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Nationalität von Tätern in ihrer Berichterstattung sind stets anzugeben...?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Kriminalität von Ausländern wird drastisch überschätzt

Sollen Journalisten die Nationalität von Tätern angeben?

Professor Lutz Hagen vom Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden hat für die Sächsische Zeitung eine repräsentative Befragung ihrer Leser zur Ziffer 12.1 des Pressekodex durchgeführt. 
 
Nach dieser Vorschrift, darf normalerweise die Nationalität bzw. Gruppenzugehörigkeit von Tätern nicht angegeben werden, sondern nur, wenn ein begründbarer Sachbezug zur Tat besteht.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Versorgung mit Canna bis als Medizin  


Ausgesprochen viele Leser haben in den vergangenen Monaten in Unkenntnis dieser Vorschrift der Sächsischen Zeitung in Zuschriften vorgeworfen, dass sie die Nationalität nur deshalb nicht angibt, weil sie ausländische Täter schützen will.

Viele Leserbriefschreiber vermuten, dass eine „Anweisung von oben“ der Grund ist.

Die Studie durch Prof. Hagen zeigt, dass die Mehrheit der Leser dies ähnlich sieht:

Die befragten Leser der Sächsischen Zeitung kennen in ihrer großen Mehrheit die Vorschrift nicht, die sich Journalisten im Pressekodex selbst gegeben haben.

Aber anders als die Leserbriefschreiber ist die große Mehrheit der Leser der zutreffenden Meinung, Ausländer seien im Durchschnitt nicht krimineller als Deutsche.

Trotzdem überschätzen die Leser bei vier von fünf Delikten den Anteil Kriminalität, der in Sachsen auf Zuwanderer zurückgeht um ein Vielfaches.

Die Ergebnisse der Studie nimmt die Sächsische Zeitung zum Anlass, bis auf weiteres die Nationalität von Tätern in ihrer Berichterstattung stets anzugeben, auch wenn Ziffer 12.1 des Pressekodex dem entgegensteht.



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Gastrointestinale Ursachen von Gewichtsverlust: Klinik, Diagnostik, Therapie

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Gewichtsverlust ernst nehmen: Magen-Darm-Erkrankungen sind häufig Ursache

Wer ohne Diät binnen eines halben Jahres mehr als zehn Prozent seines Gewichts verliert, sollte sich an seinen Hausarzt oder einen Gastroenterologen wenden, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). 

In einem Drittel der Fälle gehe die Gwichtsabnahme mit Erkrankungen des Verdauungstraktes, wie beispielsweise einer Infektion, einer Unverträglichkeit oder einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung einher. 

Auch zur Vorbeugung von Mangelerscheinungen sei eine Abklärung wichtig, betonen die Experten der Fachgesellschaft. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Deutschen Antibiotika- Resistenzstrategie (DART 2020) 
 
„Natürlich kann ein Gewichtsverlust auch durch nicht-gastroenterologische Erkrankungen bedingt sein und etwa von einer Depression oder Problemen mit dem Zahnersatz herrühren“, erläutert Professor Dr. med. Georg Lamprecht, Chefarzt der Abteilung für Gastroenterologie, Endokrinologie und Stoffwechselkrankheiten am Universitätsklinikum Rostock.

Geht die Gewichtsabnahme jedoch mit Bauschmerzen, Durchfall oder Verstopfung einher, liegt das Problem meist im Verdauungstrakt. 

 „Wenn der Körper die Nahrungsbestandteile nicht ausreichend aufspaltet oder resorbiert, sprechen wir von einem Malassimilations-Syndrom“, erläutert der Sprecher der DGVS-Arbeitsgemeinschaft Ernährungsmedizin.

Ursache können eine ganze Reihe teils häufiger aber auch teils seltener Erkrankungen sein, die am besten von einem Gastroenterologen abgeklärt werden.

„Da die Symptome oft unspezifisch sind, ist die Diagnostik eine Herausforderung“, so Lamprecht.

  • So können Bauchschmerzen und Durchfall unter anderem auf die Gluten-Unverträglichkeit „Zöliakie“, auf die chronisch-entzündliche Darmerkrankung „Morbus Crohn“ oder auch auf eine Entzündung des Dickdarms, eine „mikroskopische Kolitis“ hinweisen. 
  • In Frage kommen aber auch Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder Folgen von Operationen im Bauchraum, die durchaus schon lange zurück liegen können. 

Hilfreich sei es, wenn Patienten ihre Beschwerden möglichst genau beschreiben können, so Lamprecht:  

Treten Schmerzen vor oder nach dem Essen auf?
Ist der Stuhl besonders wässrig? 
Wechseln sich Durchfall und Verstopfung ab?

Darüber hinaus helfen dem Arzt Laboruntersuchungen von Blut, Urin und Stuhl, sowie bildgebende Verfahren die richtige Diagnose zu stellen.

Wenn nötig entnimmt er Gewebe aus Magen oder Darm und untersucht diese auf krankhafte Veränderungen. 

Neben den häufigeren Krankheitsbildern, gelte es auch an seltenere Erkrankungen zu denken, so Lamprecht.

  • Zum Beispiel könne es auch Jahrzehnte nach einer Strahlenbehandlung noch durch Schädigungen des Darmgewebes zu einer sogenannten Strahlenenteritis kommen.

„Der erste Schritt besteht darin, das Problem zu erkennen, ärztliche Hilfe zu suchen und so auch drohenden Mangelerscheinungen rechtzeitig vorzubeugen“, sagt Lamprecht.

Denn Verdauungskrankheiten führen nicht nur zu Gewichtsverlust: 

  • Nimmt der Körper nicht ausreichend Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente auf, fühlen sich die Patienten müde und wenig leistungsfähig. 

