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Defekte Bauchschlagader - Hauptschlagader - BAA Bauchaortenaneursma

Medizin am Abend Fazit: Defekte Bauchschlagader: offene Operation nur noch selten

Zu den häufigsten Todesursachen bei Männern über 65 Jahre zählt die krankhaft erweiterte Hauptschlagader im Bauch, das sogenannte Bauchaortenaneurysma (BAA). Um ein lebensbedrohliches Platzen der Ader zu verhindern, muss die Aussackung rechtzeitig beseitigt werden. Dafür stehen zwei Verfahren zur Verfügung: eine Bypass-Operation über einen offenen Bauchschnitt oder das Einsetzen einer blutungssicheren Gefäßstütze, eines sogenannten Stents, über die Leiste. Daten aus 2014 zeigen nun, dass mittlerweile 70 Prozent aller BAAs mit Gefäßstütze über die Leiste versorgt werden. 
 
In welchen Fällen ein Bauchaortenaneurysma (BAA) noch offen operiert werden sollte, diskutieren Experten auf dem 132. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) in München.

Für eine offene Bypass-Operation ist ein größerer Bauchschnitt notwendig. Ist die Bauchhöhle des Patienten geöffnet, ersetzen die Chirurgen das krankhaft erweiterte Stück Schlagader durch eine stabile, dichte Kunststoffprothese. Bei der sogenannten endovaskulären Aneurysmaausschaltung (EVAR) hingegen schieben die Ärzte über einen Katheter in der Leiste des Patienten ein kleines Metallgerüst, den Stent, durch die Blutgefäße vor bis zum Aneurysma. Der Stent wird anschließend aufgespannt, um die krankhafte Schlagader abzudichten und ein Aufreißen zu verhindern. Die offene Operation wird in der Regel in Vollnarkose durchgeführt, während die Schlüsselloch-Variante auch in örtlicher Betäubung erfolgen kann.

Wie die Daten der Qualitätssicherung BAA für 2014 belegen, hat der Prozentsatz an EVAR-Eingriffen stetig zugenommen und liegt gegenwärtig bei über 70 Prozent. „Damit ist die endovaskuläre Aneurysmaausschaltung das bei Weitem bevorzugte Verfahren“, erklärt Professor Dr. med. Peter M. Vogt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). Die Methode ist zugleich sehr sicher, wie die Auswertungen zeigen. „Beim Stent-Verfahren sterben 0,67 Prozent aller Patienten innerhalb von 30 Tagen, beim offenen Eingriff sind es 4,2 Prozent“, erläutert Professor Dr. med. Giovanni Torsello, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin und Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am St. Franziskus-Hospital Münster.

Dies entspricht Registererhebungen in den USA. So ergab das „National Impatient Sample“, dass EVAR in 74 Prozent aller BAA-Fälle zum Einsatz kam, mit einer Krankenhaussterblichkeit von einem Prozent beim endovaskulären und vier Prozent beim offenen Verfahren.

Die Zunahme an Schlüsselloch-Eingriffen ist vor allem auf den technologischen Fortschritt zurückzuführen. „Implantationstechnik und Gefäßstützen haben sich rasant weiterentwickelt“, erklärt Gefäß-Experte Torsello. So konnte bis noch vor kurzer Zeit kein Stent eingebracht werden, wenn zwischen Aneurysma und Nierenarterien nicht eine gesunde Gefäßstrecke von mindestens 1,5 Zentimetern Länge lag. Bei sehr gewundenen, verengten und verkalkten Arterien war es häufig ebenfalls nicht möglich, eine Metallstütze zu platzieren. „Mittlerweile gibt es aber auch für diese schwierigen anatomischen Verhältnisse sichere Lösungen“, erläutert Torsello.

Neben der geringeren Sterblichkeit hat das Stent-Verfahren gegenüber einer offenen Operation weitere Vorteile. „Der Eingriff dauert wesentlich kürzer und ist körperlich weniger belastend“, so Torsello. Die Patienten können die Klinik einige Tage früher wieder verlassen.

Weitere Infos zum Kongress: www.chirurgie2015.de.


Medizin am Abend DirektKontakt:

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)
Anne-Katrin Döbler und Kerstin Ullrich
Pf 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-641
Fax: 0711 8931-167
ullrich@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen für Medizin am Abend beteiligte Leser:
http://www.chirurgie2015.de
http://www.dgch.de

360° TOP-Thema: Top Secret! Die drei Geheimnisse des Osterhasen

Medizin am Abend Fazit: Top Secret! Die drei Geheimnisse des Osterhasen

Der Feldhase - das unbekannte Wesen. Es gibt viele spannende Geheimnisse rund um den „Osterhasen“, doch eines vorweg: Die bunten Eier bringt er nicht. Die Deutsche Wildtier Stiftung verrät Wissenswertes über den Feldhasen, denn wer weiß schon, dass Hasenkinder in einem Wurf gleich mehrere Väter haben können, der Osterhase definitiv kein Kaninchen ist und er sich seine Vitamin B1-Pillen selbst „legt“. 
 
Sein reges Sexualleben und die große Hasen-Kinderschar machten den Feldhasen schon vor langer Zeit zu einem Symbol der Fruchtbarkeit. Wenn es um die Partnerwahl geht, achtet die Häsin auf gute Gene: Hasenväter müssen fit sein und das gerade jetzt vor Ostern auch mit spektakulären Wettläufen und Boxkämpfen unter Beweis stellen.

