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Einladung zur Sonnenfinsternis am 20. März 2015 von 09.30 Uhr und 12.00 Uhr

Sonnenfinsternis am 20. März 2015: Das Himmelsphänomen sicher beobachten

Am 20. März 2015 ist es mal wieder soweit: zwischen ca. 9.30 und 12 Uhr erlebt Deutschland an diesem Vormittag nach langer Zeit mal wieder eine hochprozentige partielle Sonnenfinsternis. Dabei nimmt der Bedeckungsgrad der Sonne von Süd nach Nord zu und beträgt in Flensburg eindrucksvolle 82% und immerhin noch stolze 67% in München. Um den Kernschatten zu beobachten, müsste man den anstehenden Frühling verlassen und sich z.B. auf den Weg zu den Färöer-Inseln machen. Aber auch die partielle Sonnenfinsternis ist ein echtes Spektakel, welches man sich nicht entgehen lassen sollte. Zumal die Chancen auf einen freien Blick zur Sonne dank Uhrzeit und Jahreszeit recht hoch sind. Aber wie beobachtet man eine Sonnenfinsternis? Auf jeden Fall mit einem geeigneten Augenschutz. Nur eine zertifizierte Sonnenfinsternisbrille schützt sicher vor Augenschäden und sorgt so für einen entspannten Blick auf das Spektakel am Himmel. Die entsprechenden Brillen mit der geprüften Filterfolie sind im Einzelhandel oder online, z.B. auf www.sonnensichtbrillen.de erhältlich.

Dabei lohnt es sich schnell zu sein: Bei der letzten großen Sonnenfinsternis 1999 waren die gefragten Sonnensichtbrillen sehr schnell ausverkauft und kurz vor dem Ereignis nicht mehr lieferbar.




Medizin am Abend DirektKontakt

Berend Rieckmann Emil-Weitz-Str. 2 44866 Bochum T: +49 2327 548-308  +49 152 54258055 E: b.rieckmann@buw.com

Den zweiten Schlaganfall verhindern: Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke

Medizin am Abend Fazit: Den zweiten Schlaganfall verhindern:

Die neue S3-Leitlinie „Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke – Teil 1“ fasst neueste Erkenntnisse zum Schutz vor einem erneuten Schlaganfall zusammen. Der optimale Schutz für möglichst viele Patienten. 
 
Jedes Jahr erleiden in Deutschland 270.000 Menschen zum ersten Mal oder wiederholt einen Schlaganfall. Zwar überleben ihn immer mehr Menschen – das Risiko für einen weiteren Schlaganfall steigt nach einem ersten aber deutlich:

10 Prozent dieser Patienten erleiden noch im gleichen Jahr einen weiteren Schlaganfall. 

Gezielte Prävention kann die Risikofaktoren reduzieren. Aus diesem Grund haben die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) federführend die erste S3-Leitlinie „Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke“ entwickelt. Der erste Teil dieser Leitlinie wurde nun auf den Leitlinienplattformen der DGN (http://www.dgn.org) und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (http://www.awmf.org) veröffentlicht.

Neben DGN und DSG haben 16 weitere medizinische Fachgesellschaften, Berufsverbände und weitere Organisationen die Leitlinie mit verabschiedet. Die methodische Betreuung erfolgte durch das Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB) der Charité. Prof. Dr. med. Matthias Endres von der Charité und Mitglied der vierköpfigen Leitlinien-Steuergruppe erklärt: „Diese Leitlinie fasst die aktuellen Erkenntnisse zusammen und gibt den behandelnden Ärzten klare Empfehlungen. Das ist die Voraussetzung dafür, möglichst viele Patienten in Deutschland vor einem neuen Schlaganfall zu bewahren.“

Ischämischer Schlaganfall und TIA

Ein ischämischer Schlaganfall entsteht, wenn eine Gehirnarterie durch ein Blutgerinnsel verstopft wird – die häufigste Ursache für einen Schlaganfall.

Eine Transiente Ischämische Attacke (TIA) ist eine milde Form. Sie dauert nur Sekunden oder Minuten und die Symptome bilden sich wieder vollständig zurück. Die TIA gilt aber als Vorstufe und Warnzeichen für einen drohenden ischämischen Schlaganfall. Diese Patienten müssen daher untersucht und möglicherweise muss eine Schlaganfallprophylaxe eingeleitet werden.

Aufwändige Prozesse für die beste Empfehlung – ohne Beeinflussung durch Partialinteressen

Leitlinien sind Empfehlungen von auf ein bestimmtes Gebiet spezialisierten Medizinern und Wissenschaftlern für ihre ärztlichen Kollegen. S3-Leitlinien besitzen die höchste Qualität, denn sie entstehen in einem aufwändigen Prozess mit vielen beteiligten Experten und Organisationen und verfügen dadurch über eine große inhaltliche Sicherheit – das Risiko, dass sich bewusst oder unbewusst Interessen Einzelner durchsetzen könnten, wird durch die stark reglementierten Entscheidungsstrukturen deutlich minimiert.

Die neue S3-Leitlinie zur Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfälle wurde im Rahmen eines strukturierten zweistufigen Prozesses entwickelt: Zuerst wurden neueste wissenschaftliche Ergebnisse von Experten evaluiert und daraus Behandlungsempfehlungen abgeleitet. Dafür wurden mehr als 4500 wissenschaftliche Arbeiten gesichtet. Darauf folgte eine formale Konsensfindung unter den teilnehmenden Fachgesellschaften, Berufsverbänden und Organisationen, sodass bei allen Empfehlungen dieser S3-Leitlinie ein größtmöglicher interdisziplinärer Konsens entstand. Für maximale Transparenz des gesamten Entwicklungsprozesses wurden die einzelnen Schritte in einem detaillierten Methodenreport dokumentiert. Dieser ist auch über die DGN- und AWMF-Website verfügbar.

Leitlinie in zwei Teilen

Der nun erschienene Teil 1 der Leitlinie behandelt die wichtigsten Therapieansätze zur Schlaganfallprävention:

den Einsatz von Thrombozytenfunktionshemmern, 
die Behandlung der Hyperlipidämie, 
die orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern, 
die Therapie der arteriellen Hypertonie. 

