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Notfallambulanz: Health Literacy, also Gesundheitsbildung http://youtu.be/bcjak6ewWq0

Medizin am Abend Fazit:  „In Zukunft werden Menschen ihre eigene Gesundheit managen müssen“


Professorin für Gesundheitswissenschaften im Interview mit „research_tv“

Wer krank ist und sich im Gesundheitssystem nicht zurechtfindet, geht zuerst in die Notfallambulanz. Das allerdings, sagt Doris Schaeffer, ist der teuerste Zugang zum Gesundheitssystem. Und der werde nur genutzt, weil Betroffene keinen anderen Weg kennen.

Doris Schaeffer erforscht, welche Bevölkerungsgruppen Probleme haben, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und wie deren Situation verbessert werden kann.

Im Interview mit „research_tv“ der Universität Bielefeld erklärt die Professorin für Gesundheitswissenschaften, warum Health Literacy, also Gesundheitsbildung, künftig stärker in den Fokus rücken muss.

Das Gesundheitssystem verändert sich: In der Zukunft, ist Professorin Doris Schaeffer überzeugt, werden Menschen ihre eigene Gesundheit managen müssen, selbst darauf achten, gesund zu bleiben und bei Problemen auch selbst aktiv werden. „Das Versorgungssystem wird uns dabei nur punktuell helfen. Darum ist Health Literacy eine der Herausforderungen der Zukunft“, sagt die Wissenschaftlerin.

Nichtwissen verursacht hohe Kosten: Der Besuch der Notaufnahmen ist teurer als ein Termin beim Hausmediziner. Aus diesem Grund, so Schaeffer, gehöre zur Gesundheitsbildung auch, sich Informationen zu beschaffen, zu verstehen, zu bewerten und schließlich auch zu nutzen. „Diese Fähigkeit ist schwächer ausgeprägt, je größer die Bildungsferne ist oder je schwieriger die Bildungssituation einer Bevölkerungsgruppe ist.“

Wer fremd in Deutschland sei, wisse zum Beispiel oft nicht, wohin man sich mit Gesundheitsproblemen wendet.

Aber auch ältere Menschen sind eine wichtige Gruppe, weil sie durch die alternde Gesellschaft sehr groß ist und durch den demografischen Wandel weiter wachsen wird. Gleichzeitig seien ältere Menschen öfter etwa chronisch krank, bewegungseingeschränkt oder pflegebedürftig. „Gerade diese Gruppe ist darauf angewiesen, dass sie Gesundheitswissen und -kompetenz hat, weil sie mit sehr viel mehr Gesundheitsproblemen umgehen muss“, sagt Schaeffer.

Derzeit erforscht Doris Schaeffer die Gesundheitsbildung in Nordrhein-Westfalen. Ziel der Health Literacy-Studie sei es, genau zu schauen, wie das Niveau bestimmter Bevölkerungsgruppen ist. Mit der Studie will Schaeffer mit ihrem Team die Ausgangsvoraussetzungen ermitteln, um darauf basierend Interventionen zu entwickeln, wie diese Gruppen durch Bildung besser ausgestattet und betreut werden können.

„Man muss sich immer wieder hineinversetzen: Wie kann sich hier jemand zurechtfinden, der eigentlich gar nicht so richtig weiß, worum es geht.“ Bilder statt Schrift – für Doris Schaeffer sind das wirksame Kleinigkeiten bei den möglichen Interventionen. „Dazu gehört, Krankenhäuser so auszustatten, dass Patienten sich darin leicht zurechtfinden können und Schilder nicht nur in Schriftsprache, sondern auch mit Piktogrammen versehen sind.“

Doris Schaeffer ist Sozial- und Erziehungswissenschaftlerin, seit 1997 lehrt sie an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Bewältigung und Versorgung chronischer Krankheit, Gesundheitserhaltung im Alter und Nutzerfreundliche Versorgungsgestaltung.

Weitere Informationen im Internet:

• Interview mit Prof. Dr. Doris Schaeffer bei research_tv („Health Literacy:

Zurechtfinden im Gesundheitssystem“): https://youtu.be/bcjak6ewWq0

• Homepage des Arbeitskreises Versorgungsforschung und Pflegewissenschaft an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften: www.uni-bielefeld.de/gesundhw/ag6/

Medizin am Abend DirektKontakt:

Professor Dr. Doris Schaeffer, Universität Bielefeld
Leiterin des Instituts für Pflegewissenschaft, Fakultät für Gesundheitswissenschaften
Telefon: 0521 106-3895
E-Mail: doris.schaeffer@uni-bielefeld.de
Sandra Sieraad Universität Bielefeld

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://youtu.be/bcjak6ewWq0

Einladung zur Kiesel-Studie http://www.kiggs-studie.de/


Medizin am Abend Fazit:


http://www.bfr.bund.de/de/kiesel-studie.html

http://www.kindergesundheit-info.de/themen/

Nudeln, Würstchen oder Obst - Welche Lebensmittel essen Kinder heutzutage tatsächlich und wie viel?

BfR führt repräsentative Bevölkerungsbefragung zum Lebensmittelverzehr von Kindern durch 
 
Die Kinder-Ernährungsstudie zur Erfassung des Lebensmittelverzehrs (KiESEL) vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Kooperation mit der KiGSS Welle 2 des Robert Koch-Instituts (RKI) ist gestartet.

Dazu besuchen BfR-Interviewerinnen in einem KiESEL-Mobil 1.000 Kinder aus ganz Deutschland, um die Eltern zum Lebensmittelverzehr ihrer Kinder zu befragen, die Kinder zu wiegen und zu messen. Die Daten fließen in die BfR-Risikobewertung von Lebensmitteln ein. „Die aktuelle Studie soll uns in die Lage versetzen, unsere Risikobewertungen auf dem aktuellen Ernährungsverhalten von Kindern aufzubauen“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Die letzte deutschlandweite repräsentative Befragung zur Erhebung von Verzehrsdaten bei Kindern dieser Altersgruppe wurde vor zwölf Jahren durchgeführt (VELS-Studie). Mit der KiESEL-Studie werden die Daten nun aktualisiert.

Die Kinder-Ernährungsstudie zur Erfassung des Lebensmittelverzehrs erhebt deutschlandweit Daten zum Lebensmittelverzehr von Kindern im Alter von sechs Monaten bis einschließlich fünf Jahren. Die KiESEL-Studie wird als Modul der “Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland („KiGGS Welle 2“) des RKI durchgeführt. Mit der repräsentativen KiESEL-Studie soll die Sicherheit von Lebensmitteln verbessert werden.

Dafür werden aktuelle Informationen dazu benötigt, was und wie viel gegessen wird. Die Studienergebnisse fließen in die BfR-Risikobewertungen zu Zusatzstoffen, Pflanzenschutzmittelrückständen oder unerwünschten Stoffen in Lebensmitteln ein. So kann realistischer geschätzt werden, ob beispielsweise die zugelassenen Mengen an Zusatzstoffen in Süßigkeiten oder Rückständen von Pflanzenschutzmitteln auf Obst oder Gemüse sicher sind oder weiter begrenzt werden sollten.

