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Sepsis - Lungenentzündung - Patienten mit Herzunterstützungssystemen ("Kunstherz")

Medizin am Abend:  Sepsis: Saarbrücker Forscher belegen hemmende Wirkung eines Proteins bei Immunabwehr

Rund 150.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an einer Sepsis, auch als Blutvergiftung bekannt. Etwa ein Drittel stirbt daran. Bei einer Sepsis kommt es zunächst zu einer Überreaktion des Immunsystems. Im späteren Verlauf arbeitet die körpereigene Abwehr dann nicht mehr richtig. In einer aktuellen Studie haben Pharmazeuten der Saar-Uni nachgewiesen, dass ein bestimmtes Protein (GILZ) die körpereigene Abwehr herabsetzt. Es blockiert wichtige Immunzellen, die Makrophagen. Die Forscher haben das Protein genetisch ausgeschaltet. Das Ergebnis: Die Immunzellen konnten ihrer Aufgabe wieder nachkommen. 

Die Abbildung zeigt aus menschlichem Lungengewebe isolierten Makrophagen. Die Abbildung zeigt aus menschlichem Lungengewebe isolierten Makrophagen.
Foto: AG Kiemer
 
Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Immunology“ veröffentlicht.

Bei einer Sepsis gelangen Erreger – meist Bakterien und ihre Giftstoffe ins Blut. Von einem lokalen Entzündungsherd ausgehend, etwa einer Lungenentzündung, verbreiten sie sich und befallen Organe und letztlich den ganzen Körper. 

Achtung: Bei Betroffenen kommt es unter anderem zu Fieber, Blutdruckabfall und Herzrasen.

Wird diese erste Phase der Sepsis überstanden, ist das Überleben der Patienten jedoch keineswegs gesichert.

Um den Erregern Einhalt zu gebieten, läuft das Immunsystem auf Hochtouren. 

Allerdings führt diese Überreaktion zu einer Immunsuppression – die körpereigene Abwehr arbeitet nicht mehr richtig, wodurch weitere Keime dem Organismus zusetzen können. „Patienten könnenSekundärinfektion in der späteren Phase der Sepsis dann an den Folgen einer solchen  sterben“, sagt Alexandra K. Kiemer, Professorin für Pharmazeutische Biologie an der Universität des Saarlandes.

„Bei diesen Abwehr-Prozessen spielen Makrophagen eine wesentliche Rolle.“ Diese Immunzellen beseitigen bei gesunden Menschen Erreger und aktivieren über Botenstoffe andere Immunzellen. 

Bei einer Sepsis können die Zellen keine ausreichende Immunantwort mehr vermitteln – Fachleute bezeichnen dies als Endotoxin-Toleranz.

Das Forscherteam um Kiemer und Jessica Hoppstädter, Erst-Autorin der Studie, hat nun untersucht, wodurch diese Toleranz bei Makrophagen hervorgerufen wird. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass hierfür ein bestimmtes Protein namens GILZ (Glucocorticoid-induzierter Leuzin Zipper) verantwortlich ist. Im Immunsystem nimmt es eine wichtige Schlüsselrolle ein: So unterbindet es bei Makrophagen normalerweise Entzündungsreaktionen. „Kommt es aber im Körper zu einer Entzündung, bauen die Immunzellen das Molekül ab. Dieser Schritt ist wichtig, damit die Zellen eine ausreichende Immunantwort vermitteln und etwa Botenstoffe aussenden, um andere Immunzellen zu aktivieren“, erklärt Jessica Hoppstädter.

Wie sich das Protein bei einer Sepsis verhält, haben die Forscher sowohl bei menschlichen Makrophagen aus Lungengewebe als auch bei Mäusen überprüft. „Wir haben nachgewiesen, dass GILZ nicht abgebaut wird und zum Teil sogar in erhöhter Konzentration vorkommt“, so die promovierte Pharmazeutin weiter.

In einem nächsten Schritt haben die Wissenschaftler das Protein genetisch ausgeschaltet und die Funktion der Immunzellen getestet. „Wir haben festgestellt, dass die Makrophagen wieder in der Lage waren, eine Immunantwort zu vermitteln“, sagt Hoppstädter. „Die Endotoxin-Toleranz wurde aufgehoben.“ Folgestudien müssten nun zeigen, warum Makrophagen GILZ bei einer Sepsis nicht abbauen können. 
 
Die Erkenntnisse können Forscher nutzen, um beispielsweise eine Therapie zu entwickeln, die hilft, das Immunsystem bei Sepsis-Patienten aufrechtzuerhalten.

An der Studie waren neben den Saarbrücker Pharmazeuten noch Forscherkollegen aus dem italienischen Perugia beteiligt. Das Lungengewebe zur Gewinnung der untersuchten Zellen hat das HerzZentrum Saar der SHG Kliniken Völklingen zur Verfügung gestellt.

Die Studie wurde veröffentlicht: Hoppstädter J, Kessler SM, Bruscoli S, Huwer H, Riccardi C, Kiemer AK. 2015. Glucocorticoid-induced leucine zipper (GILZ): a critical factor in macrophage endotoxin tolerance.
DOI: doi/10.4049/jimmunol.1403207

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Alexandra K. Kiemer
Pharmazeutische Biologie
Tel.: 0681 302-57311 oder -57322
E-Mail: pharm.bio.kiemer(at)mx.uni-saarland.de

Dr. Jessica Hoppstädter
Pharmazeutische Biologie
Tel.: 0681 302-57304
E-Mail: j.hoppstaedter(at)mx.uni-saarland.de
Melanie Löw Universität des Saarlandes

Bauch- und Leberfett: Diabetes 2

Medizin am Abend Fazit:  Diabetes Typ 2: Nicht alle Patienten profitieren von Lebensstiländerung

In Deutschland sind mehr als sechs Millionen Menschen an Diabetes erkrankt, die meisten davon an Diabetes Typ 2. Jedes Jahr kommen etwa 270 000 neu hinzu. In vielen Fällen helfen Bewegung, Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme, um das Risiko für Diabetes Typ 2 zu senken. Doch neuere Untersuchungen zeigen: Nicht jeder profitiert gleich stark von einer Veränderung des Lebensstils. Das Tübinger-Lebensstil-Interventionsprogramm (TULIP) und die darauf basierende deutschlandweite Prädiabetes-Lebensstil-Interventionsstudie (PLIS) des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) untersuchen, warum manche Menschen trotz Gewichtsabnahme und sogar bei Normalgewicht an Diabetes Typ 2 erkranken. 
 
