Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Teenis gehen am Ostersamstag in der Gruppe shoppen....? Warum?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Warum Teenies so gerne in der Gruppe shoppen gehen

Uni Rostock untersucht das Kaufverhalten der 14 bis 19-Jährigen

„Shoppen gehen“ in Einkaufs-Centern oder der Innenstadt, das gehört zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen von Teenagern. Sie pilgern oft mehrmals wöchentlich, meist begleitet von den besten Freunden, durch die Geschäfte, um zu schauen, anzuprobieren und oft auch, um zu kaufen. Die Soziologin Stefanie Wenzel vom Lehrstuhl für Dienstleistungsmanagement der Universität Rostock hat in einem Forschungsprojekt das Einkaufsverhalten von Teenies unter die Lupe genommen und unter anderem erkundet, warum sie fast nur in Begleitung von Gleichaltrigen shoppen. 


Die Rostocker Soziologin Stefanie Wenzel (l. im Foto) hat das Kaufverhalten der Teenies wissenschaftlich untersucht.
Die Rostocker Soziologin Stefanie Wenzel (l. im Foto) hat das Kaufverhalten der Teenies wissenschaftlich untersucht. Foto: Universität Rostock/ Thomas Rahr
 
Die Teenager von heute haben so viel Geld zur Verfügung wie kaum eine andere Generation zuvor. Bei 20 Milliarden Euro liegen die Konsumausgaben, die die 13-bis 19-Jährigen in Deutschland auf den Ladentisch legen.  

Das haben aktuelle Studien aufgedeckt. Durchschnittlich haben die Teenies zwischen 14 – 17 Jahren monatlich ein Budget von 119 Euro zur Verfügung. „Viele verdienen ihr eigenes Geld durch Minijobs oder Ferienarbeit“, sagt Stefanie Wenzel.

  • „Man trifft Teenies kaum allein in der Stadt. Sie sind fast immer zu zweit oder in Gruppen unterwegs“, verweist Stefanie Wenzel auf ein bekanntes Phänomen. 

„Mode wird für die junge Generation immer wichtiger, ist identitätsbildend“. Keiner wolle da ausgeschlossen werden. Und hier setzt die Studie der Rostocker Uni an. Warum gehen die Teenies zusammen shoppen, welche Motive haben sie? Was passiert zwischen den Gleichaltrigen, wie interagieren sie, welche Themen werden diskutiert?

Eine Erkenntnis: Die 13 bis 19-Jährigen greifen zumeist als Shoppingbegleitung auf gute Freunde zurück, insbesondere dann, wenn sie ein Kaufziel haben. „Weil sie sich vertrauen, Ehrlichkeit erwarten und am Ende ein Produkt kaufen, an dem sie Freude haben“, hat die Forscherin herausgefunden. Wer sich allerdings als reine Freizeitbeschäftigung ohne Einkaufsziel in die Stadt aufmache, der geht auch spontan mit losen Bekannten“, schildert Stefanie Wenzel.

„Es ist ein Hobby für Teenies geworden, in die Innenstadt zu gehen und dort gemeinsam Zeit zu verbringen.

Während es außerhalb des Geschäfts um Privates gehe, werde in den Läden vermehrt über die Produkte gesprochen, die es dort gibt. Zum Einkaufsbummel gehöre auch das Kaffeetrinken und ein Snack zwischendurch.

  • Dennoch seien die Teenies preissensibel, achten auf das Geld, das sie oder ihre Eltern zur Verfügung haben. 

Sie würden nicht einfach zu einem Produkt greifen, sondern sehen, dass es im Budget liege. Dabei verzichten sie dann mitunter auch auf ein Produkt, das den Preisrahmen sprengt.

  • „Die junge Generation ist nicht kopflos, sondern stellt eine Kosten-Nutzen-Rechnung an“, hat Stefanie Wenzel erfahren.

„Die Teenager orientieren sich sehr eng daran, was ihre Freunde konsumieren“, sagt die 33-jährige Soziologin, die in Barth aufgewachsen ist, in Köln studierte und nun an der Uni Rostock promoviert.

  • Das Thema shoppen ist bei der heutigen jungen Generation stärker als je zuvor ins Zentrum gerückt. 

Das soziale Leben spielt sich in der City ab. Das sei zu ihrer Teenie-Zeit nicht so gewesen, blickt Stefanie Wenzel zurück. Heute geht man in Gruppen einkaufen und Mädchen fragen auch die Jungs nach ihrer Meinung oder umgekehrt.

„Jede Generation bringt in Bezug auf soziale Phänomene Neuerungen mit sich“. 

Das heiße aber nicht, dass es komplette Veränderungen im Verhalten seien. Teenies wollen unterhalten und beraten werden, Produkte ausprobieren und betrachten. Auch solche, die sie alleine nicht ins Kalkül gezogen hätten.

Dabei erleben sie nach Aussage Wenzels positive Emotionen und sind zufriedener mit dem Produkt. Außerdem sind sie auch überzeugter, dass es das richtige ist.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:
www.medizin-am-abend.blogspot.com


 








Über Google: Medizin am Abend Berlin

Dipl. Soz. Stefanie Wenzel
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Universität Rostock
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät Institut für Marketing & Dienstleistungsforschung
Tel.: +49 (0)381/4984380
Fax: +49 (0)381/4984378
E-Mail: stefanie.wenzel@uni-rostock.de
http://www.wiwi.uni-rostock.de/bwl/marketing/lehrstuhl-fuer-abwl-dienstleistungs...
Ingrid Rieck Universität Rostock, Text: Wolfgang Thiel

 institution logo
 

Zunahme von Kurzsichtigkeit im Grundschultalter

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Spielen im Freien schützt vor Kurzsichtigkeit: Schon 40 Minuten täglich können helfen

Schon 40 Minuten tägliches Toben auf dem Spielplatz oder Pausenhof können Kinder im Grundschulalter vor Kurzsichtigkeit schützen. 

 Zu diesem Ergebnis kommt eine chinesische Studie, die den Zusammenhang zwischen Freiluftaktivität und Kurzsichtigkeit bei Kindern in einer randomisierten Clusterstudie untersuchte. 

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) sieht einen Mangel an Tageslicht als mögliche Erklärung für die weltweit steigende Zahl kurzsichtiger junger Menschen. 

Die Fachgesellschaft rät Eltern, ihre Kinder möglichst viel bei Tageslicht draußen spielen zu lassen. 
 
Die chinesische Forschergruppe untersuchte die Sehkraft bei Erstklässlern ohne Sehschwäche an zwölf Grundschulen.

Die Hälfte der Schüler verbrachte über einen Zeitraum von drei Jahren täglich 40 Minuten draußen bei Sport und Spiel. Zusätzlich sollten ihre Eltern sie nachdrücklich ermutigen, draußen zu spielen. Nach drei Jahren stellten die Untersucher bei rund 30 Prozent der Schüler eine Kurzsichtigkeit fest. In der Kontrollgruppe – deren Spielverhalten während der Studie unverändert blieb – waren es 40 Prozent. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, wie schon andere Studien zuvor, dass Spielen im Freien tatsächlich das Risiko für Kurzsichtigkeit mindert, sagt DOG-Experte Professor Dr. med. Wolf Lagrèze von der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg: „Vermutlich wären die Unterschiede zwischen den Gruppen bei einer täglichen Spielzeit von zwei Stunden draußen noch deutlicher.“ Es bleibt aber abzuwarten, ob der Effekt auch über einen längeren Zeitraum bestehen bleibt. Die chinesischen Forscher planen bereits Langzeitstudien, um diese Frage zu untersuchen.

Das Phänomen lässt sich erklären: 
  • „Normalerweise hemmt helles Tageslicht das Längenwachstum des Augapfels im Kindesalter“ erklärt Professor Dr. rer. nat. Frank Schaeffel vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen. 
  • Bei Lichtmangel wächst der Augapfel zu sehr in die Länge, sodass durch die Linse einfallendes Licht schon vor der Netzhaut gebündelt wird. 
„Um das zu verhindern, sollten die Augen täglich Beleuchtungsstärken von rund 10 000 Lux ausgesetzt sein“, so Schaeffel. Dies entspricht ungefähr den Werten eines leicht bewölkten Sommertags. 

Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Klassenzimmer bringt es auf etwa 500 Lux. Starke Fehlsichtigkeit von -6 Dioptrien oder mehr erhöht das Risiko für schwere Augenerkrankungen wie eine Netzhautablösung, Grünen Star oder Makuladegeneration.
Experten beobachten weltweit eine Zunahme der Kurzsichtigkeit. 
In China sind bis zu 90 Prozent der jungen Erwachsenen kurzsichtig. 

In Deutschland beträgt der Anteil derzeit 35 bis 40 Prozent. 
Schon seit einiger Zeit steht die Naharbeit an Bildschirmen unter Verdacht, die Sehkraft zu mindern. In jedem Fall nimmt die Zeit vor dem Bildschirm vielen Kindern die Zeit für das Spielen im Freien.

Literatur:
Mingguang et al., Effect of Time Spent Outdoors at School on the Development of Myopia Among Children in China – A Randomized Clinical Trial, JAMA. 2015;314(11):1142-1148. doi:10.1001/jama.2015.10803

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogpsot.com

 

 Über Google: Medizin am Abend Berlin 

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-552
Telefax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.dog.org

Polizei alarmieren: Todesart nicht-natürlich - Leichenschauen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Versterben nach Sturz: Geriater dürfen sich nicht scheuen Polizei zu alarmieren!

Fenster geputzt, von der Leiter gestürzt, innerlich verblutet durch eine Milzruptur: Todesfälle wie dieser scheinen eindeutig. Warum es trotzdem notwendig ist, die Todesart als „nicht-natürlich“ anzugeben und die Polizei zu alarmieren? „Die Kausalkette zum Tod ist ganz individuell“, erläutert Dr. Ricarda Arnold vom Universitätsklinikum Jena. Auf Einladung der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie sprach die Rechtsmedizinerin beim Alterstraumatologie Kongress 2016 in Marburg über die Umsetzung gesetzlicher Vorschriften im ärztlichen Alltag.

  • Denn gerade bei geriatrischen Patienten sind letale Stürze oft durch Faktoren wie Demenz, Mangelernährung, neurologische oder kardiale Erkrankungen bedingt. 

„Dann stehen Ärzte vor schwierigen Einzelfallentscheidungen, die immer wieder heiß diskutiert werden im Kollegenkreis.“ Dabei ist die Rechtslage eigentlich klar.

Rechtslage durch Bestattungsgesetz der Bundesländer geregelt – Sturz ist nicht-natürlich

Geregelt in den Bestattungsgesetzen der Bundesländer, muss auf dem Totenschein neben der Todesursache – dem unmittelbar zum Tode führende Ereignis – auch die Todesart angeben werden.

  • „Natürlich“ im Falle des Versterbens aus innerer, krankhafter Ursache wie zum Beispiel Lungenentzündung, Krebs oder Herzinfarkt.
  •  Oder „nicht-natürlich“ durch äußere Faktoren wie Unfall oder Fremdverschulden.
  • „Im Falle eines Sturzes mit Kausalität zum Todeseintritt ist die Sachlage klar: Hier muss von Gesetzes wegen praktisch immer eine nicht-natürliche Todesart angegeben werden“, so die Oberärztin am Institut für Rechtsmedizin.

Bei einem Tod durch Sturz muss immer die Polizei alarmiert werden

Trotzdem scheuen sich einige Ärzte, „nicht-natürlich“ im Totenschein anzukreuzen. „Denn dann muss die Polizei alarmiert werden“, sagt Ricarda Arnold. „Gerade für Kliniken mit vielen geriatrischen Patienten bedeutet dies unter Umständen einen enormen Aufwand.“

Im Totenschein statt des Sturzes einfach einen anderen Aspekt des Ablebens anzugeben, sei keine Lösung: 

„Hat der Verstorbene eine Unfallversicherung abgeschlossen, könnte den Erben die Leistung entgehen.“ Und auch für den Arzt kann es Folgen haben, wenn etwa bei der zweiten Leichenschau vor der Kremation des Leichnams durch einen unabhängigen zweiten Leichenschauarzt Auffälligkeiten entdeckt werden.

Etwa 2000 Tötungsdelikte aufgrund ungenauer Leichenschauen übersehen

Zumal nie auszuschließen sei, dass nicht doch ein Fremdverschulden vorliegt, das erst durch Ermittlungen der Polizei aufgedeckt werden kann.

„Einer Studie zufolge werden jedes Jahr circa 2000 Tötungsdelikte aufgrund ungenauer Leichenschauen übersehen“, weiß Arnold. „

Aus meiner fast 20-jährigen Berufserfahrung gehe ich davon aus, dass die Zahl noch deutlich höher liegt. Genaues Hinsehen und Handeln ist daher unerlässlich.“ 


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com
 







Über Google: Medizin am Abend Berlin  

Nina Meckel Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)
Nymphenburger Str. 19
80335 München
Deutschland
Bayern
Telefon: 089 / 230696069
Fax: 089 / 230696060


 institution logo

Immunzellen pendeln zwischen Nervenwasser und Gehirngewebe.....

Medizin am Abend Berlin Fazit:  ...... und sind immer in Aktionsbereitschaft

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen haben neue Erkenntnisse in der Grundlagenforschung über Immunzellen im Nervenwasser gewonnen. Die Entdeckung ist für das Verständnis der Funktion des Nervenwassers im gesunden Nervensystem und bei neurologischen Erkrankungen, vor allem der Multiplen Sklerose, von Bedeutung. Veröffentlichung in einer Februar 2016 Ausgabe von „NATURE“. 

 T-Zellwanderung zwischen Gehirngewebe und dem umgebenden Hirnwasser (Liquor)
 T-Zellwanderung zwischen Gehirngewebe und dem umgebenden Hirnwasser (Liquor)  Bildnachweis: Johannes Erzberger
 
Die Untersuchung von Nervenwasser (Liquor) gehört zur Standard-Diagnostik, um entzündliche Erkrankungen des Zentralnervensystems (ZNS), wie z.B. Meningitis und Enzephalitis, oder Multiple Sklerose (MS) zu erkennen.

  • Eine erhöhte Zahl von Immunzellen im Nervenwasser gilt als ein diagnostisches Indiz für MS. 

Wie Immunzellen in den Liquor gelangen, welche Funktion sie dort haben, und wie sie mit dem Nervengewebe kommunizieren, war bislang nicht geklärt.

Ein Forscherteam unter der Leitung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Instituts für Neuroimmunologie und des Instituts für Multiple Sklerose Forschung (IMSF) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat jetzt neue Erkenntnisse über die Immunfunktion des Nervenwassers gewonnen. Mittels Echtzeitmikroskopie konnten die Forscher die Bewegung von Immunzellen filmen.

Sie entdeckten: Immunzellen pendeln rege zwischen Nervenwasser und Gehirngewebe. Als Schaltstelle für diesen Verkehr wirken die weichen Hirnhäute, die das Gehirngewebe umgeben.

Fresszellen in den Hirnhäuten ermöglichen den Immunzellen den Eintritt in das Nervengewebe und geben die Richtung der Immunzellwanderung vor. Die Forschungsarbeit eröffnet neue Einblicke in die Wanderung und Funktion von Immunzellen im Nervenwasser.

Die Erkenntnisse könnten vor allem für diagnostische oder therapeutische Aspekte bei der Multiplen Sklerose, einer Autoimmunerkrankung des Zentralnervensystems, von Bedeutung sein. Die Ergebnisse der Forschungen sind in dem renommierten Wissenschaftsmagazin NATURE veröffentlicht.

