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Helicobacter pylori - pathogener Keim - Magengeschwüre

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Neue Erkenntnisse zur Therapie des Helicobacter-Keims und der Mikrobiota werden in Innsbruck präsentiert

Nach dem Karies-Erreger ist der „Helicobacter pylori“ der häufigste pathogene Keim der Menschheit. 

  • Fast 90 Prozent der PatientInnen mit einem Magenkarzinom hatten zuvor eine Infektion mit diesem Bakterium. 

Auch in der komplexen Darmwelt des Menschen, der Mikrobiota, wird die Ursache für Krebserkrankungen vermutet. 

Seit letztem Donnerstag trafen sich in Innsbruck internationale Top-ForscherInnen, um über die aktuellsten Erkenntnisse und Therapien zu diskutieren. 
 
Als der Helicobacter-Keim in den 1980iger Jahren per Zufall entdeckt wurde, ging die Fachwelt noch davon aus, dass im sauren Milieu der Magenschleimhaut keine Bakterien wachsen können.

Der Pathologe Robin Warren und der medizinische Registrator Barry Marshall, beide forschten in Australien, erhielten 2005 den Nobelpreis für ihre überraschende Entdeckung von „Helicobacter pylori“. Pioniere auf diesem Gebiet gründeten 1987 in Europa eine renommierte Studiengruppe zur Erforschung des Erregers, die bis heute besteht. Seit 2018 ist Herbert Tilg, Direktor der Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Vorsitzender der „Europäischen Helicobacter und Mikrobiota Studiengruppe“ (EHMSG). Tilg ist derzeit der einzige Experte aus Österreich im Vorstand der EHMSG. Auf Grund der rasanten Forschungsergebnisse zur Keimwelt des Darms, hat sich das Forschungsziel der renommierten Vereinigung mittlerweile um das Themengebiet Mikrobiota erweitert. Jährlich findet ein Treffen statt, bei dem sich internationale Top-ExpertInnen über neue Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten austauschen. Dieses Meeting mit 500 bis 600 TeilnehmerInnen aus aller Welt fand vom 5. bis 7. September erstmals in Innsbruck statt.

Helicobacter-Therapie: Massiver Rückgang von Magengeschwüren

Für die meisten Menschen ist eine Helicobacter-Infektion harmlos.

Nur bei einem aus sechs Betroffenen kommt es in der Folge zu einer Magenerkrankung wie einer Entzündung, einem Geschwür oder Krebs. 

Die Übertragung folgt von Mensch zu Mensch.

 „Der gesteigerte Hygienestandard hat hierbei in den letzten Jahrzehnten zu einem Rückgang der Infektionsrate geführt. Auch die Behandlungsmöglichkeiten sind sehr gut, es gibt daher wesentlich weniger Magengeschwüre, die noch durch diesen Erreger verursacht sind“, erklärt Herbert Tilg. Die Behandlung der Infektion erfolgt mit mehreren Antibiotika. „Dabei stellt die Bildung von Resistenzen derzeit eine der größten Herausforderung dar“, sagt Tilg. Mehrere Vorträge beim EHMSG-Meeting in Innsbruck beschäftigten sich daher mit diesem Thema. Auch der Forschungsbedarf ist noch sehr groß. „Wir können noch nicht vorhersagen, wer nach einer Helicobacter-Infektion erkrankt und wer nicht.“

  • Dabei ist diese Erkenntnis sehr wichtig, denn fast 90 Prozent der PatientInnen mit einem Magen-Karzinom hatten zuvor eine Helicobacter-Infektion.

Mikrobiota: Welche Rolle spielt die Keimwelt bei Krebserkrankungen?

Jeder Mensch hat rund ein Kilogramm an Keimen in seinem Darm. „Die Erforschung der Mikrobiota ist weltweit eines der wichtigsten Forschungsthemen. Es gibt zunehmend Hinweise, dass die gastrointestinale Mikrobiota auch bei verschiedenen Krebsformen im Verdauungstrakt, eine Rolle spielt“, sagt Herbert Tilg. Weitere Forschungsergebnisse dazu tragen dazu bei, dass Krebserkrankungen der Speiseröhre, des Magen oder Dickdarms zukünftig besser therapiebar werden könnten.

Stuhltransplantationen bei Diabetes, Lebererkrankung und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Bei der Stuhltransplantation wird möglichst frischer Stuhl eines gesunden Menschen mit Kochsalzlösung erst verdünnt und dann gefiltert, um grobe Anteile zu entfernen und dann im Rahmen einer Darmspiegelung in den Verdauungstrakt eingebracht.

