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Transfusionsmedizin: Blutspendedienst

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neu am UKL: Prof. Dr. Reinhard Henschler leitet das Institut für Transfusionsmedizin

Das Institut für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig steht seit Anfang Oktober unter neuer Leitung: 

Prof. Dr. med. Reinhard Henschler übernimmt mit seiner Berufung auf die Stiftungsprofessur für Transfusionsmedizin die Institutsleitung und damit die Verantwortung für die zweitgrößte universitäre Blutspendeeinrichtung Deutschlands. 

Henschler war nach Stationen an Uniklinika in München und Frankfurt zuletzt Leiter eines Blutspendedienstes in Zürich. 

Die einzigartige Kombination am UKL aus klinischer Transfusionsmedizin und großem Blutspendedienst weiterentwickeln: Prof. Reinhard Henschler ist neuer Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin.
Die einzigartige Kombination am UKL aus klinischer Transfusionsmedizin und großem Blutspendedienst weiterentwickeln: Prof. Reinhard Henschler ist neuer Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin. Stefan Straube / UKL
 
Der gebürtige Würzburger mit familiären Wurzeln in Sachsen und Thüringen freut sich auf den Wechsel aus der Schweiz nach Leipzig. „Ich habe hier im Institut und im Klinikum ein sympathisches kollegiales Umfeld und gute Bedingungen für unsere klinische und wissenschaftliche Arbeit vorgefunden“, begründet der Facharzt für Transfusionsmedizin seine Entscheidung für das Universitätsklinikum Leipzig.

Besonders gereizt hat den 59-Jährigen die einzigartige Kombination aus klinischer Transfusionsmedizin und großem Blutspendedienst in Leipzig. „Beides weiterzuentwickeln wird meine Aufgabe der kommenden Jahre sein“, so Prof. Henschler.

Sein Augenmerk liegt zudem auf dem Ausbau der Forschungsaktivitäten am Institut und einer intensivierten Zusammenarbeit mit der Hämatologie und Onkologie, der Immunologie und dem Fraunhofer-Institut für Immunologie und Zelltherapie (IZI). Das Institut für Transfusionsmedizin werde sich hier auf dem Gebiet der Herstellung von Zelltherapeutika für bewährte und neuartige Therapien im Bereich der Zelltransplantationen einbringen, so Henschler, der seine berufliche Laufbahn in der Hämatologie begann, bevor die Transfusionsmedizin zu seinem Fachgebiet wurde. Dabei war er unter anderem nach dem Studium in Würzburg und Mainz und einem dreijährigen Fellowship am Christie Hospital in Manchester (Großbritannien) langjährig am Universitätsklinikum in Frankfurt/Main tätig, wo Henschler zu experimentellen Verfahren in der Blutstammzelltransplantation habilitierte.

Prof. Henschler arbeitete in leitender Funktion am Klinikum der Universität München und zuletzt beim Blutspendedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes in Zürich und Chur.

Sein berufliches Interesse gilt dem fachgerechten klinischen Einsatz von Blutprodukten und Zelltherapeutika wie auch deren wissenschaftlicher Weiterentwicklung gleichermaßen. 

 „Auch in der Blutversorgung haben wir eine große und lohnende Aufgabe - das Institut deckt über die eigene Blutspende den gesamten Bedarf des Universitätsklinikums Leipzig und eines Teils unserer Region ab“, beschreibt Prof. Reinhard Henschler.

„Mein Ziel ist es, diesen wichtigen Service für die Kliniken weiter zu optimieren und auszubauen.“ 

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Helena Reinhardt Universitätsklinikum Leipzig AöR

Liebigstr. 18
04103 Leipzig
Deutschland
Sachsen 

Telefon: 0341 - 97 15905
Fax: 0341 - 97 15906
E-Mail-Adresse: helena.reinhardt@uniklinik-leipzig.de

Schwund der Darmschleimhaut: Darm-Atrophie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Zuckerstoffwechsel steuert Darm-Regeneration

Eine überraschende Verbindung zwischen Zuckerstoffwechsel und Anpassung des Darmgewebes an den Ernährungszustand entdeckten Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Universität Heidelberg. 
 
  • Kein anderes Gewebe unseres Körpers weist eine so hohe Rate an Zellerneuerung auf wie der Darm. 
  • Da das Darmgewebe hohen Energiebedarf hat, ist es für den Organismus wichtig, das Volumen und die Struktur des Darmgewebes an wechselnde Nährstoffangebote anzupassen. 
  • Ist diese Regulation gestört, kann Darmkrebs entstehen oder es kann zu einem Schwund der Darmschleimhaut, einer so genannten Darm-Atrophie kommen.

Für die kontrollierte Erneuerung des Darmgewebes sind Darm-Stammzellen zuständig. 

Wenn nicht genügend Nährstoffe vorhanden sind, teilen sich die Stammzellen langsam und der Darm schrumpft.

Eine günstige Ernährungslage kurbelt die Stammzellteilung an und der Darm erholt sich wieder zu seiner normalen Größe.

Bislang existierten jedoch nur wenige Ergebnisse darüber, wie diese Anpassung auf molekularer Ebene reguliert wird.

Das Team um Michael Boutros vom Deutschen Krebsforschungszentrum und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg hat dies nun in Kooperation mit Kollegen von der Universität Helsinki am Darm der Fruchtfliege Drosophila melanogaster untersucht.

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass die Darm-Stammzellen einen zelleigenen Zucker-Biosyntheseweg nutzen, um die Rate ihrer Zellteilungen zu kontrollieren.

Eine hohe Syntheserate von Glukosamin, einem Traubenzucker-Derivat, signalisiert den Stammzellen, sich zu teilen und Zell-Nachschub zu bilden. 

Werden die Fliegen mit einem Glukosamin-Derivat (N-Acetyl-Glukosamin) gefüttert, proliferierten die Darm-Stammzellen unabhängig von einer ansonsten schlechten Ernährungssituation.

Blockierten die Forscher dagegen die Biosynthese von N-Acetyl-Glukosamin genetisch, konnte selbst ein hoher Nährstoffgehalt die Teilungsrate der Darm-Stammzellen nicht ankurbeln.

Glukosamin verbesserte außerdem die Reaktionsfähigkeit der Stammzelle auf Insulin, einem zentralen Signalmolekül für den Nährstoffstatus des Organismus.

„Der Biosyntheseweg für Glukosamin war bisher nicht als Modulator der Stammzellen im Darm bekannt. Wir haben hier eine überraschende Verbindung zwischen dem Zuckerstoffwechsel und der Anpassung des Darms an verschiedene Ernährungsbedingungen entdeckt“, sagt Michael Boutros.

Sollte N-Acetyl-D-Glukosamin auch in Darmzellen des Menschen eine vergleichbare Rolle spielen, könnten die aktuellen Ergebnisse auch medizinische Bedeutung gewinnen.

 „Ob dies jedoch tatsächlich so beim Menschen funktioniert, muss zunächst noch sorgfältig geprüft werden“, gibt Boutros zu bedenken.