Originalveröffentlichung: Christian Schläger, Henrike Körner, Martin Krueger, Ste-fano Vidoli, Elke Brylla, Michael Haberl, Carlos Caban͂as, Thomas Issekutz, Peter Nelson, Tjalf Ziemssen, Ingo Bechmann, Dmitri Lodygin, Francesca Odoardi & Alex-ander Flügel. Effector T cell trafficking between the leptomeninges and the cerebro-spinal fluid, Nature 2016; 530(7590):349-53. doi:10.1038/nature16939

Es wird vermutet, dass bei der Multiplen Sklerose falsch programmierte Immunzellen, sogenannte autoaggressive T-Zellen, sich fälschlicherweise gegen das eigene Gehirngewebe richten und eine starke Entzündungsreaktion im ZNS verursachen.

  • In der Folge kommt es unter anderem zu den MS-typischen schweren und zum Teil bleibenden Ausfallerscheinungen, wie z.B. Gefühlsstörungen und Lähmungen. 
Bei der diagnostischen Untersuchung von MS findet man eine erhöhte Zahl an T-Zellen im Nervenwasser. 

Welche Rolle Immunzellen im Nervenwasser bei der Entstehung von Multipler Sklerose (MS) haben, ist bislang noch nicht genau geklärt.

FORSCHUNGSERGEBNISSE IM DETAIL

Moderne Verfahren der Echtzeitmikroskopie eröffneten den Göttinger Grundlagenforschern bislang einzigartige Einblicke in das Verhalten von Immunzellen im Nervenwasser: Die Forscher fanden heraus, dass die Hirnhaut, die direkt auf der Oberfläche des Nervengewebes liegt, eine entscheidende Schaltstelle für die Wanderung von T-Zellen ist. T-Zellen auf dem Weg in das ZNS verlassen die Blutbahn aus Gefäßen dieser Hirnhaut und kriechen daraufhin in das umliegende Gewebe. Dieses Milieu ist sehr speziell und im Körper einmalig. Die Gefäße sind in der Hirnhaut eingebettet und von zahlreichen faserigen Bindegewebsstrukturen umschnürt, die wie in einem Klettergerüst verspannt sind. Dieses bindegewebige Netz ist zusätzlich von Zellen durchsetzt. Der Liquor fließt über und durch dieses Faser-Zellgeflecht. Die Forscher entdeckten, dass T-Zellen, die direkt an der Expositionsfläche zum Liquor entlangkriechen, regelrecht in den Liquor abgewaschen werden. „Offensichtlich entscheidet sich also in der Hirnhaut, ob die T-Zellen in das angrenzende Nervengewebe eindringen können oder in den Liquor abgeschwemmt werden“, sagt Dr. Henrike Körner, eine Erst-Autorin der Publikation und Mitarbeiterin des Instituts für Neuroimmunologie und des IMSF der UMG. Frühere Studien gingen davon aus, dass Immunzellen vor allem an der Produktionsstätte des Liquors, dem Plexus choroideus, in den Liquorraum übertreten.

Welche Signale regulieren das Anheften der T-Zellen an der Hirnhaut? Die Göttinger Wissenschaftler fanden im Hirnhautgewebe spezialisierte Fresszellen, die T-Zellen Signale für die Aktivierung und für die Anheftung liefern können.

T-Zellen suchen Fresszellen systematisch nach diesen Signalen ab.

Bleiben die Signale aus, laufen die T-Zellen Gefahr, in den Liquor abgeschwemmt zu werden. Bekommen sie dagegen die nötigen Aktivierungs- oder Klebesignale, haften sie an der Oberfläche fest und können in das Nervengewebe eindringen, wo sie den zerstörerischen Entzündungsprozess starten.

Sind die abgeschwemmten T-Zellen im Liquor überhaupt für den Krankheitsprozess von Bedeutung? Die Göttinger Wissenschaftler konnten zeigen, dass die Zellen im Liquor vollständig funktionstüchtig bleiben, d.h. sie verlieren ihre krankmachende Wirkung nicht. „Diese Befunde könnten daher für eine diagnostische Untersuchung des Liquors bei MS-Patienten von Bedeutung sein: Wenn man etwas über die Eigenschaften pathogener T-Zellen bei der MS erfahren will, sollte man die T-Zellen aus dem Liquor untersuchen“, sagt Dr. Francesca Odoardi, Ko-Senior-Autorin der Publikation und Gruppenleiterin am Institut für Neuroimmunologie der UMG.

Was passiert mit T-Zellen, die in den Liquor abgeschwemmt werden? Auch auf diese Frage konnten die Wissenschaftler eine Antwort finden. T-Zellen können zwischen Liquor und dem angrenzenden Hirnhautgewebe hin- und herpendeln. Stabil kleben bleiben die Zellen vor allem, wenn sie auf Fresszellen treffen, die besonders hohe Mengen an „Klebematerial“ produzieren. Dies ist z.B. bei einer Entzündung des Hirngewebes der Fall oder wenn Fresszellen Aktivierungssignale für T-Zellen liefern. 



Dr. rer.nat. Henrike Körner, Institut für Neuroimmunologie, UMG, Erst-Autorin der NATURE-Publikation.

Dr. rer.nat. Henrike Körner, Institut für Neuroimmunologie, UMG, Erst-Autorin der NATURE-Publikation.
Foto: privat


AUSBLICK

Die Beobachtungen des Göttinger Forscherteams zeigen neue Facetten der Immunfunktion des Nervenwassers (Liquor) auf. Im Liquor landen vor allem T-Zellen, die die Hirnhäute vergeblich auf Anwesenheit ihres spezifischen Eiweißes oder von Entzündung abgesucht haben. Der Liquor stellt daher für T-Zellen eine Art Abstellkammer dar. Er sorgt dafür, dass potenziell gefährliche Eindringlinge vom empfindlichen Nervengewebe ferngehalten werden. „Allerdings können sich zirkulierende Zellen bei Bedarf jederzeit wieder an die Hirnhaut anheften und in das Nervengewebe eindringen. Eine genauere Aussage über die Zellen und deren Funktion im Liquor könnte daher sowohl diagnostisch als auch therapeutisch genutzt werden“, sagt Prof. Dr. Alexander Flügel, Senior-Autor der Publikation und Direktor des Instituts für Neuroimmunologie der UMG.

HINTERGRUNDINFORMATION: NERVENWASSER SCHÜTZT DAS GEHIRN

Das Zentralnervensystem (ZNS), bestehend aus Gehirn und Rückenmark, ist vor möglichen Schädigungen aus der Außenwelt sehr gut geschützt.

  • Dafür sorgen Knochen (Schädel, Wirbelsäule), faserig/zelluläre Hüllen (Hirnhäute, Meningen) und ein Flüssigkeitsmantel, das Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis, kurz Liquor). 
  • Der Liquor wird mehrmals täglich komplett ausgetauscht, d.h. er wird ständig neu gebildet und an anderer Stelle abgesaugt. 
  • Dies führt dazu, dass der Liquor zirkuliert. Anders als Blut oder Lymphe fließt Liquor nicht in spezialisierten Gefäßen. 
  • Er verteilt sich auf der gesamten Oberfläche des ZNS, genauer in den Hüllstrukturen, den Hirnhäuten. 
Diese „Zirkulation“ kann Stoffe oder Zellen zum Nervengewebe hin oder davon wegtransportieren.

In der medizinischen Diagnostik spielt die Liquoruntersuchung eine wichtige Rolle, weil sich dessen Zusammensetzung bei Erkrankungen des Nervensystems charakteristisch ändern kann.