„Wir haben hier die Hoffnung, dass wir zukünftig mit dieser Methode vielen Betroffenen helfen können. Nach neuesten Erkenntnissen könnten Patientinnen und Patienten mit Diabetes, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und mit Lebererkrankungen profitieren. Das ist ein aktuell sehr stark diskutiertes Thema in der Fachwelt, daher beschäftigten sich sehr viele der Vorträge bei unserem Meeting in Innsbruck mit Stuhltransplantationen.“

Derzeit wird diese Behandlungsmethode bereits bei einigen wenigen Darmerkrankungen erfolgreich angewendet. „Allerdings müssen wir noch besser verstehen, warum die Behandlung erfolgreich ist, bevor sie bei weiteren Erkrankungen eingesetzt werden kann“, sagt der Experte.

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Univ.-Prof. Dr. Herbert Tilg
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Delirvermeidung - lebensbedrohliche akute Psychose

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Organisierte Menschlichkeit hilft heilen

Vorbildliche Initiative zur Vermeidung von Deliren mit dem Deutschen Patientenpreis ausgezeichnet 
 
„Ehrenamtliche Patientenbegleiter zur Delirvermeidung“ heißt die Initiative, die am Montag (2. September) im Rahmen der 8. Jahrestagung des House of Pharma & Healthcare mit dem Deutschen Patientenpreis 2019 ausgezeichnet wurde. Der gemeinsam mit der Zeitschrift ZEIT Doctor ausgelobte Preis wurde zum zweiten Mal verliehen. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und belohnt in diesem Jahr die beste Innovation zur Förderung der Gesundheitskompetenz. Das preisgekrönte Projekt ist von Prof. Axel Prokop und seinem Team am Zentrum Alterstraumatologie der Kliniken Sindelfingen ins Leben gerufen worden. „Es zeigt beispielhaft, wie menschliche Zuwendung organisiert werden kann, die die Selbstheilungskräfte älterer Patienten stärkt“, sagte Prof. Jochen Maas, Vizepräsident des House of Pharma & Healthare und Mitglied der Jury. „Wir wünschen uns, dass sich viele Krankenhäuser an diesem Vorbild orientieren.“
  • Das Delir ist eine lebensbedrohliche akute Psychose, die auf unfallchirurgisch-orthopädischen Stationen als die häufigste Komplikation bei der Behandlung von über 70-jährigen Patienten gefürchtet wird. 
  • Bis zu einem Viertel dieser Patienten ist davon betroffen, jeder Fünfte davon verstirbt daran. 
  • Je mehr Zuwendung alte Menschen im Krankenhaus erfahren, desto geringer ist jedoch ihr Delir-Risiko. 

Von diesem bekannten Befund ausgehend, baute Prof. Prokop in Sindelfingen ein Team ehrenamtlicher Laienhelfer auf, die bestimmte Patienten einem strukturierten Besuchsplan folgend täglich jeweils eine Stunde betreuen. Diese Helfer werden von der Klinik geschult, dokumentieren ihre Arbeit schriftlich und tauschen sich regelmäßig in Teamsitzungen aus.

Die unentgeltlich arbeitenden Helfer begleiten die Patienten bei der Mobilisation, lesen ihnen vor, unterhalten sich mit ihnen oder hören ihnen einfach nur zu und vermitteln somit ein Gefühl von Rückhalt und Geborgenheit. Zu einer medizinischen Behandlung sind sie nicht befugt.

Das am 1. Juli 2017 begonnene Projekt wurde inzwischen auf 14 Stationen in vier Krankenhäusern des Klinikverbundes Südwest ausgedehnt. Das Interesse an dem Ehrenamt ist groß: 75 Begleiter haben bis zum 1. Mai 2019 schon 4.031 Patienten betreut. Mit bemerkenswertem Erfolg: Keiner der betreuten Patienten erlitt während seines Krankenhausaufenthaltes ein Delir. Ohne Betreuung wären es nach Schätzung der Projektverantwortlichen mindestens 450 gewesen.

Das House of Pharma & Healthcare verfolgt das Ziel, den Pharma-Kompetenzcluster Hessen weiterzuentwickeln und die Innovationslücke in der Arzneimittelentwicklung zu schließen. Zu diesem Zweck fördert es die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren der Gesundheits- und Pharmabranche in Deutschland und bietet ihnen eine neutrale Diskussionsplattform. Es wird geleitet von Professor Manfred Schubert-Zsilavecz (Goethe-Universität) und Prof. Jochen Maas (Sanofi).


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Angiovac“-System

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Der "Staubsauger fürs Herz"

Mithilfe eines neuen Verfahrens kann am DHZB ein junger Mann aus Essen erfolgreich behandelt werden, der nach einer schweren Lungenembolie kaum noch Überlebenschancen hatte.

Marlin Koth (rechts) und Prof. Dr. med. Christoph Starck
Marlin Koth (rechts) und Prof. Dr. med. Christoph Starck
© Deutsches Herzzentrum Berlin
 
Marlin Koth kommt im November 1991 mit mehreren schweren Herzfehlern zur Welt.


Kinderherzchirurgen müssen ihm einen sogenannten „Fontankreislauf“ schaffen.

