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Nächtliches Alkoholverkaufsverbot

Medizin am Abend Fazit: Nächtliches Alkoholverkaufsverbot verringert Zahl der
Krankenhausaufenthalte

Infolge des nächtlichen Alkoholverkaufsverbots in Baden-Württemberg ist
die Zahl der alkoholbedingten Krankenhausaufenthalte von Jugendlichen und
jungen Erwachsenen um sieben Prozent gesunken. Bei älteren Erwachsenen hat
die im Jahr 2010 in Kraft getretene Regelung hingegen keine Auswirkungen.

Das haben Forscher des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) und des
Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) erstmals
herausgefunden.

„Das sogenannte Komasaufen unter Jugendlichen ist für die Betroffenen mit
hohen Gesundheitsrisiken verbunden und gesellschaftlich ein Problem. Wenn
dies durch den erschwerten Zugang zu Alkohol reduziert werden kann, ist
ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot auch für andere Bundes-länder ein
interessanter politischer Ansatz“, sagen die beiden Studienautoren Thomas
Siedler vom HCHE und Jan Marcus vom DIW Berlin.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben sich die alkoholbedingten
Krankenhausaufenthalte von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in
Deutschland innerhalb von nicht einmal zehn Jahren (2002 bis 2010) mehr
als verdoppelt. Im März 2010 reagierte Baden-Württemberg mit einem
Alkoholverkaufsverbot: Zwischen 22 und 5 Uhr gehen dort seitdem an
Tankstellen, Supermärkten und Kiosken keinerlei alkoholische Getränke mehr
über die Ladentheke. Lediglich in Restaurants und Bars ist der Ausschank
von Alkohol weiter erlaubt.

Die Forscher aus Berlin und Hamburg konnten nun erstmals zeigen, dass
dieses nächtliche Alkoholverkaufsverbot wirkt – wenn auch nicht übermäßig
stark: Bei den 15- bis 19-Jährigen und bei den 20- bis 24-Jährigen sind
die alkoholbedingen Krankenhauseinlieferungen seit Beginn des
Verkaufsverbots jeweils um etwa sieben Prozent gesunken – am stärksten bei
jüngeren Männern. Zudem wurden infolge des Verkaufsverbots weniger
Personen aufgrund von Körperverletzungen in Krankenhäuser eingeliefert.
„Baden-Württemberg konnte sich damit dem allgemeinen Trend widersetzen“,
so Jan Marcus vom DIW Berlin. „Während die alkoholbedingten
Krankenhauseinlieferungen in den anderen Bundesländern anstiegen, erzielte
Baden-Württemberg durch das nächtliche Alkoholverkaufsverbot bereits
kurzfristig eine Stagnation.“ Allein in den ersten 22 Monaten nach
Inkrafttreten konnten über 700 alkoholbedingte Krankenhauseinlieferungen
in Baden-Württemberg vermieden werden.

„Jugendliche kaufen seltener Alkohol auf Vorrat und haben in der Regel
weniger Geld zur Verfügung, so dass sie Alkohol öfter in Supermärkten und
Tank-stellen kaufen als Erwachsene, die einfacher auf Kneipen und
Restaurants ausweichen können“, erklärt Siedler. Daher entfalte das
nächtliche Alkohol-verkaufsverbot seine Wirkung nur bei Jugendlichen und
jungen Erwachsenen. Bei den älteren Erwachsenen ab 25 Jahren stellen die
Forscher dagegen keine signifikante Reaktion fest. Marcus: „Hier spielen
auch ein höheres Einkommen und eine eigene Wohnung eine Rolle. Der
Alkoholkonsum findet geplanter und weniger in der Öffentlichkeit statt.“

Die groß angelegte Studie von HCHE und DIW Berlin hat erstmals die
kurzfristigen gesundheitlichen Effekte des Alkoholverkaufsverbots in
Baden-Württemberg untersucht. Die Forscher werteten dafür eine 70-Prozent-
Stichprobe aller Krankenhauseinlieferungen in Deutschland für die Jahre
2007 bis 2011 aus (Krankenhausdiagnosestatistik). Alleine für das Jahr
2011 analysierten die Forscher Daten von 13 Millionen
Krankenhausaufenthalten. Durch den Vergleich mit anderen Bundesländern
konnten sie generelle Veränderungen im Alkoholkonsum herausrechnen und
auch wirtschaftliche und demografische Veränderungen in den einzelnen
Bundesländern berücksichtigen.

Originalbeitrag

Jan Marcus und Thomas Siedler: Reducing binge drinking? The effect of a
ban on late-night off-premise alcohol sales on alcohol-related hospital
stays in Germany; Journal of Public Economics, 2015.
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0047272714002564

Medizin am Abend DirektKontakt

Hamburg Center for Health Economics, Universität Hamburg
Andrea Bükow, Tel.: 040 42838-9515,
E-Mail: andrea.buekow@wiso.uni-hamburg.de
Elena Granina, Tel.: 040 42838-9516,
E-Mail: elena.granina@wiso.uni-hamburg.de
www.hche.de
Universität Hamburg, Birgit Kruse

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
Sebastian Kollmann, Tel.: 030 897 89 250

GenderMedizin - Singles: demografische Engpässe

Medizin am Abend Fazit: Singles in Deutschland: Ursachen zunehmender Partnerlosigkeit

Hintergrundlink für Medizin am Abend Beteiligte: 

https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/publikationen/Stat_Berichte/2015/SB_A01-05-00_2014h02_BE.pdf

https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/pms/2015/15-02-12a.pdf

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl der Singles in Deutschland
immer mehr zugenommen. Zwischen 1993 und 2009 ist der Anteil der Menschen
ohne Partner im Alter bis zu 60 Jahren um 8,5 Prozent gestiegen. Die
Ursachen dafür hat der Heidelberger Soziologe Jan Eckhard auf Basis der
für Deutschland repräsentativen Daten des Sozio-oekonomischen Panels
(SOEP) im DIW Berlin näher ergründet. Unterschiedliche
sozialwissenschaftliche Theorien zum Singledasein wurden dabei empirisch
überprüft. Eine überraschend große Rolle für die zunehmende Zahl der
Singles spielen demnach „demografische Engpässe“ auf dem sogenannten
„Partnermarkt“.