Teilnehmen können nur Kinder, die bereits im Rahmen der KiGGS-Studie befragt wurden.

Eine Gruppe aller KiGGS-Teilnehmer wird per Zufall ausgewählt und eingeladen, an der KiESEL-Studie teilzunehmen. Die Familien protokollieren an insgesamt 4 Tagen in einem Ernährungstagebuch alle von den Kindern gegessenen Lebensmittel mit Mengen-/Gewichtsangabe, Marke und Verpackung des Produktes sowie Getränke.

Im Anschluss an die Datenerhebung wird der durchschnittliche, tägliche Verzehr beispielsweise von tierischen oder pflanzlichen Lebensmittel nach Geschlecht, Alter oder Region ausgewertet. Die Daten können auch mit den aus der KiGGS-Studie erhobenen Daten verknüpft werden.

Erste Ergebnisse sollen 2018 vorliegen.

Weitere Informationen finden Sie auf der BfR-Homepage unter
http://www.kiesel-studie.html

Informationen zu KIGGS erhalten Sie auf der KiGGS-Homepage http://www.kiggs-studie.de/

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Medizin am Abend DirektKontakt 



Max-Dohrn-Str. 8-10
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Dr. Suzan Fiack
Telefon: 030-18412-4300
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E-Mail-Adresse: newsletter@bfr.bund.de

Wer ist gesund? http://www.neuropathischer-schmerz.de

Medizin am Abend Fazit:  Wer ist gesund? Europäischer Algorithmus für eine bessere Qualität der Schmerzforschung

Gesunde Probanden dienen in Schmerzstudien als Kontrolle der besseren Abgrenzung zwischen „gesund“ und „krank“. Wer „gesund“ ist, definieren verschiedene Untersucher häufig unterschiedlich, was die Vergleichbarkeit von Studien erschwert. Der Deutsche Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz e.V. (DFNS e.V.) hat nun zusammen mit den europäischen Schmerzverbänden Europain und Neuropain rationale Kriterien veröffentlicht: In Schmerzstudien, die mittels Quantitativ Sensorischer Testung (QST) das Sensibilitätsprofil erheben, lassen sich gesunde Probanden nach einem zweistufigen Ansatz rekrutieren – dies soll die Qualität von Schmerzstudien künftig verbessern. 
 
Im ersten Moment scheint es fast banal, wenn sich große europäische Forschergruppen „nur“ mit der Frage beschäftigen, wie man gesunde Versuchsteilnehmer von kranken unterscheiden kann. In Wirklichkeit steckt dahinter ein großes Problem: Klinische Forscher interessieren sich in erster Linie für Patienten mit bestimmten Krankheiten.

Um aber in Studien nachweisen zu können, wie sich Patienten von Gesunden unterscheiden, brauchen sie Kontrollgruppen. 

Diese sind in der Regel Gesunde.


Dr. Janne Gierthmühlen, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein: „Ärzte kennen ihre Patienten in der Regel sehr genau, gesunde Probanden dagegen kaum.
Zudem fehlen einheitliche Standards bei der Definition und dem Einschluss von Gesunden. So ist es nicht ungewöhnlich, dass die Ergebnisse verschiedener Schmerzstudien, die den Schmerzphänotyp mittels QST erheben, oftmals hohe Abweichungen aufweisen.“ Die Schmerzverbände Europain, von der Innovative Medicines Initiative (IMI) geförderte 23 akademische und industrielle Partner aus ganz Europa, und Neuropain, zwölf führende europäische Zentren auf dem Gebiet des neuropathischen Schmerzes, haben in Kooperation mit dem DFNS e.V. deshalb vor Beginn ihrer Studien mögliche Einflussfaktoren auf das QST-Profil gesunder Probanden definiert und evidenzbasierte Empfehlungen erarbeitet.

Mit standardisiertem zweistufigem Algorithmus zu besserer Qualität

Dr. Elena Enax-Krumova, Ruhr Universität Bochum: „Um sicherzustellen, dass Gesunde wirklich gesund sind, mussten wir uns unter anderem auf bestimmte Sicherheitsmaßnahmen, spezielle Dokumentationen und Fragebögen einigen. Unser Ziel, standardisierte Einschlusskriterien für gesunde Probanden in QST-Studien auszuarbeiten, haben wir schließlich in einem zweistufigem Algorithmus umgesetzt und direkt in unsere Forschungsprojekte implementiert.“

Das Basisscreening umfasst einen Frage- sowie einen Screeningbogen, die den aktuellen Gesundheitszustand, die Schmerz- und Krankengeschichte und die Schmerzmedikation prüfen sowie gleichzeitig soziodemographische Daten erheben.

Liegen keine Ausschlusskriterien vor, folgt das fortgeschrittene Screening mit Erhebung der allgemeinen und seelischen Verfassung des Probanden ebenfalls mittels Fragebogen.

Ist alles im normalen Bereich, kann der Proband als „gesund“ rekrutiert werden.

Im Anschluss erfolgt die QST nach DFNS-Standard zur Analyse des Sensibilitätsprofils.

Mit sieben QST-Tests werden so die Wahrnehmung und das Schmerzempfinden für Kälte, Wärme, feine und spitze Berührungen sowie Vibration und Druck erhoben. 

Liegen die QST-Werte innerhalb der Norm, so kann der Proband schließlich als „gesund“ in die Studie eingeschlossen werden. Zeigt das Screening hinsichtlich der seelischen Verfassung und/ oder der QST pathologische Ergebnisse, erfolgt eine fachärztliche psychiatrische bzw. neurologische Untersuchung, bevor entschieden wird, ob der Proband dennoch für die Studie geeignet ist.

„Die gebündelte europäische Schmerzexpertise hat einen gut implementierbaren Algorithmus erarbeitet. Er kann als Richtwert die Studienplanung und -durchführung mit gesunden Probanden vereinfachen, ist aber natürlich je nach individueller, z.B. geografischer Gegebenheit, adaptierbar“, so Prof. Christoph Maier, Ruhr Universität Bochum, und weiter: „Unsere Arbeit beschreibt als erste in Europa die Minimalanforderungen für Probanden als gesunde Kontrollgruppen in Studien, in denen Nervenschmerzen untersucht werden.
Sie kommt damit indirekt den Patienten wieder zugute. Letztlich ermöglicht die Standardisierung einen besseren Vergleich verschiedener QST-Schmerzstudien und ist damit ein qualitätsverbessernder Faktor.“

Europäische Netzwerke gegen den Schmerz

Die Arbeit ist eine der ersten in einer Reihe künftiger Publikationen, in denen sich die gemeinsame Forschung deutscher Experten auf dem Gebiet des neuropathischen Schmerzes mit den wichtigsten europäischen Zentren niederschlägt. Die Bildung sogenannter Schmerz-Konsortien, in denen sich europäische Forschergruppen zusammengeschlossen haben, basiert unter anderem auf Initiative des DFNS, der dadurch seine Standards auch auf internationaler Ebene einbringen konnte. Letztlich soll die Lebensqualität chronischer Schmerzpatienten nachhaltig verbessert werden.

