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Falsche Ernährung: Armut gefährdet geistige Entwicklung von Kindern 49 essentiellen Nährstoffen

Medizin am Abend Fazit:   Falsche Ernährung: Armut gefährdet geistige Entwicklung von Kindern

Soziale Unterschiede zeigen sich auch bei Ernährung / Experte der Universität Hohenheim sprach gestern in Berlin auf Einladung der SPD-Bundestagsfraktion

Gesunde Ernährung ist auch eine Frage des Einkommens: Menschen mit wenig Geld ernähren sich im Durchschnitt schlechter. Prof. Dr. Hans K. Biesalski, Ernährungsmediziner an der Universität Hohenheim, warnt vor den Folgen vor allem bei Kindern. 


Er plädiert für eine bessere Nährwertkennzeichnung und mehr Aufklärung. Und er sieht die gesamte Gesellschaft in der Verantwortung. Gestern sprach er  zu dem Thema auf Einladung der SPD-Bundestagsfraktion auf der Konferenz „Wir können mehr als Currywurst – Gesunde Ernährung für alle“ in Berlin. 
 
Lebensmittel, die reich sind an essentiellen Nährstoffen, sind deutlich teurer als solche mit viel Fett und Energie. „Leute, denen wenig Geld zur Verfügung steht, ernähren sich qualitativ schlechter, und das hat nicht nur mit dem Bildungsstand zu tun“, erklärt Prof. Dr. Hans K. Biesalski, Direktor des Food Security Centers an der Universität Hohenheim.

Gesunde Ernährung für alle sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und ein Gebot sozialer Gerechtigkeit, meint der Experte. Lösungsansätze präsentiert er gestern auf der Berliner Konferenz der SPD-Bundestagsfraktion.

Am stärksten betroffen: Kleinkinder in armen Familien

Besonders im Fokus steht bei Prof. Dr. Biesalski die Ernährung von Kindern in den ersten beiden Lebensjahren. Das sogenannte 1000-Tage-Fenster ist der entscheidende Zeitraum – falsche Ernährung in dieser Zeit hat massive Konsequenzen für die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder“, warnt der Experte.

Armut sei ein wesentlicher Faktor, der die kognitive Entwicklung der Kinder beeinträchtigt. In der Folge könnten sie schlechtere schulische Leistungen zeigen und auch später im Leben oft noch Probleme haben.

„Übergewicht ist bei Kindern in Deutschland dreimal häufiger in armen Familien zu finden“, weiß Prof. Dr. Biesalski. Hinzu kämen immer mehr Menschen, die gleich mit zwei ernährungsbedingten Problemen zu kämpfen haben: Übergewicht und Mangelernährung.

Nährwertkennzeichnung als Instrument für gesunde Ernährung

Um eine Versorgung mit allen 49 essentiellen Nährstoffen zu gewährleisten, schlägt Prof. Dr. Biesalski ein einfach zu handhabendes Instrument vor: Die Nährwertkennzeichnung nach dem Nutrient Density Score (NDS).

Er spiegelt das Verhältnis von Nährstoffdichte zur Energiedichte eines Lebensmittels wider.

„Diese einfache Zahl ist wesentlich aussagekräftiger als die Prozentangaben des Tagesbedarfs, die momentan auf den Verpackungen zu finden sind“, erklärt Prof. Dr. Biesalski. Sie könne dazu beitragen, dass man sich und seine Kinder gesund ernährt, also „qualitativ gut und quantitativ nicht zu viel.“

Keine gesunde Ernährung zum Hartz-IV-Satz

Die problematischste Gruppe seien alleinerziehende junge Mütter, die von Hartz IV leben müssen. Nicht nur für sie sei mehr Ernährungsbildung dringend nötig, die am besten schon in der Schule ansetzen sollte.

Doch mit einem Hartz-IV-Regelsatz von 2,47 Euro pro Tag für Kinder bis vier Jahre sei keinesfalls eine gesunde Ernährung möglich. Überlegungen, wie man die Ernährung der Kinder verbessern könnte, sieht Prof. Dr. Biesalski im Verantwortungsbereich der Bundesländer.

Politik und Gesellschaft müssen handeln

Optionen wären zum Beispiel kostenloses Essen in Kitas und Ganztagsschulen. 

Auch die Kinderärzte sollten bei den ganz Kleinen genauer auf Mangelerscheinungen achten. 

„Dazu ist ein öffentlicher Diskurs erforderlich, wie man das Problem angehen kann und will“, meint Prof. Dr. Biesalski.

„Gänzlich außerhalb unseres Fokus sind Flüchtlinge und besonders Kinder, die häufig bereits mangelernährt bei uns ankommen“, mahnt der Ernährungsmediziner. 

„Hier bedarf es einer raschen Analyse des Zustandes und einer ebenso raschen Kompensation der Mangelernährung.“

Medizin am Abend DirektKontakt 

Prof. Dr. med. Hans Konrad Biesalski, Universität Hohenheim, Fachgebiet Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft
Tel.: 0711 459- 24112, E-Mail: biesal@uni-hohenheim.de
Elsner / Töpfer
Florian Klebs Universität Hohenheim

360° TOP - Einladung zur Kommentierung: NVL Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes

Medizin am Abend Fazit:

NVL Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes - 

Zur Kommentierung freigegeben

Die komplett überarbeitete "Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes" steht ab sofort bis zum 29.07.2015 zur öffentlichen Konsultation bereit. Fachkreise und Interessierte sind eingeladen, die Leitlinie kritisch zu begutachten und zu kommentieren. 
 
Veränderungen der Netzhaut als Folge einer Diabetes-Erkrankungen können das Sehvermögen dauerhaft schädigen und schlimmstenfalls zur Erblindung führen.

Ziel der "NVL Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes" ist es, die Versorgung von Menschen mit Diabetes mit drohenden oder bereits existierenden Netzhautschäden zu verbessern. Dazu soll unter anderem der Informationsfluss zwischen den an der Patientenversorgung beteiligten Ärzten – Hausärzte, Diabetologen und Augenärzte – optimiert werden, beispielsweise durch standardisierte Bögen zur Befundübermittlung.

