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Gesundheit mit System: Kopfphase: Produktion der Magensäure

Medizin am Abend Berlin Fazit: Gut vorbereitet ist halb verdaut

Schon vor dem ersten Bissen werden Verdauungsprozesse unseres Körpers aktiviert. 

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung in Köln zeigen, wie bereits die Wahrnehmung von Nahrung Neuronen im Gehirn aktiviert, die die Leber für die Verdauung vorbereiten. 
 
  • Um aufgenommene Nahrung effizient zu verarbeiten, beginnt der Körper mit der Verdauung bereits bei der Wahrnehmung der Nahrung. 
  • In der sogenannten Kopfphase wird unter anderem die Produktion der Magensäure angekurbelt, um ankommende Nahrung direkt verdauen zu können. 

Aber nicht nur der Magen-Darm-Trakt ist für die Verdauung und die Aufnahme der Nährstoffe wichtig.

Claus Brandt und seine Kollegen aus der Arbeitsgruppe des Max-Planck Direktors Jens Brüning konnten nun zeigen, dass während dieser Kopfphase schon weitere Prozesse der Nahrungsverwertung angekurbelt werden.

  • Eine Gruppe Neuronen in der Hypothalamusregion des Gehirns werden alleine durch Riechen und Sehen der Nahrung aktiviert. 

Diese wiederum signalisieren der Leber, Prozesse der Nahrungsverwertung in Gang zu setzen.

  • „Der Körper reagiert nicht erst auf die Nahrung, wenn sie aufgenommen wurde, sondern bereits auf die sensorischen Signale, die mitteilen, dass sie bald ankommen wird. 

 Somit kann er eine effiziente Verstoffwechselung des Essens gewährleisten“ fasst Brandt zusammen.

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Prof. Dr. Jens Brüning
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Originalpublikation:
Claus Brandt, Hendrik Nolte, Sinika Henschke, Linda Engström Ruud, Motoharu Awazawa, Donald A. Morgan, Paula Gabel, Hans-Georg Sprenger, Martin E. Hess, Stefan Günther, Thomas Langer, Kamal Rahmouni, Henning Fenselau, Marcus Krüger, and Jens C. Brüning: Food Perception primes hepatic ER-homeostasis via Melanocortin-dependent control of mTOR-activation. Cell, 2018. DOI: 10.1016/j.cell.2018.10.015
 

Chronische Narkolepsie: Schlafkrankheit - Labor Neuropeptid Hypocretinwert

Medizin am Abend Berlin Fazit: Forscher decken Ursachen der seltenen Schlafkrankheit Narkolepsie auf

Hoffnung auf neue Behandlungsmöglichkeiten 
 
Ein Forscherteam aus der Schweiz hat mit Beteiligung von Dr. Ulf Kallweit von der Universität Witten/Herdecke (UW/H) die Ursache der chronischen Erkrankung Narkolepsie identifiziert.

Die Ergebnisse dieser Studie wurden vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

Narkolepsie ist eine seltene neurologische Erkrankung und betrifft ca. 40.000 Menschen in Deutschland. 
  • Erste Symptome treten oftmals während der Pubertät bzw. im jungen Erwachsenenalter auf, aber auch kleine Kinder können bereits betroffen sein. 
  • Hauptsymptome der Erkrankung sind eine chronische und schwere Tagesschläfrigkeit, Einschlafattacken und kataplektische Anfälle, d.h. ein durch eine Emotion ausgelöster plötzlicher Verlust der Muskelanspannung.
Zudem können neuropsychiatrische, motorische und metabolische Störungen auftreten.

 Dr. Ulf Kallweit
 Dr. Ulf Kallweit
  • Narkolepsie geht mit einer schweren Minderung der Leistungs- bzw. Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität einher.

Bisher vergehen immer noch vom Auftreten der ersten Beschwerden bis zur Diagnosestellung im Durchschnitt über zehn Jahre. 

  • Die Diagnose wird in der Regel durch die Anamnese, Schlaflaboruntersuchungen und eine Nervenwasseruntersuchung, in der der sogenannte Hypocretinwert untersucht wird, gestellt.
 
Verursacht wird Narkolepsie durch einen allmählichen Verlust von Nervenzellen im sogenannten Hypothalamus (eine bestimmten Region des Gehirns), die Hypocretin produzieren. 

Hypocretin ist ein Neuropeptid, das wesentlich für die Erhaltung von Schlaf-und Wachzuständen, aber auch relevant für das Emotions-, Ernährungs- und Belohnungsverhalten ist. 

Bisher bekannt ist, dass dafür sowohl eine bestimmte genetische Veranlagung, das Vorliegen des sogenannten HLA-Allel DQB1*0602 Haplotyps als auch Umweltfaktoren, wie bestimmte Infektionen oder einzelne Impfstoffe, gemeinsam vorliegen müssen. 

Der Mechanismus, der zu der Zerstörung der Neurone geführt hat, war bisher unbekannt.

In der aktuellen Studie verwendete die Forschungsgruppe eine innovative, aufwendige und besonders sensitive Methode, um das Repertoire der T-Zellen im Blut von Narkolepsie-Erkrankten zu untersuchen. 

Damit gelang es erstmalig, T-Lymphozyten des Untertyps CD4 (und in einigen Fällen auch solche des Untertyps CD8) zu identifizieren, die gegen Hypocretin und gegen ein anderes Protein („TRIB2“), das in Hypocretin-Neuronen exprimiert wird, reagieren. Diese T-Zellen können eine Entzündung hervorrufen, wodurch Neurone zerstört werden, oder sie können möglicherweise auch unmittelbar spezifisch die Neurone zerstören, in denen Hypocretin produziert wird.