Dabei hat das Herz nur eine Kammer. Sie pumpt sauerstoffreiches Blut aus der Lunge in den Körper. Der Lungenkreislauf – also der Weg des sauerstoffarmen venösen Bluts aus dem Körper hin zur Lunge und zurück zum Herzen – muss ohne Herzpumpe auskommen.

Marlin Koth kann dennoch weitgehend normal aufwachsen. Bis zu einem Alter von 17 Jahren spielt er sogar Fußball im Verein. Seine körperliche Leistungsfähigkeit lässt zwar nach, aber es geht ihm gut.

Am 27. Juli muss Marlin Koth am Blinddarm operiert werden. Der unkomplizierte Eingriff im Uniklinikum Essen verläuft ohne Probleme. Doch drei Tage später bricht Marlin Koth im Bad seines Krankenzimmers bewusstlos zusammen.

Den Ärzten ist sehr schnell klar, wie schlecht es um ihren Patienten steht. Denn Marlin Koth hat eine schwere Lungenembolie erlitten. Dabei verstopft ein Blutpropfen (Thrombus) die Blutgefäße hin zur Lunge. In Marlin Koths Fall wirkt sich die Lungenembolie wegen seines Herzfehlers besonders drastisch aus.

Die Mediziner am Essener Uniklinikum schließen Marlin Koth sofort an eine ECMO an, eine künstliche Lunge. Die unmittelbare Lebensgefahr ist damit zwar gebannt. Doch die Ärzte wissen auch, dass sie nicht mehr für ihren Patienten tun können und nehmen Kontakt mit dem Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) auf.

Noch am selben Tag wird Marlin Koth – weiterhin angeschlossen an die ECMO – mit dem Hubschrauber in die Hauptstadt geflogen. Im DHZB erwartet ihn der leitende Oberarzt der Herzchirurgie, Professor Christoph Starck, mit einem Team aus Intensivmedizinern und Spezialisten für Angeborene Herzfehler.

Zunächst versuchen die Ärzte, die Thromben mit Medikamenten zumindest zu verkleinern. Der Versuch scheitert: Der Thrombus zerfällt zwar in mehrere Teile, blockiert aber weiterhin die Blutgefäße. Bei anderen Patienten bestünde nun die Möglichkeit, die Gerinnsel operativ zu entfernen. Doch das DHZB-Team muss auch diese Option verwerfen: „Angesichts des Zustands unseres Patienten und seiner vielen Voroperationen im Kindesalter wäre das Risiko definitiv zu hoch gewesen“, erläutert Herzchirurg Christoph Starck.

Damit bleibt nur noch eine Möglichkeit, den jungen Mann zu retten: Das sogenannte „– eine Art „Staubsauger fürs Herz“.

Dabei wird über einen wenige Zentimeter großen Schnitt am Hals oder in der Leiste ein mit einer Absaugpumpe verbundener Schlauch über die Blutgefäße unter Röntgen- und Ultraschallkontrolle bis dicht an die Gerinnsel herangeführt. Das Ende des Schlauchs wird dann zu einem Trichter aufgespannt und die Pumpe wird aktiviert. So werden die Thromben abgesaugt und ausgefiltert, das Blut wird wieder dem Körperkreislauf zugeführt.

Das Deutsche Herzzentrum Berlin hat das System aus den USA als eine der ersten Kliniken in Deutschland eingesetzt und verfügt inzwischen mit fast 100 Eingriffen auch europaweit über die meiste Erfahrung mit dem neuen Verfahren. Doch auch diese Variante kommt für Marlin Koth zunächst nicht in Frage. Denn der Thrombus liegt in einem Abschnitt einer Lungenarterie, den die Ärzte mit dem Saugtrichter nicht erreichen können.

Den Medizinern bleibt nun nur die Hoffnung, dass sich die Lage der Gerinnsel noch ändern könnte. Immer wieder wird Marlin Koth im Computertomographen untersucht. Und endlich tritt ein, worauf der Patient, seine Eltern und die Ärzte kaum zu hoffen gewagt hatten: Die Blutgerinnsel sind gewandert. Der Eingriff erscheint nun möglich.

Am Morgen des 7. August wird Marlin Koth in OP 8 gebracht. Der Eingriff mag für den Laien zwar simpel klingen. Doch Christoph Starck und sein Kollege, Herzchirurg Dr. Axel Unbehaun, wissen, dass angesichts Marlin Koths schlechten Zustands und seinen Vor-Operationen jederzeit Komplikationen auftreten können. Und dann bleibt nur noch eine Notoperation am offenen Herzen. Alle im OP sind darauf vorbereitet.

Über einen Einschnitt am Hals führen die Chirurgen den Saugschlauch so dicht wie möglich an den Thrombus heran und aktivieren die Saugfunktion. Doch zunächst geschieht nichts. Das Blutgerinnsel sitzt zu fest.