„Für die Männer und Frauen einiger Geburtsjahrgänge besteht ein
gravierendes Unterangebot an möglichen künftigen Partnerinnen oder
Partnern“, sagt Eckhard. „Dies hat dazu geführt, dass diese Männer und
Frauen im Laufe ihres Lebens sehr viel häufiger ohne Partner lebten als
Menschen älterer Generationen.“ Außerdem trugen unter anderem die
zunehmende Berufstätigkeit der Frauen und der Anstieg der Arbeitslosigkeit
in den 90er Jahren dazu bei, dass immer mehr Menschen immer häufiger
alleine leben. Die Studie wurde in der letzten Ausgabe der Zeitschrift für
Soziologie veröffentlicht.

Für seine Untersuchung hatte Jan Eckhard die SOEP-Daten von mehr als
20.000 Männern und Frauen ausgewertet, die jährlich wiederholt befragt
worden waren zu Partnerschaften innerhalb und außerhalb des eigenen
Haushalts, Einkommen, beruflicher Position, Familiengeschichte und
weiteren Faktoren. Anhand statistischer Analysen dieser Daten überprüfte
der Soziologe mehrere Theorien zu den Ursachen der Partnerlosigkeit.

Die Analyse der SOEP-Daten zeigt: Eine überraschend große Rolle für die
zunehmende Zahl der Singles spielen „demografische Engpässe“ auf dem
„Partnermarkt“. Beispielsweise kamen Mitte der 1960er Jahre besonders
viele Kinder zur Welt – die geburtenstarken Jahrgänge. Anschließend sanken
die Geburtenzahlen so stark ab, dass in den nachfolgenden Jahrgängen bis
zu 40 Prozent weniger Kinder geboren wurden. Da sich – wie bereits mehrere
frühere Studien belegt haben – Männer bei der Partnersuche meist auf die
zwei bis vier Jahre jüngeren Frauen, die Frauen sich umgekehrt auf die
zwei bis vier Jahre älteren Männer konzentrieren, kann dies zu Engpässen
bei der Partnersuche führen: Die vielen Männer aus den geburtenstarken
Jahrgängen „konkurrieren“ um die wenigen Frauen aus den zahlenmäßig
kleineren Jahrgängen.

Auch gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen begünstigen das
Singleleben. Ein Beispiel hierfür ist die zunehmende Erwerbstätigkeit von
Frauen. „Durch das eigene Einkommen der Frauen verliert die traditionelle
Versorgungsfunktion einer Beziehung an Bedeutung“, sagt Jan Eckhard.
„Beziehungen, die nicht funktionieren, werden nicht mehr wie in der
Vergangenheit aus rein finanziellen Gründen aufrecht erhalten.“ Das weit
verbreitete Bild, dass vor allem beruflich erfolgreiche „Karrierefrauen“
ohne Partner leben, würden die SOEP-Daten jedoch nicht bestätigen. Jan
Eckhard: „Die Entscheidung für ein Singledasein ist unabhängig von der
beruflichen Position der Frauen. Ausschlaggebend ist viel mehr, ob die
Frauen überhaupt ein eigenes Einkommen haben.“

Dass Frauen immer öfter ohne Partner leben, liegt teilweise auch an der
immer häufigeren Erfahrung, als Kind einer allein erziehenden Mutter
aufzuwachsen. Eckhard erklärt diesen Unterschied durch den sogenannten
„Transmissionseffekt“. Darunter versteht man in der Familiensoziologie,
dass die Frauen Verhaltensmuster und Bewältigungsstrategien ihrer allein
lebenden Mütter lernen können und somit gut auf ein Leben ohne Partner
vorbereitet sind.

Eine weitere Ursache dafür, dass die Partnerlosigkeit in der Vergangenheit
zugenommen hat, ist bei beiden Geschlechtern die Zunahme der
Arbeitslosenzahlen ab Beginn der 90er Jahre. Die Zahl der Arbeitslosen
stieg seit 1990 von unter 2,5 Millionen auf zeitweilig 4,5 Millionen in
den Jahren 2003 – 2006. Der Anteil der Singles im Alter zwischen 20 und 35
Jahren erhöhte sich in diesem Zeitraum um 12 Prozent. „Schlechte
Arbeitsmarktchancen verlangen ein höheres Maß an Flexibilität und lassen
eine gemeinsame Zukunftsplanung in einer stabilen Partnerschaft oft nicht
zu“, erklärt Jan Eckhard.

STICHWORT SOEP

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten
laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW
Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem
Dach der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) von Bund und Ländern gefördert. Für
das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut TNS Infratest
Sozialforschung mehrere tausend Menschen befragt. Zurzeit sind es etwa
25.000 Befragte in knapp 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter
anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und
Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden,
können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die
gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert
werden. Mehr als 500 Forscherinnen und Forscher im In- und Ausland nutzen
die SOEP-Daten für ihre Studien. Bis heute sind mehr als 7.000
Veröffentlichungen auf Basis der SOEP-Daten erschienen.


Medizin am Abend DirektKontakt

jan.eckhard@soziologie.uni-heidelberg.de
Sozio-oekonomisches Panel (SOEP), Monika Wimmer

Die Studie:
Eckhard, Jan (2014): Der sozialstrukturelle Kontext der zunehmenden
Partnerlosigkeit in Deutschland. Zeitschrift für Soziologie, Jg. 43, Heft
5: 341-360

www.zfs-online.org/index.php/zfs/article/view/3179

Intersexueller Kinder oder uneindeutigem Geschlecht

Weder Mädchen noch Junge: RUB-Forscherinnen untersuchen
Versorgungssituation intersexueller Kinder

Was in Kliniken passiert, wenn Babys mit „uneindeutigem“ Geschlecht
geboren werden

Was passiert, wenn ein Kind geboren wird, was nicht eindeutig ein Mädchen
oder Junge ist? Wie werden die Eltern beraten? Wie geht es weiter? Das
untersuchen erstmals RUB-Forscherinnen um Prof. Dr. Katja Sabisch (Gender
Studies) anhand von Interviews mit betroffenen Eltern, Ärztinnen und
Ärzten. Ihre Studie „Intersexualität in NRW. Eine qualitative Untersuchung
der Gesundheitsversorgung von zwischengeschlechtlichen Kindern in
Nordrhein-Westfalen“ wird unterstützt vom Landeszentrum Gesundheit NRW.

Ziel ist es, Stärken und Schwächen der real praktizierten Medizin im Fall
von intersexuell geborenen Kindern identifizieren.

Betroffene erfahren oft großes Leid

Schätzungsweise eines von 4.500 Kindern wird mit äußerlichen
Geschlechtsmerkmalen geboren, die nicht eindeutig sind. Für die Eltern ist
die Geburt eines betroffenen Kindes mit großen Unsicherheiten verbunden.
Für die Kinder ist es ein Schicksal, das häufig mit großem Leid
einhergeht, nicht zuletzt verursacht durch geschlechtszuweisende
Operationen im frühen Kindesalter, die seit den 1970er Jahren vorgenommen
werden und auch heute noch gang und gäbe sind. Eine Hamburger Studie hat
2007 gezeigt, dass viele Intersexuelle mit ihrer Situation und der
Behandlung in Kliniken äußerst unzufrieden sind.

