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GenderMedizin: Sexualhormone und Herzschwäche

Medizin am Abend Fazit: Hemmung männlicher Sexualhormone verbessert Herzschwäche

Wenn sie an Herzschwäche leiden, haben Frauen vor der Menopause im
Vergleich zu Männern eine längere Lebenserwartung. Auch bei anhaltend
hohem Bluthochdruck, einer Aortenklappenverengung und krankhaftem
Herzwachstum ist ihre Prognose besser. Es wird vermutet, dass dies nicht
allein an einem möglichen Schutz des Herzens durch weibliche Hormone
liegt, sondern auch an männlichen Hormonen, die zum Voranschreiten von
Herzkrankheiten beitragen. Vor allem das Hormon Dihydrotestosteron (DHT)
spielt eine wichtige Rolle. Nun haben Forscher der Klinik für Kardiologie
und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erfolgreich
einen Wirkstoff getestet, der die Bildung dieses stärksten männlichen
Sexualhormons im Herz von Mäusen verhindert und eine Herzschwäche sogar
rückgängig machen kann.

Mit dieser Substanz, Finasterid, werden derzeit Prostataerkrankungen behandelt. Die Ergebnisse des Teams von Professor Dr. Jörg Heineke veröffentlichte die angesehene Fachzeitschrift Circulation.

Erstautorinnen sind Dr. Carolin Zwadlo, Elisa Schmidtmann und Malgorzata
Szaroszyk. Professor Heineke gehört auch zum Exzellenzcluster REBIRTH (Von
regenerativer Biologie zur rekonstruktiver Therapie).

Eine Behandlung mit Finasterid hat bei Mäusen mit Herzschwäche unter
anderem bewirkt, dass sich Herzfunktion und Herzwachstum normalisiert
haben und die Sterblichkeit gesunken ist. Sogar weibliche Mäuse
profitierten von Finasterid. Das überraschte die Wissenschaftler zunächst
selbst. Dem nachgegangen beobachteten sie, dass sich auch bei ihnen bei
weiblichen Mäusen mit einer Herzschwäche eine gewisse Menge des männlichen
Geschlechtshormons DHT im Herzen ansammelt und den Krankheitsmechanismus in Gang setzt.

„Das besonders wirksame Dihydrotestosteron (DHT) entsteht
aus Testosteron – und zwar mit Hilfe des Enzyms 5-Alpha-Reductase.
Finasterid hemmt dieses Enzym“, erläutert Professor Heineke.

Die Forscher beobachteten darüber hinaus, dass Finasterid einen wichtigen
Signalweg unterbindet, der zur Bildung von zu vielen Muskeleiweißen und
somit zu krankhaftem Herzwachstum führt.


Um herausfinden, ob Finasterid auch bei Menschen wirkt, wollen die
Forscher nun eine klinische Studie planen. „Unsere Hoffnung ist, dass
Finasterid die bisherige Therapie der Herzschwäche sinnvoll ergänzen kann
– sowohl bei Männern, als auch bei Frauen“, sagt Professor Dr. Johann
Bauersachs, Leiter der Klinik für Kardiologie und Angiologie. Dies könne
in einigen Jahren der Fall sein.

In Europa leiden rund zehn Millionen Menschen an chronischer Herzschwäche,
zu deren Ursachen anhaltend hoher Blutdruck, krankhaftes Herzwachstum oder
ein Herzinfarkt gehören. Herzschwäche kann zu Herzversagen führen –
innerhalb von fünf Jahren sterben die Hälfte der Patienten.






Medizin am Abend DirektKontakt

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Jörg Heineke unter
Telefon (0511) 532-3079, heineke.joerg@mh-hannover.de.
Medizinische Hochschule Hannover, Stefan Zorn

Polyneuropathie durch Diabetes-Behandlung

Medizin am Abend: Häufiger als angenommen: Polyneuropathie durch Diabetes-Behandlung

Polyneuropathien nach einer erfolgreichen Blutzuckersenkung sind offenbar
stärker verbreitet als angenommen: Fast 11 Prozent der Diabetiker erlitten
gemäß einer neuen Studie schmerzhafte Nervenschäden – je schneller der
Blutzucker kontrolliert wird, desto größer scheint das Risiko. „Diese
Arbeit ist von großer praktischer Bedeutung“, sagt Professor Claudia
Sommer von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). „Wenn sich die
Befunde bestätigen, müsste der Stoffwechsel bei Patienten mit Diabetes in
Zukunft deutlich langsamer normalisiert werden“, so die leitende
Oberärztin an der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg.

Epidemiologische Schätzungen besagen, dass eine diabetische
Polyneuropathie (PNP) ungefähr 30 Prozent der stationären
Diabetespatienten, außerdem 20 Prozent der Diabetespatienten in der
Gesamtbevölkerung betrifft. 13 bis 26 Prozent der Diabetiker klagen über
chronische Schmerzen aufgrund von PNP.