BILDUNTERSCRIFT: T-Zellwanderung zwischen Gehirngewebe und dem umgebenden Hirnwasser (Liquor): Mit den Hirnhäuten als zentraler Schaltstelle (ein 3D-Netzwerk aus Gefäßen, extrazellulärer Matrix und Zellen), können T-Zellen beständig zwischen Gewebe des Zentralnervensystems und dem umgebenden Liquor hin und her wandern. Im Bild ist ein grundlegendes Prinzip dieser Wanderungsbewegung gezeigt: Wenn eine T-Zelle innerhalb der Hirnhäute auf eine Fresszelle (Makrophage, weißer Pfeil) trifft und dadurch aktiviert wird, kann die T-Zelle fest auf der Oberfläche des Rückenmarks anhaften und in dieses einwandern. Wenn es zu keinem Zusammentreffen beider Zellen kommt, dann wird die T-Zelle mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Liquor abgewaschen. Bildnachweis: Johannes Erzberger.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com
 

 







Über Google: Medizin am Abend Berlin


Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Institut für Neuroimmunologie / Institut für Multiple-Sklerose-Forschung
Prof. Dr. Alexander Flügel
Telefon 0551 / 39-13332
IMSF@med.uni-goettingen.de
Stefan Weller Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

360° TOP-Thema zum Osterfest 2016: Zoonosen-Monitoring: Ökologisch erzeugte Rohmilch

Medizin am Abend Berlin Fazit: .....enthält weniger antibiotikaresistente Keime als konventionell erzeugte

BVL veröffentlicht Bericht zum Zoonosen-Monitoring 2014 
 
Die Ergebnisse der repräsentativen Untersuchungen zum Zoonosen-Monitoring 2014, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)  veröffentlicht hat, zeigen, dass in Rohmilchproben aus ökologischen Milchrinderbetrieben Zoonosenerreger und insbesondere die multiresistente MRSA-Keime seltener auftreten als in den entsprechenden Proben aus konventionellen Betrieben.

  • Eine mögliche Ursache hierfür könnten Unterschiede in der Wirtschaftsweise bei konventionell und ökologisch gehaltenen Milchkühen sein.
  • Die Ergebnisse bestätigen weiterhin, dass Geflügelfleisch häufig mit Campylobacter spp. kontaminiert ist. 
  • Angesichts der hohen Zahl an Erkrankungen des Menschen an einer Campylobacter-Infektion besteht Handlungsbedarf, um die Belastung von Lebensmitteln mit diesen Keimen zu reduzieren. 

Die Ergebnisse der Resistenzuntersuchungen zeigen gegenüber den Vorjahren insgesamt eher einen Rückgang der Resistenzraten. Die zu beobachtende Entwicklung bei den Resistenzraten von Bakterien-Isolaten gegenüber den in der Humanmedizin wichtigen Fluorchinolonen bedarf jedoch der weiteren Beobachtung.

Insgesamt haben die Bundesländer im Rahmen des Zoonosen-Monitorings 6.865 Proben auf allen Ebenen der Lebensmittelkette genommen und in ihren Untersuchungseinrichtungen auf das Vorkommen der wichtigsten über Lebensmittel übertragbaren Erreger untersucht. Dabei wurden 3.515 Bakterien-Isolate gewonnen und in den Nationalen Referenzlaboratorien am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weitergehend charakterisiert und auf ihre Resistenz gegen ausgewählte Antibiotika untersucht. Die wichtigsten Ergebnisse sind:

 
MRSA
Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) wurden in Rohmilch aus konventionellen Milchviehbetrieben mit 9,7 % positiver Proben signifikant häufiger nachgewiesen als in Rohmilch aus ökologischen Betrieben (1,7 % positive Proben). Weitere gezielte Untersuchungen sind notwendig, um mögliche Unterschiede in der Belastung von Tieren und Lebensmitteln mit humanpathogenen Keimen zwischen ökologischer und konventioneller Erzeugung zu ermitteln. Nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft ist der Verzehr oder die Handhabung von mit MRSA kontaminierten Lebensmitteln zwar nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden, durch diese Bakterien besiedelt oder infiziert zu werden.  

Ein solches Risiko besteht aber für Menschen, die einen häufigen Kontakt zu positiven Tierbeständen haben, wie Landwirte und Tierärzte.

 
Campylobacter
Die Ergebnisse des Zoonosen-Monitorings 2014 zeigen, dass bei der Verringerung von Campylobacter spp. in den Lebensmittelketten Mastpute und Masthähnchen in den letzten Jahren keine Fortschritte erzielt wurden. 26,5 % der Proben von frischem Putenfleisch und sogar über die Hälfte (54 %) der Proben von frischen Hähnchenschenkeln waren mit Campylobacter kontaminiert. 

Damit verdeutlichen die Ergebnisse, dass die Anstrengungen, das Vorkommen von Campylobacter in der Geflügelfleischkette zu verringern, weiterhin intensiviert werden müssen.

Salmonellen
Die Ergebnisse des Zoonosen-Monitorings 2014 zeigen, dass sich die Erfolge der EU-weiten Salmonellen-Bekämpfungsmaßnahmen in den Geflügelbeständen auch weiterhin in der Lebensmittelkette niederschlagen. Bei Mastputen und Masthähnchen ist im Zoonosen-Monitoring 2014 die Kontaminationsrate sowohl der Schlachtkörper als auch des frischen Fleisches mit Salmonellen weiter gesunken. Während in den Jahren 2010 und 2011 noch rund 18 % der Schlachtkörper von Mastputen und Masthähnchen mit Salmonellen kontaminiert waren, waren 2014 nur noch jeweils etwa 7 % der entsprechenden (Hals)hautproben Salmonella-positiv. Frisches Putenfleisch war zu 1,7 % und frisches Hähnchenfleisch zu 4,7 % mit Salmonellen kontaminiert.

Listeria monocytogenes
Listeria monocytogenes wurden in Proben von Rohmilch aus konventionellen Milcherzeugerbetrieben zu 3,5 % und damit tendenziell häufiger nachgewiesen als in den entsprechenden Proben aus ökologischen Betrieben, die zu 1,3 % mit dem Erreger kontaminiert waren. Proben von Schnittkäse aus Rohmilch vom Rind waren zu 0,3 % positiv für Listeria mononcytogenes. Da Konsummilch in Deutschland vor der Abgabe an Verbraucher grundsätzlich wärmebehandelt wird, stellen Zoonoseerreger in der Tankmilch keine Gefahr für den Verbraucher dar. Eine gesundheitliche Gefahr geht aber dann von der Rohmilch aus, wenn die Erhitzung ausbleibt, wie bei der Herstellung von Rohmilchkäse. 
Empfindlichen Verbrauchergruppen wie Kleinkindern, älteren und immungeschwächte Menschen sowie Schwangeren wird deshalb vom Konsum von Rohmilchprodukten abgeraten. Rohmilch sollte vor dem Verzehr grundsätzlich durcherhitzt werden. 
 

ESBL/AmpC-bildende E. coli
ESBL/AmpC-bildende E. coli wurden in Erzeugerbetrieben von Zuchthühnern der Legerichtung und Legehennen häufig nachgewiesen (etwa 40 % positive Kotproben). Auf der Schale von Konsumeiern wurden ESBL/AmpC-bildende E. coli mit 0,5 % positiver Proben deutlich seltener gefunden. Die Kontaminationsrate der Proben von frischen Kräutern mit ESBL/AmpC-bildenden E. coli betrug 2,2 %.  
Der chweis von ESBL/AmpC-bildenden E. coli in Proben von frischen Kräutern ist im Hinblick auf den gesundheitlichen Verbraucherschutz insofern von besonderer Bedeutung, weil diese häufig roh verzehrt werden und somit resistente Keime vom Menschen unmittelbar aufgenommen werden können. Dies unterstreicht die Empfehlung, frische Kräuter vor dem Verzehr gründlich zu waschen.

 
Resistenzlage
Im Rahmen des Zoonosen-Monitorings wird ein allmählicher Anstieg der Resistenzrate von Salmonella-Isolaten aus der Mastputenkette gegen das Fluorchinolon Ciprofloxacin beobachtet, der bedeutsam ist, weil dieser Wirkstoff als besonders wichtig für die antibiotische Behandlung beim Menschen gilt. Dabei wiesen Isolate von Mastputenschlachtkörpern die höchste Resistenzrate (74,2 %) gegen Ciprofloxacin auf.
 Gegenüber den getesteten Cephalosporinen der 3. Generation war dagegen keines der untersuchten Isolate resistent.