Der zweite Teil der S3-Leitlinie befindet sich aktuell noch in der Entwicklung:
Darin werden acht weitere Themenbereiche der Sekundärprophylaxe des Schlaganfalls, wie zum Beispiel Lebensstiländerungen zur Risikoreduktion, behandelt. Sobald beide Teile der Leitlinie veröffentlicht sind, wird außerdem eine Version für Patienten und Angehörige erscheinen, in der der Inhalt der S3-Leitlinie für Laien verständlich zusammengefasst wird.

Die Bedeutung von Leitlinien

Die Empfehlungen dieser S3-Leitlinie sind anders als Gesetze nicht bindend. Sie müssen vor dem Hintergrund der Situation eines individuellen Patienten betrachtet und vom behandelnden Arzt gegebenenfalls modifiziert werden. Leitlinien haben einen hohen Stellenwert bei der flächendeckenden Qualitätssicherung in der Medizin.


Literatur

Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). S3-Leitlinie: Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke – Teil 1. Version 1.0. 31.12.2015.
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-133.html

Medizin am Abend DirektKontakt 

Prof. Dr. med. Matthias Endres
Mitglied der Steuergruppe Charité - Universitätsmedizin Berlin
Direktor der Klinik für Neurologie
Charitéplatz 1, 10117 Berlin
Tel.: 030/450 560 102, Fax: 030/450 560 932
E-Mail: matthias.endres@charite.de

Prof. Dr. med. Joachim Röther
Mitglied der Steuergruppe
Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Chefarzt Neurologische Abteilung, Asklepios Klinik Altona, Paul-Ehrlich-Straße 1, 22763 Hamburg
Tel.: +49 (0)40-181881-1401
E-Mail: j.roether@asklepios.com

Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener
Mitglied der Steuergruppe
Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)
Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Essen, Hufelandstr. 55, 45122 Essen
Tel.: +49 (0)201-7232460, E-Mail: h.diener@uni-essen.de

Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft
Tel.: +49 (0)711 8931-380, Fax: +49 (0)711 8931-167, E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org

Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Tel.: +49 (0)89 46148622, Fax: +49 (0)89 46148625, E-Mail: presse@dgn.org

Frank A. Miltner DGN



Infektiologen und die Impfmüdigkeit zum H3N2-Virus

Medizin am Abend Fazit: Infekiologen warnen vor Impfmüdigkeit

Hintergrundlink: 

http://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/17/SchrAnfr/S17-15532.pdf

Rund 27.000 Fälle von Grippe sind aktuell in Deutschland registriert, die Dunkelziffer dürfte höher sein. Noch gelingt es Ärzten trotzdem, die Patienten ausreichend zu versorgen, sagen Experten der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie e.V. (DGI). Gerade jetzt rät die DGI nachdrücklich zur Grippeschutzimpfung. Auch wenn der Impfstoff vor den derzeit kursierenden Viren nur eingeschränkt schützt, erkranken geimpfte Patienten meist weniger stark. Je mehr Menschen geimpft seien, desto weniger gefährden sie zudem Kinder, Alte und abwehrgeschwächte Menschen. 
 
Die DGI betont: Nur wenn an Kliniken ausreichend und bestmöglich ausgebildete Infektiologen tätig sind, können diese einer Grippewelle noch größeren Ausmaßes angemessen begegnen.

Gegen einen der drei Virustypen dieser Saison – das H3N2-Virus – wirkt der Grippe-Impfstoff nicht umfassend. „Dies darf aber nicht dazu führen, dass Menschen impfmüde werden und künftig gänzlich auf eine Influenza-Impfung verzichten“ warnt Professor Dr. med. Bernhard Ruf, Leiter der Klinik für Infektiologie, Tropenmedizin und Nephrologie am Klinikum St. Georg in Leipzig. Denn die Impfung schütze trotzdem. Das zeige sich vor allem auch darin, dass ein Großteil der derzeit an Grippe erkrankten Menschen nicht geimpft sind. Außerdem beobachtet der Experte immer wieder: „Bei gegen Influenza geimpften Personen verläuft die Grippeerkrankung milder als bei ungeimpften.“

Schwere Verläufe einer Grippe bedürfen mitunter sogar einer intensivmedizinischen Betreuung. Bei einer Grippewelle, wie sie derzeit über Deutschland hinweg geht, werden die Betten auf den Intensivstationen knapp und Patienten müssen teils weit in Kliniken im Umland verlegt werden. Um ein solches Patientenaufkommen künftig zu verhindern, rät Professor Ruf zur Impfung. Doch seit der „Schweinegrippe“ im Jahr 2009 sind die Impfzahlen hierzulande zurückgegangen. Die daraus resultierende schwache Grundimmunität der Bevölkerung erleichtere laut Ruf die Verbreitung von Grippe-Viren. Für Risikogruppen wie Kleinkinder, Alte, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Schwangere gilt eine generelle Impfempfehlung. Denn für sie kann eine Influenza auch tödlich verlaufen. Ruf fügt hinzu, dass insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene sich selten gegen die Grippe impfen lassen. Doch sie erleiden häufig besonders schwere Infektionen, da ihr Immunsystem zu heftigen entzündlichen Reaktionen in der Lage ist, mit schwer verlaufender viraler Pneumonie, einer Lungenentzündung. Auch hier würde eine Impfung vorbeugen.

Die Experten der DGI sprechen damit auch das gesamte medizinische Personal an. Denn die Kliniken selbst kämpfen mit vielen Ausfällen, weil Mitarbeiter überdurchschnittlich oft darauf verzichten, sich impfen zu lassen. Weiterhin bleibe es schwer, einen Grippe-Impfstoff zu entwickeln, der gegen die drei Virenstämme umfassend wirkt und dessen Wirksamkeit nicht von den ähnlichen Veränderungen der Influenza-Viren beeinträchtigt wird. „Daher ist es uns als Fachgesellschaft ein besonderes Anliegen, die Infektiologie zu stärken und den medizinischen Nachwuchs anzuregen, diesen Karriereweg einzuschlagen“, betont Professor Dr. med. Gerd Fätkenheuer, Vorsitzender der DGI und Leiter der Infektiologie an der Klinik I für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln. So könne die Forschung in diesem Bereich langfristig vorangetrieben werden.