Wie die Neurologen Christopher H. Gibbons und Roy Freeman vom Beth Israel
Deaconess Medical Center der Harvard Medical School in der Fachzeitschrift
Brain berichten, haben sie die Daten von 910 Diabetikern ausgewertet, die
in einer Fachklinik auf eine diabetische Neuropathie hin untersucht
wurden. Anhand der Veränderung eines Blutwertes (Abnahme von HbA1c um
mindestens 2 Prozent) unterschied man 168 Patienten, deren
Blutzuckerkontrolle sich innerhalb von drei Monaten deutlich verbesserte,
von 742 weiteren Diabetikern, deren Blutzuckerkontrolle sich weniger
schnell oder gar nicht verbesserte.

Neuropathien viel häufiger als gedacht

Der auffälligste Befund war, dass in der ersten Gruppe 62 Prozent der
Patienten eine behandlungs-induzierte Neuropathie bei Diabetes (engl.
„Treatment-induced Neuropathy in Diabetes“, TIND) entwickelten, mit einer
akut einsetzenden Neuropathie oder Symptomen einer Schädigung des
autonomen Nervensystems. Individuen, deren HbA1c über drei Monate hinweg
weniger als 2 Prozent abgenommen hatte, litten dagegen nur zu 4,3 Prozent
unter Neuropathien bzw. autonomen Symptomen. „Die hohe Inzidenz von TIND –
bezogen auf die Gesamtpopulation waren es 10,9 Prozent – hat die Autoren
offenbar selbst erstaunt“, sagt Professor Sommer, die neuropathische
Schmerzen seit Jahren intensiv erforscht. „Wir Neurologen sehen solche
Fälle extrem selten, was aber auch daran liegen kann, dass diese Patienten
primär bei den Diabetologen behandelt werden.“

Möglich ist auch, dass die Häufigkeit von TIND in dieser Studie
überschätzt wurde, weil Gibbons und Freeman unter allen Diabetikern in der
Fachklinik nur jene in die Studie eingeschlossen hatten, die auf eine
Neuropathie hin untersucht worden waren. Dies bemerken in einem Kommentar
ebenfalls in Brain die Neurologen Phillip A. Low und Wolfgang Singer vom
Mayo Clinic College of Medicine. Unabhängig davon sei dies die erste klare
Beschreibung von TIND bei einer großen Anzahl Betroffener, heben Low und
Singer hervor. Mit dieser Studie würde sowohl die Wahrscheinlichkeit einer
TIND definiert, als auch die wichtigsten Risikofaktoren.

HbA1c-Wert mit Bedacht absenken

Als größten dieser Risikofaktoren haben die Forscher eindeutig das Ausmaß
der Veränderung des HbA1c-Wertes ausgemacht. Je größer und je schneller
die Reduktion, umso größer war nicht nur das Risiko für TIND, sondern auch
für eine Netzhauterkrankung (Retinopathie) und für spezifische Warnzeichen
einer Nierenerkrankung (Mikroalbuminurie).

Ob die – eigentlich beabsichtigte – Absenkung des HbA1c-Wertes bei
Diabetikern durch Insulingaben erzielt wurde, durch andere Medikamente zur
Blutzuckerregulierung oder durch eine Umstellung der Ernährung, spielte
für das TIND-Risiko dagegen keine Rolle. „Der naheliegende Ratschlag wäre
daher, den HbA1c-Wert mit Bedacht abzusenken, und zwar wie die Autoren
selbst vorschlagen, um weniger als 2 Prozent in drei Monaten“, sagt
Sommer.

Rätselhaft ist bislang noch der Mechanismus, durch den ein veränderter
Glukosespiegel zu Nervenschäden und Dysfunktionen führen kann. Die Autoren
spekulieren über eine mögliche Rolle des Gewichtsverlustes, doch Professor
Sommer ist skeptisch, da dieser nur bei sechs Patienten auftrat. Die
Neurologin würde diesem Phänomen gerne nachgehen und fordert auch ihre
Kollegen zu weiteren Forschungen auf: „Morphologische Untersuchungen der
Hautinnervation, mikroneurographische Analysen der Nozizeptoren und
metabolische Untersuchungen zum Beispiel auf glykierte Serumproteine vor
und nach der HbA1c-Regulierung könnten helfen, die Pathophysiologie dieser
rätselhaften Erkrankung aufzuklären.“

Parallel dazu müssten auch Studien unternommen werden, um herauszufinden,
wie bei Patienten mit TIND der Blutzuckerspiegel am besten eingestellt
werden sollten. „Auch dies ist ein Gebiet, auf dem wir im Interesse
unserer Patienten eng mit den Kollegen aus der Diabetologie
zusammenarbeiten wollen“, sagt Sommer.