Trotzdem gibt es oft auf dem Acker nicht nur einen „Mister Right“ bei der Hasenhochzeit: Innerhalb kürzester Zeit paart sich die Häsin nämlich gleich mehrmals und kann von mehr als einem Hasen trächtig sein. Das heißt auch: In ihrer Gebärmutter können sich Embryonen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden. „Dieses Wunder der Natur nennt man Superfötation“, sagt Dr. Andreas Kinser, Feldhasenexperte der Deutschen Wildtier Stiftung.

Am Ende sind die Hasenkinder in einem Wurf keine echten „Geschwister“: Hasenkinder haben oft mehrere Väter…!

Dass der Osterhase kein Kaninchen ist, zeigen schon die langen Ohren und die staksigen Hinterbeine. Feldhasen sind außerdem größer und schwerer als Kaninchen. Ausgewachsene Exemplare wiegen bis zu fünf Kilo – ein Kaninchen bringt durchschnittlich 1,5 Kilo auf die Waage. Von Geburt an sind die Unterschiede zwischen Feldhase (Lepus europaeus) und Kaninchen (Oryctogalus cuninculus) unübersehbar. Kaninchen kommen nackt und blind in einer Erdhöhle auf die Welt; der Hasennachwuchs wird hingegen oberirdisch geboren und hat schon bei der Geburt ein Fell. Hasenjunge können sofort sehen und laufen. „Feldhasen sind Einzelgänger, Kaninchen hingegen lieben das Leben in Kolonien“, sagt Andreas Kinser.

Doch eines haben beide gemeinsam: Sie können sich ihre Vitamin B1-Pillen selbst legen.

Morgens ein Müsli, mittags Erbsen oder Linsen und abends ein saftiges Stück Schweinefleisch – und schon ist der Vitamin B1-Vorrat bei Menschen über die Nahrung aufgefüllt. Vitamin B1 ist perfekte „Nervennahrung“, hält geistig rege und körperlich fit. Um auf dem Acker zu überleben und Fressfeinden zu trotzen, braucht auch der Feldhase jede Menge Energie.

Vitamin B1 wächst dem Feldhasen in Form von Löwenzahn, Hafer, Weizen und Sonnenblumenkernen geradewegs vor der Nase. Doch der Hase hat ein Problem: Sein Körper nimmt B1 nicht direkt auf. Er muss seine „Hasen-Vitamine“ erst im Blinddarm aus der Nahrung ziehen, als vitaminreichen Nahrungsbrei wieder ausscheiden und erneut fressen, um die „Kot-Pille“ endgültig zu verdauen.

Wissenschaftler sprechen von Coecotrophie. Kurz gesagt: Des Feldhasen Lösung bei der Aufnahme von Vitamin B1 ist seine Losung! Er ist – wie das Wildkaninchen - sein eigener Vitamin-Pillenproduzent.

Medizin am Abend DirektKontakt

Eva Goris Deutsche Wildtier Stiftung

Telefon: 040 / 733 39 - 1874
Fax: 040 / 733 02 78
e.goris@dewist.de

Weitere Informationen für Medizin am Abend Beteiligte

http://www.DeutscheWildtierStiftung.de

Betriebliche Gesundheitsförderung

Medizin am Abend Fazit: Neuer Report zeigt: 

Betriebliche Gesundheitsförderung kann krankheitsbedingte Fehlzeiten um ein Viertel senken

Hier zum TOP-Link:

 

http://www.iga-info.de/fileadmin/Veroeffentlichungen/iga-Reporte_Projektberichte/iga-report-28_Wirksamkeit_Nutzen_Praevention_web.pdf 

 

Seit einem Jahrzehnt steigt die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland fast kontinuierlich an. 

Die Kosten für die ausgefallene Bruttowertschöpfung sind immens (2013: 103 Mrd. EUR). Gleichzeitig gibt es immer weniger Beschäftigte, die sich von ihrem Unternehmen bei der Gesunderhaltung unterstützt fühlen. Dabei kann betriebliche Prävention einen Beitrag zur Gesunderhaltung der Belegschaften leisten und für die Betriebe auch ökonomischen Nutzen erzielen.

Der neue Report der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) gibt dazu einen Überblick - auf Basis von rund 2.400 Studien. Aus Unternehmenssicht besonders erfreulich: Betriebliche Gesundheitsförderung lohnt sich. Die krankheitsbedingten Fehlzeiten sinken um durchschnittlich ein Viertel.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis (Return on Investment; ROI) ist überaus positiv: Mit jedem investierten Euro können im Ergebnis 2,70 Euro durch reduzierte Fehlzeiten eingespart werden. Für Investitionen in den Arbeitsschutz zeigt sich ein vergleichbar positives Kosten-Nutzen-Verhältnis. Und auch die Beschäftigten profitieren. Ein Großteil der Studien belegt eine Verbesserung ihrer körperlichen bzw. psychischen Verfassung. Häufig ist der Nutzen von BGF dann besonders hoch, wenn Programme verschiedene Maßnahmen berücksichtigen, sei es, dass sie die Betroffenen darin unterstützen, ihr Verhalten zu verändern und/oder ein gesundheitsförderndes Umfeld zu schaffen. Besonders deutlich wird dies bei der Prävention psychischer Erkrankungen, aber auch bei Programmen der Bewegungsförderung, der Gewichtsreduktion oder der Nikotinentwöhnung.
Dennoch gibt es für betriebliche Prävention in vielen Unternehmen noch Entwicklungspotenzial.