Die Behandlung der Narkolepsie ist rein symptomatisch, eine Heilung ist bisher nicht möglich.
 

  • Neben Verhaltensmaßnahmen wie der Einplanung einer Tagesstruktur, in der auch Schlafzeiten tagsüber miteingeplant sind, zielt die medikamentöse Behandlung vor allem auf die Hauptsymptome der Erkrankung. 
  • Tagesschläfrigkeit kann durch verschiedene Stimulanzien bzw. wachfördernde Medikamente behandelt werden, andere Medikamente können die Kataplexien lindern.

Dem Ko-Erstautor der Studie und Forschungsgruppenleiter für Klinische Schlaf- und Neuroimmunologie am Institut für Immunologie der UW/H, Dr. Ulf Kallweit, waren bei der Forschung besonders die möglichen Konsequenzen für die klinische Praxis wichtig. 

Er betont, diese Studie könne dazu beitragen, dass zukünftig möglicherweise schon durch eine Blutuntersuchung auf autoreaktive T-Lymphozyten gegenüber Hypocretin die Narkolepsie einfacher und schneller diagnostizierbar sei. 

Dies würde auch dazu beitragen, früher eine Behandlung zu beginnen, zum Beispiel, um die Schule erfolgreich abzuschließen oder ein Studium durchführen zu können. 

Schlafmediziner Dr. Kallweit betont zudem die Bedeutung der Studie für neue Behandlungsmöglichkeiten.

Der Verlust der Hypocretin-produzierende Neurone bei Narkolepsie ist langsam fortschreitend und vermutlich irreversibel. 

Durch die Kenntnis der genauen Ursache, der autoreaktiven T-Zellen, können nun möglicherweise zu Beginn der Erkrankung diese Zellen unterdrückt werden, sodass dadurch dann der weitere Zelluntergang verlangsamt oder sogar gestoppt wird. 

Die Schwere der Narkolepsie oder sogar das Fortschreiten der Erkrankung insgesamt könnten dadurch beeinflusst werden. 

Kallweit: „In einem nächsten Schritt müssen nun entsprechende Therapien entwickelt werden.“

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.500 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

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Forschungsambulanz für Stress und Soziale Interaktion - Herzlich Willkommen!

Medizin am Abend Berlin Fazit: Gestresste wollen reden statt toben

Zeitdruck, Informationsflut, Streit – Stress kann viele Auslöser haben. 

Doch wie beeinflusst Stress menschliches Sozialverhalten? 

Klar ist, dass das Verhalten unter Stress von vielen verschiedenen Faktoren wie beispielsweise Alter oder Geschlecht abhängig ist. 

Medizin am Abend Berlin ZuzsatzFachThema: Pflegeplätze
  • Die Vermutung, Stress könne sozialeres Verhalten auslösen, stand bereits länger im Raum.

Nun fand eine Forschergruppe der Universitäten Trier, Heidelberg, Freiburg und Konstanz mithilfe des sogenannten Trierer Stress-Tests weitere Belege dafür. 
 
Konkret untersuchten die Psychologen, wie Frauen mit Stress umgehen.

Insgesamt nahmen 120 Studentinnen an einem Experiment teil, bei dem sie einer akuten Stresssituation oder einer nicht-stressigen Kontrollbedingung zugeteilt wurden. Währenddessen mussten sie soziale Entscheidungen treffen. Ihr Verhalten hatte für sie selbst direkte Auswirkungen, aber auch für die anderen Probandinnen.

  • Dabei hat sich gezeigt, dass die Teilnehmerinnen in der Stresssituation eher sozialen Kontakt gesucht haben als beispielsweise aggressiv zu reagieren.

„Da es sich um ein Experiment unter Laborbedingungen handelt, können wir daraus keine Eins-zu-eins-Schlüsse für das Verhalten im Alltag ziehen“, ordnet Dr. Bernadette von Dawans, Wissenschaftlerin in der Abteilung für Biologische und Klinische Psychologie an der Universität Trier, die Ergebnisse ein.

  • „Aber unsere Funde deuten darauf hin, dass gestresste Frauen zum Beispiel eher das Gespräch mit Freunden oder Familie suchen, um sich über ihre Situation auszutauschen – zumindest wenn sie die Gelegenheit dazu haben.“

Ein ähnliches Verhalten konnten die Wissenschaftler in früheren Untersuchungen bereits für Männer nachweisen.

Ein weiterer spannender Zusammenhang, den die aktuelle Studie andeutet: 
  • Frauen, die hormonell verhüten, reagieren nicht ganz so sozial auf Stress wie Frauen, die andere Verhütungsmethoden verwenden.

„Für uns als Wissenschaftler gibt es rund um Stress noch viel zu erforschen“, sagt Dr. Bernadette Dawans.

  • Aktuell untersucht sie unter anderem, wie Stress das Verhalten von Kindern beeinflusst und schult sie gleichzeitig darin mit stressigen Phasen umzugehen.


Seit einigen Monaten gibt es an der Universität Trier eine spezialisierte "Forschungsambulanz für Stress und Soziale Interaktion" www.stressambulanz.uni-trier.de, in deren Rahmen personalisierte Verfahren zur Diagnostik, Prävention und Behandlung von Stress und stressbedingten Erkrankungen entwickelt und evaluiert werden.

Originalpublikation:
Bernadette von Dawans, Beate Ditzen, Amalie Trueg, Urs Fischbacher, Markus Heinrichs (2019): Effects of acute stress on social behavior in women. In: Psychoneuroendocrinology Volume 99, S. 137-144.