Über einen weiteren Katheter versucht Christoph Starck deshalb, den Thrombus mit feinen Drahtschlingen zu greifen. Als auch dies erfolglos bleibt, wendet der Operateur einen außergewöhnlichen Trick an: Er drückt einen dünnen Katheter mit einem zusammengefalteten Ballon an der Spitze vorsichtig am Thrombus vorbei. Hinter dem Blutgerinnsel wird der Ballon aufgepumpt. Nun können die Chirurgen den Blutpfropfen Millimeter für Millimeter an den Saugtrichter heranziehen.

Sie wissen, dass diese Phase der OP noch einmal besonders heikel ist. Denn nicht weit vom „Herz-Sauger“ liegt die Kanüle, die das Blut zur künstlichen Lunge, der ECMO, hin absaugt. Geriete der Thrombus in diese Maschine, hätte das für Marlin Koth womöglich fatale Folgen. Die Chirurgen fahren die Leistung der künstlichen Lunge also zurück, soweit es geht, ohne ihren Patienten zu gefährden. Gleichzeitig maximieren sie die Leistung des „Angiovac“. Und dann geht alles sehr schnell. Das System saugt mehrere, zusammen rund vier Zentimeter dicke Blutgerinnsel aus Marlin Koths Lungenarterie ab.

  • Das Gefäß ist damit wieder frei. 
  • Die Lunge wird wieder durchblutet. 
  • Eine knappe Woche später wird Marlin Koth zurückverlegt ins Essener Uniklinikum, wo er noch einige Zeit zur Überwachung bleiben muss.

Inzwischen ist Marlin Koth wieder zu Hause. Er hofft nun, seine Umschulung zum Automobilkaufmann wieder aufzunehmen. Und darauf, mal wieder nach Berlin zu reisen – diesmal aber unter weniger dramatischen Umständen.

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Christian Maier Deutsches Herzzentrum Berlin

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Lebensbedrohlichen Herz-Rhythmus-Störungen https://smart-mi.dzhk.de/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: EKG-Verfahren zeigt, wem implantierte Defibrillatoren wirklich helfen

Implantierbare Defibrillatoren können Leben retten, bergen aber auch Risiken. 

Das EKG-Verfahren „Periodic Repolarization Dynamics“ kann helfen, die Patienten zu identifizieren, die am ehesten von einer Implantation profitieren. 

Das zeigt eine große europäische Studie eines Teams um drei Forscher der Technischen Universität München (TUM), der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), und der Universitätsmedizin Göttingen, die im Fachmagazin „The Lancet“ erschienen ist. 
 
Bei lebensbedrohlichen Herz-Rhythmus-Störungen kann ein starker elektrischer Impuls den Herzmuskel wieder in den richtigen Takt bringen.

Genau das ist die Aufgabe von Defibrillatoren, die wie Herzschrittmacher in den Brustkorb eingesetzt werden.

Die aktuellen ärztlichen Leitlinien sehen vor, dass diese Geräte bei bestimmten Herzerkrankungen vorbeugend eingesetzt werden.

In der EU geschieht das jährlich mehr als 100.000-mal.

Das bedeutet nicht nur hohe Kosten für das Gesundheitssystem, die Geräte stellen auch ein Risiko dar: Schätzungen zufolge kommt es bei jedem vierten eingesetzten Defibrillator innerhalb von zehn Jahren zu erheblichen Komplikationen – von Infektionen bis hin zu spontanen Stromschlägen.

Die Großstudie EU-CERT-ICD hat daher europaweit den Nutzen von prophylaktisch implantierten Defibrillatoren untersucht. 

Ein wesentliches Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Erstautor Prof. Axel Bauer (ehemals LMU und aktuell Medizinische Universität Innsbruck) und die beiden Letztautoren Prof. Georg Schmidt (TUM) und Prof. Markus Zabel (Universitätsmedizin Göttingen) war es in einer Substudie des EU-CERT-ICD Projekts, Patienten zu identifizieren, die von der OP besonders profitieren.

PRD: ein Indikator der elektrischen Instabilität des Herzens

  • Bei jedem Herzschlag wird das Herz natürlicherweise elektrisch erregt und die Erregung anschließend wieder zurückgebildet. 
  • Bei Herzschwäche kommt es häufig zu einer Überaktivität des Sympathikus, eines Teils des autonomen Nervensystems, der unter anderem in Stresssituationen aktiv ist. 

Dadurch kann sich die Erregungsrückbildung des Herzens destabilisieren.

Ist dies der Fall, steigt das Risiko für bösartige Herzrhythmusstörungen dramatisch an. Diese gefährlichen Instabilitäten der Erregungsrückbildung können nun mit einem relativ neuen EKG-Verfahren, der sog. „Periodic Repolarization Dynamics“ (PRD), erkannt werden. „Obwohl hinter dem Verfahren intelligente Algorithmen stecken, ist die Messung doch vergleichsweise einfach“, erläutert Axel Bauer, der zusammen mit Georg Schmidt die Methode entwickelt und validiert hat.