Interviews mit Eltern von intersexuellen Kindern, die seit 2010 in NRW
geboren wurden

Bislang wurde aber nicht untersucht, welche Erfahrungen die Eltern von
intersexuellen Kindern in den Kliniken machen, wie sie beraten und
unterstützt werden oder ob sie mit der Behandlung ihrer Kinder zufrieden
sind. Die RUB-Forscherinnen wollen die Versorgungsrealität nun erstmals
untersuchen. Dazu führen sie Interviews mit Eltern intersexuell geborener
Kinder durch, die seit 2010 in Nordrhein-Westfalen zur Welt gekommen sind.
Außerdem befragen sie Ärztinnen und Ärzte, welche Maßnahmen sie bei Geburt
eines betroffenen Kindes ergreifen.

Hintergrund: die politische Entdeckung des Themas

2012 stellte der Deutsche Ethikrat fest, dass irreversible medizinische
Maßnahmen zur Geschlechtszuordnung einen Eingriff in das Recht auf
körperliche Unversehrtheit darstellen. Kurz darauf sprach sich die
Gesundheitsministerkonferenz der Länder auf Initiative der nordrhein-
westfälischen Landesregierung dafür aus, die Empfehlungen des Deutschen
Ethikrates zur Intersexualität aufzugreifen und geeignete Maßnahmen zu
entwickeln, um die Diskriminierung und das damit verbundene schwere Leid
der Betroffenen zu beenden. In diesem Zusammenhang damit steht auch die
seit dem 1. November 2013 gültige neue Vorschrift im Personenstandsgesetz:

Erstmals kann der Geschlechtseintrag im Geburtsregister bei Neugeborenen mit „uneindeutigem“ Geschlecht offen bleiben.

Medizin am Abend DirektKontakt 

Prof. Dr. Katja Sabisch, Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB, Tel.
0234/32-22988, E-Mail: katja.sabisch@rub.de
Ruhr-Universität Bochum, Meike Drießen

Johanniter Top-Arbeitgeber

Johanniter erneut unter den Top-Arbeitgebern in Deutschland / Aktuelles Focus-Ranking: Platz 2 in der Branche Gesundheit und Soziales

Die Johanniter zählen zu den besten Arbeitgebern in Deutschland. So das Ergebnis einer aktuellen Studie des Nachrichtenmagazins Focus in Zusammenarbeit mit dem Karriere-Netzwerk Xing und der Bewertungsplattform Kununu. Unter den großen Arbeitgebern in der Branche "Gesundheit und Soziales" belegt die Johanniter-Unfall-Hilfe demnach den zweiten Platz. Das Ranking basiert auf einer Untersuchung, die bereits im dritten Jahr durchgeführt wurde, um die besten Arbeitgeber Deutschlands zu ermitteln. Betrachtet wurden erneut 2000 deutsche Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitern aus 22 Branchen. Im Mittelpunkt steht dabei das Urteil von Mitarbeitern über ihren Arbeitgeber. Mehr als 70.000 Bewertungen flossen in das Ergebnis ein.

Die Teilnehmer beantworteten mehr als 50 Fragen über ihr Unternehmen - von der konkreten Ausstattung des Arbeitsplatzes über Aufstiegschancen und Führungsstil bis hin zum Betriebsklima. Außerdem wurde gefragt, ob der Arbeitgeber auch Freunden oder Verwandten weiterempfohlen werden würde.
"Wir freuen uns sehr, beim aktuellen Focus-Ranking wieder unter den Top-Arbeitgebern unserer Branche zu sein", erklärt Wolfram Rohleder, Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. "Wie alle großen sozialen Arbeitgeber stehen auch die Johanniter in einem wachsenden Wettbewerb um qualifizierte und motivierte Fachkräfte für unsere Dienste. Dass die Menschen, die sich heute schon bei uns engagieren, dies offensichtlich gern tun, ist dabei ungeheuer wichtig, denn zufriedene Mitarbeiter sind die besten Botschafter für einen Arbeitgeber."

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist seit mehr als 60 Jahren in den unterschiedlichsten sozialen und karitativen Bereichen tätig. Mit mehr als 15 000 hauptamtlichen Mitarbeitern, gut 30 000 ehrenamtlichen Aktiven und rund 1,3 Millionen Fördermitgliedern ist die Johanniter-Unfall-Hilfe eine der größten Hilfsorganisationen in Deutschland und zugleich ein großes Unternehmen der Sozialwirtschaft. Die Johanniter-Unfall-Hilfe engagiert sich in den Bereichen Rettungs- und Sanitätsdienst, Katastrophenschutz, Betreuung und Pflege von alten und kranken Menschen, Fahrdienst für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Hospizarbeit und anderen Hilfeleistungen im karitativen Bereich sowie in der humanitären Hilfe im Ausland.

Weitere Informationen zu den Johannitern mit einem Überblick über alle aktuellen Stellenangebote finden Sie unter
www.johanniter.de/karriere

Medizin am Abend DirektKontakt

Therese Raatz Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Bundesgeschäftsstelle Lützowstraße 94 10785 Berlin Telefon 030 26997 360 Mobil 0173 6193102 Fax 030 26997 359

Neuer Ansatz gegen Osteoporose

Um den Knochenabbau bei Knochenkrankheiten zu begrenzen, zielen die
meisten aktuellen Behandlungen auf die Zerstörung der Osteoklasten ab.

Diese Behandlung verhindert jedoch auch die Knochenbildung, da diese nur
bei vorhandenen Osteoklasten stimuliert werden kann. Forscher des CNRS
[1], des Inserm [2], der Universität Montpellier und der Universität Jean
Monnet Saint-Étienne haben einen neuen Ansatz entwickelt, mit der die
Osteoklasten deaktiviert werden, ohne ihre Lebensfähigkeit zu
beeinflussen.

Knochen ist ein dynamisches Gewebe, das ständig auf- und abgebaut wird:

Osteoklasten bauen Knochenmasse ab und Osteoblasten bilden sie neu.

Bei einigen Krankheiten wird mehr Knochen ab- als aufgebaut. Aus diesem Grund zielt die Arbeit der Forscher darauf ab, die Aktivität der Osteoklasten zu
steuern, um einen zu großen Knochenabbau, der zu Osteoporose führen kann,
zu verhindern.