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Gesundheit mit System: Darmhormon Sektretin - Braunes Fettgewebe - Sättigung

Medizin am Abend Berlin: Wie der Darm mit dem Braunen Fett ‚spricht‘

Das seit langem bekannte Darmhormon Sekretin hat eine neu entdeckte, zusätzliche Funktion: 

  • Es aktiviert das Energie verbrauchende Braune Fettgewebe, was Sättigung auslöst. 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) in Zusammenarbeit mit einem internationalen Team ist dieser wichtige Schritt gelungen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Krankenhausabrechnung  
 
„Wir identifizierten völlig überraschend Sekretin als entscheidenden Faktor“, berichtet Professor Martin Klingenspor vom 
Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin
. Sekretin ist ein seit langem bekanntes Darmhormon.

Bisher ging die Ernährungsmedizin davon aus, dass dieses Peptid als Botenstoff im Wesentlichen gastrointestinale Funktionen erfüllt.

  • Wie etwa die Sekretion von Wasser und Bicarbonat aus der Bauchspeicheldrüse anzuregen, sobald der angesäuerte Speisebrei aus dem Magen in den Dünndarm abgegeben wird. 

Zusätzlich soll Sekretin über die Blutbahn als Botenstoff im Gehirn das Sättigungsgefühl fördern.

Soweit der Kenntnisstand bis vor Kurzem.

Sekretin feuert Energieverbrauch an

Die neue Studie deckte mit molekularbiologischen Untersuchungen auf (Transkriptom-Sequenzierung), dass das Gen für den Sekretin Rezeptor auch im Braunen Fettgewebe exprimiert wird. „Stimulierten wir diesen Rezeptor in den Braunen Fettzellen mit Sekretin, konnten wir eine unmittelbare Aktivierung der Zitterfreien Thermogenese beobachten“, erklärt Prof Klingenspor.

Kommunikation zwischen Braunem Fett und Gehirn

Zitterfreie Thermogenese ist der für Braunes Fett typische Mechanismus der Wärmebildung, der jedoch nicht nur Energie verbraucht. 

  • Die Untersuchungen legen offen, dass Zitterfreie Thermogenese auch die Voraussetzung dafür ist, dass das Sättigungsgefühl im Gehirn einsetzt.

Dabei gibt es drei mögliche Kommunikationswege vom Braunen Fett zum Gehirn:

1. Ein Anstieg der Temperatur im Gehirn,
2. Nervenverbindungen vom Braunen Fett zum Gehirn, oder
3. spezielle Botenstoffe des Braunen Fetts, sogenannte BATokine.


Professor Klingenspor vom EKFZ betrachtet die Wärmebildung selbst als die momentan plausibelste Möglichkeit: 

„Die Thermogenese im Braunen Fett führt zur Erwärmung des Blutes und einem leichten Temperaturanstieg im Gehirn; dies aktiviert Neurone, die Sättigung signalisieren.“

Braunes Fett übernimmt Schlüsselrolle bei der Sättigung

Die bisher geltende Lehrmeinung, dass Sekretin direkt im Gehirn auf bestimmte Nervenzellen wirkt, damit zu Sättigung führt und das Hungergefühl dämpft, wird durch diese Erkenntnisse revidiert. „Braunes Fettgewebe ist sozusagen wie eine Relaisstation dazwischengeschaltet“, fasst Prof. Klingenspor das Ergebnis zusammen.

Die neu entdeckte Kommunikationskette zwischen Darm und Hirn beginnt mit der Sekretinfreisetzung beim Essen, der daraus folgenden Aktivierung der Thermogenese im Braunen Fett und einer Erwärmung im Gehirn, die das Sättigungsgefühl steigert.

So verbraucht die nahrungsinduzierte Thermogenese im Braunen Fett Energie und macht satt – beides wichtige Faktoren für die Therapie und Prävention der fast schon weltweiten Epidemie Adipositas.

Sekretinproduktion natürlich anregen und schneller satt werden

Wäre Sekretin in diesem Zusammenhang die richtige „Medizin“?

„Nein“, stellt Klingenspor klar.

Denn eine chronische Stimulierung der Bauchspeicheldrüse wäre ungünstig.

Er sieht allerdings eine Möglichkeit, durch bestimmte Lebensmittel die Sekretin Produktion natürlich anzuregen, „die richtige Vorspeise könnte schneller satt machen und damit die aufgenommene Kalorienmenge reduzieren.“ 

Welche Nährstoffe hier in Frage kommen würden, sei Gegenstand weiterer Studien.

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Professor Martin Klingenspor

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Originalpublikation:
Yongguo Li*, Katharina Schnabl*, Sarah-Madeleine Gabler, Monja Willershäuser, Josefine Reber, Angelos Karlas, Sanna Laurila, Minna Lahesmaa, Mueez u Din, Andrea Bast-Habersbrunner, Kirsi A. Virtanen, Tobias Fromme, Florian Bolze, Libbey S. O’Farrell, Jorge Alsina-Fernandez, Tamer Coskun, Vasilis Ntziachristos, Pirjo Nuutila, and Martin Klingenspor: Secretin-Activated Brown Fat Mediates Prandial Thermogenesis to Induce Satiation, Cell 11/2018. *equal contribution https://doi.org/10.1016/j.cell.2018.10.016

 

Behandlungskonzept: Musiktherapie 360°

Medizin am Abend Berlin Fazit: Angenehmer altern mit Musiktherapie

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „Musiktherapie 360°“ ist erfolgreich abgeschlossen: 

Sowohl Patienten als auch Angehörige und Pflegepersonal profitieren vom umfassenden Behandlungskonzept der SRH Hochschule Heidelberg. 

