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Wiederkehrender Lymphdrüsenkrebs: Rezidivierendes Hodgkin-Lymphom

Medizin am Abend Berlin Fazit: 1. Patient in deutscher Studie zu Lymphdrüsenkrebs bei Kindern und Jugendlichen

Hoffnung für Kinder und Jugendliche mit wiederkehrendem Lymphdrüsenkrebs (rezidivierendes Hodgkin-Lymphom) birgt eine internationale Studie zu neuen Medikamenten im Rahmen der Immunonkologie. 

Sie sollen die körpereigene Abwehr wieder schlagkräftig machen im Kampf gegen Tumorzellen. 

Die Studie läuft parallel in mehreren Ländern. 

Erste Ergebnisse sind vielversprechend. Sitz der Studienzentrale für Deutschland ist die Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum in Gießen. 

Anfang des Jahres hat Prof. Christine Mauz-Körholz, nationale Leiterin der Hodgkin-Studienzentrale Deutschland, den ersten Patienten in die Studie aufgenommen. 

Von links nach rechts: Prof. Christine Mauz-Körholz mit Pascal und seinem Vater Rene Lützkendorf
Von links nach rechts: Prof. Christine Mauz-Körholz mit Pascal und seinem Vater Rene Lützkendorf Universitätsklinikum Gießen
 
“Ich frage mich nicht, klappt das, sondern plane für danach“. Und Pläne für danach hat der 17-jährige Pascal Lützkendorf aus Thüringen jede Menge: Endlich wieder mit den Freunden Moped fahren, eine Angelreise nach Norwegen mit dem Papa und im Sommer zum 18. Geburtstag eine Segeltour nach Holland. Doch bis dahin gibt es für den optimistischen, offenen und scheinbar immer gut gelaunten jungen Mann noch einiges zu tun und auszuhalten im Kampf gegen den Krebs.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Lastenfahrrad 

Im Juni 2017 waren Pascals Lymphknoten am Hals plötzlich stark geschwollen. Einen Monat und viele Untersuchungen später war die Diagnose eindeutig: Morbus Hodgkin – Lymphdrüsenkrebs. „Die Diagnose war erstmal ein Schock“, sagt Pascal und sein Vater Rene ergänzt: „Das hat uns als Eltern absolut getroffen, das war der Hammer.“ Pascal hatte gerade seinen Realschulabschluss gemacht, nur die mündliche Prüfung stand noch aus, eine Lehrstelle hatte er schon sicher. Doch diese Welt stand nun erstmal still, von da an ging es nur noch um die Erkrankung und ums Überleben. Eine Chemotherapie und anschließende Bestrahlung ließen zunächst hoffen, doch noch während der Behandlung wuchs der Tumor erneut.

Mit dem wiederkehrenden Lymphdrüsenkrebs (Hodgkin-Lymphom-Rezidiv) war Pascal ein Kandidat für die aktuelle weltweite Studie zu neuen Medikamenten, die das körpereigene Immunsystem schlagkräftig für den Kampf gegen die Tumorzellen machen. Prof. Christine Mauz-Körholz aus der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum in Gießen, ist die nationale Leiterin der Hodgkin-Studienzentrale für Deutschland: „Die neuen Medikamente lassen berechtigte Hoffnung auf Heilung zu bei den sonst schwer behandelbaren Rückfällen von Lymphdrüsenkrebs. Sie wirken jenseits der Chemotherapie und haben somit auch deutlich weniger Nebenwirkungen. Pascal ist der erste Patient, den wir in unsere Deutschlandweite Studie einschließen konnten.“

Wie funktionieren die neuen Medikamente?
Während die bisherigen Behandlungsmethoden wie Chemotherapie und Bestrahlung darauf abzielen, die Tumorzellen von außen zu zerstören, arbeiten die neuen Medikamente mit einer anderen Strategie: Sie versetzen das körpereigene Immunsystem wieder in die Lage, den Kampf gegen die Tumorzellen selbst aufzunehmen. Diese neue Perspektive der sogenannten Immunonkologie bietet also Hilfe zur Selbsthilfe. Bei der Abwehr von Viren, Bakterien, aber auch Krebszellen schickt das Immunsystem eine Sondereinsatztruppe aus T-Zellen und sogenannten Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) in den Kampf. Sie können Krebszellen aufspüren, erkennen und vernichten. Bei vielen Krebsformen haben die Tumorzellen jedoch Strategien entwickelt, dieser Verfolgung zu entkommen (Escape-Mechanismen).

Beispielsweise können sie sich auf unterschiedliche Arten so gut tarnen, dass sie für die körpereigene Sondereinsatztruppe nicht mehr erkennbar sind. Genau hier setzen die neuen Medikamente an: Sie boykottieren diese Tarn-Mechanismen und machen die bösartigen Zellen wieder erkennbar und angreifbar.

Eine solche Immuntherapie gegen Lymphdrüsenkrebs bekommt nun auch Pascal im Rahmen der Studie. Bei Erwachsenen mit mehreren Rückfällen des Hodgkin-Lymphoms haben Studien bereits belegt, dass die Behandlung außerordentlich wirksam ist, deshalb wurde sie für diese Patienten bereits 2016 von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA zugelassen. Wie effektiv die Medikamente bei Kindern und Jugendlichen sind, soll die aktuelle Studie, die parallel in mehreren Ländern läuft, nun zeigen. „Ein derartiger neuer Therapieansatz ist nur in einem speziellen Studienzentrum möglich, wie es sich in Gießen zum Hodgkin Lymphom unter der Leitung von Prof. Dieter Körholz und Prof. Christine Mauz-Körholz in der Kinderonkologie mit Federführung für Deutschland etabliert hat“, betont der Dekan des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität, Prof. Dr. Wolfgang Weidner.

Wie läuft die Behandlung ab?
In insgesamt vier Zyklen bekommt Pascal nun statt einer Chemotherapie die neue Immuntherapie. Sie besteht aus dem neuen Medikament, das die Körpereigene Abwehr wieder schlagkräftig macht und einem bereits erprobten Antikörper, gekoppelt mit einem kleinen Anteil eines Chemotherapeutikums, der sich direkt gegen die Krebszellen richtet.  

Die Medikamente werden per Infusion verabreicht. 

Gut einen halben Tag ist Pascal dafür in Gießen, dann kann er wieder nachhause. Drei Wochen später gibt es die nächste Infusion. 

In der Zwischenzeit wird durch Blutuntersuchungen und ein spezielles Bildgebendes Verfahren (PET/CT) regelmäßig kontrolliert und dokumentiert, wie die Therapie anschlägt. 

 Drei Zyklen hat der 17-Jährige bereits hinter sich und dabei - im Gegensatz zur Chemotherapie – keinerlei Nebenwirkungen festgestellt: „Mir geht es gut. Ich habe schon nach dem ersten Zyklus gemerkt, wie die Lymphknoten kleiner geworden sind, ich konnte sie kaum noch fühlen.“ Auch Studienleiterin Prof. Christine Mauz-Körholz ist mit dem Therapieverlauf bei Pascal sehr zufrieden: „Schon nach zwei Zyklen haben wir im PET/CT gesehen, dass die Aktivitäten im Tumor zum Stillstand gekommen sind. Das heißt, Pascal hat bislang optimal auf die Therapie angesprochen. Dieses wirklich tolle Ergebnis deckt sich mit den ersten Erfahrungen aus den Parallelstudien in anderen Ländern. In Frankreich waren bis Ende 2017 bereits acht Patienten behandelt worden. Bei allen gab es am Ende des 4. Zyklus keine Tumoraktivität mehr. Das hat bislang eigentlich noch keine Therapie bei Kindern und Jugendlichen mit wiederkehrendem Hodgkin-Lymphom geschafft.“ „Nachdem wir ja schon vorher einen Rückschlag erlebt haben, bedeutet die Studie für uns ganz klar Hoffnung“, sagt Pascals Vater.

Abgeschlossen ist Pascals Behandlung nach der Immuntherapie aber noch nicht.

Da die neuen Medikamente noch in der Erprobungsphase sind, bekommt der 17-Jährige im Anschluss an diese Behandlung noch eine konventionelle Hochdosis-Chemotherapie, die mit einer Stammzelltransplantation verbunden ist.

 „Das ist ein Sicherheitspaket, auf das wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verzichten können“, erklärt die Professorin.