Osteoklasten nutzen spezifische ringförmige Zellstrukturen, die Podosomen,
um sich an den Knochen zu binden und ihn abzubauen. Das Enzym, das den
Aufbau des Zytoskeletts steuert und die Bildung des Podosomen-Rings
ermöglicht, wird vom Protein Dock5 aktiviert. Bei Mausmodellen mit
verschiedenen pathologischen Knochenverlusten (Osteoporose, rheumatoide
Arthritis, Knochenmetastasen) kann ein synthetischer Stoff - C21 - Dock5
hemmen und dadurch die Aktivität der Osteoklasten verhindern, die sich
nicht mehr am Knochen anbinden können. Osteoklasten sind jedoch nach wie
vor vorhanden, wodurch die Knochenbildung erhalten bleibt.

Die pharmakologische Hemmung von Dock5 wurde so bei Mäusen als neue
Behandlungsmöglichkeit validiert. Die Forscher wollen jetzt andere
Dock5-Hemmer entwickeln.

[1] CNRS – französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung
[2] INSERM – französisches Institut für Gesundheit und medizinische
Forschung



Medizin am Abend DirektKontakt

Anne Blangy – Forschungsdirektorin, CNRS - Tel.: +33 (0) 4 34 35 95 08 –
E-Mail: anne.blangy@crbm.cnrs.fr

Quelle: Pressemitteilung des Inserm – 03.02.2015 – http://presse-inserm.fr/osteoporose-comment-preserver-lequilibre-entre-formation-et-destruction-de-los/17727/

Redakteurin: Rébecca Grojsman, rebecca.grojsman@diplomatie.gouv.fr


Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik
Deutschland, Marie de Chalup

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.wissenschaft-frankreich.de/de/

Knochenmarkstransplantation - Stammzelltransplantation

Medizin am Abend Fazit: Tod nach Knochenmarkstransplantation: Schweizer und Freiburger Forscher enthüllen die Ursachen

Nach der Transplantation von Knochenmark tritt bei Blutkrebspatienten oft
eine gefährliche Nebenwirkung auf: Die frischen Immunzellen des Spenders
attackieren statt der Krebszellen gesunde Zellen in Haut, Leber oder Darm
des Patienten. Auf das Konto dieses Angriffs geht ein Großteil aller
Todesfälle nach der Stammzelltransplantation. Forscher um Professor Dr.
Lars E. French am Universitäts-Spital Zürich und Professor Dr. Robert
Zeiser am Albert-Ludwig Universität Freiburg haben nun die Ursachen
entdeckt - sie liegen ausgerechnet in der routinemäßigen Vorbereitung der
Patienten. Die Forschungsergebnisse zeigen auch neue Therapieoptionen, mit der viele Todesfälle verhindert werden könnten.

Fast jeder zweite Patient überlebt eine Knochenmarkstransplantation bisher
nicht. Grund ist eine unerwünschte Immunreaktion, von Fachleuten „Graft-
versus-Host-Disease“ (GHVD) genannt. Dabei greifen die Spenderzellen nicht
nur die Blutkrebszellen des Empfängers an, sondern auch dessen gesunde
Zellen in verschiedenen Organen wie Haut, Leber oder Darm. Um die hohe
Todesrate aufzuklären und Therapiemöglichkeiten zu entwickeln,
konzentriert sich die Forschung schon seit längerer Zeit auf die Auslöser
dieser gefährlichen Immunreaktion im Körper des Patienten: Was bringt die
Spenderzellen zu solch aggressiven Attacken auf eigentlich gesunde Organe?
Bisher war die sehr häufig auftretende GVHD eine äußerst komplexe
Reaktion, die noch nicht vollständig aufgeklärt werden konnte.

Die GVHD tritt bei Knochenmarksspenden auf, die bisher bei bösartigen
Bluterkrankungen wie Leukämien und Lymphome das Mittel der Wahl ist. Im
Knochenmark sind nicht nur frische Blutstammzellen enthalten, die das Blut
des Empfängers ersetzen, sondern auch gesunde Immunzellen des Spenders.
Sie sollen die Krebszellen im Körper des Patienten angreifen, doch zuvor
muss der Organismus des Empfängers vorbereitet werden: Die Krebspatienten
erhalten deshalb vor dem Eingriff Medikamente und Bestrahlungen. Diese
zerstören seine eigenen Blutzellen und das Knochenmark, so dass Platz für
die Spenderzellen entsteht.

Mindestens 15 bis 30 % aller transplantieren Blutkrebspatienten sterben
nach der Transplantation in Folge der GVHD, insgesamt ist der tödliche
Angriff der Spenderzellen auf den Körper des Organismus sogar bei 50
Prozent aller Todesfälle die Ursache.

Um den Ablauf und die Ursachen der GVHD besser aufzuklären, haben die
Forscher rund um Prof. Lars E. French am Universitäts-Spital Zürich und
Professor Dr. Robert Zeiser von der Albert-Ludwig Universität Freiburg an
Mausmodellen den gesamten Ablauf der Vorbereitung sowie die
Knochenmarkstransplantation selbst simuliert. Die beiden Gruppen haben
schon seit längerem bestimmte Entzündungsbotenstoffe im Visier, darunter
das sogenannte Interleukin-beta. Diese Stoffe bringen offensichtlich die
Immunzellen des Spenders dazu, gesunde Zellen im Patienten anzugreifen.
Doch wie entstehen im Körper eines Krebspatienten gleich an verschiedenen
Orten Entzündungen?

Das überraschende Ergebnis des dreijährigen Forschungsprojektes: Es ist
ausgerechnet die Vorbereitung des Patienten auf die Transplantation, die
den Boden für die fehlgeleitete Attacke der hochaktiven Spenderzellen
bereitet. Denn um das kranke Blutsystem im Körper des Patienten zuerst zu
zerstören, werden die Patienten mit Gamma-Strahlung behandelt.


Wie sich in Versuchen mit Mäusen zeigte, beschädigt diese Strahlung unter anderem die Schleimhaut im Darm und die Darmwand. Diese wird dann durchlässiger für Bakterien, die ganz natürlich im Darm vorkommen und dort eigentlich harmlos sind. Doch wenn sie tiefer in das Gewebe gelangen, kann sich das ändern. Auch ihre Stoffwechselprodukte gelangen wegen der Strahlenschäden tief in die Darmschleimhaut – wo sie eigentlich nicht hingehören.