Musiktherapeut Michael Keßler von der SRH Hochschule Heidelberg erkennt einen enormen therapeutischen Effekt seiner Tätigkeit - n
Musiktherapeut Michael Keßler von der SRH Hochschule Heidelberg erkennt einen enormen therapeutischen Effekt seiner Tätigkeit - n SRH Hochschule Heidelberg


Wissenschaftler der SRH Hochschule Heidelberg haben herausgefunden, dass Musiktherapie ganzheitlich wirkt: 

  • Bezieht man in das Behandlungskonzept nicht nur die Patienten ein, sondern auch Angehörige und Pflegemitarbeiter, so profitieren alle Seiten davon und stärken sich gegenseitig in der Wirkung. 

Dies ergab das Forschungsprojekt „Musiktherapie 360°“, das nach drei Jahren der Implementierung in der Pflegeheimat St. Hedwig in Heidelberg und im St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus in Ludwigshafen erfolgreich abgeschlossen wurde.

Musiktherapie – was ist das eigentlich?

Es ist der „gezielte Einsatz von Musik im Rahmen der therapeutischen Beziehung zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit“, so definiert sie die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft. 

Im konkreten Fall heißt das: Erfahrene Musiktherapeuten der SRH Hochschule Heidelberg musizierten an zwei Tagen in der Woche mit den Bewohnern der geriatrischen Einrichtungen in Heidelberg und Ludwigshafen.

Die Behandlung erfolgte im Zimmer, direkt am Bett der Bewohner/Patienten, aber auch während der Pflege, auf der Station oder in Gemeinschaftsräumen.

„Hier standen gemeinsames Singen, Trommeln oder Musizieren und Improvisieren auf anderen Instrumenten auf dem Stundenplan, zuweilen auch verbunden mit Sitztänzen und Bewegungsspielen“, erklärt Michael Keßler, Musiktherapeut an der SRH Hochschule Heidelberg.

Zum Abschluss des Projektes, das 2015 startete, wurden 182 Patienten/Bewohner der Einrichtungen befragt, 79 Angehörige und 51 Mitarbeiter. Auf einer Skala von 0 bis 10 äußerten sich die Projektteilnehmer mit einem Wert von 8,6 sehr zufrieden mit der Musiktherapie, mit 8,9 Punkten halten sie sie auch für sehr sinnvoll. Der Stellenwert im Haus wurde mit 9,1 Punkten sehr hoch eingeschätzt, die Wirksamkeit mit 8,7 ebenfalls positiv bewertet.  

So profitieren die Patienten hinsichtlich ihrer Pflegebeziehung.

Die Mitarbeiter sprechen von einer Abnahme des Burnout-Risikos und von einer höheren Arbeitszufriedenheit.

Das gemeinsame Singen aktiviert die Bewohner/Patienten, die sehr rege an der Musiktherapie teilgenommen haben. 
  • „Auch nach der Musikstunde saßen sie häufig noch zusammen, sprachen miteinander und berichteten ihren Angehörigen davon“, sagt Andreas Lauer, Leiter der Pflegeheimat St. Hedwig. 

Das bestätigen auch die Bewohner selbst:

 „Das Gejammer lässt nach.“ Überraschend textsicher sangen so selbst demente Bewohner des Hauses vertraute Lieder mit.

Die Mitarbeiter sehen, dass die Musiktherapie eine emotionale und körperliche Aktivierung bei den Bewohnern bewirkt:

„Sie unterstützt Patienten im Umgang mit Krankheits- und Alterungsprozessen.“

Die Patienten klingelten seltener nach den Mitarbeitern und gönnten ihnen damit mehr Ruhepausen – so erleichterte die Musiktherapie auch die gesamte Pflegesituation.

„Auch die Mitarbeiter summten gelegentlich vor sich hin“, bemerkt Andreas Lauer.

Die Angehörigen erleben die Patienten/Bewohner häufig aktiver als sonst und entdecken, welche Ressourcen noch in ihnen schlummern.

So wirkt die Musiktherapie auch auf die Angehörigen beruhigend.







Musiktherapeuten der SRH Hochschule Heidelberg musizieren mit den Pflegebedürftigen in der Pflegeheimat St. Hedwig.
Musiktherapeuten der SRH Hochschule Heidelberg musizieren mit den Pflegebedürftigen in der Pflegeheimat St. Hedwig. SRH Hochschule Heidelberg


„Es wurde vielfach der Wunsch geäußert, das Projekt fortzusetzen“, berichtet Projektleiter Prof. Dr. Thomas Hillecke von der SRH Hochschule Heidelberg.

„Unsere Studierenden und Dozenten arbeiten weiterhin sehr eng mit der Pflegeheimat St. Hedwig zusammen, auch in der Physio- und Ergotherapie. 

Unseren Studierenden, die auch über das Projekt Musiktherapie 360° Bachelorthesen geschrieben haben, schätzen diese Praxisnähe und direkte Zusammenarbeit sehr.

Die Erfahrungen hier fließen ein in den wissenschaftlichen Fortschritt.“

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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.rnf.de/mediathek/kategorie/campus-tv/video/campus-tv-das-hochschulma... (ab der 27. Minute)

https://www.regenbogen.de/blogs/blogs/srh/20170724/campus-report-musiktherapie

https://www.hochschule-heidelberg.de/de/forschung/projekte/musiktherapie-360/?L=..
.
https://www.hochschule-heidelberg.de/de/news-detail/news/die-gedanken-sind-frei-...