Der junge Patient aus Thüringen nimmt auch das gelassen und denkt lieber an die Zeit danach:

 „Es sind ganz seltene Momente, wo ich sauer bin und mich frage, muss das alles sein?

Eines lernt man bei dieser Krankheit und das ist, Geduld zu haben und nach vorne zu schauen. Darin bin ich jetzt echt gut.“

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Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH

Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie
Prof. Dr. Christine Mauz-Körholz
Leiterin der Hodgkin-Studienzentrale
Zentrum für Kinderheilkunde der Justus-Liebig-Universität Gießen
Feulgenstraße 12
35392 Gießen
Tel: +49 (0)641-985-59524/-43667
E-Mail: christine.mauz-koerholz@paediat.med.uni-giessen.de
Web: hodgkin@paediat.med.uni-giessen.de

Fachbereich Medizin der JLU Gießen
Prof. Dr. Wolfgang Weidner
Dekan des Fachbereichs Medizin
Medizinisches Lehrzentrum
Lehrgebäude und Dekanat, Seltersberg
Klinikstraße 29
Tel.: +49 (0)641- 99- 48000
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35392 Gießen
Deutschland
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CAVE: Zentrale Notaufnahme: Entzündungsreaktion nach Schlaganfall

Medizin am Abend Berlin Fazit: Entzündungsreaktion nach Schlaganfall beschleunigt Atherosklerose 

Experimentelle Studie am Münchner Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung zeigt die negativen Auswirkungen von Schlaganfall auf bestehende Makroangiopathie. 


v.re: Dr. Arthur Liesz und Stefan Roth, Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung v.re: Dr. Arthur Liesz und Stefan Roth, Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung
Klinikum der Universität München

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Subventionen  
 
Schlaganfall ist nach wie vor eine der Haupttodesursachen in entwickelten Ländern.  

Nach einem ersten Schlaganfall ist das Risiko für ein weiteres Ereignis über Jahre hin erhöht. 
  • Frühere Studien zeigten auf, dass insbesondere eine Atherosklerose in den großen Blutgefäßen deutlich mit rezidivierendem Schlaganfall assoziiert wird. 
  • Atherosklerose ist eine chronische Entzündung der Arterienwände, in dessen Verlauf es zur Bildung von atherosklerotischen Plaques (Gefäßverkalkungen) kommt. 
  • Diese können zu Rissen in der Blutgefäßwand führen und Infarkte in den Endorgangen, etwa im Gehirn, verursachen.

Welche Mechanismen dieser erhöhten Rezidivrate nach Schlaganfall aufgrund einer Atherosklerose zugrunde liegen, war bislang allerdings unbekannt.

Schlaganfall selbst führt zu einer multiphasischen Immunkaskade des systemischen Immunkompartiments. 

  • Bereits wenige Stunden nach Schlaganfall kommt es zu einer sterilen Entzündung. 

Diese Entzündung lässt sich auch nach Wochen sowohl in Patienten als auch in Mäusen nachweisen. In einer vorhergehenden Arbeit der Arbeitsgruppe von Dr. Artur Liesz am Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung konnte bereits gezeigt werden, dass ein Grund hierfür sogenannte Alarmine sind.

  • Alarmine sind verschiedenste Moleküle (Proteine, DNA, etc.), die von sterbenden Hirnzellen in die Blutzirkulation ausgeschüttet werden. 
  • Hier können sie via bestimmter Rezeptoren (sogenannte Pattern Recognition Receptors) verschiedenste (Immun)-Zellen aktivieren.

In der aktuellen Arbeit konnte das Team von Dr. Liesz erstmals nachweisen, dass es einen mechanistischen Zusammenhang zwischen Alarminen nach Schlaganfall und beschleunigter Atheroskleroseprogression gibt. 

In einer experimentellen Studie mit internationalen Kollaborationspartnern (Deutschland, Frankreich, Italien, Schweden, Schweiz, Vereinigte Königreiche), die in der aktuellen Ausgabe von Science Translational Medicine erschienen ist, konnte der Mechanismus im Detail aufgedeckt werden und zugleich potentielle Zugriffspunkte für zukünftige Therapieansätze gefunden werden.

  • Demnach kommt es nach Schlaganfall zu einer Synergie aus stressinduzierter Aktivierung des Knochenmarks und zugleich zu massiver Ausschüttung von Alarminen aus dem Gehirn. 
  • Immunzellen des Knochenmarks (sogenannte Monozyten) werden mobilisiert und der Anstieg von immunologischen Botenstoffen (Chemokine) und Adhäsionsmolekülen auf den Gefäßwänden führt zu einer neuen Welle von Immunzellen, die in die Entzündungsherde der vorhandenen Plaques einwandern. 
  • Es konnte gezeigt werden, dass dies nicht nur zur Vergrößerung, sondern auch zu einer gesteigerten Vulnerabilität der atherosklerotischen Plaques führt.

Durch pharmakologische Hemmung der adrenergen Knochenmarksaktivierung beziehungsweise der ausgeschütteten Alarmine konnte die Einwanderung entzündlicher Zellen in die Plaques vermindert werden.

Die Ergebnisse dieser Studie wecken die Hoffnung, dass eine Blockade der aufgedeckten immunologischen Checkpoints auch beim Menschen angewendet werden kann.

Hierdurch ließe sich möglicherweise die hohe Rezidivrate nach atherosklerotischem Schlaganfall reduzieren.

Publikation
Brain-released alarmins and stress response synergize in acelerating atherosclerosis progression after stroke
Stefan Roth, Vikramjeet Singh, Steffen Tiedt, Lisa Schindler, Georg Huber, Arie Geerlof, Daniel J. Antoine, Antoine Anfray, Cyrille Orset, Maxime Gauberti, Antoine Fournier, Lesca M. Holdt, Helena Erlandsson Harris, Britta Engelhardt, Marco E. Bianchi, Denis Vivien, Christof Haffner, Jürgen Bernhagen, Martin Dichgans, Arthur Liesz

DOI: http://dx.doi.org/10.1126/scitranslmed.aao1313

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Dr. Arthur Liesz
Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD)
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„Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn“

Medizin am Abend Berlin Fazit: Kostet jedes Kind die Mutter tatsächlich einen Zahn?

Datenauswertung zeigt: Anzahl der Kinder kann Einfluss auf Mundgesundheit der Mütter haben und späteren Zahnverlust begünstigen / Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg und Kollegen nutzen innovative statistische Verfahren für schwer zu beantwortende medizinischen Fragestellungen / Veröffentlichung in Journal of Epidemiology & Community Health 

Was ist dran an der Redensart „Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn“? Forscher wenden innovative statistische Verfahren an.
Was ist dran an der Redensart „Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn“? Forscher wenden innovative statistische Verfahren an. Universitätsklinikum Heidelberg
 
Ob ein Ereignis x – beispielsweise die Geburt eines Kindes – mit einem gesundheitlichen Problem y – wie späterem Zahnverlust – ursächlich zusammenhängt, ließ sich bisher kaum überprüfen: Denn wie bei vielen komplexen Fragestellungen der Gesundheitsforschung ist die Durchführung klinischer Studien mit zufälliger Einteilung in Vergleichsgruppen aus praktischen wie ethischen Gründen nicht möglich. Um dieses Problem ein Stück weit zu lösen, haben Wissenschaftler aus Heidelberg, Wuppertal, München, Worms und Nijmegen (Niederlande) nun in einem neuen Ansatz statistische Methoden aus der Ökonometrie auf die medizinische Forschung übertragen. Beispielhaft wollten sie wissen, was dran ist an der Redensart „Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn“. Nach Auswertung von Daten von mehr als 34.000 Personen aus dem „Survey of Health, Ageing, and Retirement in Europe“, einer Datenerhebung in 14 europäischen Ländern und Israel, kamen sie zu dem Ergebnis: Offensichtlich kann die Geburt eines Kindes tatsächlich zu überdurchschnittlich häufigem Zahnverlust führen. Die Ergebnisse der Auswertung sind nun im „Journal of Epidemiology & Community Health“ erschienen.