Medizin am Abend DirektKontakt

Janina Wetzstein
Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e.V.
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel: 0711 89 31 457
Fax: 0711 89 31 167
http://www.dgi-net.de

Phantomschmerzen http://www.life-science-inkubator.de

Medizin am Abend Fazit: Phantomschmerzen den Schmerz nehmen -– Aktuelle Studie am Universitätsklinikum Bonn


Der Verlust einer Extremität ist ein tiefer Einschnitt im Leben der
Betroffenen. Nach der Operation steht den Patienten ein anstrengender Weg
bevor – Schritt für Schritt zurück in ein mobiles Leben. Ein Leben, das
mit Hilfe von Prothesen nahezu wieder alles ermöglicht, wäre da nicht der
Phantomschmerz. Rund 75% aller Amputierten leiden z.T. unter heftigen
Schmerzen in dem nicht mehr vorhandenen Körperteil. Auslöser dafür sind
unter anderem die jetzt „arbeitslosen“ Nerven im Stumpf, die dauerhaft
erregt werden. Daneben existiert ein Schmerzgedächtnis, das sich an die
vor und während der Amputation nozizeptiven Signale bzw. Schmerzen
„erinnert“.

Um dieses Schmerzgedächtnis wieder zu löschen, hat das Ausgründungsprojekt
des Life Science Inkubators “med4life“ die während der Inkubation
entwickelte Small Fiber Matrix Stimulation nun auch auf die Therapie des
Phantomschmerzes ausgeweitet. Diese Technologie wird derzeit schon
erfolgreich bei Rücken- und anderen Schmerzen des Muskel-Skelett-Systems
eingesetzt.

„Neben unserem Rückenband haben wir nun die Small Fiber Matrix Stimulation
in ein Stumpfband integriert. So können wir amputierten Menschen helfen,
die nicht nur den Verlust eines Armes oder Beines bewältigen müssen,
sondern dazu noch unter zum Teil unerträglichen Schmerzen, Schlafstörungen
und Depressionen leiden“, so Dr. Tobias Weigl, Leiter des vom Land NRW
geförderten Inkubationsprojektes und inzwischen einer der Bomedus-
Geschäftsführer.

In einer aktuellen Studie am Universitätsklinikum Bonn durchliefen 23
Patienten mit einseitiger Teilbeinamputation und Phantom- bzw.
Stumpfschmerzen zuerst eine Kontrollphase zur Dokumentation ihrer
täglichen Schmerzen. In der anschließenden Therapiephase behandelten die
Betroffenen morgens und abends je 20 Minuten ihren Stumpf selbstständig zu
Hause mit der Small Fiber Matrix Stimulation Die ersten Ergebnisse zeigen,
dass sowohl Schmerzen, als auch Schmerzempfindlichkeit durch die
Behandlung signifikant verringert wurden. Für Peter K., 72 Jahre, hat sich
seitdem die Lebensqualität erheblich verbessert: „Der absolute
Hauptschmerz ist während der Anwendungszeit nicht mehr aufgetreten. Die
schmerzfreien Tage sind häufiger geworden.“ Auch andere Patienten
berichten von einem starken Rückgang der brennenden, klopfenden oder
stechenden Schmerzen, die zum Teil nur mit hochdosierten Schmerzmitteln zu
ertragen waren.

„Durch die bisherigen sehr guten Ergebnisse bei der Behandlung chronischer
Schmerzen eröffnen sich ganz neue Indikationsgebiete. Derzeit führen wir
eine weitere klinische Studie durch, um die Technologie bei Patienten mit
Tumorschmerzen zu untersuchen, “ so Dr. Weigl zu den Zukunftsplänen des
jungen Unternehmens.

Über den LSI: Der Life Science Inkubator (LSI) bietet Raum für visionäre
Existenzgründer. Dort können Forschungsprojekte aus den Bereichen
Biotechnologie, Pharma und Medizintechnik für einen Zeitraum von bis zu
drei Jahren auf¬genommen und bis zur Marktreife entwickelt werden. Eine
Public-Private-Partnership aus Bund, Land NRW, Wissenschaftsorganisationen
und privaten Investoren trägt das bundesweit einmalige Konzept.

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.life-science-inkubator.de

Medizin am Abend DirektKontakt

Life Science Inkubator GmbH,
Marion Schink
Ludwig-Erhard-Allee 2
53175 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Telefon: 0228-22779014
Fax: 0228-22779029
E-Mail-Adresse: schink@life-science-inkubator.de

Toiletten stehen im Mittelpunkt: Lebensmittelkeim Listeria monocytogens

Medizin am Abend Fazit: Listerien-Check in öffentlichen Toiletten Wiens

Die Wiener Toiletten stehen im Mittelpunkt einer Studie der Forschungsgruppe „Globale Lebensmittelsicherheit“ an der Vetmeduni Vienna. WissenschafterInnen untersuchten darin 224 öffentliche Wiener Klosetts, das sind etwa 91 Prozent aller öffentlichen Toiletten in der Hauptstadt, auf den Lebensmittelkeim Listeria monocytogens. Das Resultat: Zwei Prozent aller untersuchten WCs waren mit dem Bakterium verunreinigt. WC-Anlagen in Parks und in der Nähe von Märkten sind häufiger mit dem Keimbelastet als WCs in Einkaufszentren oder Bahnhöfen. Die Studie wurde im Journal Zoonoses and Public Health veröffentlicht.

Das Bakterium Listeria monocytogenes ist ein sogenannter Umweltkeim. Er ist sehr angepasst und widerstandsfähig. Aus früheren Studien an der Vetmeduni Vienna ist bekannt, dass ländliche Gebiete stärker mit Listerien belastet sind als Städte. Wie die Situation in den städtischen Toiletten aussieht, wurde bisher noch nicht untersucht.

Öffentliche Toiletten sind Hygiene-Hotspots. Viele Menschen verkehren dort und hinterlassen ihre Spuren.