Virtual Reality-Brille: Raucherentwöhnung: Drogenentwöhnung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Rauchentwöhnung mit Virtual Reality

WissenschaftlerInnen der Universität Siegen entwickeln eine Virtual Reality-Anwendung, die RaucherInnen dabei unterstützen soll, ihre Sucht zu überwinden. 
 
  • Mehr als ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland raucht. 

Tabak ist bei uns beliebter und stärker verbreitet, als jede andere Droge. 

Gleichzeitig zählt er zu den gefährlichsten Drogen in Deutschland:

  • Schätzungen zufolge sterben jedes Jahr mehr als 5 Millionen Raucher an den Folgen ihrer Nikotinsucht. 

WissenschaftlerInnen des Forschungskollegs der Universität Siegen (FoKoS) gehen jetzt neue Wege, um Betroffenen dabei zu helfen, ihre Sucht zu überwinden.

Im Forschungsprojekt ANTARES entwickeln sie eine Virtual Reality-Anwendung, mit der RaucherInnen trainieren können, dem Drang zur Zigarette zu wiederstehen.




Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Tanja Eiler hat eine erste Testversion der Anwendung programmiert.




Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Tanja Eiler hat eine erste Testversion der Anwendung programmiert. Universität Siegen

Mithilfe einer Virtual Reality-Brille sollen die Teilnehmenden bei der Therapie in eine virtuelle, künstliche Welt eintauchen.

Ihnen werden dort verschiedene Objekte vorgeführt: solche, die mit dem Rauchen verbunden sind, wie etwa ein Feuerzeug, ein Aschenbecher oder auch eine Zigarette – und solche, die nichts mit dem Rauchen zu tun haben, beispielsweise eine Blume oder eine Zahnbürste.

Mit einem Joystick müssen die RaucherInnen nun ähnlich wie bei einem Computerspiel die nikotinbezogenen Objekte von sich wegschieben und so optisch verkleinern, die übrigen Objekte dagegen zu sich heranziehen und so vergrößern.

„Aus früheren Studien wissen wir bereits, dass ein solches Training – auch bekannt als ,Approach-Avoidance-Training‘ – am Computer einen kleinen Effekt auf das Rauchen haben kann“, erklärt Psychologie-Professor Dr. Tim Klucken aus dem Projektteam. Im Rahmen von ANTARES möchten er und seine KollegInnen nun herausfinden, ob die Wirkung des Trainings durch die virtuelle Realität gesteigert werden kann. „Man taucht mit Hilfe der Virtual Reality-Brille komplett in eine andere Welt ein. Die emotionale Ebene wird daher viel stärker angesprochen, als wenn man vor dem klassischen Desktop-Computer sitzt. Viele Potenziale zur Stärkung von Therapieeffekten durch virtuelle Realität sind jedoch noch nicht ausreichend erforscht“, sagt FoKoS-Direktor Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves, der mit seinem Forschungsteam ebenfalls an dem Projekt beteiligt ist.

Anders als viele herkömmliche Nikotintherapien zielt die neue Therapieform nicht nur auf das sogenannte reflexive System im Menschen ab, sondern auf das impulsive, emotionale System. 

  • Es geht also nicht allein darum, sich anhand rationaler Argumente bewusst zu machen, warum es besser wäre, mit dem Rauchen aufzuhören. 
Die Teilnehmenden sollen darüber hinaus auch lernen, den Impuls, zu rauchen, besser zu kontrollieren. „Bei Sucht ist das impulsive System viel wichtiger, als das reflexive“, erklärt Psycholgie-Professor Klucken.

„Menschen greifen plötzlich, ganz impulsiv zur Zigarette, zum Beispiel, weil sie Stress oder sich gestritten haben.“

Ideal wäre aus Sicht der Siegener WissenschaftlerInnen eine Kombination aus „herkömmlichen“ Therapieverfahren und der Virtual Reality-Therapie. „Unsere Anwendung ist allein sicherlich keine Wunderwaffe. Aber in Kombination mit bekannten Raucherprogrammen könnte sie Raucherinnen und Rauchern besser helfen, ihre Sucht zu therapieren“, hofft Klucken. Ergänzend zu der Virtual Reality-Anwendung entwickeln er und seine KollegInnen auch eine Smartphone-App, die auf dem „Approach-Avoidance-Training“ basiert. So können die NutzerInnen die Therapie bei Bedarf auch im Alltag und an verschiedenen Orten jederzeit anwenden.

Aktuell sind die WissenschaftlerInnen dabei, verschiedene Varianten des Virtual Reality-Trainings zu programmieren. Diesen Part übernimmt im Rahmen des Projektes der Lehrstuhl für Medizinische Informatik und Mikrosystementwurf unter Leitung von Prof. Dr. Rainer Brück. Im nächsten Schritt werden Prof. Niehaves und sein Team untersuchen, welche Version von den NutzerInnen am besten akzeptiert wird. Diese Version soll anschließend zum Einsatz kommen, um das Training mit Raucherinnen und Rauchern durchzuführen und zu evaluieren. An dieser praktischen Testphase ist auch das Kreisklinikum Siegen beteiligt. Prof. Dr. Dr. h.c. Carl Friedrich Gethmann begleitet das Gesamtprojekt unter ethischen Gesichtspunkten.




Mithilfe einer Virtual Reality-Brille und Joysticks sollen RaucherInnen trainieren, dem Drang zur Zigarette zu wiederstehen.

Mithilfe einer Virtual Reality-Brille und Joysticks sollen RaucherInnen trainieren, dem Drang zur Zigarette zu wiederstehen. Universität Siegen

Hintergrund:
Das Projekt ANTARES („Breitenwirksame Substanzabhängigkeitstherapie in der digitalen Gesellschaft mittels Virtual Reality-basierten Systemen“) ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt am Forschungskolleg (FoKoS) der Universität Siegen. Es läuft noch bis Januar 2021 und wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein- Westfalen mit über 400.000 Euro gefördert.