Quellen

Gibbons, C. H., Freeman, R. (2015). Treatment-induced neuropathy of
diabetes: an acute, iatrogenic complication of diabetes. Brain, 138(1),
43–52. doi:10.1093/brain/awu307

Low, P. A., & Singer, W. (2015). Treatment-induced neuropathy of diabetes:
an energy crisis? Brain, 138(1), 2–3. doi:10.1093/brain/awu327

Medizin am Abend DirektKontakt: 

Prof. Dr. med. Claudia Sommer
Neurologische Klinik
Universitätsklinikum Würzburg
Josef-Schneider-Str. 11
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Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie

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Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen
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Upgrade für den Laufschuh

Biomechaniker testen die plantare Belastung der Fußsohle und den
Tragekomfort beim Laufen mit Einlegesohlen und kommen zu unerwarteten
Ergebnissen.

Ein entscheidendes Kriterium beim Kauf eines Laufschuhs ist der
Tragekomfort. Dieses Komfortempfinden des Läufers lässt sich durch das
Tragen von Einlegesohlen noch deutlich erhöhen, so versprechen es
zumindest die Angaben der Hersteller von Einlegesohlen.

Erkenntnisse zu diesem subjektiven Komfortempfinden hat das Institut für
Biomechanik und Orthopädie der Deutschen Sporthochschule Köln im Rahmen
einer systematischen Interventionsstudie erhoben. Getestet wurden
Einlegesohlen von fünf Herstellern, die den Tragekomfort sowie den
Kraftschluss zum Laufschuh verbessern sollen.

Eine wesentliche Aufgabe, die Einlegesohlen für Laufschuhe erfüllen
sollen, ist es, den Komfort des Schuhs zu verbessern, ohne dabei die
Belastung unter dem Fuß zu erhöhen. Manche Hersteller versprechen ihren
Käufern laut Verpackung gar „himmlischen Komfort“ und ein „garantiert
verletzungsfreies Laufen“.

Die Biomechaniker der Deutschen Sporthochschule Köln verglichen daher die
Produkte von Herstellern, welche den Großteil dieses Marktes abdecken
(currexSole, Powerstep, Sidas, Sole, Superfeet), hinsichtlich Tragekomfort
und Druckverteilung unter dem Fuß während des Laufens. Die auf die
Fußsohle einwirkenden Drücke wurden in dem für alle Probanden gleichen
Laufschuh bei identischer Laufgeschwindigkeit ermittelt, um ein Höchstmaß
an Wiederholbarkeit und Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

Die erfahrenen Läufer (N=31) bewerteten bei der verblindeten Testung aller
Produkte die dynamisch-flexible Konstruktion (currexSole) im Tragekomfort
besser als die steiferen Konstruktionen (Powerstep, Sidas, Sole,
Superfeet), welche aktuell den internationalen Markt beherrschen. Die
Biomechaniker erstaunt nicht nur das erhöhte Komfortempfinden der Läufer,
sondern vor allem der reduzierte plantare Spitzendruck im Bereich des
sensiblen Mittelfußes beim Tragen der dynamisch-flexiblen Konstruktion.
Den höchsten Gewinn an Tragekomfort, ohne dabei die Belastung unter dem
Fuß zu erhöhen, erfuhren die Testläufer der Studie beim Tragen der
dynamisch-flexiblen Einlegesohle.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Dr. Björn Braunstein
Institut für Biomechanik und Orthopädie
Telefon: 0221 4982-5621
http://www.dshs-koeln.de
Deutsche Sporthochschule Köln, Sabine Maas

HZV - Hausarztzentrierte Versorgung

Hausärzte im Zentrum / Dreieinhalb Millionen Patienten nutzen bereits die "Hausarztzentrierte Versorgung"

3,5 Millionen Versicherte haben sich bereits in Hausarztverträge eingeschrieben. Gesetzliche Krankenkassen sind verpflichtet, ihren Patienten die "Hausarztzentrierte Versorgung" (HZV) anzubieten. Teilnehmer wählen - zunächst für ein Jahr - einen Hausarzt als festen ersten Ansprechpartner. Bei diesem laufen dann alle Informationen über seine gesundheitlichen Belange zusammen.

Seit 2008 läuft ein solches Programm der AOK in Baden-Württemberg mit mehr als 1,25 Millionen Teilnehmern. Es wurde bereits zweimal wissenschaftlich ausgewertet und habe sich bewährt, berichtet Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausarztverbands, im Patientenmagazin "HausArzt". Krankenhausaufenthalte seien eingespart worden, überflüssige Behandlungen rückläufig und die Teilnehmer müssen ein Drittel weniger Medikamente nehmen als Patienten in der Standardversorgung. Auch die Patienten bewerteten die Veränderungen durch die HZV positiv. Der Austausch von Befunden sei einfacher, Arzt-Odysseen würden vermieden und Wartezeiten, auch bei Überweisungen, verkürzt.