Die Resistenzraten von kommensalen E. coli-Isolaten wiesen insgesamt im Vergleich zu den Vorjahren eine rückläufige Tendenz auf. Der Anteil resistenter Isolate war im Zoonosen-Monitoring 2014 in den Lebensmittelketten Mastpute und Masthähnchen mit jeweils etwa 80 % niedriger als in den Vorjahren, in denen jeweils etwa 87 % der Isolate resistent waren E. coli-Isolate aus Rohmilch und aus frischen Kräutern waren überwiegend sensibel. Der Anteil sensibler Isolate war bei E. coli-Isolaten aus ökologisch erzeugter Tankmilch (95,9 % sensible Isolate) noch etwas höher als bei Isolaten aus konventioneller Tankmilch (89,5 % sensible Isolate). E. coli-Isolate aus der Masthähnchenkette waren gegenüber den in der Humanmedizin wichtigen Substanzklassen der Cephalosporine der 3. Generation und Fluorchinolone seltener resistent als in der Vergangenheit.

Bei der Interpretation der Ergebnisse der Resistenzuntersuchungen muss beachtet werden, dass die minimalen Hemmkonzentrationen (MHK) anhand der epidemiologischen Cut-Off-Werte bewertet wurden. Diese bestimmen den Anteil mikrobiologisch resistenter Isolate und geben frühzeitig Hinweise auf eine beginnende Resistenzentwicklung, erlauben aber keine unmittelbare Aussage über die Wahrscheinlichkeit eines Therapieerfolges mit einem Antibiotikum.

Hintergrund
Zoonosen sind Krankheiten bzw. Infektionen, die auf natürlichem Weg direkt oder indirekt zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Zoonoseerreger können von Nutztieren zum Beispiel während der Schlachtung und Weiterverarbeitung auf das Fleisch übertragen werden. Mit Zoonoseerregern kontaminierte Lebensmittel stellen eine wichtige Infektionsquelle für den Menschen dar. Häufige Erreger lebensmittelbedingter Infektionen sind Campylobacter spp. und Salmonella spp. Infektionen mit Listeria monocytogenes oder verotoxinbildende E. coli (VTEC) treten seltener auf. Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) und ESBL/AmpC-bildende E. coli sind weltweit verbreitete Erreger von zum Teil schwerwiegenden Krankenhausinfektionen. Bei Nutztieren hat sich ein spezifischer Typ von MRSA ausgebreitet. Eine Besiedlung des Menschen mit diesen „Nutztier-assoziierten“ MRSA-Stämmen scheint jedoch nur in seltenen Fällen zu schweren Krankheitserscheinungen führen.

Basierend auf der Richtlinie 2003/99/EG zur Überwachung von Zoonosen und Zoonoseerregern, sind alle EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, repräsentative und vergleichbare Daten über das Auftreten von Zoonosen und Zoonoseerregern sowie diesbezüglicher Antibiotikaresistenzen in Lebensmitteln, Futtermitteln und lebenden Tieren zu erfassen, auszuwerten und zu veröffentlichen, um so Aufschluss über Entwicklungstendenzen und Quellen von Zoonosen und Zoonoseerregern zu erhalten. Dabei werden vor allem diejenigen Zoonoseerreger überwacht, die eine besondere Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen. Das Zoonosen-Monitoring wird von den Ländern seit dem Jahr 2009 auf Grundlage einer Verwaltungsvorschrift bundesweit einheitlich jährlich im Rahmen der amtlichen Lebensmittel- und Veterinärüberwachung durchgeführt. Die von den Ländern erhobenen Untersuchungsergebnisse werden vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gesammelt, ausgewertet und zusammen mit den Ergebnissen der Typisierung und Resistenztestung sowie der Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im Bericht über die Ergebnisse des jährlichen Zoonosen-Monitorings veröffentlicht. Das BfR übermittelt die Ergebnisse gemäß den Bestimmungen des Artikels 9 der Richtlinie 2003/99/EG an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Im Zoonosen-Monitoring werden repräsentative Daten zum Vorkommen von Zoonoseerregern bei den wichtigsten Lebensmittel liefernden Tierarten und ihren Produkten sowie anderen Lebensmitteln und Futtermitteln gewonnen. Diese ermöglichen es, die Exposition der Verbraucher gegenüber den Zoonoseerregern abzuschätzen. Die Resistenzuntersuchungen tragen dazu bei, Beziehungen zwischen dem Antibiotikaeinsatz in der Tierproduktion und der Entwicklung von Antibiotikaresistenzen besser analysieren zu können.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com

 













Über Google: Medizin am Abend Berlin 

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
Mauerstraße 39-42
10117 Berlin
Deutschland
Berlin



Nina Banspach
Telefon:
E-Mail-Adresse: pressestelle@bvl.bund.de




 
Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.bvl.bund.de/ZoonosenMonitoring Vollständiger Bericht zum Zoonosen-Monitoring 2014

http://www.bvl.bund.de/lebensmittelhygiene Verbrauchertipps zum Schutz gegen lebensmittelbedingte Infektionen

360° TOP-Hinweis: Magenbakterium Helicobacter pylori: PPI - Protonenpumpeninhibitoren

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Magenschleimhaut in Gefahr: Helicobacter-Beseitigung beugt Magenkrebs vor

Etwa die Hälfte der erwachsenen Menschen in Deutschland ist mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori infiziert. Bei jedem Fünften kommt es im Verlauf des Lebens zu Magenbeschwerden oder zur Ausbildung von Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren. Doch auch wenn der Keim keine Beschwerden verursacht, erhöht er langfristig das Risiko, an Magenkrebs zu erkranken. 

Die neu überarbeitete Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) empfiehlt eine „Eradikationstherapie“ daher auch für bestimmte Risikogruppen. 
 
  • Das erste Zeichen einer Helicobacter-Infektion ist häufig eine Entzündung der Magenschleimhaut: 

die akute Gastritis. Geht diese – meist in der Kindheit unbemerkt – in eine chronische Entzündung über, kann es zu einer Reihe von Komplikationen kommen. Auf dem Boden der chronischen Gastritis entstehen bei jedem fünften Patienten Magenbeschwerden bis hin zu Geschwüren im Magen- und Zwölffingerdarm. 
  • Langfristig erhöht der Keim das Magenkrebsrisiko, und er ist auch für das MALT-Lymphom, einen seltenen Lymphdrüsenkrebs, verantwortlich.
„Eine Eradikationstherapie, also die Beseitigung von Helicobacter pylori, lindert nicht nur die akuten Beschwerden bei einer Magenschleimhautentzündung, einem Magen- oder einem Zwöffingerdarmgeschwür“, sagt Professor Dr. med. Peter Malfertheiner, Direktor der Universitätsklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie in Magdeburg und einer der beiden Leitlinienkoordinatoren.

 „Sie hat auch das Potential, das Widerauftreten von Geschwüren und die Entstehung eines Magenkarzinoms zu verhindern.“

  • Bei nahen Verwandten von Magenkrebspatienten oder bei Menschen, die bereits eine Krebserkrankung in der Frühphase durchgemacht haben, rät die DGVS daher zu einer Behandlung – auch dann, wenn die Patienten keine Beschwerden haben.
  • Auch Menschen, die länger als ein Jahr sogenannte Protonenpumpeninhibitoren einnehmen, sollten den Magenkeim entfernen lassen. 
  • „Denn die Behandlung mit diesen Säureregulatoren führt auf Dauer zu einer Atrophie oder zu einer Intestinalen Metaplasie der Magenschleimhaut. 
Diese nicht mehr rückbildungsfähigen Veränderungen erhöhen wiederum das Magenkrebsrisiko“, erläutert Malfertheiner.