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CAVE: Belohnungssysteme im Gehirn: Stoffwechselerkrankung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wunschdenken wird belohnt

Urteile fällen wir ganz rational oder „aus dem Bauch“ heraus. 

Dabei spielen nicht nur Erfahrungswerte und relevante Informationen, sondern auch unsere Vorlieben eine bedeutende Rolle. 

Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung in Köln zeigt, wie das Belohnungssystem im Gehirn von eigenen Wünschen gefärbte Urteilsbildungen vermittelt. 

Werden unsere Urteile von unseren Wünschen beeinflußt?
 Werden unsere Urteile von unseren Wünschen beeinflußt?  GettyImages


  • „Bei komplexen, unübersichtlichen Sachverhalten laufen wir Gefahr, ein verzerrtes Urteil zu fällen, sobald wir eine Schlussfolgerung gegenüber einer anderen bevorzugen.“, erklärt Dr. Bojana Kuzmanovic, Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln. 

In ihrer Arbeit hat sie untersucht, wie die Urteilsbildung der Menschen von ihrem Wunschdenken beeinflusst wird.

In einer Studie wurden freiwillige Teilnehmer gebeten, das durchschnittliche und das eigene Risiko für unterschiedliche negative Ereignisse zu schätzen. Anschließend erfuhren sie das tatsächliche durchschnittliche Risiko und konnten ihre eigene Risikoschätzung entsprechend anpassen. Waren die tatsächlichen Durchschnittsrisiken wünschenswert (also geringer als anfangs von den Probanden geschätzt), wurden diese stärker bei der Urteilsanpassung berücksichtigt als nicht-wünschenswerte Statistiken (solche, die höhere Risiken als erwartet anzeigten).

An einem Beispiel erklärt Kuzmanovic das Phänomen wie folgt: „Indem wir unliebsame Informationen ignorieren, vermeiden wir bedrohliche Schlussfolgerungen. Beispielsweise könnten wir die Bundesstatistik, die uns ein höheres Risiko für einen Herzinfarkt anzeigt, vernachlässigen, weil wir denken, dass wir einen besonders gesunden Lebensstil haben.“

Während die Studienteilnehmer die Befragung durchführten, erfassten die Wissenschaftler die Gehirnaktivität mit Hilfe eines Magnetresonanztomographen.

  • Sie konnten feststellen, dass präferierte Urteile Hirnregionen aktivieren, die ansonsten besonders stark auf Belohnungen wie Essen oder Geld reagieren. 

Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler erstmals zeigen, dass das Belohnungssystem wiederum andere Hirnregionen beeinflusste, die an Schlussfolgerungsprozessen beteiligt sind. 

  • Je stärker dieser neuronale Einfluss war, desto stärker waren die Urteile der Studienteilnehmer von ihren Wünschen bestimmt.

Unsere Wünsche und Vorlieben beeinflussen also unsere Urteilsbildung, ohne dass wir es bewusst merken. 

  • Dieselben Gehirnsysteme, die unsere Bemühungen um die Maximierung von Belohnungen wie Essen und Geld verstärken, würden auch spezifische Strategien zur Konstruktion von Urteilen verstärken. 

Dr. Marc Tittgemeyer, der die Studie geleitet hat, fügt hinzu: 

„Der Einfluss der Präferenzen ist unabhängig von der Expertise.  

Von diesem angenehmen Selbstverstärkungseffekt können wir profitieren, solange unsere Urteile keine schwerwiegenden Folgen haben. 

Wenn wir jedoch wichtige Entscheidungen treffen, sollten wir uns unserer Neigung zur verzerrten Urteilsbildung bewusst sein und Strategien zur Erhöhung der Objektivität anwenden.“

Die Forscher wollen als Nächstes untersuchen, ob diese und andere belohnungsabhängigen Verhaltensweisen bei Patienten mit Stoffwechselerkrankungen anders ausgeprägt sind als bei gesunden Personen. 

Belohnungsabhängige Hirnschaltungen sind eng mit homöostatischen Schaltungen verknüpft, die den Energiebedarf und den Stoffwechsel basierend auf Sättigungs- und Hungersignalen regeln.

Wenn also die homöostatischen Netzwerke durch Erkrankungen verändert werden, könnte sich dies auch auf das belohnungsabhängige Hirnareale auswirken und beispielsweise zu impulsiverem Verhalten führen.

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Originalpublikation:
Bojana Kuzmanovic, Lionel Rigoux, Marc Tittgemeyer: Influence of vmPFC on dmPFC Predicts Valence-Guided Belief Formation. The Journal of Neuroscience, 2018; 0266-18

CAVE - Studieneinladung: CUP - Krebs bei unbekanntem Primärtumor

Medizin am Abend Berlin Fazit: Klinische Studie zum CUP-Syndrom: Wie wirksam sind zielgerichtete Therapien?

Heidelberger Wissenschaftler und Ärzte untersuchen die Sicherheit und Wirksamkeit einer molekular zielgerichteten Behandlung im Vergleich zur herkömmlichen Chemotherapie bei Patienten mit CUP-Syndrom. 

Die Studie wird in 23 Ländern mit 790 Patienten durchgeführt. 

In Deutschland sind 13 Zentren beteiligt. 

Teilnehmen können seit dem 15. November auch Patienten in Heidelberg und Umgebung, die den Kriterien zur Aufnahme entsprechen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThemad: Die Geburten  


Das NCT Heidelberg ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und der Deutschen Krebshilfe. 