„Den Ergebnissen unserer Untersuchung lässt sich entnehmen, dass zusätzliche Schwangerschaften tendenziell einen Effekt auf die Mundgesundheit der Mütter haben können“, erläutert Seniorautor Prof. Stefan Listl, Leiter der Sektion Translationale Gesundheitsökonomie an der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde des Universitätsklinikums Heidelberg. „Das ist medizinisch plausibel. Wir wissen z.B., dass während der Schwangerschaft das Risiko für Zahnfleischerkrankungen steigt. Über die genauen Ursachen für das erhöhte Risiko des Zahnverlusts lassen unsere Untersuchungen allerdings keine Aussage zu. “ Viel wichtiger ist den Forschern allerdings der Beweis, dass man sich bisher unlösbaren epidemiologischen Fragestellungen mit diesen statistischen Werkzeugen sinnvoll nähern kann. „Mit diesen sogenannten quasi-experimentellen Methodenkann man kausale Zusammenhänge untersuchen, auch wenn randomisierte klinische Studien bzw. Längsschnittstudien nicht möglich sind. Gerade in Bezug auf die Mund- und Zahngesundheit könnte das ein hilfreiches Werkzeug sein – zählen Erkrankungen der Zähne doch weltweit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt, mit gravierenden Auswirkungen auf die Lebensqualität“, so der Zahnmediziner und Ökonom.

Zufall ist unerlässlich für Aussagekraft – doch wann ist ein Kind Zufall?

Um zweifelsfrei herauszufinden, ob Kinderkriegen tatsächlich das Risiko der Mutter für Zahnverlust erhöht, ist der Vergleich mit einer Kontrollgruppe nötig. Im üblichen Studiendesign würden dazu die Probandinnen zufällig in zwei oder mehr Gruppen eingeteilt: Das Los würde darüber entscheiden, wer kinderlos bleibt oder ein, zwei oder mehr Kinder bekommt. Eine solche Studie ist nicht umsetzbar.

Die Wissenschaftler arbeiteten daher mit einem Trick: Sie suchten im umfangreichen Datensatz des Surveys nach sogenannten naturgegeben Zufallsvarianten, also Anhaltspunkten nach mehr oder weniger „zufällig zustande gekommenen“ Kindern. Die erste Variante liegt auf der Hand: Der Vergleich von Einzel- und Zwillingsgeburten. Einen Unterschied im Zahnbestand der Mütter im Alter 50 plus fanden die Forscher allerdings nicht. „Es könnte sein, dass Zwillingsmütter von Natur aus gesünder und daher weniger anfällig für Zahnprobleme sind“, kann sich Listl vorstellen. Darüber hinaus nahm das Team Familien in den Blick, bei denen auf zwei Kinder desselben Geschlechts noch ein drittes folgte. Denn es ist statistisch erwiesen, dass bei dieser Konstellation die Wahrscheinlichkeit für ein drittes Kind steigt: Häufig steht dahinter die Hoffnung, nach zwei Jungs doch noch ein Mädchen oder umgekehrt zu bekommen. Als Vergleich dienten Mütter mit zwei Kindern unterschiedlichen Geschlechts. Hier fiel der Unterschied beachtlich aus: Mütter mit drei Kindern hatten in ihrer zweiten Lebenshälfte im Durchschnitt rund vier Zähne weniger als Mütter mit zwei Kindern.

Fazit: Mundgesundheit während der Schwangerschaft im Blick behalten

Welchen Nutzen können werdende Mütter trotz aller Einschränkungen aus diesen Ergebnissen ziehen? „Sich des Risikos bewusst sein, während der Schwangerschaft auf sorgfältige Mundhygiene achten und regelmäßig zum Zahnarzt gehen.“, rät Listl. Übrigens prüften die Forscher auch den Zahnbestand der Väter. Hier fanden sie keinen Zusammenhang zwischen der Anzahl von Kindern und Zähnen.

Literatur:
Gabel F, Jürges H, Kruk KE, Listl S. et al. Gain a child, lose a tooth? Using natural experiments to distinguish between fact and fiction. J Epidemiol Community Health Published Online First: 13 March 2018. doi: 10.1136/jech-2017-210210

Englische Pressemeldung des Journal of Epidemiology & Community Health: Larger families linked to heightened tooth loss risk for mums
http://www.bmj.com/company/newsroom/larger-families-linked-to-heightened-tooth-l...

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Prof. Dr. Dr. Stefan Listl, M.Sc.
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Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg: Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit fast 2.000 Betten werden jährlich rund 65.000 Patienten vollstationär, 56.000 mal Patienten teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum und der Deutschen Krebshilfe hat das Universitätsklinikum Heidelberg das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg etabliert, das führende onkologische Spitzenzentrum in Deutschland. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.700 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.
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Kardiovaskuläre Arbeit der Hausarztpraxis

Medizin am Abend Berlin Fazit: Studie über Optimierung kardiovaskulärer Prävention in der Hausarzt-Praxis

An einem Herz-Kreislauf-Leiden stirbt fast jeder zweite Mensch in Deutschland. 

Da die Risikofaktoren Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, erhöhter Cholesterin-Spiegel, Diabetes und Bluthochdruck beeinflussbar sind, kommt Prävention hier eine Schlüsselrolle zu. 

  • Aber das Gesamtrisiko wird oft unterschätzt. 

Doch Hausärzte sind in der Lage und dazu bereit, verbesserte Konzepte zur kardiovaskulären Prävention in ihren Praxisalltag zu integrieren, stellt ein Forscher des Instituts für Hausarztmedizin am Universitätsklinikums Bonn im Rahmen seiner Habilitation fest. 

Notfall stoppen: PD Dr. Markus Bleckwenn vom Institut für Hausarztmedizin am Bonner Uni-Klinikum untersuchte Möglichkeiten der kardiovaskulären Prävention in der Hausarzt;
Notfall stoppen: PD Dr. Markus Bleckwenn vom Institut für Hausarztmedizin am Bonner Uni-Klinikum untersuchte Möglichkeiten der kardiovaskulären Prävention in der Hausarzt;
Foto: Johann Saba / UK Bonn
 
Bewegungsmangel, Übergewicht sowie Nikotin- und Alkoholkonsum begünstigen die Zunahme von durch Arterienverkalkung bedingter Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So sind Herzinfarkt und Schlaganfall die häufigste Todesursache in Europa. „Doch allein ein sofortiger Rauch-Stopp kann das persönliche Risiko um mindestens die Hälfte senken“, sagt Privatdozent Dr. Bleckwenn, Hausarzt in Linz und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Hausarztmedizin des Universitätsklinikums Bonn. „Wir müssen in Deutschland hin zu einer kardiovaskulären Prävention, denn sie ist effektiv und für das Gesundheitssystem preiswert. Auf der anderen Seite kann Arteriosklerose nicht repariert, aber durch Vorsorge positiv beeinflusst werden.“ Nur etwa 25 Prozent des Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen ist genetisch vorherbestimmt; der weitaus größte Anteil wird durch das Gesundheitsverhalten der Patienten bestimmt. So können Patienten das Auftreten von Herzinfarkt und Schlaganfall verhindern, indem sie Gesundheit gefährdetes Verhalten unterlassen. In seiner Habilitation, der ersten am Bonner Uni-Institut für Hausarztmedizin, ist Bleckwenn deshalb den Möglichkeiten einer kardiovaskulären Prävention in der Hausarztpraxis auf den Grund gegangen.

Hausarzt ist Zentrum der Prävention

Der Hausarzt ist erste Anlaufstelle für Patienten und er hat alle Informationen. Etwa jeder vierte seiner Patienten ist ein Hochrisikopatient mit einem Diabetes oder einer Arteriosklerose, also eine chronisch entzündliche Gefäßerkrankung mit zunehmender Verengung der Arterien durch Ablagerung von Fett und Kalk. Die Behandlung von Risikofaktoren macht einen Großteil der Besuche beim Hausarzt aus. Vorsorgeuntersuchungen bieten die beste Möglichkeit, Patienten mit einem kardiovaskulären Risiko zu identifizieren. Doch diesen „Checkup“, der allen gesetzlich Versicherten über dem 35. Lebensjahr angeboten wird, nutzt nur jeder Zweite.

