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Schmerzmittel: Blutdruck bei Arthrose-Patienten/Rheumatoider Arthritis

Medizin am Abend Berlin Fazit: Das Schmerzmittel Ibuprofen erhöht den Blutdruck bei Arthrose-Patienten deutlich

Erhalten Patienten mit Arthrose oder rheumatoider Arthritis Ibuprofen steigt ihr Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen verglichen mit anderen Schmerzmitteln. 

Die Ergebnisse einer entsprechenden Studie wurden am 28. August 2017 am Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in Barcelona vorgestellt. 
 
Nichtsteroidale Entzündungshemmer wie Ibuprofen und Naproxen sowie der Cox-2-Hemmer Celecoxib zählen zu den weltweit am meisten verschriebenen und benutzten Medikamenten.

Von beiden Medikamentenklassen ist bekannt, dass sie Nebenwirkungen wie erhöhten Blutdruck verursachen.

Bereits kleine Blutdruckerhöhungen können das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen und die damit verbundene Sterblichkeit steigern. Nun zeigt eine aktuelle Studie, dass Ibuprofen sich deutlich ungünstiger auswirkt als Naproxen und Celecoxib.

An der Studie nahmen insgesamt 444 US-Patienten teil, 408 litten unter Arthrose, 36 unter rheumatoider Arthritis.

Alle Patienten zeigten Erkrankungen der Herzkranzgefässe oder hatten ein höheres Risiko dafür. 

Ein Drittel der Patienten erhielt Celecoxib (2x 100-200 mg täglich), je ein Drittel Ibuprofen (3x 600-800 mg täglich) oder Naproxen (2x 375-500 mg täglich). Nach vier Monaten wurde der Blutdruck mit demjenigen zu Beginn der Studie verglichen.

Während Celecoxib den Blutdruck im Schnitt um 0.3 mmHg senkte, stieg er mit Ibuprofen um 3.7 und mit Naproxen um 1.6 mmHg. «Der Blutdruckanstieg unter Ibuprofen ist signifikant», sagt Prof. Frank Ruschitzka, Leiter der Studie und stellvertretender Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitären Herzzentrum Zürich. Ibuprofen sei «eindeutig nicht so sicher wie früher gedacht».

  • Gerade für ältere Patienten, die häufig unter Arthrose und hohem Blutdruck litten, seien die Ergebnisse von grosser klinischer Bedeutung, führt Ruschitzka aus: 

«Eine Senkung des Blutdrucks um nur 2 mmHg verringert das Infarktrisiko um zehn Prozent und das Mortalitätsrisiko bei koronarer Herzkrankheit um sieben Prozent.»

Die nun durchgeführte Studie ist eine ergänzende Untersuchung zur PRECISION-Studie.

Diese konnte bereits zeigen, dass Celecoxib das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen nicht stärker erhöhte als Naproxen und Ibuprofen.

Sowohl Naproxen wie Ibuprofen sind rezeptfrei erhältlich und werden von Hunderten Millionen Menschen jährlich eingenommen.
  •  Für beide Medikamente ist nachgewiesen, dass sie Magen- und Darmbeschwerden auslösen sowie die Nieren und die Magenschleimhaut schädigen können. 

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Nathalie Plüss UniversitätsSpital Zürich

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Klinik-Patient Diabetes und Prädiabetes

Medizin am Abend Berlin Fazit: Fast jeder vierte Klinik-Patient hat Diabetes

Jeder vierte Patient einer Universitätsklinik leidet an Diabetes (22 Prozent), noch einmal so viele an Prädiabetes (24 Prozent). 

Das ergaben aktuelle Untersuchungen von Tübinger Forscherinnen und Forschern des Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) und des Helmholtz Zentrum München. 

Ergebnisse der Studie: 
  • Patienten mit Diabetes bleiben länger im Krankenhaus und haben ein höheres Risiko für Komplikationen. 
 
Immer mehr Menschen in Deutschland erkranken an Diabetes.

Mittlerweile leidet fast jeder Zehnte an der Stoffwechselerkrankung.

Es ist bekannt, dass Menschen mit Diabetes unter den Patienten im Krankenhaus oder gar auf einer Intensiv-Station häufiger sind als unter der Normalbevölkerung.

Bislang gibt es jedoch kaum Daten dazu, wie hoch die Diabetes-Prävalenz in Kliniken ist. Hier setzt die aktuelle Studie der DZD-Wissenschaftler an. Sie untersuchten über einen Zeitraum von vier Wochen 3733 erwachsene Patienten des Universitätsklinikums Tübingen auf Diabetes und Prädiabetes.

Dabei zeigte sich, dass fast jeder vierte Klinik-Patient an Diabetes leidet (22 Prozent), sprich einen Langzeitblutzucker-Wert (HbA1c-Wert) von 6,5 Prozent und mehr hat. 24 Prozent der untersuchten Patienten hatten einen Langzeitblutzucker-Wert zwischen 5,7 und 6,4 Prozent. 

Diese Werte zeigen ein Frühstadium des Diabetes (Prädiabetes) an. 

Knapp 4 Prozent der Untersuchten hatten einen bislang nicht diagnostizierten Diabetes.

„Hochgerechnet auf die Patienten, die in unserem Klinikum jährlich behandelt werden, ergeben sich mindestens 13.000 Diabetes-Patienten, die behandelt werden müssen“, sagt Professor Andreas Fritsche, Diabetologe und ein Autor der Studie.

„Ein besonderer Stellenwert bei der Umsetzung solcher Vorhaben kommt der Laboratoriumsmedizin zu, die als Querschnittsfach Kontakt zu Patienten aus allen Klinikumsbereichen hat“, betont Prof. Andreas Peter, Leiter des Zentrallabors in Tübingen und des zentralen Studienlabors des DZD, in dem die Untersuchung durchgeführt wurde.

  • Patienten mit Diabetes bleiben länger in der Klinik

Die Untersuchungen zeigen zudem, dass Patienten mit Diabetes etwa 1,47 Tage länger in der Klinik behandelt werden mussten, als Patienten mit der gleichen Diagnose ohne Diabetes oder Prädiabetes.

  • Die Betroffenen hatten darüber hinaus ein höheres Risiko für Komplikationen: 
  • Bei 24 Prozent der Patienten mit Diabetes traten Komplikationen auf. 
  • Zum Vergleich: nur 15 Prozent der Patienten ohne Diabetes waren von Komplikationen betroffen.

„Angesichts der hohen Diabetes-Prävalenz und der negativen Auswirkungen, die die Stoffwechselerkrankung hat, halten wir es für sinnvoll, über 50jährige Patienten in Kliniken auf unerkannten Diabetes zu screenen. 

Dann kann die Stoffwechselerkrankung gleich mit behandelt und so vielleicht Komplikationen oder verlängerte Krankenhausaufenthalte vermieden werden“, so Prof. Fritsche und Prof. Peter.

