communications veröffentlicht wurde, untersucht emotionale Reaktionen auf Erfolge und Misserfolge bei Aufgaben, die unterschiedlich gut kontrollierbar sind.

"Es ist bekannt, dass Menschen sich stärker anstrengen, wenn sie das Gefühl haben Situationen unter Kontrolle zu haben. Generell daran zu glauben, dass man den Lauf der Dinge beeinflussen kann, schützt außerdem davor, eine psychische Störung wie etwa eine Depression zu entwickeln", sagt David Stolz, Doktorand an der Universität Lübeck und Erstautor dieser Studie.

Im Rahmen der Studie haben insgesamt 129 junge Erwachsene drei verschiedene einfache Aufgaben gelöst, die als unterschiedlich kontrollierbar wahrgenommen wurden aber gleichermaßen belohnt wurden. In der ersten Aufgabe musste ein Knopf gedrückt werden, wodurch eine zufällige Lotterie gestartet wurde, während in einer zweiten Aufgabe wie bei einem Münzwurf auf eine von zwei Seiten gewettet werden musste. In der entscheidenden Aufgabe mussten die Probanden sich allerdings bemühen unter vielen ähnlich hellen Feldern das hellste zu finden. Diese Aufgabe ließ die Teilnehmerinnen und Teilnehmer glauben, dass ihr Können und ihre Anstrengung darüber entscheiden, ob sie eine Belohnung erhalten würden. Zwischendurch sollten sie außerdem einschätzen wie glücklich und wie stolz sie sich gerade fühlten.

  • Wie erwartet stieg das Gefühl Kontrolle zu haben erheblich an, wenn der Gewinn von eigenen Fähigkeiten abhing und Belohnungen machten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer glücklicher und sie berichteten größeren Stolz wenn sie glaubten, einen Gewinn selbst verursacht zu haben.

"Wir denken, dass das Erleben von Stolz dazu beitragen kann, dass Menschen herausfordernde Umgebungen aufsuchen, die sie auch als kontrollierbar empfinden. 

  • In diesem Sinne waren diejenigen, die mehr Stolz erlebten, auch eher bereit auf Geld zu verzichten, um eine kontrollierbare Aufgabe zu spielen", erklärt Frieder Paulus, Professor an der Universität zu Lübeck, der die Studie zusammen mit David Stolz und weiteren KollegInnen durchgeführt hat.

Im Rahmen der Studie erhobene funktionelle MRT-Daten weisen zudem daraufhin, dass Aktivität im Frontallappen des Gehirns mit den Präferenzen für kontrollierbare Aufgaben zusammenhängen könnte.

Sowohl Gewinne als auch die wahrgenommene Kontrollierbarkeit der Situation führten zu erhöhter Aktivität in Teilen des ventromedialen Präfrontalen Kortex, die gleichzeitig auch dem Auf und Ab im Erleben von Glück und Stolz während des Experiments folgte.

"Die gleichzeitige Verarbeitung des Erfolges und der eigenen Wirksamkeit in dieser Region könnte Menschen dabei helfen, einen positiven Selbstwert zu entwickeln.

Es kommt also nicht nur darauf an, eine bestimmte Belohnung zu erhalten.

Es ist manchmal wünschenswerter, die Welt nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten, als nur dem Zufall ausgeliefert zu sein, auch wenn das Ergebnis letztendlich identisch ist“, so David Stolz.

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Dipl.-Psych. David Stolz
Universität zu Lübeck
Klinik für Psychiatrie, AG Social Neuroscience
Marie-Curie-Straße 1, Gebäude 66 (CBBM)
23562 Lübeck
Telefon: +49 451 3101 7527
Fax: +49 451 3101 7540
E-Mail: david.stolz@uni-luebeck.de
www: http://www.zip-luebeck.de/psychiatrie.html

Rüdiger Labahn Universität zu Lübeck

Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
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Telefon: 0451/500-3004
Fax: 0451/500-3016
E-Mail-Adresse: presse@uni-luebeck.de

Originalpublikation:
Die Studie "Internal control beliefs shape positive affect and associated neural dynamics during outcome valuation" von David S. Stolz, Laura Müller-Pinzler, Sören Krach und Frieder M. Paulus (alle Universität Lübeck) wurde am 6. März 2020 online veröffentlicht. Sie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Nachwuchsforschungsprogramm der Universität Lübeck, sowie dem Open-Access Publikationsfond des Landes Schleswig-Holstein gefördert.

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https://www.nature.com/articles/s41467-020-14800-4

Lungenkrebsscreening - rettet Leben? Gesamtsterblichkeit konstant....

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Unstatistik des Monats: Lungenkrebs-Screening rettet Leben

Die Unstatistik des Monats Februar ist die Berichterstattung über eine Studie zum Lungenkrebsscreening, das angeblich Leben rettet. 

  • Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass die Gesamtsterblichkeit trotz Screening konstant bleibt.
 
Die „ÄrzteZeitung“ gibt bekannt:

“Lungenkrebs-Screening per Low-dose-CT rettet Leben“. Springer Medizin berichtet, CT-Screening reduziere die Lungenkrebssterblichkeit um 24 Prozent bei Männern, bei Frauen sogar um 35 Prozent. Der Standard empfiehlt: „Raucher in die Röhre schicken“, denn vor allem diese würden von der Low-Dose-Computertomografie als Früherkennungsmaßnahme profitieren. „Das wären für Österreich mehr als 1.000 gerettete Menschenleben jährlich“, erklärt APA-Science. Eine Flut von Pressemeldungen erklärt, dass nun bewiesen sei, dass Lungenkrebs-Screening Leben rette und man deshalb für die flächendeckende Einführung Milliarden ausgeben sollte.