Hausarzt und Patient treffen im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung gemeinsam eine Entscheidung über Präventionsmaßnahmen. Dazu wurde im Rahmen der Habilitation in den beteiligten Lehrpraxen des Bonner Uni-Instituts für Hausarztmedizin ein standarisierter Risikokalkulator eingesetzt. Das Softwareprogramm berechnet das individuelle Gesamtrisiko, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Der Patient erfährt aber auch durch welche Verhaltensänderung oder medikamentöse Therapie beispielsweise zur Cholesterinsenkung er sein Risiko reduzieren kann. Problematisch wird es dann, wenn Patienten neben den kardiovaskulären Risikofaktoren noch weitere behandlungsbedürftige Erkrankungen haben. „Alle teilnehmenden Patienten nahmen die Präventionsansprache und Durchführung durchweg positiv an. Insbesondere die einfache visuelle Darstellung war bei vielen unserer Patienten hilfreich, die entsprechende Aufmerksamkeit auf das Thema Prävention zu lenken“, sagt Hausarzt Dr. Sebastian Münster. Seine Gemeinschaftspraxis in Troisdorf ist Lehrpraxis der Medizinischen Fakultät Bonn und gehörte zu den 12 Hausarzt-Praxen, die sich an der Studie beteiligten.

„Motivation braucht Zeit, die immer weniger vorhanden ist.“

An erster Stelle steht den Lebensstil zu ändern. Dazu gehört neben einer mediterranen Ernährung und ausreichend Bewegung vor allem mit dem Rauchen aufzuhören. Durch einen Rauchstopp kann das Herzinfarkt-Risiko um 50 Prozent gesenkt werden. Doch trotz Präventionskampagnen rauchen nach wie vor 14,2 Millionen, also jeder dritte Mensch in Deutschland. „Die Herausforderung für den Hausarzt ist, einen Menschen zu einer Verhaltensänderung zu bewegen, ohne dass schon etwas passiert ist. Dabei unterschätzt der Hausarzt meist seinen Effekt auf den Patienten“, sagt Bleckwenn. „Aber er muss sich die Zeit nehmen, um den Patienten zu motivieren.“ Denn Prävention bedeutet eine lange Zusammenarbeit von Arzt und Patient, denn eine Verhaltensänderung wie das Rauchen geht nicht über Nacht. Neben der meist geringen Motivation des Rauchers mangelt es gerade hier an einer Kostenübernahme seitens der Krankenkassen sowie geeigneten Konzepten und Fortbildungen. Zudem ist Rauchentwöhnung erst neuerdings ein „Wahlfach“ im Medizin-Studium.

Aufgrund der demographischen Entwicklung wird der Präventionsbedarf in den nächsten Jahrzehnten kontinuierlich weiter ansteigen. Zukünftige Konzepte müssen also die durch den demographischen Wandel ansteigende Anzahl an Risikopatienten, deren Mehrfacherkrankungen und die dadurch eingeschränkten Ressourcen der Hausärzte berücksichtigen. „Von einer verbesserten kardiovaskulären Prävention würden alle Generationen profitieren. Hausärzte sind daher ohne zusätzliche Kostenübernahme und trotz Zeitmangels durchaus bereit, ein dafür notwendiges Risikomanagement in ihren Praxisalltag zu integrieren“, fasst Bleckwenn das Ergebnis seiner Habilitation zusammen. So auch das Fazit von dem Troisdorfer Hausarzt Münster im Anschluss an die Studie: „Vor allem die Implementierung der visuellen Risikoanalyse in die Sprechstunde und unser Online-Angebot wurde fortgeführt und stetig ausgebaut.“

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Dr. Inka Väth Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Dr. Inka Väth
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Fax: 0228/73-7451
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Knochenheilung gefährdet.....

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Arbeiten zur Fettzellbiologie

Fettzellen liefern nicht nur Körperwärme und Energie, sondern können auch krank machen. 

Der Nachwuchspreisträger Prof. Tim Schulz erforscht, wie verschiedene Fettzell-Typen entstehen, wie sie wirken und wie sich diese Wirkung in Richtung einer besseren Gesundheit steuern lässt – vor allem im Alter.
 
Professor Dr. Tim J. Schulz vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) Potsdam-Rehbrücke erhielt  den mit 60.000 Euro dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2018 in der Frankfurter Paulskirche.

Der Biochemiker wird für seine medizinisch und ernährungsphysiologisch relevante Grundlagenforschung zur Entstehung und Wirkung von weißem und braunem Fett ausgezeichnet. 

Schulz hat gezeigt, wie Stammzellen weißes und braunes Fett hervorbringen, unter welchen Bedingungen sie dies tun und wie weißes Fett der Knochengesundheit im Alter schadet. 
  • Schulz hat zudem ermittelt, dass eine bei der Behandlung von Diabetes oft genutzte Wirkstoffklasse die schädliche Wirkung des weißen Fetts im Knochen reduziert. 
Damit verbessern diese Medikamente möglicherweise die Knochengesundheit im Alter. „Die Arbeiten von Tim J. Schulz greifen mit dem Thema Übergewicht ein hoch relevantes Forschungsgebiet auf“, schreibt der Stiftungsrat in seiner Begründung. „Schulz betrachtet dabei nicht nur die schädlichen Wirkungen des weißen Fetts, sondern prüft auch, ob man Übergewicht und die dadurch begünstigten Erkrankungen durch die gezielte Erzeugung von mehr braunem Fett verhindern kann und welche Rolle die Ernährung dabei spielt“. Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis wird von Professor Dr. Thomas Boehm, Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg und Vorsitzender des Stiftungsrats überreicht.

Fett ist nicht gleich Fett. Das gilt auch für die Polster des Körpers. Braunes Fett erzeugt Wärme und schützt vor Auskühlung. Weißes Fett speichert die ungenutzte Energie aus der Nahrung und wird bei kalorienreicher Ernährung kaum angetastet. Ein Zuviel an weißem Fett belastet den Körper in der Regel mehr als es ihm dient. 

Im Alter wird zudem auch mehr weißes Fett in den Organen und Knochen abgelagert, nicht nur im Unterhautgewebe. Diese Verfettung trägt vermutlich erheblich zur Entstehung vieler im Alter gehäuft auftretender Erkrankungen wie Diabetes, Fettleber oder schlechter Knochenheilung bei.

Wie alle Zellen des Körpers gehen auch braune und weiße Fettzellen aus Stammzellen hervor. Braunes Fett entsteht allerdings nur aus einigen wenigen, eigens dafür vorgesehenen braunen Fett-Stammzellen. Früher dachte man, dass nur Neugeborene diese kostbare Ressource besitzen. Das ist aber nicht der Fall. Erwachsene haben vor allem am Oberkörper braunes Fett, und zwar entlang der Schulterblätter, in den tiefen Halsregionen, an den großen Blutgefäßen und entlang der Wirbelsäule. Schulz hat die Entstehung von braunen Fettzellen aus Stammzellen untersucht und gezeigt, dass man die Synthese über einen speziellen Botenstoff steuern kann. Dies passt zu dem bekannten Konzept, Übergewicht durch mehr braunes Fett bekämpfen zu wollen. Statt die unnötigen Kalorien in den weißen Fettdepots zu lagern, würden sie in den braunen Fettdepots in Wärme umgewandelt werden. Braunes Fett wäre dann ein Schlankmacher. Schulz konnte auch zeigen, dass die braunen Fett-Stammzellen altern und dabei ihre Fähigkeit verlieren, mehr braunes Fett zu bilden. Er hat relevante Aspekte und Zielmoleküle dieses Alterungsprozesses identifiziert und hofft, dass einige davon therapeutisch nutzbar sind.

Weitreichend sind auch seine Ergebnisse zur Rolle von weißem Fett im Knochen. Schulz hat nachgewiesen, dass die Stammzellen des Knochens mit fortschreitendem Alter und bei fettreicher Kost kein Knochengewebe mehr hervorbringen, sondern weißes Fett. Dieses Fett schadet den Knochen nicht nur durch seine Präsenz, sondern auch durch die Bildung eines hormonabbauenden Enzyms, das es den Stammzellen noch schwerer macht, Knochengewebe zu produzieren.

Dies und der Umstand, dass weißes Fett auch den blutbildenden Stammzellen des Knochenmarks schadet, könnte der Grund für die schlechte Knochenheilung im Alter sein. Schulz konnte zudem zeigen, dass eine bei der Diabetes-Therapie weit verbreitete Wirkstoffklasse das Enzym hemmt, das von dem weißen Fett in den Knochen gebildet wird. Bei dieser Wirkstoffklasse handelt es sich um die sogenannten Gliptine. Ob Sie neben ihrer Wirkung beim Diabetes auch die Knochengesundheit im Alter verbessern können, muss allerdings erst noch in klinischen Studien gezeigt werden. Schulz beschäftigt sich derzeit auch damit, wie die Zusammensetzung der Nahrung die Stammzellen des Knochens beeinflusst und ob gewisse Ernährungsformen über die Stammzellen auch die Knochenheilung voranbringen können.