Die Ergebnisse der Studie des Universitätsklinikums der Universität Tübingen und des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, ein Mitglied im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD), wurden jetzt in Exp Clin Endocrinol Diabetes veröffentlicht.

Original-Publikation:
Kufeld, J.et al. (2017): Prevalence and Distribution of Diabetes Mellitus in a Maximum Care Hospital: Urgent Need for HbA1c-Screening. Exp Clin Endocrinol Diabetes, DOI: 10.1055/s-0043-112653

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Prof. Dr. med. Andreas Fritsche
Lehrstuhl für Ernährungsmedizin und Prävention, Innere Medizin IV, Universitätsklinikum Tübingen
Stellvertretender Leiter des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Leiter Abteilung Prävention und Therapie des Diabetes mellitus
Otfried Müller Straße 10, 72076 Tübingen
Phone: +49-7071-29 -85669 / -80590
E-Mail: andreas.fritsche@med.uni-tuebingen.de

Birgit Niesing
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung e.V.
Ingolstädter Landstraße 1
85764 Neuherberg
Phone: 089-3187-3971
E-Mail: niesing@dzd-ev.de

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. Weitere Informationen: http://www.dzd-ev.de

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de

Das 1805 gegründete Universitätsklinikum Tübingen gehört zu den führenden Zentren der deutschen Hochschulmedizin. Als eines der 33 Universitätsklinika in Deutschland trägt es zum erfolgreichen Verbund von Hochleistungsmedizin, Forschung und Lehre bei. Weit über 400 000 stationäre und ambulante Patienten aus aller Welt profitieren jährlich von dieser Verbindung aus Wissenschaft und Praxis. Die Kliniken, Institute und Zentren vereinen alle Spezialisten unter einem Dach. Die Experten arbeiten fachübergreifend zusammen und bieten jedem Patienten die optimale Behandlung ausgerichtet an den neuesten Forschungsergebnissen. Das Universitätsklinikum Tübingen forscht für bessere Diagnosen, Therapien und Heilungschancen, viele neue Behandlungsmethoden werden hier klinisch erprobt und angewandt. Neben der Diabetologie sind die Neurowissenschaften, Onkologie, Immunologie, Infektionsforschung und Vaskuläre Medizin Forschungsschwerpunkte in Tübingen. Das Universitätsklinikum ist in vier der sechs von der Bundesregierung initiierten Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung verlässlicher Partner.

Mehr Lohn für die Krankenschwester- und Krankenpfleger

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wer wenig hat, wird stärker belastet: Steuer- und Sozialsystem benachteiligt Geringverdiener

Breite Schultern können mehr tragen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: LEIHARBEIT  


Nach diesem Prinzip funktioniert grundsätzlich auch der deutsche Sozialstaat: 

  • je höher das Einkommen, desto höher ist der Steuersatz.

Doch eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass Einkommenszuwächse bei Geringverdienern durch das Zusammenwirken von Sozialabgaben, Transferleistungen und der Einkommensteuer deutlich stärker belastet werden als bei Spitzenverdienern.

Leistung lohnt sich nicht immer.

Gerade für untere Einkommensgruppen können Mehrarbeit und Lohnzuwächse dazu führen, dass teilweise am Monatsende weniger Geld im Portemonnaie übrigbleibt. 
  • Spitzenverdiener hingegen können von einem zusätzlich verdienten Euro deutlich mehr behalten. 
  • Grund dafür ist das Zusammenwirken des deutschen Steuer-, Abgaben- und Transfersystems, das Wissenschaftler des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung untersucht haben. Laut Studienautoren müssen Reformen sicherstellen, dass sich mehr Erwerbsarbeit und Lohnzuwächse insbesondere für untere Einkommensgruppen auch lohnen.

Die Studie hat für einzelne Musterhaushalte die Höhe der sogenannten effektiven Grenzbelastung untersucht. Dieser Wert gibt an, welcher Anteil eines zusätzlich verdienten Euros, aufgrund von Beiträgen zur Sozialversicherung, Einkommenssteuern oder durch den Entzug von Sozialleistungen, wie Wohngeld oder Kinderzuschlag, wieder abgegeben werden müsste. Bei einer effektiven Grenzbelastung von 60 Prozent würden von einem zusätzlich verdienten Euro nur 40 Cent netto übrig bleiben. Im Gegensatz zum Grenzsteuersatz der Einkommenssteuer verläuft diese Grenzbelastung aber nicht progressiv. Dadurch werden Zuwächse bei höheren Einkommen tendenziell weniger belastet als bei niedrigen. 

 "Mehr Arbeit und Lohn müssen sich für die Krankenschwester genauso auszahlen wie für den Unternehmensberater.

Dass sich mehr Erwerbsarbeit lohnt, ist eines der zentralen Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft", kommentiert Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, die Ergebnisse der Studie.

Untere Einkommensgruppen werden am stärksten belastet

Anhand der Musterhaushalte zeigen sich die unterschiedlichen Belastungen: Von einem hinzuverdienten Euro bleibt einem Singlehaushalt mit einem jährlichen Haushaltsbruttoeinkommen von 17.000 Euro nichts übrig. Die Grenzbelastung liegt bei 100 Prozent. Bei einem Bruttoeinkommen von 75.000 Euro verbleiben dagegen 56 Cent in der Haushaltskasse.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Ehepaaren mit zwei Kindern und einem Alleinverdiener: Bei einem jährlichen Bruttoverdienst von 40.000 Euro bleiben von einem hinzuverdienten Euro nur 56 Cent netto übrig. Hingegen kann ein vergleichbarer Haushaltstyp mit einem mehr als doppelt so hohen Einkommen von 90.000 Euro insgesamt 66 Cent behalten. "In einigen Fällen finden wir Grenzbelastungen von über 120 Prozent. Ein hinzuverdienter Euro führt damit zu 20 Cent netto weniger im Portemonnaie", sagt Manuela Barišić, Wirtschaftsexpertin der Bertelsmann Stiftung.

  • Auch bei Alleinerziehenden fallen die Belastungen insbesondere im unteren Einkommensbereich sehr hoch aus. Bis zur Einkommensschwelle von ca. 23.800 Euro beträgt die Grenzbelastung durchgängig über 60 Prozent. Erst ab knapp 41.000 Euro sinkt sie schließlich auf 44 Prozent.

Reformen müssen Fehlanreize abbauen

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: MiniJobs  


Laut Studienautoren muss der Gesetzgeber das Gesamtsystem aus Einkommensteuer, Sozialabgaben und Transferleistungen besser aufeinander abstimmen, um Anreize für mehr Erwerbsarbeit zu schaffen.

