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360° TOP-Thema der CHARITÉ: Hüftimplantate

Medizin am Abend Berlin Fazit: Hüftimplantate: Metallabrieb schädigt knochenbildende Zellen

Freisetzung von Ionen aus Implantaten mit Metall-Metall-Gleitpaarung 
 
Implantate, bei denen sowohl Kugelkopf als auch Gelenkpfanne aus Kobalt-Chrom-Molybdän-Legierungen bestehen, sogenannte Metall-Metall-Gleitpaarungen, können im menschlichen Körper unter Belastung Metallionen freisetzen.

Rückbildungen des Knochens, Osteolysen genannt, sind beobachtet worden.

Einige Implantathersteller haben Produkte dieser Art bereits vom Markt genommen. Ärzte und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des DRK Klinikums Westend konnten jetzt nachweisen, dass eine Freisetzung von Chrom und Kobalt zum implantatnahen Knochenverlust beiträgt. Wie im aktuellen Fachmagazin Biomaterials* veröffentlicht ist, schädigen Metallionen die Vorläufer knochenaufbauender Zellen.

Die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks gilt als „Operation des Jahrhunderts“. In Deutschland werden jährlich etwa 220.000 dieser Eingriffe durchgeführt. Die Mehrzahl von ihnen verläuft zufriedenstellend, zahlreiche Patienten erlangen weitgehende Schmerz- und Bewegungsfreiheit zurück. Heute werden in der Regel Implantate mit Metall-Polyethylen- oder Keramik-Keramik-Gleitpaarung eingesetzt.

  • Bei Implantaten mit Metall-Metall-Paarung sind vermehrt Knochenrückbildungen festgestellt worden, was eine frühzeitige Wechseloperation erfordert.

Die Berliner Wissenschaftler haben jetzt Veränderungen in gelenknahem Gewebe, in der Gelenkflüssigkeit und im Knochenmark analysiert, die durch eine Chrom- und Kobaltbelastung ausgelöst werden. Dabei hat sich gezeigt, dass nicht nur Abriebpartikel, sondern auch gelöste Metalle eine entscheidende Rolle bei der Gesamtbelastung spielen. Die gelösten Bestandteile erreichen das Knochenmark und schädigen dort die Vorläuferzellen von knochenmineralisierenden Osteoblasten, sogenannten mesenchymalen Stammzellen (MSCs).

Die Studie verdeutlicht, dass MSCs, die aus dem Knochenmark von metallbelasteten Patienten isoliert wurden, ihr Potential zur Differenzierung zu Osteoblasten und somit zum Knochenaufbau vollständig eingebüßt haben. Diesen Effekt konnten die Forscher anhand von Zellkulturen unbelasteter Patienten bestätigen, indem sie relevante Mengen gelösten Chroms und Cobalts in der Zellkultur aussetzten, mit identischem Resultat.

„Wir konnten zeigen, dass die Bestimmung der lokalen Metallbelastung entscheidend dazu beiträgt, biologische Konsequenzen der Metallabriebprodukte zu verstehen und als mögliche Ursachen des Versagens einer Endoprothese zu identifizieren“, sagt Anastasia Rakow, Ärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der Charité. Janosch Schoon, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Julius Wolff Institut und Mitglied der Gesellschaft für Toxikologie, ergänzt: „Die Freisetzung von Abrieb- und Korrosionsprodukten hat unseren Untersuchungen zufolge mehrere Ursachen. Neben den Materialeigenschaften spielen auch biomechanische und anatomische Gegebenheiten des einzelnen Patienten eine zentrale Rolle.

Deshalb benötigen wir systematische Ansätze, um die tatsächliche Belastung durch die in der Endoprothetik eingesetzten Metalle abschätzen zu können.“

Tatsache ist: Gelenkprothesen halten immer länger. Auch treten Komplikationen wie die sogenannte aseptische Lockerung inzwischen deutlich seltener auf. „Für den langfristigen Erfolg einer Prothese über 15 Jahre hinaus müssen wir die biologischen Auswirkungen der implantierten Materialien, vor allem der Metalle, noch besser verstehen“, erklärt Prof. Dr. Carsten Perka, Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie.

„Unser Bestreben ist es daher, die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Medizinern, Toxikologen und Biologen am Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Medizin noch weiter voranzubringen.“

Das Fazit der aktuellen Studie:  
  • Risiken, die von Metall-Metall-Gleitpaarungen ausgehen, übersteigen deren Nutzen. 
  • Ihr Einsatz sollte auf das medizinisch begründbare Maß begrenzt bleiben, folgern die Forscher. 

Langfristiges Ziel der Charité-Wissenschaftler ist es, mithilfe der gewonnenen Erkenntnisse zukünftige Endoprothesendesigns und -materialien zu optimieren und somit zu bestmöglicher Patientensicherheit beizutragen.

*Anastasia Rakow, Janosch Schoon, Anke Dienelt, Thilo John, Martin Textor, Georg Duda, Carsten Perka, Frank Schulze, Andrea Ode. Influence of particulate and dissociated metal-on-metal hip endoprosthesis wear on mesenchymal stromal cells in vivo and in vitro. Biomaterials 2016; 98: 31-40. doi:10.1016/j.biomaterials.2016.04.023. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S014296121630134X

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Prof. Dr. Carsten Perka
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Autoimmunkrankheit Lupus erythematosus + entzündlichen Veränderungen des Gehirns und der Haut

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wenn die zelluläre Müllabfuhr nicht kommt, gibt es Stress

Erblich bedingte Störung des Abbaus von DNA-Resten kann Autoimmunkrankheiten auslösen: 

Mit der Erforschung seltener Erkrankungen des angeborenen Immunsystems haben Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus (TU Dresden) neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie die Zelle verhindert, dass Abfallprodukte aus dem Zellstoffwechsel das Immunsystem fälschlicherweise aktivieren und auf diese Weise Autoimmunkrankheiten hervorrufen können. 

Im Mittelpunkt steht dabei ein Enzym, das kurze DNA-Fragmente abbaut, die bei DNA-Reparaturvorgängen im Zellkern als Abfallprodukte entstehen. 

Fehlt dieses Enzym, werden diese DNA-Abfallprodukte nicht mehr entsorgt. 

 Prof. Dr. med. Min Ae Lee-Kirsch, Leiterin der Klinischen Forschergruppe (KFO) 249  - links - und Erstautorin Dr. rer. medic. Chrisitne Wolf.
 Prof. Dr. med. Min Ae Lee-Kirsch, Leiterin der Klinischen Forschergruppe (KFO) 249 - links - und Erstautorin Dr. rer. medic. Chrisitne Wolf. Foto: Uniklinikum Dresden
 
Wie das Team um Prof. Lee-Kirsch aus der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Dresden nun zeigen konnte, hat dies zur Folge, dass die Zelle diese körpereigenen DNA-Fragmente fälschlicherweise als körperfremde DNA von Viren wahrnimmt und eine antivirale Immunantwort auslöst. Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.