Kurzbiographie Professor Dr. Tim Julius Schulz
Tim J. Schulz (39) wurde 1979 in Northeim geboren und studierte Biochemie an der Universität Potsdam. 2007 promovierte er bei Professor Michael Ristow an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Für seine Dissertation erhielt er den Promotionspreis der Biologisch-Pharmazeutischen Fakultät. Nach seiner Promotion verbrachte Schulz fünf Jahre am Joslin Diabetes Center in Boston, das zur Harvard Medical School gehört. Dort arbeitete er mit Frau Professor Yu-Hua Tseng vom Department of Integrative Physiology and Metabolism zusammen. Von 2012 bis 2016 leitete Schulz die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Emmy Noether-Nachwuchsgruppe "Fettzell-Entwicklung" am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE). Seit 2016 ist Schulz Leiter der Abteilung "Fettzell-Entwicklung und Ernährung" am DIfE, einem Partner des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). Gleichzeitig wurde Schulz auch zum W2-Professor an der Universität Potsdam berufen. 2013 wurde ihm ein Starting Grant des European Research Council (ERC) in Höhe von 1.5 Millionen Euro zugesprochen.

Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis
Der 2006 erstmals vergebene Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis wird von der Paul Ehrlich-Stiftung einmal jährlich an einen in Deutschland tätigen Nachwuchswissenschaftler oder eine in Deutschland tätige Nachwuchswissenschaftlerin verliehen, und zwar für herausragende Leistungen in der biomedizinischen Forschung. Das Preisgeld von 60.000 € muss forschungsbezogen verwendet werden. Vorschlagsberechtigt sind Hochschullehrer und Hochschullehrerinnen sowie leitende Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen an deutschen Forschungseinrichtungen. Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch den Stiftungsrat auf Vorschlag einer achtköpfigen Auswahlkommission.

Die Paul Ehrlich-Stiftung
Die Paul Ehrlich-Stiftung ist eine rechtlich unselbstständige Stiftung, die treuhänderisch von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität verwaltet wird. Ehrenpräsident der 1929 von Hedwig Ehrlich eingerichteten Stiftung ist Professor Dr. Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der auch die gewählten Mitglieder des Stiftungsrates und des Kuratoriums beruft. Vorsitzender des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung ist Professor Dr. Thomas Boehm, Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, Vorsitzender des Kuratoriums ist Professor Dr. Jochen Maas, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Prof. Dr. Wilhelm Bender ist in seiner Funktion als Vorsitzender der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität zugleich Mitglied des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung. Die Präsidentin der Goethe-Universität ist in dieser Funktion zugleich Mitglied des Kuratoriums.

Hintergrundinformation zur Verleihung des Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreises 2018 an Professor Dr. Tim J. Schulz

Schützt braunes Fett vor Krankheit? – Lektionen aus der Fettzell-Forschung

Der diesjährige Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreisträger Professor Dr. Tim J. Schulz prüft den Einfluss verschiedener Fettzelltypen auf die Entstehung von Stoffwechselerkrankungen und hat eine mögliche Therapieoption für den schädlichen Einfluss von weißem Fett auf die Knochenheilung entdeckt.

Fett ist nicht gleich Fett, weder dem Aussehen nach, noch den Aufgaben nach. Braunes Fett ist nützlich, weil es nur Wärme erzeugt, weißes Fett ist als weitgehend ungenutzte Energiereserve eher schädlich. Schulz untersucht, wie beide Typen von Fettgewebe aus Stammzellen hervorgehen, ob eine Vermehrung von braunem Fett therapeutisch sinnvoll und möglich ist und welche Rolle beide Sorten bei den im Alter gehäuft auftretenden Stoffwechselstörungen wie Übergewicht, Diabetes und schlechter Knochenheilung spielen. Dabei hat er auch mögliche Behandlungsansätze im Blick und prüft, welchen Einfluss die Zusammensetzung der Nahrung auf das Schicksal der Fettstammzellen hat. Schulz ist Abteilungsleiter am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) Potsdam-Rehbrücke in Potsdam, einem Partner des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD).

Der Nachwuchspreisträger begann seine Karriere nicht mit der Erforschung der Fettzellen, sondern mit der Erforschung der Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle. Er untersuchte, welche Rolle der dort angesiedelte Energiestoffwechsel bei der Alterung und bei verschiedenen Erkrankungen spielt. Weil Mitochondrien für die Funktion von braunem und weißem Fett erforderlich sind und im Alter mehr weißes statt braunes Fett gebildet wird, lag es nahe, nach Querverbindungen zwischen dem Energiestoffwechsel, der Alterung und den verschiedenen Fettzelltypen zu suchen.
Mitochondrien gehören zur Grundausstattung der Zelle, weil dort aus Zucker oder Fett Energieäquivalente für den zellulären Bau- und Betriebsstoffwechsel produziert werden. Dabei fallen reaktive Sauerstoffverbindungen an. Diese Verbindungen können allerlei Schaden anrichten, weshalb sich die Zelle vor diesen Verbindungen hüten muss. Schulz hat in seinen frühen Arbeiten vor allem Zweierlei gezeigt. Zum einen, dass ein Protein mit dem Namen Frataxin den Zellen hilft, sich vor den Schäden durch die reaktiven Sauerstoffverbindungen zu schützen und dass die reaktiven Sauerstoffverbindungen in geringer Dosierung den gegen sie gerichteten Schutzmechanismus in Gang setzen. Gering konzentriert, fungieren sie also wie ein Botenstoff. Bei den reaktiven Sauerstoffverbindungen macht die Dosis das Gift. Zu den bemerkenswertesten Erkenntnissen von Schulz und seinem Doktorvater Professor Michael Ristow, der heute an der ETH Zürich forscht, gehört zudem, dass die als Nahrungsergänzungsmittel eingenommenen Antioxidantien wie Vitamin C, die reaktiven Sauerstoffverbindungen daran hindern, den Schutzmechanismus in Gang zu setzen. Die Zellen stehen dann ohne Fürsorge da, was den vermuteten Nutzen einer erhöhten Zufuhr in Form von Nahrungsergänzungsmitteln für Gesunde zumindest in Zweifel zieht.

Gutes Fett, schlechtes Fett
Während seiner Zeit am Joslin Diabetes Center in Boston hat Tim J. Schulz erstmals mit weißen und braunen Fettzellen gearbeitet. Die renommierte Einrichtung gehört zur Harvard Medical School. Damals waren gerade mehrere Veröffentlichungen erschienen, die eindeutig belegten, worüber schon lange spekuliert worden war, nämlich dass auch Erwachsene braunes Fett haben. Früher dachte man, dass nur Neugeborene über diese kostbare Ressource verfügen und dass sie mit dem Heranwachsen verloren geht. Erwachsene haben vor allem am Oberkörper braunes Fett, und zwar entlang der Schulterblätter, in den tiefen Halsregionen, an den großen Blutgefäßen und entlang der Wirbelsäule.

Warum ist braunes Fett wertvoller als weißes Fett? Braunes Fett erzeugt Wärme. Es schützt den Körper vor Auskühlung und wenn es entsprechende Signale erhält, sogar pausenlos. Menschen, die in kalten Regionen der Erde leben, haben deshalb mehr braunes Fett als Menschen in warmen Regionen. Seine Farbe bezieht das braune Fett von den vielen eisenhaltigen Mitochondrien und der guten Durchblutung. Weißes Fett speichert dagegen nur die ungenutzte Energie aus der Nahrung und dient als Energiereserve, die aber bei einer hochkalorischen Ernährung nur selten abgerufen wird. Weiße Fettdepots sind vor allem auch dann ein Problem, wenn sie sich um die Organe herum oder im Knochen angesiedelt haben.