  • Die in der politischen Debatte häufig geforderte Abschaffung des "Mittelstandsbauches", um die sprunghaft steigende Belastung für untere Einkommensgruppen aufzuheben, ist aus Sicht der Autoren nur bedingt geeignet: 
  • Zwar könnte die Abflachung zu einer höheren Beschäftigung führen, würde aber auch die Einkommensungleichheit erhöhen, da von der Entlastung insbesondere hohe Einkommen profitieren würden. 
  • Mit gut 37 Milliarden Euro wären diese Reform zudem mit erheblichen Einnahmenverlusten für die öffentlichen Haushalte verbunden.

Sinnvoller wäre es hingegen, die unterschiedlichen Transferleistungen, wie Kinderzuschlag, Wohngeld und Arbeitslosgengeld II besser aufeinander abzustimmen. Kombiniert mit einer konstanten Transferentzugsrate von 60 Prozent könnte dies zu positiven Beschäftigungseffekten und weniger Einkommensungleichheit führen. Auch die Umstellung des Ehegattensplittings auf ein Realsplitting mit übertragbaren Freibeträgen, könnte diese positiven Effekte verstärken. Dadurch würden Ehepartner im Grundsatz individuell besteuert. Eine solche Reform des Ehegattensplittings würde sich zudem mit knapp 5,6 Milliarden Euro positiv auf die öffentlichen Haushalte auswirken. "Die Umwandlung zu einem Realsplitting würde insbesondere für Frauen und Mütter Fehlanreize abbauen und ihre Erwerbsbeteiligung erhöhen", so Manuela Barišić.

Zusatzinformationen

Für die Studie "Grenzbelastungen im Steuer-, Abgaben- und Transfersystem: Fehlanreize, Reformoptionen und ihre Wirkungen auf inklusives Wachstum" haben Wissenschaftler des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) das Zusammenwirken des deutschen Steuer-, Abgaben- und Transfersystems und damit die Belastungswirkungen im Status Quo untersucht. Darauf aufbauend wurden Reformszenarien analysiert, die das Steuer-, Abgaben- und Transfersystem zum einen anreizkompatibler gestalten und zum anderen einen Beitrag zu inklusivem Wachstum leisten sollen. Die Reformszenarien wurden im Hinblick auf ihre Wirkungen auf Beschäftigung, auf das verfügbare Einkommen, Einkommensverteilung und die öffentlichen Haushalte mithilfe des ZEW-Mikrosimulationsmodells untersucht, das auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) basiert.

Kurz erklärt: Unterschied zwischen Grenzbelastung und Grenzsteuersatz

Die effektive Grenzbelastung gibt an, welcher Anteil eines zusätzlich verdienten Euros, aufgrund von Beiträgen zur Sozialversicherung, Einkommenssteuern oder durch den Entzug von Sozialleistungen, wie Wohngeld oder Kinderzuschlag, wieder abgegeben werden müsste. Damit wirkt sie auf den Anreiz zu (Mehr-)Arbeit. Die Sprungstellen (das plötzliche Ansteigen der Grenzbelastung) und die allgemein hohe effektive Grenzbelastung im Sozialbereich sanktionieren größere Anstrengungen und zementieren soziale Spaltung. Damit ist die progressive Wirkung des Einkommensteuertarifs bei der Betrachtung der Grenzbelastung kaum noch spürbar.

Der Grenzsteuersatz gibt an wieviel von einem zusätzlich verdienten Euro an Einkommensteuer gezahlt werden muss. Im Gegensatz zur effektiven Grenzbelastung, wird bei diesem Konzept die Einkommensteuer isoliert betrachtet. Grenzsteuersätze steigen in Deutschland mit steigendem Einkommen bis zum Spitzensteuersatz. Deshalb spricht man auch von einem progressiven Steuersystem – höhere Einkommen müssen einen höheren Anteil ihres Einkommens an Steuern zahlen.

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Manuela Barišić, Telefon: 0 52 41 81 81 480
E-Mail: manuela.barisic@bertelsmann-stiftung.de

Benjamin Stappenbeck Bertelsmann Stiftung

Carl-Bertelsmann-Str. 256
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Deutschland
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Nierenfunktion/Venenerkrankung: Schlafstörungen - wie machen sie krank?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Macht schlechter Schlaf krank?

Ob und auf welche Weise Schlafstörungen krank machen, erforscht Prof. Dr. Andreas Stang bereits seit 2014 an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. 

Das Bundesforschungsministerium (BMBF) unterstützt den Leiter des Zentrums für Klinische Epidemiologie am Universitätsklinikum Essen nun auch in der zweiten Förderperiode bis 2020 mit insgesamt 925.000 Euro. Seit 2014 fließen damit rund 2,3 Millionen in die Essener Schlafgesundheitsforschung. 

Prof. Dr. Andreas Stang
Prof. Dr. Andreas Stang UDE
 
  • Im Fokus steht u.a., wie sich etwa Schlafdauer, Mittagsruhe oder Atemstörungen im Schlaf auf das Wohlbefinden auswirken. 
Betrachtet werden Schlafcharakteristiken, kardiovaskuläre Erkrankungen, Venenerkrankungen und die Nierenfunktion. 
  • Untersucht wird, ob und wie diese möglicherweise in Wechselwirkungen zueinander stehen. 
Als mögliche Folge-Erkrankungen haben Prof. Stang und sein Team Herz- und Hirninfarkte, Bluthochdruck und Diabetes im Blick. 

Ob diese Zusammenhänge in Familien gehäuft auftreten, ist ein weiterer Forschungsschwerpunkt.

Der Epidemiologe kann seine Erkenntnisse aus einem riesigen Datenmeer schöpfen.

Denn am Universitätsklinikum Essen werden mit der NAKO (Nationale Kohorte) Gesundheitsstudie, der Heinz Nixdorf Recall Studie und der Heinz Nixdorf MehrGenerationenStudie seit mehreren Jahren einige der größten Gesundheitsstudien in Deutschland durchgeführt, die nun gezielt zum Thema Schlaf ausgewertet werden können.


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Prof. Dr. med. Andreas Stang
T. 0201/92239-289
zke-sekr@uk-essen.de

Forsthausweg 2
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Deutschland
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Christine Harrell, Medizinische Fakultät
Tel. 0201/723-1615
christine.harrell@uni-due.de
Beate Kostka M.A. Universität Duisburg-Essen

CAVE: Nichtalkoholische Fettleber - Auswirkungen Deines „Organ-Crosstalk

Medizin am Abend Berlin Fazit: Fettleber produziert Eiweiße, die andere Organe schädigen können

Bislang galt, wer sehr dick ist, hat auch ein erhöhtes Risiko an Diabetes, Krebs, Bluthochdruck und Herzinfarkt zu erkranken. 