„Je schneller wir gegensteuern können, desto besser“, so der DGVS-Experte.

Quelle:
Fromhold-Treu, S., Lamprecht, G.: Gastrointestinale Ursachen von Gewichtsverlust: Klinik, Diagnostik, Therapie, Dtsch med Wochenschr 2016; 141(04): 253-260, DOI: 10.1055/s-0041-111200

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten. 


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360° TOP-Hinweis: Rettungsstelle - KANZEL: Druck ablassen für die Augen - Grüner Star/Glaukom

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Autogenes Training und Co. helfen bei Grünem Star

Entspannungsübungen helfen Patienten, die unter der Augenerkrankung „Grüner Star“ leiden: 
  • Studien weisen darauf hin, dass autogenes Training, Hypnose oder Musiktherapie den Augeninnendruck senken, die Durchblutung des Sehnervs verbessern und so den Krankheitsfortschritt bremsen könnten. 
Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) sieht in Entspannungsübungen eine sinnvolle Ergänzung zur ärztlichen Therapie, keinen Ersatz.

  • Beides sollte deshalb immer in Absprache mit dem Augenarzt und unter professioneller Anleitung erfolgen. 
 
Rund 2,2 Millionen Menschen leiden an einem Grünen Star oder an einem Frühstadium des sogenannten Glaukoms – ein unheilbares Augenleiden, das vor allem Senioren betrifft.

  • Dabei führen fortschreitende Schäden am Sehnerv zum Verlust der Sehkraft, bis hin zur Erblindung. 
  • Als bedeutendster Risikofaktor für ein Glaukom gilt ein erhöhter Augeninnendruck, der den Sehnerv schädigt und dessen Durchblutung stört. 
„Medikamente, die den Augeninnendruck senken, sind darum der erste Behandlungsschritt, mit dem sich das Fortschreiten des Glaukoms verlangsamen lässt“, sagt Professor Dr. med. Norbert Pfeiffer von der Sektion DOG-Glaukom.

Aber es spielen auch noch andere Faktoren hinein:

„Ähnlich wie bei Bluthochdruck kann Stress auch zum erhöhten Augeninnendruck und Glaukom beitragen“, erklärt Pfeiffer, der die Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz leitet. Studien zufolge reagieren zwei Drittel aller Glaukom-Patienten tendenziell auch empfindlicher auf Stress als gesunde Menschen: Schon kurzfristig erhöhte Stresslevel treiben ihren Augeninnendruck in die Höhe. Das Fortschreiten der Erkrankung sorgt für zusätzlichen Stress: „Denn der Patient sieht zunehmend schlechter, verliert seine Selbstständigkeit und hat Angst zu erblinden“, so Pfeiffer. „Viele Erkrankte zeigen Anzeichen einer Depression.“

Entspannungsmethoden können helfen, Stress und Ängste abzubauen und so auch den Augeninnendruck zu reduzieren. 

Autogenes Training beispielsweise senkte in Studien den Augeninnendruck von Glaukompatienten um einige Millimeter auf der Quecksilbersäule (mmHg), mithilfe von Hypnose fiel der Augeninnendruck noch stärker aus. 

„Diese Methoden sind allerdings nicht für alle Patienten geeignet und nicht flächendeckend verfügbar“, sagt Pfeiffer.

Eine Alternative böte auch Musiktherapie: Marburger Augenärzte haben ein musiktherapeutisches Programm speziell für Glaukompatienten zusammengestellt:

Eine Kombination aus Musik, Naturgeräuschen, und gesprochenen Texten, die Entspannungsübungen aus dem autogenem Training anleiten.

Untersuchungen zeigen, dass der Stressabbau nicht nur bei der Behandlung des Glaukoms hilft, sondern auch die Lebensqualität der Betroffenen verbessert. In keinem Fall könnten die Übungen aber die konventionelle ärztliche Therapie ersetzen, betont Pfeiffer. „Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt und Medikamente sind für eine angemessene Behandlung des Glaukoms immer nötig.“

Quellen:
T. Bertelmann, I. Strempel. Entspannungsmethoden bei Glaukom – Stellenwert von autogenem Training, Hypnose und Musikmedizin. Opthalmologe 2016 113:102–110

Stellungnahme zur Glaukomfrüherkennung (August 2015)

http://www.dog.org/?cat=7#7


DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6500 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste augenärztliche Gesellschaft der Welt.


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Angst und Furcht vor Transösophageale Echokardiographie (Schluck-Echo): Stresshormon Cortisol, Botenstoff Glutamat, Botenstoff GABA

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Wo die Angst sitzt

Stress kann Angst erhöhen. 

Der Glucocorticoidrezeptor für das Stresshormon Cortisol vermittelt verstärkte Angst. Spielen unterschiedliche Zelltypen, in denen er sich findet, dabei eine Rolle? Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie konnten erstmals nachweisen, dass nicht nur die Hirnregion, sondern auch die Art der Neuronenpopulation eine entscheidende Rolle spielt. 

Diese Erkenntnis liefert einen neuen Ansatzpunkt zur Behandlung von Angststörungen. 
 
  • Rund 20 Prozent der Bevölkerung erkranken irgendwann in ihrem Leben an einer Angststörung. 

Sehr häufig ist eine erhöhte Ängstlichkeit auch Begleiterscheinung anderer psychiatrischer Erkrankungen.  

So haben 60 bis 70 Prozent aller Menschen, die an einer Depression leiden, auch Probleme mit vermehrter Angst.