In ihrer prospektiven Studie begleiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 1371 Patientinnen und Patienten, die die aktuellen Kriterien für den Einsatz eines Defibrillators erfüllten. 968 wurden tatsächlich operiert, bei 403 entschieden sich die behandelnden Ärztinnen und Ärzte gegen einen Defibrillator.

Hoher PRD-Wert: ein Indikator für den Nutzen eines implantierbaren Defibrillators

Insgesamt reduzierte die vorbeugende Implantation eines Defibrillators das Risiko, innerhalb der folgenden vier Jahre zu sterben um 43 Prozent. 

Patienten mit einem PRD-Wert größer oder gleich 7,5 Grad profitierten deutlich mehr, ihr Sterberisiko wurde um 75 Prozent reduziert. 

Lag der PRD-Wert unter 7,5 Grad, wurde die Sterberisiko nur um 31 Prozent reduziert.

„PRD könnte zu einer wichtigen Entscheidungshilfe für Ärztinnen und Ärzte werden“, sagt Georg Schmidt, Leiter der Arbeitsgruppe Biosignalverarbeitung am Klinikum rechts der Isar der TUM. „Durch die zusätzliche Information könnten wir Menschen, die von einem Defibrillator wahrscheinlich nicht profitieren werden, das Risiko eines Implantats ersparen.

Stattdessen können wir uns auf diejenigen konzentrieren, deren Leben durch das Gerät mit großer Wahrscheinlichkeit verlängert wird.“

Allerdings müssen die Ergebnisse erst in weiteren Studien bestätigt werden, bevor sie Eingang in medizinische Leitlinien finden können.

 „Wichtig wäre unter anderem eine Untersuchung über einen längeren Zeitraum“, sagt Markus Zabel, Leiter der EU-CERT-Gesamtstudie.

Mehr Informationen:
Für die Studie EU-CERT-ICD (kurz für European Comparative Effectiveness Research to Assess the Use of Primary Prophylactic Implantable Cardioverter Defibrillators) wurden seit 2014 Patientinnen und Patienten in 44 Zentren in 15 EU-Staaten untersucht.

Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: Studiendetails  

Die Studie wurde durch die Europäische Union finanziert.

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Prof. Dr. Georg Schmidt
Technische Universität München
Klinikum rechts der Isar
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, Kardiologie
Tel: +49 89 4140 7979
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Univ.-Prof. Dr. Axel Bauer
Medizinische Universität Innsbruck
Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin III - Kardiologie und Angiologie,
Tel. +43 512 504-25621
axel.bauer@tirol-kliniken.at

Prof. Dr. Markus Zabel
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Leiter des Schwerpunkts Klinische Elektrophysiologie
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Dr. Ulrich Marsch
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E-Mail-Adresse: presse@tum.de

Originalpublikation:
A. Bauer, M. Klemm, KD. Rizas, W. Hamm, L. v. Stülpnagel, M. Dommasch, A. Steger, A. Lubinski, P. Flevari, M. Harden, T. Friede, S. Kääb, B. Merkely, C. Sticherling, R. Willems, H. Huikuri, M. Malik, G. Schmidt, M. Zabel, and the EU-CERT-ICD investigators. "Prediction of mortality benefit based on periodic repolarisation dynamics in patients undergoing prophylactic implantation of a defibrillator: a prospective, controlled, multicentre cohort study ". The Lancet (2019). DOI: 10.1016/S0140-6736(19)31996-8
https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(19)31996-8/fullt...

Die Zentrale Schlafapnoe - mittelschwerer bis schwerer

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schrittmacher-Therapie für Patienten mit Schlafstörungen

Eine aktuelle Langzeit-Studie belegt nun nachhaltige Behandlungsvorteile bei zentraler Schlafapnoe 

PD Dr. Henrik Fox, Kardiologe am HDZ NRW, Bad Oeynhausen
PD Dr. Henrik Fox, Kardiologe am HDZ NRW, Bad Oeynhausen
(Foto: Armin Kühn).
 
  • Die zentrale Schlafapnoe ist eine schwerwiegende Erkrankung, welche vornehmlich als nächtliche Atmungsstörung in Erscheinung tritt und das normale Atmungsmuster während des Schlafs stört, aber dabei auch Herzfunktion und Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigen kann. 

Hier kann ein neuartiger Schrittmacher helfen, der Stimulationsimpulse an den Zwerchfellnerv abgibt und so das Auftreten der Aussetzer der Atemmuskulatur überbrücken kann. 


Das belegt nun eine weltweit durchgeführte Patientenstudie, in der die Langzeittherapieergebnisse über 36 Monate mit dieser neuartigen Behandlungsmethode des derzeit einzigen implantierbaren Geräts zur Behandlung von zentralen Atmungsstörungen (Typ Remedé, Hersteller Respicardia, USA), unter federführender Mitwirkung der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie unter der Leitung von Prof. Dr. Volker Rudolph am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, in der Fachzeitschrift SLEEP veröffentlicht wurde.  