Genetische Faktoren sowie der Anteil des Bauch- und Leberfetts scheinen hierbei eine besondere Rolle zu spielen.

Diabetes zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Über 90 Prozent der Betroffenen hat einen Diabetes Typ 2, der durch mangelnde Bewegung und kalorienreiche Ernährung sowie Übergewicht begünstigt wird. Bislang war die moderate Umstellung des Lebensstils zu kalorienärmerer Ernährung, Sport und Gewichtsabnahme die erfolgversprechendste Methode, die Stoffwechsellage zu verbessern und Folgeerkrankungen vorzubeugen. „Doch die Studien zeigen auch, dass diese Methode nicht bei jedem Teilnehmer gleich effektiv ist", erklärt Professor Dr. med. Norbert Stefan, Kongresspräsident des Diabetes Kongresses 2015.

 „Untersuchungen zufolge müssen sieben Personen mit einer Vorstufe des Diabetes über einen Behandlungszeitraum von drei Jahren solch eine Lebensstilintervention vornehmen, damit bei einer Person ein Diabetes tatsächlich verhindert werden kann.“

Im Tübinger Lebensstil-Interventions-Programm (TULIP) untersuchen Norbert Stefan und seine Kollegen, warum manche Patienten weniger stark oder auch gar nicht auf die Veränderung der Lebensgewohnheiten ansprechen. „Hierbei stellten wir fest, dass das Diabetesrisiko durch eine Änderung der Lebensgewohnheiten nicht immer sinkt", führt Stefan, Leiter der Abteilung Klinisch-experimentelle Diabetologie der Medizinischen Klinik IV des Universitätsklinikums Tübingen, aus.

Die Experten vermuten, dass genetische Variationen, welche die Insulinwirkung und die Insulinproduktion beeinflussen, der Grund für die unterschiedlichen Erfolge bei den Patienten sind. Beispielsweise steht ein Rezeptor des Fettgewebshormons Adiponektin im Fokus. Das Protein und Hepatokin Fetuin-A, das bei Fettleber vermehrt ausgeschüttet wird, spielt offensichtlich ebenso eine bedeutende Rolle.

Denn es senkt die Insulinwirkung in den Körperzellen und steigert die Produktion von Entzündungsstoffen.

 „Diese sogenannten Biomarker können wir künftig eventuell dafür nutzen, das persönliche Diabetesrisiko besser vorherzusagen und zu ermitteln, welche Patienten von einer Umstellung des Lebensstils tatsächlich profitieren", prognostiziert Stefan.  

Mit diesen Erkenntnissen könnte eventuell auch der Zusammenhang zwischen Fettleber, Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauferkrankungen aufgedeckt werden.

Auf der Konferenz anlässlich des Diabetes Kongresses 2015 in Berlin stellt Professor Stefan die aktuellsten Ergebnisse der Lebensstilstudie TULIP vor und zwei Studien-Teilnehmerinnen berichten über ihre Erfahrungen. Der Diabetes Kongress wird in diesem Jahr erstmals im neuen Berliner CityCube stattfinden.




Medizin am Abend DirektKontaktKontakt:

Diabetes Kongress 2015
Anne-Katrin Döbler/ Julia Hommrich/Lisa Ströhlein
50. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel: 0711 8931 423, Fax: 0711 8931-167
hommrich@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:
http://www.diabeteskongress.de
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

Verschlossene Ohrtrompeten - Mittelohrentzündungen - Eustachische Röhre

Medizin am Abend Fazit:  Neues risikoarmes Verfahren bei verschlossenen Ohrtrompeten

Druck auf dem Ohr, Hörprobleme und immer wieder eine Mittelohrentzündung: 

Eine verschlossene Ohrtrompete plagte Betroffene oft jahrelang, ohne dass ihnen eine Therapie wirksam geholfen hätte. Bielefelder Mediziner haben ein neues Verfahren entwickelt, das Abhilfe schafft. Dabei wird die Ohrtrompete, auch Eustachische Röhre oder Tuba auditiva genannt, mit einem Ballonkatheter geweitet. Wie risikoarm und einfach sie funktioniert, erläutern die Experten der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO KHC) auf der Pressekonferenz am 12. Mai in Berlin anlässlich ihrer 86. Jahresversammlung (13. bis 16. Mai 2015). 
 
Die Eustachische Röhre sorgt für einen Druckausgleich zwischen dem Nasen-Rachen-Raum und dem Mittelohr. In der Regel ist sie geschlossen, um das Ohrinnere vor Infektionen aus dem Nasenraum zu schützen.

Nur beim Gähnen oder Schlucken öffnet sie sich kurz.

Ist die Funktion der Tuba auditiva beeinträchtigt – ist sie zum Beispiel dauerhaft verstopft oder verengt –, haben die Betroffenen zum einen Probleme mit der Be- und Entlüftung des Ohres, zum anderen ist die Reinigungsfunktion des Mittelohres eingeschränkt.