Der iga.Report 28 bietet belastbare Erkenntnisse, um die Entscheider in Betrieben zu überzeugen. Trotz komplexer Wirkungsweisen gibt es für BGF und Prävention ebenso wie für den Arbeitsschutz wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit bestimmter Maßnahmen.


Initiative Gesundheit und Arbeit In der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) kooperieren gesetzliche Kranken- und Unfallversicherung. Ziel der Initiative ist es, arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren durch Arbeitsschutz und betriebliche Gesundheitsförderung vorzubeugen. Getragen wird iga vom BKK Dachverband e.V., der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), dem AOK-Bundesverband und dem Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek).

www.iga-info.de

Medizin am Abend DirektKontakt

Christine Richter BKK Dachverband e.V. 030/2700406-301 christine.richter@bkk-dv.de 

Stefan Boltz Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung 030/288763-768 presse@dguv.de 

Dr. Kai Behrens AOK Bundesverband 030/34646-2309 presse@bv.aok.de 

Michaela Gottfried Verband der Ersatzkassen e.V. 030/26931-1200 michaela.gottfried@vdek.com

Depressionen mit Gelenkserkrankungen

Medizin am Abend Fazit: Depressionen gehen oft mit Gelenkserkrankungen einher

Wer unter Depressionen leidet, hat auch ein erhöhtes Risiko für körperliche Krankheiten, besonders für die Gelenkserkrankungen Arthrose und Arthritis. Dies berichten Forschende der Universität Basel und der Ruhr-Universität Bochum im Fachmagazin «Frontiers in Public Health», die Daten von rund 14‘300 Personen aus der Schweiz auswerteten. 
 
Depressionen gehören zu den gravierendsten Gesundheitsrisiken und betreffen rund 350 Millionen Menschen weltweit; in der Schweiz leiden jährlich schätzungsweise rund 400’000 Personen daran. In verschiedenen Ländern konnte gezeigt werden, dass Depressionen mit einem erhöhten Risiko für verschiedene körperliche Erkrankungen einhergehen. Für die Schweiz, eines der Länder mit dem höchsten Wohlstand und einem der besten Gesundheitssysteme weltweit, war jedoch nicht bekannt, mit welchen körperlichen Krankheiten depressive Symptome verbunden sind.

Dies hat nun eine Gruppe von Forschenden um Prof. Gunther Meinlschmidt von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel und der Fakultät für Medizin der Ruhr-Universität Bochum untersucht. Sie analysierten dafür die Daten einer repräsentativen Stichprobe aus der Schweiz, bestehend aus 14‘348 Personen im Alter ab 15 Jahren, basierend auf der Schweizerischen Gesundheitsbefragung.

Risiko für Arthrose und Arthritis

Die Psychologen stellten fest, dass bei Depressiven ein höheres Risiko besteht, allgemein unter einer körperlichen Erkrankung zu leiden: Gut ein Drittel der Befragten mit depressiven Symptomen in der Schweiz leben mit mindestens einer körperlichen Erkrankung. Dies zeigte sich im Speziellen für Arthrose und Arthritis, also degenerativen und entzündlichen Erkrankungen der Gelenke.

Der Zusammenhang zwischen Depression und Gelenkskrankheiten muss nun weiter untersucht werden. Denkbar wäre etwa, dass am Anfang Depressionen stehen, die zu Bewegungsmangel führen, was wiederum die Entwicklung von Gelenksbeschwerden fördert, so die Studie.

Es könnte aber auch umgekehrt sein: Personen mit Gelenksproblemen sind in ihren Alltagsaktivitäten so eingeschränkt, dass sich dies negativ auf ihre Stimmung auswirkt, was zu Depressionen führen kann. 

Oder aber: Gelenksbeschwerden liegen oft entzündliche Prozesse zugrunde, was in letzter Zeit auch für manche Formen von Depressionen vermutet wird, sodass es sein könnte, dass ein Entzündungsgeschehen das verbindende Element darstellt.

Wissen für bessere Versorgung

«Ein besseres Verständnis für den Zusammenhang zwischen Depressionen und körperlichen Erkrankungen in der Schweiz bildet die Grundlage für eine bessere Gesundheitsversorgung für Personen, die sowohl psychische als auch körperliche Beschwerden haben», erläutert Gunther Meinlschmidt, Autor der Studie. Dieses Wissen sei aber auch aus gesundheitspolitischer Perspektive wichtig, zum Beispiel um die gesellschaftlichen Belastungen und Kosten besser abschätzen zu können, die mit Depressionen verbunden sind.

Originalbeitrag

Donja Rodic, Andrea Hans Meyer, Gunther Meinlschmidt
The association between depressive symptoms and physical diseases in Switzerland: a cross-sectional general population study
Frontiers in Public Health, 23 March 2015 | doi: 10.3389/fpubh.2015.00047

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Gunther Meinlschmidt, Universität Basel, Fakultät für Psychologie, Abteilung für Klinische Psychologie und Epidemiologie, Tel. +41 61 267 02 71, E-Mail: gunther.meinlschmidt@unibas.ch
Olivia PoissonUniversität Basel

Ärztliche Schweigepflicht - Betriebsmedizinischen Dienst - Verkehrstauglichkeit - Verkehrsführer

Medizin am Abend Fazit: Ärztliche Schweigepflicht: Einbeziehung des betriebsmedizinischen Dienstes - Rechtsgüterabwägung

 

Zum Schutz Dritter empfiehlt Professor Dr. Rainer Riedel, Leiter Institut für Medizinökonomie & Medizinische Versorgungsforschung an der Rheinischen Fachhochschule Köln (RFH), eine gesetzliche Regelung, die behandelnde Ärzte berechtigt, eine krankheitsbedingte Verkehrsuntauglichkeit ihrer Patienten dem zuständigen Betriebsarzt mitzuteilen. 