Auf die eindringenden Bakterien und Schadstoffe antworten die tiefer
gelegenen Darmzellen mit der Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen und massiven Schadenssignalen. Nach der Transplantation locken genau diese die frischen Immunzellen des Spenders an:
 


„Wir verstehen jetzt erst, warum die Spenderzellen so gefährlich werden und nicht die Krebszellen angreifen, sondern Organe überall im Körper überfallen, die eigentlich vorher gesund waren. Darunter sind neben dem Darm auch die Haut und die Leber. Wir wussten einfach nicht, wie diese Kette in Gang kommt und warum die Immunreaktion so aggressiv ist, dass viele Patienten sterben“, sagt Lars E. French, Teamleiter des Forschungsprojekts und Direktor der
Dermatologischen Klinik in Zürich.

Die beiden Forschergruppen konnten den Botenstoff genau identifizieren,
der die entzündlichen Reaktionen in den Zellen auslöst: Es handelt sich um
das Interleukin-1-beta, ein Protein, das auch bei Grippe und fiebrigen
Infekten im Blut vorhanden ist. Interleukin-1-beta wird normalerweise von
spezialisierten Zellen des Immunsystems als Antwort auf Reize wie UV-
Licht, verschiedene Chemikalien oder mikrobielle Krankheitserreger
ausgeschüttet. In gesunden Zellen liegt Interleukin-1-beta in einer
inaktiven Form vor. Damit er ausgeschüttet wird, muss der Botenstoff erst
scharf geschaltet werden, dafür sorgt ein weiteres Protein in der Zelle,
das sogenannte Inflammasom.

Sowohl die Freisetzung von bakteriellen Produkten im Darm als auch zum
Beispiel der Anstieg von Harnsäure durch die vorbereitende Bestrahlung und
Medikamente wirken, so die Zürcher und Freiburger Forscher, als
Schadenssignale, die die Inflammasom- und Interleukin-1-beta-Ausschüttung
aktivieren.

In ihren Versuchen gelang es den Forschern auch, beide Entzündungsstoffe
zu hemmen und die GVHD zu verhindern: Mäuse mit einem keimfreien Darm, die
frische Blutstammzellen erhielten und zur Vorbereitung bestrahlt wurden,
bekamen zum Beispiel keine GHVD. „Das zeigt, dass eine Behandlung des
Darms, die vor der Bestrahlung die Bakterien im Darm des Patienten
abtötet, die tödliche Immunreaktion verhindern könnte
“, sagt Lars E.
French. Ebenso gelang es, mit einem Antikörper bei den transplantierten
Mäusen die Entzündungsstoffe Inflammasom und Interleukin-1-beta zu
stoppen.

Diese Studie hat daher mit der Aufklärung des genauen Ablaufs der GHVD
auch den Weg für neue Therapiemöglichkeiten bereitet, bestätigt Lars E.
French: „Den Antikörper gegen die Entzündungsbotenstoffe gibt es sogar
schon, wir hoffen auf weitere klinische Studien am Menschen. Das bedeutet,
dass eine einfache Spritze mit dem Antikörper und eine Darmbehandlung die
meisten Todesfälle nach der Knochenmarksspende verhindern könnte.“

Die Wilhelm Sander-Stiftung hat dieses Forschungsprojekt mit rund 35.000
Euro unterstützt. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen
Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit
Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die
Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung
geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973
verstorben ist.

Medizin am Abend DirektKontakt (Projektleitung):
Prof. Dr. med. Lars E. French
Direktor der Dermatologischen Klinik des UniversitätsSpitals Zürich
Tel: + 41 44-255 25 50
E-Mail: lars.french@usz.ch
www.dermatologie.unispital.ch

Kontakt Wilhelm Sander-Stiftung:
Wilhelm Sander-Stiftung
Goethestraße 74
80336 München
Tel: +49 (89) 544 187 0
Fax: +49 (89) 544 187 20
Web: www.sanst.de
Wilhelm Sander-Stiftung, Bernhard Knappe

GenderMedizin: humanen Papilloma-Virus (HPV16)

Schnelltest revolutioniert Mundhöhlenkarzinom-Diagnostik / Virale Infektion steht auf Platz 1 der Krankheitsauslöser

Jeder, der mit einem humanen Papilloma-Virus (HPV16) infiziert ist, lebt mit einem 40-fach erhöhten Risiko, an einem Mundhöhlenkarzinom zu erkranken. Bis vor einiger Zeit war man der Auffassung, dass vor allem das Rauchen und Alkoholkonsum die Hauptrisikofaktoren sind. Die neue Erkenntnis wurde nun Basis eines einfachen Schnelltests, der in vielen Praxen (z.B. von Zahnärzten und Allgemeinmedizinern) durchgeführt wird. Anhand eines Tröpfchen Blutes lassen sich spezielle Antikörper gegen das HPV16-Virus feststellen, um möglichst frühzeitig einen Hinweis auf die Erkrankung zu erlangen. Der schnelle Weg zum abklärenden Facharzt ist dann Pflicht.

Zur Risikogruppe gehören vor allem Männer ab 40 Jahren; insbesondere Raucher sollten achtsam sein, denn Tabakkonsum begünstigt die Infektion mit HP-Viren zusätzlich. Ein systematisches Vorsorgeprogramm zur Feststellung des Mundhöhlenkarzinoms gibt es bisher noch nicht. Die Diagnose erster Anzeichen erfolgt im Moment noch eher zufällig beim Zahnarztbesuch. Das passiert meist aber in einem späten Stadium der Erkrankung, was die Therapie- oder Heilungschancen erheblich senkt: die Überlebensrate von Männern fünf Jahre nach Diagnose liegt bei nur rund 50 % Prozent.

Frauen haben eine etwas bessere Chance. 

Medizin am Abend DirektKontakt 

Angela Steere Dr. Gordon Lueckel Im Klapperhof 33 50670 Köln Email: info@yupik.de Telefon: 0221 - 13056060

Heute 18.00 Uhr: Menschliche Gesichter für den Hund: Zorniges Frauengesicht

Medizin am Abend Fazit: Hunde können Emotionen in menschlichen Gesichtern unterscheiden

KognitionsforscherInnen der Vetmeduni Vienna wiesen erstmals nach, dass
Hunde zwischen fröhlichen und zornigen Menschengesichtern unterscheiden
können. Voraussetzung dafür: Die Hunde müssen diese Emotionen zuvor beim
Menschen gelernt haben. Diese Fähigkeit könnte das Resultat der engen
Mensch-Tier-Beziehung sein, in der Hunde gelernt haben, Aspekte der
nonverbalen Kommunikation der Menschen zu verstehen. Die Ergebnisse werden
in der renommierten Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht.