Zudem soll das Bewusstsein von Menschen mit Diabetes für das Risiko von Netzhautveränderungen geschärft und ihre Bereitschaft zur Teilnahme an regelmäßigen Untersuchungen der Augen erhöht werden.

Die komplett überarbeitete "NVL Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes" steht zur öffentlichen Konsultation bereit.

Fachkreise und Interessierte sind eingeladen, ihre Kommentare bis einschließlich 29.07.2015 abzugeben.

Diese können nur dann bearbeitet werden, wenn sie mit dem Kommentierungsbogen per E-Mail an nvl@azq.de gesendet werden.

Die eingegangenen Kommentare werden nach Ablauf der Konsultationsphase an den NVL Expertenkreis weitergeleitet.

Diese Autorengruppe entscheidet dann nach sorgfältiger Prüfung über deren Berücksichtigung.

Das Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (NVL) steht unter der Trägerschaft von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.

Mit der Durchführung wurde das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin beauftragt. Zu ausgewählten Krankheitsbildern arbeiten Experten verschiedener Organisationen zusammen, um im Rahmen der strukturierten Versorgung chronisch kranker Menschen die angemessene und evidenzbasierte Patientenversorgung darzustellen.



Medizin am Abend DirektKontakt 

TiergartenTower Straße des 17. Juni 106 - 108
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Corinna Schaefer Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/diabetes-mellitus/dm-netzhautkomplika... - Konsultationsfassung "NVL Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes"

http://www.leitlinien.de/mdb/edocs/word/kommentierungsbogen-dm-netzhautkomplikat... - Kommentierungsbogen

http://www.leitlinien.de/nvl/ - Programm für Nationale Versorgungsleitlinien

Begrenzung des Zweitmeinungsverfahrens in Deutschland

Medizin am Abend Fazit


Studie: Jeder zweite Arzt kritisiert Begrenzung des Zweitmeinungsverfahrens / Standardisierung des Verfahrens würde die Kosten im Gesundheitssystem senken, sind sich Mediziner sicher

Asklepios Kliniken

53 Prozent der deutschen Ärzte kritisieren, dass eine Begrenzung des Zweitmeinungsverfahrens auf bestimmte Operationen und Eingriffe zu kompliziert ist - und zwar für Mediziner und Patienten. 

42 Prozent der Befragten sind sich sicher, dass eine neue Regelung die Kosten im Gesundheitssystem senken und unötige Operationen vermeiden würde. Dies sind Ergebnisse der Studie "Ärzte-Trendbefragung Zweitmeinungsverfahren" der Asklepios Kliniken Hamburg, für die über 100 Ärzte befragt wurden.

Die Notwendigkeit, das Zweitmeinungsverfahren nicht auf bestimmte Operationen und Eingriffe zu begrenzen, belegen auch Zahlen welche im Rahmen des Frühjahrsforums der Deutschen Hochschulmedizin 2013 präsentiert wurden.

Routinedaten haben ergeben, dass bei vielen Patienten der Wirbelsäulenchirugie ein zwölfwöchiger Versuch der Schmerzreduktion durch Arzneimittel nicht unternommen worden ist.

Zudem hatten nur 40 Prozent der Patienten der Wirbelsäulenchirugie in den Quartalen vor der Operation Kontakt zu einem ambulanten Facharzt. 

"Deutschlands Mediziner sollten ihren Patienten beim geringsten Zweifel zur zweiten Meinung raten, um so deren Gesundung bestmöglich zu forcieren", sagt Dr. Thomas Wolfram, Geschäftsführer und Sprecher der Asklepios Kliniken Hamburg.

Ärzte wurden nur von fünf Prozent ihrer Patienten auf eine zweite Meinung angesprochen 

Noch sind Deutschlands Ärzte davon weit entfernt. Im Durchschnitt legen die Mediziner nur 13 Prozent ihrer Patienten die Einholung einer weiteren Meinung nahe, so die "Ärzte-Trendbefragung Zweitmeinungsverfahren".

Selbst bei Bandscheibenvorfällen raten Mediziner nur in 23 Prozent zur Einholung einer zweiten Empfehlung. Ebenso ist auch nur ein geringer Anteil von Deutschlands Patienten beim Thema Zweitmeinung aktiv: Im Durchschnitt wurden die Ärzte nur von fünf Prozent ihrer Patienten darauf angesprochen, dass sie sich einen zweiten Ansprechpartner wünschen.

Dabei sind die Vorteile des Zweitmeinungsverfahrens für Experten eindeutig:

"Deutschlands Patienten haben viel bessere Entscheidungsmöglichkeiten, auch in Bezug auf alternative Behandlungen", sagt Dr. Wolfram. "Der behandelnde Arzt bekommt zudem mehr Sicherheit, da seine Behandlungsempfehlung mit hoher fachlicher Expertise überprüft werde." Auch der Facharzt hat einen Vorteil: "Fachmediziner können auf eine standardisierte Qualitätssicherung zurückgreifen, die ihre Empfehlung absichert - diese Transparenz stärkt auch das Vertrauen des Patienten", so Wolfram. 

Ärzte würden häufiger zum Zweitmeinungsverfahren raten, wenn Krankenkassen die Kosten übernehmen würden 

Bei der Nachfrage nach dem Zweitmeinungsverfahren spielt auch das Thema Finanzierungssicherheit eine große Rolle: So geben vier von zehn Medizinern an, dass ihre Patienten oft unsicher darüber sind, ob ihnen zusätzliche Kosten entstehen. Mit einem standardisierten Zweitmeinungsverfahren würde sich das ändern. Mehr als ein Drittel der befragten Ärzte würde sogar öfter eine zweite Meinung empfehlen, wenn sichergestellt wäre, dass die Krankenkassen die Kosten dafür lückenlos übernehmen würden.
Die Asklepios Kliniken in Hamburg bieten ihren Patienten aktiv eine Zweitmeinung in einer Vielzahl medizinischer Fachbereiche wie etwa Gefäßmedizin, Kardiologie, Neuromedizin und Rückenmedizin an.