Jaakko Mattila, Krista Kooki, Ville Hietakangas und Michael Boutros: Stem cell intrinsic hexosamine metabolism regulates intestinal adaptation to nutrient content.
Developmental Cell 2018, DOI: 10.1016/j.devcel.2018.08.011

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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Dr. Sibylle Kohlstädt
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
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SPIRIT - HF TOP-Einladung von Prof. Dr. B. Pieske zur Studie: Herzschwäche

Medizin am Abend Berlin Fazit: DZHK-Studie überprüft neue Behandlungsoption für Herzschwäche-Patienten

Der Verlauf einer Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion lässt sich mit den heutigen Therapiemöglichkeiten nicht beeinflussen. 
  • Momentan können die Ärzte nur versuchen, die Beschwerden der Patienten zu lindern. 
Eine neue Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) überprüft, ob ein bewährter Wirkstoff hier eine Wende einleiten kann. 
 Prof. Dr. Burkert Pieske, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum der Charité – Universitätsmedizin Berlin
 Prof. Dr. Burkert Pieske, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum der Charité – Universitätsmedizin Berlin
Wiebke Peitz (Charité – Universitätsmedizin Berlin)
 
Die Hälfte aller Herzschwäche-Patienten leidet an einer Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion.

  • Im Unterschied zur Herzschwäche mit reduzierter Pumpfunktion kann sich das Herz bei dieser Erkrankung zwar noch gut kontrahieren und pumpen, aber seine Entspannungsphase, die Diastole, ist gestört
  • Grund ist, dass die linke Herzkammer so verdickt und steif ist, dass sie sich nicht mehr ausreichend mit Blut füllen kann. 
  • Dadurch gelangt bei der anschließenden Kontraktion des Herzens nicht mehr genügend sauer- und nährstoffreiches Blut in den Körper.

Oft gestaltet sich der Alltag betroffener Patienten mit einer verdickten und steifen linken Herzkammer zunächst symptomlos.

Aber im Laufe der Erkrankung leiden die Patienten unter den gleichen Beschwerden wie Patienten mit einer Herzschwäche mit reduzierter Pumpfunktion: 

  • Sie sind müde, schnell erschöpft, haben Flüssigkeitsansammlungen in den Beinen und am Bauch, nächtlichen Harndrang, trockenen Husten, bis hin zu Schwindel, Herzklopfen und Ohnmacht. 

„Es gibt für diese Form der Herzschwäche momentan keine Behandlung, die erfolgreich an den Krankheitsmechanismen ansetzt“, sagt Prof. Dr. Burkert Pieske, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum der Charité – Universitätsmedizin Berlin und einer der Studienleiter der DZHK-Studie SPIRIT-HF-DZHK8.

„Mit den derzeitigen Behandlungsoptionen können wir nur versuchen, die Symptome der Patienten unter Kontrolle zu bekommen.“

Die SPIRIT-HF-DZHK8-Studie untersucht nun, ob Spironolacton die Anzahl der Krankenhausaufenthalte und die Sterberate bei der Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion reduzieren kann.

Bereits vor fast 20 Jahren wurde für die andere Form der Herzschwäche, also die Herzschwäche mit reduzierter Pumpfunktion, gezeigt, dass durch die Einnahme von Spironolacton deutlich weniger Patienten sterben und dass sie nicht mehr so oft stationär behandelt werden müssen. 

Vorausgegangene Studien zur Wirkung von Spironolacton bei Patienten mit einer Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion brachten diesbezüglich keine klaren Resultate.

„Im Unterscheid zu vorherigen Studien sollen an unserer Studie nur Patienten teilnehmen, bei denen eine diastolische Komponente mithilfe klar definierter Kriterien eindeutig diagnostiziert wurde“, erklärt Prof. Dr. Frank Edelmann, Leiter der DZHK zertifizierten Clinical Research Unit am Campus Virchow-Klinikum der Charité und Co-Studienleiter.

Spironolacton beeinflusst die hormonelle Komponente der Herzschwäche, bei der unter anderem zu viel des Hormons Aldosteron produziert wird. 

Diese Überproduktion wirkt sich negativ auf das Herz aus.

 „Unter dem Einfluss von Aldosteron finden Umbauprozesse statt, bei denen die wichtigen Herzmuskelzellen durch Bindegewebszellen ersetzt werden, die lediglich Füllmaterial sind und keine Funktion übernehmen“, erläutert Studienkoordinator Dr. Johannes Petutschnigg von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum der Charité.

„Dadurch verliert das Herz an Leistungsfähigkeit.“ Spironolacton kann die Wirkung von Aldosteron hemmen und soll so die das Herz schwächenden Umbauprozesse aufhalten.

Oft tödlicher als Krebs

Die 5-Jahres-Überlebensrate eines Herzschwäche-Patienten ist zurzeit schlechter als die der meisten Krebspatienten.

Trotz intensiver Forschung liegt sie immer noch bei 50 Prozent.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: HomeCare SAPV  

Angesichts einer alternden Gesellschaft sprechen Pieske und seine Kollegen mittlerweile von einer Epidemie der Herzschwäche. 

Denn mit zunehmenden Alter steigt die Wahrscheinlichkeit an einer Herzschwäche zu erkranken rasant an:

Sind bei den 40- bis 50-Jährigen nur ein Prozent betroffen, leiden bei den über 75-Jährigen bis zu zehn Prozent an einer Herzschwäche.

Aktuell ist die Herzschwäche in Deutschland der häufigste Grund für einen Krankenhausaufenthalt.

Die SPIRIT-HF-DZHK8-Studie wird zu 100 Prozent vom DZHK finanziert.

„Wir bezeichnen sie als unser kleines europäisches Projekt, denn neben 35 Zentren in Deutschland beteiligen sich auch Klinken aus Österreich, Frankreich, den Niederlanden und Serbien an der Studie“, so Pieske.

SPIRIT-HF-DZHK8 ist die erste doppelt verblindete Phase III-Studie im DZHK.

Doppelt verblindet bedeutet, dass weder der Arzt noch der Proband wissen, ob der Wirkstoff oder ein Placebo verabreicht wird.

Als Phase III-Studie hat sie das Potenzial, zukünftige Behandlungs-Leitlinien für die diastolische Herzschwäche zu verändern.

Patienten mit einer Herzschwäche mit erhaltener oder mäßiggradig reduzierter Pumpfunktion, die Interesse haben, an der Studie teilzunehmen, können sich jederzeit unter 
spirit-hf(at)charite.de melden. 