Hunde können die Gesichter verschiedener Menschen auf Bildern
unterscheiden. Diese Fähigkeit haben die Forschenden des Messerli
Forschungsinstitutes bereits 2013 nachgewiesen.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3807667/http:

Ob Hunde auch Emotionen in Gesichtern von Artfremden wahrnehmen können, wurde bisher noch nicht zweifelsfrei nachgewiesen.

Hunde unterscheiden menschliche Emotionen via Touch-Screen

Corsin Müller und Ludwig Huber vom Messerli Forschungsinstitut haben diese
Fähigkeit gemeinsam mit Kolleginnen im Clever Dog Lab an der Vetmeduni
Vienna erforscht.

Sie präsentierten 20 Hunden jeweils ein fröhliches und
ein zorniges Frauengesicht nebeneinander auf einem Touch-Screen.





Die Hunde stubsen mit ihrer Schnauze das richtige Bild an.
Die Hunde stubsen mit ihrer Schnauze das richtige Bild an.
Clever Dog Lab / Vetmeduni Vienna

Hunde der einen Testgruppe wurden in der Übungsphase darauf trainiert, nur
fröhliche Gesichter anzustupsen. Eine andere Gruppe sollte nur zornige
Gesichter auszuwählen.

Um auszuschließen, dass sich die Tiere lediglich an auffälligen
Bildunterschieden wie den hervorscheinenden Zähnen oder den Zornesfalten
zwischen den Augen orientieren, zerteilten die Forschenden die Bilder
horizontal. Die Hunde bekamen währen der Trainingsphasen also entweder nur
die Augen- oder die Mundpartie zu sehen.

Und tatsächlich waren die Treffer nicht zufällig. Die meisten Hunde
lernten zwischen fröhlichen und zornigen Gesichtshälften zu unterscheiden
und schafften anschließend die korrekte Zuordnung auch spontan für
komplett neue Gesichter, ebenso wie für die Gesichtshälften, die sie in
der Übungsphase nicht zu sehen bekommen hatten.

Hunde erlernen das Erkennen von fröhlichen Gesichtern schneller

Hunde, die auf fröhliche Menschengesichter trainiert waren, erlernten ihre
Aufgabe wesentlich schneller, als jene, die nur die zornigen Gesichter
anzeigen sollten. „Es sieht so aus, als würden die Hunde Hemmungen haben,
zornige Gesichter anzustupsen“, erklärt der Studienleiter Ludwig Huber.

„Wir gehen davon aus, dass die Hunde bei dieser Übung aus ihrer Erinnerung
schöpfen. Sie erkennen einen Gesichtsausdruck, den sie bereits
abgespeichert haben“, erklärt der Erstautor Corsin Müller. „Wir vermuten,
dass Hunde, die keine Erfahrungen mit Menschen haben, schlechter
abschneiden würden oder die Aufgabe gar nicht lösen könnten.“

Hunde sind unterschätzte Tiere

Hunde verfügen zwar über einen höher entwickelten Geruch- und Gehörsinn
als der Mensch, der Sehsinn der Vierbeiner ist jedoch etwa sieben Mal
schlechter entwickelt. „Dass Hunde die menschliche Gefühlswelt auf diese
Art wahrnehmen können, war bisher noch nicht bekannt. Um die Entwicklung
dieser Fähigkeiten noch besser zu verstehen, wollen wir diese Tests am
Touch-Screen in Zukunft auch mit Wölfen am Wolf Science Center
durchführen“, so Huber.

Seit drei Jahren forscht das Team um Ludwig Huber im WWTF-Projekt „Like
me“ daran, ob sich Hunde in die Gefühlswelt von Artgenossen oder Menschen
einfühlen können. Projektpartner an der MedUni Wien und der Universität
Wien erforschen entsprechend die empathischen Fähigkeiten der Menschen.

Service:

Der Artikel “Dogs Can Discriminate Emotional Expressions of Human Faces” von Corsin A. Müller, Kira Schmitt, Anjuli L. A. Barber und Ludwig Huber wird am 12. Februar 2015 um 18:00 Uhr MEZ im Journal Current Biology veröffentlicht.

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der
führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und
Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen
Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie
den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300
MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in
Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche
Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener
Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich
gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Im Jahr 2015 feiert die Vetmeduni
Vienna ihr 250-jähriges Bestehen. www.vetmeduni.ac.at

Medizin am Abend DirektKontakt 

Prof. Ludwig Huber
Messerli Forschungsinstitut – Abteilung für Vergleichende
Kognitionsforschung
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
ludwig.huber@vetmeduni.ac.at

Dr. Corsin Müller
Messerli Forschungsinstitut – Abteilung für Vergleichende
Kognitionsforschung
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-2688
corsin.mueller@vetmeduni.ac.at

Dr. Susanna Kautschitsch
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Herzchirurgischen Eingriffe

Fachgesellschaft der deutschen Herzchirurgen veröffentlicht
Leistungsstatistik 2014: trotz höherem Durchschnittsalter der Patienten
bessere Überlebensraten

Die Fachgesellschaft der deutschen Herzchirurgen, die Deutsche
Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), hat am
Dienstag im Rahmen ihrer Jahrestagung in Freiburg die Operationszahlen und
Überlebensraten nach herzchirurgischen Eingriffe im Jahr 2014
veröffentlicht. Danach ist die Gesamtzahl der Operationen an den 79
Fachabteilungen für Herzchirurgie in Deutschland vom Jahr 2013 auf 2014
leicht auf über 100.000 gestiegen, wobei sich die Zahlen nach
Eingriffsgruppen differenziert unterschiedlich entwickelten. Kritisch
sehen die Herzchirurgen besonders die im internationalen Vergleich in
Deutschland niedrige Zahl der koronaren Bypass-Operationen vor dem
Hintergrund aktueller Leitlinien.

Genau 100.394 Operationen am Herzen haben die rund 950 in Deutschland
tätigen Herz-, Thorax- und Kardiovaskularchirurgen im Jahr 2014
durchgeführt. Damit ist die Gesamtzahl dieser Eingriffe das erste Mal seit
zehn Jahren wieder auf über 100.000 gestiegen. Im Jahr 2013 wurden 99.132
herzchirurgische Eingriffe durchgeführt.

Zählt man Eingriffe wie Herzschrittmacher- und Defibrillatorim- und
explantationen sowie Eingriffe an der herznahen Hauptschlagader ohne
Einsatz der Herz-Lungen-Maschine dazu, summiert sich die Anzahl auf
128.546 Eingriffe im Jahr 2014.