Hintergrundinformation 

Im April 2015 führten die Asklepios Kliniken Hamburg eine Studie zum Thema "Zweitmeinungsverfahren in Deutschland" durch. Dafür wurden bundesweit 103 Ärzte aller Fachrichtungen befragt, darunter 53 Klinikärzte und 50 niedergelassene Ärzte. Auf Anfrage erhalten Sie Infografiken mit den detaillierten Umfrageergebnissen.

Über Asklepios 

Asklepios zählt zu den führenden privaten Betreibern von Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland. Die Klinikkette verfolgt eine verantwortungsvolle, auf hohe Sicherheit und Qualität ausgerichtete nachhaltige Strategie. Auf dieser Basis hat sich Asklepios seit der Gründung vor fast 30 Jahren dynamisch entwickelt. Aktuell verfügt der Konzern bundesweit über rund 140 Gesundheitseinrichtungen und beschäftigt mehr als 45.000 Mitarbeiter. Im vergangenen Geschäftsjahr 2014 wurden rund 2,2 Mio. Patienten in Einrichtungen des Asklepios-Konzerns behandelt.

In der Metropolregion Hamburg betreibt Asklepios den größten Krankenhausverbund an einem europäischen Standort. Mit 60 Fachdisziplinen von Augen- bis zur Zahnheilkunde und mehr als 170 verschiedenen Abteilungen ist Asklepios in den Stadtgebieten Altona, Barmbek, Harburg, Nord (Ochsenzoll/Heidberg), St. Georg, Wandsbek und Rissen vertreten. Die medizinischen Fachexperten versorgen am Standort jährlich rund 550.000 Patienten stationär und ambulant. In der Hansestadt wird jeder zweite Krankenhauspatient in einer Asklepios-Klinik behandelt. Der Klinikbetreiber beschäftigt in der Hansestadt über 13.000 Mitarbeiter, darunter rund 2.000 Ärzte, und ist somit einer der größten privaten Arbeitgeber und mit 1.400 Auszubildenden der größte Ausbildungsbetrieb Hamburgs.

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Asklepios Kliniken Tel.: (0 40) 18 18-82 66 36 

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Angehende Ärzte: Erlernen von Entspannungstechniken zur Stressbewältigung http://www.doeak2015.de/

Medizin am Abend Fazit:   Angehenden Ärzten drohen Depression und Burn-out

Medizin gilt als eines der Fächer, in dem die Studierenden besonders gefordert werden. Das bleibt nicht ohne Folgen: Dramatisch viele Medizinstudierende zeigen schon im Grundstudium Symptome von stressbedingten Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. Das belegen aktuelle Studien von Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Die Forscher vermitteln aber auch Strategien, wie die Studierenden schon frühzeitig lernen können, stressbedingten Risikofaktoren vorzubeugen. 
 
„Uns ist aufgefallen, dass unsere Studierenden in Sprechstunden mit ihren Dozenten über die Jahre mehr und mehr von Stress und Prüfungsangst berichteten“, sagen die Leiter der Studie, Prof. Dr. Michael Scholz vom Institut für Anatomie der FAU und Dr. Pascal Burger von der psychiatrischen und psychotherapeutischen Spezialklinik Meissenberg im schweizerischen Zug. Deshalb haben die FAU-Forscher in ihrer Studie mehrere Jahrgänge von Medizinstudierenden vom Start an der Universität bis zum ersten Staatsexamen am Ende des vierten Semesters untersucht. Dazu haben die Studierenden Fragebögen zu verschiedenen Aspekten ihrer mentalen Befindlichkeit ausgefüllt, die anschließend wissenschaftlich ausgewertet wurden.

Das Ergebnis: Zu Beginn des Studiums entspricht der Gesundheitszustand der angehenden Mediziner dem der Normalbevölkerung.

Mit steigender Semesterzahl nehmen jedoch Depressivität, Ängstlichkeit und Burn-out-Beschwerden deutlich zu. Am Ende des zweiten Studienjahres war die Zahl der zumindest leicht depressiven Studierenden fast doppelt so hoch wie bei den Studienanfängern. Gleichzeitig waren immer weniger Studierende in der Lage, Abstand zu den Belastungen des Studiums zu gewinnen, lernten zum Beispiel Tage und Wochen am Stück ohne große Pausen, und liefen dadurch vermehrt Gefahr auszubrennen. Je ausgeprägter dieses Lernverhalten war, desto ausgeprägter waren Stresssymptome der Studierenden.

Die Schlussfolgerung der Erlanger Forscher: 

 „Wer angehenden Ärzten beibringt, die Gesundheit von Patienten zu steuern, muss ihnen auch beibringen, den eigenen Stress zu managen.“ Schließlich müssen sich Mediziner bereits von Anfang an im Studium und auch später im Beruf großen psychischen Belastungen stellen.

Wie wirkungsvoll bestimmte Stressbewältigungstechniken sind, haben die FAU-Mediziner in einer weiteren Studie untersucht. Dabei erhielten Studierende im Rahmen eines Wahlfaches Einführungen in die Anwendung von Entspannungstechniken wie zum Beispiel Autogenem Training und Progressiver Muskelentspannung. Ziel war es, den Studierenden diese Techniken so lehren, dass sie sie selbstständig und regelmäßig anwenden können.  

Die Ergebnisse waren eindeutig: Die mentale Befindlichkeit der Teilnehmer besserte sich nach Kursabschluss deutlich.

„Obwohl an unseren Studien nur Studierende der Universität Erlangen-Nürnberg teilgenommen haben, sind unsere Ergebnisse auch auf andere Universitäten übertragbar, zumal internationale und an anderen deutschen Hochschulstandorten durchgeführte Studien durchaus vergleichbare Resultate erbrachten“, erklärt Professor Scholz.

Aufgrund ihrer Ergebnisse planen die Forscher, ein Wahlfach zum Erlernen von Entspannungstechniken zur Stressbewältigung für Medizinstudierende ab dem nächsten Wintersemester regelmäßig anzubieten.