Untersuchungen zeigen, dass aber nicht nur das Ausmaß, sondern vor allem die Lage und die Funktion des Fettgewebes eine entscheidende Rolle bei der Krankheitsentstehung spielen. 
  • Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) aus Tübingen haben herausgefunden, dass insbesondere eine verfettete Leber andere Organe schädigen kann. 
In zwei gerade veröffentlichten Studien weisen sie nach, welche Auswirkungen eine Fettleber spezifisch auf die Funktion der hormonproduzierenden Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und der Nierenfunktion hat. 
 
Immer mehr Menschen leiden an einer nichtalkoholischen Fettleber. In den industrialisierten Ländern hat bereits fast jeder dritte Erwachsene eine krankhaft verfettete Leber. Damit erhöht sich für diese Menschen nicht nur das Risiko für chronische Erkrankungen der Leber (Leberzirrhosen und Leberkrebs), sondern auch für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen.

Ursache hierfür ist das veränderte Sekretionsverhalten der Fettleber.

  • Sie produziert vermehrt Glucose, ungünstige Fette und Proteine, wie das Hepatokin Fetuin-A, und gibt sie in den Blutkreislauf ab. 

So gelangen die abgegebenen Substanzen der Fettleber zu anderen Organen und lösen dort Reaktionen aus.

Bisher ist jedoch nicht genau bekannt, welche Auswirkungen dieser „Organ-Crosstalk“ hat, welche Organe am meisten betroffen sind und welche „Schäden“ das Hepatokin Fetuin-A verursachen kann.

Wie wirkt das von der Fettleber produzierte Eiweiß Fetuin-A auf die Bauchspeicheldrüse?


Um die ursächlichen Mechanismen und die daraus entstehenden Veränderungen nachweisen zu können, haben DZD-Forscherinnen und Forscher des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen den Einfluss von Fetuin-A auf Pankreasfettgewebe untersucht*.

Im Fettgewebe der Bauchspeicheldrüse liegen neben ausgereiften Fettzellen auch zu etwa einem Drittel Vorläuferzellen (eine Art Stammzellen) vor. 
  • Behandelte man diese pankreatischen Zellen in Zellkulturen mit Fetuin-A, produzieren die reifen Fettzellen, aber insbesondere auch die Vorläuferzellen im Zusammenspiel mit Inselzellen mehr Entzündungsmarker und immunzell-anlockenden Faktoren.
Zusätzlich analysierten die Forscherinnen und Forscher Gewebeproben von 90 Patienten histologisch. Dabei zeigt sich, dass der Anteil des Pankreasfettes bei den Untersuchten sehr stark variiert.  
  • In Bereichen, in denen sich viele Fettzellen angelagert haben, war die Anzahl von Abwehrzellen des Immunsystems (Monozyten/Makrophagen) deutlich erhöht.

Mithilfe der Magnetresonanz-Tomographie hat die Arbeitsgruppe Endokrinologie um Professor Häring zusammen mit Wissenschaftlern der Sektion für Experimentelle Radiologie der Universität Tübingen in einer Kohorte von 200 Probanden mit erhöhtem Risiko an Typ-2 Diabetes zu erkranken, den Pankreasfettgehalt gemessen und mit Diabetesparametern verglichen.

  • In diesen Untersuchungen zeigte sich, dass in Personen, die schon eine verschlechterte Blutzuckerregulation aufwiesen, eine erhöhte Pankreasverfettung mit einer verringerten Insulinsekretion assoziiert war.

Zusammenfassend lassen diese Analysen, die in den Fachjournalen Diabetologia und Diabetes Metab Res Rev veröffentlicht wurden, vermuten, dass eine Fettleber zusammen mit einer Verfettung der Bauchspeicheldrüse eine erhöhte lokale Immunzellinfiltration und Entzündung auslöst, die den Krankheitsverlauf beschleunigen.

Fetuin-A führt auch zu pathologischen Veränderungen der Niere

Fettgewebe ist jedoch nicht per se schädlich.

Es kann sogar schützende Effekte haben.

So verfügt etwa das Fettgewebe, das um Blutgefäße oder die Niere lokalisiert ist, über regenerative Eigenschaften.

„Erst das von der Fettleber produzierte Fetuin-A führt zu pathologischen Veränderungen“, berichtet Professorin Dorothea Siegel-Axel, Leiterin der Arbeitsgruppe Fettgewebe und Komplikationen in Tübingen.

Die Folge: 
  • Statt wie bisher das Gewebe zu schützen, löst das Fettgewebe nun entzündliche Prozesse aus. 
  • Für die betroffenen Menschen bedeutet das Einschränkungen der Nierenfunktion. 
Das zeigen Untersuchungen an Arterien und der Niere, die von derselben Arbeitsgruppe erst kürzlich im Journal Scientific Reports publiziert wurden.

„Die Aussage, dass Fettleibigkeit an sich immer eine krankmachende Wirkung besitzt, ist zu unpräzise.

Erst die Bestimmung weiterer Parameter, wie Fettleber und Hepatokin-Spiegel und die dadurch ausgelösten Veränderungen in anderen Organen können genauere Hinweise liefern, ob ein Mensch ein erhöhtes Risiko hat, zu erkranken oder nicht“, fasst Professor Hans-Ulrich Häring, Vorstand des DZD und Leiter des IDM, die aktuellen Ergebnisse zusammen.

Original-Publikationen:

Gerst F. et al. (2017): Metabolic crosstalk between fatty pancreas and fatty liver: effects on local inflammation and insulin secretion. Diabetologia, DOI: 10.1007/s00125-017-4385-1

Wagner R. et al (2017): The protective effect of human renal sinus fat on glomerular cells is reversed by the hepatokine fetuin-A. Scientific Reports, DOI: 10.1038/s41598-017-02210-4

Heni M. et al. (2010): Pancreatic fat is negatively associated with insulin secretion in individuals with impaired fasting glucose and/or impaired glucose tolerance: a nuclear magnetic resonance study. Diabetes Metab Res Rev;26(3):200-5. DOI: 10.1002/dmrr.1073.

* Die Zellen für die Kulturen wurden aus Restgewebe im Rahmen von Operationen gewonnen, das für die Diagnostik nicht mehr benötigt und von den Patienten explizit freigegeben wurde.

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 Prof. Dr. rer. nat. Dorothea Siegel-Axel
Medizinische Klinik IV, Abt. Endokriologie, Diabetologie, Angiologie, Nephrologie und Klinische Chemie, Universitätsklinikum (UKT), Tübingen und
Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM)
des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Otfried-Müller-Straße 10
72076 Tübingen
Telefon: +49-7071/29-82906
E-Mail: dorothea.axel@med.uni-tuebingen.de

Birgit Niesing
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung e.V.
Ingolstädter Landstraße 1
85764 Neuherberg
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Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. Weitere Informationen: http://www.dzd-ev.de

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Binge-Eating-Störung - Heißhungeranfälle

Medizin am Abend Berlin Fazit: Hilfe gegen Heißhungeranfälle

Binge-Eating-Störung: 

Angeleitete Internet-basierte Selbsthilfe kann bisher übliche verhaltenstherapeutische Einzelsitzungen gut ergänzen oder sogar ersetzen. 
 Professorin Dr. Martina de Zwaan.
Professorin Dr. Martina de Zwaan."Foto: MHH/Kaiser"

Die Binge-Eating-Störung kann mit kognitiver Verhaltentherapie behandelt werden. 