Literatur:

Gierthmühlen J, Enax-Krumova EK et al. (2015) Who is healthy? Aspects to consider when including healthy volunteers in QST-based studies- a consensus statement by the EUROPAIN and NEUROPAIN consortia. Pain [Epub ahead of print]

Über den DFNS e.V.:

Ziel des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz e.V. (DFNS e.V.) ist, die medizinische Versorgung von Patienten mit Nervenschmerzen grundlegend zu verbessern. Im Fokus stehen die Optimierung einer qualitativ hochwertigen Diagnostik sowie der Therapie- und Versorgungsforschung neuropathischer Schmerzen. Der gemeinnützige Verein ist Nachfolger des DFNS, der von 2002 bis 2012 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde. Die Geschäftsstelle ist am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München angesiedelt.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Dr. med. Elena Enax-Krumova
Neurologische Universitäts- und Poliklinik
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Ruhr-Universität Bochum
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
e-mail: Elena.Krumova@ruhr-uni-bochum.de

Vedrana Romanovic
DFNS e.V.
Neurologische Klinik
Klinikum rechts der Isar
Technische Universität München
Ismaninger Str. 22
81675 München
Tel.: +49 89 4140 - 7915
Fax: +49 89 4140 - 4655
e-mail: romanovic@lrz.tum.de
Tanja Schmidhofer Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.neuropathischer-schmerz.de

TEAM - Staffel: Fruchtzucker oder Traubenzucker?


16. Berliner Wasserbetriebe 5 x 5 km TEAM-Staffel
Im Belohnungssystem im Gehirn sind die Unterschiede zwischen dem Placebo (oben) und den zwei Zuckerarten Glukose (Mitte) und Fruktose (unten) deutlich zu erkennen, wie das MRI-Bild zeigt.

Im Belohnungssystem im Gehirn sind die Unterschiede zwischen dem Placebo (oben) und den zwei Zuckerarten Glukose (Mitte) und Fruktose (unten) deutlich zu erkennen, wie das MRI-Bild zeigt. Universität Basel, Departement Biomedizin

Medizin am Abend Fazit:  Fruchtzucker erzeugt weniger Belohnungsgefühle im Gehirn

Fruchtzucker sättigt nicht nur weniger, sondern stimuliert auch das Belohnungssystem im Gehirn in geringerem Mass als Traubenzucker. Dies könnte zu einem überhöhten Konsum mit ungesunden Folgen führen, berichten Forschende der Universität Basel in einer Studie, die in der Fachzeitschrift «Plos One» veröffentlicht wurde. Industrieller Fruchtzucker in Süssgetränken und Fertigmahlzeiten wird für verschiedene Erkrankungen mit verantwortlich gemacht. 
 
Fruchtzucker oder Fruktose ist ein natürlicherweise in Früchten und Gemüse enthaltenes Kohlenhydrat und in dieser Form unbedenklich. Trotz ihrer ähnlichen Struktur wirken Fruktose und Glukose – also reiner Traubenzucker – auf den Körper ganz unterschiedlich:

Die Einnahme von Glukose führt inneralb von  Minuten zu einem starken Anstieg vom Insulin im Blut, während die Fruktose die Insulinausschüttung nur wenig stimuliert.

Die unterschiedlichen Wechselwirkungen der beiden Zuckerarten zwischen Magen-Darm-Trakt und Gehirn haben nun Forschungsteams um Prof. Christoph Beglinger vom Universitätsspital und Prof. Stefan Borgwardt von den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel genauer untersucht; ihre Arbeit wurde vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt. Die Forschenden benutzten dabei kombinierte pharmakologische und bildgebende Methoden wie die funktionelle Magnetresonanztomografie (MRI).

Gehirnaktivität untersucht

In der placebokontrollierten Doppelblind-Studie erhielten zwölf gesunde, junge Männer mittels einer Magensonde je einmal Fruktose, Glukose und Placebo verabreicht. Den Probanden wurden darauf Blutproben zur Bestimmung von Sättigungshormonen entnommen, sie wurden nach ihrem Sättigungsgefühl befragt und mittels einer funktionellen MRI wurde ihre Gehirnaktivität im Ruhezustand untersucht.

Ergebnis der Pilotstudie: Fruktose ist im Vergleich zu Glukose weniger gut in der Lage, Sättigungsgefühle hervorzurufen und die Belohnungssysteme im Gehirn zu stimulieren.

Die Auswertung der MRIs zeigte nämlich, dass sich die beiden Zuckerarten in der Netzwerkaktivierung innerhalb des limbischen Systems mit Hippocampus und Amygdala deutlich unterscheiden – in jener Hirnregion, die Emotionen und Triebe reguliert. Zudem stiegen die Sättigungshormone im Blut nach dem Fruktosekonsum kaum bis wenig an – im Gegensatz zur Glukose, die ein starkes Signal hervorrief. Das subjektive Sättigungsgefühl war tendenziell ebenfalls weniger von der Einnahme von Fruktose beeinflusst.

Problematische Fruktose

«Die Studie könnte erste wichtige Hinweise über die fehlenden sättigenden und belohnenden Effekte von Fruktose liefern», sagen die Erstautorinnen Dr. Bettina Wölnerhanssen und Dr. Anne Christin Meyer-Gerspach. Wieweit dabei der unterschiedliche Insulinspiegel oder andere Einflüsse eine Rolle spielen, müssten weitere Untersuchungen mit mehr Probanden zeigen.

Hinweise aus der Forschung mehren sich, dass die isolierte, industriell hergestellte Fruktose – wie sie sich zunehmend in Süssgetränken, Süssigkeiten und Fertigprodukten findet –, dem menschlichen Organismus Probleme bereiten: 

Fruktose steht im Verdacht, verschiedene Erkrankungen wie Übergewicht, Diabetes, Leberverfettung und Gicht zu begünstigen.

Originalbeitrag

Bettina Karin Wölnerhanssen, Anne Christin Meyer-Gerspach, André Schmidt, Nina Zimak, Ralph Peterli, Christoph Beglinger, Stefan Borgwardt
Dissociable Behavioral, Physiological and Neural Effects of Acute Glucose and Fructose Ingestion: A Pilot Study
Plos One, published June 24, 2015, doi: 10.1371/journal.pone.0130280

Medizin am Abend DirektKontakt

Dr. Bettina Wölnerhanssen,
Departement Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel,
Tel. +41 61 328 73 78,
bettina.woelnerhanssen@usb.ch
lic. phil. Christoph Dieffenbacher Universität Basel

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0130280 - Studie in PLOS ONE

Gestärkte Kindergesundheit und Kitas in Mecklenburg-Vorpommern

Medizin am Abend Fazit:  Wissenschaftler stellen erste Ergebnisse der Evaluation des Kindertagesförderungsgesetzes Mecklenburg-Vorpommern (KiföG M-V) vor


Kinder bedürfen gerechter Bildungs- und Entwicklungschancen. 

 
Jedoch sind der Zugang zu Bildung und die Förderung der Gesundheit in Deutschland ungleich verteilt.

Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys des Robert Koch-Instituts (KiGGS) zeigen, dass Kinder mit niedrigem Sozialstatus ein erhöhtes Risiko für psychische Auffälligkeiten, eine mangelnde körperlich-sportliche Aktivität und eher ungesunde Ernährungsgewohnheiten aufweisen. Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Essstörungen sowie Übergewicht sind bei diesen Kindern in stärkerem Maße verbreitet.

Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen 2013/2014 in Mecklenburg-Vorpommern (M-V) zeigen, dass viele Kinder von Entwicklungsverzögerungen betroffen sind, z.B. in der Sprache (22,3 %), der Motorik (14,3 %) und im Bereich emotional-sozialer Kompetenzen (12,5 %).

Birgit Hesse und Professor Wolfgang Hoffmann haben am Dienstag in Schwerin aktuelle Ergebnisse des Evaluationsprojekts „Summative Evaluation KiföG M-V“ vorgestellt.

Die Novellierung des Kindertagesförderungsgesetzes Mecklenburg-Vorpommern (KiföG M-V) hat zu einer deutlichen Verbesserung der Rahmenbedingungen für eine gesunde kindliche Entwicklung in Kitas in M-V beigetragen. Darauf weist Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann vom Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald hin: „Der Einsatz eines validen, zusammen mit Erzieherinnen entwickelten standardisierten Screeningverfahrens zur altersangepassten Früherkennung kindlicher Entwicklungsgefährdungen stärkte die Qualität der Kitas unseres Landes. Denn die frühzeitige Erfassung sprachlicher, motorischer und sozialer Entwicklungsrisiken von 3- bis 6-Jährigen geht über eine alltagsintegrierte Beobachtung und Dokumentation des pädagogischen Personals hinaus und schafft eine objektive Basis für anschließende Fördermaßnahmen der Erzieherinnen“.

Das Land gewährt eine jährliche Zuweisung in Höhe von zusätzlich fünf Millionen Euro zur Weiterleitung an die Träger von Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegepersonen. Diese finanziellen Mittel sind an eine jährliche Durchführung des „Dortmunder Entwicklungsscreenings für den Kindergarten (DESK 3-6)“ für einen Zeitraum von mindestens drei Jahren gebunden. Eine weitere Bedingung für die Mittelzuweisung ist die Teilnahme der Kitas an einer wissenschaftlichen Prozessbegleitung bzw. Evaluation.

Aktuell nutzen mehr als 1.300 Erzieherinnen und 6.000 Kinder in 141 Kitas das DESK 3-6. Voraussetzung ist ein überdurchschnittlich hoher Anteil an vom Jugendamt übernommener Elternbeiträge. „Durch die KiföG-Förderung erreichen wir gezielt Kitas in schwieriger sozialräumlicher Lage“, so Hoffmann. Die Evaluation wird von der Universitätsmedizin Greifswald, Institut für Community Medicine, Abteilung Versorgungsepidemiologie und Community Health (ICM-VC) durchgeführt und vom Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales Mecklenburg-Vorpommern finanziell gefördert.

Die Daten aus vier Erhebungswellen zeigen, dass pädagogisch bedeutsame Verbesserungen der kindlichen Kompetenzen über die Zeit zu beobachten sind.

Im sprachlich-kognitiven Kompetenzbereich ist in altersangepassten Messungen eine konstante Verbesserung der DESK-Ergebnisse zu beobachten. „Ein solches Ergebnis ist besonders erfreulich, da die Kinder gerade in diesem Kompetenzbereich besonders große Probleme aufweisen: das richtige Benennen von mindestens sechs dargebotenen Farben oder die Fähigkeit, Erlebtes in logischer und zeitlicher Reihenfolge zu berichten (z.B. vom letzten Wochenende) und einfache und anschauliche Plus- und Minusaufgaben im Zahlenraum bis sechs sind altersspezifische Kompetenzen, die mehr als 40% der Kita-Kinder zur ersten Erhebungswelle 2011/2012 nicht aufweisen“, so Hoffmann.

Die Verbesserungen in den übrigen Kompetenzbereichen über die Zeit zeigten in die gleiche Richtung, waren aber moderater und nicht in allen Altersgruppen pädagogisch bedeutsam. „Die Daten zeigen uns, dass wir als Landesregierung den richtigen Weg eingeschlagen haben. Das durch zuvor geschultes Personal in den Kitas einheitlich praktizierte DESK hilft, Bereiche der kindlichen Entwicklung zu identifizieren, die besonderer Unterstützung bedürfen“, so Ministerin Hesse. Hoffmann erläutert: „Positive Effekte der Gesetzesnovellierung zeigen auch die Ergebnisse unserer Befragungen des Leitungspersonals, an denen sich über 94 % der Adressaten beteiligten. Bereits im Jahr 2012 gaben 88 % der Befragten an, das DESK habe zur Verbesserung der gezielten individuellen Förderung entwicklungsgefährdeter Kinder beigetragen. Knapp 2/3 des Leitungspersonals nahm Verbesserungen der Kooperation innerhalb des Kita-Teams und der kitaspezifischen Elternarbeit wahr“.

Solche strukturellen Veränderungen des Kita-Settings zeigen sich zwei Jahre später noch deutlicher: Aktuell melden 95 % des Leitungspersonals zurück, dass die DESK-Ergebnisse Gegenstand in mindestens einem Elterngespräch waren.

Ein Meilenstein liegt in der Verständigung auf ein landeseinheitliches Screeningverfahren. Somit können Einrichtungen miteinander verglichen und besonders gelingende Praxisbeispiele entdeckt werden – Kitas können so gut voneinander lernen. Trotz dieser Erfolge sind aber weitere Anstrengungen von Eltern- und Kita-Seite nötig“, so der Greifswalder Forscher. „Wichtig ist jetzt, die gewonnenen Ergebnisse für die Schule nutzbar zu machen. Hierzu arbeiten wir bereits mit den Landkreisen Vorpommern-Greifswald und Nordwestmecklenburg zusammen. Diese gute Kooperation soll im nächsten Schritt auf das ganze Bundesland ausgeweitet werden. Ziel ist es, die Wirksamkeit der KiföG-Förderung auf die Verbesserung der schulischen Leistungen zu untersuchen.“


Medizin am Abend DirektKontakt

Universitätsmedizin Greifswald
Institut für Community Medicine
Abteilung Versorgungsepidemiologie und Community Health
Leiter: Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, MPH
Ellernholzstraße 1-2, 17487 Greifswald
T +49 3834 86-7751
E wolfgang.hoffmann@uni-greifswald.de
http://www.medizin.uni-greifswald.de
http://www.facebook.com/UnimedizinGreifswald
Constanze Steinke Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
 

Einladung zur Studie: Traumatische Kindheitserlebnisse von Müttern

Medizin am Abend Fazit:  Wie kann man Mütter mit traumatischen Kindheitserlebnissen am besten unterstützen?