Medizin am Abend DirektKontakt 

Prof. Dr. Michael Scholz
Tel.: 09131/85-26745
michael.scholz@fau.de
Dr. Susanne Langer
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

360° TOP-Thema: Wie Cortisol furchteinflößende Erinnerungen aufrechterhält

Medizin am Abend Fazit:   Wie Cortisol furchteinflößende Erinnerungen aufrechterhält

Das Stresshormon Cortisol verstärkt Erinnerungen an furchteinflößende Erlebnisse. Es übt seinen Einfluss aber nicht nur aus, während die Erinnerung zum ersten Mal gebildet wird, sondern auch später, wenn Menschen an das Erlebnis zurückdenken und sich die Erinnerung erneut festigt. Das berichten Kognitionspsychologen der Ruhr-Universität Bochum (RUB) in der Zeitschrift „Neuropsychopharmacology“. Sie vermuten, dass die Ergebnisse Phänomene bei Angststörungen und Posttraumatischer Belastungsstörung erklären können.
Erinnerungen an emotionale Erlebnisse verblassen normalerweise mit der Zeit

Starke Erinnerungen an stressige Erlebnisse kommen häufig vor, verblassen in der Regel aber im Lauf der Zeit.

Menschen mit Angststörungen oder Posttraumatischer Belastungsstörung hingegen leiden unter furchteinflößenden Erinnerungen, die sie immer wieder heimsuchen. 

Es war bereits bekannt, dass das Stresshormon Cortisol die Konsolidierung von Erinnerungen beeinflusst, also den mehrstündigen Prozess, in dem eine Erinnerung direkt nach dem Erlebnis gebildet und gefestigt wird.

Cortisol wirkt während der Rekonsolidierung von emotionalen Erinnerungen

Die RUB-Forscher zeigten, dass Cortisol auch während der sogenannten Rekonsolidierung bei Menschen wirkt, also während sie Erinnerungen abrufen und dabei erneut festigen.  

Das Stresshormon kann diesen Prozess verstärken.

„Die Ergebnisse können erklären, warum bestimmte unerwünschte Erinnerungen, etwa bei Angststörungen oder Posttraumatischer Belastungsstörung bestehen bleiben“, sagt Prof. Dr. Oliver Wolf.

Erinnert sich ein Mensch an ein furchteinflößendes Erlebnis, während er einen erhöhten Stresshormonspiegel hat, festigt das die Erinnerung an das Erlebnis besonders stark.

Das Experiment

Die Probanden nahmen an drei aufeinanderfolgenden Tagen an der Studie teil, die Shira Meir Drexler, RUB-Doktorandin in der International Graduate School of Neuroscience, durchführte. Am ersten Tag lernten sie eine Assoziation zwischen bestimmten geometrischen Formen und einem unangenehmen elektrischen Schlag. Am zweiten Tag erhielten einige Probanden eine Cortisoltablette, andere ein Placebo. Anschließend wurde Ihnen eine der geometrischen Formen gezeigt, die mit dem Stromschlag zusammenhingen. Am dritten Tag testeten die Forscher, wie gut sich die Probanden an die geometrischen Formen erinnerten. Teilnehmer, die Cortisol eingenommen hatten, erinnerten sich besonders gut an die furchtassoziierte Form, welche sie am Vortrag erneut gesehen hatten. Das äußerte sich in einer erhöhten Hautleitfähigkeit, welche ein etabliertes Maß für emotionale Erregung ist.

Die DFG-Forschergruppe „Extinction Learning“ (FOR 1581) förderte die Studie.

Titelaufnahme

S.M. Drexler, C.J. Merz, T.C. Hamacher-Dang, M. Tegenthoff, O.T. Wolf (2015): Effects of cortisol on reconsolidation of reactivated fear memories, Neuropsychopharmacology, DOI: 10.1038/npp.2015.160

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Oliver T. Wolf, Lehrstuhl für Kognitionspsychologie, Institut für Kognitive Neurowissenschaft, Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-22670, E-Mail: Oliver.T.Wolf@rub.de
Dr. Julia Weiler Ruhr-Universität Bochum

Miniaturpumpe regelt Augeninnendruck: Glaukom, Phthise

Medizin am Abend Fazit:   Miniaturpumpe regelt Augeninnendruck

Erhöhter oder zu geringer Augendruck beeinträchtigt unser Sehvermögen und führt im schlimmsten Fall zur Erblindung. Bislang gibt es keine langfristig wirksame Therapie. Fraunhofer-Forscher entwickeln ein implantierbares Mikrofluidsystem: Mit diesem lässt sich der Augeninnendruck wirksam und dauerhaft stabilisieren. 

Querschnitt des Auges mit Implantat.
Querschnitt des Auges mit Implantat. © Fraunhofer EMFT
 
Glaukom und Phthise sind unheilbare und tückische Augenerkrankungen. 

Während beim Glaukom das Kammerwasser im Auge nicht richtig abfließen kann und der Augeninnendruck dadurch steigt, wird bei der Phthise zu wenig Kammerwasser produziert. Das Auge schrumpft in sich zusammen – man spricht daher auch von Augapfelschwund.

In beiden Fällen heißt das für die Betroffenen schwere Sehstörungen bis hin zur Erblindung. Derzeitige Therapien können den Krankheitsverlauf zwar verlangsamen, sind allerdings nur für eine gewisse Zeit wirksam.

Beim Glaukom etwa schafft man operativ einen zusätzlichen künstlichen Abfluss in der vorderen Augenkammer. Das Problem: Bei rund einem Viertel der Patienten kommt es nach dem Eingriff zu Vernarbungen, die den Kammerwasserabfluss behindern – der Augendruck steigt wieder, die Operation muss wiederholt werden. 

Im Fall von Phthise wird dem Patienten dagegen in regelmäßigen Abständen Flüssigkeit wie etwa Hyaluronsäure ins Auge injiziert eine unangenehme Prozedur, die ein Erblinden über kurz oder lang dennoch nicht verhindern kann.

Forscher der Fraunhofer-Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörper-Technologien EMFT arbeiten an einem neuen Therapieansatz: Im Projekt MIKROAUG, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm KMU Innovativ gefördert wird, entwickeln sie zusammen mit mehreren mittelständischen Unternehmen ein aktives Implantat, das den Augendruck effektiv und dauerhaft regulieren soll. Die Geuder AG koordiniert das Vorhaben. »Damit ersparen wir dem Patienten nicht nur belastende Folgeoperationen, sondern können das Sehvermögen über einen längeren Zeitraum erhalten und im besten Fall ein Erblinden komplett verhindern«, sagt Christoph Jenke, Projektleiter an der EMFT.