*Studientitel: SPIRonolactone In the Treatment of Heart Failure (SPIRIT-HF-DZHK8)


DZHK-Studie überprüft neue Behandlungsoption für Herzschwäche-Patienten


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Studienleiter: Prof. Dr. Burkert Pieske
Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum, Charité
burkert.pieske@charite.de

Prof. Dr. Frank Edelmann
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum, Charité
frank.edelmann(at)charite.de

Studienkoordinator:
Dr. Johannes Petutschnigg
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum, Charité, johannes.petutschnigg(at)charite.de

Oudenarder Straße 16
13347 Berlin
Deutschland
Berlin


Christine Vollgraf
Telefon: 030 3465 52902
E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de 
Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://spirit-hf.dzhk.de/

https://dzhk.de/

Körperbeschwerden: TOP-Einladung zur Studie: https://isoma.uni-mainz.de

Medizin am Abend Berlin Fazit: SOMA – Online-Training für anhaltende und belastende Körperbeschwerden bei Studierenden

Interaktives Online-Training fördert Bewältigungsstrategien im Umgang mit anhaltenden körperlichen Beschwerden – Teilnehmer für Studie gesucht 

 
Etwas bereitet Kopfzerbrechen, schlägt auf den Magen oder lastet auf den Schultern – wenn Körperbeschwerden immer wieder auftreten, können sie zur Belastung werden und den Alltag einschränken.

Problematisch sind dabei nicht nur die körperlichen Beschwerden selbst, denn häufig wirken sich diese zudem negativ auf die Stimmung aus, führen zu Sorgen oder Ängsten.

Viele Menschen kennen solche Belastungen – auch Studierende sind oft betroffen.

  • Am häufigsten werden Rücken-, Kopf-, Bauch- oder Gelenkschmerzen sowie Schwindel, Schweißausbrüche, Herz- oder Atembeschwerden berichtet, aber auch Lähmungserscheinungen, Hautirritationen oder Seh- und Hörprobleme zählen zu typischen anhaltenden Beschwerden. 

Bei vielen Personen können diese Symptome zudem nicht ausreichend mit einer körperlichen Ursache erklärt werden, was Unsicherheit oder Frustration verstärken kann.

Dass körperliche Beschwerden zur Belastung werden, kann verschiedene Einflüsse haben.

Eine rein medizinische Strategie hilft dann nicht immer weiter, weil der Fokus nur auf den Körper gerichtet bleibt.

Hier können kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze helfen. 

Das Ziel dieser Verfahren ist die Förderung von Bewältigungsstrategien im Umgang mit den Beschwerden und damit verbundenen Belastungen. 
Zahlreiche Studien zeigen, dass dadurch Körpersymptome reduziert und das Wohlbefinden nachhaltig verbessert werden können.

Ein Team des Psychologischen Instituts der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) unter Leitung von Prof. Dr. Michael Witthöft hat mit „iSOMA“ ein achtwöchiges Online-Training entwickelt, welches in Kooperation mit Forschern der Universitäten Ulm, Erlangen-Nürnberg und Auckland nun in einer groß angelegten wissenschaftlichen Studie untersucht werden soll.

Das Training ist Teil der Studicare-Plattform, die wissenschaftlich fundierte Interventionen für eine Reihe von Gesundheitsproblemen speziell für Studierende anbietet. 

Das Training bietet ein niedrigschwelliges und effektives Unterstützungsangebot für Studierende mit Körperbeschwerden. Ein Vorteil von Online-Trainings liegt generell darin, dass sie flexibel einsetzbar sind, also zu jeder Zeit und an jedem Ort mit einem Internetzugang bearbeitet werden können.

Das begleitete Selbsthilfe-Training der Mainzer Psychologie kann über eine geschützte Web-Plattform genutzt werden und besteht aus sieben wöchentlichen Lektionen.

Anhand von wissenschaftlich fundierten Informationen, praktischen Übungen und Hilfestellungen lernen Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Reihe von Bewältigungsmöglichkeiten kennen, um körperliche Beschwerden und Belastungen von unterschiedlichen Seiten anzugehen und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Dabei werden die Teilnehmer von einem erfahrenen E-Coach begleitet. Das Training wird im Rahmen der Studienteilnahme kostenlos angeboten. Weitere Informationen zum Training und der Studie sind unter https://isoma.uni-mainz.de/ zu finden.

Studierende für Studie zur Wirksamkeit des Online-Trainings bei Körperbeschwerden gesucht

Die Wirksamkeit des Trainings wird an deutschsprachigen Universitäten untersucht und richtet sich bundesweit an alle volljährigen Studierenden mit anhaltenden körperlichen Beschwerden, die motiviert sind, über acht Wochen in wöchentlichen Lektionen verschiedene Bewältigungsmöglichkeiten zu erarbeiten, um körperliche Beschwerden und Belastungen zu reduzieren. 

Die wissenschaftliche Überprüfung erfordert, dass Studieninteressentinnen und -interessenten per Los in eine von zwei Gruppen eingeteilt werden, wobei ein Teil der Studieninteressenten zeitnah zur Anmeldung das Training beginnen kann und der andere nach einer Wartezeit von acht Wochen.

Die Teilnehmer füllen zudem zu Studienbeginn und zu Studienende Fragebögen aus.

Interessenten für die Studie melden sich bitte per E-Mail an isoma@uni-mainz.de.

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Prof. Dr. Michael Witthöft / Dr. Severin Hennemann / M.Sc. Katja Böhme
Abt. Klinische Psychologie und Psychotherapie
Psychologisches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel. 06131 39-39214
E-Mail: isoma@uni-mainz.de
https://isoma.uni-mainz.de/ 

Petra Giegerich Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Forum 3
55099 Mainz
Deutschland
Rheinland-Pfalz


Telefon: 06131 39-22369
Fax: 06131 39-24139
E-Mail-Adresse: idw@uni-mainz.de

Weiterführende Links:

https://www.youtube.com/watch?v=AjCU4NAO8dI – Video zum iSOMA-Training auf YouTube

http://www.studicare.com/isoma - Infos Forschungsprojekt auf Studicare 

Botenstoff cGMP: Die Schubspannung des Blutes

Medizin am Abend Berlin Fazit: Antiblockiersystem in Arterien schützt vor Herzinfarkt

Forschende der Universität Tübingen entdecken einen körpereigenen Mechanismus, der gefährliche Blutgerinnsel hemmt 

Je größer das Blutgerinnsel, desto weniger Platz hat das Blut zum Fließen. Die erhöhte Schubspannung löst einen Mechanismus aus, der das Blutgerinnsel auf natürliche Weise hemmt.
Je größer das Blutgerinnsel, desto weniger Platz hat das Blut zum Fließen. Die erhöhte Schubspannung löst einen Mechanismus aus, der das Blutgerinnsel auf natürliche Weise hemmt. Susanne Feil
 
  • Tübinger Biochemiker haben einen körpereigenen Mechanismus entdeckt, der die Entstehung gefährlicher Blutgerinnsel im Inneren von Blutgefäßen, sogenannter Thrombosen, verhindern kann. 

Bislang wurde dieses natürliche Antiblockiersystem für Arterien vor allem an Mäusen untersucht. Erste Untersuchungen mit menschlichen Zellen haben die Ergebnisse bestätigt, so dass sie sehr wahrscheinlich auf Menschen übertragbar sind. Thrombosen zählen weltweit zu den häufigsten Todesursachen, weil sie Blutgefäße verstopfen und damit zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen können. Der neuentdeckte Mechanismus könnte künftig die Therapiemöglichkeiten verbessern. Durchgeführt wurde die Studie von einem Team um Dr. Lai Wen und Professor Robert Feil vom Interfakultären Institut für Biochemie der Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Tübingen sowie den Universitäten Lübeck und Würzburg. Sie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Wunden schließt unser Körper, indem Blutplättchen die beschädigten Gefäßwände verkleben; das Blut gerinnt.