Öffentliche Toiletten sind Hygiene-Hotspots. Viele Menschen verkehren dort und hinterlassen ihre Spuren. Foto: Michael Bernkopf/Vetmeduni Vienna

Toiletten sind Hygiene-Hotspots

Dagmar Schoder, Leiterin der Forschungsgruppe „Globale Lebensmittelsicherheit“ an der Vetmeduni Vienna untersuchte jene Orte in Wien, an denen besonders viele Menschen verkehren. „Städtische Sanitäranlagen sind aus mikrobiologischer Sicht besonders spannende Orte“, meint Schoder. „Beim Toilettenbesuch werden über die Schuhe vielerlei Keime durch die WC-Anlagen geschleust. Um zu verstehen, wie sich Listerien verbreiten und wie belastet der städtische Raum eigentlich ist, haben wir Toilettenböden und Schuhsohlen von Passantinnen und Passanten auf Listerien untersucht.“

WCs in Parkanlagen und mobilen Containertoiletten besonders betroffen

Insgesamt fanden die Forschenden das Bakterium Listeria monocytogenes in zwei Prozent aller Toilettenproben. „Auffallend hoch ist die Rate in WCs von Parkanlagen und mobilen Containertoiletten mit jeweils über zehn Prozent“, so Schoder. Toiletten in Einkaufszentren und auf Bahnhöfen sind laut Studie weniger belastet.
Auf Lebensmittelmärkten und Christbaummärkten waren die Listerien besonders häufig zu finden. Schoder erklärt dies so: „Diese Märkte werden häufig von landwirtschaftlichen Betrieben beliefert und bewirtschaftet. Da Listerien auf dem Land tendenziell bessere Überlebenschancen haben, kommen sie dort auch vermehrt vor und gelangen mit den Menschen über die Schuhe in die Stadt.“
Für Schuhe gilt: Je tiefer das Profil, desto häufiger werden Listerien nachgewiesen. Auf flachen Schuhsohlen gibt es seltener Keime.

Erkenntnisse für die Lebensmittelindustrie und Privathaushalte

„Die Studie ist besonders für lebensmittelproduzierende Betriebe interessant“, meint Schoder. „Dass innerhalb der Betriebe auf höchste Hygiene geachtet wird, ist mittlerweile Standard. Bei Personen, die Waren liefern, sollte besonders auf Hygiene geachtet werden. Gerade LieferantInnen und HandwerkerInnen tragen häufig Arbeitsschuhe mit tiefem Profil. Die regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Schuhe ist also auch hier besonders wichtig.“ Für Privathaushalte empfiehlt Schoder: „Wohn- und Essbereiche sollten nicht mit Straßenschuhen begangen werden.“

Medizin am Abend DirektKontakt

Ass. Prof. Dr. Dagmar Schoder
Institut für Milchhygiene
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 20577-3520
dagmar.schoder@vetmeduni.ac.at>

Dr. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

München: Atemnot-Ambulanz für Patienten mit chronischen Erkrankungen

Medizin am Abend Fazit: Erste deutsche Atemnot-Ambulanz für Patienten mit chronischen Erkrankungen


http://www.atemnotambulanz.de

Am Klinikum der Universität München hat deutschlandweit die erste Atemnot-
Ambulanz für Patienten mit chronischen Erkrankungen eröffnet. Sie wird im
Rahmen eines Forschungsprojektes (BreathEase-Studie) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die Münchner Atemnot-Ambulanz entstand aus einer Kooperation der Klinik für Palliativmedizin und der
Sektion Pneumologie Innenstadt und Thorakale Onkologie der Medizinischen
Klinik V. Sie wird im Rahmen einer randomisiert-kontrollierten Studie
evaluiert.

Trotz optimaler Therapie der Grunderkrankung leiden Patienten mit
fortgeschrittenen Erkrankungen – beispielsweise chronisch obstruktiver
Lungenerkrankung (COPD), chronischer Herzinsuffizienz, Tumorerkrankungen
oder Lungenfibrose – häufig an chronischer Atemnot. Dadurch wird die
Lebensqualität der Patienten und ihrer Angehörigen oft sehr stark
beeinträchtigt. Zur Unterstützung dieser Patienten gibt es eine Reihe von
Maßnahmen wie z. B. Verbesserung des Selbstmanagements, Atemübungen, das Erlernen von hilfreichen Körperhaltungen, oder auch Medikamente, die die
Atemnot lindern sollen. Für die erfolgreiche Behandlung der Atemnot ist
die Kombination verschiedener Maßnahmen notwendig.

Die Erfahrung von Atemnot kann sehr quälend sein und den Patienten und
ihren Angehörigen Angst machen. Um Patienten dabei zu unterstützen, besser
mit ihrer Atemnot umzugehen wurde jetzt am Klinikum der Universität
München erstmals in Deutschland eine Ambulanz für Atemnot eröffnet. Die
Münchner Atemnot-Ambulanz entstand aus einer Kooperation der Klinik für
Palliativmedizin und der Medizinischen Klinik V (Sektion Pneumologie und
Thorakale Onkologie, Leitung Prof. Dr. Rudolph M. Huber). International
werden solche Atemnot-Ambulanzen, deren Effekt auch in wissenschaftlichen
Untersuchungen beobachtet wurde, bereits seit längerem angeboten.

Ziel der Betreuung



Patient mit Atemnot wird betreut
Patient mit Atemnot wird betreut Klinikum der Universität München

„Auch wenn die Schwere der Atemnot oft nicht beeinflussbar ist, soll
Patienten mit gezielten Hilfsmitteln und Maßnahmen geholfen werden, die
Atemnot besser zu bewältigen und mehr Kontrolle über das Symptom zu
bekommen“, erklärt Prof. Dr. Claudia Bausewein, Direktorin der Klinik für
Palliativmedizin und Initiatorin dieses Projektes.

Was bietet die Atemnot-Ambulanz an?

In der Atemnot-Ambulanz arbeiten Palliativmediziner und Lungenfachärzte
zusammen, die sich besonders mit dem Symptom Atemnot auskennen. Jeder
Patient soll innerhalb von vier Wochen zweimal in die Ambulanz kommen.
Eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut betreut den Patienten
zwischen den beiden Ambulanzbesuchen um Atemübungen, Körperhaltungen und andere Maßnahmen zu zeigen, die der Patient selbst bei Atemnot einsetzen
kann. Die Physiotherapeutin macht Vorschläge zur Anpassung des
Tagesrhythmus und leitet den Patienten zu körperlicher Aktivität an. Die
Ambulanz bietet keine Dauerbetreuung und ist auch kein Notfallservice.