Diese enthusiastischen Meldungen beziehen sich auf die NELSON-Studie (de Koning, The New England Journal of Medicine 2020), an der 13.195 Männer (und 2.594 Frauen) zwischen 50 und 74 Jahren teilnahmen. Alle waren derzeit oder früher einmal Raucher. Sie wurden zufällig in Gruppen aufgeteilt; die einen erhielten Screening auf Lungenkrebs mit CT (Computertomographie), die anderen nicht. Nach zehn Jahren wurde ermittelt, ob Leben gerettet wurden.

Was war das Ergebnis?

Die Ergebnisse der NELSON-Studie kann man einfach verständlich machen, indem man je 1.000 Personen in der Screening- und in der Kontrollgruppe betrachtet. Sehen wir uns einmal die Männer an. Nach zehn Jahren waren 24 Männer mit der Diagnose Lungenkrebs in der Screening-Gruppe gestorben, in der Kontroll-Gruppe waren es 32. Das ist der berichtete Wert einer um 25 Prozent verringerten Sterblichkeit. Keines der genannten Medien berichtete jedoch, dass in der Kontrollgruppe insgesamt 130 Personen starben und in der Screening-Gruppe 132 (in der Zusammenfassung der NELSON-Studie wird das auch nicht erwähnt). 

Im Klartext heißt das, insgesamt wurde kein Leben gerettet. In der Screening-Gruppe starben zwar weniger Menschen mit der Diagnose Lungenkrebs, dafür mehr mit einer anderen Krebsdiagnose. Insgesamt gab es keinen Unterschied. 
  • Die Anzahl der Menschen, die an Krebs (einschließlich Lungenkrebs) verstorben sind, ist die zuverlässigere Größe, genau wie die Gesamtsterblichkeit. 
Die spezifische Todesursache ist oft schwer festzustellen, beispielsweise wenn eine Person gleichzeitig Krebs in mehreren Organen hat. 

Die Autoren der NELSON-Studie berichten selbst, dass die Experten bei der Beurteilung, ob die Todesursache Lungenkrebs war, nur in 86 Prozent der Fälle übereinstimmten. Unter den Männern, die sich einem Lungenkrebs-Screening mit CT unterzogen hatten, starben genauso viele an Krebs (einschließlich Lungenkrebs) wie unter jenen ohne Screening. Weder in der Krebssterblichkeit noch in der Gesamtsterblichkeit hat die NELSON Studie einen signifikanten Unterschied gefunden.

Ehrliche Berichterstattung sollte auch Gesamtsterblichkeit erwähnen


Wie würde eine ehrliche Berichterstattung aussehen? Etwa so: „Die NELSON-Studie zeigte, dass von je 1.000 Männern in der Screening-Gruppe acht weniger mit der Diagnose Lungenkrebs verstorben sind (von 32 auf 24). Dafür starben in der Screening-Gruppe mehr Personen mit einer anderen Krebsdiagnose, und auch die Gesamtsterblichkeit war gleich.

Es gibt keinen Beleg, dass Lungenkrebs-Screening Leben rettet.“
  • Die derzeit gefeierte NELSON-Studie ist nur eine Episode in einer langen Geschichte der Irreführung der Öffentlichkeit über den Nutzen von Krebs-Screening. 
  • Es ist bis heute kein einziges Krebs-Screening bekannt, das die Krebssterblichkeit (alle Krebse) oder die Gesamtsterblichkeit reduziert (V. Prasad, British Medical Journal, 2016, 352). 
Ein flächendeckendes Lungenkrebs-Screening würde jährlich Milliarden kosten, die man an anderer Stelle braucht.

Schlimmer noch:

Diese Investition würde den Patienten nichts nützen.

Vorsorge hilft, Früherkennung kaum. 

Wenn man bereits in den Schulen junge Menschen risikokompetent machen würde, so dass sie verstehen, wie sie später zum Rauchen verführt werden, würde das wirklich Leben retten.

  • Bildung ist die beste Vorsorge. Aber dafür wird kaum Geld bereitgestellt.

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Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Tel.: (030) 82406-430
Sabine Weiler (Pressestelle RWI), Tel.: (0201) 8149-213



Hohenzollernstraße 1-3
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Sabine Weiler
Telefon: 0201 / 81 49-213
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Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer, die STAT-UP-Gründerin Katharina Schüller und RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer je-den Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen.
http://www.unstatistik.de (Alle „Unstatistiken“ im Internet)



Panikstörung im klinischen Sinne: Coronavirus - das aufkeimende Bedrohungsgefühl

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Reaktionen auf Corona: Panik oder Vernunft?

Prof. Dr. Nadia Sosnowsky-Waschek, Professorin für Gesundheits- und Klinische Psychologie an der SRH Hochschule Heidelberg, beschreibt das Phänomen der Risikowahrnehmung und den möglichen Umgang damit. 


Hamsterkäufe, Schulschließungen, Angst, überhaupt noch einen Schritt in die Öffentlichkeit zu gehen:

Bei vielen Menschen ist die Panik ausgebrochen, dass sie sich mit dem Coronavirus anstecken könnten. 

Was nun hinzukommt, ist die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen und die Frage des Umgangs mit konkreten Alltagsherausforderungen. 

Eine Panikstörung im klinischen Sinne ist dies deshalb noch lange nicht, erklärt Prof. Dr. Nadia Sosnowsky-Waschek von der SRH Hochschule Heidelberg. Im Interview beschreibt die Psychologin, wie man das aufkeimende Bedrohungsgefühl erklären und was man dagegen tun kann.

Woher kommt dieses Bedrohungsgefühl in Bezug auf unsere Gesundheit?