Implantat wird auf dem Augapfel angebracht

Das Implantat besteht aus einem Mikropumpensystem, einer sensorbasierten Pumpensteuerung, einem integrierten Akku zur kontaktlosen Energieversorgung sowie einem Telemetriemodul zur Datenübertragung.

Es lässt sich direkt auf dem Augapfel aufbringen. »Das Implantat soll der Patient natürlich nicht spüren und auch die Augenbewegung darf nicht eingeschränkt werden«, so Jenke. Die Systemkomponenten mussten daher miniaturisiert werden. Mit einer Größe von nur 7x7x1 Kubikmillimeter haben die Münchner Forscher eine winzige, biokompatible Silizium-Mikromembranpumpe mit einer Förderrate von maximal 30 Mikroliter pro Sekunde entwickelt.  

Je nach Krankheitsbild kann sie das Auge benetzen oder Kammerwasser abpumpen.

Die Experten nutzen dabei die natürlichen Abflusswege im Auge, so dass es zu keinen Vernarbungen kommt. In regelmäßigen Überwachungszyklen kann der behandelnde Mediziner nach einer konventionellen Augendruckmessung ambulant die Flüssigkeitsmenge auf den gewünschten Wert einstellen. Langfristig soll das System mit einem implantierbaren Sensor kombiniert und automatisch geregelt werden. Der neue Therapieansatz ist nicht nur schonender für den Patienten, sondern bietet weitere Vorteile: So lässt sich der Augendruck wesentlich exakter einstellen als bei medikamentösen Behandlungen oder Operationen.

Bislang führt die Phthise unweigerlich zum Erblinden und meist muss das Auge darüber hinaus aus kosmetischen Gründen entfernt werden. 

»Da bei der Phthise die fehlende Augenwasserproduktion der ausschließliche Krankheitsauslöser ist, sind wir optimistisch, den Krankheitsverlauf stoppen und das Augenlicht dauerhaft erhalten zu können«, so Jenke. »Unser Implantat imitiert quasi die natürliche Kammerwasserproduktion eines gesunden Auges«.

Derzeit bauen die Partner einen Funktionsdemonstrator auf, der alle Qualitätsanforderungen bezüglich Platz, Energiemanagement, Pumpensteuerung und Mikrofluidik im Labormaßstab erfüllt. Anschließend stehen weitere Zuverlässigkeits- und Lebensdauertests an. Ein weiterer Arbeitspunkt ist die hermetisch dichte Verbindung des Mikropumpenchips am Titangehäuse des Implantats.

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Beate Koch
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Fax: 089/1205-75 15
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77.500 Menschen nicht krankenversichert

Medizin am Abend Fazit

Ungeachtet der seit Jahren in Deutschland geltenden Krankenversicherungspflicht sind hochgerechnet noch immer rund 77.500 Menschen nicht versichert.

Durch gesetzliche Anreize konnte die Zahl der Nichtversicherten in den vergangenen Jahren allerdings schon deutlich gesenkt werden, wie Staatssekretärin Ingrid Fischbach (CDU) am Mittwoch (gestern) im Gesundheitsausschuss berichtete.

Demnach lag die Zahl der Nichtversicherten im Jahre 2003 noch bei rund 188.000 Fällen, 2011 waren es rund 137.000. 

Seit April 2007 gilt in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) eine Versicherungspflicht, in der Privaten Krankenversicherung (PKV) seit Anfang 2009.

Wer der Versicherungspflicht verspätet nachkam, musste zunächst zusätzlich zu den offenen Beiträgen einen Säumniszuschlag in Höhe von fünf Prozent pro Monat zahlen. Dies führte zu einer enormen Anhäufung von Beitragsschulden.

In der Folge beschloss der Bundestag 2013 das "Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung".

Das Gesetz beinhaltete eine Stichtagsregelung, wonach Nichtversicherte, die bis Ende 2013 bei einer Krankenkasse eine Mitgliedschaft beantragten, von Säumniszuschlägen und Altbeiträgen befreit wurden. 

Wer sich erst ab 2014 versicherte, musste Säumniszuschläge in Höhe von einem Prozent entrichten.

Zudem sollten die Kassen den Neuversicherten die nachzuzahlenden Beiträge angemessen ermäßigen. 

In der PKV wurde ein Notlagentarif eingeführt.

Bis August 2014 kamen den Angaben zufolge rund 55.000 bis dahin Nichtversicherte neu in die GKV.

Hinzu kommen rund 4.500 Nichtversicherte, die bis Ende 2013 in die PKV wechselten.

Unter den bis heute nicht krankenversicherten Menschen in Deutschland sind laut Fischbach viele Ausländer.

Das gelte zum Beispiel für EU-Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien. In vielen Fällen sei hier die Vorversicherung nicht ohne weiteres zu ermitteln.

Hinzu kommen Asylbewerber und Personen ohne Asylantrag, die sich in Deutschland ausreisepflichtig aufhalten. 

Nach einer Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes (AsylbLG) im März 2015 sind die eingeschränkten Grundleistungen nun auf 15 Monate beschränkt, während es zuvor 48 Monate waren.

In den ersten 15 Monaten bekommen Flüchtlinge lediglich eine Akut- und Schmerzversorgung. Anschließend haben sie Anspruch auf eine Versorgung auf GKV-Niveau.

Das gilt auch für psychotherapeutische Behandlungen.

Eine weitere Gruppe von Nichtversicherten sind Obdachlose und sogenannte kleine Selbstständige, die offenkundig nicht in der Lage sind, ihre Beiträge zu zahlen. 

Fischbach merkte an, in einigen Fällen sei den Betroffenen womöglich nicht klar gewesen, dass es mit der befristeten Beitragsamnestie eine sehr günstige Rückkehrmöglichkeit in die Krankenversicherung gegeben habe.