Prof. Dr. Rainer Riedel

Prof. Dr. Rainer Riedel RFH


Der Germanwingsflug wurde nach bisherigen Erkenntnissen in den französischen Alpen vorsätzlich von einem krank geschriebenen Co-Piloten zum Absturz gebracht. Nach den heute vorliegenden Erkenntnissen haben bei diesem Piloten psychosomatische Beschwerden wiederholt zu Krankschreibungen, verbunden mit einer vorübergehenden Fluguntauglichkeit geführt, welche durch die behandelnden Ärzte festgestellt wurde.

Aus nicht geklärten Umständen hat der betroffene Co-Pilot sich selbst nicht aus einer Verantwortlichkeit gegenüber den ihm anvertrauten Fluggästen an diese Krankschreibung gehalten. Warum? In Abhängigkeit des Krankheitsbildes und der Persönlichkeitsstruktur war der betroffene Co-Pilot hierzu gegebenenfalls nur bedingt in der Lage, die Situation adäquat einzuschätzen.

Haus- und Fachärzte behandeln täglich Patienten aus den Berufsgruppen wie Busfahrer, Straßenbahn-, Lokomotivführer, Taxifahrer oder Gefahrguttransporter in ihren Praxen, die aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung nicht arbeitsfähig sind. 

Bei einer Ersterkrankung lässt man sich als erfahrener Arzt eine entsprechende Erklärung von den Patienten unterzeichnen, dass die Patienten nicht am Straßenverkehr oder bei Piloten am Flugverkehr teilnehmen.

Bei wiederholten Erkrankungen von Patienten dieser Berufsgruppen, die sich der Tragweite ihrer Erkrankung nicht bewusst und dementsprechend auch nicht einsichtig sind, dass sie als „Verkehrsführer“ krankheitsbedingt rezidivierend nicht aktiv verkehrstauglich sind, sollte zukünftig eine Regelung im Hinblick auf den Schutz Dritter erfolgen.

Dies könnte dahingehend gelöst werden, dass in diesen Fällen der behandelnde Arzt berechtigt wird, die „Verkehrsuntauglichkeit“ dem zuständigen Betriebsarzt mitzuteilen. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass ein verantwortbarer beruflicher Wiedereinsatz erst dann erfolgt, wenn die akute Erkrankung des Patienten abgeklungen und damit auch eine Einsatzplanung als „Verkehrsführer“ sowohl für die Passagiere als auch für das Unternehmen vertretbar ist.

Für die Umsetzung einer solchen Regelung muss eine Güterabwägung zwischen dem hohen Rechtsgut der „ärztlichen Schweigepflicht“ und dem Schutz der einem „Verkehrsführer“ anvertrauten Passagiere erfolgen.



Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. med. Dipl.-Kfm. (FH) Rainer Riedel
Arzt für Nervenheilkunde, Psychotherapie
Institut für Medizinökonomie & Medizin. Versorgungsforschung RFH
Schaevenstr. 1b
50676 Köln
Tel. 0221 20302-30 oder 0174 3425000
E-Mail: riedel@rfh-koeln.de
http://www.rfh-koeln.de
Beatrix Polgar-Stüwe M.A. Rheinische Fachhochschule Köln

Metformin - Nierenfunktionsstörung - leichte Nierenschwäche

Medizin am Abend Fazit: In niedriger Dosierung Diabetesmedikament Metformin jetzt auch bei leichter Nierenschwäche erlaubt

 

Metformin, das bevorzugte Mittel zur Senkung des Blutzuckers beim Typ-2-Diabetes, kann jetzt auch bei Patienten mit mäßiger Nierenfunktionsstörung eingesetzt werden. Die Empfehlung beruht auf Ergebnissen neuer Untersuchungen. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) begrüßt die Ausweitung des Einsatzgebietes, rät behandelnden Ärzten aber vor allem bei älteren Patienten zur Vorsicht. So sollte bei mäßiger Nierenfunktionseinschränkung eine Metformin-Tagesdosis von 1000 Milligramm nicht überschritten und die Nierenfunktion regelmäßig überwacht werden. Sonst könnte das Risiko für eine Laktatazidose steigen, eine gefährliche Blutübersäuerung. 
 
Metformin senkt den Blutzucker, indem es die Neubildung von Glukose in der Leber hemmt. Glukose wird dort vor allem aus Laktat, sprich Milchsäure hergestellt. „Ein Übermaß an Metformin kann dazu führen, dass das Laktat in der Leber keine Verwendung mehr findet und folglich in der Konzentration ansteigt“, erläutert Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Präsident der DDG. Damit wiederum droht eine Übersäuerung des Blutes, die Laktatazidose. Eine solche Komplikation ist selten, kann aber tödlich enden.