Bei jedem Einkauf schätzen wir das Risiko ein, ob wir durch den Verzehr von Chips dick werden und gesundheitliche Schäden davontragen. Beim Autofahren entscheiden wir in Sekundenschnelle, ob wir es noch über die gelbe Ampel schaffen. Wie die Entscheidung ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen davon, wie schwerwiegend wir die Folgen dieser Entscheidung für die Gesundheit einschätzen und wie wahrscheinlich es ist, dass wir diese Folgen überhaupt selbst tragen müssen. Verursacht die Packung Chips Diabetes und verkürzt sich dadurch die persönliche Lebenszeit? Bei vielen Alltagsentscheidungen wird das persönliche Gesundheitsrisiko eher als gering eingestuft. Also fahren wir über Gelb und legen die Chips in den Einkaufswagen. Solche Risikoabwägungen sind alltäglich, zugleich hocheffizient und für das Gehirn sehr energiesparend, weil sie uns vielfach das Leben erleichtern. Die Bewertung läuft nämlich oft ganz unbewusst, quasi automatisch.

Was ist bei der Bewertung des Coronavirus´ anders?
Im Falle des Coronavirus´ können wir nicht auf bewährte Alltagsroutinen zurückgreifen.

Wir haben es mit der Bewertung eines Ereignisses zu tun, welches neu ist, im Vergleich zu vielen anderen Lebensrisiken selten auftritt und dessen potentielle gesundheitlichen Folgen wir für die eigene Person, unsere Familien und die Wirtschaft nicht einzuschätzen können. Das von solchen seltenen und neuen Ereignissen ausgehende Risiko wird typischerweise überschätzt, für deutlich häufiger auftretende, aber bekannte Risiken wird es hingegen eher unterschätzt.

Was beeinflusst noch die Risikowahrnehmung?

Es ist auch relevant, wie man die Kontrollmöglichkeiten einer Ansteckung einschätzt. Kann man sich durch die Desinfektion der Hände oder die Verwendung einer Maske wirksam schützen? Hängt eine Infektion überhaupt von meinem eigenen Verhalten oder dem anderer Menschen oder einfach nur vom Zufall ab? Durch immer neue Informationen seitens der Medien, berichtete Zwischenfälle oder Verbote entsteht bei vielen der Eindruck einer geringeren Kontrollierbarkeit des Ansteckungsrisikos und dessen Folgen. Bedenkt man die Unfreiwilligkeit der Exposition mit dem Virus, wird die Gefahr ebenfalls größer eingeschätzt. Einer Angst vor einem Flugzeugabsturz kann man ja dadurch entgehen, indem man Flugzeugreisen meidet. Aber reicht der eine Meter Abstand zu anderen Personen für die Eindämmung des eigenen Risikos?

Angesichts der vielen neuen und manchmal auch widersprüchlichen Informationen fällt es uns schwer, ein endgültiges Urteil über die Situation abzugeben. Wir kommen nicht zur Ruhe, sind verunsichert. Kaum hat man sich einen Plan gemacht, wie man zur Infektionslage steht und wie man sich verhält, muss gegebenenfalls umgedacht werden.
Schließlich kommt noch unsere Persönlichkeit ins Spiel. Die Optimisten werden in dieser unsicheren Lage zunächst standhaft eine eher zuversichtliche Haltung vertreten, demnach alles schon irgendwie gut ausgehen wird. So betrachtet, ist die Angst vor dem Coronavirus eigentlich sehr rational. Sie ist die Folge vieler Bewertungsprozesse und die Folge der Anpassung an die neue Situation. Eine Panikstörung ist dies nicht, vielmehr versuchen wir Stress zu bewältigen beziehungsweise ein schwer fassbares Problem zu lösen.

Wie können wir mit dem Corona-Stress umgehen?
Was helfen kann, ist sicherlich zum einen, sich dieser Bewertungsvorgänge bewusst zu werden. Unser Denken und Fühlen steuern unser Verhalten oft unbewusst. Achtsam sein und sich einen Plan machen, wie Kontrolle im eigenen Alltag wiederhergestellt werden kann, kann den Anflug von `Panik´ senken. Neue Routinen wie zum Beispiel langes, gründliches Händewaschen, Verzicht auf Händeschütteln, Meiden von Menschenansammlungen und gleichzeitig eine positive Umgestaltung des Alltags können hilfreich sein – wie beispielsweise ein ruhiger Spaziergang im Wald, mal wieder ein Buch lesen, ein Bad nehmen.

  • Möglicherweise ist es auch sinnvoll, die Nachrichten nicht im Corona-Lifeticker am Handy zu verfolgen, sondern nur einmal am Abend oder nach einer anderen eigenen Vorgabe. 

Von der Flut neuer Informationen sollte man zwischenzeitlich pausieren können.

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Prof. Dr. Nadia Sosnowsky-Waschek
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Janna von Greiffenstern
Telefon: 06221-883949
Fax: 06221-881447
E-Mail-Adresse: janna.vongreiffenstern@hochschule-heidelberg.de

 

 

Untersucher-CAVE von Mareike Vetter: Für Schwangere und Ihre Familien

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Coronavirus: Bei Verdacht kein Lachgas unter der Geburt für Schwangere

 Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Empfehlungen zur intensivmedizinischen Therapie von Patienten mit COVID-19

 

  • Wird eine Coronavirus-Infektion bei Schwangeren vermutet oder gar bestätigt, gelten besondere Regeln. 
Ausdrücklich abgeraten wird von Lachgas unter der Geburt, da es die Ausbreitung des Virus gegebenenfalls erhöhen kann. 

Aktuelle Hinweise für schwangere Frauen und ihre Familien hat die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) und der Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) vereint im German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG) veröffentlicht.

Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: RKI - Fachinformationen 
 
FAQ für schwangere Frauen und ihre Familien

Bin ich als Schwangere durch das Coronavirus gefährdeter als andere Frauen?

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es international keinen Hinweis, dass Schwangere durch das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) gefährdeter sind als die allgemeine Bevölkerung. Es wird erwartet, dass die große Mehrheit der schwangeren Frauen nur leichte oder mittelschwere Symptome, ähnlich einer Erkältung beziehungsweise Grippe aufweist.  