Das Patienten-Magazin "HausArzt" gibt der Deutsche Hausärzteverband in Kooperation mit dem Wort & Bild Verlag heraus. Die Ausgabe 1/2015 wird bundesweit in Hausarztpraxen an Patienten abgegeben.

GenderMedizin: Krebs war 2013 die zweithäufigste Todesursache

25 % aller im Jahr 2013 in Deutschland verstorbenen Personen erlagen einem Krebsleiden (bösartige Neubildung). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Weltkrebstag am 4. Februar 2015 weiter mitteilt, bleibt Krebs mit 223 842 Sterbefällen nach den Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache.

Das durchschnittliche Sterbealter steigt bei Krebserkrankten seit Jahren an: Im Jahr 2013 erreichte es mit 73,4 Jahren den bisher höchsten gemessenen Wert.

Krebs ist zunehmend eine Erkrankung, die erst im fortgeschrittenen Alter auftritt.

Der Anteil Gestorbener mit Krebs, die 85 Jahre und älter waren, lag im Jahr 2013 bei 17 %. Im Jahr 1983 hatte der Anteil lediglich etwas über 8 % betragen.

Die häufigste Krebsart mit Todesfolge von Männern waren Erkrankungen der Verdauungsorgane mit 38 987 Gestorbenen. Das durchschnittliche Sterbealter lag bei 72,5 Jahren. Danach folgten Lungen- und Bronchialkrebs mit 30 962 Sterbefällen und einem durchschnittlichen Sterbealter von 70,9 Jahren.

Auch bei den Frauen dominierten Krebserkrankungen der Verdauungsorgane mit 31 012 Gestorbenen. Das durchschnittliche Sterbealter lag mit 76,8 Jahren um mehr als vier Jahre über dem Durchschnitt der Männer. An zweiter Stelle folgten Brustkrebserkrankungen mit 17 853 Sterbefällen und einem durchschnittlichen Sterbealter von 72,6 Jahren.

Den stärksten Anstieg krebsbedingter Sterbefälle von Frauen gab es in den letzten 30 Jahren mit + 180 % bei Lungen- und Bronchialkrebs (von 5 491 auf 15 370 Sterbefälle). Diese Krebsform steht in engem Zusammenhang mit dem Rauchen. Die höchste Zuwachsrate bei Männern gab es in diesem Zeitraum mit + 152 % bei Leber- und Gallenkrebs (von 1 981 auf 5 000 Sterbefälle).

Medizin am Abend DirektKontakt

Thomas Graf Telefon: (0611) 75-8169

Muskelschwund bei Knaben

Medizin am Abend Fazit: Forschende entwickeln Wirkstoff gegen tödlichen Muskelschwund bei Knaben

Die Duchenne Muskeldystrophie ist eine Erbkrankheit, die zum Muskelverlust
und im Teenageralter zum Tod führt. Berner Forschende haben nun einen
neuen Wirkstoff entwickelt und ihn zusammen mit einem internationalen Team
erfolgreich getestet.

Die Duchenne Muskeldystrophie (DMD) ist eine relativ seltene Erbkrankheit,
die nur Knaben trifft und zum unumkehrbaren Muskelschwund führt. Betroffen
ist zirka einer von 3500 neugeborenen Knaben. Im Alter von ca. 10 Jahren
sind Duchenne-Patienten auf den Rollstuhl angewiesen und werden immer
stärker pflegebedürftig. Sie sterben in der zweiten Lebensdekade, in der
Regel an Herz- oder Lungenversagen. Bislang gibt es kein Heilmittel.
Forschende aus Bern, Frankreich, England und Schweden haben nun aber nun
einen erfolgversprechenden Wirkstoff getestet. Die entsprechende Studie
wurde im Fachmagazin «Nature medicine» publiziert.

Genetischer Defekt führt zu Muskelversagen

Die genetische Ursache der Krankheit konnte in den letzten Jahren geklärt
werden. Sie liegt in einem Defekt im Gen, welches für die Herstellung von
Dystrophin verantwortlich ist. Dystrophin ist ein für die Muskelfunktion
wichtiges Eiweiss. Fehlt es, so kann eine einzelne Muskelzelle nicht mehr
richtig mit anderen Muskelzellen zusammenarbeiten; der gesamte Muskel
versagt. Als Folge der genetischen Mutationen wird entweder kein
Dystrophin produziert oder lediglich eine funktionsuntüchtige Variante.

Ein seit kurzem praktizierter, erfolgversprechender Therapieansatz besteht
nun darin, mit kurzen Stücken einer chemisch veränderten DNA, sogenannten
Antisense Oligonukleotiden (AO), den Fehler bei der Herstellung von
Dystrophin zu korrigieren. Mit den bisher getesteten Wirkstoffen ist es
allerdings noch nicht gelungen, einen signifikanten Heilungseffekt bei den
Patienten zu erzielen. Das liegt daran, dass die entsprechenden Wirkstoffe
noch zu wenig aktiv sind und vitale Muskeln wie das Herz gar nicht
erreichen.