Da Metformin über die Niere ausgeschieden wird, ist eine Nierenfunktionsstörung ein wichtiger Risikofaktor für die Laktatazidose. Aus diesem Grund war der Einsatz von Metformin bisher schon bei einem mäßigen Rückgang der Nierenleistung untersagt. „Das Verbot galt bereits für Nierenschwäche Stadium 3a“, erläutert DDG-Experte Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Hans-Georg Joost. „Es stellte eine reine Vorsichtsmaßnahme dar, die auf Modellrechnungen zur Metformin-Ausscheidung über die Nieren beruhte.“
Neuere Studien zeigen nun, dass diese Einschätzung offenbar nicht zu halten ist. Darunter eine Untersuchung vom Hersteller eines Originalpräparats: Die Analyse einer Datenbank britischer Hausarztpatienten („Clinical Practice Research Datalink“) hatte ergeben, dass es bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion nicht zu vermehrten Komplikationen durch eine Laktatazidose gekommen war. Die Arzneimittelagenturen gaben daraufhin den Einsatz von Metformin auch bei moderater Niereninsuffizienz frei.

Die Regelung gilt nicht nur für das Originalpräparat, sondern auch für andere Metformin-Präparate. So teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Anfrage des Pharmakotherapieausschusses der DDG kürzlich mit, dass „die Änderungen, die sich aus dem … Verfahren ergeben haben, auch für Metformin Generika gelten, unabhängig davon, ob sie in diesem Verfahren einbezogen waren.“ Für viele Menschen mit Typ-2-Diabetes, die aufgrund ihres Alters eine leichte Nierenfunktionsstörung haben, sei dies eine deutliche Erleichterung, betont DDG-Präsident Siegel.
Allerdings rät die DDG zur Vorsicht. „Insbesondere bei älteren Menschen kann es schnell zu einer weiteren Verschlechterung der Nierenfunktion kommen, und bei Infektionen oder einer akuten Verschlechterung der Herzleistung droht ein Anstieg des Laktatspiegels“, warnt Siegel. Deshalb sollten Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion die Metformin-Dosierung grundsätzlich reduzieren. Die Fachgesellschaft empfiehlt, zu Beginn der Therapie täglich nur 500 oder 850 mg Metformin einzunehmen und eine maximale Tagesdosis von 1000 mg nicht zu überschreiten. „Zudem muss die Nierenfunktion alle drei bis sechs Monate getestet werden“, betont Siegel.

Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit fast 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

Literatur
Richy FF, Sabidó-Espin M, Guedes S, Corvino FA, Gottwald-Hostalek U. Incidence of lactic acidosis in patients with type 2 diabetes with and without renal impairment treated with metformin: a retrospective cohort study. Diabetes Care 2014; 37:2291-5.
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24879835

Achtung, Medienpreis zu gewinnen!
Die DDG schreibt auch in diesem Jahr drei Medienpreise aus, die mit insgesamt 6.000 Euro dotiert sind. Eingereicht werden können Artikel (Print und Online) sowie Beiträge aus Hörfunk und Fernsehen, die zwischen dem 1. August 2014 und dem 31. Juli 2015 publiziert wurden. Prämiert werden Arbeiten, denen es gelingt, eine breite Öffentlichkeit über das Krankheitsbild Diabetes mellitus aufzuklären und ein Bewusstsein für diese Krankheit und ihre Folgeerkrankungen zu schaffen. Einsendeschluss ist der 31. Juli 2015. Weitere Informationen finden Sie auf der DDG Homepage.

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Medizin am Abend DirektKontakt 

Kerstin Ullrich und Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-641/552, Fax: 0711 8931-167
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Deutsche Diabetes Gesellschaft
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Tel.: 030 3116937-11
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Medizin am Abend Fazit: Pflegebedürftige hängen stark von Transferzahlungen ab

Geringes Vermögen im Vergleich zur übrigen Bevölkerung – Alleinlebende besonders betroffen

Sogenannte Pflegehaushalte verfügen über ein ähnlich hohes Haushaltseinkommen wie Haushalte, in denen keine pflegebedürftige Person lebt. Allerdings sind Pflegebedürftige stärker von öffentlichen Transferleistungen abhängig. Darüber hinaus ist ihr Vermögen erheblich geringer als das Vermögen von Personen ohne Pflegebedarf. Insbesondere alleinlebende Pflegebedürftige haben vergleichsweise geringe finanzielle Ressourcen, stellen zugleich aber über 40 Prozent aller Pflegehaushalte dar. 

 
Dies sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis seiner Langzeiterhebung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP). „Diese stärkere Abhängigkeit von öffentlichen Transfers birgt Risiken für künftige Generationen, da das Rentenniveau in Zukunft sinken wird“, sagt DIW-Rentenexperte Johannes Geyer, der die Einkommens- und Vermögenssituation von Pflegebedürftigen in Privathaushalten untersuchte und mit der übrigen Bevölkerung ab 60 Jahren verglich.