Gute Mutter-Kind-Beziehung verlangt Müttern mit Gewalterfahrungen mehr ab als unbelasteten Frauen / Neue Studie des Zentrums für Psychosoziale Medizin Heidelberg vergleicht zwei Konzepte zur psychischen Entlastung betroffener Mütter / Studienteilnehmerinnen gesucht 
 
Wie gehe ich mit meinem Kind richtig und vor allem liebevoll um? Diese Frage ist für Mütter, die in ihrer eigenen Kindheit oder Jugend Gewalt erfahren haben, nicht selbstverständlich aus dem Bauch heraus zu beantworten und kann ziemlich anstrengen, wie aktuelle Ergebnisse aus der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg zeigen. „Um es den betroffene Müttern etwas leichter zu machen, wollen wir nun im Rahmen einer neuen Studie spezielle Unterstützungsprogramme mit konkreten Tipps und Hilfe zur Selbsthilfe anbieten und prüfen“, sagt Professor Dr. Sabine Herpertz, Ärztliche Direktorin der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie. Interessierte Mütter, die in ihrer Kindheit oder Jugend Gewalt erfahren mussten und nun ein Kind im Grundschulalter haben, können sich ab sofort anmelden.

Traumatische Erlebnisse in der Kindheit oder Jugend können sich nicht nur auf die eigene seelische Gesundheit, sondern auch auf die Beziehung zum Nachwuchs auswirken, wie internationale Studien der letzten Jahre sowie Erfahrungsberichte von Klinikern zeigten. Warum? Eltern nehmen kindliche Signale wie Gesten, Mimik und Laute wahr, interpretieren sie intuitiv und können so auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen. Müttern, die in ihrer eigenen Kindheit Missbrauch, Misshandlungen oder Vernachlässigung erlebt haben, fällt dies häufig schwerer als unbelasteten Eltern.

Druck nehmen und zu mehr Sicherheit im täglichen Umgang mit dem Kind verhelfen

„Psychisch gesunde Frauen mit Gewalterfahrungen in der eigenen Kindheit unterscheiden sich in ihrer Empfänglichkeit für die Signale ihrer Kinder zunächst einmal kaum von Müttern ohne belastende Erfahrungen. Sie können sich aber, das zeigen unsere Untersuchungen, weniger auf ihre Intuition verlassen“, so die Psychiaterin. „Die Deutung der kindlichen Signale fordert ihnen viel Aufmerksamkeit ab.“ Das zeigten Messungen mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT): Bei den Frauen sind die Gehirnregionen, die wichtig sind, um sich bewusst in andere Menschen hineinzuversetzen, stärker ausgeprägt als bei unbelasteten Müttern. In diesen Bereichen muss ihr Gehirn mehr Arbeit leisten.

Dazu kommt, dass viele Mütter, die in ihrer Kindheit Gewalt erlebt haben, das eigene Verhalten ständig kritisch hinterfragen. Schließlich möchten sie mit den eigenen Kindern anders umgehen und diesen eine schöne Kindheit bereiten – eben alles richtig machen. „Die Frauen stehen unter enormem Druck im täglichen Umgang mit dem Kind. Hier benötigen wir dringend Unterstützungsangebote, damit die belastenden Lebenserfahrungen der Mütter nicht in anderer Form auf die Kinder übertragen werden“, so Herpertz. Dabei gehe es darum, den Müttern Sicherheit im täglichen Umgang mit ihrem Kind zu vermitteln und sie zu entlasten. Bewährt haben sich ein spezielles Interaktionstraining sowie Methoden der Stressbewältigung. Die Wirksamkeit dieser beiden Konzepte soll nun im Rahmen der neuen Studie verglichen werden.

Wie belastende Kindheitserfahrungen das Eltern-Sein erschweren

Die Studie ist Teil des von Heidelberg aus koordinierten Verbundprojekts „Von Generation zu Generation: Den Kreislauf der Misshandlung verstehen und durchbrechen (Understanding and Breaking the Intergenerational Cycle of Abuse, UBICA)“. Koordinator ist Professor Romuald Brunner, Stellvertretender Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Heidelberg. Ziel ist es, langfristige Auswirkungen belastender Kindheitserfahrungen besser zu verstehen – insbesondere in Hinblick auf die Elternrolle der Betroffenen – und Strategien zur Bewältigung und Prävention zu entwickeln, Eltern sinnvoll zu unterstützen und Kinder besser zu schützen. Das multizentrische Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt zwei Millionen Euro gefördert.


Kontakt und Anmeldung zur Studie:

E-Mail: info.ubica@med.uni-heidelberg.de
Tel.: 06221 56-34438 (Bitte hinterlassen Sie Namen und Telefonnummer auf unserem Anrufbeantworter, wir rufen Sie zurück)
Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg


Medizin am Abend DirektKontakt

Professor Dr. Sabine Herpertz
Ärztliche Direktorin der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg
Tel.: 06221 56-22751
E-Mail: sabine.herpertz@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.ubica.de/ Homepage des Forschungsverbundes

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/UBICA.130356.0.html Über das Forschungsprojekt in Heidelberg

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Klinik-fuer-Allgemeine-Psychiatrie.8791.0... Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg

Neue Erkenntnisse zum Keuchhustenerreger - Bordetella pertussis

Medizin am Abend Fazit: 

 

Seit 2010 ist der Erreger des Keuchhustens weltweit wieder auf dem Vormarsch. Forscher vom Biozentrum der Universität Basel haben nun die Struktur und Funktionsweise eines wichtigen Membranproteins des Keuchhustenerregers untersucht. Dabei entdeckten sie, dass dessen Struktur anders ist als lange Zeit angenommen. Ihre in «Nature Communications» veröffentlichten Erkenntnisse liefern die Grundlage zur Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten von Keuchhusten. 

 
Zahlreiche winzige Proteinporen sitzen in der äusseren Membran des Keuchhustenerregers Bordetella pertussis. Durch diese Poren sondert der Erreger Proteine ab, mit denen er sich an die Schleimhäute der Atemwege anheftet und widerstandsfähige Biofilme bildet. 

Um zu verstehen, wie diese Membranproteine ihr Substrat befördern, haben sich die Strukturbiologen Prof. Timm Maier und Prof. Sebastian Hiller vom Biozentrum der Universität Basel eine dieser Poren genauer angeschaut.

Struktur des Membranproteins anders als vermutet

Membranen sind Barrieren im Kleinformat. Sie schirmen die Zelle von der Aussenwelt ab und schützen sie so. Dennoch können bestimmte Moleküle diese Barriere an speziell für sie eingerichteten Übergängen nach innen und nach aussen passieren. So einen Grenzposten stellt das Membranprotein FhaC im Keuchhustenkeim dar.

Es sitzt in der äusseren Hülle der Doppelmembran und schleust ein Protein – das Adhäsin FHA – durch die Membran aus der Zelle hinaus. Dieses Protein ermöglicht es dem Bakterium sich anzuheften und spielt daher eine wichtige Rolle in der Keuchhusteninfektion.

Bereits im Jahr 2007 wurde die Struktur sowie die Funktionsweise von FhaC in der Fachzeitschrift «Science» publiziert. Die damaligen Ergebnisse mussten nun teilweise revidiert werden. «Aufgrund unserer Daten kommen wir zu dem Schluss, dass die zuvor postulierte Struktur und Funktionsweise des FhaC-Proteins fehlerhaft war», sagt Maier. Gemeinsam mit den Autoren der damaligen Studie konnten die Forscher vom Biozentrum die Ergebnisse nun korrigieren.

«Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass das FhaC-Protein entgegen der früheren Annahme die gleiche Architektur besitzt, wie solche Proteine, die neue Membranproteine einbauen», erklärt Maier. Die Strukturanalyse gab aber noch weitere Details preis. So verschliesst ein schraubenförmiger Proteinabschnitt die Pore wie ein Pfropfen. Wenn nun Adhäsin an das Membranprotein FhaC andockt, dann löst sich der Pfropfen und es gelangt durch die Pore nach aussen.

Grundlage für neue Therapien bei Keuchhusten

Keuchhusten ist in der Schweiz eine gut kontrollierte Erkrankung. Dennoch steigt die Zahl der Krankheitsfälle seit 2010 wieder an. Neue Therapieansätze sind deshalb gefragt. «Mit gezielten Hemmstoffen liesse sich die Funktion des FhaC-Proteins erheblich beeinträchtigen und so letztlich das Anheften der Keime an die Wirtszellen verhindern», erklärt Maier. «Der Vorteil liegt auf der Hand: Man kann auf Antibiotika verzichten und so Resistenzen vermeiden.» Die Strukturbiologen wollen dafür auch zukünftig weitere Grundlagen liefern. Sie möchten herausfinden, welche Rolle die einzelnen Proteinbestandteile beim Transport des Substrates spielen.

Originalbeitrag
Timm Maier, Bernard Clantin, Fabian Gruss, Frédérique Dewitte, Anne-Sophie Delattre, Françoise Jacob-Dubuisson, Sebastian Hiller & Vincent Villeret
Conserved Omp85 lid-lock structure and substrate recognition in FhaC
Nature Communications; published online 10 June 2015, doi: 10.1038/ncomms8452


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Arbeiten Private Kliniken in Deutschland effizient?

Medizin am Abend Fazit:  

 

Zusatzlink als Fachthema: 

 

http://www.dkgev.de/media/file/20448.2015-06-24_PM-DKG_zu_bundesweitem_ver.di-Aktionstag_in_Krankenhaeusern.pdf

 

 

RWI: Private Kliniken arbeiten effizient und sind wichtig für Gesundheitsversorgung

Deutsche Krankenhäuser in privater Trägerschaft sind im Durchschnitt finanzkräftiger und arbeiten rentabler als freigemeinnützige oder öffentlich-rechtliche Krankenhäuser. Sie zahlen mehr Steuern und tätigen höhere Investitionen in die medizinische Infrastruktur als Krankenhäuser in anderer Trägerschaft. Weder in ihrer Ausstattung noch in der Qualität der Behandlung oder der Zufriedenheit der Patienten fallen sie hinter Kliniken anderer Träger zurück. An der Notfallversorgung beteiligen sich die privaten Grundversorger ebenso häufig. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des RWI, die zahlreiche Krankenhaus-Kennziffern aus den Jahren 2005 bis 2013 ausgewertet hat. 
 
Private Krankenhäuser in Deutschland nehmen deutlich weniger öffentliche Fördermittel in Anspruch als Kliniken in freigemeinnütziger oder kommunaler Trägerschaft. Zudem zahlen sie aufgrund höherer Jahresüberschüsse höhere Steuern. Gleichzeitig lassen sich im Vergleich zu anderen Krankenhausträgern keine signifikanten Unterschiede in der Qualität der medizinischen Behandlung erkennen. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), die auf einem Projekt im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken e.V. (BDPK), Berlin, basiert.

Für die vom RWI in diesem Jahr nach 2009 und 2012 bereits zum dritten Mal herausgegebene Studie „Krankenhäuser in privater Trägerschaft" wurden zahlreiche Krankenhaus-Kennziffern aus den Jahren 2005 bis 2013 trägerspezifisch aufbereitet und ausgewertet. Datengrundlage sind die amtlichen Krankenhausdaten des Statistischen Bundesamts. Sie umfassten für das Jahr 2013 Daten von 1 487 Krankenhäusern, die sich an der GKV-Versorgung beteiligen, darunter 391 in privater, 607 in freigemeinnütziger und 489 in öffentlicher-rechtlicher Trägerschaft. Hinzu kommen Jahresabschlüsse der Krankenhäuser und Daten aus den Qualitätsberichten, vom Wissenschaftlichen Institut der AOKen und der Techniker Krankenkasse. Psychiatrische oder psychotherapeutische Krankenhäuser, reine Tages- und Nachtkliniken sowie Universitätskliniken wurden nicht in die Analysen mit einbezogen.

Hohe Ertragskraft privater Krankenhäuser ermöglicht höhere Investitionen

Die Wirtschaftlichkeit der privaten Krankenhausträger spiegelt sich unter anderem in ihrer Ertragskraft wider, die deutlich über der von nicht-privaten Krankenhäusern lag. Entsprechend waren nur 7% der privaten Krankenhäuser im Jahr 2013 nicht investitionsfähig, während der Wert bei den kommunalen bei 62% und bei freigemeinnützigen bei 40% lag. Betrachtet man den operativen Ertrag, den private Kliniken aus eigener Kraft, also ohne Fördermittel erzielen, wird der Abstand der Privaten zu den anderen Trägern noch größer.

Private Krankenhausträger können im Gegensatz zu nicht-gewinnorientierten Krankenhäusern privates Eigenkapital akquirieren, was ihre Investitionskraft deutlich steigert. Die größere Unabhängigkeit gegenüber kommunalpolitischen Entscheidungen macht es für das Management von privaten, aber auch von vielen freigemeinnützigen Krankenhäusern außerdem leichter, Rationalisierungspotenziale nicht nur zu identifizieren, sondern durch entsprechende Maßnahmen auch konsequent zu heben. Im Gegenzug müssen sie das eingesetzte Kapital vergüten.

Keine Unterschiede bei Behandlungsqualität und Patientenzufriedenheit

Zur Beurteilung der Behandlungsqualität wurden drei zentrale Indikatoren ausgewählt: Die Rate an postoperativen Wundinfektionen, die Rate an Todesfällen im Krankenhaus bei Leistungsbereichen, für die die Information vorliegt, und die Rate an Patienten mit Dekubitus bei Entlassung. Obwohl private Krankenhäuser im Durchschnitt ältere Patienten mit komplexeren Erkrankungen behandeln, lassen sich im Vergleich zu anderen Krankenhausträgern keine signifikanten Unterschiede in der medizinischen Behandlung erkennen. Auch die Patientenzufriedenheit unterscheidet sich nicht. Sie liegt laut Patientenbefragungen der Techniker Krankenkasse aus den Jahren 2006 bis 2013 für alle Träger bei durchschnittlich rund 77% bis 80%.

Die Zahl der Vollkräfte im Pflegedienst je 1 000 Fälle ist von 2005 bis 2012 bei allen Trägern zurückgegangen.

Die Werte liegen bei privaten und freigemeinnützigen Trägern jeweils leicht unter dem der öffentlich-rechtlichen. Unklar bleibt dabei, ob dieser Trend auf eine insgesamt gestiegene Produktivität zurückzuführen ist und ob der geringere Wert bei den Privaten mit einem generell höheren Effizienzniveau zu tun hat. Bei der Zahl der Pflegekräfte je Behandlungstag weisen private Krankenhäuser keine schlechtere Betreuungsrelation auf als andere Träger.