Die Folge: Schmerzen und häufig eine Mittelohrentzündung, die schlimmstenfalls zu einer Verminderung der Hörfähigkeit führen kann.

„Etwa ein Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden an einer verschlossenen Ohrtrompete, auch obstruktive Tubendysfunktion genannt“, sagt Professor Dr. med. Holger Sudhoff, Chefarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie am Klinikum Bielefeld. Er hat die Kathetermethode maßgeblich entwickelt.

Bei dieser dringen die Ärzte mit einem Endoskop, meist durch die Nase, in Einzelfällen auch durch den Rachen oder das Ohr, bis zum Eingang der Tube vor.

 „Anschließend wird der Ballonkatheter in die Trompete vorgeschoben“, erläutert der HNO-Facharzt. „Nach genauer Positionierung wird der Ballon mit einer Kochsalzlösung bis zu einem Druck von 10 bar aufgeblasen.“ Etwa zwei Minuten lang bleibt der Druck aufrechterhalten, dann wird die Flüssigkeit aus dem Ballon abgelassen und der Katheter vorsichtig mit dem Endoskop entfernt. Der Eingriff dauert nur einige Minuten, wird jedoch unter Vollnarkose durchgeführt.

Inzwischen setzen zahlreiche Krankenhäuser den „Bielefelder Ballonkatheter“ ein. Nebenwirkungen gibt es kaum; vereinzelt registrierten die Ärzte geringere, ungefährliche Blutungen im Nasen-Rachen-Raum. „Die Erfolgsquote ist gut“, berichtet Professor Sudhoff. 

Studien haben gezeigt, dass nach einer Ballondilatation die Belüftung der Tube um 70 bis 80 Prozent besser funktioniert als vorher.“ Künftig sollen auch Kinder von der Methode profitieren können; gerade sie werden häufig von Mittelohrentzündungen geplagt.

„Nach einigen Jahren Erfahrung mit der Ballondilatation können wir sagen, dass wir einen neuen Standard bei der Behandlung einer obstruktiven Tubendysfunktion und vergleichbaren Erkrankungen begründet haben“, sagt Professor Sudhoff.
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Terminhinweis:

86. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-
Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO KHC), 13. Mai bis 16. Mai 2015
Ort: Estrel Convention Center Berlin, Sonnenallee 225, 12057 Berlin-Neukölln

Kongress-Pressekonferenz anlässlich der 86. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO KHC), 13. Mai bis 16. Mai 2015
Termin: Dienstag, 12. Mai 2015, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Estrel Convention Center Berlin, Sonnenallee 225, 12057 Berlin-Neukölln, Raum Nizza

Themen:

Highlights und Schwerpunkte des Kongresses 2015
Professor Dr. med. Werner Hosemann
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie
e.V. (DGHNO KHC); Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-,Ohrenkrankheiten, Kopf und Halschirurgie, Universität Greifswald

Eine neue Volkskrankheit: die chronische Nasennebenhöhlenentzündung
PD Dr. med. Achim Beule
Gf. Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-,Ohrenkrankheiten, Kopf- und Halschirurgie, Universität Greifswald

e - Zigaretten sind nicht so harmlos wie gedacht!
Professor. Dr. med. Martin Canis
Komm. Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Universität Göttingen

Dehnung der Ohrtrompete mit Ballons – ein neues, wenig invasives Behandlungsverfahren bei
vielen Mittelohrerkrankungen.
Professor Dr. med. Holger Sudhoff
Chefarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Klinikum Bielefeld.


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Medizin am Abend DirektKontakt:

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde,
Kopf- und Hals-Chirugie (DGHNO KHC)
Stephanie Priester
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel: 0711 89 31 605
Fax: 0711 89 31 167
E-Mail: priester@medizinkommunikation.org  Medizin -
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Psychologische Hilfe für Flüchtlinge und Asylbewerber

Medizin am Abend Fazit: Psychologische Hilfe für Flüchtlinge

 

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/046/1804622.pdf


Flüchtlinge können in Deutschland auch Anspruch auf eine
psychotherapeutische Behandlung geltend machen.

So seien mit dem zum 1. März 2015 geänderten Asylbewerberleistungsgesetz grundsätzliche Verbesserungen verbunden, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke zur psychosozialen Betreuung und Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen.

In der Gesundheitsversorgung der Asylbewerber seien die Grundleistungen nach der Reform auf 15 Monate beschränkt, während es zuvor 48 Monate waren. 

In diesen ersten 15 Monaten bekämen Flüchtlinge nur eine Akut- und Schmerzversorgung.

Anschließend hätten die Berechtigten Anspruch auf Gesundheitsleistungen auf dem Niveau der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). 

Die Leistungsbezieher erhielten somit wie Versicherte der GKV „notwendige und angemessene psychotherapeutische und andere Leistungen zur Krankenbehandlung“. Die Behandlung werde von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Ein Dolmetscher für die Verständigung zwischen Therapeut und Patient sei hingegen „nicht vom Leistungsanspruch der GKV-Versicherten umfasst“.

Das Bundessozialgericht (BSG) habe darauf hingewiesen, „dass die Verständigung aller in der GKV Versicherten mit den an der vertragsärztlichen Versorgung beteiligten Leistungserbringern auch in ihrer jeweiligen Muttersprache nicht zum Leistungsumfang einer ausreichenden, zweckmäßigen und wirtschaftlichen Versorgung gehört“.

Allerdings gebe es zunehmend Ärzte und Psychotherapeuten, die auch eine Fremdsprache beherrschten. Berufsverbände und Kassenärztliche Vereinigungen böten zudem Suchportale an, die bei der Arztsuche nach Sprachkenntnissen differenzierten.


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Redaktionsmitglieder: Jörg Biallas (verantwortlich)
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Verschobene Rache - oder zielorientiertes Verhalten?