Erste Tests erfolgreich

Ein am Departement für Chemie und Biochemie der Universität Bern – mit
finanzieller Unterstützung durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF)
und der Association Monégasque contre les Myopathies (AMM) – entwickeltes
Oligonukleotid, die sogenannte Tricyclo-DNA, zeigt nun gegenüber bisher
bekannten Wirkstoffen wesentliche Vorteile. Bei Experimenten an Mäusen
sorgt dieser Stoff für eine verbesserte Dystrophin-Produktion in allen
Muskeln inklusive Herz und Lunge – und verbessert somit Mobilität und
Lebenserwartung bei den Mäusen.

Überraschend konnte auch eine Korrektur der Dystrophin-Produktion im Hirn
beobachtet werden. Damit wurde zum ersten Mal gezeigt, dass ein
Oligonukleotid die sogenannte Blut-Hirnschranke überwinden und dort aktiv
werden kann. Dies dürfte insbesondere für andere neuromuskuläre
Krankheiten, wie etwa spinale Muskelatrophie oder Huntington’s Disease,
von Bedeutung sein.

Als nächstes sind nun klinische Tests mit Tricyclo-DNA am Menschen
geplant. Die Federführung dazu liegt bei dem 2012 gegründeten Spin-off-
Unternehmen der Universität Bern Synthena AG. Das Unternehmen stellt die
Tricyclo-DNA her und treibt die Entwicklung eines Medikaments für
Duchenne-Patienten voran. Im Aktionariat sind neben der Universität Bern
und den Erfindern der Technologie auch zwei gemeinnützige
Patientenorganisationen vertreten, nämlich das Duchenne Parents Project
France (DPPF) und die AMM.

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Universität Bern, lic. phil. Nathalie Matter
Telefon: 0041-31-631 45 80
Fax: 0041-31-631 45 62

Erkältungszeit - wie Apotheken an Halsschmerzen verdienen

"Markt"-Recherchen: Erkältungszeit - wie Apotheken an Halsschmerzen verdienen

Viele Menschen leiden derzeit unter einer heftigen Erkältung - besonders unter Halsschmerzen. Doch wer damit in die Apotheke geht, wird häufig schlecht beraten. Das haben Recherchen des NDR Verbraucher- und Wirtschaftsmagazins "Markt" ergeben (Sendung: Montag, 2. Februar, 20.15 Uhr, NDR Fernsehen).

Neun von zehn Apotheken haben immer nur Medikamente eines Herstellers empfohlen - ohne den Kunden nach möglichen Unverträglichkeiten zu befragen. Pharmakologen kritisieren das Ergebnis, sprechen von einer "Werbemaschinerie" in Apotheken.

In zehn Apotheken stellten sich "Markt"-Reporter mit Halsschmerzen vor. Und erhielten überall Lutschtabletten, zu verschiedenen Preisen. Dabei verkaufte eine Apotheke Medikamente gegen Halsschmerzen für knapp 32 Euro. Besonders auffällig: In neun dieser zehn Apotheken wurden Produkte von Dobendan empfohlen. Professor Gerd Glaeske, Pharmakologe und Leiter der Abteilung für Gesundheitsökonomie, Gesundheitspolitik und Versorgungsforschung an der Universität Bremen, sieht das kritisch: "Das zeigt, dass das Marketing von Herstellern wirkt, jenseits der Fragestellung, ob es sich um sinnvolle Arzneimittel handelt.

Auch Apotheker werden von Werbung beeinflusst. Ich finde, dass man sich davon frei machen muss. Was will der Hersteller? Der will natürlich viele Produkte absetzen. Was will der Großhandel? Der will natürlich auch viel verkaufen. Aber wenn ich in die Apotheke gehe, dann möchte ich eine vernünftige Beratung haben und nicht quasi der passive Verkäufer einer Werbemaschinerie sein, die der Hersteller angeworfen hat."

Die Apothekervereinigung ABDA äußerte sich dazu schriftlich gegenüber "Markt": "Welchen Einfluss das Marketing auf Patientennachfragen und damit in der Folge auf die Vorratshaltung von Apotheken hat, können wir nicht beurteilen."

Allein in sechs Apotheken wurde das Medikament "Dolo-Dobendan" verkauft. Es enthält auch den Wirkstoff Benzocain. Für den Pharmakologen Professor Gerd Glaeske problematisch: "Das soll den Halsschmerz betäuben, aber es ist ein Mittel, was möglicherweise Allergien auslösen kann. Deshalb ist es sehr wichtig, dass in der Apotheke darauf hingewiesen und entsprechend informiert wird. Insofern würde ich immer fragen, wenn ich so ein Mittel verkaufen würde, ob jemand rasch allergisch reagiert. Und das scheint mir an keiner Stelle passiert zu sein."