Schulz knüpfte am Joslin Diabetes Center an eine Beobachtung seiner damaligen Mentorin, Frau Professor Yu-Hua Tseng, an. Diese hatte gezeigt, dass die primären Fettstammzellen nur weißes Fett hervorbringen, wenn sie keine anderen Signale erhalten. Braunes Fett entsteht aus wenigen, eigens dafür vorgesehenen braunen Fettstammzellen. Allerdings können auch die primären Fettstammzellen braunes Fett erzeugen, wenn sie entsprechend instruiert werden, und zwar über den Botenstoff BMP-7. Schulz hat diesen Prozess genauer untersucht und gezeigt, dass man die Synthese von braunem Fett aus primären Fettstammzellen über BMP-7 steuern kann. Wenn kein braunes Fett mehr aus den eigens dafür vorgesehenen Stammzellen gebildet wird, kann allerdings auch weißes Fett braun werden, indem nachträglich mehr Mitochondrien einlagert werden. Diese Ergebnisse legen nahe, dass sich die Energiebilanz vielleicht durch mehr braunes Fett beeinflussen lässt. Statt die unnötigen Kalorien in den weißen Fettdepots zu lagern, würden sie dann in den braunen Fettdepots in Wärme umgewandelt. Braunes Fett hätte dann das Zeug zum Schlankmacher. Einen wichtigen Hebel für die Synthese von mehr braunem Fett haben Schulz und Tseng mit dem BMP-7 entdeckt.

Weißes Fett schadet der Knochengesundheit
Der Nachwuchspreisträger interessiert sich heute für die Frage, ob und wie der altersbedingte Verlust von braunem Fett zu den in der zweiten Lebenshälfte gehäuft auftretenden Stoffwechselproblemen wie Übergewicht oder Insulinresistenz beiträgt. Mit dem Alter nimmt die Fähigkeit des Körpers ab, nützliches braunes Fett zu bilden. Gleichzeitig wird mehr weißes Fett eingelagert. Schulz untersucht deshalb, was beim Älterwerden mit den verschiedenen Fettstammzellen geschieht. Er konnte zeigen, dass die braunen Fett-Stammzellen tatsächlich altern und ihre Funktion zunehmend einbüßen. Schulz hat relevante Aspekte und Zielmoleküle dieses Alterungsprozesses identifiziert. Er hat auch untersucht, welche Signale die Regenerationsfähigkeit der braunen Fettstammzellen aufrechterhalten. Einige dieser Moleküle können möglicherweise therapeutisch genutzt werden.
Der Nachwuchspreisträger untersucht des Weiteren, welche Auswirkungen überschüssiges Fett im Knochen hat. Er konnte zeigen, dass die Stammzellen des Knochens mit zunehmendem Alter und bei fettreicher Kost weißes Fett statt Knochengewebe produzieren. Diese Fettzellen scheiden ein Enzym aus, das es den Stammzellen noch schwerer macht, Knochengewebe hervorzubringen und das auch den blutbildenden Stammzellen des Knochenmarks zusetzt. Mit der Verfettung der Knochen nimmt also offensichtlich die Regenerationsfähigkeit der Knochen ab, was der Grund für die schlechte Knochenheilung im Alter sein könnte. Die abnehmende Fähigkeit, rote und weiße Blutkörperchen zu bilden, ist zudem auch für die Aufrechterhaltung der Immunabwehr nachteilig. Schulz hat außerdem nachgewiesen, dass eine in der Diabetes-Therapie weit verbreitete Wirkstoffklasse dem von den Fettzellen freigesetzten Enzym entgegenwirkt. Bei diesem Enzym handelt es sich um das Protein Dipeptidyl Peptidase 4 oder kurz DPP4, das indirekt die Wirkung von Insulin mindert. Gehemmt wird DPP4 von den sogenannten Gliptinen. Schulz hegt die Hoffnung, dass diese Medikamente möglicherweise die Knochengesundheit in der zweiten Lebenshälfte verbessern, was allerdings erst noch klinisch geprüft werden müsste. Die Forschung des Nachwuchspreisträgers ist demnach nicht nur ernährungsphysiologisch, sondern auch medizinisch relevant.

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Alle Unterlagen der Pressemappe sowie ein Foto von Professor Tim J. Schulz sind unter www.paul-ehrlich-stiftung.de zur Verwendung hinterlegt. Den ausführlichen Lebenslauf, ausgewählte Veröffentlichungen und die Publikationsliste erhalten Sie von Dr. Hildegard Kaulen, Telefon:+49 (0) 6122/52718, E-Mail: h.k@kaulen.wi.shuttle.de

Dr. Anne Hardy
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CAVE: Tumortest - Diagnoseinstrument

Medizin am Abend Berlin Fazit: Individuelle Therapieoptionen für Krebspatienten

Das UniversitätsSpital Zürich (USZ) bietet in Zusammenarbeit mit der Roche Pharma (Schweiz) AG und Foundation Medicine Inc., Cambridge USA (FMI) einen Tumortest im Bereich der personalisierten Krebsmedizin an. 

  • Dieses Diagnoseinstrument dient dazu, für jeden Patienten die bestmögliche Behandlung zu finden. 
 
Gemeinsam mit FMI und Roche hat das UniversitätsSpital Zürich ein spezialisiertes Labor in Schlieren aufgebaut, um den Tumortest allen Krebspatienten in der Schweiz zur Verfügung zu stellen.

  • Der behandelnde Arzt erhält ein genetisches Tumorprofil des Patienten und einen umfangreichen individualisierten Report, in den alle aktuellen Forschungsdaten einfliessen. Der Bericht beschreibt, welche genetischen Veränderungen in der Gewebeprobe des Patienten gefunden wurden und welche Therapieoptionen für die weitere Behandlung in Frage kommen. Die Evidenz wird anhand von Daten aus der wissenschaftlichen Literatur fortlaufend aktualisiert und alle verfügbaren klinischen Studien werden aufgeführt.

Revolution in der Diagnose von Krebspatienten

Das neue Testverfahren FoundationOne® ist das Fundament dieser Zusammenarbeit. FoundationOne® ermöglicht die zeitgleiche und umfassende Analyse von mehr als 300 tumorrelevanten Genen und bietet damit eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage für die Behandlung vieler Krebspatienten. Die Ergebnisse ermöglichen die Zuordnung zielgerichteter Therapien sowie klinischer Studien, so dass Onkologen bessere evidenzbasierte Therapieentscheide treffen können. In vielen Fällen wird der Test bei Patienten eingesetzt, für die keine weiteren Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen. Der einzigartige Ansatz von FoundationOne® trägt dazu bei, die personalisierte Therapie zu optimieren und die Behandlung von Krebspatienten zu revolutionieren.

Spitzenmedizin in der Schweiz

Die Zusammenarbeit des UniversitätsSpitals Zürich mit der Roche Pharma (Schweiz) AG und Foundation Medicine Inc. (FMI) ermöglicht, Behandlungspläne in der Onkologie individuell auf einen Patienten und seine Erkrankung abzustimmen. Die langjährige Expertise von FMI im Bereich von Next-Generation-Sequencing und in der bioinformatischen Auswertung molekularer Tumorprofile, die Erfahrungen des USZ auf dem Gebiet der Molekularpathologie und die führende Position von Roche in der Onkologie bringen die personalisierte Medizin in der Behandlung von Krebspatienten weiter voran.

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Nathalie Plüss UniversitätsSpital Zürich


Rämistrasse 100
8091 Zürich
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Zürich


lic. phil. Martina Pletscher
Telefon: +41 44 255 86 20
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Nathalie Plüss
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Telemonitoring und Rhythmologie in der Kardiologie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Kardiologen widersprechen IQWiG: Telemonitoring ist sinnvoll

Fachleute der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie fordern die Politik auf,
die Fernüberwachung schwer kranker Herzpatienten zu ermöglichen 

 
Die Arbeitsgruppen Telemonitoring (AG 33) und Rhythmologie (AG 1) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie ─ Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK) widersprechen der am 28. Februrar 2018 veröffentlichten Einschätzung des Instituts für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen (IQWiG), die den Nutzen der Anwendung von Telemonitoring über implantierte Defibrillatoren (ICDs) und Resynchronisationssysteme (CRT) bei ventrikulärer Tachyarrhythmie und bei Herzinsuffizienz verneint. 

„Stattdessen sollten Gesundheitspolitiker, ärztliche Fachexperten und Kostenträger gemeinsam daran arbeiten, Telemonitoring flächendeckend zu etablieren“, sagt der Sprecher der Arbeitsgruppe Telemonitoring der DGK, Dr. Thomas M. Helms aus Hamburg, auch im Namen des stellvertretenden Sprechers Professor Dr. Perings aus Lünen.

  • Telemonitoring und damit zusammenhängende standardisierte Reaktionsabläufe haben sich für viele Patienten als ideale Methode der Nachsorge von Rhythmusimplantaten herausgestellt, lautet der Einwurf aus der AG Rhythmologie.