Aber auch ein verhaltenstherapeutisches Selbsthilfeprogramm, das das Internet nutzt und nicht anonym ist, hilft gut gegen diese Essstörung.

Das hat Professorin Dr. Martina de Zwaan, Direktorin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), gemeinsam mit Professorin Dr. Anja Hilbert von der Universität Leipzig herausgefunden und in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlicht.

Menschen mit einer Binge-Eating-Störung essen bei wiederkehrenden Essanfällen unkontrolliert große Mengen an Lebensmitteln, was zu starkem Übergewicht führen kann.

„Die Essanfälle werden meist durch negative Gefühle ausgelöst, die während des Essens unterbrochen werden. 

Mit Hilfe einer kognitiven Verhaltenstherapie lernen die Betroffenen, ihr Essverhalten zu normalisieren, weitere Gewichtszunahmen zu verhindern und mit ihren psychischen Problemen anders als durch Essen umzugehen“, erklärt Professorin de Zwaan.

Doch Therapieplätze sind rar.

Deshalb wollten die Forscherinnen herausfinden, ob auch ein bestimmtes Selbsthilfeprogramm hilft, das ebenfalls auf der kognitiven Verhaltenstherapie beruht.

Es nutzt das Internet und beinhaltet ein persönliches erstes Gespräch sowie regelmäßige E-Mail-Kontakte mit dem Behandler.

„Es kann schnell begonnen und unabhängig von Ort und Zeit durchgeführt werden.

Darüber hinaus haben viele Patienten weniger Hemmungen, ein solches Programm durchzuarbeiten, als zu therapeutischen Sitzungen zu gehen“, erklärt Professorin de Zwaan.

An der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützten Studie nahmen sieben deutsche Zentren mit insgesamt rund 180 Patientinnen und Patienten teil.

Die Behandlung umfasste 20 wöchentliche Kontakte zu Therapeuten über vier Monate.

Die Hälfte der Teilnehmenden hatte verhaltenstherapeutische Einzelsitzungen mit Therapeuten, die andere Hälfte im Selbsthilfeprogramm Kontakt per E-Mail.

Das Ergebnis: Bei allen Teilnehmern verringerten sich die Essanfälle deutlich. Auch weitere Schwierigkeiten wie beispielsweise depressive Verstimmungen, Ängstlichkeit und die Sorge um das Gewicht nahmen ab.
  • Die persönliche Therapie wirkte schneller. 
Direkt nach der Behandlung und sechs Monate später hatten diese Patienten deutlich weniger Essanfälle als die anderen.

Doch nach 18 Monaten hatten sich die Effekte angeglichen.

Insgesamt hatten sich bei allen die Essanfälle verringert.

„Diese nicht-anonyme Internet-basierte Therapie stellt somit eine gute Alternative dar. Sie kann auch genutzt werden, um die Zeit bis zum Beginn einer persönlichen Therapie zu überbrücken.

Deshalb sollte sie ins Gesundheitssystem integriert werden“, sagt Professorin de Zwaan.

Allerdings müsse beachtet werden, dass Suizidalität und andere schwere psychische Leiden, die auch bei Personen mit dieser Essstörung vorkommen, in persönlichen Gesprächen besser behandelt werden können.


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Professorin Dr. Martina de Zwaan
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Die Originalpublikation finden Sie im Internet unter folgendem Link:
 http://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2646394. 

Stefan Zorn Medizinische Hochschule Hannover

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CAVE: Sonntags-Mittagessen: Herzinfarktsterblichkeit

Medizin am Abend Berlin Fazit: Auch Frauen profitieren immer mehr von sinkender Herzinfarkt-Sterblichkeit

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Herzinfarktsterblichkeit im Krankenhaus halbiert. 

Das zeigen aktuelle Daten aus der Schweiz, die heute auf dem Europäischen Kardiologiekongress in Barcelona präsentiert wurden. Bei Frauen ist eine stärkere Reduktion zu beobachten. 

Einen ähnlichen Trend weist auch der Deutsche Herzbericht aus. 
 
  • Die Herzinfarktsterblichkeit im Krankenhaus ging in den vergangenen Jahren massiv zurück, und der früher beobachtete „Gender-Gap“ zu Ungunsten von Herzpatientinnen verringert sich deutlich. 

Das legt eine aktuelle Schweizer Studie mit den Daten von mehr als 50.000 Patienten nahe, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Alkohol 


Die Daten wurden heute auf dem Europäischen Kardiologiekongress in Barcelona vorgestellt. 


In den 1990er Jahren lag vor allem bei jüngeren Frauen unter 60 Jahren die Herzinfarkt-Mortalität deutlich über jener der Männer“, so Studienautorin Dr. Dragana Radovanovic vom Schweizerischen Herzinfarktregister AMIS Plus der Universität Zürich.

Die neue Arbeit ging der Frage nach, inwieweit sich diese Geschlechterunterschiede verändert haben.

Innerhalb der vergangenen 20 Jahre hat sich die stationäre Herzinfarkt-Sterblichkeit halbiert, bei Frauen fiel die Reduktion noch stärker aus, insbesondere bei Frauen unter 60. Von 1997 bis 2016 ging die Sterblichkeit im Krankenhaus bei Männern mit ST-Hebungsinfarkt (STEMI) von 9,8 auf 5,5 Prozent zurück, bei Frauen von 18,3 au 6,9 Prozent. Beim Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) ging die Sterblichkeit bei Männern von 7,1 auf 2,1 Prozent zurück, bei Frauen von 11,0 auf 3,6 Prozent. Bei Patienten unter 60 Jahren war ein Sterblichkeitsrückgang nur bei Frauen zu beobachten, nicht aber bei Männern.

Weitere Ergebnisse der aktuellen Untersuchung:

Zwischen 1997 und 2016 stieg der Einsatz von Katheterinterventionen (PCI) zur Wiedereröffnung verschlossener Gefäße stark an:

  • Bei Männern mit STEMI von 60 auf 93 Prozent, bei Frauen von 45 auf 90 Prozent.