Forscher wissen, in welchen Hirnregionen die Angst sitzt, zum Beispiel in der Amygdala, dem sogenannten Mandelkern. Sie wissen auch, dass Stress Angst erhöhen kann.

  • Eine wichtige Erkenntnis, denn viele der Grunderkrankungen, die mit verstärkter Angst gekoppelt sind, sind ebenfalls Stress-bedingt.

Was die Forscher bisher nicht wussten ist, ob ein bestimmter Zelltyp im Gehirn für verstärkte Ängstlichkeit verantwortlich ist. 

Der Hauptrezeptor für das Stresshormon Cortisol, der Glucocorticoidrezeptor, vermittelt verstärkte Angst. 

Doch welcher Typ von Nervenzellen vermittelt diesen Effekt? 

  • Wird der Botenstoff Glutamat von den Nervenzellen gebildet, agieren diese erregend, während Nervenzellen mit dem Botenstoff GABA neuronale Aktivität hemmen. 
Dieser Thematik gingen Wissenschaftler um Mathias Schmidt am Max-Planck-Institut für Psychiatrie nach.

Im Mausmodell schaltete Schmidt mit seinem Team den Glucocorticoidrezeptor entweder nur in der erregenden, glutamatergen Zellpopulation oder in hemmenden, GABAergen Nervenzellen aus. 

Die jetzt in der renommierten Zeitschrift "Molecular Psychiatry" publizierten Ergebnisse zeigen: 

Nur Mäuse, in denen der Glucocorticoidrezeptor in glutamatergen Neuronen ausgeschaltet war, hatten weniger Angst. Die andere Gruppe mit einer Manipulation in GABAergen Neuronen zeigte keinen Effekt auf die Angst. 

Die Art der Zellpopulation scheint also entscheidend für die Entstehung von Stress-induzierter Angst.

In einem zweiten Schritt betrachteten die Forscher einen kleineren Bereich im Gehirn, nämlich ausschließlich die Amygdala. Hier konnten die Ergebnisse noch weiter aufgeschlüsselt werden und eine Funktion des Glucocorticoidrezeptors speziell auf das Furchtgedächtnis nachgewiesen werden.

Besonders interessant war es für die Forscher am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, dass die Effekte von Stress-induzierter Angst und Furcht unterschiedlichen Hirnregionen zugeordnet werden können. 

 Diese Erkenntnis liefert wertvolle Hinweise für eine differenzielle Behandlung von Angst und Furcht.

Noch wichtiger ist das gewonnene Verständnis, dass außer der Hirnregion auch der Typ der Zellen entscheidend ist. 
  • Auch das ist für die Behandlung von Angststörungen wichtig, liefert es doch einen Ansatzpunkt, welche Schaltkreise konkret für Angst zuständig sind, wo also medikamentös am besten angesetzt werden sollte. 

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Selbstinformation der Patienten - Arbeit der Ärzte

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Ärzte sehen informierte Patienten kritisch

Patienten informieren sich immer häufiger selbst über Krankheiten, Behandlungsmöglichkeiten oder Kassenleistungen. 

  • Bei niedergelassenen Ärzten ist dieses Verhalten umstritten, oft raten sie Patienten von einer eigenen Recherche ab. 

Gleichzeitig haben jedoch viele Ärzte selbst Probleme, seriöse Quellen im Internet als solche zu erkennen.

Mehr als die Hälfte der niedergelassenen Ärzte findet informierte Patienten mindestens problematisch. 

  • 45 Prozent der Ärzte stimmen außerdem der Aussage zu, die Selbstinformation der Patienten erzeuge vielfach unangemessene Erwartungen und Ansprüche, die die Arbeit der Ärzte belaste. 

Dies geht aus einer Online-Umfrage der Bertelsmann Stiftung und der BARMER GEK hervor. Fast ein Drittel (30 Prozent) der Ärzte ist der Ansicht, dass die Selbstinformation die Patienten meist verwirre und das Vertrauen zum Arzt beeinträchtige. Knapp ein Viertel der Ärzte rät Patienten sogar aktiv von der eigenständigen Suche nach Informationen ab.

Patienten recherchieren zunehmend im Internet

Der Trend ist allerdings ein anderer:

"Es ist eine unumkehrbare Entwicklung, dass immer mehr Patienten ihre Krankheitssymptome und die dazugehörigen Therapiemöglichkeiten im Internet recherchieren", sagt Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Daher sollten Ärzte die Selbstinformation ihrer Patienten als Chance betrachten und fördern. "Auch was das Thema Gesundheit angeht, sind die Menschen heutzutage viel anspruchsvoller und selbstbewusster. Ein gut informierter Patient, der auf Augenhöhe mit dem Arzt über Krankheit und Behandlungsoptionen diskutiert, sollte das Ziel aller an der Versorgung Beteiligten sein", so Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK.

Ärzte wenig selbstkritisch

Fast alle niedergelassenen Ärzte (98 Prozent) geben der Umfrage zufolge an, dass sich der Trend zur Selbstrecherche medizinischer Fragen in den vergangenen fünf Jahren verstärkt hat. Das wachsende Interesse von Laien an gesundheitsbezogenen Themen ist in der Ärzteschaft jedoch umstritten. Gut 40 Prozent der Ärzte freuen sich über das Interesse der Patienten. Knapp zehn Prozent ärgern sich allerdings, dass der Patient sich mit seiner Frage nicht zuerst an sie gewandt hat. Die Frage, ob es auch an ihnen selbst liegen könne, dass Patienten sich auf eigene Faust informieren und nicht direkt auf sie zukommen, stellen sich lediglich elf Prozent der Ärzte. Nur etwa zehn Prozent von ihnen fragen sich, ob der Patient sich zuvor mehr Beratung gewünscht hätte.