  • Unser im Zellkern befindliches Erbgut besteht aus DNA und enthält die Baupläne für alle Eiweißmoleküle, aus denen sich der Organismus zusammensetzt. 
  • Zellstress und Umwelteinflüsse wie zum Beispiel UV-Licht verursachen immer wieder Schäden in unserer DNA, die durch DNA-Reparaturmechanismen umgehend repariert werden. 
Hierbei werden kurze DNA-Fragmente aus der DNA herausgeschnitten und die entstandenen Lücken in der DNA wieder repariert.

Es wird vermutet, dass diese Abfallprodukte aus der DNA-Reparatur durch Nukleasen im Zellkern abgebaut werden. Wie dies genau funktioniert, ist jedoch weitgehend ungeklärt.

Kinder, denen aufgrund von Mutationen das Enzym TREX1 fehlt, entwickeln das Aicardi-Goutières Syndrom, das mit schweren entzündlichen Veränderungen des Gehirns und der Haut einhergeht und klinisch Ähnlichkeiten mit der Autoimmunkrankheit Lupus erythematosus aufweist.

Für die Entzündungsprozesse wird Typ 1-Interferon verantwortlich gemacht, ein Botenstoff des angeborenen Immunsystems, der normalerweise durch eine Virusinfektion aktiviert wird.

Die Aktvierung von Typ 1-Interferon wird über Sensoren des angeborenen Immunsystems vermittelt, die virale DNA im Zytoplasma der Zelle erkennen.

Diese Sensoren sind aber nur bedingt in der Lage, virale DNA von körpereigener DNA zu unterscheiden. 
  • Daher stellt die räumliche Trennung der im Zellkern befindlichen körpereigenen DNA sicher, dass diese nicht in Berührung mit den im Zytoplasma befindlichen DNA-Sensoren kommt. 
Auch TREX1 ist eine DNA-abbauende Nuklease, die sich außerhalb des Zellkernes, im umgebenen Zytoplasma befindet.

Das Team um Prof. Lee-Kirsch ging daher der Frage nach, ob TREX1 am Abbau der DNA-Abfallprodukte aus dem Zellkern beteiligt sein könnte.

Die Dresdner Forscher konnten zunächst zeigen, dass kurze DNA-Abfallprodukte aus der DNA-Reparatur zwar prinzipiell über die Kernporen den Zellkern verlassen können, der Großteil dieser DNA-Fragmente jedoch durch die Bindung an die Kernproteine RPA und Rad51 im Zellkern zurückgehalten wird. Weiterhin konnten sie nachweisen, dass TREX1 an der äußeren Membran des Zellkerns verankert ist und dafür sorgt, dass kurze DNA-Fragmente, denen es gelingt, den Zellkern zu verlassen, umgehend abgebaut werden. Somit stellt TREX1 sicher, das Zytoplasma von körpereigener DNA aus dem Zellkern frei zu halten.

Bei Patienten mit einem TREX1-Mangel können die DNA-Abfallprodukte nicht mehr abgebaut werden und reichern sich in der Zelle an. Im Zytoplasma führt dies dazu, dass die nicht abgebauten DNA-Abfallprodukte von Sensoren des angeborenen Immunsystems fälschlicherweise als virale DNA erkannt werden, was eine Aktvierung von Typ 1-Interferon nach sich zieht. 

 Im Zellkern führt die Anhäufung von DNA-Abfallprodukten außerdem dazu, dass diese vermehrt an RPA und RAD51 gebunden werden. RPA und Rad51 spielen eine wichtige Rolle bei der Replikation und Reparatur von DNA.

Aufgrund der vermehrten Bindung an die nicht abgebauten DNA-Abfallprodukte, stehen nicht mehr ausreichend freie RPA- und Rad51-Moleküle für die DNA-Replikation und Reparatur zur Verfügung, was in der Zelle Stress auslöst und chronische DNA-Schäden zur Folge hat. 

 „TREX1 spielt daher zusammen mit RPA und Rad51 eine wichtige Rolle bei der Abfallentsorgung in der Zelle und schützt den Körper auf diese Weise vor einer inadäquaten Aktivierung des Immunsystems durch körpereigene DNA“, so Dr. Wolf, die Erstautorin der Publikation.

Die Erkenntnisse der Dresdner Forscher eröffnen auch erste Ansatzpunkte für eine mögliche therapeutische Intervention mit Medikamenten, die der chronischen Typ 1-Interferon-Aktivierung entgegenwirken.

Prof. Lee-Kirsch leitet die durch die DFG geförderte Klinische Forschergruppe (KFO) 249 an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Die KFO 249 ist ein interdisziplinärer Forschungsverbund, der sich der Aufklärung von genetisch bedingten Erkrankungen des angeborenen Immunsystems widmet. Neben Wissenschaftlern der Kinderklinik haben an den Untersuchungen auch Forscher der Klinik für Gynäkologie, des BIOTEC, des CRTD sowie der Universität Darmstadt und der Universität Düsseldorf mitgewirkt.

Publikation
Wolf C, Rapp A, Berndt N, Staroske W, Schuster M, Dobrick-Mattheuer M, Kretschmer S, König N, Kurth T, Wieczorek D, Kast K, Cardoso MC, Günther C, Lee-Kirsch M. RPA and Rad51 constitute a cell intrinsic mechanism to protect the cytosol from self DNA. Nature Communications; Datum, DOI: 10.1038/NCOMMS11752.

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Prof. Dr. med. Min Ae Lee-Kirsch
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
Technische Universität Dresden
Fetscherstr. 74, 01307 Dresden
Telefon: 0351-458 16878
E-Mail: minae.lee-kirsch@uniklinikum-dresden.de
Konrad Kästner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden


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Internationale Patienten in Berlin

Medizin am Abend Berlin Fazit: Berlin investiert in Wachstumsmarkt Medizintourismus

15 Prozent mehr internationale Patienten seit 2012
 
Wie attraktiv Berlin für Touristen ist, bewies unlängst die Rekordzahl von mehr als 30 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr. Berlin lockt mit Kunst und Kultur, geschichtsträchtigen Orten, vibrierenden Szenevierteln und großen Musik- und Sportevents. Doch auch in einem anderen Bereich genießt die Hauptstadt großes Ansehen im Ausland.

Seit 2012 ist die Zahl der internationalen Patienten, die sich in medizinischen Spitzeneinrichtungen in Berlin behandeln lassen, um 15 Prozent gestiegen.

Vor allem Gäste aus dem arabischen Raum, Russland und China kommen. Hotellerie und Einzelhandel dazu gerechnet, generieren sie einen Umsatz von rund 150 Mio. Euro im Jahr. Um Berlins Stellung international auszubauen und mehr Auslandspatienten zu gewinnen, setzt die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung insgesamt eine Million Euro aus der sogenannten City Tax ein.

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer: „Als Standort für Unternehmen der Gesundheitswirtschaft und Destination für Medizintouristen konnte Berlin stark aufholen und erreicht ein Plus von 15 Prozent seit 2012. Gerade mit China gibt es einen neuen Markt, der erst beginnt, Berlin für sich zu entdecken. Mit einer Million Euro aus der City Tax wollen wir Berlin als Destination für Medizintourismus noch stärker positionieren.“

Wie stark das Interesse an Berlin bei Auslandspatienten gewachsen ist, beweist eine neue Studie von visitBerlin, die hierzu sieben Berliner medizinische Einrichtungen befragte.