Schwerwiegendere Symptome wie Lungenentzündung scheinen bei älteren Menschen, Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Langzeiterkrankungen häufiger zu sein.

  • Wenn eine bereits vor der Schwangerschaft bestehende Herz- oder Lungenerkrankung vorliegt, könnten eher Komplikationen bei Atemwegsinfektion wie bei der Coronavirusinfektion eintreten.
Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf mein Baby, wenn bei mir eine Infektion diagnostiziert wird?

Da es sich um ein sehr neues Virus handelt, fangen wir gerade erst an, etwas darüber zu lernen.

  • Es gibt keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten. 
  • Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass das Virus während der Schwangerschaft auf das Baby übertragen werden kann (dies wird als vertikale Übertragung bezeichnet). 

Es wird daher als unwahrscheinlich angesehen, dass das Virus beim Fetus zu Anomalien führt. 

Bislang wurde international nur über 20 Schwangerschaften berichtet, alle fanden in China statt. In keinem Fall war ein Neugeborenes infiziert. Es wurden keine Auffälligkeiten bei Mutter und Kind berichtet.


Was kann ich tun, um mein Risiko, am Coronavirus zu erkranken, zu verringern?


Das Wichtigste ist, dass Sie Ihre Hände regelmäßig und effektiv waschen, sobald Sie von öffentlichen Orten nach Hause oder an den Arbeitsplatz kommen. Vermeiden Sie unbedingt den Kontakt mit allen Personen, auch der Familie, wenn die Symptome einer Erkältungskrankheit oder Fieber aufweisen. Hier finden Sie nützliche Tipps, wie Sie das Infektionsrisiko am besten reduzieren können:


• https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus.html
 

• https://www.infektionsschutz.de/cv/
 

• https://www.infektionsschutz.de/hygienetipps/

Welche Reisehinweise gelten, wenn ich schwanger bin?

Prinzipiell gilt, dass Sie zur Vermeidung einer Übertragung Abstand zu Mitreisenden halten sollten – im Alltag, als auch unterwegs in Bahnen, Bussen etc.. Wenn Sie sich in Deutschland befinden, sollten Sie den Ratschlägen des Bundesministeriums für Gesundheit folgen (www.bundesgesundheitsministerium.de), die regelmäßig entsprechend der sich entwickelnden Situation gemeinsam mit weiteren Bundesministerien und dem RKI aktualisiert werden. Alle Personen, einschließlich schwangerer Frauen, sollten vor Reiseantritt sicherstellen, dass sie über angemessene Versicherungsvereinbarungen verfügen. 

Sie sollten auch überprüfen, ob Ihre Reiseversicherung die Geburt und Betreuung Ihres Neugeborenen abdeckt, für den Fall, dass Sie im Ausland gebären sollten.

Bezogen auf das Ausland ist das Reiserisiko für Schwangere nicht höher ist als für andere Reisende. Beachten Sie bitte die Seite des Auswärtigen Amts mit Reisewarnungen für bestimmte Gebiete (www.auswaertiges-amt.de).

Was gilt, wenn Sie engen Kontakt zu Personen hatten, die auf COVID-19 positiv getestet wurden?
  • Eine Corona-Infektion äußert sich durch grippeähnliche Symptome, wie trockener Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. 
  • Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost wurde berichtet. 

Wenden Sie sich telefonisch an Ihre Frauenärztin bzw. Ihren Frauenarzt. 

Durch diese/n werden Sie über alle weiteren Maßnahmen aufgeklärt. Wenden Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen telefonisch an Ihr zuständiges Gesundheitsamt (dieses können Sie hier ermitteln: https://tools.rki.de/plztool/), oder rufen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117. Aktuell sind noch keine Behandlungsmöglichkeiten oder Impfungen bekannt. Die Diagnose wird mit einem Abstrichbefund aus dem Mund- und Rachenbereich gestellt.

Was soll ich tun, wenn ich positiv auf das Coronavirus getestet wurde?

Wenn Sie positiv auf das Coronavirus getestet wurden, sollten Sie sich telefonisch an Ihre/n Frauenärztin/-arzt wenden, um auf Ihre Diagnose aufmerksam zu machen.

Wenn Sie keine oder leichte Symptome haben und keine Risikofaktoren für Komplikationen bei Ihnen oder weiteren Personen im Haushalt vorliegen (z. B. relevante chronische Grunderkrankungen), können Sie sich unter Betreuung durch einen behandelnden Arzt zu Hause zu erholen. Wenn Sie schwerere Symptome haben, werden Sie möglicherweise in einem Krankenhaus behandelt.

Wann sollten Sie isoliert werden?

Eine Isolation wird empfohlen, wenn:

• Sie mit jemandem in Kontakt gekommen sind, der an einer Coronavirusinfektion leidet;
• Sie ein bestimmtes Gebiet oder Land besucht haben, in denen COVID-19-Fälle vorkommen oder das als Risikogebiet ausgewiesen wurde;
• Sie Symptome haben, die auf eine Infektion mit dem Coronavirus hinweisen, und darauf warten, getestet zu werden oder auf Ihre Ergebnisse;
• Sie positiv auf das Coronavirus getestet wurden und es Ihnen empfohlen wurde, sich zu Hause zu erholen.

Kriterien zur Aufhebung von Isolierungsmaßnahmen und zur Entlassung aus dem Krankenhaus

Nach aktuellem Wissensstand ist eine Entisolierung zu Hause bzw. Entlassung aus der Klinik frühestens 10 Tage nach Symptombeginn und Erfüllung ALLER folgender Kriterien vertretbar:

• Fieberfreiheit seit mind. 48 Stunden;
• Symptomfreiheit seit mind. 24 Stunden bezogen auf die akute COVID-19-Erkrankung
• sowie

• 2 negative SARS-CoV-2-PCR-Untersuchungen im Abstand von 24 Stunden gewonnen aus Mund-Rachen-Abstrichen.