Medizin am Abend Fazit: Rache kann süß sein! Warum auch die Rache gegen Unbeteiligte Genugtuung verschaffen kann

Psychologen der Universität Marburg zeigen: Rache kann selbst dann „süß“ sein, wenn sie gegen eine unbeteiligte Person gerichtet ist – allerdings nur, wenn diese Person und der ursprüngliche „Täter“ einer gemeinsamen Gruppe angehören. In drei Untersuchungen mit mehr als 300 Teilnehmern untersuchten die Forscher Rachehandlungen an Tätern und Stellvertretern. Die Ergebnisse der Studien wurden im „Journal of Experimental Social Psychology“ veröffentlicht. 
 
Wenn man sich für erlittenes Unrecht nicht an der Person rächt, die einem das Unrecht zugefügt hat, sondern an einer unbeteiligten Person, spricht man von „verschobener Rache“.

Ein besonders erschütternder Fall dieses Phänomens war die Ermordung des britischen Soldaten Lee Rigby in London im Mai 2013 durch zwei islamistische Fundamentalisten. Die Täter verkündeten damals, dass dieser Mord die Rache für die „tägliche Tötung von Muslime durch britische Soldaten“ sei.

Die bisherige Forschung erbrachte, dass die Wahrscheinlichkeit einer solchen Tat steigt, wenn der ursprüngliche Täter und die unbeteiligte Person, an der die Rache verübt wird, aus einer gemeinsamen Gruppe stammen und die Gruppenmitglieder als einander ähnlich wahrgenommen werden.

Unbekannt war jedoch, ob es sich bei der „verschobenen Rache“ um ein zielorientiertes Verhalten handelt. „Bislang wussten wir nicht, ob die Rächer ihre Tat hinterher bereuen oder ob verschobene Rache nicht sogar befriedigend sein kann“, sagt der Marburger Sozialpsychologe Mario Gollwitzer. Gemeinsam mit Arne Sjöström untersuchte er das Phänomen in drei Studien.

Rache - und dann?

In der ersten Online-Studie sollten 169 Probanden im Alter von 18 bis 56 Jahren eine Geschichte lesen und sich in den Protagonisten hineinversetzen: Der Protagonist wird von einer anderen Person ungerecht behandelt und rächt sich danach – entweder am Übeltäter selbst oder an einem unbeteiligten Stellvertreter. Zusätzlich erfahren die Probanden, dass die Gruppe, der beide (Übeltäter und Stellvertreter) angehören, entweder sehr eng zusammengehört oder nur lose verbunden ist.

In der zweiten Online-Studie sollten sich die 89 Probanden im Alter von 19 bis 36 Jahren an eine Situation erinnern, in der sie selbst Opfer eines Unrechts waren, sich aber nicht gerächt hatten. Anschließend sollten sie sich vorstellen, sie würden sich nun doch rächen, und zwar wiederum entweder am Übeltäter selbst oder an einem Stellvertreter. Wieder gehörten beide, Übeltäter und Stellvertreter, der gleichen Gruppe an, die entweder eng oder nur locker verbunden war.

Befriedigung durch „verschobene Rache“

Die Ergebnisse beider Studien zeigen, dass die Probanden nach direkter Rache am Übeltäter zufriedener waren und weniger Schuldgefühle hatten als nach „verschobener Rache“ am Stellvertreter.

Die Zufriedenheit nach „verschobener Rache“ war jedoch dann hoch, wenn der Stellvertreter und der Täter einer engen gemeinsamen Gruppe angehörten. Die Zufriedenheit war hingegen deutlich niedriger, wenn die „verschobene Rache“ an einer Person geübt wurde, die weniger eng mit dem Täter verbunden war.

Eine weitere Studie unter Laborbedingungen mit 72 Teilnehmern im Alter von 18 bis 30 Jahren zeigte: Personen fühlen sich nach „verschobener Rache“ besonders befriedigt, wenn der ursprüngliche Übeltäter und die Person, die ihre Rache abbekommen hat, sich sowohl äußerlich als auch in ihrem Verhalten sehr ähnlich sind.

„Verschobene Rache“ als zielorientierte Handlung

Insgesamt erweist sich „verschobene Rache“ daher nicht einfach als ein irrationaler Impuls oder als willkürliches Ausleben der eigenen Frustration an irgendeiner anderen Person.

„Sie stellt vielmehr eine zielorientierte Handlung dar, die unter der Bedingung, dass der Täter und die Zielperson der Rache aus einer eng zusammengehörigen Gruppe stammen, dem Rächer Genugtuung verschaffen kann. Auch ‚verschobene Rache‘ kann also in der Tat ‚süß‘ sein“, sagt Arne Sjöström.

 „Möglicherweise hält man aufgrund einer hohen Ähnlichkeit mit dem Täter auch die Zielperson für schuldig an dem Ereignis, das den Rachewunsch ausgelöst hat“ erläutert Mario Gollwitzer.

Ein Fall von „Sippenhaft“?