Dr. Radovanovic: „Frauen haben zwar immer noch eine höhere stationäre Herzinfarktsterblichkeit als Männer, möglicherweise weil sie beim Auftreten des Infarkts im Durchschnitt acht Jahre älter sind und mehr Risikofaktoren und Komorbiditäten aufweisen als Männer. Aber der Geschlechterunterschied bei der Sterblichkeit geht kontinuierlich zurück, was mit dem verstärkten PCI-Einsatz bei Frauen zusammenhängen könnte.”

„Die in Barcelona vorgestellten Daten bestätigen einen Trend, den wir auch in Deutschland beobachten“, so DGK-Pressesprecher Prof. Dr. Eckart Fleck (Berlin).

Der aktuelle Deutsche Herzbericht zeigt einen Rückgang der Herzinfarkt-Sterblichkeit bei Frauen von 30,7 und bei Männern von 24,8 Prozent zwischen 2000 und 2014. 

Insgesamt ging im Langfristvergleich mit dem Jahr 1990 die Herzinfarktsterblichkeit in Deutschland sogar um 44,79 Prozent zurück.

Dafür gibt es eine Reihe von Gründen:

„Neben einem effizienteren Rettungs- und Notarzt-System sind vor allem die Verbesserung der strukturellen und thepapeutischen Maßnahmen, die in den Krankenhäusern leitliniengerecht umgesetzt werden, für die deutliche Reduktion der Mortalität beim akuten Herzinfarkt verantwortlich“, so Prof. Fleck.

  • „Einen wichtigen Beitrag hat hier die bessere Diagnostik des Herzinfarkts geleistet.“

Quelle: ESC 2017 Abstract 260, Radovanovic et al. Gender differences in the decrease of in-hospital mortali-ty in patients with acute myocardial infarction during the last 20 years in Switzerland European Heart Journal (2017) 38 (Supplement) 710

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Deutsche Gesellschaft für Kardiologie
Pressesprecher: Prof. Dr. Eckart Fleck (Berlin)
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Pressestelle: Kerstin Kacmaz, Düsseldorf, Tel.: 0211 600692 43
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B&K – Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung, Dr. Birgit Kofler, Berlin/Wien, Tel.: +43-676-6368930; Tel.: 030 700159 676;kofler@bkkommunikation.com

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit über 10.000 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nau-heim gegründet, ist die DGK die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.

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Angeborene Herzfehler

Medizin am Abend Berlin Fazit: Lebenswichtiger Arztbesuch: Herzstiftung mahnt Erwachsene mit angeborenem Herzfehler zur Kontrolle

Umfrage für bessere Versorgung der ca. 280.000 Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler (EMAH) in Deutschland gestartet / „Viele EMAHs sind nicht ausreichend versorgt“ 

Der Ratgeber "18 und wohin jetzt?"
Der Ratgeber "18 und wohin jetzt?" Cover: DHS

 
Schätzungsweise 280.000 EMAH-Patienten leben in Deutschland.

Ihre Zahl wächst jährlich mindestens um ca. 6.000. Zwar kann die große Mehrheit der angeborenen Herzfehler (AHF) heute operativ – einfachere Fehlbildungen des Herzens zum Teil ohne Operation per Kathetereingriff – so gut behandelt werden, dass die meisten ein fast normales Leben führen.

Trotzdem ist für EMAH-Patienten eine kontinuierliche fachärztliche Weiterbehandlung im Erwachsenenalter lebenswichtig, weil sie sonst schwerwiegende Spätkomplikationen wie Herzschwäche, Lungenhochdruck, eine Herzinnenhautentzündung oder sogar lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herztod riskieren.

„Tausende EMAH werden nicht ausreichend versorgt: 

weil sie ungenügend über ihren Herzfehler informiert sind, sie selbst die Weiterbehandlung abbrechen oder nicht ihrem Herzfehler entsprechend medizinisch betreut werden. Häufig mündet das leider in eine Einlieferung als Herznotfall“, warnt Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

EMAH-Umfrage für bessere Versorgung richtet sich an EMAH und ihre Hausärzte

Mit Hilfe einer bundesweiten Umfrage, die sich unter www.vemah.info an EMAH und ihre Haus- oder Allgemeinärzte richtet, soll die EMAH-Versorgung insgesamt verbessert werden, auch um fatale Krankheitsverläufe bis hin zum Herztod zu verhindern.

Mit dem Ziel, einen Überblick über die medizinische EMAH-Versorgung in allen Regionen Deutschlands zu gewinnen, wurde die Umfrage der Klinik für Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler am Deutschen Herzzentrum München als Teil der von der Herzstiftung mit rund 77.000 Euro geförderten Studie „VEmaH“ (Versorgungssituation Erwachsener mit angeborenen Herzfehlern) gestartet.

„Wir appellieren an alle EMAH und ihre Haus- und Allgemeinärzte, sich an dieser wichtigen Umfrage zu beteiligen, denn nur mit ihrer Hilfe lassen sich neue zuverlässige Erkenntnisse zur Klärung vieler offener Fragen gewinnen“, so der EMAH-Spezialist Prof. Dr. Dr. med. Harald Kaemmerer und die klinische Wissenschaftlerin Rhoia Neidenbach vom Deutschen Herzzentrum München, die die Studie durchführen. Die Untersuchung geht Fragen nach z. B., ob die Befragten einen Arzt haben, an den sie sich bei Anliegen rund um ihren Herzfehler wenden können oder ob sie wissen, welche Spätfolgen ihr Herzfehler im Erwachsenenalter hervorrufen kann. Besonders hilfreich wäre es, wenn alle Betroffenen, die an der Umfrage teilnehmen, zugleich auch ihre Haus- oder Allgemeinärzte zur Teilnahme unter www.vemah.info motivieren würden.

Angeborene Herzfehler sollten bei oder zusammen mit AHF-Spezialisten behandelt werden!


Vielen EMAH-Patienten ist unklar, dass Spätkomplikationen auch erst viele Jahre nach einer erfolgreichen Behandlung des Herzfehlers eintreten können und unterlassen eine regelmäßige Kontrolle ihres Herzfehlers bei einem zertifizierten EMAH-Spezialisten. Oder sie sind zwar in Behandlung, jedoch bei einem Arzt ohne AHF-Expertise. „Angesichts der Vielfalt der angeborenen Herzfehler mit ihren individuellen Verlaufs- und Behandlungsformen ist es meist nur den Spezialisten möglich, diese Krankheitsbilder sicher zu beurteilen“, erläutert Prof. Kaemmerer. „Ärzte der Basisversorgung wie Hausärzte, Allgemeinmediziner oder Internisten können – dies ist keineswegs ein Vorwurf – kaum über spezifische Kenntnisse der Probleme dieser teils sehr komplexen Herzanomalien verfügen.“

Treten aber bei EMAH Probleme neu auf, wenden sich diese Patienten häufig zuerst an ihren Haus- oder Allgemeinarzt.