Was soll ich tun, wenn ich aufgefordert werde, mich selbst zu isolieren?

Schwangere, denen geraten wurde, sich selbst zu isolieren, sollten im Haus bleiben und 14 Tage lang den Kontakt mit anderen vermeiden.

Das RKI gibt hierzu dezidierte Empfehlungen https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/ambulant.html.


Konkret bedeutet das:
• nicht zur Schule oder zur Arbeit oder in öffentliche Bereiche zu gehen;
• keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen – bleiben Sie zu Hause und erlauben Sie keine Besuche;
• lüften Sie die Räume, in denen sie sich befinden;
• trennen Sie sich so weit wie möglich von anderen Personen im Haushalt, indem Sie ihre eigenen Handtücher, Geschirr und Utensilien verwenden und zu unterschiedlichen Zeiten essen;
• bitten Sie Freunde und Familie oder nutzen Sie Lieferservices, um Besorgungen für Sie zu erledigen. Die Übergabe sollte dann ohne direkten Kontakt erfolgen.

Kann ich trotzdem an meinen vorgeburtlichen Terminen teilnehmen, wenn ich mich selbst isoliert habe?

Sie sollten sich an Ihre Frauenärztin bzw. Ihren Frauenarzt wenden, um sie/ihn darüber zu informieren, dass Sie sich derzeit in Selbstisolierung für eine mögliche beziehungsweise bestätigte Coronavirus-Infektion befinden. Es ist wahrscheinlich, dass routinemäßige vorgeburtliche Termine ohne Schaden für Sie oder Ihr Kind herauszögert werden, bis die Isolation endet.

Wenn Ihre Hebamme oder Ihr Arzt darauf hinweist, dass Ihr Termin nicht warten kann, werden die erforderlichen Vorkehrungen getroffen, damit Sie den Termin wahrnehmen können.

Was mache ich, wenn ich mich unwohl fühle oder mir während der Selbstisolation Sorgen um mein Baby mache?

Ihr ambulant betreuender Arzt und das zuständige Gesundheitsamt sollten gemeinsam mit Ihnen und ggf. Ihrer Betreuungsperson das Vorgehen im Falle einer notfallmäßigen bzw. außerhalb der üblichen Erreichbarkeiten eintretenden Zustandsverschlechterung im Vorhinein festlegen. Das Vorgehen sollte sowohl das aufnehmende Krankenhaus, die mitzuführenden Unterlagen als auch das geeignete Transportmittel dorthin umfassen. Schwangeren wird empfohlen, keine allgemeinen Sprechstunden oder Kliniken zu besuchen, es sei denn, sie benötigen dringend eine medizinische Versorgung. Wenn Sie während Ihrer Selbstisolationsphase Bedenken hinsichtlich des Wohlbefindens Ihrer selbst oder Ihres ungeborenen Kindes haben, wenden Sie sich an Ihren Frauenarzt bzw. Ihre Frauenärztin. Wenn dort die Aufnahme in ein Krankenhaus empfohlen wird, werden schwangere Frauen gebeten, mit privaten Verkehrsmitteln zu reisen oder einen Krankenhaustransport zu arrangieren und vor dem Betreten des Krankenhauses die Klinik telefonisch zu benachrichtigen.

Wird sich die Selbstisolierung aufgrund einer vermuteten oder bestätigten Infektion mit COVID-19 darauf auswirken, wo ich gebäre?

Als Vorsichtsmaßnahme wird schwangeren Frauen mit Verdacht auf oder bestätigter Coronavirus-Infektion bei Wehen empfohlen, zur Geburt eine Klinik aufzusuchen, in der das Baby kontinuierlich elektronisch überwacht und der Sauerstoffgehalt stündlich geprüft werden kann. Die kontinuierliche Überwachung des Fetus dient dazu, zu überprüfen, wie Ihr Baby auf Wehen reagiert. Da eine kontinuierliche Überwachung des Fetus nur in einer geburtshilflichen Abteilung stattfinden kann, in der Ärzte und Hebammen anwesend sind, wird nicht empfohlen, zu Hause oder in einem Geburtshaus zu gebären, in dem nur Hebammen anwesend sind.

Wird sich die Selbstisolierung aufgrund einer vermuteten oder bestätigten Infektion mit COVID-19 auf meine Geburt auswirken?

Derzeit gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass Sie nicht vaginal gebären können oder dass ein Kaiserschnitt sicherer ist, wenn eine Coronavirus-Infektion vermutet oder bestätigt wurde.

Wenn Ihre Atemwegserkrankung (Atmung) jedoch darauf hindeutet, dass eine dringende Entbindung erforderlich ist, kann eine Kaiserschnittgeburt empfohlen werden. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass Frauen mit Verdacht auf oder mit bestätigter Coronavirus-Infektion keine PDA haben können. Die Verwendung von Lachgas kann jedoch die Aerosolisierung und Ausbreitung des Virus erhöhen – davon wird ausdrücklich abgeraten.

Was passiert, wenn ich während meiner Selbstisolationsphase Wehen bekomme?

Wenn Sie Wehen bekommen, sollten Sie Ihre Entbindungsstation um Rat fragen und sie darüber informieren, dass Sie eine Coronavirus-Infektion vermutet oder bestätigt haben. Ihr Geburtsteam wird Sie über Möglichkeiten beraten.

Könnte ich meinem Baby das Coronavirus übertragen?