Die Kliniken zählten 2015 insgesamt 10.660 internationale Patienten, und damit rund 1.400 Patienten mehr als zum Start der Erhebung 2012.

Zu den Einrichtungen der Benchmark-Gruppe gehören die Berliner Charité, Helios Kliniken, MEOCLINIC, Schlosspark-Klinik, das Deutsche Herzzentrum, die Paul Gerhardt Diakonie sowie Vivantes International Medicine.

Burkhard Kieker, Geschäftsführer von visitBerlin:

„Der Medizintourismus ist ein Segment, in dem noch sehr viel Potenzial steckt. Berlin ist mit seinen international renommierten Kliniken Standort der Spitzenmedizin und verfügt zugleich über eine moderne Hotellandschaft mit herausragendem Service. Mit dem Geld zur Förderung des Medizintourismus entwickeln wir Maßnahmen, um die Stadt als erstklassigen Medizinstandort in der Welt zu positionieren.”

visitBerlin setzt gemeinsam mit Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH in diesem Zusammenhang folgende Projekte um:

  • „Kompetenzschaufenster: Eine Internetseite soll Patienten in verschiedenen Sprachen (Englisch, Russisch, Arabisch, Chinesisch und Deutsch) über das medizinische Angebot Berlins informieren. Auch nichtmedizinische Service-Dienstleistungen, wie Unterstützung bei Reisedienstleistungen, Chauffeurservices oder Dolmetscher, sollen aufgeführt werden.
  • Netzwerkausbau: Die medizinischen und nicht-medizinischen Akteure sollen besser vernetzt werden. Somit wird das Gesamt-Angebot Berlins gestärkt.
  • Nachhaltige Struktur: Langfristig werden weitere Partner aus Medizin, Hotellerie, Handel, innovativen Dienstleistungen und Forschung zur Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen gewonnen.
  • Auslandsmarketing: Auf medizintouristischen Messen und Roadshows in verschiedenen Ländern, z.B. in Russland und den GUS-Staaten, den arabischen Golfstaaten und China, wird für das medizinische Angebot von Berlin geworben.
  • Flankierende Werbemaßnahmen: Gesteigerte Sichtbarkeit in Fachmedien, Messebooklets, allgemeine Öffentlichkeitsarbeit und Anzeigenschaltung 
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360° TerminHInweis: Wie gesund sind die polnischen Nachbarn?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Universitätsmedizin Greifswald - SHIP-Studie jetzt auch in Polen

Start für neue Untersuchungswelle in Vorpommern

Seit mehr als 17 Jahren untersuchen Wissenschaftler aus Greifswald in einem Großprojekt die Gesundheit der Vorpommern. 


Bei der SHIP (Study of Health in Pomerania) Studie werden über einen langen Zeitraum Erwachsene aus Vorpommern regelmäßig medizinisch und zahnmedizinisch untersucht, um den Zusammenhang zwischen Risikofaktoren und Krankheiten besser zu verstehen. 
 SHIP-Studienleiter Prof. Henry Völzke (li.), Dr. Clemens Jürgens, Leiter des SHIP-Untersuchungszentrums, und Dr. Stefanie Samietz in der Zahnklinik.
SHIP-Studienleiter Prof. Henry Völzke (li.), Dr. Clemens Jürgens, Leiter des SHIP-Untersuchungszentrums, und Dr. Stefanie Samietz in der Zahnklinik. Foto: UMG/Hans-Werner Hausman:
Nur symbolisch - Dr. Stefanie Samietz und SHIP-Studienleiter Prof. Henry Völzke (li.) haben Dr. Clemens Jürgens, Leiter des SHIP-Untersuchungszentrums, auf einen Zahnarztstuhl gesetzt. Die Zahngesundheit der Bevölkerung spielt eine große Rolle in der SHIP-Studie.
 
  • Im Rahmen der SHIP-Studie ist nach Brasilien (Blumenau, Studienbeginn 2014) nun auch die Durchführung der Studie in Polen (Białystok, Studienbeginn 2016/17) geplant. 

Unterdessen startete Ende März mit SHIP-Trend-1 eine weitere Untersuchungsreihe der ursprünglichen Greifswalder SHIP-Studie.

Die gewonnen Daten sollen den Gesundheitszustand aufzeigen und dabei helfen, den künftigen medizinischen und zahnmedizinischen Versorgungsbedarf in der Bevölkerung abzuschätzen.

Wie gesund sind die polnischen Nachbarn?

Aktuell laufen die Vorbereitungen an der Medizinischen Universität Białystok auf Hochtouren. In Kürze ist der Start der Studie Białystok PLUS (Polish Longitudinal University Study) geplant. Der polnische Ableger der Vorpommern-Studie wird von Prof. Karol Kamiński koordiniert, dem dafür ein Team aus rund 60 Wissenschaftlern von der Medizinischen Universität Białystok zur Verfügung steht. Zur Studie Białystok PLUS werden 10.000 zufällig ausgewählte Teilnehmer eingeladen; wobei die ca. 5.000 tatsächlichen Teilnehmer nach vier Jahren ein zweites Mal untersucht werden. Hauptsächlich sollen Bewohner von Białystok, der Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Podlachien im äußersten Nordosten Polens mit rund 300.000 Menschen, einbezogen werden. Polnische Zahnmediziner weilten jetzt an der Universitätsmedizin Greifswald, um sich in die konkreten zahnmedizinischen Untersuchungen einweisen zu lassen. „Für uns sind derartige vergleichbare Untersuchungsreihen von hohem wissenschaftlichen Wert“, betonte die verantwortliche Zahnmedizinerin Dr. Stefanie Samietz von der Universitätsmedizin Greifswald. „Daraus können wir unter anderem Rückschlüsse über krankheitsverursachende Faktoren, aber auch sinnvolle Vorsorgemaßnahmen ziehen.“

Białystok soll sich ähnlich wie Blumenau in Brasilien zu einem internationalen SHIP-Standort weiterentwickeln. In der südamerikanischen Partnerregion mit Vorfahren aus Pommern wurden bereits über 600 Probanden untersucht. Auch die Türkei ist im Rahmen eines EU-Projektes zur Schilddrüsengesundheit (EUThyroid) in das SHIP-International-Programm eingebunden. Wissenschaftler aus aller Welt nutzen die SHIP-Daten für die moderne Medizinforschung. Jährlich erscheinen zu den Ergebnissen mehr als 100 wissenschaftliche Veröffentlichungen in der Fachpresse.

Auftakt zum Studienstart von SHIP-Trend-1

Am Mittwoch, dem 22. Juni 2016, findet um 15.00 Uhr (MVZ, Fleischmannstraße 6, Seminarraum 309) die Auftaktveranstaltung zum Studienstart von SHIP-Trend-1 statt (s. Überblick). 