Am HDZ NRW besteht mit dieser Technologie bereits eine jahrelange Erfahrung und zählt weltweit zu den Einrichtungen mit den meisten durchgeführten Implantationen.

„Bei 500 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer zentraler Schlafapnoe konnte in der Studie eine anhaltende Verbesserung der Schlafmetriken nachgewiesen werden“, erläutert Oberarzt PD Dr. Henrik Fox als Autor der erschienenen wissenschaftlichen Publikation. Die Ergebnisse zeigen insbesondere eine Langzeitsicherheit in der Anwendung der Stimulationstherapie auf das Zwerchfell, die nach 36-monatiger Therapie nun nachhaltig bestätigt werden konnte.

Das Remedē-System hatte im Oktober 2017 die Zulassung der US-amerikanischen Behörden erhalten.

Für Europa besteht die CE Zertifizierung.

Bereits vier Jahre zuvor hatte eine erste internationale multizentrische Pilot-Studie, an der ebenfalls die Bad Oeynhausener Kardiologen maßgeblich beteiligt waren, auf das bahnbrechende implantierbare System aufmerksam gemacht, das die schädlichen Auswirkungen der zentralen Schlafapnoe durch Wiederherstellung eines normaleren Atmungsmusters während des Schlafs behandelt.

„Sehr häufig sind hierbei Patienten betroffen, die unter einer Herzschwäche leiden“, betont PD Dr. Fox. „Aus medizinischer Sicht kann eine solche Behandlung empfohlen werden, wenn eine klassische Maskentherapie nicht zum erwünschten Ziel führt, da die permanenten Unterbrechungen des Tiefschlafs durch Atempausen ein Absinken des Sauerstoffgehalts im Blut verursachen. Das kann die Herzfunktion und die Lebensqualität von Herzpatienten beeinträchtigen.“

Eine weitere große klinische Beobachtungsstudie, in der 500 Patienten in Europa und den USA untersucht werden sollen, soll nun auch Verbesserungen der typischen Symptome einer Schlafapnoe, wie Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwäche und Einschlafneigung, aber auch Auswirkungen auf die Lebensqualität und auf Herzinsuffizienz-Parameter erfassen.

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen mit 35.000 Patienten pro Jahr, davon 14.000 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa.

Die Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie des HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Volker Rudolph ist spezialisiert auf die Behandlung der Koronaren Herzkrankheit, Herzklappenfehler, Herzmuskelerkrankungen und entzündliche Herzerkrankungen. In der Klinik werden jährlich mehr als 5.000 kathetergestützte Verfahren durchgeführt. Modernste diagnostische und bildgebende Verfahren, ein Schlaflabor sowie alle modernen Kathetertechniken sichern die bestmögliche und schonende medizinische Versorgung der Patienten. Die Klinik ist Europäisches und Nationales Exzellenz-Zentrum zur Bluthochdruckbehandlung, anerkanntes Brustschmerzzentrum (CPU – Chest Pain Unit) sowie als überregionales Zentrum zur Versorgung Erwachsener mit angeborenem Herzfehler (EMAH) zertifiziert.


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PD Dr. med. Henrik Fox
Herz- und Diabeteszentrum NRW
Bad Oeynhausen
hfox@hdz-nrw.de

Originalpublikation:
Henrik Fox et al, Long-term efficacy and safety of phrenic nerve stimulation for the treatment of central sleep apnea, Sleep 2019.

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Medizin am Abend Berlin - MaAB-TEAM zur Fortbildung VOR ORT

Medizin am Abend Berlin Fazit: 

































Sexuellen Missbrauchs- oder Gewaltdeliktes verurteilt

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Weibliche und männliche Sexualstraftäter unterscheiden sich

Studie der Universität Tübingen untersucht erstmals Sexualkriminalität von Frauen 
 
  • Weibliche und männliche Sexualstraftäter unterscheiden sich in ihrem Tatvorgehen und der Wahl ihrer Opfer. 
  • So stellte eine Studie über Sexualstraftäterinnen beispielsweise fest, dass diese häufig gemeinsam mit Männern Taten begehen, ohne dass es zu Körperkontakt zwischen Opfer und Täterin kommt. 

Die Juristin Dr. Ulrike Hunger hat in einer am Institut für Kriminologie (IFK) der Universität Tübingen entstandenen Untersuchung Strafakten von 104 Täterinnen analysiert, die aufgrund eines sexuellen Missbrauchs- oder Gewaltdeliktes verurteilt wurden. Sie verglich diese mit einer männlichen Gruppe von 98 sexuellen Missbrauchs- und Gewalttätern. Es ist die erste Studie, die sich in Deutschland mit der Gruppe der verurteilten Sexualstraftäterinnen auseinandersetzt. Die Arbeit ist im Duncker & Humblot Verlag erschienen.