Das geschieht äußerlich, wenn wir uns in den Finger schneiden, aber auch bei kleinen Verletzungen innerhalb von Adern.

Letzteres wird zum Problem, wenn das Blutgerinnsel zu groß wird und das Blutgefäß verstopft.

„Wir haben in Blutplättchen von Mäusen und Menschen einen selbstregulierenden Mechanismus entdeckt, der das unkontrollierte Wachstum eines Blutgerinnsels verhindern kann“, erklärt Lai Wen, der Erstautor der Studie:

Wenn ein Blutgerinnsel wachse, müsse das Blut das Hindernis umfließen.

Je größer das Gerinnsel, desto mehr Kraft übe das vorbeiströmende Blut darauf aus: 

die sogenannte Schubspannung steige.

Das setze einen Mechanismus in Gang, der bewirke, dass in den verklebten Blutplättchen mehr cyclisches Guanosinmonophosphat (cGMP) gebildet werde.

  • „Dieser Botenstoff verhindert, dass weitere Blutplättchen haften bleiben und das lebensbedrohliche Gerinnsel löst sich langsam auf“, beschreibt Wen. 

Fließe das Blut wieder ungehindert, sinke die Schubspannung und der Mechanismus stoppe. Ein kleines Gerinnsel bleibe bestehen und verschließe weiterhin die Verletzung in der Gefäßwand. Das cGMP wirke somit als eine Art Antiblockiersystem für Blutgefäße, das sich je nach Bedarf über die Schubspannung selbst ein- oder ausschalte.

  • „Studien haben gezeigt, dass Menschen, die aufgrund eines genetischen Defekts weniger cGMP bilden, häufiger einen Herzinfarkt erleiden – der neuentdeckte Mechanismus wäre eine Erklärung dafür“, erläutert Feil. 

Die Entdeckung des cGMP Antiblockiersystems lasse uns aber nicht nur besser verstehen, wie Herzinfarkte entstehen; sie eröffne auch neue Möglichkeiten bei der Therapie von Thrombosen. Es gebe bereits Medikamente, die den Körper bei der Bildung von cGMP unterstützen. „Sie wurden für andere Zwecke entwickelt, könnten aber möglicherweise auch zur Behandlung bei Thrombosegefahr eingesetzt werden“, sagt Feil.  

Dazu gehörten beispielsweise Präparate mit den Wirkstoffen Riociguat oder Sildenafil; letzteres wird oft in Potenzmitteln eingesetzt.

  • „Herkömmliche Medikamente gegen Thrombosen verursachen häufig Blutungen, weil sie die Blutgerinnung im gesamten Körper hemmen. 
  • Medikamente, die am cGMP-Mechanismus ansetzen, sollten dagegen weniger lebensgefährliche Nebenwirkungen haben“, erläutert Feil. 

Sie wirken nur bei erhöhter Schubspannung und die gebe es außerhalb von Blutgefäßen nicht.

Um dies endgültig für den menschlichen Körper zu bestätigen, müssen jedoch noch klinische Studien folgen. „Darüber hinaus könnte das Zusammenspiel von mechanischer Krafteinwirkung auf Zellen und der Bildung von cGMP auch bei vielen anderen Krankheiten eine Rolle spielen“, vermutet Feil. „Interessante Aspekte für künftige Forschungen sind beispielsweise die Auswirkungen des neuentdeckten Mechanismus auf Blutdruck, Osteoporose oder Krebs.“

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Unheilbar Kranke  

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Prof. Dr. Robert Feil
Universität Tübingen
Interfakultäres Institut für Biochemie (IFIB)
Telefon +49-7071-29 73 350
robert.feil[atuni-tuebingen.de

Antje Karbe Eberhard Karls Universität Tübingen

Wilhelmstr. 5
72074 Tübingen
Deutschland
Baden-Württemberg 
Telefon: 07071-29-76789
E-Mail-Adresse: antje.karbe@uni-tuebingen.de

Originalpublikation:
Lai Wen, Susanne Feil, Markus Wolters, Martin Thunemann, Frank Regler, Kjestine Schmidt, Andreas Friebe, Marcus Olbrich, Harald Langer, Meinrad Gawaz, Cor de Wit, Robert Feil: A shear-dependent NO-cGMP-cGKI cascade in platelets acts as an auto-regulatory brake of thrombosis. Nature Communications. DOI 10.1038/s41467-018-06638-8.

Menschliche Herpesviren: Chronische Müdigkeitssyndrom, Depression, Bipolare Störung,

Medizin am Abend Berlin Fazit: Den Viren auf der Spur

Herpesviren wie HHV-6 können viele Jahre unbemerkt in menschlichen Zellen schlummern. 

Werden sie wieder aktiv, droht Gefahr. Jetzt haben Würzburger Wissenschaftler einen Weg gefunden, die aktiven von inaktiven zu unterscheiden. 
 
Fast jeder Mensch trägt es in sich, doch nur die wenigsten werden im Laufe ihres Lebens etwas davon spüren:

Das menschliche Herpesvirus 6 (HHV-6) gehört zu den Viren, die in der Bevölkerung am häufigsten zu finden sind. 

Zwischen 95 und 100 Prozent der gesunden Erwachsenen tragen Antikörper gegen das Virus in ihrem Körper – haben also in der Vergangenheit eine Infektion durchgemacht.

Das Virus versteckt sich im Erbgut



Fluoreszenzaufnahme aus der Nierenbiopsie der DRESS-Patientin mit HHV-6-kodierter sncRNA-U14 (grün). Die DNA wurde blau gefärbt.



Fluoreszenzaufnahme aus der Nierenbiopsie der DRESS-Patientin mit HHV-6-kodierter sncRNA-U14 (grün). Die DNA wurde blau gefärbt. Foto: AG Prusty


In zwei Varianten tritt das Virus auf:  

HHV-6A und HHV-6B
  • Während HHV-6B sich vor allem bei Kleinkindern bemerkbar macht, bei denen es das sogenannte Drei-Tage-Fieber auslöst, verläuft eine Infektion mit Viren vom Typ HHV-6A in der Regel unbemerkt.
  • Und wer einmal infiziert wurde, bleibt es für den Rest seines Lebens: 
  • Das Virus besiedelt bestimmte Körperzellen und integriert sich dort in das Erbgut.

In der Regel ist diese Infektion harmlos
. Unter bestimmten Umständen können die Viren allerdings wieder aktiv werden – beispielsweise nach einer zusätzlichen Infektion mit Chlamydien, nach einer Organtransplantation, wenn das Immunsystem geschwächt ist, oder nach der Gabe spezieller Medikamente.