 
  • Bei drei bis fünf von hundert Tumorpatienten entdecken Ärzte Krebszellen im Körper, ohne aber den eigentlichen Krebsherd zu finden. 

Wird der Ausgangstumor auch nach eingehender Untersuchung nicht gefunden, sprechen Fachleute von "Krebs bei unbekanntem Primärtumor". 

Die Abkürzung CUP steht für das englische "Cancer of Unknown Primary" und hat sich auch in Deutschland eingebürgert. Obwohl der medizinische Fortschritt in den letzten Jahrzehnten neue und verfeinerte Diagnoseverfahren hervorgebracht hat, ist über die Biologie dieser Erkrankungen weiterhin nur wenig bekannt. Dementsprechend lässt sich das CUP-Syndrom vergleichsweise schwierig behandeln und hat häufig eine schlechte Prognose.

"Während bei den meisten Tumorerkrankungen mit bekanntem Primärtumor Therapieempfehlungen durch zahlreiche große klinische Studien abgesichert sind, existieren kaum solche Untersuchungen für das CUP-Syndrom", berichtet Alwin Krämer, Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Molekulare Hämatologie/Onkologie von der Medizinischen Klinik V des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Mit einer großen internationalen Studie erhoffen sich die Wissenschaftler nun neue Erkenntnisse für bessere Behandlungswege bei Patienten mit CUP-Syndrom. Studienleiter Krämer untersucht zusammen mit Kollegen vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, dem DKFZ und dem UKHD, ob zielgerichtete Medikamente und Immuntherapien einer konventionellen Chemotherapie beim CUP-Syndrom überlegen sind. Seit April 2018 wird die Studie an über 100 Prüfzentren in 23 Ländern durchgeführt. Insgesamt werden 790 Patienten eingeschlossen.

  • Das Studienprotokoll sieht vor, dass die Teilnehmer zunächst drei Zyklen einer platinhaltigen Chemotherapie erhalten. 

Die Patienten, bei denen der Tumor durch diese Behandlung zurückgeht oder zumindest der Zustand stabil bleibt, werden zufallsbasiert auf zwei Gruppen aufgeteilt.

Dreiviertel der Patienten erhält eine molekulare Therapie. 

Bei ihnen wird das Erbgut der Metastasen sequenziert. 

Genveränderungen, die mit dieser Methode gefunden werden können, geben den Ärzten Anhaltspunkte für zielgerichtete Behandlungsmöglichkeiten.

Zu den Therapieverfahren, die in der Studie eingesetzt werden, gehören zehn zielgerichtete Medikamente und zwei Immuntherapien.

Ein Viertel der Patienten erhält zum Vergleich weitere drei Zyklen der Standard-Chemotherapie.

Insgesamt beläuft sich die Dauer der Studie auf etwa 48 Monate.

Teilnahmebedingungen
An der Studie können Patienten mit inoperablem, nicht chemotherapeutisch vorbehandeltem CUP-Syndrom teilnehmen. Über den Einschluss entscheidet der Studienarzt.

Start der Studie in Heidelberg: November 2018

Finanzierung
Die Studie wird durch F. Hoffmann-La Roche AG finanziert.


Kontakt für Patienten und Zuweiser:
Marie-Christin Vollmer
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) und Medizinische Klinik V, Universitätsklinikum Heidelberg Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg
Tel.: 06221-56-37116
Fax: 06221-56-8069
Email: marie-christin.vollmer@nct-heidelberg.de

Informationsblatt "Klinische Studien: Was muss ich wissen?" des Krebsinformationsdienstes

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachlink: Studienzugang  



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Dr. Friederike Fellenberg
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 460
69120 Heidelberg
Tel.: +49 6221 56-5930
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E-Mail: friederike.fellenberg@nct-heidelberg.de
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Stephanie Hoffmann
Telefon: +49 (0) 6221 563 4703
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Dr. Sibylle Kohlstädt
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Deutsches Krebsforschungszentrum
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Doris Rübsam-Brodkorb
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Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg, der Medizinischen Fakultät Heidelberg und der Deutschen Krebshilfe. Ziel des NCT ist es, vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung möglichst schnell in die Klinik zu übertragen und damit den Patienten zugutekommen zu lassen. Dies gilt sowohl für die Diagnose als auch die Behandlung, in der Nachsorge oder der Prävention. Die Tumorambulanz ist das Herzstück des NCT. Hier profitieren die Patienten von einem individuellen Therapieplan, den fachübergreifende Expertenrunden, die sogenannten Tumorboards, zeitnah erstellen. Die Teilnahme an klinischen Studien eröffnet den Zugang zu innovativen Therapien. Das NCT ist somit eine richtungsweisende Plattform zur Übertragung neuer Forschungsergebnisse aus dem Labor in die Klinik. Das NCT kooperiert mit Selbsthilfegruppen und unterstützt diese in ihrer Arbeit. In Dresden wird seit 2015 ein Partnerstandort des NCT Heidelberg aufgebaut.

Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg: Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit fast 2.000 Betten werden jährlich rund 65.000 Patienten vollstationär, 56.000 mal Patienten teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum und der Deutschen Krebshilfe hat das Universitätsklinikum Heidelberg das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg etabliert, das führende onkologische Spitzenzentrum in Deutschland. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.700 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

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Rhythmische Massage, psychoonkologische Intervention, Heileurythmie, pflegerische Anwendungen

Medizin am  Abend Berlin Fazit: Integrativ gegen Brustkrebs

Die Nachfrage nach integrativen Ansätzen in der Krebstherapie ist nach wie vor hoch. 

