Medizin am Abend Berlin Fazit: Medizin am Abend Berlin Fazit: Auch Glück kann das Herz brechen
Das Syndrom des «gebrochenen Herzens», auch Takotsubo-Syndrom (TTS)
genannt, ist eine akute, meist durch emotionalen oder physischen Stress
ausgelöste Erkrankung. Auch psychiatrische oder neurologische Leiden
spielen eine bedeutende Rolle. Neue Auswertungen im Rahmen einer
weltweiten Studie, deren erste Ergebnisse im Jahr 2015 veröffentlicht
wurden, haben nun erstmals gezeigt, dass die Erkrankung auch nach einem
freudigen Erlebnis auftreten kann.
Die erkrankte Herzkammer (links) gleicht dem japanischen Tonkrug für den Tintenfischfang
Erste Ergebnisse der Studie, die im Rahmen des im Jahr 2011 von den
Kardiologen PD Dr. Dr. Christian Templin und Dr. Jelena-Rima Ghadri am
UniversitätsSpital Zürich eingerichteten Internationalen Takotsubo
Registers
(InterTAKregistry) durchgeführt wurde, veröffentlichte das New
England Journal of Medicine im September 2015.
- Dabei zeigten Templin
und Ghadri erstmals, dass neben negativen emotionalen oder physischen
Stressereignissen, wie der Verlust einer geliebten Person oder Mobbing
am Arbeitsplatz, auch akute neurologische Erkrankungen wie Hirnschlag,
Epilepsie oder Hirnblutungen zu TTS führen können.
Weitere Auswertungen der Studie, bei der sich unter Zürcher Leitung 26
kardiologische Zentren aus neun Ländern beteiligten und die 1‘750
Patientinnen und Patienten einbezog, liessen nun bei 485
Studienteilnehmern definitiv
auf emotionale Auslöser der
Takotsubo-Kardiomyopathie schliessen, wie eine neue Publikation im
European Heart Journal (siehe Hinweis am Ende der Mitteilung) aufzeigt.
Von diesen hatten 20 Personen, bzw. 4 Prozent,
eine akute
TTS-Erkrankung, der ein freudiges Ereignis vorausging, wie eine
Geburtstagsparty, eine Hochzeit, der Sieg des Lieblings-Rugby-Teams oder
die Geburt eines Enkelkindes.
Hingegen wiesen 96 Prozent der Patienten
ein negatives emotionales Ereignis auf. I
m Gegensatz zu diesen Patienten
mit dem «Broken-Heart Syndrom» nannten die Studienleiter die Erkrankung
derjenigen Studienteilnehmer, die ein freudiges Ereignis erlebten
«Happy-Heart Syndrom».
Neue Erkenntnisse für die klinische Anwendung
Die bisherigen Erkenntnisse, dass
vor allem Frauen nach der Menopause an
TTS erkranken, bestätigten sich auch in dieser Auswertung.
- Sowohl in
der «Happy-Heart»- wie in der «Broken-Heart»-Gruppe machten Frauen 95
Prozent der Erkrankten aus, wobei das Durchschnittsalter bei 65 Jahren
in der «Happy-Heart»- und bei 71 Jahren in der «Broken-Heart»-Gruppe
lag.
Die Ergebnisse sind deutlich, wie Dr. Ghadri sagt: «Einer
Takotsubo-Kardiomyopathie muss nicht zwingend ein negatives
Stressereignis vorausgehen.
Auch positive Emotionen können ein TTS
auslösen. Das wird Auswirkungen auf die Anamnese der Patienten haben.
Ärzte in den Notfallstationen und -praxen sollten wissen, dass Patienten
mit Anzeichen eines Herzinfarktes, wie Brustschmerz und Atemnot, die
zuvor ein fröhliches Erlebnis hatten, an einem Takotsubo-Syndrom leiden
könnten.
Genauso wie Patienten, die nach einer Stresssituation mit
diesen Symptomen vorstellig werden.»
Weitere Forschung nötig
PD Dr. Dr. Templin ergänzt: «Wir denken, dass beim TTS ein enger
pathophysiologischer Zusammenhang in Form einer
aktivierten
«Hirn-Herz-Achse» existiert. Diese Wechselwirkung zwischen Hirn und Herz
untersuchen wir derzeit in einer weiteren klinischen Studie näher
mittels
funktionellem MRI.»
Die Mechanismen der
Takotsubo-Kardiomyopathie bergen also noch Geheimnisse, die durch die
Kardiologen in künftigen Forschungsarbeiten der Studie gelüftet werden
sollen.
PD Dr. Dr. med. Christian Templin, Studienleiter, Kardiologe am USZ
Takotsubo-Kardiomyopathie
Die Takotsubo-Kardiomyopathie, auch als «Syndrom des gebrochenen
Herzens» bekannt, wurde erstmalig 1990 von japanischen Wissenschaftlern
beschrieben. Sie nannten die Erkrankung
«Takotsubo» (übersetzt
Tintenfischfalle), da die
linke Herzkammer in der Erkrankungsphase
diesen speziellen, zum Tintenfischfang benutzten Tonkrügen ähnelt (enger
Hals und bauchiger Körper).
Bei der Takotsubo-Kardiomyopathie handelt
es sich um eine akute Pumpfunktionsstörung des Herzens, welche
mehrheitlich Frauen betrifft.
Die Erkrankung ähnelt in der akuten Phase
einem Herzinfarkt, so dass eine Unterscheidung nur mittels
Herzkatheteruntersuchung gelingt, wobei sich – im Gegensatz zum
Herzinfarkt – offene Herzkranzgefässe nachweisen lassen.
Als Ursache
wird unter anderem eine vorübergehende Verkrampfung der kleinsten
Gefässe im Herzmuskel vermutet, die zu einer Minderdurchblutung bis hin
zum lebensbedrohlichen Pumpversagen führt.
Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:
www.medizin-am-abend.blogspot.com
Über Google: Medizin am Abend Berlin
PD Dr. Dr. Christian Templin
Leiter Akute Kardiologie, Oberarzt Interventionelle Kardiologie
Universitäres Herzzentrum Zürich
Klinik für Kardiologie
Telefon: 044 255 95 85
christian.templin@usz.ch
www.takotsubo-registry.com
Dr. Jelena-R. Ghadri
Universitäres Herzzentrum Zürich
Klinik für Kardiologie
Rämistrasse 100
8091 Zürich
jelena-rima.ghadri@usz.ch
www.takotsubo-registry.com
lic. phil. Martina Pletscher
UniversitätsSpital Zürich
Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://eurheartj.oxfordjournals.org/sites/default/files/pdf/ehv757.pdf - Vollversion des Papers. Link funktioniert nur bis zur Veröffentlichung.
http://eurheartj.oxfordjournals.org/content/early/recent - Link nach der Veröffentlichung
http://www.escardio.org - press release in English