Ärzte kennen seriöse Informationen im Internet nicht

  • Nur etwas mehr als die Hälfte der Ärzte (56 Prozent) hat nach eigenen Angaben vertrauenswürdige Informationsmaterialien in ihrer Praxis ausliegen und gibt diese ihren Patienten mit. 

Knapp 50 Prozent weisen ihre Patienten auf gute Informationsquellen hin und ebenfalls knapp 50 Prozent der Ärzte suchen selbst nach geeigneten Informationen für ihre Patienten.

Nur 15 Prozent der Ärzte kennen sich nach eigenen Angaben eher nicht so gut oder überhaupt nicht gut mit den für Patienten verfügbaren Informationsangeboten aus. Trotzdem kennen gerade einmal 21 Prozent der Ärzte die Internetseite patienten-information.de des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ), das immerhin das gemeinsame Kompetenzzentrum von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung ist. Nur ein Drittel dieser Ärzte hält die Patienteninformationen dieser Internetseite für vertrauenswürdig, während das Vertrauen in Wikipedia mehr als doppelt so groß ist.

Zusatzinformationen

Die Online-Umfrage der Bertelsmann Stiftung und der BARMER GEK wurde im November und Dezember 2015 durchgeführt. Befragt wurden ambulant tätige niedergelassene Ärzte aus den Fachbereichen Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Anästhesie, Allgemeinchirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie und Orthopädie, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Urologie, Augenheilkunde und HNO. Für die Datenanalyse liegen 804 Online-Fragebögen von Ärztinnen und Ärzten vor.

Die Autorin der Studie ist Anja Bittner (Ärztin und Mitbegründerin der mehrfach ausgezeichneten Internetseite washabich.de)


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sSezialisierte geriatrische Versorgung + hausärztliche Betreuung multimorbider, älterer Patienten im ambulanten Bereich.

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Bessere Vergütung für ambulante geriatrische Medizin = bessere Versorgung für alte Patienten?!

Es ist ein Meilenstein. Seit dem 01.07.2016 bessern sich die Voraussetzungen, hochbetagte Patienten ambulant von einem auf Altersmedizin spezialisierten Arzt behandeln zu lassen. 

Denn seit gestern, Freitag,  werden neue Gebührenordnungspositionen zur spezialisierten geriatrischen Versorgung in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aufgenommen. 

Sprich: Ein geriatrisch qualifizierter Arzt kann seine erbrachten Leistungen ab sofort besser abrechnen! 

Schließlich bedarf ein sehr alter Patient besonderer Fürsorge und kostet den betreuenden Arzt entsprechend viel Zeit. Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) begrüßt diese Entwicklung außerordentlich. 

Gleichzeitig warnt die Fachgesellschaft allerdings. 

 PD Dr. Rupert Püllen, Präsident der DGG
 PD Dr. Rupert Püllen, Präsident der DGG
 
Denn: Nur ein adäquat ausgebildeter Arzt kann mit seinem Fachwissen auch diese Leistungen erbringen. 

Die Überlegungen einiger Landesärztekammern, Hausärzte jetzt im Schnelldurchlauf zu Spezialisten für Altersmedizin auszubilden, wird die Versorgung Hochbetagter nicht verbessern. Im Gegenteil.

Ja zur Förderung einer spezialisierten Altersmedizin

Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) begrüßt ausdrücklich die Förderung einer spezialisierten geriatrischen Versorgung. Angesichts der demographischen Entwicklung mit einer starken Zunahme hochbetagter, multimorbider Patienten ist dies ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Zugleich wird damit die Bedeutung der geriatrischen Medizin anerkannt und ihre Form von personalintensiver Medizin finanziell gefördert.

Die spezialisierte geriatrische Versorgung ergänzt die hausärztliche Betreuung multimorbider, älterer Patienten im ambulanten Bereich. Sie richtet sich an komplex erkrankte geriatrische Patienten mit einem erhöhten Aufwand an Diagnostik und Therapie. „Mit der spezifischen geriatrischen Versorgung wird eine Lücke geschlossen zwischen einer ambulanten Basisversorgung des älteren Patienten auf der einen Seite und der stationären Behandlung älterer Patienten in geriatrischen Krankenhaus-Fachabteilungen auf der anderen Seite“, sagt DGG-Präsident PD Dr. Rupert Püllen.

Nein zur Absenkung des ärztlichen Weiterbildungsniveaus

Aber: Die spezifische geriatrische Versorgung wird nur dann das Ziel einer besseren Versorgung älterer Menschen erreichen, wenn sie von spezifisch qualifizierten Ärzten erbracht wird. Deshalb ist die Erbringung der neu geschaffenen Leistungen gebunden an Ärzte mit der Schwerpunktbezeichnung oder Zusatzbezeichnung „Geriatrie“, die nach einer Fachweiterbildung von 1,5 Jahren erteilt wird. Fachärzte oder langjährige Vertragsärzte, die eine qualifizierte geriatrische Fortbildung nachweisen können, wie beispielsweise einen 160-Stundenkurs in Verbindung mit einer Tätigkeit in einer geriatrischen Einrichtung, sind ebenfalls qualifiziert, spezifische geriatrische Versorgung zu übernehmen.

Entsprechend warnt die DGG vor einer Absenkung des ärztlichen Weiterbildungsniveaus im Fachbereich Geriatrie. Der Mangel an Geriatern darf nicht dazu führen, die Voraussetzungen zum Erwerb der Zusatzbezeichnung Geriatrie so weit abzusenken, dass diese Zusatzbezeichnung in einem 40 Stunden-Kurs zu erwerben ist. Wie für andere Zusatzweiterbildungen ist auch für die Geriatrie eine Mindestweiterbildungszeit von 18 Monaten erforderlich.

