Medizin am Abend Fazit: Lungenschonende Beatmung: Risiko von Komplikationen während und nach einer Operation minimieren
Weltweit werden jährlich 234 Millionen
Patienten operiert [1]. In Deutschland wird allein bei rund 15,8
Millionen das Skalpell angesetzt [2]. Werden die Eingriffe unter
Vollnarkose durchgeführt, ist eine künstliche Beatmung notwendig. Um
dies möglichst schonend für den Patienten zu gestalten und um
Komplikationen vorzubeugen, entwickeln Anästhesisten und
Intensivmediziner Beatmungstechniken konsequent weiter.
Eine aktuelle Studie [3] zeigt nun, dass es eine wesentliche Rolle
spielt, wie Patienten während der Operation beatmet werden. „Durch einen
flachen Atemzug und einen niedrigen Ausatemdruck lassen sich
unerwünschte Folgen minimieren“, erklärt Professorin Dr. med. Thea Koch,
Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und
Intensivmedizin (DGAI) und Kongresspräsidentin des diesjährigen
Jahreskongresses (DAC).
Die Intensivmedizin stellt den Bereich im Krankenhaus dar, der sich mit
der Therapie lebensbedrohlicher Zustände und Krankheiten befasst.
Oberstes Ziel ist die Sicherung der lebenswichtigen Körperfunktionen,
den sogenannten Vitalfunktionen.
Ein wesentlicher Aspekt hierbei ist die
künstliche Beatmung. Verbunden mit der Narkose stellt diese während der
Operation eine Ausnahmesituation für den Körper dar. Naturgemäß birgt
jeder Eingriff ein gewisses Risiko, dass es zu einer Komplikation kommen
kann.
Zu den häufigsten Problemen nach großen Operationen gehören
Lungenkomplikationen mit Atembeschwerden. Nicht immer lassen sich diese
unerwünschten Folgen auf die eigentliche Operation zurückführen, sondern
können wie man nun weiß auch mit der Art der Beatmung zusammenhängen.
Neueste Erkenntnisse empfehlen schonendere Beatmung
Bislang wurden Patienten in Narkose häufig mit tieferen Atemzügen und
einem Ausatemdruck von etwa drei bis zwölf Zentimeter Wassersäule
(Einheit zur Messung) beatmet. Ziel dieser Einstellung war es, die Lunge
gut zu belüften und während der gesamten Beatmungszeit einen positiven
Druck in den Atemwegen aufrechtzuerhalten. Während man bis dato davon
ausging, dass dieser Druck nötig ist, um die Atemwege offen zu halten
und somit den Körper optimal mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff zu
versorgen, eröffnen die Ergebnisse der PROVHILO-Studie neue Erkenntnisse
in diesem Bereich:
Tatsächlich kann die Sauerstoffversorgung auch bei
flachen Atemzügen mit einem geringeren Ausatemdruck gewährleistet
werden. Dies beeinträchtigt außerdem weniger stark die
Herzkreislauffunktion.
Je weniger Druck, desto besser
In der PROVHILO-Studie wurden 900 Patienten dahingehend untersucht, wie
sie ihre Beatmung während einer Bauchraumoperation verkraftet haben [3].
Beteiligt waren 30 Zentren in Europa sowie Nord- und Südamerika. 447
Patienten wurden
mit einem höheren Ausatemdruck von ca. 12 Zentimeter
Wassersäule beatmet, die übrigen 453 Patienten im Vergleich dazu mit
einem deutlichen niedrigeren Druck von null bis zwei. Herausgestellt hat
sich dabei, dass die Patienten, die mit einem niedrigeren Druck beatmet
wurden, nicht nur einen stabileren Kreislauf während der Operation
aufwiesen, sondern auch danach von der schonenderen Beatmung
profitierten – sie zeigten keine erhöhten Komplikationen. Ein
überraschendes Ergebnis, wie Frau Professor Koch feststellt: „Die Studie
zeigt, dass die bislang gängige Praxis neu überdacht werden muss und
ein höherer Beatmungsdruck nicht zwangsweise einen positiven Effekt
hat.“
Zusammen mit Erkenntnissen anderer Studien ergibt sich die
Schlussfolgerung, dass während einer Operation eine lungenschonende
Beatmung mit flachem Atemzug in Kombination mit einem niedrigen
Ausatemdruck den optimalen Schutz vor Kreislauf- und
Lungenkomplikationen während und nach einer Operation ermöglicht.