Studienleiter Prof. Henry Völzke und weitere Wissenschaftler informieren über die neue Untersuchungsreihe und die weitere Entwicklung des Studienprogrammes. Zur SHIP-Trend-1 werden 4.420 Frauen und Männer der Region Vorpommern eingeladen, die im Zeitraum von 2008 bis 2012 bereits schon einmal untersucht worden sind.

Interessierte Gäste zur Auftaktveranstaltung sind herzlich willkommen. Um Anmeldung wird gebeten (anke.horsfield@uni-greifswald.de).

HINTERGRUND

Die Gesundheitsstudie SHIP (Study of Health in Pomerania) ist nicht wie andere große epidemiologische Studien nur auf bestimmte Krankheiten fokussiert, sondern untersucht den Menschen und seine Gesundheit in seiner ganzen Vielschichtigkeit. Denn die Gesundheit eines Menschen wird von vielen Einflussfaktoren in einer sehr komplexen Art und Weise beeinflusst.  

Zu diesen Einflussfaktoren gehören soziale und berufliche Lebensumstände genauso wie gesundheitsbeeinträchtigende Verhaltensweisen und auch eine Vielfalt von psychischen und körperlichen Funktionsstörungen und Erkrankungen.

  • Darum werden bei der SHIP-Studie nicht nur Blut, Urin und Speichelproben genommen und für spätere Untersuchungen archiviert. Es werden auch die Lebensumstände und das psychische Befinden in entsprechenden Fragebögen und Interviews ermittelt und umfangreiche medizinische Daten gesammelt.

Die erste SHIP-Studie läuft seit 1997 und wurde vor allem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Land MV gefördert. Die Teilnehmer werden in regelmäßigen Abständen untersucht. So lief zwischen 2002 und 2006 die erste Nachbeobachtung - fünf Jahre nach dem Start. Zwischen 2008 und 2012, also elf Jahre nach dem Start, wurden die Probanden erneut, also ein drittes Mal, untersucht. Im gleichen Zeitraum wurde eine zweite Kohorte, SHIP-Trend, etabliert.


Bis heute tragen die Ergebnisse fortwährend dazu bei, den Zusammenhang zwischen Risikofaktoren und Krankheiten besser zu verstehen. Der Forschungsverbund Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald erhofft sich Erkenntnisse darüber, wie sich einzelne, klinisch nicht auffällige Befunde individuell entwickelt haben und welche Faktoren bestimmen, ab wann ein sogenannter subklinischer Befund zur Krankheit führt.

SHIP-Studie im Überblick
SHIP-0: Die Study of Health in Pomerania (SHIP) wurde zunächst als Querschnittstudie geplant und die Untersuchungen an Probanden wurden vom 16.10.1997 bis 19.05.2001 in Stralsund und Greifswald durchgeführt (SHIP-0).

SHIP-1: Am 23.10.2002 begann das 5-Jahres-Follow-up von SHIP (SHIP-1). Die Probanden aus SHIP-0 wurden erneut eingeladen und in Greifswald untersucht. Die Datenerhebung wurde im Sommer 2006 abgeschlossen.
SHIP-2: Am 25.06.2008 wurde ein 11-Jahres-Follow-up (SHIP-2) der populationsbasierten Studie durchgeführt. Das Projekt verfolgt das zentrale Ziel, den Gesundheitszustand der hiesigen Bevölkerung in Bezug auf Risikofaktoren, Erkrankungen und deren Folgen im Verlauf ihres Lebens zu beobachten. Die Datenerhebung wurde im September 2012 abgeschlossen.

SHIP-Trend: Parallel zu SHIP-2 wurde eine neue Stichprobe von 10.000 Probanden der Region Vorpommern gezogen, die mit einem ähnlichen Untersuchungsprogramm wie in SHIP-2 ab September 2008 untersucht wurden. Im September 2012 wurde die Datenerhebung mit 4420 Probanden abgeschlossen.
SHIP-3: Von Februar 2014 bis März 2016 wurde ein 17-Jahres-Follow-up (SHIP-3) durchgeführt. Dazu werden alle SHIP-0 Probanden eingeladen und ihnen sowohl die Basis-Untersuchung als auch weitergehende Untersuchung der Klinik für Innere Medizin B und das Ganzkörper-MRT angeboten.

SHIP-Trend-1: Ab Juni 2016 wird das erste Follow-up durchgeführt, zu dem alle Teilnehmenden von SHIP-Trend erneut zu den Untersuchungen eingeladen werden.

Weitere Infos unter www2.medizin.uni-greifswald.de/cm/fv/ship.html



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Universitätsmedizin Greifswald
Institut für Community Medicine
Prof. Dr. med. Henry Völzke
Walther-Rathenau-Straße 48, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-75 41
E voelzke@uni-greifswald.de

Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Poliklinik für zahnärztliche Prothetik und Medizinische Werkstoffkunde
Dr. med. dent. Stefanie Samietz, MPH, MSc
Walther-Rathenau-Str. 42 a, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-19 621
E samietzs@uni-greifswald.de

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Constanze Steinke Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Sicherheit nach Herzinfarkt? Vegetativen Nervensystem -implantierbarer kardialer Monitor (ICM)

Medizin am Abend Berlin Fazit: DZHK-Studie: Implantierbarer Monitor soll mehr Sicherheit nach Herzinfarkt bringen

Ein kleiner implantierbarer Monitor könnte bei bestimmten Patienten nach Herzinfarkt drohende Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen anzeigen. 

Wenn dadurch rechtzeitig vorbeugende Maßnahmen erfolgen, könnte sich die Prognose der Patienten verbessern. Ob dies wirklich funktioniert, untersucht die jetzt angelaufenen Studie SMART-MI* des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). 

 Leiter der Studie: Prof. Axel Bauer vom Klinikum der Universität München
 Leiter der Studie: Prof. Axel Bauer vom Klinikum der Universität München: Bild zu: DZHK-Studie: Implantierbarer Monitor soll mehr Sicherheit nach Herzinfarkt bringen
 
Nach einem überstandenen Herzinfarkt haben Patienten noch Jahre später ein erhöhtes Risiko, an Komplikationen zu versterben.

  • Etwa die Hälfte aller Todesfälle ereignet sich dabei als plötzlicher Herztod. Dabei kommt es aus scheinbarem Wohlbefinden heraus zu Herzrhythmusstörungen, wodurch das Herz in lebensbedrohliches Kammerflimmern verfällt und schließlich ganz aufhört zu schlagen.

Rund 280.000 Patienten pro Jahr in Deutschland überleben einen Herzinfarkt.

  • Diejenigen, deren Herz bei dem Infarkt viel Schaden genommen hat und nur noch schlecht pumpt, sind besonders gefährdet für den plötzlichen Herztod. 
  • Laut ärztlichen Leitlinien bekommen sie deshalb einen Defibrillator eingepflanzt, welcher im Ernstfall Stromstöße abgibt und so das Herz wieder in den richtigen Takt bringt.