Protonenpumpeninhibitoren, kurz „PPI“, hemmen die Bildung von Magensäure. Ärzte verschreiben sie häufig zur Behandlung der Refluxkrankheit, also bei Sodbrennen.

Auch bei Patienten, die ein erhöhtes Risiko für Magenblutungen mitbringen, sollten Ärzte eine Helicobacter-Behandlung erwägen.

„Die dauerhafte Einnahme von ASS oder bestimmten Rheumamedikamenten, den nicht-steroidalen Antirheumatika, sollte Anlass sein, über eine vorsorgliche Beseitigung des Keims nachzudenken“, erklärt Leitlinienkoordinator Professor Dr. med. Wolfgang Fischbach, Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau. 

Denn die Beseitigung des Keims kann das Risiko für Magenblutungen senken.

  • Voraussetzung für eine Behandlung sei der Nachweis des Keims, betont der Experte. 

Da kein Testverfahren hundertprozentig sicher ist, sollten zwei Tests positiv ausfallen. Die neue Version der Leitlinie lässt jedoch auch eine Ausnahme zu: Wird der Keim bei einer Magenschleimhautentzündung in einer Gewebeprobe nachgewiesen, sind weitere Tests nicht mehr nötig.

  • Die Eradikationstherapie ist heute in der Regel erfolgreich. Sie erfordert jedoch die Mitarbeit und die Geduld des Patienten, der mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen muss. 
Standard ist eine Tripeltherapie aus zwei Antibiotika und einem Protonenpumpeninhibitor. 
Ist der Keim gegen eines der Antibiotika resistent, sollten Ärzte zu einer Therapie mit vier Wirkstoffen wie der Bismut-basierten Quadrupeltherapie greifen.

  • „Dies betrifft häufig Menschen mit Migrationshintergrund oder Patienten, die zuvor schon mit Clarithromycin oder einem verwandten Antibiotikum behandelt wurden“, erklärt Fischbach: „In diesen Fällen ist das Risiko hoch, dass die klassische Tripeltherapie nicht anschlägt.“

„Mit der neuen Leitlinie liegt uns ein gut funktionierendes Konzept zum Umgang mit Helicobacter vor, das sich an den aktuellen Erkenntnissen orientiert“, so die beiden Experten.

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten. Mehr unter www.dgvs.de


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:
www.medizin-am-abend.blogspot.com








 











Über Google: Medizin am Abend Berlin 

DGVS
Irina Lorenz-Meyer
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Berliner Büro im Langenbeck Virchow-Haus:
Luisenstraße 59
10117 Berlin
Tel.: 0711 8931-552/-642
Fax: 0711 8931-167
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org
http://www.dgvs.de
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften




institution logo


Sekretionsaktivität des Humandarms: Machbarkeit von Untersuchungen an Darmproben

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Der Darm - leistungsfähig bis ins hohe Alter

Es ist ein Durchbruch in der Grundlagenforschung und die erste umfangreiche Studie über die Sekretionsaktivität des Humandarms. Dr. Dagmar Krüger vom Lehrstuhl für Humanbiologie der Technischen Universität München (TUM) hat über einen Zeitraum von acht Jahren mehr als 2200 Proben von rund 450 Patienten mit Darmerkrankungen untersucht. Dabei kam Verblüffendes zutage: 

Der menschliche Darm ist keineswegs eingeschränkt, sobald er „älter“ ist wie viele Stammtischanekdoten behaupten. 

Genauso wenig spielt das Geschlecht eine Rolle. 

Dagmar Krüger vom Lehrstuhl für Humanbiologie der TUM hat über einen Zeitraum von acht Jahren mehr als 2200 Proben von rund 450 Patienten mit Darmerkrankungen untersucht.
Dagmar Krüger vom Lehrstuhl für Humanbiologie der TUM hat über einen Zeitraum von acht Jahren mehr als 2200 Proben von rund 450 Patienten mit Darmerkrankungen untersucht.  (Foto: TUM/ A. Eckert)
 
Die Studie des Teams rund um Dr. Dagmar Krüger und Professor Michael Schemann vom Lehrstuhl für Humanbiologie der Technischen Universität München (TUM) ist im Journal of Physiology veröffentlicht worden.

Eine Fragestellung neben der nach Alter- oder Geschlechtsabhängigkeit war:

Spielt eine Grunderkrankung wie Darmkrebs oder Morbus Crohn eine Rolle bei der Untersuchung von Darmproben? Oder ist der Darmabschnitt womöglich ein ausschlaggebender Faktor? 

„Ich konnte anhand der vielen untersuchten Darmproben (Darmresektate) in vitro an den Vitalitätsparametern nachweisen, dass die Darmschleimhautfunktion uneingeschränkt ist, egal ob es ein Resektat vom Dünn- oder Dickdarm war oder welche Erkrankung dem chirurgischen Eingriff zugrunde lag “, sagt TUM-Wissenschaftlerin Krüger – "die Sekretion von Ionen und Wasser ins Darmlumen (Hohlraum des Darms), selbst die durch Nerven hervorgerufene, blieb in allen Fällen unverändert."
Untersuchungen an Humanmaterial sind aussagekräftiger



Mit der Ussing-Kammer hat Dagmar Krüger ihre Untersuchungen an menschlichen Darmproben durchgeführt.

Mit der Ussing-Kammer hat Dagmar Krüger ihre Untersuchungen an menschlichen Darmproben durchgeführt.
(Foto: TUM/ A. Eckert)

Nicht erkrankte Teile von Darmresektaten kommen daher durchaus für Untersuchungen infrage – es muss nicht auf Tiermodelle zugegriffen werden. „Das ist natürlich viel aussagekräftiger, wenn ich Humandarmresektate untersuche. Ich kann damit beispielsweise feststellen, ob und wie ein Medikament gegen Darmträgheit wirkt“, erklärt Dr. Krüger weiter – "mit unserer Studie haben wir die Machbarkeit von Untersuchungen an Darmproben belegt.“

Seit dem 19. Jahrhundert, schreibt Wallace MacNaughton vom Journal of Physiology in einem extra Begleitartikel zu Krügers Arbeit, sei am gastrointestonalen Epithel und seinem Wasser- sowie Elektrolyttransport geforscht worden.

Das Epithel ist nichts anderes als die Darmschleimhaut. Die bahnbrechendsten Forschungsergebnisse stammten aus den 70er- und 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die von Tieruntersuchungen wie Mäusen, Ratten oder meistens Meerschweinchen herrühren. MacNaughton schlussfolgert nach dem Studienergebnis von Krüger et al., dass moderne Untersuchungen an transgenen Mausmodellen oder Organoiden immer noch einer Überprüfung bedürfen an menschlichen Gewebeproben. Die Studie liefere nun das entscheidende Puzzleteil, um das umzusetzen.

Patienten mit Störungen der Sekretionsleistung im Darm kommt Studie zugute

Zwischen fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung leiden zum Beispiel an Obstipation: „Mit das größte Problem des Gastroenterologen sind junge Frauen mit Verstopfung“, sagt Krüger – „für sie kann nun besser nachvollzogen und eingestuft werden wie ein Mittel im Humandarm wirkt beziehungsweise wirken sollte.“ Somit erhält die Pharmabranche aufschlussreiche und möglicherweise neue Hinweise auf die Wirkung ihrer Medikamente und kann bessere entwickeln.

Ärzte wiederum können künftig patientenbezogener Medizin verschreiben: "In Zukunft kann gezielter untersucht werden, ob Darmträgheit eine Folge gestörter Epithelfunktion oder Darmmotilität ist“, erklärt Dagmar Krüger – "dafür können wir inzwischen sogar Untersuchungen an Darmbiopsien vornehmen".

Diese Studie war möglich durch eine Kooperation mit den chirurgischen Kliniken in Freising (Dr. Florian Zeller) und Rechts der Isar (Dr. Güralp Ceyhan, Dr. Ekin Demir, Direktor: Prof. Helmut Friess).