Da es sich um ein neues Virus handelt, gibt es nur begrenzte Hinweise auf die Behandlung der Coronavirus-Infektion bei Frauen, die gerade geboren haben. Es gibt jedoch keine Berichte darüber, dass Frauen, bei denen im dritten Schwangerschaftstrimester eine Coronavirus-Infektion diagnostiziert wurde, das Virus im Mutterleib an ihre Babys weitergegeben haben. Die Datenbasis ist hier sehr gering; Bei 20 Fällen wurde bei den Neugeborenen kein Virus nachgewiesen. Alle Infektionen sind im 3. Trimenon erfolgt.

Wird mein Baby auf Coronavirus getestet?

Ja, wenn zum Zeitpunkt der Geburt Ihres Babys ein Coronavirus bei Ihnen vermutet oder bestätigt wurde, wird Ihr Baby auf Coronavirus getestet.

Kann ich bei meinem Baby bleiben, wenn das Coronavirus bei mir vermutet oder bestätigt wird?

Ja, wenn das Ihr Wunsch ist. Vorausgesetzt, Ihrem Baby geht es gut und es muss nicht in der Neugeborenenstation gepflegt werden. Eine Diskussion über die Risiken und Vorteile sollte zwischen Ihnen, Ihrer Familie und den Ärztinnen bzw. Ärzten, die sich um Ihr Baby kümmern, stattfinden. Diese Empfehlung kann sich ändern, wenn sich das Wissen über das neue Virus weiterentwickelt.

Kann ich mein Baby stillen?

Ja. Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass das Virus über die Muttermilch übertragen werden kann. Daher wird davon ausgegangen, dass die anerkannten Vorteile des Stillens die potenziellen Risiken einer Übertragung des Coronavirus überwiegen. Infizierte Mütter oder Verdachtsfälle sollten beim Stillen durch Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen vor und nach dem Kontakt mit dem Kind und durch das Tragen eines Mundschutzes eine Übertragung des Virus durch Tröpfcheninfektion verhindern. Diese Empfehlung kann sich ändern, wenn sich das Wissen über das neue Virus weiterentwickelt.

Wenn Sie Ihr Baby stillen möchten, werden die folgenden Vorsichtsmaßnahmen empfohlen:

• Waschen Sie Ihre Hände ausreichend lang, bevor Sie Ihr Baby, die Milchpumpe oder die Flasche berühren;
• tragen Sie eine Gesichtsmaske zum Füttern an der Brust;
• befolgen Sie nach jedem Gebrauch die Empfehlungen zur Pumpenreinigung;
• wenn Sie Ihr Baby mit Milchnahrung oder Milch füttern möchten, wird empfohlen, die Sterilisationsrichtlinien strikt einzuhalten;
• wenn Sie im Krankenhaus Muttermilch abpumpen, sollte eine spezielle Pumpe verwendet werden.

Ist eine Mutter nicht in der Lage, ihr Kind zu stillen, kann die Muttermilch auch abgepumpt werden und über eine weitere Person an den Säugling verfüttert werden. Auch hierbei sollte auf die Hygiene geachtet und Pumpe sowie Fläschchen nach dem Gebrauch sterilisiert werden.

Abgestimmt mit dem Royal College of Obstetricians and Gynaecologists © 2020 und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V.

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Zuschauen: Multisensorische Integration bei der Behandlung von Schmerzen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Was wir sehen, beeinflusst, was wir fühlen

Chronischer Rückenschmerz bessert sich, wenn die Betroffenen eine kurze Zeit eine Echtzeitaufnahme ihres Rückens anschauen. 

  • Das Zuschauen steigert auch die Wirksamkeit von Therapien wie zum Beispiel einer Massage. 

Das haben Untersuchungen des Teams von Prof. Dr. Martin Diers von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum (RUB) gezeigt. 

Die Spezialisten empfehlen daher die sogenannte multisensorische Integration bei der Behandlung von Schmerzen. 
 
Wer Rückenschmerzen hat, fühlt sich oft stark beeinträchtigt. Wenn der Schmerz chronisch ist, belastet er das ganze Leben, bestimmt den Alltag. „Die Betroffenen kennen ihren Schmerz gut“, sagt Martin Diers. „Sie können zum Beispiel genau sagen, wann im Laufe des Tages der Schmerz auftrat oder wie er sich anfühlt. Was sie aber schlecht eingrenzen können, ist der genaue Ort, an dem der Schmerz sich befindet.“

Eine Minute anschauen hilft

Diers und sein Team wollten wissen, wie sich der Schmerz verändert, wenn die Betroffenen hinschauen und führte dazu verschiedene Studien mit Schmerzpatienten und Kontrollprobanden ohne Rückenschmerzen durch. Dabei kam jeweils eine Videokamera zum Einsatz, die hinter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern platziert war und das Bild ihres Rückens in Echtzeit auf einen Monitor übertragen konnte, den die Personen sehen konnten. Die Stärke des Schmerzes wird dabei gemessen, indem die Probanden sie auf einer Skala von null bis zehn selbst einschätzen.

„Wir konnten zeigen, dass das alleinige Betrachten des Echtzeitvideos des eigenen Rückens nach einer Minute die Intensität des Schmerzes bei Patientinnen und Patienten mit chronischem Rückenschmerz senkt“, fasst Martin Diers zusammen. Sahen die Patienten statt ihres eigenen Videos das eines anderen Patienten, ein unbewegtes Bild oder ein Buch, veränderte sich die Intensität des Schmerzes nicht. In einer anderen Studie empfanden die Probanden einen schmerzhaften Druckreiz auf den Rücken als weniger schmerzhaft, wenn sie zuschauen konnten.

Die Auflösung visueller Informationen ist größer

  • „Schmerzreize werden von Nervenzellen in der Haut registriert, ins Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet“, erläutert der Psychologe. 

„Dieses System hat nur eine ziemlich grobe Auflösung.“

Zusammen mit der visuellen Information werden die Reize viel höher aufgelöst wahrgenommen.

Das hilft bei der Eingrenzung des schmerzenden Bereichs:

Wir können die Quelle des Schmerzes also räumlich viel spezifischer einordnen.