Die Erkenntnisse können helfen, individuelle Therapiekonzepte zu entwickeln.

Bei sexuellen Missbrauchsdelikten werden Machtverhältnisse ausgenutzt, dazu zählt zum Beispiel der sexuelle Missbrauch von Kindern.

  • Dagegen wird bei sexuellen Gewaltdelikten Gewalt angewendet oder angedroht, um sexuelle Handlungen zu erzwingen. 
  • Darunter fallen die sexuelle Nötigung sowie die Vergewaltigung.

Ulrike Hunger fand in ihrer kriminologischen Studie „Verurteilte Sexualstraftäterinnen – eine Analyse sexueller Missbrauchs- und Gewaltdelikte“ deutliche Unterschiede, was die Sexualkriminalität von Männern und Frauen betrifft: So waren bei mehr als der Hälfte der Täterinnen, die wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurden, an den Straftaten Mittäter beteiligt – 95 Prozent davon waren Männer.

Als Motive nannten die Frauen die sexuelle Befriedigung der Mittäter, ihre Liebesbeziehung zu diesen sowie das eigene Bedürfnis nach Nähe. 

Typischerweise kam es bei vielen Taten nicht zu Körperkontakt zwischen den Täterinnen und ihren Opfern.

Charakteristisch für die Frauen war zudem, dass sie gleichermaßen männliche und weibliche Opfer missbrauchten und ein großer Anteil der Geschädigten mit ihnen verwandt waren.

Die Männer der Vergleichsgruppe hingegen verübten die Missbrauchstaten fast alle alleine und hauptsächlich zur eigenen sexuellen Befriedigung.  

Als Opfer wählten sie größtenteils weibliche Betroffen aus, wobei sie kaum verwandte Opfer missbrauchten, fasst die Studienautorin zusammen.

Auch in der Gruppe der sexuellen Gewalttäterinnen waren typischerweise bei fast allen Taten weitere Personen beteiligt. Die Täterinnen hatten selbst oftmals keinen Körperkontakt zu ihrem Opfer, sondern forderten zu sexuellen Handlungen auf oder sahen dabei zu. Als Hauptbeweggründe nannten sie die Angst, vom Mittäter verlassen oder körperlich misshandelt zu werden. Über drei Viertel der Opfer waren weiblich. Sämtliche Opfer waren mit den Frauen bekannt oder verwandt ‒ bei sexuellen Gewalttaten von Männern hingegen kannten sich Täter und Opfer in etwa einem Drittel der Fälle vor der Tat nicht. Die Männer präferierten fast ausschließlich weibliche Opfer.

Die Juristin verglich unter anderem die demographischen Merkmale der Täterinnen, ihren familiären Hintergrund, Geschlecht und Alter der Opfer, die an der Tat Mitwirkenden, die Tathandlung und die Urteile.

Danach waren in der Gruppe der sexuellen Missbrauchsdelikte die Täterinnen durchschnittlich 33 Jahre alt.

Das Durchschnittsalter der Opfer lag bei nur zwölf Jahren.  

Die Männer hingegen waren durchschnittlich 37 Jahre alt. 

Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern waren hohe Bildungsabschlüsse selten, etwa dreiviertel beider Tätergruppen lebten in Partnerschaften und hatten eigene Kinder.

  • In der Gruppe der sexuellen Gewaltdelikte waren die Täterinnen mit durchschnittlich 23 Jahren deutlich jünger, viele waren zur Tatzeit noch Jugendliche. 
  • Die Opfer waren durchschnittlich 22 Jahre alt. 
  • In der männlichen Vergleichsgruppe hingegen waren die Täter älter, ihr Durchschnittsalter lag bei 39 Jahren. 
  • Die Geschädigten waren durchschnittlich 25 Jahre alt.

Den empirischen Hintergrund bildete eine Aktenanalyse zu 104 Täterinnen, die von 2003 bis 2012 in Bayern und Baden-Württemberg wegen eines sexuellen Missbrauchs- oder Gewaltdeliktes verurteilt wurden. Die männliche Vergleichsgruppe setzte sich aus 98 sexuellen Missbrauchs- und Gewalttätern aus den gleichen Bundesländern und demselben Zeitraum zusammen.

Frauen, die Sexualstraftaten begehen, sind zwar in Statistiken immer noch ein seltenes Phänomen, geraten aber immer mehr in den Blick der Öffentlichkeit.

Über den „Staufener Missbrauchsfall“ wurde viel berichtet:

Die Täterin wurde zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. „In dieser Studie liegt zum ersten Mal der Fokus auf der kleinen Gruppe der Sexualstraftäterinnen, die sich durch ganz eigene Täter-, Opfer- und Tatmerkmale auszeichnet“, sagt Hunger. „Die Erkenntnisse über die Täterinnen können für die Prävention hilfreich sein, indem auf dieses Thema aufmerksam gemacht wird. Außerdem lassen sich mit Hilfe der Ergebnisse individuelle Therapiekonzepte entwerfen“.