  • Auslöser zahlreicher Krankheiten

Während lange Zeit die Meinung galt, dass humane Herpesviren in der Regel keinen negativen Einfluss auf die Gesundheit ausüben, betrachten Wissenschaftler heute das Virus verstärkt als potenziellen Auslöser diverser Krankheiten, wie beispielsweise der Multiplen Sklerose oder dem Chronische Müdigkeitssyndrom. 

  • Jüngste Studien sprechen sogar dafür, dass HHV-6 an der Entstehung zahlreicher Krankheiten des Nervensystems wie etwa Schizophrenie, der Bipolaren Störung, Depressionen oder der Alzheimer-Krankheit beteiligt ist.

Verantwortlich für diese jüngsten Befunde ist Dr. Bhupesh Prusty. Der Wissenschaftler ist Gruppenleiter am Lehrstuhl für Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Jetzt hat Prusty eine Methode entdeckt, mit der es erstmals möglich ist, die Re-Aktivierung der humanen Herpesviren in einem frühen Stadium nachzuweisen.

Mikro-RNA-Moleküle als Marker

„Betaherpesviren wie das humane Herpesvirus 6A, 6B und 7 integrieren sich in die Enden menschlicher Chromosomen und verharren dort über viele Jahre. 

Dies macht es schwer, das Frühstadium der viralen Aktivierung, basierend auf einer Analyse des viralen Erbguts, zu erkennen“, schildert Prusty das Problem. Mit seinem Team hat der Virologe jetzt einen alternativen Ansatz entdeckt, der sich als geeigneter Kandidaten für die Verwendung als Biomarker für HHV-6-Studien anbietet.

„Wir haben mehrere virale Mikro-RNA-Moleküle identifiziert, die sowohl während einer aktiven Infektion als auch einer viralen Aktivierung gebildet werden“, sagt Prusty. Mikro-RNAs nehmen indirekt Einfluss auf die Stoffwechselvorgänge in Zellen. Während die RNA Informationen aus dem Erbgut vom Zellkern in die Zelle trägt, wo diese in Proteine „übersetzt“ werden, greifen Mikro-RNAs steuernd in diesen Prozess ein. Sie können an RNA-Moleküle andocken und damit deren Übersetzung in Proteine blockieren oder gleich den Abbau der RNA-Moleküle in die Wege leiten. „Der Nachweis dieser viralen Mikro-RNAs kann unter klinischen Bedingungen als idealer Biomarker dienen“, ist sich Prusty sicher.

Bestätigung durch einen Todesfall

Eine Bestätigung für ihre Theorie fanden die Wissenschaftler am Beispiel eines tragischen Todesfalls: Eine junge Frau hatte nach einer medikamentösen Behandlung ein Hypersensitivitätssyndrom (DRESS) entwickelt – eine in der Regel lebensbedrohliche Erkrankung, die mit Veränderungen der Haut, des Blutbilds sowie der inneren Organe einhergeht.

Der Verdacht, dass in diesen Fällen das Medikament Viren aktiviert haben könnte, wird bereits seit Längerem von der Wissenschaft diskutiert – ein Nachweis ist bisher allerdings nicht gelungen. Prusty und seine Kollegen stießen jetzt im Blut der Verstorbenen auf Spuren des Erbguts von HHV-6 – allerdings in unterschiedlicher Konzentration zu unterschiedlichen Zeiten des Krankheitsgeschehens. So war beispielsweise zum Zeitpunkt des Todes die Viruslast sehr gering.

Ganz anders hingegen die Konzentration der Mikro-RNA: „Sämtliche Biopsieproben zeigten ein positives Signal für diese spezielle RNA“, sagt Bhupesh Prusty. Dies spreche für eine potenzielle Wirksamkeit der RNA als viraler Biomarker für den Nachweis einer aktiven Virusinfektion im Organismus.

Damit zeigen Prusty und Kollegen erstmals experimentell, dass verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente HHV-6 reaktivieren können, was zu lebensbedrohlichen Zuständen führen kann. 

  • Die frühzeitige Erkennung der viralen Reaktivierung kann daher für weitere klinische Interventionen hilfreich sein.

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Dr. Bhupesh Prusty, Institut für Virologie und Immunbiologie
T: (0931) 31-88067, bhupesh.prusty@uni-wuerzburg.de

Sanderring 2
97070 Würzburg
Deutschland
Bayern

Gunnar Bartsch
Telefon: (0931) 31-82172
Fax: 0931/31-2610
E-Mail-Adresse: bartsch@zv.uni-wuerzburg.de

Originalpublikation:
HHV-6 encoded small non-coding RNAs define an intermediate and early stage in viral reactivation. Bhupesh K. Prusty, Nitish Gulve, Suvagata Roy Chowdhury, Michael Schuster, Sebastian Strempel, Vincent Descamps and Thomas Rudel. npj Genomic Medicine (2018); doi:10.1038/s41525-018-0064-5



Subnaktuem Husten: Welche Therapie? Anwendung von Antibiotika, Medikamenten und natürlichen Heilmitteln,

Medizin am Abend Berlin Fazit: Keine eindeutige Wirkung von Hustenmedizin nachgewiesen

Zwar existieren zahlreiche Medikamente gegen Husten, Untersuchungen zu ihrer Wirksamkeit bei subakutem Husten wurden bisher aber nicht systematisch zusammengefasst. 

Forschende der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel haben nun sechs Studien zur Wirkung von Hustenmitteln untersucht. 

Keine der evaluierten Behandlungen zeigte dabei einen deutlichen Nutzen bei der Heilung von subakutem Husten, berichten die Forschenden im «British Journal of General Practice». 
 
Das Team um den klinischen Epidemiologen PD Dr. Lars G. Hemkens hat sechs randomisierte klinische Studien mit insgesamt 724 Patienten analysiert.

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Dabei konzentrierten sich die Forscher auf die Behandlung von subakutem Husten.

  • Subakuter Husten hält in der Regel 3 bis 8 Wochen an und heilt meist von selbst.

Die ausgewählten Studien befassen sich mit der Anwendung von Medikamenten und natürlichen Heilmitteln, die in Europa und Nordamerika zur Behandlung von Husten eingesetzt werden.

  • Lediglich Therapien mit chinesischer oder asiatischer Kräutermedizin wurden von der Untersuchung ausgeschlossen.

Bewertung etablierter Behandlung

Insgesamt sieben verschiedene Wirkstoffe wurden in den Studien untersucht, darunter Kodein, Salbutamol und Gelatine. Die Ergebnisse zeigen, dass keine der Behandlungen die Heilung des Hustens deutlich unterstützte. Zwei der sechs Studien deuten aber zumindest auf einen Vorteil von Hustenmedikamenten gegenüber Placebo hin. Trotzdem verschwanden bei allen Pateinten die Hustensymptome mit und ohne Behandlung.

Wenn mögliche Nebenwirkungen berichtet wurden, waren diese leicht, wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Übelkeit oder Halsschmerzen. Keine der Studien berichtete über schwere Nebenwirkungen, hält Erstautor Dr. Benjamin Speich fest.