Insbesondere erscheint die wissenschaftliche Ausarbeitung des IQWiG an vielen Stellen fehlerhaft.

„Das IQWiG hat in der negativen Analyse, die dem Bericht zugrunde liegt, sehr uneinheitlich gestaltete Studien zu verschiedensten Telemonitoring-Endpunkten über einen Kamm geschoren“, sagt Helms und verweist auf eine Studie („InTime“), die klar dokumentiere, dass konsequent umgesetztes Telemonitoring einen Überlebensvorteil für die Patienten biete. „Diese Studienergebnisse wurden vom IQWiG mit unseres Erachtens unzutreffenden Kritikpunkten ignoriert.“

Das IQWiG hatte den InTime-Forschern laut Helms unterstellt, dass sie die Kontrollgruppe bewusst schlechter behandelt hätten, um ein günstiges Ergebnis für Telemonitoring zu erreichen.

„Dieser Einwand ist absolut haltlos und aus den Studiendaten eindeutig zu widerlegen“, sagt Helms.

Bereits in ihrer Stellungnahme im vergangenen Sommer hatte die DGK darauf verwiesen, dass Telemonitoring selbstverständlich nur wirksam werden kann, wenn in übertragene Patientendaten vollständig und regelmäßig Einsicht genommen und die Behandlung der Patienten nach klaren Handlungsregeln angepasst wird.

„Die negative Nutzenbewertung widerspricht nicht nur den internationalen Leitlinien.

Die Implementierung des Telemonitorings in die medizinische Praxis findet auch eine breite politische Unterstützung“, sagt Helms.

Im Namen der Arbeitsgruppe Telemonitoring fordert Helms deswegen, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA), der in der Bewertung medizinischer Methoden in Deutschland das letzte Wort hat, der Einschätzung des IQWiG nicht folgt und den Nutzen des Telemonitorings anerkennt.

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Deutsche Gesellschaft für Kardiologie
Prof. Dr. Eckart Fleck (Berlin)
Hauptstadtbüro der DGK: Leonie Nawrocki, Tel.: 030 206 444 82
Kerstin Kacmaz, Tel.: 0211 600 692 43 presse@dgk.org
Dr. Birgit Kofler, Tel.: 030 70015967
kofler@bkkommunikation.com



Grafenberger Allee 100
40237 Düsseldorf
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Prof. Dr. Eckart Fleck
Mitglied des Vorstands
Telefon: 030/4593-2400
Fax: 030/4593-2500
E-Mail-Adresse: fleck@dhzb.de

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 10.000 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org




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CAVE: Herzinfarkt-Risiko: Messung der Koronargefäß-Verkalkung

Medizin am Abend Berlin Fazit: UDE/UK Essen: DFG-Studie zur Koronargefäß-Verkalkung / Herzinfarktrisiko: Einmal messen genügt

Gefäßverkalkung erkannt, Gefahr für´s Herz gebannt: 

Mediziner können mit der Messung des Koronarkalks das individuelle Risiko für einen Herzinfarkt präzise einschätzen. 

Aber genügt dafür eine Messung oder braucht es regelmäßige Checks? 

Die Antwort kennen die Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE). Sie stellen ihre Forschung aktuell in der renommierten Fachzeitschrift Circulation vor. 
 
Weiß man um sein individuelles Risiko, kann man bereits im Vorfeld eines möglichen Herzinfarktes gegensteuern und diesen so im besten Falle ganz verhindern.

Das Herzinfarkt-Risiko zu erkennen, ist durch die Messung des Koronarkalks heute erprobte Praxis.

Maßgeblich dazu beigetragen hat die Heinz Nixdorf Recall-Studie, die am Universitätsklinikum Essen (UK) durchgeführt wurde. Nun gingen die UDE-Mediziner unterstützt von verschiedenen Kliniken und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) noch einen Schritt weiter. Sie wollten wissen, unter welchen Umständen eine weitere Untersuchung nach fünf Jahren sinnvoll ist.

Die Antwort: Die einmalige Kalkmessung genügt in den meisten Fällen. Sie hilft bereits, Patienten im mittleren Risikobereich besser einschätzen zu können. „Vor diesem Hintergrund kann man Patienten jetzt viel genauer empfehlen, wann eine erneute Kalkmessung sinnvoll ist“ resümiert Prof. Dr. Raimund Erbel, einer der Initiatoren der Studie und Senior Scientist am Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE).

„Die Tatsache, dass unser wissenschaftlicher Artikel von einem ausführlichen Editorial führender Wissenschaftler auf diesem Gebiet begleitet wird, betrachte ich als besondere Wertschätzung unserer Arbeit in den letzten 20 Jahre auf diesem Gebiet“ freut sich Prof. Dr. Karl-Heinz Jöckel, Direktor des IMIBE.

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Prof. Dr. rer. nat. Karl-Heinz Jöckel, Tel. 0201/92239-201,
k-h.joeckel@uk-essen.de

Christine Harrell, Tel. 0201/723-1615, christine.harrell@uk-essen.de

Cathrin Becker Universität Duisburg-Essen

Forsthausweg 2
47057 Duisburg
Deutschland
Nordrhein-Westfalen 

Beate Kostka M.A.
Telefon: 0203 / 379-2430
Fax: 0203 / 379-2428
E-Mail-Adresse: beate.kostka@uni-due.de


Cathrin Becker
Telefon: 0203/379-1488
Fax: (0203) 379-2428
E-Mail-Adresse: cathrin.becker@uni-due.de


Ulrike Bohnsack
Telefon: 0203 / 379-2429
Fax: 0203 / 379-2428
E-Mail-Adresse: ulrike.bohnsack@uni-due.de



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PIA Psychiatrische Institutsambulanz: Gaststätte Grosser Kiepenkerl in Münster : DEPRESSION und SUIZID

Medizin am Abend Berlin Fazit: Screening auf Depression: 

Vorläufige Ergebnisse veröffentlicht

Nutzen und Schaden einer Reihenuntersuchung sind unklar / IQWiG bittet um Stellungnahmen  
  • Bei knapp 12 % aller Erwachsenen in Deutschland wird im Laufe ihres Lebens eine Depression diagnostiziert. 
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht derzeit, ob es für Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Screenings Vor- oder Nachteile haben könnte, wenn beispielsweise Hausärztinnen und Hausärzte regelhaft einen Test anbieten, der Hinweise auf eine Depression geben kann.

  • Ein Vorteil könnte darin bestehen, dass die Diagnose frühzeitig gestellt und eine Therapie begonnen werden kann. 

Die vorläufigen Ergebnisse liegen nun vor. 

Demnach bleiben Nutzen und Schaden einer solchen Reihenuntersuchung unklar.

Das Institut sieht deshalb keine Grundlage für die Einführung des Screenings.

Bis zum 4. Mai 2018 können Interessierte Stellungnahmen zu diesem Vorbericht abgeben.

  • Verlauf der Erkrankung ist episodisch
  • Die Beschwerden einer (unipolaren) Depression, vor allem Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit, können den Alltag der Betroffenen massiv beeinträchtigen.  
  • Für ihre Arbeitsfähigkeit gilt das ebenso wie für ihre sozialen Beziehungen. 
  • Im schlimmsten Fall wollen Patientinnen oder Patienten ihr Leben beenden und begehen Suizid. 

Dabei verläuft diese Erkrankung in Episoden: 

  • Es kann Phasen mit wenigen oder keinen Beschwerden geben, gefolgt von Phasen, in denen die Symptome erneut auftreten oder sich verstärken können.

Aktuelle Leitlinien sehen vor, dass eine Depression zumindest ärztlich aktiv beobachtet wird. 

In der Regel werden Patientinnen und Patienten mit Medikamenten oder Psychotherapie oder einer Kombination aus beiden behandelt.

Bei den Screeningtests handelt es sich jeweils um Fragebogen, die von den Patienten selbst ausgefüllt werden – mit oder ohne Unterstützung durch medizinisches Personal. Diese Tests können Hinweise auf die Erkrankung geben. Sie sind kein Ersatz für eine Diagnose. 

  • Für letztere sind längere Interviews mit einer Ärztin oder einem Psychotherapeuten Voraussetzung.

Möglicher Nutzen und Schaden eines Screenings

Ein Nutzen des Screenings könnte unter anderem darin bestehen, dass die Erkrankung früher erkannt und dann auch besser behandelt werden kann. 