Ein Pflegefall ist für die betroffenen Personen und Haushalte in der Regel auch eine finanzielle Belastung. Zum einen entstehen zusätzliche Kosten durch Medikamente und auch privat zu finanzierende Pflegeleistungen. Zum anderen sinkt häufig das Einkommen der pflegenden Angehörigen, weil sie ihre Erwerbstätigkeit einschränken, um Pflege und Beruf miteinander zu vereinbaren. Mit zunehmender Dauer der Pflege können Haushalte oftmals die Kosten nicht mehr aus dem laufenden Einkommen tragen und müssen auf ihr Vermögen zurückgreifen. Derzeit beziehen etwa 2,6 Millionen Menschen in Deutschland Leistungen aus der Pflegeversicherung, das entspricht einer Steigerung um fast 50 Prozent seit 1998. Dieser Anstieg ist vor allem auf die demographische Entwicklung zurückzuführen und wird sich daher in Zukunft eher noch verstärken. Gut 70 Prozent der Pflegefälle, das sind etwa 1,7 Millionen Menschen, werden heute zu Hause und knapp 30 Prozent stationär gepflegt. Daneben gibt es eine nicht unerhebliche Zahl an Menschen, die auf Pflege angewiesen, aber (noch) nicht leistungsberechtigt sind und ebenfalls fast ausschließlich zu Hause gepflegt werden.

Das gewichtete verfügbare Einkommen von Pflegebedürftigen in Privathaushalten liegt bei etwa 20.000 Euro im Jahr und ist damit ähnlich hoch wie in Haushalten ohne pflegebedürftige Personen. Während diese allerdings zu 30 Prozent Einkommen aus Erwerbstätigkeit beziehen, beträgt dieser Anteil bei Pflegehaushalten nur 18 Prozent des Einkommens. Insgesamt erhalten rund 71 Prozent der Pflegehaushalte öffentliche Transfers gegenüber nur 13 Prozent der Vergleichsgruppe.

Im Hinblick auf ihre private Vermögenslage unterscheiden sich Pflegebedürftige und Pflegehaushalte deutlich von der übrigen Bevölkerung. Die Pflegehaushalte beziehen seltener Kapitaleinkommen und erzielen dabei geringere Erträge. Sie verfügen über ein mittleres Vermögen (Median) von 9.000 Euro im Vergleich zu 60.000 Euro in der übrigen Bevölkerung ab 60 Jahren. Ein nicht unerheblicher Teil, fast 40 Prozent, hat kein Vermögen oder ist verschuldet. In der übrigen Bevölkerung sind dies nur knapp 20 Prozent. Mit einem Median von 3.000 Euro haben alleinlebende Pflegebedürftige – in der Mehrheit Frauen – die geringsten Reserven, während die Vergleichsgruppe Vermögen im Wert von 35.000 Euro besitzt.

Rund 73 Prozent der Pflegebedürftigen bezieht Leistungen aus der Pflegeversicherung; das Pflegegeld beträgt im Durchschnitt gut 5.000 Euro im Jahr. Die Pflegeversicherung ist somit eine wichtige Unterstützung, deckt jedoch häufig nicht den gesamten Pflegebedarf, und sie wurde in der Vergangenheit nur selten an die laufende Preis- und Lohnentwicklung angepasst. Seit 2008 wurden die Leistungen in mehreren Stufen erhöht, und ab 2015 werden sie alle drei Jahre an die Preisentwicklung angepasst. „Man läuft der Preisentwicklung hinterher, aber um das Versorgungsniveau zu halten, wäre es besser, die Preisentwicklung vorwegzunehmen“, sagt Geyer, der hier weitere Reformen erwartet.

Medizin am Abend DirektKontakt

Mohrenstraße 58
10117 Berlin
Deutschland
Berlin

Renate Bogdanovic

Telefon: 030/89789-249
Fax: 030/89789-119
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin


Weitere Informationen:
http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.499949.de/15-14.pdf

360° TOP-Thema: ""Risiken und Kosten"" von Xarelto/Rivaroxaban?

Medizin am Abend Fazit: 

 

Einführung: http://www.xarelto.de/startseite 

 

https://www.herzstiftung.de/Gerinnungshemmer-Gerinnungshemmung.html?et_cid=9&et_lid=14535&et_sub=dh15-02

 

https://www.pharma-fakten.de/news/details/136-gerinnungshemmer-noaks-bieten-bessere-behandlungsmoeglichkeiten/

 

http://www.akdae.de/Arzneimitteltherapie/NA/Archiv/201415-Xarelto.pdf

 

http://trans.charite.de/institut/abteilungen/ambulanzen/gerinnungsambulanz_kv_sitz/

 

Gesundheit/Kleine Anfrage im Bundestag


Mit möglichen gesundheitlichen Risiken und ausufernden Kosten des Gerinnungshemmers Xarelto (Wirkstoff Rivaroxaban) befasst sich in einer Kleinen Anfrage 18/4502 die Fraktion Die Linke.

Das Medikament werde damit beworben, dass es das Risiko von Schlaganfällen und Thrombosen erfolgreich senke, wobei anders als beim bislang vor allem eingesetzten Phenprocoumon (zum Beispiel Marcumar) keine regelmäßigen Blutentnahmen zur Kontrolle notwendig seien. Tatsächlich werde aber der Zusatznutzen bezweifelt, die neuen Produkte seien vielfach teurer, und Langzeitstudien zu Nebenwirkungen gebe es nicht.

So existierten keine Belege dafür, dass Xarelto zuverlässiger wirke als die seit Jahrzehnten verwendeten Präparate mit Phenprocoumon. Auch werde die Gefahr schwerer Blutungen nicht reduziert. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft empfehle daher, den Einsatz des Medikaments auf solche Patienten zu beschränken, für die bislang verwendete Mittel nicht infrage kämen, schreiben die Abgeordneten.