Die Originalstudie finden Sie hier:

Sjöström, A., & Gollwitzer, M. (2015). Displaced revenge: Can revenge taste “sweet” if it aims at a different target? Journal of Experimental Social Psychology, 56, 191-202.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Mario Gollwitzer
Philipps-Universität Marburg
Fachbereich 04 - Psychologie
AG Psychologische Methodenlehre
Gutenbergstraße 18
35032 Marburg
Tel.: 06421 2823669
E-Mail: mario.gollwitzer@uni-marburg.de
http://www.uni-marburg.de/fb04/ag-meth

DGPs:
Dr. Anne Klostermann
Marienstr. 30
10117 Berlin
Tel.: 030 28047718

Über die DGPs:

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) ist eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen. Die über 3500 Mitglieder erforschen das Erleben und Verhalten des Menschen. Sie publizieren, lehren und beziehen Stellung in der Welt der Universitäten, in der Forschung, der Politik und im Alltag.
Wollen Sie mehr über uns erfahren? Besuchen Sie die DGPs im Internet: www.dgps.de

Gehirnaktivität mit psychischen Erkrankungen: abgeschwächte Oxzillationen

Medizin am Abend Fazit: Genetische Grundlage für psychische Erkrankungen

Mit ihrer Studie hoffen Forscher, die Entwicklung von neuen Medikamenten und Therapien zu ermöglichen 

Institut für Phsychologie I
 
 Institut für Phsychologie I

Wie hängt verminderte Gehirnaktivität mit psychischen Erkrankungen zusammen? Die Freiburger Neurowissenschaftlerin Prof. Dr. Marlene Bartos und die Molekularmediziner Dr. Jonas-Frederic Sauer und Dr. Michael Strüber haben herausgefunden, dass das Gen „Disrupted-in-schizophrenia 1“ (DISC1) den Informationsaustausch zwischen Nervenzellen schwächt.

Das Team geht davon aus, dass diese verminderte Kommunikation zwischen Nervenzellen ein Auslöser für psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Schizophrenie sein kann. Die Forschungsergebnisse könnten als Grundlage für neue Medikamente und Therapiemöglichkeiten dienen.

Gedanken und Gefühle basieren auf der Interaktion von Nervenzellen, den so genannten Neuronen, innerhalb des Gehirns. Dabei werden chemische Botenstoffe von einer Nervenzelle zur anderen übermittelt und lösen dort elektrische Signale aus. Ein neuronales Netzwerk wie das Gehirn sendet diese Signale von vielen Nervenzellen zeitgleich, was sich in Aktivitätsmustern widerspiegelt. Diese werden auch als Gehirnoszillationen, also als Schwingungen, bezeichnet. Forscherinnen und Forscher haben im Gehirn von manchen Individuen mit Schizophrenie oder schwerer Depression beobachtet, dass die Oszillationen abgeschwächt sind. Frühere Untersuchungen zeigten, dass eine Mutation im Gen DISC1 verantwortlich sein könnte.

Eine mehrere Jahrzehnte andauernde Studie über eine schottische Familie zeigte, dass das verkürzte Gen DISC1 psychische Erkrankungen bei den Familienmitgliedern verursachte. Diese Mutation haben Forscher in Mäusen ausgelöst, um die Folgen des Gendefekts und die Ursachen der Erkrankungen an den Modelltieren zu untersuchen. Das Freiburger Team hat bestätigt, dass die Mutation von DISC1 zu Veränderungen des Verhaltens führt, die einer depressiven Handlungsweise ähneln. Aufgezeichnete Gehirnaktivitäten der DISC1-Mäuse waren deutlich abgeschwächt.

Um den Auslöser für die gehemmten Gehirnoszillationen zu bestimmen, konzentrierten sich die Forscher auf den prälimbischen Kortex, der für Emotionen und motivationsangetriebene Verhalten verantwortlich ist. Die Modelltiere wiesen eine geringere Anzahl eines speziellen Typus hemmender Neurone auf, genannt „fast-spiking Interneurone“.

Diese Nervenzellen verfügen zudem über eine geringere Anzahl von Verbindungen zu Zielzellen und zeigen Schwierigkeiten beim Empfangen und Versenden chemischer Botenstoffe. Dadurch wird ihre Kommunikation mit anderen Neuronen reduziert.

Die Forscher gehen davon aus, dass dies einer der Gründe für die abgeschwächten Gehirnoszillationen ist. Da der prälimbische Kortex die Informationen verschiedener Gehirnareale integriert und motorisches Verhalten kontrolliert, gelte es nun, herauszufinden, wie diese Informationen die Aktivität des prälimbischen Kortex beeinflussen und somit zu depressivem Verhalten beitragen können.

Originalpublikation:

Jonas-Frederic Sauer, Michael Strüber, Marlene Bartos: Impaired fast-spiking interneuron function in a genetic mouse model of depression. eLife 2015. DOI: http://dx.doi.org/10.7554/eLife.04979
http://elifesciences.org/content/early/2015/03/03/eLife.04979

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Marlene Bartos
Institut für Physiologie I / Systemische und Zelluläre Neurophysiologie
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-5150
E-Mail: marlene.bartos@physiologie.uni-freiburg.de
Rudolf-Werner Dreier Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

GenderMedizin: Chronischer Schnupfen - Rhinosinusitis: Feuerwehrleute - Flugbegleiter

Medizin am Abend Fazit:  Asthma, Übergewicht und Depressionen: Chronischer Schnupfen begünstigt andere Leiden


Mehr als 10 Prozent der Deutschen leiden unter einer chronischen Rhinosinusitis, einer dauerhaften Entzündung der Nasenschleimhaut. 

Experten der DGHNO KHC weisen im Vorfeld ihres 86. Jahreskongresses darauf hin, dass die individuelle Belastung des Patienten häufig über die genannten Symptome hinausgeht: weitere Erkrankungen wie eine Lungenentzündung werden in ihrer Entstehung begünstigt und auch psychische Erkrankungen kommen häufiger vor. In der Ärzteschaft werde die Häufigkeit der chronischen Rhinosinusitis oftmals unterschätzt. Die Therapie der Erkrankung ist daher ein Thema der Pressekonferenz der 86. Jahrestagung der DGHNO KHC am 12. Mai 2015 in Berlin. 
 
„Patienten mit einer chronischen Rhinosinusitis erkranken deutlich häufiger an Lungenerkrankungen, wie Asthma bronchiale und COPD, der sogenannten Raucherlunge. Nach internationalen Daten haben sie aber auch ein erhöhtes Risiko an Schlaganfall, Übergewicht oder einer Depression zu erkranken“, erklärt Privatdozent Dr. med. habil. Achim G. Beule, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie der Universitätsmedizin Greifswald.