Der Hersteller von "Dolo-Dobendan", das Unternehmen "Reckitt Benckiser", erklärt "Markt": "Wie bei allen Arzneimitteln können Unverträglichkeiten gegen Wirkstoffe oder sonstige Bestandteile auftreten. Es liegen derzeit jedoch keine Anhaltspunkte vor, dass bei der Anwendung von Dolo-Dobendan ein erhöhtes Allergiepotential auftritt."

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Mehr zu "Markt" unter www.NDR.de/markt

Norddeutscher Rundfunk Ralf Pleßmann Tel: 040-4156-2333

Radfahrer - Alkoholkonsum - Broccoli

Westfalen-Blatt: zur Promillegrenze für Radfahrer

Medizin am Abend Fazit: Bitte hier weiterlesen

http://www.praxisvita.de/diagnose-bauchspeicheldruesenkrebs-broccoli-schwaecht-krebszellen

Es muss immer was zu regeln geben. Jetzt haben sich Juristen und Verkehrsexperten die Radfahrer vorgenommen. Da sie offenbar zu häufig nach ausgiebigem Alkoholkonsum aufs Rad steigen, soll die Promillegrenze gesenkt werden. Woher der Handlungsdruck rührt, ist zunächst jedoch nicht ersichtlich. Denn der Anteil der alkoholisierten Radler, die an Unfällen mit Personenschäden beteiligt sind, ist seit einigen Jahren mit 4,4 Prozent konstant niedrig. Selbstverständlich ist jeder alkoholbedingte Unfall einer zu viel und es soll hier auch nicht der Trunkenheit am Fahrradlenker das Wort geredet werden. Bei den Sanktionen geht es aber auch um Verhältnismäßigkeit - schon jetzt. Wer mehr als 1,6 Promille im Blut hat, kann seinen Führerschein verlieren. Wer gar keinen Führerschein hat, ist dagegen fein raus. Gegen ihn kann diese schwere Strafe nicht verhängt werden. Das ist nicht gerecht. Und dann ist da das Fahrrad als umweltfreundliches Verkehrsmittel, das mit jeder Reglementierung an Attraktivität verliert. Wer eine niedrigere Promille-Grenze für Radler einführen will, sollte dies besser begründen können.

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http://www.westfalen-blatt.de/

Westfalen-Blatt Chef vom Dienst Nachrichten Andreas Kolesch Telefon: 
0521 - 585261

Spieltheorie erklärt Zusammenleben von Krebszellen

Forschern der Universität Basel und der britischen University of East
Anglia ist es gelungen, anhand von spieltheoretischen Ansätzen das
Zusammenleben von Krebszellen nachzustellen. Ihre Forschungsresultate
wurden in der Zeitschrift «PNAS» veröffentlicht.

Ein Tumor besteht aus einer Population von unterschiedlichen Krebszellen,
die untereinander um Platz und Nährstoffe konkurrieren. Gleichzeitig
kooperieren sie aber auch in ihrem Bestreben nach Überleben, indem sie
beispielsweise überlebenswichtige Wachstumsfaktoren untereinander teilen.
Zellklone, die selber keinen Wachstumsfaktor produzieren, haben einen
Wettbewerbsvorteil, weil sie den Faktor von produzierenden Zellen
verwenden können, ohne selber für die «Produktionskosten» aufzukommen. Wie
genau diese Kooperation zwischen Tumorzellen funktioniert, ist bisher noch
unklar und erschwert medizinische Behandlungen, die versuchen, das
Tumorwachstum zu bremsen.



Public-Goods-Game: Farblose Krebszellen, die keinen Wachstumsfaktor produzieren, ihn aber benötigen, vermehren sich in einer Population von grünen Krebszellen, die IGF-II produzieren und konsumieren.
Public-Goods-Game: Farblose Krebszellen, die keinen Wachstumsfaktor produzieren, ihn aber benötigen, vermehren sich in einer Population von grünen Krebszellen, die IGF-II produzieren und konsumieren.
Universität Basel, Daniela Ferarro

Trittbrettfahrende Krebszellen

Das «Public Goods Game» ist Teil der Spieltheorie und wird in den
Wirtschaftswissenschaften als Modell genutzt, um die Bereitstellung von
gemeinschaftlichen Gütern zu analysieren. Bei der Nutzung dieser Gütern
entsteht ein Ungleichgewicht zwischen denen, die Güter zur Verfügung
stellen und die Kosten dafür tragen, und denen, die nicht bezahlen, aber
die Güter konsumieren – eine Situation, die in der Ökonomie unter dem
Namen Trittbrettfahrerproblem bekannt ist.

Die Basler Forscher haben nun dieses Modell auf das Zusammenspiel zwischen
produzierenden und konsumierenden Mitgliedern einer Krebszellenpopulation
angewandt, um zu untersuchen, ob es auch in biologischen Prozessen wie der
Krebsentstehung eine Rolle spielen könnte. Anhand von entsprechenden
Computersimulationen konnten die Forscher das langfristige Gleichgewicht
zwischen produzierenden und «Trittbrettfahrer»-Zellen berechnen und die
Vorhersage dann im Experiment an Krebszellen der Bauchspeicheldrüse
testen, wo sie sich bestätigte.