Bei der weitaus größeren Gruppe von Patienten ist die Pumpfunktion nach einem Infarkt dank der schnellen Wiedereröffnung des Infarktgefäßes nur wenig bis mittelgradig eingeschränkt.

,Aber auch unter ihnen gibt es viele, die in der Folge am plötzlichen Herztod versterben, insgesamt sogar mehr als doppelt so viele wie in der oben genannten Hochrisikogruppe. 

Da die Ärzte bislang nicht vorhersagen konnten, welche Patienten in der Gruppe mit den weniger geschädigten Herzen besonders gefährdet sind, werden diese Patienten von den aktuellen Leitlinien hinsichtlich spezieller vorbeugender Maßnahmen auch nicht berücksichtigt.

  • Aus experimentellen Studien ist bekannt, dass bei gefährdeten Patienten Störungen im vegetativen Nervensystem bestehen können, welche die bedrohlichen Rhythmusstörungen auslösen. 

Forscher um Prof. Axel Bauer vom DZHK-Standort München (Klinikum der Universität München) haben computerbasierte EKG-Methoden entwickelt, mit denen sie diese Störungen messen können. „So konnten wir eine neue Hochrisikogruppe mit nur gering- bis mittelgradig eingeschränkter Pumpfunktion identifizieren, welche jedoch eine ähnlich schlechte Prognose wie die klassischen Hochrisikopatienten mit hochgradig eingeschränkter Pumpfunktion hat. Es handelt sich hierbei um eine zahlenmäßig relevante Gruppe von Patienten“, so der Kardiologe.

Die Studie SMART-MI widmet sich nun erstmals dieser Patientengruppe. Der Hälfte der 400 „neuen“ Hochrisikopatienten wird zu Beginn der Studie ein implantierbarer kardialer Monitor (ICM = insertable cardiac monitor) eingesetzt, mit dem die Ärzte Vorläufer lebensbedrohlicher Rhythmusstörungen telemetrisch erfassen können. Die andere Hälfte der Patienten dient als Kontrollgruppe.

Der implantierte Monitor sendet kontinuierlich Signale an eine Datenzentrale im Klinikum der Universität München.

Bei Vorboten von gefährlichen Rhythmusstörungen werden die Patienten umgehend einbestellt. 

Die Ärzte suchen dann nach möglichen Ursachen wie beispielsweise einem erneuten drohenden Herzinfarkt, die dann entsprechend behandelt werden können.

Mit der Implantation der Monitore haben die Mediziner viel Erfahrung, schon seit langem werden sie bei Patienten mit unklaren Ohnmachtsanfällen oder zur Therapiekontrolle nach Vorhofflimmerablation im Routinebetrieb eingesetzt.

Die Studie SMART-MI soll nun zeigen, ob die ICM in der Lage sind, bei der oben genannten Gruppe von Postinfarkt-Patienten zuverlässig die Vorboten von drohenden Komplikationen wie gefährlichen Rhythmusstörungen anzuzeigen und ob sich dadurch deren Überlebenschancen verbessern.

Neben den 17 klinischen Partnern des DZHK werden weitere Kliniken Patienten in die Studie einschließen.

Originalstudientitel:

* Implantierbare kardiale Monitore bei Hochrisiko-Postinfarkt-Patienten mit kardialer autonomer Dysfunktion und mittelgradig reduzierter linksventrikulärer Pumpfunktion (SMART-MI)

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Christine Vollgraf
DZHK
Tel.: 030 4593 7102
christine.vollgraf@dzhk.de

Sicherheit der Patienten

Medizin am Abend Berlin: Arbeitskämpfe: Deutlicher Rückgang der Ausfalltage, aber weiter hohe Streikbeteiligung

WSI-Zwischenbilanz zum 1. Halbjahr 2016

Arbeitskämpfe: Deutlicher Rückgang der Ausfalltage, aber weiter hohe Streikbeteiligung


Nach dem ungewöhnlich intensiven Streikjahr 2015 zeichnet sich nach den ersten sechs Monaten für 2016 ein deutlich geringeres Arbeitskampfvolumen ab. Im ersten Halbjahr 2016 waren nach Schätzung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung bisher rund 405.000 streikbedingte Ausfalltage zu verzeichnen. 
 
Gab es im vergangenen Jahr in der Summe rund 2 Millionen Streiktage, so wird in diesem Jahr insgesamt vermutlich allenfalls ein Viertel dieses Volumens erreicht. Unverändert breit blieb die Beteiligung an Streiks und insbesondere Warnstreiks.

Im ersten Halbjahr 2016 legten nach Gewerkschaftsangaben rund eine Million Beschäftigte zu unterschiedlichen Zeitpunkten die Arbeit nieder.

Dies sind in etwa so viele wie im gesamten Vorjahr. 

Dies zeigt die Zwischenbilanz zur Streikentwicklung, die das WSI heute vorlegt.

„Der entscheidende Unterschied zu 2015 ist, dass es 2016 bisher keine großen, über Wochen andauernde Arbeitsniederlegungen gab. Daher ist die Zahl der Ausfalltage weitaus niedriger, obwohl sich ähnlich viele Menschen an Streiks beteiligt haben. Ich rechne nicht damit, dass sich an diesem Trend im weiteren Jahresverlauf noch etwas ändert“, sagt WSI-Arbeitskampfexperte Dr. Heiner Dribbusch.

Dominiert wurde das Streikgeschehen im ersten Halbjahr 2016 durch die Warnstreikwellen während der Tarifrunde des Öffentlichen Dienstes sowie umfangreiche Warnstreikaktionen in der Metall- und Elektroindustrie, erklärt Dribbusch. Im öffentlichen Dienst beteiligten sich nach Schätzungen der Gewerkschaften insgesamt zwischen 150.000 und 200.000 Beschäftigte an den verschiedenen verhandlungsbegleitenden Arbeitsniederlegungen. Besondere Aufmerksamkeit erzielte dabei eine umfangreiche Warnstreikwelle in der letzten April-Woche, in die auch das unter den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes fallende Bodenpersonal an den großen deutschen Flughäfen einbezogen war. Wenige Tage später gelang der Durchbruch am Verhandlungstisch.

Rund 800.000 Beschäftigte in mehreren tausend Betrieben beteiligten sich im Verlauf der diesjährigen Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie zwischen März und Mitte Mai an den zahlreichen, teilweise sehr umfangreichen Warnstreikaktionen der IG Metall. Zur Erweiterung ihres Handlungsrepertoires hatte sich die IG Metall diesmal auch auf umfangreiche Tagesstreiks vorbereitet. Dabei sollten, falls erforderlich, ausgewählte Betriebe bis zu 24 Stunden bestreikt werden. Letztlich erübrigte sich diese Eskalationsstufe, da kurz vor Pfingsten ein Tarifabschluss erzielt werden konnte. „Das trug maßgeblich zur Begrenzung des diesjährigen Arbeitskampfvolumens bei“, sagt Dribbusch. Größere Warnstreiks begleiteten auch die Tarifrunde der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bei der Telekom.