Insgesamt sind dabei Männer und Frauen etwa gleich häufig betroffen. 

Zudem merkt der HNO-Experte an: „Scheinbar sind bestimmte Berufsgruppen wie Feuerwehrleute und Flugbegleiter besonders gefährdet, an einer chronischen Rhinosinusitis zu erkranken.“

Patienten, die dauerhaft an Schnupfen leiden, rät der Experte, einen HNO-Arzt aufzusuchen. Der Facharzt kann durch eine Endoskopie der Nase verschiedene Unterformen der chronischen Rhinosinusitis unterscheiden, den betroffenen Patienten beraten und eine passende, konservative Therapie einleiten. Diese ist häufig erfolgreich. Andernfalls kann eine Nebenhöhlen-Operation Linderung verschaffen. Dabei entfernt ein Arzt beispielsweise Polypen, um enge Nasengänge zu erweitern.

In Deutschland wurden allein im Jahr 2009 mehr als 50 000 Eingriffe an Patienten im Bereich der Nasennebenhöhlen wegen einer chronischen Rhinosinusitis durchgeführt.

Dr. Beule weist darauf hin, dass die chronische Rhinosinusitis international deutlich mehr Aufmerksamkeit als in Deutschland erhält. Für die USA, in denen etwa 12 Prozent der Bevölkerung daran leiden, wurden die direkten Kosten der chronischen Rhinosinusitis bereits 1996 auf 4,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Dabei erfolgen dort mehr als 10 Millionen Arztkontakte pro Jahr nur aufgrund dieser Erkrankung. In Asien steigt nach neueren Untersuchungen die Häufigkeit der chronischen Sinusitis. „Auch wenn so ein dramatischer Anstieg teilweise durch Verbesserungen der Untersuchungstechnik erklärt werden kann, sollte er Anlass sein, sich in Deutschland wissenschaftlich mehr mit der chronischen Rhinosinusitis zu beschäftigen“, führt der HNO-Experte aus. Im Rahmen einer großen europäischen Untersuchung berichteten in der Region Duisburg 14,1 Prozent und in Brandenburg 6,9 Prozent der Befragten über Beschwerden, die als typisch für eine chronische Rhinosinusitis gelten. Bei Befragung der Ärzte wurde die Häufigkeit deutlich unterschätzt. „Die Ursachen für die unterschiedliche Häufigkeit der Erkrankung können sowohl in der industriellen Ausrichtung in der Region des Niederrheins und Ruhrgebietes liegen, wie in günstigen Nachwirkungen der deutschen Teilung,“ erläutert Dr. Beule die Ergebnisse.

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Terminhinweis:

86. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-
Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO KHC)
Termin: 13. Mai bis 16. Mai 2015
Ort: Estrel Convention Center Berlin, Sonnenallee 225, 12057 Berlin-Neukölln


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Medizin am Abend DirektKontakt

86. Jahresversammlung DGHNO KHC
Anna Voormann/Stephanie Priester
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-605
Telefax: 0711 8931-167
priester@medizinkommunikation.org
http://www.hno.org/kongress
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften


Immunologie - Makrophagen: Impfungen und Entzündungen

Medizin am Abend Fazit: Immunologie - Makrophagen können mehr

LMU-Forscher weisen nach, dass Makrophagen dieselbe Rolle wie dendritische Zellen übernehmen können. Dabei lösen sie sogar eine vollständigere Immunantwort aus. 
 
Die Immunantwort, mit der sich der Körper gegen Krankheitserreger wehrt, ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Zelltypen.

Dendritische Zellen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie erkennen Krankheitserreger, nehmen diese auf und zerlegen sie in Bruchstücke, die Antigene genannt werden. Diese Antigene präsentieren sie auf ihrer Oberfläche anderen Immunzellen, den T-Zellen, die dadurch aktiviert werden und die Eindringlinge bekämpfen. Ein Team um Professor Thomas Brocker, Direktor des Instituts für Immunologie der LMU, weist nun nach, dass Makrophagen, die zu den Fresszellen zählen, dies ebenfalls können. Damit haben Makrophagen eine Rolle für die Immunantwort, die bislang nicht bekannt war. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher aktuell in der Fachzeitschrift PNAS.

„Bislang ging man davon aus, dass es mit den dendritischen Zellen nur einen zentralen Zelltyp im Immunsystem gibt, der für die Antigenpräsentation zuständig ist. Wir haben nun herausgefunden, dass es mit den Makrophagen eine zweite Art an Zellen gibt, die ähnlich kompetent sind und in bestimmten Situationen wichtigere Rollen spielen können als dendritische Zellen“, sagt Thomas Brocker.

Natürliche Filterfunktion nutzen

Dendritische Zellen präsentieren Antigene sogenannten zytotoxischen T Zellen entweder, weil sie selbst infiziert sind, oder indem sie die Infektion bei anderen Zellen erkennen und deren Material aufnehmen. Im letzteren Fall spricht man von „Kreuzpräsentation“. „Theoretisch wären die dendritischen Zellen dann für die komplette Immunantwort verantwortlich, egal ob sie selbst infiziert sind oder nicht. Vor allem die Bedeutung der Kreuzpräsentation ist in der Literatur jedoch sehr umstritten“, sagt Brocker.