  • Die Schmerzspezialisten setzen daher auch bei der Behandlung auf die sogenannte multisensorische Integration bei der Wahrnehmung von Sinnesreizen, an der mehrere Eingangskanäle für Reize beteiligt sind. 

Sie untersuchten die Wirksamkeit verschiedener Therapien auf chronische Schmerzen mit und ohne die Möglichkeit, den behandelten Bereich des Körpers dabei zu sehen.

„Wir konnten so zeigen, dass zum Beispiel eine Massage deutlich wirksamer war, wenn die Patienten dabei zuschauen konnten“, fasst Martin Diers zusammen. 

Dasselbe galt für die manuelle Therapie.

Ausführlicher Beitrag in Rubin

Einen ausführlichen Beitrag zu dem Thema finden Sie im Wissenschaftsmagazin Rubin (https://news.rub.de/wissenschaft/2020-02-19-psychosomatik-was-wir-sehen-beeinflu...).

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Prof. Dr. Martin Diers
Klinische und Experimentelle Verhaltensmedizin
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
LWL-Universitätsklinikum
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 5077 3175
E-Mail: martin.diers@rub.de

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Langanhaltenden Schmerzbekämpfung: Interleukin-4

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit Berlin: Neuer Ansatz bei Entzündungsschmerz

Immunzellen produzieren körpereigene schmerzlindernde Stoffe

Eine Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat einen neuen Mechanismus der langanhaltenden Schmerzbekämpfung entdeckt. 


  • Der Botenstoff Interleukin-4 veranlasst eine spezielle Klasse von Blutzellen am Entzündungsort, Opioide als körpereigene Schmerzstiller herzustellen. 

Die Ergebnisse sind jetzt im Fachmagazin Journal of Clinical Investigation (JCI) Insight* erschienen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Sepsis 
 
Eine Entzündung des peripheren Nervensystems kann zu chronischen Schmerzen führen.

  • Verschiedene Immunzellen im Blut beeinflussen diese Entzündungsreaktionen durch hemmende oder fördernde Botenstoffe, sogenannte Zytokine. 
  • Hierzu zählt auch das Interleukin-4 (IL-4), das aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkung bereits zur Schmerzlinderung therapeutisch eingesetzt wird.

Das Team um Prof. Dr. Halina Machelska vom Arbeitsbereich Experimentelle Anästhesiologie am Campus Benjamin Franklin untersuchte anhand eines Tiermodells, das dem schmerzhaften Ischiassyndrom beim Menschen nachempfunden ist, die Wirkungsweise von IL-4. Eine Injektion von IL-4 am entzündeten Nerv verringerte das Schmerzempfinden zunächst nur für einen Zeitraum von einigen Minuten, die wiederholte tägliche Gabe führte jedoch zu einer Schmerzreduzierung von bis zu acht Tagen.

  • Im entzündeten Gewebe sammelten sich durch IL-4 vor allem sogenannte M2-Makrophagen an, Fresszellen des Immunsystems, die Opioide produzieren und so das Schmerzempfinden verringern.

Mit ihrem neuen Ansatz möchte Prof. Machelska gezielt die entzündungshemmenden Eigenschaften der M2-Makrophagen nutzen: „Unsere Erkenntnisse sind für verschiedene Erkrankungen relevant, denen eine Immunantwort zugrunde liegt: von Arthritis über neurodegenerative Erkrankungen bis hin zu Krebs.“

Wurden die M2-Makrophagen dann aus dem entzündeten Gewebe isoliert und auf ein weiteres Versuchstier übertragen, verringerte sich auch dessen Schmerzempfindlichkeit.

Die Forschenden untersuchten die isolierten Zellen genauer und fanden heraus, dass sie verschiedene körpereigene Opioide wie Endorphin, Enkephalin und Dynorphin ausschütteten und so entsprechende Opioid-Rezeptoren direkt am Entzündungsort aktivierten. 

  „Durch ihre periphere Wirkung außerhalb des Gehirns lassen sich unerwünschte Nebenwirkungen wie Betäubung, Übelkeit oder Abhängigkeit vermindern“, erklärt Prof. Machelska.

Sie fügt hinzu: 

„Diese Erkenntnisse könnten ein neuer Ansatz sein, um zukünftig alternative Möglichkeiten der Schmerztherapie für die Patienten zu entwickeln.“

*Celik MÖ et al. IL-4 induces M2 macrophages to produce sustained analgesia via opioids. JCI Insight 5(4), e133093 (2020), DOI: 10.1172/jci.insight.133093

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Prof. Dr. Halina Machelska
Arbeitsbereich Experimentelle Anästhesiologie
Campus Benjamin Franklin
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E-Mail: halina.machelska@charite.de

Manuela Zingl Charité – Universitätsmedizin Berlin
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Originalpublikation:
https://doi.org/10.1172/jci.insight.133093

 

Sepsis oder Blutvergiftung: Erregerdiagnostik

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Blutbahn in Not - Thorsten Brenner ist neu an der UDE/am UK Essen

Sie wird oft unterschätzt, nicht erkannt, kann aber tödlich enden. 

An einer Sepsis oder Blutvergiftung erkranken in Deutschland jährlich über 300.000 Menschen, rund 70.000 sterben. 

Wie der Organismus auf die Erreger reagiert, erforscht u.a. der neue Anästhesiologie-Professor Thorsten Brenner an der Universität Duisburg-Essen (UDE). Er ist zugleich Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Essen (UK Essen). 
 Sepsis-Forscher Prof. Dr. Thorsten Brenner
 Sepsis-Forscher Prof. Dr. Thorsten Brenner Foto: UDE/Frank Preuß


Nach seiner mit sehr gut bewerteten Promotion (2005) ließ sich Brenner am Uniklinikum Heidelberg zum Facharzt für Anästhesiologie (2010) ausbilden. Dort forschte und behandelte er anschließend mehrere Jahre und war seit 2018 außerplanmäßiger Professor für Anästhesiologie. Im vergangenen Jahr erhielten er und Kollegen für ihre Untersuchungen zur innovativen Erregerdiagnostik bei Sepsis den Innovations-Preis des Stuttgarter Intensivkongresses und eine hochdotierte Studienförderung der Dietmar-Hopp-Stiftung.