Streik an der Charité wird ausgesetzt



Medizin am Abend Fazit:  Gemeinsames Eckpunktepapier

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die Gewerkschaft ver.di haben sich 
auf ein gemeinsames Eckpunktepapier verständigt, das die Basis für einen künftigen Tarifvertrag ist. Mit der Unterzeichnung des Papiers von beiden Seiten wird der Streik an der Charité ausgesetzt.

Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité, erklärt: „Es waren harte Verhandlungstage und wir haben ein Ergebnis erzielt, das sicher für beide Seiten schwierig ist. Die Charité muss nun die Frage beantworten, wie sie die personelle Aufstockung finanzieren kann, da das gegenwärtige Finanzierungssystem dies nicht hergibt. Wobei wir uns von Anfang an mit ver.di einig waren, dass die Pflegeausstattung in den Krankenhäusern insgesamt verbessert werden muss.“

Prof. Dr. Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité und Verhandlungsführer für den Arbeitgeber, ergänzt: „Wir sind froh, dass wir uns mit ver.di auf eine Vereinbarung verständigen konnten, die die Arbeitsbedingungen verbessert. Wir sind erleichtert, dass die Patientenversorgung ab Freitag wieder normal und im gewohnten Umfang erfolgen kann.“

Beide Parteien betonen, dass sie darin übereinstimmen, dass politische Maßnahmen zur Verbesserung der Personalausstattung im Krankenhaus auch weiterhin notwendig seien. Charité und ver.di werden den Tarifvertrag „Gesundheitsschutz und Demographie“ vereinbaren, um Überlastungssituationen zu identifizieren und zu beseitigen. Die Tarifpartner erhoffen sich, dass die gewählten Lösungen ein Anstoß für weitere Verbesserungen in der Personalausstattung im Krankenhaus sind.

Für die Intensivmedizin wird nach der Vereinbarung eine Qualitätsrichtlinie entwickelt, die eine Mindestpersonalausstattung in Abhängigkeit vom Schweregrad des Patienten definiert. Für alle übrigen stationären Bereiche sowie für den Nachtdienst haben beide Seiten eine Verbesserung der Personalausstattung vereinbart.

Darüber hinaus wurde festgelegt, was unter einer Überlastungssituation zu verstehen ist und wie darauf reagiert werden muss. Ein neu eingerichteter Gesundheitsausschuss wird sich mit gesundheitsverbessernden Maßnahmen und insbesondere mit den Folgen des demografischen Wandels, d.h. mit dem Altersanstieg der Mitarbeiterschaft, beschäftigen.



Medizin am Abend DirektKontakt

Uwe Dolderer
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 570 400

360° TOP-Thema: Nationale Stillkommission und BfR empfehlen Müttern, weiterhin zu stillen

Medizin am Abend Fazit: 
Veröffentlichte Werte zu Glyphosat in Muttermilch führen zu einer Aufnahme bei Säuglingen, die weit unter dem gesundheitlich abgeleitetem Richtwert liegt 
 
Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hat am 25. Juni 2015 berichtet, dass ein Labor in 16 Muttermilchproben den Pflanzenschutzmittelwirkstoff Glyphosat gemessen hat, und diese Messungen als „sehr besorgniserregend“ bezeichnet. 


Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Nationale Stillkommission schätzen die gemessenen Gehalte von bis zu 0,43 Nanogramm (ng) pro Milliliter (ml) als gesundheitlich unbedenklich ein. Die veröffentlichten Werte würden bei Neugeborenen zu einer Glyphosataufnahme führen, die um einen Faktor von mehr als 4000 niedriger liegt als der in der EU abgeleitete Richtwert, bei dem keine gesundheitlichen Risiken zu erwarten sind. Darüber hinaus bestehen erhebliche Zweifel an der Methodik des Tests. Die Nationale Stillkommission und das BfR weisen anlässlich von Anrufen besorgter Mütter darauf hin, dass Muttermilch nach wie vor die natürliche und damit beste Nahrung für Säuglinge ist.  

Mütter sollten sich nicht verunsichern lassen und wie bisher stillen.

Muttermilch ist die beste Nahrung für Säuglinge. Sie ist gut verdaulich und so zusammengesetzt, dass sie im ersten Lebenshalbjahr den Bedarf an Nährstoffen und Flüssigkeit deckt. 

Säuglinge, die vier bis sechs Monate lang ausschließlich gestillt wurden, haben ein deutlich geringeres Infektionsrisiko zum Beispiel bei Atemwegsinfekten. 

Weitere Krankheiten, die bei gestillten Kindern im späteren Leben seltener auftreten können, sind Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2.

Die Nationale Stillkommission empfiehlt daher, Säuglinge mindestens bis zum Beginn des fünften Monats ausschließlich zu stillen und auch nach Einführung der Beikost weiter zu stillen, so lange Mutter und Kind mögen.

Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand reichert sich Glyphosat aufgrund seiner physikalisch-chemischen Eigenschaften nicht im Fettgewebe an.

Auch in den vorliegenden Tierversuchen ist keine Affinität zum Fettgewebe beobachtet worden und die Ausscheidung in der Milch von Kühen war vernachlässigbar gering.

In Bezug auf die verwendete ELISA-Methode bestehen zudem Zweifel an deren Zuverlässigkeit für die Analyse von Muttermilch. Die dem BfR bekannten ELISA-Tests sind für die Bestimmung von Glyphosat in Wasserproben validiert, eine Eignung für Milch und andere fetthaltige Matrices ist nicht belegt. Es gibt eine Vielzahl von Studien, die keine Hinweise auf eine Anreicherung im Organismus erbracht haben. Aus den dem BfR vorliegenden Informationen geht nicht hervor, ob der Test vorher für alle untersuchten Matrices (Muttermilch, Urin) validiert wurde. Dies ist für eine gültige Aussage erforderlich, da die Bestimmungsgrenzen in den verschiedenen Matrices sehr unterschiedlich sein können. Die veröffentlichten Gehalte in 16 Muttermilchproben lagen in einem relativ engen Bereich zwischen 0,21 und 0,43 ng pro ml. Die empfindlichste in der Überwachung eingesetzte Analysenmethode erlaubt jedoch nur eine Bestimmungsgrenze von 10 ng pro ml. Die berichteten Gehalte in Muttermilch liegen also deutlich darunter und können ohne genaue Aussagen zur verwendeten Analysenmethode nicht beurteilt werden.