Welche Patienten können in die Atemnot-Ambulanz kommen?

Die Ambulanz wird Patienten angeboten, die an Atemnot aufgrund einer
chronischen Erkrankung leiden und durch ihre Atemnot im Alltag
beeinträchtigt sind. Auch die Angehörigen sind eingeladen, mit in die
Ambulanz zu kommen. Die Ursache und Behandlung der Erkrankung, die Atemnot verursacht, sollte bereits durch einen Arzt abgeklärt sein. Die Atemnot-
Ambulanz wird im Rahmen einer randomisiert-kontrollierten Studie
evaluiert. Eine Teilnahme an der Studie ist die Voraussetzung für die
Behandlung in der Ambulanz.



Medizin am Abend DirektKontakt

Die Atemnot-Ambulanz wird in der Medizinischen Klinik in der
Ziemssenstraße 1 angeboten.

Dr. Michaela Schunk (Studienkoordinatorin)
Tel.: 089/4400-77946
E-Mail:atemnotambulanz@med.uni-muenchen.de

Prof. Dr. Claudia Bausewein
Direktorin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin
Klinikum der Universität München (LMU)
Tel: 089/4400-74929
E-Mail: claudia.bausewein@med.uni-muenchen.de
Klinikum der Universität München, Philipp Kressirer

GenderMedizin - Einladung: 4. März in Rostock das Thema: „Psychische Gesundheit, Arbeit und Gesellschaft“

Medizin am Abend Fazit: Psychisch krank: Stellen Mediziner diese Diagnose unnötig oft?

Experten diskutieren am 4. März in Rostock das Thema: „Psychische
Gesundheit, Arbeit und Gesellschaft“. Der Anteil von Frühberentungen im
Jahr 2013 wegen psychischer und psychosomatischer Erkrankungen bei Frauen
liegt bei 48 Prozent, bei Männern gehen 35 Prozent wegen einer psychischen
Erkrankung vorzeitig in den Ruhestand.

Macht Arbeit psychisch krank? Auf einem öffentlichen wissenschaftlichen
Symposium der Universitätsmedizin Rostock unter Leitung von Professor Dr.
Dr. Wolfgang Schneider, Direktor der Klinik und Poliklinik für
Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin, diskutieren am 4. März,
18 Uhr, im Audimax der Uni Rostock auf dem Campus Ulmenstraße Vertreter
des Sozialministeriums von MV, Nordmetall, dem DGB, der Rektor der Uni
Rostock, Prof. Wolfgang Schareck sowie weitere Experten das Thema:
„Psychische Gesundheit, Arbeit und Gesellschaft“. Gemeinsam soll auch nach
Rezepten gegen den Stress am Arbeitsplatz gefahndet werden.

Alarmierend: Der Anteil von Frühberentungen im Jahr 2013 wegen psychischer
und psychosomatischer Erkrankungen bei Frauen liegt bei 48 Prozent, bei
Männern gehen 35 Prozent wegen einer psychischen Erkrankung vorzeitig in
den Ruhestand. Interessant: Wegen körperlicher Leiden erfolgen
Frühberentungen in der Regel drei Jahre später. Und wenn dieses Phänomen
kritisch reflektiert werden würde, zeige sich doch häufig, so Prof.
Schneider, dass es primäre soziale Problemstellungen wie
Langzeitarbeitslosigkeit seien, die über Diagnosestellungen und oftmals
nicht angezeigten Therapien in die „Sprache“ der Medizin übersetzt werden
würden. In diesen Fällen wäre oftmals eine kompetente Beratung zur
Unterstützung der Betroffenen angezeigt, konstatiert Prof. Schneider.
Aber wie ist es nun mit der immer schneller, komplexer und der globaler
werdenden Arbeitswelt?

„Es gibt gesellschaftliche Tendenzen, dass soziale Faktoren wie
beispielsweise Stress im Job oder Arbeitslosigkeit bei Diagnosestellungen
von Betroffenen oftmals nur medizinisch betrachtet werden würden.
Der Professor mahnt: „Menschen dürfen nicht unnötig zu Patienten gemacht
werden“. Oft sei bereits eine niedrigschwellige Beratung hilfreich. Dann
könnten Menschen eigenverantwortlich ihre Probleme lösen.

Insofern sei die Frage interessant, inwieweit wir unsere Befindlichkeit
unnötig pathologisieren. Das heißt, nicht jede Erschöpfung oder
Niedergedrücktheit ist als Krankheit zu sehen. Aufgrund der wachsenden
Sensibilität für diese Themen würden Unternehmen zunehmend Maßnahmen des
Gesundheitsmanagements zur Prävention von psychischen Überforderungen
ihrer Mitarbeiter implementieren. Dazu gehöre auch die
Gefährdungsbeurteilung etwaiger psychischer Risiken im Arbeitsprozess.
Auch von der Politik würde diese Thematik inzwischen ernst genommen, so
Schneider. Zu diesem Thema spricht Prof. Harald Gündel von der
psychosomatischen Universitätsklinik Ulm.

Die öffentliche Aufmerksamkeit, die das Thema „psychische Belastungen in
der Arbeitswelt“ erfährt, führt mehr und mehr dazu, dass sich Individuen
als psychisch gefährdet und überlastet fühlen. Um dieser Problematik
angemessen zu begegnen,“ ist eine sorgfältige Abklärung notwendig, ob und
welche Art von professioneller Unterstützung der Einzelne benötigt“, regt
Schneider an.

Was er damit meint? „Überforderungen, Stress, Angst, Arbeitsüberlastung
genauso wie Arbeitslosigkeit, berufliche Schwierigkeiten führen sicherlich
häufiger zu psychischen und sozialen Problemen, die jedoch nicht notwendig
als Ausdruck einer psychischen Erkrankung anzusehen sind, wie es allzu oft
geschieht“. Sie in das Reich der psychischen Erkrankungen zu befördern,
schütze davor, soziale Missstände und prekäre Arbeitsverhältnisse offen
anzusprechen und sich damit auseinanderzusetzen. „Unsere Gesellschaft
schiebt die Schuld daran, dass jemand nicht mehr richtig funktioniert
lieber dem Betroffenen zu. Sie behandelt dann lieber kranke Menschen, als
ihre sozialen Problem zu lösen“.