Publikation:
Dagmar Krueger, Klaus Michel, Florian Zeller, Ihsan E. Demir, Gueralp O. Ceyhan, Julia Slotta-Huspenina and Michael Schemann: Neural influences on human intestinal epithelium in vitro, The Journal of Physiology 2016. DOI: 10.1113/JP271493
Link: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26527433

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt: 
www.medizin-am-abend.blogspot.com




 







Über Google: Medizin am Abend Berlin 

Dr. Dagmar Krüger
Technische Universität München
Lehrstuhl für Humanbiologie
Liesel-Beckmann-Strasse 4
85354 Freising
Tel.: +49 (8161) 71 5370
E-Mail: Dagmar.Krueger@wzw.tum.de

Prof. Michael Schemann
Technische Universität München
Lehrstuhl für Humanbiologie
Liesel-Beckmann-Strasse 4
85354 Freising
Tel.: +49 (8161) 71 5483
E-Mail: schemann@wzw.tum.de
Dr. Ulrich Marsch Technische Universität München

360° TOP-Thema: Ermittlung der Nierenfunktion von Pflegeheimbewohnern: „Niereninsuffizienz und Medikation bei Pflegeheimbewohnern“

Medizin am Abenb Berlin Fazit:  Medikation im Pflegeheim: Die Niere nicht vergessen

Jeder fünfte Pflegeheimbewohner erhält Medikamente, deren Dosis nicht an seine Nierenfunktion angepasst oder von denen etwa aufgrund einer – häufig altersbedingten – Nierenschwäche sogar abzuraten wäre. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam um den Oldenburger Versorgungsforscher Prof. Dr. Falk Hoffmann in einer Studie mit 852 Bewohnern aus 21 Pflegeheimen in Bremen und Niedersachsen, deren Ergebnisse kürzlich im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurden. 
 
  • Die Niere hat im Körper nicht nur die Aufgabe, überflüssiges Wasser auszuscheiden, sondern auch Medikamente oder deren Abbauprodukte. Viele Pflegeheimbewohner erhalten gleich mehrere Dauermedikamente, von denen bei Nierenschwäche entweder gänzlich abzuraten oder deren Dosis zumindest an die Nierenfunktion anzupassen ist – eigentlich.

Denn das interdisziplinäre Forscherteam stellte fest, dass offenbar nicht bei allen Pflegeheimbewohnern die Nierenfunktion bekannt, geschweige denn der maßgebliche Wert des Stoffwechselprodukts Kreatinin regelmäßig bestimmt worden ist.

„Wünschenswert wäre eine mindestens jährliche Erhebung des Kreatininwerts, der dann allen an der Versorgung Beteiligten zur Verfügung stehen sollte“, betont Hoffmann.


Erkenntnisse zur Nierenfunktion lagen den Forschern zu 685 der in der Studie insgesamt berücksichtigten 852 Pflegeheimbewohner vor. Von diesen 685 litt fast die Hälfte (gut 48 Prozent) an einer mittelgradigen, weitere 15 Prozent sogar an einer hochgradigen sogenannten Niereninsuffizienz (Nierenschwäche).

135 Bewohner – fast 20 Prozent – erhielten mindestens ein Arzneimittel, das gemäß der dazugehörigen Fachinformation nicht der Nierenfunktion entsprechend dosiert oder kontraindiziert war. 

Eine Kontraindikation ist eine Gegenanzeige, also ein Umstand, der die Gabe eines bestimmten Medikaments im Grunde verbietet. Eine Fachinformation entspricht einem erweiterten „Beipackzettel“ mit Herstellerangaben für Ärzte und Apotheker. Bezogen auf diejenigen Patienten mit bekannter Nierenschwäche entsprechen die 135 Betroffenen mit zu hoch dosierten oder kontraindizierten Medikamenten sogar einem Anteil von gut 30 Prozent.

„Die Dosis hängt bei vielen Arzneistoffen von der Nierenfunktion ab“, erläutert der Apotheker Dr. Michael Dörks, einer der Ko-Autoren des Beitrags und Mitarbeiter im Department für Versorgungsforschung der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften der Universität Oldenburg.

  • „Die Niere hilft, Medikamente wieder auszuscheiden. Wenn sie nicht mehr richtig funktioniert, bleibt der Arzneistoff unter Umständen länger im Körper.“ Die übliche Wirkstoffmenge bedeute in dem Fall eine Überdosierung. Daraus können schwere Nebenwirkungen resultieren, die auch eine Einweisung ins Krankenhaus nach sich ziehen können.
Dass diesem Risiko jeder fünfte Pflegeheimbewohner ausgesetzt war, hat den Experten Hoffmann nicht überrascht.

„Immerhin 90 Prozent der Bewohner in unserer Studie erhielten Medikamente, die bei Niereninsuffizienz in der Dosis anzupassen oder sogar kontraindiziert sind“, betont Hoffmann.

  • Neben einer jährlichen Ermittlung der Nierenfunktion von Pflegeheimbewohnern mahnen die Autoren eine einheitliche und praktikable Handreichung für Ärzte an, die Dosisanpassungen bei Nierenschwäche auflistet. 
  • Das Fehlen einer solchen systematischen Aufbereitung für den ärztlichen Alltag bedeute „ein erhebliches Problem der Arzneimitteltherapiesicherheit“. Hier seien die Hersteller und die regulierenden Behörden gefragt.
  • In Deutschland leben etwa 800.000 Menschen in Pflegeheimen, viele von ihnen sind chronisch krank sowie körperlich oder kognitiv eingeschränkt. 
Der im Deutschen Ärzteblatt erschienene Aufsatz „Niereninsuffizienz und Medikation bei Pflegeheimbewohnern“ ist nur eine von mehreren aktuellen Publikationen, in denen die Oldenburger Versorgungsforscher gemeinsam mit Bremer Kollegen die Versorgungssituation in Pflegeheimen beleuchten.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com
  















Über Medizin am Abend Berlin

Dr. Corinna Dahm-Brey Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Ammerländer Heerstr. 114-118
26129 Oldenburg
Deutschland
Niedersachsen


Dr. Corinna Dahm-Brey
Telefon: 0441 / 798-2892
Fax: 0441 / 798-5545
E-Mail-Adresse: corinna.dahm@uni-oldenburg.de

Weitere Informationen für international Medihin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.uni-oldenburg.de/versorgungsforschung

http://www.aerzteblatt.de/archiv/174770

institution logo

Neugeborenen-Screening: Seltene Immundefekte

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Vorbereitung des Neugeborenen-Screenings für seltene Immundefekte

In Zukunft soll bereits im Rahmen des Neugeborenen-Screenings nach schweren Immundefekten gesucht werden. Die Grundlagen für ein solches Screening soll jetzt das internationale Forschungsprojekt EuroCID unter der Leitung von Prof. Dr. Stephan Ehl, Medizinischer Direktor am Centrum für Chronische Immundefizienz (CCI) des Universitätsklinikums Freiburg, schaffen. Es wird ab sofort von der Europäischen Kommission mit 1,2 Millionen Euro gefördert. 

Ziel der Forscherinnen und Forscher ist die Entwicklung einer sicheren Diagnostik und einheitlicher Behandlungspläne für Kinder, bei denen ein sogenannter Kombinierter Immundefekt gefunden wurde. 
 
„Unser Ziel ist, das Neugeborenen-Screening auf lebensbedrohliche Immundefekte in zwei bis drei Jahren in Deutschland eingeführt zu haben“ sagt Prof. Ehl. 

„Das Screening ermöglicht eine frühe Diagnose der Krankheiten, um mit einer rechtzeitigen Stammzelltransplantation etwa zehn bis 15 Kindern jährlich in Deutschland das Leben retten zu können“, fährt er fort.

  • In vielen Fällen ist eine solche Transplantation fremder Immunstammzellen die einzige Möglichkeit, um die Krankheiten zu heilen. Bislang gibt es allerdings keine standardisierten Vorgehensweisen für die Behandlung der seltenen Kombinierten Immundefekte.