Die Kosten eine Xarelto-Therapie lägen rund 20 Mal höher als bei den etablierten Gerinnungshemmern. Dies führe zu jährlichen Zusatzkosten pro Patient von etwa 1.000 Euro. Pro Jahr fielen für die Krankenkassen dadurch Kosten von etwa einer halben Milliarde Euro an. Obwohl auf Xarelto bisher nur 18 Prozent aller Verordnungen entfielen, entstünden hierdurch rund 63 Prozent aller Kosten in diesem Arzneimittelsegment.

Das Bundeinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) habe 2014 fast 2.000 Meldungen zu Nebenwirkungen des Gerinnungshemmers Xarelto erhalten.

Demnach bestehe der Verdacht, das Mittel könnte für 161 Sterbefälle verantwortlich sein. Zu den häufigsten unerwünschten Effekten zählten Blutungen.

Zudem liste die Behörde 130 möglicherweise durch Xarelto herbeigeführte Leberschädigungen auf. Die Linke will nun unter anderem wissen, ob die Bundesregierung angesichts der Berichte über mögliche Nebenwirkungen Handlungsbedarf sieht.

Medizin am Abend DirektKontakt

Deutscher Bundestag
Parlamentskorrespondenz, PuK 2
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Tel.: +49 30 227-35642, Fax +49 30 227-36001
E-Mail: vorzimmer.puk2@bundestag.de

Redaktionsmitglieder: Jörg Biallas (verantwortlich)
Alexander Heinrich, Claudia Heine, Michael Klein,
Claus Peter Kosfeld, Hans Krump, Hans-Jürgen Leersch,
Johanna Metz, Annette Sach, Helmut Stoltenberg,
Alexander Weinlein

Herzklappen über einen Zugang

Medizin am Abend Fazit: Premiere in der Herzchirurgie: Ulmer Chirurgen setzen zwei neue Herzklappen über einen Zugang ein

Die Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Ulm gehört zu einem der führenden Zentren im Bereich des kathetergestützten Herzklappenersatzes. Am Donnerstag, 26. März, gelang es einem interdisziplinär besetzten Team um die Herzchirurgen Prof. Dr. Andreas Liebold, Ärztlicher Direktor der Klinik, Prof. Dr. Robert Bauernschmitt, Oberarzt und Leiter der klinischen Forschung, und Dr. Christian Liewald, Oberarzt, weltweit zum ersten Mal einer Patientin erfolgreich beide Herzklappenprothesen über einen einzigen, weniger als einen Zentimeter großen Zugang an der Herzspitze am schlagenden Herzen einzusetzen. 

Prof. Dr. Robert Bauernschmitt
Prof. Dr. Robert Bauernschmitt Universitätsklinikum Ulm

Bei Patienten mit hohem Risikoprofil ist der Ersatz der Aortenklappe mittlerweile klinische Routine; der Ersatz der Mitralklappe konnte bisher nur in wenigen Fällen und mit wenig überzeugenden Ergebnissen durchgeführt werden. Der Ersatz beider Herzklappen des linken Herzens über Katheter ist bisher nicht gelungen. Dieser Eingriff wurde nun von den Herzchirurgen Prof. Dr. Andreas Liebold, Prof. Dr. Robert Bauernschmitt und Dr. Christian Liewald am Universitätsklinikum Ulm weltweit erstmals erfolgreich durchgeführt: Beide Herzklappenprothesen wurden über einen einzigen, weniger als einen Zentimeter großen Zugang an der Herzspitze am schlagenden Herzen eingepflanzt.

Durch den Schnitt im Zwischenraum der fünften und sechsten Rippe der linken Brustkorbhälfte schafft der Chirurg bei dem Eingriff einen Zugang zur Herzspitze, in die er einen Katheter einführt. Bei der 59-jährigen, schwerkranken Patientin waren beide Klappen des linken Herzens durch Verkalkungen hochgradig verengt. Da sich diese Verkalkungen nicht auf die Herzklappen beschränkten, sondern sich weit in die Muskulatur der linken Herzkammer erstreckten, erschien die offene Operation am Herzen nicht nur wegen des Allgemeinzustands der Patientin, sondern auch rein technisch extrem riskant.

Eine Teamleistung
Die Patientin überstand den weniger als eineinhalb Stunden dauernden Eingriff jedoch ohne Komplikationen. „Wir sind sehr froh, dass wir der Patientin den risikoreichen offenen Eingriff ersparen konnten und erstmals beide Herzklappen über den kathetergestützten Eingriff ersetzen konnten. Natürlich ist das nicht nur ein Erfolg unserer Chirurgie, sondern eine Teamleistung. Dazu gehören unsere OP-Schwestern und Kardiotechniker. Eine großartige Leistung auch der Anästhesie. Dr. Öchsner aus unserem Team der Kardioanästhesie hat die schwerkranke Patientin sanft und sicher, dabei jederzeit stabil, durch diesen Eingriff geführt“, so Professor Liebold, Ärztlicher Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie.