Im zweiten Halbjahr sei mit größeren Flächenauseinandersetzungen vorerst nicht zu rechnen, sollte es nicht in der Chemie-Industrie zu unerwarteten Konflikten kommen.

Auch 2016 werden Auseinandersetzungen um Tarifverträge in einzelnen Firmen und Einrichtungen das Gros der Tarifkonflikte mit Arbeitsniederlegungen stellen. Dies zeichne sich bereits jetzt ab, so Dribbusch. Ungelöst sind nach Analyse des Arbeitskampfexperten einige seit längerem schwelende Tarifkonflikte.

Dazu zähle der Dauerkonflikt bei Amazon, wo der Konzern nach wie vor den Abschluss eines Tarifvertrages mit ver.di ablehnt. Die Folge waren auch im ersten Halbjahr 2016 wiederholte Arbeitsniederlegungen an mehreren Standorten. Im Arbeitskampf mit der 2015 aus dem Flächentarifvertrag des Einzelhandels ausgeschiedenen SB-Warenhauskette real wurde hingegen nach mehreren Arbeitsniederlegungen ein Kompromiss zwischen Management und ver.di erzielt, der eine mittelfristige Rückkehr in den Flächentarifvertrag beinhaltet.

Abzuwarten bleibt nach Ansicht des Experten der Verlauf einer breit angelegten Kampagne von ver.di für einen Tarifvertrag zur Entlastung des Pflegepersonals in den 21 Kliniken des Saarlandes. 

  • Erklärtes Vorbild sei hier die im letzten Jahr erfolgte Durchsetzung besserer Arbeitsbedingungen an Deutschlands größter Klinik, der Charité in Berlin. Entscheidend für den Erfolg in der Charité sei gewesen, dass die Forderung nach Entlastung sehr breit unter den Beschäftigten diskutiert und Formen des Arbeitskampfes gefunden wurden, die sowohl die Sicherheit der Patienten gewährleisten als auch wirtschaftlichen Druck auf die Krankenhausbetreiber entfalteten. 
  • Die Hürde zu einem umfassenden Pflegestreik im Saarland habe ver.di deshalb auch bewusst relativ hoch gehängt, erklärt Dribbusch. Ein möglicher Streik für einen entsprechenden Tarifvertrag zur Entlastung werde ausdrücklich an die breite Unterstützung des Pflegepersonals in allen saarländischen Krankenhäusern, einschließlich derjenigen in kirchlicher Trägerschaft gebunden. „Hier wird in mehrerer Hinsicht Neuland betreten“, sagt der Arbeitskampfforscher.

Insgesamt, sagt Dribbusch mit Blick auf die heute vorgelegten Zahlen, gelte es nicht zu vergessen, dass Streiks nie Selbstzweck sind. „Sie sind vielmehr ein nach wie vor wichtiges Mittel, mit dem den Interessen und Forderungen der Beschäftigten gegenüber Unternehmen und öffentlichen Arbeitgebern wirksam Nachdruck verliehen werden kann. Nicht wenige Streiks in jüngerer Zeit wurden durch Angriffe von Unternehmen auf tarifliche Standards provoziert“, sagt der Forscher. Für die Gewerkschaften bleibe die Verteidigung des Streikrechts deshalb von größtem Interesse. 

Hierzu gehöre auch, dass die von der Bundesregierung geplanten Neuregelung der Arbeitnehmerüberlassung am Ende tatsächlich ausschließe, dass Unternehmen, wie in letzter Zeit häufig geschehen, Leiharbeiter als Streikbrecher einsetzen können.

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360° TOP-Hinweis: Rettungsstelle-KANZEL: Kontinuierlichen Glukose-Mess-Systemen für Diabetespatienten

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses zur kontinuierlichen Glukosemessung

Deutsche Diabetes Gesellschaft und diabetesDE begrüßen Kostenübernahme von Kontinuierlichen Glukose-Mess-Systemen für Diabetespatienten als „Meilenstein“ 
 
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), diabetesDE – Deutsche Diabetes Hilfe und Deutsche Diabetes Hilfe – Menschen mit Diabetes begrüßen den Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), wonach für bestimmte Diabetespatienten künftig die Kosten für Systeme für ein Kontinuierliches Glukose-Monitoring von den Krankenkassen übernommen werden. „Das ist ein wichtiger Meilenstein in der Therapie des Diabetes mellitus und ein Segen für die Patienten“, sagt Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Präsident der DDG. „Die Entscheidung erleichtert insulinpflichtigen Patienten die Teilhabe an Bildung und Arbeit und bringt ihnen ein großes Stück Lebensqualität, was vor allem für betroffene Kinder erfreulich ist“, ergänzt Professor Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.

Mit der am 16. Juni 2016 getroffenen Entscheidung ist der G-BA der Empfehlung seines Unterausschusses Methodenbewertung gefolgt, der eine Kostenübernahme befürwortet. Der Beschluss gilt für alle insulinpflichtigen Patienten mit Diabetes mellitus unter intensivierter Insulinbehandlung – „insbesondere, wenn sie geschult sind (…) und die Therapieziele nicht erreicht werden können“, führte der unparteiische Vorsitzende des G-BA aus, Professor Josef Hecken.

  • Bei einer intensivierten Insulinbehandlung müssen Patienten mehrfach täglich ihren Blutzucker messen, um die erforderliche Insulindosis abschätzen zu können. Dazu müssen sich Menschen mit Diabetes mehrfach am Tag in die Fingerbeere stechen, um Blut für die Messung mit einem Teststäbchen zu bekommen.

Das Kontinuierliche Glukose-Monitoring mit Real-Time-Messgeräten (kurz: CGM) ermöglicht die Überwachung der Glukoseänderungen im Körper rund um die Uhr. 

  • Die Systeme bestehen aus einem Sensor, der ins Unterhautfettgewebe eingestochen wird und dort bis zu sieben Tage verbleibt. Alle fünf Minuten wird ein Messwert des Gewebezuckers drahtlos an einen Empfänger übermittelt, der diese Werte in Echtzeit aufnimmt und anzeigt. Ändert sich die Stoffwechsellage und sinken oder steigen die Glukosewerte unterhalb oder oberhalb von vorgegebenen Grenzwerten, wird automatisch Alarm ausgelöst und der Patient entsprechend informiert.

„Zwar sind diese Systeme noch kein vollständiger Ersatz für die herkömmliche ‚blutige‘ Blutzucker-Selbstkontrolle, weil der Patient noch ein bis zwei Mal täglich Selbstmessungen mit einem Blutstropfen aus dem Finger zur Kalibrierung des CGM-Systems vornehmen muss“, erläutert Professor Dr. Lutz Heinemann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Technologie der DDG. 

„Doch die Überwachung des Glukoseverlaufs über die Zeit hinweg wird mit CGM enorm erleichtert.“ 

Dieser Einschätzung schließt sich Dr. Jens Kröger an, Vorstandsmitglied bei diabetesDE – Deutsche Diabeteshilfe, hier zuständig für Versorgung und Prävention. „Auf diesen Durchbruch haben wir seit über acht Jahren gewartet und begrüßen ihn sehr!“, kommentiert Kröger den G-BA-Entscheid. „Wichtig ist, dass die Patienten im Hinblick auf die kontinuierliche Glukosemessung geschult werden, um sicher mit dieser Methodik umgehen zu können“, betont der niedergelassene Diabetologe.
  • Für die Betroffenen bringt das CGM nicht nur ein einfacheres Handling ihrer Erkrankung, sondern auch deutlich mehr Sicherheit – gefährliche Unterzuckerungen werden früh erkannt und vermieden. 