Schneider kritisiert auch, dass die Betroffenen oftmals von ihren Ärzten
zu widerspruchslos die gewünschte Diagnose Burnout oder Depression
gestellt werde, sie zu schnell mit Medikamenten versorgt und auch
krankgeschrieben würden. Damit könnten erst Krankheitsprozesse initiiert
und chronische Krankheitsverläufe angestoßen werden, ohne dass man sich
den tatsächlichen sozialen Problemen nähere. Vor diesem Hintergrund – so
Schneider – würden allerdings auch die Menschen vielfach eine Tendenz
aufweisen, Befindlichkeitsstörungen, Erschöpfung, Frustration und
Demotivierung zu schnell als Ausdruck einer psychischen Erkrankung
wahrzunehmen. Letztlich geht es auch für den Einzelnen darum, aktiv und
möglichst selbstbestimmt sein Leben zu gestalten.

Medizin am Abend DirektKontakt

Universität Rostock
Universitätsmedizin
Zentrum für Nervenheilkunde
Prof. Dr. Dr. Wolfgang Schneider
Tel: 0381 494 9670
Mail: wolfgang.schneider@uni-rostock.de
Universität Rostock, Ingrid Rieck
Wolfgang Thiel

360° TOP-Thema: Notfallverhütung - Sicherheit für Mädchen und Frauen

Medizin am Abend Fazit: Notfallverhütung - Sicherheit für Mädchen und Frauen gewährleisten

HintergrundLink: http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/notfallkontrazeptiva-ellaone-fuer-2996-euro/

Notfallverhütung
- Sicherheit für Mädchen und Frauen gewährleisten
- Beratungsinhalte in der Apotheke erweitern
- Einführung der Rezeptfreiheit mit einer Evaluation begleiten



https://www.gbe-bund.de/gbe10/abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gasta&p_aid=0&p_sprache=D&p_knoten=NE2007

Mit großer Besorgnis sehen die Präsidenten des Berufsverbandes der Frauenärzte, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin der Einführung der Rezeptfreiheit für die Notfallverhütung entgegen.


Denn in den Handlungsempfehlungen für die Beratung, die die ABDA – Bundesvereinigung der Apothekerverbände – für die Apotheken herausgegeben hat, sind grundlegende Beratungsinhalte nicht enthalten. 

 
Dazu zählen im Wesentlichen

• die nachlassende Wirkung von Levonorgestrel (LNG) bei einem Körpergewicht von über 75 kg,
• die nachlassende Wirkung von Ulipristalacetat (UPA) bei einem Körpergewicht von über 90 kg und
• der Hinweis darauf, dass eine Kupferspirale eine sichere Alternative ist, die vom Körpergewicht der Frau unabhängig ist.
• Auch ist eine Kupferspirale das Mittel der Wahl, wenn der Zeitpunkt des ungeschützten Sex bereits länger verstrichen ist.

Diese Fakten sind seit langem bekannt; auch aktuelle Veröffentlichungen in der Deutschen Apotheker Zeitung (DAZ) bestätigen dies. In den Unterlagen, die die Apothekerkammern ihren Mitgliedern zur Verfügung stellen, finden sie jedoch keine Erwähnung. Die Kupferspirale wird in den Unterlagen der Apothekerkammern nicht erwähnt. Sie ist in jedem Fall die sicherste Notfallmaßnahme nach ungeschütztem Sex.

Zudem müssen Mädchen und Frauen unbedingt bis zum Eintreten der nächsten Monatsblutung nichthormonell verhüten, also mit einer Barrieremethode wie Kondom oder Diaphragma. Dies gilt auch dann, wenn sie die Pille einnehmen und dies – nach einem Einnahmefehler – nach der Verwendung der Notfallverhütung fortsetzen. Bis zur nächsten Menstruation wirkt die Pille nicht mehr, wenn eine Notfallverhütung verwendet wurde.

Zudem schützt die Notfallverhütung nicht bei weiteren, späteren ungeschützten Sexualkontakten im gleichen Zyklus.

Es ist zu befürchten, dass diese unverzichtbaren Informationen in den Apotheken nicht in jedem Fall mit der gebotenen Dringlichkeit an Mädchen und Frauen weitergegeben werden. Eine fehlerhafte Beratung erhöht jedoch die Gefahr unerwünschter Schwangerschaften dramatisch.

Deutschland hat die weltweit niedrigste Rate an Schwangerschaftsabbrüchen bei Teenagern und eine der weltweit niedrigsten Raten an Schwangerschaftsabbrüchen überhaupt. Die Frauenärztinnen und Frauenärzte Deutschlands wünschen sich, dass das so bleibt. Die derzeit festgelegten Inhalte für die Beratung in den Apotheken geben Anlass zu der Befürchtung, dass die Abbruchraten als Folge einer lückenhaften Aufklärung künftig ansteigen könnten.

Geplante Regelungen schützen nicht ausreichend vor Missbrauch

Zudem ist zu befürchten, dass die vorgesehene Regelung zur Abgabe der Notfall-verhütung Missbrauch nicht ausreichend ausschließt. So kann nach derzeitigem Stand das Arzneimittel auch durch Dritte gekauft werden; eine persönliche und vertrauliche Beratung des betroffenen Mädchens bzw der betroffenen Frau würde dann unterbleiben. Gerade nach einem Gewaltdelikt innerhalb gefestigter sozialer Strukturen sehen wir hier erhebliches Gefahrenpotential für die betroffenen Mädchen und Frauen.

Des Weiteren kann Vorratshaltung mit dem jetzigen Modell nicht ausgeschlossen werden. UPA ist jedoch nur bei Einnahme einer einzigen 30-mg-Dosis sicher. Wenn es höher dosiert wird und bereits eine Schwangerschaft vorliegt, so besteht die Gefahr lebensbedrohlicher Blutungen. Eine solche Komplikation könnte ausgeschlossen werden, wenn das Arzneimittel bereits in der Apotheke eingenommen werden muss.