Nur wenn die neuen Leistungen von spezifisch qualifizierten Ärzten erbracht werden, bedeutet der 01.07. den vielfach zitierten Meilenstein. Und nur dann bedeutet dies einen erheblichen Nutzen für die bislang oftmals noch unterversorgten älteren Patienten.

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Nina Meckel Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)

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Myokardinfarkt: Präventation nach Myokardinfarkt (Akuten Koronarsysndrom) und atherothrombotische Ereignisse

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Ticagrelor zur Prävention nach Myokardinfarkt

Zulassungserweiterung / Nachteile stellen Vorteile bei der Mortalität nicht infrage 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Gemeinsamer Bundesausschuss  

 
Den Zusatznutzen von Ticagrelor für Patientinnen und Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bereits 2011 in seiner allerersten Dossierbewertung untersucht, als das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) gerade in Kraft getreten war. 
  • Damals zeigte sich, dass der Wirkstoff Betroffenen mit einem leichteren Herzinfarkt ohne typische EKG-Veränderungen oder mit einer instabilen Angina pectoris einen beträchtlichen Zusatznutzen bietet. 
  • Für schwerere Herzinfarkte fehlten entsprechende Belege.

Nun wurde die Zulassung erweitert:

  • Ticagrelor darf gemeinsam mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) auch bei bestimmten Patienten eingesetzt werden, deren Myokardinfarkt mindestens ein Jahr zurückliegt, und zwar zur Prävention atherothrombotischer Ereignisse nach einer einjährigen Anfangstherapie. 

Das IQWiG hat untersucht, ob der Wirkstoff auch für dieses Anwendungsgebiet Vorteile gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie aufweist.

Demnach gibt es einen Hinweis auf einen Zusatznutzen mit dem Ausmaß „gering“.

Myokardinfarkt muss ein bis drei Jahre zurückliegen

Die Zulassungserweiterung gilt für Erwachsene mit einem hohen Risiko für ein weiteres atherothrombotisches Ereignis, deren Myokardinfarkt ein bis drei Jahre zurückliegt. 
  • Als Risikofaktoren gelten dabei ein Alter von mindestens 65 Jahren, ein medikationsbedürftiger Diabetes mellitus, mehr als ein vorangegangener Myokardinfarkt, eine koronare Herzkrankheit, die mehr als ein Gefäß betrifft, oder eine chronische Nierenfunktionsstörung.
  • Ticagrelor wird dann gleichzeitig mit ASS zur Prävention eingenommen, und zwar in einer Dosierung von 60 mg, während es in der Anfangstherapie (Myokardinfarkt weniger als ein Jahr zurückliegend) mit 90 mg dosiert wird. 
Als zweckmäßige Vergleichstherapie hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine ASS-Monotherapie unter Fortführung der Basistherapie des Myokardinfarkts und Maßnahmen zum Erreichen einer angemessenen Lebensführung festgelegt.

Nutzenbewertung auf Basis der PEGASUS-Studie

Die Bewertung erfolgte auf Basis der dreiarmigen randomisierten Studie PEGASUS-TIMI 54. Alle Teilnehmer erhielten ASS als Basistherapie unverblindet, außerdem – verblindet – Ticagrelor in den Dosierungen 60 mg und 90 mg oder Placebo. Für die Nutzenbewertung wurden Daten aus dem 60-mg-Arm und dem Placebo-Arm verglichen. Etwa drei Viertel dieser Patientinnen und Patienten entsprachen der Zulassung und bildeten damit die für die Bewertung relevante Teilpopulation.

Vorteile bei Mortalität und Morbidität, aber auch Nachteile

Bei der Gesamtmortalität zeigt sich ein Hinweis auf einen Zusatznutzen der Kombination gegenüber der ASS-Monotherapie. 

Auch bei den Morbiditätsendpunkten „kardiovaskuläre Mortalität, nicht tödlicher Myokardinfarkt und nicht tödlicher Schlaganfall“ sowie „Myokardinfarkt“ finden sich Hinweise auf einen Zusatznutzen.

Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurden in der Studie nicht erhoben.

In der Endpunktkategorie Nebenwirkungen gibt es sowohl beim Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse (inklusive Blutungen) als auch bei den schweren Blutungen jeweils einen Hinweis auf einen höheren Schaden und bei den Dyspnoen einen Beleg für einen höheren Schaden durch Ticagrelor.

Diese Nachteile stellen die Vorteile, insbesondere bei der Gesamtmortalität, nicht gänzlich infrage.

Zusammenfassend gibt es zur Prävention atherothrombotischer Ereignisse bei Risikopatienten mit einem Myokardinfarkt in der Vorgeschichte einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen von Ticagrelor in Kombination mit ASS gegenüber der ASS-Monotherapie.

G-BA beschließt über Ausmaß des Zusatznutzens

Die Dossierbewertung ist Teil der frühen Nutzenbewertung gemäß AMNOG, die der G-BA verantwortet. Nach Publikation der Dossierbewertung führt der G-BA ein Stellungnahmeverfahren durch und fasst einen abschließenden Beschluss über das Ausmaß des Zusatznutzens.

Einen Überblick über die Ergebnisse der Nutzenbewertung des IQWiG gibt folgende Kurzfassung. Auf der vom IQWiG herausgegebenen Website gesundheitsinformation.de finden Sie zudem allgemein verständliche Informationen.

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Dein erwachsenes Gehirn - Rückgratsynapsen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Stabile Wahrnehmung im erwachsenen Gehirn

Das erwachsene Gehirn hat gelernt, ein Bild der Umwelt aus Informationen der Sinnesorgane zu berechnen. 