„Patienten kommen so sicherer durch den Tag und können belastende Situationen im Alltag und im Beruf besser und sicherer meistern, etwa Berufskraftfahrer, Personen mit Überwachungsaufgaben oder Menschen, die hochkonzentriert an einem beruflichen Meeting teilnehmen müssen“, erklärt Jan Twachtmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M). 

„Es profitieren davon letztlich alle insulinpflichtigen Patienten, die ein intensives und erfüllendes Leben führen möchten, sei es durch Reisen, Schwangerschaft oder Prüfungen, die junge Menschen herausfordern. Die persönliche Lebensqualität steigt durch dieses Hilfsmittel enorm.“

Bisher wurden die Kosten für ein CGM-System nur in Einzelfällen übernommen, etwa im Fall einer Schwangerschaft oder bei häufigen Unterzuckerungen. 

„Leider waren diese Kostenübernahmen vielfach von rechtlichen Auseinandersetzungen begleitet, die bis vor das Bundessozialgericht führten“, berichtet Heinemann. 

„Wir sind froh, dass mit dem G-BA-Beschluss jetzt Klarheit geschaffen worden ist.“ 

  • Die Kosten für ein CGM liegen mit etwa zehn Euro pro Tag derzeit noch höher als bei der herkömmlichen Messung, die mit etwa ein bis zwei Euro pro Tag für die Teststreifen zu Buche schlägt. 

Insbesondere für Kinder und deren Eltern stellt diese Entscheidung einen sehr wichtigen Schritt dar, betont Dr. Ralph Ziegler, Münster, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie der DDG.

Ein CGM-Gerät kann prinzipiell mit einer Insulinpumpe gekoppelt werden, eine Kombination, die wie eine künstliche Bauchspeicheldrüse arbeitet. 

Damit ist das CGM auch ein erster Schritt auf dem Weg zum „Closed-Loop-System“, der künstlichen Bauchspeicheldrüse.

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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit fast 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

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diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe ist eine gemeinnützige und unabhängige Organisation, die Menschen mit Diabetes, Diabetesberater, Ärzte und Forscher vereint. Gemeinsam schaffen wir Öffentlichkeit für das Thema und vertreten die Interessen der Menschen mit Diabetes. Wir setzen uns für eine bessere Prävention, Versorgung und Forschung im Kampf gegen die Volkskrankheit Diabetes ein. Die Krankheit breitet sich auch in Deutschland rasch aus. 6 Millionen Menschen sind in Behandlung, und jeden Tag kommen fast 1000 Neuerkrankte hinzu.

Gegründet wurde diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) www.ddg.info und dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) www.vdbd.de. Die Selbsthilfe ist innerhalb von diabetesDE durch die selbstständige Selbsthilfeorganisation Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) www.ddh-m.de vertreten.

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360° TOP-Hinweis: Rettungsstellen-KANZEL: Herzinfarkt-Diagnose - Akuten Brustschmerz

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Schnellere Herzinfarkt-Diagnose hilft Leben zu retten

Ein neues, von Wissenschaftlern des Universitären Herzzentrums des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) entwickeltes diagnostisches Verfahren kann die Abklärung, ob es sich bei akuten Brustschmerzen um einen Herzinfarkt handelt oder nicht, entscheidend verbessern. 

Mit dem an über 1000 im UKE behandelten Patienten erprobten Test kann das Zeitfenster bis zur endgültigen Diagnose und Einleitung einer lebensrettenden Therapie von drei auf eine Stunde reduziert und damit auch die Sterblichkeit verringert werden. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt im renommierten Fachjournal JAMA Cardiology veröffentlicht. 
 
„Bei Patienten mit Brustschmerzen und Verdacht auf einen Herzinfarkt muss möglichst rasch abgeklärt werden, ob weitere therapeutische Maßnahmen einzuleiten sind oder ob man sie sicher wieder nach Hause entlassen kann“, erläutert Prof. Dr. Stefan Blankenberg, Direktor der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie im Universitären Herzzentrum (UHZ).

„Hierfür benötigen wir möglichst präzise, zuverlässige und einfach anzuwendende Testverfahren.“

Die aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie empfehlen bei Verdacht auf Herzinfarkt, sofort bei der Aufnahme des Patienten und dann nochmals nach drei Stunden per Bluttest Troponin I zu messen. 
  • Dabei handelt es sich um einen Biomarker, der Aufschluss über Schädigungen der Herzmuskelzellen gibt. 
Prof. Blankenberg: „Bis zur endgültigen Diagnose müssen Patienten also in jedem Fall zumindest drei Stunden im Krankenhaus bleiben. Nach derzeitigen Standards gelten Troponin I-Werte über 27 ng/L als erhöht.“

Im UHZ wurde in den vergangenen Jahren eine Alternative entwickelt und erprobt.

„Der neue, hochsensitive Troponin I-Test liefert viel rascher Ergebnisse und entdeckt auch viel niedrigere Troponin I-Werte, die aber eine wichtige Rolle für das kardiovaskuläre Risiko spielen dürften“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Dirk Westermann. Unter seiner Leitung stand die sogenannte BACC-Studie („Biomarkers in Acute Cardiac Care“), deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden.

In die BACC-Studie wurden 1040 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 65 Jahren eingeschlossen, die mit akutem Brustschmerz und Herzinfarkt-Verdacht in der Notaufnahme des UKE betreut wurden. Es wurden sowohl der herkömmliche Troponin I-Test mit dreistündiger Wartezeit als auch das neue Testverfahren durchgeführt. Auf Basis des Standardverfahrens wurde bei 184 Patienten ein Herzinfarkt diagnostiziert und eine weitere stationäre Behandlung veranlasst, die anderen wurden nach Hause entlassen. Alle Patienten wurden über zwölf Monate weiter beobachtet.

  • Beim Vergleich der Ergebnisse beider Testverfahren stellte sich heraus, dass bereits ein Grenzwert von nur 6 ng/L Troponin I, bei der Aufnahme und nach einer Stunde gemessen, zuverlässiger den Ausschluss eines Herzinfarkts ermöglicht als die bisher empfohlenen 27 ng/L mit Wiederholungsmessung nach drei Stunden.
Dr. Westermann: „Der schneller anzuwendende Test und die niedrigeren Grenzwerte können die Sicherheit weiter erhöhen, dass die richtigen Patienten nach Hause geschickt werden.“

Der neue Algorithmus mit dem niedrigeren Grenzwert wurde über die UKE-eigene Studie hinaus anhand der Daten zweier weiterer großer Studien, an der mehr als 4000 Patienten mit akutem Brustschmerz und Herzinfarkt-Verdacht beteiligt waren, überprüft und bestätigt.