Alle hier vorgebrachten Argumente sind der ABDA bekannt. Sie wurden jedoch in den Handlungsempfehlungen zur Abgabe der Notfallkontrazeption nicht umgesetzt.

„Noch haben die Apotheker es in der Hand, bis zur Einführung der Rezeptfreiheit und auch nach diesem Stichtag alle von uns vorgebrachten Bedenken aufzunehmen und in den Beratungsunterlagen für die Apotheken zu berücksichtigen“, betonen die Präsidenten des Berufsverbandes der Frauenärzte, Dr. med. Christian Albring, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Prof. Dr. med. Diethelm Wallwiener und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin, Prof. Dr. med. Thomas Rabe. „Wir apellieren an den Vorstand der ABDA, die Curricula, die Handlungsempfehlungen und die Checklisten für die Dokumentation kurzfristig zu überarbeiten. Die Sicherheit der Mädchen und Frauen und die Verhütung unerwünschter Schwangerschaften sollten an erster Stelle stehen. Es ist nicht sinnvoll, Informationen zurückzuhalten, die in dieser Situation von großer Bedeutung wären.“

Evaluation sollte helfen, Sicherheitslücken aufzudecken

Die drei Institutionen unterstützen zudem die Forderung der Bundesärztekammer, die Einführung der Rezeptfreiheit für die Notfallverhütung über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg durch eine Evaluation zu begleiten. Zwischenberichte sollten in järhlichem Abstand vorgelegt werden. Inhalte dieser Evaluation müssten sein:

• Meldungen zu Nebenwirkungen nach Einnahme von LNG oder UPA zur Notfall-kontrazeption
• Statistik der Schwangerschaftsabbrüche bei Teenagern und bei volljährigen Frauen
• Erhebung über die Entwicklung der Zahl der verkauften Packungen an LNG und UPA zur Notfallkontrazeption.

Mit einer solchen Evaluation könnte überprüft werden, ob die Einführung der Rezept-freiheit mit Sicherheitsrisiken für Mädchen und Frauen verbunden war. Es könnten dann Maßnahmen getroffen werden, um diese möglichen Sicherheitslücken aufzudecken und zu schließen.

Medizin am Abend DirektKontakt 

Berufsverband der Frauenärzte e.V.
Dr. med. Susanna Kramarz
Oldenburgallee 60
14052 Berlin
Tel. 030- 308 123 12
E-Mail: kramarz@medien.bvf.de

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.
Annette Affhüppe
Hausvogteiplatz
10117 Berlin
Tel. 030 - 514 88 33 33


Deutsche Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin e.V.
Prof. Dr. med. Thomas Rabe
Universitäts-Frauenklinik Heidelberg
INF 440
69120 Heidelberg
E-Mail:thomas.rabe@med.uni-heidelberg.de

http://www.bvf.de
http://www.dggg.de

Wie sich Wunden schließen: Wundheilung

Medizin am Abend Fazit:
Heidelberger Wissenschaftler entschlüsseln molekularen Mechanismus der kollektiven Zellmigration, der etwa für die Wundheilung von Bedeutung ist

Damit Wunden sich wieder verschließen können, müssen Zellen sich gemeinsam und koordiniert in eine Richtung bewegen.

Bislang war der zentrale molekulare Mechanismus, mit dem Zellen diese Bewegungen über größere Entfernungen koordinieren können, unklar – Wissenschaftler der Universität Heidelberg und des Stuttgarter Max-Planck-Instituts für intelligente Systeme konnten ihn nun entschlüsseln. Diese kollektive Zellmigration spielt nicht nur bei der Wundheilung eine wichtige Rolle, sondern ebenso bei der Embryonalentwicklung oder auch bei der Entwicklung von Krebs. Die Forschungsergebnisse, die in der Fachzeitschrift „Nature Cell Biology“
veröffentlicht wurden, sind daher für alle drei Bereiche von großer
Bedeutung.

„Die kollektive Bewegung von Zellen und biologischen Systemen ist eines
der wichtigsten natürlichen Phänomene und kommt auf verschiedenen Ebenen
und Längenskalen der Natur vor. Wir haben nun den molekularen Hauptakteur
und den entsprechenden Mechanismus identifiziert, der die kollektive
Migration von Epithelzellen, also Zellen des Deckgewebes von Haut,
steuert“, erklärt Prof. Dr. Joachim Spatz vom Physikalisch-Chemischen
Institut der Universität Heidelberg und dem Max-Planck-Institut für
Intelligente Systeme. In ihrer Untersuchung stellen die Wissenschaftler
einen vollständigen molekularen Mechanismus vor, der sich auf das Protein
Merlin konzentriert. Die Ergebnisse stellen eine Verbindung von
mechanischen Kräften innerhalb der Zelle zu kollektiven Zellbewegungen her
und zeigen auch, wie lokale Interaktion eine kollektive Dynamik auf der
multizellulären Ebene bewirkt. „Damit schaffen sie eine Analogie zu dem,
was man bereits von den kollektiven Bewegungen weiß, die sich in der
biologischen und physikalischen Welt beobachten lassen“, erklärt Prof.
Spatz.

Den Vorgang der Zellmigration vergleicht der Wissenschaftler mit den
Abläufen bei einem Marathon: „Auf der Ebene des gesamten Organismus
versucht ein Individuum in einer Menge ganz bewusst, seine Bewegungen an
denen seiner Nachbarn auszurichten, wofür Wahrnehmung und Aktion
miteinander in Einklang gebracht werden müssen.“ Innerhalb eines
Zellkollektivs sind diese beiden Vorgänge durch Signalübertragungswege
miteinander verbunden. In einem Zellkollektiv gibt es eine Führungszelle,
ähnlich dem Führenden in einem Marathonlauf. Sie ist mit den ihr folgenden
Zellen mechanisch durch Zell-Zell-Kontakte verbunden. Durch das
Voranlaufen der Führungszelle wird mechanische Spannung auf die
Verfolgerzellen ausgeübt, wie Joachim Spatz erläutert. Diese mechanische
Spannung nimmt das Protein Merlin wahr und initiiert die räumlich
polarisierte Verfolgungsbewegung. So wird die mechanische Spannung im
Verfolgerfeld von einer Zelle zur nächsten weitergegeben. Die
Verfolgerzellen reagieren darauf mit der Ausbildung von „Bein“-artigen
Ausstülpungen in Richtung der Führungszelle, um sich nach vorne zu
bewegen.