Patienten aufklären

  • Husten ist einer der häufigsten Gründe für einen Arztbesuch. 

Neben einer allgemeinen Einschränkung der Lebensqualität geht mit dem Husten oft auch die Angst einher, an einer schweren Krankheit wie etwa Krebs zu leiden. 

Häufig verlangen die Patienten auch eine Behandlung mit Antibiotika, obwohl Ärzte dies nicht empfehlen.

«Wir sehen aufgrund unserer Untersuchung derzeit keine Behandlung, die eindeutige Vorteile für die Patienten aufweist.

Festzuhalten bleibt, dass die herangezogenen klinischen Studien teilweise methodische Limitationen haben und die Verallgemeinerbarkeit eingeschränkt sein kann», kommentiert Studienleiter Lars G. Hemkens die Ergebnisse.

Schätzungen zufolge belaufen sich die Kosten für Arzneimittel gegen Husten weltweit jährlich auf 4 Milliarden Dollar.

Um eine Überbehandlung bei Husten zu vermeiden, sei es wichtig, sich Zeit für die Patienten zu nehmen und die Krankheit genau zu erklären, betonen die Forscher.



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PD Dr. Lars G. Hemkens, Universität Basel / Universitätsspital Basel, Departement Klinische Forschung, E-Mail: lars.hemkens@usb.ch

Dr. Benjamin Speich, Universität Basel / Universitätsspital Basel, Departement Klinische Forschung, E-mail: benjamin.speich@usb.ch

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Originalpublikation:
Benjamin Speich, Anja Thomer, Soheila Aghlmandi, Hannah Ewald, Andreas Zeller, Lars G. Hemkens
Treatments for subacute cough in primary care: systematic review and meta-analyses of randomised clinical trials
British Journal of General Practice (2018), doi: 10.3399/bjgp18X698885

Virologie: Hygiene & Tropical Medicine

Medizin am Abend Berlin Fazit: Charité und London School of Hygiene & Tropical Medicine vereinbaren intensivierte Zusammenarbeit

Vertreter der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) haben heute im Rahmen des 10. World Health Summit eine Vereinbarung unterzeichnet, um die künftige Zusammenarbeit im Bereich Global Health zu intensivieren. 

Die beiden Institutionen kündigten an, dass zunächst eine Gruppe von LSHTM-Forschern an der Charité angesiedelt sein wird, um die Partnerschaft auf den Weg zu bringen und gemeinsame Forschungsfelder zu identifizieren. 

V.l.n.r.: Prof. Dr. Christian Drosten (Charité), Prof. Dr. Axel R. Pries (Charité), Prof. Dr. Peter Piot (LSHTM), Dr. Johanna Hanefeld
V.l.n.r.: Prof. Dr. Christian Drosten (Charité), Prof. Dr. Axel R. Pries (Charité), Prof. Dr. Peter Piot (LSHTM), Dr. Johanna Hanefeld World Health Summit / S. Kugler
 
Die LSHTM bietet weltweit forschungsorientierte Ausbildungsprogramme zu zentralen Global Health-Herausforderungen für künftige Führungskräfte, Manager und Forscher im Gesundheitsbereich an.

Mit ihren mehr als 4.000 postgraduierten Studierenden und 3.000 Mitarbeitern, die in mehr als 100 Ländern arbeiten, ist die LSHTM dem Ziel verpflichtet, dort Wirkung zu erzielen, wo es am meisten gebraucht wird.

Prof. Peter Piot, der Direktor der LSHTM, sagte: 

Wir sind eine weltweit arbeitende Organisation, und mit ihrer Sichtbarkeit, ihre langen und herausragenden Forschungtradition sowie mit ihren jüngsten Aktivitäten im Bereich Global Health ist die Charité für uns ein perfekter Partner.“

Prof. Dr. Axel R. Pries, der Dekan der Charité, fügte hinzu:

 „Wir begrüßen diese neue Partnerschaft mit der London School of Hygiene & Tropical Medicine sehr, die eines der weltweit führenden Zentren für Forschung und Ausbildung in den Bereichen Public Health und Global Health ist. Diese Partnerschaft wird neue Chancen für Forschung und Lehre eröffnen.“

Die Forscher der LSHTM werden am Institut für Virologie der Charité angesiedelt sein, das auch Teil des neuen Zentrums Charité Global Health ist. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit unseren LSHTM-Kollegen, die neue Perspektiven in unsere Arbeit einbringen werden“, kommentierte Prof. Dr. Christian Drosten, der sowohl der Direktor des Instituts als auch der Wissenschaftliche Direktor von Charité Global Health ist. „Zusammen werden wir neue Forschungsideen und -projekte entwickeln.“

Dr. Johanna Hanefeld, Assoziierte Professorin für Health Policy und Systemforschung, wird die akademische Leiterin der LSHTM in Berlin sein.

Sie sagte: „Das ist eine sehr wichtige Zeit für Global Health aktuell, in der Deutschland eine führende politische Rolle übernimmt und sich das Gebiet der Wissenschaft so schnell entwickelt. Wir freuen uns darauf, unsere Forschungszusammenarbeit mit deutschen und europäischen Universitäten zu vertiefen.“

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Antje Schütt World Health Summit

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CAVE-ZNA-RettungsKANZEL: Antibiotika-Therapie:

Medizin am Abend Berlin Fazit: Zelluläres Gedächtnis überlistet Krankheitskeime

Studie des Kiel Evolution Center belegt Wirksamkeit der sequentiellen Antibiotika-Therapie gegen den Krankheitskeim Pseudomonas aeruginosa

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt davor, dass sich scheinbar harmlose Bakterieninfektionen in den nächsten Jahren zu einer der häufigsten Todesursachen vor allem in den Industrienationen entwickeln könnten. 

Diese dramatische Bedrohung ist entstanden, weil die seit Jahrzehnten als Standardtherapie verschriebenen Antibiotika in vielen Fällen durch sich ausbreitende Resistenzen wirkungslos geworden sind und diese Entwicklung mit zunehmender Geschwindigkeit weitergeht. 

Dr. Roderich Römhild untersuchte die Wirkung der sequentiellen Antibiotika-Gabe auf den Krankheitserreger Pseudomonas aeruginosa.
Dr. Roderich Römhild untersuchte die Wirkung der sequentiellen Antibiotika-Gabe auf den Krankheitserreger Pseudomonas aeruginosa. © Christian Urban, Uni Kiel 
  • Ursache des Problems ist die Fähigkeit der Keime zur schnellen evolutionären Anpassung an die eingesetzten Wirkstoffe. 
  • Die Konsequenz ist, dass selbst neue Antibiotika innerhalb kurzer Zeit ineffektiv werden können. 