Damit die Diagnose der Sepsis schneller gestellt werden kann, wird Thorsten Brenner das wissenschaftliche Engagement in diesem Forschungsbereich vorantreiben.

Wissenschaftler suchen damit im Blut der Erkrankten nach dem Erbgut möglicher Keime.

Zudem möchte der 41-Jährige mehr über die körpereigene Infektionsabwehr herausfinden und untersucht die angeborene Immunantwort bei Blutvergiftungen.

Eine Sepsis ist eine Infektion, die oft mit Fieber und schwerem Krankheitsgefühl beginnt und im unbehandelten Zustand schnell zu Organversagen führen kann. 

Ausgelöst werden die Entzündungen durch Bakterien, Viren, Pilze o.ä. 


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Alexandra Nießen, Tel. 0203/37 91487, alexandra.niessen@uni-due.de
Prof. Dr. med. Thorsten Brenner, MHBA, thorsten.brenner@uk-essen.de

Forsthausweg 2
47057 Duisburg
Deutschland
Nordrhein-Westfalen 


Untersucher-CAVE: ACE-Hemmer/Sartane Blutdruckmedikamenten-Therapie

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Nicht aus Angst vor Corona leichtfertig die Blutdruckmedikation absetzen!

Aktuelle Spekulationen verunsichern viele Patienten: 

  • Blutdrucksenker könnten anfälliger für Coronavirus-Infektionen machen. 

Daraus den Schluss zu ziehen, Medikamente abzusetzen, ist nach aktuellem Kenntnisstand unbegründet. 

Zum einen gibt es Daten, denen zufolge genau diese Medikamente sogar vor einem Lungenversagen schützen könnten, zum anderen dürfe nicht unterschätzt werden, dass das Absetzen von Blutdrucksenkern zu hohen Gesundheitsrisiken führt. 

Die Deutsche Hochdruckliga (DHL) rät Patientinnen und Patienten zur Besonnenheit. 
  •  „Die derzeitige Datenlage rechtfertigt kein Absetzen der Medikamente“, so Professor Florian Limbourg, Hannover, Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga. 

Eintritt in die Zellen das Enzym ACE2. 

Dieses wird von Zellen der Lunge produziert, wo es auf der Zell-Oberfläche präsentiert wird und als Eintrittspforte für das Virus dienen kann.  

ACE2 wird aber auch in löslicher Form produziert und schwimmt dann quasi als Köder im Blut, was die Virusinfektion von Zellen deutlich unterdrückt.

Mehr ACE2 könnte also positive oder negative Effekte im Rahmen einer Virusinfektion haben.

  • Wie kommen die Blutdruckmedikamente ins Spiel? 
  • ACE2 baut Blutdruckhormone des Renin-Angiotensin-Systems ab, welche von dem verwandten Enzym ACE gebildet werden. 

Gängige Blutdrucksenker, wie ACE-Hemmer und die so genannten Sartane, blockieren die Blutdruckhormonbildung oder -effekte, was in Studien an Ratten und einer Studie am Menschen zu einer leichten Erhöhung des ACE2 geführt hat.

Während die Bedeutung für die potentielle Infektanfälligkeit für SARS-CoV2 also völlig unklar ist, gibt es hingegen sehr überzeugende Daten für einen schützenden Effekt durch Blockade des Renin-Angiotensin-Systems bei schwerem Lungenversagen, dem so genannten ARDS („acute respiratory distress syndrome“). So zeigten mehrere Arbeiten, die im hochrenommierten Journal „Nature“ publiziert wurden, sehr klar, dass sowohl eine Erhöhung von ACE2, aber auch die Blockade von ACE, wie sie z. B. durch Blutdrucksenker erreicht wird, den Verlauf des ARDS günstig beeinflussen.

  • Im Rahmen einer Lungenentzündung entwickelt die Hemmung des Renin-Angiotensin-Systems also vorteilhafte Effekte.


„Der mögliche schädliche Einfluss von Blutdrucksenkern auf Virus-Infektanfälligkeit ist äußerst spekulativ.

Hingegen könnten Blutdrucksenker bei schweren Verläufen Leben retten“, erklärt der MHH-Experte.

„Der jetzige Kenntnisstand rechtfertigt also keinesfalls, Blutdrucksenker abzusetzen.“

Insbesondere warnt der Experte vor dem Absetzen oder der Reduktion der Dosis ohne vorherige Abstimmung mit dem Arzt. 

  • Insbesondere bei kardiovaskulären Hochrisikopatienten kann es in der Folge zu schweren Erkrankungen wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen kommen. 

„Damit würde man das Kind mit dem Bade ausschütten“.

Die Deutschen Hochdruckliga DHL® rät Patienten zur Besonnenheit und auch zu einem kritischen Umgang mit (Fehl-)Informationen in den Medien und den sozialen Medien.

Valide wissenschaftlich haltbare Informationen geben die Behörden (Robert Koch-Institut, Bundesgesundheitsministerium und Gesundheitsämter) und die medizinischen Fachgesellschaften. Wer stark verunsichert ist, sollte mit seinem Arzt sprechen und sich beraten lassen.

Aktuelle Informationen zu Corona für Patienten mit Bluthochdruck bietet auch die europäische Hypertoniegesellschaft („European Society of Hypertension“/ESH):

 https://www.eshonline.org/spotlights/esh-statement-on-covid-19/

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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin
http://www.hochdruckliga.de