Diese Studie, so Prof. Blankenberg, wird Einfluss auf eine zukünftige Änderung der Leitlinien zur Diagnose des akuten Myokardinfarktes besitzen.

Literatur:
Neumann et al., Diagnosis of Myocardial Infarction Using a High-Sensitivity Troponin I 1-Hour Algorithm, JAMA Cardiology. Published online June 1, 2016; Doi:10.1001/jamacardio.2016.0695

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Bipolare Depression und die Schilddrüsenhormone: Limbischen Zuckerstoffwechsel beachten / Gehirnzucker-Stoffwechsel

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Dresdner Wissenschaftler belegen Wirksamkeit von Schilddrüsenhormonen

  • Schilddrüsenhormone bewirken Veränderungen des Stoffwechsels im Gehirn und gehen so mit einer positiven therapeutischen Wirkung bei bipolaren Depressionen einher. 
Eine von Prof. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, geleiteten Studie liefert deutliche Belege für Auswirkungen der Gabe von Levothyroxin L-T4. 

Placebo-Präparate dagegen zeigten fast keine Wirkung. Die Ergebnisse der internationalen, randomisierten, doppelblinden und Placebo-kontrollierten Studie publizierte Prof. Bauer mit seinen Kollegen von der UCLA Los Angeles und der Charité Berlin in Molecular Psychiatry (doi: 10.1038/mp.2014.186). 
 Prof. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.
Prof. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. Foto: Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden/Stephan Wiegand
 
Die Gabe von Levothyroxine (L-T4) in über dem normalen körpereigenen Spiegel liegenden Dosen im Rahmen einer Standardbehandlung für bipolare Depressionen hat vielversprechende Wirkungen erzielt.

  • In einer vorgelagerten Pilot-Studie hat die L-T4 Behandlung die Depressionsrate herabgesetzt und die Gehirnaktivitäten im limbischen System reduziert. 

Jetzt wurde dieser Forschungsansatz in einer internationalen, randomisierten, doppelblinden und Placebo-kontrollierten Studie durch eine Forschergruppe um Prof. Bauer intensiver untersucht. Dabei konnten die Wissenschaftler Belege für Auswirkungen der Gabe von Levothyroxin L-T4 auf die Symptome und auf den limbischen Zuckerstoffwechsel bei bipolaren Depressionen finden. Die genauen Mechanismen, die dieser klinischen Verbesserung zugrunde liegen, sind jedoch noch unbekannt.

Für die Studie untersuchten die Forscher den Gehirnzucker-Stoffwechsel mittels der Positronen-Emissions-Tomographie und [F-18] Fluorodeoxyglucose vor und sechs Wochen nach der Behandlung mit L-T4 oder einem Placebo. Die Gabe von L-T4 hat einen bedeutenden Rückgang der Depressionsrate während der sechswöchigen Behandlung erzeugt.

Im Gegensatz zur Placebo-Behandlung kam es während der Schilddrüsenhormontherapie zu deutlichen Verbesserungen des Gehirnstoffwechsels des Limbischen Systems,
einem Netzwerk von Regionen (u.a. Mandelkern (Amygdala), Hippocampus und Thalamus), die im menschlichen Gehirn für die Steuerung von Emotionen, Gedächtnis und Angst verantwortlich sind.

„Diese Ergebnisse zeigen klar, dass die Gabe von supraphysiologischen, also über dem normalen Blutspiegel liegenden Mengen des Schilddrüsenhormons L-T4 die Symptome von Patienten mit einer bipolar Depression verbessert“, unterstreicht Prof. Michael Bauer.

„Dies geschieht durch das Modulieren der Hirnfunktion in Teilen des vorderen limbischen Netzwerks, das für die Verarbeitung von Emotionen eine ganz zentrale Bedeutung besitzt.“

„Darüber hinaus belegen diese Ergebnisse den seit langem bekannten engen Zusammenhang zwischen der Schilddrüse und der Depression, indem sie zeigen, dass auch das Gehirn des Erwachsenen ein Zielorgan für das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin ist“.

Publikation
Bauer, Berman , Samm, Plotkin, Adli, Pilhatsch, London, Hellemann, Whybrow, Schlagenhauf: Levothyroxine effects on depressive symptoms and limbic glucose metabolism in bipolar disorder: a randomized, placebo-controlled positron emission tomography study. In: Molecular Psychiatry. 2016 Feb; 21(2):229-36. doi: 10.1038/mp.2014.186. Epub 2015 Jan 20.

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Bipolare Störung: Einladung zur speziellen Psychotherapie-Studie (mit der Fachbezeichnung „BipoLife A2"

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Bipolare Störungen: Oft schon Symptome im jungen Erwachsenenalter

Bipolare Störungen (manisch-depressive Erkrankungen) betreffen circa zwei Prozent der Bevölkerung und sind von Phasen der Depression wie auch deren Gegenpol, der Manie, geknnzeichnet. 

Für die meisten Betroffenen die Erkrankung einen lebenslangen Kampf, der oftmals schon in der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter beginnt, ohne dass diese Menschen jedoch ausreichend diagnostiziert oder behandelt werden. 

Daher richten sich Wissenschaftler der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus mit einer speziellen Psychotherapie-Studie (mit der Fachbezeichnung „BipoLife A2“) gerade an junge Menschen (im Alter von 18 bis 35 Jahren) mit bipolarer Störung. 

Etwa zwei Prozent der Deutschen leiden unter einer bipolaren Störung. Etwa zwei Prozent der Deutschen leiden unter einer bipolaren Störung. Stephan Wiegand / Medizinische Fakultät der TU Dresden
 
Auch viele berühmte Persönlichkeiten litten unter dieser Erkrankung, beispielsweise Ernest Hemingway, Robert Schumann oder Vincent van Gogh – bei denen sich kreative Höhenflüge mit tiefer, teils lebensgefährlicher Depression abwechselten.

Im Rahmen der Studie bieten die Therapeuten eine innovative Gruppenpsychotherapie an und sind überzeugt, damit Rückfälle in die Depression oder Manie verhindern zu können.

Die Studie wird in ganz Deutschland in insgesamt neun universitären Zentren angeboten.

Die Gesamtkoordination erfolgt durch Prof. Martin Hautzinger in Tübingen. Am Standort Dresden wird die Studie durch Dr. Jörn Conell und durch Dr. Dirk Ritter geleitet. Das Therapieangebot findet einmal im Monat ganztägig an insgesamt vier Samstagen im Universitätsklinikum Dresden statt, so dass auch Patienten aus dem weiteren Umkreis Dresdens daran teilnehmen können.

Bei Interesse an der aktuellen Studie gibt es unter Telefon 458-3595 bzw. per E-Mail an
BipoLife@uniklinikum-dresden.de die Möglichkeit zur Terminkoordination für einen ersten Kontakt zur lokalen Studienleitung.

Mehr Informationen zur BipoLife A2-Studie und dem Wissenschaftler-Team gibt es online unter www.BipoLife.org.

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