«Neben der Erkenntnis, dass biologische Prozesse in Computersimulationen
vorhergesagt werden können, zeigen unsere Resultate auch, dass die
Erforschung der «sozialen» Beziehungen zwischen Krebszellen neue
Erkenntnisse über die Entstehung von Tumoren sowie stabilere Behandlungen
bringen könnte», so Gerhard Christofori, Professor am Departement
Biomedizin der Universität Basel.

Originalbeitrag
Marco Archetti, Daniela A. Ferraro, and Gerhard Christofori
Heterogeneity for IGF-II production maintained by public goods dynamics in
neuroendocrine pancreatic cancer
PNAS 2015; published ahead of print January 26, 2015,
doi:10.1073/pnas.1414653112

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Gerhard Christofori, Departement Biomedizin, Universität Basel,
Tel. +41 61 267 35 62, E-Mail: gerhard.christofori@unibas.ch
Universität Basel, Reto Caluori

HPV-Impfung zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs

Medizin am Abend Fazit: HPV-Impfung zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs: kein erhöhtes Risiko für Multiple Sklerose

Nach jahrelangen Bedenken von jungen Frauen, Mädchen und ihren Eltern
geben gleich zwei große Studien Grund für eine Entwarnung.

Reihenimpfungen zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs erhöhen nicht das
Risiko für Multiple Sklerose (MS) oder ähnliche Nervenkrankheiten. Gleich
zwei seriöse Studien haben dies nun kurz nacheinander bestätigt. „Wir
Neurologen können Mädchen und jungen Frauen eine Impfung gegen das
menschliche Papilloma-Virus HPV guten Gewissens empfehlen, denn der Schutz
vor Gebärmutterhalskrebs wird nicht durch Erkrankungsrisiken des
Nervensystems erkauft“, erklärt Professor Heinz Wiendl von der Deutschen
Gesellschaft für Neurologie (DGN). Bis zu 45 Prozent der Mädchen zwischen
12 und 17 Jahren nehmen die von den Krankenkassen bezahlte Impfung in
Anspruch.

MS ist eine chronische Autoimmunkrankheit, bei der die Hüllen der
Nervenzellen angegriffen werden. Der Verlauf ist bei den Patienten sehr
verschieden, ist aber immer mit großen Einschränkungen verbunden und führt
in vielen Fällen über mehrere Jahre hinweg zu einer Verschlechterung des
Gesundheitszustands bis hin zum Tod. Mit mehr als 180.000 Patienten in
Deutschland und mehr als 2 Millionen weltweit zählt die MS zu den
häufigsten schwerwiegenden neurologischen Erkrankungen.

Gebärmutterhalskrebs macht rund 2 Prozent aller Krebsneuerkrankungen bei Frauen aus.

Schon bald, nachdem im Jahr 2006 der Impfstoff gegen HPV zugelassen worden
war, gab es mehrere Fallberichte über MS-Erkrankungen in kurzem zeitlichem
Abstand. „Ob es sich dabei schlicht um Zufälle handelte, war damals
unklar. Zahlreiche Medienberichte führten aber zur Verunsicherung: Neu
erkrankte MS-Patienten vermuteten einen Zusammenhang mit ihrer Impfung,
und viele junge Frauen oder deren Eltern fragen seitdem nach der
Sicherheit der Impfung“, beschreibt Heinz Wiendl die Erfahrungen auch aus
seiner Klinik. „Das ist ein Dauerbrenner“, so der Direktor der Klinik für
Allgemeine Neurologie der Universität Münster.

Studie mit fast 4 Millionen Frauen

Um die umstrittene Auslösertheorie zu untersuchen, werteten Epidemiologen
um Nikolai Madrid Scheller vom Statens Serum Institut in Kopenhagen die
Krankheitsdaten von fast 4 Millionen Däninnen und Schwedinnen im Alter
zwischen 10 und 44 Jahren für die Jahre 2006 bis 2013 aus. 800.000 dieser
Frauen hatten in diesem Zeitraum einen weit verbreiteten HPV-Impfstoff
(Gardasil®) bekommen, sodass die Forscher die Häufigkeit von MS vor und
nach der Impfung vergleichen konnten. Unter insgesamt 7622 Neuerkrankungen
waren lediglich 163 in den ersten zwei Jahren nach einer HPV-Impfung
aufgetreten. Vor der Impfung gab es durchschnittlich 22 MS-Erkrankungen
pro 100.000 Personenjahre – nach der Impfung lag dieser Wert wesentlich
niedriger, nämlich bei 6 MS-Erkrankungen pro 100.000 Personenjahre. Die
Wissenschaftler haben auch andere, der MS ähnliche Leiden untersucht, die
ebenfalls die Hüllen von Nervenzellen angreifen. Hier ergab sich das
gleiche Bild, denn diese „demyelinisierenden“ Krankheiten wurden vor der
Impfung jeweils 16-mal pro 100.000 Personenjahre beobachtet, gegenüber
8-mal nach der Impfung.