Das BfR hat auf Basis der veröffentlichten Glyphosatgehalte in Muttermilch berechnet, ob gesundheitliche Richtwerte überschritten werden würden. Neugeborene haben - bezogen auf ihr Körpergewicht - im Vergleich zu älteren Kindern den höchsten Flüssigkeitsbedarf von ca. 150 ml pro kg Körpergewicht täglich. Bei Zugrundelegung des höchsten gemessenen Gehaltes ergibt sich für ein ausschließlich gestilltes Neugeborenes eine tägliche Glyphosataufnahme von 0,000065 mg pro kg Körpergewicht. Für die Aufnahme von Rückständen aus Lebensmitteln wurde in der EU eine akzeptierte tägliche Aufnahmemenge (ADI, Acceptable Daily Intake) von 0,3 mg pro kg Körpergewicht abgeleitet, bei der keine gesundheitlichen Risiken zu erwarten sind. Damit liegt die berechnete Glyphosataufnahme eines Neugeborenen um einen Faktor von mehr als 4000 niedriger als der gesundheitlich abgeleitete Richtwert für eine unbedenkliche Aufnahme. Die Nationale Stillkommssion und das BfR kommen zu dem Ergebnis, dass es wissenschaftlich nicht begründbar ist, bei dieser Größenordnung eine Besorgnis festzustellen, selbst wenn man Neugeborene für empfindlicher hält als im genannten ADI-Wert berücksichtigt.

In der Mitteilung der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen wurde außerdem problematisiert, dass in den Muttermilchproben die festgestellten Glyphosatrückstände oberhalb von 0,1 ng pro ml lagen, was dem Trinkwasserhöchstgehalt für Pestizide entspricht.

Eine Überschreitung des Trinkwasserhöchstgehaltes, wie dies für Glyphosatfunde aus der Muttermilch angenommen wird, bedeutet nicht, dass ein gesundheitliches Risiko besteht, da der Trinkwasserhöchstgehalt ein Vorsorgewert für alle Pestizide ist und nicht toxikologisch für einzelne Wirkstoffe abgeleitet wird. Für Pestizidrückstände in Babynahrung liegt der maximal zulässige Höchstgehalt bei 10 ng pro Gramm (g) Fertignahrung. Dieser Höchstgehalt liegt somit um etwa hundertfach höher als der zitierte Trinkwasserwert.

Grundsätzlich ist zu gemessenen Gehalten von Fremdstoffen in Muttermilch an dieser Stelle abschließend festzustellen, dass durch den enormen Fortschritt der analytischen Methodik in den letzten 30 Jahren heute fast jede Substanz bei entsprechendem Aufwand auch in Muttermilch nachzuweisen ist. Der alleinige Nachweis kann daher kein ausreichender Grund für eine Besorgnis sein; entscheidend ist in jedem Fall die Höhe der Gehalte, die gesundheitlich zu bewerten ist.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.



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http://www.bfr.bund.de/cm/343/einschaetzung-zu-gehalten-von-glyphosat-in-mutterm... Mitteilung des BfR

Mini-Mental-Status-Test (MMST) - Gesundheit im Gehirn

Medizin am Abend Fazit:   Gesunde Ernährung schützt das Gehirn

Patienten mit einem hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden und Schlaganfälle können sich womöglich durch gesunde Ernährung vor geistigem Abbau schützen. 

Zusatzlink von Medizin am Abend:

http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2015/06/rk20150610_2bvr196712.html 


„Die Auswertung zweier großer Untersuchungen mit fast 30.000 Teilnehmern durch die kanadischen Kollegen zeigt, dass gesunde Essgewohnheiten das Risiko kognitiver Einschränkungen und demenzieller Erkrankungen im Alter tatsächlich verringern können“, kommentiert Professor Dr. Agnes Flöel von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. 
 
„Die Erkenntnisse sind ein weiterer Schritt auf dem Weg zu soliden wissenschaftlichen Empfehlungen, um das Demenzrisiko für Patienten wie auch Gesunde zu senken“, so die Leiterin der Arbeitsgruppe Kognitive Neurologie an der Klinik für Neurologie der Charité in Berlin.

Welche Nährstoffe für den positiven Effekt verantwortlich sind und ob auch andere Faktoren wie eine verminderte Kalorienzufuhr positiv auf das Gehirn wirken, wird derzeit weltweit intensiv untersucht.

Auch auf dem 88. Neurologenkongress, der mit rund 6000 Experten für Gehirn und Nerven vom 23. bis 26. September in Düsseldorf stattfindet, wird das Thema diskutiert.

Für die Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlicht wurde, hat ein Forscherteam um Andrew Smyth von der McMaster University im kanadischen Hamilton die Daten von zwei großen Untersuchungen zur Wirkung blutdrucksenkender Medikamente neu ausgewertet.

Das Ergebnis: Die Studienteilnehmer, die sich am gesündesten ernährten, hatten ein um 24 Prozent geringeres Risiko für geistigen Abbau im Vergleich zu denen, die sich besonders ungesund ernährten.

Als „gesund“ galt dabei eine Diät mit viel Obst, Gemüse, Nüssen oder Eiweiß aus Soja sowie bei tierischen Nahrungsmitteln die Formel „mehr Fisch als Fleisch“ – im Gegensatz zum Konsum von zum Beispiel viel frittiertem Essen oder Alkohol.

„Die Ergebnisse legen nahe, dass gesunde Essgewohnheiten nicht nur das Herz-Kreislauf-Risiko sondern auch das Risiko für kognitive Störungen, insbesondere bezüglich Aufmerksamkeits- und Kontrollfunktionen, aber auch von Gedächtnisstörungen, senken könnten“, erläutert Flöel. Den deutlichen Unterschied von 24 Prozent zwischen dem besten und dem schlechtesten Fünftel der Teilnehmer hält sie in dieser großen, multinationalen Studie für bemerkenswert.