„Ein großer Anteil an diesem außergewöhnlichen Operationserfolg gebührt auch unserer radiologischen Klinik“, ergänzt Professor Bauernschmitt, für den der kathetergestützte Herzklappenersatz seit über acht Jahren den Schwerpunkt seiner Tätigkeit darstellt. „Die exzellenten Schnittbilder, die uns das Team um Prof. Beer liefert, erlauben es uns, diese komplexen Eingriffe minutiös am Computer zu planen – die Voraussetzung für den Erfolg.“


Prof. Dr. Andreas Liebold


Prof. Dr. Andreas Liebold Universitätsklinikum Ulm

Weitere Informationen:

Die Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie ist Teil des Zentrums für Chirurgie des Universitätsklinikums Ulm. Ein Team von Spezialisten befasst sich mit der chirurgischen Behandlung von Erkrankungen des Herzens, der Lunge, des Brustkorbes sowie der Blutgefäße. Ärztlicher Direktor ist Prof. Dr. Andreas Liebold, dem es wichtig ist, ein möglichst breites Spektrum vorhandener Technologien anzubieten, um so für jeden Patienten die individuell beste Lösung parat zu haben.


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360° TOP-MFA-Thema: Überlebenschancen für unterkühlte Unfallopfer

Medizin am Abend Fazit: Bessere Überlebenschancen für unterkühlte Unfallopfer

Forscherteam schafft Grundlage für neue Wiederbelebungsrichtlinien bei schwer Unterkühlten mit Herzstillstand

Bei Unfallopfern mit Herzstillstand gilt allgemein die Regel, dass die begonnenen Wiederbelebungsmaßnahmen nicht unterbrochen werden dürfen bis der Patient wieder Lebenszeichen aufweist oder der Tod festgestellt wird. Eine neue Studie zeigt, dass im spezifischen Fall von stark unterkühlten Unfallopfern (Körperkerntemperatur unter 28°C) die Herzdruckmassage für den Transport im Gebirge immer wieder kurz unterbrochen werden kann, ohne das Überleben zu gefährden. 

 
In ausgesetztem Gelände stehen Bergretter bei der Behandlung von Patienten im Herzkreislaufstillstand oft vor dem Dilemma, dass eine lückenlose Wiederbelebung während des Transportes in ein Krankenhaus nicht möglich ist.

In den Alpen gab es in den vergangenen Jahren einige Fälle von stark unterkühlten Unfallopfern mit Herzstillstand, die trotz mehrmals unterbrochener Herzdruckmassage ohne bleibende Schäden überlebt haben. Rettungsdienste drängen seit Längerem auf eine Klärung des Sachverhaltes speziell für Unterkühlungsopfer im Herzstillstand, da die derzeitige Regelung ausnahmslos eine lückenlose Wiederbelebung vorschreibt.

Mediziner der britischen Cumbrian Mountain Rescue doctors, des Glenfield Hospital, des Südtiroler Forschungszentrums EURAC, der Medizinischen Universität Innsbruck und der Stanford Universität Kalifornien (USA) haben eine Studie dazu durchgeführt. Dort kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass bei der Wiederbelebung von stark unterkühlten Patienten kurze Pausen bei der Herzdruckmassage zugunsten des Transports gemacht werden können, ohne dass das Überleben dadurch in Gefahr gebracht wird oder mehr Hirnschäden auftreten. Kälte konserviert nämlich, und deshalb toleriert der Körper bei tiefen Körpertemperaturen einen Herzstillstand wesentlich länger als bei normaler Körpertemperatur.

Das neue Konzept übernahmen die Forscher von der Herz- und Gefäßchirurgie.

Dort werden Patienten in manchen Fällen absichtlich auf eine tiefe Körpertemperatur abgekühlt. Dann nämlich können die Chirurgen den Kreislauf für kurze Zeit unterbrechen, um die Eingriffe am Herzen oder an den großen herznahen Gefäßen durchführen zu können, ohne dass bleibende Hirnschäden befürchtet werden müssen. „Wir haben in unserer Studie zum einen umfassende Fallanalysen durchgeführt, zum anderen aber auch von der Herzchirurgie gelernt.

Wir schlagen daher vor, dass Retter und Notärzte bei schwer unterkühlten Patienten die Herzdruckmassage zur Wiederbelebung kurzzeitig unterbrechen, um den Patienten zu transportieren“, erklären Les Gordon von den Cumbrian Mountain Rescue doctors, Hermann Brugger von der EURAC in Bozen und Peter Paal von der Medizinischen Universität Innsbruck. „In der Praxis heißt das: Wenn schwer unterkühlte Patienten – bei einer Körperkerntemperatur unter 28°C - mit Herzstillstand aus unwegsamem Gelände evakuiert werden müssen und eine kontinuierliche Wiederbelebung nicht möglich ist, kann man abwechselnd fünf Minuten reanimieren, fünf Minuten transportieren und dies solange im Wechsel bis wieder eine kontinuierliche Herzdruckmassage möglich ist. Somit können Patienten aus entlegenen Gebieten unter Wiederbelebung zur Wiedererwärmung in ein Krankenhaus mit Herzlungenmaschine gebracht werden und müssen nicht aufgegeben werden“, so die Forschergruppe.

Das Ergebnis der Studie, das im internationalen Fachmagazin Resuscitation kürzlich publiziert wurde, schafft die Grundlage für einen Paradigmenwechsel innerhalb der bislang gültigen Rettungsrichtlinien. Im Laufe dieses Jahres sollen die Erkenntnisse in die Richtlinien der Internationalen Kommission für Alpine Notfallmedizin (ICAR Medcom) und des Europäischen Rates für Wiederbelebung (European Resuscitation Council, ERC) aufgenommen werden.

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