Verändern sich die Eingangssignale, kann sich auch das erwachsene Gehirn anpassen. 

Ist die Störung behoben, kehrt es, im Idealfall, zu seinem ursprünglichen Zustand zurück. 

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie in Martinsried konnten in Mäusen zeigen, dass diese Eigenschaft auf der Fähigkeit einzelner Nervenzellen beruht: Einzelne Zellen sind in der Lage sich stark auf Veränderungen einzustellen und auch wieder ihren Ausgangszustand einzunehmen. 

  • Dies könnte erklären, warum das erwachsene Gehirn trotz ständiger Veränderungen nicht kontinuierlich alles neu erlernen muss 

 Aktive Nervenzellen der visuellen Großhirnrinde der Maus bei veränderten Sinneseindrücken. Weitere Informationen siehe www.neuro.mpg.de
Aktive Nervenzellen der visuellen Großhirnrinde der Maus bei veränderten Sinneseindrücken. Weitere Informationen siehe www.neuro.mpg.de (c) MPI für Neurobiologie / Rose
 
  • Alles, was wir über unsere Umwelt wissen, basiert auf Berechnungen unseres Gehirns. 
  • Während das kindliche Gehirn die Regeln der Umwelt erst noch lernen muss, weiß das erwachsene Gehirn, was es erwarten kann, und verarbeitet Umweltreize weitgehend stabil. 

Doch auch das erwachsene Gehirn ist zeit seines Lebens in der Lage, auf Veränderungen zu reagieren, neue Erinnerungen zu bilden und zu lernen – es ist "plastisch". Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben gezeigt, dass Veränderungen in den Nervenzellverbindungen die Grundlage dieser Plastizität sind.

  • Wie kann das Gehirn seine Verbindungen jedoch kontinuierlich verändern und Neues lernen, ohne zum Beispiel die bestehende, stabile Berechnung der Umwelt zu gefährden? 

Dieser Frage nach dem Zusammenspiel von Plastizität und Stabilität sind nun die Martinsrieder Neurobiologen aus der Abteilung von Tobias Bonhoeffer auf den Grund gegangen.

Die Wissenschaftler haben untersucht, wie stabil die Verarbeitung von Sinneseindrücken im visuellen Cortex der Maus ist. Seit rund 50 Jahren ist bekannt, dass bei dem zeitweisen Verschluss eines Auges der für dieses Auge zuständige Gehirnbereich zunehmend Signale aus dem noch offenen Auge verarbeitet.

Eine Erkenntnis, die im Verwenden von Augenpflastern bei schielenden Kindern eine Anwendung findet.

"Dank neuer genetischer Farbstoffe ist es seit kurzem möglich, die Aktivitätssignale einzelner Nervenzellen über lange Zeiträume hinweg zuverlässig zu beobachten", berichtet Tobias Rose, der Erstautor der Studie. "Mit ein paar weiteren Verbesserungen konnten wir nun erstmals zeigen, was im Gehirn bei diesen Veränderungen passiert."

Durch das Mikroskop konnten die Wissenschaftler beobachten, dass rund zwei Drittel der Nervenzellen Signale aus dem anderen, offenen Auge übernehmen. 

"Das wirklich Spannende war jedoch, dass diese Zellen wieder zu ihrer Ursprungsaktivität zurückkehrten, sobald sie wieder Informationen von "ihrem" Auge erhielten", berichtet Tobias Rose.

Auch bei Wiederholung des Experiments veränderten sich genau dieselben Zellen. Aufgrund der großflächigen Veränderungen in den für die beiden Augen zuständigen Hirnbereichen hatten die Wissenschaftler eher vermutet, dass der Zellverband die erneut eintreffenden Informationen durch neue Verbindungen und das Rekrutieren von neuen Zellen kompensiert. "Es ist fast so, als könnten sich die einzelnen Zellen daran erinnern, wo sie welche Verbindungen vor dem Augenverschluss hatten, um diese dann wieder zu rekonstruieren", so Rose.
  • Die Ergebnisse legen nahe, dass Nervenzellen, die auf Veränderungen reagieren, einzelne stabile Verbindungen haben, die ihnen eine Rückkehr in ihren ursprünglichen Zustand erlauben. 
Dies würde es dem erwachsenen Gehirn erlauben, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen, ohne dass sich die Grundverdrahtung komplett verändert.

"Solche "Rückgratsynapsen" wurden vor einiger Zeit in theoretischen Studien postuliert", sagt Tobias Bonhoeffer.

"Sie konkret nachzuweisen, wird nun die nächste Herausforderung sein."

Doch dies ist nicht die einzige Aufgabe, die vor den Forschern liegt:

Ein Drittel der Zellen veränderte sich entweder gar nicht, oder verhielt sich im Widerspruch zu klassischen Theorien.

"Wir wissen noch nicht genau warum sich diese Zellen so verhalten, aber wir haben schon Ideen, die wir jetzt noch testen müssen", freut sich Tobias Bonhoeffer auf die weitere Forschung.

ORIGINALVERÖFFENTLICHUNG
Tobias Rose, Juliane Jaepel, Mark Hübener, Tobias Bonhoeffer
Cell-specific restoration of stimulus preference after monocular deprivation in visual cortex
Science, 10. Juni 2016

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Dr. Stefanie Merker
Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Martinsried
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Abteilung "Synapsen – Schaltkreise – Plastizität"
Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Martinsried
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Frage: Mehr Gewalt im Kinderzimmer durch LEGO Spielzeug?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Mehr Gewalt im Kinderzimmer durch LEGO Spielzeug

Einer Studie der neuseeländischen University of Canterbury zufolge sind LEGO Produkte keinesfalls nur harmloses Spielzeug, denn Anzahl der Waffenbausteine und Gewaltdarstellungen haben sich in den letzten Jahren erheblich erhöht. 