Zusammenhang zwischen Essgewohnheiten und kognitiven Leistungen

Die 27.860 Teilnehmer der Studie aus 40 Ländern waren mindestens 55 Jahre alt, sie litten an Herzerkrankungen oder hatten ein hohes Risiko für die Zuckerkrankheit.

Gemessen wurde die geistige Leistung anhand des Mini-Mental-Status-Test (MMST), einem Standardtest zur Diagnose von Demenz und Alzheimer.

Der MMST wird als Interview durchgeführt. Anhand von festen Aufgabenkomplexen werden zentrale kognitive Funktionen überprüft, wie zeitliche und räumliche Orientierung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Sprachverständnis, Lesen, Schreiben, Zeichnen und Rechnen. In der Studie wurde der Test zu Beginn der Untersuchung und nach fünf Jahren durchgeführt. In diesem Zeitraum beobachteten die Forscher etwa bei jedem sechsten Studienteilnehmer eine Verschlechterung der kognitiven Leistungen. Diese Informationen stellten Smyth und Kollegen dann den Ergebnissen aus einer Befragung zu den Essgewohnheiten der Studienteilnehmer gegenüber.

Auch Fasten und Bewegung helfen dem Gehirn

Flöel hält es allerdings auch für möglich, dass die errechnete Risikoreduktion nicht allein auf das gesunde Essen zurückgeht, sondern auch eine Folge der verminderten Kalorienzufuhr sein könnte. Die Forscherin selbst hat die positiven Auswirkungen solch einer „kalorischen Restriktion“ bereits vor einigen Jahren am Universitätsklinikum Münster nachgewiesen. Damals konnte Flöel zeigen, dass ältere Versuchspersonen im Anschluss an eine dreimonatige verringerte Kalorienzufuhr besser lernten: Die Lernleistung stieg um 20 Prozent gegenüber der Vergleichsgruppe.  

Dieser Effekt beruht möglicherweise auf einem verbesserten Glukose-Stoffwechsel und einer damit verbundenen, positiven Wirkung auf insulinabhängige Stoffwechselwege im Gehirn, vermutet Flöel.

In der aktuellen Studie hatten die Forscher zwar mit statistischen Methoden mögliche Auswirkungen des Rauchens, des Körpergewichts und von sportlichen Aktivitäten herausgerechnet. Der unterschiedliche Energiegehalt der Nahrung wurde aber nicht berücksichtigt. Statt dessen ging es darum, wie viele Portionen Obst, Gemüse, Nüsse, frittiertes Essen oder Alkohol täglich konsumiert wurden, und wie das Verhältnis von Fisch zu Fleischprodukten und Eiern war.

Weiter kann die Studie nicht beantworten, welche Inhaltsstoffe der „gesunden Lebensmittel“ letztlich für die positiven Effekte verantwortlich waren. Dies wird weltweit derzeit intensiv untersucht, auch von der Arbeitsgruppe von Professor Flöel. Mögliche Substanzen sind hier Omega-3-Fettsäuren, B-Vitamine und Nährstoffe, die eine Kalorienrestriktion imitieren, mit positiven Auswirkungen auf den Glukose-Stoffwechsel. Hierzu gehört zum Beispiel das in Weintrauben vorkommende Resveratrol oder die für Selbstreinigungsprozesse der Zelle wichtigen Polyamine, die unter anderem in Weizenkeimlingen oder Sojabohnen enthalten sind.

Dem geistigen Abbau aus eigener Kraft entgegenwirken

Trotz dieser Einschränkungen sei die Arbeit der Kollegen ein weiterer Schritt nach vorne, lobt Flöel. Die Forschung sucht schon lange nach einem wirksamen Schutz gegen Demenz. Neben gesunder Ernährung wird körperlicher Aktivität eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Der Schlüssel liegt daher in jedem Einzelnen: „Auch wenn viele Details noch nicht geklärt sind, so scheint doch sicher, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, dem geistigen Abbau aus eigener Kraft entgegen zu wirken. Eine gesunde und maßvolle Ernährung und regelmäßige Bewegung gehören zu den präventiven und wirkungsvollen Maßnahmen, die jeder heute schon umsetzen kann“, so Flöel. Und zwar nicht erst, wenn die sich die Erkrankungen schon zeigen, wie bei den Patienten der kanadischen Studie.

Quellen

Smyth A, et al: Healthy eating and reduced risk of cognitive decline: A cohort from 40 countries. Neurology. 2015 Jun 2;84(22):2258-65

Witte AV, et al: Caloric restriction improves memory in elderly humans. Proc Natl Acad Sci U S A. 2009 Jan 27;106(4):1255-60

Witte AV, Kerti L, Margulies DS, Flöel A. Effects of resveratrol on memory performance, hippocampal functional connectivity, and glucose metabolism in healthy older adults. J Neurosci. 2014;34(23):7862-70.

Witte AV, Kerti L, Hermannstädter HM, Fiebach JB, Schreiber SJ, Schuchardt JP, Hahn A, Flöel A. Long-chain omega-3 fatty acids improve brain function and structure in older adults. Cereb Cortex. 2014;24(11):3059-68.

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. med. Agnes Flöel
Charité - Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Neurologie
Charitéplatz 1, 10117 Berlin
Tel: +49 (0) 30 4506 6028 4, E-mail: agnes.floeel@charite.de

Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Frank A. Miltner,
Englmannstr. 2, 81673 München
Tel.: +49 (0) 89 46148622, E-Mail: presse@dgn.org

Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Mensch im Blick – Gehirn im Fokus
88. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vom 23. bis 26. September in Düsseldorf

Rund 6000 Experten für Gehirn und Nerven tagen im September in Düsseldorf. Von Demenz bis Epilepsie, von Schlaganfall bis Multiple Sklerose – der DGN-Kongress ist das zentrale Wissenschafts-, Fortbildungs- und Diskussionsforum der neurologischen Medizin in Deutschland. Journalisten bietet er Gelegenheit zur Recherche sowie für persönliche Gespräche mit den führenden Köpfen der deutschen und internationalen Neuromedizin.
Die DGN bietet ein gut ausgestattetes Pressezentrum mit Informationen und Computer-Arbeitsplätzen.

• • Programm und Informationen zum DGN-Kongress:
http://www.dgnkongress.org