Empfehlungen, die nach aktueller Studienlage, für normalgewichtige
Patienten ohne vorbestehende Lungenerkrankung gelten.
Höhere Patientensicherheit: DGAI begrüßt Weiterentwicklungen
„Jede neue Erkenntnis ist wertvoll und wird die Forschung auf diesem
Gebiet weiter vorantreiben“, betont Professor Dr. Hugo Van Aken,
DGAI-Generalsekretär. In den nächsten Jahren soll untersucht werden,
welche Rolle der Beatmungsdruck bei einer Operation im Brustkorb spielt
und in welchem Ausmaß Patienten mit Fettleibigkeit (Adipositas) von
einem niedrigen Beatmungsdruck profitieren. Die DGAI begrüßt diese
Entwicklung: „Eine hohe Versorgungsqualität und Patientensicherheit
sowie effiziente, problemorientierte Lösungen für die zahlreichen
Herausforderungen in der Anästhesiologie und Intensivmedizin sind unser
Ziel. Daran gilt es gemeinsam zu arbeiten“, führt Professor Van Aken
weiter aus.
Weitere Informationen im Internet:
Deutscher Anästhesiecongress (DAC) 2015 in Düsseldorf
http://www.dac2015.de.
Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und lntensivmedizin e. V.
http://www.dgai.de
Veranstaltung auf dem DAC 2015 zum Thema:
„Prävention pulmonaler Komplikationen durch protektive Ventilation“
Sonderveranstaltung: Anästhesie und Outcome
Vorträge:
Prof. Dr. med. Marcelo Gama de Abreu, Dresden
Prof. Dr. med. Andreas Weyland, Oldenburg
Prof. Dr. med. Hartmut Bürkle, Freiburg
Vorsitz:
Prof. Dr. med. Jürgen Weitz, Dresden
Prof. Dr. med. Bernhard Zwißler, München
Termin:
Freitag, 08. Mai 2015, 09.00 bis 10.30 Uhr (Vortrag zur Prävention pulmonaler Komplikation von 9:00 bis 9:30 Uhr)
Ort:
Congress Center Düsseldorf, Saal 19,
Stockumer Kirchstraße 61, 40474 Düsseldorf
Über die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI):
Die im April 1953 gegründete Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie
und lntensivmedizin e. V. (DGAI) vereinigt über 14.685 Mitglieder und
ist damit die drittgrößte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft
Deutschlands. Nach ihrer Satzung hat sie die Aufgabe, „Ärzte zur
gemeinsamen Arbeit am Ausbau und Fortschritt der Anästhesiologie,
lntensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie zu vereinen und auf
diesen Gebieten die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung
sicherzustellen“. Gemeinsam mit dem Berufsverband Deutscher
Anästhesisten e. V. (BDA) trägt die DGAI die Deutsche Akademie für
Anästhesiologische Fortbildung e. V. (DAAF), die regelmäßig Weiter- und
Fortbildungsveranstaltungen für Anästhesisten durchführt. Die DGAI
veranstaltet jährlich den Deutschen Anästhesiecongress (DAC), den
Hauptstadtkongress der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und
Intensivmedizin (HAI) und richtet darüber hinaus internationale
Anästhesiekongresse aus. Präsidentin der DGAI ist Prof. Dr. med. Thea
Koch, Dresden.
Quellen:
[1] Weiser TG, et al. An estimation of the global volume of surgery: a
modelling strategy based on available data. Lancet 2008; 372: 139-44.
[2] Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Operationen und Prozeduren
der vollstationären Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern, 2013,
www.gbe-bund.de, abgerufen am 14.04.2015.
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Weitere Informationen für Medizin am Abend Beteiligte:
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