 Dr. Christoph Bartneck - LEGO kein friedliches Spielzeug
 Dr. Christoph Bartneck - LEGO kein friedliches Spielzeug
University of Canterbury, Neuseeland
 
  • Wie Wissenschaftler der University of Canterbury in Neuseeland herausgefunden haben, sind LEGO Spielzeuge in den letzten Jahren immer gewalttätiger geworden. 

Ihr Forschungsbericht wurde kürzlich im Wissenschaftsjournal PLOS ONE veröffentlicht. Er beweist, dass der behauptete Grundsatz des Unternehmens, mit seinen Spielzeugen Gewalt als primären Spielanreiz zu verhindern, der Realität nicht entspricht.

Stattdessen sind die neuen Produkte darauf ausgerichtet, in spielerischen Konfliktsituationen das imaginär Böse mit Aggression zu bekämpfen.

Das interdisziplinäre Forscherteam des University of Canterbury´s Human Interface Technology Laboratory New Zealand, oder auch HIT Lab NZ, hat sich intensiv mit dem Umgang von Menschen mit Technologien und Medien auseinandergesetzt. Um das Gewaltpotenzial in Medien zu beurteilen, entwickelte das Forscherteam ein Messinstrument, welches den Gewaltanteil in Bildern und anderen Medien auswerten kann.

  • Heutzutage ist die Darstellung von Gewalt nicht nur im Fernsehen oder in Videospielen, sondern auch in Kinderspielzeug allgegenwärtig. 
Dr Christoph Bartneck, Professor am HIT Lab NZ und Hauptautor der Forschungsarbeit, betont, dass Kinder immer noch viel mit greifbaren Spielzeugen, wie Puppen, Autos und auch LEGO-Steinen, spielen, obwohl Fernsehen und Videospiele mittlerweile eine wichtige Rolle im Leben von Kindern einnehmen.

  • LEGO bot sich besonders gut als Forschungsgrundlage an, da sich die Grundidee des Produkts im Laufe der Jahrzehnte nicht verändert hat und dadurch ermöglicht wird, Entwicklungen bezüglich der Darstellung von Gewalt über einen längeren Zeitraum zu untersuchen.

Die Forscher der University of Canterbury fanden nun heraus, dass LEGO Spielzeuge in den letzten Jahrzehnten in ihrer Darstellung gewalttätiger geworden sind.

So hat sich die Anzahl von Waffenbausteinen um fast 30% erhöht, und jedes Set enthält nun mindestens einen Waffenbaustein. Des Weiteren hat sich auch die Abbildung von Gewalttätigkeiten in den LEGO Katalogen jährlich um 19% erhöht, so dass fast 40% der Seiten heutzutage beispielsweise Szenen von Schusswechseln oder anderen Gewalttaten darstellen.
Demzufolge scheinen die LEGO Produkte nicht mehr so unschuldig zu sein, wie sie einst wahrgenommen wurden, sagt Dr Bartneck.
Das Unternehmen LEGO bekräftigt regelmäßig, dass Gewaltszenen im LEGO Universum normalerweise in einem humorvollen Kontext dargestellt werden.
Die Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass in den Szenen keine humorvolle Atmosphäre vorherrscht.
Materialzerstörung ist die übliche Konsequenz der Kampfszenen, gefolgt von leichten Verletzungen.


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Associate Professor Dr Christoph Bartneck
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Das Institut ist die gemeinnützige Einrichtung zur Förderung des Austausches und der Auslandsstudien insbesondere mit allen Universitäten Australiens und Neuseelands sowie zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. In seinen Förderprogrammen stellt es SchülerInnen und Studierenden Unterstützung in der Finanzierung durch Stipendien und Coaching in der Studienberatung und Studienplatzbewerbung zur Verfügung.

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Die Pille verändert mich.....! Die olfaktorische Kommunikation - Dein Parfum Naturel...!

Medizin am Abend Berlin Fazit: Dresdner Riechforscher: Das Geheimnis eines erfüllten Liebeslebens ist der passende Geruch

Dass die Schönheit allein im Auge des Betrachters liegt, ist heute hinlänglich widerlegt. Menschen suchen bei der Partnerwahl nicht nur die visuellen Reize - sie sind auch recht versiert, was die olfaktorische Kommunikation angeht. Dabei ist weniger entscheidend, welcher Designerduft dem Heer an Paarungswilligen unter die Nase gehalten wird, viel wichtiger ist bei der Partnerwahl der natürliche Duft von Mann und Frau. Und dieses „Parfum naturel“ ist quasi ein Spiegelbild unseres Genpools. Das unterstreichen auch die Ergebnisse der Forschungsarbeit von Jana Kromer an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus, TU Dresden. 

Die junge Wissenschaftlerin Jana Kromer hat die Erkenntnisse des natürlichen Dufts von Mann und Frau bei der Partnerwahl in einer Doktorarbeit zusammengefasst und publiziert.
Die junge Wissenschaftlerin Jana Kromer hat die Erkenntnisse des natürlichen Dufts von Mann und Frau bei der Partnerwahl in einer Doktorarbeit zusammengefasst und publiziert.
Foto: Medizinische Fakultät der TU Dresden/Stephan Wiegand


  • Es ist mehr als nur eine Laune der Natur, dass wir alle ganz unterschiedliche Duftstoffe ausdünsten. 