Daher verfolgen Forschende weltweit einen alternativen Ansatz, um in der sich zuspitzenden Antibiotika-Krise die Oberhand zurückzugewinnen. Sie versuchen durch die Anwendung evolutionsbiologischer Prinzipien die Wirksamkeit der aktuell vorhandenen Wirkstoffe länger zu erhalten. Ein Forschungsteam des Kiel Evolution Center (KEC) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat gemeinsam mit Kollegen am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön und der schwedischen Universität Uppsala dazu ein bisher unbekanntes Prinzip aufgedeckt, das eine komplett neue und gleichzeitig höchst nachhaltige Therapieform ermöglicht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler gestern in der renommierten Fachzeitschrift PNAS.

Das untersuchte Behandlungsverfahren macht sich ein simples Prinzip zunutze: 

  • Auf die kurze, impulsartige Gabe eines bestimmten Präparats folgt anschließend die Anwendung eines Antibiotikums mit einer anderen Wirkungsweise. 

Am Beispiel des Bakteriums Pseudomonas aeruginosa, das laut WHO zu den kritischsten Keimen mit multiplen Resistenzen gehört, erprobten die Kieler Forschenden diese abwechselnde Gabe unterschiedlich wirkender Medikamente.

Dazu untersuchten sie in einem Evolutionsexperiment rund 200 Bakterienpopulationen über insgesamt 500 Generationen und beobachteten, wie sich verschiedene Antibiotika und ein geändertes zeitliches Schema der Medikamenten-Wechsel auswirkten.

Dabei fanden sie heraus, dass besonders die Abfolge eines Penicillin-ähnlichen Wirkstoffs und eines sogenannten Aminoglykosids und der schnelle Wechsel mit zufälligen Intervallen besonders gut wirkten.




Kurze Vorbehandlung mit einem Penizillin erhöht die Wirksamkeit eines nachfolgenden Aminoglykosids.




Kurze Vorbehandlung mit einem Penizillin erhöht die Wirksamkeit eines nachfolgenden Aminoglykosids. Gezeigt ist eine Verdünnungsreihe einer Bakterienprobe nach Ende der Behandlung, entweder ohne (3 Spalten links) oder mit Vorbehandlung (3 Spalten rechts).
© Christian Urban, Uni Kiel
 

  • „Ein kurzer einleitender Behandlungsimpuls macht den Keim anfällig, weil er das Eindringen weiterer Medikamente in die Bakterienzellen erleichtert. 
Das zweite Antibiotikum erledigt gewissermaßen den Rest und tötet die verbleibenden Krankheitserreger zuverlässig ab“, erklärt Professor Hinrich Schulenburg, Leiter der Arbeitsgruppe Evolutionsökologie und Genetik an der CAU und KEC-Sprecher. 

Diese Wirkung ist entscheidend von der Reihenfolge des Medikamenten-Wechsels abhängig. 

Das impulsgebende Präparat muss zuerst wirken, da es in die Struktur der Zellwände des Bakteriums eingreift und so das Einfallstor für den zweiten Wirkstoff öffnet.

Zudem sind die Geschwindigkeit und das Muster der Sequenz ausschlaggebend:

„Wechselt man die beiden Medikamente schneller als in der üblichen Antibiotikatherapie und in zufälligen Abständen, lässt sich die Bildung der gefürchteten Resistenzen am deutlichsten hemmen“, so Schulenburg weiter.

Ursächlich für den Erfolg der Sequenzbehandlung ist das sogenannte zelluläre Gedächtnis der Krankheitserreger.  

Durch das erste Antibiotikum werden die zellulären Eigenschaften der Keime über mehrere Generationen hinweg so verändert, dass das zweite Antibiotikum auch mit Verzögerung besser wirken kann.

 „Durch das erste Antibiotikum wird quasi eine Tür geöffnet, die dem zweiten Antibiotikum leichteren Eintritt verschafft“, erläutert Dr. Roderich Römhild, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Evolutionsökologie und Genetik und Erstautor der Veröffentlichung. „Dieser Ansatz ist aus evolutionärer Sicht besonders vielversprechend, da die Keime nun gezwungen werden, eine Abwehr gegen das Öffnen der Tür und somit den zellulären Gedächtniseffekt zu entwickeln – anstelle von direkter Resistenz gegen das Antibiotikum“, so Römhild weiter. Im Experiment konnte eine geringere Resistenzentstehung in überzeugender Form bestätigt werden.

Erstaunlich ist, dass bereits vor rund 30 Jahren durch Zufall exakt der nun vorgeschlagene Behandlungsmodus an Patientinnen und Patienten ausprobiert wurde – mit beeindruckendem Erfolg:

In fast allen Fällen konnte der untersuchte Krankheitserreger nach der sequentiellen Antibiotika-Behandlung stark reduziert werden; bei der Hälfte war er nicht mehr nachweisbar, und das Verfahren zeigte sich somit deutlich wirksamer als die Standardtherapie.

Allerdings fand die Methode nie Eingang in den medizinischen Behandlungsalltag, weil eine Erklärung für den Therapieerfolg fehlte.

„Wir sind überzeugt, dass wir mit unseren Ergebnissen zum zellulären Gedächtniseffekt die fehlende Erklärung nun gefunden haben“, betont Schulenburg.

„Die neue Arbeit liefert ein weiteres Beispiel dafür, wie mit Hilfe von evolutionsbiologischen Konzepten und Methoden komplett neue Erkenntnisse für nachhaltige Therapieansätze gewonnen werden können“, fasst der KEC-Sprecher zusammen.

Antibiotikaresistenz bleibt dank des Gedächtniseffekts und sequentieller Therapie niedrig. 

Zelluläres Gedächtnis überlistet Krankheitskeime

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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Dr. Boris Pawlowski, Text: Christian Urban
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Prof. Hinrich Schulenburg
Sprecher „Kiel Evolution Center“ (KEC), CAU Kiel
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Deutschland
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Friederike Balzereit
Telefon: 0431-880-3032
E-Mail-Adresse: fbalzereit@uv.uni-kiel.de

Originalpublikation:
Roderich Roemhild, Chaitanya S. Gokhale, Philipp Dirksen, Christopher Blake, Philipp Rosenstiel, Arne Traulsen, Dan I. Anderson, Hinrich Schulenburg (2018): Cellular hysteresis as a principle to maximize the efficacy of antibiotic therapy PNAS
https://dx.doi.org/10.1073/pnas.1810004115

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.uni-kiel.de/zoologie/evoecogen Arbeitsgruppe Evolutionsökologie und Genetik, Zoologisches Institut, CAU Kiel:

http://www.kec.uni-kiel.de Forschungszentrum „Kiel Evolution Center“, CAU Kiel

http://www.evolbio.mpg.de Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön

Die Versorgung durch Hausärzte, Fachärzte und Krankenhäuser

Medizin am Abend Berlin Fazit: Gesundheitsversorgung: große Unterschiede in der Zufriedenheit

In ländlichen Räumen wird die Versorgung durch Hausärzte, Fachärzte und Krankenhäuser schlechter bewertet als in Städten. 

Gesetzlich Versicherte bewerten insbesondere die Versorgung durch Fachärzte, aber auch jene durch Krankenhäuser schlechter als privat Versicherte und beklagen dabei häufiger lange Wartezeiten und fehlende Leistungsübernahme durch die Krankenkasse. 