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Dr. Ulrike Hunger
Universität Tübingen
Juristische Fakultät
Telefon +49 7071 29-72931 (Sekretariat)
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Wilhelmstr. 5
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Alisa Koch
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Originalpublikation:
Ulrike Hunger: Verurteilte Sexualstraftäterinnen – eine empirische Analyse sexueller Missbrauchs- und Gewaltdelikte, Duncker & Humblot Berlin, 2019.

Die Umsetzung von Infektionsprophylaxe-Maßnahmen für Personen in Haft

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Ansteckungsraten in Gefängnissen können reduziert werden!

HIV/AIDS und Hepatitiden eindämmen: Forschungsteilprojekt der Frankfurt UAS untersuchte Ansätze zur Schadensminimierung bei Gefangenen in Europa,

 
  • Infektionskrankheiten sind unter Gefangenen überrepräsentativ häufig verbreitet. 

Gefängnisse gelten als Katalysatoren für die Übertragung von HIV/AIDS und Hepatitis B/C. 

Oft geht dieses Problem mit der Drogenabhängigkeit der Gefangenen einher. Deshalb untersuchte Prof. Dr. Heino Stöver, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Suchtforschung (ISFF) der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), mit seinem Team Ansätze der Schadensminimierung (Harm Reduction) in Gefängnissen. Das Forschungsteilprojekt „Harm reduction and continuity of care in prisons“ des ISFF war eines von acht Arbeitspaketen des Projekts „The Joint Action on HIV and Co-infection Prevention and Harm Reduction (HA-REACT)“ der Europäischen Union. „Die Projektergebnisse werden von vielen Justizministerien, Gefängnisbehörden und Nicht-Regierungsorganisationen für eine Reform der gesundheitlichen Versorgungsstrukturen von Gefangenen genutzt“, freut sich Projektleiter Stöver.

Stöver erklärt, warum Harm Reduction – allgemein und insbesondere in Gefängnissen – ein zentraler Ansatz ist, wie folgt: „Harm Reduction ist der pragmatischste Ansatz gerade im Bereich der Drogenabhängigkeit, weil dieses Verhalten nicht über Nacht verändert werden bzw. aufgegeben werden kann. Bis zur Aufgabe des Verhaltens braucht es Zeit und bis dahin muss der Mensch ohne weitere gesundheitliche Schäden überleben können.

Deshalb haben wir State-of-the-art-Methoden der HIV/AIDS- und Hepatitis B/C-Prävention auf die Gefängnissen übertragen und dort etabliert.“ Eine Situationsanalyse der einzelnen Länder der EU hat gezeigt, dass es erhebliche Unterschiede in der Versorgung gibt. Diese großen Unterschiede haben uns die Handlungsbedarfe aufgezeigt. Einzelne Präventionsprojekte wurden entwickelt und getestet, die wiederum auf andere EU-Länder übertragen werden können. So ist beispielweise die Kondomvergabe via Automaten in tschechischen Gefängnissen auf andere Anstalten übertragen worden. Zudem erfolgte eine Best-Practice-Sammlung auf einer eigenen Website (http://www.harmreduction.eu), die die einzelnen Strategien erläutert. Zu den Hintergründen für das Initiieren des Projekts erläutert Stöver: „Unser Projekt war Teil eines JOINT ACTION-Projekts der EU-Kommission. Solche Programme werden immer dann bei (Gesundheits-)Problemen aufgelegt, wenn kurzfristig und schnell Lösungen für ein Problem generiert werden sollen.“

Die Umsetzung von Infektionsprophylaxe-Maßnahmen für Personen in Haft umfasste neben der Kondomvergabe via Automaten beispielsweise die Weiterentwicklung der Opioid-Substitutionsbehandlung in polnischen Gefängnissen, die detaillierte Diskussion über die notwendige Einführung der Vergabe steriler Einwegspritzen in Europa inklusive der Entwicklung von Ideen wie mögliche Widerstände gegen diese Maßnahme überwunden werden können, die Entwicklung von E-Learning-Tools für schadensminimierende Ansätze, die Gefängnisangestellten als Lerntools dienen können, und schließlich die Entwicklung von lebensweltnahen und zielgruppenspezifischen Informationsmaterialien sowohl für die Gefangenen als auch für diejenigen, die mit den Gefangenen arbeiten. „Insgesamt hat sich in Begleitstudien gezeigt, dass die entwickelten Maßnahmen auf eine große Resonanz stoßen und die Materialien umfassend genutzt werden“, so Stöver.

Das Tool sowie die Infomaterialien stehen unter http://www.harmreduction.eu bereit.

Weitere Informationen zum Institut für Suchtforschung unter:

 http://www.frankfurt-university.de/isff; mehr zum Projekt HA-REACT auf 

http://www.hareact.eu/en. 

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