Trotz des von Jahr zu Jahr steigenden Alters der Patienten in den
herzchirurgischen Abteilungen – 14,2 Prozent der Patienten waren im
vergangenen Jahr 80 Jahre und älter – und dem entsprechenden Anstieg von
Patienten mit Begleiterkrankungen blieb die Krankenhaus-Überlebensrate in
den jeweiligen Eingriffskategorien stabil oder stieg sogar an.

+++Herzchirurgische Standorte flächendeckend verteilt+++
Gegenüber 2013 konstant geblieben ist im vergangenen Jahr auch die Zahl
der herzchirurgischen Fachabteilungen. „Die 79 Standorte verteilen sich in
Abhängigkeit der regionalen Bevölkerungsdichte über die gesamte
Bundesrepublik. Angesichts der tendenziell gleichbleibenden
Behandlungszahlen herzchirurgischer Eingriffe ist keinerlei Notwendigkeit
für die Einrichtung weiterer Fachabteilungen für Herzchirurgie gegeben“,
sagte Professor Jochen Cremer, Präsident der DGTHG bei der Vorstellung der
Zahlen.

+++Zahl der Bypass-Operationen kaum verändert+++
Ein leichter Rückgang war gegenüber dem Vorjahr in der Kategorie der
koronaren Bypass-Operation mit und ohne gleichzeitiger Durchführung eines
weiteren herzchirurgischen Eingriffs zu verzeichnen. So veränderte sich
die Zahl der isolierten und kombinierten koronaren Bypass-Operationen
gegenüber dem Vorjahr marginal von 54.266 auf 53.805.

Im Jahr 2006 waren noch 64.502 Eingriffe dieser Art von den deutschen
Herzchirurgen vorgenommen worden. Hintergrund dieser Entwicklung ist, dass
die `Koronare Herzkrankheit´ (KHK) genannte Verengung von
Herzkranzgefäßen, die den Herzmuskel mit Blut versorgen, in steigendem
Maße durch eine Katheterintervention mit Einsetzen eines Stents behandelt
wird. Dabei zeigen die Ergebnisse diverser medizinischer Studien und die
aktuellen Empfehlungen medizinischer Leitlinien, dass die Bypass-Operation
bei Befall mehrerer Herzkranzgefäße sowie komplizierteren Verengungen im
Hinblick auf die Überlebensrate und die dauerhafte Lebensqualität der
Patienten nach dem Eingriff die bessere Wahl ist.

„Die Entwicklung der Eingriffszahlen der koronaren Bypass-Operation muss
jeden Mediziner nachdenklich stimmen. Gerade auch weil in anderen
Industrienationen wie den USA proportional zur Bevölkerung mehr koronare
Bypass-Eingriffe und weniger Stentimplantationen vorgenommen werden. Wir
hoffen, dass die im Spätsommer veröffentlichte Aktualisierung der
europäischen `Guidelines on myocardial revascularisation´ und die im
Dezember veröffentlichte Aktualisierung der `Nationalen Leitlinie
Chronische KHK´ mit ihren klaren Empfehlungen, wann welches der beiden
Therapieverfahren zum Einsatz kommen sollte, helfen, die medizinische
Versorgung zu verbessern. Zudem wird in beiden Leitlinien die
Notwendigkeit eines interdisziplinären Teams bestehend aus einem
Herzchirurgen und einem Kardiologen betont, das den jeweiligen Patienten
über die Vor- und Nachteile der beiden Therapieansätze in seinem
individuellen Fall aufklären soll“, erläuterte Professor Anno Diegeler,
Sekretär der DGTHG.

+++Zahl der Herzklappenoperationen steigt um rund sechs Prozent an+++
Im Gegensatz zu den koronaren Bypass-Operationen steigt die Zahl der
Eingriffe bei Patienten mit erworbenen Defekten der Herzklappen seit
Jahren spürbar an. Wurden 2013 noch 29.672 Operationen dieser Art gezählt,
sind es im vergangenen Jahr 31.359 gewesen – eine Steigerung von knapp
sechs Prozent.

Der überwiegende Teil der Operationen von Herzklappen betrifft die
Aortenklappe. Allein 11.764 konventionelle herzchirurgische
Aortenklappenersatz-Operationen wurden im Jahr 2014 in Deutschland
vorgenommen. Damit hat sich die Zahl dieser Kategorie im Vergleich zum
letzten Jahr nicht verändert (2013: 11.765). Die Überlebensrate
(Krankenhausletalität) erreichte mit 97,3 Prozent einen neuen Rekordwert.
In weiteren 1.335 Fällen wurde in Kombinationseingriffen die Aortenklappe
zusammen mit der Mitralklappe operiert.

Die Zahl für kathetergestützte Aortenklappenimplantationen im Jahr 2014
ist in der Leistungsstatistik mit 8.631 angegeben (2013: 7.246).
Allerdings erfasst die DGTHG-Leistungsstatistik nur diejenigen dieser
Eingriffe, die aus der herzchirurgischen Fachabteilung übermittelt wurden.
Entgegen der europäischen Leitlinie wurden auch 2014 kathetergestützte
Aortenklappenimplantationen in Deutschland ohne die Erfüllung aller
notwendigen Strukturvoraussetzungen vorgenommen.

Professor Armin Welz, 1. Vize-Präsident der DGTHG, begrüßte in diesem
Zusammenhang die Beschlussfassung des Gemeinsamen Bundessausschusses, der
am 22. Januar eine Richtlinie verabschiedete, die für die angemessene
Patientensicherheit bei der Durchführung von kathetergestützten
Herzklappenimplantationen u.a. bettenführende, vollausgestattete
Fachabteilungen für Herzchirurgie und Kardiologie als notwendige
Voraussetzung festlegt.

Bei den rund 7.250 Operationen an Mitralklappen mit und ohne einer
zeitgleichen weiteren Herzoperation setzten sich die Trends der letzten
Jahre fort: Nur in einem Drittel der Fälle muss die patienteneigene Klappe
durch eine Prothese ersetzt werden. In zwei Dritteln der Fälle isolierter
Mitralklappeneingriffe kann die defekte Klappe repariert werden, wobei die
Überlebensrate (Krankenhausletalität) hier bei 98,4 Prozent liegt.

+++Herzunterstützungssysteme als alternative Therapie für historischen
Rückgang der Anzahl von Spenderherzen+++
Ein neues Rekordtief hat zum Bedauern der Fachgesellschaft die Zahl der
Herztransplantationen erreicht. So wurden 2014 nur noch 294
Herztransplantationen durchgeführt, nachdem es im vergangenen Jahr noch
301 gewesen waren. Gegenüber dem Jahr 1998, in dem der vorläufige
Höchststand mit 526 Herztransplantationen erreicht worden war, stellt dies
einen Rückgang um mehr als 40 Prozent dar, wobei eine deutliche
Dynamisierung dieses Trends in den letzten drei Jahren zu beobachten war.
Alleiniger Grund für diese Entwicklung ist die zurückgehende Bereitschaft
der Bevölkerung zur Organspende.