Der Immunologe hat mit seinem Team mit einem Impfstoff gearbeitet, der die dendritischen Zellen nicht infiziert, sondern nur die Makrophagen anspricht. Im Mausmodell ließ sich dennoch eine normale Immunantwort nachweisen. Selbst bei einem Mausstamm, dem die dendritischen Zellen ganz fehlten, funktionierte die Immunantwort. In weiteren Versuchen konnten die LMU-Forscher zeigen, dass die Makrophagen sogar eine vollständigere Immunreaktion auslösten. Sie aktivierten T-Zellen spezifisch für alle untersuchten Antigen-Bindungsstellen (Epitope), während durch die Antigen-Präsentation der dendritischen Zellen T-Zellen nur spezifisch für die stärksten Epitope aktiviert wurden.

Makrophagen sind meist die ersten Immunzellen im Körper, die eindringende Erreger erkennen. „Makrophagen haben eine natürliche Filterfunktion, sie fressen alles auf, was für den Körper schädlich ist. Wir konnten nun zeigen, dass sie¬ im Gegensatz zu kreuzpräsentierenden dendritischen Zellen¬ sogar ausreichend sind, um alle von uns untersuchten Epitope für T-Zellen herzustellen und damit eine komplette Immunantwort auszulösen. Das weist darauf hin, dass die Funktion der Kreuzpräsentation der dendritischen Zellen bislang überschätzt wurde“, sagt Brocker.

Die neuen Erkenntnisse sind relevant für die Entwicklung von Impfstrategien. 

„Inzwischen gibt es präklinische Versuche, Impfstoffe so zu gestalten, dass sie spezifisch dendritische Zellen ansprechen.

Aber gerade die schwachen Antigenepitope sind für eine breit angelegte Immunantwort relevant, beispielsweise wenn sich Viren verändern.

Kreuzpräsentierende dendritische Zellen sprechen diese aber gar nicht an, wie unsere Studie zeigt. Unsere Ergebnisse legen nun nahe, dass es sinnvoll sein kann, Makrophagen direkt zu manipulieren, da sie eine vollständigere Immunantwort auslösen“, sagt Brocker.


Medizin am Abend DirektKontakt:

Professor Thomas Brocker
Institut für Immunologie der LMU
Tel: 089/2180-75674
E-Mail: tbrocker@med.uni-muenchen.de

Publikation
Thomas Brocker u.a.:
CD169+ macrophagesaresufficientforprimingof CTLs withspecificitiesleft out bycross-primingdendriticcells
In: PNAS (doi: 10.1073/pnas.1423356112)
http://www.pnas.org/content/early/2015/04/14/1423356112.abstract

Luise Dirscherl
 

360° TOP-Thema: Impflücken auch bei Asylbewerbern sowie Flüchtlingen (15% erkrankte Menschen)


Medizin am Abend Fazit:  Impflücken auch bei Asylbewerbern

Auch Asylsuchende können sich den Angaben zufolge kostenlos impfen lassen.

Die vollständige Kostenübernahme aller empfohlenen Schutzimpfungen sei gewährleistet.

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/047/1804787.pdf

Der jüngste Masernausbruch mit Schwerpunkt in Berlin zeigt nach Ansicht der Bundesregierung die Notwendigkeit eines umfassenden Impfschutzes auch unter Asylsuchenden.

Berlin erlebe den größten Masernausbruch seit 2001. Seit Oktober 2014 bis Ende April 2015 seien 1.157 Erkrankungen aufgetreten, 1.036 allein in diesem Jahr, heißt es in der Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke.

Die ansteckende Viruserkrankung habe sich anfangs vornehmlich unter Asylbewerbern verbreitet, von denen die meisten aus Bosnien und Herzegowina oder Serbien stammten.

Maßgeblicher Grund für die starke Verbreitung der Masern in Berlin sowie zunehmend in Sachsen und Thüringen seien die großen Impflücken unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Es bestehe insoweit dringender Handlungsbedarf zur Verbesserung des Impfschutzes.

Auch Asylbewerber sowie Flüchtlinge seien eine „wichtige Zielgruppe“ für die Schließung von Impflücken, heißt es weiter. Gemäß dem epidemiologischen Wochenbericht des Berliner Landesamtes für Gesundheit und Soziales vom 23. April 2015 liege der Anteil der Asylsuchenden unter den an Masern erkrankten Menschen beim aktuellen Ausbruch bei 15 Prozent.

Auch Asylsuchende können sich den Angaben zufolge kostenlos impfen lassen. Die vollständige Kostenübernahme aller empfohlenen Schutzimpfungen sei gewährleistet.

Insofern gebe es keine Defizite im Leistungsrecht. Belastbare Daten über Impfquoten bei Asylbewerben lägen allerdings nicht vor.

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360° TOP-Thema: Zahn-Implantaten: Große Komplikationen - Implantat-Verlust - Internistische Untersuchungen!

Medizin am Abend Fazit: Langzeiterfolg von Zahn-Implantaten steigern

Rund 13 Millionen Zähne entfernen Zahnärztinnen und Zahnärzte jedes Jahr. Etwa eine Million davon ersetzen sie durch Implantate – Tendenz steigend. Es ist inzwischen ein Routineverfahren. Trotzdem: Bei 20 bis 40 Prozent der Zahn-Implantate entstehen Komplikationen bis hin zum Implantat-Verlust. Über die Ursachen gab es bisher kaum verlässliche Daten. Marburger Zahnmediziner analysierten auf Basis langjähriger Beobachtungen Risikofaktoren für Implantat-Komplikationen. Ihre Ergebnisse sollen den Langzeiterfolg von Zahn-Implantaten steigern. 