Private Kliniken sind wichtige Säule der Krankenhausversorgung

Krankenhäuser in privater Trägerschaft beteiligen sich ähnlich stark wie Kliniken anderer Träger an der Bereitstellung der medizinischen Infrastruktur für eine bedarfsgerechte und flächendeckende Krankenhausversorgung. Bezogen auf die Zahl der Krankenhäuser hat sich zwischen 2005 und 2012 der Anteil der privaten Krankenhäuser um 7,4%-Punkte, bezogen auf die Zahl der Betten um 5,7%-Punkte und bezogen auf die Zahl der Fälle um 5,6%-Punkte erhöht.

Offenbar haben die Privaten also im Durchschnitt kleinere Krankenhäuser übernommen.

18% der privaten Krankenhauskapazitäten lagen 2012 in ländlichen Regionen. 

Bei den kommunalen lag der Anteil bei 19%, bei den freigemeinnützigen Krankenhäusern bei 7%. Private Träger wiesen also ein fast ähnlich hohes Niveau der ländlichen Versorgung auf wie kommunale Träger.

Ob eine Klinik eine Notfallversorgung anbietet, hängt neben der Krankenhausgröße vor allem vom Spezialisierungsgrad und dem Versorgungstyp ab.

Unter den Grundversorgern nimmt fast jedes Krankenhaus, gleich welcher Trägerschaft, an der Notfallversorgung teil. Bei den Spezialversorgern, von denen sich vergleichsweise mehr in privater Hand befinden, fällt die Beteiligung an der Notfallversorgung trägerübergreifend naturgemäß insgesamt geringer aus.

Im Bereich der Intensivbetten zeigt sich, dass private Krankenhäuser einen überdurchschnittlichen Beitrag zur Behandlung von schwer erkrankten Patienten und somit auch zur Sicherstellung der (Notfall-) Versorgung leisten.


Medizin am Abend DirektKontakt


Dr. Boris Augurzky (RWI), Tel.: (0201) 81 49-203
Katharina Fischer (Tel.: (0201) 81 49-244
Katharina Brach Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.


Diesem Beitrag liegt die Studie „Krankenhäuser in privater Trägerschaft 2015“ zugrunde. Sie ist als Heft 89 in der Reihe „RWI Materialien“ erschienen.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.rwi-essen.de/media/content/pages/publikationen/rwi-materialien/rwi-ma... - RWI Materialien Heft 89 "Krankenhäuser in privater Trägerschaft"

360° TOP-Thema: Bilharziose- Bandwürmern

Medizin am Abend Fazit:     Bandwürmern auf der Spur

Der Würzburger Professor Klaus Brehm bekommt 750.000 Euro für ein neues Forschungsprojekt über Bandwürmer. Seine Arbeit kann Fortschritte bei der Bekämpfung von Wurminfektionen, aber auch in ganz anderen Bereichen der Medizin bringen. 

Kopf eines Fuchsbandwurms: Mit Saugnäpfen und Hakenkranz (rot) verankert sich der Parasit im Darm seines Wirtes. Grün angefärbt sind spezielle „Nierenzellen“, die der Entwässerung des Kopfes dienen. Kopf eines Fuchsbandwurms: Mit Saugnäpfen und Hakenkranz (rot) verankert sich der Parasit im Darm seines Wirtes. Grün angefärbt sind spezielle „Nierenzellen“, die der Entwässerung des Kopfes dienen.
(Bild: Uriel Koziol)
 
Parasitische Würmer sind weltweit ein großes Problem, vor allem in ärmeren Ländern. In tropischen Regionen zum Beispiel leiden Millionen von Menschen an Bilharziose.

Im Lauf dieser Infektionskrankheit schädigen die Würmer die Leber und andere Organe. 


Sogar Krebs können sie auslösen.

Millionen von Menschen sind mit Bandwürmern infiziert. Besonders gefährlich:

Hunde- und Fuchsbandwürmer. Ihre Larven setzen sich in der Lunge, der Leber oder im Gehirn fest. Dort wachsen sie, ähnlich wie Tumoren, über Jahre hinweg zu teils handballgroßen Zysten heran. Blindheit, Epilepsie oder Leberversagen können die Folgen sein; ohne Behandlung endet die Infektion in der Regel tödlich.

Gegen diese Erreger gibt es bislang keine Impfstoffe und nur ein sehr begrenztes Repertoire an Medikamenten. 

Bandwurmzysten etwa lassen sich mit einer lebenslangen Chemotherapie nur in Schach halten. Sobald man mit der Behandlung aufhört, wachsen sie einfach weiter. In Deutschland infizieren sich jedes Jahr rund 50 Menschen mit dem Fuchsbandwurm. Im weltweiten Vergleich erscheint das wenig – was für die Betroffenen aber kein Trost ist.

Wellcome Trust fördert Forschungskonsortium

Ein internationales Forschungskonsortium will nun neue Strategien zur Bekämpfung von Bilharziose und Bandwürmern finden. Der Wellcome Trust, der größte private britische Förderer von biomedizinischer und tierärztlicher Forschung, unterstützt das Projekt: Er fördert die „Initiative zur Erforschung des funktionalen Genoms von Plattwürmern“ mit einem Strategic Award über fünf Millionen Euro. Das Projekt geht voraussichtlich Ende 2015 an den Start und läuft fünf Jahre.

Rund 750.000 Euro von der Fördersumme fließen ans Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg, in das Team des Bandwurm-Experten Professor Klaus Brehm. Das Geld ist hoch willkommen, denn: „In der Infektionsforschung liegen wir mit dem Wissen über Wurmparasiten weit zurück“, so Brehm.

Das komme daher, dass das Erbgut der Erreger lange nicht entschlüsselt war.

Außerdem fehlen Methoden, um die Genfunktionen der Würmer im Labor zu analysieren. Das aber wäre nötig, um Angriffspunkte für Medikamente oder Impfstoffe zu finden.

Genfunktionen der Würmer untersuchen

Immerhin: Seit 2013 ist die DNA von vier Bandwurmarten entziffert. Brehm war an dieser Arbeit beteiligt. Sie wurde ebenfalls vom Wellcome Trust gefördert und ist im Fachblatt „Nature“ publiziert. „Jetzt müssen wir Methoden entwickeln, mit denen sich die Gene der Würmer manipulieren lassen. Denn man muss ein Gen ausschalten können, um seine Funktion zu verstehen.“

Brehm bezeichnet das Vorhaben als „Hochrisikoprojekt“ – es ist so anspruchsvoll, dass die Wissenschaftler nach der Projektlaufzeit ohne Ergebnis dastehen könnten. „Wenn wir aber Erfolg haben, bringen wir die Forschung auf diesem Gebiet ganz entscheidend voran“, sagt der Würzburger Professor.

Perfekt vor dem Immunsystem getarnt

Die Wissenschaftler haben nicht nur neue Medikamente und Impfstoffe im Blick. 