So könnte beispielsweise verhindert werden, dass die Depression chronisch wird und sich die Betroffenen dauerhaft aus dem sozialen Leben zurückziehen oder arbeitsunfähig werden.

Einen möglichen Schaden könnte das Screening verursachen, wenn der Test ein sogenanntes falsch-positives Ergebnis ergibt, das heißt, eine Depression anzeigt, die Betroffenen aber gar nicht erkrankt sind. Der Befund könnte sie emotional unnötig belasten, etwa wenn sie sich stigmatisiert fühlen. Bei einer leichte Depression, die sich ohnehin nur in einer Episode äußern würde, hätten Patientinnen und Patienten unter Umständen unter den Nebenwirkungen von Psychopharmaka zu leiden, die sie gar nicht brauchten.

Großteil der Studien stammt aus Japan

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten insgesamt sieben Studien in ihre Bewertung einbeziehen. Dabei handelt es sich um prospektiv geplante Interventionsstudien. Sie vergleichen jeweils Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die einen Screeningtest absolvierten und gegebenenfalls anschließend behandelt wurden, mit solchen, die keinen Test machten.

Fünf der sieben Studien stammen aus Japan, wobei jeweils die Bevölkerung von ganzen Gemeinden einer bestimmten Altersgruppe für die Teilnahme rekrutiert werden sollte. Die beiden verbleibenden Studien wurden in Kanada und den USA jeweils in einem hausärztlichen Setting durchgeführt.

Die Ergebnisse der japanischen Studien, die als einzige die Häufigkeit von Selbsttötungen erfassten, lassen sich indes kaum auf den deutschen Versorgungskontext übertragen. Sie fanden in Gemeinden statt, in denen die Suizidraten selbst für japanische Verhältnisse sehr hoch waren. Aufgrund kulturell unterschiedlicher Bewertungen einer Selbsttötung, liegen diese Raten in Japan ohnehin weit über denen in Deutschland.

Suizid und Schwere der Erkrankung erhoben

Als patientenrelevante Endpunkte erhoben wurden in den Studien entweder, wie viele Teilnehmer sich das Leben nahmen (Suizid) oder wie häufig Symptome auftraten und wie stark sie ausgeprägt waren (Depression). Nebenwirkungen des Screenings (unerwünschte Ereignisse), wurden in den Studien nicht berücksichtigt.

Wie die Auswertung der Studiendaten zeigt, lässt sich aus ihnen jedoch weder für den Endpunkt Suizid noch für Depression ein Nutzen oder Schaden ableiten. Denn entweder unterschieden sich die Ergebnisse zwischen Teilnehmern und Nicht-Teilnehmern des Screenings gar nicht oder die Unterschiede waren zu gering, um medizinisch relevant zu sein.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Den vorläufigen Berichtsplan für dieses vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beauftragte Projekt hatte das IQWiG im August 2017 vorgelegt und um Stellungnahmen gebeten. Diese werden im Vorbericht gewürdigt und zeitgleich in einem eigenen Dokument veröffentlicht. Stellungnahmen zum Vorbericht werden nach Ablauf der Frist gesichtet. Sofern sie Fragen offenlassen, werden die Stellungnehmenden zu einer mündlichen Erörterung eingeladen. 

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Dr. Anna-Sabine Ernst Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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Fax: 0221 35685 833
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PIA - Psychiatrische Institutsambulanz: psychosoziale Unterstützung - wirklichkeitsnahe Selbsteinschätzung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Gefährliche Fehleinschätzungen bei Patienten mit angeborenen Herzfehlern

Angeborene Herzfehler sind schwere chronische Erkrankungen. 

Trotzdem schätzen die meisten Patienten mit angeborenen Herzfehlern im Alter zwischen zehn und 30 Jahren ihre eigene Gesundheit als gut bis sehr gut ein. 

  • Auch fühlen sie sich in ihrem Alltag kaum beeinträchtigt. Beratung durch Psychologen oder Sozialarbeiter nehmen nur sehr wenige Patienten in Anspruch. 

Zu diesem aus Expertensicht bedenklichen Ergebnis kommt eine vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) geförderte Studie des Nationalen Registers für angeborene Herzfehler. 
 
„Grundsätzlich ist es sehr erfreulich, dass die Patienten ihren Gesundheitszustand so positiv bewerten“, sagt Paul Helm, Psychologe und einer der Autoren der Studie.

„Trotzdem hat uns das Ergebnis auch beunruhigt. Schließlich geht es um schwere chronische Erkrankungen, die mit erheblichen Beeinträchtigungen verbunden sind und eine kontinuierliche medizinische Vorsorge und Betreuung erfordern.“

  • Wird die eigene Gesundheit falsch eingeschätzt und daher die notwendige Gesundheitsvorsorge vernachlässigt, kann das zu lebensbedrohlichen Folgeerkrankungen führen.

An der Studie des Nationalen Registers für angeborene Herzfehler nahmen 587 Patienten mit leichten und komplexen Herzfehlern im Alter zwischen zehn und 30 Jahren sowie 231 Eltern von Patienten teil.

Die Eltern bewerteten den gesundheitlichen Status ihrer Kinder sogar noch besser als diese selbst.

Auch alltägliche Einschränkungen wurden von ihnen als schwächer angesehen als von ihren betroffenen Kindern. Für die Wissenschaftler ein Anzeichen dafür, wie nötig gezielte Beratung und Unterstützung für die Patienten und ihre Angehörigen ist.

Bessere Einschätzung durch psychosoziale Unterstützung

Doch noch werden Unterstützungsangebote durch Sozialarbeiter oder Psychologen wenig wahrgenommen. Nur 6,5 Prozent der Patienten gaben an, solche Angebote genutzt zu haben.

  • Helm hält das für bedenklich. Denn die wenigen Patienten, die psychosoziale Unterstützung erhalten hatten, beurteilten ihre Gesundheit und die damit verbundenen alltäglichen Schwierigkeiten durchaus realistischer als der Durchschnitt. Und so eine wirklichkeitsnahe Selbsteinschätzung ist laut dem Experten wichtig und wünschenswert für den richtigen Umgang mit der Erkrankung.

Eine mögliche Erklärung für die positive Bewertung durch die Patienten sei, dass man den Unterscheid zwischen gesund und krank selbst nie erlebt hat, wenn man eine angeborene Erkrankung hat, vermutet der Psychologe. 

Außerdem belegen die Zahlen der Studie, dass unter den befragten Teilnehmern insbesondere Jugendliche ihre Gesundheit falsch einschätzen. „In der Übergangsphase vom Kind zum Erwachsenen leiden viele der Patienten darunter, nicht mit den Altersgenossen mithalten zu können und haben Angst, deshalb ausgegrenzt zu werden“, erklärt Helm. „Dass man krank ist, wird deshalb oft heruntergespielt.“

Psychosoziale Unterstützung kann hier einen wertvollen Beitrag leisten, um sich selbst richtig einzuschätzen und einen positiven Umgang mit der Krankheit zu lernen.

Hilfe ist weder uncool noch verrückt

Die Wissenschaftler nehmen außerdem an, dass viele Patienten und auch ihre Eltern aus Angst vor einer Stigmatisierung keinen Psychologen oder Sozialarbeiter aufsuchen.

„Ein zentrales Ziel ist es deshalb, in den Köpfen fest zu verankern, dass es alles andere als schwach, verrückt oder uncool ist, sich professionelle Hilfe zu holen“, wünscht sich Dr. Ulrike Bauer, Ärztin und Geschäftsführerin des Nationalen Registers für angeborene Herzfehler.

Denn von sich aus geeignete Hilfe anzufordern, ist laut der Ärztin der Schlüssel zu einer guten Lebensqualität. Adressen von seriösen Unterstützungsangeboten gibt es beim behandelnden Arzt und beim Bundesverband Herzkranke Kinder e. V.

Originalarbeit: Helm PC, Kempert S, Koerten M-A, Lesch W, Specht K, Bauer UMM. Congenital heart disease patients’ and parents’ perception of disease-specific knowledge: Health and impairments in everyday life. Congenital Heart Disease. 2018;00:1–7. DOI: 10.1111/chd.12581


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Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK)

Paul Helm, Nationales Register für angeborene Herzfehler, helm(at)kompetenznetz-ahf.de

Dr. Ulrike Bauer, Kompetenznetz Angeborene Herzfehler, ubauer(at)kompetenznetz-ahf.de

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