Impfung hat keine Schutzwirkung vor MS

Diese Zahlen bedeuten allerdings nicht, dass der Impfstoff vor MS schützen
würde. Das Ungleichgewicht kommt vielmehr dadurch zustande, dass MS und
ähnliche Krankheiten sich bei Frauen meist erst im zweiten Lebensjahrzehnt
entwickeln, während das Impfalter in der Regel zwischen 10 und 15 Jahren
liegt. In einer Korrekturrechnung haben die Forscher ihre Zahlen deshalb
entsprechend der natürlichen Altersverteilung von MS angepasst. Die
Wahrscheinlichkeit, nach einer HPV-Impfung an MS zu erkranken, erwies sich
dann als genau so groß wie ohne Impfung. Die Daten sprächen wie andere
zuvor für ein „günstiges Sicherheitsprofil“ im Hinblick auf das MS-Risiko
des Impfstoffes, schreiben Scheller und Kollegen in der Fachzeitschrift
JAMA. Durch die Größe der Studie sei das Ergebnis wahrscheinlich auch auf
die Situation in ähnlichen Ländern übertragbar.

Andere Methode – gleiches Ergebnis

Zum im Wesentlichen gleichen Ergebnis kommt auch eine Studie, die in
Südkalifornien mit einer anderen Methode nach einem möglichen Zusammenhang von MS mit verschiedenen Impfungen gesucht hat. „Annette Langer-Gould, die Leiterin dieser Studie, ist eine sehr gute Epidemiologin und diese Untersuchung ist sehr wichtig“, urteilt Professor Ralf Gold, einer der
renommiertesten MS-Forscher in Deutschland, Direktor der Neurologischen
Klinik der Universität Bochum und Erster Vorsitzender der Deutschen
Gesellschaft für Neurologie.

Mit ihren Kollegen hat Langer-Gould sämtliche Krankenakten des
Versicherungsunternehmens Kaiser Permanente Southern California für die
Jahre 2008 bis 2011 nach neurologischen Auffälligkeiten durch einen MS-
Spezialisten untersuchen lassen und mit den Daten von Impfungen vor allem
gegen HPV und Hepatitis B verglichen. Den 780 Fällen mit MS oder anderen
demyelinisierenden Krankheiten stellten die Forscher dann eine fünffache
Zahl von Kontrollen gegenüber – Versicherte also, die den Erkrankten
bezüglich Alter, Geschlecht und Wohnort möglichst ähnlich waren.

„Auch dieser Vergleich fand keinen Zusammenhang zwischen einer Impfung
gegen HPV oder Impfungen allgemein mit dem Risiko, binnen drei Jahren
danach eine demyelinisierende Krankheit zu erleiden“, stellt Professor
Bernhard Hemmer, Direktor der Neurologischen Klinik der Technischen
Universität München, fest. Eine genauere Betrachtung zeigte allerdings,
dass das Risiko, in den ersten 30 Tagen nach der Impfung mit MS oder einer
ähnlichen Krankheit diagnostiziert zu werden, für Geimpfte unter 50 Jahren
mehr als doppelt so hoch war wie für Nichtgeimpfte.

„Diese Daten sprechen gegen einen ursächlichen Zusammenhang“, erklärt
Hemmer. Wahrscheinlich sei es vielmehr, dass bei Menschen mit einer
bereits vorhandenen, unterschwelligen Erkrankung, eine Impfung den
Übergang zu sichtbaren Symptomen beschleunigen könne. „Solch ein Übergang
kann auch durch jede natürliche Infektion – etwa mit Schnupfenviren –
eingeleitet werden.“ Eine Impfung aber verleihe im Gegensatz zu den
meisten natürlichen Erkrankungen lange anhaltenden Schutz. „In der
Gesamtbilanz senken die Impfungen gegen HPV das Risiko einer
Krebserkrankung, und diese Studien sprechen klar gegen ein erhöhtes Risiko
für die Entstehung einer MS und ähnlicher Leiden“, betont Hemmer.

Quellen

Scheller, N. M. et al. (2015). Quadrivalent HPV Vaccination and Risk of
Multiple Sclerosis and Other Demyelinating Diseases of the Central Nervous
System. JAMA, 313(1), 54. doi:10.1001/jama.2014.16946
http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=2088853

Langer-Gould, A. et al. (2014). Vaccines and the Risk of Multiple
Sclerosis and Other Central Nervous System Demyelinating Diseases. JAMA
Neurology, 71(12), 1506. doi:10.1001/jamaneurol.2014.2633
http://archneur.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1917549

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