Um die Patienten am Leben zu halten, bis ein geeignetes Spenderorgan zur
Verfügung steht, aber auch aufgrund der fehlenden Spenderherzen immer
häufiger als permanente Therapie, wird von den Herzchirurgen zunehmend auf
Herzunterstützungssysteme zurückgegriffen: Die Zahl der implantierten
Linksherzunterstützungssysteme hat sich von 350 im Jahr 2005 auf 957 im
vergangenen Jahr fast verdreifacht, wobei der Trend ganz klar weg vom
totalen Herzersatz und der künstlichen Unterstützung beider Herzkammern zu
Geräten geht, die entweder die linke oder die rechte Herzkammer
unterstützen.

„Die Systeme werden immer kleiner, leistungsfähiger und einfacher in der
Handhabung. Allerdings wird es nach heutigem Stand noch eine längere Zeit
dauern, bis technische Systeme einem transplantierten Herz gleichwertig
sind. Dies zeigt sich auch daran, dass die Zahl der sogenannten
Kunstherzen, die das menschliche Herz gesamt ersetzen, in den letzten
Jahren tendenziell zurückgegangen ist und im Jahr 2014 bei nur noch 15
Implantationen lag – dem niedrigsten Wert seit der Zahlenerfassung im Jahr
2005“, so Cremer.

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG)
vertritt als medizinische Fachgesellschaft die Interessen der über 1.000
in Deutschland tätigen Herz-, Thorax- und Kardiovaskularchirurgen im
Dialog mit Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit.



Medizin am Abend DirektKontakt 

http://www.dgthg.de
Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V., Thomas
Krieger,

Über 140 Gene beeinflussen Veranlagung zu Übergewicht und Fettleibigkeit

In der bislang größten genomweiten Assoziationsstudie hat ein internationales Forscherteam für über 140 Gene einen Zusammenhang mit dem Auftreten von Übergewicht und Fettleibigkeit nachgewiesen. Einige der neu identifizierten Genorte weisen auf eine  Beteiligung des zentralen Nervensystems hin. Die Ergebnisse sind in dem renommierten Fachjournal ‚Nature‘ publiziert.

Die Wissenschaftler des internationalen GIANT (Genetic Investigation of
Anthropometric Traits)-Konsortiums analysierten das Erbgut von über
300.000 Individuen: Dabei fanden sie für mehr als 140 Gene einen
Zusammenhang mit erhöhtem Körpergewicht. Folge von chronischem Übergewicht können Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Erkrankungen des Herz- Kreislauf-Systems sein.

An GIANT sind auch Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München
beteiligt, einige der ausgewerteten Datensätze stammen aus den deutschen
KORA*-Studien.

Gene sind Schlüssel zu molekularen Mechanismen und neuen Therapiekonzepten

War für einige der Gene der Zusammenhang mit Übergewicht und
Fettleibigkeit bereits bekannt, konnten die Forscher auch völlig neue
Genorte identifizieren. Die Autoren betonen, wie wichtig das Wissen über
genetische Veranlagung im Zusammenhang mit weit verbreiteten Erkrankungen
wie Fettleibigkeit sei, um einerseits mehr über die zugrundeliegenden
molekularen Mechanismen herauszufinden und andererseits neue,
personalisierte Therapiekonzepte zu entwickeln.

Detail-Erkenntnisse weisen Weg für künftige Forschung

Die Genorte sind in unterschiedlichem Ausmaß mit verschiedenen Merkmalen
von Übergewicht assoziiert, wie Taillenumfang, Fettverteilung oder Body-
Mass-Index (BMI). Einige der 97 mit einem erhöhten BMI-assoziierten Gene -
das sind dreimal so viele Gene wie bislang bekannt - sind auch an
Prozessen des zentralen Nervensystems beteiligt: sie kontrollieren
Energieumsatz und Appetit. Hier erhoffen die Wissenschaftler sich neue
Erkenntnisse zur Rolle des Gehirns bei der Steuerung des Stoffwechsels.
Weiterhin konnte für mehrere Genvarianten ein verstärkter Gewichtseffekt
in Abhängigkeit vom Geschlecht nachgewiesen werden.

Die künftige Forschung steht nun vor der Herausforderung, das
Zusammenspiel zwischen Genfunktionen und dem Risiko für Übergewicht
aufzuklären, um präventive und therapeutische Ansätze gegen Übergewicht
und Fettleibigkeit zu entwickeln.

Weitere Informationen

*KORA (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg)
Seit über 20 Jahren wird in der international bekannten KORA-Studie die
Gesundheit tausender Bürger aus dem Raum Augsburg untersucht, um die
Auswirkungen von Umweltfaktoren, Verhalten und Genen zu erforschen.
Kernthemen der KORA-Studien sind Fragen zu Entstehung und Verlauf von
chronischen Erkrankungen, insbesondere Herzinfarkt und Diabetes mellitus.
Hierzu werden Risikofaktoren aus dem Bereich des Gesundheitsverhaltens
(u.a. Rauchen, Ernährung, Bewegung), der Umweltfaktoren (u.a.
Luftverschmutzung, Lärm) und der Genetik erforscht. Aus Sicht der
Versorgungsforschung werden Fragen der Inanspruchnahme und Kosten der
Gesundheitsversorgung untersucht (www.helmholtz-muenchen.de/kora).

Original-Publikationen:

Locke, A. et al. (2015). Genetic Studies of Body Mass Index Yield New
Insights for Obesity Biology, Nature, doi: 10.1038/nature14177
Link zur Fachpublikation:
http://www.nature.com/nature/journal/v518/n7538/full/nature14177.html

Shungin, D. et al. (2015). New Genetic Loci Link Adipose and Insulin
Biology to Body Fat Distribution, Nature, doi: 10.1038/nature14132
Link zur Fachpublikation:
http://www.nature.com/nature/journal/v518/n7538/full/nature14132.html

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für
Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose,
Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes
mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das
Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz
des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum
München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-
Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-
biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. www
.helmholtz-muenchen.de

Medizin am Abend DirektKontakt

Dr. Nadja Becker

Telefon: 089-3187-2710
Fax: 089-3187-3324
E-Mail-Adresse: nadja.becker@helmholtz-muenchen.de