In dem mit gut 200.000 Euro geförderten Projektteil des Centrums für Chronische Immundefizienz (CCI) am Universitätsklinikum Freiburg konzentrieren sich die Forscher unter Verwendung modernster Techniken darauf, Veränderungen des Immunsystems zu erforschen, die sich zur Verlaufsprognose einer Krankheit eignen könnten. „Dies ist die Voraussetzung dafür, dass bei den durch das Screening identifizierten Kindern zum richtigen Zeitpunkt eine Stammzelltransplantation durchgeführt werden kann“, sagt Prof. Ehl.

Darüber hinaus soll im Rahmen des EuroCID-Projekts die klinische Betreuung der Patienten systematisiert und auf europäischer Ebene vereinheitlicht werden, unter anderem mit derzeit laufenden Pilotprojekten in Frankreich und Italien. Dafür wird auch eine Zusammenarbeit mit dem Europäischen Immundefekt-Register angestrebt, das am CCI des Universitätsklinikums Freiburg angesiedelt ist. An dem Projekt sind insgesamt sieben Forschungsgruppen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Israel beteiligt.

In dem Projekt EuroCID werden sogenannte Kombinierte Immunerkrankungen (Combined Immundeficiencies, CID) erforscht, bei denen sowohl Abwehr-T-Zellen des Immunsystems als auch Antikörper produzierende B-Zellen beeinträchtigt sind.

Im Vergleich zu Schweren Kombinierten Immundefekten (Severe Combined Immunodeficiency, SCID) sind Restfunktionen des Abwehrsystems und damit ein Teilschutz gegenüber Viren, Bakterien und Pilzen erhalten.

Beide Formen können aber lebensbedrohlich verlaufen.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com


 








Über Google: Medizin am Abend Berlin

Prof. Dr. Stephan Ehl
Medizinischer Direktor
Centrum für Chronische Immundefizienz
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-77550
stephan.ehl@uniklinik-freiburg.de

Johannes Faber
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-84610
johannes.faber@uniklinik-freiburg.de
Benjamin Waschow Universitätsklinikum Freiburg

 institution logo

Harnwegsinfektionen bei Frauen und Männern....

Medizin am Abend Berlin Fazit: Harnwegsinfektionen: Wie sich Bakterien bei uns einnisten

Fast jede zweite Frau leidet mindestens einmal in ihrem Leben an einer Blasenentzündung. Und auch Männer trifft es gelegentlich. In achtzig Prozent der Fälle ist das Darmbakterium E. coli dafür verantwortlich. Es wandert über die Harnröhre zur Blase und löst dort schmerzhafte Entzündungen aus. In der Fachzeitschrift «Nature Communications» berichten Forscher der Universität Basel und der ETH Zürich, wie es dem Keim dank eines Proteins mit ausgeklügelter Schliesstechnik gelingt, sich an der Harnwegsoberfläche anzuheften und so sein Ausschwemmen mit dem Harn zu verhindern. 

Der Infektionserreger E. coli (grau) hält sich mithilfe des Proteins FimH (gelb/rot), das sich an der Spitze langer Zellfortsätze befindet, an den Zelloberflächen des Harntraktes fest.
Der Infektionserreger E. coli (grau) hält sich mithilfe des Proteins FimH (gelb/rot), das sich an der Spitze langer Zellfortsätze befindet, an den Zelloberflächen des Harntraktes fest. Maximilian Sauer, ETH Zürich
 
  • Viele Frauen wissen aus eigener Erfahrung wie schmerzhaft eine Blasenentzündung ist: Brennen beim Wasserlassen und ständiger Harndrang sind die typischen Symptome. Bei Blasenentzündungen, die oft wiederholt auftreten, ist der Hauptverursacher das Darmbakterium Escherichia coli. Es gelangt von aussen in den Harntrakt, heftet sich an und ruft Entzündungen hervor.

Die Forscher um Prof. Timm Maier vom Biozentrum und Prof. Beat Ernst vom Pharmazentrum der Universität Basel, sowie Prof. Rudolf Glockshuber vom Institut für Molekularbiologie und Biophysik der ETH Zürich haben nun herausgefunden, wie es den Bakterien gelingt, sich mit dem Protein FimH beim Urinausscheiden festzuhalten und dennoch die Harnröhre hinauf zu wandern.
  • Darmbakterium heftet sich mit Protein FimH an Zelloberflächen

Die Krankheitserreger besitzen lange fadenförmige Zellfortsätze an deren Ende das Protein FimH einen winzigen Haken bildet. Dieses Protein, welches sich an Zuckerstrukturen auf den Zelloberflächen des Harntraktes heftet, besitzt eine besondere Eigenschaft: Es bindet umso fester an die Zuckermoleküle, je stärker am Bakterium gezogen wird. 

  • Bei der Harnausscheidung entstehen durch den Flüssigkeitsstrom starke Zugkräfte, unter denen FimH das Bakterium so vor dem Ausschwemmen schützt.

«Durch die Kombination verschiedener biophysikalischer und biochemischer Methoden konnten wir das Bindungsverhaltens von FimH in bisher unerreichter Genauigkeit aufklären», so Glockshuber. In ihrer Studie zeigen die Wissenschaftler nun erstmals, wie mechanische Kräfte die Bindungsstärke von FimH regulieren. «Das Protein FimH besteht aus zwei Teilen, wobei der zweite, nicht-zuckerbindende Teil steuert, wie fest der erste an die Zuckermoleküle bindet», erläutert Maier. «Wenn beide Teile nun durch den Harnfluss auseinandergezogen werden, schnappt die Zuckerbindungsstelle zu. Lassen die Zugkräfte jedoch nach, öffnet sich die Bindungstasche. Jetzt können sich die Bakterien lösen und die Harnröhre hinauf wandern.»

Arzneistoffe gegen FimH zur Bekämpfung von Harnwegsinfektionen

Harnwegsinfektionen sind der zweithäufigste Grund für die Verschreibung von Antibiotika. Doch in Zeiten von zunehmenden Resistenzen rückt die Suche nach alternativen Behandlungsstrategien immer mehr in den Fokus. Zur Vorbeugung und Bekämpfung von E. coli-Infektionen wären Arzneistoffe, die bereits das erste Anheften von Bakterien mittels FimH in den Harnwegen blockieren, eine geeignete Alternative, weil damit der Einsatz von Antibiotika oft überflüssig würde.

Damit eröffnet sich die Möglichkeit, den hohen Antibiotikaeinsatz zu senken und der Entstehung von Resistenzen vorzubeugen. Prof. Ernst vom Pharmazentrum der Universität Basel beschäftigt sich seit mehreren Jahren intensiv mit der Entwicklung von FimH-Antagonisten. Die Resultate zur Funktionsweise von FimH werden diese Anstrengungen unterstützen und entscheidend zur Identifizierung eines Wirkstoffes beitragen.

Originalbeitrag
Maximilian M. Sauer, Roman P. Jakob, Jonathan Eras, Sefer Baday, Deniz Eriş, Giulio Navarra, Simon Bernèche, Beat Ernst, Timm Maier, Rudi Glockshuber
Catch-bond mechanism of the bacterial adhesin FimH
Nature Communications (2016), doi: 10.1038/ncomms10738
 

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com
 







Über Google: Medizin am Abend Berlin

Prof. Dr. Timm Maier, Universität Basel, Biozentrum, Tel. +41 61 267 21 76, E-Mail: timm.maier@unibas.ch
Prof. Dr. Rudolf Glockshuber, ETH Zürich, Institut für Molekularbiologie und Biophysik, Tel. +41 44 633 68 19, E-Mail: rudi@mol.biol.ethz.ch
Dr. Katrin Bühler, Universität Basel, Kommunikation Biozentrum, Tel. +41 61 267 09 74, E-Mail: katrin.buehler@unibas.ch