Dies ist das Ergebnis einer empirischen Studie des IfW Kiel 
 
Ziel der Studie war es, Unterschiede in der Versorgungszufriedenheit zwischen privat und gesetzlich Versicherten sowie zwischen städtischer und ländlicher Bevölkerung zu untersuchen.

Durchgeführt wurde dafür im Februar 2017 eine nicht repräsentative Befragung bei rund 4.500 Leserinnen und Lesern der Kieler Nachrichten sowie des Onlineangebotes der Zeitung, die in Schleswig-Holstein sehr weit verbreitet ist. Dabei wurden von den Befragten Schulnoten vergeben von 1, sehr gut, bis 5, schlecht. Der Beitrag mit dem Titel „Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung: Gibt es strukturelle Unterschiede?“ erscheint Ende Dezember in der Ausgabe 03/18 der Zeitschrift für Wirtschaftspolitik (ZfW).

Im Durchschnitt bewerten die Teilnehmer ihre Zufriedenheit mit den Hausärzten mit der Note 2, während die Fachärzte mit 2,5 und die Krankenhaus-Versorgung mit einer 2,54 als etwas schlechter wahrgenommen werden.

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Kritikpunkte sind gegenüber den Hausärzten vor allem lange Wartezeiten (37,6 %) sowie begrenzte Zeit des behandelnden Arztes (30,9 %). 

Bei der fachärztlichen Behandlung werden demgegenüber die Terminvergabe (64,0 %) sowie die Leistungsübernahme (18,0 %) als Hauptprobleme gesehen. 

Die größten Probleme der Behandlung im Krankenhaus sind aus Patientensicht die Überlastung des Pflegepersonals (64,4 %) sowie die begrenzte Zeit der Ärzte (10,7 %).

Ärztemangel auf dem Land

Dabei wird die ärztliche Versorgung in ländlichen Gebieten als schlechter bewertet als in städtischen Gebieten, ebenso unterscheiden sich die Hauptkritikpunkte zwischen der städtischen und der ländlichen Bevölkerung. Die hausärztliche Behandlung wird in ländlichen Gebieten mit 2,1 bewertet, in städtischen mit 1,9. Vertreter der ländlichen Bevölkerung kritisieren dabei häufiger die Distanz zum nächsten Hausarzt, 8,7 Prozent gegenüber 4,3 Prozent der befragten Städter.

Während die fachärztliche Versorgung in städtischen Gebieten im Mittel mit 1,7 sehr gut bis gut bewertet wird, urteilen Befragte aus ländlichen Gegenden mit 2,2 sogar schlechter als über ihre hausärztliche Versorgung. 

Auch in diesem Bereich wird in ländlichen Gebieten die Entfernung zum Arzt häufiger als Hauptproblem genannt, 3,4 Prozent gegenüber 0,1 Prozent in der Stadt.

„Jedoch scheinen hier andere Probleme in der Versorgungsqualität, insbesondere Probleme bei der Terminvergabe und der Leistungsübernahme, schwerer zu wiegen, sodass die Entfernung zum Facharzt weniger häufig als Hauptkritikpunkt genannt wird als die Entfernung zum Hausarzt“, sagte Ulrich Schmidt, Leiter des IfW-Forschungsbereichs Sozial- und verhaltensökonomische Ansätze zur Lösung globaler Probleme und Mitautor der Studie. Auch im Bereich der Krankenhäuser wird die Versorgung auf dem Land mit 2,2 deutlich schlechter bewertet als mit 1,6 in der Stadt.

„Insgesamt ist in unserer Befragung ein großes Gefälle der subjektiven Bedarfsgerechtigkeit zwischen ländlichen und städtischen Regionen erkennbar. Diese sind im Bereich der haus- und fachärztlichen Versorgung unter anderem auf einen Ärztemangel zurückzuführen. Im Bereich der Krankenhäuser ist zu erkennen, dass das Gefälle der Versorgungsqualität zwischen größeren Städten, insbesondere jenen mit Universitäten, und kleineren Städten sowie ländlichen Räumen besteht“, fasst Schmidt zusammen.

Mehr Leistungen und schnellere Termine für privat Versicherte

Privat Versicherte sind insbesondere im Bereich der Fachärzte und Krankenhausbehandlungen deutlich zufriedener als gesetzlich Versicherte. So bewerten 65 Prozent der privat Versicherten ihre fach-ärztliche Versorgung als gut bis sehr gut, während dies lediglich 52 Prozent der gesetzlich Versicherten tun. Im Bereich der Krankenhausversorgung stehen 61 Prozent zufriedene privat Versicherte 51 Prozent Zufriedenen der gesetzlich Versicherten gegenüber. Weniger deutlich fällt das Ergebnis im Bereich der hausärztlichen Versorgung aus.

„Dabei fällt auf, dass gesetzlich Versicherte in der fachärztlichen Behandlung stärkere Probleme bei der Terminvergabe und bei der Leistungsübernahme durch ihre Krankenkasse wahrnehmen als privat Versicherte“, so Schmidt.

Während nur 9,5 Prozent der privat Versicherten fehlende Leistungsübernahmen als Hauptproblem betrachten, tun dies 19,5 Prozent der gesetzlich Versicherten.

Zugleich klagen 65,8 Prozent der gesetzlich Versicherten über Probleme bei der Terminvergabe, während dies nur 55,9 Prozent der privat Versicherten tun.

Im Bereich der hausärztlichen und krankenhäuslichen Behandlung hingegen sehen sich beide Versicherungsgruppen mit den gleichen Problemen konfrontiert, also lange Wartezeiten und wenig Zeit des behandelnden Arztes bzw. einer Überlastung des Pflegepersonals.

„Die Umfrageergebnisse zeigen außerdem, dass privat Versicherte ihren Gesundheitszustand signifikant besser bewerten als gesetzlich Versicherte, was als Indikator für eine höhere Versorgungsqualität für Privatpatienten interpretiert werden kann“, so Schmidt.

Politik muss auch auf kommunaler Ebene handeln

Die bislang im Koalitionsvertrag vorgesehenen Maßnahmen reichen nach Meinung der Autoren aber nicht aus, um die unterschiedliche Versorgungsqualität zwischen Stadt und Land bzw. zwischen privat und gesetzlich Versicherten angemessen zu adressieren.

 „Neben bundespolitischen Initiativen müssen auch die Kommunen in diesen Prozess eingebunden werden, um Lösungen zu erarbeiten.

Die wissenschaftliche Kommission zur Reform der Gebührenordnung sollte bei ihrer Arbeit die Ungleichbehandlungen, insbesondere im Bereich der Fachärzte, in den Bick nehmen.

Dabei sollten neben Maßnahmen zur Angleichung von Terminvergaben auch Reformen in der Leistungsübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen diskutiert werden“, sagte Schmidt.

„Die bisher beschlossenen Maßnahmen, wie etwa die Ausweitung des Mindestsprechstundenangebotes für gesetzlich Versicherte, sind zur Lösung des Problems nicht ausreichend.“

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