Immer mehr Zentren machen heute integrative Angebote. 

  • Wichtig ist allerdings, diese komplementären Verfahren strukturiert in die konventionelle Onkologie einzubinden. 

Das ist bisher jedoch eher die Ausnahme als die Regel. 

Anders sieht es in der Anthroposophischen Medizin aus: 

In einer neuen Studie konnte am Beispiel des zertifizierten Brustkrebszentrums am anthroposophischen Krankenhaus Havelhöhe gezeigt werden, wie sich integrative Ansätze von Anfang an erfolgreich in ein onkologisches Therapiekonzept einbinden lassen. 
 
Die integrative Perspektive ist aus der Krebstherapie nicht mehr wegzudenken.

Immer mehr Zentren und onkologische Praxen bieten integrativmedizinische Elemente an – einige mehr, andere weniger. Bisher liegen jedoch kaum belastbare Zahlen vor. Nun wurde erstmalig in einer wissenschaftlichen Auswertung aufgezeigt, wie integrative Ansätze in einem modernen, zertifizierten Brustkrebszentrum umgesetzt werden können.

„Für das Brustzentrum am anthroposophischen Krankenhaus Havelhöhe haben wir gezeigt, dass das Zentrum auf höchstem medizinischen Niveau arbeitet und gleichzeitig den Bedürfnissen der Patientinnen nach einer ganzheitlich ausgerichteten Therapie gerecht werden kann“, erläutert Dr. med. Friedemann Schad, Erstautor der Studie und Leiter des Onkologischen Zentrums am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe.

Das Onkologische Zentrum ist von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) für die drei Tumorarten Brust-, Darm- und Lungenkrebs zertifiziert. Ein viertes Organzentrum für gynäkologische Onkologie ist im Aufbau.

Zum integrativen Therapiekonzept in Havelhöhe gehören neben der leitliniengestützten Therapie verschiedene komplementäre Verfahren wie Psychoonkologie, spezifische pflegerische Anwendungen, Kunsttherapie sowie die Bewegungstherapie Heileurythmie und Rhythmische Massagen.

Aufeinander abgestimmtes Therapieangebot

Die Nachfrage nach integrativer Medizin steigt. Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als zwei Drittel der Krebspatienten zusätzlich komplementäre Verfahren in Anspruch nehmen. Meist sind diese zusätzlichen Therapien jedoch nicht in die „normale“ Behandlung eingebunden.

Anders setzt die Anthroposophische Medizin an, die darauf basiert, komplementäre und konventionelle Ansätze miteinander zu verknüpfen. „Heute reden viele von Integrativer Medizin, meinen damit aber nicht unbedingt ein abgestimmtes Therapiekonzept. Oder anders formuliert: Ein einzelner Bewegungskurs, der in einem Krebszentrum angeboten wird, macht eben noch keine echte Integrative Medizin aus. In den anthroposophischen Kliniken geht es aber gerade darum: Wir beziehen komplementäre Ansätze von Anfang an strukturiert in die Therapie mit ein, so dass die Patienten eine umfassende Behandlung als Gesamtkonzept bekommen“, kommentiert Schad.

Umfassendes Therapieangebot

Die Autoren fassen zusammen: Im nationalen Vergleich zu 275 zertifizierten deutschen Brustzentren erfüllte das Havelhöher Brustzentrum zentrale Anforderungen, die von der DKG festgelegt wurden – wie zum Beispiel psychoonkologische Betreuung, brusterhaltende Operationen oder auch Teilnahme der PatientInnen an Studien.

Die jetzt veröffentlichen Daten wurden am Brustkrebszentrum in Havelhöhe, das von Dr. Cornelia Herbstreit geleitet wird, erhoben. Für die Studie wurden Daten von 739 Personen ausgewertet. Die Auswertung zeigte, dass 96 Prozent der PatientInnen das integrative Angebot im Rahmen ihres stationären Aufenthaltes bei der Erstdiagnose in Anspruch nahmen:  

Rhythmische Massage (97%), psychoonkologische Interventionen (95%), Heileurythmie (89%), pflegerische Anwendungen wie Einreibungen oder Wickel sowie Kunsttherapie (78%).

„Das Krankenhaus Havelhöhe ist wohl die einzige Klinik mit einem zertifizierten Onkologischen Zentrum, das in diesem Ausmaß zusätzlich komplementäre Verfahren in die Behandlung integriert“, so Schad weiter, der außerdem Mitglied des Tumorzentrums Berlin, Mitbegründer des Forschungsinstitutes Havelhöhe und Leiter des Netzwerks Onkologie ist.

„Dass diese Ansätze sehr gut in den medizinischen Alltag in einem Brustzentrum implementiert werden können, konnten wir mit dieser Arbeit klar zeigen.“

Weitere Schritte sollen folgen, so die Forscher, erste Auswertungen zur Lebensqualität sind bereits publiziert:

„In den aktuellen Leitlinien zur Krebstherapie spielen integrative Ansätze (noch) keine Rolle. 

Deshalb sollten wir weiter an einer systematischen Evaluation dieser Versorgungskonzepte arbeiten.“


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Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland e.V. (DAMiD)
Natascha Hövener

Axel-Springer-Str. 54 b, 10117 Berlin

Telefon 030-28 87 70 96
E-Mail: hoevener@damid.de


Originalpublikation:
Original-Publikation: Schad F, Thronicke A, Merkle A, Steele Megan L, Kröz M, Herbstreit C, Matthes H: Implementation of an Integrative Oncological Concept in the Daily Care of a German Certified Breast Cancer Center. Complementary Medicine Research 2018; 25: 85-91: https://doi.org/10.1159/000478655