„Diese Ärzte sollten dann die Weichen richtig stellen für die fachlich adäquate Diagnostik und Behandlung durch einen (Kinder-) Kardiologen mit entsprechender EMAH-Expertise. 

Diese EMAH-Spezialisten sind mit möglichen Problemkonstellationen vertraut und können dann mit ihren Zuweisern ein optimales, gemeinsames Patientenmanagement festlegen.“

Kostenfreie Informationen für Betroffene und Arztpraxen

Das kostenfreie Informationsangebot für EMAH-Patienten, die Broschüre „18 und wohin jetzt?“ der Deutschen Herzstiftung und Herzkind e. V., kann angefordert werden unter Tel. 069 955128400 und per E-Mail unter bestellung@herzstiftung.de.

Die Broschüre richtet sich direkt an EMAH, eignet sich aber ebenso für Ärzte nicht-kardiologischer Fachrichtungen wie Hausärzte, Internisten und Allgemeinmediziner, die beim Arztbesuch eines EMAH auf diesem Weg auf den angeborenen Herzfehler aufmerksam machen können und als Zuweiser für die Weiterbehandlung an EMAH-Spezialisten eine wichtige Rolle spielen.

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CAVE: Darm-Gerhin-Achse - Deine Gewichtsentwicklung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Gehirnentzündungen bei krankhaftem Übergewicht mit spezifischen Darmbakterien assoziiert

Seit einigen Jahren sind Normalgewichtige in Deutschland in der Unterzahl: 

52 Prozent der Deutschen sind übergewichtig oder adipös. 

Wissenschaftler vom Exzellenzcluster „Entzündungsforschung“ konnten jetzt nachweisen, dass entzündliche Veränderungen in bestimmten Gehirnregionen mit der Zunahme des Körpergewichtes assoziiert sind. 
  • Die Daten legen den Schluss nahe, dass im Sinne einer „Darm-Gehirn-Achse“ die Fehlernährung über eine Veränderung des Darmmikrobioms zu entzündlichen Veränderungen in den Regionen der Appetit- und Sättigungsregulation im Gehirn führt, was die Gewichtsentwicklung langfristig nach oben treibt.  
  • Im Gehirn steuert der sogenannte Hypothalamus, ein Areal im Zwischenhirn mit einem Durchmesser von etwa drei Millimetern, unter anderem die Appetit- und Sättigungsregulation. 
Bisher konnte nur in sehr wenigen Studien gezeigt werden, dass entzündliche Veränderungen in diesem Bereich einen starken Einfluss auf das Körpergewicht eines Menschen haben.

In der aktuellen Studie verglichen die Forschenden die Hirnareale übergewichtiger und normalgewichtiger Personen mittels Magnetresonanztomografie.

Bei adipösen Personen fanden sie entzündliche Aktivitäten im Bereich des Hypothalamus. 

„Wir können aber noch nicht mit Sicherheit sagen, was zuerst entsteht“, erläutert Erstautorin Carina Kreutzer, Mitglied im Exzellenzcluster „Entzündungsforschung“ und Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. 
„Also ob Übergewicht zu einer Entzündung im Hypothalamus führt, oder ob die entzündlichen Prozesse Übergewicht verursachen.“ 
Ferner spielen natürlich auch die Ernährung sowie genetische Faktoren eine erhebliche Rolle.

Zusätzlich untersuchte das Team unter der Leitung von Professor Matthias Laudes, Medizinische Fakultät an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein das Darmmikrobiom, also die Bakterienzusammensetzung im Verdauungstrakt.

Zwei Bakterien konnten die Forschenden dabei ausfindig machen, die einen potentiell schützenden Einfluss haben.

Ernährt sich ein Mensch ausgewogen, also nicht zu fettreich, leben viele dieser Bakterien im Darm und die Entzündungswerte im Körper sind niedrig. 

„Umgekehrt kann eine fettreiche Ernährung innerhalb relativ kurzer Zeit die Bakterienmenge reduzieren, folglich steigen unter anderem auch Entzündungswerte im Gehirn an“, so der Diabetologe Laudes.

„Wir sehen in unserer Studie einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Gehirnentzündungen und spezifischen Veränderungen des Darmmikrobioms.

Unsere Daten legen den Schluss nahe, dass im Sinne einer ‚Darm-Gehirn Achse‘ die Fehlernährung über eine Veränderung des Darmmikrobioms zu entzündlichen Veränderungen in den Regionen der Appetit- und Sättigungsregulation im Gehirn führt, was die Gewichtsentwicklung langfristig nach oben treibt.“

Originalpublikation:
Kreutzer, C, Peters, S, Schulte, DM, Fangmann, D, Türk, K, Wolff, S, van Eimeren, T, Ahrens, M, Beckmann, J, Schafmayer, C, Becker, T, Kerby, T, Rohr, A, Riedel, C, Heinsen, F-A, Degenhardt, F, Franke, A, Rosenstiel, P, Zubek, N, Henning, C, Freitag-Wolf, S, Dempfle, A, Psilopanagioti, A, Petrou-Papadaki, H, Lenk, L, Jansen, O, Schreiber, S und Laudes, M (2017): Hypothalamic inflammation in human obesity is mediated by environmental and genetic factors. Diabetes, https://doi.org/10.2337/db17-0067

http://inflammation-at-interfaces.de/de/newsroom/aktuelles/LaudesDiabetes1.jpg
Gewebeschnitte zeigen, dass bei übergewichtigen Personen (untere Reihe) deutlich dichteres Gewebe im Hypothalamus vorliegt. Diese Verdichtung deutet auf entzündliche Prozesse hin. Bei normalgewichtigen Personen (obere Reihe) ist die Verdichtung deutlich geringer.
Fotos: Philip Rosenstiel

http://inflammation-at-interfaces.de/de/newsroom/aktuelles/LaudesDiabetes2.jpg
Eine magnetresonanztomografische Aufnahme zeigt den Querschnitt eines menschlichen Gehirns. Im Zentrum ist der etwa drei Millimeter große Hypothalamus erkennbar (MBH).
MRT-Aufnahme: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

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Dr. Tebke Böschen
Telefon: (0431) 880-4682, E-Mail: tboeschen@uv.uni-kiel.de
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Dr. Tebke Böschen
Telefon:
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Carina Kreutzer
Klinik für Innere Medizin I
Tel.: (0431) 500-22448
E-Mail: Carina.Kreutzer@uksh.de

Der Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces/Entzündungsforschung“ wird seit 2007 durch die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder mit einem Gesamtbudget von 68 Millionen Euro gefördert; derzeit befindet er sich in der zweiten Förderphase.

Die rund 300 Clustermitglieder an den insgesamt vier Standorten: Kiel (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Muthesius Kunsthochschule), Lübeck (Universität zu Lübeck, UKSH), Plön (Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie) und Borstel (Forschungszentrum Borstel – Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften) forschen in einem innovativen, systemischen Ansatz an dem Phänomen Entzündung, das alle Barriereorgane wie Darm, Lunge und Haut befallen kann.