Für sie sind vor allem die Zysten der Bandwürmer noch aus einem anderen Grund interessant: Die gefährlichen Gebilde stecken wie perfekt transplantierte Organe im Körper des Menschen, das Immunsystem kann ihnen nichts anhaben.

„Wie schaffen es die Würmer, sich so gut zu tarnen? Wenn wir das herausfinden, könnte das Fortschritte für die Organtransplantation bedeuten“, meint Brehm. Denkbar wäre es, transplantierte Organe entsprechend zu tarnen und sie damit vor dem Angriff des Immunsystems zu schützen. Auch die Behandlung von Allergien und Autoimmunkrankheiten könnte davon profitieren, wenn man versteht, mit welchen Strategien die Würmer das Immunsystem auf Abstand halten.

Die Namen der Projektpartner

Die Federführung des Projekts FUGI (Flatworm Functional Genomics Initiative) liegt bei Professor Karl Hoffmann von der Aberysthwyth University in Großbritannien.

Beteiligt sind außerdem Matthew Berriman (Wellcome Trust Sanger Institute, Großbritannien), Ludovic Vallier (Universität Cambridge, Großbritannien), Professor Christoph Grunau (Universität Perpignan und Centre National de la Recherche Scientifique, Frankreich), Professor Klaus Brehm (Universität Würzburg), James Collins (University of Texas Southwestern Medical Center, USA), und Professor Paul Brindley (George Washington University, USA).

Nature-Publikation zum Bandwurm-Erbgut

“The genomes of four tapeworm species reveal adaptations to parasitism”, Nature 496, 57-63, 4. April 2013, DOI: 10.1038/nature12031






Professor Klaus Brehm von der Uni Würzburg.
Professor Klaus Brehm von der Uni Würzburg. (Foto: privat)


Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Klaus Brehm, Institut für Hygiene und Mikrobiologie, Universität Würzburg, T (0931) 31-46168, kbrehm@hygiene.uni-wuerzburg.de
Robert Emmerich Julius-Maximilians-Universität Würzburg

360° TOP-Thema: Bakterien – von der Haut in den Körper http://www.ae-germany.com/

Medizin am Abend Fazit:  Wie Endoprothetik-Experten Gelenkinfektionen verhindern

Allein auf einer Fingerkuppe befinden sich bis zu 100 verschiedene Keime. Dort schaden sie ihrem Wirt – dem Menschen – nicht. In einer Operationswunde entwickeln sich die gleichen Mikroorganismen jedoch zum Infektionsrisiko. 

Beim Einsatz künstlicher Gelenke ist es daher notwendig, Patienten schon vor dem Eingriff einem Erreger-Screening zu unterziehen und Hygieneregeln in der Klinik strikt zu beachten. 

Darauf wies die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik (AE) auf ihrer Konferenz am 19. Juni in Hamburg hin. Denn eine Infektion des Gelenks belastet den Patienten, verzögert den Heilungsprozess und erfordert mitunter eine oder mehrere erneute Gelenk-Operationen. 
 
Von der Haut gelangen ständig Bakterien in das Körperinnere, beispielsweise beim Zähneputzen und Essen. Die körpereigene Abwehr fängt sie im Regelfall ab und verhindert eine Infektion.

Zum Infektionsrisiko werden Bakterien dann, wenn sie von ihrem angestammten Platz an einen anderen Ort, beispielsweise vom Darm in die normalerweise keimfreie Harnblase, gelangen.

Das gilt besonders dann, wenn die Anzahl der eingedrungenen Bakterien zu groß ist, um von der Abwehr abgefangen zu werden. „Künstliche Gelenke verfügen über keine Abwehr gegen Bakterien und damit können nur wenige davon eine Infektion auslösen, wenn sie an die Prothese gelangen“, erklärt Dr. med. Lars Frommelt, der das Institut für Infektiologie, klinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der HELIOS ENDO-Klinik Hamburg leitet.

Da diese Besiedelung der Prothese bei der Implantation erfolgen kann, müssen Desinfektion, Antibiotikaprophylaxe, also krankenhaushygienische Maßnahmen erfolgen, um Bakterien daran zu hindern, die Prothese zu besiedeln, so der Experte im Vorfeld eines Forums der AE Hamburg. Ist es den Bakterien gelungen, auf der Prothese Fuß zu fassen, bilden sie den sogenannten Biofilm, in dem sie geschützt vor Abwehr und Antibiotika sind und von dort aus eine Infektion des Knochens verursachen. Spätestens dann müsse das Gelenk operativ gereinigt oder getauscht werden.

„Die Haut wird trotz sorgfältiger Desinfektion nie völlig keimfrei sein, insbesondere, da bei einer Operation auch tiefere Hautschichten durchtrennt werden, in denen Desinfektionsmittel nicht wirksam sind. Von dort können Erreger in die Tiefe des Operationsgebietes gelangen“, so Professor Dr. med. Heiko Reichel, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik am RKU Ulm. Die sorgfältigste Reinigung der Haut gehört unbedingt zur hygienischen Vorsorge bei einer Operation, um das Risiko einer Infektion zu reduzieren.

,„Wir empfehlen dringend, alle Patienten vor der OP einem Screening zu unterziehen, damit gefährliche Erreger bereits vor der Operation mit einem passenden Antibiotikum behandelt werden können“, ergänzt der Präsident der AE.

Vor einer Operation muss zudem sicher gestellt sein, dass der Patient nicht unter Infektionen oder Entzündungen leidet und über eine ausreichend starke körpereigene Abwehr verfügt, so Reichel.

Zum Ablauf vor dem Eingriff gehöre zwingend, dass Gelenkprothesen steril verpackt und vorbereitet sind. Im Operationsverlauf müsse das OP-Personal die Hygieneregeln der Klinik strikt einhalten. Dies erlaube einen sicheren Einsatz der Prothese und entlaste Menschen mit steifen, schmerzenden Gelenken dauerhaft und zuverlässig. „Außerdem gibt es vielversprechende Entwicklungen im Bereich der Oberflächen-beschichtung von Prothesen. Diese könnten künftig die Kolonisation der Bakterien direkt auf dem Kunstgelenk vermindern“, ergänzt Professor Dr. med. Carsten Perka, Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Diese und weitere Möglichkeiten der Vermeidung und Behandlung periprothetischer Infektionen erörtern Vertreter verschiedener Fachgebiete bei der Pressekonferenz anlässlich des Forums „Experts meet Experts“ am 19. Juni 2015 in Hamburg.


Medizin am Abend DirektKontakt:

Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e.V. (AE)
Janina Wetzstein
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 89 31-457
Fax: 0711 89 31-167
E-Mail: wetzstein@medizinkommunikation.org
Miriam Buchmann-Alisch
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.

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Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik verfolgt als unabhängiger Verein seit 1996 das Ziel, die Lebensqualität von Patienten mit Gelenkerkrankungen und -verletzungen nachhaltig zu verbessern und deren Mobilität wiederherzustellen. Mit ihren Expertenteams aus führenden Orthopäden und Unfallchirurgen organisiert sie die Fortbildung von Ärzten und OP-Personal, entwickelt Patienteninformationen und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Die AE ist eine Sektion der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte
http://www.dgou.de
http://www.ae-germany.com