Die sind nicht jedermanns oder jederfraus Sache, aber in aller Regel findet sich zu jeder speziellen Variante ein sinnlicher Genießer. Dabei finden wir die Note am besten, die uns relativ große genetische Unterschiede signalisiert. Jana Kromer hat dieses Wissen jetzt genauer aus einer wissenschaftlichen Perspektive beleuchtet, und dabei sind ganz interessante Ergebnisse offenkundig geworden – die man vielleicht immer wieder beobachtet hat, aber nie richtig beschreiben konnte. „Es zeigte sich die Tendenz, dass Paare, die in den HLA-Allelen Klasse I nicht übereinstimmen, den Körpergeruch, die Sexualität besser bewerten als Paare, die gleiche HLA-Allele besitzen.

Auf den Punkt gebracht heißt das nichts anderes als ‚opposites attract‘“, sagt die junge Wissenschaftlerin, die diese Erkenntnisse unlängst in einer Doktorarbeit zusammengefasst und publiziert hat. Betreut wurde sie dabei von Experten für Riechen und Schmecken, Dr. Ilona Croy und Prof. Thomas Hummel an der Klinik für Psychosomatik beziehungsweise dem interdisziplinären Zentrum „Riechen und Schmecken“ am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.

„Auch ich bin davon ausgegangen“, sagt Jana Kromer, „dass das Sozialverhalten und die Liebe ganz einfach nach einem Zufallsprinzip funktionieren, dann finden zwei Menschen sich interessant und es passt oder eben nicht.“
Dass die Natur wenig dem Zufall überlässt, wird bei derartigen Untersuchungen nur allzu deutlich. Und die Doktorandin sagt weiter: „Selten habe ich so einen Spaß bei der Arbeit gehabt. Umso mehr Fragen gestellt wurden, desto klarer wurden die Antworten. Ich bin in den letzten Jahren immer wieder von Teilnehmern der Studie gefragt worden, ob zwei Menschen gut zusammenpassen, ob sie sich auch in einigen Jahren noch attraktiv finden und ob es sinnvoll ist zu heiraten. Aber ich sehe mich nicht unbedingt als Partnervermittlerin – auch wenn es schön ist zu sehen, warum manche Paare über viele Jahre miteinander harmonieren.“

Besonders standen die HLA-Allele der Klasse I und II im Focus der Untersuchungen. 
  • Diese Immunrezeptoren findet man an den Zelloberflächen, und sie können vom Menschen wahrgenommen werden. . „Der Geruchssinn arbeitet hier im Unterbewusstsein und übernimmt teilweise die Steuerung bei der Partnersuche“, erklärt Jana Kromer. Mann und Frau erschnüffeln sich so, ohne einen Gedanken daran zu verlieren, ihren idealen Liebhaber oder Liebhaberin, mit dem es evolutionstechnisch perfekt wäre, die Reproduktion zu starten, weil beide sehr unterschiedlich in bestimmten Erbanlagen sind.
  • Der Vorteil liegt klar auf der Hand, eine größere Vielfalt heißt auch bessere Chancen, sich auf Krankheiten einzustellen, körpereigene Heilungsprozesse zu organisieren und ein besserer Schutz vor Mutationen. 

„Als Erklärung hierfür wird der evolutionäre Vorteil für die Nachkommen gesehen. Durch die kodominante Expression der HLA-Allele werden die Nachkommen heterozygote HLA-Allelträger, wenn die Eltern unterschiedliche HLA-Allele besitzen. So ergibt sich für die Nachkommen ein breiteres Spektrum, um spezifisch gegen pathogene Antigene zu agieren.“ Konkret heißt das: weniger Infekte, weniger Autoimmunerkrankungen, weniger Allergien.

Insgesamt wurden über 250 Paare zwischen 18 und 60 Jahren befragt, wie zufrieden sie mit ihrer Beziehung sind, ob sie einen Kinderwunsch haben und wie aufregend sie ihr gemeinsames Sexualleben finden. Den Versuchspersonen wurde dann eine Speichelprobe entnommen und die fraglichen Gene miteinander verglichen. 

Je nachdem, wie unterschiedlich ihre untersuchten Gene waren, desto mehr Anziehungskraft hatten die Partner aufeinander. 

Allerdings veränderte sich diese Wirkung bisweilen, beispielsweise durch die Einnahme der Pille.

Die vorliegende Promotion ist damit die erste wissenschaftliche Erhebung, die eine große Probandengruppe untersucht und erstmals den Kinderwunsch mit einbezogen hat.

„Zudem konnten wir eine hohe Genauflösung im Labor durchführen“, sagt Jana Kromer und ist erstaunt über die vielfältige Resonanz, die es bereits heute auf die Forschungsarbeit gibt. Interesse an dieser Arbeit hat auch bereits die Industrie, die heute die wissenschaftlichen Daten wahrscheinlich gern dazu verwenden würde, um ein ganz individuelles Parfüm zu kreieren – einen Duft, der zu dem eigenen Genpool passt.

Infokasten
Die Gene für nahezu alle HLA-Proteine befinden sich auf dem Chromosom 6. Sie sind Teil des angeborenen Immunsystems. Sie erkennen den Unterschied von pathogenen Eindringlingen und sind wichtig für die Differenzierung von Eigen- und Fremdmaterial, beispielsweise bei einer Organtransplantation. Ihre Eigenschaften werden codominant vererbt und als Duftstoffe über die Nase unterbewusst wahrgenommen. Bei vielen unterschiedlichen HLA-Allelen besitzt der Mensch ein entsprechend breites Spektrum an Immunrezeptoren, der Organismus erkennt so viele Parasiten und Viren.

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