Exzellenzcluster Entzündungsforschung
Wissenschaftliche Geschäftsstelle, Leitung: Dr. habil. Susanne Holstein
Postanschrift: Christian-Albrechts-Platz 4, D-24118 Kiel
Telefon: (0431) 880-4850, Telefax: (0431) 880-4894
E-Mail: spetermann@uv.uni-kiel.de


Krebs-Immunbremse: Monozyten und Makrophagen Therapie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Krebszellen drücken auf die Immunbremse

Damit sich Krebszellen erfolgreich ausbreiten und vermehren können, müssen sie einen Weg finden, um der körpereigenen Abwehr zu entgehen. 

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) veröffentlichen nun eine Erklärung dafür, wie das bei der Chronischen Lymphatischen Leukämie (CLL) gelingt. 

  • Die entarteten Zellen lösen eine entzündliche Reaktion aus und beeinflussen damit andere Blutzellen derart, dass die Immunabwehr gedrosselt wird. 

Dazu senden sie Botschaften über Exosomen aus, kleine Bläschen, die Zellen in die Umgebung abgeben. Die Entdeckung der DKFZ-Forscher ebnet den Weg für neue Therapieansätze. 
 
Tumorzellen beeinflussen ihre Umgebung, um der körpereigenen Immunantwort zu entgehen und für günstige Wachstumsbedingungen zu sorgen.

http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2017/bilder/Makrophage_Seiffert_Science_Immunol.jpg
BU: Makrophage nach Behandlung mit grün gefärbten Exosomen (blau Zellkern, rot: Zytoskelett)

Für solide Tumoren, also solche, die als fester Gewebeverband in einem Organ wachsen, ist schon länger bekannt, dass sie Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, für Ihre Zwecke manipulieren. „In der letzten Zeit haben sich die Hinweise gehäuft, dass bei Leukämien Ähnliches passieren muss“, sagt Martina Seiffert vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. So könnten Leukämiezellen, die von Patienten mit CLL gewonnen wurden, nur dann in der Kulturschale überleben, wenn sich dort auch Makrophagen oder Monozyten befinden, die Vorläuferzellen der Fresszellen. 

  • Sie dienen den Krebszellen quasi als Nährzellen.

Das Team um Seiffert hat nun herausgefunden, wie das Zusammenspiel zwischen Leukämiezellen und Monozyten zum Katalysator für die Krebsentwicklung wird. „Wir wissen, dass auf der Oberfläche dieser Nährzellen der so genannte PD-L1 Rezeptor vermehrt auftritt, der die Immunantwort unterdrückt“, so Seiffert. „Dabei handelt es sich um einen so genannten Immun-Checkpoint, der überschießende Abwehrreaktionen verhindert.“ In diesem Fall wird jedoch die Abwehr soweit ausgebremst, dass sich die Krebszellen ungehindert vermehren können.

  • Außerdem senden die Monozyten Botenstoffe aus, die zur Entzündungsantwort des Immunsystems gehören und das Wachsen und Vermehren der Krebszellen unterstützen.

Die entscheidende Frage war nun, wie die Leukämiezellen Monozyten in ihrer Umgebung derart manipulieren können. Die Wissenschaftler vermuteten im Vorfeld, dass hier Exosomen eine Rolle spielen, kleine Bläschen, die von Zellen in die Umgebung abgegeben werden. Sie dienen Zellen dazu, miteinander zu kommunizieren und ihr Verhalten gegenseitig zu beeinflussen. Tatsächlich finden sich im Blutplasma von CLL-Patienten vermehrt Exosomen, die von den Leukämiezellen abgesondert werden. Die eingehende Analyse dieser Exosomen hat ergeben, dass sich in ihrem Inneren unter anderem Y RNA befindet. Dabei handelt es sich um eine Klasse von kurzen RNA-Molekülen, über deren Funktion bislang noch recht wenig bekannt ist.

Um den Effekt der Y RNA zu überprüfen, behandelten die Wissenschaftler Monozyten und Makrophagen von Menschen und Mäusen in der Kulturschale mit den verdächtigen Exosomen sowie aufgereinigter Y RNA aus den Exosomen. In beiden Fällen veränderten sich die Zellen in ähnlicher Weise, wie man es von CLL-Patienten kennt. „Sie tragen vermehrt PD-L1-Rezeptoren auf ihrer Oberfläche und schütten Botenstoffe aus, die die Entzündungsantwort ankurbeln und den Leukämiezellen Wachstumsvorteile verschaffen“, erklärt Franziska Haderk, Erstautorin der Veröffentlichung.

Eine weitere Entdeckung: In den Monozyten wird die Y RNA-Botschaft von den so genannten Toll-Like Rezeptoren 7 und 8 (TLR7/8) erkannt. Diese dienen dazu, Fremd-RNA, etwa von Krankheitserregern, zu registrieren und die Entzündungsantwort anzuregen. Zeitgleich verstärkt sich durch die Aktivierung der Toll-Like Rezeptoren auch die Immunbremse PD-L1. „So entsteht ein Milieu, das das Überleben der Krebszellen fördert und Zellen des Immunsystems rekrutiert, aber gleichzeitig eine effektive Antwort der Immunzellen durch PD-L1 stoppt“, sagt Haderk.

Damit haben die DKFZ-Forscher gleich mehrere neue Angriffspunkte für die Therapie identifiziert. Neben einer Blockade des PD-L1-Rezeptors, ist es denkbar das Erkennen der Y RNA-Botschaft zu verhindern. „Das könnte beispielsweise durch die Gabe von TLR-Hemmstoffen wie Chloroquin gelingen, ein Medikament, das gegen Malaria und rheumatische Entzündungen eingesetzt wird“, verrät Seiffert. Im Experiment mit Mäusen, denen CLL-Zellen übertragen wurden, konnte der Wirkstoff die Vermehrung der Krebszellen deutlich drosseln. „Das macht Chloroquin zu einem interessanten Kandidaten für eine Kombinationstherapie mit anderen Wirkstoffen“, so Seiffert.

Franziska Haderk, Ralph Schulz, Murat Iskar, Laura Llaó Cid, Thomas Worst, Karolin V.Willmund, Angela Schulz, Uwe Warnken, Jana Seiler, Axel Benner, Michelle Nessling,Thorsten Zenz, Maria Göbel, Jan Dürig, Sven Diederichs, Jérôme Paggetti, EtienneMoussay, Stephan Stilgenbauer, Marc Zapatka, Peter Lichter und Martina Seiffert: Tumor-derived exosomes modulate PD-L1 expression in monocytes. Science Immunology 2017, DOI: 10.1126/sciimmunol.aah5509


Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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