„Unklar war bisher, durch welche molekulare Verbindung diese beiden
Ereignisse, Wahrnehmung und Aktion, verbunden sind“, sagt Joachim Spatz.
„Dazu zeigt nun unsere Studie, wie Merlin als ein mechanosensitives
Protein zelluläre Kräfte in kollektive Zellbewegungen umwandelt, indem es
als mechanisch-chemischer Signalumwandler agiert. Erstaunlich ist dabei,
dass Merlin das einzige Protein in dem verantwortlichen Signalnetzwerk
ist, welches diese Eigenschaft in Zellkollektiven vermittelt – dass es
also keine Ersatzmechanismen gibt. Fällt Merlin aus, verlieren Zellen die
Fähigkeit, sich kollektiv zu bewegen, und verursachen die damit
verbundenen medizinisch relevanten, pathophysiologischen Merkmale von
Organismen.“

So ist der Hauptakteur der Studie, Merlin, auch ein bekannter
Tumorsuppressor, der für verschiedene Krebsarten verantwortlich ist. Zudem
ist Merlin an der Steuerung des sogenannten Hippo-Signalwegs beteiligt,
einem für die Biologie wichtigen Signalweg, der die Vermehrung von Zellen
und die Größe von Organen steuert und seit dem Auftreten von frühen
Vielzellern evolutionär konserviert wurde. „Es ist spannend zu sehen, dass
es mit dem von Merlin vermittelten Signalmechanismus eine Verbindung
zwischen diesen scheinbar ungleichen Aspekten zu geben scheint“, sagt der
Forscher.

An der Studie waren auch Wissenschaftler des Hamamatsu Tissue Imaging and
Analysis (TIGA) Center am BioQuant-Zentrum der Ruperto Carola sowie des
Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg beteiligt.

Originalveröffentlichung:
T. Das, K. Safferling, S. Rausch, N. Grabe, H. Boehm, J. Spatz: A
molecular mechanotransduction pathway regulates collective migration of
epithelial cells. Nature Cell Biology (published online 23 February 2015),
doi: 10.1038/ncb3115

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Joachim Spatz
Physikalisch-Chemisches Institut
Tel. +49 6221 54-4942
joachim.spatz@urz.uni-heidelberg.de
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Marietta Fuhrmann-Koch

Multiresistenten Keim: Bakterium Acinetobacter baumannii

Medizin am Abend Fazit: Strategien gegen multiresistenten Keim

Das Bakterium Acinetobacter baumannii kann gegen alle vier wesentlichen
Gruppen von Antibiotika resistent (4MRGN) sein. Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) konnten
nun zusammen mit der Kieler Biotechnologie-Firma PLANTON in Laborversuchen
zeigen, dass bestimmte körpereigene Eiweiße, sogenannte antimikrobielle
Peptide, diese multiresistenten Erreger sehr wirksam abtöten konnten.

Jeder Organismus ist im Kontakt mit der Umwelt dem Risiko von Infektionen
durch Mikroorganismen ausgesetzt.  

Als Schutz gegen Fremderreger produziert der Körper vor allem auf der Haut und den Schleimhäuten antimikrobielle Peptide (AMP). Es ist bekannt, dass diese AMP auch effektiv gegen manche Antibiotika-resistenten Erreger wirken können.

Forscherinnen und Forscher der Universitäts-Hautklinik sowie des Instituts für Infektionsmedizin, Medizinische Fakultät der CAU und Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), haben in Laborversuchen jetzt verschiedene AMP auf Kulturen des für den jüngsten Ausbruch in Kiel verantwortlichen Erregers 4MRGN gegeben.

Sie konnten in diesen Versuchen feststellen, dass die multiresistenten
Bakterien extrem effizient und schnell abgetötet wurden. „Wir waren in
diesem Fall selbst überrascht von der hohen Wirksamkeit der AMP gegen die
multiresistenten Bakterien“, sagt Professor Jürgen Harder,
Infektionsbiologe an der Kieler Hautklinik.

Kiel ist als Forschungsstandort international renommiert in der
Erforschung der AMP und die Kieler Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler arbeiten seit vielen Jahren mit der Kieler Biotechnologie-
Firma PLANTON zusammen, um die Verwendung der AMP in verschiedenen
Therapiefeldern zu entwickeln. „Die erzielten Ergebnisse liefern
vielversprechende Hinweise für neue und wirksame therapeutische Strategien
gegen multiresistente Bakterien“, ordnet der Geschäftsführer der PLANTON
GmbH, Dr. Michael Kleine, die Ergebnisse ein. Allerdings ist „bis zur
therapeutischen Anwendung bei Patientinnen und Patienten noch einiges an
Forschung nötig, insbesondere muss in klinischen Studien die Wirksamkeit
bei der direkten Anwendung bei Patientinnen und Patienten getestet
werden“, ergänzt Professor Helmut Fickenscher, Direktor des Kieler
Instituts für Infektionsmedizin. Diese Arbeit soll nun verstärkt
vorangetrieben werden, in der Hoffnung, in einigen Jahren mit den AMP eine
neue Waffe im Kampf gegen multiresistente Keime anwenden zu können. Die
Einführung neuer Wirkstoffe ist dringend notwendig, da immer mehr
Bakterien Resistenzen gegenüber vielen der gängigen Antibiotika entwickeln
und durch diese nicht mehr effizient bekämpft werden können.

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Jürgen Harder
Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie
Telefon: 0431-597-1598
E-Mail: jharder@dermatology.uni-kiel.de

Prof. Dr. Helmut Fickenscher
Institut für Infektionsmedizin
Telefon: 0431-597-3300
E-Mail: fickenscher@infmed.uni-kiel.de

PD Dr. Michael Kleine
PLANTON GmbH
Telefon: 0431-380150
E-Mail: info@planton.de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Dr. Boris Pawlowski