Bei der Entwicklung der Patientendatenbank unterstützten Prof. Dr. Reiner Mengel (r.) Maik Hahmann und Carmen Schade-Brittinger vom Marburger Koordinierungszentrum für Klinische Studien.
Bei der Entwicklung der Patientendatenbank unterstützten Prof. Dr. Reiner Mengel (r.) Maik Hahmann und Carmen Schade-Brittinger vom Marburger Koordinierungszentrum für Klinische Studien. PR/ Philipps-Universität Marburg
 
Bei 20 bis 40 Prozent der Zahn-Implantate entstehen fünf Jahre nach der Eingliederung geringe bis erhebliche Entzündungen – zum Teil mit Knochenverlusten. Um Risikofaktoren zu analysieren, beobachten Marburger Zahnmedizinerinnen und -mediziner in Langzeitstudien Erfolge und Misserfolge von Implantat-Versorgungen.

Die Ergebnisse der Studien und die zugrundeliegende wissenschaftliche Patientinnen- und Patientendatenbank stellten sie beim Symposium „Peri-Implantitis“ am 9. Mai im Medizinischen Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Philipps-Universität Marburg vor. Rund 150 Zahnärztinnen und Zahnärzte nahmen an der Tagung teil. Expertinnen und Experten aus Deutschland und Europa diskutieren über Komplikationen bei Zahnimplantaten und deren Ursachen.

Regelmäßige Kontrollen

„Wir erforschen Risikofaktoren, um den Langzeiterfolg von Zahn-Implantaten zu verbessern“, sagt Prof. Dr. Reiner Mengel. Der Marburger Zahnmediziner hat in enger Zusammenarbeit mit den biometrischen und der statistischen Abteilungen des Koordinierungszentrums für Klinische Studien (Direktorin: Carmen Schade-Brittinger) der Philipps-Universität eine wissenschaftliche Datenbank etabliert. Sie erfasst die anonymisierten Daten der Implantat-Patientinnen und -Patienten der Marburger Zahnklinik. Die Forschenden berücksichtigten Daten wie etwa Vorerkrankungen, Rauchverhalten, Medikamenteneinnahmen. Aber auch klinische Daten wie die Knochendichte. Die Patientinnen und Patienten werden nach der Implantation in einem drei- bis sechsmonatigen Intervall, zum Teil schon seit über 20 Jahren, nachuntersucht: „Im Abstand von einem, drei, fünf, zehn, 15 und 20 Jahren nach der Implantation haben wir zudem mikrobiologische und Röntgenuntersuchungen vorgenommen“, erklärt Prof. Mengel. „Bislang sind Daten von über 300 Patientinnen und Patienten integriert. Das ist eine breite und belastbare empirische Datenbasis.“

Größere Gefahr bei Vorerkrankungen

Prof. Mengel und sein Team stellten in ihren Studien deutliche Unterschiede zwischen Fällen mit und ohne parodontaler Vorerkrankung fest. Die Implantat-Überlebensrate lag bei gesunden Patientinnen und Patienten nach fünf Jahren bei 100 Prozent, bei Personen mit einer Entzündungsvorgeschichte bei 96 Prozent. Bei beiden Gruppen beobachteten die Forschenden jedoch Komplikationen:

40 Prozent der gesunden Patientinnen und Patienten bekamen eine Mukositis (Entzündung des Weichgewebes), zehn Prozent erlitten eine Peri-Implantitis (Entzündung des Zahnimplantat-Bettes), die zu Knochenabbau führt.

Wichtiges Ergebnis: Personen mit Vorerkrankung sind stärker gefährdet. 56 Prozent von ihnen bekamen eine Mukositis, 26 Prozent eine Peri-Implantitis.

„Die langfristige Erfolgsrate bei Implantaten betrug somit bei den gesunden Patientinnen und Patienten 50 Prozent, im Falle von Vorerkrankung nur noch 33 Prozent“, resümiert Mengel das Studienergebnis.

Verschiedene Risikofaktoren

„Bei der Frage nach Risikofaktoren können wir grundsätzlich zwischen sogenannten patientenbezogenen genetischen Faktoren, Umweltfaktoren und von Behandelnden verursachte Faktoren unterscheiden.“ Zu den „Umweltfaktoren“ zählen Rauchen, Stress, aber auch schlechte Mundhygiene. Zu den von den „Behandelnden verursachten Faktoren“ gehöre auch die Implantation in „insuffiziente Knochen“. Damit ist Knochensubstanz gemeint, die aufgrund der geringen Knochendichte ungeeignet für das Halten der Implantate ist.

Als einen weiteren Faktor nennt Reiner Mengel das Einsetzen von prothetischen Versorgungen (Zahnersatz), die Betroffene selbst nicht gut reinigen können. Diese Faktoren sind grundsätzlich von den Behandelnden beeinflussbar. Anders hingegen bei den „patientenbezogenen genetischen Faktoren“:

Hierzu gehört die Neigung zu Entzündungen im Mundraum durch internistische Erkrankungen“, sagt Prof. Mengel.

Versorgungsplanung im Fokus

Aufgrund des steigenden Einsatzes von Implantaten und der damit verbundenen Versorgungsnotwendigkeit gehört die Lehre der Implantologie und Implantat-Prothetik für die Marburger Zahnmedizinstudierenden zum Pflichtlehrprogramm. Die Abteilung für Orofaziale Prothetik und Funktionslehre hat daher unter Federführung von Prof. Mengel ein Curriculum „Implantat-Prothetik“ etabliert: „Insbesondere das Erkennen von Risikofaktoren und die prothetische Planung bei Zahn-Implantaten kommt in der zahnärztlichen Praxis oft zu kurz. In der Lehre legen wir daher besonderen Wert darauf, dass die Studierenden lernen, eine gründliche präimplantologische Diagnostik und prothetische Versorgungsplanung vorzunehmen.“

Medizin am Abend DirektKontakt:

Matthias Fejes
Telefon: 06421 28-26007
Fax: 06421 28-28903
E-Mail-Adresse: matthias.fejes@uni-marburg.de


Weitere Informationen für internationale Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.uni-marburg.de/fb20/zahnmundkiefer - Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Philipps-Universität Marburg